Der Übergang von der bürgerlich-demokratischen zur sozialistischen Revolution

Die Periode der Doppelherrschaft

Die widerspruchsvollen Machtverhältnisse der Doppelherrschaft, das nebeneinander zweier, ihrem Klassencharakter nach entgegengesetzter Diktaturen konnte nicht von langer Dauer sein. Die Provisorische Regierung war nicht bereit die Forderungen des Volkes zu erfüllen. Unter dem Druck der Massen war sie zwar gezwungen, die Verhaftung der Zarenfamilie anzuordnen und deren Ländereien zu beschlagnahmen, doch der Krieg wurde, als „revolutionäre Vaterlandsverteidigung“ getarnt und mit den alten imperialistischen Zielsetzungen fortgesetzt. Die Bauern erhielten kein Land, sondern wurden auf kommende „gesetzliche Regelungen“ vertröstet. Gestützt auf den alten Staatsapparat und die sozialrevolutionären und menschewistischen Führer in den Sowjets, war die bürgerliche Provisorische Regierung bestrebt, die Revolution einzudämmen und die Staatsmacht vollständig in ihren Händen zu konzentrieren.

Aber auch die revolutionären Kräfte erstarkten. Viele Bolschewiki trafen jetzt nach jahrelanger Verbannung und Emigration wieder in den politischen Zentren Russlands ein. Am 03.(16.) April kehrte Lenin aus der Schweiz nach Russland zurück.

 

Empfang Lenins am Bhf

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

 

Bereits am nächsten Tag verkündete Lenin auf einer Versammlung bolschewistischer Delegierter der Gesamtrussischen Beratung der Sowjets seine berühmten Aprilthesen. Darin begründete er den Kurs der Partei auf das Hinüberwachsen der bürgerlich-demokratischen Revolution in die sozialistische Revolution, die allein die dringenden Lebensfragen des Volkes lösen konnte. Da die Provisorische Regierung zunächst über keine militärischen Machtmittel gegen die Volksmassen verfügte, bestand die Möglichkeit, diesen Übergang auf friedlichem Wege, das heißt ohne bewaffnete Kräfte, zu vollziehen.

Lenin erläutert Aprilthesen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

 

Lenins Aprilthesen 1

Lenins Aprilthesen 2

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

Unter der Losung „Alle Macht den Sowjets“ wandten sich die Bolschewiki gegen jede Unterstützung der Provisorischen Regierung und forderten, die ungeteilte und vollständige Herrschaft der Sowjets zu errichten. Die Aprilthesen enthielten das konkrete Kampfprogramm der Partei für den Übergang zur sozialistischen Revolution.

Lenin orientierte die Partei darauf, durch Aufklärung und Überzeugung den irregeführten werktätigen Massen anhand ihrer Erfahrungen die Richtigkeit der bolschewistischen Forderungen zu beweisen, ihre Mehrheit zu gewinnen und damit auch den entscheidenden Einfluss in den Sowjets zu erlangen.

Fünf Monate nach dem Sturz des Zarismus waren die berechtigten Forderungen des Volkes noch immer nicht erfüllt. Die Zerrüttung der Wirtschaft war weiter fortgeschritten. Die gescheitere Juni-Offensive hatte 60 000 Opfer gefordert.

