Die Tätigkeit der Spezialkommissionen

In Jahr 1958 wurde auf Befehl des Ministers in der HA IX eine spezielle
 Kommission zur Untersuchung von Brand- und Mordfällen geschaffen: die „Spezialkommission“. 1967 wurden gleichartige Spezialkommissionen in
einigen, später in allen Abteilungen IX(die Abteilungen des MfS waren mit römischen Zahlen gekennzeichnet. Dazu in einem späteren Beitrag mehr.) der Bezirksverwaltungen gebildet.
Sie hatten insbesondere Brände, Havarien, Gewaltakte und Todesfälle zu untersuchen, bei denen es sich um Terror- oder Diversionsakte handeln konnte, die einen möglicherweise staatssicherheitsspezifischen Hintergrund hatten
oder die wegen beträchtlicher Unruhe in der Bevölkerung und anderen Auswirkungen die öffentliche Sicherheit und Ordnung erheblich beeinträchtigen
oder berühren konnten. Kritisch anzumerken ist, dass mitunter diese
Spezialkräfte des MfS auch zur Aufklärung und Untersuchung von Vorkommnissen eingesetzt wurden, obwohl dafür andere Staatsorgane zuständig
 und dazu auch in der Lage waren.

Zuständigkeitsstreit

Bildquelle: Pharmazeutische Zeitung online https://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=6489

 

Das Zuständigkeitsgerangele kennen wir aus allen Ländern der Welt und das gab es früher und gibt es auch heute. In US-amerikanischen Krimis wird dieses Thema oft angesprochen. So z.B. das Zuständigkeitsgerangele zwischen FBI und örtlicher Polizei

Die Kommissionen arbeiteten mit den kriminalistischen Mitteln und Methoden,
wie sie auch von den entsprechenden Spezialkommissionen der Deutschen
 Volkspolizei zur Anwendung kamen. Sie konnten sich aber in ihrer
Tätigkeit zugleich auf das gesamte operative Potential(mit geheimdienstlichen Mitteln agieren)des MfS stützen. Mit
den Untersuchungsorganen(Polizei) des Ministeriums des Innern(MdI) wurde dabei eng zusammengearbeitet. Das war in der DDR selbstverständlich und entsprach der Rechtsordnung und auch den Erwartungen der Bevölkerung
zum Schutz vor Straftaten und anderen schwerwiegenden Störungen
 ihrer Lebens- und Arbeitsbedingungen.

Unter aktiver Mitwirkung der Spezialkommissionen erfolgte die Aufklärung
 von Morden und Todesfällen, einer beträchtlichen Anzahl schwerer Anschläge
 gegen Grenzsicherungskräfte und Grenzsicherungsanlagen, die Aufklärung
 von Flugzeugunfällen und anderen Vorkommnissen im Flugbetrieb sowie
 von Großbränden, Havarien(größere Unfälle/Unglücke) und anderen schweren Störungen in der Volkswirtschaft. Beispielsweise wurden in den Jahren 1969 bis 1971 in den Kreisen
Eberswalde und Oranienburg gemeinsam mit Angehörigen der Deutschen
 Volkspolizei Morde an Kindern aufgeklärt, die zu erheblicher Beunruhigung
 unter der Bevölkerung geführt hatten.

Straftaten im Transitverkehr zwischen der BRD und Westberlin aufzuklären
war besonders schwierig, da es kein Rechtshilfeabkommen zwischen
der DDR und der BRD gab. Erinnert sei an den spektakulären Mord
 an der BRD-Bürgerin Maria H. im Herbst 1966 auf einem Parkplatz bei
Eisenberg (Thüringen). Ihre Leiche war bei Leipzig abgelegt worden. Der
 Täter schleuste mit den Papieren der Ermordeten die minderjährige DDR-Bürgerin
 Elke K. aus. Die Übergabe der Beweise führte dazu, dass die Behörden 
der BRD dem Wunsch der Elke K. nach Rückführung in die DDR entsprechen 
mussten.

Wie dieses Vorkommnis, so wurde auch der tragische Todesfall eines Transitreisenden bei der Grenzpassage an der Grenzübergangsstelle Drewitz im 
April 1983 seitens der BRD zu einem Politikum gemacht und führte zu einer erheblichen Verschärfung der Beziehungen zwischen der DDR und der BRD.
 Es konnte gerichtsmedizinisch nachgewiesen werden, dass der Mann nicht misshandelt worden war, sondern an 
Herzversagen starb. Beim Sturz vom Stuhl hatte sich der bereits Tote Verletzungen
 am Kopf zugezogen. Sie waren Folge, nicht Ursache seines Todes.
 Dieser Fall wurde in der Asphaltpresse der BRD hochgekocht und von anderen Westmedien übernommen. Das löste Missstimmung in der Bevölkerung der BRD gegenüber der DDR aus und führte auch in der hohen Politik zu einer Krise. Die DDR musste Geld ausgeben, um den Fall in Hamburg untersuchen zu lassen. Da hat sich bestätigt, dass er Betroffene an  Herzversagen während der Kontrolle am Grenzübergang starb. Die angebliche Misshandlung durch Grenz-“beamte“ hat sich als Märchen (der Asphaltpresse der BRD)entpuppt. Aus der heutigen Sicht müssen auch der DDR gegnerisch eingestellte Medien und Institutionen(es gibt einen Link zur „Bundeszentrale für politische Bildung“)die Wahrheit sagen. Siehe nachfolgende Artikel und Link.

