Die Fuggerei

Die Fugger werden in der offiziellen Geschichtsschreibung und der heutigen, bzw. kapitalistischen Propaganda als „gute Menschen“, als „gute Kapitalisten“ hingestellt. Man denkt als Erstes an die Fuggerei. Das ist die erste Sozialsiedlung der Welt. Kapitalisten handeln nicht uneigennützig und verschenken nichts. Mit Stiftungen und sozialen Wohltaten polieren sie ihr Image auf. Außerdem basieren diese Wohltaten auf der Weitsicht der jeweiligen Kapitalisten, bzw. deren Beauftragten. Denn zufriedene Arbeiter und arme Menschen begehren nicht auf und wünschen keine andere Gesellschaftsordnung. Später war es meist mit dieser Weitsicht nicht weit her. Erst recht nicht heute, wo das kapitalistische System weltweit gesiegt hat(von einzelnen Ausnahmen abgesehen).

Die Fuggerei wurde am 23. August 1521 von Jakob Fugger als Wohnsiedlung für bedürftige Augsburger Bürger gestiftet. Im Stiftungsbrief wurde festgelegt:

„Namlich so sollen soliche hewser Fromen Armen taglönern und handtwerckern und burgern und inwonern dieser stadt Augsburg, die es notturftig sein und am besten angelegt ist, umb gottes willen gelichen und darin weder schankung muet und gab nit angesehen …“

Erbaut wurde die Anlage zwischen 1516 und 1523 unter Federführung des Baumeisters Thomas Krebs. Damals entstanden 52 Wohnungen um die ersten sechs Gassen. Die nach weitestgehend standardisierten Grundrissen erstellten Wohnungen in den durchwegs zweigeschossigen Häusern waren für die Verhältnisse der Entstehungszeit großzügig geplant. Geradezu modern war die Konzeption der Fuggerei als Hilfe zur Selbsthilfe. Die Sozialsiedlung war für von Armut bedrohte Handwerker und Taglöhner gedacht, die aus eigener Kraft, zum Beispiel wegen einer Krankheit, keinen eigenen Haushalt führen konnten. Sie konnten innerhalb und außerhalb der Fuggerei ihrem Broterwerb nachgehen und sollten im Fall der wirtschaftlichen Erholung wieder ausziehen. Den Bewohnern der Fuggerei blieb eine für die damalige Zeit geradezu luxuriöse Privatheit erhalten.

ein Raum des Fuggereimuseums

Raum des Fuggereimuseums(2006 neu gestaltet)

Bildquelle: Von Wolfgang B. Kleiner / context medien und verlag Augsburg – context medien und verlag Augsburg, CC BY-SA 3.0,  Bild ist entsprechend verlinkt

 

Die Fuggerei beherbergte bis ins 20. Jahrhundert vor allem Familien mit oft mehreren Kindern. In die Sozialsiedlung durften nur „würdige Arme“ einziehen. Bettler wurden nach dem Willen des Stifters nicht aufgenommen.

Ihren Namen erhielt die „Fuckerey“ schon 1531. Der erste Fuggerei-Geistliche war der 1925 heiliggesprochene Jesuit Petrus Canisius. 1581/82 errichtete der Baumeister Hans Holl in der Siedlung die von Markus und Philipp Eduard Fugger gestiftete Kirche St. Markus. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Fuggerei von den Schweden bis 1642 weitgehend zerstört. Von 1681 bis zu seinem Tod 1694 lebte Franz Mozart, der Urgroßvater des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart, in der Fuggerei.

Erweiterungen der Fuggerei erfolgten in den Jahren 1880 und 1938. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Siedlung bei einem britischen Fliegerangriff in der Augsburger Bombennacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 bei zwei Luftangriffen der Royal Air Force auf Augsburg zu etwa zwei Dritteln zerstört. Bereits am 1. März 1944 beschloss das Fürstlich und Gräflich Fuggersche Familienseniorat schriftlich den Wiederaufbau der Fuggerei.

Ab 1945 wurde die Sozialsiedlung mit Mitteln aus der Stiftung nach den Plänen von Raimund von Doblhoff nach historischem Vorbild wieder aufgebaut, sodass bereits 1947 die ersten Gebäude wieder bezogen werden konnten. In den 1950er Jahren war der Wiederaufbau abgeschlossen. Bis 1973 wurde die Fuggerei auf hinzu erworbenen angrenzenden Trümmergrundstücken um etwa ein Drittel auf heute 67 Häuser mit 140 Wohnungen erweitert.

Markuskirche und Herrengasse

Markuskirche und Herrengasse

Bildquelle: Von Martin Kluger / context medien und verlag Augsburg – context medien und verlag Augsburg, CC BY 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Die Fuggerei heute

Die meisten Wohnungen in der Fuggerei sind jeweils etwa 60 Quadratmeter groß und haben jeweils einen eigenen Eingang. Die im Erdgeschoss liegenden Wohnungen verfügen fast alle über einen Garten, die im Obergeschoss über einen Speicher. Die Wohnungen sind an das Fernwärmenetz der Stadt Augsburg angeschlossen. Die mechanischen Türglocken, die per Zug betätigt werden, sind auch im Zeitalter der Elektrik durchwegs erhalten und funktionieren wie vor bald 500 Jahren. Die Gehänge und Handgriffe der alten Glocken unterscheiden sich, angeblich, um in der dunklen Fuggerei (es gab noch kein Licht) Verwechslungen zu vermeiden. Die Aufnahmebedingungen sind immer noch dieselben wie zur Zeit der Gründung: Wer in der Fuggerei wohnen will, muss Augsburger, katholisch und gut beleumundet sein. Die Jahres(kalt)miete für eine Wohnung in der Fuggerei beträgt bis heute den nominellen, inflationsunbeachteten Wert eines Rheinischen Gulden(umgerechnet 0,88 Euro). Die Nebenkosten tragen die Mieter (85,– Euro seit 1. Juli 2013).

