Der Sieg der kapitalistischen Gesellschaftsordnung in England

Unser Gang durch die englische Geschichte begann im 16. Jahrhundert. Er endete an der Wende des 18. zum 19. Jahrhundert. Damit haben wir über dreihundert Jahre durchschritten. Das schein nicht viel zu sein, gemessen an den Tausenden und Zehntausenden von Jahren, die es bei Betrachtung der Urgesellschaft und der ersten Klassengesellschaft zu überblicken galt. Und doch entwickelte sich in diesen dreihundert Jahren die Menschliche Gesellschaft schneller als je zuvor! Welche Ursachen gab es für die rasche Entwicklung und die gewaltigen Veränderungen, die in England zwischen dem 16. Und dem beginnenden 19. Jahrhundert eintraten?

Wenn man die Entwicklung der Produktivkräfte von der ersten Klassengesellschaft bis zur Herausbildung des Kapitalismus im Ganzen ansieht, wird man feststellen, dass der Kapitalismus zur Zeit seiner Entstehung in England die Produktivkräfte auf eine in der Geschichte bis dahin nicht gekannte Höhe der Entwicklung gehoben hatte. Das ist der Hauptgrund für die Feststellung: Der Kapitalismus war ein geschichtlicher Fortschritt.

Wir dürfen aber nicht nur die gewaltige Ausdehnung der Produktion und die großartige Steigerung in der Erzeugung aller Waren sehen, die der Kapitalismus brauchte. Das war die eine Seite und die wichtigste des einsetzenden großen Fortschritts. Die vom Kapitalismus hervorgerufene fortschrittliche Entwicklung zeigte sich aber auch noch auf einem anderen Gebiet, das mit den gewaltigen Veränderungen in der Produktion sehr eng zusammenhing. Kurz ausgedrückt, kann  man sagen: Mit der Entstehung und dem Sieg der neuen kapitalistischen Produktionsverhältnisse in England hatten sich auch die politischen Herrschaftsverhältnisse verändert.

In England herrschte seit der bürgerlichen Revolution das reiche Bürgertum. Damit hatte die damals fortschrittlichste Klasse die politische Herrschaft erobert. Das Bürgertum gebrauchte diese Macht zur Stärkung seiner wirtschaftlichen Stellung. Es bestand also ein Zusammenhang zwischen den Veränderungen, die seit dem 16. Jahrhundert bei den Produktivkräften und den Produktionsverhältnissen vor sich gegangen waren, und der Errichtung der politischen Macht und der weiteren wirtschaftlichen Stärkung des Bürgertums.

Siehe nachfolgendes Schema:

Der Sieg der kapitalistischen Gesellschaftsordnung in England

Der Sieg der kapitalistischen Gesellschaftsordnung in England

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Das Schema zeigt die Beziehungen, die zwischen den wichtigsten Tatsachen der Entwicklung in England in dem Zeitraum vom 16. Jahrhundert bis zum ausgehenden 18. Und beginnenden 19. Jahrhundert bestanden.

Zusammenfassend können wir feststellen: Die neuen kapitalistischen Produktionsverhältnisse in England beruhten auf der Ausbeutung der Lohnarbeiter(Proletariat) durch die Kapitalisten(Bourgeoisie). Dennoch waren diese Verhältnisse ein geschichtlicher Fortschritt.                                                                                 Diese Feststellung erscheint widersprüchlich. Kann etwas fortschrittlich sein, was der Mehrheit aller Menschen Leid, Not und unsägliche Qual bereitet?

Für die Entwicklung der Menschheit war die fortschrittliche Seite der kapitalistischen Produktionsverhältnisse das Wichtigste! Wir verstehen diese Seite aber nur richtig, wenn wir zugleich auch die für die arbeitenden Menschen bittere und harte Seite dieser Verhältnisse gebührend betrachten. Folgendes Schema zeigt deshalb, wie die beiden Grundklassen innerhalb der neuen kapitalistischen Produktionsverhältnisse zueinander standen.

Die neuen Verhältnisse stellten eine ganz neue Gesellschaftsordnung dar, die ihren Namen nach den Mächtigen und Reichen dieser Ordnung, nach den Kapitalisten, erhielt. Der Kapitalismuswar zwar ein Fortschritt in der Geschichte der Menschheit, doch gleichzeitig war mit ihm eine neue Ausbeuterordnung entstanden. Die kapitalistische Gesellschaftsordnung  ist die letzte in der Reihe der Gesellschaftsordnungen, die auf der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beruhen. Allerdings ist diese Gesellschaftsordnung sehr stark und hat 1989/90 weltweit gesiegt. Eine fortschrittliche Gesellschaftsordnung, der Sozialismus, ist bis auf einzelne Ausnahmen, weltweit hinweggefegt worden.

Die wichtigsten Produktivkräfte in der Klassengesellschaft

Die wichtigsten Produktivkräfte in der Klassengesellschaft

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der Sieg der kapitalistischen Gesellschaftsordnung in England

Werbeanzeigen

Der Beginn eines neuen Zeitalters

Bourgeoisie und Proletariat – die Grundklassen des Kapitalismus

Die industrielle Umwälzung erstreckte sich nicht nur auf den Übergang von der Hand- zur Maschinenarbeit. Sie durchdrang auch die gesamte gesellschaftliche Entwicklung und führte dazu, dass Bourgeoisie und Proletariat zu den beiden entscheidenden Klassen der Gesellschaft wurden.

