Organisationen der Konterrevolution in der DDR: Demokratischer Aufbruch

Der Demokratische Aufbruch (kurz: DA)

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DemokratischerAufbruch“ von Bundesarchiv_Bild_183-1990-0209-023,_Berlin,_Logo_Demokratischer_Aufbruch.jpg: Unbekanntderivative work: chris 論 – Bundesarchiv_Bild_183-1990-0209-023,_Berlin,_Logo_Demokratischer_Aufbruch.jpg. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons –

war zunächst eine politische Gruppierung in der DDR, die sich im Oktober 1989, also in der Zeit der Konterrevolution, konstituierte. Die offizielle Gründung als Partei erfolgte auf dem Parteitag am 16./17. Dezember 1989 in Leipzig.

Der Vorläufer des DA war eine im August 1989 in Berlin/DDR gegründete Initiativgruppe mit überwiegend kirchlichen Vertretern, darunter die prominenten Pfarrer Rainer Eppelmann, Friedrich Schorlemmer und der Jurist Wolfgang Schnur. Weitere Gründungsmitglieder waren Rudi Karl-Pahnke und Thomas Welz.Der volle Name der geplanten politischen Vereinigung lautete Demokratischer Aufbruch – sozial – ökologisch (DA). Das Gründungsmitglied Edelbert Richter wurde mit der Ausarbeitung eines Programms beauftragt, Schnur sollte ein Statut entwerfen.

Ein zweites Treffen war im Oktober 1989 geplant. Durch das Voranschreiten der Konterrevolution im Herbst 1989 musste der DA schneller handeln. Als sich am 09.09.1989 das Neue Forum gegründet hatte ging Edelbert Richter am 14.09.1989 während einer Besuchsreise in der BRD an die Öffentlichkeit. Am 26.09.1989 stellte er den Demokratischen Aufbruch in der DDR, in Erfurt, öffentlich vor. Zwei Tage später fand im Erfurter Augustinerkloster die erste Mitgliederversammlung statt.

Am 1. Oktober, an dem unter anderem Günter Nooke und Daniela Dahn teilnahmen, fand in der Berliner Wohnung von Ehrhart Neubert ein Treffen statt, das vom MfS behindert wurde. Zahlreiche Mitglieder und Interessierte wurden ausgesperrt. Die MfS hatte das Telefon der Wohnung zeitweise gesperrt, die Leitung dann aber wieder freigegeben, um es abhören zu können. Die Datensammelwut, die jedem Geheimdienst, auch heute überall auf der Welt innewohnt, hat über die Vernunft und dem notwendigem Handeln gesiegt. Ja, man handelte sogar kontraproduktiv.  Die Versammlungsteilnehmer nutzen dies, um Sender der BRD zu informieren, die noch während der Versammlung darüber berichteten. In der DDR war das ein Straftatbestand(ungesetzliche Verbindungsaufnahme). Doch an eine Strafverfolgung war in dieser Situation nicht mehr zu denken. Die Staatsmacht der DDR war schon zu schwach dazu. Am Abend der Versammlung wurden programmatische Texte dem „Spiegel“ übergeben und die Gründung des DA erklärt. Man könnte meinen, dass diese Fehlleistung des MfS einer Agentenkomödie entsprungen wäre. Doch es war bitterer Ernst.

In seinem Programm suchte der DA zunächst einen Kompromiss zwischen der Idee des demokratischen Sozialismus(was immer man darunter verstehen kann, z. B. kann das in Richtung Sozialdemokratie gehen) und liberalen Ideen und forderte Reformen am DDR-System. Wir wissen, dass das Wort „Reform“ heute nichts Gutes bedeutet. Damals begann sich die Bedeutung des Begriffs „Reform“ zum Schlechten zu wandeln. Doch vielen Menschen war das nicht bewusst und glaubten, dass es um Verbesserungen in der DDR ginge. Unter „liberalen Ideen“ kann man sich viel vorstellen. Also keine konkrete Zielsetzung des DA.

Regulär wurde der demokratische Aufbruch auf dem zweiten Treffen am 29.10.1989 mit über hundert Vertretern im Berliner Königin-Elisabeth-Krankenhaus gegründet und mit einem Statut versehen, das Kommunikations- und Leitungsstruktur festlegte. Es wurde beschlossen, dass sich der DA bis zum Mai 1990 in eine politische Partei umwandeln solle. Zum Vorsitzenden wurde Wolfgang Schnur gewählt.

