Franz Mehring

Franz Erdmann Mehring, geboren am 27. Februar 1846 in Schlawe in Pommern, gestorben am 28. Januar 1919 in Berlin, war ein deutscher Publizist und Politiker.

Bildquelle: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2118431

Politisch war er zunächst ein bürgerlicher Demokrat. Seit 1870 arbeitete er für verschiedene Tages- und Wochenzeitungen. 1868 wechselte er zum weiteren Studium nach Berlin  und arbeitete zunächst in der Redaktion der demokratischen Tageszeitung „Die Zukunft“(Herausgeber Johann Jacoby und Guido Weiß).

Bereits 1867 traf Franz Mehring in Berlin auf August Bebel und Wilhelm Liebknecht, ohne dass dies zunächst Folgen für seinen politischen Standpunkt  gehabt hätte.  Vielmehr wandte er sich unter dem Eindruck des Krieges von 1870/71 vorübergehend von den Demokraten ab und dem nationalliberalen Lager zu.

In den folgenden Jahren kehrte er jedoch zu seinen demokratischen Positionen zurück. 1871 bis 1874 berichtete er für das „Oldenberg’sche Korrespondenzbüro“ über Reichstags- und Landtagssitzungen und wurde zu einem bekannten Parlamentsreporter. Danach arbeitete er als politischer Korrespondent für „Die Waage. Wochenblatt für Politik und Literatur“.

Hier veröffentlichte er 1875 eine Artikelserie gegen Heinrich von Treitschke, die kurze Zeit später als Buch unter dem Namen „Herr von Treitschke, der Sozialistentödter und die Endziele des Liberalismus – Eine sozialistische Replik“ erschien. Er arbeitete auch für die dem jüdischstämmigen Verleger Leopold Sonnemann gehörende, demokratisch orientierte, „Frankfurter Zeitung“. Sonnemann stand der Sozialdemokratie nahe und wurde von den Parteiführern geschätzt. Im Mai 1876 wandte sich Mehring in einem Artikel in der „Staatsbürger-Zeitung“ gegen seinen Verleger.  Er warf ihm vor, Bestechungsgelder angenommen und während der Gründerjahre(eine Ära im Kapitalismus) an kriminellen Börsenspekulationen teilgenommen zu haben.  Somit ist Franz Mehring Antisemitismus vorgeworfen worden. Mehrings Beschuldigungen gegen Sonnemann wurden von der Führung der Sozialdemokratie unter August Bebel und Wilhelm Liebknecht öffentlich abgelehnt. Diese Auseinandersetzung führte zu einem 15 Jahre dauernden Riss zwischen Mehring und der Sozialdemokratie.  Die Führung der Sozialdemokratie betrachtete Mehring mit Misstrauen, zumal Mehring danach mehrere antisozialistische Arbeiten verfasste. Vor allem sein Buch „Die Deutsche Socialdemokratie, ihre Geschichte und ihre Lehre“ (1877) wurde von der SPD heftig kritisiert.  Ab 1878 bis 1884 arbeitete Mehring für die Bremer „Weser-Zeitung“, 1883/84 für die „Demokratischen Blätter“.

Allerdings las er um 1880 intensiv die Schriften von Karl Marx, die ihn stark beeinflussten. Die Kritik an den Sozialistengesetzen und die Überzeugung, dass BismarckSozialgesetzgebung keine grundlegende Lösung der Sozialen Frage bringen würde, führten zu einer Wiederannäherung an die Sozialdemokratie.

Im Jahr 1891 trat Franz Mehring der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands(SPD)bei.

Von 1891 bis 1913 schrieb Mehring für die sozialdemokratische „Neue Zeit“, dies markiert seinen Eintritt in die deutsche marxistisch geprägte Arbeiterbewegung.  Von 1902 bis 1907 war Mehring Chefredakteur der sozialdemokratischen „Leipziger Volkszeitung“. Bis 1913 blieb er weiter Mitarbeiter des Blattes. Außerdem publizierte er im „Vorwärts“ und anderen sozialdemokratischen Blättern. In den Jahren 1913/14 war er Mitherausgeber der „Sozialdemokratischen Korrespondenz“. Neben der publizistischen Tätigkeit lehrte Mehring von 1906 bis 1911 an der zentralen Parteischule der SPD. Daneben war er von 1892 bis 1895 Leiter des Vereins der Freien Volksbühne in Berlin. 1917/1918 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. Innerhalb der SPD blieb der bildungsbürgerlich geprägte Mehring ein Außenseiter. Der Parteivorsitzende August Bebel schrieb am 20. März 1892 an Friedrich Engels:

