Das Sowjetland in den Jahren 1921 bis 1924

Die Lage Sowjetrusslands nach der Zerschlagung der Intervention und Konterrevolution und Weißgardisten offenbarte die damals unzerstörbare Lebenskraft der Völker, die sich von der Herrschaft des Imperialismus befreit und die Diktatur des Proletariats errichtet hatten. Mit beispielloser Initiative, Tatkraft und Opferbereitschaft hatten die Sowjetvölker die Errungenschaften der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution verteidigt. Aber auf dem Sowjetland lasteten die furchtbaren Folgen des imperialistischen Weltkrieges und der Intervention.

Viele Städte und Dörfer lagen in Trümmern, Betriebe waren zerstört oder stillgelegt, 70 000 Kilometer Eisenbahnstrecke und fast die Hälfte der Züge unbrauchbar geworden. Sowjetrussland produzierte nur noch den siebenten Teil von dem, was das ohnehin industriell zurückgebliebene zaristische Russland vor dem ersten Weltkrieg erzeugt hatte. Die landwirtschaftlichen Erträge sanken auf 65 Prozent des Vorkriegsstandes; Missernten lösten Hungersnöte aus. Es mangelte überall an Brot, Fett, Fleisch, Brennstoff, Schuhwerk und Kleidung.

Zerstörte Transportwege

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Und dieses verarmte Sowjetland blieb darüber hinaus von imperialistischen Großmächten umgeben, deren reaktionärste und aggressivste Vertreter ihre Politik, den Sowjetstaat zu vernichten, nicht aufgegeben hatten. Schließlich hatten sie ja 1989 Erfolg.

Auf der Flucht vor Hunger wanderten viele Industriearbeiter aufs Land. 1920 gab es im Sowjetland nur noch halb soviel Industriearbeiter wie 1913. Gleichzeitig wurden viele Bauern mit der Ablieferungspflicht unzufrieden, die in der Periode des Kriegskommunismus fortgesetzt wurde.  Die Bauern wollten ihre Erzeugnisse frei auf dem Markt verkaufen. Konterrevolutionären Elementen gelang es deshalb, die Bauern in einigen Orten der Ukraine, des Dongebietes und Sibiriens zu Aufständen aufzuwiegeln.

Um die Revolution weiterführen zu können, war es notwendig, die Landwirtschaft, die Industrie und das Verkehrswesen wiederherzustellen, den Warenaustausch zwischen Stadt und in Gang zu bringen sowie das Geld- und Kreditsystem zu regulieren. Diese Aufgaben wurden durch die Neue Ökonomische Politik in Angriff genommen.

In diesem Zusammenhang ersetzte die Sowjetregierung auch die Verpflichtung der Bauern, alle Lebensmittelüberschüsse an den Staat abzuliefern, durch die Einführung einer Naturalsteuer, das heißt durch eine Steuer in Form von landwirtschaftlichen Produkten. Nun konnten die Bauern den über die Naturalsteuer hinausgehenden Teil ihrer Erzeugnisse auf dem Markt frei verkaufen. Das ökonomische Bündnis der Arbeiterklasse mit der Bauernschaft festigte sich dadurch. In den Städten wurde der private Handel zugelassen.

Die Neue Ökonomische Politik stärkte und festigte die Arbeiter- und Bauern-Macht.

 

Der Leninsche Plan für den Aufbau des Sozialismus

Die Errichtung der Grundlagen des Sozialismus erwies sich als eine unerhört schwierige Sache, die sich nur durch eine systematische Entwicklung der Diktatur des Proletariats und ihrer materiellen Basis, der Volkswirtschaft, verwirklichen ließ.

Was die Arbeiterklasse nach Eroberung der politischen Macht tun musste, um das politische Herrschaftssystem und seine materielle Basis weiterzuentwickeln, das legte Lenin im Plan des sozialistischen Aufbaus dar. Seine grundlegenden Thesen, die er in einer Reihe von Artikeln entwickelte, waren folgende:

Die Grundlegende Voraussetzung für den Aufbau des Sozialismus ist die Diktatur des Proletariats. Der Staat in den Händen der Arbeiterklasse ist das Hauptinstrument, womit das siegreiche Proletariat sein kapitalistischen Gegner niederhalten und die sozialistische Umgestaltung aller Bereiche des gesellschaftlichen Lebens durchsetzen muss. Der sozialistische Staat stärkt sich vor allem dadurch, dass er in immer breiterem Maße die Arbeiter und Bauern zur aktiven Mitarbeit heranzieht und sich ständig durch neue Kräfte aus den Reihen der Werktätigen (arbeitenden Menschen) erneuert. Das ist in den letzten Jahren der untergangenen sozialistischen Länder in Europa nicht mehr gelungen.