Die 2007 eingerichtete Sozialwohnung

Die 2007 eingerichtete Sozialwohnung

Bildquelle: Von context medien und verlag Augsburg – context medien und verlag Augsburg, CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Das Ensemble mit acht Gassen und drei Toren ist eine „Stadt in der Stadt“ mit eigener Kirche, „Stadtmauern“ und mehreren „Stadttoren“. Seit dem Jahr 2006 ist für Besucher allerdings nur noch ein Tor geöffnet, das jeden Abend von 22 Uhr bis 5 Uhr vom Nachtwächter geschlossen wird. Fuggereibewohner, die bis 24 Uhr durch das Ochsentor zurückkehren, geben dem Nachtwächter einen Obolus von 0,50 Euro, danach einen Euro. Ab 5 Uhr ist das Haupttor wieder offen. Der Besitz der Fuggereistiftung besteht aus Wäldern und Immobilien und finanziert die Sozialsiedlung bis heute. Als neue wirtschaftliche Einnahmequelle kam ab 2006 der Tourismus hinzu.

Ecke in der Fuggerei

Ecke in der Fuggerei

Bildquelle: Von Lernerfolg at de.wikipedia – Eigenes Werk, Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Verwaltet wird die Fuggerei als eine von neun Fuggerschen Stiftungen durch die Fürstlich und Gräflich Fuggersche Stiftungs-Administration. Stiftungs-Administrator ist Wolf-Dietrich Graf von Hundt. Das Aufsichtsgremium der Verwaltung ist das Fürstlich und Gräflich Fuggersche Familienseniorat. Seit dem Jahr 2004 führt mit Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger erstmals eine Frau den Vorsitz des Familienseniorats. In ihm sind außerdem Albert Graf Fugger von Glött sowie Hubertus Fürst Fugger-Babenhausen und Markus Graf Fugger-Babenhausen vertreten.

 

Tourismus in der Fuggerei

Die Fuggerei ist neben dem Augsburger Rathaus das wohl beliebteste touristische Ziel in der Stadt. Ihr Besuch kostet Eintritt, der zur Erhaltung der Fuggerei verwendet wird. Im Jahr 2006 wurde das Fuggereimuseum erheblich erweitert und neu gestaltet. Es beherbergt auch die letzte im Originalzustand erhaltene Wohnung, die im Stil des 18. Jahrhunderts eingerichtet wurde. Seit dem Jahr 2007 zeigt eine komplett eingerichtete Schauwohnung in der Ochsengasse, wie Fuggereibewohner heute leben. Im Jahr 2008 entstand das Museum im „Weltkriegsbunker in der Fuggerei“. Im erhaltenen Luftschutzbunker von 1943 werden die Entstehungsgeschichte des Bauwerks, die Augsburger Bombennacht vom 25./26. Februar 1944, die Wiederaufbaujahre und die Erweiterung der Fuggerei bis 1973 dokumentiert.

Hauptstraße

Hauptstraße

Bildquelle: Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Brunnen in der Fuggerei

Brunnen in der Fuggerei

Bildquelle: Von Lernerfolg in der Wikipedia auf Deutsch – Übertragen aus de.wikipedia nach Commons durch Akkakk., Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

Im Fuggereimuseum, in der Schauwohnung und im Weltkriegsbunker erklären jeweils Filme die Geschichte der Stiftung und der Stifterfamilie. Mehrere Sehenswürdigkeiten in der Fuggerei – von der Kirche bis zum Wohnhaus Franz Mozarts – sind seit 2006 in den Sprachen Deutsch, Italienisch und Englisch beschildert. Im Jahr 2007 wurde in der Fuggerei das erste und bislang einzige Augsburger Denkmal für den Stifter der Fuggerei, Jakob Fugger den Reichen, aufgestellt.

Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger mit Michail Gorbatschow bei dessen Fuggerei-Besuch 2005

Michael Gorbatschow besucht die Fuggerei

Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger mit Michail Gorbatschow bei dessen Fuggerei-Besuch 2005

 

Bildquelle: Von Martin Kluger / context medien und verlag Augsburg – context medien und verlag Augsburg, CC BY 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Im Jahre 2005 besuchte Michail Gorbatschow die Fuggerei. Wozu? Er hat den Hauptbeitrag dazu geleistet, dass der Teil der Welt untergangen ist, wo es ohne Kapitalisten ging und, jede Wohnung eine Sozialwohnung war, auch wenn die Wohnungssituation in den damaligen sozialistischen Ländern angespannt war.

 

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

Advertisements

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s