Ostermarsch

Die Anstöße für Marsch-Aktionen sind sowohl in Großbritannien als auch in der BRD von Friedensaktivisten der War Resisters’ International / Internationale der Kriegsdienstgegner (IDK e. V.) ausgegangen. Deren Selbstverpflichtung lautete: „Der Krieg ist ein Verbrechen an der Menschheit. Ich bin deshalb entschlossen, keine Art von Krieg weder direkt noch indirekt zu unterstützen und an der Beseitigung aller Kriegsursachen mitzuarbeiten.“
Das Direct Action Committee Against Nuclear War engagierte sich in gewaltfreien Aktionen, „um den totalen Verzicht auf den Atomkrieg und seine Waffen als einen ersten Schritt zur Abrüstung durch Großbritannien und alle anderen Länder zu erreichen“ („to assist the conducting of non-violent direct action to obtain the total renunciation of nuclear war and its weapons by Britain and all other countries as a first step in disarmament“), und war Gründungsmitglied der britischen Campaign for Nuclear Disarmament (CND). Diese organisierte Ostern 1958 einen Marsch von London zum Atomforschungszentrum Aldermaston (Aldermaston March) und mobilisierte dabei rund 10.000 Menschen gegen die nukleare Aufrüstung. Hieraus entwickelte sich eine Tradition solcher Demonstrationsmärsche zu Ostern in verschiedenen westeuropäischen Ländern.

 

Ostermarsch Logo

Friedenssymbol der Campaign for Nuclear Disarmament, bekanntes Logo für den Ostermarsch

Bildquelle:
Von Symbol: Gerald Holtom; file: Crotalus horridus – Originally uploaded to en.wikipedia as Image:Peace Sign.svg., Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Ostermärsche in der BRD

Der damalige deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer erklärte am 5. April 1957 auf einer Pressekonferenz, die neue Generation (Technik) von taktischen Nuklearwaffen sei „nichts weiter als die Weiterentwicklung der Artillerie. Selbstverständlich können wir nicht darauf verzichten, dass unsere Truppen auch in der normalen Bewaffnung die neueste Entwicklung mitmachen.“ Er bezog sich dabei auf eine neue militärische Doktrin des US-amerikanischen Verteidigungsministers Charles Erwin Wilson, der neben dem Einsatz strategischer Nuklearraketen („massive Vergeltung“) auch einen Einsatz taktischer Atombomben unterhalb der „Armageddon-Schwelle“ als eine strategische Option formuliert hatte („abgestufte Abschreckung“). Bundeskanzler Konrad Adenauer hatte von den USA den alleinigen Zugriff von Atomsprengköpfen verlangt, die geeignet waren zum Abschuss durch Artillerie mit einer Reichweite von 15 bis 20 Kilometern. Diese Option versuchte die Adenauerregierung im Rahmen der Wiederbewaffnung der BRD durchzusetzen. Jedoch scheiterte dieses Ansinnen. Die Alliierten, und vor allem die USA, verweigerten dies. Bis heute liegt ein Teil der atomaren Sprengköpfe, gemeinsam bewacht von Deutschen und Amerikanern, in Deutschland, und der Abzug dieser Atomsprengköpfe ist noch immer eine Forderung der Friedensbewegung.

Gegen diese geplante Aufrüstung formierte sich, mit Unterstützung der SPD und der Gewerkschaften, die Kampagne Kampf dem Atomtod. Doch weder die breite Ablehnung innerhalb der Bevölkerung, noch die von den Kirchen, den Gewerkschaften und der SPD mitgetragenen großen Massenaktionen im Jahr 1958 vermochten einen Aufrüstungsbeschluss des Bundestages am 25. März 1958 zu verhindern oder rückgängig zu machen. Am 17. April 1958 fanden Demonstrationen in Bremen, Kiel, München, Mannheim, Dortmund Essen und Hamburg statt. In der Hansestadt standen die meisten städtischen Verkehrsmittel fast eine Stunde still, um ihren Mitarbeitern die Teilnahme zu ermöglichen. Im Anschluss an diese größte politische Demonstration der Nachkriegszeit mit weit über 120.000 Teilnehmenden fand die erste deutsche „Mahnwache“ statt, mit der der Hamburger Aktionskreis für Gewaltlosigkeit (Mitglieder der WRI) 14 Tage und Nächte gegen die geplante Atombewaffnung protestierten (hier entstand der Begriff „Mahnwache“).

