Zerfall der Sowjetunion

USSR_Republics_Numbered_Alphabetically

Die Nachfolgestaaten der Sowjetunion

Nachfolgestaaten der Sowjetunion: 1. Armenien 2. Aserbaidschan 3. Weißrussland 4. Estland 5. Georgien 6. Kasachstan 7. Kirgisistan 8. Lettland 9. Litauen 10. Moldawien 11. Russland (Rechtsnachfolger) 12. Tadschikistan 13. Turkmenistan 14. Ukraine 15. Usbekistan

 

Bildquelle: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=109604

 

 

Am 8. Dezember 1991 unterzeichneten die Präsidenten Russlands, der Ukraine und Weißrusslands – Boris Jelzin, Leonid Krawtschuk und Stanislau Schuschkewitsch – im Nationalpark Beloweschskaja den sogenannten Vertrag von Minsk bzw. die Vereinbarungen von Beloweschskaja Puschtscha, worauf Schuschkewitsch dem sowjetischen Präsidenten Gorbatschow die Vertragsunterzeichnung telefonisch mitteilte. In diesen Vereinbarungen wurde die offizielle Auflösung der Sowjetunion festgehalten, der Vertrag zur Schaffung der UdSSR von 1922 außer Kraft gesetzt und die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten gegründet, die am 21. Dezember 1991 mit der Erklärung von Alma-Ata (1991) bestätigt wurde.

 

Chronologie Zerfall Sowjetunion 2

entnommen Wikipedia

 

Nach der Auflösung der Sowjetunion und nach dem Untergang des Sozialismus ging die gesamtwirtschaftliche Produktion in Russland von 1990 bis 1996 Jahr für Jahr zurück.

In diesem Zeitraum verringerte sich das Bruttoinlandsprodukt (BIP) in Russland insgesamt um etwa 40 % und nahm dann ab 1999 jährlich zwischen 5 und 10 % zu. Noch im Jahr 2010 lag die russische Industrieproduktion laut Statistikamt bei nur 83,8 Prozent des Niveaus von 1991 – im Fahrzeugbau lag der Ausstoß sogar nur bei 49,6 Prozent.[6]

In Kirgisistan sprechen vorsichtige Schätzungen von einem Anstieg der Armut auf über 75 % im Jahr 1993 bei einem Rückgang des BIP von 21 %. Auch 1997 lebten noch 50 % der kirgisischen Bevölkerung in Armut.[7]

Die Lebenserwartung in Russland sank zwischen 1991 und 1994 von 69 auf weniger als 64 Jahre; einige Jahre starben mehr Menschen, als neu geboren wurden.Besonders der Gesundheitszustand von Männern verschlechterte sich – sie konnten Mitte der 1990er Jahre lediglich mit einer durchschnittlichen Lebenszeit von 58 Jahren rechnen. Zu Beginn des 21. Jahrhunderts lag die Lebenserwartung mit 62,8 Jahren noch immer niedriger als in Bangladesch.[8]

Nach der formalen Auflösung der Sowjetunion Ende 1991 kam es in der Folgezeit in zahlreichen ehemals sowjetischen Regionen zu bewaffneten Konflikten. Beispiele dafür sind der Bergkarabachkonflikt 1988–1994, der Transnistrien-Konflikt mit dem Höhepunkt 1992, der Georgisch-Abchasische Krieg 1992–1993, der Tadschikische Bürgerkrieg 1992–1997, die russische Verfassungskrise 1993 in Moskau, der Erste(1994–1996) und der Zweite Tschetschenienkrieg (1999–2009), der Dagestankrieg 1999, der Kaukasuskrieg 2008, die Unruhen in Südkirgisistan 2010, die Krimkrise und der Krieg in der Ukraine seit 2014.

„Vielen war klar, dass die UdSSR nach dem Putschversuch im August 1991 bereits zerfallen war, sie fürchteten sich jedoch davor, das auch auszusprechen.“

– Stanislau Schuschkewitsch[9]

In seiner Rede zur Lage der Nation im April 2005 bezeichnete der russische Präsident Wladimir Putin den Zerfall der Sowjetunion 1991 als „die größte geopolitische Katastrophe“ des 20. Jahrhunderts.[10] Laut Kirill Rogow sei dabei das Wort „geopolitisch“ zu beachten, welches dem modernen Russland außenpolitische Klischees der Sowjetzeit überstülpe. Zwar war die Wehmut über den Verlust der Sowjetunion in den 1990er-Jahren in der Bevölkerung Russlands kontinuierlich bis zu einem Höhepunkt von 70 Prozent zu Beginn der 2000er-Jahre gestiegen; ab Mitte der 2000er sank jedoch dieser Anteil und erreichte in den Jahren 2011/12 unter 50 %. Das Gegenteil traf für den politischen Diskurs der Putin-Epoche zu: Das Thema „Zerfall der Sowjetunion“ habe an Bedeutung gewonnen und sei Teil des Narrativs einer innenpolitischen Bedrohung. Eine solche Bedrohung, ob real oder imaginär, bestimme die Prioritäten der politischen Agenda: Zivile Elemente träten in den Hintergrund zugunsten einer „Mobilisierungsagenda“, einem Kampf um die Erhaltung des Status quo.[11]

Wappen wird ersetzt

 

Bildquelle: Von Photos by Steve/Ruth Bosman (1982) and Ed Yourdon (2008); cropping, image editing and montage by MaGioZal – File:Supreme Soviet 1982.jpg and File:Grand Kremlin Palace, Moscow.jpg, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11188070

 

Nach der Auflösung der Sowjetunion wurde das Staatswappen der Sowjetunion mit der Aufschrift „СССР“ (oben) an der Fassade des Großen Kremlpalasts durch fünf Doppeladler mit dem Wappen Russlands (unten) ersetzt.

 

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

Ergänzung:

Die Schulden der 14 anderen ehemaligen Sowjetrepubliken, hat übrigens Russland abbezahlt. Darunter 16 Milliarden Dollar der Ukraine.

Siehe:

RT deutsch    RT deutsch

 

 

Der Aufbau des Sozialismus in der UdSSR

Die Masseninitiative der Werktätigen beim sozialistischen Aufbau

 

Wie es Lenin in seinem Plan des Aufbaus des Sozialismus dargelegt hatte, konnte die wirtschaftliche Entwicklung nur vorangebracht werden, wenn die Sowjetvölker eine hochentwickelte Industrie, vor allem eine moderne Schwerindustrie aufbauten. Die Schwerindustrie ist die Grundlage für den Werkzeugmaschinenbau, für die Traktorenindustrie, für die Verteidigungsindustrie und für alle anderen lebenswichtigen Industriezweige.

