Soziale und kulturelle Errungenschaften in der DDR, Seite 4, Wohnungsbauprogramm als Kernstück

Das Wohnungsbauprogramm als Kernstück

Von besonderer Bedeutung war das Wohnungsbauprogramm.  Man sagt deshalb auch, dass es Kernstück der sozialpolitischen Programms der DDR war.

Bauarbeiter Kopie

Bildquelle: Fotos der BAK-macher
http://www.bakbuch.de/Fotos_BAK-Kollegen.htm

 

Warum war das so?

Einmal war es so, weil eine gute Wohnung für das Wohlergehen jeder Familie Voraussetzung ist. In der DDR musste man lange auf eine Wohnung warten. Jungverheiratete Paare mussten, oft schon mit dem ersten Kind, bei den Eltern, bzw. Schwiegereltern leben. Junge Singles oder vorübergehende Partnerschaften hatten  keine Chance. Denn alle Wohnungen waren Sozialwohnungen und wurden als Sozialgut nach Bedürftigkeit verteilt. So hatten Familien den Vorrang. Hatte man aber erst eine Wohnung, so war diese unkündbar und spottbillig. Man musste sich dann niemals mehr Sorgen machen. Viele Menschen wohnten noch unter schwierigen Bedingungen in Altbauwohnungen. Auch sie warteten lange auf eine Neubauwohnung.  Die Freude war um so größer, wenn endlich eine Neubauwohnung zugewiesen wurde.

Es wurde viel gebaut. Neue Stadtviertel, Wohngebiete und Häuser wurden gebaut und veränderten das Bild der Städte.

Das Wohnungsbauprogramm war so bedeutungsvoll, weil es mit großen Kosten verbunden war. Es erforderte viel Material und Arbeitskräfte. Die Bauweise war rationell, heute sind diese Häuser als Plattenbauten verpönt und sind schlechtgeredet und geschrieben worden. Andererseits wird moderne Bauweise nach ähnlichem Konzept, heute Modulbauweise u.ä. genannt, als Neuheit angepriesen. Nun ja, „das Rad wird neu erfunden“, denn man darf ja nicht sagen oder schreiben, dass ähnliches bereits in der DDR dagewesen ist oder man gar Dinge aus der DDR als Vorbild nimmt.

Bauarbeiter DDR Kopie

Bildquelle: Fotos der BAK-Macher
http://www.europarl.europa.eu/news/de/headlines/priorities/20170616TST77649

 

Neben dem Baumaterial wurde auch Material für die Einrichtung gebraucht, was ja in der DDR auch alles hergestellt und zum Verkauf bereitgestellt werden musste. Das war nicht immer einfach.

Es ging nicht nur um schöne Wohnungen. Auch die Infrastruktur musste stimmen. Man hatte daran gedacht auch viele Einrichtungen zu bauen, damit diese für die Bewohner der Neubaugebiete fußläufig erreichbar waren. Z.B. Kinderkrippen und-gärten, Schulen, Kulturhäuser, Turnhallen, Geschäfte Bibliotheken, Gaststätten, Jugendklubs und andere Dienstleistungseinrichtungen.

Folie13 Kopie

Besser lesbar als PDF-Datei:

Ausschnitt aus Erich Mielke Wahlkundgebung 1976jpg

 

Aus „Erich Mielke – Rede auf Wahlkundgebung im VEB Hydrierwerk Zeitz(1976)“ Zum Power Point-Vortrag umgestaltet von Petra Reichel

Ein Beitrag aus der Website „Erich Mielke – Power Point-Vorträge“

 

Das ist nach der Annexion der DDR „den Bach runtergegangen“. Die Neubauviertel sind heruntergekommen und oft soziale Brennpunkte geworden.  Die Infrastruktur ist beseitigt worden. Lange Wege sind zum Kindergarten, zur Schule und zum einkaufen zurückzulegen. Jugendklubs u.ä. gibt es oft nicht mehr. So ist die „Platte“ wiederrum in Verruf gekommen. In der DDR wusste niemand, was ein sozialer Brennpunkt ist.

zerstörte DDR-Wohnungen Kopie

zerstörte DDR-Wohnungen

Bildquelle: Berliner Zeitung
http://www.berliner-zeitung.de/berlin/ddr-plattenbauten-wenn-die-platte-verschwindet-326598

Viele in der DDR neu errichtete Wohnungen sind nach der Annexion der DDR abgerissen worden. Sie passen nicht auf den kapitalistischen Immobilienmarkt. Andererseits sind bezahlbare Wohnungen Mangelware geworden.

Soweit es nicht zu kostspielig war, wurde in der DDR auch der Rekonstruktion(Modernisierung) alter Häuser und Wohnungen Aufmerksamkeit geschenkt. Das war aber teurer und  aufwändiger, als Neubau. Anders, als bei heutigen Luxusmodernisierungen, bezahlte man in der DDR auch hierfür einen niedrigen, ja man kann sagen, sogar einen symbolischen Mietpreis. Bei den heutigen Luxusmodernisierungen werden die Mieter aus ihren Wohnungen und ihrem Viertel vertrieben, da sie die dann höheren Mietpreise nicht mehr bezahlen können. Es werden Szeneviertel daraus, wo es sich „Otto Normalo“ und „Lieschen Müller“ sich nicht leisten können dort zu wohnen.

Modernisierung Wohnungen DDR

Bild entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1987

 

Nicht nur der Neubau und die Modernisierung alter Häuser, sondern auch die Unterhaltung, wie notwendige Reparaturen musste Aufmerksamkeit geschenkt werden. Vor allem musste das auch finanziert werden. Bei den symbolischen Mietpreisen war das ein Zuschussgeschäft.  Dies wurde vom Staat finanziert. Das machte mehr Sinn, als heutige Wohngeldzahlungen und Zahlungen über Hartz IV und Grundsicherung. Insbesondere, da bei  der heutigen Finanzierung der Wohnkosten aus den Sozialkassen sehr niedrige Sätze vorgegeben werden, die kaum der Realität entsprechen. So ist es soweit gekommen, dass das Sozialamt per Zeitung die Vermieter aufruft bezahlbare Wohnungen bereitzustellen. Das kommt einer Bettelei gleich. Ob das was nützt ist die Frage.

Öffentlicher 16.08.2018 Bettelartikel vom Sozialamt Wohnungen

„Öffentlicher Anzeiger“ 16.08.2018

 

1990 sollte in der DDR das Wohnungsproblem als soziales Problem gelöst sein. Der Wohnungsbau sollte fortgesetzt werden und die Erhöhung der Wohnkultur noch stärker in den Vordergrund treten. Doch dazu ist es bekanntlich nicht mehr gekommen.

 

Fortsetzung Seite 5

 

 

Advertisements

3 Kommentare zu “Soziale und kulturelle Errungenschaften in der DDR, Seite 4, Wohnungsbauprogramm als Kernstück

  1. Pingback: Soziale und kulturelle Errungenschaften in der DDR, Seite 3 | Die Trommler - Archiv

  2. Pingback: Soziale und kulturelle Errungenschaften in der DDR (Übersicht) | Die Trommler - Archiv

  3. Pingback: Das Wohnungsbauprogramm der DDR | Was war die DDR ?

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s