Der Staatsaufbau der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken

1. Die Lage der Völker in der Sowjetunion

Im russischen Zarenreich herrschten die russischen Gutsbesitzer und Kapitalisten. Die Zarenregierung war ihre Macht. Alle Völker wurden von ihr unterdrückt. Besonders unterdrückt wurden von der Zarenregierung die nichtrussischen Völker, diese wurden für unfähig zur kulturellen Entwicklung und staatlichen Selbstverwaltung erklärt.

Das Heimatland des einen oder anderen Volkes war für die Zarenbeamten nichts anderes als ein verwaltungsmäßiger Teil des russischen Reiches – irgendein Gouvernement. Die Zarenregierung schnitt die Karte des Landes nach ihren Interessen zu, so wie es ihr besser passte, um die Völker Russlands zu verwalten und zu unterdrücken. Nicht selten zerschnitten die Grenzen des Gouvernements das Gebiet des einen oder anderen Volkes in mehrere Teile. So war zum Beispiel das bjelorussische Volk unter fünf Gouvernements: Minsk, Mogilew, Witebsk, Wilna und Grodno aufgeteilt. Das tatarische Volk war unter die Gouvernements Kasan, Wjatka, Ufa und Samara aufgeteilt.

Die Sowjetmacht vernichtete die nationale Unterdrückung und schaffte alle zaristischen administrativ-territorialen Teilungen ab. Die Schöpfer des Sowjetstaates Lenin und Stalin, die bolschewistische Partei strebten von Anfang an danach, dass jedes Sowjetvolk die uneingeschränkte Möglichkeit erhält, sein Leben frei einzurichten und seine eigene national-staatliche Organisation zu schaffen, die seinen Bedürfnissen und Wünschen entspricht. Gleichzeitig strebten Lenin und Stalin danach, dass alle Sowjetvölker sich aus freiem Willen zu einem mächtigen sowjetischen Unionsstaat vereinigen.

In der Praxis des sowjetischen Staatsaufbaus bewährten sich vier Formen des national-staatlichen Aufbaus der Sowjetvölker: 1. Unionsrepublik, 2. Autonome Republik, 3. Autonomes Gebiet und 4. Nationaler Bezirk.

Jedes Volk hatte seine nationale Staatsorganisation gebildet. So bildeten zum Beispiel die Tadshiken in Mittelasien die Tadshikische Unionsrepublik; die Baschkiren am Ural schufen die Baschkirische Autonome Republik; die Ojoten im Altai bildeten das Ojotische Autonome Gebiet; im äußersten Nordosten schufen die Tschuktschen ihren Nationalen Bezirk usw. Wozu waren mehrere unter sich verschiedene Formen der national-staatlichen Organisationen notwendig?

In der Sowjetunion lebten etwa 60 Nationen, nationale Gruppen und Völkerschaften. Ihrer Sprache und ihrer Lebensart, ihrer geschichtlichen Vergangenheit und dem Stand ihrer Kultur nach sind diese Völker untereinander verschieden. Die einen, wie zum Beispiel die Russen, Ukrainer, Georgier und Armenier, besaßen bereits in ferner Vergangenheit ihre Staaten und ihre Nationalkultur. Andere Völker, wie zum Beispiel die Mari, Ojroten, Tschuktschen, Ewenken und Nenzen, haben erst unter der Sowjetmacht ihre national-staatlichen Organisationen geschaffen und ihre nationale Kultur zu entwickeln begonnen; einige von ihnen haben erst unter der Sowjetmacht ein eigenes Alphabet geschaffen. Von den Sowjetvölkern zählten einige viele Millionen von Menschen, andere nur einige Hunderttausende; aber es gab auch welche, die nur Zehntausende stark waren. Es ist klar, dass es unmöglich, dass es unrichtig gewesen wäre, wenn alle diese Völker ihre national-staatlichen Organisationen nach einer Schablone aufgebaut hätten. Die nationale Eigenart eines jeden Volkes musste berücksichtigt werden.

Jedes Sowjetvolk, das seine eigene national-staatliche Organisation geschaffen hatte – Unionsrepublik, autonome Republik, autonomes Gebiet oder nationaler Bezirk – , regelte selbst durch von ihm gewählte Deputierte(Abgeordnete) seine inneren Angelegenheiten und verwaltete sein Land. Gleichzeitig nahm es durch seine Vertreter an der Regelung gesamtstaatlicher Angelegenheiten, die das ganze Sowjetland betrafen, teil. Jede der sowjetischen national-staatlichen Organisationen stellte einen Bestandteil der einheitlichen staatlichen Vielvölkerorganisation- der Sowjetunion- dar.

2. Die Union der sozialistischen Sowjetrepubliken

Während des Großen Vaterländischen Krieges gegen das faschistische Deutschland (II. Weltkrieg) wandte sich das usbekische Volk an seine Söhne an der Front mit einem Sendschreiben, das von etwa zweieinhalb Millionen Menschen unterzeichnet wurde. Darin wird die Sowjetunion mit einer großen Festung verglichen, die sechzehn Brüder gemeinsam erbaut haben und in der sie einträchtig und glücklich leben.

„Freier Sohn und freie Tochter des usbekischen Volkes!“ so heißt es in diesem Sendschreiben. „In das Haus Deines ältesten Bruders – des Russen, in das Haus Deiner Brüder- des Bjelorussen und des Ukrainers, ist der Feind eingebrochen.. Aber Dein Haus, das Huas des Bjelorussen und des Ukrainers ist auch Dein Haus! Denn die Sowjetunion ist eine einträchtige Familie, deren Mitglieder wohl in eigenen Häusern wohnen, deren Hof und Wirtschaft aber gemeinsam und unteilbar ist—Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken ist eine Festung mit einem einzigen Tor; der Feind, der in dieses Tor eingebrochen ist, trachtet nach Deinem Leben!.. Sei der beste der Söhne Deiner Familie und der beste, führende Kämpfer in der Reihe der Sowjetvölker!“ (Müsste man heute den Ukrainern „unter die Nase reiben“. P.R)

In diesem Sendschreiben ist der Wesenskern der Staatsordnung der Sowjetunion durch einen anschaulichen Vergleich treffend gekennzeichnet. Die Sowjetunion stellte in der Tat gleichsam eine Festung dar, die in brüderlicher Zusammenarbeit von den Sowjetvölkern erbaut wurde, während die sechzehn sowjetischen Unionsrepubliken gleichsam einzelne Teile dieser Festung waren.

Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) war nicht von einem, sondern von vielen Völkern geschaffen worden. Jedes von ihnen hatte seinen nationalen Sowjetstaat, und sie alle zusammen bildeten einen Vielvölkerstaat mit einer einheitlichen zentralen Staatsgewalt. Deshalb war auch die Sowjetunion in der Verfassung ein Bundesstaat genannt worden. Es war äußerst wichtig, dass alle sowjetischen Unionsrepubliken zusammen einen einheitlichen Bundesstaat bildeten. Das gab ihnen die Möglichkeit, ihre wirtschaftlichen Mittel und Kräfte zusammenzufassen, um die Volkswirtschaft und die Kultur jeder Republik sowie der gesamten Sowjetunion als Ganzes aufs höchste zu entwickeln. Das gab den Sowjetvölker ferner die Möglichkeit, ihre militärischen Mittel und Kräfte zu vereinigen, um die Verteidigung der Sowjetunion und jeder einzelnen Republik zu stärken. Das machte es möglich, eine allseitige Entwicklung aller Völker des Sowjetlandes zu gewährleisten.

Man kann sich unschwer vorstellen, in welche schwierige Lage die Sowjetvölker im Kampfe gegen das faschistische Deutschland geraten wären, wenn sie sich nicht bereits im Jahre 1922 zu einem Bundesstaat mit einer einheitlichen Unionsregierung, einer einheitlichen Armee, einer einheitlichen Volkswirtschaft, mit einheitlichem Territorium und einheitlicher Unionsstaatsbürgerschaft vereinigt hätten.

Diese Vereinigung verdankte das sowjetische Volk der bolschewistischen Partei, seinen Führern W.I. Lenin und J.W. Stalin, die von der Entstehung der Sowjetmacht an eine enge Zusammenarbeit aller Sowjetvölker anstrebten.

Die Stärke der Sowjetunion beruhte jedoch nicht nur darauf, dass sie einen einheitlichen Bundesstaat vieler Völker darstellte. Die Stärke und Festigkeit der Sowjetunion lag auch darin, dass sie auf den demokratischsten, wahrhaft volksnahen Grundlagen beruhte.

Die Sowjetunion wurde durchaus nicht durch Eroberung, Unterwerfung oder zwangsweise Angliederung von Völkern geschaffen, die das bisher in Vielvölkerstaaten meist der Fall war. Die Sowjetunion wurde durch freiwillige Vereinigung der Sowjetrepubliken zu einem Bundesstaat gebildet. Dieser Beschluss wurde von frei gewählten Vertretern der Sowjetvölker, die auf einem gemeinsamen Sowjetkongress zusammenkamen, einstimmig angenommen. Was kann gerechter und zuverlässiger als diese Methode der Bildung eines Vielvölkerbundesstaates sein?

Seit dem Jahre 1922 stieg die Zahl der sowjetischen Unionsrepubliken von vier auf sechzehn.  Stand Jahr 1947: Es gehörten dann folgende sozialistischen Sowjetrepubliken der Sowjetunion an:

  • die Russischen Föderative Sowjetrepublik (RSFSR),
  • die Ukrainische Sozialistische Sowjetrepublik,
  • die Bjelorussische Sozialistische Sowjetrepublik,
  • die Usbekische Sozialistische Sowjetrepublik,
  • die Kasachische Sozialistische Sowjetrepublik,
  • die Georgische Sozialistische Sowjetrepublik,
  • die Aserbaidschanische Sozialistische Sowjetrepublik,
  • die Litauische Sozialistische Sowjetrepublik,
  • die Moldauische Sozialistische Sowjetrepublik,
  • die Lettische Sozialistische Sowjetrepublik,
  • die Kirgisische Sozialistische Sowjetrepublik,
  • die Tadshikische Sozialistische Sowjetrepublik,
  • die Armenische Sozialistische Sowjetrepublik,
  • die Turkmenische Sozialistische Sowjetrepublik,
  • die Estnische Sozialistische Sowjetrepublik,
  • die Karelo-Finnische Sozialistische Sowjetrepublik.
Wappen der UdSSR und der Sowjetrepubliken
entnommen aus „Das Sowjetland“, Band 3 aus dem Jahre 1947, Original-Autor W.A. Karpinsij

Alle diese Republiken entstanden und schlossen sich der Sowjetunion auf eigenen Wunsch der sie bevölkernden Nationen an.

Freiwilligkeit der Vereinigung – das war eine der Grundlagen, auf denen die Sowjetunion entstand, erstarkte und zu einer großen Macht wurde. J.W. Stalin sagte: „Kein Bund der Völker, keine Vereinigung der Völker in einem einheitlichen Staat kann dauerhaft sein, wenn ihr nicht volle Freiwilligkeit zugrunde liegt, wenn das betreffende Volk, wen die Völker selbst sich nicht zu vereinigen wünschen.“

Die freiwillig zu einer Union vereinigten Sowjetrepubliken waren gleichberechtigt. Die Sowjetmacht hatte keinen „Lieblingskinder“ und „Stiefkinder“. In der Sowjetunion gab es keine herrschende, privilegierte Nation und auch keine untergebenen, unterdrückten Nationen, wie das im russischen Zarenreich der Fall war und wie das auch heute noch in bürgerlichen Vielvölkerstaaten (wieder P.R.) der Fall ist. Die Völker der Sowjetunion hatten die gleichen Rechte. Jede der Sowjetrepubliken – unabhängig davon, von welchem Volk sie gebildete wurde, wie groß ihre Bevölkerung und ihr Territorium war – genoss die gleichen Rechte wie die anderen Unionsrepubliken.

Das russische Volk erwies allen anderen Sowjetvölkern bei der Erringung und Festigung der Sowjetmacht, bei der Vereinigung gleichberechtigter Republiken zu einem freiwilligen Bund, bei der Errichtung eines neuen, freien, gesicherten und kulturvollen Lebens unschätzbare Dienste. Während des Vaterländischen Krieges (II. Weltkrieg) nahm das russische Volk ohne Zögern große Opfer auf sich, um den Sieg über das faschistische Deutschland zu erringen. Durch seinen klaren Verstand, seinen standhaften Charakter und seine Geduld hatte das russische Volk die allgemeine Anerkennung als die führende Kraft der Sowjetunion unter allen Völkern der Sowjetunion verdient.

Genoss aber das russische Volk, das die Mehrheit der Bevölkerung der Republik darstellte, im Vergleich zu den anderen Sowjetvölkern irgendwelche besonderen Rechte und Vorteile? Natürlich nicht. Die RSFSR hatte genau die gleichen Rechte wie alle anderen Unionsrepubliken mit weitaus kleinerer Bevölkerung und weitaus kleinerem Territorium.

Gleichberechtigung der vereinigten Republiken- das war die andere Grundlage, auf die die Sowjetunion sich bildete, erstarkte und zu einer großen Macht wurde. Die UdSSR war eine einträchtige Familie von Sowjetvölkern, die sich auf der Grundlage der Freiwilligkeit und Gleichberechtigung zu einem Bundesstaat und enger Freundschaft und enger Zusammenarbeit lebten. Diese Freundschaft und Brüderschaft der Völker waren mit die Hauptquellen der großen Kraft und Festigkeit der Sowjetunion. Die Brüderschaft der Völker war in das sowjetische Alltagsleben eingegangen.

J.W. Stalin sagte bereits im Jahre 1935, dass die Sowjetunion keine Feinde, weder innere noch äußere fürchte, solange die Freundschaft zwischen den Sowjetvölkern weiterbesteht. Das Leben hatte bestätigt, wie wahr dies Worte sind. Die (damals P.R.) unerschütterliche Union freier Republiken offenbarte ihre ganze Kraft und Festigkeit im Großen Vaterländischen Krieg (II. Weltkrieg) des Sowjetvolkes gegen das faschistische Deutschland.

3. Die Unionsrepublik

In dem Kollektivschreiben des kasachischen Volkes an die Front wird geschildert, wie schwer das Leben des Volkes unter dem Zarenregime war und wie reich und glücklich das Heimatland unter der Sowjetordnung, in der einträchtigen Familie der Sowjetvölker, wurde. „Söhne Kasachans!.. möge jeder von Euch dieses Sendschreiben lesen, aber nicht nur mit den Augen, sondern auch mit dem Herzen, weil es von unserem Volke geschrieben wurde., das Hunderte von Jahren den schweren Leidensweg zu seinem Glück gegangen ist… Die russischen Zaren und Kolonisatoren, die Chans und Bajs beuteten das kasachische Volk unbarmherzig aus und unterdrückten es. In den Steppen weideten die Herden der Bajs, in den Auls und Dörfern gehörten die besten Landstücke den Bajs und Gutsbesitzern. Für einen Hungerlohn, für einen abgenagten Knochen hütete der Arme das fremde Vieh. Zusammen mit seinen Brüdern, den Völkern der Sowjetunion, mit brüderlicher Unterstützung des großen russischen Volkes, stürzten wir unter dem Banner von Lenin-Stalin die Despoten. Die Große Sozialistische Oktoberrevolution erweckte das kasachische Volk zu neuem Leben.“

Weiterhin wird in Versform beschrieben, welch reiche und vielseitige Produktion die hochentwickelte Industrie sowie die Kollektivwirtschaften und Sowjetgüter der Kasachischen Unionsrepublik dem kasachischen Volk und der gesamten Sowjetunion liefern (Kohle, Erdöl, Kupfer, Blei, Gold, Baumwolle, Reis, Früchte, Fleisch, Wolle, Felle u.a.)

Unter der Sowjetmacht hatte das kasachische Volk auch in kultureller Hinsicht eine Entwicklung durchgemacht, dass es nicht wiederzuerkennen ist. Vor der Revolution wurden in Kasachstan so gut wie gar keine Bücher in der Heimatsprache herausgegeben. Im Jahre 1945 dagegen waren es 111 Bücher in kasachischer Sprache mit einer Gesamtauflage von über zwei Millionen Exemplaren erschienen. Die Zahl der Schulen war auf das Sechzigfache gestiegen. Unter der Zarenmacht gab im Lande keine einzige Hochschule. Stand 1947: Es gab in der Kasachischen Sowjetrepublik 23 Hochschulen und eine Akademie der Wissenschaften. Sowjetkasachstan hatte 38 städtische und ländliche Theater, darunter das Akademische Schauspielhaus und das Opern- und Ballett-Theater in Alma-Ata, der Hauptstadt der Republik. Die nationale kasachische Literatur war durch solche in der ganzen Sowjetunion bekannte Schriftsteller wie Abaj Kunanbajew und Dshambul vetreten.

Das kasachische Volk hielt, genauso wie alle anderen Sowjetvölker, seine Republik für einen untrennbaren Teil der Sowjetunion und verteidigte sie während des Vaterländischen Krieges (II. Weltkrieg) mit allen Kräften und Mitteln.

Auch alle anderen Unionsrepubliken, die im zaristischen Russland rückständige, rechtlose, national unterdrückte Randgebiete waren, erreichten in kurzer Frist eine beispiellose Blüte des wirtschaftlichen und kulturellen Lebens. Die Erfolge wurden dank der entfalteten Aktivität der Volksmassen der Unionsrepubliken auf der Grundlage ihrer freien national-staatlichen Organisation unter der Führung der kommunistischen Partei, mit brüderlicher Hilfe des russischen Volkes und der Unionsorgane der Sowjetmacht erreicht.

Wie war der Staatsaufbau der Unionsrepubliken?

Eine Unionsrepublik wurde auf freiwilliger Grundlage gebildet und trug den Namen des Volkes, das sie geschaffen hatte. Jede Unionsrepublik stellte einen nationalen sozialistischen Sowjetstaat der Arbeiter und Bauern dar, der aus freiem Willen und mit den Unionsrepubliken gelichberechtigt der Sowjetunion unmittelbar angehörte. Alle, sowohl die obersten als auch die örtlichen Staatsorgane und Einrichtungen der Unionsrepublik bedienten sich der dem betreffenden Volke eigenen Sprache.

Die Bürger der Unionsrepublik wählten Deputierte (Abgeordnete) für den Obersten Sowjet ihrer Republik. Gleichzeitig nahmen sie als Bürger der UdSSR an den Wahlen für den Sowjet der Union des Obersten Sowjet der UdSSR teil. Außerdem wählten die Bürger jeder Unionsrepublik -unabhängig von deren Bevölkerungszahl und der Größe ihres Gebietes- 25 Deputierte (Abgeordnete) für den Sowjet der Nationalitäten der UdSSR, Auf diese Weise entschied das Volk jeder Unionsrepublik durch seine Vertreter nicht nur die Staatsangelegenheiten seiner Republik, sondern nahm auch an der Entscheidung der Staatsangelegenheiten der gesamten Union teil und hatte die Möglichkeit, seine besonderen nationalen Belange in dem obersten Organ der Staatsgewalt der Sowjetunion unmittelbar zum Ausdruck zu bringen.

Bei Eintritt in die UdSSR blieb die Unionsrepublik ein souveräner Staat. Das heißt, dass die Unionsrepublik auf ihrem Territorium die Staatsgewalt in allen Fragen selbstständig ausübte, mit Ausnahme derjenigen Fragen, welche die Unionsrepubliken freiwillig der Kompetenz der Unionsorgane der Staatsgewalt und der Staatsverwaltung unterstellt hatten. Die der Kompetenz der Unionsorgane unterstellten Fragen waren im Artikel 14 der Verfassung der UdSSR aufgezählt.

Die Unionsrepublik hatte eine eigene Verfassung, die von der obersten Staatsgewalt dieser Republik selbst bestätigt wurde und nur von ihr abgeändert werden konnte. In dieser Verfassung spiegelten sich die nationalen, wirtschaftlichen und kulturellen Besonderheiten, die Eigenart der Lebensweise des betreffenden Landes und dergleichen wider. Es war nur erforderlich, dass die Verfassung der Unionsrepublik in voller Übereinstimmung mit der Verfassung der UdSSR abgefast war. Das ist begreiflich, denn jede Unionsrepublik war ein Bestandteil der Sowjetunion. Und das war durchaus durchführbar, da die wirtschaftliche und politische Grundlage bei allen Republiken die gleiche war.

Jeder Unionsrepublik blieb das Reicht auf freien Austritt aus der Union gewährleistet. Auf den ersten Blick mag es scheinen, dass der Artikel über das Recht auf freien Austritt aus der Union in der Sowjetischen Verfassung überflüssig sei; denn es gab seinerzeit keine Unionsrepublik, die aus der Sowjetunion austreten mochte. Aus diesem Grunde schlugen bei der Erörterung des Verfassungsentwurfs einige vor, Artikel 17 (über das Recht auf freien Austritt aus der Union) aus dem Entwurf zu streichen. J.W. Stalin wies darauf hin, dass dies unrichtig wäre. Keine Unionsrepublik dachte seinerzeit an Austritt aus der Union. Das war richtig. Aber die Gewährleistung des Rechts auf freien Austritt zeigte und bestätigte auf das anschaulichste, dass die Vereinigung der Unionsrepubliken zu einer Union in der Tat völlig freiwillig war. Das Recht der Unionsrepubliken auf freien Austritt aus der Union war der höchste Ausdruck ihrer souveränen Rechte.(Im Zuge der Konterrevolution machten die einzelnen Republiken von diesem Recht Gebrauch. Die Sowjetunion ist zerfallen. Der Nachfolgestaatsverbund ist wesentlich kleiner und hat weitaus weniger Bedeutung, als die Sowjetunion. P.R.) Siehe Wikipedia.

Die Unionsrepublik hatte ihre eigenen Republikgesetze die von der obersten Staatsgewalt der Republik selbst erlassen wurden. Diese Gesetze waren für das Gebiet der betreffenden Republik rechtsverbindlich. Die Republikgesetze wurden über alle Fragen des Lebens der Republik erlassen, mit Ausnahme solcher, die Unionsbedeutung hatten und durch die Gesetze der obersten Staatsgewalt der UdSSR geregelt wurden. Das waren zum Beispiel Fragen von Krieg und Frieden, Aufnahme neuer Republiken in die UdSSR, Bestätigung des einheitlichen Staatshaushaltes der UdSSR und andere.

Die Veröffentlichung eines Uniongesetzes auf irgendeinem Gebiet, zum Beispiel dem der Grundlagen der Bodennutzung, des Gesundheitsschutzes, des Erziehungswesens- schließt keinesfalls die Möglichkeit aus, dass auf dem gleichen Gebiet Republikgesetze erlassen wurden; die Republikgesetze ergänzten und erweiterten das Unionsgesetz. Wenn es sich herausstellen sollte, dass irgendein Gesetz der Unionsrepublik mit einem Unionsgesetz nicht übereinstimmte, galt das Unionsgesetz als rechtsverbindlich für alle Unionsrepubliken. (Ähnlich wie in der BRD „Bundesrecht bricht Landesrecht.“ P.R.)

Die Unionsrepublik behielt beim Eintritt in die Sowjetunion das Recht auf ihr Territorium. Das Territorium einer Unionsrepublik konnte ohne ihre Zustimmung nicht geändert werden. Eine Änderung der Grenzen der Unionsrepubliken bedurfte einer Bestätigung durch das oberste Organ der Staatsgewalt der UdSSR. (Unter Chruschtschow ist das unterlaufen worden, als er im Jahre 1954 die Krim der Ukraine schenkte. Erst im Jahre 2014 ist nach einer Volksabstimmung die Krim zurück an Russland gegangen. Es wird behauptet, dass Russland die Krim annektiert hätte. P.R.)

Die Unionsrepublik besaß ihre eigenen republikanischen Truppenformationen. Die Unionsrepublik selbst bestimmte das Verfahren für die Bildung dieser republikanischen Truppenformationen. Die Unionsmacht stellte nur die richtungsgebenden Grundsätze für die Organisierung der Truppenformationen der Unionsrepubliken fest. Die Unionsorgane der Staatsgewalt waren für die Organisation der Verteidigung der UdSSR und die Leitung der Streitkräfte der Sowjetunion zuständig. Die Truppenformationen der Unionsrepubliken waren Bestandteile der Sowjetischen Armee. Die Aufstellung republikanischer Truppenteile trug zur weiteren Stärkung der Sowjetischen Armee bei.

Jede Unionsrepublik hatte das Recht, unmittelbare Beziehungen zu anderen Staaten aufzunehmen, mit ihnen Vereinbarungen zu schließen, sowie diplomatische und konsularische Vertreter auszutauschen. Die Republik entschied selbst, mit welchen Staaten sie unmittelbare Beziehungen aufnahm. Die Unionsmacht stellte nur das allgemeine Verfahren für die gegenseitigen Beziehungen der Unionsrepubliken mit den auswärtigen Staaten fest und schloss mit ihnen Verträge im Namen der UdSSR ab. Die unmittelbaren Beziehungen der Unionsrepubliken zu den auswärtigen Staaten festigten noch mehr die internationalen Verbindungen sowie die Zusammenarbeit der Sowjetvölker mit anderen Völkern im Interesse des Friedens, im Interesse der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung der Sowjetunion. Die Gesetze über die Schaffung von Truppenformationen der Unionsrepubliken und über ihre unmittelbaren Beziehungen zu auswärtigen Staaten, die vom Obersten Sowjet der UdSSR am 1. Februar 1944 angenommen wurden, bedeuteten eine starke Erweiterung der souveränen Rechte und der Tätigkeit der Unionsrepubliken. Diese Gesetze kennzeichneten eine Festigung der Unionsrepubliken und der Sowjetunion als Ganzes.