Der Aufbau des Sozialismus ist nur unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer revolutionären Partei möglich. Um diese Aufgabe zu erfüllen, braucht die revolutionäre Arbeiterklasse die Einheit. Sie ist eine grundlegende Voraussetzung für einen erfolgreichen Verlauf des Aufbaus des Sozialismus.

Der Aufbau des Sozialismus ist nur möglich, wenn das Bündnis der Arbeiter und Bauern ständig ausgebaut und gesichert wird. Führende Kraft in diesem Bündnis ist die von der Kommunistischen Partei geleitete Arbeiterklasse. Die Partei muss ständig darauf bedacht sein, dieses Bündnis zu festigen.

Im Sowjetland war alles Notwendige für den vollständigen Aufbau der sozialistischen Gesellschaft vorhanden. Es bestand vor allem die Grundlage die sozialistische Produktionsweise, das gesellschaftliche Eigentum an Produktionsmitteln. Um auf diesem Fundament den Sozialismus aufzubauen, war die sozialistische Industrialisierung erforderlich. Die Hauptaufgabe der Partei bestand hier darin, die Industrie, besonders die Schwerindustrie, wiederherzustellen und zu entwickeln; das Land zu elektrifizieren und die Arbeitsproduktivität in der ganzen Volkswirtschaft zu steigern. Das Land musste seine technisch-ökonomische Rückständigkeit  überwinden. Mit der Industrialisierung wurde die materiell-technische Basis des Sozialismus geschaffen und die Verteidigungskraft des Sozialismus erhöht.

Die Arbeiterklasse musste die werktätige Bauernschaft in den Aufbau des Sozialismus einbeziehen und ihr helfen ihre rückständige zersplitterte Einzelwirtschaft in die sozialistische Großwirtschaft zu überführen. Die beste Form der Einbeziehung der Bauern ist die Genossenschaft. Es kam darauf an, der Bauernschaft zu helfen, Schritt für Schritt die genossenschaftliche Ordnung im Dorf zu schaffen. Die Kommunistische Partei musste den werktätigen Bauern Gelegenheit geben, sich an Hand eigener Erfahrungen vom Vorteil kollektiver(gemeinschaftlicher)Formen der Wirtschaft zu überzeugen und dann freiwillig den Weg zur Genossenschaft einzuschlagen. Die Industrialisierung des Landes ermöglichte es, der sozialistischen Landwirtschaft modernste Maschinen zur Verfügung zu stellen. Die Ausrüstung der sozialistischen Landwirtschaft mit moderner Technik erleichterte es den Bauern, sich für die sozialistische Großwirtschaft zu entscheiden.

Die zunehmende Bedeutung der Leitungstätigkeit des Staates und der Kommunistischen Partei, die Entwicklung der Großindustrie, die Ausrüstung der gesamten Volkswirtschaft mit modernster Technik und die Genossenschaftsbildung auf dem Lande machten es notwendig, das kulturelle Niveau des Volkes entschieden zu heben. Darum waren die Überreste kapitalistischer und kleinbürgerlicher Denk- und Lebensweise im Volke zu überwinden, war das Netz der Grund- und Mittelschulen, der Hochschulen und Universitäten und der Verlage bedeutend zu erweitern. Deshalb war das Analphabetentum restlos zu beseitigen, und darum waren alle Zweige der Wissenschaft rasch zu entwickeln. Darüber hinaus aber galt es vor allem, die marxistische Weltanschauung in das Volk hineinzutragen und es im Geiste des Kommunismus zu erziehen. Ohne eine sozialistische Kulturrevolution war der vollständige Aufbau des Sozialismus nicht möglich.

Dieser Leninsche Plan wurde zum wirksamsten theoretischen und praktischen Instrument der Kommunistischen Partei im Ringen um die sozialistische Umgestaltung der Gesellschaft.

Von besonderer Bedeutung war in jener Zeit für Sowjetrussland die Elektrifizierung. Bereits Ende 1920 unterbreitete die Staatliche Kommission für die Elektrifizierung Russlands (GORLERO) dem VIII. Sowjetkongress einen auf zehn bis fünfzehn Jahre berechneten Plan der Elektrifizierung Sowjetrusslands.