  • „Mehrings Arbeiten sind allerdings ausgezeichnet, aber trotz alledem lässt sich kein intimeres Verhältnis mit ihm herstellen; man befürchtet immer wieder, er bekäme einen Rückfall; und ausserdem muss man sich fürchten, mit ihm sich vertraulicher einzulassen, weil der Verdacht besteht, er notierte alles, was er hört. Das sind fatale Eigenschaften, die seine Person nicht zur Geltung kommen lassen.“[17]

In den innerparteilichen Grundsatzdebatten vor dem Ersten Weltkrieg, bei dem etwa Eduard Bernstein und der neue Parteivorsitzende Friedrich Ebert revisionistische, reformorientierte Positionen vertraten, beharrte Mehring ähnlich wie Karl Liebknecht auf der traditionellen Vorstellung vom Klassenkampf. Während des Ersten Weltkrieges distanzierte er sich aufgrund der Burgfriedenspolitik und der Zustimmung großer Teile der Partei zu den Kriegskrediten weiter von der SPD. Gemeinsam mit Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Clara Zetkin sah er darin eine Unterwerfung unter die herrschende Klasse und den Tod der Internationale.  Dieser Streit spaltete die Partei. Mehring war 1915 Mitherausgeber der Zeitschrift „Die Internationale“ und gründete 1916 mit anderen führenden Linken in der SPD die Spartakusgruppe. 1917 trat er der USPD bei, die für eine sofortige Beendigung des Krieges eintrat. Mehring war Ende 1918 entscheidend an der Vorbereitung des Gründungsparteitages der KPD beteiligt, welche die Arbeit des Spartakusbundes fortführte.

Mehrings Bedeutung liegt weniger in seinem konkreten politischen Handeln, sondern in seinen zahlreichen Schriften, insbesondere zur Geschichte der Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie. Dazu zählt etwa die zweibändige „Geschichte der deutschen Sozialdemokratie“ (1898). Seine 1910/11 erschienene „Deutsche Geschichte vom Ausgang des Mittelalters“ bediente sich der von Marx und Engels begründeten Methode des historischen Materialismus. Mehring war einer der ersten Historiker, der die marxistische Theorie konsequent auf die Geschichtswissenschaft anwandte, so beschäftigte er sich etwa mit der Geschichte der Reformation(siehe „Die Fürstenreformation“) und versuchte eine „Entzauberung“ der Geschichtsmythen um die herrschende Dynastie der Hohenzollern. Kurz vor seinem Tode veröffentlichte er im Jahr 1918 die erste und bis heute einflussreiche Biographie über Karl Marx.


Bildquelle: Von Z thomas – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52555433

Sein Grab befindet sich auf dem Berliner Zentralfriedhof Friedrichsfelde in der Gedenkstätte der Sozialisten im Rondell G3.

Briefmarke DDR 1955 – Franz Mehring
Bildquelle: Von scanned by heied – scanned by heied, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9796722

Weitere Ehrungen siehe Wikipedia.

entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

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Phillip Müller(Kommunist in der BRD)

Kalter Krieg und "Entspannungspolitik"

Phillip Müller, geboren am 05. April 1931 in Neuaubing, gestorben am 11. Mai 1952 in Essen, war Arbeiter und Kommunist in der BRD. Er starb, als die Polizei in Essen auf Teilnehmer einer Demonstration gegen die Wiederbewaffnung der BRD schoss. Es war das erste Mal in der Geschichte der BRD, dass ein Demonstrant durch die Polizei getötet wurde.

1954 wurde im Rahmen der Volkskammerwahlen in der DDR die nach ihm benannte Phillip-Müller-Medaille von der FDJ gestiftet.

Philipp Müller stammte aus einer katholischen Familie, er lernte Schlosser und arbeitete im Eisenbahnausbesserungswerk Neu-Aubing. 1948 wurde er in München Mitglied der damals noch nicht verbotenen FDJ und 1950 der KPD. Er engagierte sich im Sozialistischen Jungarbeiter Aktiv, einem Münchener Bündnis aus FalkenJusos, FDJund antifaschistischen Gruppen.

1950 fuhr er als Delegierter der Münchner FDJ zum Deutschlandtreffen der Jugend in die DDR und nahm auch 1951 an den III. Weltfestspielen der Jugend und Studenten

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Abhanden gekommenes Klassenbewusstsein

Rotfuchs

 

In der Ausgabe des „RotFuchs“ von Mai 2017 beschreibt ein Artikel die Vorgänge in einem Betrieb während der Konterrevolution in der DDR. Dazu kann man nur sagen, dass der Arbeiterklasse in der DDR das Klassenbewusstsein abhanden gekommen ist. Wäre dieses noch vorhanden gewesen, wäre der Ablauf der Ereignisse ein Anderer gewesen und die DDR würde vielleicht noch bestehen.