Wie stark die Bedeutung der Unionsrepubliken während des Vaterländischen Krieges (II. Weltkrieg) gestiegen war, zeigt folgende Tatsache. Zwei Unionsrepubliken, die Ukrainische und die Bjelorussische, die einen großen Beitrag zur Zerschlagung des faschistischen Deutschlands geleistet hatten, wurden auf gleichem Fuß mit allen anderen Mächten jede für sich zu der internationalen Konferenz nach San Francisco eingeladen, um an der Schaffung einer internationalen Organisation zur Aufrechterhaltung eines dauerhaften Friedens zwischen den Völkern teilzunehmen.

Wie stark die Bedeutung der Unionsrepubliken während des Vaterländischen Krieges (II. Weltkrieg) gestiegen war, zeigt folgende Tatsache. Zwei Unionsrepubliken, die Ukrainische und die Bjelorussische, die einen großen Beitrag zur Zerschlagung des faschistischen Deutschlands geleistet hatten, wurden auf gleichem Fuß mit allen anderen Mächten jede für sich zu der internationalen Konferenz nach San Francisco eingeladen, um an der Schaffung einer internationalen Organisation zur Aufrechterhaltung eines dauerhaften Friedens zwischen den Völkern teilzunehmen. (Vorfeld zur Gründung der UNO. P.R.) Die Ukraine und Bjelorussland hatten auch an der Arbeit der Pariser Friedenskonferenz teilgenommen. (Davon wollen die heutigen Machthaber der Ukraine nichts mehr wissen und stellen das dem Vergessen anheim.)

Die Unionsrepublik behielt ihre republikanische Staatsbürgerschaft bei. Gleichzeitig war jeder Bürger der Unionsrepublik Bürger der Sowjetunion. Die Bürger aller anderen Unionsrepubliken genossen die gleichen Rechte wie die Bürger der betreffenden Republik. Ein Sowjetbürger, der in eine beliebige Sowjetrepublik kam, fühlte sich dort wie in seiner Heimat.

Das Zeichen, das Symbol der souveränen Rechte der Unionsrepublik stellte das Staatswappen und die Staatsflagge der Republik dar.

Jedes Volk, das eine Unionsrepublik geschaffen hatte und über solche souveränen Rechte verfügte, fühlte sich als uneingeschränkter Herr in seinem Lande. Gleichzeitig waren die sowjetischen Unionsrepubliken Mitglieder eines einheitlichen mächtigen Bundesstaates, und jedes Sowjetvolk erhielt von der Sowjetunion, von den Unionsorganen der Sowjetmacht, eine allseitige Hilfe in seiner politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung sowie den Schutz gegen äußere Feinde.

Die Verfassung der UdSSR verpflichtete die Sowjetunion, die souveränen Rechte der Unionsrepubliken zu schützen. Diese Aufgabe wurde von der Sowjetunion als eine für sie heilige Pflicht erfüllt. Als das Sowjetland vom faschistischen Deutschland und seinen Komplizen überfallen wurde, erhob sich die gesamte Sowjetunion wie ein Mann gegen die Eindringlinge. Die vorrübergehend vom Feind besetzten sowjetischen Unionsrepubliken wurden befreit und ihre Freiheit, Unabhängigkeit, ihre souveränen Rechte wiederhergestellt.

4. Die autonome Republik

Im äußersten Nordosten des europäischen Teils der Sowjetunion, in dem Becken der Flüsse Petschora und Wytschega, liegt ein großes Land, das seiner Fläche nach (375 000 qkm) so groß ist wie die vier europäischen Staaten Griechenland, Portugal und die Schweiz zusammengenommen. Es ist reich an Wäldern, erstklassiger Steinkohle (Kohlenrevier von Petschora), Braunkohle, Brennschiefer, Erdöl (Uchta-Revier), Erdgas, Eisen, Blei, Gold, Gips, Torf, Salz, Edelpelztieren, Fisch und Wild. (Stand 1947 P.R.)

In diesem Lande lebt seit alters her das Volk der Komi, das die Mehrheit seiner Bevölkerung stellt. Insgesamt betrug die Bevölkerung des Landes im Jahre 1939 408 000 Menschen.

Unter dem Zarenregime war das Volk der Komi am Aussterben.

Die Zahl der Komi nimmt seit dem Ende der Sowjetunion stark ab. Heute gibt es etwa 320.000 Komi, 1989 waren es etwa 500.000 1979 gab es 327.000 Komi (Syrjanen) und 151.000 Komi-Permjaken. 1989 lagen die Bevölkerungszahlen noch bei 345.000 und 152.000. Schon die Volkszählung 2002 zeigte einen deutlichen Rückgang auf nur noch 293.000 Komi (Syrjanen) und 125.000 Komi-Permjaken. Beim Zensus 2010 bezeichneten sich in ganz Russland 228.235 Bewohner als Komi und 94.456 Komi-Permjaken. Siehe Wikipedia P.R.

Komi
Bildquelle: Von Irina Kazanskaya from Moscow, Russia – They are Komi people, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3368923

Es nannte sein Land – „Gefängnis“. So schwer, finster, entbehrungsreich, voll Kummer und Erniedrigungen war sein Leben. Nur wenige kannten dieses Volk, und auch diese nannten es nicht bei seinem Namen. Die Zarenbeamten dachten sich für die nichtrussischen Völker ihre eigenen, verächtlichen Bezeichnungen aus.

Mehr als einmal erhoben sich die Komi gegen die Unterdrücker. Bekannt ist der Aufstand der Jahre 1841-1843 in der Ortschaft Ustjkuloma, wo zwei Jahre lang eine demokratische Selbstverwaltung bestand. Aber die Aufstände wurden grausam niedergeschlagen.

Unter der Sowjetmacht erlebte das Volk der Komi mit Hilfe des russischen Volkes eine Wiedergeburt zum neuen, glücklichen Leben und schuf seine eigene sowjetische national-staatliche Organisation – die Autonome Sozialistische Sowjetrepublik der Komi mit der Hauptstadt Syktywkar.

In der Republik entwickelte sich eine Industrie: es wurden Sägewerke, Konservenfabriken, Kalkwerke, Ziegeleien, Stärkefabriken und andere Werke errichtet. Steinkohle und Erdöl wurden gefördert. Zu Beginn des Vaterländischen Krieges (II. Weltkrieg) wurde vom Südwesten nach Nordosten, quer durch die ganze Republik bis über den Polarkreis hinaus, durch Wälder und Sümpfe in kürzester Frist eine Eisbahn gebaut, die große Möglichkeiten für die Erschließung der Naturschätze der Republik eröffnete. Während der Kriegsjahre stieg die Kohleförderung um das Elffache.

Die Anbaufläche in der Republik der Komi hatte sich fast vervierfacht. Auf den Feldern der Kollektivwirtschaften arbeiteten Traktoren und Mähdrescher.

Auch die nationale Kultur der Komi blühte auf.   Stand 1947: 97 v. H. der Bevölkerung der Republik sind lesekundig. Alle schulpflichtigen Kinder besuchen die Schulen. Der Unterricht erfolgt in der Muttersprache. In der Republik bestehen 2 Hochschulen, 15 höhere technische Lehranstalten, 3 wissenschaftliche Forschungsinstitute, 1 Zweigstelle der Akademie der Wissenschaften der UdSSR, Dutzende von Theatern sowie Hunderte von Kultur- und Bildungsstätten.

Bei dem Aufbau eines neuen, eines freien und kulturvollen Lebens hatte da Volk der Komi in kurzer Frist erstaunliche Erfolge zu verzeichnen. Auch die anderen Völker, die autonome Republiken gebildet hatten, erzielten unter Führung der bolschewistischen Partei und mit brüderlicher Hilfe des russischen Volkes und der Unionsorgane der Sowjetmacht die gleichen Erfolge.

Das heutige russische Föderationssubjekt Republik Komi ist der Nachfolgestaat der ASSR der Komi. Die Verfassung dieser Republik sieht im Komi-Volk die Quelle der Souveränität dieses Staatswesens. Diese stellen allerdings nur 23 Prozent der Einwohner der Republik.

Mit dem Zerfall der Sowjetunion entstanden wiederum kulturelle, nationale und nationalistische
Organisationen der Komi, die aber nur einen kleinen Teil der überwiegend in kleinen Städten und Orten lebenden Komi repräsentieren. Die Komi beteiligen sich an der Bewegung der finno-ugrischen Völker.  Entnommen Wikipedia P.R

Wir wollen nunmehr zeigen, wie die autonomen Republiken gebildet wurden und wie ihr Staatsaufbau beschaffen war.

Innerhalb der Grenzen einiger Unionsrepubliken lebten neben der Grundbevölkerung an gewissen Stellen andere Völker, die in diesen Republiken eine Minderheit darstellten und sich durch ihre nationalen Besonderheiten unterschieden. Diese Völker bildeten freiwillig autonome Republiken. Jede von diesen trug den Namen des Volkes, das sie erschaffen hatte. Eine autonome Republik stellte einen nationalen sozialistischen Sowjetstaat der Arbeiter und Bauern dar, der einen Bestandteil dieser oder jener Unionsrepublik (und durch sie auch der Sowjetunion) bildete. So gehörte zum Beispiel die Autonome Republik der Komi der Russischen Föderation an. Der gleichen Unionsrepublik gehörten die Burjat-Mongolische, Tatarische, Baschkirische, Tschuwaschische und andere Autonome Republiken an. Im Rahmen der Georgischen Unionsrepublik bestanden die Abchasische und die Abchasische Autonome Republik usw.  Die Bevölkerung der autonomen Republiken betrug einige Hunderttausende bis zu einige Millionen in jeder Republik.

Die autonome Republik, die einer Unionsrepublik angehörte, übte in den Grenzen ihres Gebietes autonom die Staatsgewalt aus, das heißt das Volk, das die autonome Republik gebildet hatte, genoss auf seinem Gebiet die Rechte der staatlichen Selbstverwaltung in allen Fragen seines inneren Lebens. Alle Staatsorgane und Ämter der autonomen Republik – die höchsten und die örtlichen- bedienten sich der eigenen Sprache des betreffenden Volkes.

Die Bürger einer autonomen Republik wählten Deputierte (Abgeordnete) für den Obersten Sowjet ihrer Republik und nahmen an den Wahlen der Deputierten für den Obersten Sowjet jener Unionsrepublik teil, der die autonome Republik angehörte.

Gleichzeitig nahmen sie als Bürger der UdSSR an den Wahlen der Deputierten für den Sowjet der Union teil Außerdem wählten die Bürger jeder autonomen Republik 11 Deputierte (Abgeordnete) für den Sowjet der Nationalitäten. Das Volk einer jeden autonomen Republik entschied also durch seine Deputierten (Abgeordnete) nicht nur über die Staatsangelegenheiten seiner Republik, sondern nahm auch an der Regelung der Staatsangelegenheiten der entsprechenden Unionsrepublik und der gesamten Union teil und konnte seine besonderen nationalen Interessen im höchsten Organ der Staatsgewalt der Sowjetunion unmittelbar zum Ausdruck bringen.

Welche staatlichen Rechte genoss eine autonome Republik? Jede autonome Republik hatte ihre eigene Verfassung, die von der Republik selbst mit Rücksicht auf ihre Besonderheiten aufgestellt und von der obersten Staatsgewalt jener Unionsrepublik, der die betreffende autonome Republik angehörte, bestätigt wurde. Die Verfassung der autonomen Republik musste in Übereinstimmung sowohl mit der Verfassung der UdSSR als auch mit der Verfassung der Unionsrepublik abgefasst werden, der die autonome Republik angehörte.

Die autonome Republik erließ ihre Republikgesetze, die auf ihrem Gebiet Rechtsverbindlichkeit besaßen. Die Gesetze der Sowjetunion sowie die der entsprechenden Unionsrepublik waren auf dem Gebiet der autonomen Republik ebenfalls rechtsverbindlich.

Die autonome Republik besaß ihr Territorium, das ohne ihre Zustimmung nicht verändert werden durfte. Eine Änderung der Grenzen der autonomen Republik wurde durch die oberste Staatsgewalt der entsprechenden Unionsrepublik bestätigt.

Die autonome Republik hatte ihre republikanische Staatsbürgerschaft. Jeder Bürger der autonomen Republik war gleichzeitig Bürger der entsprechenden Unionsrepublik und Bürger der UdSSR.

Staatswappen und Flagge der autonomen Republik war das Staatswappen und die Flagge der Unionsrepublik, der sie angehörte, wobei der Name der autonomen Republik hinzugefügt wurde.

Ein solcher Staatsaufbau der autonomen Sowjetrepubliken war der schöpferischen Selbsttätigkeit ihrer Völker sehr förderlich. Gleichzeitig spürte jedes dieser Völker eine unlösbare Verbundenheit mit dem gemeinsamen Heimatland, mit der Sowjetunion, die es mit allen seinen Kräften und Mitteln zu verteidigen bereit war.

5. Das autonome Gebiet

In Sibirien, im südwestlichen Teil der Region Krasnojarsk, erstreckt sich an den Ufern des oberen Jenissej und über die Täler seines Nebenflusses Abakan ein großes Land, das seiner Fläche nach (59 000 qkm) fast ebenso groß wie Belgien und die Niederlande zusammengenommen. Es ist reich an Naturschätzen: Wäldern, fruchtbaren Steppen, Steinkohle, Eisen, Gold, Kupfer, Blei, seltenen Metallen (Molybdän, Wolfram, Vanadium) und Mineralen (Barit u.a.).

In diesem Lande lebt seit Urzeiten das chakassische Volk. Vor mehr als 1000 Jahren waren die Chakassen eines der mächtigen und kulturell hochstehenden Völker Asiens. Davon zeugen die Grabhügel mit alten Waffen, Schmuck und Hausgerät. Davon sprechen die „bemalten Berge“, große in Felsen eingehauene Bilder mit Jagd- und Schlachtmotiven sowie Bildwerke aus Stein, die bis auf den heutigen Tag auf den Feldern Chakassiens anzutreffen sind.

Im 11.-13. Jahrhundert geriet das chakassische Volk unter das Joch der mongolischen Eroberer und verarmte. Der Ackerbau verschwand fast völlig, Gras überwucherte die Kanäle, Handwerk und Schrifttum gerieten in Vergessenheit, wie auch der Name des chakassischen Volkes selbst.

Unter der Zarenmacht litten die Chakassen unter dem Druck der zaristischen Beamten, der russischen Kapitalisten und der einheimischen Fürsten. Das chakassische Volk war am Aussterben.

Chakassen-Frau im Festtagsgewand, Distrikt Minussinsk. Um 1900 bis 1910
Bildquelle: Von С.Д. Майнагашев. – Ursprung unbekannt, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6368549

Durch die Große Sozialistische Oktoberrevolution wurde das chakassische Volk vor dem endgültigen Untergang gerettet. Die Sowjetmacht, die bolschewistische Partei und das russische Volk halfen dem chakassischen Volk, zu neuem Leben zu erwachen, seine Wirtschaft zu haben, seine nationale Kultur zu entwickeln und sich der sozialistischen Aufbauarbeit anzuschließen. Das russische Volk half den Chakassen, ihre eigene sowjetische national-staatliche Organisation – das Chakassische Autonome Gebiet – zu schaffen. Das Zentrum des Gebietes ist die Stadt Abakan.

Das Chakassische Autonome Gebiet wurde am 20. Oktober 1930 gebildet. Auf Wikipedia steht der 10. Oktober 1930 als Gründungsdatum.

Während der ersten zehn Jahre des Bestehens dieses Gebietes wurde das chakassische Nomadenvolk sesshaft. In den Jahren der Sowjetmacht wurde in Chakassien eine Großindustrie zur Förderung von Kohle und Erzen, zur Gewinnung von Gold und zur Nutzbarmachung der Wälder geschaffen. Die Anbauflächen hatten sich verneunfacht. Tausende Hektar wasserarmen Bodens wurden durch Kanäle bewässert. Der Viehbestand wuchs von Jahr zu Jahr. Die Kollektivwirtschaften vereinigten 98 v.H. der bäuerlichen Wirtschaften.

Das chakassische Volk wurde fast restlos lesekundig. In Chakassien bestanden (Stand 1947) etwa 350 Schulen, 75 Lichtspielhäuser, 3 Theater, 1 Lehrerinstitut und 3 technische Fachschulen. Eine chakassische nationale Literatur wurde geschaffen und entwickelte sich erfolgreich.

Chakassen-Ensemble mit von links: zweisaitige gezupfte Langhalslaute khomys (mit der kasachischen dombra verwandt), zweisaitige Streichlaute yykh (mit der tuwinischen igil verwandt), randgeblasene Flöte khobyrakh, Rahmentrommel tüür (Schamanentrommel), im Vordergrund Kastenzither jadagan (oder chadyghan).

Bildquelle: Von любительское – Фото на природе, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=7622845

Wie war der Staatsaufbau des Chakassischen Autonomen Gebietes? Das Gebiet wurde in freiem Entschluss geschaffen und gehörte der Region Krasnojarsk der RSFSR an. Das chakassische Volk, das dieses Gebiet geschaffen hatte, genoss auf dem Territorium des Gebietes die Rechte der staatlichen Selbstverwaltung in allen Fragen seines inneren Lebens. Die Vollmachten der Staatsorgane des Gebietes – des Gebietssowjets der Deputierten (Abgeordneten) der Werktätigen und seines Vollzugskomitees – wurden durch die „Bestimmung über das Chakassische Autonome Gebiet“ festgelegt. Diese wurde durch den Gebietssowjet mit Berücksichtigung der nationalen Besonderheiten des Gebietes aufgesetzt und durch den Obersten Sowjet der RSFSR bestätigt.

Alle Staatsorgane und Institutionen des Chakassischen Autonomen Gebietes bedienten sich der eigenen Sprache des chakassischen Volkes.

Die Bürger des Chakassischen Autonomen Gebietes wählten Deputierte (Abgeordnete) für ihren Gebietssowjet und nahmen an den Wahlen der Deputierten (Abgeordneten) für den Regionssowjet von Krasnojarsk, für Obersten Sowjet der Russischen Föderation und als Bürger der UdSSR auch an den Wahlen der Deputierten (Abgeordneten) für den Sowjet der Union teil. Außerdem wählten die Bürger jedes autonomen Gebietes je 5 Deputierte (Abgeordnete) für den Sowjet der Nationalitäten. Auf diese Weise entschied das chakassische Volk durch seine Deputierten (Abgeordneten) nicht nur selbst über seine inneren Staatsangelegenheiten, sondern nahm auch an der Regelung der Staatsangelegenheiten der Region von Krasnojarsk, der Russischen Föderation sowie der gesamten Union teil und konnte seine besonderen nationalen Interessen im höchsten Organ der Staatsgewalt der Sowjetunion unmittelbar zum Ausdruck bringen. 1992 riefen die Chakassen im Rahmen der russischen Föderation die Republik Chakassien aus. Diese trat an die Stelle der „Autonomen Region Chakassien“. Siehe Wikipedia. P.R.

Auf der gleichen Grundlage waren auch von anderen kleinen sowjetischen Völkern, zum Beispiel von den Adygejzen, Tscherkessen, Südoseten im Kaukasus und von den Ojroten im Altai autonome Gebiete gebildet worden. Jedes dieser Völker zählte einige Zehntausende Menschen. So betrug zum Beispiel die Stammbevölkerung des Chakassischen Autonomen Gebietes (die Chakassen) nach der Zählung des Jahres 1939 52 500 Menschen.

Die Bildung autonomer Gebiete förderte in hohem Maße den Aufschwung der schöpferischen Selbstständigkeit sowie die wirtschaftliche und kulturelle Entwicklung der Völker, die sie geschaffen hatten.

6. Der nationale Bezirk

Im Norden Sibiriens, in den Niederrungen der Flüsse Ob und Tas, im Becken der Flüsse Poluj, Nadym und Pur, auf den Halbinseln Jamal, Jawai und Gydan liegt ein Land, das sich über 800 km vom Ural nach Osten und über 1200 km vom Süden nach Norden erstreckt. Über die Hälfte des Gebietes liegt jenseits des Polarkreises. Das Gebiet ist sehr reich an „weichem Gold“, den hochwertigen Edelpelztieren (Polarfuchs, Zobel, Rotfuchs, Hermelin, Vielfraß, Eichhörnchen u.a.).  Die Flüsse und die zahlreichen Seen wimmeln von wertvollen Fischarten. In der Tundra findet man eine Unmenge Wild. Die Rentierherden zählen Hunderttausende von Tieren.

Da Volk der Nenzen stellt seit alters her die Stammbevölkerung dieses Gebietes dar. Seit dem 15. Jahrhundert verwandelte die Zarenmacht das Nenzenland in ein unfreies Land, in eine Kolonie, aus der die Zarenbeamten einen gewaltigen Tribut an Fellen herauspressten. Die Zarenbeamten erblickten auch in den Nenzen selbst nichts anderes als eine „Abart der örtlichen Tierwelt“. Sie nannten die Nenzen verächtlich „Samojeden“, was auf russisch „Selbstfresser“ heißt, obwohl die Nenzen natürlich keine Menschenfresser waren und das Wort „Nenez“ in ihrer Sprache „Mensch“ bedeutet.

Das Nenzenvolk hatte auch durch die russischen Aufkäufer bitter zu leiden, welche die Nenzen gewissenlos betrunken machten und bei dem Umtausch von Rauchwaren und Fischen gegen Industriewaren und Mehl betrogen. Die armen Nenzen wurden auch durch die einheimischen Reichen – die Großtierzüchter, Fürsten und Schamanen (Priester) – erbarmungslos ausgebeutet.

Das Nenzenvolk kämpfte tapfer gegen seine Unterdrücker um ein besseres Leben. 30 Jahre lang (1825-1856) führten die armen Nenzen unter der Leitung von Wauli Piettomin und seinen Mitstreitern einen heldenmütigen Kampf gegen die örtlichen zaristischen Behörden und gegen die reichen Renntierzüchter. Mit einer großen Abteilung rückte Wauli bis zur Stadt Obdorsk (später Sale-Chard) vor, wurde aber geschlagen.

Dem Nenzenvolk drohte ein furchtbares Schicksal. Schlagen Sie ein altes Lexikon aus dem Jahre 1899 auf, und Sie werden dort über die Nenzen nachlesen können: „Aussterbender Stamm, zählt 16 00 Menschen.“ Und in der Ausgabe von 1913: „Aussterbender Stamm, zählt 2000 Menschen.“

Mit dem heutigen Wikipedia kann man wenig anfangen. Es wird gesagt, dass die Nenzen unter der Sowjetmacht zwangsweise sesshaft gemacht wurden.  Allerdings sind sie, durch die Erschließung von Erdöl und Erdgasvorkommen, heutzutage wieder gefährdet. Siehe Wikipedia und nochmal Wikipedia.

Da findet man auch die heutigen Bevölkerungszahlen. Wauli Piettomin wird auf Wikipedia nicht erwähnt.

Nenzen auf Rentierschlitten in der Tundra (August 2000)
Bildquelle: Von Dr. A. Hugentobler – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=817964
Traditionelle Kleidung aus Rentierleder und -fell
Bildquelle: Von Manfred Werner – Tsui – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=25541376

Dem Nenzenvolk wurde durch die Große Sozialistische Oktoberrevolution und durch die Sowjetmacht, die im Gebiet im Mai 1919 mit Hilfe des russischen Volkes   vorrübergehend errichtet wurde (Damals glaubte man endgültig. P.R.), vor dem unvermeidlichen Untergang gerettet. Das Nenzenvolk ehrt (vermutlich auch heute noch. P.R.) seinen Nationalhelden Wauli und nennt ihn in Liedern: „Die Seele der mitternächtlichen Tundren.“ Die Nenzen ehren das Andenken der tapferen Bolschewiki, die ihr Leben im Kampf um die Sowjetmacht, um das Glück des Nenzenvolkes hingegeben haben. (Die Älteren werden das vermutlich auch heute noch tun. Darüber kann man nur spekulieren, da heutige Nachschlagewerke, wie Wikipedia uns das nicht verraten. P.R.)

Unter der Sowjetmacht hatte sich das Leben des Nenzenvolkes bis zur Unkenntlichkeit gewandelt, besonders seit die Nenzen ihre national-staatliche Organisation – den Nationalen Bezirk der Jamalo-Nenzen gebildet hatten (10. Dezember 1930). Das Zentrum des Bezirks war die Stadt Sale-Chard.

Seit der „munizipalen Verwaltungsreform“ in Russland, die im Autonomen Kreis der Nenzen im Jahre 2005 umgesetzt wurde, gliedert sich der Autonome Kreis in die Hauptstadt Narjan-Mar sowie dem Sapoljarny rajon (wörtlich Transpolar-Rajon), der das gesamte Territorium des Kreises außer dem der Hauptstadt mit allen weiteren Ortschaften umfasst.

Zum Sapoljarny rajon gehören die Siedlung städtischen Typs Iskatelei (zuvor der Verwaltung von Narjan-Mar unterstellt, aber seit der Verwaltungsreform eigenständig), die selbständige ländliche (zuvor städtische) Siedlung Amderma und 17 Dorfsowjets, die zusammen 42 Ortschaften umfassen.

Das ist die heutige Verwaltungsgliederung. Siehe Wikipedia. Auf Wikipedia findet man auch eine Tabelle der heutigen Verwaltungsgliederung. P.R.

