Der Raubfrieden von Brest-Litowsk

Rote Armee auf Marsch nach Narwa

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

Mit dem Dekret über den Frieden hatte die Sowjetregierung ihre Friedensbereitschaft kundgetan. Sie war entschlossen das Dekret in die Tat umzusetzen und dem Krieg ein Ende zu bereiten. Der Aufbau der neuen, sozialistischen Gesellschaftsordnung konnte nur im Frieden vollzogen werden.

Am 15.(28.) November 1917 wandte sich die Sowjetregierung an die Regierungen kriegführenden Länder und schlug ihnen die Beendigung des Krieges und den Abschluss eines Friedensvertrages vor. Doch die Sowjetmacht hatte es mit den Regierungen räuberischer imperialistischer Staaten zu tun. Die Mächte der Entente lehnten das Angebot eines allgemeinen Friedens ohne Annexionen und Kontributionen ab. Sie forderten von Sowjetrussland, den vom Zarismus begonnenen Krieg fortzusetzen und die Front im Osten, die erhebliche deutsche Truppen band, aufrechtzuerhalten. Deutschland und Österreich-Ungarn dagegen erklärten sich zu separaten Friedensverhandlungen mit Sowjetrussland bereit. Sie dachten jedoch nicht an einen gerechten und demokratischen Frieden, sondern waren entschlossen, die augenblickliche militärische Schwäche Sowjetrusslands zu räuberischen Annexionen auszunutzen. In den Friedensverhandlungen, die am 09. (22.) Dezember 1917 in Brest-Litowsk begannen, forderten sie die Abtrennung der baltischen Gebiete, großer Teile Russisch-Polens und der Ukraine.

Lenin erkannte richtig, dass die Sowjetregierung die harten Friedensbedingungen annehmen musste, wenn sie die Existenz der Sowjetmacht nicht gefährden wollte. Sie brauchte dringend eine Atempause, um ihre Positionen zu festigen und eine neue kampfkräftige Armee aufzubauen. Doch als die sowjetische Delegation den räuberischen Vertrag nicht sofort bedingungslos unterzeichnete und die Verhandlungen zunächst abbrach, ging die deutsche Armee am 18. Februar 1918 zum Angriff auf Sowjetrussland über. Obwohl sich die Sowjetregierung nach am selben Tag zur Unterzeichnung des Friedensvertrages bereit erklärte, setzten die deutschen Militaristen den Vormarsch fort. Dem Sowjetland drohte tödliche Gefahr. Am 21. Februar erließ der Rat der Volkskommissare den Aufruf „Das sozialistische Vaterland ist in Gefahr!“. Zehntausende Arbeiter und demobilisierte Soldaten traten als Freiwillige in die Armee ein, um ihr Land gegen die deutschen Eindringlinge zu verteidigen. In heldenhaftem Kampf stellten sich die Einheiten der Roten Armee den deutschen Truppen entgegen. Am 23. Februar 1918 kam es bei Pskow, Reval (heute Tallinn) und Narwa zu schweren Kämpfen, in denen deutsche angriffe zurückgeschlagen wurden. Zur Erinnerung an die Gründung der Roten Arbeiter- und Bauern-Armee und ihre ersten erfolgreichen Kämpfe wird der 23. Februar jährlich als Tag der Sowjetarmee begangen.

Am Morgen des 23. Februar erklärte sich die deutsche Regierung zu einem Waffenstillstand bereit. Sie stellte nun jedoch bedeutend härtere Bedingungen und forderte den Abschluss des Vertrages in kürzester Frist. Am 03. März 1918 unterzeichnete die sowjetische Delegation den Friedensvertrag von Brest-Litowsk. Damit verlor Sowjetrussland weite Teile des Landes mit mehr als 60 Millionen Menschen, darunter die reichste Kornkammer, die Ukraine, fast alle Ölquellen und etwa 80 Prozent der Eisen- und Kohleproduktion. Der Vertrag von Brest-Litowsk war ein der Sowjetrepublik aufgezwungener Raubfrieden. Der deutsche Imperialismus, der selbst schon vor dem Zusammenbruch stand, zeigte noch einmal seine ganze Eroberungsgier und Brutalität. (Erst der Sturz der Monarchie in Deutschland im November 1918 ermöglichte es der Sowjetregierung, den Raubvertrag zu annullieren.)

Sowjetrussland war aus dem imperialistischen Weltkrieg ausgeschieden. Es hatte zwar schwere Bedingungen auf sich nehmen müssen, aber die Sowjetmacht war erhalten geblieben. Sie bekam zunächst eine Atempause, konnte dringend notwendige politische, wirtschaftliche und militärische Maßnahmen durchführen, ihre Kräfte stärken und sich auf die Abwehr neuer imperialistischer Überfälle vorbereiten.

Karte Raubfrieden Von Brest-Litowsk

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

 

Originaltext:

Raubfrieden von Brest-Litowsk

 

Geschichte DDR 9. Klasse

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Werbeanzeigen

3 Kommentare zu “Der Raubfrieden von Brest-Litowsk

    • Danke Sascha für Deinen Kommentar. Ich werde auf diesen und andere Beiträge von Dir nochmal zurückkommen. Mir ist aufgefallen, dass Trotzki im Geschichtsbuch der DDR einfach totgeschwiegen wurde. Besser wäre es gewesen „Ross und Reiter“ zu nennen und erklären, dass er ein Verräter war. Im Geschichtsbuch war nur von der Delegation die Rede.

      Gefällt mir

  1. Pingback: Das Heranreifen der Revolution in Deutschland 1917/1918 | Die Trommler - Archiv

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s