Der Artikel beschreibt auch, dass es bald diesen Betrieb nicht mehr gab. Die damaligen Arbeiterinnen und Arbeiter lernten bald Arbeitslosigkeit, Armut und prekäre Beschäftigung kennen.


 

Was nicht in den Personalakten stand

Autor: Dr. Hans Rost

Wir schrieben das Jahr 1989. In unserem damals volkseigenen Werk waren insgesamt etwa 900 Beschäftigte tätig. Die Unzufriedenheit hatte zugenommen und nun, zum 40. Jahrestag der DDR, ihren Höhepunkt erreicht. Da erschien eines Tages eine Abordnung von Betriebsangehörigen in meinem Büro. Sie verlangten im Namen aller anderen Einsicht in ihre Personalakten und deren Herausgabe. Der Wortführer, ein junger Mann aus dem Bereich der Instandhaltung, erklärte: „Wir wollen alle sehen, was ihr über uns an die Staatssicherheit berichtet habt, und warum wir nicht, so wie wir wollen, in den Westen fahren dürfen, und warum keiner etwas gegen die immer größer werdenden Missstände unternimmt.“

Ich hatte nur wenig Zeit zum Überlegen. Ich entschied aufgrund der aufgeheizten Stimmung, der Forderung nach Akteneinsicht nachzukommen. „Morgen früh ab 7 Uhr können alle in der Personalabteilung Einsicht in ihre Akte nehmen. Jeder kann dann – mit Ausnahme des Arbeitsvertrages – das für ihn Relevante mit nach Hause nehmen“, war meine Antwort. Die Abordnung war damit einverstanden. Dies war eine eigenmächtige Entscheidung, doch ich war der Meinung, dass die Leute ein Recht auf ihre Unterlagen hatten. Wir hatten ja nichts zu verheimlichen. Meine Mitarbeiterinnen wies ich an, einen Raum mit drei Tischen getrennt voneinander einzurichten und jedem, der es wünschte, seine Personalakte zur Einsicht zu geben. Sie sahen mich erstaunt an, fragten aber nicht weiter nach dem Grund. Nachdem alles vorbereitet war, machten wir wie immer 16.30 Uhr Feierabend.

Am nächsten Morgen kam ich etwas zeitiger zur Arbeit. Ich staunte nicht schlecht. Vor dem Eingang zum Büro stand eine lange Schlange wartender Personen. Außer einiger spitzer Bemerkungen und versteckter Beleidigungen verhielten sie sich ruhig und diszipliniert. Meine Mitarbeiterinnen waren inzwischen auch eingetroffen. Obwohl es noch nicht 7 Uhr war, öffnete ich die Tür und ließ die ersten drei Kollegen eintreten.

Meine Stellvertreterin bot ihnen einen Platz an den Tischen an und übergab die jeweilige Personalakte. Jeder las interessiert in seinen Papieren, blätterte von vorn bis zur letzten Seite und wieder zurück, schüttelte mit dem Kopf, las weiter, manche murmelten auch etwas vor sich hin. Nach ca. zehn Minuten stand der erste auf, warf die Akte auf den Tisch und wollte gehen. „Einen Moment“, sagte ich zu ihm, „außer dem Arbeitsvertrag, dem Laufzettel und dem Einstellungsprotokoll können Sie alles mitnehmen, wir benötigen es eigentlich nicht.“ „Was soll ich damit machen?“, fragte er etwas unwirsch. Auch die anderen waren jetzt mit ihrer Durchsicht fertig. Es folgte das gleiche Spiel. „Habt ihr wirklich nicht mehr?“, fragte einer. „Nein, das sind vollständig eure Akten“, war meine Antwort. Wort- und grußlos verließen sie dann den Raum. Die Nächsten kamen. Die Stimmung war angespannt. So ging es nun fast den ganzen Tag. Viele schüttelten nur mit dem Kopf oder lachten, als sie ihre Akte lasen. Eine Kollegin fragte, wieso ihre Kurbestätigung hier drin sei. Einer wollte wissen, wo denn der „Strenge Verweis sei, den er im vergangenen Jahr erhalten habe. „Nach einem Jahr“, antwortete meine Kollegin, „wird er, wenn nichts wieder vorgefallen ist, aus der Akte genommen und vernichtet.“ Einer erkundigte sich, wer die Beurteilung wegen seiner Reise in die BRD geschrieben habe. Er wollte nicht glauben, dass der Direktor für Produktion die Reise befürwortet hatte, die Personalabteilung einver­standen war, sie aber dennoch von anderer Stelle abgelehnt worden war. Wir konnten seine Frage nicht beantworten.

