Die I. Internationale

Die Notwendigkeit des gemeinsamen Kampfes der Arbeiter aller Länder

Die Entwicklung des Kapitalismus und die Weltwirtschaftskrise von 1857 bis 1859 lösten einen neuen Aufschwung der Arbeiterbewegung aus. In allen kapitalistischen Ländern verschärfte sich der Klassengegensatz zwischen Bourgeoisie und Proletariat. Die fortgeschrittenen Arbeiter suchten nach den richtigen Wegen und Mitteln ihres Kampfes. Die englischen Arbeiter zum Beispiel verfügten über Erfahrungen im ökonomischen Kampf und in der Organisation. Die französischen Arbeiter hatten in den Revolutionen von 1830 und 1848 wichtige politische Erfahrungen gesammelt. Diese verschiedenen Erfahrungen mussten nun für den Kampf aller Arbeiter fruchtbar gemacht werden.

Die Arbeiterklasse aller Länder befand sich in der gleichen Klassenlage: Sie war die sozial ausgebeutete und politisch unterdrückte Klasse. Sie hatte in allen Ländern den gleichen Feind: die Bourgeoisie und die kapitalistische Ausbeuterordnung. Die Arbeiter aller Länder verbanden deshalb die gleichen gemeinsamen Interessen: Der Kampf gegen Ausbeutung und Unterdrückung, für die Befreiung der Arbeiterklasse.

Der Kapitalismus hatte sich inzwischen im Weltmaßstab durchgesetzt. Die Arbeiterklasse konnte ihn nur erfolgreich bekämpfen, wenn sich die Arbeiter aller Länder gegen ihn zusammenschlossen. Der Kampf der Arbeiterklasse wurde durch politische Krisen in den wirtschaftlich fortgeschrittensten Ländern verstärkt. So spitzten sich in Deutschland die gesellschaftlichen Widersprüche zu. Die Schaffung eines einheitlichen Nationalstaates wurde unumgänglich. 1863 erhob sich das polnische Volk gegen die zaristische Unterdrückung. Solidarisch unterstützten die Arbeiter vieler Länder den heldenhaften Kampf des polnischen Volkes. Sie verstanden, dass internationale Entscheidungen auf den Kampf der internationalen Arbeiterbewegung zurückwirken mussten.

Das elementare Streben der Arbeiter nach Einheit, internationaler Zusammenarbeit und Solidarität führte zur Gründung der I. Internationale.

Die Gründung der I. Internationale

Am 28. September 1864 versammelten sich in London etwa 2000 Arbeiter aus England, Frankreich, Deutschland, Italien, Polen und anderen Ländern. Einmütig beschlossen sie die Gründung der Internationalen Arbeiterassoziation (I. Internationale). Die Gründungsversammlung wählte ein Komitee, das ein Programm und ein Statut für die neugegründete Organisation ausarbeiten sollte. Dieses Komitee übernahm als Generalrat die Leitung der I. Internationale. Zu seinen Mitgliedern gehörten Karl Marx und später auch Friedrich Engels.

Friedrich Engels‘ Mitgliedskarte der I. Internationale für das Jahr 1865
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Durch seine selbstlose Hingabe für die Sache der Arbeiterklasse, sein riesiges Wissen und seine tiefe Einsicht in die Entwicklungsgesetze der menschlichen Gesellschaft wurde Karl Marx zum Organisator und Führer der I. Internationale.

Gründungsversammlung der I. Internationale in der Londoner St. Martin’s Hall am 28. September 1864. (Kohlezeichnung von Erst Schaumann, 1963)
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Karl Marx arbeitete das Programm und das Statut aus. Dabei berücksichtigte er den unterschiedlichen Entwicklungsstand der Arbeiterbewegung in den einzelnen Ländern und die verschiedenartigen Einflüsse, denen die Arbeiterorganisationen ausgesetzt waren. Karl Marx betrachtete es unter diesen Bedingungen als Aufgabe der I. Internationale, die verschiedenen nationalen Abteilungen der internationalen Arbeiterbewegung fest zusammenzuschließen. Er wies der Arbeiterklasse den Weg zur allseitigen Entfaltung des Klassenkampfes, besonders zum politischen Kampf und zur Schaffung wirklich selbstständiger, das heißt von der Bourgeoisie unabhängiger revolutionärer Klassenorganisationen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Die I. Internationale
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Einheit der internationalen Arbeiterklasse ist die entscheidende Voraussetzung für ihr erfolgreiches Ringen, sie verwirklicht sich im Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung und Unterdrückung.

Diese internationale Solidarität und den gemeinsamen Kampf der Arbeiter aller Länder gegen soziale Ausbeutung und politische Unterdrückung nennen wir proletarischen Internationalismus.

Die I. Internationale trieb die Lösung der Arbeiterbewegung sowohl vom politischen als auch vom ideologischen Einfluss der Bourgeoisie wesentlich voran.

Sie gab die organisatorische, politische und theoretische Grundlage für die Entfaltung der selbständigen Arbeiterbewegung in den kapitalistischen Ländern und förderte damit die Entstehung revolutionärer Arbeiterparteien.

Die Kampferfahrungen der Arbeiter und die Tätigkeit der I. Internationale drängten falsche, antimarxistisch Auffassungen über die Aufgabe, den Weg und das Ziel der Arbeiterbewegung zurück. Die I. Internationale begann, den wissenschaftlichen Sozialismus mit der Massenbewegung der Arbeiterklasse im internationalen Maßstab zu vereinigen.

Das Erscheinen des ersten Bandes des „Kapitals“

Karl Marx und Friedrich Engels lebten seit der Niederlage der Revolution von 1848/49 bis zu ihrem Tode in der Emigration.

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Aus Paris ausgewiesen, war Karl Marx 1849 nach London übergesiedelt. Auch Friedrich Engels war nach England gegangen. Er trat in eine Textilfabrik in Manchester ein, in der sein Vater Teilhaber war. So war er in der Lage, Karl Marx und dessen Familie finanziell zu unterstützen. Dennoch konnte er bittere Not nicht abwenden.

Karl Marx und seine Familie nahmen größte Opfer und Entbehrungen auf sich, um der Sache der Arbeiterklasse zu dienen. Unermüdlich studierte Karl Marx in der Bibliothek des Britischen Museums und dann zu Hause bis in die tiefe Nacht hinein. Über 1 500 Bücher las er in der jeweiligen Originalsprache und verarbeitete sie. So eignete er sich kritisch die Ergebnisse der Wissenschaft, besonders auf den Gebieten der Geschichte, der Wirtschaft, der Natur- und Rechtswissenschaften, an. Aufmerksam analysierte er alle wichtigen politischen Ereignisse in der Welt.

Als Ergebnis der vieljährigen unermüdlichen Arbeit von Karl Marx konnte 1867 der I. Band seines Hauptwerkes „Das Kapital“ erscheinen. Karl Marx arbeitete darin das Wesen und die Gesetzmäßigkeiten des Kapitalismus heraus. Er bewies durch umfangreiches Tatsachenmaterial den unvermeidlichen Untergang der kapitalistischen Ausbeuterordnung und die geschichtliche Aufgabe der Arbeiterklasse als Totengräber des Kapitalismus und Schöpfer der kommunistischen Gesellschaft. Nun hat der Kapitalismus, von einzelnen Ausnahmen abgesehen, weltweit gesiegt. Die Arbeiterbewegung ist weitgehend zerschlagen worden. Klassenbewusstsein innerhalb der heutigen Arbeiterklasse sucht man in der Regel vergeblich.

„Das Kapital“ umfasst drei Bände. Marx konnte die Bände II. und III. allerdings nicht mehr selbst druckfertig machen. Das übernahm Friedrich Engels. Er gab nach dem Tode von Marx 1885 den II. und 1894 den III. Band des „Kapitals“ heraus.


Jenny Marx
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der Kampf der Arbeiterklasse gegen Ausbeutung und Unterdrückung

Streikkämpfe der Arbeiterklasse und die Herausbildung der Gewerkschaften

Der unversöhnliche Klassengegensatz zwischen Arbeiterklasse und Bourgeoisie war auf ökonomischem Gebiet für die Arbeiter besonders sichtbar. Die Arbeiter erkannten deshalb bald, dass sie selbst die geringsten Forderungen – höheren Lohn, kürzere Arbeitszeit, bessere Arbeitsbedingungen – nur im ständigen Kampf gegen die Bourgeoisie durchsetzen konnten. Ein wirksames Mittel im Klassenkampf war die Verweigerung der Arbeit, der Streik. (Das Wort „Streik“ kommt vom englischen to Strike=schlagen und wurde zuerst 1856 im Sinne von „die Kapitalisten schlagen“ verwendet.)

Um erfolgreich kämpfen zu können, müssen sich die Arbeiter zusammenschließen. So entstanden zunächst örtliche Vereinigungen von Arbeitern eines Berufes, die Fachvereine. Sie bildeten die Grundlage für die Herausbildung zentraler Gewerkschaften.

In England, dem damals entwickelsten kapitalistischen Land, waren die Arbeiter am besten organisiert. Die Arbeiter verlangten die Abschaffung der vielen Überstunden. Daraufhin sperrten die Kapitalisten 1852 15 000 Arbeiter der Maschinenfabriken, darunter 3500 Gewerkschaftsmitglieder, in London und Lancashire aus. (Bei einer Aussperrung lassen die Kapitalisten die Arbeiter nicht an ihre Arbeitsplätze und zahlen ihnen keinen Lohn. Dadurch versuchen sie die Arbeiter zu zwingen, bestimmte Bedingungen anzunehmen.) Die Kapitalisten versuchten damit, die Arbeiter zum Austritt aus der Gewerkschaft zu zwingen. Nach dreimonatigem Ringen mussten die Arbeiter den Kampf abbrechen. Die Kapitalisten erreichten ihr Ziel jedoch nicht: Die Arbeiter blieben ihrer Organisation treu. Die Gewerkschaft der Maschinenbauer, die sich im Kampf bewährt hatte, wurde zum Vorbild für andere Gewerkschaften.

1858/59 forderten die Bauarbeiter Londons den neunstündigen Arbeitstag. Durch eine Massenaussperrung, von der 24 000 Arbeiter betroffen wurden, wollten die Kapitalisten die Bauarbeiter-Gewerkschaften sprengen. Arbeiter ganz Englands unterstützten das Ringen der Bauarbeiter Londons, das von August 1858 bis Februar 1860 währte. Die organisiert kämpfenden Arbeiter erwiesen sich als unbezwingbar.

Auch in Deutschland fanden in dieser Zeit Streiks statt. In der Zeit von 1852 bis 1859 kam es zu über 100, allerdings kleineren Streiks. Mehr als die Hälfte davon wurde polizeilich niedergeworfen.

Mit der Verschärfung des Gegensatzes zwischen der Arbeiterklasse und den Kapitalisten nahmen die Streiks zu, und die Gewerkschaften breiteten sich aus. Bisher noch nicht organisierte Arbeiter traten den Gewerkschaften bei. Fachvereine schlossen sich zentralen Verbänden an. Neue Gewerkschaften bildeten sich. Die Arbeiterklasse konnte den Klassenkampf gegen die Bourgeoise umfassender und erfolgreicher führen.

