Die Eroberungskriege Friedrichs II.

Die Herrschaft der Habsburger war gefährdet, als 1740 Kaiser Karl VI. söhnelos starb. Schon lange zuvor hatte er sich bemüht, dass die europäischen Mächte die Erbfolge seiner einzigen Tochter Maria Theresia anerkannten. Doch nach seinem Tode kehrte sich niemand um diese Verträge.

Der neue preußische König Friedrich II.(1740-1786)war fest entschlossen, die schwierige Lage Österreichs auszunutzen. Er ließ sein Heer überraschend in das nur schwach besetzte Schlesien einfallen, das damals zu Österreich gehörte. Dann erst bot er Maria Theresia an, er wolle sie mit allen Kräften gegen ihre Feinde unterstützen; allerdings müsse sie ihm als Preis dafür Schlesien abtreten. Das war glatte Erpressung. Der hinterhältige Überfall auf Schlesien enthüllte das räuberische Wesen des preußisch-junkerlichen Militarismus.

Friedrich II.

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Friedrich II. zu Eroberungen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Entwicklung Brandenburg-Preußens im 17. und 18. Jahrhundert

Die Entwicklung Brandenburg-Preußens im 17. und 18. Jahrhundert

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Von anderen Mächten ebenfalls angegriffen, musste Österreich das in zwei Kriegen schwere militärische Niederlagen erlitten hatte, Schlesien abtreten. Damit erhielt Preußen eine reiche Provinz, in der vor allem die Leinwandproduktion blühte. Aber schon bald erwog Friedrich II. die Eroberung weiterer Gebiete.

Eroberungspläne FriedrichsII. 1752

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

1756 ergab sich die Gelegenheit für den preußischen König, diesen Plan zu verwirklichen. Als neue Kämpfe zwischen England und Frankreich um ihre nordamerikanischen und indischen Kolonialbesitzungen ausbrachen, ließ sich Preußen durch Subsidienzahlungen bewegen, auf die englische Seite zu treten. Frankreich stellte daraufhin seine jahrhundertealten Gegensätze zu Habsburg zurück und verbündete sich mit Österreich, dass seinerseits Preußen die schlesische Beute wieder entreißen wollte. Diesem Bunde schlossen sich Russland und auch Sachsen an. Der Konflikt von weltweitem Ausmaß wurde zum großen Teil wieder auf dem Boden Deutschlands und Böhmens ausgetragen. Er dauerte sieben Jahre, von 1756 bis 1763, so dass dieser dritte Schlesische Krieg als Siebenjähriger Kriegbezeichnet wird.

Die preußische Armee eröffnete die Kampfhandlungen wieder ohne Kriegserklärung und überfiel zunächst Sachsen. Dessen Heer wurde nach der Kapitulation geschlossen in preußische Dienste gepresst. Das Land blieb jahrelang besetzt und musste insgesamt 50 Millionen Taler aufbringen. Spöttisch bemerkte Friedrich: „Sachsen ist wie ein Mehlsack. Man mag darauf schlagen, so oft man will, es kommt immer etwas heraus.“

Nach dem Überfall auf Sachsen stießen die Preußen nach Böhmen vor. Vergeblich belagerten sie Prag. Vom österreichischen Heer geschlagen, mussten sie nach Sachsen zurückweichen. Seither wechselten Erfolge und Niederlagen beider kriegführenden Parteien rasch. Weite Teile des mittleren und nördlichen Deutschland wurden verwüstet.

Preußen war schließlich, von allen Seiten bedrängt und durch die in Amerika siegreichen Engländer im Stich gelassen, wirtschaftlich und militärisch erschöpft. Nur das Ausscheiden Russlands aus dem Krieg bewahrte Preußen vor der drohenden Katastrophe. So konnte es am Ende des siebenjährigen Krieges Schlesien behaupten, musste aber Sachsen räumen.

Auf dem Boden des Reiches bestanden in Gestalt Österreichs und Preußens nunmehr zwei Großmächte. Ihr Gegensatz sollte ein Jahrhundert lang die Politik in Deutschland beherrschen.

Der preußische Militärstaat hatte sich als gefährlicher, hinterlistiger Angreifer erwiesen, der den Frieden in Europa immer wieder bedrohte. Seine Politik richtete sich gegen die Interessen der Völker.

