Das Heranreifen von Bedingungen für den Übergang zur sozialistischen Revolution in der sowjetischen Besatzungszone

Seit 1946 sind in der sowjetischen Besatzungszone entscheidende Machtgrundlagen des Imperialismus beseitigt worden. Mit diesen grundlegenden Änderungen des gesellschaftlichen Lebens hatten die Arbeiterklasse, die über eine einheitliche revolutionäre Partei verfügte, und ihre Verbündeten in der sowjetischen Besatzungszone eine Ordnung errichtet, die ihrem sozialen Inhalt nach eine revolutionär-demokratische Diktatur der Arbeiter und Bauern (Aus heutiger Sicht ist das ein missverständlicher Begriff.) darstellte. Neben der Arbeiterklasse und den werktätigen Bauern beteiligten sich auch Angehörige der städtischen Mittelschichten und der nichtmonopolitischen Bourgeoisie an der Machtausübung.

Die antifaschistisch-demokratische Ordnung hatte viele wichtige Gemeinsamkeiten mit den ökonomischen und politischen Verhältnissen in den Volksdemokratien (osteuropäische Länder). Die war aber im Unterschied zu diesen nicht aus dem antifaschistischen Befreiungskampf hervorgegangen. Ein wesentlicher Unterschied zu den volksdemokratischen Revolutionen (Osteuropa) bestand darin, dass sich die revolutionären Umgestaltungen in der sowjetischen Besatzungszone auf der Grundlage des Potsdamer Abkommens vollzogen. Sie waren eng mit dem Kampf um einen Friedensvertrag und einen einheitlichen deutschen Staat verknüpft. Diese Aufgabe musste die SED berücksichtigen, als sich zwischen 1946 und 1948 unter ihrer Führung die antifaschistisch-demokratische Ordnung weiterentwickelte und festigte.

Die Arbeiterklasse und andere Werktätige (Erwerbstätige) hatten in diesen Jahren bis 1948 große Schwierigkeiten zu überwinden. Viele der dem Monopolkapital entrissenen Betriebe waren heruntergewirtschaftet und in schlechtem technischem Zustand. Überall mangelte es an Rohstoffen. Die einfachsten Gegenstände des täglichen Bedarfs waren nur auf Bezugsscheine erhältlich. Die Arbeitsproduktivität betrug im Jahre 1947 nur 56 Prozent des Standes von 1936; in Sachsen sank die Industrieproduktion von Oktober 1946 bis Februar 1947 um nahezu 40 Prozent. Der ungewöhnlich lange und strenge Winter 1946/47 verschärfte erheblich die Situation. 200 000 Tonnen Kohle aus dem Ruhrgebiet trafen nicht ein, weil die erstarkende Reaktion in den Westzonen die neue gesellschaftliche Ordnung in der sowjetischen Besatzungszone wirtschaftliche erdrosseln wollte.

Zerstörte Industrieanlagen in den westlichen Besatzungszonen und der sowjetischen Besatzungszone
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

In dieser Lage folgten viele Menschen der desorientierten Losung: „Erst besser leben, dann mehr arbeiten!“  Andere glaubten der antisowjetischen Hetze, dass nicht der räuberische Krieg des deutschen Imperialismus und seine Folgen, sondern die im Potsdamer Abkommen festgelegten Wiedergutmachungsleistungen Ursache der Not und des Elends seien.

Am 11. Januar 1947 beschloss die SMAD im Auftrag der Sowjetregierung und nach vorheriger Absprache mit den Vorsitzenden der SED, die Demontage einzustellen und die Reparationslieferungen aus der laufenden Produktion herabzusetzen. Von den 202 SAG-Betrieben übergab die Sowjetunion 74 in Volkseigentum. Diese Entscheidung sicherte vielen Tausenden Arbeitern und Angestellten ihre Arbeitsplätze und stärkte die volkseigene Industrie als Basis der antifaschistisch-demokratischen Ordnung.

Im Herbst 1947 konnte die SED bereits einschätzen, dass es bedeutende Erfolge in der antifaschistisch-demokratischen Umwälzung gab. Die Arbeiterklasse hatte sich unter Führung der SED zur bestimmenden Kraft der antifaschistisch-demokratischen Ordnung entwickelt. Es ging jetzt darum, die Wirtschaft in der sowjetischen Besatzungszone planmäßig zu entwickeln und damit bespielhaft auf die Werktätigen (Erwerbstätigen) in den Westzonen zu wirken.