Riesige Geldsummen waren erforderlich, um die sozialistische Industrialisierung zu finanzieren. Diese Mittel mussten im wesentlichen aus eigenen Quellen und aus eigener Kraft aufgebracht werden, die die imperialistischen Großmächte verweigerten der UdSSR Kredite zu normalen Bedingungen.  Der Sowjetstaat konnte die Gewinne aus den staatlichen Industriebetrieben, dem Verkehrswesen, den Banken sowie aus dem staatlichen Innen- und Außenhandel für die Entwicklung der sozialistischen Industrie verwenden. Aber diese Finanzquellen reichten keineswegs aus. Die KPdSU, die nach dem Tode Lenins von J.W. Stalin geleitet wurde, orientierte die Arbeiterklasse auf strenge Sparsamkeit in den Betrieben und Verwaltungen sowie auf die Zurückstellung der Entwicklung bestimmter Industriezweige zugunsten des Aufbaus der industriellen Schwerpunkte. Durch diese Maßnahmen wurden die notwendigen zusätzlichen Mittel gewonnen. Im Wirtschaftsjahr 1926/27 investierte der Sowjetstaat etwa 1 Milliarde Rubel in die Industrie, nach drei Jahren schon mehr als 5 Milliarden Rubel. Es begann der Aufbau des Wasserkraftwerkes am Dnepr, der Turkestan-Sibirischen Eisenbahn, des Traktorenwerkes in Stalingrad(heute Wolgograd)und anderer großer Industriewerke.

Bau Turkestanisch-Sibirische Eisenbahn

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, Stand 1982

 

Alle Aufgaben des Aufbaus des Sozialismus wurden von der KPdSU und der Sowjetregierung in Fünfjahrplänen miteinander abgestimmt und verbindlich festgelegt. Parteitage der KPdSU diskutierten und Beschlossen die Hauptaufgaben dieser Pläne. Der XV. Parteitag der KPdSU erklärte 1927, dass die wirtschaftliche Hauptaufgabe des ersten Fünfjahrplanes(1928/29 bis 1932/33)darin bestehe, vorrangig die sozialistische Schwerindustrie zu entwickeln und den Anteil des sozialistischen Sektors in der Volkswirtschaft zu erhöhen. Der XVII. Parteitag bestätigte Anfang 1934 die Hauptaufgaben des zweiten Fünfjahrplanes(1933 bis 1937). Es sollten die sozialistische Industrialisierung abgeschlossen und damit die Grundlagen für eine Ausbeutung des Menschen durch den Menschen für immer restlos beseitigt werden.

Arbeiten am Fundament des ersten Hochofens

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Mit bespiellosem Heroismus gingen viele Werktätige an den Aufbau der neuen Werke.

aus Erinnerungen Aufbauleiter Kusnezker Hüttenkombinat

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Zentren Aufbau Sozialismus europäischer Teil UdSSR

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Auf den Großbaustellen mangelte es anfangs an Baumaschinen. Die Sowjetunion konnte nur wenige Bagger und andere Maschinen aus dem Ausland kaufen. Der Einsatz von vielen Menschen mit Schaufeln und Schubkarren war oft der einzige Ausweg.

Eine hervorragende Leistung erzielten die Erbauer des ersten sowjetischen Traktorenwerkes in Stalingrad. Strenge Winterkälte schien die Glaserarbeiten auf dem 15 Meter hohen Dach der Montagehalle unmöglich zu machen. Die Glaser stellten die Arbeit ein. Doch da bildete sich auf Initiative einer ehemaligen Landarbeiterin eine Stoßbrigade aus Komsomolzinnen. Angeleitet von einem erfahrenen Facharbeiter, verglasten sie bei 25 Grad Kälte das Dach und ermöglichten so eine Fortsetzung der Bauarbeiten.

Eine wichtige Methode zur Lösung der Aufgaben beim Aufbau des Sozialismus war der sozialistische Wettbewerb. Sollten die Aufbaupläne erfüllt werden, musste die politische und wirtschaftliche Aktivität der Werktätigen gesteigert werden. Die KPdSU setzte ihre Generallinie für den Aufbau des Sozialismus über die Kommunisten durch, die auf den Baustellen und in den Betrieben arbeiteten. Kommunisten organisierten den sozialistischen Wettbewerb. Er förderte die Masseninitiative für die Erfüllung des Fünfjahrplanes. Steigerung der Arbeitsproduktivität, Senkung der Selbstkosten und Festigung der Arbeitsdisziplin standen seit Anfang 1929 im Mittelpunkt des Wettbewerbes der sowjetischen Arbeiter. Die Arbeitsproduktivität stieg im Jahre 1929 im Vergleich zum Vorjahr um nahezu 13 Prozent und übertraf den Vorkriegsstand um das mehr als 1,3fache.

Als im Juli 1929 beim Bau des Dnepr-Wasserkraftwerkes die Gefahr entstand, dass das schon begonnen Gießen von 180 000 Kubikmetern Beton nicht bis zum Eintreten der Frostperiode Anfang November geschafft werden könnte und die amerikanischen und deutschen Berater dadurch eine längere Unterbrechung aller Bauarbeiten für unvermeidlich hielten, kämpften 10 000 Bauarbeiter im sozialistischen Wettbewerb um den rechtzeitigen Abschluss der Betonierarbeiten. Stoßbrigaden der Komsomolzen verdoppelten die Produktion des Schotterwerkes und erhöhten die bisherigen Leistungen im Betonieren fast auf das Dreifache. So gelang es, allein im September 57 000 Kubikmeter Beton zu gießen. Damit wurde auf diesem Gebiet selbst die damals in den USA erzielte Höchstleistung von 52 330 Kubikmetern beträchtlich überboten.

Die Bewegung der Stoßarbeiter in der Industrieproduktion breitete sich im ganzen Sowjetland aus. Ende 1933 gab es in der Industrie und im Verkehrswesen etwa fünf Millionen Stoßarbeiter.