 

 

Die Teilungen Polens

Schon kurze Zeit nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges bereitete Preußen einen Raubkrieg gegen Polen vor. Hier gab es kein starkes Königtum Unablässig befehdeten sich die Adligen des Landes untereinander. Die Nachbarn erblickten darum in Polen eine leichte Beute. Sie konnten außerdem immer der Unterstützung einer mächtigen Adelspartei gewiss sein. 1772 beschlossen Preußen, Österreich und Russland die erste Teilung Polens, durch die Polen ein Drittel seines Territoriums verlor. Preußen verfügte jetzt über eine Landverbindung zu seiner Provinz Ostpreußen und beherrschte den Unterlauf der Wisla. Es konnte also die Getreideausfuhr Polens kontrollieren. In den neu erworbenen Gebieten wurde die polnische Bevölkerung der Ausplünderung durch den preußischen Staatsapparat unterworfen. Preußische Junker eigneten sich die Güter flüchtiger polnischer Adliger an.

1793 und 1795 fanden weitere Teilungen Polens zwischen den Großmächten statt.

Die drei Teilungen Polens

Die drei Teilungen Polens

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Durch die Aneignung der polnischen Gebiete in den Jahren 1772-1795 wurde der polnische Staat völlig beseitigt. Nun begann für das polnische Volk ein über hundert Jahre währender Kampf. Die Knechtung Polens, an der der preußisch-junkerliche Militarismus führend beteiligt war, hemmte nicht nur die nationale Entwicklung unseres östlichen Nachbarvolkes, sondern wirkte sich auch negativ auf die weitere Geschichte unseres eigenen Volkes aus. Daher traten die fortschrittlichen Deutschen, wenn sie gegen den preußischen Militarismus kämpften, immer auch für die Wiederherstellung der nationalen Unabhängigkeit Polens ein. Hier lag auch während der DDR-Zeit eine der Wurzeln der festen Freundschaft, die die Deutsche Demokratische Republik während ihres Bestehens mit der damaligen Volksrepublik Polen verband.

 

Die Rolle des preußischen Militarismus in der Geschichte

In drei Beiträgen wurden die verschiedenen Seiten des preußischen Militärstaates  behandelt: sein Heer und seine Verwaltung, seine Schul-, Wirtschafts- und Außenpolitik. Immer wieder musste dabei festgestellt werden, dass er alle Maßnahmen auf die Schaffung eines starken Heeres ausrichtete. Ein solches System, in dem das Militär der Hauptzweck des Staates ist und das gesamte gesellschaftliche Leben bestimmt, nennen wir Militarismus.

Im preußischen Staates 18. Jahrhunderts dienste dieses militaristische System den Interessen der herrschenden Junkerklasse, deren oberster Vertreter der König war. Mit seiner Hilfe sicherte diese reaktionäre Klasse die Ausbeutung und Unterdrückung der Werktätigen(arbeitenden Menschen)im eigenen Lande und besaß zugleich ein Mittel, um fremde Gebiete zu erobern und auszuplündern.

Von reaktionären Geschichtsschreibern, im Geschichtsbuch der DDR in Vergangenheitsform, heute Gegenwartsform(heutige offizielle Geschichtsschreibung), wurde und wird die Rolle Preußens in der deutschen Geschichte jedoch ganz anders dargestellt. Die Geschichtsschreiber verfälschen absichtlich die Wahrheit. Sie wollen damit den einfachen Menschen vorspiegeln, der preußische Staat habe nur das Wohl seiner Untertanen im Auge gehabt und sei allein dazu berufen gewesen, die politische Zersplitterung Deutschlands zu überwinden. Dabei stützen sich einige Historiker auf einige Äußerungen Friedrichs II., die scheinbar zeigen, wie gut es der König mit seinem Volk gemeint hatte. Es ist allerdings nicht ehrlich, wenn dies Geschichtsschreiber absichtlich übersehen, dass die preußischen Gesetze eigentlich einen ganz anderen Inhalt hatten. Erst wenn man auch diese Gesetze liest, versteht man, dass den unten abgedruckten Worten Friedrichs II. über die Rechtsprechung nicht ohne weiteres Glauben geschenkt werden kann.