 

 

Streik um 1860 in einem Werk in L Creuzot (Frankreich). (Zeitgenössische Darstellung)
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Vereinigte Gesellschaft der Maschinenbauer, 1851 gegründet, war die größte Gewerkschaft Englands. Die zählte 1851 5000 Mitglieder, 1866/67 waren es bereits 33 000. Um 1870 waren 375 000 englische Arbeiter gewerkschaftlich organisiert.

In Deutschland wurden die Arbeiterorganisationen rücksichtslos unterdrückt. Dennoch bestanden von 1852 bis 1859 über 800 lokale Arbeitervereinigungen, darunter Fachvereine und gewerkschaftliche Hilfskassen. Ein Teil knüpfte untereinander Verbindungen an. Es entstanden die ersten zentralen Gewerkschaftsverbände der Tabakarbeiter (1865) und der Buchdrucker (1866).

Die einzelnen Gewerkschaften erfassten die Arbeiter eines Berufs. Größere Kämpfe aber erforderten das Zusammenwirken der Gewerkschaften über die Berufsgrenzen hinaus. Veranlasst durch den Bauarbeiterstreik 1859/1860 entstand 1860 der Londoner Gewerkschaftsrat. Ihm gehörten viele Leiter von gewerkschaftlichen Zentralverbänden an. Er wurde bald zum führenden Organ der gesamten englischen Gewerkschaftsbewegung.

Bedeutung und Grenzen des ökonomischen Klassenkampfes des Proletariats

Der Kampf um bessere Arbeits- und Lebensbedingungen bildete einen wichtigen Bestandteil des proletarischen Klassenkampfes. Durch ihn konnten auch noch nicht klassenbewusste Arbeiter in den Kampf einbezogen werden. So förderte er den Organisationsprozess der Arbeiterklasse. Dadurch wurden die Arbeiter aktionsfähiger; sie wurden zum gesellschaftlichen Machtfaktor. Die Gewerkschaften waren reine Arbeiterorganisationen. Durch ihren Kampf setzte die Arbeiterklasse -allerdings nur geringe- Lohnerhöhungen durch und erzwang die Verkürzung der Arbeitszeit.

Dieser ökonomische Kampf diente zunächst der Verbesserung der Lage der Arbeiter innerhalb der kapitalistischen Gesellschaft. Er war überhaupt nicht auf die Beseitigung der Ausbeutung ausgerichtet. Deshalb konnte er die gesellschaftliche Lage der Arbeiterklasse im Kapitalismus als ausgebeutete und politisch unterdrückte Klasse nicht grundsätzlich ändern. Die Arbeiterklasse muss darum ihr ökonomisches Ringen mit dem politischen Kampf verbinden.

 

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Bourgeoisie setzte ihre wirtschaftliche und politische Macht gegen die Organisationsbestrebungen der Arbeiter ein. Jeder Fortschritt in der Organisierung der Arbeiter musste deshalb gegen die Bourgeoisie und ihren Staat erkämpft werden.

In Frankreich verbot das Gesetz „Le Chapelier“ von 1791 alle Arbeiterorganisationen und Streiks. Aber auch der französische Kaiser Napoleon III. und seine Polizei- und Militärmacht erwiesen sich außerstande, die Bildung von Arbeitervereinen und die Durchführung von Streiks zu verhindern. Durch ihren Kampf erzwang die Arbeiterklasse 1864 die teilweise Aufhebung dieses Gesetzes.

In allen kapitalistischen Staaten musste sich die Arbeiterklasse demokratische Rechte, wie das Versammlungs- und Vereinigungsrecht, selbst erkämpfen. Das Ringen um diese demokratischen Rechte ist Bestandteil des politischen Kampfes. Er muss sich letztendlich gegen das Herrschaftssystem der Bourgeoisie richten und zur Eroberung der politischen Macht der Arbeiterklasse führen. Der politische Kampf ist die höchste und wirkungsvollste Form des proletarischen Klassenkampfes.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982. Bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Klassenstruktur und politisches System des Kapitalismus

Veränderungen in der Klassenstruktur

Tiefe Klassengegensätze zerreißen die kapitalistische Gesellschaft. Sie verschärfen sich ständig mit der weiteren Entwicklung des Kapitalismus. Insbesondere spitzt sich der Hauptklassengegensatz der kapitalistischen Gesellschaft zu, der unversöhnliche Gegensatz zwischen Arbeiterklasse und Bourgeoisie.

Die industrielle Revolution vergrößerte mit der maschinellen Fabrikproduktion die ökonomische Macht der Bourgeoisie. Diese ökonomisch stärkste Klasse der kapitalistischen Gesellschaft verfügte über Geld, Fabriken, Maschinen, Rohstoffe und die in der kapitalistischen Produktion hergestellten Waren. Sie unterwarf sich ökonomisch die gesamte Gesellschaft und zwang die Arbeiter, Bauern, Handwerker, Händler und Intellektuellen in das kapitalistische Abhängigkeitsverhältnis, unter die kapitalistische Ausbeutung.

Die Bourgeoisie selbst war jedoch keineswegs eine einheitliche Klasse. Über die kleinen und mittleren Kapitalisten erhob sich eine kleine Minderheit von Großkapitalisten, die immer mehr Kapital in ihren Händen zusammenfasste und nach und nach die Schlüsselstellungen in der Wirtschaft beherrschte. Zu dieser Großbourgeoisie gehörten die mächtigsten Kapitalisten der verschiedenen Industriezweige, der Großbanken und die reichsten Großhändler.

Dabei gewann die Industriebourgeoisie die Vorrangstellung gegenüber der Handelsbourgeoisie. Innerhalb der Industriebourgeoisie übernahmen die Hütten- und Bergwerkbesitzer die führende Rolle. Diejenigen Kapitalisten, die nur mittlere oder kleine Betriebe besaßen, gerieten immer stärker in die Abhängigkeit der Großbourgeoisie.

In einigen Ländern, wie England, Frankreich und den USA, besaß die Großbourgeoisie bereits auch die politische Macht. In Deutschland dagegen übte nach wie vor der Adel die politische Herrschaft aus.

Durch die Fabrikproduktion verlor das Handwerk seine gesellschaftliche Bedeutung als Hersteller neuer Waren. Es wurde bald mehr und mehr auf Reparatur- und Dienstleistungen abgedrängt. Viele Handwerksbetriebe wurden ruiniert. Der Anteil der vom Handwerk lebenden Menschen an der Gesamtbevölkerung nahm ab.

Mit der Entwicklung des Kapitalismus wuchs die Arbeiterklasse rasch an. Ehemalige Handwerksgesellen, ruinierte Handwerksmeister, Tagelöhner, Landarbeiter, landlose Bauern und Bauernsöhne wurden Lohnarbeiter in Fabriken. Große Teile der Arbeiterklasse waren in Großstädten und in Industriezentren zusammengeballt. So stieg beispielsweise die Einwohnerzahl Berlins im Zeitraum von 1846 bis 1871 von 0,4 auf 0,8 Millionen.

Neben der zahlenmäßigen Stärke wuchs die gesellschaftliche Rolle der Arbeiterklasse. Die Verbindung der Arbeiter zu gemeinsamen Aktionen war jetzt leichter zu erreichen. Innerhalb der Arbeiterklasse wurde das Industrieproletariat – die Arbeiter der Fabriken, insbesondere der Großindustrie – zum entscheidenden Faktor. Diese Arbeiter waren mit der fortschrittlichsten Produktion verbunden. Sie bildeten den Kern der Arbeiterklasse. Wie die Großindustrie das Herz des Kapitalismus war, so nahmen die Arbeiter der Großindustrie sowohl in der kapitalistischen Produktion als auch im Kampf der Arbeiterklasse gegen die kapitalistische Ausbeutung eine Schlüsselstellung ein.

 

 

Der Übergang zur intensiven Ausbeutung

Allein die 1870 vorhandenen Dampfmaschinen hatten insgesamt eine Leistung von 12 bis 15 Millionen PS. Ihre Leistung war damit zehnmal größer als die körperliche Leistung aller industriell beschäftigten Arbeiter in der Welt.

Um 1850 stellte ein Arbeiter, der Stoff bedruckte, mit Hilfe von Maschinen soviel her wie früher 200 Arbeiter.

Die Lage der Arbeiter veränderte sich mit der Durchsetzung der maschinellen Fabrikproduktion nicht grundsätzlich. Unter kapitalistischen Bedingungen führt die Anwendung neuer Maschinen und Produktionsverfahren zur verstärkten Ausbeutung der Arbeiterklasse.

Die Kapitalisten erhöhten mit Hilfe der Maschinen das Arbeitstempo und zwangen die Arbeiter, in der gleichen Arbeitszeit mehr Kraft und Aufmerksamkeit aufzuwenden. Die Kapitalisten gingen damit von der extensiven Ausbeutung (Verlängerung der täglichen Arbeitszeit) zu intensiven Ausbeutung über. Die Arbeitsleistung lag höher in den Jahren 1860 bis 1969 um 38 Prozent höher als in der Zeit von 1840 bis 1849. Unfälle und Berufskrankheiten nahmen zu, die Arbeiter alterten frühzeitig.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Gustave Gourbet: „Die Steinklopfer“; 1851, Ölgemälde; 1945 verbrannt
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Besonders menschenunwürdig waren die Wohnverhältnisse der Arbeiter. In Berlin mussten beispielsweise 1867 im Durchschnitt Arbeiterfamilien mit 6 bis 7 Personen in einem Raum leben. Die Sterblichkeit, vor allem die Säuglingssterblichkeit, war sehr hoch. Heute ist es so, dass sich arbeitende Menschen in der Regel in den Städten, insbesondere in den Großstädten, keine Wohnung leisten können. Sie müssen in den Vororten wohnen und lange Pendelzeiten auf sich nehmen.

Proletarierwohnung in England 1863. (Zeitgenössische Darstellung)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Das politische Herrschaftssystem der Bourgeoisie

Die unversöhnlichen Klassengegensätze, die die kapitalistische Gesellschaftsordnung hervorgebracht hatte, gefährdeten ständig die von der Bourgeoisie errichtete Ausbeuterordnung. In den Ländern, wo die Bourgeoisie zur Herrschaft gelangt war, suchte sie ihre egoistischen Klasseninteressen– die Ausbeutung der Arbeiterklasse und aller Werktätigen-, mit allen Mitteln gegen die große Mehrheit des Volkes durchzusetzen und zu sichern. Dazu diente das politische System der Bourgeoisie, vor allem der kapitalistische oder bürgerliche Staat.

Die kapitalistischen Staatsformen waren unterschiedlich: Die USA waren eine bürgerliche Republik. Großbritannien blieb eine konstitutionelle Monarchie. In Frankreich ließ sich 1852 der Präsident der bürgerlichen Republik als Napoleon der III. zum Kaiser ausrufen.

Doch so unterschiedlich auch die Formen der kapitalistischen Staaten sein mochten, sie waren stets das entscheidende politische Herrschaftsinstrument der der Bourgeoisie zur Sicherung der kapitalistischen Ausbeutungsverhältnisse und zu politischen Unterdrückung der Volksmassen, insbesondere der Arbeiterklasse.

