Das Wiedererstarken des deutschen Imperialismus

Der Dawesplan

Im Jahre 1924 berieten Sachverständigenausschüsse, die unter amerikanischem Druck von der Reparationskommission eingesetzt worden waren, wie Deutschland und seine im Versailler Vertrag festgelegte Verpflichtung, den Siegermächten, den Siegermächten Reparationen zu zahlen, in den kommenden Jahren erfüllen sollte. Der Dawesplan verpflichtete Deutschland, 1924/25 1 Milliarde Goldmark als Reparationszahlung aufzubringen, in den folgenden Jahren gestaffelt steigende Raten und von 1928/29 an bis auf eine noch unbestimmte Zeit jährlich mindestens 2,5 Milliarden Mark zu zahlen. Diese Summen sollten hauptsächlich aus den Mitteln des Staatshaushalts(unter anderem aus Zöllen und Steuern auf Lebens- und Genussmittel)aufgebracht werden. Zur Gewährleistung dieser Zahlungen errichteten die Siegermächte eine Kontrolle über die Reichsbank, die Reichsbahn und über einen bedeutenden Teil des Staatshaushaltes. Somit beschnitten sie die Souveränität Deutschlands über des im Versailler Vertrag vorgesehene Maß hinaus. Deutschland erhielt zur Stabilisierung seiner Währung eine Anleihe von 800 Millionen Goldmark, hauptsächlich von amerikanischen und englischen Banken. Mit dem Dawesplan verwirklichte das amerikanische Finanzkapital seinen Anspruch auf die führende Rolle in Europa.

Führende Gruppen der deutschen Monopole und rechte Führer der Sozialdemokratie und Gewerkschaften priesen diesen Vorstoß des amerikanischen Imperialismus als „aufgehende Dollarsonne“, deren „Strahlen die deutsche Wirtschaft dauerhaft beleben“ werden.

Karikatur Dawesplan

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Grundlegend anders verhielt sich die KPD zu diesem imperialistischen Plan. Die bekämpfte ihn konsequent, weil sie erkannte, dass der Dawesplan die Grundlage war, auf der sich die ausländischen Imperialisten mit dem deutschen Imperialismus auf Kosten der deutschen Werktätigen(arbeitende Menschen)verständigten. Während die Hauptlast der Reparationen mit Hilfe von Steuern und Zöllen den Volksmassen aufgebürdet wurde, gewährten die staatlichen Behörden den Monopolherren etwa eine Milliarde Steuererleichterungen. (Diese Politik kommt uns bekannt vor.)Von den mehr als 32 Milliarden Mark ausländischer Anleihen, die nach Annahme des Dawesplans bis 1932 nach Deutschland flossen, wanderte der größte Teil in jene Konzerne, die für die Rüstung von entscheidender Bedeutung waren.

Mit Hilfe der ausländischen Anleihen und der Inflationsgewinne und Profite wurden die wichtigsten Industriezweige rasch rationalisiertDamit beschleunigte sich auch die  Konzentration der Produktion und des Kapitals in Deutschland.

1925 entstand in Deutschland der größte Chemietrust Europas, die „Interessengemeinschaft Farbenindustrie AG“(IG Farben)mit 78 in- und ausländischen Betrieben, in denen 1929 etwa 120 000 Arbeiter beschäftigt waren. Der Trust beherrschte nahezu 100  Prozent der synthetischen Treibstoffproduktion, 80 Prozent der deutschen Farben- und Stickstoffproduktion, 40 Prozent der pharmazeutischen und 25 Prozent der Kunstseidenproduktion.

1926 schlossen sich rheinisch-westfälische monopolistische Bergbau- und Hüttenunternehmen zur „Vereinigten Stahlwerke Aktien-Gesellschaft“ zusammen. Sie beherrschte zwei Fünftel der Eisen- und Stahlproduktion und fast ein Viertel der gesamten Steinkohlenproduktion. In den Betrieben dieses riesigen Konzerns waren etwa 200 000 Arbeiter tätig.

