Wikipedia

Logo WikipediaGastbeitrag von Dernier Cri

 

 

Dernier Cri, ein Freund von Google+ hat einen „Junge Welt“-Artikel zu Wikipedia geteilt. Da DIE TROMMLER oft auf Wikipedia zurückgreift und umarbeitet, ist dieser Artikel als Erklärung sehr hilfreich.

 

Zitat: „Rotlicht“: Wikipedia

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Von Sebastian Carlens

Hier hat die digitale Revolution brutal zugeschlagen: Galt vor einigen Jahren noch der 24bändige »Brockhaus« oder gar die »Encyclopædia Britannica« als letzter Ausweis bildungsbürgerlicher Expertise, haben diese Konvolute heute gerade noch Trödlerwert. Dasselbe Schicksal ereilte die bereits multimediale Enzyklopädie »Encarta« von Microsoft. Sie wurde auf CD verkauft, heute gibt es sie nicht mehr.

Symbolbild Wikipedia

Durchgesetzt hat sich ein ganz anderes Modell: die Wikipedia. Das Kunstwort setzt sich aus dem hawaiianischen Begriff für »schnell« und, klar, der »Enzyklopädie«, dem umfassenden Nachschlagewerk, zusammen. Die Idee dahinter ist sogar älter als das Internet: Die miteinander verknüpften Inhalte sollen durch alle Anwender nicht nur les-, sondern auch veränderbar sein. Das »Wiki« protokolliert dies, die Originalzustände gehen also nie verloren. Das entspricht ziemlich genau den ersten, recht technik­optimistischen Entwürfen, die sich mit einem weltweiten Datennetz beschäftigten, noch bevor die technischen Bedingungen dafür wirklich reif waren. Mit dem »World Wide Web« sollte sich das ändern. Mittlerweile hat, zumindest in den Industrieländern, die Mehrheit der Menschen Zugang zum »Netz«.

Gratis soll alles Wissen allen zugänglich werden; mitarbeiten können soll jeder: eine demokratische Idee, die gut zur sich wandelnden »IT-Gesellschaft« passt. Mit dem Siegeszug der Wiki-Technologie sollte der Beweis erbracht sein, dass kollektive Intelligenz der individuellen überlegen ist. Und dass das Preisschild nichts über die Qualität aussagt. Oder?

Weder Internet noch Wikipedia existieren im luftleeren Raum. Und so nimmt es nicht wunder, dass die – zu einer Art lexikalischem Monopol gewordene – Wikipedia im Zentrum des wirtschaftlichen und politischen Interesses steht. Sucht der Mensch im Internet, wird der entsprechende Wikipedia-Eintrag stets unter den ersten Treffern sein. Wird für eine Hausarbeit recherchiert: Wikipedia ist längst Standardquelle. Über zwei Millionen deutschsprachige Artikel verzeichnet das Onlinelexikon im Mai 2017. Erstellt und bearbeitet von mehr als 2,6 Millionen Nutzern.

Und von PR-Abteilungen. Denn für eine Firma ist der Eintrag mittlerweile beinahe so wichtig wie alle anderen Werbemaßnahmen zusammen. Die Reichweite ist enorm, das Vertrauen in die Seriosität der Artikel hoch. Nicht nur das »Frisieren« der eigenen Angaben, auch das Schlechtreden der Konkurrenz ist ein Problem: Sich aneinander abarbeitende PR-Abteilungen haben schon monatelange Editier-Kriege ausgefochten.

Darauf hat das Lexikon, das der Wikimedia-Stiftung aus den USA gehört, reagiert, immerhin versteht es sich als nichtkommerziell. Moderatoren verfügen über erhebliche Macht. Und auch das Grundprinzip, nämlich die Veränderbarkeit aller Inhalte durch jedermann, wird nicht mehr konsequent eingehalten. Wenn es spannend wird, können Artikel blockiert werden. Dann entscheiden: Moderatoren.

Eine solche Aufsicht kann sinnvoll sein – eine falsche Formel in einer physikalischen Abhandlung wird nicht durch Abstimmung richtig, dafür gibt es objektive Kriterien. Doch sobald das Feld der Naturwissenschaften verlassen ist, es also um die ideengeschichtliche Einordnung geht, greift das bemühte Konzept der Objektivität nicht mehr. Ob die russische Oktoberrevolution ein fortschrittliches Ereignis war, beurteilen große Teile der Menschheit beispielsweise sehr unterschiedlich.