Im Donezbecken, wo die Häuer anstelle alter primitiver Werkzeuge moderne Presslufthämmer erhielten, organisierte der junge Häuer Alexej Stachanow die Arbeit in seiner Schichte auf neue Weise; und zwar so, dass das moderne Abbaugerät während der ganzen Schicht voll genutzt werden konnte. Daraufhin erreichte er in der Nacht zum 31. August 1935 eine Förderleistung von 102 Tonnen Kohle. Damit überbot er die alte Norm um das Vierzehnfache. Sein Beispiel, die neue Technik voll zu nutzen, wurde bald  von andren aufgegriffen, es begann eine neue Etappe im sozialistischen Wettbewerb, die Stachanowbewegung.

Stachanow 1935

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, Stand 1982

 

Die ausländischen Imperialisten, an der Spitze die in England herrschenden Kreise, versuchten mit allen Mitteln, den sozialistischen Aufbau zu verhindern oder zu verzögern. Sie fürchteten seine anspornende Wirkung auf die Unterdrückten in den kapitalistischen Ländern. Deshalb verstärkten sie im Innern der Sowjetunion die konterrevolutionäre Terror- und Sabotagetätigkeit.

So warfen beispielsweise Agenten der englischen Imperialisten 1927 in Leningrad(heute St. Petersburg)Bomben in einen Parteiklub. 30 Sowjetbürger wurden dabei verletzt.

Im Rayon Schachty im Donezbecken organisierte eine Gruppe bürgerlicher Spezialisten, die von einer imperialistischen Diversionszentrale in Paris gelenkt und finanziert wurde, Schäden im Kohlebergbau. Sie wiesen hier bewusst falsche Wege zur Erschließung und zum Abbau der Kohlevorkommen, zerstörten Maschinen und Belüftungsanlagen, verursachten Wassereinbrüche, um den Kohlebergbau, die damals wichtigste Brennstoffquelle, zum Erliegen zu bringen. Doch der Sowjetmacht gelang es, 1928 die Mitglieder dieser Bande dingfest zu machen.

Ähnliche konterrevolutionäre Sabotageakte wurden unter anderem im Transportwesen, im Maschinenbau, in der Rüstungs-, Werft- und Edelmetallindustrie sowie in der Chemie- und Textilindustrie aufgedeckt.

Trotz dieser und anderer Störtätigkeit der Imperialisten und ihrer Helfer lösten die Sowjetmenschen erfolgreich die Hauptaufgaben der Fünfjahrpläne.

Gemessen am Gesamtumfang der Industrieproduktion, hatte die UdSSR 1936 Deutschland, England und Frankreich überholt und rückte auf den zweiten Platz in der Welt nach den USA.

Die Sowjetunion verfügte über eine leistungsstarke Schwerindustrie, die in der Lage war, alle erforderlichen Produktionsmittel zu erzeugen. 1936 erwirtschaftete die Schwerindustrie bereits einen Gewinn von 3,2 Milliarden Rubel.

Entwicklung Kohleförderung, Stahl- und Stromerzeugung

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft

 

Während die Industrieproduktion im ersten Fünfjahrplan jährlich durchschnittlich um nahezu 20 Prozent wuchs, blieb die Landwirtschaft weit hinter dem Wachstumstempo der Industrie zurück. Grundlegend verändern ließ sich die Situation in der Landwirtschaft-wie es Lenin nachgewiesen hatte, nur durch einen revolutionären Umgestaltungsprozess, durch die genossenschaftliche Vereinigung der Kleinbetriebe zu Großwirtschaften und den Einsatz moderner Landwirtschaftsmaschinen auf großen Flächen. Über genossenschaftliche Einrichtungen, landwirtschaftliche Kreditgenossenschaften und staatliche Kredite führten Partei und Regierung beharrlich und zielstrebig Klein- und Mittelbauern an die Kollektivwirtschaft(Kolchos)heran. Geduldige Überzeugungsarbeit, Senkung der Naturalsteuer für entstandene Kollektivwirtschaften und andere materielle Anreize führten zur Festigung der vorhanden und zum Entstehen neuer Kolchosen.

1929 vollzog sich in diesem Prozess ein großer Umschwung. Nun traten nicht mehr einzelne Gruppen von Bauern in die Kolchosen ein, sondern oft ganze Dörfer. Allein die Zeit von Julie bis September 1929 schlossen sich etwa eine Million Bauernhöfe zu Kollektivwirtschaften zusammen, das heißt, fast ebenso viele wie im Laufe der zwölf Jahre seit der Oktoberrevolution.

Diese Entwicklung versuchten die Kulaken mit allen Mitteln aufzuhalten.

Sie verbreiteten in der Bauernschaft beispielsweise das Gerücht, dass die Kollektivwirtschaften den Bauern alles Vieh wegnehmen wollten. Viele Bauern schenkten dieser Lüge Glauben und schlachteten ihr Vieh und Geflügel ab. Dadurch verminderte sich 1929/30 in der Sowjetunion der Bestand an Rindern um 14,6 Millionen Stück, an Schweinen um ein Drittel und an Schafen und Ziegen um ein Viertel. Das war ein schwerer Schlag gegen die Viehwirtschaft, von dem sie sich nicht so bald erholen konnte. Wirtschaftsgebäude, Maschinen und Inventar der Kolchosen wurden von Kulaken zerstört und ganze Dörfer, die sich zu Kollektivwirtschaften vereinigt hatten, in Brand gesteckt. Heimtückisch wurden Förderer der Kolchosbewegung, Partei- und Wirtschaftsfunktionäre, Kleinbauern und Landarbeiter ermordet.

Die KPdSU und der Sowjetstaat traten diesem konterrevolutionären Treiben energisch entgegen. Sie beseitigen die Kulaken als Klasse. Die örtlichen Behörden erhielten das Recht, den Besitz der Kulaken zu enteignen und sie aus den Rayons, Kreisen oder Gebieten auszuweisen. Wer sich bereit zeigte, den Anordnungen der Sowjetmacht Folge zu leisten, durfte nach der Enteignung in seinem bisherigen Wohnort bleiben. Allen Kulaken, auch den ausgesiedelten, wurde die Möglichkeit gegeben, durch ehrliche Arbeit den notwendigen Lebensunterhalt zu sichern und nach einer gewissen Zeit wieder die vollen Bürgerrechte zu erhalten.