Die technischen und gesellschaftlichen Umwälzungen waren von so großer Bedeutung, dass dieser Vorgang als die industrielle Revolution bezeichnet wird.

Die Vorteile, die die Anwendung der Maschinen mit sich brachte, genossen die Kapitalisten. Ihnen gehörten die Fabriken und die Maschinen. Ihnen gehörte auch das von den Arbeitern mit Hilfe der Maschinen erzeugte Produkt. Die Arbeiter erhielten nur so viel Lohn, das sie gerade leben konnten.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Nach dem weltweiten Sieg 1990 ist sogar so, dass der Lohn oftmals nicht mal zum Leben reicht. In Deutschland können die Betroffenen mit Hartz IV aufstocken. In anderen Ländern gibt es nicht mal das und die armen Menschen müssen in drei Jobs gleichzeitig arbeiten. Das Geschichtsbuch der DDR schreibt in der Vergangenheitsform, da die DDR zu einer einstmals besseren Welt gehörte. Im Jahre 1990 ist zugleich mit dieser besseren Welt die DDR hinweggefegt worden. Die Vergangenheitsform ist in der Bearbeitung geblieben, da es im Laufe der Zeit doch einige durch die Arbeiterklasse erkämpfte Verbesserungen geben hat, die noch nicht alle abgebaut werden konnten. Doch die Gefahr besteht, dass dies vollends geschieht und man wieder zu den alten Verhältnissen zurückkehrt. Es besteht ja keine Systemkonkurrenz mehr.

Für die englischen Arbeiter bedeutete die industrielle Revolution Not und Entbehrung. Die Maschinen bestimmten das Arbeitstempo. Die Fabrikbesitzer waren interessiert, die Arbeiter im Laufe eines Tages möglichst lange an den Maschinen arbeiten zu lassen. In den ersten Jahrzehnten der industriellen Revolution mussten die Arbeiter in der Regel 12 Stunden, oft sogar 16 Stunden und mehr, am Tage arbeiten! Die lange Arbeitszeit lähmte die Aufmerksamkeit. Sie konnten dem hohen Arbeitstempo der Maschinen nicht mehr folgen. Das führte häufig zu Unfällen, ja zum Tode.

Beschreibung englische Fabrikverhältnisse

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die gemeinsame Beschäftigung vieler Arbeiter in den Fabriken und in den englischen Industriestädten brachte ihnen deutlicher als vorher in der Manufaktur zu Bewusstsein, dass die alle im gleichen Verhältnis zu den Fabrikbesitzern und zu den Maschinen standen: Sie arbeiteten für einen kümmerlichen Lohn an den Maschinen, um den Gewinn des Fabrikbesitzers, des Bourgeois, zu vergrößern. So wurde zum ersten Male deutlich erkennbar, dass zwischen den englischen Arbeitern und der englischen Bourgeoisie ein Gegensatz in Gestalt eines Ausbeutungsverhältnissen bestand. Die Ausbeutung war mit dem Übergang zur Maschinenarbeit um vieles größer als in der Manufaktur. Dem kümmerlichen Lohn der Arbeiter entsprach auch ihre Ernährung.

Zur Ernährung der englischen Arbeiter

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Frauen- und Kinderarbeit

Die Handhabung der ersten Maschinen der industriellen Revolution war einfach und auch von ungelernten Frauen und sogar von Kindern auszuführen. Von dieser Möglichkeit machten die englischen Fabrikanten Gebrauch, weil sie den Frauen und Kindern noch weniger Lohn zu zahlen brauchten als den erwachsenen männlichen Arbeitern. Andererseits mussten die Eltern ihre Kinder in die Fabrik schicken, da der Lohn des Vaters längst nicht ausreichte, um die Familie einigermaßen zu ernähren. Das geschah in schon sehr frühem Alter.

Beginn der Kinderarbeit

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die Arbeitszeit, der Lohn und die Arbeitsbedingungen hingen von der Willkür des Fabrikanten ab. Es gab keine Gesetze, die die Kinderarbeit regelten oder verboten. Viele arbeiteten ebenso lange wie die Erwachsenen. Manche Kinder schliefen sogar gleich in der Fabrik, auf irgendeinem Haufen Stroh und Lumpen, um den Heimweg zu sparen. Oft wurden sie von den Aufsehern misshandelt, viele im Kindesalter derart geschlagen, dass sie für den Rest ihres Lebens behindert waren. Eine Schulpflicht gab es nicht. Der Schulbesuch, meistens am Sonntag, war freiwillig. Die Kinder, durch ihre Arbeit übermüdet, konnten oftmals dem Unterricht nicht folgen und schliefen ein. Auf Grund der Entbehrungen und Überanstrengungen starben viele Kinder schon frühzeitig.