Viele verließen den Raum mit enttäuschtem Gesicht. „So ein Unsinn, was die alles aufgehoben haben“, meinten mehrere von ihnen. Sie hatten offenbar nicht gefunden, was angeblich in der Akte sein sollte und wonach sie hauptsächlich gesucht hatten. Wir hatten uns darauf eingerichtet, an diesem Tag einige Stunden länger zu öffnen, um auch den Schichtarbeitern die Möglichkeit zur Einsichtnahme zu geben.

Offensichtlich hatte es sich bis zum Mittag im Betrieb herumgesprochen, was in den Personalakten enthalten war. Der Andrang am Nachmittag nahm spürbar ab, und am nächsten Morgen kamen nur noch vereinzelte Kolleginnen und Kollegen. Nach unserer Rechnung waren bisher nicht einmal 30 % der Betriebsangehörigen zur Einsichtnahme gekommen. Deshalb übergaben wir am Nachmittag jeder Abteilung ein Schreiben mit dem Angebot, in die Akten einzusehen, da wir diese Aktion abschließen wollten. Es kamen nur noch ganz wenige. Warum also vorher die große Aufregung?

In der Zwischenzeit ordneten meine Kolleginnen die Akten für jeden, der Einsicht genommen hatte, neu. Die Unterlagen, die nicht mitgenommen wurden, warfen sie in einen Papiersack, um ihn am nächsten Tag im Kesselhaus des Betriebes zu verbrennen. Als ich den ersten Sack in das Kesselhaus brachte, kam ein Kollege auf mich zugestürzt und brüllte mich an: „Ihr wollt wohl die Berichte an die Stasi verbrennen“? „Nein“, sagte ich ganz ruhig, „das sind nur die Reste der Akten, welche die Kollegen nicht mitgenommen haben.“ „Das wollen wir sehen“, forderte er barsch. Obwohl das eigentlich nicht rechtens war, weil es ja auch damals noch einen bestimmten Datenschutz gab, nahm ich den Sack, drehte ihn um und schüttete ihm alles vor die Füße. „So“, sagte ich, „sieh nach, was es für Unterlagen sind.“ Eifrig begannen sie – es waren noch zwei Kollegen hinzugekommen – einzelne Schrift­stücke herauszuziehen und zu lesen. Ihre Gesichter wurden immer länger. Ich stand daneben und schaute zu. Etwa nach einer Viertelstunde hörten sie auf. „Los, verbrennt das Zeug“, knurrte der Anführer seine Kollegen an, drehte sich um und verschwand. Die beiden nahmen die Schriftstücke und warfen sie in die Feuerung. Ich blieb dabei, bis alles verbrannt war.

Einige Tage später ging ich durch einzelne Abteilungen des Betriebes. Ein Teil der Kolleginnen und Kollegen sagten: „Ihr habt euch ja große Mühe gegeben, aber was sollen wir mit dem ganzen Zeug machen? Außer der Beurteilung und ein paar anderen Sachen war ja nur viel Papier in der Akte!“ Einzelne machten einen großen Bogen um mich, sie konnten die Enttäuschung wahrscheinlich nicht verwinden, dass sie nicht das gefunden hatten, was ihnen eingeflüstert worden war. Immerhin waren ja innerhalb von zehn Jahren 168 Betriebsangehörige, nicht nur Rentner, in die BRD gereist. Eine einzige Kollegin ist in der BRD geblieben, aus persönlichen Gründen. Alle anderen kehrten wieder an ihren Arbeitsplatz zurück.

Wenige Monate später wurde der Betrieb abgewickelt. Anlagen und Maschinen hat man in der Nacht auf Waggons verladen und in die alten Bundesländer verbracht. Alle Angehörigen des Betriebes wurden arbeitslos. Unser Werk wurde zum zweiten Mal nach 1945, dieses Mal aber für immer, geschlossen.

RotFuchs Mai 2017

Titel RF Mai 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Original-Artikel:

-nicht in Personalakte RF Mai 2017

 

Artikel und Titelblatt der entsprechenden Ausgabe als PDF-Datei:

PDF -nicht in Personalakte

 

 

 

Der Aufstand der schlesischen Weber

Die Ursachen des Aufstandes

 

Zu den am schlechtesten entlohnten Arbeitern gehörten in Deutschland die Heimarbeiter. Es waren meist Handweber, die zu Hause arbeiteten. Die kapitalistische Entwicklung hatte sie völlig von den Fabrikanten, Kaufleuten und Verlegern abhängig gemacht. Garn oder Wolle, die sie vom Verleger erhielten, verarbeiteten sie zu Leinwand oder Tuch und lieferten die fertigen Produkte wieder an den Verleger ab. Dieser setzte den Preis für das Ausgangsmaterial und die hergestellte Ware allein fest. Um überhaupt leben zu können, mussten sich die Weber dieser Willkür fügen. Sie lebten meist im Dorf, besaßen ein kleines Haus und ein winziges Stück Ackerland.

