Der Kapp-Putsch und seine Niederschlagung

Die Vorbereitung des Putsches

Nach der Niederschlagung der Abwehrkämpfe des Proletariats im Frühjahr 1919 hielten besonders reaktionäre Gruppen des Finanzkapitals, des Junkertums und der Militaristen die Zeit für gekommen, die offene Militärdiktatur zu errichten. Sie meinten, dass sich so am besten die Herrschaft des Finanzkapitals sichern und die innenpolitischen Voraussetzungen für neue Kriegsabenteuer schaffen ließen. Deutschland sollte am imperialistischen Kreuzzug gegen die Sowjetunion teilnehmen.

Anknüpfend an die Tatsache, dass das Versailler Friedensdiktat den Volksmassen schwere Lasten aufbürdete, entfachten reaktionäre Kreise des Finanzkapitals eine chauvinistische und antidemokratische Hetze.

Der Vorsitzende einer ostpreußischen Kreditanstalt für Großgrundbesitzer, Kapp, sowie General Ludendorff und andere Militaristen organisierten bereits im Sommer 1919 ein Verschwörungszentrum. Daraus bildete sich ein sogenannter Nationalclub. Ihm gehörten unter anderen die Schwerindustriellen Stinnes, Kirdorf, Mannesmann und die erzreaktionären Politiker Hugenberg, Helfferich und Westarp an. Anfang 1920 sagten Direktoren der Deutschen Bank, der Dresdner Bank, der Nationalbank, der Berliner Handelsgesellschaft und anderer Banken dem politischen Führer der Verschwörung, Kapp, für den geplanten Putsch finanzielle Unterstützung zu.

Forderungen von KappForderungen von Kapp 2

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Der Militärbefehlshaber des östlichen und mittleren Teils Deutschlands, General von Lüttwitz, beteiligte sich besonders aktiv an der Verschwörung. Anfang 1920 wurden konterrevolutionäre Truppenverbände zum Angriff auf Berlin zusammengezogen. Die KPD wies mehrmals auf diese Vorbereitungen der Reaktion hin. Die warnte davor, daran zu glauben, dass die Feinde des Volkes keine militärische Gewalt einsetzen würden. Die Regierung, die vom sozialdemokratischen Reichskanzler Bauer geleitet wurde und über die Putschpläne informiert war, ergriff aber keine wirksamen Maßnahmen gegen die sich formierende Verschwörung.

 

Der Verlauf des Kapp-Putsches und seine Niederschlagung durch die Arbeiterklasse

In der Nacht vom 12. Zum 13. März 1920 marschierten Truppen der Kapp-Putschisten nach Berlin. Die Reichsregierung forderte von der Reichswehrführung bewaffnetes Vorgehen gegen die Putschisten. Doch der Chef des Truppenamtes, General von Seeckt, verweigerte ihr die militärische Hilfe. Die Reichsregierung floh. Kapp ernannte sich zum Reichskanzler und bezeichnete das Putschistenregime als „Regierung der Ordnung, der Freiheit und der Tat“. Sie erklärte die Reichsregierung für abgesetzt, die Nationalversammlung und die preußische Landesversammlung für aufgelöst, verhaftete preußische Minister und verbot das Erscheinen der Presse. Bewaffnete Stoßtrupps gingen mit rücksichtslosem Terror gegen organisierte Arbeiter, aber auch gegen bürgerliche Demokraten vor.

Truppen der Kapp-Putschisten

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Während die Reichregierung floh, erhoben sich Millionen Arbeiter, Mitglieder der KPD, der USPD, der SPD, der Gewerkschaften und unorganisierte Werktätige zum Widerstand gegen die Putschisten. In vielen Städten formierten sich Arbeiter und Angestellte zu Demonstrationszügen gegen die Kapp-Regierung. In Leipzig eröffneten Putschisten-Söldner am 14. März das Feuer auf eine derartige Massendemonstration. Sie erschossen 40 unbewaffnete Demonstranten und verletzten etwa 100. Empört über den blutigen Terror und voller Hass gegen die Militaristen, setzten sich die Leipziger Arbeiter mit allen greifbaren Mitteln zur Wehr. Sie errichteten Barrikaden, Lastkraftwagen aus Großbetrieben fuhren in die Waffenfabriken nach Suhl und schafften Gewehre für den Abwehrkampf heran. Gleichzeitig griffen die Arbeiter hier und in allen Industriezentren zur Waffe des Generalstreiks.

Mehr als 12 Millionen Arbeiter und Angestellte streikten in diesen Tagen in Deutschland. Kommunisten und linke Sozialdemokraten gingen auch in Mecklenburg und Vorpommern(heutiges Neu-Bundesland Mecklenburg-Vorpommern) den Werktätigen als Vorkämpfer voran. Aktionsausschüsse aus Vertretern der Arbeiterparteien entstanden unter anderem in Rostock, Wismar, Pasewalk, Torgelow, Anklam, Teterow und Malchin Rostock wurde zu einem der wichtigsten Zentren des Kampfes gegen die Kapp-Putschisten in Norddeutschland: Am 13. März beschloss der Aktionsausschuss Rostock, Arbeiterbataillone aufzustellen.