In einigen Teilen der Welt gibt es immernoch Kinderarbeit.

Kinderarbeit in England

Kinderarbeit in England

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Glanz und Elend der englischen Industriestädte

Industriezentren in England

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Viele Fabriken entstanden in den Städten. Das wurde möglich, weil die Dampfmaschine den bisherigen Antrieb durch Wasserkraft verdrängte. Andere Fabriken konzentrierten sich in ehemals kleinen Orten in der Nähe von Kohlebergwerken.

Dadurch stieg die Bevölkerungszahl innerhalb weniger Jahrzehnte gewaltig an. London zählte um 1700 etwa 650 000 Einwohner, um 1800 eine Million und um 1830 1 500 000 Einwohner. London war damals die bei weitem größte Stadt in England und in der Welt.

Bevölkerungswachstum einiger Industriestädte

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die Geschäftsviertel sowie die „besseren Gegenden“, in denen die Bourgeoisie wohnte, waren jedoch streng abgesondert von jenen großen Elendsvierteln, in denen die arbeitenden Menschen hausen mussten. Und wie sie hausten! Diese Elendsviertel waren die Brutstätten ansteckender Krankheiten, die sich über das ganze Land verbreiteten.

Wenn man die Bedeutung der industriellen Revolution richtig verstehen will, so darf man nicht nur ihre technische Seite sehen. Man muss auch die gewaltigen gesellschaftlichen Veränderungen beachten, die in England im Gefolge der Weiterentwicklung der Produktivkräfte durch die industrielle Revolution eintraten.

Zusammenfasend können wir deshalb sagen: Im Laufe der industriellen Revolution in England verbesserte sich die englische Produktionstechnik sprunghaft. Dadurch erfolgte der Übergang von der Handarbeit zur Maschinenarbeit und von der Manufaktur zur Fabrik. In der Folge entstanden große Industriestädte.

Die industrielle Revolution führte zu einer raschen Entwicklung der Produktivkräfte Englands und leitete eine neue Epoche des Kapitalismus ein. Maschinen und Fabriken sowie wissenschaftliche Erkenntnisse erhöhten zwar den Produktionsausstoß, aber sie steigerten gleichzeitig auch die Ausbeutung des englischen Proletariats. Der vermehrte gesellschaftliche Reichtum kam der englischen Bourgeoisie zugute. Die englischen Arbeiter erhielten kaum soviel Lohn, wie sie zum Leben brauchten. Auf diese Weise vergrößerten sich mit dem Reichtum der englischen Bourgeoisie auch die Not und das Elend des englischen Proletariats, und die Klassenpositionen beider Grundklassen der kapitalistischen Produktionsweise grenzten sich deutlich voneinander ab.

Wohnbedingungen in London um 1840

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der Beginn eines neuen Zeitalters

Frühformen der kapitalistischen Produktionsweise im Gewerbe

Verlagswesen und Manufakturen

Wie in Deutschland und anderen europäischen Ländern gab es auch in England das Verlagssystem. Seine rasche Weiterentwicklung wurde dadurch begünstigt, dass ein einziges Gewerbe, die Tuchherstellung, alle anderen überflügelt hatte. Viele Handwerker wurden von den kapitalkräftigen Verlegern abhängig. Es spielte bald keine Rolle mehr, ob die Arbeitsgeräte noch Eigentum der Handwerker waren.

Die reichen Verleger und die mit ihnen verbundenen Großkaufleute suchten nach neuen Arbeitsmethoden, denn es wurden mehr Waren benötigt. Viele Unternehmer fanden es deshalb gewinnbringender, wenn sie sich nicht nur um Rohstoffversorgung und Absatz, sondern auch um die Herstellung der Erzeugnisse und die dazu notwendigen Produktionsinstrumente kümmerten. Sie stellten selbst Arbeiter an. Solche gab es mehr als genug, nicht nur durch die Einhegungen vertriebene Bauern, sondern auch verarmte Handwerker.

Diese Arbeiter erhielten für ihre Arbeit einen festen Lohn. Rohstoffe, Produktionsinstrumente und Erzeugnisse gehörten dem Kapitalisten. Manche Unternehmer wiesen ihren Arbeitern große Gebäude zu. Dort stellten die Arbeiter Einzelteile her, die am Schluss zum Gesamterzeugnis zusammengefügt wurden. Zwischen den Arbeitern herrschte eine innerbetriebliche Arbeitsteilung. Das Produkt war nicht mehr wie beim Zunfthandwerk Arbeitsergebnis des einzelnen Menschen, sondern es entstand jetzt durch die gemeinsame Arbeit der in einem Gebäude zusammengefassten Arbeiter.  Diese verrichteten ständig den gleichen Arbeitsvorgang. Das brachte des Vorteil, dass sie nicht mehr die Arbeitsgeräte zu wechseln brauchten und durch die Spezialisierung größere Fertigkeiten erlangten.

Auf diese Weise stellten sei mehr Waren her als der allein arbeitende Handwerker her. Maschinen gab es allerdings noch nicht. Alles wurde mit der Hand produziert. Daher bezeichnete man diese Werkstätten als Manufakturen.(Das Wort Manufaktur stammt aus dem Lateinischen. Manus heißt Hand, facere anfertigen.)