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In den schlesischen Gebieten war die Notlage der Heimarbeiter am größten. Hier mussten auch die Frau und die Kinder 14 bis 16 Stunden mit am Webstuhl sitzen, damit die Familie nicht verhungerte. Fleisch zur Mahlzeit gab es kaum. Kartoffeln und eine dünne Suppe waren für die meisten die tägliche Nahrung.

Vom kärglichen Verdienst mussten Steuern an den Staat, an den Gutsherren und an die Gemeinde gezahlt werden. Im Unterschied zu den Arbeitern in den Fabriken wurden die schlesischen Heimarbeiter nicht nur von den Kapitalisten, sondern gleichzeitig auch von den Junkern ausgebeutet.

Anfang der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts wurde die englische Industrie zu einer gefährlichen Konkurrenz für die schlesischen Textilfabrikanten und Verleger. Die mit modernen Maschinen ausgerüsteten Textilfabrikanten Englands lieferten ihre Erzeugnisse viel billiger auf den Markt. Um ihre Waren weiter absetzen zu können, versuchten die schlesischen Verleger, ihre handgewebten Produkte ebenso billig wie die englischen Kapitalisten zu verkaufen. Da sie aber auf keinen Fall ihren Profit schmälern wollten, kürzten sie die Arbeitslöhne. Besonders erpresserisch handelten die Verleger in den schlesischen Dörfern Peterswaldau und Langenbielau. Hier beuteten die Gebrüder Zwanziger und die Gebrüder Diering die Weber am schamlosesten aus.

Einige tausend Weber und Spinner wurden von diesen Großunternehmern beschäftigt, die mit ihrem Reichtum protzten, während die Arbeiter darbten. Allein die Gebrüder Zwanziger hatten ein jährliches Einkommen von 30 000 Talern. Dagegen verdiente ein Weber im Jahr nur 60 Taler.

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Der Verlauf des Aufstandes

 

In Peterswaldau entlud sich der wachsende Hass der Arbeiter auf die Fabrikanten zuerst in einem anklagenden Lied. Es wurde von den Webern als Flugblatt heimlich verbreitet und auch an die Türen der Verleger geheftet.

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Mehrere Weber wurden verhaftet, weil sie dieses Lied gesungen hatten. Da riss den Arbeitern im Sommer 1844 die Geduld. Von den Fabrikanten aufs äußerste gepeinigt, erhoben sie sich, um mit Gewalt für das Recht des Lebens zu kämpfen. So begann im Jahre 1844 der schlesische Weberaufstand.

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Von Peterswaldau griff der Aufstand auf andere Dörfer über. Im benachbarten Langenbielau zertrümmerten die Weber am 5. Juni die Geschäftsräume des verhassten Fabrikanten Dierig. Dann versammelten sie sich vor seinem Wohnhaus. Es wurden ihnen Geld und Lebensmittel versprochen. Geduldig warteten die Weber den ganzen Tag. Dierig hatte jedoch bereits heimlich Militär angefordert und hielt die Weber so lange hin, bis preußische Soldaten eintrafen. Ein Offizier forderte die Menge auf, sich nach Hause zu begeben. Als dieser Aufforderung nicht nachgekommen wurde, ließ er das Feuer eröffnen. Elf Menschen, darunter Frauen und Kinder, fielen unter den Gewehrsalven, 24 wurden schwer verletzt. Als Antwort auf diesen brutalen Mord gingen die Weber mutig mit Steinen, Knüppeln und Äxten gegen die Soldaten vor. Das Militär wurde aus dem Dorf gejagt.

Der Sieg der Weber war nur von kurzer Dauer. Als die Soldaten Verstärkung, darunter Artillerie und Kavallerie, erhalten hatten, besetzten sie am 6. Juni 1844 die aufständischen Weberdörfer. Über hundert Weber wurden verhaftet und in Breslau vor Gericht gestellt. Der jüngste von ihnen war 15 Jahre alt. 80 Arbeiter erhielten insgesamt 293 Jahre Zuchthaus und Festungshaft sowie 330 Peitschenhiebe.

 

 

Die Bedeutung des Aufstandes

 

Der Aufstand der schlesischen Weber im Jahre 1844 war die erste Klassenschlacht des deutschen Proletariats. Mit ihm begann der selbstständige Kampf der deutschen Arbeiterklasse gegen die Bourgeoise und gegen den preußischen Staat.