Arbeiter bildeten in diesen Tagen in vielen Orten bewaffnete Einheiten. Neben Berlin, der Niederlausitz, Mecklenburg, Sachsen und Thüringen war das Ruhrrevier ein Hauptzentrum des Kampfes gegen die Putschisten. Hier entstand aus bewaffneten Arbeitertrupps die erste deutsche Arbeiterarmee, in der Mitglieder der KPD, der SPD, der USPD, der Gewerkschaften und unorganisierte Arbeiter kämpften. Dieser roten Ruhrarmee gehörten etwa 100 000 Arbeitersoldaten an, darunter auch russische Kriegsgefangene sowie polnische Arbeiter. Am 15. März nahm die Rote Ruhrarmee den Kampf gegen die Putschisten auf, die Kapp unterstützten. 10000 bewaffnete Arbeiter stürmten Dortmund. Andere Abteilungen der Roten Ruhrarmee errichteten in Ahlen, Bochum und Hamm militärische Stützpunkte. Die Hauptkräfte der Roten Ruhrarmee konzentrierten sich im Westen des Industriereviers. Sie begannen, diesen Teil des Ruhrgebiets von reaktionären militärischen Verbänden zu säubern.

Kämpfer der Roten Ruhrarmee

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Das gemeinsame Handeln der Arbeiterklasse für die Verteidigung der sozialen Errungenschaften und demokratischen Rechte und Freiheiten zwang Kapp am 17. März zum Rücktritt. Der Generalstreik und die bewaffneten Abwehrreaktionen hatten die Putschisten von ihrer Basies in den ostelbischen Gebieten abgeschnitten, das Verkehrswesen und die gesamte Wirtschaft lahmgelegt. Kapp und andere führende Putschisten flohen ins Ausland. Damit war die Niederschlagung des Kapp-Putsches 1920 vollendet. Das Zusammenwirken der Arbeiter und der anderen demokratischen Kräfte für ihre gemeinsamen Lebensinteressen, unabhängig von politischen und ideologischen Meinungsverschiedenheiten, hatte zum Erfolg geführt.

Kampf der Arbeiterklasse gegen den Kapp-Putsch

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Haltung der rechten sozialdemokratischen Führer nach dem Kapp-Putsch

Ebert und die Reichsregierung kehrten nach Berlin zurück. Die Arbeitermassen verlangten harte Bestrafung der Putschisten und Maßnahmen zur Sicherung der demokratischen Rechte und Freiheiten.  Um die Arbeiterklasse zu beschwichtigen, versprach zwar die Regierung energisches Durchgreifen, tat jedoch in Wirklichkeit alles nur Mögliche, um die Putschisten vor Bestrafung zu schützen. Gleichzeitig rief die reformistische Führung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) zum Abbruch des Generalstreiks auf. Das spaltete die geschlossene Streikfront. Der Regierung erwuchs daraus die Möglichkeit, am Putsch beteiligte Söldnertruppen gegen die Gruppen der Arbeiter einzusetzen, die am aktivsten für den Sturz der Putschistenregierung gekämpft hatten und sich mit leeren Versprechungen der Regierung nicht abspeisen lassen wollten.

Vor allem beeilte sich die Reichsregierung, die Rote Ruhrarmee erst zu spalten und dann den revolutionären Kern blutig niederzuschlagen. Reichs- und Staatskommissar Severing(SPD) schloss am 24. März mit Vertretern der Vollzugsausschüsse und Stadtverwaltungen der wichtigsten Städte des Ruhrgebiets in Bielefeld ein Abkommen, das zum großen Teil auf demokratischen Forderungen der Arbeiter basierte. Es verlangte zwar von den Arbeitern Wiederaufnahme der Arbeit und Ablieferung der Waffen an die Behörden, versprach jedoch den Arbeitern gleichzeitig Auflösung der am Putsch beteiligten Truppen, Bestrafung der Putschisten, Bildung örtlicher Arbeiterwehren und entscheidende Einflussnahme der Arbeiterorganisationen auf die Neuregelung wirtschafts- und sozialpolitischer Fragen. Diesen Versprechungen vertrauend, legte ein großer Teil der Ruhrarbeiter die Waffen nieder und beendete den Streik. Die Reichsregierung gab aber keine Zusage, sich an das Bielefelder Abkommen zu halten. Ihre konterrevolutionären Truppen begannen vielmehr unter dem Vorwand, dass die Arbeiter die Bielefelder Abmachung nicht eingehalten hätten, einen blutigen Rachefeldzug gegen die sich auflösende Arbeiterarmee. Ihre Rückzugsstraßen wurden unter Feuer genommen, gefangene Arbeitersoldaten misshandelt und erschossen.