Die Parlamente, die die Gesetze beschlossen, setzten sich vorwiegend aus bürgerlichen Abgeordneten zusammen. Die gesamte Gesetzgebung von der Verfassung bis zu den Einzelgesetzen entsprach den Klasseninteressen der Bourgeoisie. Die Gesetze sollten insbesondere das Privateigentum der Bourgeoisie an Grund und Boden, den Häusern und Fabriken, Maschinen und Rohstoffen unantastbar machen. Die Gerichte, die über die Einhaltung der Gesetze wachten und Gesetzesverletzer bestraften, bestanden aus bürgerlichen Geschworenen, die die Gesetze im Klasseninteresse der Bourgeoisie handhabten. Heutzutage gibt es einige Verbesserungen. Siehe z.B. die heutige Geschworenenauswahl in den USA, die nun repräsentativ für die gesamte Bevölkerung sein muss. Doch der juristische Kampf ist hart, wenn man nach den Regeln der Bourgeoisie agieren muss. Trotzdem kann man sie mit ihren eigenen Regeln schlagen.

Im gesamten Staatsapparat hatte die Bourgeoisie die entscheidenden Positionen besetzt; in der Justiz ebenso wie im Verwaltungsapparat, in der Polizei wie Armee, in den Stadtverwaltungen wie in der Regierung. Die Bourgeoisie besaß das Bildungsmonopol, beherrschte Schulen und Zeitungen. Mag es im Staatsapparat und den Verwaltungen geringfügige Ausnahmen geben, so hat sich, was das Bildungs- und Medienmonopol angeht, nichts geändert. Vorübergehend gab es Änderungen im Bereich der Bildung, als die Sowjetunion den Sputnik startete.

An Stelle der alten persönlichen Abhängigkeit des Feudalismus hatte sich ein neues-nicht so sichtbares, aber dafür um so wirksameres-Abhängigkeitsverhältnis herausgebildet, das Geld. Die ökonomische Macht der Bourgeoisie setzte sich so in politische Macht um. Die Großbourgeoisie, die die ökonomischen Schlüsselpositionen besaß, beherrschte die Schalthebel der Macht, innen- wie außenpolitisch.

Während die Bourgeoisie in England, Frankreich und in den USA die politische Herrschaft direkt ausübte, blieb dagegen die politische Macht in Deutschland-trotz Durchsetzung des Kapitalismus in der Wirtschaft- in den Händen der Junker und Fürsten.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Durchsetzung des Kapitalismus in der Welt

Die Herausbildung des kapitalistischen Wirtschaftssystems

England, die „Werkstatt der Welt“, war das führende kapitalistische Land. Die maschinelle Fabrikproduktion hatte sich bereits in den 1830ern Jahren durchgesetzt. In Frankreich vollzog sich dieser Prozess seit 1830, in Deutschland besonders in den 1850er und 1860er Jahren. Während jedoch in England, Frankreich und in den USA (seit den 1860er Jahren) die kapitalistischen Verhältnisse Wirtschaft und Staat bestimmten, konnte sich der Kapitalismus in Deutschland zunächst nur in der Wirtschaft durchsetzen. Seine Entwicklung wurde durch die politische Herrschaft des Adels wesentlich behindert.

Der Produktionsaufschwung in den kapitalistischen Ländern und die Verbesserung der Verkehrsverhältnisse führten zu einem raschen Aufschwung des internationalen Handels. Die Entdeckung reicher Goldfelder in Kalifornien (1848) und Australien (1841) förderte diesen Prozess. 1850 betrug der Gesamtwert des Außenhandels in der Welt 1,7 und 1870 bereits 4,4 Milliarden Dollar.

Durch diese Entwicklung der kapitalistischen Industrie und des Handels zwischen den kapitalistischen Ländern bildete sich allmählich das kapitalistische Weltwirtschaftssystem heraus. Was heute unter dem Schlagwort „Globalisierung“ läuft, ist also nichts Neues.

 

Die Einbeziehung zurückgebliebener Länder in das kapitalistische Weltwirtschaftssystem

In Russland hatte die kapitalistische Entwicklung ebenfalls Fuß gefasst. Die unumschränkte Herrschaft des Zaren und die Leibeigenschaft hemmten jedoch die Entfaltung der kapitalistischen Wirtschaft. Selbst ein großer Teil der Manufaktur- und Fabrikarbeiter war noch leibeigen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

In den 1850er Jahren geriet Russland in eine tiefe politische Krise. Nach Polizeiberichten gab es 1858 86, 1859 90 und 1860 108 Bauernaufstände. Revolutionäre Demokraten aus dem Bürgertum unterstützten die Bauern in ihrem Kampf gegen die Leibeigenschaft.

Um eine mögliche Revolution zu verhindern, verfügte der Zar am 19. Februar 1861 die Aufhebung der Leibeigenschaft in Russland. Die Bauern wurden persönlich frei. Sie konnten von nun an weder gekauft noch verkauft oder verschenkt werden. Die Reform wurde vom Zaren und den Großgrundbesitzern selbst durchgeführt. Sie versuchten deshalb, ihre Interessen -auf Kosten der Bauern- weitestgehend zu sichern. Die Bauern erhielten nur gegen hohe „Entschädigungen“ Land, oder sie mussten es von den Grundbesitzern pachten. Gegen die Unzulänglichkeiten der Reform kam es auf vielen Gütern zu Bauernunruhen, die jedoch niedergeschlagen wurden.

Die Aufhebung der Leibeigenschaft war dennoch die Voraussetzung für die kapitalistische Entwicklung in Russland. Die Kapitalisten konnten nunmehr freie Lohnarbeiter ausbeuten. Moskau, Kriwoi Rog, das Donezbecken und andere Gebiete entwickelten sich zu Industriezentren.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

In Indien hatte sich England bereits seit langem die Vorherrschaft in grausamen Kolonialkriegen erobert. 1857 erhob sich das indische Volk gegen die englischen Kolonialherren. Der Volksaufstand wurde in einem fast dreijährigen Krieg blutig niedergeschlagen. 1858 wurde Indien zur britischen Kolonie erklärt. England nutzte die feudalen Klassengegensätze und die Nationalitäts- und Religionsunterschiede in Indien aus. Die indischen Fürsten wurden bestochen und damit zu einer Stütze der englischen Kolonialherren gemacht. Durch rücksichtslose Ausbeutung des indischen Volkes und der Naturschätze Indiens flossen den englischen Kapitalisten riesige Profite zu.

Erschießung aufständischer Inder mit Kanonen im Jahre 1857. (Nach einem Gemälde von W. Werestschagin um 1875)
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Mit Waffengewalt erzwang England 1832 von China die Öffnung von fünf chinesischen Häfen für den englischen Handel, die Abtretung Honkongs an England und eine hohe Kriegsentschädigung. Damit begann eine Kette militärischer Überfälle, politischer und ökonomischer Erpressungen, durch die das feudale China zu einer kapitalistischen Halbkolonie wurde und damit seine politische Selbstständigkeit verlor. An der kapitalistischen Ausbeutung Chinas beteiligten sich außer England auch Frankreich, die USA, Russland, Deutschland und andere Staaten.

Unter Androhung militärischer Gewalt setzten die USA 1853/54 in Japan die Öffnung zweier Häfen für den Handel mit den USA durch. Ähnliche, mit Gewalt erzwungene Verträge schlossen unmittelbar darauf auch England, Russland, Frankreich und Holland mit Japan. Die gewaltsame Einbeziehung in den kapitalistischen Welthandel löste in Japan innenpolitische Kämpfe aus. Durch bürgerliche Reformen wurde 1867/68 das Feudalsystem durchbrochen und die rasche Entwicklung des Kapitalismus in Japan ermöglicht.

In den 1860er Jahren vollzog sich in der Welt ein Prozess, der mit der Auflösung feudaler Verhältnisse (Russland/Japan) und mit der zum Teil gewaltsamen Einbeziehung ökonomisch zurückgebliebener Länder in das kapitalistische System (Indien, China, Japan) verbunden war. Durch diese Veränderungen setzte sich der Kapitalismus in der Welt durch.

Die Welt im Jahre 1870
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Weltwirtschaftskrise von 1857 bis 1859

Der Aufschwung der kapitalistischen Produktion wurde durch die Wirtschaftskrise von 1857 bis 1859 jäh unterbrochen. Sie war die erste Wirtschaftskrise, die nicht nur auf wenige kapitalistische Staaten beschränkt war, sondern die gesamte kapitalistische Welt erfasste. Die Krise führte zu Absatzstockungen, zu zahlreichen Bankrotten und zum Rückgang der gesamten Produktion. Die Kapitalisten versuchten, die Folgen der Krise mittels Kurzarbeit, Lohnkürzungen und Entlassungen auf die Arbeiter abzuwälzen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die wirtschaftliche Entwicklung des Kapitalismus in den fortgeschrittenen Ländern

Der Abschluss der industriellen Revolution in den wirtschaftlich fortgeschrittenen Ländern

Die volle Durchsetzung des Kapitalismus vollzog sich durch zwei revolutionäre Prozesse, die sich gegenseitig bedingten und beeinflussten:

  • Erstens durch die bürgerliche Revolution, die die gesellschaftlichen Verhältnisse zugunsten der Bourgeoisie umwälzte.
  • Zweitens durch die industrielle Revolution, die grundlegend die Art und Weise der Produktion veränderte.

Im zweiten Drittel des 19. Jahrhunderts wurde die industrielle Revolution in den fortgeschrittensten Ländern (England, Frankreich, USA, Deutschland) beendet. Maschinen ersetzten in den wichtigsten Industriezweigen die Handwerkzeuge, mit denen bisher die Produktion betrieben worden war.

Zur Herstellung dieser Werkzeugmaschinen entstand ein neuer Industriezweig, der Maschinenbau. Maschinenfabriken lieferten zum Beispiel Pressen, Dreh- und Bohrmaschinen oder Textilmaschinen. Sie wurden als Ersatz für veraltete Maschinen gebraucht. So gewannen die Maschinenfabriken eine Schlüsselstellung in der kapitalistischen Industrie.

Die Dampfmaschine fand weite Verbreitung. In erster Linie wurde sie im Verkehrswesen (Lokomotiven, Dampfschiffe), im Bergbau (Wasserhaltung, Bewetterung, Transport) und als Antriebsmittel von Maschinen eingesetzt.

Maschinensaal der Firma Hartmann um 1850 in Chemnitz (vorübergehend Karl-Marx-Stadt)
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Der Produktionsaufschwung nach 1850

Der Einsatz von Maschinen ermöglichte eine schnelle Produktionssteigerung. Maschinenbau Kohle- und Erzförderung, Eisen- und Stahlerzeugung sowie die Entwicklung des Verkehrs beeinflussten sich wechselseitig. Durch die Anwendung von Dampfmaschinen und modernerer Produktionsverfahren konnten zum Beispiel im Bergbau größere Tiefen erreicht und neue Kohle- und Erzvorkommen erschlossen werden.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Der Bedarf an Eisen und Stahl, dem wichtigsten Grundstoff der Industrie, wuchs ebenfalls rasch an. Die Eisen- und Stahlerzeugung wurde durch die Anwendung moderner Produktionsverfahren erhöht.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Kokshochöfen ersetzten in der Roheisenerzeugung immer mehr das alte Holzkohle-Verfahren. Gab es im Ruhrgebiet 1850 nur zwei Kokshochöfen, so waren es 1870 schon 50. Der Kokshochofen bot gegenüber den alten Verfahren große Vorteile. Hatte man früher für die Produktion einer Tonne Roheisen sieben bis acht Tonnen Holzkohle benötigt, so reichte nunmehr eine Tonne Koks aus. Die neuen Hochöfen wurden jetzt nicht mehr in der Nähe großer Wälder errichtet, sondern nahe den Eisenerz- und Kohlevorkommen.