Binnen zehn Jahren war über die Hälfte der Nomadenbevölkerung des Bezirks sesshaft geworden. Das verkauft uns Wikipedia als Zwang. P.R.  Große Fischkonservenwerke wurden im Bezirk geschaffen. Um diese Werke wurden große Fischerei-Kollektivwirtschaften organisiert, die ihre Fänge vertragsgemäß an die Werke ablieferten.

Die Faktoreien der Genossenschaften versorgten die Jäger mit besten Waffen und Fangwerkzeugen und organisierten die Versorgung mit Industriewaren und Gegenständen des kulturellen Bedarfs. Es wurde eine wissenschaftliche Betreuung des Waidwerks organisiert. Das wichtigste Kettenglied des Waidwerks wurde die Kollektivwirtschaftsbrigade. Die Beute an „weichem Gold“ hatte sich mehr als verzehnfacht. Die Rentierherden der Kollektivwirtschaften hatten sich vervierfacht. Die Viehzüchter des Bezirks, die früher nur Rentiere kannten, legten sich nun Rindvieh, Schafe, Pferde und Schweine zu.

In diesem Polargebiet, in der Zone des ewigen Frostbodens, wo die Bevölkerung nicht einmal Gemüse zu sehen kriegte, kam der Ackerbau auf offenem Felde und in Treibhäusern auf. (Hier kann der Klimawandel eine Chance sein, denn dieser wird ja auch als Faktor für eine erneute Gefährdung des Volkes der Nenzen benannt. P.R.)

Nicht weniger erstaunlich sind die Erfolge des Bezirks auch bei dem Kulturellen Aufbau. In der Zarenzeit war die Stammbevölkerung des Bezirks ohne jede medizinische Betreuung. Im Jahre 1931 gab es 2 Krankenhäuser und 4 Ärzte. Im Jahre 1940 zählte man bereits 12 Krankenhäuser, 18 Ambulatorien, 21 Arztgehilfen- und Hebammenstellen, 38 Ärzte und 95 Arztgehilfen und Hebammen. (Wie mag es heute aussehen? Es sieht ja selbst in Deutschland in einigen Gebieten düster aus, was die medizinische Betreuung der Bevölkerung angeht. P.R.)

Unter der Zarenmacht war die Stammbevölkerung durchweg Analphabeten. Im Jahre 1931 besaß der Bezirk 6 Anfangsschulen und 1 Sieben-Klassen-Schule. Im Jahre 1943 waren es bereits 37 Anfangs-, 12 Sieben-Klassen- und 7 Zehn-Klassen-Schulen geworden. Für die Nomadenkinder wurden Internatsschulen geschaffen. (Wie mag es heute auf dem Bildungssektor aussehen? P.R.)

Im Bezirk bestand eine nationale Lehrerschule, eine Rentierzucht-Lehranstalt, eine Genossenschaftsschule, eine Werkschule, eine wissenschaftliche Forschungsstation zum Studium der Rentiererkrankungen sowie eine zonale landwirtschaftliche Station. Im Bezirk gab es ein Heimatmuseum, 10 Bibliotheken, 13 Lesestuben, 5 Kulturhäuser. Es wurden 6 Zeitungen und 150 Wandzeitungen herausgegeben. Auch die nationale Literatur der Nenzen begann sich zu entwickeln.

Was war der Schlüssel zu den erstaunlichen Erfolgen die von dem Nenzenvolk in kurzer Zeit erzielt wurden? Der Schlüssel war die freie Selbstbestätigung des Nenzenvolkes auf allen Gebieten seines Lebens. Es schuf seine sowjetische national-staatliche Organisation und baute selbst sein neues Leben auf unter der Führung der kommunistischen Partei, mit brüderlicher Hilfe des russischen Volkes und sämtlicher vereinigter Völker der Sowjetunion.

Das über die riesigen Weiten des sowjetischen Nordens verstreute Nenzenvolk bildete außer dem Nationalen Bezirk der Jamalo-Nenzen zwei weitere Bezirke: im Norden des Gebietes Archangelsk und im Norden der Region Krasnojarsk. Auch andre Völker der Sowjetunion bildeten ihre eigenen natioanlen Bezirke: die Chanten, Ewenken, Korjaken (Nymyllanen), Tschuktschen (Luorawetlanen), Burjat-Mongolen (zwei Bezirke) und die Komi-Permjaken.

Die nationalen Bezirke wurden genauso wie die autonomen Gebiete von kleinen sowjetischen Völkern auf freiwilliger Grundlage gebildet. Sie gehörten einem Gebiet oder einer Region der Russischen Sozialistischen Föderativen Sowjetrepublik an.

Jedes Volk, das einen nationalen Bezirk bildete, genoss auf dem Gebiet des Bezirks die Rechte der staatlichen Selbstverwaltung in allen Fragen seines inneren Lebens. Die Rechte und Pflichten der Staatsorgane des nationalen Bezirks – des Bezirkssowjets der Deputierten (Abgeordneten) der Werktätigen und seines Vollzugskomitees- wurden durch die „Bestimmung über die Nationalen Bezirke“ festgelegt, die von dem Obersten Sowjet der RSFSR ausgearbeitet wurde.

Alle Staatsorgane und Ämter des nationalen Bezirks bedienten sich der Sprache des Volkes, das den Bezirk gebildet hatte.

Die Bürger des nationalen Bezirks wählten Deputierte (Abgeordnete) für ihren Bezirkssowjet und nahmen auf allgemeiner Grundlage an den Wahlen der Deputierten (Abgeordneten) für den Sowjet des Gebietes (der Region), dem der Bezirk angehörte, sowie der Deputierten (Abgeordneten) für den Obersten Sowjet der RSFR teil. Gleichzeitig nahmen sie als Bürger der UdSSR an den Wahlen der Deputierten (Abgeordneten) für den Sowjet der Union teil. Außerdem wählten die Bürger eines jeden nationalen Bezirks je einen Deputierten (Abgeordneten) für den Sowjet der Nationalitäten. Das einen nationalen Bezirk bildende Volk entschied als durch seine Deputierten (Abgeordneten) nicht nur selbst in Fragen seiner inneren staatlichen Selbstverwaltung, sondern nahm auch an der Entscheidung über die staatlichen Angelegenheiten des Gebietes (der Region) und der Regelung der Staatsangelegenheiten der RSFSR sowie der gesamten Union teil und konnte seine besonderen nationalen Interessen in dem höchsten Organ der Staatsgewalt der UdSSR unmittelbar zum Ausdruck bringen.

Alle Völker des sowjetischen Nordens verteidigten mit Begeisterung das gemeinsame sowjetische Vaterland und halfen der Front. Die Interessen der gesamten Sowjetunion, als deren Bestandteil sie sich fühlten, lagen ihnen am Herzen.

7. Fest und unerschütterlich der Bund der Sowjetvölker

Das hat sich als großer Irrtum erwiesen. Es geht sogar soweit, dass ehemalige Sowjetrepubliken Krieg gegeneinander führen. Ob es sich offiziell tatsächlich um einen Krieg oder eine Sonderoperation handelt, ist erst mal gleichgültig. Es sind kriegerische Auseinandersetzungen, einschließlich des sie begleitenden Elends. P.R.

Ziehen wir einige Schlussfolgerungen aus dem, was wir über den Staatsaufbau der Sowjetunion dargelegt haben.

Die UdSSR war ein einheitlicher Vielvölkerbundesstaat, mit einer einheitlichen sowjetischen Staatsmacht, mit einer einheitlichen Volkswirtschaft und einer einheitlichen Armee. Und darauf beruhte ihre Stärke.

Die Sowjetunion war eine freiwillige staatliche Vereinigung freier gleichberechtigter Völker. Daher – die große Freundschaft der Sowjetvölker, die eine Quelle der Stärke der Sowjetunion war.

In dem gesamten Staatsaufbau der Sowjetunion wurden die Grundsätze einer echten, konsequenten und restlos durchgeführten Demokratie verwirklicht. Die Sowjetunion war ein wahrer Volksstaat, der demokratischste Staat der Welt. Darin lag ihre Stärke.

(Heute macht man uns was anderes weiß. Doch seinerzeit wurde eine demokratische und fortschrittliche Minderheitenpolitik betrieben, als man in anderen Ländern noch gar nicht daran dachte, ja die Minderheiten unterdrückt und diskriminiert wurden, bzw. noch werden. P.R.)

Sämtliche Sowjetvölker hatten ohne jeden Unterschied das Recht auf einen freien staatlichen Aufbau ihres Lebens nach ihrem eigenen Wunsch. Die Sowjetvölker setzten dieses Recht in die Tat um und bildeten ihre national-staatlichen Organisationen in Form der Unionsrepubliken, autonomen Republiken, autonomen Gebiete und nationalen Bezirke. Gleichzeitig waren alle Sowjetvölker zu einer einträchtigen Familie zusammengeschlossen, zur Sowjetunion, die jedem Volke in seiner Entwicklung allseitige Hilfe gewährte und es vor äußeren Feinden schützte.

So wurde in der Sowjetunion zum ersten Male in der Geschichte der Menschheit die nationale Frage gelöst: die Frage der Abschaffung der nationalen Unterdrückung, des Rechts eines jeden Volkes auf freien staatlichen Aufbau seines Lebens nach seinem Wunsche, der Gleichberechtigung der Nationen, der Freundschaft und gegenseitigen brüderlichen Hilfe der Völker.

Die deutschen Faschisten rechneten damit, dass die Sowjetunion gleich bei dem ersten Ansturm ihrer Truppen „zerfallen“ würde. Diese Berechnungen erlebten ein völliges Fiasko. In den schweren Jahren des erbitterten Ringens gegen die deutsch-faschistischen Eindringlinge hatte sich der brüderliche Bund der Sowjetvölker unter der Führung der bolschewistischen Partei noch weiter gefestigt und gestählt. Jedes Sowjetvolk gab alle seine Kräfte und Mittel für die heilige Sache der Verteidigung des Feindes vom Sowjetboden sowie für die Vernichtung des Faschismus hin. Die Einigkeit, das gegenseitige Vertrauen und das Kampfbündnis der Sowjetvölker war seinerzeit fester den je. (Der Zerfall der Sowjetunion erfolgte erst sehr viel später im Zuge der Konterrevolution. P.R.)

Die deutschen Faschisten verbreiteten die unsinnigsten und schädlichsten „Theorien“ darüber, dass die Menschheit angeblich aus zwei ungleichen Teilen bestehe: auf der einen Seite die Deutschen, als Angehörige einer „höheren Rasse“, einer „Herrenrasse“, auf der anderen Seite alle übrigen Völker, die angeblich „niederen Rassen“, den „Sklavenvölkern“ angehören.

Die sowjetischen Völker haben diese faschistischen Wahnideen in der Praxis widerlegt. Sie zeigten durch die Tat, dass jedes von der nationalen Unterdrückung und der kapitalistischen Sklaverei befreite Volk imstande ist, sich ein fortschrittliches Staatswesen zu schaffen sowie seine Wirtschaft und seine nationale Kultur hoch zu entwickeln.

Der große Vaterländische Krieg (II. Weltkrieg) der sowjetischen Völker zeigte der ganzen Welt, dass der sozialistische Sowjetstaat stärker als der faschistische Staat war, dass Sowjetstaat eine gewaltige militärische, wirtschaftliche, moralische, politische und kulturelle Überlegenheit über den faschistischen Staat besaß.

Der staatliche Vielvölkerbund, der durch die Sowjetvölker unter der Führung der kommunistischen Partei geschaffen wurde, war 1947 der mächtigste Staat der Welt. Im Zuge des Kalten Krieges waren die USA der mächtigste Staat der Welt geworden und sind es noch heute. Während des Kalten Krieges standen sich die Sowjetunion und die USA als Großmächte gegenüber. Nach der Konterrevolution hat sich die Welt total zum Schlechten verändert.

Entnommen aus „Das Sowjetland“, Band 3, Original-Autor W.A. Karpinskij, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Buch „Das Sowjetland“ von 1947

Der sozialistische Sowjetstaat

1. Die Sowjets

Die Sowjets in Russland entstanden zum ersten Mal bereits während der Revolution des Jahres 1905 als Organe des Arbeiteraufstandes, als Keimzellen einer neuen, einer revolutionären Macht. Nach der Februarrevolution des Jahres 1917 verbreiteten sich die Sowjets rasch über das ganze Land. Nach der Eroberung der Macht durch die Arbeiterklasse im Oktober 1917, als Ergebnis der Vernichtung der Kapitalisten- und Gutsherrenherrschaft, haben sich die Sowjets zu einer entscheidenden kraft entwickelt und sind zur Staatsmacht im Lande geworden.

Die Sowjets stellten die die breitesten Massen erfassende Staatsorganisation dar, die die Werktätigen beider Geschlechter (An Diverse, 3. Geschlecht usw. dachte damals niemand. Diese Leute sind als verschwindende Minderheit, anders als heute, nicht beachtet worden. P.R) ohne Unterschied der Nation, Rasse, Beschäftigung, Parteizugehörigkeit, Bildung, der Religion usw. vereinigt. In den Sowjets erblickte man nebeneinander Russen und Aserbaidshaner, Ukrainer und Chakassen, Bjelorussen und Usbeken, Esten und Kirgisen, alte Bolschewiki und parteilose Kollektivbäuerinnen, Gelehrte von Weltruf und Arbeiter mit Grundschulbildung, Hüttenarbeiter und Hirten, Weberinnen und Melkerinnen, Eisenbahner und Flieger usw. Die Deputierten (Abgeordneten) für die Sowjets wurden vom ganzen Volk gewählt. Die Sowjets waren die dem Volke am nächsten stehende Macht.

Es gab Sowjets in jeder Stadt, in jedem Bezirk, Kreis, Gebiet, in jeder Region. In den entlegensten Siedlungen fand man einen Sowjet der Deputierten (Abgeordneten) der Werktätigen.

Die örtlichen Sowjets leiteten die wirtschaftliche und kulturell-politische Aufbauarbeit auf ihrem Territorium, stellten ihren Haushaltsplan auf, wählten ihre Vollzugskomitees, die den Sowjets über ihre gesamte Tätigkeit rechenschaftspflichtig waren. Sie gewährleisteten den Schutz der staatlichen Ordnung auf ihrem Territorium, die Wahrung der Gesetze und den Schutz der Bürgerrechte und trugen zur Stärkung der Verteidigungskraft des Landes bei. Sie bildeten ihre für die einzelnen Zweige der Staatsverwaltung zuständigen Abteilungen, wie zum Beispiel für Volksbildung, Gesundheitsschutz, örtliche Industrie, Handel und Sozialversicherung.

Die Sowjets der Deputierten (Abgeordneten) der Werktätigen wählten ständige Kommissionen, welche die Sowjets bei ihrer Arbeit praktisch unterstützten. Diese Kommissionen stellten zwischen den Sowjets und der Bevölkerung, den Wählern, eine enge Fühlungsnahme her und zogen die breiten Massen der Werktätigen zu der Staatsverwaltung heran. Lenin schrieb Anfang 1919, dass die Sowjets zur ständigen und einzigen Grundlage der gesamten Staatsmacht im Sowjetlande geworden sind (waren P.R.).

Die Sowjets der Deputierten (Abgeordneten) der Werktätigen stellten die politische Grundlage der sozialistischen Sowjetgesellschaft dar, genauso, wie die gesamte sozialistische Wirtschaft der UdSSR die wirtschaftliche Grundlage der sozialistischen Sowjetgesellschaft bildete.

Die örtlichen Sowjets unterschieden sich in grundlegender Weise von den Organen der sogenannten „örtlichen Selbstverwaltung“, wie sie im zaristischen Russland bestanden und auch heute in bürgerlichen Staaten bestehen.

Die örtlichen Sowjets der Deputierten (Abgeordneten) der Werktätigen, vom Gebietssowjet angefangen bis zum Dorfsowjet, stellten nach der stalinschen Verfassung die örtlichen Organe der Staatsmacht dar. Jeder der Sowjets stellte einen Bestandteil der einheitlichen sowjetischen Staatsmacht dar.

Betrachtet man eine beliebige Sowjetrepublik, so wird man feststellen, dass die örtlichen Sowjets in einer gemeinsamen Staatsorganisation, der Sowjetrepublik, zusammengefasst waren, in der jeder Sowjet der Deputierten (Abgeordneten) der Werktätigen seinen Platz, seine Rechte und seine Pflichten hatte.

So war zum Beispiel die Sowjetmacht in Turkmenien nichts andres als die Vereinigung der turkmenischen örtlichen Sowjets zu einer gemeinsamen nationalstaatlichen Organisation, zur Turkmenischen Sozialistischen Sowjetrepublik. Die Sowjetmacht in Moldawien war die Vereinigung der moldauischen örtlichen Sowjets zu einer gemeinsamen nationalstaatlichen Organisation, zur Moldauischen Sozialistischen Sowjetrepublik usw.(Moldau, bzw. Moldawien ist heute ein eigenständiger Staat.P.R.)

Das große Sowjetland als Ganzes ist die Vereinigung nationaler sozialistischer Sowjetrepubliken zu einem gemeinsamen Sowjetischen Vielvölkerstaat – zur Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken.

Die Sowjets- das war die Macht der Werktätigen. Darüber heißt es deutlich in der Verfassung der damaligen Sowjetunion: „Alle Macht in der UdSSR gehört den Werktätigen in Stadt und Land in Gestalt der Sowjets der Deputierten der Werktätigen.“

Dasselbe wurde auch in den Verfassungen aller Sowjetrepubliken festgestellt. Wenn man zum Beispiel die Verfassung der Kirgisischen Sozialistischen Sowjetrepublik aufschlägt, so liest man: „Alle Macht in der Kirgisischen Sowjetrepublik gehört den Werktätigen in Stadt und Land in Gestalt der Sowjets der Deputierten der Werktätigen.“ (Kirgisien, bzw. Kirgisistan ist heute auch ein selbständiger Staat. P.R.)

Auf diese Weise übten die von den Werktätigen in Stadt und Land gewählten Sowjets die gesamteStaatsgewalt in die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken und die gesamte Staatsgewalt in jeder sozialistischen Sowjetrepublik aus. Mit vollem Recht und Stolz sagten die Sowjetbürger von ihrem Staat: „Unser Staat – das sind wir selbst!“ („Der Staat sind wir“, lernt man auch in bürgerlichen Demokratien. Natürlich ist das kein Vergleich zur damaligen Sowjetunion. P.R.)

2. Das Bündnis der Arbeiter und Bauern

In den Sowjets, bei der gemeinsamen staatlichen Arbeit der Deputierten (Abgeordneten), die den zwei Klassen der Sowjetgesellschaft angehörten, war das Bündnis der Arbeiter und Bauern verwirklicht. Sie ihrer Entstehung kämpfte die bolschewistische Partei um die Vereinigung der Arbeiter und Bauern im engen Bündnis. Und erst nachdem die Werktätigen des Sowjetlandes das Bündnis der Arbeiter und Bauern geschaffen und gefestigt hatten, konnten sie alle ihre Erfolge erringen. Und in der Tat: hätte man den ohne das Bündnis der Arbeiter und Bauern die sozialistische Gesellschaft aufbauen und einen solch mächtigen Staat wie die Sowjetunion schaffen können? Natürlich nicht.

Hätte denn die Sowjetunion in dem schwierigen und schweren Krieg gegen das faschistische Deutschland und seine Komplizen siegen können, wenn sie sich nicht auf das feste Bündnis der Arbeiter und Bauern gestützt hätte? Sie hätte es zweifellos nicht gekonnt.

Den Arbeitern war dieses Bündnis notwendig, weil sie ohne Unterstützung der Bauernmassen nicht vermocht hätten, die Kapitalisten zu besiegen und durch die Kollektivwirtschaften eine grundlegende Verbesserung ihres Lebens zu erreichen.

Die Arbeiter und Bauern brauchen ein enges Bündnis, um gemeinsam die sozialistische Ordnung weiter zu entwickeln, ihr Leben fortwährend zu verbessern und ihr sowjetisches Heimatland gegen äußere Feinde zu verteidigen.

Auf dem ganzen überaus schweren geschichtlichen Weg vom alten Leben zum neuen, vom Zarenregime und Kapitalismus zum Sozialismus, wurden die Bauernmassen von der Arbeiterklasse geführt. Die Arbeiterklasse war stets die führende Kraft im Bündnis der Arbeiter und Bauern. Worauf war das zurückzuführen? (Nun ja, heute ist der Kapitalismus wieder zurück und das alte Leben wieder da. Seit 1989/90 läuft die Geschichte rückwärts. P.R.)

Die Arbeiter waren in den Städten und Industriezentren in großen Massen konzentriert. In den Großbetrieben arbeiteten Tausende und sogar Zehntausende von Arbeitern zusammen. Das trug von alters her zur Vereinigung, zur Organisation der Arbeiter für den Kampf gegen die Kapitalisten und ihre Gewalt um die Sache der Arbeiter, um die Befreiung der Werktätigen bei. (Die Kapitalisten haben gelernt und durch heutige Arbeitsformen, wie Leiharbeit, Verlagerung ins Ausland usw. die Vereinigung der Arbeiter erschwert bis unmöglich gemacht. Klassenbewusstsein ist bei den Arbeitern ohnehin nicht mehr vorhanden. P.R.)

Die Arbeiter besitzen keine Produktionswerkzeuge und -mittel als Privateigentum. Damals waren sie direkt und unmittelbar daran interessiert, den Kapitalisten die Fabriken und Werke wegzunehmen und sie dem sozialistischen Staat zu übereignen, wie das von den Arbeitern in der UdSSR auch getan wurde.

Auf diese Weise haben die Lebens- und Arbeitsbedingungen dazu beigetragen, dass die Arbeiter zu der führenden Gesellschaftsklasse, zu der revolutionärsten, organisiertesten, bewusstesten und im Kampfe gegen jede Unterdrückung und Ausbeutung, im Kampfe um den Sozialismus gestähltesten Gesellschaftsklasse wurden.

Die Lage der Bauern in der Gesellschaft war ganz anders. Die Bauern lebten über das ganze Land verstreut. Unter der alten Ordnung führten die Bauern eine Privatbesitzerwirtschaft, jeder auf seinem Stück Land, und klammerten sich an diese Wirtschaft, so klein sie auch sein mochte. Auch in den ersten Jahren der Sowjetmacht blieben die Bauern in der erdrückenden Mehrheit weiterhin Privatbesitzer. Die Arbeits- und Lebensbedingungen selbst führten die Bauern nicht zusammen, sondern trennten sie, erleichterten für sie nicht die Möglichkeit, sich für einen gemeinsamen Kampf gegen ihre nächsten Feinde, die Gutsherren zu organisieren, sondern erschwerten sie; vom Kampf gegen die Zaren-Gutsherrengewalt und vom Kampf um die Umgestaltung des gesamten Lebens auf neuer sozialistischer Grundlage gar nicht zu reden.

Natürlich konnte der Sozialismus allein die Interessen der Bauern als Werktätige voll und ganz befriedigen. Man musste jedoch den Bauern erst erklären, was Sozialismus ist, musste beweisen, dass die sozialistische Ordnung für die Bauern vorteilhaft ist, musste ihnen in der Praxis zeigen, wie man diese Ordnung im Dorfe einführen soll. Man musste ferner die Erzeugung von Traktoren und andren für kollektive Großwirtschaften notwendigen landwirtschaftlichen Maschinen organisieren.

Das sind die Ursachen, warum die Arbeiterklasse zur leitenden Kraft, zum Führer der Bauernmassen wurde im Kampfe für den Sturz der zaristisch-gutsherrlichen Macht, im Kampfe gegen die Gutsbesitzer und Kapitalisten für die Sowjetmacht, im Kampfe gegen das Kulakentum für die Vernichtung der Ausbeutung im Dorfe und für den Aufbau einer kollektiven, sozialistischen Wirtschaft.

Die sozialistische Gesellschaft in der UdSSR war bereits aufgebaut. Aber heißt das, dass die Führung durch die Arbeiterklasse nicht mehr notwendig sei? Nein, und zwar aus folgendem Grund:

Die Völker der UdSSR mussten die sozialistische Sowjetgesellschaft festigen und weiterentwickeln. Die zerstörte Wirtschaft in den Gebieten, die vorübergehend von den Deutschen besetzt waren, musste wiederhergestellt werden. Tausende von neuen Industrie- und landwirtschaftlichen Betrieben mussten erbaut, die Arbeitsproduktivität weiter gesteigert, das ganze Leben noch besser und schöner gestaltet werden. Es mussten bewusste, aktive Mitglieder der sozialistischen Gesellschaft erzogen werden, kenntnisreiche und geschickte Arbeiter der sozialistischen Wirtschaft- sie mussten nicht nur in den Schulen, aus den Reihen der Jugend, sondern auch aus denen der erwachsenen Bevölkerung herangezogen werden. Man fand unter den Sowjetmenschen noch viele, die es bis niemals verstanden haben, die schwere Last alter Ansichten, Gewohnheiten und Vorurteile abzuwerfen.

Es war klar, dass bei der Lösung dieser schwierigen Aufgaben die Führung durch die fortschrittliche Gesellschaftsklasse -die Arbeiterklasse– notwendig war.