Inneres einer Manufaktur

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Freilich gab es verhältnismäßig wenig große Werkstätten. Sie waren vorwiegend auf das Textilgewerbe beschränkt. Häufig schien es den Kapitalisten billiger zu sein, die Fertigung der Teilprodukte an Hausarbeiter zu verteilen. Das waren oft Bauern, die auf einen Nebenverdienst angewiesen waren. Die erhielten geringere Löhne als die Arbeiter in den Manufakturen.

 

Die kapitalistische Ausbeutung

Der Manufakturarbeiter war nicht mehr vom Feudalherren abhängig. Er konnte im Rahmen der Geltenden Gesetze frei über seine Person verfügen. Gleichzeitig war er „frei“ von jeglichem Privateigentum an Produktionsmitteln. Da er jedoch außer seiner Arbeitskraft nichts besaß, was ihm seinen Lebensunterhalt verschafft hätte, musste er für den Kapitalisten arbeiten, um letztlich nicht vor Hunger zu sterben. Der doppelt freie Lohnarbeiter wurde also vom Kapitalisten wirtschaftlich abhängig. Der Kapitalist zahlte dem Arbeiter Lohn, doch nur soviel, wie dieser zum Leben benötigte. Für das vom Arbeiter hergestellte Produkt erhielt der Kapitalist aber mehr, als der Lohn ausmachte. Diesen Überschuss eignete er sich unentgeltlich an. Darin besteht die kapitalistische Ausbeutung.

Die Arbeiter litten unter den niedrigen Löhnen. Viele Verrichtungen, besonders im Textilgewerbe, wurden außerdem von Frauen und Kindern ausgeführt. Ohne deren Kärglichen Zusatzverdienst hätte die Familie nicht auskommen können. Die schlechten Arbeitsbedingungen schädigten die Gesundheit. Dazu kam für alle die sehr lange Arbeitszeit. Nach dem Arbeitsgesetz von 1562 dauerte sie im Sommer von 5 Uhr früh bis 19:30 abends.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Frühformen der kapitalistischen Produktionsweise im Gewerbe

Das deutsche Bürgertum im 18. Jahrhundert

Fortschritte in der kapitalistischen Produktion

Der absolutistische Staat hatte zunächst die kapitalistischen Unternehmungen mannigfaltig unterstützt. Privilegien hoben für die Manufakturen den Zunftzwang auf. Die Staatskasse lieh den Unternehmen fehlende Geldmittel. Arbeitskräfte, an denen es anfangs mangelte, wurden den Werkstätten aus Zucht-, Arbeits-, Armen- oder Waisenhäusern zwangsweise zugeführt.

Der Missbrauch von in Heimen untergebrachten Kinder und Jugendlichen als billige Arbeitskräfte war in kapitalistischen Ländern noch bis in die 1970er Jahre Usus.. Erst jetzt geht man daran dies aufzuarbeiten. Dabei relativiert man wieder und schwingt die antikommunistische Keule, indem man behauptet, dass es in der DDR auch so gewesen sei.

Deshalb entwickelten sich die fürstlichen Städte, voran die Residenzstädte, in schnellerem Tempo als di auf sich gestellten Reichsstädte. Doch blieb die Förderung der Wirtschaft bescheiden, weil Deutschland durch die Landesfürstentümer wirtschaftlich und politisch zersplittert war. Die einzelnen Territorien regelten die wirtschaftlichen Fragen nur für sich allein. Immer neue Zollschranken entstanden. So arbeiteten viele der mit künstlichen Mitteln geschaffenen Manufakturen zu teuer, bedurften ständig neuer Zuschüsse und erlagen schließlich der übermächtigen ausländischen Konkurrenz.

Erst nach 1750 wandelte sich das Bild merklich. Nunmehr gab es schon viele Manufakturen, die privaten bürgerlichen Unternehmern gehörten. Vor allem im Rheinland und in Sachsen blühten die Metallverarbeitung und die Textilproduktion auf. Neue Werkzeuge steigerten die Arbeitsproduktivität. Der Zeugdruck ermöglichte die billige Herstellung bunt gemusterter Baumwoll- und leichter Wollstoffe. Mit der Strickmaschine konnten statt bisher 100 Maschen je Minute 1000 bis 1500 hergestellt werden.

Obwohl in den Städten die Elemente der Bourgeoisie(Verleger, Manufakturbesitzer, Großkaufleute)heranwuchsen, Blieben die Bürger insgesamt auf vielfache Weise von den absolutistischen Herrschern abhängig: Sie profitierten von deren Maßnahme und verdienten an der Versorgung der Fürstenhöfe und der Heere. Durch die wirtschaftliche Abhängigkeit bedingt, unter der strengen Aufsicht des feudalabsolutistischen Staatsapparates, wagte es das deutsche Bürgertum kaum, offen gegen die historisch überlebten Feudalverhältnisse zu kämpfen. Die meisten Vertreter des deutschen Bürgertums schreckten vor dem direkten Klassenkampf mit Adel und Fürsten zurück, weil sie seit langem zu kriecherischer Unterwürfigkeit und bedingungslosem Gehorsam erzogen worden waren.