Friedrich II. zu Rechtssprechung in Preußen

 entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Punkte aus preußischen Landrecht von 1794

 entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Allein schon die Tatsachen aus der Geschichte des 18. Jahrhunderts lehren, dass der preußische Staat mit dem Schweiße und dem Blute seiner Untertanen zusammengefügt und auf Kosten des deutschen Volkes und seiner Nachbarvölker vergrößert wurde.

Der preußische Militarismus spielte, bzw. spielt in der deutschen Geschichte stets eine verhängnisvolle Rolle. Vor allem solche Merkmale wie der Kadavergehorsam in der Armee und der Untertanengeist im gesamtgesellschaftlichen Leben wurden von den herrschenden Klassen in ihrem Interesse nachdrücklich betont. Es bleibt zu hoffen, dass noch viele Geschichtsbücher der DDR erhalten geblieben sind und in den Antiquariaten angeboten werden. Denn nur so kann die Nachwelt sich von den reaktionären Geschichtsschreibern unabhängig machen. DIE TROMMLER leistet in mit seinen bescheidenen Möglichkeiten einen kleinen Beitrag dazu.

Der Militarismus half, die Junkerherrschaft auch über das Ende der Feudalzeit hinaus zu erhalten. Ständig drohte die Gefahr, dass die preußisch-deutschen Militaristen mit Hilfe ihrer schlagkräftigen Armee ihre Eroberungspläne durch neue Angriffskriege in die Tat umsetzten. Im Inneren Deutschlands behinderten sie jede fortschrittliche Entwicklung für lange Zeit.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Eroberungskriege Friedrichs II.

 

 

 

 

Die preußische Innenpolitik im Zeichen des Militarismus

Der Ausbau des preußischen Absolutismus

Das Land konnte die ungeheure Last eines so außerordentlich großen Heeres kaum tragen. Nur eine straff geleitete, lückenlos durchorganisierte Verwaltung war in der Lage, die beträchtlichen Mittel zum Unterhalt des Heeres aus der Bevölkerung herauszupressen. Deshalb baute Friedrich Wilhelm I. nicht nur das preußische Heer, sondern auch den Staatsapparat aus.

Die einflussreichsten Verwaltungsstellen waren auch hier mit Adligen besetzt. Doch berief der König selbst Bürger in führende Positionen. Sie waren abhängiger und leichter zu beaufsichtigen als die Junker. Alle Beamten aber verpflichtete der König zu unbedingtem Gehorsam. Schon bei geringfügigen Nachlässigkeiten drohte er ihnen Absetzung oder Festungshaft an. Sie hatten die Politik des preußischen Staates gegenüber den Untertanen rücksichtslos durchzusetzen. Die Staatseinkünfte beruhten fast zur Hälfte auf der feudalen Ausbeutung der Bauern auf den königlichen Gütern, den Domänen, die ein Drittel des landwirtschaftlich genutzten Bodens Preußens umfassten. Die andere Hälfte entstammte Steuern. Sie wurden den einzelnen Klassen in unterschiedlicher Weise auferlegt.

Die Kontribution war eine Steuer, die auf den Bauernhöfen lastete. Durchschnittlich verschlang sie ein Drittel aller bäuerlichen Einnahmen.

Die Akzise war eine indirekte Steuer und zugleich Zoll.  Sie wurde dem Preis der Handelsgüter aufgeschlagen. An den Stadttoren erhob man sie von den meisten Waren, die in die Städte hineinkamen und dort auf dem Markt verkauft werden sollten. Bei ausländischen Gütern betrug der Akzisesatz bis zu Hälfte. Die Akziseeinkünfte konnte man leicht erhöhen. Sie stiegen mit wachsendem Verbrauch, auch der Steuersatz war jederzeit zu vermehren.

Der Adel war von Kontribution und Akzise befreit. Ihn vermochte der König nur mit militärischer Gewalt zu zwingen, eine wenige Taler betragende Geldsumme zu zahlen.

Die Steuern in Preußen

Die Steuern in Preußen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

In hohem Maße wurden in Preußen die Schulen dazu verwendet, im Sinne des Absolutismus gehorsame Untertanen zu erziehen. Wie in den meisten anderen deutschen Fürstentümern verordnete der preußische König, dass jedes Kind einige Jahre lang eine Schule besuchen müsse. Doch galt die allgemeine Pflicht nur dort, „wo Schulen sind“. Viele Dörfer mussten noch lange auf einen Schulbau warten. Im Übrigen lernten die Kinder wenig genug. „Ein bisschen Lesen und Schreiben“, dazu die Grundzüge der christlichen Lehre – das war für die Bauern als der Mehrheit der Bevölkerung gerade das Rechte. Sie sollten nicht mehr Bildung erwerben, als unbedingt nötig war. Während der wärmeren Jahreszeit mussten die Kinder immer wieder auf den Feldern arbeiten.