Anteil Kollektivwirtschaften Landwirtschaft

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Aufnahme neuer Mitglieder in Kolchos 1930

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Eine außerordentlich wichtige Rolle bei der Schaffung und Festigung der Kollektivwirtschaften spielten die Maschinen-Traktoren-Stationen(MTS). Sie regten in ihren Arbeitsbereichen Bauern dazu an, zur gemeinsamen Bodenbestellung überzugehen. Mit der Errichtung der MTS übernahm der Sowjetstaat sowohl die technische Betreuung der Kollektivwirtschaften als auch die Ausbildung der erforderlichen Fachkräfte. Die MTS waren Vorbild für die spätere DDR.

Entwicklung MTS 1928 bis 1937

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Um die Genossenschaftsbewegung zu unterstützen, rief die Kommunistische Partei die Betriebe dazu auf, 25 000 politisch und organisatorisch erfahrene Arbeiter zur Arbeit aufs Land zu schicken. Viele von ihnen gewannen bald als hervorragende Arbeitsorganisatoren in den Kolchosen hohes Ansehen und das Vertrauen der Bauern. Neben dieser Aktion „Industriearbeiter auf Land“ fuhren Arbeiter auch zu zeitweiliger Hilfe in die Dörfer. Das alles verstärkte den politischen Einfluss, den die Arbeiterklasse auf das Dorf ausübte.

Weil alle Hilfsmaßnahmen die Kollektivwirtschaften ökonomisch und organisatorisch festigten, und weil die Einkünfte der Kolchosbauern sichtbar stiegen, entschloss sich bald der überwiegende Teil der restlichen Einzelbauern, ebenfalls in die Genossenschaften einzutreten. Die Kolchosbauernschaft entwickelte sich zu einer festen Stütze der Sowjetmacht. Damit war die gewaltige Aufgabe der sozialistischen Umgestaltung der Landwirtschaftin der UdSSR im Wesentlichen gelöst. Im Jahre 1937 bestanden 242 500 Kolchosen, zu denen sich 93 Prozent aller Bauernwirtschaften mit 99,1 Prozent der Anbaufläche zusammengeschlossen hatten. Daneben produzierten 3992 Sowchosen.( Sowchose=Staatlicher landwirtschaftlicher Großbetrieb, der u.a. Saatgut und Zuchtvieh für die Kollektivwirtschaften liefert.)

Etwa vierzig Prozent des Getreides wurden bereits mit Mähdreschern geerntet. Die Mechanisierung der Aussaat und Ernte sowie die Verbesserung der Arbeitsorganisation erhöhten die Erträge der Kolchosen.

 

Die sozialistische Kulturrevolution in der UdSSR

Der Aufbau des Sozialismus verlangt, dass dem Volk der Zugang zur Kultur eröffnet wird, eine sozialistische Intelligenz herangebildet, ein hohes Bildungsniveau der Arbeiter und Bauern erreicht und die Werktätigen im Geiste der marxistischen Weltanschauung erzogen werden.

Um das zaristische Erbe zu überwinden und den sozialistischen Aufbau vorantreiben zu können, musste die sozialistische Kulturrevolution vor allem das Analphabetentum beseitigen.

Das Ergebnis dieser vielfältigen Bemühungen war überzeugend: Während 1918 noch 36 Prozent aller Industriearbeiter und 56 Prozent aller Arbeiterinnen Analphabeten waren, konnten 1937 fast alle Angehörigen der Arbeiterklasse lesen und schreiben.

Damit wuchs auch das Bedürfnis nach künstlerischer, gesellschafts- und naturwissenschaftlicher Literatur außerordentlich. In den Jahren des ersten und zweiten Fünfjahrplanes erschienen insgesamt 443 000 Bücher mit einer Auflage von 5, 579 Milliarden Exemplaren. Die Anzahl der Bibliotheken wuchs von 28 900 im Jahre 1929 auf 70 000 im Jahre 1938. Auf dem Gebiet der schöngeistigen Literatur halfen die Partei und der Sowjetstaat den Schriftstellern, den sozialistischen Realismus in ihren Werken zu meistern.

Von Maxim Gorki erschienen neue Kapitel aus dem „Leben Klim Samgins“, von Michail Scholochow „Der stille Don“ und „Neuland unterm Pflug“, von Nikolai Ostrowski „Wie der Stahl gehärtet wurde“.

In Romanen anderer sowjetischer Schriftsteller, wie beispielsweise von Fjodor Gladkow, Juri Krymow und Walentin Katajew, wurde das Probelm der sozialistischen Arbeit behandelt und die Entwicklung des Menschen in der neuen Gesellschaftsordnung dargestellt.

Große Erfolge wurden auch auf dem Gebiet des Films erreicht. Die Partei und der Sowjetstaat stellten ihn ganz in den Dienst der Kulturrevolution. Sergej Eisenstein und Wsewolod Pudowkin schufen solche künstlerisch hervorragenden Filme wie „Panzerkreuzer Potemkin“ und „Die Mutter“. Diese und andere Filme wie beispielsweise „Tschapajew“, „Der Mann mit dem Gewehr“, „Die Jugend Maxims“ begeisterten die Zuschauer außerordentlich.

Eine sehr große Rolle bei der politischen Aktivierung der Volksmassen, bei der Hebung ihres kulturellen Niveaus spielte der Rundfunk. Partei und Regierung zogen die Besten aus den Reihen der Kulturschaffenden zur Mitarbeit an den zentralen Sendeprogrammen heran.

Der Rundfunk wurde während des Kalten Krieges  seitens der imperialistischen Länder genutzt, um antikommunistische Propaganda zu senden. Z.B. durch „Radio Liberty“ und „Radio Free Europe“.  Mit der Zeit zeigte diese Propaganda Wirkung. Die Bevölkerung wurde „sturmreif geschossen“. So stand sie nicht mehr für ihr Land und den Sozialismus ein. Die Konterevolution konnte 1989 marschieren.

Um rasch Fachkräfte für den Aufbau des Sozialismus aus den Reihen der Arbeiter und Bauern zu entwickeln, wurden besondere Lehranstalten, Arbeiterfakultäten, gegründet, in denen sich Werktätige für das Hochschulstudium vorbereiteten. Die Anzahl der Lernenden an den Arbeiterfakultäten wuchs von 56 700 im Jahre 1928 auf 339 500 im Jahre 1932.

Eine große Erweiterung des Netzes der Hochschulen sicherte die Heranbildung von Spezialisten für alle Zweige der Volkswirtschaft und Kultur.