Die Kokshochöfen ersetzten in der Roheisenerzeugung immer mehr das alte Holzkohle-Verfahren. Gab es im Ruhrgebiet 1850 nur zwei Kokshochöfen, so waren es 1870 schon 50. Der Kokshochofen bot gegenüber den alten Verfahren große Vorteile. Hatte man früher für die Produktion einer Tonne Roheisen sieben bis acht Tonnen Holzkohle benötigt, so reichte nunmehr eine Tonne Koks aus. Die neuen Hochöfen wurden jetzt nicht mehr in der Nähe großer Wälder errichtet, sondern nahe den Eisenerz- und Kohlevorkommen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

1864 entwickelten Wilhelm Siemens und die französischen Gebrüder Martin das Siemens-Martin-Verfahren. Dabei werden bei sehr hohen Temperaturen Roheisen und Schrott im Schmelzofen zu Stahl veredelt.

Die Entstehung von Großbetrieben

Die kapitalistische Produktion wurde anfangs in vielen selbstständigen Einzelunternehmen betrieben. Die einzelnen Kapitalisten führten gegeneinander einen erbitterten Konkurrenzkampf um möglichst hohe Profite. Dabei behielten diejenigen die Oberhand, die wirtschaftlich am stärksten waren und am brutalsten die Arbeiter ausbeuteten. In diesem Prozess wurden viele Betriebe ruiniert. Die volle Durchsetzung der kapitalistischen Warenproduktion in allen Wirtschaftsbereichen war zugleich der Höhepunkt des Kapitalismus der freien Konkurrenz.

Die Kapitalisten eigneten sich den Gewinn an, der von den Arbeitern erzeugt wurde. Einen Teil davon verwandten sie zur Vergrößerung und Modernisierung ihrer Betriebe. Der technische Fortschritt, wie zum Beispiel die neuen, aber kostspieligen Verfahren zur Stahlgewinnung, kam dabei vor allem den größeren Betrieben zugute.

Zur Errichtung eines Großbetriebes waren nicht nur ein günstiger Standort (Rohstoffnähe, Transportverhältnisse, gute Absatzmöglichkeiten, weitreichende Geschäftsverbindungen) und ein hohes Können der Arbeiter und Techniker notwendig, sondern auch viel Kapital.

Zum Aufbau einer größeren Maschinenfabrik waren in Deutschland 1847 etwa 150 000 Taler (1 Taler entsprach 3 Goldmark) erforderlich. Doch wesentlich mehr Kapital wurde zur Anlage eines Bergwerkes, eines Hüttenbetriebes oder Eisenbahnlinie benötigt. Zur Anlage eines Bergwerkes im Ruhrgebiet mit einer Jahresförderung von 100 000 Tonnen Steinkohle und einer Belegschaft von 500 bis 600 Arbeitern waren damals 500 000 bis 750 000 Taler erforderlich.

Krupps Gussstahlfabrik in den Jahren 1815, 1840 und 1864
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Ein einzelner Kapitalist konnte meist solche großen Summen nicht allein aufbringen. Deshalb schlossen sich mehrere Kapitalbesitzer zu einer Aktiengesellschaft (AG) zusammen. Sie zahlten Gelder in die Aktiengesellschaft ein und erhielten dafür Anteilsscheine, Aktien. Am Ende des Geschäftsjahres wurde der Profit der Aktiengesellschaft auf die Aktien aufgeteilt und die Dividende an die Aktionäre ausgezahlt. Ohne selbst zu arbeiten, eigneten sich die Aktionäre den Gewinn der Unternehmen an, den die Arbeiter schufen. Je mehr Aktien ein Aktionär von einem Betrieb besaß, desto größer war sein Einfluss auf die betreffende Aktiengesellschaft. Die Großaktionäre, die di meisten Aktien einer Aktiengesellschaft besaßen, entschieden deshalb über alle wichtigen Fragen, die die Aktiengesellschaft betrafen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Großbetriebe entstanden vor allem in den entscheidenden Industriezweigen, besonders im Bergbau, in der Eisen- und Stahlerzeugung und im Maschinenbau.

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Mit der fortschreitenden Industrialisierung bildeten sich Großstädte und Industriezentren.  Das Ruhrgebiet wurde nach 1850 zum industriellen Herzen des deutschen Kapitalismus.

Wesentlichen Einfluss auf die Industrie erlangten nunmehr die Banken. Sie beschränkten sich nicht mehr auf das Wechseln, Leihen und Aufbewahren von Geld, sondern übernahmen auch den Kauf von Verkauf von Aktien und legten in zunehmenden Umfang ihr Kapital selbst in wichtigen Großbetrieben an.

Die Entwicklung des Verkehrs- und Nachrichtenwesens

Eisenbahnlinien in Mitteleuropa im Jahre 1848
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die industrielle Revolution sprengte den örtlich begrenzten, den lokalen Markt, für den bisher die kleineren Handwerksbetriebe produziert hatten. Rohstoffzufuhr und Absatz der Fertigwaren verlangten ein leistungsfähiges Transportsystem sowohl im Inland als auch für den internationalen Handel.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Diesem dringenden Bedürfnis wurden die Eisenbahnen gerecht. Sie waren schneller, billiger und zuverlässiger als die herkömmlichen Transportmittel und deshalb erheblich besser für den größeren Warentransport geeignet. Das Eisenbahnnetz wuchs in dieser Zeit außerordentlich rasch an.

Eisenbahnlinien in Mitteleuropa im Jahre 1868
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

In der Schifffahrt gewannen die Dampfschiffe zunehmend an Bedeutung. Für die Überfahrt von Europa nach Amerika benötigten Segelschiffe damals durchschnittlich 35 Tage, Dampfschiffe nur 12 ½ Tage.

Auch im Schiffbau verdrängten Eisen und Stahl das Holz. Die Schiffe wurden größer, Die Werften und Häfen nahmen einen schnellen Aufschwung.

Im Jahre 1869 wurde nach zehnjähriger Bauzeit der Suezkanal eröffnet. Er verband das Mittelmeer mit dem Roten Meer. Der 163 Kilometer lange Kanal verkürzte den Seeweg von Europa nach Ostasien außerordentlich. Von Hamburg nach Bombay beispielsweise benötigten Schiffe jetzt 24 Tage weniger als bei Fahrten um das Kap der Guten Hoffnung.

Die Bedeutung des Suezkanals. Die Karten geben die Hauptrichtungen der Schifffahrt wieder, die Stärke der Linien deutet die ungfähre Intensität der befahrenen Schifffahrtslinien an
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Einführung der elektrischen Telegrafie (Erfindungen von Gauß, Weber und Morse, industrielle Fertigung durch Siemens) ermöglichte eine schnelle und genaue Nachrichtenübermittlung. 1851 wurden die ersten Seekabel zwischen England und Frankreich, 1866 zwischen Europa und Amerika verlegt.

Neuerungen in der Landwirtschaft

Die neue Technik und die neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse fanden Eingang in die Landwirtschaft. Mit einer von Pferden gezogenen Mähmaschine konnten in 10 Stunden fast 5 Hektar Getreide gemäht und dadurch mindestens 8 Arbeiter ersetzt werden. Die Dampf-Dreschmaschine fand vielfach Verwendung an Stelle des Handdruschs der Göpeldreschmaschinen. Der erste Dampfpflug in Deutschland wurde 1868 in Sachsen eingesetzt. Führend in der Produktion und im Einsatz landwirtschaftlicher Maschinen waren die USA und England.

Dreschmaschine mit Dampflokombile aus dem Jahre 1865. (Zeitgenössische Darstellung)
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Wesentlich höhere Erträge konnten durch die künstliche Düngung erreicht werden. Justus von Liebig (1803 bis 1873) schuf dafür die wissenschaftliche Grundlage. Sein Hauptwerk „Die organische Chemie in ihrer Anwendung auf Agrikultur und Physiologie“ erschien 1840. In Deutschland wurden seit 1843 Chilesalpeter und seit 1858 Kali aus Staßfurt zur künstlichen Düngung verwendet. 1872 wurden bereits in 33 Fabriken mehr als 500 000 Tonnen Kalisalze verarbeitet. Von 1850 bis 1870 stiegen die Hektarerträge bei Weizen um 10 bis 25 Prozent, bei Roggen und Gerste um 10 Prozent.

Heute haben wir weitere Fortschritte, die damals undenkbar waren. Einige Fortschritte von damals gibt es heute nicht mehr, da sie durch weitere Fortschritte ersetzt wurden.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Konterrevolution siegt

Als Ende Juni 1989 das 8. Plenum des ZK zusammentrat, erwarteten viele Parteimitglieder Impulse, wie die offensichtliche Krise zu bewältigen wäre. Aber es geschah nichts. Die politische und ökonomische Situation wurde schöngeredet und die aktuellen Probleme einfach ignoriert. Es machte sich eine Atmosphäre der Ausweglosigkeit und des Pessimismus breit. Die Mitglieder des SED Politbüros verkannten völlig, dass sie ihre letzte Chance verspielt hatten.

Bild: Netz-Fund

Was die Bewusstseinsentwicklung betrifft, hatten die Genossen offenbar nicht mitgekriegt, dass das Bewusstsein -wie alle Seiten des Lebens- in der DDR eine Aufstiegs- und eine Abstiegsphase durchlaufen hat. Die antifaschistische, antiimperialistische und sozialistische Erziehung hat bis Ende der 1960er Jahre hinein spürbare Erfolge gehabt und zur Entwicklung eines DDR-Selbstbewusstseins bei der Mehrheit der DDR-Bevölkerung geführt. Dann aber setzte -auch im Bewusstsein- eine Rückwärtsentwicklung ein, deren Hauptsache darin lag, dass, ausgehend vom XX. Parteitag der KPdSU die klaren Klassenpositionen verlassen wurden und zur Hauptgefahr für den Sozialismus nicht mehr der Imperialismus, und auf ideologischem Gebiet nicht mehr der Revisionismus, sondern der Dogmatismus und das Sektierertum erklärt wurden. Der Imperialismus avancierte vom Todfeind des Sozialismus zum angeblich unverzichtbaren Partner bei der Sicherung des Friedens! Mit Helsinki setzte der Imperialismus durch, dass im Bewusstsein der Menschen der Kampf um die soziale und politische Befreiung immer mehr zurückgedrängt wurde und dominierend in den Vordergrund gerückt wurde die „Sicherung der Menschenrechte“ in den sozialistischen Staaten. Egon Bahr hatte schon viele Male bestätigt, dass Helsinki ein großer Erfolg der Politik „Wandel durch Annäherung“gewesen ist, weil damit der Anfang vom Ende der Sowjetunion und der DDR eingeleitet wurde.