Hier gilt das als neutral, was der Staat bestimmt. Das Geschichtsbild bei Wikipedia unterscheidet sich nicht vom bürgerlichen Weltbild, und starke Interessengruppen innerhalb der Moderatorenschaft sorgen für Einhaltung der Lehrmeinung, z. B. der sogenannten Extremismusdoktrin, die links und rechts gleichzusetzen versucht. Die letztlich privatwirtschaftlich organisierte Wikipedia bietet darauf keine demokratischen Reaktionsmöglichkeiten.“

Ausgabe vom 17.05.2017, Seite 14 / Feuilleton

Quelle: https://www.jungewelt.de/artikel/310862.rotlicht-wikipedia.html


 

Anmerkung: Kurz ausgedrückt: Man kann dem bürgerlichen Medium Wikipedia zu großen Teilen auch auf dem Gebiet der Naturwissenschaft vertrauen. Sobald jedoch weltanschauliche und geschichtliche Aspekte berührt werden, sollte man beachten, dass hier die Bourgeoisie ausschließlich ihre Interessen wahrt bzw. lügt wie gedruckt. Vernunft und Verstand sollten beim Konsum dieses Lexikons stets aktiviert bleiben.

Der Frühkapitalismus in Deutschland:

Um 1500 zeigten sich in Deutschland Frühformen des Kapitalismus. Typisch waren technische Erfindungen und neue Formen in Handle und Gewerbe, besonders das Verlagssystem. Riesige Kapitalien in Gestalt von Handels- und Wucherkapital entstanden. Diese Veränderungen bildeten die Grundlage für die allmähliche Entstehung der Klasse der Kapitalisten und die Klasse der Lohnarbeiter.

Die frühkapitalistische Entwicklung stand im Widerspruch zum Feudalismus mit seiner Zersplitterung, seiner feudalen Ausbeutung und seinen Zunftschranken. Die Papstkirche verfeindete sich als größter Feudalherr immer mehr mit allen Klassen und Schichten. Gegen sie musste der erste Schlag geführt werden, wenn in Deutschland die gesellschaftlichen Verhältnisse verändert werden sollten.

Übersicht der Unterthemen:

 

 

 

 

 

 

Der Frühkapitalismus in Deutschland: Der Vorabend der Revolution

Ende des 15. Und zu Beginn des 16. Jahrhunderts vollzogen sich Veränderungen, welche die Macht der Kirche und der Feudalherren erschütterten.

Die Ursachen dafür sind im schweren Leben der Bauern im Spätmittelalter(15. Jahrhundert) und in der Lage der Bevölkerung in den Städten zu finden

 

Das Entstehen einer revolutionären Bewegung

Die Handwerker und Kaufleute kämpften um Mitbestimmung in der Stadt, unterstützt durch die Stadtarmut. Die Lohnarbeiter in den Bergwerken streikten, um höhere Löhne zu erhalten. Am Anfang der revolutionären Bewegung stand die Bauernerhebung von 1476. Wie es nach mittelalterlichem Brauch üblich war, wurde auch 1476 am Sonntag nach dem 24. März auf Volksfesten der Winter ausgetrieben. An diesem Sonntag predigte der Hirte und Musikant Hans Böheim neben der Kirche von Niklashausen. Prediger wir Hans Böheim, auch Pfeiferhänslein genannt, traten vor dem Volk auf. Da war nicht ungewöhnlich. Doch neu waren die Ideen, die Hans Böheim verbreitete: Er predigte vom Horn Gottes gegen die Priester, verkündete, dass es bald weder Papst noch Kaiser geben solle. Abgaben, Frondienste und Zinsen sollten abgeschafft werden. Wald, Wasser und Weide frei sein. Es werde dazu kommen, „dass die Fürsten und Herrn noch umb einen Taglone mussen arbeiten“. Hans Böheim stellte in dem ersten überlieferten Aufstandsprogramm Forderungen auf, die 50 Jahre später im Bauernkrieg wiederzufinden sind.

Predigt des Pfeifers

Predigt des Pfeifers

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Der Bundschuh – eine mächtige Bauernverschwörung

Im Jahre 1493 entstand die erste Verschwörung unter dem Zeichen des Bundschuhs.