In der Sowjetgesellschaft gab es keine Ausbeuterklassen und -schichten. Dies bedeutet, dass es im Sowjetland keine volksfeindliche Kraft gab, die der sowjetischen Gesellschafts- und Staatsordnung entgegentreten könnte (es waren nur vereinzelte Feinde der Sowjetmacht übriggeblieben) (In der damaligen Zeit. P.R.). Aber die Sowjetunion, der sozialistische Staat der Arbeiter und Bauern, war von einer kapitalistischen Umwelt umgeben. Es war bekannt, dass das Sowjetland mehr als einmal Angriffen von Seiten der kapitalistischen Mächte ausgesetzt war und dadurch ein eine äußerst schwere Lage geriet. Die Gefahr derartiger Angriffe war auch für die Zukunft nicht ausgeschlossen. (Wie es sich auch gezeigt hat und 1989/90 mit Erfolg gekrönt war. P.R.)   Es war klar, dass die Sowjetgesellschaft unter diesen Umständen die Leitung durch die führende Klasse– die Arbeiterklasse – brauchte.  (Es konnten sich Verräter in die Reihen der Repräsentanten der Arbeiterklasse einschleichen. So zuletzt Gorbatschow. P.R.)

Es ist bekannt, welche große Bedeutung für die sozialistische Sowjetgesellschaft, für den sozialistischen Sowjetstaat das durch die Arbeiterklasse geleitete Bündnis der Arbeiter und Bauern hatte und bis am Ende noch immer hatte. Von diesem Bündnis sagte J.W. Stalin: „Es ist die erste und tragende Grundlage der Republik der Sowjets.“

In den Sowjets ist war Bündnis der Arbeiterklasse und der Bauernschaft als ein Staatsbündnis zweier Klassen der Sowjetgesellschaft verankert worden. Das war gleich im ersten Artikel der Verfassung der Sowjetunion niedergeschrieben: „Die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken ist ein sozialistischer Staat der Arbeiter und Bauern.“

Auch die Verfassung einer jeden Sowjetrepublik begann mit einem Artikel, das das Bündnis der Arbeiter und Bauern als das Staatsbündnis dieser Klassen verankerte.

3. Die staatliche Führung der Sowjetgesellschaft

Unter den Deputierten (Abgeordneten) der Werktätigen in den Sowjets waren Vertreter sowohl der Arbeiterklasse als auch der Bauernschaft und der Intelligenz. Durch die Sowjets eint, erzog und führte die Arbeiterklasse die gesamte Masse der Werktätigen. Durch die Sowjets verwirklichte die Arbeiterklasse die staatliche Führung der gesamten Sowjetgesellschaft.

Der grundlegende Unterschied zwischen der sozialistischen und der kapitalistischen Gesellschaftsordnung besteht darin, dass die staatliche Führung der Gesellschaft in der Sowjetunion der Arbeiterklasse gehörte, in den kapitalistischen Ländern dagegen der Bourgeoisie gehört. In der UdSSR wurde die staatliche Führung der Gesellschaft im Interesse aller Werktätigen, in den kapitalistischen Ländern dagegen wird sie im Interesse der Bourgeoisie ausgeübt.

Vom ersten Tage der Sowjetmacht an hatte der Sowjetstaat immer neue, äußerst wichtige und komplizierte Aufgaben zu lösen.

Gegen den jungen Sowjetstaat zogen sofort sowohl die innere Konterrevolution als auch die äußeren Feinde der Sowjetmacht zu Felde, die mit allen Mitteln bemüht waren, die Republik der Sowjets zu ersticken. In dieser ersten Entwicklungsperiode des Sowjetstaates bestand seine Hauptaufgabe darin, die konterrevolutionären Ausfälle der gestürzten Klassen mit Waffengewalt zu unterdrücken und die Verteidigung des Landes gegen die ausländischen Eindringlinge zu organisieren. Dementsprechend bestand auch die Tätigkeit der Organe des Sowjetstaates in dieser Periode vor allem in der Unterdrückung des Widerstandes der gestürzten Klassen innerhalb des Landes und in der Organisation der Verteidigung gegen den Angriff von außen her.

Dabei war die Aufmerksamkeit des Staates vor allem auf die Festigung solcher Organe der Sowjetmacht konzentriert, die der Hauptaufgabe jener Zeit am meisten entsprachen. Diese Organe waren: das Volkskommissariat für Kriegs- und Marinewesen, das die Organisation und die Kampfhandlungen der Roten Armee leitete; die Allrussische Außerordentliche Kommission zur Bekämpfung der Konterrevolution und Sabotage – die „Wetscheka( besser bekannt unter der Bezeichnung „Tscheka“ P.R.), der Schrecken der Bourgeoisie, die viele konterrevolutionäre Verschwörungen und Aufstände aufgedeckt und zerschlagen hatte; das Volkskommissariat für die Ernährung mit seinen örtlichen Organen (darunter auch die Arbeiterabteilungen für die Ernährung(, das einen erbitterten Kampf ums Brot gegen das Kulakentum führte und die revolutionären Zentren des Landes sowie die Rote Armee mit Lebensmitteln versorgte.

In dieser Periode wurde die Klasse der Grundbesitzer restlos, die Klassen der Kapitalisten in der Stadt und der Kapitalisten im Dorfe (Kulaken) fast völlig liquidiert.

Der Sowjetstaat hatte in der ersten Periode noch eine weitere, die wirtschaftlich-organisatorische und kulturell-erzieherische Aufgabe. Jedoch konnte die Tätigkeit des Sowjetstaates damals in dieser Richtung nur in geringem Maße entfaltet werden. Die Staatsführung musste die Kräfte und Mittel auf die Lösung der Hauptaufgabe jener Zeit, auf die Zerschlagung der Ausländischen Eindringlinge und der inneren Konterrevolution konzentrieren.

In der zweiten Entwicklungsperiode des Sowjetstaates bestand die Hauptaufgabe darin, die sozialistische Wirtschaft im ganzen Lande zu organisieren, die letzten Überreste der Ausbeuterelemente in Stadt und Land zu vernichten, die kulturell-erzieherische Tätigkeit der sowjetischen Organe breit zu entfalten sowie eine mächtige, mit modernstem Kriegsmaterial ausgestattete Armee zu schaffen, die imstande wäre, jedem Angreifer von außen her eine vernichtende Abfuhr zu erteilen.

Dementsprechend veränderte sich auch die Tätigkeit des Sowjetstaates. Nach der Vernichtung der letzten Überreste der Ausbeuterklassen wurde eine militärische Unterdrückung innerhalb des Landes unnötig (es war niemand mehr niederzuhalten). Diese Seite der Tätigkeit des Sowjetstaates wurde hinfällig, überlebte sich. Aber die Notwendigkeit des militärischen Schutzes des Landes gegen einen Angriff von außen her ist geblieben, und folglich sind auch solche Organe des Sowjetstaates, die die Rote Armee und die Kriegsmarine, erhalten geblieben und verstärkt worden. Es blieben auch die Straforgane und der Abwehrdienst erhalten, die notwendig waren, um die von den kapitalistischen Mächten in das Sowjetland entsandten Spione, Schädlinge und Mörder zu bestrafen. Erhalten blieb und voll entfaltet wurde die wirtschaftlich-organisatorische und kulturell-erzieherische Tätigkeit des Sowjetstaates, bestehend in der Errichtung neuer Industriebetriebe, insbesondere großer, mit neuester Technik ausgestatteter Hütten- und Maschinenbauwerke; in der Errichtung großer, mit den besten Maschinen versehener Sowjetgüter; in der Unterstützung der Bauern bei der Organisierung und Festigung der Kollektivwirtschaften; in der Erhöhung der Arbeitsproduktivität; in der Erweiterung und Verbesserung der Verkehrsmittel sowie des Post- und Fernmeldewesens; in der Verstärkung und Verbesserung der Versorgung des Landes mit Industriewaren; in der Ausbreitung des Netzes der Anstalten für Volksbildung, Gesundheitswesen, Wissenschaft, Kunst, Presse usw. (Auch wenn es bis heute Zeitgeist ist Stalin zu verdammen, so gibt es keine andere Erkenntnis, als dass es während der Lebzeiten Stalins wirtschaftlich in der UdSSR aufwärts ging. Nach Stalins Tod ging es abwärts. P.R.)

In dieser Periode entstand für den Sowjetstaat eine neue Art von Tätigkeit: Schutz des gesellschaftlichen, sozialistischen Eigentums, das zur Grundlage der gesamten Sowjetordnung, der Verteidigungskraft des Landes und des Wohlstandes der Volksmassen der Sowjetunion wurde.

Die Sowjetunion wurde zu einer mächtigen industriellen und kollektivwirtschaftlichen Großmacht und zu einem der bedeutendsten Kulturländer der Welt.

Die friedliche Entwicklung der Sowjetunion wurde durch den überraschenden Überfall des faschistischen Deutschlands und seiner Komplizen unterbrochen. In diesen schweren und verantwortungsvollen Moment zeigte die Staatsführung des Sowjetlandes mit J.W. Stalin an der Spitze größte Energie und Standhaftigkeit, Weisheit und Voraussicht. Sie hat es verstanden, die Arbeit sämtlicher Sowjetorgane und Wirtschaftsbetreibe rasch auf die Bedürfnisse des Krieges umzustellen. Sie hat es verstanden, das gesamte Volk zu begeistern und zusammenzuschließen, sämtliche Kräfte und Mittel des Volkes zu konzentrieren, um die deutsch-faschistischen Eindringlinge zu zerschlagen. Sie hat es verstanden, eine reibungslose Versorgung der Roten Armee mit erstklassigem Kriegsmaterial und eine ununterbrochene Auffüllung ihrer Reihen mit gut ausgebildetem Ersatz zu organisieren. Sie hat es verstanden, die Kriegsoperationen in glänzender Weise zu lenken. Das war es, was der UdSSR den Sieg über den übermütigen und starken Feind sicherte.

Die Geschichte der UdSSR und die Lehren des Großen Vaterländischen Krieges (II. Weltkrieg) sprechen überzeugend davon, dass der Sowjetstatt in Friedenszeiten der beste Organisator des wirtschaftlichen und kulturellen Aufbaues war. (zu Lebzeiten Stalins P.R.)

 

In Kriegsjahren dagegen erwies sich der Sowjetstaat als der beste Organisator sämtlicher Kräfte des Volkes für eine vernichtende Abwehr des Feindes. (ebenfalls zu Lebzeiten Stalins)

Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 3 aus dem Jahre 1947, Original-Autor W.A. Karpinskij, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 3, aus dem Jahre 1947

Die sozialistische Sowjetgesellschaft

1. Das sozialistische Eigentum

Am 1. Mai 1919 sprach W.I. Lenin auf dem Roten Platz in Moskau zum Volk:

„Unsere Enkel werden die Dokumente und Denkmäler der Epoche der kapitalistischen Ordnung wie Wunderdinge bestaunen. Sie werden sich schwer vorstellen können, wie der Handel mit Gegenständen des täglichen Bedarfs sich in Privathänden befinden, die Fabriken und Werke einzelnen Personen gehören, ein Mensch den anderen ausbeuten und wie Menschen existieren konnten, die nicht arbeiteten.“  (Bekanntlich ist es anders gekommen. Der Kapitalismus hat gesiegt und die Enkel bestaunen die sozialistische Ordnung als Wunderdinge, soweit sie von ihren Großeltern, alten Büchern und Dokumenten die Wahrheit erfahren.P.R.)

Josef Wissarionowitsch Stalin (Nach einem Gemälde von A. Gerassimow
Entnommen aus „Das Sowjetland“, Band 3 Original-Autor W.A. Karpinskij

Der sowjetischen Jugend, die in der Zeit der Sowjetmacht geboren wurde und aufgewachsen ist,fiel es in der Tat sehr schwer, sich die Gesellschaftsordnung des zaristischen Russlands vorzustellen, da die Fabriken und Werke, Produktionswerkzeuge und -mittel, Felder, Wiesen und Berge, Waldungen und Gewässer Privateigentum reicher Nichtstuer waren, während Millionen von Arbeitern und armen Bauern ein Hungerleiderdasein fristeten, indem sie ihre Arbeitskraft den Kapitalisten, Gutsbesitzern und Kulaken verkauften. Die alten Arbeiter und Bauern haben die ganzen Schrecken der auf Privateigentum beruhenden bürgerlich-gutsherrlichen Ordnung am eigenen Leibe erfahren. Die Sowjetjugend dagegen hat einen Kapitalisten oder Gutsherren nie gesehen. Sie ist von klein auf an eine andere, auf dem sozialistischen Eigentum beruhende Ordnung gewöhnt. (Nun ja, ihre Enkel haben wieder die kapitalistische Ordnung kennengelernt und sich daran gewöhnt.)

Was ist sozialistisches Eigentum?

Nach der stalinschen Verfassung ist der Boden, seine Schätze, die Gewässer, die Waldungen, die Gruben, die Bergwerke, die Fabriken, die Werke, die Sowjetwirtschaften, die Maschinen- und Traktorenstationen, die Banken, das Eisenbahn-, Wasser- und Luftverkehrswesen, das Post- und Fernmeldewesen, die Kommunalbetriebe und der Grundbestand an Wohnhäusern in den Städten – all das ist sozialistisches Staatseigentum, d.h. Gemeingut des Volkes.

Auf diese Weise ist der Haupt- und wichtigste Teil aller Produktionsmittel des Sowjetlandes sozialistisches Staatseigentum.

Die Wirtschaftsgebäude und Betriebe der Kollektivwirtschaften und der genossenschaftlichen Organisationen, ihre Werkzeuge und Maschinen, ihr Arbeitsvieh und ihre Viehzuchtfarmen, bilden das genossenschaftlich-kollektivwirtschaftliche sozialistische Eigentum, d. h. das Eigentum der Kollektivwirtschaften und der genossenschaftlichen Vereinigungen.

Welch wichtige Bedeutung das genossenschaftlich-kollektivwirtschaftliche sozialistische Eigentum besitzt, ist aus der Tatsache ersichtlich, dass die erdrückende Mehrheit der Bauernhöfe des Sowjetlandes in Kollektivwirtschaften vereinigt ist. Im Jahre 1940 gehörten den Kollektivwirtschaften fast 97 v.H. der Gesamtzahl der Bauernhöfe an.

Die kleine Privatwirtschaft der Einzelbauern und der Kleingewerbetreibenden ist durch das Sowjetgesetz zugelassen unter der Bedingung, dass sie auf persönlicher Arbeit beruht und eine Ausbeutung fremder Arbeit ausschließt.

Das sowjetische Gesetz schützte ebenfalls das persönliche Eigentumsrecht aller Bürger (Natürlich sind Frauen stets auch gemeint. Das Gendern würde aber den Text holprig machen. Darum ist es nicht in die Bearbeitung eingeflossen. P.R.) an ihren Arbeitseinkünften und Ersparnissen, am Wohnhaus und der häuslichen Nebenwirtschaft, an den Hauswirtschafts- und Haushaltungsgegenständen sowie Gegenständen des persönlichen Bedarfs und Komforts. Das sowjetische Gesetz schützte ferner das Erbrecht an persönlichem Eigentum.

Jeder der Sowjetbürger war sich bewusst, von welch großer Bedeutung das sozialistische Eigentum für die Werktätigen, für das Sowjetland und für den Sowjetstaat ist.

Weshalb konnte in der Sowjetunion keiner den anderen zwingen, für sich zu arbeiten? Eben deshalb, weil im Sowjetland der Boden sowie die Produktionswerkzeuge und -mittel sozialistisches und kein privates Eigentum darstellten.

Weshalb gab es in der UdSSR keine Arbeitslosigkeit und keine Armut? Weshalb wurde das Leben der gesamten Masse der Werktätigen mit jedem Jahr wohlhabender und kultivierter und wird es auch weiterhin werden? (Nach Stalins Tod ging es allerdings abwärts. P.R.)

Weil im Sowjetland der Boden, die Fabriken, Werke, Gruben, Banken, das Verkehrswesen, das Post- und Fernmeldewesen, die Druckereien, Schulen, Bibliotheken, Theater, Lichtspielhäuser, Krankenhäuser, Sanatorien (Kur-, bzw. Rehakliniken) usw.  sozialistischen Eigentum waren. Das alles diente dem Nutzen und dem Wohle des werktätigen Volkes und stellte kein Mittel zur Bereicherung von Privatbesitzern dar, wie das in den kapitalistischen Ländern, bzw. der heutigen Welt (von Ausnahmen abgesehen) der Fall ist.

 

Weshalb hatte sich das einst rückständige Sowjetland in beispielloser kurzer Frist in einen der mächtigsten Staaten der Welt verwandelt, der es vermochte, seine Freiheit und Unabhängigkeit im Kampf gegen das faschistische Deutschland und seine Komplizen zu behaupten?

Weil das sozialistische Eigentum die Grundlage war, auf der das sowjetische Volk eine machtvolle Industrie, die größte hochproduktive Landwirtschaft der Welt geschaffen und eine vortreffliche Bewaffnung und gute Versorgung der Roten Armee gewährleistet hatte.

Das sozialistische Eigentum bildete die Grundlage der gesamten sowjetischen Gesellschaftsordnung, und darin lag ihre Stärke, darin lag ihr grundlegender Unterschied von der kapitalistischen Ordnung, der das Privateigentum an die Produktionswerkzeuge und -mittel zugrunde lag.

 

2. Die sozialistischen Betriebe

Die Stalinsche Verfassung spricht von zwei Formen des sozialistischen Eigentums: vom Staatseigentum und vom genossenschaftlich-kollektivwirtschaftlichen Eigentum. Warum gab es in der UdSSR nicht eine Form, sondern zwei Formen des sozialistischen Eigentums?

 

Die alten Industriebetriebe und die landwirtschaftlichen Großbetriebe wurden den Kapitalisten und Gutsherren weggenommen und zum Eigentum des Sowjetstaates gemacht. In der Zeit der Stalinschen Planjahrfünfte wurden sehr viele neue Werke, Fabriken, Kohlengruben, Bergwerke, Bohrtürme, Großkraftwerke gebaut und in der Landwirtschaft viele Sowjetgüter und Maschinen-Traktoren-Stationen geschaffen. Alle diese Betriebe waren mit Kräften und aus dem Mitteln des Sowjetstaates geschaffen worden. Und auch der Boden, auf dem sie gelegen waren, gehörten dem Sowjetstaat. Es ist begreiflich, dass diese Betriebe und die gesamte in ihnen erzeugte Produktion Staatseigentum, das heißt Gemeingut des Volkes waren.

Aber nehmen wir eine Kollektivwirtschaft mit ihren Feldern und Farmen, mit ihren Produktionsmitteln und Wirtschaftsbauten. Wie waren sie entstanden? Die Kollektivwirtschaft wurde mit Kräften und aus den Mitteln der Bauern selbst, mit Hilfe und unter Anleitung des Staates aufgebaut, und zwar durch freiwillige Vereinigung der Hauptproduktionsmittel, der Arbeitskräfte und der Bodenanteile der Bauernfamilien. Es ist begreiflich, dass der gesamte wirtschaftliche Besitz der Kollektivwirtschaft und die gesamte von ihr erzeugte Produktion das gesellschaftliche Eigentum des Bauernkollektivs war, welches die Kollektivwirtschaft organisiert hatte. Nur der Boden, die die Kollektivwirtschaft innehatte, stellte Staatseigentum dar, das ihr zu unentgeltlicher und unbefristete Nutzung urkundlich zuerkannt war.

Folglich war das Vorhandensein von zwei Formen des sozialistischen Eigentums in der UdSSR mit der verschiedenen Entstehungsweise der sozialistischen Betriebe – der staatlichen und der genossenschaftlich-kollektivwirtschaftlichen – eng verbunden.

Es gab auch andre Unterschiede zwischen den staatlichen und genossenschaftlich-kollektivwirtschaftlichen Betrieben. Wer war der Besitzer des staatlichen Betriebes? Der Sowjetstaat. Die sowjetischen Organe ernennen einen Direktor zur Leitung des Betriebes. Die Arbeiter und Angestellten dieses Betriebes erhalten vom Staat für ihre Arbeit einen der Menge und Qualität ihrer Arbeit entsprechenden Lohn ausgezahlt.

Und wer war der Besitzer der Kollektivwirtschaft? Das Bauernkollektiv, das sich zu der Kollektivwirtschaft zusammengeschlossen hat. Die Angelegenheiten der Kollektivwirtschaft wurden durch die Generalversammlung ihrer Mitglieder und in der Zeit zwischen den Versammlungen – durch die von der Generalversammlung gewählte Verwaltung der Kollektivwirtschaft geregelt. Dem Staat gegenüber hatte die Kollektivwirtschaft gewisse Pflichten zu erfüllen: Geldsteuern zu entrichten und einen gesetzlich festgelegten Teil ihrer Produktion an den Staat abzuliefern (zu festen Preisen zu verkaufen). Die Kollektivwirtschaft entlohnte die staatliche Maschinen- und Traktorenstation für die vertragsgemäß ausgeführten Arbeiten mit Geld und Naturalien. Für die Erfüllung aller Verpflichtungen wurde ein Teil der Einkünfte der Kollektivwirtschaft verbraucht. Über alle übrigen Einkünfte verfügte das zu der Kollektivwirtschaft zusammengeschlossene Bauernkollektiv nach eigenem Ermessen, gemäß dem Statut des landwirtschaftlichen Artels.

Die Kollektivbauern erhielten keinen Lohn vom Staat wie die Arbeiter eines Werkes oder eines Sowjetgutes (eines staatlichen landwirtschaftlichen Betriebes). Die Arbeit der Kollektivbauern wurde aus den Einkünften ihrer Kollektivwirtschaft vergütet. Die Vergütung erfolgte sowohl in Geld als auch in Naturalien (Produkten) nach Tagewerken, entsprechend der Menge und Qualität der von jedem Kollektivbauer für die Kollektiverzeugung aufgewandten Arbeit.

Außer den Einkünften aus der gemeinsamen kollektiven Wirtschaft haben die Kollektivbauern Einkünfte aus ihrer persönlichen kleinen Nebenwirtschaft auf dem Hofland (eigenes Vieh, Gemüsegarten, Obstgarten usw.). Die Kollektivwirtschaften aus die Kollektivbauern konnten die Überschüsse ihrer Produktion auf dem kollektivwirtschaftlichen Markt frei verkaufen.

 

Das waren die Unterschiede zwischen den staatlichen und genossenschaftlich-kollektivwirtschaftlichen Betrieben. Diese Unterschiede waren recht wesentlich. Jedoch bestand kein grundsätzlicher Unterschied zwischen diesen beiden Formen der Betriebe: sowohl die einen als auch die andren waren auf gleichen Hauptgrundlagen aufgebaut. Was waren das für Grundlagen?

Die Produktionsmittel sowohl der einen als auch der anderen Betriebe stellten gesellschaftliches (und kein privates) Eigentum dar. In den staatlichen Betrieben gehörten sie dem ganzen Volk, d.h. der ganzen Gesellschaft; in den genossenschaftlich-kollektivwirtschaftlichen Betrieben gehörten sie einzelnen gesellschaftliche Organisationen. Aber in beiden Fällen stellten sie gesellschaftliches, sozialistisches Eigentum dar.

Die Werktätigen sowohl der staatlichen als auch der genossenschaftlich-kollektivwirtschaftlichen Betriebe arbeiteten gemeinsam in einer gesellschaftlichen (und keiner privaten) Wirtschaft. Unabhängig davon, ob der Betrieb dem ganzen Volke, d.h. der ganzen Gesellschaft oder einzelnen gesellschaftlichen Organisationen gehörte, wurde die Arbeit der Werktätigen nach einer allgemeinen Stalinschen Verfassung niedergeschriebenen sozialistischen Regel entlohnt: „Jeder nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seiner Leistung.“

Sowohl die einen als auch die anderen Betriebe wurden nach einem einheitlichen volkswirtschaftlichen Plan im Interesse der Werktätigen, der sowjetischen Gesellschaft und des Sowjetstaates geführt.

Auf diese Weise waren die staatlichen und die genossenschaftlich-kollektivwirtschaftlichen Betriebe, wenn auch in ihrer Form verschieden, aber in ihrem sozialistischen Wesenskern gleich. Die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen war weder den einen noch den andren Betrieben möglich.

Dass es in der sozialistischen Gesellschaft kein Privateigentum an Produktionsmitteln und keine Ausbeutung des Menschen durch den Menschen gibt, unterscheidet sie grundsätzlich von der kapitalistischen, die gerade auf Ausbeutung der gewaltigen werktätigen Mehrheit durch die geringe nicht werktätige Minderheit beruht.

Die vom Sowjetvolk erbauten Werke, Fabriken, Sowjetgüter, Kollektivwirtschaften waren gleichsam einzelne Bausteine, aus denen die damals unerschütterliche Grundlage des riesigen und herrlichen Baus der sowjetischen sozialistischen Gesellschaft gelegt wurde. (1989/90 wurde dieser Bau, um bei diesem Beispiel zu bleiben, erschüttert und ist dann letztendlich eingestürzt. Die Konterrevolution hat gesiegt. P.R.)

Alle staatlichen und genossenschaftlich-kollektivwirtschaftlichen Betriebe zusammengenommen, die gesamte sozialistische Wirtschaft als Ganzes stellten die einheitliche wirtschaftliche Grundlage der sowjetischen sozialistischen Gesellschaft dar.

3. Die sozialistische Planwirtschaft

Wir wollen die Arbeit der sowjetischen Wirtschaftsbetriebe einer näheren Betrachtung unterziehen. Da sind zum Beispiel die Baumwoll-Kollektivwirtschaften der mittelasiatischen Sowjetrepubliken. Sie lieferten ganze Berge schneeweißer Baumwolle. Die Baumwolle ging in die staatlichen Baumwollfabriken. In den Fabriken wurden daraus Millionen und aber Millionen von Metern Gewebe erzeugt. Das Gewebe ging an die Konfektionsfabriken, für die Werktätigen der gesamten Sowjetunion.