Die Lehrer befanden sich völlig in der Hand der Gutsherren. Sie hatten keine Spezialausbildung. Sehr oft handelte es sich um alte oder sonst militäruntauglich gewordene Soldaten und Unteroffiziere. In ihrer neuen Tätigkeit wandten sie die gleichen Erziehungsmethoden an wie auf dem Exerzierplatz. Mit Prügel sollten die Kinder in Unterwürfigkeit und ständiger Furcht erzogen werden. Die preußischen Untertanen durften nicht selbstständig denken, sondern mussten von Kind auf lernen, bedingungslos den Befehlen der Gutsherren, Beamten und Offiziere zu gehorchen. Das militaristische System mit seinem menschenunwürdigen Untertanengeist bemächtigte sich auch der Schule.

 

Die Wirtschaft im Dienste des Heeres

In Preußen herrschte die Landwirtschaft vor. Nur sehr wenige Städte besaßen ein entwickeltes Gewerbe, das vorwiegend in Zünften organisiert war. In der Zeit des Absolutismus wurden aber die Armeen erstmalig einheitlich bewaffnet und gekleidet. Der preußische Staat musste daher für die Einrichtung von Manufakturen sorgen, die er selbst verwaltete, oder durch bürgerliche Unternehmer betreiben ließ. In erster Linie ging es also um die Erhöhung der Staatseinkünfte, das heißt der Mittel für das Heer, wen die Manufakturen gefördert wurden. In zweiter Linie war das Heer unmittelbar mit allem Notwendigen auszurüsten. Diese Aufgabe war besonders schwierig, weil Preußen anfangs kaum über Hammerwerke, Gießereien und Pulvermühlen verfügte. Auch später musste es einen Teil der benötigen Waffen und Munition für teures Geld einführen. Leichte war die Sicherung des Uniformbedarfs, da die Wolltuchfabrikation zeitweise einen beachtlichen Aufschwung nahm. Über den Tuchbedarf des Heeres hinaus wurde sogar ein Export möglich.

Gründe des preußischen Königs für Ermunterung der Manufakturen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Schließlich gab es Gewerbe, die den Luxusbedürfnissen der Reichen dienten(Seiden-, Porzellan-, Spiegelherstellung). Für sie fehlten aber weitgehend ausgebildete Arbeitskräfte. Immerhin stieg die Zahl der Manufakturen insgesamt merklich an. Besonders Berlin, Residenz und größte Garnisonstadt, wurde zugleich ein Zentrum gewerblicher Produktion. Menschen, die religiöser Gründe wegen aus Frankreich und der Pfalz vertrieben und in Preußen aufgenommen wurden, brachten die Kenntnis neuer Produktionsverfahren mit.

Die meisten Unternehmungen dieser Zeit besaßen nur wenige Dutzende Arbeitskräfte. Eine Ausnahme war das Berliner Lagerhaus, das im Jahr 1738 4730 Arbeiter beschäftigte. Hier wurden Wolltuche hergestellt, teils in Heimarbeit, teils in der zentralen Werkstatt. Der Rohstoff kam aus dem eigenen Lande, da Schafwolle „bei Strafe des Galgens“ nicht exportiert werden durfte. Immer mehr Untertanen wurden gezwungen, Wolle zu verspinnen – selbst die beurlaubten Soldaten und besonders Insassen von Arbeits-, Armen- und Zuchthäusern sowie Waisenhäusern. Dem preußischen Staat kam es darauf an, dass derartige Einrichtungen möglichst keine Ausgaben verursachten.