Der wirtschaftliche Aufbau sollte aus eigener Kraft, ohne Abhängigkeit vom Imperialismus, vor sich gehen. Unter der LosungMehr produzieren, gerechter verteilen, besser leben!“ mobilisierte die SED alle Werktätigen (Erwerbstätigen) für die Weiterführung der revolutionären Umgestaltung, für die Verbesserung ihrer Lebensverhältnisse.

Der planmäßigen Entwicklung und Leitung der Volkswirtschaft diente die Bildung der Deutschen Wirtschaftskommission (DWK). Sie wurde im Juni 1947 als zentrales beratendes Organ (Institution) der SMAD ins Leben gerufen und im Februar 1948 mit weitergehenden Vollmachten ausgestattet. Sie übernahm die gesetzgeberische und administrative Verantwortung für den wirtschaftlichen Aufbau in der sowjetischen Besatzungszone und koordinierte ihn. Damit legte die SMAD die von ihr bis dahin ausgeübte Funktion der Wirtschaftsplanung und -leitung in die Hände bewährter Antifaschisten. Zum Leiter der Deutschen Wirtschaftskommission wurde der ehemalige Spanienkämpfer und SED-Politiker Heinrich Rau ernannt.

Mit den Beschlüssen über den Zweijahrplan 1949/50 und über die Festigung der neuen Staatsorgane (staatl. Institutionen) leitete die SED Mitte des Jahres 1948 die Etappe der allseitigen Festigung der antifaschistisch-demokratischen Ordnung ein. Der Zweijahrplan stellte den Übergang zur langfristigen Wirtschaftsplanung in der sowjetischen Besatzungszone dar. Die entscheidende sozialökonomische Grundlage für diesen Schritt waren die volkseigenen sowie die SAG-Betriebe. Durch den Ausbau der vorhandenen und den Aufbau neuer volkseigener Betriebe sowie die Steigerung ihrer Produktion wurde die Überlegenheit des Volkseigentums bewiesen und sein Übergewicht in der Volkswirtschaft hergestellt.

Plakat zum Zweijahrplan 1949/50
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Am Beginn des Zweijahrplanes wurde 1949 diese erste 100-Meter-Halle der Warnowwerft errichtet.
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Während der Jahre 1949/50 entstanden solche wichtigen Betriebe, wie die Stahlwerke Brandenburg, Henningsdorf und Riesa, die Maxhütte Unterwellenborn, das Kupferwerk Ilsenburg und das Stickstoffwerk Piesteritz. Der Ausbau der Kraftwerke Böhlen, Espenhain und Zschornewitz wurde in Angriff genommen.

Der ursprüngliche Planvorschlag sah vor, die industrielle Produktion auf 81 Prozent des Standes von 1936 zu steigern; erreicht wurden am Ende 1950 110,7 Prozent. Das hätten die Werktätigen (Erwerbstätigen) der sowjetischen Besatzungszone nicht ohne die Hilfe der UdSSR verwirklichen können. Ungeachtet ihrer eigenen großen Schwierigkeiten bei der Überwindung der Kriegsschäden, unterstützte sie den Neuaufbau.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Traktoren aus der Sowjetunion treffen in der sowjetischen Besatzungszone ein.
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

In vielen volkseigenen Betrieben unterbreiteten Werktätige (dort arbeitende) Vorschläge zur Erfüllung und Übererfüllung des Zweijahrplanes. Auch die demokratischen Kräfte der CDU und LDPD unterstützten seine Ziele. Reaktionäre Politiker dieser beiden Parteien setzten ihm jedoch heftigen Widerstand entgegen. Die erkannten, dass mit der Erfüllung des Zweijahrplanes die Arbeiterklasse und deren Verbündete ihre führenden Positionen stärken würden, dass sich damit die Aussichten auf eine Wiederherstellung der alten Besitz- und Machtverhältnisse verschlechterten. Sie waren dafür, den privatkapitalistischen Sektor der Volkswirtschaft auf Kosten des volkseigenen zu stärken. Die SED mobilisierte alle Kräfte, um die konterrevolutionären Anschläge abzuwehren. Sie half den fortschrittlichen Kräften in den verbündeten Blockparteien, die schwierigen Probleme der revolutionären Umwälzung in der sowjetischen Besatzungszone besser zu verstehen. Innerhalb der CDU und LDPD führten die politischen Auseinandersetzungen zu einer weiteren Isolierung der reaktionären Politiker.

