Die Haltung der opportunistischen Führung in der Sozialdemokratie im Oktober 1918

Als Anfang Oktober 1918 die revolutionäre Krise ausbrach, suchte die herrschende Klasse verzweifelt nach einem Ausweg aus der Kriegsniederlage zur Rettung ihrer Macht. Die Furcht vor dem „Bolschewismus“, vor dem Schicksal der russischen Bourgeoisie, war zum Alpdruck für die deutsche Großbourgeoisie geworden.

Die führenden Vertreter des Monopolkapitals und der Militaristen erkannten, dass sie in der neuen Epoche der Weltgeschichte nur noch ihre Klassenherrschaft behaupten konnten, wenn es ihnen gelang, die rechten Führer der SPD noch enger an den imperialistischen Staat zu binden und die Spaltung der Arbeiterbewegung zu vertiefen. Die rechten sozialdemokratischen Führer, die bereits 1914 Burgfrieden mit der imperialistischen Bourgeoisie geschlossen hatten, ließen diese auch jetzt nicht im Stich. Schon Anfang 1918 hatten die rechten Führer der SPD und der USPD, deren Wortführer vor allem Karl Kautsky war, den Erfahrungen und Lehren der Oktoberrevolution die revisionistische Theorie eines „dritten Weges“ entgegengestellt.

Die Theorie des „dritten Weges“, der zwischen Kapitalismus und Kommunismus verlaufen sollte, gab vor, dass die Arbeiterklasse in den entwickelten kapitalistischen Ländern ohne sozialistische Revolution, ohne revolutionären Sturz der imperialistischen Staatsmacht und ohne Diktatur des Proletariats auf dem Wege der bürgerlich-parlamentarischen Demokratie durch Wahlen und politische Reformen friedlich in den Sozialismus hineinwachsen könnte.

Diese Theorie war die Antwort des Opportunismus auf die Große sozialistische Oktoberrevolution. Nach dem Januarstreik, der den großen Einfluss dieser Revolution auf die Arbeiterklasse gezeigt hatte, gingen die rechten Führer der SPD und der USPD immer mehr zum offenen Antibolschewismus über. Sie verleumdeten die Sowjetmacht als „bolschewistische Gewalt- und Terrorherrschaft“ und prophezeiten ihren baldigen Zusammenbruch. Diese Propaganda wurde jahrzehntelang weitergeführt, bis der prophezeite Zusammenbruch des Sozialismus in Europa  1989 nun doch eingetreten ist.

Die Theorie des „dritten Weges“ wird bis heutzutage propagiert. Nach der Niederlage des Sozialismus 1989 wird die Theorie des „dritten Weges“ umso mehr propagiert.

Mit der Theorie des „dritten Weges“ und des „demokratischen Sozialismus“ versuchten die rechten Führer, ihre opportunistische Politik zur Irreführung der Arbeiterklasse den neuen Bedingungen nach der Oktoberrevolution anzupassen. Sie sollte den Kampf der Massen für die revolutionäre Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse in die Bahnen der bürgerlichen Demokratie lenken und die weitere Klassenzusammenarbeit mit der imperialistischen Bourgeoisie auf der Grundlage des Antikommunismus als „friedlichen“ und „demokratischen“ Weg zum Sozialismus erscheinen lassen.

Diese Methode ist uns auch heutzutage wohlbekannt, da sie von der Sozialdemokratie und der Partei DIE LINKE angewandt wird. Nach der Niederlage des Sozialismus 1989 können die Sozialdemokratie und die Partei DIE LINKE mit der Theorie des „dritten Weges“ erfolgreich agieren, da sie diese Niederlage als Bestätigung für ihre Theorie anbringen können. Die heutige Partei DIE LINKE blendet aus, dass die SED eine ihrer Quellparteien ist.

Als die herrschenden Kreise Anfang Oktober 1918 versuchten, durch parlamentarische Reformen die Revolution zu verhindern, waren die rechten Führer der SPD bereit, dabei aktiv mitzuwirken. Am 3. Oktober 1918 wurde der angeblich liberale Prinz Max von Baden mit Zustimmung der Obersten Heeresleitung und der Mehrheit des Reichstages zum Reichskanzler berufen. In seine Regierung traten zwei führende Sozialdemokraten, Philipp Scheidemann und Gustav Bauer, als kaiserliche Staatssekretäre ein. Damit übernahmen rechte sozialdemokratische Führer zum erstenmal unmittelbar Funktionen im imperialistischen Staatsapparat, der der Niederhaltung der Arbeiterklasse und der werktätigen(arbeitenden)Masse diente.

spartakusbrief oktober 1918spartakusbrief oktober 1918 2quelle spartakusbrief oktober 1918

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

brief max von baden oktober 1918quelle brief max von baden oktober 1918

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Ende Oktober 1918 beschloss der Reichstag Verfassungsänderungen, durch die einige Rechte des Kaisers auf den Reichstag übertragen wurden. So durften die Parteien nun den Reichskanzler und die Minister vorschlagen, und die Regierung wurde dem Parlament verantwortlich. Auf für Kriegserklärung und Friedenschluss war künftig die Zustimmung des Reichstages erforderlich. Damit wurden zwar die Rechte des Parlamentes erweitert, aber an den ökonomischen und politischen Machtverhältnissen hatte sich nichts geändert. Die rechten Führer der SPD versuchten der Arbeiterklasse und den anderen Werktätigen(arbeitende Menschen)vorzutäuschen, dass Deutschland nun ein „demokratischer Volksstaat“ geworden sei, in dem der Sozialismus friedlich seinen Vormarsch antreten könne.

 

geschichtsbuch-ddr-9-klasse-kopie-2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

oppurtunistische führung sozialdemokratie oktober 1918

 

 

Ein Kommentar zu “Die Haltung der opportunistischen Führung in der Sozialdemokratie im Oktober 1918

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