Im Dezember 1989 erfolgte eine programmatische Umorientierung. Man kann auch sagen, dass man konkreter wurde, als die Konterrevolution voranschritt. Ein Entwurf einer Arbeitsgruppe um Christoph Kähler bildete die Grundlage des Programms, das auf dem Parteitag am 16. und 17. Dezember in Leipzig verabschiedet wurde. Sozialismusvorstellungen verschwanden aus den Überlegungen, während sich die Orientierung an der Marktwirtschaft, das heißt, dass man konkret die kapitalistische Gesellschaftsordnung als Ziel formulierte, rasch durchsetzte. Die Deutsche Einheit, das heißt die Annexion der DDR durch die BRD, wurde als Ziel formuliert, allerdings war dies innerparteilich heftig umstritten. Mit dem „Leipziger Programm“ stand der Demokratische Aufbruch im Reigen der neu gegründeten und insgesamt noch stark politisch linkem Gedankengut (Man kann das eher unter sozialdemokratischen Gedankengut verstehen.)anhängenden konterrevolutionären Bewegungen relativ weit rechts. Linksgerichtete Mitglieder wie Friedrich Schorlemmer und Daniela Dahn verließen daraufhin die Partei. Die heutige Bundeskanzlerin Angela Merkel wurde Pressesprecherin, Oswald Wutzke Generalsekretär der Partei.

Vom 18. Dezember 1989 bis zum 12. März 1990 gehörte der Demokratische Aufbruch mit zwei Sitzen dem Zentralen Runden Tisch(Link) an. Teilnehmer waren Wolfgang Schnur und Rainer Eppelmann.

Der DA trat am 05.02. 1990 dem Wahlbündnis Allianz für Deutschland bei, um gemeinsam bei den Wahlen zur letzten Volkskammer, am 18. März 1990, zu kandidieren. Kurz vor der Wahl wurde der Vorsitzende der Partei, Wolfgang Schnur als langjähriger IM des MfS enttarnt. Wolfgang Schnur erklärte am 14. März 1990 seinen Rücktritt. Für den Demokratischen Aufbruch hatte die Aufdeckung einen Glaubwürdigkeitsverlust größeren Ausmaßes zur Folge. Nachfolger als Parteivorsitzender wurde Rainer Eppelmann.

Die Allianz gewann die Wahl zur Volkskammer, dabei war der DA mit 0,9 % und vier Sitzen jedoch der mit Abstand schwächste Partner des Wahlbündnisses. Rainer Eppelmann, der zuvor ab Februar 1990 als Minister ohne Geschäftsbereich der zweiten Regierung Modrow des Ministerpräsidenten Hans Modrow angehörte, wurde am 12. April 1990 der allerletzte Verteidigungsminister der DDR. Der DA bestand bis zu dessen Fusion mit der ehemaligen Blockpartei, der CDU in der DDR, bis zum 04. August 1990.

Siehe auch Wikipedia.

ADN-ZB-Kluge-17.12.89-fd-Leipzig: Parteitag Demokratischer Aufbruch. Der Gründungsparteitag des Demokratischen Aufbruch setzte seine Arbeit fort. Am Eröffnungstag hatte die Präsidentin des BRD-Bundestages, Prof. Dr. Rita Süssmuth, Grüße an die über 250 Delegierten aus allen Teilen der DDR überbracht.

Rita Süssmuth auf dem Gründungsparteitag des DA im Dezember 1989

(Politikerin der BRD zur damaligen Zeit)

Bildquelle: Bitte auf´s Bild klicken.

„Bundesarchiv Bild 183-1989-1217-002, Leipzig, Gründungsparteitag DA“ von Bundesarchiv, Bild 183-1989-1217-002 / Kluge, Wolfgang / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons –

ADN-ZB-Häßler-11.3.90-Dresden: Wahlkampf. Die Delegierten des Wahlparteitages des Demokratischen Aufbruch haben sich angesichts der Vorwürfe gegen Wolfgang Schnur geschlossen hinter den Vorsitzenden gestellt. Plakat vor dem Tagungsgebäude, dem Hygienemuseum Dresden.

Wahlplakat des DA mit dem Bild Wolfgang Schnurs vor der Volkskammerwahl

Solche Wahlkampfsprüche kennen wir heute zur Genüge. Damit wird für Niedriglohnjobs geworben.

Bildquelle: Bitte auf´s Bild klicken.

„Bundesarchiv Bild 183-1990-0311-022, Dresden, Wahlkampf“ von Bundesarchiv, Bild 183-1990-0311-022 / Häßler, Ulrich / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons –

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4 Kommentare zu “Organisationen der Konterrevolution in der DDR: Demokratischer Aufbruch

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