„Spiegel“-Interview mit Horst Sindermann

Auswertung einzelner Themen:

Der Spiegel 19:1990

Horst Sindermann ist während, bzw. nach der Konterrevolution eingeknickt.

Die Konterrevolution wird nicht beim Namen genannt, Sympathie mit Konterrevolutionären

Er nennt die Konterrevolution nicht Konterrevolution, sondern „gewaltfreien Aufstand“. Die Konterrevolutionäre nennt er nicht so, sondert er achtet sie.

Kritik an Parteidisziplin

Er kritisiert die Parteidisziplin. Keine Partei kommt ohne Parteidisziplin aus. Auch keine bürgerliche Partei. Die Punkte der berechtigten Kritik an den damaligen Parteistrukturen muss benannt werden.

Kritik an sozialistischer Demokratie: Bürgerliche Demokratie wird als einzige Lösung gesehen

Die sozialistische Demokratie wird kritisiert und die bürgerliche Demokratie für besser gehalten. Die sozialistische Demokratie hätte besser sein müssen. Diese aber durch bürgerliche Demokratie zu ersetzen ist nicht die Lösung.

Sindermann sympathisiert mit Gorbatschow.

Welche demokratischen Traditionen in Deutschland, die nicht von der DDR aufgenommen wurden?

Deutschland war doch meist reaktionär und die demokratischen Entwicklungen hinkten hinterher. Deutschland hat mit der Zeit des Faschismus ein düsteres Kapitel in seiner Geschichte. Demokratische Traditionen hat da eher Frankreich, soweit man an fortschrittliches Bürgertum anknüpfen will.

Welche demokratischen Freiheiten sind in der DDR verhöhnt worden?

Die Freiheit unter der Brücke zu schlafen? Die Freiheit von existenzsichernder Arbeit? Ein Mangel war fehlende Reisefreiheit. Aber Reisen ist doch nicht alles im Leben. Der Alltag muss stimmen.

Sindermann kritisiert , dass die DDR auf die Mikroelektronik gesetzt hatte.

Natürlich konnte sie nicht mit den Großen aus den USA und Japan mithalten. Da die DDR von Embargos betroffen war, wurde doch ein Stück Unabhängigkeit geschaffen. Außerdem waren viele Menschen, die bei „Robotron“ arbeiteten in Lohn und Brot. Heute werden elektronische Geräte in Billiglohnländern produziert.

Dann kritisiert Sindermann die Autoproduktion in der DDR, weil keine Kooperation mit einem westlichen Autokonzern eingegangen wurde. Das machten andere sozialistische Länder damals. Ob das wichtig ist, bleibt dahingestellt.

Schlimm ist die Kritik Horst Sindermanns am Arbeitsgesetzbuch der DDR

..und dass es keine Arbeitslosen gab. Seiner Meinung nach war es nicht richtig faule und unfähige Menschen einen Arbeitsplatz zu geben oder zu lassen. Gerade das Arbeitsgesetzbuch der DDR war eine der wichtigsten Errungenschaften des Sozialismus. Schwache und Problembeladene Menschen darf man nicht mit Faulenzern gleichsetzen. Diese armen Seelen, die in der DDR endlich echte Hilfe und eine Heimstatt hatten, waren nicht verantwortlich für den Untergang der DDR.

Sindermann, der mit 74 Jahren starb, war 60 Jahre lang Kommunist, saß fast zwölf Jahre in NS-Zuchthäusern und -Konzentrationslagern, gehörte 26 Jahre dem Politbüro der SED an. Er war von 1973 bis 1976 als Ministerpräsident die Nummer zwei, danach bis zur Konterrevolution 1989 als Präsident der Volkskammer die Nummer drei der DDR. Und nach diesem Leben glaubte er blindlings an die leeren Sprüche von Gorbatschow, während dagegen Honecker Gorbatschow durchschaute.

 

 

In diesem Rahmen ist es nicht möglich auf die gesamte Themenpalette des „Spiegel“-Interviews einzugehen.

Doch ist es enttäuschend feststellen zu müssen, dass altgediente Kommunisten, die in der DDR hohe Ämter inne hatten, am Ende ihre Ideale, wofür sie ihr Leben lang kämpften, nach der Niederlage einfach verraten haben, anstatt weiterzukämpfen und die nächste Generation zum Kampf aufzurufen.

Hier das „Spiegel“-Interview im Original als PDF-Datei.

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