Familienpolitik in der Bundesrepublik Deutschland bis 1989

Die Verfassung der Bundesrepublik Deutschland stellte Ehe und Familie in Artikel 6 des Grundgesetzes ausdrücklich unter den besonderen Schutz der staatlichen Ordnung. Angesichts der großen Zahl zuwandernder Ostflüchtlinge ging es dabei nicht um Geburtenförderung, sondern um die Stabilisierung der durch Krieg, Vertreibung und Not aus den Fugen geratenen Familien. Die Errichtung des Bundesministeriums für Familienfragen im Zuge der Regierungsbildung vom Herbst 1953 unter Bundeskanzler Adenauer markiert den Beginn expliziter Familienpolitik in der Bundesrepublik.

1954, unter dem CDU-Familienminister Franz-Josef Wuermeling, wurde als Kernstück des Familienlastenausgleichs das Kindergeld eingeführt, zunächst nur für Erwerbstätige mit mindestens drei Kindern. Ebenfalls nur für kinderreiche Familien galt der auf Betreiben des Ministers eingeführte Ermäßigungspass für Bahnfahrten, der den Preis auf 50 Prozent reduzierte. Auch die Förderung des Familien-Eigenheimbaus durch unverzinsliche Darlehen fällt in die Amtszeit Wuermelings. Die Konzentration der Maßnahmen auf kinderreiche Familien ab dem dritten Kind zeigt die implizit vorhandene demographische Ausrichtung dieser Politik.

Die sozialdemokratisch geführten Koalitionen von 1969 bis 1982 setzten programmatisch eine Akzentverlagerung hin zu einer Familienmitgliederpolitik durch, bei der Benachteiligungen von Frauen und Kindern offensiv diskutiert wurden. Der „Pillenknick“, das starke Absinken der Geburtenzahlen nach 1968, spiegelt deutlich die sich verändernden Einstellungen wider. Die wachsende Akzeptanz nichttraditioneller Familienformen äußerte sich in Form spezieller finanzieller Fördermaßnahmen für Alleinerziehende (Unterhaltsvorschuss, Haushaltsfreibetrag) sowie in der großen Ehe- und Familienrechtsreform von 1977, mit der die partnerschaftliche Rollenteilung in der Familie die Hausfrauenehe auch rechtlich ersetzte. Die gleichzeitig erfolgende weitgehende Freigabe der Abtreibung (1976) war stark umstritten. Bevölkerungspolitische Überlegungen galten in dieser Periode als Schreckbild und Gefährdung der Selbstbestimmung der Frau.

Aber auch die so genannte „familienpolitische Offensive“ der CDU/CSU-geführten Koalition 1982 hatte keine bevölkerungspolitischen Ziele. Wichtigster Teil dieser Reform war die Einführung des Erziehungsurlaubs und die Anerkennung von Erziehungsjahren in der Rentenversicherung, beides trat 1986 in Kraft. Die von den Sozialdemokraten abgeschafften Kinderfreibeträge wurden 1983 wieder eingeführt und stark angehoben. Als Reaktion auf die Liberalisierung der Abtreibung wurde 1984 die „Bundesstiftung Mutter und Kind – Zum Schutz des ungeborenen Lebens“ gegründet. Das Kindergeld wurde sukzessive erhöht.

Text: Berlin-Institut

Autorin

Staatssekretärin Prof. Christiane Dienel

Ministerium für Gesundheit und Soziales Sachsen-Anhalt

Ergänzung der Redaktion:

 

Da Bürgerliche Gesetzbuch schrieb vor, dass eine verheiratete Frau erst dann arbeiten konnte, wenn es ihr Ehemann erlaubte. Dies war in der BRD noch bis 1977 gültig. In der BRD konnte bis zum 01. Juli 1958 der Ehemann den Anstellungsvertrag seiner Frau nach eigenem Ermessen, bzw. Belieben und ohne Zustimmung der Frau fristlos kündigen.

In Bayern mussten Lehrerinnen zölibatär leben wie Priester. Wenn sie heirateten, mussten sie ihren Beruf aufgeben.

In der BRD hatte bis 1958 der Ehemann auch das alleinige Bestimmungsrecht über Frau und Kinder inne. Auch wenn er der Frau erlaubte zu arbeiten, verwaltete er ihren Lohn. Das änderte sich erst schrittweise. Ohne Zustimmung des Mannes durften Frauen kein eigenes Bankkonto eröffnen. Das galt bis 1962. Erst 1969 wurde in der BRD eine verheiratete Frau als geschäftsfähig angesehen.

Quelle: Focus online

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Ein Kommentar zu “Familienpolitik in der Bundesrepublik Deutschland bis 1989

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