 

Deutsche Wissenschaftler als Träger fortschrittlicher Gedanken

Der Humanismus bereitete die frühbürgerliche Revolution auf geistigem Gebiet vor.

Das deutsche Bürgertum beschränkte sich zunächst darauf, im Bereich der Wissenschaft und Kultur den Kampf gegen die feudalen Fesseln zu führen. In seinem Verlauf bildeten sich die Grundzüge der neuen, bürgerlichen Weltanschauung  weiter aus. Im 17. Und 18. Jahrhundert brachte Deutschland einige hervorragende Gelehrte hervor, die das Werk der Humanisten fortsetzten.

Gottfried Wilhelm Leibnitz war allseitig gebildet und gleichermaßen als Philosoph, Mathematiker, Naturwissenschaftler, Historiker und Staatsrechtler tätig.

Gottfried Wilhelm von Leibnitz

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Er schuf die Grundlagen der modernen höheren Mathematik und erfand zum Beispiel auch die erste Rechenmaschine. Die Gründung der Berliner Akademie der Wissenschaften(während der DDR-Zeit Akademie der Wissenschaften der DDR, nach der DDR-Zeit wurde die Akademie aufgelöst und in kleinere Institutionen, bzw. Akademien zersplittert.)im Jahre 1700 ist sein Verdienst.

Leibnitz zur Anwendung des Wissens

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Christian Thomasius(1655-1728) wandte sich scharf gegen die grausamen Hexenverfolgungen und bekämpfte die unmenschliche Folter als Mittel, Geständnisse von einem Angeklagten zu erpressen. Er hielt seine Vorlesungen in deutscher Sprache und nicht, wie bisher üblich in Latein.

Diese und andere kluge und mutige Männer(Frauen gab es damals nicht in diesen Positionen)hatten aber zumeist besoldete Stellungen inne und waren somit vom Fürstenstaat abhängig. Vertraten sie Meinungen, die den Fürsten gefährlich erschienen, wurden sie rücksichtslos verfolgt. Berüchtigt ist die Behandlung des hallischen Professors Christian Wolff, dessen Lehren der preußische König als Rechtfertigung der Deserteure und damit als Angriff auf die Grundlagen des preußischen Militärstaates auffasste.

Befehl Friedrich Wilhelms von Preußen an Christian Wolff(1723)

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die meisten Gelehrten beschränkten sich daher auf umfangreiche wissenschaftliche Darlegungen, in denen sie ihre Zuversicht in den unaufhaltsamen Fortschritt der Menschheit zum Ausdruck brachten.

 

Immanuel Kant(1724-1804)war einer der bedeutendsten Gelehrten der Weltgeschichte, der in seinen Arbeiten viele Wissensgebiete behandelte. Er stellte zum Beispiel die erste Bahnbrechende Lehre über die Entstehung des Sonnensystems auf. Kant verwarf die Leibeigenschaft als „widermenschlich“. In der Schrift „Über den ewigen Frieden“ trat er für die Schaffung eines Völkerbundes ein, der einen dauerhaften Friedenszustand herbeiführen sollte.  In einer Welt, die vollständig von der Ausbeutergesellschaft beherrscht war, konnte dieses hohe Ziel freilich nicht erreicht werden.

 

Dichter und Musiker als Gegner der feudal-absolutistischen Verhältnisse

Deutlicher noch als die Wissenschaftler nahmen hervorragende Dichter und Musiker zu den gesellschaftlichen Fragen ihrer Zeit Stellung.

Die Dichter wandten sich gegen den an den Fürstenhöfen überwiegend französischen Einfluss. Friedrich II. von Preußen beispielsweise schrieb fast nur französisch und ernannte einen Franzosen zum Präsidenten der Akademie. Verächtlich sah er auf die deutsche Dichterkunst seiner Zeit herab. Unter diesen Umständen war allein schon die Pflege der deutschen Sprache von großer Bedeutung für die Ausbildung eines Gefühls nationaler Zusammengehörigkeit über die Grenzen der deutschen Kleinstaaten hinweg.

Die Gedichte Klopstocks zeigten bereits, dass die deutsche Sprache gar nicht so steif und unbeweglich sei, wie viele bisher im Vergleich zum Französischen gemeint hatten.

Gotthold Ephraim Lessing schrieb in seinen gedankenreichen Fabeln sein meisterhaftes Deutsch.

Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Er forderte die Schaffung eines Nationaltheaters und trug so maßgeblich zur Entstehung deutscher Theater in Mannheim und Hamburg bei.  Vornehmlich Theaterstücke erreichten eine große Massenwirksamkeit und rüttelten zur Parteinahme auf, weil sie die brennenden Probleme der Zeit behandelten. Der erste große deutsche Theaterschriftsteller war Lessing. In seinem Trauerspiel „Emilia Galotti“ prangerte er das verwerfliche Treiben der Fürsten an, die glaubten, ihre Untertanen als Spielzeug ihrer Launen behandeln zu dürfen. Im Schauspiel „Nathan der Weise“ erklärte er, dass alle Religionen gleichwertig sind, und trat für Glaubensfreiheit und Menschlichkeit ein.