Bildquelle: Gute Zitate https://gutezitate.com/zitat/145554

Das größte Problem aber lag außerhalb der SED. Es war, was Alexander Sinowjew auf die Frage geantwortet hatte, womit er erkläre, dass die Sowjetordnung ohne einen einzigen Schuss gefallen ist: „Nicht wegen ihrer Lebensunfähigkeit brach sie zusammen, sondern wegen der Verräter, die mit einem mächtigen äußeren Feind gemeinsame Sache machten. Der Zusammenbruch ging ohne einen einzigen Mucks vonstatten, weil die KPdSU-Elite den systematischen Ausverkauf des Sozialismus betrieben hatten.“

Deshalb nun noch einmal ein Blick auf die Sowjetunion Ende der 1980er Jahre. Der Original-Autor dieses Beitrages hatte Herrn Gorbatschow davon reden hören, „wir“ müssten „gemeinsam mit den kapitalistischen Ländern“ das „Haus Europa“ errichten. Der Original-Autor dieses Beitrages fand damals, die Sache Gorbatschows wäre es eigentlich gewesen, sich Sorgen um den Zustand des Bündnisses der sozialistischen Staaten zu machen und Schritte zu dessen Festigung einzuleiten, aber gewundert hat es den Original-Autoren dieses Beitrages nicht, dass Gorbatschow genau das Gegenteil tat. Gorbatschow und sein Außenminister Schewardnadse hatten doch schon vor der UNO verkündet, die Politik der friedlichen Koexistenz sei keine Form des Klassenkampfes, und er benutzte doch die Autorität der Macht der Sowjetunion, um auch die Führungen der anderen kommunistischen Parteien und der sozialistischen Länder zur Zustimmung dieser revisionistischen, konterrevolutionären Politik zu drängen.

Der Original-Autor dieses Beitrages erinnert sich noch an Gorbatschows Herzensfreundschaft mit dem damaligen Bundeskanzler Kohl, offenbart bei dem Treffen der beiden im Kaukasus, an Gorbatschows emsige Reisetätigkeit in alle sozialistischen Länder, sogar bis nach China, um überall in seinen Reden die Notwendigkeit des Klassenkampfes zugunsten eines gemeinsamen Eintretens für die „allgemein menschlichen Interessen“ zu verkünden und zu fördern – und mit wem sollten wir gemeinsam für dies allgemein-menschlichen Interessen eintreten? Mit den USA!

Der Original-Autor dieses Beitrages erinnert sich noch sehr genau an Gorbatschows 13-Milliarden-Deal mit Kohl für die Preisgabe der DDR an die BRD und die NATO!

Die Gegner der DDR -außen und innen- erkannten die Situation „als strategische Orientierung“. Die stabsmäßig von der BRD organisierte „Massenflucht“ lief planmäßig ab. Die Konzeption ging auf, auch weil die politischen Zentren der DDR bis Ende September handlungsunfähig waren. Es herrschte politische Sprachlosigkeit.

„Gorbi“ hatte von 12. Juni bis zum 15. Juni die BRD besucht und war zweimal mit Kohl zu „Vier-Augen-Gesprächen“ zusammengetroffen. Die „Männerfreundschaft“ war längst entstanden und di Weichen waren gestellt. Die DDR war illegal „verkauft“ worden. Nicht umsonst schwärmte Gorbatschow noch Jahre danach von diesem Treffen am Rhein. Die Kräfte der inneren Konterrevolution, das zeigten die „Runden-Tisch-Gespräche“, dienten nur dazu, die neue DDR-Führung vor sich herzutreiben. Die innerparteiliche Opposition in der SED hatte ich formiert, wenn auch Krenz und Herger meinten, es habe sie nicht gegeben. Eine völlige Verkennung der realen Lage!

Bildquelle: „Runder Tisch“ von Ludacrizzz 18:43, 16 March 2007 (UTC) – Eigenes Werk. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – https://commons.wikimedia.org/wiki/File:Runder_tisch.png#/media/File:Runder_tisch.png

 

Der am 09. November 1989 verunglückte Versuch einer neuen Reiseverordnung wurde durch die bewusste Verratshandlung Schabowskis, die sofortige Grenzöffnung, zur Farce.  Er wollte nicht nur den „Ruhm“ der „Maueröffnung“ einheimsen, er hatte sich auf die Seite jener geschlagen, die darauf hinarbeitete, den neuen Generalsekretär zu destabilisieren. Die Versuche von Egon Krenz und teilweise Hans Modrow, die Lage zu stabilisieren, schlugen fehl, weil sie noch immer auf die „Schutzschild-Funktion“ der Sowjetunion und Gorbatschows bauten. Es fehlte an politischer Klarheit.

Pressekonferenz am 09. November 1989
Bildquelle: „Bundesarchiv Bild 183-1989-1109-030, Berlin, Schabowski auf Pressekonferenz“ von Bundesarchiv, Bild 183-1989-1109-030 / Lehmann, Thomas / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commonshttps://commons.wikimedia.org/wiki/File:Bundesarchiv_Bild_183-1989-1109-030,_Berlin,_Schabowski_auf_Pressekonferenz.jpg#/media/File:Bundesarchiv_Bild_183-1989-1109-030,_Berlin,_Schabowski_auf_Pressekonferenz.jpg

 

 

Immerhin bestanden im westlichen Bündnis in der „Deutschen Frage“ noch erhebliche innerimperialistische Widersprüche. Es wurde nicht einmal versucht, sie geschickt zu nutzen. Hinzu kam, dass Egon Krenz glaubte, dass mit seiner Bereitschaft, den Führungsanspruch der SED in der Verfassung aufzugeben, innere Widerstandskräfte gegen den Ausverkauf der DDR mobilisieren könnte. Reine Illusion und purer Revisionismus! Der am 01.12.1989 auf Antrag der SED-Fraktion nach Begründung durch Hans Modrow beschlossene „Verzicht auf den Führungsanspruch der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei“ gab jeden Spielraum auf und wurde zum politischen Suizid.

Hätte in dieser Situation noch etwas getan werden können zur Rettung der DDR? Bietet die Geschichte Beispiele dafür, dass es möglich ist, die Revolution gegen eine erdrückende Übermacht siegreich zu verteidigen? Ja, natürlich. Das klassische Beispiel hat die russische Revolution gleich zweimal geliefert -mit dem Sieg über die Intervention und die innere Konterrevolution 1917 bis 1920 und im Vaterländischen Krieg gegen faschistische Invasoren. Und Kuba ist das leuchtende Beispiel für den erfolgreichen Widerstand. Die kubanische Regierung unter der Führung von Fidel Castro hat bewiesen, dass eine Befolgung der Lehre Lenins eine Revolution selbst unter äußerst ungünstigen Verhältnissen unbesiegbar machen kann. Weil Fidel Castro die Schwierigkeiten und Mängel nie zu beschönigen suchte, sondern immer offen über sie sprach, auch nicht davor zurückschreckte, eigene Fehler zuzugeben, aber zugleich Wege zeigte, alle Schwierigkeiten zu überwinden, hat das kubanische Volk seine Revolution und seine Regierung selbst unter beispiellosen harten Lebensbedingungen verteidigt und jede Kapitulation von sich gewiesen. Voraussetzung dafür ist aber die Führung durch eine zielklare revolutionäre Partei und die feste Verbindung der Führung mit den Massen. Diese Voraussetzungen waren in der DDR 1989 nicht mehr gegeben.

Partei und Regierung hatten das Vertrauen und die Unterstützung großer Teile der Bevölkerung verloren. Unübersehbare Symptome dafür waren die Flucht von Tausenden Bürgerinnen und Bürgern der DDR über die BRD-Botschaften in der Tschechoslowakei und Ungarn in die BRD. (Viele Bürgerinnen und Bürger der DDR glaubten die BRD sei ein Wunderland.)

Aber die Parteiführung besaß auch nicht mehr das Vertrauen großer Teile der eigenen Partei! Was das im Hinblick auf die Fähigkeit zur Verteidigung der Republik schon schlimm, so war es noch schlimmer, ja das Schlimmste, dass -soweit es der Original-Autor in der Parteiorganisation seines Bereiches überblicken konnte, aber ganz bestimmt war es nicht nur dort so -der Hoffnungsträger und Vertrauensträger der Mehrheit der Parteimitglieder genau der Mann war, der das sozialistische Deutschland liquidieren und an die BRD ausliefern wollte- nämlich Gorbatschow.

Der Original-Autor dieses Beitrages erinnert sich auch an den Demonstrationszug der FDJ am 07.Oktober 1989 vorbei an der Tribüne mit Honecker und Gorbatschow, aus dem die begeisterten „Gorbi-Gorbi“!-Rufe die wenigen und schwachen „Honni“-Rufe laut überschallten. Er erinnert sich auch an die Diskussionen in den Jahren 1988/89, in denen von Genossen alle Hoffnungen daraufgesetzt wurden, dass Gorbatschow einen Führungswechsel in der DDR durchsetzt, um auch hier „Perestroika“ und „Glasnost“ einzuführen.

 

Auf der Parade schaut Gorbatschow bedeutungsvoll auf seine Uhr (Honecker lacht nicht mehr lange P.R.)
FOTO: IMAGO  Bildquelle: Der Tagesspiegel https://www.tagesspiegel.de/berlin/7-oktober-1989-der-letzte-tanz-der-totgesagten-beim-40-geburtstag-der-ddr/10800012.html

Außerdem erinnert er sich an die Kundgebung auf dem Alexanderplatz am 04. November 1989, einberufen von prominenten Künstlern und Kulturschaffenden der DDR, mit Rednern wie Heiner Müller, Lothar Bisky, Gregor Gysi, Stephan Heym, Christa Wolf, Markus Wolf, Käthe Reichel, Steffi Spira und anderen. Käthe Reichel hielt dort eine Rede, für sie sich heute schämt.

Demonstranten bekleben den Palast der Republik, den Sitz der Volkskammer, mit Losungen von „Demokratie Jetzt“ 

(Na, was ist, wenn heute jemand die Wand des Reichstagsgebäudes, den Sitz des Bundestages, beklebt? Ein Verfahren wegen Sachbeschädigung wäre da noch das Mindeste. P.R.)

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-1989-1104-014 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5347548

Und als letztes erinnert er sich daran, dass auch die Parteiführung gespalten war in solche wie Honecker, die wussten, dass die Übertragung der Perestroika in die DDR das Ende der DDR bedeuten würde -sie waren bekanntlich in der Minderheit- und in Parteigänger Gorbatschows, die in konspirativer Absprache mit Moskau Honeckers Absetzung beschlossen und durchführten.

Es gibt Genossen die der Ansicht sind, die Ursache des Untergangs der DDR wäre gewesen das die Staatsmacht nicht zur Erhaltung der DDR eingesetzt wurde und dass im Herbst 1989 nicht zur militärischen Verteidigung aufgerufen wurde. Diese Genossen äußern ihre scharfe Missbilligung jenen „Genossen in unseren Reihen“ gegenüber, „die heute noch stolz darauf sind, die Staatsgewalt, über die wir damals verfügten, nicht eingesetzt zu haben“. Denn: Wer über den Partei- und Staatsapparat verfüge, ihn aber selbst im Augenblick höchster Bedrohung nicht einsetze, werde die Macht zwangsläufig verlieren.

Die Genossen sind anscheinend davon überzeugt, dass wir heute noch die DDR hätten, wenn „wir“damals „den Partei- und Staatsapparat eingesetzt“ hätten. Angesichts solcher Meinungen muss man sich fragen: Wo eigentlich, in welcher DDR, haben diese Genossen gelebt, dass sie so ein kenntnisloses Bild der Situation von 1988/89 haben? (Da war bereits alles zu spät.)

