Der Widerspruch zwischen dem reaktionären System und der kapitalistischen Entwicklung in Deutschland

Das Wiedererstarken der Reaktion

Die Revolution von 1848/49 hatte die gesellschaftlichen und politischen Zustände in Deutschland nicht zu ändern vermocht. Die historisch überlebten feudalen Kräfte – Könige, Fürsten und Junker – behielten weiter die politische Macht. Die Zersplitterung Deutschlands in über 30 Einzelstaaten blieb erhalten.

Die bürgerlichen Revolutionen 1848/49 in Europa
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die reaktionären Kräfte versuchten, die Niederlage der Revolution zur Festigung ihrer Herrschaft zu benutzen. So wurde der Deutsche Bund wiederbelebt. Er sollte dazu beitragen, dass die reaktionären Zustände in Deutschland erhalten blieben. Zwar gerieten Österreich und Preußen im Kampf um die Vorherrschaft im Deutschen Bund in zunehmenden Gegensatz zueinander, aber bei der Unterdrückung der Volksmassen wirkten sie einträchtig zusammen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Durch Gesetze und Verordnungen, Polizeiterror und Justizwillkür versuchten die Einzelstaaten und der Deutsche Bund, jede demokratische Regung und erst recht die Arbeiterbewegung zu ersticken. Die demokratischen Volksvereine und die Arbeiterorganisationen wurden unterdrückt, Presse und Versammlungen einer strengen Aufsicht unterworfen. Die Geheimpolizei wurde vergrößert.

Im Jahre 1851 gelang es der Polizei, führende Mitglieder des Bundes der Kommunisten zu verhaften. Nach achtzehnmonatiger Untersuchungshaft fand 1852 gegen zwölf Angeklagte der berüchtigte Kölner Kommunistenprozess statt. Trotz der Haltlosigkeit der Anklage, die auf Fälschungen und Meineiden beruhte, wurden 7 Angeklagte zu insgesamt 36 Jahren Festungshaft verurteilt.

Mit der Verurteilung der ersten internationalen und deutschen Arbeiterpartei sollte die Arbeiterbewegung als gesellschaftliche Kraft ausgeschaltet und die gesamte demokratische Bewegung entscheidend getroffen werden.

Zur Wirtschaft Deutschlands um 1860
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Die Zuspitzung der Widersprüche in Deutschland

Selbst die angestrengsten Bemühungen der Reaktion, eine politische Friedhofsruhe in Deutschland zu schaffen, konnten die Entwicklung nicht rückgängig machen. Gegen die gesellschaftlichen Gesetzmäßigkeiten war die Reaktion machtlos. Sie konnte nicht verhindern, dass sich auch in Deutschland der Kapitalismus in Industrie und Landwirtschaft schnell entwickelte.

So wirkten damals in Deutschland die gesellschaftlichen Widersprüche weiter, die schon zur Revolution von 1848/49 geführt hatten. Die kapitalistische Wirtschaft verlangte grundlegende politische Veränderungen. Wenn die deutsche Bourgeoisie auf dem Weltmarkt Schritt halten wollte, dann mussten die Fesseln fallen, die die kapitalistische Entwicklung hemmten. Noch immer gab es unterschiedliche Maße, Münzen und Gewichte, noch immer war die Gesetzgebung in den Einzelstaaten uneinheitlich. Die Bourgeoisie aber brauchte einen einheitlichen und starken Staat, der ihre Interessen im Inland wie auf dem Weltmarkt zu unterstützen vermochte.

Die Bildung des einheitlichen Nationalstaates musste antifeudalen Charakter tragen, als Aufgabe einer bürgerlichen Revolution sein. Während der Revolution war es die Aufgabe der Bourgeoisie, die Macht des Junkertums und der Dynastien zu beseitigen. Ein bürgerlich-demokratischer Nationalstaat lag aber nicht nur im Interesse der Bourgeoisie, sondern auch im Interesse der Arbeiterklasse. In einem solchen Staat hätte die Arbeiterklasse günstigere Bedingungen für ihre Organisation und die Entfaltung des proletarischen Klassenkampfes gegen die Bourgeoisie gehabt.

 

Die beiden Wege zur Schaffung eines einheitlichen Nationalstaates

Nur zwei Kräfte waren nach 1848/49 in der Lage, die nationalstaatliche Einigung gegen den Widerstand der Einzelstaaten herzustellen: die Volksmassen oder das junkerlich-militaristische Preußen. Diesen beiden entgegengesetzten Kräften entsprachen zwei mögliche Wege zur nationalstaatlichen Einigung.

Der Weg, den die Volksmassen gehen wollten, war die Revolution von unten. Nur eine revolutionäre Volksbewegung gegen die historisch überlebten, aber noch die Macht ausübenden feudalen Kräfte konnte zur Beseitigung der vielen Herrscherhäuser und ihrer Stützen, zur Schaffung eines einheitlichen Nationalstaates mit demokratischen Verhältnissen, zur Befreiung der national unterdrückten Völker und zur Herstellung friedlicher Verhältnisse zu den Nachbarvölkern führen. Dieser Weg war nur im Kampf gegen das junkerlich-militaristische Preußen für eine demokratische Republik möglich.

Der andere Weg, den das junkerlich-militaristische Preußen einschlagen wollte, war die Einigung Deutschlands von oben mit Gewalt durch den preußischen Militarismus. Dieser Weg richtete sich gegen die demokratischen Kräfte des deutschen Volkes und hatte die Erhaltung der Junker und Fürsten, die Vorherrschaft des reaktionären Preußens in Deutschland zum Ziel.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s