Die SPD zog sich jedoch aus der Kampagne zurück, nachdem die CDU die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen am 6. Juni 1958 haushoch gewonnen und die Bundesregierung es geschafft hatte, die Kampagne als „kommunistisch gesteuertes Sicherheitsrisiko für die BRD“ zu diffamieren.

In der BRD wurden die ersten Ostermärsche aus dem pazifistischen „Aktionskreis gegen Gewaltlosigkeit“ heraus angeregt. Es gab Pressemeldungen über die Erprobung von Honest-John-Atomraketen in der Nähe des ehemaligen KZ Bergen-Belsen. Konrad Tempel, wie seine spätere Frau Helga Stolle Korrespondent von PEACE NEWS, befreundet mit Mitgliedern des Direct Action Committees und Quäker(eine christliche Glaubensrichtung), konnte pazifistische Gruppen in Hamburg (siehe Foto), Bremen, Hannover und Braunschweig für einen norddeutschen mehrtägigen Sternmarsch gewinnen. Die Demonstration endete am Ostermontag 1960 mit rund 1.200 Teilnehmern beim Truppenübungsplatz Bergen-Hohne.

Ostermarsch 1960 von Hamburg nach Bergen-Hohne

Ostermarsch 1960 von Hamburg nach Bergen-Hohne

Bildquelle:
Von Konrad Tempel – Konrad Tempel, Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Der Protest richtete sich anfänglich pauschal
„gegen atomare Kampfmittel jeder Art und jeder Nation“ in Ost und West. Dass die sozialistischen Länder nicht an einem Krieg interessiert waren und die Hochrüstung stets vom Westen aus ging, wurde ausgeblendet. Innerhalb der Friedensbewegung gab es immer wieder Diskussionen mit linken Aktivistinnen und Aktivisten. Man war ihnen „Vereinnahmung“ der Friedensbewegung vor.

Bereits von den ersten Osteraktionen an beteiligten sich an den Märschen neben Pazifisten Rüstungsgegner aus der Arbeiterbewegung und religiös motivierte Einzelne. Auch durch die folgende Kooperation verschiedener Strömungen und die lebhaften internen Diskussionen wurden die politischen Forderungen immer konkreter (Beispiel: Forderung nach atomwaffenfreien Zonen, entsprechend dem Rapacki-Plan). Dadurch wurde sie zu einer außerparlamentarischen Sammlungsbewegung, deren jährliche Teilnehmerzahl bis 1968 auf 300.000 stieg. Dies ist auch ablesbar an der Namensänderung: „Kampagne für Abrüstung“ (1963) → „Kampagne für Demokratie und Abrüstung“ (1968).

Aufgrund der Notstandsgesetzgebung(1968) in der BRD, der Verhinderung der Konterrevolution in der CSSR(1968) durch Militärintervention durch Länder des Warschauer Vertrages(die DDR war nicht dabei), der Bildung einer sozialliberalen Regierung der BRD(SPD und FDP)(1969), auf die viel Hoffnung gesetzt wurde, die sich im Nachgang als falsche Hoffnung erwiesen hat, löste sich 1969 die Ostermarschbewegung auf und beendete 1970 ihre Aktionen.

 

1979 und später

Die Ostermärsche in den folgenden Jahren und bis zur Gegenwart waren fortan nur eine Demonstrationsform unter den vielfältigen Aktionen, die von der Friedensbewegung ausgingen. Einen neuen Höhepunkt erreichte die Friedensbewegung 1979–1983 im Kampf gegen die Neutronenbombe und den „NATO-Doppelbeschluss“ zur Stationierung von Kurz- und Mittelstrecken-Atomwaffen in der Bundesrepublik. 1983 nahmen etwa 700.000 Menschen an verschiedenen Aktionen zum Frieden teil. Auch die Ostermärsche dieser Zeit nahmen an diesem Aufschwung teil.

Nach 1990 änderte sich die Arbeit der Ostermarschbewegung.

Nach der Auflösung des Warschauer Vertrags ist die Welt nicht friedlicher geworden. Im Gegenteil, die Welt ist instabiler geworden.

DIE GRÜNEN, die Teil der Friedensbewegung waren, sind zwischenzeitlich Kriegspartei geworden.

2013 richteten sich die Demonstranten vor allem gegen deutsche Waffenexporte und den Einsatz von Drohnen.

Ostermarsch München 2006

Ostermarsch München 2006

Bildquelle:
CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

siehe Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

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3 Kommentare zu “Ostermarsch

  1. Pingback: Proteste gegen den NATO-„Doppelbeschluss“ in der BRD | Die Trommler - Archiv

  2. Pingback: Ostermarsch Schrobenhausen - fairmuenchen

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