Um 1770 entstand eine Strömung in der Dichtkunst, die kühner als je zuvor die feudalen Zustände angriff. Dieser „Sturm und Drang“bestimmte auch die frühen, mit revolutionärem Geist erfüllten Werke Goethes(1749-1832)und Schillers(1759-1805). Sie gestalteten in ihnen zumeist Ereignisse aus der Geschichte ihrer Zeit und der jüngeren Vergangenheit, um die Willkür der Fürsten bloßzustellen und für die Befreiung des Bürgertums zu kämpfen. In Goethes „Götz von Berlichingen“ wird der Titelheld, ein Reichsritter, als freiheitsliebender Anführer der Bauern im Bauernkrieg geschildert. Das Trauerspiel „Egmont“ war dem gerechten revolutionären Aufstand der Niederlande gegen die spanische Fremdherrschaft gewidmet. Friedrich Schiller litt besonders unter der fürstlichen Herrschaft. Schon mit 13 Jahren musste er die Fürstenschule in Württemberg besuchen, in der ärgster Zwang herrschte. Sein erstes Schauspiel „Die Räuber“ schilderte den Anführer einer Räuberschar, wie sie im 18. Jahrhundert weit verbreitet war und auf ihre Art den antifeudalen Klassenkampf führte. Schiller stellte sein heimlich verfasstes Werk unter den Leitspruch „Gegen die Tyrannen“ und ließ es ohne herzogliche Genehmigung außerhalb Württembergs aufführen. Auch in den folgenden Werken blieb er dem kämpferischen Geist der „Räuber“ treu. „Kabale und Liebe“ brandmarkte den Soldatenverkauf als Menschenhandel und deckte das Intrigenspiel der Fürstenhöfe auf. Es gehörte viel Mut dazu, solche mitreißenden, politisch klar Partei ergreifenden Werke zu schreiben.

Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Viele der Gebildeten Deutschlands glaubten dennoch daran, dass ein aufgeklärter, einsichtsvoller Fürst die gesellschaftlichen Zustände bessern könnte. So folgte Goethe einem Rufe des Herzogs Karl August nach Weimar, in die Hauptstadt eines thüringischen Zwergstaates. Weimar wurde für die nächsten Jahrzehnte das Zentrum des deutschen Geisteslebens. Hier wirkte zum Beispiel auch Herder, die die Liebe zum Volkslied und zum Volksmärchen wieder weckte. Schiller, als Geschichtsprofessor an die Universität in Jena berufen, schuf eine ganze Reihe von Dramen, die am Weimarer Theater aufgeführt wurden, das jahrelang unter Goethes persönlicher Leitung stand. Mit Goethes zweiteiligem Hauptwerk „Faust“ erreichte die klassische Periode der deutschen bürgerlichen Literatur ihren Höhepunkt. An das Wirken Goethes und Schillers erinnern zahlreiche Gedenkstätten in Weimar und in ganz Thüringen. Sie wurden zur DDR-Zeit von Hundertausenden Menschen aus der DDR und von Besuchern aus aller Welt besichtigt. Natürlich sind die Orte, die an das Wirken von Goethe und Schiller erinnern nach wie vor ein Toruristenmagnet.

Wie die Werke der Dichter, so werden auch die der bedeutendsten Komponisten jener Zeit noch heute überall aufgeführt. Johann Sebastian Bach, der zuletzt als Organist an der Leipziger Thomaskirche tätig war, sprengte die starren Formen, wie sie bisher in der Barockmusik üblich waren, und drückte in seinen Kompositionen menschliches Erleben und Empfinden aus.

Georg Friedrich Händel(1685-1759), in Halle(Saale) geboren, konnte in der geistigen Enge der deutschen Kleinstaaterei seine schöpferischen Fähigkeiten nicht entfalten und ging daher in das bürgerliche England. Im Inhalt seiner Werke spiegeln sich Zustände und Ereignisse seiner Wahlheimat wieder. Anstelle von Opern, die nur einem kleinen Kreis zugänglich waren, komponierte Händel später nur noch Oratorien. (Das Wort Oratorium entstammt dem Lateinischen. Heute versteht man darunter ein großes Musikwerk für Chor, Solisten und Orchester, das konzertartig, ohne Bühnenbild und Kostüme, aufgeführt wird.)  Deren Handlung wurde vom Chor vorgetragen. In ihm wollte Händel die Volksmassen dargestellt wissen, an die er sich jetzt unmittelbar wandte.

Georg Friedrich Händel (1685-1759)

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Wolfgang Amadeus Mozart(1756-1791)war bereits als Knabe ein bewunderter Musiker. Später entwich er dem heimatlichen Salzburg, wo ihn der Landesherr ständig bevormundete. In Wien lebte er lange Zeit bis zu seinem frühen Tode. In seinen Opern „Figaros Hochzeit“ und „Don Giovanni“ stellte er kraftvolle Menschen aus dem Volke auf die Bühne, die letztlich über die Vertreter des Adels triumphierten. Mit seinem letzten großen Werk, der Oper „Die Zauberflöte“, bekannte sich Mozart eindeutig zu den Gedanken der Menschlichkeit, die damals vom Bürgertum der Missachtung des Menschen durch die Feudalgewalten entgegengesetzt wurden.

