Konterrevolutionäre Organisationen in der DDR: Umwelt-Bibliothek

Die Umwelt-Bibliothek (auch Umweltbibliothek) im Keller des Gemeindehauses der Zionskirchengemeinde im Berliner Stadtbezirk Mitte war von 1986 bis 1990 ein bedeutender Treffpunkt der sogenannten Umwelt-, Friedens- und Dritte-Welt-Bewegung der DDR. Die Bibliothek arbeitete nach 1990 weiter und wurde 1998 aufgelöst.

Man muss bedenken, dass die Umweltbewegung im Westen auch erst Ende der 1970er Jahre/Anfang der 1980er Jahre ihren Anfang nahm und daraus in der BRD die Partei DIE GRÜNEN hervorgegangen ist.

Die DDR war auf die umweltschädliche Braunkohle als Energieträger angewiesen, es gab einige Versäumnisse, aber auch mangelnde Möglichkeiten, um umweltgerecht zu produzieren. Andererseits war man in der Altstoffverwertung und Mülltrennung der Zeit voraus. Die Altstoffsammelstellen waren vorbildlich und es gab Geld für Altglas und Altpapier. Kinder sammelten die Altstoffe, um sich ein Taschengeld zu verdienen. Es gab auch von den Jungen Pionieren und der FDJ organisierte Altstoffsammlungen. Und das seit einer Zeit, wo man in der BRD längst noch nicht an Mülltrennung gedacht hat.

Wer da glaubt, dass die Umweltbibliothek sich Gedanken über Lösungswege gemacht hat, wie man in der DDR mit den mangelnden Möglichkeiten das Umweltproblem lösen kann, irrt. Diese Leute hakten bei den Schwachpunkten in diesem Bereich ein und agierten gegen den Staat, bzw. das System der DDR. Ebenso ist die Friedens- und Dritte-Welt-Bewegung eine irreführende Bezeichnung. Die DDR tat viel um den Ländern der sogenannten dritten Welt echte Hilfe zur Selbsthilfe zu geben(wird in einer späteren Ausgabe DIE TROMMLER Thema sein). Ebenso betrieb die DDR Friedenspolitik und schickte ihre Soldaten nicht in ferne Länder, um sich an Kriegen zu beteiligen. Es ging schlicht und ergreifend um konterrevolutionäre Machenschaften.

Die Umwelt-Bibliothek wurde am 2. September 1986 auf Initiative der sich Umweltschützer nennenden Carlo Jordan, Oliver Kämper, Wolfgang Rüddenklau und Christian Halbrock gegründet. Als Vorbild dienten dabei die polnischen Fliegenden Universitäten(konterrevolutionäre Institution in Polen). Der Pfarrer an der Zionskirche, Hans Simon, stellte den Initiatoren zwei Kellerräume im Gemeindehaus hierfür zur Verfügung. Neben der Sammlung von meist verbotenen Büchern und Zeitschriften zu Umwelt- und Menschenrechtsthemen(?!) (soziale Menschenrechte waren hier nicht gemeint) diente die Bibliothek auch als Ort für konspirative Treffen von DDR-Konterrevolutionären. Es fanden Vorträge und Konzerte von Konterrevolutionären und Künstlern statt. Außerdem gab es regelmäßige Filmvorführungen.

Die Umwelt-Bibliothek stellte die Samisdat-Zeitschrift(selbst produzierte und verbreitete illegale Zeitschrift) „Umweltblätter“ her, die später den Titel „Telegraph“ erhielt. Diese Zeitschrift wurde bis zur Konterrevolution zum bedeutendsten Organ der Konterrevolutionäre in der DDR. Auch andere konterrevolutionäre Veröffentlichungen, darunter der „Grenzfall“, wurden in der Umwelt-Bibliothek gedruckt, welche die einzige nicht vom Staat kontrollierte Druckerei der DDR war.

In der Nacht vom 24. auf den 25. November startete das Ministerium für Staatssicherheit (MfS) die „Aktion Falle“, in der die Bibliothek durchsucht wurde und mehrere Mitarbeiter verhaftet wurden. Diese Razzia war kontraproduktiv. Die Bibliothek erlangte internationale Bekanntheit. Die West-Medien berichteten ausführlich über das Ereignis und verschafften den in der Umwelt-Bibliothek organisierten Aktivisten eine bis dahin nicht gekannte Öffentlichkeit. In der ganzen DDR kam es zu Solidaritätsbekundungen für die Umwelt-Bibliothek und deren Mitarbeiter. Die verhafteten Aktivisten der Umwelt-Bibliothek blieben nicht lange in Haft und kamen alle straflos wieder frei. Die Umwelt-Bibliothek erlangte nach der MfS-Razzia enormen Zulauf. Sie wurde bis zum Ende der DDR von der Staatsmacht geduldet. Das war eine Fehlleistung des MfS.