Die im Potsdamer Militärwaisenhaus untergebrachten Kinder wurden in verschiedenen Manufakturen eingesetzt, auch zum Wickeln und Spulen von Seide, zum Spitzenklöppeln oder Ziehen von Gold- und Silberdraht. Selbst das Mädchenwaisenhaus verwandelte sich in ein Manufakturgebäude, in dessen acht Sälen im Jahr 1763 352 Mädchen beschäftigt waren. Bei einem Tuchunternehmer begann die Arbeitszeit für die Knaben im Sommer um 5 Uhr und dauerte mit einer Stunde Mittag bis 16 Uhr. Billigere Arbeitskräfte konnten die Kapitalisten nicht bekommen, zumal sie strenger Aufsicht unterlagen. Aus einem anderen Arbeitshaus wird berichtet, dass sich hier „kleine Kinder befinden, welche außer den täglichen 6 Schulstunden wöchentlich bis 6 Stücke wollen Garn spinnen und dadurch ihre Kost ziemlich verdienen“.

Der Missbrauch von in Heimen untergebrachten Kinder und Jugendlichen als billige Arbeitskräfte war in kapitalistischen Ländern noch bis in die 1970er Jahre Usus.. Erst jetzt geht man daran dies aufzuarbeiten. Dabei relativiert man wieder und schwingt die antikommunistische Keule, indem man behauptet, dass es in der DDR auch so gewesen sei.

So sehr der preußische Absolutismus die Ziele des Adels vertrat, in einem Punkte stießen schließlich enge Junker- und weitere Staatsinteressen aufeinander. Durch das Bauernlegen verringerte sich sie Zahl der Höfe, die zur Kontribution verpflichtet waren. König Friedrich II. verbot nachdrücklich, weiterhin Bauernstellen zu beseitigen. Das Verbot erstreckte sich nicht auf den einzelnen Bauern, der nach wie vor von seinem Junker vertrieben werden konnte, wenn nur ein Ersatzmann seine Stelle einnahm. Außerdem verpachtete der König einen Teil der Domänen an Bauernfamilien, hob die Leibeigenschaft auf dem Domänenland auf und begrenzte hier die Zahl der Frontage von sechs auf drei Werktage. Davon versprach er sich zu Recht eine Steigerung der Produktion und damit ein Anwachsen der staatlichen Einkünfte. Auf Grund dieser Maßnahmen wurde seit eh und je behauptet, die Hohenzollern hätten sozial gedacht, das heißt, sie hätten es darauf abgesehen, Not und Elend der Bauernmassen zu lindern.

Die Staatseinnahmen Preußens, dessen Bevölkerung zwischen 1740 und 1789 von 2,5 auf 5,4 Millionen Menschen wuchs, stiegen von 7 auf 25 Millionen Taler; aber auch das Heer wurde in der gleichen Zeit um das Dreifache, auf über 200 000 Mann vermehrt. Die preußische Wirtschaftspolitik änderte nichts am Charakter des Staates. Preußen blieb ein absolutistisches und militaristisches Land. Auf den junkerlichen Gütern bestand die Leibeigenschaft weiter. Sie war neben dem Mangel an Kapital das entscheidende Hindernis für eine schnellere Entfaltung des Kapitalismus, der allerdings durch die wirtschaftlichen Maßnahmen einige Anstöße empfing.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die preußische Innenpolitik im Zeichen des Militarismus

Die Festigung der feudalen Produktionsverhältnisse

Die deutsche Wirtschaft nach dem Dreißigjährigen Krieg

Schwerwiegender als die direkten Auswirkungen waren die langfristigen Folgen des Krieges. Mit Ausnahme der Leinwand aus Sachsen und Schlesien gab es kaum Produkte, die in ausreichender Menge und Güte vorhanden waren, um auf dem Weltmarkt absatzfähig zu sein. Deutlich zeigt das Beispiel des Bergbaus, wie der Krieg den schon vorher erkennbaren Niedergang verstärkte.

Silberproduktion in Deutschland

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Erzeugten im Mansfeldischen während des 16. Jahrhunderts etwa 2000 Bergleute 10 bis 15 000 Dezitonnen Kupfer im Jahr, so waren 1668 nur noch einige Dutzend übrig geblieben, die 150 bis 200 Dezitonnen förderten. Die Anlage tieferer, leistungsfähigerer Schächte erforderte bedeutende Kapitalmengen, die es in dem zerstörten Land kaum gab. Außerdem mangelte es überall an ausgebildeten, persönlich freien Arbeitskräften. Die Zahl der frühkapitalistischen Unternehmungen, der Manufakturen und auch der Verlage, ging ebenfalls aus den genannten Gründen noch weiter zurück. Das Zunfthandwerk mit seinen manigfachen, den technischen Fortschritt behindernden Bestimmungen herrschte vor.

