Gastbeitrag von Ingo Imm, Berlin

Familienpolitik in der DDR 1945-1989

In der DDR nahm die familienpolitische Entwicklung einen anderen Verlauf. Erste familienpolitische Maßnahme in der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) war die Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs bereits im Jahre 1945. 1946 erließ die sowjetische Militärbehörde den Befehl Nr. 253, der Frauen gleichen Lohn bei gleicher Arbeit garantierte. Familienpolitik bedeutete in der DDR bis in die 1980er Jahre in erster Linie Frauenpolitik für die Ermöglichung von Erwerbstätigkeit und für die Sozialisierung von Kindern durch die Gesellschaft. Ein Familienministerium hat es in der DDR nie gegeben.
Das Mütter- und Kinderschutzgesetz wurde 1950 verabschiedet und sah die üblichen Schutzbestimmungen für Wöchnerinnen vor, aber ergänzt durch relativ großzügige finanzielle Beihilfen bei der Geburt und vollen Lohnausgleich während des Mutterschaftsurlaubes sowie durch den Aufbau eines dichten Netzes von Mütter- und Kinderberatungstellen und medizinischen Einrichtungen sowie Betreuungseinrichtungen. Ziel des Gesetzes war Erhalt bzw. Steigerung der Bevölkerung (was in der DDR wegen der starken Westwanderung dringender war als im Westen) bei durchgängiger weiblicher Erwerbstätigkeit.
In der sogenannten „Frauenoffensive“ wurde das Ziel der Integration von Frauen in den Arbeitsmarkt von 1958 an systematisch fortgesetzt, die Entscheidung für ein Hausfrauendasein wurde öffentlich angeprangert und gesellschaftlich nicht mehr toleriert. Der Ausbau der Kinderbetreuungseinrichtungen und familienergänzenden Dienstleistungseinrichtungen (Wäschereien, Schneidereien, Reinigungsdienste) hielt nicht Schritt, so dass Frauen sich Mitte der 1960er Jahre einer massiven Doppelbelastung ausgesetzt sahen. Die Geburtenrate sank, und immer mehr Frauen versuchten zu Teilzeitarbeit überzugehen.Dies war der Ausgangspunkt für die systematische Entwicklung einer Familienförderungspolitik. Seit 1972 wurden Krippen-, Kindergarten- und Hortplätze beschleunigt ausgebaut; zugleich wurden Beurlaubungsregelungen für Mütter ausgeweitet und die Geburtsbeihilfen erhöht. Aber erst die Einführung eines Babyjahrs mit vollem Lohnausgleich 1976, die Einführung der 40-Stunden-Woche für Mütter von mindestens zwei Kindern und die Möglichkeit zur Freistellung bei Erkrankung des Kindes für vier beziehungsweise bei zwei Kindern sechs Wochen führten zu einer Steigerung der Geburtenrate. 1987 wurde das Kindergeld noch einmal deutlich erhöht und entsprach numerisch dem West-Niveau…

Textquelle:

http://www.berlin-institut.org/online-handbuchdemografie/bevoelkerungspolitik/deutschland.html

Autorin: Christiane Dienel

http://www.berlin-institut.org/online-handbuchdemografie/bevoelkerungspolitik/deutschland/christiane-dienel.html

Staatssekretärin Prof. Dr. Christiane Dienel

Ministerium für Gesundheit und Soziales Sachsen-Anhalt

„Wer hilft uns, wenn Mutti arbeitet?“ Plakat DDR 1959 Bildquelle: Berlininstitut

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