Anzahl Hochschulen und Studenten 1914-15

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Verankerung der Ergebnisse der sozialistischen Umwälzung durch die neue Verfassung

 

Zu den wichtigsten Ergebnissen der sozialistischen Umwälzung gehörte die Festigung der Sowjetmacht, die sich auf ein festes Bündnis der Arbeiter und Bauern stützte. Weil der Aufbau des Sozialismus allen Sowjetrepubliken politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Fortschritt brachte, festigte sich das brüderliche Bündnis zwischen den Völkern der UdSSR.

Alle diese Erfolge beruhten hauptsächlich auf der Tatsache, dass sich die sozialistischen Produktionsverhältnisse durchgesetzt hatten. Es herrschte uneingeschränkt das gesellschaftliche Eigentum an Produktionsmitteln in Form des staatlichen Volkseigentums und des genossenschaftlichen Eigentums. Die Werktätigen der Sowjetunion waren damals von jeglicher Ausbeutung befreit; die arbeiteten kameradschaftlich zusammen und halfen sich gegenseitig. Bis 1936 hatte sich eine neue Klassenstruktur herausgebildet. Alle Ausbeuterklassen waren in der Sowjetunion beseitigt.

Das Proletariat des zaristischen Russlands hatte sich in die von jeglicher Ausbeutung befreite Arbeiterklasse verwandelt, die die führende Kraft der gesellschaftlichen Entwicklung wurde.

Die Masse der Klein- und Mittelbauern hatte aufgehört, eine Schicht von Kleinproduzenten zu sein, die von Gutsbesitzern, Kulaken, Händlern und Wucherern ausgebeutet wird. Sie war zu einer neuen Klasse geworden, die sich in den Kolchosen auf freiwilliger Basis vereinigt hatte und kollektiv arbeitete.

Verändert hatte sich auch die soziale Zusammensetzung und politische Haltung der Intelligenz, der jetzt mehr als neun Millionen Menschen angehörten. Von ihnen kamen die meisten aus der Arbeiterklasse und aus der Bauernschaft. Gemeinsam mit der neuen Intelligenz arbeitete auch die Mehrheit der alten Intelligenz für das sozialistische Gesellschaftssystem.

Der zeitweilige Sieg des Sozialismus in der Sowjetunion wurde 1936 in der sozialistischen Verfassung der UdSSR verankert. In ihr wurde gesetzlich festgelegt, dass das sozialistische Wirtschaftssystem und das sozialistische Eigentum an den Produktionsmitteln die ökonomische Grundlage der Sowjetunion bilden.

Die damals neue Verfassung gewährte allen Bürgern der Sowjetunion das Recht, die Sowjets in allgemeinen, direkten, gleichen und geheimen Wahlen zu wählen und ebenso gewählt zu werden. Garantiert wurde allen Bürgern der UdSSR das Recht auf Arbeit, auf Erholung und Bildung, auf materielle Versorgung im Alter sowie im Falle von Krankheit und Invalidität. Gleichzeitig wurde den Sowjetbürgern die Pflicht auferlegt, die Gesetze des Sowjetstaates zu befolgen, Arbeitsdisziplin zu wahren, die Regeln des sozialistischen Gemeinschaftslebens zu achten, das gesellschaftliche sozialistische Eigentum zu schützen und zu mehren und durch Dienst in den Streitkräften des Sowjetstaates zur Verteidigung des sozialistischen Vaterlandes beizutragen.

Mit der damals neuen Verfassung der Sowjetunion entstand die demokratischste aller Verfassungen, die es bislang in der Welt gegeben hatte.

Der Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion bewies, dass der Sozialismus tatsächlich imstande ist, die grundlegenden Probleme der Menschheit zu lösen. Die sozialistische Gesellschaftsordnung, die auf der Macht der Arbeiterklasse und auf dem gesellschaftlichen Eigentum an den Produktionsmitteln basiert, zeigte sich fähig, die planmäßige und krisenfreie Entwicklung der Wirtschaft zu gewährleisten. Der Aufbau des Sozialismus demonstrierte zugleich, dass es möglich ist, Bedingungen für wirkliche Demokratie, für die allseitige Entwicklung der Persönlichkeit und für die Gleichberechtigung sowie die Freundschaft der Nationen zu schaffen.

Die sozialistische Gesellschaft entwickelte sich als eine Ordnung bewusster, diszipliniert und vereint arbeitender Menschen, die über sich nur die Macht ihrer eigenen Vereinigung, das System der Diktatur des Proletariats kannten, zu dem der Staat sowie Massenorganisationen gehörten, und dessen Kern die Kommunistische Partei bildete.

Arbeiter in Bäuerin 1936

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, Stand 1982

 

Der Verlauf des Aufbaus des Sozialismus in der UdSSR bewahrheitete den Grundsatz des Marxismus-Leninismus, dass die Frage der Macht die entscheidende Frage der sozialistischen Revolution ist. Die Diktatur des Proletariats erwies sich als die wichtigste Voraussetzung für eine erfolgreiche sozialistische Umwälzung. Die sozialistische Staatsmacht bildete das Hauptinstrument für die Umgestaltung der Wirtschaft und aller Gebiete des öffentlichen Lebens sowie zur Abwehr aller inneren und äußeren Feinde.

Die Praxis des Aufbaus des Sozialismus bewies die Richtigkeit des Leitsatzes Lenins von der großen Rolle der revolutionären Arbeiterpartei im Leben des Volkes; nämlich Lehrer, Leiter und Führer aller Werktätigen bei der Gestaltung ihres gesellschaftlichen Lebens zu sein. Diese Rolle konnte die Partei am Ende nicht mehr erfüllen.

Der zeitweilige Sieg des Sozialismus in der UdSSR war das Ergebnis des Durchsetzens allgemeingültiger gesellschaftlicher Gesetzmäßigkeiten. Das waren und sind: Errichtung und Entwicklung der Diktatur des Proletariats, führende Rolle der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei, Bündnis mit der Bauernschaft und allen werktätigen Schichten, sozialistische Umgestaltung der Landwirtschaft und sozialistische Kulturrevolution.

Aus Erklärung tschechoslowakische Arbeiterdelegation

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Für die Werktätigen aller kapitalistischen Länder waren die Erfolge beim Aufbau des Sozialismus in der UdSSR das Vorbild für den künftigen Aufbau des Sozialismus in allen Teilen der Welt.