Die Erhebung hatte mit den Aktionen der englischen Maschinenstürmer Einiges gemeinsam. Auch die schlesischen Weber hatten Maschinen zerstört. Gemeinsam war auch, dass die englischen Arbeiter und die schlesischen Weber ohne Organisation und ohne Klarheit über ihre Ziele aus Verzweiflung zum Mittel der Gewalt gegriffen hatten. Aber der Weberaufstand unterschied sich von der Maschinenstürmerei darin, dass er sich vor allem gegen die eigentlichen Feinde der Arbeiterklasse selbst, gegen die Kapitalisten, richtete.

Die Erhebung in Schlesien ermunterte die Arbeiter in anderen Gebieten Deutschlands. Mit Streiks und Demonstrationen kämpften besonders die Eisenbahnbauarbeiter in Preußen und Sachsen um höhere Löhne und gegen die Willkür der Unternehmer. An vielen Orten Deutschlands wurde für die Hinterbliebenen der Gefallenen und für die Eingekerkerten Geld gesammelt. Der Dichter Heinrich Heine stellte sich mit seinem Gedicht „Die Schlesischen Weber“ an die Seite der revolutionären Arbeiter. Eine Strophe lautete:

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

 

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Quelltext:

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Die Aufstände der Seidenweber in Lyon

Mit der Anwendung neuer Kampfformen begann in den dreißiger und vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine neue Etappe des Klassenkampfes. Die französischen Arbeiter setzten sich mit Streiks, Koalitionen(Zusammenschlüssen) und bewaffneten Aufständen zur Wehr.

Die herausragenden Ereignisse waren die Aufstände der Seidenweber in der südfranzösischen Stadt Lyon.

Die Seidenweber mussten um das Jahr 1830 15 bis 16 Standen am Tage arbeiten. Trotzdem waren die Löhne so gering, dass die Arbeiter ständig hungerten. Deshalb legten die Seidenweber von Lyon 1831 geschlossen nieder und besetzten die Eingänge zu den Fabriken. Die Kapitalisten erschraken durch das einheitliche Vorgehen der Arbeiter und wandten sich an die französische Regierung. Diese schickte etwas 20 000 Soldaten gegen die Aufständischen. Die Seidenweber verteidigten sich hinter rasch errichteten Barrikaden, über denen eine schwarze Fahne wehte. Sie trug die Inschrift: „Arbeitend leben oder kämpfend sterben!“  Den Truppen gelang es nicht die Barrikaden zu erobern. Nach dreitägigem Kampf befand sich die ganze Stadt in den Händen der Arbeiter. Der bürgerlichen Stadtverwaltung gelang es aber, einen großen Teil der Aufständischen zu beschwichtigen. Deshalb konnten die Truppen nach zehn Tagen die Stadt zurückerobern. Hunderte von Arbeitern kamen ins Gefängnis und wurden wie Schwerverbrecher in Ketten gelegt.

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Seidenweberaufstand in Lyon

 

Drei Jahre später erhoben sich die Lyoner Seidenweber erneut. Diesmal forderten sie nicht nur höhere Löhne und kürzere Arbeitszeit, sondern riefen dazu auf die verhasste Monarchie zu stürzen, die nur die Interessen der Kapitalisten vertrat. Wieder schickte die Regierung Truppen nach Lyon. Vier Tage widerstanden die Arbeiter in blutigen Kämpfen dem Feuer der Kanonen. Dann unterlagen sie der Übermacht.

Die beiden Aufstände der Lyoner Seidenweber riefen in Frankreich, aber auch in anderen Ländern, einen großen Eindruck hervor. Erstmalig hatten die Arbeiter gezeigt, dass sie durch geschlossenes und selbstständiges Handeln in der Lage waren, der kapitalistischen Ausbeuterklasse entgegenzutreten.

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

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Quelltext:

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Die Maschinenstürmer in England

In England waren in den letzten Jahrzehnten des 18. Und in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts viele Fabriken entstanden. Zur Bedienung der Maschinen wurden zunehmend weniger Arbeitskräfte benötigt und deshalb viele Arbeiter entlassen. Oft senkten die Kapitalisten für diejenigen, die noch in Arbeit standen, den Lohn. Damals erkannten die Arbeiter nicht die wahren Ursachen ihrer Lage. Sie glaubten, dass die Maschinen ihr wachsendes Elend verursachen würden. Ihre Empörung richtete sich deshalb gegen die Maschinen.

