Der Frühkapitalismus in Deutschland: Der Vorabend der Revolution

Ende des 15. Und zu Beginn des 16. Jahrhunderts vollzogen sich Veränderungen, welche die Macht der Kirche und der Feudalherren erschütterten.

Die Ursachen dafür sind im schweren Leben der Bauern im Spätmittelalter(15. Jahrhundert) und in der Lage der Bevölkerung in den Städten zu finden

 

Das Entstehen einer revolutionären Bewegung

Die Handwerker und Kaufleute kämpften um Mitbestimmung in der Stadt, unterstützt durch die Stadtarmut. Die Lohnarbeiter in den Bergwerken streikten, um höhere Löhne zu erhalten. Am Anfang der revolutionären Bewegung stand die Bauernerhebung von 1476. Wie es nach mittelalterlichem Brauch üblich war, wurde auch 1476 am Sonntag nach dem 24. März auf Volksfesten der Winter ausgetrieben. An diesem Sonntag predigte der Hirte und Musikant Hans Böheim neben der Kirche von Niklashausen. Prediger wir Hans Böheim, auch Pfeiferhänslein genannt, traten vor dem Volk auf. Da war nicht ungewöhnlich. Doch neu waren die Ideen, die Hans Böheim verbreitete: Er predigte vom Horn Gottes gegen die Priester, verkündete, dass es bald weder Papst noch Kaiser geben solle. Abgaben, Frondienste und Zinsen sollten abgeschafft werden. Wald, Wasser und Weide frei sein. Es werde dazu kommen, „dass die Fürsten und Herrn noch umb einen Taglone mussen arbeiten“. Hans Böheim stellte in dem ersten überlieferten Aufstandsprogramm Forderungen auf, die 50 Jahre später im Bauernkrieg wiederzufinden sind.

Predigt des Pfeifers

Predigt des Pfeifers

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Der Bundschuh – eine mächtige Bauernverschwörung

Im Jahre 1493 entstand die erste Verschwörung unter dem Zeichen des Bundschuhs.

Bauern mit Bundschuhfahne

Bauern mit Bundschuhfahne

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Der Bundschuh war die Fußbekleidung des armen Mannes, ein grober Schuh aus Rindsleder, dessen Schaft bis an die Wade reichte. Er wurde mit langen Riemen kreuzweise gebunden. Jacob Hanser gründete die Bundschuhbewegung im Elsaß. Die Mitglieder des Geheimbundes wollten die Wucherer vertreiben, die Gerichte abschaffen, die Klöster beseitigen und die verschiedenen Steuern, Zölle und Abgaben einschränken. Die Mitglieder des Bundschuhs kamen nachts zusammen und berieten über ein gemeinsames Vorgehen gegen die Herren. Sie wollten Schlettstadt erobern und dann von hier aus die Bevölkerung zu den Waffen rufen. Das Geheimnis wurde verraten. Die Feudalherren ließen die Verschwörer verhaften. Der Bundschuh wurde unterdrückt.

Eine neue Bundschuhbewegung wurde 1502 unter Joß Fritz organisiert. Er war ein junger leibeigener Bauer aus Untergrombach bei Bruchsal. Hier in Süddeutschland hatten die Feudalherren die Abgaben erhöht. Die Bauern durften Wald und Weide nicht mehr uneingeschränkt nutzen. Eine langanhaltende Teuerung zog Hungersnot und Seuchen nach sich.

So scharten sich die Bauern und zahlreiche Landsknechte um Joß Fritz. Auf seiner Blau-weißen Fahne stand die Losung „Nichts denn die Gerechtigkeit Gottes“. Er gab der gesamten Bewegung ein revolutionäres Programm, das auf die Beseitigung der bestehenden Gesellschaftsordnung gerichtet war.

Aufstandsgebiete

Aufstandsgebiete

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Der Bundschuh wollte zu Ostern 1502 losschlagen. Es war beabsichtigt Schloss Obergrombach und die Stadt Bruchsal zu erobern und von dort aus einen großen Aufstand zu beginnen. Doch ein Landsknecht hatte den Plan in der Beichte dem Priester mitgeteilt, der ihn einem Feudalherrn verriet(Der Priester hat das Beichtgeheimnis nicht eingehalten. Eigentlich eine große Sünde. In diesem Fall interessierte das niemanden, denn es ging ja um den Erhalt der Macht der Feudalherren.). Die Feudalherren ließen 100 Mann verhaften, zehn davon wurden hingerichtet. Doch Joß Fritz entkam.

1513 stand Joß Fritz an der Spitze eines neuen Bundschuhs in Lehen bei Freiburg im Breisgau. Sein Kampf richtete sich jetzt nicht nur gegen die Pfaffen, sondern auch gegen den Adel. Außerdem war er zur Erkenntnis gelangt, dass sich die Bauern mit den Handwerkern und dem armen Volk der Städte verbinden müssen. Diese Verschwörung und auch die 1517 am Oberrhein vorbereitete wurden vor dem geplanten Aufstand entdeckt. Zur gleichen Zeit begannen Unruhen unter der städtischen Bevölkerung, z.B. in Würzburg. Es erhob sich 1514 die württembergische Bevölkerung im Aufstand des „Armen Konrad“. Doch dieser Aufstand wurde von den Feudalherren niedergeschlagen.

Ende des 15., Anfang des 16. Jahrhunderts waren breite Schichten des deutschen Volkes in Bewegung geraten. Die Entwicklung drängte auf eine grundlegende Umwälzung der Verhältnisse in Stadt und Land, auf eine Revolution hin. Die Volksmassen wollten nicht mehr in Not und Elend leben. Damit begann eine neue Phase von Klassenkämpfen in Deutschland.

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Vorabend Revolution

Buchtitel Geschichte DDR 6. Klasse

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Ein Kommentar zu “Der Frühkapitalismus in Deutschland: Der Vorabend der Revolution

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