Lenin zu Elektrifizierung 1920Lenin zu Elektrifizierung 1920 2Quelle Lenin zu Elektrifizierung 1920

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Der GOLERO-Plan sah vor, dreißig, nach damaligen Begriffen große Überlandkraftwerke mit einer Gesamtleistung von 1,5 Millionen Kilowatt zu bauen. Die Stromerzeugung sollte gegenüber dem Stand von 1913 um das 4,6fache gesteigert werden.

aus Buch von Wellsaus Buch von Wells 2Quelle aus Buch von Wells

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Wolchow-Kraftwerk

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Sowjetvölker begannen mit der Verwirklichung des GOLERO-Planes. Sie bauten die Kraftwerke Kaschira, Schatura, Kisel und Nishni-Nowgorod(Balachna) sowie das Kraftwerk „Krasny Oktjabr“(Leningrad, heute St. Petersburg) und das Wolchow-Kraftwerk.

 

Die Gründung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken

Es waren vor allem die Erfahrungen aus den Kämpfen gegen die imperialistischen Interventen und Weißgardisten, die den Sowjetvölkern deutlich machten, dass die einen engeren Zusammenschluss gegen die Imperialisten und ihre konterrevolutionären Machenschaften brauchten. Die besonders reaktionären Gruppen im Lager des Imperialismus trachteten nach wie vor danach, die Sowjetvölker gegeneinanderzuhetzen und sie dann einzeln aus dem sozialistischen Staatenverband herauszubrechen. Diesen Absichten musste durch eine Festigung des Bündnisses der Sowjetvölker begegnet werden. Vor allem musste, entsprechend den allgemeinen Erfordernissen des Sozialismus, bei allen Völkern der Internationalismus vertieft und die brüderliche Einheit gefestigt werden. Aber auch die Aufgaben, die beim Aufbau der Grundlagen des Sozialismus auf der Tagesordnung standen, warfen in allen Sowjetrepubliken die Frage eines engeren Zusammenschlusses der Kräfte auf. Die Verträge, die die Sowjetrepubliken 1920/21 untereinander abgeschlossen hatten, enthielten zwar Artikel über die wirtschaftliche Zusammenarbeit, legten aber deine Bedingungen dafür fest und sahen auch keine vereinigten Planungs- und Leitungsorgane(heute würde man sagen Management) der Volkswirtschaft vor. Daraus erwuchsen große Schwierigkeiten, als es zum Beispiel darum ging, den GOLERO-Plan zu verwirklichen und das Sowjetland in Wirtschaftsbezirke einzuteilen. Die rasche Wiederherstellung der Volkswirtschaft ließ sich nur durch eine zentrale, planmäßig organisierte Zusammenarbeit aller Sowjetrepubliken erreichen.

Die Vereinigung der Sowjetrepubliken zu einem einheitlichen sozialistischen Staat war aber auch aus solchen objektiven Gründen notwendig, wie die der historisch gewachsenen Arbeitsteilung und der Gemeinsamkeit der Verkehrswege.(das entsprechende Geografiebuch der DDR für die 7. Klasse zum Nachsehen steht nicht zur Verfügung)

Die ersten Sowjetrepubliken

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Völker der Sowjetrepubliken erkannten die Notwendigkeit des Zusammenschlusses. Er wurde auf vielen Versammlungen der Parteiorganisationen, der Werktätigen und auf den Sowjetkongressen gründlich beraten. Im Dezember 1922 stimmten die Sowjetkongresse in allen Republiken für die Vereinigung.  Am 30. Dezember 1922 versammelten sich die Delegierten der Republiken im Moskauer Bolschoi-Theater zu einem Sowjetkongress. Er beschloss die Gründung der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR).

Die Deklaration über die Bildung der UdSSR verkündete das Prinzip der Freiwilligkeit des Zusammenschlusses, der Gleichberechtigung aller Unionsrepubliken und räumte jeder Republik das Recht des freien Austritts aus der Union ein. Moskau wurde Hauptstadt der UdSSR.

Durch die Zusammenarbeit der Sowjetrepubliken wurde die Bildung der Union in allen wichtigen gesellschaftlichen Bereichen fester, planmäßiger und beständiger. Es wuchs auch die Verteidigungskraft der Sowjetvölker. Geführt von der Kommunistischen Partei, schloss die Arbeiterklasse als einigende Hauptkraft des sozialistischen Unionstaates die Werktätigen der verscheiden Nationalitäten zum Kampf für die Verwirklichung des Leninschen sozialistischen Aufbauplanes fest zusammen.

DeklarationQuelle Deklaration

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

geschichtsbuch-ddr-9-klasse-kopie-2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text

Sowjetland 1921 bis 1924

 

 

2 Kommentare zu “Das Sowjetland in den Jahren 1921 bis 1924

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