Deutsche Wirtschaft 1927

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Finanzkapitalisten, die an der Spitze dieser Riesenmonopole standen, beherrschten nicht nur die Schlüsselpositionen der deutschen Wirtschaft, sondern bestimmten auch kraft ihrer gewaltigen ökonomischen Macht mehr denn je die Grundrichtung der Regierungspolitik. Das vollzog sich in dieser Periode hauptsächlich über das ständige Zusammenwirken von Unternehmerverbänden und Staatsapparat. In Deutschland verwirklichte nunmehr der Staat zum ersten Mal in einer Konjunkturperiode in breiterem Maße eine Reihe staatsmonopolistischer Aufgaben. (Siehe Beitrag, entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1985).So regulierte er den Strom der ausländischen Anleihen, den Export, die Steuer- und Lohnpolitik und die Sozialpolitik zugunsten der großen Monopole. Daran hat sich bis heute nichts geändert.  Während der vierzigjährigen Existenz der DDR (1949-1989)waren diese Zustände auf dem Gebiet der heutigen Neu-Bundesländer beseitigt worden.  Seit 1990 geht es in ganz Deutschland unverändert weiter, wie es in den 1920er Jahren begann.

Unternehmen des Stinnes-Konzerns 1925

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Folgen der Rationalisierung für die Werktätigen(arbeitenden Menschen) in Deutschland

Wie in allen imperialistischen Staaten kamen die Ergebnisse der Anstrengungen und Leistungen der Arbeiter und Angestellten im Prozess der kapitalistischen Rationalisierung auch in Deutschland in erster Linie und fast ausschließlich den Finanzkapitalisten zugute.

Profitentwicklung AEG 1924-1929

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Imperialisten nutzten die Rationalisierungsprofite unter anderem auch dazu aus, um Meister und Vorarbeiter durch einträgliche Löhne und andere Arbeitsbedingungen zu bestechen. Dadurch schuf sich die Monopolbourgeoisie erneut eine starke Oberschicht besser bezahlter Arbeiter, womit sie die Ausbreitung des Opportunismus und die Spaltung der Arbeiterklasse förderte.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Eine Ausnahme bildet das Gebiet der heutigen Neu-Bundesländer während der 40jährigen Existenz der DDR(1949-1989). Heutzutage  ist es sogar noch schlimmer geworden, da nun der Einsatz von Leiharbeitern u.ä. hinzukommt, um die Arbeiterklasse weiterhin zu spalten und durch hohe Fluktuation ein Zusammengehörigkeitsgefühl und Solidarität innerhalb der Arbeiterklasse erst gar nicht aufkommen zu lassen. Das ist einer der Gründe, dass die Arbeiterklasse heutzutage politisch keine Rolle mehr spielt.

Das Lohnniveau der übergroßen Mehrheit aller Arbeiter und Angestellten blieb niedrig. Arbeiter in Berlin erhielten laut Ermittlung des Genfer Internationalen Arbeitsamtes kaum zwei Drittel des Durchschnittslohns der Londoner Arbeiter. Aber verglichen mit dem vorangegangen Elend der Inflationszeit war das dennoch eine bedeutende Verbesserung der Lebenslage der deutschen Arbeiter und Angestellten. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Mehrheit der Arbeiter noch 1927 zum Teil erheblich mehr als 48 Stunden in der Woche und bedeutend intensiver arbeiten musste.

Weil im Rahmen der kapitalistischen Rationalisierung auch die Arbeitsintensität außerordentlich gesteigert und das Arbeitstempo verschärft wurden, nahmen die Arbeitsunfälle zu. Im Zeitraum von 1924 bis 1928 stieg die Unfallhäufigkeit um etwa 90 Prozent. Heute gibt es zumindest Maßnahmen zur Unfallverhütung. In der DDR waren diese konsequenter, als in der Alt-BRD und im heutigen Deutschland.

Gleichzeitig verloren Hundertausende Arbeiter und Angestellte durch die Rationalisierung ihre Arbeitsplätze. Es entstand eine Ständige Arbeitslosenarmee. Ihr Vorhandensein nutzten die Kapitalisten, um sowohl die Arbeitsintensität noch weiter zu steigern als auch die Löhne der Beschäftigten noch mehr zu drücken. Mit Ausnahme der vierzigjährigen Existenz der DDR(1949-1989) auf dem Gebiet der heutigen Neu-Bundesländer, hat sich bis heute nichts geändert. Hinzu ist der Ausbau prekärer Arbeitsverhältnisse(z.B. Leiharbeit) gekommen, um Löhne zu drücken und schlechtere Arbeitsbedingungen zu schaffen sowie die Arbeiterklasse zu spalten.