Ankerschmied bei der Arbeit

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Die gewerbliche Produktion wurde auch durch Hemmnisse behindert, auf die der Handel traf. Die ausländischen Mächte kontrollierten jetzt die Mündungen der großen Ströme. Die Städte an diesen Flüssen stellten die Eingangstore dar, durch die holländische und englische Kaufleute ihre besseren und billigeren Waren nach Deutschland brachten. Gegen ihre überlegene Konkurrenz kamen die deutschen Kaufleute schwer an. Im Handel konnten sie deshalb nur langsam größere Vermögen bilden. Das Bürgertum der deutschen Städte war somit nach dem Dreißigjährigen Krieg wirtschaftlich sehr geschwächt und blieb in seiner Entwicklung wesentlich zurück. Vor allem die frühkapitalistischen Unternehmungen konnten sich zunächst kaum entfalten.

 

Große Güter in Ostelbien

Neben Handwerk und Handel litt auch die Landwirtschaft unter den Kriegsfolgen. Höfe mussten aufgebaut, Felder von Unkraut und vordringendem Wald befreit werden. Dabei behinderten der Mangel an Geräten und Werkzeugen, an Zugvieh und vor allem die großen Menschenverluste den Wiederaufbau.

Westlich der Elbe blieben im wesentlichen die bisherigen Formen der feudalen Abhängigkeit und Unterdrückung bestehen. Das war die feudale Grundherrschaft. In ihr überwogen die Natural- und Geldabgaben, die die Feudalherren möglichst zu erhöhen suchten. Dennoch verschlechterte sich in diesen Gebieten die Lage der Bauern, obwohl sie schwer genug blieb, nicht entscheidend.

Östlich der Elbe, in „Ostelbien“, dageben vollzogen sich in der Landwirtschaft tiefgreifende Wandlungen. Sie wurden durch den steigenden Getreidebedarf der städtereichen Länder Westeuropas veranlasst. Immer mehr Schiffe kamen von dort in die Hafenstädte der Ostseeküste, um das dringend benötigte Brotgetreide zu holen. Sein Anbau warf hohe Gewinne ab. Die Feudalherren Ostelbiens suchten daher mit allen Mitteln, ihre Besitzungen zu großen Gütern zu erweitern, um möglichst viel Getreide zu produzieren. Sie eigneten sich den Boden an, der infolge der Kriegsverwüstungen und des Bevölkerungsrückgangs brach lag. Damit entstanden Landkomplexe, die nicht mehr aufgesplittert, sondern weitgehend geschlossen waren.  Diese Güter wurden vom Herrenhof aus direkt bewirtschaftet. Um die notwendigen Arbeitskräfte zu beschaffen, forderten die Gutsbesitzer von den Bauern wieder mehr Frondienste – an vier, fünf oder gar sechs Tagen in der Woche: Sie waren als Hand- und Spanndienste zu leisten. Diese unangemessenen Frondienste ließen den Bauern oft kaum Zeit, ihr eigenes Land zu bebauen.

Bauern bei der Fronarbeit

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Die zweite Leibeigenschaft und die Gutsherrschaft

Viele Bauern verließen ihre Höfe, um sich den spürbar steigenden Belastungen zu entziehen. Die Gutsbesitzer suchten die Abwanderung zu verhindern. Sie wollten nicht die billigen Arbeitskräfte verlieren.

Zunächst verweigerten sie den Bauern solange den Weggang, bis ein Ersatzmann gefunden war. Dann verboten sie den Abzug überhaupt. Außerdem zwangen sie die Bauern, ihre Kinder einige Jahre als Gesinde, als Knechte oder Mägde, auf dem Gutshof arbeiten zu lassen. Sie bekamen dafür fast keinen Lohn und unterstanden der direkten Gewalt des Gutsherrn. Dieser Gesindezwangsdienst und die Abzugsverbote hatten zur Folge, dass sich in Ostelbien die zweite Leibeigenschafft, die in anderen Teilen Deutschlands seit dem 15. Jahrhundert entstanden war, in besonders krassem Maße ausbildete.