Sie widersetzten sich darum der Bourgeoisie zuerst, indem sie versuchten, die Einführung der neuen Maschinen zu verhindern. Als das nicht gelang, zogen sie an vielen Orten in die Fabriken und zerstörten die Maschinen. Diese Aktion wird als Bewegung der Maschinenstürmer bezeichnet.

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Da diese Bewegung der Maschinenstürmer immer mehr um sich griff, forderten die Kapitalisten von der englischen Regierung, mit grausamen Strafen dagegen vorzugehen. Im Jahre 1812 führte man deshalb für die Zerstörung der Maschinen die Todesstrafe ein. Daraufhin wurden allein im Januar 1813 in York 18 Maschinenstürmer hingerichtet. Als 1830 die englischen Großgrundbesitzer die Dreschmaschine einsetzten, richtete sich der Hass der Landarbeiter gegen die Maschinen.

Die Arbeiter sahen jedoch, dass die Maschinen trotz ihres Widerstandes eingeführt wurden. Sie lernten zu erkennen, dass nicht die Maschinen ihre Feinde waren, sondern die Kapitalisten. Ihnen wurde somit klar, dass sie ihren Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung mit anderen Mitteln führen mussten. Die Arbeiter zogen die Lehren aus ihren ersten, noch unüberlegten und nicht genügend organisierten Kämpfen gegen die Bourgeoisie.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

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Quelltext:

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Erste Aktionen der deutschen und internationalen Arbeiterklasse gegen kapitalistische Ausbeutung

Wegen der besseren Lesbarkeit des Textes ist die Sprache nicht gegendert worden. Es sind stets Männer und Frauen gemeint.

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Bestandsaufnahme

 

In den großen bürgerlichen Revolutionen des 17. Und 18. Jahrhunderts haben die Volksmassen die Macht des Feudaladels beseitigt und der kapitalistischen Gesellschaftsordnung zum Siege verholfen. In wichtigen Ländern Westeuropas und den USA war damit die Klasse der Bourgeoisie zur Herrschaft gelangt.

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Schaubild: Klassengesellschaft

 

 

 

 

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Gegenüber dem Feudalismus stellt der Kapitalismus eine höhere, fortschrittlichere Gesellschaftsordnung dar. Der Einsatz von Maschinen in der Industrie, die neuen Verkehrsmittel, die Ausweitung des Handels vermehrten den Reichtum der Gesellschaft. Dieser ständig wachsende Reichtum kommt jedoch nicht denen zugute, die ihn schaffen. Ihn eignen sich die Kapitalisten an, denn sie verfügen über die Fabriken, Maschinen und Rohstoffe. Die Arbeiter besitzen nur ihre Arbeitskraft.

Im Kapitalismus müssen Arbeiter/innen ihre Arbeitskraft an die Kapitalisten verkaufen, um leben zu können. Als Lohn erhalten sie so viel, dass sie ihre Arbeitskraft erhalten können. Oft nicht mal das, so müssen sie in machen Ländern, wie den USA, drei Jobs annehmen, um leben zu können. Im heutigen Deutschland hat sich der Niedriglohnsektor derart ausgeweitet, dass viele auf Hartz IV-Leistungen zu Aufstockung angewiesen sind, um ihre Existenz zu sichern.

In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts bestimmten darüber hinaus sehr lange Arbeitszeiten geringer Lohn, schlechte Wohnverhältnisse und die Furcht vor Arbeitslosigkeit die Lage der Arbeiter. Nach dem Wegfall der sozialistischen Länder in Europa, werden zwischenzeitlich erkämpfte Zugeständnisse und Verbesserungen für die Arbeiter in kapitalistischen Ländern Westeuropas wieder weggenommen. Insbesondere in Deutschland macht sich das nach dem Untergang der DDR bemerkbar. So geht die Tendenz rückwärts mit dem Ziel die damaligen Verhältnisse wieder zu realisieren.

Im 19. Jahrhundert waren die Arbeiter. auch politisch rechtlos und unterdrückt. Wehrten sie sich gegen Ausbeutung, so griff der bürgerliche Staat zugunsten der Kapitalisten ein. In der jetzigen Tendenz geht die Geschichte rückwärts, denn zwischenzeitlich erkämpfte Rechte für die Arbeiter werden nach und nach abgebaut. Der Wegfall der Länder in Europa, wo die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitig war, hat diese Rückwärtsentwicklung ermöglicht.                                                                                                           Die kapitalistische Ausbeuterordnung beruht auf dem Privateigentum an Produktionsmitteln. Das ist die Ursache für den unversöhnlichen Gegensatz zwischen Kapitalisten und Arbeitern, Besitzenden und Nichtbesitzenden, Ausbeutern und Ausgebeuteten.

Mit der Herausbildung des Kapitalismus begann der Kampf der Arbeiter gegen Ausbeutung und Unterdrückung.