Aus Brief von Max ZellerAus Brief von Max Zeller 2Quellenangabe Brief Max Zeller

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Spaltung der Aktionseinheit der Arbeiterklasse durch die rechten Führer der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften ermöglichte es den Militaristen im Ruhrgebiet und vielen anderen Teilen Deutschlands, einen blutigen Rachefeldzug gegen die Arbeiterklasse zu führen. Der Verrat der rechten sozialdemokratischen Führer an den Klasseninteressen des Proletariats brachte im März 1920 die deutschen Werktätigen um die Früchte ihres heroisch errungenen Sieges über die reaktionärsten Kräfte des deutschen Imperialismus.

 

 

geschichtsbuch-ddr-9-klasse-kopie-2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Originaltext:

Der Kapp-Putsch und seine Niederschlagung

 

 

 

 

 

Franz Mehring

Franz Erdmann Mehring, geboren am 27. Februar 1846 in Schlawe in Pommern, gestorben am 28. Januar 1919 in Berlin, war ein deutscher Publizist und Politiker.

Bildquelle: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2118431

Politisch war er zunächst ein bürgerlicher Demokrat. Seit 1870 arbeitete er für verschiedene Tages- und Wochenzeitungen. 1868 wechselte er zum weiteren Studium nach Berlin  und arbeitete zunächst in der Redaktion der demokratischen Tageszeitung „Die Zukunft“(Herausgeber Johann Jacoby und Guido Weiß).

Bereits 1867 traf Franz Mehring in Berlin auf August Bebel und Wilhelm Liebknecht, ohne dass dies zunächst Folgen für seinen politischen Standpunkt  gehabt hätte.  Vielmehr wandte er sich unter dem Eindruck des Krieges von 1870/71 vorübergehend von den Demokraten ab und dem nationalliberalen Lager zu.

In den folgenden Jahren kehrte er jedoch zu seinen demokratischen Positionen zurück. 1871 bis 1874 berichtete er für das „Oldenberg’sche Korrespondenzbüro“ über Reichstags- und Landtagssitzungen und wurde zu einem bekannten Parlamentsreporter. Danach arbeitete er als politischer Korrespondent für „Die Waage. Wochenblatt für Politik und Literatur“.

Hier veröffentlichte er 1875 eine Artikelserie gegen Heinrich von Treitschke, die kurze Zeit später als Buch unter dem Namen „Herr von Treitschke, der Sozialistentödter und die Endziele des Liberalismus – Eine sozialistische Replik“ erschien. Er arbeitete auch für die dem jüdischstämmigen Verleger Leopold Sonnemann gehörende, demokratisch orientierte, „Frankfurter Zeitung“. Sonnemann stand der Sozialdemokratie nahe und wurde von den Parteiführern geschätzt. Im Mai 1876 wandte sich Mehring in einem Artikel in der „Staatsbürger-Zeitung“ gegen seinen Verleger.  Er warf ihm vor, Bestechungsgelder angenommen und während der Gründerjahre(eine Ära im Kapitalismus) an kriminellen Börsenspekulationen teilgenommen zu haben.  Somit ist Franz Mehring Antisemitismus vorgeworfen worden. Mehrings Beschuldigungen gegen Sonnemann wurden von der Führung der Sozialdemokratie unter August Bebel und Wilhelm Liebknecht öffentlich abgelehnt. Diese Auseinandersetzung führte zu einem 15 Jahre dauernden Riss zwischen Mehring und der Sozialdemokratie.  Die Führung der Sozialdemokratie betrachtete Mehring mit Misstrauen, zumal Mehring danach mehrere antisozialistische Arbeiten verfasste. Vor allem sein Buch „Die Deutsche Socialdemokratie, ihre Geschichte und ihre Lehre“ (1877) wurde von der SPD heftig kritisiert.  Ab 1878 bis 1884 arbeitete Mehring für die Bremer „Weser-Zeitung“, 1883/84 für die „Demokratischen Blätter“.

Allerdings las er um 1880 intensiv die Schriften von Karl Marx, die ihn stark beeinflussten. Die Kritik an den Sozialistengesetzen und die Überzeugung, dass BismarckSozialgesetzgebung keine grundlegende Lösung der Sozialen Frage bringen würde, führten zu einer Wiederannäherung an die Sozialdemokratie.

Im Jahr 1891 trat Franz Mehring der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands(SPD)bei.

Von 1891 bis 1913 schrieb Mehring für die sozialdemokratische „Neue Zeit“, dies markiert seinen Eintritt in die deutsche marxistisch geprägte Arbeiterbewegung.  Von 1902 bis 1907 war Mehring Chefredakteur der sozialdemokratischen „Leipziger Volkszeitung“. Bis 1913 blieb er weiter Mitarbeiter des Blattes. Außerdem publizierte er im „Vorwärts“ und anderen sozialdemokratischen Blättern. In den Jahren 1913/14 war er Mitherausgeber der „Sozialdemokratischen Korrespondenz“. Neben der publizistischen Tätigkeit lehrte Mehring von 1906 bis 1911 an der zentralen Parteischule der SPD. Daneben war er von 1892 bis 1895 Leiter des Vereins der Freien Volksbühne in Berlin. 1917/1918 war er Mitglied des Preußischen Abgeordnetenhauses. Innerhalb der SPD blieb der bildungsbürgerlich geprägte Mehring ein Außenseiter. Der Parteivorsitzende August Bebel schrieb am 20. März 1892 an Friedrich Engels:

  • „Mehrings Arbeiten sind allerdings ausgezeichnet, aber trotz alledem lässt sich kein intimeres Verhältnis mit ihm herstellen; man befürchtet immer wieder, er bekäme einen Rückfall; und ausserdem muss man sich fürchten, mit ihm sich vertraulicher einzulassen, weil der Verdacht besteht, er notierte alles, was er hört. Das sind fatale Eigenschaften, die seine Person nicht zur Geltung kommen lassen.“[17]

In den innerparteilichen Grundsatzdebatten vor dem Ersten Weltkrieg, bei dem etwa Eduard Bernstein und der neue Parteivorsitzende Friedrich Ebert revisionistische, reformorientierte Positionen vertraten, beharrte Mehring ähnlich wie Karl Liebknecht auf der traditionellen Vorstellung vom Klassenkampf. Während des Ersten Weltkrieges distanzierte er sich aufgrund der Burgfriedenspolitik und der Zustimmung großer Teile der Partei zu den Kriegskrediten weiter von der SPD. Gemeinsam mit Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg und Clara Zetkin sah er darin eine Unterwerfung unter die herrschende Klasse und den Tod der Internationale.  Dieser Streit spaltete die Partei. Mehring war 1915 Mitherausgeber der Zeitschrift „Die Internationale“ und gründete 1916 mit anderen führenden Linken in der SPD die Spartakusgruppe. 1917 trat er der USPD bei, die für eine sofortige Beendigung des Krieges eintrat. Mehring war Ende 1918 entscheidend an der Vorbereitung des Gründungsparteitages der KPD beteiligt, welche die Arbeit des Spartakusbundes fortführte.

Mehrings Bedeutung liegt weniger in seinem konkreten politischen Handeln, sondern in seinen zahlreichen Schriften, insbesondere zur Geschichte der Arbeiterbewegung und der Sozialdemokratie. Dazu zählt etwa die zweibändige „Geschichte der deutschen Sozialdemokratie“ (1898). Seine 1910/11 erschienene „Deutsche Geschichte vom Ausgang des Mittelalters“ bediente sich der von Marx und Engels begründeten Methode des historischen Materialismus. Mehring war einer der ersten Historiker, der die marxistische Theorie konsequent auf die Geschichtswissenschaft anwandte, so beschäftigte er sich etwa mit der Geschichte der Reformation(siehe „Die Fürstenreformation“) und versuchte eine „Entzauberung“ der Geschichtsmythen um die herrschende Dynastie der Hohenzollern. Kurz vor seinem Tode veröffentlichte er im Jahr 1918 die erste und bis heute einflussreiche Biographie über Karl Marx.


Bildquelle: Von Z thomas – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52555433

Sein Grab befindet sich auf dem Berliner Zentralfriedhof Friedrichsfelde in der Gedenkstätte der Sozialisten im Rondell G3.

Briefmarke DDR 1955 – Franz Mehring
Bildquelle: Von scanned by heied – scanned by heied, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9796722

Weitere Ehrungen siehe Wikipedia.

entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

Phillip Müller(Kommunist in der BRD)

Kalter Krieg und "Entspannungspolitik"

Phillip Müller, geboren am 05. April 1931 in Neuaubing, gestorben am 11. Mai 1952 in Essen, war Arbeiter und Kommunist in der BRD. Er starb, als die Polizei in Essen auf Teilnehmer einer Demonstration gegen die Wiederbewaffnung der BRD schoss. Es war das erste Mal in der Geschichte der BRD, dass ein Demonstrant durch die Polizei getötet wurde.

1954 wurde im Rahmen der Volkskammerwahlen in der DDR die nach ihm benannte Phillip-Müller-Medaille von der FDJ gestiftet.

Philipp Müller stammte aus einer katholischen Familie, er lernte Schlosser und arbeitete im Eisenbahnausbesserungswerk Neu-Aubing. 1948 wurde er in München Mitglied der damals noch nicht verbotenen FDJ und 1950 der KPD. Er engagierte sich im Sozialistischen Jungarbeiter Aktiv, einem Münchener Bündnis aus FalkenJusos, FDJund antifaschistischen Gruppen.

1950 fuhr er als Delegierter der Münchner FDJ zum Deutschlandtreffen der Jugend in die DDR und nahm auch 1951 an den III. Weltfestspielen der Jugend und Studenten

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Abhanden gekommenes Klassenbewusstsein

Rotfuchs

 

In der Ausgabe des „RotFuchs“ von Mai 2017 beschreibt ein Artikel die Vorgänge in einem Betrieb während der Konterrevolution in der DDR. Dazu kann man nur sagen, dass der Arbeiterklasse in der DDR das Klassenbewusstsein abhanden gekommen ist. Wäre dieses noch vorhanden gewesen, wäre der Ablauf der Ereignisse ein Anderer gewesen und die DDR würde vielleicht noch bestehen.