Entwicklung Arbeitslosigkeit in Deutschland 1924-1929

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Neben der ständigen Arbeitslosenarmee breitete sich außerdem das Übel der Kurzarbeit aus. Es brachte für Hunderttausende Arbeiter zwangsweise die Verkürzung des Normalarbeitstages auf wenige Stunden am Tag, verbunden mit dem entsprechenden Lohnausfall. Dieses verringerte Einkommen reichte nicht mehr, um den Lebensunterhalt dieser Arbeiterfamilien zu sichern. Heute gibt es zumindest die Regelung von Ausgleichszahlungen(Kurzarbeitergeld) seitens der Agentur für Arbeit(früher Arbeitsamt).

Entwicklung Kurzarbeit 1924-1929

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Mit dem ökonomischen Wiedererstarken des deutschen Imperialismus vollzog sich zugleich seine politische Festigung. Im Januar 1925 bildete der reaktionäre Politiker Luther eine Reichsregierung, der erstmalig Vertreter der extrem reaktionären Deutschnationalen  Volkspartei angehörten. Das war in der politischen Entwicklung ein bedeutender Ruck nach rechts.

In den Reichspräsidentenwahlen 1925 gelang es den Großindustriellen und Junkern außerdem, den Kriegsverbrecher Hindenburg auf den höchsten Posten der Republik zu setzen. Das verschaffte den Militaristen einen großen Einfluss im Staat. Denn der Reichspräsident berief die Regierung, hatte den Oberbefehl über die gesamten Streitkräfte, ernannte Offiziere und Reichsbeamte und verfügte vor allem über die außerordentlich großen Vollmachten, die ihm lauf Artikel der Weimarer Verfassung zustanden.

Artikel 48 Verfassung Weimarer RepublikQuellenangabe Artikel 48 Verfassung Weimarer Republik

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Er war faktisch(Faktisch=Den Tatsachen nach, in Wirklichkeit, auch wenn die Bestimmungen oder Gesetze es nicht vorsahen, bzw. vorsehen) auch dem Reichstag übergeordnet; denn er konnte ihn auflösen. Diese Machtfülle in der Hand eines geschworenen Feindes des Volkes war eine große Gefahr für das gesamte deutsche Volk.

 

Paul von Hindenburg

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Die revanchistische Zielsetzung des deutschen Imperialismus

Deutsche Monopolherren hatten bereits in den ersten Nachkriegsjahren vereinzelt Kriegszielforderungen für einen Revanchekrieg erhoben. Stinnes riet zum Beispiel im Januar 1923, dass ostoberschlesische und nordböhmische Industriegebiet in Besitz zu nehmen.

Entsprechend den Interessen der führenden Monopolgruppen formulierte Außenminister Stresemann 1925 ein gestaffeltes außenpolitisches Revancheprogramm.

Stresemanns ProgrammQuelle Stresemanns Programm

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Stresemann plante, mit Hilfe der Auslandsdeutschen an den Grenzen der Weimarer Republik im Baltikum und im Donauraum Stützpunkte für die Expansionspolitik des deutschen Imperialismus zu schaffen. Diese Politik zielte letztlich auf ein imperialistisches Großdeutschland, das in Europa die Vorherrschaft ausüben sollte. Außenminister Stresemann, der nach außen hin stets vorgab, die Veränderung der Grenzen auf „friedlichem Wege“ verwirklichen zu wollen, war sich dessen bewusst, dass Fragen der Grenzrevision letzten Endes immer….durch das Schwert entschieden werden“. Mit den Friedensphasen der in Deutschland regierenden imperialistischen Politiker sollte die Tatsache verschleiert werden, dass sich der deutsche Imperialismus die Voraussetzungen für ein „scharfes Schwert“ für die Veränderung des Status quo(Status quo=Lage, die in einem bestimmten Augenblick besteht)in Europa zu schaffen begann. Die Reichswehrführung plante zur Revision der Ostgrenze, entsprechend ihrer aggressiven Tradition, einen Blitzkrieg. In den Manövern des Jahres 1927 wurde diese Aggression mit den Reichswehrtruppen bereits geübt.

 

 

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

geschichtsbuch-ddr-9-klasse-kopie-2

Originaltext aus dem Geschichtsbuch der DDR

Das wiederDas Wiedererstarken des deutschen Imperialismus

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