Durch die zweite Leibeigenschaft, für die in Brandenburg die Bezeichnung Erbuntertänigkeit üblich war, wurden die Bauern erneut von ihrem Feudalherrn persönlich abhängig. Er konnte sie schließlich sogar, mit oder ohne ihren Hof, kaufen und verkaufen. Sie durften ihr Land auch nicht mehr wie vordem gegen einen mäßig hohen Zins erblich besitzen, sondern mussten ihren Herren alle paar Jahre um die Erneuerung des Besitzervertrages bitten. Bei dieser Gelegenheit steigerte dieser seine Forderungen. Den Bauern war es nicht möglich, sich in den Städten eine Arbeit zu suchen.

Die ostelbischen Adligen, die auf ihren ausgedehnten Gütern mit leibeignen Bauern, Gesinde und auch schon Tagelöhnern Getreide für die Ausfuhr produzierten, wurden bald Junker( Das Wort Junker entstand aus „Jungherr“, das heißt junger Adliger.)genannt. Sie vertrieben vor allem im 18. Jahrhundert immer mehr Bauern, deren Boden sie dem Gutsland einverleibten, um die Getreideproduktion noch mehr zu erweitern. Dieser rücksichtslose Raub des Bauernlandes durch die Junker wird als Bauernlegen bezeichnet.  Zehntausende verloren in Ostelbien durch diesen Vorgang ihre Höfe. Auf dem Boden Mecklenburgs, der dem Adel gehörte, ging die Zahl der Bauernstellen zwischen 1660 und 1755 von 12 000 auf 4900 zurück; 1794 waren es gar nur noch 2490.

Die ehemaligen Bauern behielten nur kleine Häuschen mit winzigen Landstücken, die ihnen nicht einmal den notwendigsten Lebensunterhalt sicherten. Die landarmen und die landlosen Dorfbewohner nannte man nunmehr Kätner, Häusler, Büdner oder Gärtner. Sie waren nahezu vollständig der Produktionsmittel beraubt und darauf angewiesen, für einen Hungerlohn auf den junkerlichen Gütern zu arbeiten. Durch die Leibeigenschaft blieben sie an die Gutsherren gebunden.

Gutswirtschaft 1. Hälfte des 18. Jahrhunderts

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Lebenshaltung der Kätner und Gärtner Bericht eines mecklenburgischen Junkers 1755

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Freiherr vom Stein über Leben auf dem Lande in Mecklenburg zu Beginn des 19. Jahrhunderts

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Die feudale Ausbeutung und Unterdrückung nahm überall in Ostelbien ein nicht mehr zu überbietendes Ausmaß an. Die Leibeigenen im Bereich der Güter waren ihrem Junker beinahe schutz- und rechtlos ausgeliefert. Zusammenfassend sprechen wir von der Gutsherrschaft.

Gegen Willkürmaßnahmen, gegen neue Erhöhungen der Dienste und Abgaben gab es kaum eine Möglichkeit der Gegenwehr. Der Gutsherr verfügte über die Polizeigewalt im Dorf und hielt auch Gericht. Zwar hören wir oft davon, dass die Bauern Frondienste verweigerten, sie betont nachlässig ausführten oder Abgaben nicht lieferten. Sie ließen also nicht alles widerspruchslos über sich ergehen. Aber die Gutsherren hielten ein bewaffnetes Gefolge und beschäftigten Gutsverwalter und Aufseher, die schon bei den geringsten Vergehen harte Strafen verhängten. Stockschläge, Peitschenhiebe und Haftstrafen waren an der Tagesordnung. Auch mit Hilfe der Kirche wurden die Bauern zu striktem Gehorsam angehalten, war doch der Dorfpfarrer ebenfalls vom Gutsherren abhängig.

Der osteblische Adel steigerte seine wirtschaftliche Macht durch die maßlose Ausbeutung der leibeigenen Bauern. In den anderen Teilen Deutschlands konnte der Feudaladel, wenngleich innerhalb der alten Formen, seine Klassenherrschaft ebenfalls festigen. Dem steht die wirtschaftliche Schwächung des Städtebürgertums gegenüber.

Viele Lebensmittel tragen die Bezeichnung „nach Gutsherrenart“, „Gutsherrentopf“ u. ä. Das gilt als Gütesiegel. Niemand macht sich beim Einkauf und Verzehr dieser Lebensmittel Gedanken um die Bedeutung der Gutsherrschaft. Das sollte man aber besser tun, wenn einem Lebensmittel mit solch einer Bezeichnung begegnen.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Festigung der feudalen Produktionsverhältnisse