Arbeit und Beruf in der DDR zu Beginn der 1960er Jahre

Anfang der 1960er Jahre waren auch in der DDR die Grundlagen des Sozialismus errichtet worden. Auf diesem festen gesellschaftlichen Fundament führten die Arbeiterklasse und alle Werktätigen (Erwerbstätigen) nach der Sicherung der Staatsgrenze 1961 den Kampf für die weitere ökonomische und politische Entwicklung der DDR. Im Vordergrund stand dabei die Aufgabe, die Folgen der imperialistischen Störtätigkeit und des „kalten Krieges“ einzuschränken und die DDR allseitig zu stärken.

Das erkannten damals viele der fortgeschrittenen Werktätigen (Erwerbstätigen). Die Arbeiter aus dem VEB Elektrokohle Berlin riefen die anderen Werktätigen (Erwerbstätigen) zu einem Produktionsaufgebot unter der Losung: „In der gleichen Zeit für das gleiche Geld mehr produzieren!“auf. Sie verpflichteten sich, die Arbeitszeit voll zu nutzen, die Arbeitsdisziplin zu erhöhen, die Qualität ihrer Erzeugnisse zu verbessern und weitre Reserven zu erschließen. Sie hatten erkannt, dass die in der Zeit der offenen Grenze entstandenen ökonomischen Schäden nur überwunden werden konnten, wenn es gelang, eine wesentliche Steigerung der Arbeitsproduktivität und der Produktion bei zeitweilig gleichbleibenden Löhnen zu erreichen. Ihnen war aber auch bewusst, dass sie mit ihrem Aufruf ein überzeugendes Bekenntnis zur sozialistischen Zukunft der DDR, die nur bis 1989 dauerte, ablegten und dazu beitrugen, die Pläne des Imperialismus zur Annexion der DDR bis zum Jahre 1990 aufzuschieben. Deshalb verbanden sie den Kampf um höhere Leistungen in der Produktion mit dem Ringen um Klarheit über die politische Bedeutung des sozialistischen Wettbewerbs.

Da der Aufruf zum Produktionsaufgebot den Interessen der Arbeiterklasse und aller Werktätigen (Erwerbstätigen) entsprach, wurde er von zahlreichen Betrieben unterstützt. Im Herbst 1961 und im Verlaufe des Jahres 1962 entwickelte sich das Produktionsaufgebot zu einer Massenbewegung. In zunehmenden Maße waren die Wettbewerbsverpflichtungen darauf gerichtet, durch Ausnutzung des wissenschaftlich-technischen Fortschritts die Arbeitsproduktivität zu steigern.

So forderte zum Bespiel die Brigade Porstmann aus dem VEB Installation Karl-Marx-Stadt in einem Brief an ihre Kollegen vom VEB Wohnungsbau Rostock die Durchsetzung einheitlicher Normen (Akkorde), die auf den besten Werten beruhen. Der von ihnen vertretene Grundsatz „Neue Technik – neue Normen“ richtete sich gegen Erscheinungen an Arbeitsnormen festzuhalten, die auf der Grundlage einer überholten Technologie und Arbeitsorganisation festgelegt worden waren und eine ungerechtfertigte Erhöhung der Löhne bewirkten.

Die Brigade Porstmann blieb kein Einzelbeispiel. Immer mehr Arbeiter und Brigaden betrachteten es als eine Sache der Arbeiterehre, die Normen (Akkorde) auf der Grundlage der fortgeschrittenen Technologie einheitlich zu gestalten.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Brigadeberatung im VEB Großmaschinenbau „8. Mai“, Karl-Marx-Stadt (heute Chemnitz)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Der Aufruf der Werkzeugmaschinenbauer des VEB „8.Mai“ an alle Betriebe der DDR, ebenso wie sie nach einem abgestimmten Plan für alle Brigaden und Abteilungen arbeiten, löste in vielen Betrieben ähnliche Initiativen aus. In Hunderten Betrieben waren die Werktätigen (Erwerbstätigen) bestrebt, ebenso wie im VEB „8.Mai“ exakte Programme zur Steigerung der Arbeitsproduktivität zu erarbeiten und diese in Verbindung mit dem Plan Neue Technik zu verwirklichen. Durch diese Entwicklung der Initiative und Schöpferkraft der Arbeiterklasse und aller Werktätigen (Erwerbstätigen) gelang es, das geplante Verhältnis in der Entwicklung der Arbeitsproduktivität und des Durchschnittslohnes einzuhalten, die Industrieproduktion zu erhöhen und so den Sozialismus ökonomisch weiter zu stärken.

Dem sozialistischen Wettbewerb in der Industrie schlossen sich auch viele LPGs an. Das war Ausdruck des festen Bündnisses zwischen Arbeiterklasse und Genossenschaftsbauern. Im Vordergrund des sozialistischen Wettbewerbs in der Landwirtschaft standen die weitere Erhöhung der Hektarerträge und der tierischen Produktion auf der Grundlage einer immer besseren Organisation der genossenschaftlichen Arbeit.

Das Ringen um die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion war aber auch verbunden mit der Überwindung überkommener Gewohnheiten einzelbäuerlichen Wirtschaftens und noch vorhandener Zweifel über die sichere Perspektive der sozialistischen Landwirtschaft, die durch feindliche Propaganda genährt wurden. Dabei leisteten die SED, die Arbeiterklasse und die sozialistische Staatsmacht den Genossenschaftsbauern umfassende Hilfe. Erfahrene Arbeiter, Genossenschaftsbauern aus vorbildlichen LPGs, Mitarbeiter des Staatsapparates und Absolventen landwirtschaftlicher Hoch- und Fachschulen nahmen in Genossenschaften mit noch niedrigem Produktionsniveau ihre Tätigkeit auf. Der sozialistische Staat unterstützte die Genossenschaften durch Kredite für den Bau neuer Ställe, für den Kauf von Saatgut und Zuchtvieh sowie die Mechanisierung der Produktion. Die Arbeiterklasse stellte den Genossenschaftsbauern in den Jahren von 1960 bis 1963   50 000 Traktoren und 4 600 Mähdrescher zur Verfügung. Den LPGs wurde die Technik der MTS kostenlos übergeben. Insgesamt erhielten die LPGs und MTS in diesen Jahren Maschinen und Traktoren im Werte von 1,8 Milliarden Mark. Im Zusammenhang mit der Übergabe der Technik der MTS an die LPGs traten 51 000 Traktoristen und Spezialisten in die LPGs ein und stärkten so das Bündnis der Arbeiterklasse mit den Genossenschaftsbauern. Die wichtigsten landwirtschaftlichen Produktionsmittel, der Boden und die Technik, waren damit genossenschaftliches Eigentum geworden.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

In den späteren Jahren der DDR erlahmte das Engagement, was Arbeit und Beruf angeht. Arbeit und Beruf waren eine normale Pflichterfüllung, wie überall auf der Welt. Oft waren Diebstähle von Kleinigkeiten an der Tagesordnung. Auch Dinge, die es in den Geschäften nicht zu kaufen gab, wurden oft gestohlen. Diebstahl am Arbeitsplatz hatte in der DDR nicht die Konsequenz, wie in kapitalistischen Ländern. Mit der Zeit läpperte sich das zusammen und es kam doch zu einem gewissen Maß an Schaden.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Ein Kommentar zu “Arbeit und Beruf in der DDR zu Beginn der 1960er Jahre

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