So wurden die Bewegungen der Maschinenstürmer in England und die Aufstände der Seidenweber in Lyon besonders bekannt.

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Schaubild: Erste Aktionen der Arbeiterklasse

 

 

Das Wirken der utopischen Sozialisten

 

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Die beiden Franzosen Henri de Saint-Simon(1760-1825) und Charles Fourier(1772-1837) sowie der Engländer Robert Owen(1771-1848) erkannten die furchtbare Lage der Arbeiter und die große Ungerechtigkeit der kapitalistischen Ausbeuterordnung. Sie schilderten in ihren Werken die Not des Proletariats und prangerten schonungslos Ausbeutung und Elend an, was der Kapitalismus für die Arbeiter gebracht hatte.

Mit Recht sahen diese scharfen Kritiker des Kapitalismus die Ursache dieser Zustände im Privateigentum der Kapitalisten an den Produktionsmitteln und in deren Profitsucht. Sie forderten eine Gesellschaftsordnung voller Gerechtigkeit, ohne feindliche Klassengegensätze und ohne Ausbeutung, also eine sozialistische Gesellschaftsordnung. Allerdings waren ihre Vorstellungen von dieser Gesellschaftsordnung und vom Weg dahin nicht wissenschaftlich begründet, sondern utopisch. Deshalb wurden sie utopische Sozialisten genannt.

Die utopischen Sozialisten sahen im Proletariat nur eine leidende Klasse und nicht die revolutionäre Kraft, die in ihr ruht(e). Zu einer neuen Gesellschaftsordnung wollten sie durch Aufrufe zur Menschenliebe gelangen. Beispiele sollten so die Kapitalisten veranlassen, ihre eigene Gesellschaftsordnung zu verwerfen und an der Errichtung eines besseren Systems des Zusammenlebens der Menschen teilzunehmen. Die utopischen Sozialisten entwarfen kühne Pläne, wie die künftige Gesellschaft aussehen sollte.            Nach den Ideen Fouriers sollte das Privateigentum an Produktionsmitteln beseitigt werden. Alle Menschen sollten in Ackerbau- und Handwerksgesellschaften zusammenarbeiten und den Gewinn ihrer Arbeit gerecht verteilen.

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Saint-Simon war ebenfalls der Auffassung, dass alle Menschen arbeiten sollten. Er glaubte, man brauche nur den Plan einer besseren Gesellschaft auszuarbeiten und die Menschen von seiner Richtigkeit zu überzeugen, um diese sozialistische Gesellschaftsordnung zu errichten.

Robert Owen leitete eine große Baumwollspinnerei in Schottland. Er verkürzte die Arbeitszeit, erhöhte die Löhne und gründete für die Arbeiterkinder Musterschulen. Er erblickte in der Ordnung seines Betriebes das Beispiel für die neue sozialistische Gesellschaft.

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Der Bund der Gerechten

 

Französische und deutsche Handwerksgesellen erkannten, dass die Arbeiter sich zusammenschließen und organisieren müssen. Ihnen wurde bewusst, dass die Stellung der Arbeiterklasse und ihre Lebenslage nur dadurch verändert werden kann, wenn sie der Ausbeutung durch die Bourgeoisie und der Unterdrückung durch den Staat entgegentreten.

Die erste politische Organisation deutscher Arbeiter war der Bund der Gerechten. Er wurde 1836 von deutschen Arbeitern und Handwerksgesellen gegründete, die in Paris lebten. Sie befanden sich entweder auf Wanderschaft oder hatten die Heimat wegen der reaktionären politischen Verhältnisse verlassen müssen.

Da eine Vereinigung der Arbeiter in Deutschland verboten war, wirkten die Mitglieder des Bundes der Gerechten im geheimen. Sie lasen utopisch-sozialistische und revolutionäre Schriften, berieten darüber und verbreiteten die gewonnenen Erkenntnisse. Ihre Losung lautete: „Alle Menschen sind Brüder!“.

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Einer der Führer des Bundes war der Schneidergeselle Wilhelm Weitling aus Magdeburg. In seiner Freizeit studierte er besonders fleißig die Schriften der utopischen Sozialisten.

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Wilhelm Weitling(1808 bis 1874)

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Im Unterschied zu den utopischen Sozialisten lehrte Weitling jedoch die Arbeiter, dass die kapitalistische Ausbeutung und das Privateigentum an den Produktionsmitteln nur durch die Revolution des Proletariats beseitigt werden können. Allerdings stellte er sich die Revolution so vor, dass die verelendeten Massen sich zur zu erheben brauchen.

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

Geschichtsbuch DDR 8

Quelltext:

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