Die Getreide erzeugenden Kollektivwirtschaften versorgten das Land mit Brot. Mit ihrem Brot ernährten sich die Arbeiter der Werke und Fabriken, die Sowjetische Armee und auch die Kollektivbauern, die Baumwolle, Flachs oder Tabak anbauten.

Von den Werken und Fabriken aber wurden an die Werktätigen der Landwirtschaft Maschinen, Brennstoff, chemische Düngemittel, Petroleum, Salz, Zucker, Gewebe, Kleidung, Schuhwaren, Haushaltsgegenstände, Bücher, Zeitungen, Fahrräder, Rundfunkempfänger usw. geliefert.

Wie wir sehen, waren die einzelnen Zweige der Volkswirtschaft der UdSSR eng miteinander verbunden und stellten zusammengenommen eine einheitliche sozialistische Volkswirtschaft dar. Jeder einzelne Betrieb war nur ein winziger Teil einer einheitlichen riesigen Volkswirtschaft.

Es ist begreiflich, dass kein Betrieb der UdSSR so arbeiten konnte, wie es ihm gefiel. Jeder Betrieb musste seinen Anteil an der für das ganze Land notwendigen gemeinsamen Arbeit erfüllen. Mit anderen Worten: jeder Betrieb musste nach einem im voraus aufgestellten Plan arbeiten, wobei dieser Plan ein Teil des einheitlichen volkswirtschaftlichen Planes sein musste. Die volkswirtschaftlichen Pläne wurden von der Staatlichen Planungskommission (GOSPLAN) der UdSSR ausgearbeitet. In allen sowjetischen Republiken, Regionen und Gebieten, Kreisen und Bezirken bestanden Planungskommissionen, um GOSPLAN zu unterstützen.

 

Für jedes Jahr und für ganze Jahrfünfte im Voraus wurden in der UdSSR Pläne der Entwicklung der Volkswirtschaft ausgearbeitet. Für ein Jahr und für ein Jahrfünft im Voraus wurde berechnet, wieviel und welche Erzeugnisse jeder Zweig der Volkswirtschaft zu produzieren hatte, wieviel und welche Rohstoffen man dazu brauchte, wieviel und welche Maschinen und Ausrüstung für diesen Zweck bereitzustellen waren, wie man Arbeitsproduktivität steigern konnte und die Selbstkosten herabsetzen konnte und musste, welche neuen Betriebe gebaut wurden, wieviel Arbeitskräfte und in welchen Fächern auszubilden waren usw.. Aufgrund dieser Pläne wurde jedem Betrieb ein besonderer Plan zugestellt.

Aber nun hatte jeder Betrieb den Plan in den Händen. Hatte nun, sagen wir, eine Kollektivwirtschaft sich mit der einfachen Erfüllung der durch den Plan gestellten Aufgabe begnügt? Nein, die sKollektivwirtschaft hatte ihre materiellen Mittel und Arbeitskräfte noch einmal überschlagen und dachte darüber nach, ob man den Plan nicht übererfüllen, ob man die Fristen nicht kürzen, die Kosten herabsetzen konnte usw.. Und der Plan wurde oft übererfüllt.

„Der Produktionsplan“, sagte J.W. Stalin, „ist in Wirklichkeit die lebendige und praktische Tätigkeit von Millionen Menschen…das sind lebendige Menschen, das sind wir alle miteinander, das ist unser Arbeitswille…“

Auf diese Weise wurde die gesamte Volkswirtschaft der UdSSR nach einem einheitlichen volkswirtschaftlichen Plan, unter einheitlicher Leitung geführt im Interesse der Steigerung des gesellschaftlichen Reichtums, der stetigen Erhöhung des materiellen und kulturellen Wohlstandes der Werktätigen, der Sicherung der Unabhängigkeit der UdSSR und der Stärkung ihrer Verteidigungsfähigkeit. (Später, nach Stalins Tod, klappte das Ineinandergreifen der Rädchen der Planwirtschaft nicht mehr. Hinzu kam später der Eingriff durch die „Entspannungspolitik“ seitens des Westens. Es kam zur Abhängigkeit von ausländischer Währung und vieles wurde exportiert, was der einheimischen Bevölkerung fehlte. Mangelwirtschaft machte sich breit. Die Unzufriedenheit der Bevölkerung wuchs und die Konterrevolution konnte schließlich 1989/90 marschieren. P.R.)

Darin bestand einer der grundlegenden Unterschiede zwischen der sozialistischen und der kapitalistischen Gesellschaft, wo es keine Planung der Volkswirtschaft gibt, wo jeder Besitzer seinen Betrieb einzig und allein in seinem eigenen Interesse, mit dem Ziel, Profit zu machen führt.

Die sozialistische Planwirtschaft bot dem Sowjetstaat sowohl bei der Entwicklung der wirtschaftlichen Kräfte des Landes als auch bei dessen Verteidigung gegen äußere Feinde gewaltige Vorteile. Die Sowjetunion hatte gegen eine äußerst starke Militärmacht -das faschistische Deutschland- und deren Verbündete zu kämpfen, wobei Deutschland sich auf das Wirtschaftspotential und die Menschenreserven fas des ganzen von ihm eroberten Westeuropas stützen konnte. Und trotzdem ging die Sowjetunion aus diesem schweren Krieg als Sieger hervor. Wie ist das zu erklären?

J.W. Stalin sagte: „Die wirtschaftliche Grundlage des Sowjetstaates hat sich unvergleichlich lebensfähiger gezeigt als die Wirtschaft der feindlichen Staaten. Die von der Oktoberrevolution hervorgebrachte sozialistische Gesellschaftsordnung hat unserem Volk und unserer Armee eine große und unüberwindliche Kraft verliehen.“

Die sozialistische Planwirtschaft, die auf Grundlage des gesellschaftlichen, sozialistischen Eigentums aufgebaut war und von einem einheitlichen Zentrum aus gelenkt wurde, stellte eine der Hauptquellen der Stärke und Macht der Sowjetunion dar.

4. Der Sozialismus im Alltagsleben des Volkes

Einst war der Sozialismus nur eine Theorie, eine Lehre, über die man sich stritt, ob sie in die Tat umgesetzt werden könne oder nicht. In einem der größten Staaten der Erde war der Sozialismus Wirklichkeit geworden und war fest ins Alltagsleben der Völker der Sowjetunion eingegangen.  (Allerdings war dies nur auf Zeit, so dass wieder darum gestritten wird, ob der Sozialismus nur eine Lehre ist oder in die Tat umgesetzt werden kann. Nun gilt der Sozialismus in Europa als gescheitert. P.R.)

Der Sozialismus im Leben bedeutete die Abschaffung der Ausbeutung und Unterdrückung des Menschen durch den Menschen, die Abschaffung der Arbeitslosigkeit und der Armut, ständiges Wachstum des Wohlstandes und der Kultur der Volksmassen. Der Sozialismus im Leben – das waren die neuen Verhältnisse zwischen den Menschen, wie sie in der sozialistischen Gesellschaft sich gestaltet hatten. Der Sozialismus im Leben war das stolze Bewusstsein, dass du für dich selbst und die Gesellschaft der Werktätigen, die aus ebensolchen Schaffenden wie du bestand, arbeitest, dass du ein vollwertiges Mitglied dieser Gesellschaft, der vollberechtigte Herr des eigenen Landes und seiner Reichtümer warst. Der Sozialismus im Leben war die feste Gewissheit, dass dir alle Wege und Möglichkeiten offenstanden, um deine schöpferischen Kräfte und Fähigkeiten zu entfalten.

Dieses Bewusstsein, diese Gewissheit beruhte auf der grundlegenden Tatsache des sowjetischen Lebens, über die Stalin gesagt hat: „In unseren Fabriken und Werken wird ohne Kapitalisten gearbeitet. Die Arbeit wird von Menschen aus dem Volke geleitet. Das wird bei uns Sozialismus der Tat genannt.  Auf unseren Feldern arbeiten die Werktätigen des Dorfes ohne Gutsherrn und Kulaken. Die Arbeit wird von Menschen aus dem Volke geleitet. Das wird bei uns Sozialismus im Leben, das wird bei uns freies, sozialistisches Leben genannt.“

Stalins Worte ließen sich durch Tatsachen aus dem Leben unschwer bestätigen. Da waren zum Beispiel die in der Sowjetunion angesehene Familie Korobow. Der Vater -I.G. Korobow – war ein alter Hüttenarbeiter (geboren im Jahre 1882). Als Knabe besuchte er zwei Winter lang die Grundschule. Dann trat er als Hilfsarbeiter in ein Hüttenwerk ein. Einmal wäre er durch das aus dem Hochofen ausfließende Gusseisen fast verbrannt worden. Ein anderes Mal wäre er im glühenden Hochofen, in den er bei einer Reparatur am Strick hinabgelassen wurde, fast erstickt. Durch seine Findigkeit und seine Beharrlichkeit hatte es bis zum Meister gebracht -ein für die damalige Zeit seltener Fall. Seit 1918 war I.G. Korobow Obermeister der Hochofenabteilung des Kirow-Werks in Makejewka. Er hatte über ein halbes Hundert Verbesserungsvorschläge eingebracht, und seine Erfindungen hatten den Hüttenproduktionsprozess grundlegen umgestaltet.

 

Im Jahre 1937 hatte das Volk I.G. Korobow zum Deputierten (Abgeordneten) des Obersten Sowjets der Ukrainischen Sozialistischen Sowjetrepublik(ausgerechnet die Ukranie. P.R.) und im Jahre 1946 zum Deputierten des Obersten Sowjets der UdSSR gewählt.

Nach der Befreiung des Donezbeckens von den hitlerischen Okkupanten kehrte der Obermeister unverzüglich nach Makejewka zurück und nahm an der Wiederherstellung des Werkes teil. (Na ja, seine Nachfahren haben nun einen schweren Stand. P.R.)

Die drei Söhne von Korobow hatten in den Jahren der Sowjetmacht Hochschulen absolviert und bekleideten  ( Stand 1947) verantwortungsvolle Posten. Nikolaj Korobow war Chefingenieur der Hauptverwaltung der Hüttenindustrie des Urals und des Ostens. Pawel Korobow war stellvertretender Minister für Eisenhüttenwesen. Im Jahre 1937 wurde er zum Deputierten (Abgeordneten) des Obersten Sowjets der UdSSR gewählt und im Jahre 1946 wiedergewählt. Ilja Korobow war Direktor des großen Petrowskij-Hüttenwerks in der Ukraine. (Ausgerechnet die Ukraine. Die armen Nachfahren. P.R.)

Die Leiter der sowjetischen Industrie waren zum größten Teil aus den Reihen der Arbeiter und Bauern sowie der Intelligenz hervorgegangen. Nach einer Beratung der Hüttenfachleute in Moskau brachte Stalin beim Empfang im Kreml einen Trinkspruch auf die alten und neuen Kämpfer an den Hochöfen und auf die Familie Korobow aus. Dann sagte er freundschaftlich zu I.G. Korobow: „Du bist ein Prachtkerl! Vielen Dank dafür, dass du eine solche Familie großgezogen hast!“ „Prachtkerl meinetwegen!“ antwortete dieser, „wenn es aber keine Sowjetmacht gegeben hätte, wäre aus mir kein Prachtkerl geworden!“ (Wie mag es den Nachfahren dieser Familie heute gehen? Auch noch ausgerechnet in der Ukraine? P.R .)

Ähnliches war auch in der Landwirtschaft zu beobachten. Nehmen wir als Beispiel eine sowjetische Kollektivwirtschaft – die Timirjasew-Kollektivwirtschaft im Gordodezer Rayon des Gebietes Gorki. Das war ein ganzes Städtchen mit einem Kraftwerk und einer Wasserleitung, mit Klub, Schule, Krankenhaus, Entbindungsheim, Kindergarten und -krippe sowie verschiedenen anderen kulturellen Einrichtungen. Der Kollektivwirtschaft war durch eine Staatsurkunde 3189 Hektar Boden zu unentgeltlicher und unbefristeter Nutzung, d.h. für ewig zuerkannt worden. Davon entfielen 1632 Hektar auf Ackerboden, 72 Hektar auf den Gemüse- und 15 Hektar auf den Obstgarten der Kollektivwirtschaft. Die Kollektivwirtschaft besaß fünf Farmen: eine Meierei mit 100 Kühen, eine Schweinemästerei, eine Schäferei, eine Geflügelfarm und ein Pferdegestüt, im dem Vollbluttraber gezüchtet wurden. Die Kollektivwirtschaft hatte eine Reihe von Nebenbetrieben: Wind- und Dampfmühle, Butterfabrik, Ziegelei, Dachziegelfabrik, Töpferei, Filzschuhwerkstatt, Tischlerei und Imkerei. Diese reiche und vielseitige gesellschaftliche Wirtschaft wurde von dem einheimischen Bauer I.A. Jemeljanow geleitet, der im Dorfe Medwedkowo im Jahre 1901 geboren wurde. Er war der Organisator der im Jahre 1930 entstandenen Kollektivwirtschaft und war seitdem ihr stets wiedergewählter Vorsitzender.  (Diese und andere damalige Kollektivwirtschaften samt Sozialeinrichtungen stehen heute vermutlich leer und sind dem Verfall preisgegeben. P.R.)

Man könnte beliebig viele solcher Beispiele anführen. Sie bestätigen alle, dass in der Sowjetunion die Werktätigen selbst ohne Kapitalisten und Gutsherren ihre sozialistische Wirtschaft führten, dass in der Sowjetunion unter der Führung der bolschewistischen Partei tatsächlich jene gerechte, sozialistische Gesellschaftsordnung Wirklichkeit geworden war, für die Tausende fortschrittlicher Menschen des Sowjetlandes ihr Leben hingegeben hatten. (Ihr Tod war umsonst.P.R.)

5. Die moralisch-politische Einheit der Sowjetgesellschaft

Am 17. Januar 1939 wurde im ganzen Lande eine allgemeine Volkszählung durchgeführt. Es ergab sich, dass in der Sowjetunion etwa 170 Millionen Menschen lebten. (Mit dem Eintritt der neuen sozialistischen Sowjetrepubliken und Gebiete in die Sowjetunion in den Jahren 1939(40 hatte sich die Bevölkerung der UdSSR um mehr als 23 Millionen Menschen vergrößert.) Davon bildeten Arbeiter und Angestellte (mit Familien) die Hälfte, die Kollektivbauern und die in Genossenschaften zusammengeschlossenen Kleingewerbetreibenden etwas weniger als die Hälfte. Es blieb noch eine geringe Anzahl von Einzelbauern und einzelnen Kleingewerbetreibenden, die in ihrem Privatbetrieb arbeiteten, ohne fremde Arbeit auszubeuten. Mit ihren Familien stellten sie 2,5 v.H. der Bevölkerung dar.

Auf diese Weise bestand die Sowjetgesellschaft nur aus Werktätigen -aus Arbeitern, Bauern und der Intelligenz, die ebenfalls aus den Reihen der Arbeiter und Bauern aufgefüllt wurde. Dabei arbeitete die erdrückende Mehrheit der Werktätigen in der sozialistischen Wirtschaft- in den staatlichen Betrieben und Ämtern oder in den genossenschaftlich-kollektivwirtschaftlichen Betrieben. In der Sowjetgesellschaft gab es keine Ausbeuterklassen oder -schichten, keine Ausbeutung des Menschen durch den Menschen. Das bedeutet eben, dass die sowjetische Gesellschaft eine sozialistische war.

Dennoch gab es in der Sowjetgesellschaft zwei Klassen- die Arbeiterklasse und die Bauernschaft. Die erhalten gebliebene Einteilung in Arbeiter und Bauern (in erdrückender Mehrheit Kollektivbauern) erklärt sich dadurch, dass es im Sowjetlande zwei Formen des sozialistischen Eigentums, zwei Formen der sozialistischen Betriebe gab.

Die Arbeiter und Bauern stellten obwohl verschiedene, doch befreundete Klassen dar. Die Arbeiterklasse war die führende und leitende Klasse in der sowjetischen Gesellschaft. Die Arbeiterklasse und die werktätige Bauernschaft kämpften gemeinsam um ihre Befreiung, besiegten gemeinsam ihre Feinde und bauten gemeinsam eine neue, die sozialistische Gesellschaft auf. Ihre Interessen in allen Grundfragen waren völlig übereinstimmend. Und auch ihre Ziele waren die gleichen: Festigung des Sowjetstaates, Sicherung eines dauerhaften Friedens unter den Völkern, Weiterentwicklung der sozialistischen Sowjetgesellschaft und einträchtige Arbeit, um das Leben reicher und kultivierter zu gestalten.

Lasst in Gedanken Euren Blick über das gesamte damalige Sowjetland von der einen Grenze bis zur anderen schweifen und Ihr werdet sehen, welch unvergleichliches Bild freundschaftlicher Zusammenarbeit von Arbeitern, Bauern und Intelligenz die sozialistische Sowjetgesellschaft bot. Ihr werdet sehen, wie einmütig das sowjetische Volk war, und wie Millionen und aber Millionen von Sowjetmenschen sich gegenseitig in brüderlicher Weise unterstützten und an einem gemeinsamen großen Werk arbeiteten.

Diese tiefgehende Einheit der grundlegenden Interessen, Ansichten und Ziele der Sowjetmenschen, ihr Zusammenschluss um die Sowjetregierung und die kommunistische Partei stellten die moralisch-politische Einheit des Sowjetvolkes dar. Wie war sie entstanden?

Diese Einheit entstand keinesfalls sofort. Eine solche tiefgehende Einheit des gesamten Sowjetvolkes gab es nicht zu der Zeit, als im Sowjetdorfe die kleinen privaten Einzelwirtschaften vorherrschten. Sie entwickelte sich nach und nach, in dem Maße, wie die Bauern immer mehr zu der sozialistischen Aufbauarbeit herangezogen und vom Bewusstsein durchdrungen wurden, dass ihre Interessen des gesamten Volkes und Staates übereinstimmen.

Die moralisch-politische Einheit des Sowjetvolkes wurzelte also darin, dass die wirtschaftliche Grundlage der sozialistischen Gesellschaft eine einheitliche war und dass alle Sowjetmenschen Werktätige einer einheitlichen sozialistischen Wirtschaft waren.

Auf diesem Boden war die moralisch-politische Einheit der sozialistischen Sowjetgesellschaft erwachsen. Diese Einheit festigte sich noch mehr auf der Grundlage der freundschaftlichen Zusammenarbeit der Arbeiter, Bauern und Intelligenz sowohl in den Jahren der friedlichen sozialistischen Aufbauarbeit als auch in den Jahren des Vaterländischen Krieges (II. Weltkrieg P.R.)gegen den deutschen Faschismus.

Die moralisch-politische Einheit der Sowjetgesellschaft kam ferner in der Einigkeit und Freundschaft der gesamten Sowjetvölker zum Ausdruck und war eine unerschöpfliche Quelle des sowjetischen Patriotismus, der sich im Vaterländischen Krieg (II. Weltkrieg) mit besonderer Kraft offenbarte.

Eine solche moralisch-politische Einheit wie in der UdSSR gibt es in der kapitalistischen Gesellschaft nicht und kann es auch nicht geben, weil dort ein unversöhnlicher Kampf zwischen Arbeitern und Kapitalisten, zwischen Bauern und Gutsherren, zwischen Ausgebeuteten und Ausbeutern vor sich geht.

Die freundschaftliche Zusammenarbeit der Arbeiter, Bauern und Intelligenz, die moralisch-politische Einheit der Sowjetgesellschaft, stellt eine der Hauptquellen der (man glaubte damals, aber irrte P.R.)unzerstörbaren Festigkeit und Macht der Sowjetunion dar.

Die moralisch-politische Einheit des Sowjetvolkes offenbarte sich mit besonderer Anschaulichkeit und Stärke in der Liebe des gesamten Volkes zu dem Leiter des Sowjetlandes, J.W. Stalin. (Seit dem Tode Stalins wird dies verschwiegen und Stalin wird bis heute verdammt. Was hier als moralisch-politische Einheit bezeichnet wird, bröckelte seit dem Tode Stalins. So kam es dann zum bitteren Ende. P.R.)

Nun haben wir die wichtigsten Besonderheiten der sozialistischen Sowjetgesellschaft, wie ihre wirtschaftliche Grundlage, die Entlohnung nach der Menge und Qualität der geleisteten Arbeit sowie die Klassenzusammensetzung und die moralisch-politische Einheit der Gesellschaft dargelegt. Die sozialistische Sowjetgesellschaft hatte noch eine wichtige Besonderheit: ihre politische Grundlage, ihre staatliche Organisation. Diese werden wir in einem anderen Beitrag kennenlernen.

Entnommen aus „Das Sowjetland“, Band 3 aus dem Jahre 1947, Original-Autor W.A. Karpinskij, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 3

Die Stalinsche Verfassung

Verfassungen der UdSSR

Die Verfassungen der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken waren drei von verschiedenen Regierungen der Sowjetunion erlassene Verfassungen.

Die sowjetische Verfassung von 1924 trat am 31. Januar 1924 in Kraft und bestand aus zwei Teilen: der Deklaration über die Gründung der UdSSR und dem Gründungsvertrag der UdSSR.

Am 5. Dezember 1936 wurde die sogenannte Stalin-Verfassung (benannt nach Josef Stalin) vom Sowjetkongress angenommen.

1977 ersetzte die sogenannte Breschnew-Verfassung (benannt nach Leonid Breschnew) jene aus dem Jahre 1936. Diese Verfassung blieb bis zur Volksabstimmung über eine neue Verfassung der Russischen Föderation im Jahr 1993, also bis nach dem Ende der Sowjetunion, in Kraft und wurde über 300 mal geändert.

Alle drei Verfassungen gewährten den Teilrepubliken das Recht, die Union zu verlassen (Verfassung von 1924 in Artikel 4, Verfassung von 1936 in Artikel 17, Verfassung von 1977 in Artikel 72). Diese Regelung hat vermutlich dazu beigetragen, dass die Abtrennung der baltischen Staaten früh und weitgehend unblutig vollzogen werden konnte. 

Text entnommen aus Wikipedia


Ausführlich wird in diesem Beitrag auf die Stalin-Verfassung, bzw. Stalinsche Verfassung eingegangen, die im Buch „Das Sowjetland“, Band 3, Original-Autor W.A. Karpinskij, ausführlich beschrieben wird. 

Die Stalinsche Verfassung

Die Verfassung ist das Grundgesetz des Staates. (1947 kannte man noch nicht die unterschiedlichen Bedeutungen der Begriffe „Grundgesetz“ und „Verfassung“. In Deutschland gibt es bis heute ein Grundgesetz, aber keine Verfassung.  In der alten BRD galt das Grundgesetz als Provisorium, da man schon immer darauf aus war, die DDR an die BRD anzuschließen. Nach einer Wiedervereinigung sollte dann eine Verfassung kommen. 1990 gab es, aller anderslautenden Behauptungen zum Trotz, keine Wiedervereinigung. In der Endphase der DDR wurden neue Bundesländer gebildet. Diese sind der BRD beigetreten. Somit ist das Grundgesetz der alten BRD weiterhin gültig.)

Die von 1936 bis 1977 gültige Verfassung der UdSSR wurde von dem außerordentlichen Sowjetkongress der UdSSR am 05. Dezember 1936 bestätigt. Im Volke wurde sie nach ihrem Schöpfer J.W. Stalin die Stalinsche Verfassung genannt.

In der Stalinschen Verfassung wurden in kurzer Form zum ersten Male die Grundlagen jener neuen, gerechten, sozialistischen Gesellschaftsordnung niedergelegt, von der die besten Geister der Menschheit jahrhundertelang träumten und die im Sowjetland verwirklicht wurde.  Darin besteht die große welthistorische Bedeutung der Stalinschen Verfassung.

Die große Sozialistische Oktoberrevolution hatte die alte Staatsordnung gestürzt, den Ausbeuterklassen die Macht entrissen und sie den werktätigen Massen übergeben. Erst nachdem im Lande eine neu sowjetische Staatsordnung errichtet worden war, wurde die Verfassung angenommen.

Das Volk -die Arbeiter- und Bauernmassen- haben also zunächst unter der Führung der bolschewistischen Partei die alte Ordnung gestürzt und eine neue geschaffen; erst dann sind die Vertreter des Volkes zusammengetreten und haben die Verfassung aufgesetzt, haben niedergeschrieben, was das revolutionäre Volk in die Tat umgesetzt hatte. (Den Begriff „Grundgesetz“ lasse ich in der Bearbeitung aus, um Irrigationen, im Zusammenhang mit der Bedeutung „Grundgesetz“ in Deutschland, zu vermeiden. P.R.)

„Die Verfassung“, sagte J.W. Stalin, „ist die Registrierung und gesetzgeberische Verankerung der bereits erzielten und gesicherten Errungenschaften.“

Die erste sowjetische Verfassung die unter Anleitung von W.I. Lenin und J.W. Stalin aufgesetzt worden war, wurde vom V. Allrussischen Sowjetkongress am 10. Juli 1918 angenommen. Was wurde in dieser Verfassung niedergeschrieben und gesetzgeberisch verankert?