Wolfgang Amadeus Mozart(1756-1791)

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Dieses fortschrittliche Musikschaffen führte Ludwig van Beethoven weiter.  Neben seiner Oper „Fidelio“ schuf er vor allem neun Sinfonien. In diesen großartigen Orchesterwerken gelangte der Freiheitswille der aufsteigenden bürgerlichen Gesellschaft zu einem überzeugenden künstlerischen Ausdruck. Die letzten Werke entstanden, obwohl Beethoven bereits völlig taub war.

In der zweiten Hälfe des 18. Jahrhunderts entstanden endgültig die Grundlagen der deutschen Nationalkultur, die vom Bürgertum getragen wurde. Ihre Werke, die zu den größten Leistungen der Menschheit zählen, dienten in hervorragender Weise dem gesellschaftlichen Fortschritt. Sie halfen mit, in Deutschland den Boden zu bereiten für den längst notwendigen Sturz der Feudalordnung und die Schaffung eines einheitlichen Nationalstaates. Sie zeigen, wie sich das Klassenbewusstsein der werdenden Bourgeoisie bildete.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

 

Das deutsche Bürgertum im 18. Jahrhundert

 

Erste Aktionen der deutschen und internationalen Arbeiterklasse gegen kapitalistische Ausbeutung

Wegen der besseren Lesbarkeit des Textes ist die Sprache nicht gegendert worden. Es sind stets Männer und Frauen gemeint.

streiks-und-lohnkampfe-1830-1847

 

 

Bestandsaufnahme

 

In den großen bürgerlichen Revolutionen des 17. Und 18. Jahrhunderts haben die Volksmassen die Macht des Feudaladels beseitigt und der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zum Siege verholfen. In wichtigen Ländern Westeuropas und den USA war damit die Klasse der Bourgeoisie zur Herrschaft gelangt.

schaubild-klassen-in-der-gesellschaft

Schaubild: Klassengesellschaft

 

 

 

 

fourier-englische-arbeiterklasse-1fourier-englische-arbeiterklasse-2

 

Gegenüber dem Feudalismus stellt der Kapitalismus eine höhere, fortschrittlichere Gesellschaftsordnung dar. Der Einsatz von Maschinen in der Industrie, die neuen Verkehrsmittel, die Ausweitung des Handels vermehrten den Reichtum der Gesellschaft. Dieser ständig wachsende Reichtum kommt jedoch nicht denen zugute, die ihn schaffen. Ihn eignen sich die Kapitalisten an, denn sie verfügen über die Fabriken, Maschinen und Rohstoffe. Die Arbeiter besitzen nur ihre Arbeitskraft.

Im Kapitalismus müssen Arbeiter/innen ihre Arbeitskraft an die Kapitalisten verkaufen, um leben zu können. Als Lohn erhalten sie so viel, dass sie ihre Arbeitskraft erhalten können. Oft nicht mal das, so müssen sie in machen Ländern, wie den USA, drei Jobs annehmen, um leben zu können. Im heutigen Deutschland hat sich der Niedriglohnsektor derart ausgeweitet, dass viele auf Hartz IV-Leistungen zu Aufstockung angewiesen sind, um ihre Existenz zu sichern.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestimmten darüber hinaus sehr lange Arbeitszeiten geringer Lohn, schlechte Wohnverhältnisse und die Furcht vor Arbeitslosigkeit die Lage der Arbeiter. Nach dem Wegfall der sozialistischen Länder in Europa, werden zwischenzeitlich erkämpfte Zugeständnisse und Verbesserungen für die Arbeiter in kapitalistischen Ländern Westeuropas wieder weggenommen. Insbesondere in Deutschland macht sich das nach dem Untergang der DDR bemerkbar. So geht die Tendenz rückwärts mit dem Ziel die damaligen Verhältnisse wieder zu realisieren.

Im 19. Jahrhundert waren die Arbeiter. auch politisch rechtlos und unterdrückt. Wehrten sie sich gegen Ausbeutung, so griff der bürgerliche Staat zugunsten der Kapitalisten ein. In der jetzigen Tendenz geht die Geschichte rückwärts, denn zwischenzeitlich erkämpfte Rechte für die Arbeiter werden nach und nach abgebaut. Der Wegfall der Länder in Europa, wo die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitig war, hat diese Rückwärtsentwicklung ermöglicht.                                                                                                           Die kapitalistische Ausbeuterordnung beruht auf dem Privateigentum an Produktionsmitteln. Das ist die Ursache für den unversöhnlichen Gegensatz zwischen Kapitalisten und Arbeitern, Besitzenden und Nichtbesitzenden, Ausbeutern und Ausgebeuteten.

Mit der Herausbildung des Kapitalismus begann der Kampf der Arbeiter gegen Ausbeutung und Unterdrückung.