Der Artikel beschreibt auch, dass es bald diesen Betrieb nicht mehr gab. Die damaligen Arbeiterinnen und Arbeiter lernten bald Arbeitslosigkeit, Armut und prekäre Beschäftigung kennen.


 

Was nicht in den Personalakten stand

Autor: Dr. Hans Rost

Wir schrieben das Jahr 1989. In unserem damals volkseigenen Werk waren insgesamt etwa 900 Beschäftigte tätig. Die Unzufriedenheit hatte zugenommen und nun, zum 40. Jahrestag der DDR, ihren Höhepunkt erreicht. Da erschien eines Tages eine Abordnung von Betriebsangehörigen in meinem Büro. Sie verlangten im Namen aller anderen Einsicht in ihre Personalakten und deren Herausgabe. Der Wortführer, ein junger Mann aus dem Bereich der Instandhaltung, erklärte: „Wir wollen alle sehen, was ihr über uns an die Staatssicherheit berichtet habt, und warum wir nicht, so wie wir wollen, in den Westen fahren dürfen, und warum keiner etwas gegen die immer größer werdenden Missstände unternimmt.“

Ich hatte nur wenig Zeit zum Überlegen. Ich entschied aufgrund der aufgeheizten Stimmung, der Forderung nach Akteneinsicht nachzukommen. „Morgen früh ab 7 Uhr können alle in der Personalabteilung Einsicht in ihre Akte nehmen. Jeder kann dann – mit Ausnahme des Arbeitsvertrages – das für ihn Relevante mit nach Hause nehmen“, war meine Antwort. Die Abordnung war damit einverstanden. Dies war eine eigenmächtige Entscheidung, doch ich war der Meinung, dass die Leute ein Recht auf ihre Unterlagen hatten. Wir hatten ja nichts zu verheimlichen. Meine Mitarbeiterinnen wies ich an, einen Raum mit drei Tischen getrennt voneinander einzurichten und jedem, der es wünschte, seine Personalakte zur Einsicht zu geben. Sie sahen mich erstaunt an, fragten aber nicht weiter nach dem Grund. Nachdem alles vorbereitet war, machten wir wie immer 16.30 Uhr Feierabend.

Am nächsten Morgen kam ich etwas zeitiger zur Arbeit. Ich staunte nicht schlecht. Vor dem Eingang zum Büro stand eine lange Schlange wartender Personen. Außer einiger spitzer Bemerkungen und versteckter Beleidigungen verhielten sie sich ruhig und diszipliniert. Meine Mitarbeiterinnen waren inzwischen auch eingetroffen. Obwohl es noch nicht 7 Uhr war, öffnete ich die Tür und ließ die ersten drei Kollegen eintreten.

Meine Stellvertreterin bot ihnen einen Platz an den Tischen an und übergab die jeweilige Personalakte. Jeder las interessiert in seinen Papieren, blätterte von vorn bis zur letzten Seite und wieder zurück, schüttelte mit dem Kopf, las weiter, manche murmelten auch etwas vor sich hin. Nach ca. zehn Minuten stand der erste auf, warf die Akte auf den Tisch und wollte gehen. „Einen Moment“, sagte ich zu ihm, „außer dem Arbeitsvertrag, dem Laufzettel und dem Einstellungsprotokoll können Sie alles mitnehmen, wir benötigen es eigentlich nicht.“ „Was soll ich damit machen?“, fragte er etwas unwirsch. Auch die anderen waren jetzt mit ihrer Durchsicht fertig. Es folgte das gleiche Spiel. „Habt ihr wirklich nicht mehr?“, fragte einer. „Nein, das sind vollständig eure Akten“, war meine Antwort. Wort- und grußlos verließen sie dann den Raum. Die Nächsten kamen. Die Stimmung war angespannt. So ging es nun fast den ganzen Tag. Viele schüttelten nur mit dem Kopf oder lachten, als sie ihre Akte lasen. Eine Kollegin fragte, wieso ihre Kurbestätigung hier drin sei. Einer wollte wissen, wo denn der „Strenge Verweis sei, den er im vergangenen Jahr erhalten habe. „Nach einem Jahr“, antwortete meine Kollegin, „wird er, wenn nichts wieder vorgefallen ist, aus der Akte genommen und vernichtet.“ Einer erkundigte sich, wer die Beurteilung wegen seiner Reise in die BRD geschrieben habe. Er wollte nicht glauben, dass der Direktor für Produktion die Reise befürwortet hatte, die Personalabteilung einver­standen war, sie aber dennoch von anderer Stelle abgelehnt worden war. Wir konnten seine Frage nicht beantworten.