Bauern mit Bundschuhfahne

Bauern mit Bundschuhfahne

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Der Bundschuh war die Fußbekleidung des armen Mannes, ein grober Schuh aus Rindsleder, dessen Schaft bis an die Wade reichte. Er wurde mit langen Riemen kreuzweise gebunden. Jacob Hanser gründete die Bundschuhbewegung im Elsaß. Die Mitglieder des Geheimbundes wollten die Wucherer vertreiben, die Gerichte abschaffen, die Klöster beseitigen und die verschiedenen Steuern, Zölle und Abgaben einschränken. Die Mitglieder des Bundschuhs kamen nachts zusammen und berieten über ein gemeinsames Vorgehen gegen die Herren. Sie wollten Schlettstadt erobern und dann von hier aus die Bevölkerung zu den Waffen rufen. Das Geheimnis wurde verraten. Die Feudalherren ließen die Verschwörer verhaften. Der Bundschuh wurde unterdrückt.

Eine neue Bundschuhbewegung wurde 1502 unter Joß Fritz organisiert. Er war ein junger leibeigener Bauer aus Untergrombach bei Bruchsal. Hier in Süddeutschland hatten die Feudalherren die Abgaben erhöht. Die Bauern durften Wald und Weide nicht mehr uneingeschränkt nutzen. Eine langanhaltende Teuerung zog Hungersnot und Seuchen nach sich.

So scharten sich die Bauern und zahlreiche Landsknechte um Joß Fritz. Auf seiner Blau-weißen Fahne stand die Losung „Nichts denn die Gerechtigkeit Gottes“. Er gab der gesamten Bewegung ein revolutionäres Programm, das auf die Beseitigung der bestehenden Gesellschaftsordnung gerichtet war.

Aufstandsgebiete

Aufstandsgebiete

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Der Bundschuh wollte zu Ostern 1502 losschlagen. Es war beabsichtigt Schloss Obergrombach und die Stadt Bruchsal zu erobern und von dort aus einen großen Aufstand zu beginnen. Doch ein Landsknecht hatte den Plan in der Beichte dem Priester mitgeteilt, der ihn einem Feudalherrn verriet(Der Priester hat das Beichtgeheimnis nicht eingehalten. Eigentlich eine große Sünde. In diesem Fall interessierte das niemanden, denn es ging ja um den Erhalt der Macht der Feudalherren.). Die Feudalherren ließen 100 Mann verhaften, zehn davon wurden hingerichtet. Doch Joß Fritz entkam.

1513 stand Joß Fritz an der Spitze eines neuen Bundschuhs in Lehen bei Freiburg im Breisgau. Sein Kampf richtete sich jetzt nicht nur gegen die Pfaffen, sondern auch gegen den Adel. Außerdem war er zur Erkenntnis gelangt, dass sich die Bauern mit den Handwerkern und dem armen Volk der Städte verbinden müssen. Diese Verschwörung und auch die 1517 am Oberrhein vorbereitete wurden vor dem geplanten Aufstand entdeckt. Zur gleichen Zeit begannen Unruhen unter der städtischen Bevölkerung, z.B. in Würzburg. Es erhob sich 1514 die württembergische Bevölkerung im Aufstand des „Armen Konrad“. Doch dieser Aufstand wurde von den Feudalherren niedergeschlagen.

Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts waren breite Schichten des deutschen Volkes in Bewegung geraten. Die Entwicklung drängte auf eine grundlegende Umwälzung der Verhältnisse in Stadt und Land, auf eine Revolution hin. Die Volksmassen wollten nicht mehr in Not und Elend leben. Damit begann eine neue Phase von Klassenkämpfen in Deutschland.

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Vorabend Revolution

Buchtitel Geschichte DDR 6. Klasse

Der Frühkapitalismus in Deutschland: Die Behinderung des Frühkapitalismus durch feudale Einrichtungen

Der Beginn des Frühkapitalismus um 1500 bedeutete eine Weiterentwicklung der Gesellschaft. Aber die Zünfte in den Städten, die feudale Abhängigkeit der Bauern und die Zersplitterung Deutschlands hemmten den Fortschritt.

Die Zünfte der Handwerker

Die Handwerker mussten sich an die Vorschriften der Zunft halten. Solange sie an die Zunftordnung gebunden waren, konnten sie nicht frei wirtschaften. Die Produktion der Waren war begrenzt. Sie konnten nicht Unternehmer werden, aber auch nicht Lohnarbeiter, weil sie in Notfällen von der Zunft unterstützt wurden. Verlag und Manufaktur zeigten den Weg, wie die Produktion gesteigert werden konnte. Die Zünfte mussten überwunden werden. Im 16. Jahrhundert begann dieser Prozess. Viele Zunftmitglieder gerieten in die Abhängigkeit des Handels- und Wucherkapitals.