Wer hätte es tun sollen, auf welche Weise und gegen wen? Es wäre in jedem Falle ein Einsatz nicht gegen den Feind, sondern mehrheitlich gegen die eigenen -allerdings den raffiniert-demagogischen Parolen des Feindes folgenden- Leute gewesen, und ein Einsatz zudem, der nur eines zu Folge gehabt hätte: die völlige Diskreditierung der eigenen Regierung und der SED und damit die Beschleunigung des Endes der DDR.

Bei nüchterner Analyse der damaligen Situation -der Entschlossenheit der sowjetischen Führung zur Restauration kapitalistischer Verhältnisse nicht nur im eigenen Lande, sondern auch in allen unter ihrem Einfluss stehenden und von ihr abhängigen sozialistischen Staaten und bei dem inneren Zustand der DDR, der weitgehenden ideologischen Zersetzung und Spaltung der führenden Partei und deren Vertrauensverlust bei den Massen- konnte das Ende der DDR durch politische oder gar militärische Maßnahmen nicht mehr verhindert werden.

Wohl aber wäre als Mindestes zu verhindern gewesen, dass die DDR so schmählich unterging: Das war vor allem das Ergebnis dessen, dass über Jahre hinweg die Führung offenkundig wachsende Schwierigkeiten und Mängel nicht zur Sprache brachte, sondern stattdessen in den Medien die Wirklichkeit schönreden und Tag für Tag nur von Erfolgen berichten ließ, von denen die Menschen in ihrem Alltag schon längere Zeit nichts mehr zu verspürten und sich durch diese Medien-Berichterstattung nicht ernstgenommen, sondern verkohlt fühlten. Das war, wie schon gesagt, das Gegenteil einer Führung im Sinne Lenins, dessen Maxime war, Schwierigkeiten und Gegensätze nicht zu verschweigen und zu verkleistern, sondern offen auszusprechen. Nicht zu handeln hatte für die Führung der DDR spezielle Gründe, hatten doch viele Schwierigkeiten ihre Ursachen in der Gorbatschow-Politik gegenüber der DDR. Aber offen über diese Ursachen zu sprechen hätte bedeutet, offen Stellung zu nehmen gegen viele Aspekte der Gorbatschow-Politik. Was die Führung der DDR gehindert hat, einen solchen mutigen Schritt zu tun, darüber ist in Honeckers „Moabiter Notizen“ im Zusammenhang mit der Kritik an Gorbatschows Revision der Geschichte zu lesen:

„Ganze Generationen waren im Geiste des unerschütterlichen Vertrauens zur Sowjetunion erzogen. Sie mussten nun zum zweiten Mal -1956 und dann 1985-1990- verdauen, was nun nicht mehr vom Gegner kam. Alles wurde plötzlich umgewertet. Alles erfuhr eine Neubewertung. Es wurde alles in Frage gestellt, was bisher richtig schien, die Oktoberrevolution eingeschlossen. Wie konnte, wie musste sich unsere Partei dem stellen? Was hätte eine Konfrontation mit einer in der SU offen geduldeten Politik bewirkt? Hätten das die Menschen verstanden?“

Nein, sie hätten es zunächst nicht verstanden, wie ihre Reaktion auf das Verbot der konterrevolutionären, gorbatschowistischen Zeitschrift „Sputnik“ in der DDR zeigte. Aber es wäre wenigstens ein Zeichen des Widerstands gegen eine verderbliche Politik gewesen, die hinterher von vielen verstanden und gewürdigt worden wäre.

So aber inszenierte die innerparteiliche, revisionistischen Opposition ihren Partei-Putsch widerstandslos und voll auf der Linie Gorbatschows mit einer Stalinismus-Hetze sondergleichen, hervorragende  Genossen der SED wurden von den neuen Herren der SED/PDS ausgegrenzt, mit Parteistrafen belegt oder ganz aus der Partei ausgeschlossen und obendrein strafrechtlich verfolgt. Die SED gab es nicht mehr.

Und ein Hans Modrow als Ministerpräsident ließ Erich Honecker, Heinz Keßler und andere verhaften und einsperren. Mehr noch: als er von seinem Treffen mit Gorbatschow aus Moskau zurückkehrte, betätigt er sich als dessen Helfershelfer bei der Auslöschung der DDR, indem er den Anschluss an die BRD frivol und zynisch mit den Worten der DDR-Hymne „Deutschland, einig Vaterland“ ankündigte, damit die endgültige Kapitulation der DDR vollzog und sie an die alten Kräfte des deutschen Imperialismus, die 40 Jahre keine Gewalt mehr über das Gebiet der DDR hatten, verschenkte.

Er wurde dafür aber vom Volk der DDR nicht davongejagt, sondern er konnte sich sicher sein, dass sich dagegen kein Widerstand regen würde. Trotz ihrer großen Zahl und ihrer Schwere waren es nicht die eigenen Fehler, die zum Todesurteil der DDR führten. Die letztlich entscheidende Ursache dafür, dass die imperialistische Konzeption des „Roll Back“ (in der Form des „Wandels durch Annäherung“) doch siegreich war, war die Tatsache der Ausbreitung des Revisionismus, der zwar verbal in kollektiven Dokumenten der kommunistischen Weltbewegung noch unter Chruschtschow „als Hauptgefahr“ angeprangert, in der Praxis als solche aber nicht bekämpft, nicht entlarvt, ja nicht einmal thematisiert wurde. Er breitete sich nach dem XX. Parteitag der KPdSU von der Ära Chruschtschow bis zur Ära Gorbatschow in der KPdSU und in anderen kommunistischen Parteien des sozialistischen Lagers aus und zersetzte in ihnen das marxistisch-leninistische Parteibewusstsein.

Das Nachdenken über die Ursachen, über Art und Weise des Untergangs der DDR und des gesamten sozialistischen Lagers in Europa wird nicht nur in den eigenen Reihen, sondern auch unter den mit ihr verbundenen internationalen kommunistischen Parteien und Kräften lange anhalten.

Wahrscheinlich, bis sich in der kommunistischen Bewegung eine klare, einheitliche Bewertung der Rolle des XX. Parteitages der KPdSU als Ausgangspunkt des Revisionismus in den Parteien des sozialistischen Lagers durchgesetzt hat.

 

Original-Autor dieses Beitrages ist Dipl. Ing. ök Dieter Itzerott, Torgau, in Kooperation mit dem Historiker Dr. Kurt Gossweiler, Berlin

Entnommen aus „Unter Feuer – Die Konterrevolution in der DDR“, Herausgeber OFFENSIV, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Buch „Unter Feuer“

Probleme der SED vor allem in den 1980er Jahren

Alle mit marxistisch-leninistischer Weltanschauung stehen in der Pflicht, nach der Niederlage das ganze politische Rüstzeuge, über das die SED verfügte, auf den Prüfstand zu stellen. Aber es sei hier noch einmal deutlich gesagt: Die dabei nötige Benennung von Defiziten muss absolut ausschließen, dass der Sozialismus und die DDR als solche in Zweifel gezogen werden.

Die marxistische Analyse darf kein Spielmaterial für DDR-Delegimitierende und Kriminalisierende beliebiger Art liefern.

Wer Dinge untersucht, muss davon ausgehen, dass im Rückblick alles viel einfacher und überschaubarer erscheint, als es auf die damaligen Akteurinnen und Akteure in deren konkreter Situation wirkte. 

Und noch etwas ist zu beachten: Begangene Fehler dürfen nicht pauschal auf die gesamten 45 Jahre des Kampfes im Osten Deutschlands bezogen werden. Denn die einzelnen Entwicklungsetappen trugen durchaus unterschiedlichen Charakter und ihre jeweilige Spezifik. Was misslang, ging nicht wegen des Marxismus-Leninismus, sondern aufgrund der Abweichung von seinen Prinzipien schief.

Der Aufbau des Sozialismus in der DDR ging unter äußeren Bedingungen vor sich, die historisch einmalig waren (die Existenz eines potenten kapitalistischen Staates auf deutschem Boden, vorderste Frontlinie im Kalten Krieg, die Wirkung des XX. Parteitages der KPdSU und deren folgenden revisionistischen Erosion). Äußere Ursachen hatten also ein besonderes Gewicht. Die inneren Ursachen sind im dialektischen Zusammenhang damit sehr komplex und in den verschiedenen Entwicklungsetappen unterschiedlich wirksam geworden und schwer zu verallgemeinern.

Ein Kardinal-Fehler war die Vernachlässigung der ständigen Bewertung des tatsächlichen Bewusstseinstandes der Klassen und Schichten der DDR-Bevölkerung wie der eigenen Parteimitgliedschaft. Es gab die Neigung das Niveau des Bewusstseins zu überschätzen. Man hielt, wie Genosse Heinz Keßler bemerkte, an einer vereinfachten Sicht auf die Arbeiterklasse fest und beschränkte sich sogar auf die verbale Betonung ihrer Rolle als historisches Subjekt, ja man ging sogar zu einer Idealisierung über. Die Langzeitwirkung bürgerlicher Denk- und Verhaltensweisen wurde unterschätzt. Es gab Zeiten spürbarer Fortschritte bei der Bewusstseinsentwicklung in der zweiten Hälfte der 1950er in den 1960er Jahren. Doch Ende der 1970er Jahre und in den 1980er Jahren kam es aus den oben beschriebenen Gründen zu Erosionen im Klassenbewusstsein der Arbeiterklasse, unter der Jugend und bei der Intelligenz.

Das hatte zur Folge, dass bei anstehenden, komplizierten Aufgaben das Tempo willkürlich forciert wurde ohne Rücksicht auf den wirklichen Reifegrad der Partei und der Massen zu nehmen.

Die Notwendigkeit der Verstärkung der politisch-ideologischen Arbeit wurde in Beschlüssen hervorgehoben. Die Ideologie wurde jedoch immer deutlicher zur Dienerin der aktuellen Politik und inhaltlich immer stärker auf kurzfristige Ziele und tagespolitische Probleme gerichtet. Statt Werke der Klassiker des Marxismus-Leninismus kamen immer mehr Reden der Mitglieder des Politbüros und Parteibeschlüsse auf die Liste der von Teilnehmenden am Parteilehrjahr zu lesenden „Pflichtliteratur“. Dies scheint überhaupt ein Wesenswerkmal  revisionistischer Aufweichungen zu sein: die Abkehr vom Grundlagenstudium und damit von Wissenschaftlichkeit der marxistisch-leninistischen Weltanschauung und Hinwendung zum Auswendiglernen aktueller (und natürlich opportunistischer und revisionistischer) strategischer Orientierungen der Führung. Das formell noch immer umfangreiche und differenzierte Instrumentarium der ideologischen Tätigkeit wurde im Formalismus erstickt, das Interesse der Parteimitglieder und der anderen Schichten der Teilnehmenden ließ nach, die Teilnahme zur Pflichtübung.

Während unter Walter Ulbricht die offene Diskussion und Polemik zu theoretischen Grundfragen geführt wurde, traten an deren Stelle abgelesene Monologe. Immer deutlicher wurde sichtbar, dass die erlebte Wirklichkeit im Gegensatz zu den ideologischen Thesen stand. Das führte zu nachlassender Glaubwürdigkeit der Partei unter den Mitgliedern und den parteilosen Massen.