Wichtigste Ereignisse 1

Wichtigste Ereignisse 2

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

Am 04.(17.) Juli 1917 demonstrierten in Petrograd über 500 000 Arbeiter, Soldaten und Matrosen. Sie forderten die Übernahme der Macht durch die Sowjets, die Übergabe des Bodens an die armen Bauern und den Abschluss eines für alle Völker gerechten Friedens. Die Juli-Demonstration drohte zu einem bewaffneten Zusammenstoß zu führen. Lenin und die Bolschewiki erkannten jedoch, dass eine revolutionäre Situation noch nicht herangereift war und warnten vor verfrühten Aktionen. Es gelang ihnen zwar nicht, die Demonstration zu verhindern, jedoch konnten sie ihr einen organisierten und friedlichen Charakter verleihen. Doch auf Befehl der Provisorischen Regierung, die entschlossen war, die revolutionären Kräfte niederzuschlagen, feuerten Einheiten von Offiziersschülern in die demonstrierenden Massen. Mehr als 400 Menschen wurden getötet oder verletzt. Die kleinbürgerlichen, opportunistischen Führer des Petrograder Sowjets, die völlig in bürgerlichen Auffassungen befangen waren, unterstützten das blutige Vorgehen der Regierung. Sie stellten sich damit offen auf die Seite der konterrevolutionären Bourgeoisie, die am 08.(21.) Juli den Sozialrevolutionär Kerenski zum Ministerpräsidenten der Provisorischen Regierung berief.

Petrograd Juli 1917

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

Mit den Juli-Ereignissen war die Macht völlig an die konterrevolutionäre Regierung, das Organ der Großbourgeoisie und Gutsbesitzer, übergegangen, und die von Menschewiki und Sozialrevolutionären geleiteten Sowjets wurden zu deren Anhängseln. Die Periode der Doppelherrschaft war zu Ende.

Die Vorbereitung des bewaffneten Aufstandes durch die Bolschewiki

Nachdem die Provisorische Regierung mit offener Gewalt und Terror gegen die revolutionäre Bewegung vorgegangen war, bestand die Möglichkeit einer friedlichen Entwicklung zur sozialistischen Revolution nicht mehr. Die konterrevolutionäre Politik der Regierung, die nicht daran dachte, die Grundforderungen des Volkes zu erfüllen, beschwor für Russland eine Katastrophe herauf. Es blieb nur ein Ausweg: Sturz der Provisorischen Regierung und Errichtung der Macht des Proletariats und der armen Bauernschaft. Das konnte nur noch durch den bewaffneten Kampf der Arbeiter, Soldaten und der armen Bauern erfolgen. Die Partei der Bolschewiki beschloss deshalb auf ihrem VI. Parteitag im August 1917, der illegal in Petrograd durchgeführt wurde, Kurs auf die Vorbereitung des bewaffneten Aufstandes zu nehmen.

Terrormaßnahmen Provisorische Regierung 1

Terrormaßnahmen der Provisorischen Regierung 2

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

Die Mehrheit der Arbeiter, Soldaten und werktätigen Bauern hatte sich überzeugen können, dass die Politik der Bolschewiki richtig war. Am 31. August (13. September) 1917 ging der Petrograder und am 05. (18.) September der Moskauer Sowjet auf die Seite der Bolschewiki über. Ihnen folgten noch im September Hunderte anderer Sowjets in den wichtigsten Städten und Gebieten des Landes. Ende September 1917 hatte die revolutionäre Krise das ganze Land erfasst. Die sozialistische Revolution war herangereift.

Die Mehrheit der Arbeiter, Soldaten und werktätigen Bauern hatte sich überzeugen können, dass die Politik der Bolschewiki richtig war. Am 31. August (13. September) 1917 ging der Petrograder und am 05. (18.) September der Moskauer Sowjet auf die Seite der Bolschewiki über. Ihnen folgten noch im September Hunderte anderer Sowjets in den wichtigsten Städten und Gebieten des Landes. Ende September 1917 hatte die revolutionäre Krise das ganze Land erfasst. Die sozialistische Revolution war herangereift.

Am 07. (20.) Oktober kehrte Lenin illegal aus Finnland nach Petrograd zurück. Unter seiner unmittelbaren Leitung bereitete das Zentralkomitee der bolschewistischen Partei den bewaffneten Aufstand vor.

Vorbereitung bewaffnete Aufstand 1

Vorbereitung bewaffneter Aufstand 2

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Geschichte DDR 9. Klasse

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Originaltext:

Übergang zu sozialistischer Revolution

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