Im Frühjahr 1988 brach ein interner Streit in der Umwelt-Bibliothek über die weitere Strategie der DDR-„Umweltbewegung“ aus. Ein Teil der Gruppe hatte das Ziel, die Umwelt-Bibliothek noch weiter zu einem Netzwerk der gesamten DDR-„Umweltbewegung“ auszubauen. Eine andere Gruppe lehnte diese Überlegungen ab und befürchtete, dass dies zu einer Zentralisierung der Bewegung und schließlich zu parteiähnlichen Strukturen führen könnte. Den Konflikt zwischen den beiden Lagern heizte dabei ein Inoffizieller Mitarbeiter(kurz IM, d.h. ehrenamtlich Undercover Agierender) des MfS an. Schließlich spaltete sich eine Gruppe um den späteren Parteisprecher der Grünen Partei in der DDR, Carlo Jordan, ab und gründete das Grün-Ökologische Netzwerk Arche, mit dem diese versuchte, ein Netzwerk der DDR-„Umweltbewegung“ zu schaffen.

Im Jahr der Konterrevolution 1989 beteiligten sich die Aktivisten der Umwelt-Bibliothek an mehreren Mahnwachen und anderen Protestaktionen. Die von der Umwelt-Bibliothek herausgegebene Zeitschrift „telegraph“ war die einzige konterrevolutionäre, journalistische DDR-Publikation. Im Herbst 1990 nahm die Umwelt-Bibliothek an einem Hungerstreik teil, mit dem schließlich das Stasiunterlagengesetz erkämpft wurde. Das hat wahrlich nichts mit Umweltschutz zu tun.

1990 verließen die Mitarbeiter der Umwelt-Bibliothek Berlin die Zionskirchgemeinde. Nach einem kurzen Hausbesetzer-Intermezzo in der Lottumstraße 10a bezogen die UB-Mitarbeiter Ladenräume in der Schliemannstraße 18 im Stadtteil Prenzlauer Berg. Um im bundesdeutschen Rechtssystem bestehen zu können, gründete die UB einen eingetragenen Verein.(Man war ja nun legal) Ab 1991 beheimatete sie das Matthias-Domaschk(..wird als „Stasi-Opfer“ geführt. Er beging Selbstmord, nachdem er sich zunächst bereit erklärt und eine entsprechende Verpflichtung unterschrieben hatte als IM, d.h. ehrenamtlich Undercover zu agieren. Er sollte von einem MfS-Angehörigen Nachhause gebracht werden. Während Domaschk alleine im Warteraum oder Vernehmungszimmer saß, hatte er vermutlich die Überlegung, dass er nicht als „Verräter“ seinen Kumpels gegenübertreten wollte. Als er alleine im Warteraum saß, hatte er sich umgebracht. Es gab von“ Akten, Fakten, Argumente, bzw. „AktionUndReaktion“ein gutes Video zum Thema. Da Material aus einer Fernsehsendung verwendet wurde, musste das Video aus urheberrechtlichen Gründen gelöscht werden)-Archiv als bedeutendes privates Archiv zu den konterrevolutionären Organisationen der DDR-Zeit. (siehe Video)

Sie organisierte verschiedene Aktivitäten oder beteiligte sich daran, unter anderem an einer Kriegsschiffbesetzung in Peenemünde, an Demonstrationen gegen den Krieg in Tschetschenien und an Solidaritätsaktionen mit den Zapatisten in Mexiko.

Im Dezember 1998 war die Umwelt-Bibliothek gezwungen, ihre Aktivitäten wegen mangelnder finanzieller Mittel einzustellen und den Verein aufzulösen. Die Konterrevolution hat gesiegt, diese Organisation hat ihre Schuldigkeit getan und wird nun nicht mehr gebraucht. Während der DDR-Zeit wurde die Umwelt-Bibliothek vermutlich aus der BRD logistisch unterstützt und finanziert. Die Bestände gingen an die Robert-Havemann-Gesellschaft(Archiv des Nachlasses der konterrevolutionären Personen und Organisationen der DDR) und die Umweltbibliothek der Grünen Liga.(Kurz vor Ende der DDR legaler Zusammenschluss ökologischer Bewegungen aus der DDR. Wurde von Umweltorganisationen aus der BRD vereinnahmt.) Die Zeitschrift der Umwelt-Bibliothek Berlin, der „telegraph“, erscheint bis heute.

Siehe auch Wikipedia

Bildquelle: Bitte auf´s Bild klicken

„Bundesarchiv Bild 183-1990-0119-319, Carlo Jordan, Parteisprecher Grüne Partei“ von Bundesarchiv, Bild 183-1990-0119-319 / Mittelstädt, Rainer / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons –

ADN-ZB-Mittelstädt-19.1.1990-Berlin: Carlo Jordan, Sprecher der Grünen Partei der DDR.

ADN-ZB-Mittelstädt-19.1.1990-Berlin: Carlo Jordan, Sprecher der Grünen Partei der DDR.

Advertisements

Ein Kommentar zu “Konterrevolutionäre Organisationen in der DDR: Umwelt-Bibliothek

  1. Pingback: Konterevolutionäre Organisationen in der DDR: Grün-Ökologisches Netzwerk Arche | Die Trommler - Archiv

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s