Die Revolution von 1848, Teil 5

Die Reichsverfassungskämpfe 1849

 

Die Ursachen für die Reichsverfassungskämpfe

 

Die von den Abgeordneten der Paulskirche ausgearbeitete Reichsverfassung war die erste bürgerliche Verfassung Deutschlands. Ihre Verwirklichung wäre ein bedeutender Fortschritt gegenüber den Zuständen vor der Revolution gewesen. Die Bourgeoisie hoffte, dass der preußische König die Verfassung annehmen und helfen werde, sie in ganz Deutschland einzuführen. Die Abgeordneten des Frankfurter Parlaments hatten deshalb den preußischen König zum deutschen Kaiser gewählt. Aber er wies die Krone zurück. Gleichzeitig lehnte er die Reichsverfassung ab und versprach allen Fürsten, die sie gleichfalls ablehnten, militärische Hilfe gegen das Volk. Die Haltung des preußischen Königs machte die Bourgeoise ratlos.

Anfang Mai 1849 erhoben sich in Dresden, im Rheinland, in Baden und in der Pfalz Arbeiter, Handwerksgesellen, Studenten und fortschrittliche Kleinbürger. Es ging ihnen nicht nur um die Einführung der Reichsverfassung. Sie wollten im revolutionären Kampf die Fürsten endgültig besiegen.

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Die Kämpfe in Baden und in der Pfalz

 

Besondere Bedeutung erhielten die Kämpfe in Baden und in der Pfalz. Fast die gesamte badische Armee lief zu den Revolutionären über. Der Großherzog von Baden, seine Minister und reaktionären Offiziere flüchteten aus dem Land. Eine demokratische Regierung übernahm die Verwaltung. Die Volksbewaffnung wurde eingeführt, die Offiziere wurden von den Soldaten gewählt. Aus den Volkswehren, aus den Freiwilligen und aus den zum Volk übergelaufenen badischen und pfälzischen Soldaten entstand eine Revolutionsarmee. Aus ganz Deutschland, Polen, Ungarn, Frankreich und der Schweiz eilten Revolutionäre herbei, um den badischen Aufständischen zu helfen.

Die Lage der Aufständischen war jedoch von Anfang an nicht sehr günstig. Die kleinbürgerlichen Führer der Erhebung unterließen vieles, was zum endgültigen Sieg des Aufstandes notwendig gewesen wäre. So versäumten sie, die revolutionäre Bewegung über Baden und die Pfalz hinaus in die benachbarten deutschen Länder zu tragen.

Es folgte die Auseinandersetzung mit den konterrevolutionären Truppen aus Preußen, die mit Übermacht in die Pfalz und nach Baden einfielen. Den preußischen Konterrevolutionären war es gelungen die revolutionäre Bewegung im Rheinland rasch niederzuschlagen. Die „Neue Rheinische Zeitung“ musste ihr Erscheinen einstellen. Friedrich Engels hatte sich unverzüglich ins süddeutsche Aufstandsgebiet begeben, während Karl Marx nach Paris eilte, um Hilfe zu organisieren.

Vor den Mauern der Festung Raststatt kam es zum letzten großen Kampf. Die Schlacht dauerte zwei Tage. Da umgingen preußische Truppen die Stellungen der Revolutionäre und fielen ihnen in den Rücken. Den Teil der Revolutionsarmee, in dem auch Engels kämpfte, konnte sich in die Schweiz zurückziehen. Der Rest wurde in der Festung Rastatt eingeschlossen. Als nach drei Wochen Munition und Lebensmittel aufgebraucht waren, musste sich die Festung am 23. Juli 1849 ergeben.

Die preußische Reaktion übte an den Wehrlosen grausame Rache. 28. Revolutionäre wurden zum Tode verurteilt. Viele andere wurden in den Festungskellern eingekerkert. Hunger und Krankheit wüteten unter den Gefangenen.

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Gefangene Revolutionäre in den Kasematten von Rastatt.(Zeitgenössische Darstellung)

 

Als die preußische Armee in Südwestdeutschland einfiel, hatten sich die Abgeordneten der deutschen Nationalversammlung von Frankfurt am Main nach Stuttgart zurückgezogen. Dort wurden sie vom Militär auseinandergetrieben.

In zahlreichen Kämpfen hatten die Volksmassen versucht, die Konterrevolution zurückzuschlagen. Zahlenmäßig schwächer sowie ungenügend organisiert und geführt, mussten Aufständischen der Übermacht des preußischen Militärs unterliegen. Mit dem Fall der Festung Rastatt fand die bürgerlich-demokratische Revolution 1848/49 ihr Ende.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel.

Geschichtsbuch DDR 8

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Ein Kommentar zu “Die Revolution von 1848, Teil 5

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