Mit dem zeitweiligen Sieg des Sozialismus in der UdSSR entstand für die Arbeiterklasse der ganzen Welt ein fest organisiertest Machtzentrum, das zu schützen zu stärken oberste Pflicht aller fortschrittliche Menschen der Erde wurde

Es ist den Imperialisten gelungen dies zu unterminieren. Die Propaganda hat gewirkt.

1989/90 hat der Kapitalismus gesiegt.  Doch es wird die Geschichte verfälscht und viel gelogen. Haben die Vertreter des Kapitalismus doch Angst, dass es doch einige Menschen begreifen, dass zeitweilig eine Gesellschaft ohne Ausbeutung des Menschen durch den Menschen Bestand hatte. Die Kapitalisten fürchten sich vor einer Auferstehung des Sozialismus. Darum werden keine Geldausgaben und kein Aufwand gescheut, um die Bevölkerung zu verdummen durch falsche Geschichtsschreibung. Mit bescheidenen Mittel versucht DIE TROMMLER dem entgegenzusteuern. Dank Internet gibt es ja eine gewisse Verbreitungsmöglichkeit.

 

geschichtsbuch-ddr-9-klasse-kopie-2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet und aktualisiert durch Petra Reichel

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

 

Aufbau des Sozialismus in der UdSSR

 

Lenins Tod

Am 21 Januar 1924 starb Lenin. Jahrelange aufopferungsvolle Arbeit für die Sache der Arbeiterklasse, für die Verwirklichung ihrer historischen Mission und die Folgen eines Attentats der Konterrevolutionäre hatten dem Leben des genialen Führers des Proletariats ein vorzeitiges Ende gesetzt.

Roter Platz in Moskau

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Lenin hatte von Jugend an unbeugsam gegen Imperialismus und Reaktion gestritten. Er vertraute auf die Kräfte der Arbeiterklasse, den er sah in ihr die führende revolutionäre Klasse, die fähig ist, die weltgeschichtliche Aufgabe des Sturzes des Kapitalismus und der sozialistischen Umgestaltung der Gesellschaft zu erfüllen. Revolutionär gesonnen und wissenschaftlich gebildet, stellte er sich mit festem Willen zur Tat ganz in den Dienst der großen Sache des Proletariats. Gründliche, tiefe Kenntnis der Werke von Marx und Engels, die Fähigkeit, den Marxismus auf die jeweils gegebenen unterschiedlichen Situationen des Klassenkampfes anzuwenden, der unerschütterliche Glaube an den Sieg der Arbeiterklasse, ein großes organisatorisches Talent – alles das machte Lenin zum hervorragendsten Arbeiterführer unseres Jahrhunderts.

Er untersuchte des Imperialismus und lehrte die Arbeiterklasse, dass dieser das monopolistische Stadium des Kapitalismus ist. Lenin entwickelte die Theorie vom Hinüberwachsen der bürgerlich-demokratischen in die sozialistische Revolution und begründete wissenschaftlich die Möglichkeit und Notwendigkeit des Sieges der proletarischen Revolution in einem Lande. Er schuf die erste proletarische Partei neuen Typs, die Partei der Bolschewiki. Mit ihr führte er die Werktätigen Russlands zum Sieg über die russischen und ausländischen Imperialisten. Er begründete und leitete den Sowjetstaat, die sozialistische Sowjetdemokratie.

Lenin Kopie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Als hervorragender Denker entwickelte Lenin den Marxismus- den dialektischen Materialismus, die politische Ökonomie, die Theorie der sozialistischen Revolution und des Aufbaus des Kommunismus – schöpferisch weiter. So entstand als Ergebnis dieser allseitigen Weiterentwicklung der Wissenschaft, die Marx und Engels geschaffen hatten, der Marxismus-Leninismus. Er ist die Weiterentwicklung der Lehren von Marx und Engels unter den neuen historischen Bedingungen des 20. Jahrhunderts durch Lenin, durch die marxistisch-leninistischen Parteien und vor allem durch die  KPdSU.

Die Nachricht vom Tode Lenins löste in den Herzen der Sowjetmenschen tiefen Schmerz aus. Fast eine Woche lang zogen bei grimmigem Frost Tag und Nacht endlose Reihen Trauernder durch die Moskauer Straßen zum Säulensaal des Hauses der Gewerkschaften, wo die sterbliche Hülle des großen Revolutionärs aufgebahrt worden war.

240 000 standhafte und bewährte Arbeiter traten kurz nach dem Tode Lenins in die bolschewistische Partei ein, um als Revolutionäre mitzuhelfen, den Leninschen Plan des Aufbaus des Sozialismus zu verwirklichen. Die marxistisch-leninistische Theorie, ihre schöpferische Anwendung auf die gegebenen Verhältnisse ermöglichte es den Kommunisten, wissenschaftliche Lösungen für alle noch offenen Fragen des sozialistischen Aufbaus zu erarbeiten.

 

geschichtsbuch-ddr-9-klasse-kopie-2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

siehe auch Marxismus-Leninismus

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

 

Lenins Tod Kopie

Das Sowjetland in den Jahren 1921 bis 1924

Die Lage Sowjetrusslands nach der Zerschlagung der Intervention und Konterrevolution und Weißgardisten offenbarte die damals unzerstörbare Lebenskraft der Völker, die sich von der Herrschaft des Imperialismus befreit und die Diktatur des Proletariats errichtet hatten. Mit beispielloser Initiative, Tatkraft und Opferbereitschaft hatten die Sowjetvölker die Errungenschaften der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution verteidigt. Aber auf dem Sowjetland lasteten die furchtbaren Folgen des imperialistischen Weltkrieges und der Intervention.

Viele Städte und Dörfer lagen in Trümmern, Betriebe waren zerstört oder stillgelegt, 70 000 Kilometer Eisenbahnstrecke und fast die Hälfte der Züge unbrauchbar geworden. Sowjetrussland produzierte nur noch den siebenten Teil von dem, was das ohnehin industriell zurückgebliebene zaristische Russland vor dem ersten Weltkrieg erzeugt hatte. Die landwirtschaftlichen Erträge sanken auf 65 Prozent des Vorkriegsstandes; Missernten lösten Hungersnöte aus. Es mangelte überall an Brot, Fett, Fleisch, Brennstoff, Schuhwerk und Kleidung.