 

Die feudale Abhängigkeit der Bauern

Ähnlich, wie die Zünfte in der Stadt, behinderte die feudale Abhängigkeit der Bauern die Entwicklung auf dem Lande. Der Feudalbauer durfte das Land nicht ohne Erlaubnis des Feudalherren verlassen. Er konnte also nicht Bergmann oder Tuchweber werden. Er konnte nicht aus dem Dorf wegziehen, um ein neues Leben zu beginnen. So wurden zum Beispiel in der Mark Brandenburg 1518 die Bauern gesetzlich verpflichtet, einen Ersatzmann zu stellen, wenn sie das Dorf verlassen wollten. Der Adel erhielt das Recht, entlaufene Bauern zurückzufordern. Ähnlich war es in Preußen. Schließlich durften sogar die Söhne oder Töchter der Bauern keine andere Arbeit aufnehmen, wenn es der Feudalherr nicht erlaubte. Die Manufakturen aber benötigten immer mehr Arbeiter. Daher musste die Leibeigenschaft beseitigt werden.

Dürer Drei Bauern im Gespräch

Bauern im Gespräch

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Die feudale Zersplitterung Deutschlands schwächte das Reich immer mehr. Dies behinderte den Handel und die Wirtschaft. Die Fürsten und anderen Feudalherren, weltliche, wie geistliche, waren nach wie vor am Ausbau der Macht in ihren Gebieten interessiert. Dazu benutzten sie ihre Feudalrechte.

Der größte Teil des Grund und Bodens gehörte ihnen. Aus dem Bergbau musste ihnen bis zu 25 Prozent des Gewinns abgegeben werden. Nur die Feudalherren durften Münzen prägen lassen. Die Besitzer der Silbergruben mussten ihnen Silber zum festgelegten Preis verkaufen. Außerdem borgten sich die Feudalherren von den reichen Bürgern Geld und zahlten es nur langsam zurück. Durch ihre Kriege und Prunksucht verschleuderten sie Geld in Massen, das in der Wirtschaft nutzbringender angelegt worden wäre. Das Streben der Feudalherren, ihre Partikulargewalt mit allen Mitteln weiter auszubauen und die staatliche Zersplitterung Deutschlands aufrecht zu erhalten, behinderte die Entwicklung des Kapitalismus.

 

Die Papstkirche als Hauptfeind

Die stärkste Stütze des Feudalismus und der größte Feudalherr war die römische Papstkirche, die katholische Kirche. Ihre Bischöfe und Äbte beuteten die Bauern stark aus. Besonders drückend war der Kirchenzehnt. Gegen sie traten nahezu alle Klassen und Schichten auf. Die Macht der Kirche, die alle feudalen Einrichtungen zu erhalten suchte, behinderte daher den weiteren Fortschritt besonders.

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, bearbeitet von Petra Reichel

Behinderung des Frühkapitalismus

Buchtitel Geschichte DDR 6. Klasse

 

Die Fuggerei

Die Fugger werden in der offiziellen Geschichtsschreibung und der heutigen, bzw. kapitalistischen Propaganda als „gute Menschen“, als „gute Kapitalisten“ hingestellt. Man denkt als Erstes an die Fuggerei. Das ist die erste Sozialsiedlung der Welt. Kapitalisten handeln nicht uneigennützig und verschenken nichts. Mit Stiftungen und sozialen Wohltaten polieren sie ihr Image auf. Außerdem basieren diese Wohltaten auf der Weitsicht der jeweiligen Kapitalisten, bzw. deren Beauftragten. Denn zufriedene Arbeiter und arme Menschen begehren nicht auf und wünschen keine andere Gesellschaftsordnung. Später war es meist mit dieser Weitsicht nicht weit her. Erst recht nicht heute, wo das kapitalistische System weltweit gesiegt hat(von einzelnen Ausnahmen abgesehen).