Viele verließen den Raum mit enttäuschtem Gesicht. „So ein Unsinn, was die alles aufgehoben haben“, meinten mehrere von ihnen. Sie hatten offenbar nicht gefunden, was angeblich in der Akte sein sollte und wonach sie hauptsächlich gesucht hatten. Wir hatten uns darauf eingerichtet, an diesem Tag einige Stunden länger zu öffnen, um auch den Schichtarbeitern die Möglichkeit zur Einsichtnahme zu geben.

Offensichtlich hatte es sich bis zum Mittag im Betrieb herumgesprochen, was in den Personalakten enthalten war. Der Andrang am Nachmittag nahm spürbar ab, und am nächsten Morgen kamen nur noch vereinzelte Kolleginnen und Kollegen. Nach unserer Rechnung waren bisher nicht einmal 30 % der Betriebsangehörigen zur Einsichtnahme gekommen. Deshalb übergaben wir am Nachmittag jeder Abteilung ein Schreiben mit dem Angebot, in die Akten einzusehen, da wir diese Aktion abschließen wollten. Es kamen nur noch ganz wenige. Warum also vorher die große Aufregung?

In der Zwischenzeit ordneten meine Kolleginnen die Akten für jeden, der Einsicht genommen hatte, neu. Die Unterlagen, die nicht mitgenommen wurden, warfen sie in einen Papiersack, um ihn am nächsten Tag im Kesselhaus des Betriebes zu verbrennen. Als ich den ersten Sack in das Kesselhaus brachte, kam ein Kollege auf mich zugestürzt und brüllte mich an: „Ihr wollt wohl die Berichte an die Stasi verbrennen“? „Nein“, sagte ich ganz ruhig, „das sind nur die Reste der Akten, welche die Kollegen nicht mitgenommen haben.“ „Das wollen wir sehen“, forderte er barsch. Obwohl das eigentlich nicht rechtens war, weil es ja auch damals noch einen bestimmten Datenschutz gab, nahm ich den Sack, drehte ihn um und schüttete ihm alles vor die Füße. „So“, sagte ich, „sieh nach, was es für Unterlagen sind.“ Eifrig begannen sie – es waren noch zwei Kollegen hinzugekommen – einzelne Schrift­stücke herauszuziehen und zu lesen. Ihre Gesichter wurden immer länger. Ich stand daneben und schaute zu. Etwa nach einer Viertelstunde hörten sie auf. „Los, verbrennt das Zeug“, knurrte der Anführer seine Kollegen an, drehte sich um und verschwand. Die beiden nahmen die Schriftstücke und warfen sie in die Feuerung. Ich blieb dabei, bis alles verbrannt war.

Einige Tage später ging ich durch einzelne Abteilungen des Betriebes. Ein Teil der Kolleginnen und Kollegen sagten: „Ihr habt euch ja große Mühe gegeben, aber was sollen wir mit dem ganzen Zeug machen? Außer der Beurteilung und ein paar anderen Sachen war ja nur viel Papier in der Akte!“ Einzelne machten einen großen Bogen um mich, sie konnten die Enttäuschung wahrscheinlich nicht verwinden, dass sie nicht das gefunden hatten, was ihnen eingeflüstert worden war. Immerhin waren ja innerhalb von zehn Jahren 168 Betriebsangehörige, nicht nur Rentner, in die BRD gereist. Eine einzige Kollegin ist in der BRD geblieben, aus persönlichen Gründen. Alle anderen kehrten wieder an ihren Arbeitsplatz zurück.

Wenige Monate später wurde der Betrieb abgewickelt. Anlagen und Maschinen hat man in der Nacht auf Waggons verladen und in die alten Bundesländer verbracht. Alle Angehörigen des Betriebes wurden arbeitslos. Unser Werk wurde zum zweiten Mal nach 1945, dieses Mal aber für immer, geschlossen.

RotFuchs Mai 2017

Titel RF Mai 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Original-Artikel:

-nicht in Personalakte RF Mai 2017

 

Artikel und Titelblatt der entsprechenden Ausgabe als PDF-Datei:

PDF -nicht in Personalakte

 

 

 

Der Aufstand der schlesischen Weber

Die Ursachen des Aufstandes

 

Zu den am schlechtesten entlohnten Arbeitern gehörten in Deutschland die Heimarbeiter. Es waren meist Handweber, die zu Hause arbeiteten. Die kapitalistische Entwicklung hatte sie völlig von den Fabrikanten, Kaufleuten und Verlegern abhängig gemacht. Garn oder Wolle, die sie vom Verleger erhielten, verarbeiteten sie zu Leinwand oder Tuch und lieferten die fertigen Produkte wieder an den Verleger ab. Dieser setzte den Preis für das Ausgangsmaterial und die hergestellte Ware allein fest. Um überhaupt leben zu können, mussten sich die Weber dieser Willkür fügen. Sie lebten meist im Dorf, besaßen ein kleines Haus und ein winziges Stück Ackerland.

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In den schlesischen Gebieten war die Notlage der Heimarbeiter am größten. Hier mussten auch die Frau und die Kinder 14 bis 16 Stunden mit am Webstuhl sitzen, damit die Familie nicht verhungerte. Fleisch zur Mahlzeit gab es kaum. Kartoffeln und eine dünne Suppe waren für die meisten die tägliche Nahrung.