Sie spricht vom Übergang der gesamten Staatsgewalt an die Sowjets, von der Gleichberechtigung aller Völker, die auf dem Gebiet Sowjetrusslands leben, von dem Übergang des gesamten Bodens, seiner Schätze, der Waldungen und Gewässer in den Besitz des ganzen Volkes, von der Übergabe der Banken in den Besitz des Arbeiter- und Bauernstaates, von der Arbeiterkontrolle über die Industrie, Handels- und Landwirtschaftsbetriebe sowie über die Organisation der zentralen und örtlichen Organe der Sowjetmacht.

Aber in der Verfassung des Jahres 1918 stand nichts von der Verankerung der sozialistischen Ordnung im Sowjetland. Es war noch zu wenig Zeit vergangen, als dass man es vermocht hätte, das ganze Land auf sozialistische Art und Weise umzugestalten.

Lenin sagte damals in seinem Bericht an den V. Allrussischen Sowjetkongress: „ …Wir kennen noch keinen Sozialismus, den man in Paragraphen niederlegen könnte.“

Wladimir Iljitsch Lenin (Nach einer Zeichnung von P. Wassiljew)
Entnommen aus „Das Sowjetland“, Band 3, aus dem Jahre 1947

Im Jahre 1922 entstand die Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken. Die neue Verfassung -die erste Verfassung der UdSSR- wurde unter der Leitung von W.I. Lenin und J.W. Stalin ausgearbeitet und durch den II. Sowjetkongress der UdSSR am 31. Januar 1924 gebilligt und bestätigt. In dieser Verfassung wurde die Schaffung des Sowjet-Bundesstaates, die Bildung der Organe der Staatsgewalt und der Staatsverwaltung für die gesamte Union niedergeschrieben und verankert.

Aber auch hier findet man noch nichts über die Verankerung der sozialistischen Ordnung. Damals wurde die sozialistische Aufbauarbeit erst in Angriff genommen, und der Sozialismus, den man in den Artikeln der Verfassung des Landes hätte niederschreiben können, war noch nicht aufgebaut.

Die grundlegenden Veränderungen in der gesamten Wirtschaft des Sowjetlandes gingen in den Jahren des ersten und zweiten Stalinschen Planjahrfünfts (1928-1937) vor sich. In dieser Zeitspanne wurden die wurden die Ausbeuterklassen genauso wie die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen aufgehoben. Die Arbeiterklasse, die Bauernschaft und die Intelligenz haben sich grundsätzlich gewandelt. Die Freundschaft und brüderliche Zusammenarbeit unter den Völkern der Sowjetunion war noch fester geworden.

Alle diese großen Veränderungen im Leben des Landes fanden in der Stalinschen Verfassung ihren Niederschlag. Hier findet man eine kurze Niederschrift über die Tatsachen der lückenlosen Befreiung der Werktätigen der UdSSR aus der kapitalistischen Sklaverei, über die Tatsachen des Sieges des Sozialismus in der Sowjetunion, über die entfaltete, konsequent und restlos durchgeführte Demokratie.

Die Stalinsche Verfassung hat also die großen Errungenschaften der Arbeiter und Bauern des Sowjetlandes, die von ihnen im Kampf für einen neuen, den sozialistischen Gesellschaftsaufbau, für die neue, sowjetische Staatsordnung errungenen Erfolge gesetzgeberisch verankert.

J.W. Stalin sagte: „Als das Ergebnis des zurückgelegten Weges des Kampfes und der Entbehrungen ist es angenehm und erfreulich, eine Verfassung zu haben, die von den Früchten unserer Siege spricht. Angenehm und erfreulich ist es, zu wissen, wofür unsere Genossen gekämpft und wie sie den welthistorischen Sieg errungen haben. Angenehm und erfreulich ist es zu wissen, dass das reichlich vergossene Blut der Unsrigen nicht umsonst geflossen ist, dass es seine Früchte gezeigt hat.“ (Aus heutiger Sicht muss man sagen, dass doch alles umsonst war. Aber ein Meilenstein der Geschichte war es allemal. P.R.)

Entnommen aus „Das Sowjetland“, Band 3, aus dem Jahre 1947, Original-Autor W.A. Karpinskij, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 3, aus dm Jahre 1947, Original-Autor W.A. Karpinskij

Die Leninschen Dekrete

Wladimir Iljitsch Lenin war bei der Eröffnung des Kongresses nicht anwesend. Die ganze Nacht zum 25. Oktober und den ganzen Tag brachte er im Smolnyj-Institut zu, wo er gemeinsam mit J.W. Stalin den bewaffneten Aufstand leitete. Erst spät in der Nacht, als der Winterpalast bereits genommen und die Provisorische Regierung verhaftet worden war, begab sich Lenin in die in der Nähe des Smolnyj gelegene Wohnung eines Bolschewiken, um dort für einige Stunden auszuruhen. Er konnte nicht einschlafen. Leise, um niemanden zu stören, setzte sich Wladimir Iljitsch Lenin an den Tisch und begann zu schreiben. In diesen tiefen Nachtstunden verfasste Lenin das Dekret über den Grund und Boden.

Wladimir Iljitsch wusste, dass der Sieg allein nicht genügt, dass man den errungenen Sieg auch sichern muss. Und am 26. Oktober war er den ganzen Tag damit beschäftigt.

W.I. Lenin unter den Delegierten des II. Allrussichen Sowjetkongresses (Nach einem Gemälde von S. Gerassimow)
Bild entnommen aus „Das Sowjetland“, Band 2 von 1947

Lenin ergriff Maßnahmen zur Sicherung der Versorgung der Hauptstadt. Er leitete die Sitzung des Zentralkomitees der Partei, das die Zusammensetzung der Sowjetregierung erörterte. Auf dem Kongress erschien Lenin am Abend des 26. Oktober (08.November). Die Delegierten des Kongresses begrüßten mit Jubel den großen Führer und Lehrer der Werktätigen, den Organisator des errungenen Sieges über die vereinigten Kräfte der alten Welt. Infolge der freudigen Begrüßungsstürme, die den Saal durchbrausten, konnte Lenin lange Zeit seine Rede nicht beginnen.

Nun aber wurde es still, und Lenin begann zu sprechen. Er verlas das in Form eines „Aufrufes an die Völker und Regierungen sämtlicher kriegführenden Länder“ von ihm verfasste Dekret über den Frieden. „Die Arbeiter- und Bauernregierung“, so lautet das Dekret, „die durch die Revolution vom 24.-25. Oktober geschaffen wurde und sich auf die Sowjets der Arbeiter-, Soldaten- und Bauerndeputierten stützt, schlägt allen kriegführenden Völkern und ihren Regierungen vor, sofort Verhandlungen über einen gerechten demokratischen Frieden zu beginnen.“ Der Aufruf forderte die Arbeiter auf, mitzuhelfen, „die Sache des Friedens und zugleich die Sache der Befreiung der Werktätigen und ausgebeuteten Volksmassen von jeder Sklaverei und jeder Ausbeutung erfolgreich zu Ende zu führen“. Das Dekret über den Frieden wurde von dem Kongress mit unbeschreiblichem Enthusiasmus und Hurrarufen angenommen.

Mit der Annahme des Dekrets über den Frieden verrichtete das (damals P.R.) siegreiche Volk ein welthistorisches Werk. Die wirtschaftlichen und nationalen Interessen Russlands erforderten die Beendigung des sich über mehr als drei Jahre hinziehenden ungerechten, von den Imperialisten angezettelten Krieges. Nur die Arbeiterklasse, von der Partei der Bolschewiki geführt, erwies sich als mächtig genug, Russland aus dem Krieg herauszureißen, durch den die reichen und mächtigen Verbündeten das Land immer mehr und mehr unterjochten.

Die allgemeine Stimmung des Kongresses brachte einer der Delegierten zum Ausdruck, als er auf die Rednertribüne stieg und unter allgemeinem Beifallsdonner vorschlug, Lenin als den „Verfasser des Aufrufes und standhaften Kämpfer und Führer der siegreichen Arbeiter- und Bauernrevolution“ zu begrüßen.

Es war das eingetreten, was das Volk so leidenschaftlich gewünscht hatte. Russland, das sich aus den Fesseln der kapitalistischen Unterdrückung befreit hatte, gab eine Erklärung über die Beendigung des imperialistischen Krieges ab. Russland erhob als erstes Land das Banner eines wirklich demokratischen Friedens.

Wladimir Iljitsch Lenin erhält von neuem das Wort. Wieder stürmische, begeistere Ovationen. Lenin verliest das Dekret über den Grund und Boden: über die unverzügliche Aufhebung des Eigentums der Gutsbesitzer an Grund und Boden ohne jede Entschädigung. Dieses historische Dekret verkündete die Aufhebung des Privateigentums an Grund und Boden für immer und seine Ersetzung durch das staatliche Eigentum, durch das Eigentum des ganzen Volkes. Die Ländereien der Gutsbesitzer sowie die Ländereien der Krone (des Zaren), der Klöster und Kirchen wurden den Werktätigen zur entschädigungslosen Nutznießung übergeben.

Das Dekret über den Grund und Boden war eine der größten politischen Handlungen, das die Millionenmassen der Bauern sowohl im Hinterland wie auch in den Schützengäben zur Unterstützung der im bewaffneten Aufstand geborenen Sowjetmacht sich erheben ließ. Die Bauernschaft erhielt mehr als 150 Millionen Desjatinen Land, das sich früher in den Händen der Gutsbesitzer, der Bourgeoisie, der Zarenfamilie, der Kirchen und Klöster befand, unentgeltlich. Außerdem wurde die Bauernschaft von den jährlichen Pachtzahlungen in Höhe von ungefähr 500 Millionen Goldrubeln befreit. Die grundlegende Bedeutung des vorgeschlagenen Dekrets über den Grund und Boden drückte Lenin folgendermaßen aus: „Das Wesentliche ist, dass die Bauernschaft die feste Überzeugung gewinnt, dass es auf dem Lande keine Gutsbesitzer mehr gibt, dass es den Bauern selbst überlassen wird, alle Fragen zu entscheiden, selbst ihr Leben zu gestalten.“  Die Delegierten des Kongresses nahmen die Worte Lenins auf wie eine frohe Botschaft über den siegreichen Ausgang des jahrhundertelangen Kampfes der Bauernschaft um Grund und Boden, wie die Verwirklichung der geheimsten Wünsche des Volkes. Keine andere Klasse, außer der Arbeiterklasse, keine andere Partei, außer der bolschewistischen Partei, konnte der Bauernschaft Russlands einen solchen unvergleichlichen Sieg sichern. Die Sozialistische Oktoberrevolution verwirklichte das, wovon die Bauernschaft Russlands im Verlaufe von Jahrhunderten ihres armseligen Lebens geträumt hatte.

Der Kongress der Sowjets nahm schließlich die Bestimmung über die Bildung er ersten wirklichen Volksregierung der Welt, der Arbeiter- und Bauern-Sowjetregierung, an – des Rates der Volkskommissare mit Lenin an der Spitze. Zum Volkskommissar(Der Amtstitel Minister wurde infolge der Revolution abgeschafft und durch den Titel Volkskommissar ersetzt.Später wurde sich international angeglichen und der Amtstitel Minister wieder eingeführt. P.R. siehe auch Wikipedia) für Angelegenheiten der Nationalitäten wurde J.W. Stalin ernannt.

Am frühen Morgen des 27. Oktober (09.November) beendete der II. Kongress der Sowjets unter freudigen Rufen „Es lebe die Revolution!“, „Es lebe der Sozialismus!und unter dem begeisterten Absingen revolutionärer Lieder seine Arbeit.

Bild entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 2 von 1947

Gleich nach Petrograd erhob sich auch Moskau. Während Petrograd bereits völlig sowjetisch war, dauerten in Moskau noch einige Tage heftige und erbitterte Kämpfe an. Aber die Arbeiter und Soldaten Moskaus, von den Bolschewiki geführt, brachen den Widerstand der Bourgeoisie. Auch hier ging die Macht in die Hände der Aufständischen, an die Sowjets über.

Die Arbeiterjugend hatte aufopferungswillig und selbstlos Seite an Seite mit den Erwachsenen auf den Oktoberbarrikaden gekämpft. Die Jünglinge und Mädchen waren in großer Menge in die Abteilungen der Roten Garde eingetreten. In Petrograd nahmen ungefähr 5000 jugendliche Arbeiter an dem bewaffneten Aufstand teil. Fast die Hälfte der Moskauer Rotgardisten setzte sich aus der Arbeiterjugend zusammen.

Einer der Teilnehmer der Oktoberkämpfe in Moskau erzählt: „Die Maschinengewehre knatterten. Eine dunkle, undurchdringliche Nacht. Man braucht Leute im Zentrum zum Aufrechterhalten der Verbindung…Wer wird den gefährlichen Auftrag am besten ausführen? Von Bezirk zu Bezirk, vom Bezirk zum Zentrum, überall erfüllten die Mitglieder des Verbandes der Arbeiterjugend unter dem Kugelregen die gefährlichsten und verantwortungsvollsten Aufträge des Stabes des Aufstandes. Unter Einsatz ihres Lebens gingen sie furchtlos auf Patrouille, leisteten Sanitätsdienste, versorgten die Kämpfer mit Patronen und Granaten und nahmen an allen Kampfhandlungen teil. Sieg oder Tod, das war es, woran jeder einzelne Kämpfer dachte.“

Die Kunde vom Sieg der sozialistischen Revolution, von der Geburt der Sowjetmacht, verbreitete sich über das ganze Russland. Den Hauptstädten folgte das ganze Land. Überall ging die staatliche Macht in die Hände der Werktätigen, in die Hände der Sowjets über, in solch schnellen Tempo, unter solchem Enthusiasmus des Volkes, dass Lenin diese Periode den „Triumphzug der Sowjetmacht“ nannte.

Der bewaffnete Aufstand der russischen Arbeiter, Soldaten und Bauern unter der Leitung der bolschewistischen Partei wurde von den werktätigen Massen sämtlicher Völker Russlands unterstützt. Die Völker hatten begriffen, dass nur die Bolschewiki die völlige Freiheit den unterdrückten Nationen sichern können, dass nur in einer brüderlichen Freundschaft der Sowjetvölker das sichere Unterpfand ihrer nationalen Unabhängigkeit, ihrer wirtschaftlichen Erfolge und ihrer kulturellen Entwicklung liegt. Daher erhoben sich nach Petrograd, Moskau und anderen russischen Gebieten des Landes auch die nationalen Grenzgebiete Russlands. „Die Revolutionswelle aus dem Norden“, sagte J.W. Stalin, „ergoss sich von den ersten Tagen des Umsturzes an über ganz Russland und ergriff ein Grenzgebiet nach dem anderen.“

Die Sozialistische Oktoberrevolution, die den Kapitalisten und Gutsbesitzern die Fabriken und Werke, den Grund und Boden, die Eisenbahnen, die Banken abgenommen hatte, verwandelte diese in gesellschaftliches Eigentum der Werktätigen. Die Arbeiterklasse im Bündnis mit der armen Bauernschaft machte sich, nachdem sie die Macht in ihre Hände genommen hatte, an den Aufbau des Sowjetstaates. Die gesamte alte bürgerliche Staatsmaschine wurde zertrümmert. Das aufständische Volk zerstörte schonungslos die zaristischen Ministerien, die Stadtverwaltungen der Kaufleute, die Selbstverwaltungsorgane der Gutsbesitzer und schuf an ihrer Stelle seine eigenen, die Sowjetorgane.

Die Sowjetregierung erließ ein Dekret über die Arbeiterkontrolle. Nach diesem Dekret wurde die gesamte Tätigkeit der Fabrikanten und Werksbesitzer der Kontrolle der Vertreter der Arbeiter unterstellt. Die Arbeiter kontrollierten die gesamte gesellschaftliche Produktion und den Handel. Dies half ihnen, die Produktion zu beherrschen. Die Arbeiterkontrolle schuf die Bedingungen für die Nationalisierung der Industrie, d.h. für ihre Verwandlung in Gemeingut des Volkes, in Staatseigentum.

Alle Banken wurden nationalisiert. Die Nationalisierung der Eisenbahnen und der Großindustrie wurde in Angriff genommen.

Durch ein Dekret der Sowjetmacht wurden die Standesbezeichnungen abgeschafft. Alle Standeseinteilungen und -bezeichnungen (Kleinbürger, Bauer, Adliger, Kaufmann), die Standesprivilegien und Standesbeschränkungen wurden aufgehoben. Sämtliche Titel (Fürst, Graf, Baron) wurden abgeschafft. Für die gesamte Bevölkerung Russlands wurde eine allgemeine Bezeichnung: Bürger der Russischen Republik, eingeführt.

Die „Deklaration der Rechte der Völker Russlands“, von J.W. Stalin verfasst, von Lenin und Stalin unterschrieben, wurde veröffentlicht. Die LeninStalinsche Deklaration verkündete die unverzügliche Befreiung der Völker Russlands und ihr freiwilliges und ehrliches Bündnis. Die Deklaration hob hervor, dass nur durch ein solches Bündnis die Arbeiter und Bauern der Völker Russlands zu einer revolutionären Kraft zusammengeschweißt werden können, die fähig ist, einem jeden Anschlag seitens der imperialistischen Bourgeoisie Widerstand zu leisten. Die Deklaration vertrat eine offene und ehrliche Politik die zu einem völligen gegenseitigen Vertrauen unter den Völkern Russlands führen sollte.

Lenin und Stalin proklamierten in dieser Deklaration „das ehrliche und dauernde Bündnis der Völker Russlands“ auf folgenden Grundlagen: Gleichheit und Souveränität der Völker Russlands; das Recht der Völker Russlands auf freie Selbstbestimmung bis zur Lostrennung und Schaffung eines selbstständigen Staates; Abschaffung aller jedweder nationalen und nationalreligiösen Vorrechte und Beschränkungen; freie Entwicklung aller Nationalitäten, darunter auch der kleinsten, die das Territorium Russlands bevölkern.

Auf dem III. Allrussischen Kongress der Sowjets im Januar 1918 wurde die „Deklaration der Rechte des werktätigen und ausgebeuteten Volkes“ angenommen.

Jakow Michajlowitsch Swerdlow, erster Vorsitzender des Allrussischen Zentralen Exekutivkomitees (1885 bis 1919)
Bild entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 2 von 1947

Darin wurde gesagt, dass „die Sowjetrepublik Russland auf Grund eines freien Bundes freier Nationen, als Föderation nationaler Sowjetrepubliken errichtet wird“. Die „Deklaration der Rechte des werktätigen und ausgebeuteten Volkes“ erklärte, dass die gesamte zentrale und lokale Staatsmacht den Sowjets gehöre, dass in den Sowjets für Ausbeuter kein Platz sei. Als grundlegende Aufgabe der Sowjetmacht erklärte diese Deklaration die Abschaffung jeder Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, die völlige Aufhebung der Teilung der Gesellschaft in Klassen, den Kampf für den Sieg des Sozialismus.

Die Oktoberrevolution, die das Joch der kapitalistischen und nationalen Unterdrückung abgeworfen hatte, erhob die zahlreichen Völker und Völkerschaften Russlands zu einem neuen, hellen, freien Leben. Die Dekrete der neuen sowjetischen Regierung, die historischen Verfügungen Lenins und Stalins und ihre Anweisungen über die Liquidierung der Macht der Gutsbesitzer und Kapitalisten, über den Aufbau der Sowjetmacht, legten die Grundlage zu der neuen, sowjetischen sozialistischen Staatsordnung.

Nach vielen Jahrtausenden hatten die Werktätigen zum ersten Male einen entscheidenden Sieg über die Ausbeuter und Bedrücker errungen. Die Oktoberrevolution war der große historische Sieg der unsterblichen Lehre von Marx-EngelsLeninStalin. (Stalin ist später verdammt worden und wird es bis heute noch. Seine hervorragenden Leistungen werden bis heute totgeschwiegen und nicht anerkannt. Das ist fatal und eine der vielen Ursachen für die gelungene Konterrevolution im Jahre 1989/90 und den Sieg des Kapitalismus. P.R.)

Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 2 von 1947, Original-Autor B.M. Wolin, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 2 aus dem Jahre 1947

Die Ursachen des Sieges der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution

Der Sieg der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution eröffnete in der Geschichte Russlands und in der Geschichte der gesamten Menschheit ein neues Zeitalter. Auf einem Sechstel der Erdkugel schien zum ersten Male eine neue, wirkliche Volksmacht. Ein neuer Staat entstand, der sich die große Aufgabe gestellt hatte, im Land eine sozialistische Gesellschaft zu schaffen.

Der bewaffnete Aufstand in Russland im Oktober des Jahres 1917 ist ohne Beispiel in der Geschichte. Er zeigt, wie unüberwindlich die Massen sind, wenn sie von einer solch kampferfahrenen revolutionären Arbeiterpartei, die die Partei der Bolschewiki, geführt werden. Niemals in der Geschichte der revolutionären Bewegung hat es solche umfassende Vorbereitung der Massen gegeben wie zur Zeit der Sozialistischen Oktoberrevolution. Alles dies war das Werk der Partei der Bolschewiki unter der Leitung der großen Volksführer Lenin und Stalin.

Welche sind die Hauptursachen, die den verhältnismäßig leichten Sieg der sozialistischen Revolution in Russland bestimmten?

Der Oktoberrevolution stand ein verhältnismäßig schwacher, so schlecht organisierter, politisch wenig erfahrener Feind gegenüber, wie es die russische Bourgeoisie war. Das Volk sah keinen wesentlichen Unterschied zwischen der Politik des Zaren und der Politik der Bourgeoisie, die nach der Februarrevolution an die Macht gelangt war. Das war auch die Ursache, weshalb das Volk seinen ganzen Hass gegen den Zaren mit vollem Grund auch auf die Provisorische Regierung der Bourgeoisie übertrug.

Die Menschewiki und Sozialrevolutionäre, die sich nach der Februarrevolution völlig als Verteidiger der imperialistischen Bourgeoisie entlarvt hatten, verloren ihren Einfluss im Volke, und deshalb konnte sich die Bourgeoisie nicht mehr auf sie stützen. Die russische Bourgeoisie war endgültig isoliert. Dank der Tätigkeit der Bolschewiki hatte das Volk klar begriffen, dass die Bourgeoisie sein unversöhnlicher Feind ist.

Die Oktoberrevolution siegte deshalb, weil an ihrer Spitze eine revolutionäre Klasse, die die Arbeiterklasse Russlands, die in den Kämpfen zweier Revolutionen (im Jahre 1905 und im Februar 1917) gestählt worden war, stand. Die Arbeiterklasse Russlands verdiente dank ihrem revolutionären Willen und ihrer Opferbereitschaft das Vertrauen des Volkes, sie wurde der anerkannte, der verlässliche Führer des Volkes im Kampf für Frieden und Boden, für Freiheit und Sozialismus.

In diesem Kampf hatten die revolutionären russischen Arbeiter einen so ernst zu nehmenden Bundesgenossen, die die arme Bauernschaft. In ihrem langen gemeinsamen Kampf wurde ein wirkliches Bündnis mit der Arbeiterklasse und der armen Bauernschaft geschaffen. Es ist klar, dass die Oktoberrevolution ohne dieses Bündnis zwischen der Arbeiterklasse und der armen Bauernschaft nicht hätte siegen können. Die führende Kraft in diesem Bündnis stellte die Arbeiterklasse dar.

Die Oktoberrevolution hatte deshalb gesiegt, weil an der Spitze der revolutionären Bewegung der Arbeiter, Soldaten und Bauern Russlands die erfahrene, kühne und energische Partei Lenins und Stalins, die kämpferische Partei der Bolschewiki stand.

Die Lage in Russland vor der Oktoberrevolution war kompliziert. Wie Frühlingshochwasser brodelten die verschiedenen Volksströmungen, die danach strebten, sich einen Weg zu bahnen. Eine allgemeine Volksbewegung strebte beharrlich danach, aus dem ungerechten Krieg herauszukommen und einen demokratischen Frieden zu verwirklichen. Eine andere mächtige Bewegung – die demokratische Bauernbewegung – war auf die Besitzergreifung des Gutsbesitzerlandes gerichtet. Eine dritte Bewegung nationale Befreiungsbewegung der unterdrückten Völker für ihre nationale Gleichberechtigung. Und schließlich war die wichtigste, führende mächtigste Volksbewegung die sozialistische Bewegung des russischen Proletariats für die Eroberung der Staatsmacht im Lande zum Zwecke der Errichtung der sozialistischen Gesellschaft.

Die Partei der Bolschewiki verstand es, alle diese revolutionären Strömungen in einem einheitlichen, mächtigen revolutionären Strom zu vereinigen. Gerade die Bolschewiki verstanden es, den bewaffneten Aufstand allseitig vorzubereiten und ihm eine unerhörte Organisiertheit zu verleihen. Diese allseitige Vorbereitung, die überaus große Organisation und Diszipliniertheit wurden dank der genialen Führung von Lenin und Stalin erreicht.

Der Sieg der Oktoberrevolution wurde dadurch erleichtert, dass die bürgerlichen Staaten, die durch Weltkrieg in zwei feindliche Lager gespalten waren, gegen die sozialistische Revolution in Russland nicht mit gemeinsamen Kräften aktiv vorgehen konnten.

Die Oktoberrevolution, die der Bourgeoisie und den Gutsbesitzern die Produktionsmittel weggenommen und die Fabriken, die Werke, den Grund und Boden, die Eisenbahnen, die Banken in Gemeingut des Volkes verwandelt hatte, erlöste Millionen von Proletariern von der Ausbeutung, den Schrecken der Arbeitslosigkeit und des Aussterbens, und Millionen von Dorfarmen von dem Joch der Gutsbesitzer, von einem jammervollen, hungrigen, armseligen und hoffnungslosen Leben.

