Konterrevolutionäre Organisationen in der DDR: Initiative für Frieden und Menschenrechte

Die Initiative für Frieden und Menschenrechte (kurz IFM) wurde am 24. Januar 1986 offiziell gegründet.

Die IFM wurde als einzige konterrevolutionäre Organisation vor der Konterrevolution gegründet. Sie ist eine der ältesten Gruppen dieser Art, doch sie prägte die Konterrevolution wesentlich mit.

Die IFM ging aus einem Menschenrechtsseminar in Berlin/DDR hervor.

Zu den Gründungsmitgliedern gehörten Bärbel Bohley, Martin Böttger, Werner Fischer, Ralf Hirsch, Gerd Poppe, Ulrike Poppe, Wolfgang Templin und Reinhard Weißhuhn. Die Initiative hatte eine nur lockere Organisationsstruktur; in der Anfangszeit bestand sie aus circa 25 Mitgliedern. Sie nutzte zwar auch die kirchliche Öffentlichkeit, verstand sich aber von Beginn an als unabhängig von der Kirche und hatte damit eine Sonderstellung innerhalb der konterrevolutionären Organisationen in der DDR inne. Hauptziele waren die Wahrung der Menschenrechte, womit nicht die sozialen Menschenrechte gemeint sind und die Friedenssicherung im pazifistischen Sinne. Das war im Kalten Krieg für die DDR und die anderen sozialistischen Länder nicht machbar. Die Gefahr eines III. Weltkrieges wäre größer geworden und das Aus für die sozialistischen Länder in Europa und die Annexion der DDR durch die BRD früher gekommen. Die Initiative wendete sich auch gegen jede Art von autoritärer Struktur. Das ist eine schwammige Formulierung. Ohne Ordnung geht es nirgendwo auf der Welt. Gegen die Verherrlichung von Gewalt hört sich gut an, doch meinte man damit die NVA. Das war kontraproduktiv. Denn im kalten Krieg musste es im Sozialismus militärischen Schutz geben. Dagegen sein hat bedeutet, dass man den Sozialismus ablehnt. Gegen die Ausgrenzung von Minderheiten und Ausländern war die einzige gute Zielsetzung der IFM. Die Positionen der IFM wurden unter anderem in der illegalen Zeitschrift „grenzfall“ veröffentlicht.

Im Februar 1986 spaltete sich ein Teil der Gruppe ab und gründete eine neue Gruppe, die sich „Gegenstimmen“ nannte.

Im Januar 1988 wurden mehrere Mitglieder der IFM im Zusammenhang mit der traditionellen Liebknecht-Luxemburg-Demonstration(Link) in Berlin verhaftet und anschließend in den Westen abgeschoben. Ralf Hirsch wurde ausgebürgert.

Als im November 1988 der rumänische Regierungschef Nicolae Ceaușescu zu einem Arbeitsbesuch in die DDR eingeladen wurde, organisierten die Konterrevolutionäre eine Protestversammlung in der Gethsemanekirche in Berlin/DDR. An ihrem Rumänienabend hat die IFM vermutlich nicht über die Ursachen der damaligen desolaten Situation in Rumänien informiert. Nicolae Ceaușescu fuhr zunächst einen liberalen Kurs. Rumänien war bei den westlichen Ländern hoch verschuldet. Ceaușescu änderte daraufhin seine Politik. Er wollte die Schulden abtragen. Somit geriet Rumänien, bzw. dessen Bevölkerung in eine Notlage. Mehrere Mitglieder der IFM wurden während des Ceaușescu-Besuchs unter Hausarrest gestellt.

Diese und weitere Zersetzungsmaßnahmen(Geheimdienstjargon für heimliche Einflussnahme) des MfS erschwerten zunächst die Arbeit der IFM erheblich. Doch das MfS konnte die IFM nicht stoppen. Im März 1989 öffnete die IFM sich zu einer DDR-weiten konterrevolutionären Gruppe.

Am 11. März 1989 gab die Initiative Frieden und Menschenrechte als erste Oppositionsgruppe ihre DDR-weite Ausdehnung bekannt.

Während der Konterrevolution 1989 wurde die Initiative für „Frieden und Menschenrechte“ wieder voll aktiv. Ihre Mitgliederzahl war allerdings im Vergleich zu den anderen konterrevolutionären Organisationen bescheiden. Am 28. Oktober 1989 fand in Berlin/DDR das erste DDR-weite Treffen der IFM statt. Auf ihm werden Werner Fischer (Berlin), Gerd Poppe (Berlin) und Thomas Rudolph (Leipzig) für sechs Monate zu den drei DDR-Sprechern gewählt.

Die IFM war mit zwei Mitgliedern am Runden Tisch beteiligt und stellte mit Gerd Poppe ab Februar 1990 in der Regierung Modrow einen Minister ohne Geschäftsbereich.

Zur Wahl der letzten Volkskammer am 18. März 1990 ging die IFM mit dem Neuen Forum und Demokratie Jetzt, die sehr ähnliche politische Ziele verfolgten, ein Wahlbündnis unter dem Namen Bündnis 90 ein. Die Listenverbindung Bündnis 90 erzielte am Wahltag 2,9 % der Stimmen und errang 12 Sitze in der Volkskammer. Für die Initiative „Frieden und Menschenrechte“ saßen Marianne Birthler, die spätere Chefin der „Stasiunterlagenbehörde“ und Gerd Poppe in der Fraktion Bündnis 90/Grüne, zu der sich die Abgeordneten des Bündnis 90 mit denen der Grünen Partei in der DDR zusammengeschlossen hatten. Die Annexion der DDR durch die BRD nach dem Grundgesetz der BRD lehnte das Bündnis ab. Zu den ersten Wahlen der nunmehrigen Groß-BRD am 2. Dezember 1990 zum Bundestag trat die IFM gemeinsam mit dem Neuen Forum, Demokratie Jetzt, dem Unabhängigen Frauenverband (UFV) und der Partei „Die Grünen“ in der Listenvereinigung Bündnis 90/Grüne – BürgerInnenbewegung (B90/Gr) an. Diese erzielte in den nun heutigen neuen Bundesländern acht Mandate, unter denen Gerd Poppe der einzige Vertreter der IFM war.

Im September 1991 ging die Initiative „Frieden und Menschenrechte“ in der neu gegründeten Organisation Bündnis 90 auf, das bis dahin die Bezeichnung für unterschiedliche Wahlbündnisse gewesen war und nun die IFM, Demokratie Jetzt und Teile des Neuen Forums in sich vereinigte. Im Mai 1993 erfolgte der Zusammenschluss von Bündnis 90 mit den Grünen zur Partei Bündnis 90/Die Grünen.

Siehe auch Wikipedia

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3 Kommentare zu “Konterrevolutionäre Organisationen in der DDR: Initiative für Frieden und Menschenrechte

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