So wurden die Bewegungen der Maschinenstürmer in England und die Aufstände der Seidenweber in Lyon besonders bekannt.

schaubild-erste-aktionen-der-arbeiterklasse

Schaubild: Erste Aktionen der Arbeiterklasse

 

 

Das Wirken der utopischen Sozialisten

 

fourier-englische-arbeiterklasse-1fourier-englische-arbeiterklasse-2

 

Die beiden Franzosen Henri de Saint-Simon(1760-1825) und Charles Fourier(1772-1837) sowie der Engländer Robert Owen(1771-1848) erkannten die furchtbare Lage der Arbeiter und die große Ungerechtigkeit der kapitalistischen Ausbeuterordnung. Sie schilderten in ihren Werken die Not des Proletariats und prangerten schonungslos Ausbeutung und Elend an, was der Kapitalismus für die Arbeiter gebracht hatte.

Mit Recht sahen diese scharfen Kritiker des Kapitalismus die Ursache dieser Zustände im Privateigentum der Kapitalisten an den Produktionsmitteln und in deren Profitsucht. Sie forderten eine Gesellschaftsordnung voller Gerechtigkeit, ohne feindliche Klassengegensätze und ohne Ausbeutung, also eine sozialistische Gesellschaftsordnung. Allerdings waren ihre Vorstellungen von dieser Gesellschaftsordnung und vom Weg dahin nicht wissenschaftlich begründet, sondern utopisch. Deshalb wurden sie utopische Sozialisten genannt.

Die utopischen Sozialisten sahen im Proletariat nur eine leidende Klasse und nicht die revolutionäre Kraft, die in ihr ruht(e). Zu einer neuen Gesellschaftsordnung wollten sie durch Aufrufe zur Menschenliebe gelangen. Beispiele sollten so die Kapitalisten veranlassen, ihre eigene Gesellschaftsordnung zu verwerfen und an der Errichtung eines besseren Systems des Zusammenlebens der Menschen teilzunehmen. Die utopischen Sozialisten entwarfen kühne Pläne, wie die künftige Gesellschaft aussehen sollte.            Nach den Ideen Fouriers sollte das Privateigentum an Produktionsmitteln beseitigt werden. Alle Menschen sollten in Ackerbau- und Handwerksgesellschaften zusammenarbeiten und den Gewinn ihrer Arbeit gerecht verteilen.

saint-simon-plane

Saint-Simon war ebenfalls der Auffassung, dass alle Menschen arbeiten sollten. Er glaubte, man brauche nur den Plan einer besseren Gesellschaft auszuarbeiten und die Menschen von seiner Richtigkeit zu überzeugen, um diese sozialistische Gesellschaftsordnung zu errichten.

Robert Owen leitete eine große Baumwollspinnerei in Schottland. Er verkürzte die Arbeitszeit, erhöhte die Löhne und gründete für die Arbeiterkinder Musterschulen. Er erblickte in der Ordnung seines Betriebes das Beispiel für die neue sozialistische Gesellschaft.

robert-owens-fabriksiedlung

 

Der Bund der Gerechten

 

Französische und deutsche Handwerksgesellen erkannten, dass die Arbeiter sich zusammenschließen und organisieren müssen. Ihnen wurde bewusst, dass die Stellung der Arbeiterklasse und ihre Lebenslage nur dadurch verändert werden kann, wenn sie der Ausbeutung durch die Bourgeoisie und der Unterdrückung durch den Staat entgegentreten.

Die erste politische Organisation deutscher Arbeiter war der Bund der Gerechten. Er wurde 1836 von deutschen Arbeitern und Handwerksgesellen gegründete, die in Paris lebten. Sie befanden sich entweder auf Wanderschaft oder hatten die Heimat wegen der reaktionären politischen Verhältnisse verlassen müssen.

Da eine Vereinigung der Arbeiter in Deutschland verboten war, wirkten die Mitglieder des Bundes der Gerechten im geheimen. Sie lasen utopisch-sozialistische und revolutionäre Schriften, berieten darüber und verbreiteten die gewonnenen Erkenntnisse. Ihre Losung lautete: „Alle Menschen sind Brüder!“.

aus-statut-bund-der-gerechten

Einer der Führer des Bundes war der Schneidergeselle Wilhelm Weitling aus Magdeburg. In seiner Freizeit studierte er besonders fleißig die Schriften der utopischen Sozialisten.

wilhelm-weitling20161213191230939

Wilhelm Weitling(1808 bis 1874)

wilhelm-weitling-ausbeutung-arbeiterklasse-1wilhelm-weitling-ausbeutung-arbeiterklasse-2

 

Im Unterschied zu den utopischen Sozialisten lehrte Weitling jedoch die Arbeiter, dass die kapitalistische Ausbeutung und das Privateigentum an den Produktionsmitteln nur durch die Revolution des Proletariats beseitigt werden können. Allerdings stellte er sich die Revolution so vor, dass die verelendeten Massen sich zur zu erheben brauchen.

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Geschichtsbuch DDR 8

Quelltext:

internationale-aufgaben-arbeiterbewegung20161214174526495