Die Große Sozialistische Oktoberrevolution rettete Russland vor dem völligen Zerfall, vor der Gefahr, seine staatliche Selbstständigkeit zu verlieren. Russland drohte die Gefahr, eine Beute der imperialistischen Räuber zu werden und sich in ein abhängiges Kolonialland zu verwandeln. Die Partei der Bolschewiki rettete Russland vor dem Untergang.

Die Oktoberrevolution, die den Staatsapparat der ausbeuterischen Gesellschaft bis auf seine Grundfesten zerstört hatte, schuf einen Staat von neuem Typus: den Sozialistischen Sowjetstaat.

Mit dem Sieg der Sowjetmacht verwirklichten sich die sehnlichsten Träume der Werktätigen Russlands: sie erlangten Frieden und Freiheit, warfen das Joch der kapitalistischen Bedrückung ab, sie wurden die Herren ihres Lebens, ihres gesamten unermesslichen Landes.

Vor dem Volk des Sowjetlandes – vor der Arbeiterklasse, der Bauernschaft, der Intelligenz- öffnete sich der Weg zum Sozialismus.

Entnommen aus „Das Sowjetland“, Band 2 aus dem Jahre 1947, Original-Autor B.M. Wolin, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 2 aus dem Jahre 1947

Lenin und Stalin an der Spitze des Aufstandes

Lenin und Stalin riefen die Massen zum Aufstand im Namen der Rettung Russlands vor dem Untergang auf, den ihm die Deutschen und die Feinde im Inneren bereiteten, im Namen des Aufblühens des Lebens aller seiner Völker.

Lenin und Stalin erläuterten, dass der Sieg der sozialistischen Revolution das rückständige Russland gänzlich umgestalten, dass er die breiten Massen der Werktätigen zu einem neuen, freien und glücklichen Leben erheben würde. „Untergehen oder mit Volldampf nach vorwärts streben. So ist die Frage durch die Geschichte gestellt“, schrieb Wladimir Iljitsch.

Die verantwortungsvollen und anstrengendsten Tage der Vorbereitung des Aufstandes waren angebrochen. In diesem entscheidenden Augenblick begingen die Verräter der Revolution Kamenew und Sinowjew einen unerhörten Verrat. Sie veröffentlichten in der menschewistischen Zeitung „Nowoja Shisnj“ („Das Neue Leben“) eine Erklärung über ihre Meinungsverschiedenheiten mit der Partei in den Fragen des Aufstandes und enthüllten damit den geheimen Beschluss der Bolschewiki über die Vorbereitung des bewaffneten Aufstandes. Gleichzeitig plauderte ihn auch der Judas Trotzkij aus. Lenin brandmarkte den Verrat als grenzenlose Gemeinheit. In seinem Brief an das Zentralkomitee schrieb er: „Schwere Zeiten. Eine schwere Aufgabe. Ein schwerer Verrat. Und trotzdem wird die Aufgabe gelöst werden, die Arbeiter werden sich zusammenschließen, der Bauernaufstand und die äußerste Ungeduld der Soldaten an der Front werden das ihrige tun! Schließen wir die Reihen enger – das Proletariat muss siegen!“

Der Verrat Kamenews, Sinowjews und Trotzkijs versetzte der Vorbereitung des Aufstandes einen ernsthaften Schlag. Die Bourgeoisie begann fieberhaft zum Widerstand zu rüsten. Die Hauptstadt wurde in Militärbezirke eingeteilt. Zusätzliche Patrouillen wurden eingesetzt, die Wachen verstärkt. Über die ganze Stadt wurden Kavallerieposten verteilt. Vor dem Winterpalast waren Maschinengewehre aufgestellt. Von der Front wurden eiligst Truppen beordert.

Auf einer geheimen Sondersitzung erörterte die Provisorische Regierung, welche Maßnahmen gegen die Bolschewiki noch ergriffen werden könnten. Kerenskij gab, wie in den Julitagen, erneut den Befehl, Lenin zu verhaften und dem Untersuchungsrichter für besonders wichtige Angelegenheiten auszuliefern.

Aber die Vorbereitungen zum Aufstand konnte der Feind nicht mehr zum Stehen bringen. Der bewaffnete Aufstand, sagte Lenin, ist, wenn auch die Verräter, die das Parteigeheimnis den schlimmsten Feinden des Volkes verraten haben, ihn hinausgeschoben haben, durch die Partei von der Tagesordnung nicht abgesetzt werden.

Die Bolschewiki setzten die intensive Vorbereitung der Massen zum bewaffneten Aufstand fort. In den Fabriken und Werken wurden die rotgardistischen Kampfabteilungen verstärkt. Verbindung mit den Truppenteilen wurde hergestellt. In die Abteilungen traten auch Arbeiterinnen ein. Sie bereiteten sich gemeinsam mit ihren Vätern, Männern und Brüdern zum Kampfe vor.

Eine der wichtigsten Kampfkräfte des Aufstandes war die Baltische Flotte. Die Matrosen erkannten schon lange nicht mehr die Macht der Provisorischen Regierung an und kamen ihren Anordnungen nicht nach.

Der Sturm rückte heran. Das revolutionäre Volk und die konterrevolutionäre Bourgeoisie standen sich von Angesicht zu Angesicht gegenüber, zum tödlichen Zusammenstoß bereit.

Am Morgen des 24. Oktober begann Kerenskij seinen Angriff gegen die Bolschewiki. Er befahl die Schließung des Zentralorgans der Partei, der Zeitung „Rabotschij Putj“ („Der Arbeiterweg“), und des Organs der bolschewistischen Militärorganisation, der Zeitung „Soldat“. Eine Abteilung von Offiziersschülern überfiel mit Panzern die Druckerei.

Die Rotgardisten und die Arbeiter der Druckerei teilten dies sofort J.W. Stalin telefonisch mit. „Sind es viele?“ fragte Stalin. „Eine kleine Abteilung mit einem Offizier an der Spitze“, war die Antwort. „Gut“, antwortete Stalin, „ich werde sofort Panzerautos schicken.“

Auf Vorschlag Stalins gab das Revolutionäre Militärkomitee als Antwort auf diese Aktion der Konterrevolution den Redakteuren und Setzern den Befehl, die Arbeit fortzusetzen, den Soldaten aber, die Druckerei zu bewachen. Am 24. Oktober um 10 Uhr morgens wurde dieser Befehl ausgeführt. Die Rotgardisten und revolutionären Soldaten drängten die Offiziersschüler zurück und setzten ihre Wache ein. Der Druck des „Rabotschij Putj“ und des „Soldat“ wurde wieder aufgenommen.

Am Abend des 24. Oktober schickte Wladimir Iljitsch einen flammenden, besorgnisvollen Brief an die Mitglieder des Zentralkomitees der Partei der Bolschewiki.

„Ich schreibe diese Zeilen am 24. Oktober abends“, so begann dieser historische Brief. „Die Lage ist äußerst kritisch. Es ist sonnenklar, dass jetzt eine Verzögerung des Aufstandes schon wahrhaftig den Tod bedeutet.“ Weiterhin forderte Lenin: „…auf keinen Fall darf die Macht bis zum 25 Oktober in den Händen Kerenskijs und Konsorten belassen werden, unter keinen Umständen; die Sache ist unbedingt heute Abend oder heute Nacht zu entscheiden.“

Am gleichen Tage schrieb der Kampfgenosse des großen Lenin, J.W. Stalin, in der Zeitung, die Kerenskij hatte vernichten wollen:

„Der Augenblick ist gekommen, wo eine weitere Verzögerung die gesamte Sache der Revolution mit dem Untergang bedroht. Man muss die jetzige Regierung der Gutsbesitzer und Kapitalisten durch eine neue Regierung der Arbeiter und Bauern ersetzen…

Die Macht muss in die Hände der Sowjets der Arbeiter-, Soldaten- und Bauerndeputierten übergehen.“

So ertönten im Einklang die Kampfaufrufe der Führer der Revolution Lenins und Stalins, die Aufrufe zum bewaffneten Aufstand.

J.W. Stalin blieb am 24. Oktober den ganzen Tag über im Gebäude des Smolnyj-Institutes- dem Stab der Bolschewiki, wo sich das Revolutionäre Militärkomitee befand, und leitete die letzten Vorbereitungen zum Aufstand. Am Abend des 24. Oktober begab sich Wladimir Iljitsch von der Wiborger Seite zum Smolnyj.

Nachdem Lenin sich verkleidet hatte, begab er sich in Begleitung eines Verbindungsmannes auf die Straße. Die Straßen waren leer. Eine einsame Straßenbahn fuhr eilends ins Depot. Wladimir Iljitsch sprang in den Wagen und fragte die Schaffnerin, wohin sie fahre. „Das ist aber ein Sonderling, wo bist du denn hergekommen?“ rief die Frau aus. Weißt du denn nicht, dass Revolution sein wird? Wir fahren die Bourgeoisie schlagen.“

Nachdem sich Lenin glücklich durch die Patrouillen der Junker hindurchgeschlagen hatte, erschien er im Revolutionsstab im Smolnyj. Gemeinsam mit Stalin übernahm er die Leitung des Aufstandes und stellte sich unmittelbar an die Spitze der Volksrevolution.

Lenin war für die Revolution geboren“, sagte J.W. Stalin. „Er war wahrhaft der Genius revolutionärer Explosionen und der größte Meister revolutionärer Führung. Nie fühlte er sich so frei, nie war er so froh wie in einer Epoche revolutionärer Erschütterungen…nie offenbarte sich Lenins genialer Scharfblick so voll und klar wie in der Zeit revolutionärer Explosionen. In den Tagen der Wendepunkte der Revolution blühte er gleichsam auf, wurde zum Hellseher, erriet die Bewegung der Klassen und die wahrscheinlichen Zickzackwege der Revolution, sah sie ganz klar vor sich. Nicht umsonst heißt es in unseren Parteikreisen, dass ‚Iljitsch in den Wellen der Revolution zu schwimmen versteht wie der Fisch im Wasser‘.“

In der historischen Nacht vom 24. Zum 25. Oktober (vom 06. Zum 07. November) 1917 begann die Verwirklichung des genialen Leninschen Planes des bewaffneten Aufstandes gegen die Bourgeoisie, gegen die russischen Imperialisten, für die Macht der Sowjets, für den Sozialismus.

Der Aufstand entwickelte sich erfolgreich. Schnell wurden das Telegrafenamt, die Bahnhöfe, die Elektrizitätswerke und die staatlichen Ämter der Hauptstadt besetzt. Die Aufständischen unterbrachen die Telefonverbindungen des Winterpalastes, wo die Provisorische Regierung tagte. Die in Petrograd garnisonierten Soldaten gingen entschlossen auf die Seite der Bolschewiki über. Die geschickte Leitung der Bolschewiki, die Kühnheit, der revolutionäre Ansturm und die Disziplin der Volksmassen verrichten das ihre: am Morgen des 25. Oktober (07.November) war fast ganz Petrograd in den Händen des aufständischen Volkes.

W.I. Lenin und J.W. Stalin im Smolnyj-Institut in den Oktobertagen des Jahres 1917 (Nach einer Zeichnung von P. Wassiljew)
Bild entnommen aus „Das Sowjetland“, Band 2 aus dem Jahre 1947

Am Morgen des 25. Oktober (07. November) erließ das Revolutionäre Militärkomitee den Aufruf „An die Bürger Russlands!“, der von Lenin verfasst war.  „Die Provisorische Regierung ist gestürzt“, so lautete der Leninsche Aufruf. „Die Staatsmacht ist in die Hände des Organs des Petrograder Sowjets der Arbeiter und Soldatendeputierten, des Revolutionären Militärkomitees, übergegangen, das an der Spitze des Petrograder Proletariats und der Garnison steht. Die Sache, für die das Volk gekämpft hat: das sofortige Angebot eines demokratischen Friedens, die Aufhebung des gutsherrlichen Grundbesitzes, die Arbeiterkontrolle über die Produktion, die Bildung einer Sowjetregierung- diese Sache ist gesichert. Es lebe die Revolution der Soldaten, der Arbeiter und der Bauern!“

Der Angriff auf die Revolution wurde fortgesetzt. Immer neue und neue Abteilungen von Rotgardisten zogen aus den Proletariervierteln Petrograds nach dem Zentrum der Stadt zum Smolnyj. Die Rotgardisten bemächtigten sich der Ämter, entwaffneten die Offiziersschüler und bezogen Kampfposten. Die revolutionäre Baltische Flotte kämpfte Schulter an Schulter mit dem aufständischen Volk. Allein aus Kronstadt kam eine Matrosenabteilung in Stärke von fünftausend Mann zur Belagerung des Winterpalastes herbei.

Kerenskij, der die Ankunft der Truppen, die von der Front herbeigerufen worden waren (sie gingen unterwegs auf die Seite der Aufständischen über), nicht abwartete, flüchtete in seiner Verzweiflung aus Petrograd.

Es begann die Belagerung des Winterpalastes. Dort hatten sich die von Kerenskij verlassenen Minister der Provisorischen Regierung unter dem Schutz einer Abteilung Offiziere und Offiziersschülern festgesetzt. Zur Verteidigung des Palastes waren Barrikaden errichtet worden.

Lenin ordnete an, den Winterpalast zu umzingeln und den Ministern und ihren Verteidigern ein Ultimatum zur Übergabe zu stellen und die Eroberung dieses letzten Zufluchtsortes der Bourgeoisie zu beschleunigen.

Beim Anbruch der Nacht begann von der Peter-Paul-Festung aus, die gegenüber dem Palast am anderen Ufer der Newa liegt, die Artilleriebeschießung des Winterpalastes. Auf der Newa lag der Kreuzer „Aurora“, dessen Geschütze auf den Winterpalast gerichtet waren, vor Anker. Der Kreuzer „Aurora“ unterstützte das Feuer aus der Peter-Paul-Festung mit Salven aus seinen Geschützen.

Die Verteidiger des Palastes erwiderten das Feuer aus Maschinengewehren. Der Feind musste das Feuer jedoch bald einstellen. Die revolutionären Truppen und Rotgardisten drangen in den Palast ein. Das Bollwerk der Herrschaft der Gutsbesitzer und der Bourgeoisie war gefallen. Als die Rotgardisten, Soldaten und Matrosen in den runden Saal des Palastes eingedrungen waren, sahen sie eine Gruppe erschrockener Menschen vor sich. Es waren die Minister Kerenskijs, die Vertreter der (vorerst P.R.)letzten Regierung der Gutsbesitzer und der Bourgeoisie Russlands.

Die Provisorische Regierung wurde verhaftet und in der Peter-Paul-Festung interniert. Mit der Einnahme des Winterpalastes in Petrograd endete der ewig (? P.R.) ruhmvolle 25. Oktober (7. November) des Jahres 1917.

Sturm auf den Winterpalast (Nach einem Gemälde von P. Sokolow-Skalja)
Bild entnommen aus „Das Sowjetland“, Band 2 aus dem Jahre 1947

Das von der Partei der Bolschewiki geführte Volk hatte (auf Zeit P.R.) den größten historischen Sieg errungen.

Während auf den Straßen der Hauptstadt der Angriff der Revolution sich siegreich entwickelte, trat im Smolnyj der Führer des (damals P.R.) siegreichen Volkes, Lenin, vor den Petrograder Sowjet. Mit verhaltenem Atem, mit Liebe und Stolz, hörten die Arbeiter- und Soldatendeputierten Wladimir Iljitschs Rede an.

Lenin sprach davon, dass die Arbeiter- und Bauernrevolution, zu der die Bolschewiki die Werktätigen aufgerufen hatten, sich vollzogen habe. „Die Bedeutung dieser Umwälzung“, erklärte er, besteht vor allem darin, dass wir eine Sowjetregierung ein eigenes Machtorgan haben werden.“                                Lenin sprach davon, dass von nun an eine neue Epoche in der Geschichte Russlands angebrochen sei, und dass die proletarische Revolution im Endergebnis zum Sieg des Sozialismus führen müsse. Die Aufgabe der jungen Sowjetmacht umriss Lenin folgendermaßen:                                                                     „In Russland müssen wir jetzt den Aufbau eines proletarischen sozialistischen Staates in Angriff nehmen.“

Die im Saal des Smolnyj versammelten Arbeiter und Soldaten nahmen Lenins Rede mit Begeisterung auf. Sie fühlten, dass der jahrhundertealte Traum der Volksmassen Russlands sich zu verwirklichen begann. Die Große Sozialistische Revolution war erfolgt.

In den Abendstunden des 25. Oktober, als auf dem Platz vor dem Winterpalast die letzten Kämpfe und die Liquidierung der Provisorischen Regierung der Gutsbesitzer und Kapitalisten vor sich gingen, wurde im Smolnyj der II. Allrussische Kongress der Sowjets der Arbeiter-, Soldaten- und Bauerndeputierten der der wirkliche Herr des neuen Russlands war, eröffnet.  Die Menschewiki und die Sozialrevolutionäre, die gesehen hatten, dass sie die Minderheit bildeten, verließen den Kongress und verzichteten auf die Teilnahme an seiner Arbeit. Es blieben die Bolschewiki und die parteilosen Delegierten des Kongresses. Sämtliche Entscheidungen dieses wirklich revolutionären Kongresses erfolgten einmütig. Der Kongress übernahm aus den Händen des Revolutionären Militärkomitees die Macht, die von den Petrograder Arbeitern und Soldaten im siegreichen bewaffneten Aufstand errungen worden war. Der Kongress beschloss: „Die gesamte Macht geht allerorts an die Sowjets der Arbeiter-, Soldaten- und Bauerndeputierten über, die eine wirkliche revolutionäre Ordnung zu sichern haben.“

Entnommen aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 2 von 1947, Original-Autor B.M. Wolin, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 2 aus dem Jahre 1947

Die Vorbereitung des bewaffneten Aufstandes

Der Einfluss der bolschewistischen Partei bei den werktätigen Massen stieg unaufhaltsam. Zu dieser Zeit begannen die Neuwahlen von Deputierten in die Sowjets. Die Arbeiter der Fabriken und Werke, die Soldaten der Truppenteile geben ihre Stimmen den Bolschewiki. Die Zusammensetzung der Sowjets veränderte sich auf diese Weise einschneidend. Ende August ging der Petrograder Sowjet auf die Seite der Bolschewiki über, einige Tage später auch der Moskauer Sowjet. Auf diese Weise konnten die Bolschewiki die Frage der Ergreifung der Macht bereits aufwerfen.

Der Zunahme der politischen Aktivität der Arbeiter in en Städten folgte auch die Zunahme der revolutionären Aktivität der Bauern auf dem Lande. Die breiten Massen der Bauern und später auch die Armee wandten sich jäh den Bolschewiki zu.

Die Bedingungen, die für einen erfolgreichen Aufstand notwendig waren, reiften bereits heran.

Lenin hatte stets die bolschewistische Partei gelehrt, dass die Kunst der bolschewistischen Politik, die auf den Sturz der Bourgeoisie ausgerichtet ist, darin besteht, die Bedingungen und den Augenblick zu berechnen, wenn die Avantgarde des Proletariats – die Partei – erfolgreich die Macht ergreifen kann, wenn die breiten Massen der Arbeiter und Bauern bereit sind, der Partei genügend Unterstützung zu erweisen. Dieser Moment war gekommen. Und Lenin beschleunigte die Vorbereitungen des bewaffneten Aufstandes.

Am 15. (28.) September erörterte da Zentralkomitee der Partei die an diesem Tage von Lenin erhaltenen Briefe, in denen davon gesprochen wurde, dass die Bolschewiki an die Spitze des Aufstandes der Volksmassen treten und die staatliche Macht übernehmen können und müssen. J.W. Stalin schlug vor, diese Briefe den örtlichen Parteiorganisationen als Direktive und Anweisung des Zentralkomitees der Partei für die Vorbereitung zum Aufstand weiterzuleiten. Unter den Mitgliedern des Zentralkomitees befand sich auch Kamenew. Indem er gegen Lenin und Stalin auftrat, bestand er darauf, dass Lenins Briefe verbrannt werden sollten. Aber das Zentralkomitee beschloss, so zu handeln, wie Stalin vorgeschlagen hatte. Die Briefe Lenins über die Vorbereitung zum Aufstand wurden an die größten Parteiorganisationen geschickt.

J.W. Stalin entwickelte tagaus, tagein in der Presse die Leninschen Anweisungen. Ende September 1917 stellte er in einem Artikel die Frage folgendermaßen auf: „Wir haben zwei Herrschaften vor uns: die Herrschaft Kerenskijs und seiner Regierung und die Herrschaft der Sowjets und Komitees… Entweder die Herrschaft der Regierung Kerenskijs – und damit die Herrschaft der Gutsbesitzer und Kapitalisten, Krieg und Ruin. Oder die Herrschaft der Sowjets – und damit die Herrschaft der Arbeiter und Bauern, Frieden und Liquidierung des Ruins. So und nur so stallt das Leben selbst die Frage.“

 

Unter der Leitung Stalins bereitete die Partei das Volk nach Leninschen Anweisungen für den bewaffneten Aufstand vor. Mit jedem Tage schlossen sich die Werktätigen immer enger um die bolschewistische Partei, um Lenin und Stalin zuzustimmen. Die Fristen des Aufstandes rückten näher. Ende September erklärte Lenin dem Zentralkomitee, dass man den Aufstand nicht länger aufschieben könne. Es ist nötig, schrieb Lenin, von drei Seiten: von Petersburg selbst, von Moskau und der Baltischen Flotte aus loszuschlagen. Tausende von bewaffneten Arbeitern und Soldaten der Hauptstadtsollen mit einem plötzlichen Schlage den Winterpalast nehmen und sich des Generalstabes, des Telefonamtes und aller größeren Druckereinen bemächtigen. Dies waren Lenins Vorschläge.

Als Ergebnis des Aufstandes, schrieb Lenin, wird eine Regierung gebildet, die dem Volke den Frieden sichern, den Bauern das Gutsbesitzerland übergeben und von den Massen Unterstützung finden wird. Dies wird die sowjetische Regierung sein; sie wird unüberwindbar sein. (Leider irrte sich Lenin. P.R.)

In dieser Zeit spitzte sich die militärische und innere Lage Russlands immer mehr zu. Die Auflösung der Armee schritt fort, da die Arbeiter und Bauern ihr Blut nicht für die Interessen der imperialistischen Räuber vergießen wollten. Dem Land drohte Hungersnot. Das Eisenbahntransportwesen war ganz und gar zerrüttet. Die Fabriken und Werke, die weder Rohstoffe noch Heizmaterial erhielten, kamen zum Erliegen. Eine Massenarbeitslosigkeit setzte ein. Die Kapitalisten untergruben absichtlich die Produktion, sie planten, auf diese Weise den Zusammenbruch der Republik, den Untergang der Sowjets hervorzurufen. Überall wurde das schwarze Netz der konterrevolutionären Verschwörungen gesponnen. Die Bourgeoisie schickte sich an, mit Deutschland Frieden zu schließen, um mit Hilfe der Deutschen die Revolution zu ersticken. Im Namen der Wiederherstellung des zaristischen Regimes und der Rettung der Reichtümer waren die Feinde des Volkes bereit, den ausländischen Räubern das gesamte Russland zur Versklavung auszuliefern.

Russland drohte ein völliger Zerfall, ihm drohte der Verlust der staatlichen Unabhängigkeit. Nur der Übergang der Macht in die Hände der Bolschewiki konnte das Land vor der hereinbrechenden Katastrophe retten.

In diesen spannungsvollen, entscheidenden Tagen war die Anwesenheit Lenins in Petrograd, mitten im Zentrum der sich entwickelnden revolutionären Ereignisse, besonders notwendig.

Und als Wladimir Iljitsch, der Helsingfors verlassen hatte, siedelte, um Petrograd näher zu sein, nach Wiborg über. Drei Wochen hielt sich Lenin hier auf. Unermüdlich fuhr er fort, die Lage zu erläutern, seine Kampfgenossen zu instruieren, das Volk zur entscheidenden revolutionären Tat vorzubereiten und die Verräter: Kamenew, Sinowjew, Trotzkij, die gegen den bewaffneten Aufstand waren, zu entlarven.

Am 07.(20.) Oktober verließ Lenin auch seine Wiborger Zufluchtsstätte. In der Nacht erreichte er die Vorortstation Udjelnaja und kam von dort aus zu Fuß in Petrograd auf der Wiborger Seite an. Wladimir Iljitsch der sich in der Wohnung der Bolschewistin M. Fofanowa vor den Spionen verborgen hielt, bat vor allem, eine Zusammenkunft mit J.W. Stalin zu arrangieren. Am 08.(21.) Oktober fand diese Zusammenkunft statt.

Die Unterhaltung Lenins und Stalins dauerte einige Stunden. Wladimir Iljitsch schaffte Klärung über alle Einzelheiten der Lage in den Fabriken und bei den Truppenteilen. J.W. Stalin legte einen konkreten Plan des bewaffneten Aufstandes vor, der von ihm auf der Leninschen Anweisungen ausgearbeitet worden war. Wladimir Iljitsch vereinbarte mit Stalin, in den nächsten Tagen eine Sitzung des Zentralkomitees der Partei einzuberufen, auf der er einen Bericht über den bewaffneten Aufstand geben wollte.