Im Frühjahr 1948 wurden zwei kleinbürgerlich-demokratische Parteien gegründet: die Demokratische Bauernpartei Deutschlands (DBD) und die National-Demokratische Partei Deutschlands (NDPD).              Die NDPD bezog auch ehemalige Nazianhänger und Militärangehörige, die aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt hatten, in das politische Leben ein. Beide Parteien entstanden auf dem Boden der antifaschistisch-demokratischen Ordnung und schlugen von Anfang an einen entschiedenen demokratischen Weg an der Seite der Arbeiterklasse ein. Die Gründung dieser Parteien, die die führende Rolle der Arbeiterklasse und ihrer revolutionären Partei, der SED anerkannten, und ihre Aufnahme in den Block der antifaschistisch-demokratischen Parteien schwächten den Einfluss reaktionärer Politiker der CDU und der LDPD. Sie erleichterte den weiteren Zusammenschluss aller demokratischen Kräfte um die Arbeiterklasse. In der alten BRD sowie im heutigen Deutschland werden diese Parteien als „Blockflöten-Parteien“ verspottet. Doch es ist doch überall so, dass nur staatstragende Parteien legal agieren können. Auch z.B. die DKP bekennt sich zum Grundgesetz. Ansonsten wäre ihre Existenz nicht möglich.

Im Kampf um die Steigerung der Produktion entwickelte sich bereits 1948 unter Führung der SED einer breiten Aktivistenbewegung. Ihr Initiator war der Bergmann Adolf Hennecke, dessen Namen die Bewegung erhielt. Hennecke erfüllte am 13. Oktober 1948 im Karl-Liebknecht-Schacht in Oelsnitz seine Norm (Akkord) mit 387 Prozent. Diese Leistung erreichte er nach gründlicher Arbeitsvorbereitung und durch rationellen Einsatz der vorhandenen Technik.

 

Adolf Hennecke vollbringt am 13. Oktober 1948 seine historische Förderleistung
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Dies klingt unglaublich. Auch damals begegneten die arbeitenden Menschen der Leistung von Adolf Hennecke mit Unglauben. Aber politisch bewusste Arbeiter griffen sie begeistert auf.

Von Gegnern der neuen Ordnung wurde Adolf Hennecke angefeindet und mit üblen Verleumdungen überschüttet. Das setzt sich bis heute fort. Es ist nicht gelungen bei den Arbeitern in der alten BRD die Tat des Adolf Hennecke verständlich zu machen. Wer in der kapitalistischen Welt den „Akkord kaputt macht“ gilt als „Kollegenschwein“, bzw. als Verräter. Denn Arbeiter, die in der kapitalistischen Welt von sich aus Höchstleistungen vollbringen, wollen sich bei den Vertretern der Kapitalisten einschleimern. Sie sind tatsächlich Verräter ihrer Klasse. Wenn die Arbeiterklasse an der Macht ist, verhält sich das anders. Es ist nicht gelungen dies für die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung verständlich zu machen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Nach und nach fanden sich in allen volkseigenen Betrieben Aktivisten, die Hennecke-Schichten leisteten. Die Aktivistenbewegung entstand auf dem Boden des Volkseigentums. Sie bewies, dass die besten Arbeiter immer mehr den neuen Charakter der Arbeit in den volkseigenen Betrieben und ihre Verantwortung als Eigentümer der Produktionsmittel zu verstehen begannen. In den letzten Jahren der DDR ließ dieses Verständnis immer mehr nach. Das könnte eine Erklärung dafür sein, dass die Arbeiter ihre Betriebe, ihre Arbeitsplätze während der Konterrevolution nicht verteidigten.

Die Aktivistenbewegung trug entscheidend dazu bei, die Wirtschaftspläne zu erfüllen, die Lebenslage der Bevölkerung zu verbessern und das Bündnis der Arbeiterklasse mit den Bauern und den anderen Erwerbstätigen weiterzuentwickeln.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR 

Übergang zur sozialistischen Revolution in der sowjetischen Besatzungszone 

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