Die Fuggerei wurde am 23. August 1521 von Jakob Fugger als Wohnsiedlung für bedürftige Augsburger Bürger gestiftet. Im Stiftungsbrief wurde festgelegt:

„Namlich so sollen soliche hewser Fromen Armen taglönern und handtwerckern und burgern und inwonern dieser stadt Augsburg, die es notturftig sein und am besten angelegt ist, umb gottes willen gelichen und darin weder schankung muet und gab nit angesehen …“

Erbaut wurde die Anlage zwischen 1516 und 1523 unter Federführung des Baumeisters Thomas Krebs. Damals entstanden 52 Wohnungen um die ersten sechs Gassen. Die nach weitestgehend standardisierten Grundrissen erstellten Wohnungen in den durchwegs zweigeschossigen Häusern waren für die Verhältnisse der Entstehungszeit großzügig geplant. Geradezu modern war die Konzeption der Fuggerei als Hilfe zur Selbsthilfe. Die Sozialsiedlung war für von Armut bedrohte Handwerker und Taglöhner gedacht, die aus eigener Kraft, zum Beispiel wegen einer Krankheit, keinen eigenen Haushalt führen konnten. Sie konnten innerhalb und außerhalb der Fuggerei ihrem Broterwerb nachgehen und sollten im Fall der wirtschaftlichen Erholung wieder ausziehen. Den Bewohnern der Fuggerei blieb eine für die damalige Zeit geradezu luxuriöse Privatheit erhalten.

ein Raum des Fuggereimuseums

Raum des Fuggereimuseums(2006 neu gestaltet)

Bildquelle: Von Wolfgang B. Kleiner / context medien und verlag Augsburg – context medien und verlag Augsburg, CC BY-SA 3.0,  Bild ist entsprechend verlinkt

 

Die Fuggerei beherbergte bis ins 20. Jahrhundert vor allem Familien mit oft mehreren Kindern. In die Sozialsiedlung durften nur „würdige Arme“ einziehen. Bettler wurden nach dem Willen des Stifters nicht aufgenommen.

Ihren Namen erhielt die „Fuckerey“ schon 1531. Der erste Fuggerei-Geistliche war der 1925 heiliggesprochene Jesuit Petrus Canisius. 1581/82 errichtete der Baumeister Hans Holl in der Siedlung die von Markus und Philipp Eduard Fugger gestiftete Kirche St. Markus. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Fuggerei von den Schweden bis 1642 weitgehend zerstört. Von 1681 bis zu seinem Tod 1694 lebte Franz Mozart, der Urgroßvater des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart, in der Fuggerei.

Erweiterungen der Fuggerei erfolgten in den Jahren 1880 und 1938. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Siedlung bei einem britischen Fliegerangriff in der Augsburger Bombennacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 bei zwei Luftangriffen der Royal Air Force auf Augsburg zu etwa zwei Dritteln zerstört. Bereits am 1. März 1944 beschloss das Fürstlich und Gräflich Fuggersche Familienseniorat schriftlich den Wiederaufbau der Fuggerei.

Ab 1945 wurde die Sozialsiedlung mit Mitteln aus der Stiftung nach den Plänen von Raimund von Doblhoff nach historischem Vorbild wieder aufgebaut, sodass bereits 1947 die ersten Gebäude wieder bezogen werden konnten. In den 1950er Jahren war der Wiederaufbau abgeschlossen. Bis 1973 wurde die Fuggerei auf hinzu erworbenen angrenzenden Trümmergrundstücken um etwa ein Drittel auf heute 67 Häuser mit 140 Wohnungen erweitert.

Markuskirche und Herrengasse

Markuskirche und Herrengasse

Bildquelle: Von Martin Kluger / context medien und verlag Augsburg – context medien und verlag Augsburg, CC BY 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Die Fuggerei heute

Die meisten Wohnungen in der Fuggerei sind jeweils etwa 60 Quadratmeter groß und haben jeweils einen eigenen Eingang. Die im Erdgeschoss liegenden Wohnungen verfügen fast alle über einen Garten, die im Obergeschoss über einen Speicher. Die Wohnungen sind an das Fernwärmenetz der Stadt Augsburg angeschlossen. Die mechanischen Türglocken, die per Zug betätigt werden, sind auch im Zeitalter der Elektrik durchwegs erhalten und funktionieren wie vor bald 500 Jahren. Die Gehänge und Handgriffe der alten Glocken unterscheiden sich, angeblich, um in der dunklen Fuggerei (es gab noch kein Licht) Verwechslungen zu vermeiden. Die Aufnahmebedingungen sind immer noch dieselben wie zur Zeit der Gründung: Wer in der Fuggerei wohnen will, muss Augsburger, katholisch und gut beleumundet sein. Die Jahres(kalt)miete für eine Wohnung in der Fuggerei beträgt bis heute den nominellen, inflationsunbeachteten Wert eines Rheinischen Gulden(umgerechnet 0,88 Euro). Die Nebenkosten tragen die Mieter (85,– Euro seit 1. Juli 2013).