Nach dieser Unterhaltung schrieb Lenin einen Brief an das Zentralkomitee. In diesem Brief entwickelte er einen konkreten Plan für den Aufstand. Zur Verwirklichung dieses Plans schlug Wladimir Iljitsch vor, die entschlossensten Elemente aus den Reihen der Arbeiter, besonders unter der Arbeiterjugend, unter den Matrosen und Soldaten auszuwählen. Lenin schrieb, dass für den Erfolg des Aufstandes Geschicklichkeit und dreifache Kühnheit notwendig sei, dass der Erfolg der Revolution von zwei bis drei Tagen hartnäckigen Kampfes abhängig sei.

Das Zentralkomitee der Partei der Bolschewiki, dass diese Anweisungen verfolgte, führte tatkräftig die praktische Vorbereitung zum Aufstand durch. Immer neue Abteilungen der Roten Garde wurden aufgestellt. Die Rotgardisten, die sich vor fremden Augen verborgen hielten, lernten auf unbebautem Gelände außerhalb der Stadt das Kriegshandwerk.

 

Die historische Sitzung des Zentralkomitees der bolschewistischen Partei fand am 10. (23.) Oktober 1917 statt. Wladimir Iljitsch Lenin erstattete über die augenblickliche Lage Bericht. Er wies auf die Notwendigkeit und Unvermeidlichkeit des Aufstandes hin. Politisch sagte Lenin, ist die Situation völlig reif für den Übergang der Macht in die Hände des Proletariats und der ärmsten Schichten der Bauernschaft. Er schlug vor, di Frage über die technische Seite des Aufstandes zu erörtern. Die Ausführungen Lenins wurden in einer von ihm verfassten Resolution dargelegt. Sie lautete:

„Das Zentralkomitee stellt fest, dass sowohl die internationale Lage der russischen Revolution (der Aufstand in der deutschen Flotte als höchster Ausdruck des Heranreifens der sozialistischen Weltrevolution in ganz Europa (bekanntlich ist es anders gekommen. P.R.), ferner die Drohung der Welt der Imperialisten, die Revolution in Russland zu erdrosseln) als auch die militärische Lage (der nicht zu bezweifelnde Entschluss der russischen Bourgeoisie und Kerenskijs und Konsorten, Petrograd den Deutschen auszuliefern) und die Eroberung der Mehrheit der Sowjets durch die proletarische Partei – , dass alles dies im Zusammenhang mit dem Bauernaufstand und mit der Tatsache, dass sich das Vertrauen des Volkes unsrer Partei zugewandt hat (Wahlen in Moskau), und endlich die offenkundige Vorbereitung eines zweiten Kornilowputsches (Abtransport von Truppen aus Petrograd, Zusammenziehung von Kosaken usw.) -; dass all dies den bewaffneten Aufstand auf die Tagesordnung setzt.“

 

Gleichzeitig wurde zur politischen Leitung des Aufstandes für die nächste Zeit ein Politisches Büro aus den Mitgliedern des Zentralkomitees, mit Lenin und Stalin an der Spitze, geschaffen.

In diesem historischen Augenblick, der das Schicksal der Arbeiterklasse, des ganzen Volkes, das Schicksal Russlands entschied, stimmten Sinowjew und Kamenew, die von einer bürgerlichen Republik träumten, gegen den Beschluss über den Aufstand. Trotzkij, der erst kurze Zeit vorher in die Reihen der bolschewistischen Partei getreten war, war auch dagegen. Er beantragte, den Aufstand bis zur Einberufung des II. Sowjetkongresses zu vertagen, was bedeutet hätte, den Beginn des Aufstandes hinauszuschieben, ihn vorher auszuplaudern und auf diese Weise die Provisorische Regierung zu informieren. Aber alle Bemühungen der Verräter blieben vergebens. Die Partei folgte Lenin und Stalin.

Die Resolution Lenins über die Notwendigkeit des bewaffneten Aufstandes wurde das Aktionsprogramm für sämtliche Bolschewiki. Das Zentralkomitee der Partei entsandte seine Bevollmächtigten nach dem Donezgebiet, nach dem Ural, nach dem Kaukasus, nach Helsingfors, nach Kronstadt und an die Fronten zur Organisierung des Aufstandes an Ort und Stelle. Die einen dieser Gebiete sollten Petrograd durch die Entsendung von Kampfkräften, die anderen, z.B. Ufa, durch schnelle Lieferung von Getreide nach dem Zentrum unterstützen. Der Ural sollte die Getreidelieferung aus Sibirien organisieren und Kampfabteilungen stellen. Die Parteiorganisationen bereiteten sich tatkräftig auf den Aufstand vor.

Nach einigen Tagen (am 16. Oktober) wurde die Frage des Aufstandes auf der erweiterten Sitzung des Zentralkomitees gemeinsam mit den Petrograder Bolschewiki, den Vertretern Moskaus und den Vertretern anderer Organisationen erörtert. Hier wurde die Resolution Lenins von neuem bestätigt, und wiederum traten Kamenew und Sinowjew dagegen auf und suchten eine Vertagung des Aufstandes, wenn auch nur um fünf Tage, zu erreichen. Die fünftägige Vertagung war diesen Verrätern notwendig, damit die Bourgeoisie die konterrevolutionären Kräfte mobilisieren konnte. J.W. Stalin setzte sich heftig für die Leninschen Vorschläge ein. „Wie lange soll man denn warten?..?“ fragte er. „Das, was Kamenew und Sinowjew vorschlagen, bietet objektiv der Konterrevolution die Möglichkeit, sich zu organisieren. Wir werden ohne Ende zurückweichen und die gesamte Revolution verspielen.“

Auf Vorschlag Lenins wurde ein Parteizentrum zur Leitung des Aufstandes mit Stalin an der Spitze gewählt. Dieses Zentrum gehört zum Bestand des von dem Petrograder Sowjet gewählten Revolutionären Militärkomitees und leitete den gesamten Gang des bewaffneten Aufstandes.

„Die Sitzung endete gegen Morgen“, so heißt es in der „Geschichte des Bürgerkrieges in der UdSSR“. „Einzeln, wie man gekommen war, ging, man auch wieder auseinander. Lenin kam als Letzter heraus. Ein kräftiger Wind wehte. Er riss Lenin Hut und Perücke ab. Wladimir Iljitsch hob sie von der Erde auf und setzte sie wieder auf den Kopf. Er merkte gar nicht, dass der Hut durchweicht war, so sehr waren die Gedanken des großen Führers mit dem Schicksal der Revolution beschäftigt. Die Hände in die Taschen seines Paletots vergraben, schritt Lenin dem Wind schnell entgegen und überdachte angestrengt die letzten Fragen des bewaffneten Aufstandes.“ Lenin „sah mit seinem scharfsinnigen Blicke, dass der Aufstand unvermeidlich sei, dass er siegen werde“, sagte später J.W. Stalin von diesen historischen Tagen.

Entnommen aus „Das Sowjetland“, Band 2 von 1947, Original-Autor B.M. Wolin, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 2, aus  dem Jahre 1947

Die Partei der Bolschewiki erneut in der Illegalität

Die Provisorische Regierung mit Kerenskij an der Spitze wollte sich Lenins bemächtigen und ihn töten. Aber die Bolschewiki hielten Wladimir Iljitsch verborgen.

Damit Lenin unbemerkt aus Petrograd entweichen konnte, entschloss man sich, sein Äußeres zu verändern.                                                                                                                                                          Lenin verbarg sich vor der konterrevolutionären Provisorischen Regierung außerhalb von Petrograd. Einige Tage musste er in dem Schuppen eines Arbeiters in der Umgebung von Sestrorezk zubringen. Dann wohnte er in einer Laubhütte, einige Kilometer von der Station Rasliw entfernt. Ende Juli ging Lenin über die finnländische Grenze als Heizer auf einer Lokomotive und ließ sich illegal in Helsingfors nieder.

Ungeachtet der tödlichen Gefahr und der sehr schweren Lebensbedingungen verfolgte Wladimir Iljitsch unablässig den Gang der Ereignisse in Russland.

Bei der neuen Lage nach den Julitagen war es schon nicht mehr möglich, auf friedliche Weise die Macht zu ergreifen, da sie Konterrevolution sich auf die von ihr formierten bewaffneten Kräfte stützte. Lenin und Stalin begannen, die Partei und das Volk zum bewaffneten Aufstand gegen die konterrevolutionäre Regierung vorzubereiten.

Lenin war fest davon überzeugt, dass das Volk siegen, dass es den Bolschewiki gelingen würde, die Massen zum Sturz der bürgerlichen Regierung zu organisieren. Er unterhielt enge Verbindung mit J.W. Stalin, der während Lenins Abwesenheit die bolschewistische Partei und alle Vorbereitungen für den Aufstand leitete.

Die entscheidende Rolle in der Vorbereitung zum Aufstand spielte der 6. Parteitag der Bolschewiki, der am 26. Juli 1917 zusammentrat. Der Parteitag tagte illegal. Lenin, der sich vor den Spürhunden der Provisorischen Regierung verbarg, konnte am Parteitag nicht teilnehmen. Er leitete ihn aber aus der Illegalität durch seine Kampfgenossen: Stalin, Swerdlow, Molotow, Ordshonikidse.

(Wjatscheslaw Michailowitsch Molotow war ein führender Politiker der UdSSR und einer der engsten Vertrauten Josef Stalins. Molotow war von 1930 bis 1941 sowjetischer Regierungschef und von 1939 bis 1949 sowie 1953 bis 1956 sowjetischer Außenminister.)

Auf diesem Parteitag zeigte J.W. Stalin, dass die Revolution ihrem Charakter nach zu einer sozialistischen Revolution werde, dass die Periode der Explosionen und der revolutionären Zusammenstöße mit der Bourgeoisie angebrochen sei. Alle Beschlüsse des Parteitages waren auf die Vorbereitung für den bewaffneten Aufstand, auf die sozialistische Revolution gerichtet.

Zu jener Zeit, als Lenin sich zeitweilig außerhalb der Hauptstadt verborgen halten musste, und die von der bürgerlichen Regierung verfolgte bolschewistische Partei genötigt war, in tiefer Illegalität zu arbeiten, bereitete sich die Bourgeoisie auf die völlige Zerschlagung der entkräfteten Sowjets und die Schaffung einer unverhüllten konterrevolutionären militärischen Diktatur vor.

Zu diesem Zweck schickten sich die Kapitalisten und Gutsbesitzer an, Russland der Macht des zaristischen Generals Kornilow zu unterstellen. Er war ein grausamer Henker. Mit Eisen und Blut beabsichtigte er, sämtliche Eroberungen der Revolution zu vernichten, den Drang des Volkes nach Befreiung zu unterdrücken und die frühere unbeschränkte Macht der Gutsbesitzer und Kapitalisten und die zaristische Ordnung wiederherzustellen.

Um ihren Sieg zu sichern, traten die Konterrevolutionäre in Verhandlung mit den Deutschen ein, die zu jener Zeit tief in russisches Gebiet eingedrungen waren. Die Kornilow-Anhänger hatten die Front in einer Reihe von Abschnitten entblößt. Sie hatten den Deutschen Riga überlassen und waren bereit, die Hauptstadt Russlands, Petrograd, zu übergeben, wenn die Deutschen ihnen bei der Abrechnung mit dem Volke, mit den revolutionären russischen Arbeitern, mit den Bolschewiki, behilflich wären.

Ende August 1917 machte General Kornilow, der die ihm am meisten ergebenen konterrevolutionären Truppen zusammengezogen hatte, einen Putsch und begann den Angriff gegen Petrograd. Das Oberhaupt der Regierung, Kerenskij, hatte von dem bevorstehenden Angriff Kornilows Kenntnis.

Die Bolschewiki riefen unverzüglich die Arbeiter und Soldaten zum aktiven bewaffneten Widerstand gegen die Konterrevolution auf. Die einzige Macht im Lande, die fähig war, die Vernichtung der Heerhaufen Kornilows zu organisieren, war die bolschewistische Partei. Sie führte die werktätigen Massen zum Kampf gegen die Verschwörer. Tausende von Arbeitern Petrograds reihten sich in die Rote Garde ein. Zu ihrer militärischen Ausbildung zogen die Bolschewiki Hunderte von Instrukteuren hinzu.

Die in den Fabriken zurückgebliebenen Proletarier, die volle 24 Stunden arbeiteten, fertigten für die Rotgardisten Kanonen und andere Waffen an. Eine gewaltige Hilfe leisteten die Eisenbahner. Sie rissen die Gleise auf und leiteten die Züge mit Kornilowtruppen auf tote Gleise. Den Bolschewiki gelang es, unter den Truppen Kornilows Aufklärungsarbeit zu leisten, viele seiner Soldaten gingen auf die Seite der Arbeiter über. Der Kornilowputsch scheiterte.

Die Zerschlagung des Kornilowputsches ist ein großes Verdienst der bolschewistischen Partei vor dem Vaterland und dem Volk. Ohne die Bolschewiki wäre Russland wieder in die Klauen der zaristischen Henker, in die Fesseln einer grausamen Tyrannei geraten.

Die Zerschmetterung der Kornilowschen Verschwörung wandte die Gefahr, die über Petrograd schwebte, ab. Die Hauptstadt Russlands wurde den Deutschen nicht übergeben.

In Petrograd, dem revolutionären Zentrum des Landes, bereiteten die Bolschewiki unter der Führung Lenins und Stalins den bewaffneten Aufstand vor. Während seines Aufenthaltes außerhalb Petrograds (von Juli bis Anfang Oktober 1917) schrieb er viele Artikel, Broschüren und Briefe, in denen er den Bolschewiki und dem ganzen Volk den Sinn und das Wesen der sich abspielenden Ereignisse erläuterte, ihnen Richtlinien gab und ihnen die Wege des weiteren Kampfes für die sozialistische Revolution wies.

Entnommen aus „Das Sowjetland“, Band 2 von 1947, Original-Autor B.M. Wolin, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 2 aus dem Jahre 1947

Die Rückkehr W.I. Lenins nach Russland

Bald nach der Februarrevolution kehrte J.W. Stalin aus der sibirischen Verbannung nach Petrograd zurück. Lenin befand sich noch im Ausland in der Schweiz. Die Bolschewiki erwarteten mit Ungeduld seine Rückkehr nach Russland. Die englischen Imperialisten machten zusammen mit der Provisorischen Regierung alle Anstrengungen, um di Rückkehr Lenins in das revolutionäre Russland zu verhindern. Nach langen Strapazen gelang es Wladimir Iljitsch, in das Heimatland zurückzukehren. In der Nacht des 03.(16.) April traf er in Petrograd ein.

Das Volk begrüßte seinen geliebten Lenin mit Begeisterung. Auf dem Platz vor dem Finnländischen Bahnhof hatten sich viele Tausende von Arbeitern, Arbeiterinnen, Soldaten, Matrosen und Rotgardisten versammelt. Ein donnerndes Hurra ertönte. Lenin wurde auf Händen in das Bahnhofsgebäude getragen.

Die Rückkehr W.I. Lenins nach Russland am 03. April 1917
Bild entnommen aus „Das Sowjetland“, Band 2, von 1947

Auf dem Platz vor dem Bahnhof hielt Lenin von einem Panzerauto aus eine flammende Rede, in der er das revolutionäre Russland zum Kampf für die Sozialistische Revolution aufrief. „Es lebe die sozialistische Revolution!“  verkündete Wladimir Iljitsch. Das war Lenins erste Rede vor dem Volk in Petrograd nach langen Jahren des Exils.

Ein Teilnehmer an der Begrüßung Lenins, W.M. Molotow, erzählt: „Von der Zeit an, da Lenin in seiner ersten Rede, die er im revolutionären Russland hielt, die Losung der Sozialistischen Revolution verkündet hatte, war diese Losung gleichsam für unsere Partei zur Erde herabgestiegen.“

Die von dem Panzerauto aus wiederholten kurzen Reden von Wladimir Iljitsch mit den Aufrufen zur Sozialistischen Revolution warfen ein blendend helles Licht auf die Grundaufgaben der bolschewistischen Partei. „Insbesondere“, schrieb W.M. Molotow, „haben wir, die Augenzeugen dieser ungewöhnlichen, gleichsam prophetischen Begegnung mit Iljitsch zu Beginn der Revolution, diesen Moment im Gedächtnis bewahrt. Wir waren sofort gleichsam beflügelt, fühlten einen ungewöhnlichen Ausbruch von revolutionärer Energie und revolutionärem Glauben. Die Kampfaufrufe Lenins wurden von den grenzenlos revolutionären Petrograder Arbeitern mit einer ebenso großen stürmischen Freude begrüßt!“

Das Panzerauto mit Iljitsch bewegte sich über die von Scheinwerfern beleuchteten Straßen Petrograds, umgeben von einer begeisterten, viele Tausende zählenden Volksmenge. An jeder Kreuzung hielt das Panzerauto, und Lenin wandte sich mit Begrüßungsworten und Aufrufen zum revolutionären Kampf für Frieden, Brot, Freiheit, Sozialismus an die revolutionären Massen.

Am Tage seiner Ankunft hielt Lenin in einer Versammlung der Bolschewiki ein Referat über Krieg und Revolution. Die Grundgedanken seines Referates hat er in einem Dokument niedergelegt, dass in der Geschichte der bolschewistischen Partei unter der Bezeichnung „Die Aprilthesen“ bekannt ist.

„Die Eigenart der gegenwärtigen Lage in Russland“, hieß es in den Thesen, „besteht im Übergang von der ersten Etappe der Revolution, die infolge ungenügenden Klassenbewusstseins und der ungenügenden Organisiertheit des Proletariats der Bourgeoisie die Macht gab, zur zweiten Etappe der Revolution, die die Macht in die Hände es Proletariats und der ärmsten Schichten der Bauernschaft legen muss.“

Die „Aprilthesen“ Lenins waren der geniale Kampfplan für den Übergang von der ersten Etappe der Revolution zu ihrer zweiten Etappe, von der bürgerlich-demokratischen zur sozialistischen Revolution.

Worin bestand dieser Plan? Er bestand darin, durch unermüdliche Aufklärungsarbeit die Mehrzahl der Arbeiter und Soldaten auf die Seite der Bolschewiki zu ziehen, die Mehrheit in den Sowjets zu gewinnen, die Politik der Sowjets zu ändern, durch die Sowjets aber die Zusammensetzung und die Politik der Regierung zu ändern. Somit hatte Lenin sich im April 1917 auf eine friedliche Entwicklung der Revolution eingestellt. Er hatte das Ziel aufgestellt, die Alleinherrschaft der Sowjets zu erreichen und eine neue Form der staatlichen Macht- die Republik der Sowjets- zu schaffen. Die Aufgabe bestand darin, die Bedingungen für den Sieg des Sozialismus im Lande zu schaffen.

In Durchführung der Anweisungen Lenins entfalteten die Bolschewiki eine gewaltige Arbeit zur Eroberung der Massen, zu ihrer politischen Erziehung und ihrer Organisation.

Inzwischen entlarvte sich die Provisorische Regierung durch ihre Taten immer mehr vor den breiten Massen als eine volksfeindlich bürgerliche Regierung. Am 18. April versprach die Provisorische Regierung in einer Spezialnote den Verbündeten, die Verträge, die von dem Zaren unterschrieben worden waren, streng einzuhalten. Dies bedeutete, dass der gegen die Interessen des Volkes gerichtete, ungerechte Krieg, der seit dem August 1914 wütete, gegen den Willen des Volkes auch künftig fortgesetzt werden sollte. Zehntausende von Arbeitern und Soldaten gingen auf die Straßen Petrograds und protestierten energisch gegen die imperialistische Politik der Provisorischen Regierung.

Unter dem Druck der Massen wurden aus der Provisorischen Regierung am 02. Mai die eifrigsten Verfechter dieser imperialistischen Politik, der Minister des Äußeren Miljukow und der Kriegsminister Gutschkow, ausgeschieden. In die Regierung traten die Vertreter der Menschewiki und der Sozialrevolutionäre ein; es wurde eine Koalitionsregierung gebildet. Aber die Politik auch dieser Regierung war selbstverständlich die gleiche wie früher: der Krieg wurde fortgesetzt, die Fabriken und Werke bleiben in den Händen der Gutsbesitzer.

Mit jedem Tag überzeugten sich die breiten Volksmassen immer mehr davon, dass die Bolschewiki recht hatten. Der bolschewistische Einfluss stieg stetig. Ein alter Arbeiter des Pulitow-Werkes, der sich an eine der Reden Lenins in jenen Tagen erinnerte, schrieb: „Das, was Iljitsch sagte, packte und feuerte an. Die Furcht verging, die Müdigkeit schwand, und es schien, als ob nicht Iljitsch allein, sondern als ob sämtliche 40 000 Arbeiter ihre innersten Gedanken zum Ausdruck brächten. Es schien, als ob alles das, was im Arbeiter lag, durch Iljitschs Stimme ausgesprochen würde.“  Darin lag aber auch die Kraft der Bolschewiki, dass sie die Interessen der Werktätigen richtig verstanden und, von Lenin und Stalin geführt, beharrlich, opferwillig für die Volkssache, für die Übergabe der Macht in die Hände der Sowjets kämpften.

Am 03. Juni versammelte sich der I. Allrussische Sowjetkongress. Die Bolschewiki waren in ihm noch in der Minderheit. Aber beträchtliche Volksmassen, besonders in der Hauptstadt, gingen bereits zur bolschewistischen Partei über. Am 18. Juni fand in Petrograd eine Demonstration statt, die unter den bolschewistischen Losungen: „Nieder mit dem Krieg!“, „Nieder mit den zehn kapitalistischen Ministern!“, „Alle Macht den Sowjets!“ durchgeführt wurde. Jedoch rechnete die Provisorische Regierung, die die Unterstützung der Paktierermehrheit des I. Sowjetkongresses erhalten hatte, nicht mit der Stimmung der Massen. Gerade am Tag der Demonstration trieb die Regierung, die den Willen der englisch-französischen Imperialisten erfüllte, die Soldaten an der Front zum Angriff. Dieser Angriff war von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil die Soldaten erschöpft waren, die Ziele des Angriffs nicht kannten, ihn ablehnten und auch kein Zutrauen zu den Offizieren hatten. Dazu litt die Armee noch an einem ernsthaften Mangel an Bewaffnung. Der schlecht vorbereitete Angriff scheiterte. Die Empörung der Arbeiter kannte keine Grenzen.

Am 03. Juli fanden in Petrograd neue Demonstrationen statt. Die Arbeiter und Soldaten gingen mit der Waffe in der Hand auf die Straßen der Hauptstadt und verlangten die Übergabe der gesamten Macht an die Sowjets. Die bolschewistische Partei, die die allgemeine Lage richtig einschätzte, hielt das bewaffnete Vorgehen gegen die Regierung für verfrüht. Als aber klar wurde, dass die Massen von der Demonstration nicht zurückzuhalten waren, entschlossen sich die Bolschewiki, gemeinsam mit dem revolutionären Volke an der Demonstration teilzunehmen, um ihr einen friedlichen und organisierten Charakter zu verleihen und die revolutionären Kräfte vor einer Zerschlagung zu bewahren.

Jedoch ließ die Provisorische Regierung die Gelegenheit, sich mit dem Volke auseinanderzusetzen, nicht vorrübergehen. Sie warf den Demonstranten konterrevolutionär gesinnte Truppenteile von Offizieren und Offiziersschülern entgegen. Die Demonstration wurde zersprengt. Die Straßen Petrograds röteten sich von dem Blut der Arbeiter und Soldaten. Diese blutige Abrechnung erfolgte mit stillschweigendem Einverständnis der Menschewiki und der Sozialrevolutionäre im Bunde mit der Bourgeoisie und den weißgradistischen Generälen auf die bolschewistische Partei.

Die bürgerlichen und monarchistischen Militärs zerstörten die bolschewistischen Organisationen und verhafteten die bolschewistischen Funktionäre. Zu gleicher Zeit wurden auch die Redaktionsräume der bolschewistischen Zeitung „Prawda“ demoliert. Man begann di revolutionären Soldaten und Abteilungen der Roten Garde zu entwaffnen.

Die Provisorische Regierung gab den Befehl, Lenin zu verhaften.

Verhaftungen und Pogrome fanden nicht nur in Petrograd statt; in Moskau und in anderen Städten, an der Front und im Hinterland wütete die Konterrevolution. Die Menschewiki und Sozialrevolutionäre machten mit der Konterrevolution gemeinsame Sache.

Mit Hilfe der Paktiererparteien begann die Provisorische Regierung, alle demokratischen Rechte, die vom Volke in den ersten Monaten der Revolution errungen worden waren, zu liquidieren. Es erfolgte eine grausame Abrechnung mit den Arbeitern. An der Front wüteten die Militärfeldgerichte und verhängten Todesstrafen. Auf dem Land waren, wie unter dem Zarismus, Strafabteilungen am Werk, die gegen die Bauern geschickt wurden, welche die Gutsbesitzer aus ihren Adelsnestern ausräucherten.

Die Sowjets aber, an deren Spitze immer noch die Sozialrevolutionäre und Menschewiki standen, verwandelten sich in ein Anhängsel der Provisorischen Regierung, die alle Macht an sich gerissen hatte.

Die Doppelherrschaft war zu Ende. Und sie endete zugunsten der Bourgeoisie. Der Feind hatte die Maske abgeworfen. Der Kampf nahm einen verbissenen und entscheidenden Charakter an. Die friedliche Periode der Revolution war zu Ende. Die Partei der Bolschewiki war genötigt, zur Illegalität überzugehen.

Entnommen aus „Das Sowjetland“, Band 2 aus dem Jahre 1947, bearbeitet von Petra Reichel, Original-Autor B.M. Wolin

Original-Text aus dem Buch „Das Sowjetland“, Band 2 (1947)