Zerstörte Transportwege

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Und dieses verarmte Sowjetland blieb darüber hinaus von imperialistischen Großmächten umgeben, deren reaktionärste und aggressivste Vertreter ihre Politik, den Sowjetstaat zu vernichten, nicht aufgegeben hatten. Schließlich hatten sie ja 1989 Erfolg.

Auf der Flucht vor Hunger wanderten viele Industriearbeiter aufs Land. 1920 gab es im Sowjetland nur noch halb soviel Industriearbeiter wie 1913. Gleichzeitig wurden viele Bauern mit der Ablieferungspflicht unzufrieden, die in der Periode des Kriegskommunismus fortgesetzt wurde.  Die Bauern wollten ihre Erzeugnisse frei auf dem Markt verkaufen. Konterrevolutionären Elementen gelang es deshalb, die Bauern in einigen Orten der Ukraine, des Dongebietes und Sibiriens zu Aufständen aufzuwiegeln.

Um die Revolution weiterführen zu können, war es notwendig, die Landwirtschaft, die Industrie und das Verkehrswesen wiederherzustellen, den Warenaustausch zwischen Stadt und in Gang zu bringen sowie das Geld- und Kreditsystem zu regulieren. Diese Aufgaben wurden durch die Neue Ökonomische Politik in Angriff genommen.

In diesem Zusammenhang ersetzte die Sowjetregierung auch die Verpflichtung der Bauern, alle Lebensmittelüberschüsse an den Staat abzuliefern, durch die Einführung einer Naturalsteuer, das heißt durch eine Steuer in Form von landwirtschaftlichen Produkten. Nun konnten die Bauern den über die Naturalsteuer hinausgehenden Teil ihrer Erzeugnisse auf dem Markt frei verkaufen. Das ökonomische Bündnis der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft festigte sich dadurch. In den Städten wurde der private Handel zugelassen.

Die Neue Ökonomische Politik stärkte und festigte die Arbeiter- und Bauern-Macht.

 

Der Leninsche Plan für den Aufbau des Sozialismus

Die Errichtung der Grundlagen des Sozialismus erwies sich als eine unerhört schwierige Sache, die sich nur durch eine systematische Entwicklung der Diktatur des Proletariats und ihrer materiellen Basis, der Volkswirtschaft, verwirklichen ließ.

Was die Arbeiterklasse nach Eroberung der politischen Macht tun musste, um das politische Herrschaftssystem und seine materielle Basis weiterzuentwickeln, das legte Lenin im Plan des sozialistischen Aufbaus dar. Seine grundlegenden Thesen, die er in einer Reihe von Artikeln entwickelte, waren folgende:

Die Grundlegende Voraussetzung für den Aufbau des Sozialismus ist die Diktatur des Proletariats. Der Staat in den Händen der Arbeiterklasse ist das Hauptinstrument, womit das siegreiche Proletariat sein kapitalistischen Gegner niederhalten und die sozialistische Umgestaltung aller Bereiche des gesellschaftlichen Lebens durchsetzen muss. Der sozialistische Staat stärkt sich vor allem dadurch, dass er in immer breiterem Maße die Arbeiter und Bauern zur aktiven Mitarbeit heranzieht und sich ständig durch neue Kräfte aus den Reihen der Werktätigen (arbeitenden Menschen) erneuert. Das ist in den letzten Jahren der untergangenen sozialistischen Länder in Europa nicht mehr gelungen.

Der Aufbau des Sozialismus ist nur unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer revolutionären Partei möglich. Um diese Aufgabe zu erfüllen, braucht die revolutionäre Arbeiterklasse die Einheit. Sie ist eine grundlegende Voraussetzung für einen erfolgreichen Verlauf des Aufbaus des Sozialismus.

Der Aufbau des Sozialismus ist nur möglich, wenn das Bündnis der Arbeiter und Bauern ständig ausgebaut und gesichert wird. Führende Kraft in diesem Bündnis ist die von der Kommunistischen Partei geleitete Arbeiterklasse. Die Partei muss ständig darauf bedacht sein, dieses Bündnis zu festigen.

Im Sowjetland war alles Notwendige für den vollständigen Aufbau der sozialistischen Gesellschaft vorhanden. Es bestand vor allem die Grundlage die sozialistische Produktionsweise, das gesellschaftliche Eigentum an Produktionsmitteln. Um auf diesem Fundament den Sozialismus aufzubauen, war die sozialistische Industrialisierung erforderlich. Die Hauptaufgabe der Partei bestand hier darin, die Industrie, besonders die Schwerindustrie, wiederherzustellen und zu entwickeln; das Land zu elektrifizieren und die Arbeitsproduktivität in der ganzen Volkswirtschaft zu steigern. Das Land musste seine technisch-ökonomische Rückständigkeit  überwinden. Mit der Industrialisierung wurde die materiell-technische Basis des Sozialismus geschaffen und die Verteidigungskraft des Sozialismus erhöht.

Die Arbeiterklasse musste die werktätige Bauernschaft in den Aufbau des Sozialismus einbeziehen und ihr helfen ihre rückständige zersplitterte Einzelwirtschaft in die sozialistische Großwirtschaft zu überführen. Die beste Form der Einbeziehung der Bauern ist die Genossenschaft. Es kam darauf an, der Bauernschaft zu helfen, Schritt für Schritt die genossenschaftliche Ordnung im Dorf zu schaffen. Die Kommunistische Partei musste den werktätigen Bauern Gelegenheit geben, sich an Hand eigener Erfahrungen vom Vorteil kollektiver(gemeinschaftlicher)Formen der Wirtschaft zu überzeugen und dann freiwillig den Weg zur Genossenschaft einzuschlagen. Die Industrialisierung des Landes ermöglichte es, der sozialistischen Landwirtschaft modernste Maschinen zur Verfügung zu stellen. Die Ausrüstung der sozialistischen Landwirtschaft mit moderner Technik erleichterte es den Bauern, sich für die sozialistische Großwirtschaft zu entscheiden.