Die 2007 eingerichtete Sozialwohnung

Die 2007 eingerichtete Sozialwohnung

Bildquelle: Von context medien und verlag Augsburg – context medien und verlag Augsburg, CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Das Ensemble mit acht Gassen und drei Toren ist eine „Stadt in der Stadt“ mit eigener Kirche, „Stadtmauern“ und mehreren „Stadttoren“. Seit dem Jahr 2006 ist für Besucher allerdings nur noch ein Tor geöffnet, das jeden Abend von 22 Uhr bis 5 Uhr vom Nachtwächter geschlossen wird. Fuggereibewohner, die bis 24 Uhr durch das Ochsentor zurückkehren, geben dem Nachtwächter einen Obolus von 0,50 Euro, danach einen Euro. Ab 5 Uhr ist das Haupttor wieder offen. Der Besitz der Fuggereistiftung besteht aus Wäldern und Immobilien und finanziert die Sozialsiedlung bis heute. Als neue wirtschaftliche Einnahmequelle kam ab 2006 der Tourismus hinzu.

Ecke in der Fuggerei

Ecke in der Fuggerei

Bildquelle: Von Lernerfolg at de.wikipedia – Eigenes Werk, Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Verwaltet wird die Fuggerei als eine von neun Fuggerschen Stiftungen durch die Fürstlich und Gräflich Fuggersche Stiftungs-Administration. Stiftungs-Administrator ist Wolf-Dietrich Graf von Hundt. Das Aufsichtsgremium der Verwaltung ist das Fürstlich und Gräflich Fuggersche Familienseniorat. Seit dem Jahr 2004 führt mit Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger erstmals eine Frau den Vorsitz des Familienseniorats. In ihm sind außerdem Albert Graf Fugger von Glött sowie Hubertus Fürst Fugger-Babenhausen und Markus Graf Fugger-Babenhausen vertreten.

 

Tourismus in der Fuggerei

Die Fuggerei ist neben dem Augsburger Rathaus das wohl beliebteste touristische Ziel in der Stadt. Ihr Besuch kostet Eintritt, der zur Erhaltung der Fuggerei verwendet wird. Im Jahr 2006 wurde das Fuggereimuseum erheblich erweitert und neu gestaltet. Es beherbergt auch die letzte im Originalzustand erhaltene Wohnung, die im Stil des 18. Jahrhunderts eingerichtet wurde. Seit dem Jahr 2007 zeigt eine komplett eingerichtete Schauwohnung in der Ochsengasse, wie Fuggereibewohner heute leben. Im Jahr 2008 entstand das Museum im „Weltkriegsbunker in der Fuggerei“. Im erhaltenen Luftschutzbunker von 1943 werden die Entstehungsgeschichte des Bauwerks, die Augsburger Bombennacht vom 25./26. Februar 1944, die Wiederaufbaujahre und die Erweiterung der Fuggerei bis 1973 dokumentiert.

Hauptstraße

Hauptstraße

Bildquelle: Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Brunnen in der Fuggerei

Brunnen in der Fuggerei

Bildquelle: Von Lernerfolg in der Wikipedia auf Deutsch – Übertragen aus de.wikipedia nach Commons durch Akkakk., Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

Im Fuggereimuseum, in der Schauwohnung und im Weltkriegsbunker erklären jeweils Filme die Geschichte der Stiftung und der Stifterfamilie. Mehrere Sehenswürdigkeiten in der Fuggerei – von der Kirche bis zum Wohnhaus Franz Mozarts – sind seit 2006 in den Sprachen Deutsch, Italienisch und Englisch beschildert. Im Jahr 2007 wurde in der Fuggerei das erste und bislang einzige Augsburger Denkmal für den Stifter der Fuggerei, Jakob Fugger den Reichen, aufgestellt.

Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger mit Michail Gorbatschow bei dessen Fuggerei-Besuch 2005

Michael Gorbatschow besucht die Fuggerei

Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger mit Michail Gorbatschow bei dessen Fuggerei-Besuch 2005

 

Bildquelle: Von Martin Kluger / context medien und verlag Augsburg – context medien und verlag Augsburg, CC BY 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Im Jahre 2005 besuchte Michail Gorbatschow die Fuggerei. Wozu? Er hat den Hauptbeitrag dazu geleistet, dass der Teil der Welt untergangen ist, wo es ohne Kapitalisten ging und, jede Wohnung eine Sozialwohnung war, auch wenn die Wohnungssituation in den damaligen sozialistischen Ländern angespannt war.

 

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

Die Fugger

Die Fugger sind ein schwäbisches Kaufmannsgeschlecht, das seit der Einwanderung Hans Fuggers aus Graben im Jahr 1367 in der Freien Reichsstadt Augsburg ansässig war. Die Fugger waren die ersten Kapitalisten. Genauso, wie heute Kapitalisten und deren Beauftragte die Politik beeinflussen, taten dies die Fugger damals.

Eine Linie, die Fugger „von der Lilie“, war in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts außerordentlich mächtig. Der Name Fugger wurde europaweit zu einem Synonym für Reichtum. Mit der Bezeichnung „die Fugger“ sind heute meistens die Fugger von der Lilie gemeint.

Hans Fugger († 1408/09) war Mitglied der Weberzunft und handelte vermutlich schon Ende des 14. Jahrhunderts als „Weber-Verleger“ mit Baumwolle aus Italien. Er war der Vater von Andreas Fugger (1394/95–1457/58), dem Stammvater der Fugger vom Reh, sowie von Jakob Fugger d. Ä. (nach 1398–1469), dem Stammvater der Fugger von der Lilie.

Stammbaum Fugger

Stammbaum der Fugger

Bild entnommen von Wikipedia

 

Fugger von der Lilie

Das Unternehmen der Fugger von der Lilie erlangte unter Jakob Fugger „dem Reichen“ und seinem Neffen Anton Fugger Weltgeltung. Die Mitglieder der Familie stiegen ab 1511 in den Adel auf. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts nahmen sie hohe kirchliche und weltliche Ämter ein.

Wappen der Linie Fugger von der Lilie im Ehrenbuch der Fugger, 1545

Wappen der Fugger von der Lilie im Ehrenbuch der Fugger, 1545

Bildquelle: Von Atelier / Werkstatt von Jörg Breu der Jüngere – http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0004/bsb00042105/images/, Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

 

 

 

Jakob Fugger

 

 

Jakob Fugger

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

 

 

Mehrere Fugger machten sich als Kunstförderer und Stifter einen Namen. Die bekanntesten Stiftungen sind die Fuggerkapelle in der Augsburger Kirche St. Anna und die Fuggerei, heute die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt.

Zweige sind bis heute auf dem Fuggerschloss Babenhausen, auf Schloss Kirchheim und Schloss Oberkirchberg ansässig.

 

Fugger vom Reh

Das Unternehmen der Fugger „vom Reh“ betrieb bereits um die Mitte des 15. Jahrhunderts Handel zwischen den deutschen Hansestädten, Antwerpen und London, Mailand und Venedig, Leipzig und Frankfurt a. d. Oder. Im Jahr 1462 bekamen Lukas Fugger und seine Brüder ihr Wappen mit dem Wappenbild eines springenden Rehs verliehen.

Wappen der Linie Fugger vom Reh im Ehrenbuch der Fugger, 1545

Wappen der Fugger vom Reh im Ehrenbuch der Fugger, 1545

Bildquelle: Von Atelier / Werkstatt von Jörg Breu der Jüngere – http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0004/bsb00042105/images/, Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Für die Zahlungsunfähigkeit der Firma der Fugger „vom Reh“ sorgte letztlich eine einzige Fehlentscheidung: ein ungenügend abgesicherter Kredit an Erzherzog Maximilian I. Für seine Schulden ließ der Habsburger die Stadt Löwen bürgen, bei der die Forderungen der Fugger „vom Reh“ dann jedoch nicht einzutreiben waren. In den letzten Jahren des 15. Jahrhunderts gerieten die Fugger „vom Reh“ deshalb in Zahlungsschwierigkeiten, ihre Firma ging bankrott.

Die Nachfahren erlangten keine überörtliche Bedeutung mehr, erlangten aber in zwei Linien den sogenannten rittermäßigen Adelsstand. Es gibt bis heute Namensträger „Fugger von dem Rech.