Vom kärglichen Verdienst mussten Steuern an den Staat, an den Gutsherren und an die Gemeinde gezahlt werden. Im Unterschied zu den Arbeitern in den Fabriken wurden die schlesischen Heimarbeiter nicht nur von den Kapitalisten, sondern gleichzeitig auch von den Junkern ausgebeutet.

Anfang der vierziger Jahre des 19. Jahrhunderts wurde die englische Industrie zu einer gefährlichen Konkurrenz für die schlesischen Textilfabrikanten und Verleger. Die mit modernen Maschinen ausgerüsteten Textilfabrikanten Englands lieferten ihre Erzeugnisse viel billiger auf den Markt. Um ihre Waren weiter absetzen zu können, versuchten die schlesischen Verleger, ihre handgewebten Produkte ebenso billig wie die englischen Kapitalisten zu verkaufen. Da sie aber auf keinen Fall ihren Profit schmälern wollten, kürzten sie die Arbeitslöhne. Besonders erpresserisch handelten die Verleger in den schlesischen Dörfern Peterswaldau und Langenbielau. Hier beuteten die Gebrüder Zwanziger und die Gebrüder Diering die Weber am schamlosesten aus.

Einige tausend Weber und Spinner wurden von diesen Großunternehmern beschäftigt, die mit ihrem Reichtum protzten, während die Arbeiter darbten. Allein die Gebrüder Zwanziger hatten ein jährliches Einkommen von 30 000 Talern. Dagegen verdiente ein Weber im Jahr nur 60 Taler.

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Der Verlauf des Aufstandes

 

In Peterswaldau entlud sich der wachsende Hass der Arbeiter auf die Fabrikanten zuerst in einem anklagenden Lied. Es wurde von den Webern als Flugblatt heimlich verbreitet und auch an die Türen der Verleger geheftet.

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Mehrere Weber wurden verhaftet, weil sie dieses Lied gesungen hatten. Da riss den Arbeitern im Sommer 1844 die Geduld. Von den Fabrikanten aufs äußerste gepeinigt, erhoben sie sich, um mit Gewalt für das Recht des Lebens zu kämpfen. So begann im Jahre 1844 der schlesische Weberaufstand.

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Von Peterswaldau griff der Aufstand auf andere Dörfer über. Im benachbarten Langenbielau zertrümmerten die Weber am 5. Juni die Geschäftsräume des verhassten Fabrikanten Dierig. Dann versammelten sie sich vor seinem Wohnhaus. Es wurden ihnen Geld und Lebensmittel versprochen. Geduldig warteten die Weber den ganzen Tag. Dierig hatte jedoch bereits heimlich Militär angefordert und hielt die Weber so lange hin, bis preußische Soldaten eintrafen. Ein Offizier forderte die Menge auf, sich nach Hause zu begeben. Als dieser Aufforderung nicht nachgekommen wurde, ließ er das Feuer eröffnen. Elf Menschen, darunter Frauen und Kinder, fielen unter den Gewehrsalven, 24 wurden schwer verletzt. Als Antwort auf diesen brutalen Mord gingen die Weber mutig mit Steinen, Knüppeln und Äxten gegen die Soldaten vor. Das Militär wurde aus dem Dorf gejagt.

Der Sieg der Weber war nur von kurzer Dauer. Als die Soldaten Verstärkung, darunter Artillerie und Kavallerie, erhalten hatten, besetzten sie am 6. Juni 1844 die aufständischen Weberdörfer. Über hundert Weber wurden verhaftet und in Breslau vor Gericht gestellt. Der jüngste von ihnen war 15 Jahre alt. 80 Arbeiter erhielten insgesamt 293 Jahre Zuchthaus und Festungshaft sowie 330 Peitschenhiebe.

 

 

Die Bedeutung des Aufstandes

 

Der Aufstand der schlesischen Weber im Jahre 1844 war die erste Klassenschlacht des deutschen Proletariats. Mit ihm begann der selbstständige Kampf der deutschen Arbeiterklasse gegen die Bourgeoise und gegen den preußischen Staat.

Die Erhebung hatte mit den Aktionen der englischen Maschinenstürmer Einiges gemeinsam. Auch die schlesischen Weber hatten Maschinen zerstört. Gemeinsam war auch, dass die englischen Arbeiter und die schlesischen Weber ohne Organisation und ohne Klarheit über ihre Ziele aus Verzweiflung zum Mittel der Gewalt gegriffen hatten. Aber der Weberaufstand unterschied sich von der Maschinenstürmerei darin, dass er sich vor allem gegen die eigentlichen Feinde der Arbeiterklasse selbst, gegen die Kapitalisten, richtete.