Besonders die immer restriktiver werdende Informationspolitik der Medien stieß zu Recht auf Ablehnung. Schönfärberischer Aktionismus, dauernde Erfolgsmeldungen, Kampagnehaftigkeit und peinliche „Hofberichterstattung“ prägten zunehmend deren Bild.

Besonders verhängnisvoll war die defensive Reaktion auf die schon erwähnte, mit der Schlussakte von Helsinki ausgehende „Menschenrechtskampagne“ des Imperialismus. Dazu gehört auch das Dokument „Der Streit der Ideologien und die gemeinsame Sicherheit“, dass 1987 zwischen SED und SPD unterzeichnet wurde und das sich als ein Einfallstor der Konterrevolution erweisen sollte.

Bei der Bewertung des Wirkens einer marxistisch-leninistischen Partei ist die Frage nach Niveau und Verfasstheit ihrer theoretischen Arbeit von Bedeutung.  Die SED verfügte über leistungsfähige Theoriekapazitäten und besaß marxistisch gebildete Kader (Personal). Andererseits haben Erscheinungen wie die Leugnung und Unterschätzung von Widersprüchen im Sozialismus sowie der voluntarische Umgang mit der „Gesetzmäßigkeit“ eines Sieges (Unumkehrbarkeitsthese) fatale Wirkungen gehabt. Die parallel zum „Eurokommunismus“ anwachsende Tendenz revisionistischer Auffassungen in einige Theorie-Zentren wurden nicht erkannt oder nicht ernst genommen.

Der „Demokratische Zentralismus“ ist das von Lenin formulierte Organisationsprinzip einer marxistisch-leninistischen Partei. Als solche verstand sich die SED. Der schöpferische Umgang mit ihm war in ihrem Statut festgeschrieben. Ohne eine Praxis auf seiner Grundlage wären die Erfolge der SED bei der Führung der gesellschaftlichen Entwicklung nicht möglich gewesen. Aber der demokratische Zentralismus wurde im Kontext mit den konkreten Erscheinungen des Klassenkampfes und der Probleme mit dem von der KPdSU ausgehenden Revisionismus verzerrt angewandt. Die innerparteiliche Demokratie als entscheidende Voraussetzung wurde immer mehr eingeengt. Das führte zu einer unzulässigen Verschärfung bürokratisch-zentralistischer Tendenzen. Das Leninsche Vermächtnis von der Notwendigkeit des kompromisslosen Kampfes gegen diese Tendenzen blieb zunächst unbeachtet. Der Abbau der innerparteilichen Demokratie ging von oben aus und blieb zunächst an der Basis unbemerkt. Ein Kernproblem war dabei die Konzentration mannigfaltigen Wissens auf einen ausgewählten, begrenzten Kreis von Funktionären. Der Besitz dieser Informationen verlieh das Recht auf Entscheidungen und letztlich Macht. Das hatte Auswirkungen auf die Möglichkeiten der Mitglieder und auf die Kollektivität in den Führungsorganen auf allen Ebenen.

Weitere Erscheinungen des Demokratieabbaus in der Partei:

-die Rechenschaftslegung des ZK an die Parteitage war unter Leitung von Walter Ulbricht garantiert; ab dem VIII. Parteitag gab es keine Rechenschaftslegung mehr;

-die zeitlichen Fristen zwischen den Tagungen des ZK wurden verlängert, die Sitzungsdauer verkürzt;

-die ZK-Sitzungen wurden immer mehr freigehalten von Auseinandersetzungen und Ringen um Entscheidungen, an deren Stelle traten „Zustimmungserklärungen“ und Bekenntnisse zur „Linie“;

-keine Rede auf Tagungen wurde gehalten, ohne dass sie der Führung bekannt war und durch sie „abgesegnet“ wurde;

-keine Berichterstattung einer Kreisleitung vor dem Politbüro, die nicht bis ins Detail vom Apparat des ZK kontrolliert wurde.

Verantwortliche, darunter die Original-Autoren dieses Beitrages wussten um diese Praktiken und ihren Widerspruch zum Statut. Warum haben sie nicht dagegen opponiert?  Die einzig wirksame Gegenstrategie wäre die Mobilisierung der Kontrolle durch die Basis gewesen. Doch die Verantwortlichen, darunter die Original-Autoren dieses Beitrages befanden sich im Konflikt zwischen ihrer Verantwortung für die Einheit der Partei und der Parteidisziplin.

Eine wichtige Rolle in diesem Prozess spielte die Kadernomenklatur des ZK (Verteilung von Posten). Sie uferte im Laufe der Jahre immer mehr aus. Der Apparat des ZK entschied über Einsatz und Abberufung. Eine solchen Nomenklatur hat durchaus ihre Berechtigung und in komplizierten Klassenkampfsituationen ist auch eine zeitweilige Ausdehnung berechtigt. Aber im Grunde wurde zusammen mit dem „Laufbahnmechanismus“ das im Statut festgeschriebene Prinzip der Wahl der Kader(Personalauswahl) von unten nach oben auf den Kopf gestellt. Folgen dieser und anderer Tendenzen waren eine Aufweichung des kommunistischen Parteibewusstseins und das verstärkte Hochkommen des Karrierismus.

Es bleibt festzustellen: die Rechte und Pflichten der Parteimitglieder waren beträchtlich, wurden aber durch stetige Einengungen konterkariert. War es bis zum VIII. Parteitag üblich, dass turnusmäßig Beratungen des Politbüros mit den Ersten Sekretären der Kreisleitungen durchgeführt wurden, verkam diese Form des demokratischen Meinungsaustausches der Führung mit diesem Kreis der Basis-Funktionäre in eine Form der Disziplinierung. An Stelle regen Erfahrungsaustausches trat ein 5-stündiges Referat des Generalsekretärs, das den Ersten Sekretären danach gedruckt ausgehändigt wurde mit der Verpflichtung, es wörtlich vor dem Kreisparteiaktiv zu verlesen. Diskussionen darüber gab es nicht mehr.

In Zusammenhang mit diesen Tendenzen steht die Frage nach der Mitgliederstärke der Partei. Und die Frage: Wer kann Mitglied der Partei sein? Aus der Geschichte der KPdSU ist die prinzipielle Auseinandersetzung zwischen Lenin und Markow zum Punkt I des Statuts (zur Parteimitgliedschaft) bekannt. Lenins Standpunkt war, dass das Statut als „Grundgesetz der Partei“ exakt formuliert, wodurch ein Mitglied der Partei sich auszeichnen muss. Er wandte sich dabei gegen die Definition der Partei als „Massenpartei“. Lenin vertrat den Standpunkt, dass eine strenge Auswahl die zahlenmäßige Stärke der Partei bestimmen muss. Zitat: „…es ist besser, zehn Arbeiter bezeichnen sich nicht als Parteimitglied als dass ein Schwätzer das Recht und die Möglichkeit hat, Parteimitglied zu sein.“ Die zahlenmäßige Stärke der Partei wurde von ihm stets mit dem Bewusstseinsstand der Mitglieder und dem Parteierziehungsprozess in unterschiedlichen konkret-historischen Situationen gesehen. Er verwies auf den Zusammenhang zwischen zahlenmäßiger Größe der Partei und damit verbundener „unvermeidlicher Tendenz der Zunahme des Zentralismus“ und „organisatorischer Verschwommenheit“. Und Lenin sah die reale Gefahr, „dass die Versuchung, in die Regierungspartei einzutreten, riesig groß ist und damit Karrieristen in die Partei kommen“. 1922 stellte Lenin fest, dass die KPdSU mit 300 000 Mitgliedern entschieden zu groß sei und er forderte eine Verringerung der Mitgliederzahl. Als Weg dazu schlug er eine Verlängerung der Kandidatenzeit vor, „man müsse sie zu einer ernsthaften Probezeit“ gestalten, und er forderte, konkret festzulegen, worin das wirkliche Durchmachen der Kandidatenzeit bestehen und wie die Kontrolle darüber ausgeübt werden soll. Dieses Leninsche Vermächtnis wurde in der SED vor allem ab der Mitte der 1950er Jahre nicht mehr beachtet.

Mitgliederentwicklung der SED:

1946: nach Vereinigungs-Parteitag   1 298 415

1949: nach Gründung der DDR          1 603 754

1970:                                                      1 904 026

1988:                                                      2 300 000

Die Schieflage der Mitgliederentwicklung wird auch an solchen Fakten sichtbar wie dem, dass der Grad der Organisiertheit in der SED unter Pädagoginnen und Pädagogen 70 % betrug. Ähnlich war das unter der Intelligenz in den Industriegroßbetrieben. Die Kandidatenzeit wurde mehr und mehr zur Formalität. In den 1970er Jahren wurde sogar den Kreisleitungen der FDJ das Recht zuerkannt, eine Bürgschaft zu übernehmen. Auch die mehrfach durchgeführten Parteiüberprüfungen bzw. Umtauschaktionen der Mitgliedsbücher wurden nicht zu einer Parteireinigung genutzt und waren keine Schritte, um die Rolle der Partei als Avantgarde damit immer neu zu erringen. Die Auswirkungen auf die politisch-ideologische Festigkeit und Kampfkraft der Partei wurden bald sichtbar. Die Losung: „Wo ein Genosse ist, da ist die Partei“ war zur reinen Agitationsphrase(Werbespruch)  geworden.

Das vom IX. Parteitag veränderte Programm war Ausdruck einer vom realen Stand der gesellschaftlichen Entwicklung geprägten Realitätsferne und hatte mit einer wissenschaftlichen, marxistischen Gesellschaftsperspektive nichts gemein.

Blick in den großen Saal des Palastes Der Republik während der Beratungen dees IX. Parteitages der SED
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Annahme des Parteiprogramms der SED durch die Delegierten des Parteitages
Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Entnommen aus „Unter Feuer – Die Konterrevolution in der DDR“ Herausgeber OFFENSIV, Original-Autor dieses Beitrages ist Dip. Ing. ök Dieter Itzerott, Torgau in Kooperation mit dem Historiker Dr. Kurt Gossweiler, Berlin

Bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Buch „Unter Feuer“

Der Wechsel von Walter Ulbricht zu Erich Honecker

Die Ablösung Walter Ulbrichts durch Erich Honecker, die offiziell auf Wunsch von Walter Ulbricht und mit der Berufung auf sein Alter von ihm selbst erklärt und der Partei bekanntgemacht wurde, hatte eine Vorgeschichte und erfolgte nicht ohne Einfluss aus Moskau.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Am 21. Januar 1971 hatten sich einige Mitglieder des Politbüros der SED, darunter Axen, Grüneberg, Hager, Honecker, Mittag, Müncheberger und Kleiber, an das Politbüro der KPdSU mit einem Brief gewandt in dem sie sich auf Differenzen mit Walter Ulbricht zu Grundlagen der Politik beriefen und Leonid Breschnew baten, „in den nächsten Tagen mit Genossen Walter Ulbricht ein Gespräch zu führen, in dessen Ergebnis dieser von sich aus das Zentralkomitee der SED bittet, ihn auf Grund seines hohen Alters und seines Gesundheitszustandes von der Funktion des Ersten Sekretärs zu entbinden. Diese Frage sollte möglichst bald gelöst werden, das heißt unbedingt noch vor dem VIII. Parteitag der SED.“

So verlief der Wechsel dann auch.