 

entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

Der Frühkapitalismus in Deutschland: Neue Formen in Handel und Gewerbe

Um ein Berg- oder Hüttenwerk mit Hunderten von Bergleuten und mit technischen Anlagen oder eine große Buchdruckerei zu betreiben, brauchten die Besitzer sehr viel Geld.

Das Wesen des Verlags

In Augsburg lebte die Familie Fugger. Früher waren sie nur Weber. Nun wurden sie zugleich Kaufleute: Sie kauften Wolle und Flachs, ließen sie von Webern verarbeiten und verkauften die hergestellten Tuche. Das nannte man „verlegen“. Die Fugger wurden Verleger. Diese Form der Produktion hieß Verlag. Die neue Produktionsform brachte den Fuggern großen Gewinn, die sie bezahlten den Webern nur das Notwendigste. Die Weber verloren ihre Unabhängigkeit.

Jakob Fugger

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Solche Verleger gab es zum Beispiel auch in Görlitz und in Zwickau. Die reiche Verlegerfamilie in Zwickau hieß Römer; sie waren die „Fugger in Sachsen“(Römerhaus in Zwickau). Überall in Europa zeigte sich eine ähnliche Entwicklung.

Schaubild Abhängigkeit Verlag

Schaubild: Abhängigkeit vom Verlag

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Die Fugger sowie andere Verleger wollten aber noch mehr. Sie organisierten die Produktion der Weber neu: Nicht mehr einzelne Weber wurden von ihnen verlegt, sondern Großwerkstätten(Meistereien) eingerichtet, in denen die Weber zusammenarbeiteten. Das hatte einen großen Vorteil: die Weber spezialisierten sich. Jeder führte einzelne Handgriffe aus: Die einen webten nur bestimmte Tucharten, die anderen sortierten oder reinigten die Rohstoffe oder machten die Ware versandfertig. Das Ergebnis: Die Fugger wurden noch reicher, die Weber waren aber Lohnarbeiter geworden und besaßen keine eigene Werkstatt mehr.

Diese mit dem Verlag verbundene Produktionsform waren die Anfänge der Manufaktur. Eine ähnliche Entwicklung gab es auch im Metallgewerbe und im Buchdruck.

 

Handels- und Wucherkapital

 

Geld wird zu Kapital, so sagte Karl Marx, wenn aus ihm immer mehr Geld wird: durch Ausbeutung von Menschen.

Bei den Fuggern und anderen Besitzern von großen Verlagen und Manufakturen bildeten sich große Kapitalien heraus. Dieses Geld, das sie durch Handel und Gewerbe zusammenrafften, aus ihren Handwerkern und Lohnarbeitern und beim Kauf und Verkauf herausholten, heißt Handels- und Wucherkapital. Rücksichtslos ließen sie andere Menschen für sich arbeiten. So begannen sich allmählich erste Anzeichen der neuen Klasse der Kapitalisten herauszubilden.

Die Fugger legten ihr Geld in Silber-, Kupfer- und Bleibergwerken in Tirol und Kärnten, in der Slowakei und in Spanien an. Ihre Handelsverbindungen gingen in nahezu alle europäischen Länder. Aus dem Fernhandel zogen sie besonders hohen Gewinn. Auf jeder Messe waren sie vertreten. Dies brachte ihnen wiederrum viel Geld. Überall – sogar an den Höfen der Fürsten und Kaiser- hatten sie ihre Vertrauten. Sie waren die reichsten Leute, die es damals gab und besaßen auch Schlösser und Dörfer. Seit 1496 borgte sich Kaiser Maximilian I. mehrfach bei den Fuggern Geld. Dafür erhielten die Fugger das Recht, Bergwerke zu nutzen. 1519 finanzierten die Fugger mit Millionensummen die Wahl Karls V. zum Kaiser. Sie waren „Herrscher ohne Krone“.

Die Fugger bezahlten einige Jahre später die Söldnerheere der Fürsten zur Vernichtung der Bauern. (siehe Bauernkriege)

Über Jahrhunderte bereicherten sie sich weiter, finanzierten Kriege und halfen stets den volksfeindlichen Herrschern. Sie wurden selbst Grafen und Fürsten.

Heute ist es immer noch so, dass die Kapitalisten Einfluss auf die Politik nehmen.

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, bearbeitet von Petra Reichel

Buchtitel Geschichte DDR 6. Klasse   Neue Formen Handel und Gewerbe