Die Erhebung in Schlesien ermunterte die Arbeiter in anderen Gebieten Deutschlands. Mit Streiks und Demonstrationen kämpften besonders die Eisenbahnbauarbeiter in Preußen und Sachsen um höhere Löhne und gegen die Willkür der Unternehmer. An vielen Orten Deutschlands wurde für die Hinterbliebenen der Gefallenen und für die Eingekerkerten Geld gesammelt. Der Dichter Heinrich Heine stellte sich mit seinem Gedicht „Die Schlesischen Weber“ an die Seite der revolutionären Arbeiter. Eine Strophe lautete:

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1982

 

Geschichtsbuch DDR 8

 

Quelltext:

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Die Aufstände der Seidenweber in Lyon

Mit der Anwendung neuer Kampfformen begann in den dreißiger und vierziger Jahren des 19. Jahrhunderts eine neue Etappe des Klassenkampfes. Die französischen Arbeiter setzten sich mit Streiks, Koalitionen(Zusammenschlüssen) und bewaffneten Aufständen zur Wehr.

Die herausragenden Ereignisse waren die Aufstände der Seidenweber in der südfranzösischen Stadt Lyon.

Die Seidenweber mussten um das Jahr 1830 15 bis 16 Standen am Tage arbeiten. Trotzdem waren die Löhne so gering, dass die Arbeiter ständig hungerten. Deshalb legten die Seidenweber von Lyon 1831 geschlossen nieder und besetzten die Eingänge zu den Fabriken. Die Kapitalisten erschraken durch das einheitliche Vorgehen der Arbeiter und wandten sich an die französische Regierung. Diese schickte etwas 20 000 Soldaten gegen die Aufständischen. Die Seidenweber verteidigten sich hinter rasch errichteten Barrikaden, über denen eine schwarze Fahne wehte. Sie trug die Inschrift: „Arbeitend leben oder kämpfend sterben!“  Den Truppen gelang es nicht die Barrikaden zu erobern. Nach dreitägigem Kampf befand sich die ganze Stadt in den Händen der Arbeiter. Der bürgerlichen Stadtverwaltung gelang es aber, einen großen Teil der Aufständischen zu beschwichtigen. Deshalb konnten die Truppen nach zehn Tagen die Stadt zurückerobern. Hunderte von Arbeitern kamen ins Gefängnis und wurden wie Schwerverbrecher in Ketten gelegt.

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Seidenweberaufstand in Lyon

 

Drei Jahre später erhoben sich die Lyoner Seidenweber erneut. Diesmal forderten sie nicht nur höhere Löhne und kürzere Arbeitszeit, sondern riefen dazu auf die verhasste Monarchie zu stürzen, die nur die Interessen der Kapitalisten vertrat. Wieder schickte die Regierung Truppen nach Lyon. Vier Tage widerstanden die Arbeiter in blutigen Kämpfen dem Feuer der Kanonen. Dann unterlagen sie der Übermacht.

Die beiden Aufstände der Lyoner Seidenweber riefen in Frankreich, aber auch in anderen Ländern, einen großen Eindruck hervor. Erstmalig hatten die Arbeiter gezeigt, dass sie durch geschlossenes und selbstständiges Handeln in der Lage waren, der kapitalistischen Ausbeuterklasse entgegenzutreten.

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

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Quelltext:

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Die Maschinenstürmer in England

In England waren in den letzten Jahrzehnten des 18. Und in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts viele Fabriken entstanden. Zur Bedienung der Maschinen wurden zunehmend weniger Arbeitskräfte benötigt und deshalb viele Arbeiter entlassen. Oft senkten die Kapitalisten für diejenigen, die noch in Arbeit standen, den Lohn. Damals erkannten die Arbeiter nicht die wahren Ursachen ihrer Lage. Sie glaubten, dass die Maschinen ihr wachsendes Elend verursachen würden. Ihre Empörung richtete sich deshalb gegen die Maschinen.

Sie widersetzten sich darum der Bourgeoisie zuerst, indem sie versuchten, die Einführung der neuen Maschinen zu verhindern. Als das nicht gelang, zogen sie an vielen Orten in die Fabriken und zerstörten die Maschinen. Diese Aktion wird als Bewegung der Maschinenstürmer bezeichnet.

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Da diese Bewegung der Maschinenstürmer immer mehr um sich griff, forderten die Kapitalisten von der englischen Regierung, mit grausamen Strafen dagegen vorzugehen. Im Jahre 1812 führte man deshalb für die Zerstörung der Maschinen die Todesstrafe ein. Daraufhin wurden allein im Januar 1813 in York 18 Maschinenstürmer hingerichtet. Als 1830 die englischen Großgrundbesitzer die Dreschmaschine einsetzten, richtete sich der Hass der Landarbeiter gegen die Maschinen.

Die Arbeiter sahen jedoch, dass die Maschinen trotz ihres Widerstandes eingeführt wurden. Sie lernten zu erkennen, dass nicht die Maschinen ihre Feinde waren, sondern die Kapitalisten. Ihnen wurde somit klar, dass sie ihren Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung mit anderen Mitteln führen mussten. Die Arbeiter zogen die Lehren aus ihren ersten, noch unüberlegten und nicht genügend organisierten Kämpfen gegen die Bourgeoisie.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

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