Nach der Wahl Erich Honeckers zum Generalsekretär des Zentralkomitees der SED
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Das ist keineswegs als Wechsel von einem Marxisten-Leninisten zu einem Revisionisten zu sehen. Aber der Wechsel von einem im Klassenkampf erfahrensten und begabtesten Führer der deutschen und internationalen kommunistischen und Arbeiterbewegung zu einem vom besten Willen erfüllten, aber infolge schwacher Führungsqualitäten leicht auf Abwegen zu führendem Parteiführer. (Erich Honecker galt auch bei vielen Menschen in der einfachen Bevölkerung als lieber und guter Opa, der nicht „nein“ sagen kann. Auch als zu „weich“ wurde er wahrgenommen. Diese Eigenschaften sind keine guten Voraussetzungen für das verantwortungsvolle Amt eines Partei- und Regierungschefs.)

Überblickt man die fast 20 Jahre, in denen Erich Honecker an der Spitze der SED und des Staates stand, dann muss man feststellen, dass es ihm subjektiv ehrlich um das Wohl der DDR ging. Er hat nie daran gedacht, diese dem Imperialismus auszuliefern. Zunächst erschien es so, als sei mit ihm die Ära der größten Erfolge der DDR angebrochen. Unter der Losung der „Einheit von Wirtschafts- und Sozialpolitik“ wurde ein umfassendes Sozialprogramm verkündet, dass von Werktätigen (Erwerbstätigen) freudig begrüßt wurde. Aber es handelte sich bei den ersten Fortschritten im Grunde nicht um Erfolge der neuen Führung, sondern die Ernte der vorangegangenen Jahre. Bald stellte sich heraus, dass das erhoffte Wachstum der Arbeitsproduktivität und der Wirtschaftskraft nicht wie geplant eintrat.

Die hohen Sozialleistungen waren „auf Sand gebaut“, wie zum Beispiel das gigantische Wohnungsbauprogramm und andere hohe Sozialleistungen. Es stellte sich bald heraus, dass das erhoffte Wachstum der Arbeitsproduktivität und die Wirtschaftskraft nicht wie geplant eintrat.  (Es fehlte die notwendige Akkumulation, wie es damals hieß. Heute würde man sagen, es fehlte die Gegenfinanzierung.)

Die Erwartungen der Menschen, die immer mehr Vergleiche mit dem Lebensstandard der BRD zogen, wurden enttäuscht. Das wäre zu ertragen gewesen, wenn die Partei offen die Ursachen der negativen Entwicklung dargelegt und mit den Parteimitgliedern und den Massen darüber beraten hätte, wie man sie meistern könnte.

Die Parteiführung ging den anderen Weg, den des Administrierens, der Vertuschung von Widersprüchen und Problemen und der Schönfärberei, der in der Medienpolitik Ausdruck fand. Die Kluft zwischen Partei und breiten Teilen der Massen war groß geworden und innerhalb der Partei verlor die Führung immer stärker das Vertrauen der einfachen Mitglieder.

Besonders drastische Auswirkungen hatte die unter Einfluss der Thesen des XX. Parteitages und der sie vertretenden revisionistische Kräfte der KPdSU getroffene Einschätzung der internationalen Beziehungen und das damit verbundene Abweichen vom klaren marxistisch-leninistischen Standpunkt der friedlichen Koexistenz. Diese neue Einschätzung ging davon aus, „dass die imperialistischen Kräfte nunmehr die von der SU und der sozialistischen Staatengemeinschaft verfochtenen Prinzipien der friedlichen Koexistenz als einzig mögliche Grundlage für die Normalisierung der Beziehungen von Staaten entgegengesetzter Gesellschaftsordnung anerkennen müssen.“ Die Tatsache, dass 1972 zahlreiche kapitalistische Staaten die DDR völkerrechtlich anerkannten und im gleichen Zeitraum die DDR in die UNO aufgenommen wurde, schien das zu bestätigen. Hinzu kam die Einschätzung, dass nun die Barriere der NATO gegen die DDR durchbrochen worden wäre.

Gab es wirklich plötzlich die „Friedensfähigkeit“ des Imperialismus und der NATO? War die treffende, weitsichtige Einschätzung der neuen imperialistischen Strategie „Wandel durch Annäherung“, die der erfahrene Kommunist und Außenpolitiker Otto Winzer getroffen hatte, dass es sich hier nämlich um die „Konterrevolution auf Filzlatschen“ handelt, vergessen?

Nüchtern betrachtet hatte die Parteiführung damit auf außenpolitischem Gebiet der revisionistischen Aufweichungspolitik in die Hände gearbeitet. So auch bei der Vorbereitung und Durchführung des folgenden KSZE-Prozesses und dem Abschluss des Helsinki-Abkommens.

Eine besondere Fehlhandlung war die Billigung des gemeinsamen Dokuments von SED und SPD vom August 1987 „Der Streit der Ideologien und die gemeinsame Sicherheit“, mit dem die Autoren eine Vorarbeit für den Herbst 1989 leisteten. Sie ging der imperialistischen Strategie auf den Leim und dem offenen Verrat einiger Mitautoren in der Arbeitsgruppe, darunter Prof. Otto Reinhold und Rolf Reißig. Prof. Erich Hahn, einer der Verhandlungsführer, sagte im August 2002 in einer Erklärung zu den eigentlichen Motiven für diese Aktion, es sei darum gegangen, Erscheinungen des Abschottens und der Abgrenzung gegenüber der westlichen Welt zu überwinden. Die Vision eines Hauses Europa schien in greifbare Nähe zu rücken.“

Hier wurde der Grad der ideologischen Aufweichung marxistisch-leninistischer SED-Positionen zugegeben. An die Stelle der friedlichen Koexistenz als Form des Klassenkampfes trat der die Gegenseite harmonisierende Terminus „Systemwettbewerb“. In einem erheblichen Teil der Mitgliedschaft der Partei erhob sich Protest dagegen, dass dem Imperialismus auf einmal „Reform und Friedensfähigkeit“ bescheinigt worden war. Nur zwei Beispiele dafür, was da unterschrieben wurde:

  1. „Die offene Diskussion über den Wettbewerb der Systeme, ihre Erfolge und Misserfolge, Vorzüge und Nachteile muss innerhalb jedes Systems möglich sein.“
  2. „Die SED unterstützt die für beide Seiten gültigen Grundsätze der pluralistischen Demokratie und bewilligt die erleichtere Verbreitung von periodischen und nicht periodisch erscheinenden Zeitungen und gedruckten Veröffentlichungen.“

Die SED war in die Falle der imperialistischen Strategie gegangen! Das waren die Einfallstore für die imperialistische Konterrevolution.

Wir erlebten nun, wie auf Grundlage des Helsinki-Vertrages die DDR systematisch sturmreif geschossen wurde. Auf dem IX. Parteitag der SED 1976 wurde die Übereinstimmung mit der revisionistischen Moskauer Linie erneut unterstrichen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

In dem dort beschlossenen Parteiprogramm wurde der Kommunismus als reales Ziel formuliert. In einer nachfolgenden Beratung mit Jugendaktivisten erklärte Erich Honeckerdie Jugend der DDR zum Erbauer des Kommunismus“ und ergänzte, „dass auch er davon ausgeht, den Kommunismus noch zu erleben.“  

Blick in den großen Saal des Palasts der Republik während der Beratungen des IX.Parteitages der SED
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Davon ist auch im Geschichtsbuch der DDR die Rede. Dass diese realitätsferne Großspurigkeit auf Chruschtschow zurückgeht, ist da nicht die Rede, denn in den Schulbüchern der DDR wurden Stalin und Chruschtschow gleichermaßen nicht benannt und verschwiegen. Hier in diesem Buch „Unter Feuer“ geht es folgendermaßen weiter.

Was für eine Ähnlichkeit mit den realitätsfernen, großmäuligen Prognosen eines Chruschtschow! Was für eine Realitätsferne angesichts der realen Lage in der Gesellschaft in der DDR! Es offenbarte sich das Maß der ideologischen Infiltration, der die DDR auch in der letzten Phase ihres Bestehens ausgesetzt war.

Die Saat Gorbatschows tat schließlich – trotz unbestrittener Bemühungen Erich Honeckers und anderer, sie in der DDR nicht aufgehen zu lassen-ihr Werk. Der die DDR zersetzende Revisionismus war nicht nur ein Moskau-Import-Produkt, sondern zum Teil auch hausgemacht. Trotz allem hatte Erich Honecker nie daran gedacht, die DDR den Imperialisten auszuliefern. (Beweis: sein kurz vor seinem Tode veröffentlichte Buch „Zu dramatischen Ereignissen“, dessen Erkenntnisse als die eines ehrlichen Kommunisten zu bewerten sind.)

Immer deutlicher zeigte sich, dass der XX. Parteitag zur entscheidenden negativen Zäsur in der Geschichte der UdSSR und der gesamten kommunistischen Weltbewegung geworden war. Unter der verlogenen Flagge „Rückkehr zu Lenin“ erfolgte der Bruch mit dem Leninismus und der Übergang auf die Positionen des Revisionismus in fast allen Grundfragen. Kurt Gossweiler nennt hier vier Hauptlinien:

 

  1. Klassenversöhnung statt Klassenkampf; für die Versöhnung mit dem Imperialismus; globale Menschheitsinteressen stünden über den Klasseninteressen; die Probleme wären nur gemeinsam mit dem Imperialismus zu lösen;
  2. Imperialismus als Vorbild für die Gestaltung des Sozialismus;
  3. Austausch von Freund- und Feindbild;
  4. Die Zerstörung des kommunistischen Parteibewusstseins.

Der Verlauf der Entwicklung bestätigt überzeugend seine Analyse!                                                                                    Mit Walter Ulbricht an der Spitze führte die SED einen ebenso entschlossenen wie flexiblen Kampf zur Verteidigung einer marxistisch-leninistischen politischen Linie. Dafür geriet sie nicht nur ins Feuer des Klassengegners, sondern sah sich immer häufiger gezwungen, Fallen auszuweichen und unschädlich zu machen, die von Moskau ausgingen. Walter Ulbricht musste bis zum Sturz Chruschtschows eine Gratwanderung vollbringen, die höchste politische Meisterschaft voraussetzte. Bei seinen Versuchen, ihn von der Spitze der SED zu beseitigen, nutzten Chruschtschow und seine Verbindungsleute in der DDR Meinungsverschiedenheiten und persönliche karrieristische Bestrebungen, die es in der Parteiführung gab, um eine Politbüro – und ZK-Mehrheit zustande zu bringen. Das war der Hintergrund der „Affären“ (Herrnstadt/Zaiser, Schirdewahn).

Bei Beachtung aller komplizierten Zusammenhänge muss man sagen, dass die SED bis 1970 nie eine revisionistische Partei war!

Entnommen aus „Unter Feuer – Die Konterrevolution in der DDR“ Herausgeber OFFENSIV, Original-Autoren dieses Beitrages Dip. Ing. ök Dieter Itzerott, Torgau in Kooperation mit dem Historiker Dr. Kurt Gossweiler, Berlin

Bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Buch „Unter Feuer“