Die zunehmende Bedeutung der Leitungstätigkeit des Staates und der Kommunistischen Partei, die Entwicklung der Großindustrie, die Ausrüstung der gesamten Volkswirtschaft mit modernster Technik und die Genossenschaftsbildung auf dem Lande machten es notwendig, das kulturelle Niveau des Volkes entschieden zu heben. Darum waren die Überreste kapitalistischer und kleinbürgerlicher Denk- und Lebensweise im Volke zu überwinden, war das Netz der Grund- und Mittelschulen, der Hochschulen und Universitäten und der Verlage bedeutend zu erweitern. Deshalb war das Analphabetentum restlos zu beseitigen, und darum waren alle Zweige der Wissenschaft rasch zu entwickeln. Darüber hinaus aber galt es vor allem, die marxistische Weltanschauung in das Volk hineinzutragen und es im Geiste des Kommunismus zu erziehen. Ohne eine sozialistische Kulturrevolution war der vollständige Aufbau des Sozialismus nicht möglich.

Dieser Leninsche Plan wurde zum wirksamsten theoretischen und praktischen Instrument der Kommunistischen Partei im Ringen um die sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft.

Von besonderer Bedeutung war in jener Zeit für Sowjetrussland die Elektrifizierung. Bereits Ende 1920 unterbreitete die Staatliche Kommission für die Elektrifizierung Russlands (GORLERO) dem VIII. Sowjetkongress einen auf zehn bis fünfzehn Jahre berechneten Plan der Elektrifizierung Sowjetrusslands.

Lenin zu Elektrifizierung 1920Lenin zu Elektrifizierung 1920 2Quelle Lenin zu Elektrifizierung 1920

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Der GOLERO-Plan sah vor, dreißig, nach damaligen Begriffen große Überlandkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 1,5 Millionen Kilowatt zu bauen. Die Stromerzeugung sollte gegenüber dem Stand von 1913 um das 4,6fache gesteigert werden.

aus Buch von Wellsaus Buch von Wells 2Quelle aus Buch von Wells

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Wolchow-Kraftwerk

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Sowjetvölker begannen mit der Verwirklichung des GOLERO-Planes. Sie bauten die Kraftwerke Kaschira, Schatura, Kisel und Nishni-Nowgorod(Balachna) sowie das Kraftwerk „Krasny Oktjabr“(Leningrad, heute St. Petersburg) und das Wolchow-Kraftwerk.

 

Die Gründung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken

Es waren vor allem die Erfahrungen aus den Kämpfen gegen die imperialistischen Interventen und Weißgardisten, die den Sowjetvölkern deutlich machten, dass die einen engeren Zusammenschluss gegen die Imperialisten und ihre konterrevolutionären Machenschaften brauchten. Die besonders reaktionären Gruppen im Lager des Imperialismus trachteten nach wie vor danach, die Sowjetvölker gegeneinanderzuhetzen und sie dann einzeln aus dem sozialistischen Staatenverband herauszubrechen. Diesen Absichten musste durch eine Festigung des Bündnisses der Sowjetvölker begegnet werden. Vor allem musste, entsprechend den allgemeinen Erfordernissen des Sozialismus, bei allen Völkern der Internationalismus vertieft und die brüderliche Einheit gefestigt werden. Aber auch die Aufgaben, die beim Aufbau der Grundlagen des Sozialismus auf der Tagesordnung standen, warfen in allen Sowjetrepubliken die Frage eines engeren Zusammenschlusses der Kräfte auf. Die Verträge, die die Sowjetrepubliken 1920/21 untereinander abgeschlossen hatten, enthielten zwar Artikel über die wirtschaftliche Zusammenarbeit, legten aber deine Bedingungen dafür fest und sahen auch keine vereinigten Planungs- und Leitungsorgane(heute würde man sagen Management) der Volkswirtschaft vor. Daraus erwuchsen große Schwierigkeiten, als es zum Beispiel darum ging, den GOLERO-Plan zu verwirklichen und das Sowjetland in Wirtschaftsbezirke einzuteilen. Die rasche Wiederherstellung der Volkswirtschaft ließ sich nur durch eine zentrale, planmäßig organisierte Zusammenarbeit aller Sowjetrepubliken erreichen.

Die Vereinigung der Sowjetrepubliken zu einem einheitlichen sozialistischen Staat war aber auch aus solchen objektiven Gründen notwendig, wie die der historisch gewachsenen Arbeitsteilung und der Gemeinsamkeit der Verkehrswege.(das entsprechende Geografiebuch der DDR für die 7. Klasse zum Nachsehen steht nicht zur Verfügung)

Die ersten Sowjetrepubliken

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Völker der Sowjetrepubliken erkannten die Notwendigkeit des Zusammenschlusses. Er wurde auf vielen Versammlungen der Parteiorganisationen, der Werktätigen und auf den Sowjetkongressen gründlich beraten. Im Dezember 1922 stimmten die Sowjetkongresse in allen Republiken für die Vereinigung.  Am 30. Dezember 1922 versammelten sich die Delegierten der Republiken im Moskauer Bolschoi-Theater zu einem Sowjetkongress. Er beschloss die Gründung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR).

Die Deklaration über die Bildung der UdSSR verkündete das Prinzip der Freiwilligkeit des Zusammenschlusses, der Gleichberechtigung aller Unionsrepubliken und räumte jeder Republik das Recht des freien Austritts aus der Union ein. Moskau wurde Hauptstadt der UdSSR.

Durch die Zusammenarbeit der Sowjetrepubliken wurde die Bildung der Union in allen wichtigen gesellschaftlichen Bereichen fester, planmäßiger und beständiger. Es wuchs auch die Verteidigungskraft der Sowjetvölker. Geführt von der Kommunistischen Partei, schloss die Arbeiterklasse als einigende Hauptkraft des sozialistischen Unionstaates die Werktätigen der verscheiden Nationalitäten zum Kampf für die Verwirklichung des Leninschen sozialistischen Aufbauplanes fest zusammen.

DeklarationQuelle Deklaration

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

geschichtsbuch-ddr-9-klasse-kopie-2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text

Sowjetland 1921 bis 1924

 

 

Marxismus-Leninismus

Als hervorragender Denker entwickelte Lenin den Marxismus– den dialektischen Materialismus, die politische Ökonomie, die Theorie der sozialistischen Revolution und des Aufbaus des Kommunismus – schöpferisch weiter. So entstand als Ergebnis dieser allseitigen Weiterentwicklung der Wissenschaft, die Marx und Engels geschaffen hatten, der Marxismus-Leninismus. Er ist die Weiterentwicklung der Lehren von Marx und Engels unter den neuen historischen Bedingungen des 20. Jahrhunderts durch Lenin, durch die marxistisch-leninistischen Parteien und vor allem durch die  KPdSU.

 

 

Siehe Beitrag im Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

Lenins Tod Kopie