Ausschnitt Toter vom Grenzübergang Drewitz 1983

 

60 x Deutschland Artikel Toter Grenzübergang Drewitz 1983


 

Nach 1989 wurde versucht, im Falle des angeblichen Honecker-Attentates
 bei Wandlitz die Untersuchungsergebnisse der Spezialkommission in Zweifel
 zu ziehen. Die Untersuchungen hatten seinerzeit zweifelsfrei ergeben,
dass es sich bei dem Vorkommnis Sylvester 1982 nicht um einen Anschlag
 gehandelt hatte. Vielmehr hatte ein betrunkener Autofahrer, der durch verkehrswidriges Verhalten aufgefallen und deshalb von Sicherungskräften angehalten
 worden war, mit einer von ihm mitgeführten Pistole geschossen und
 sich dann selbst durch Kopfschuss getötet.
 Dennoch wurde gegen einen Angehörigen der Sicherungskräfte ein Ermittlungsverfahren wegen Mordverdachts eingeleitet. Erst 1995 gestand die
zuständige Staatsanwaltschaft ein, dass es weder einen Attentatsversuch auf
 Erich Honecker gegeben noch der beschuldigte Angehörige der Sicherungskräfte
einen Mord begangen hatte.
 Darüber ist in den West-Medien viel spekuliert worden. Nach 1990 hat man dies wieder herausgeholt. Der „Focus“ berichtet in einem Artikel vom 16.05. 2014 im Nachhinein sachlich über die Erinnerungen von Honeckers Leibwächter Bernd Brückner.

online Focus

 

Bernd Brückner Leibwächter von Honecker

Bernd Brückner, Leibwächter von Erich Honecker

Bildquelle: Online Focus https://www.focus.de/politik/deutschland/das-honecker-attentat-von-klosterfelde-als-ein-betrunkener-ddr-waffennarr-die-stasi-blossstellte_id_3850919.html

 

Erich Honeckers 1989er Citroën CX Prestige Rallongée Turbo II

Honeckers Auto

Bildquelle: Online Focus https://www.focus.de/politik/deutschland/das-honecker-attentat-von-klosterfelde-als-ein-betrunkener-ddr-waffennarr-die-stasi-blossstellte_id_3850919.html

 

 

Es ist aber schleierhaft, wieso bei dem strengen Waffenrecht der DDR(„Otto Normalbürger“ und „Lieschen Müller“ hatten in der DDR keine Chance Waffen zu besitzen)Paul Eßling ein ganzes Waffenarsenal besitzen konnte? Hatte schon 1982, als der Vorfall geschah, die DDR-Staatsmacht gebröckelt? In diesem Fall ist die reißerische Überschrift des „Focus“ „Als ein betrunkener DDR-Waffennarr die Stasi bloßstellte“ nicht mal verkehrt.

online Focus

 


 

Insgesamt haben die Untersuchungsorgane des MfS im Zusammenwirken mit anderen Untersuchungsorganen jährlich mehrere Hundert Havarien, Brände und Störungen in der Volkswirtschaft, Verluste von geheimen Dokumenten, Diebstähle und Verluste von Waffen und Militärtechnik und ähnliche schwerwiegende Vorkommnisse untersucht und aufgeklärt.

 

Buchtitel Die Sicherheit Kopie 3

 

Text:

Karli Coburger und Dieter Skiba, bearbeitet von Petra Reichel

 

Entnommen aus dem Buch „Die Sicherheit“

Website MfS-Insider

 

 

Das gesamte Buch oder einzelne Kapitel können von der Website www.mfs-insider.de heruntergeladen werden.

 

 

 

Original-Text

Spezialkommissionen

 

 

 

 

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Abwehr von terroristischen Handlungen und Gewaltakten an den Grenzübergängen

Infolge der Entwicklung des Terrorismus im internationalen Maßstab und da die DDR Frontstaat des Warschauer Vertrages war, musste sie an den Grenzübergangsstellen vorbeugende Maßnahmen zur Abwehr terroristischer Handlungen ergreifen.

Hinzu kam die im Inneren der DDR entwickelnde Kriminalität gegen die Staatsgrenze der DDR zur BRD, bzw. Westberlin.

Es bestand die Sorge, dass Berichte der Westmedien über Kriminalität in der BRD, Westberlin u.a. westlicher Länder einen Nachahmungseffekt in der DDR auslösen könnten. Dazu gehörten Geiselnahme, Menschenraub/Entführung, Bankraub, Erpressung u.ä..

Es gab zunehmend direkte Angriffe extremistischer u. a. Organisationen gegen die DDR. Z.B:

  • Androhung von Gewaltakten, insbesondere unter Missbrauch der Nachrichtenverbindungen der Deutschen Post;

 

  • Versuche zur Schaffung feindlicher Stützpunkte in der DDR zur Durchführungen von Terrorakten u.a. Gewaltverbrechen;

 

  • Attentate gegen führende Repräsentanten der DDR;

 

  • Mitglieder von Schleuserbanden reisten bewaffnet in die DDR und waren bereit bei ihrer Entdeckung die Waffen anzuwenden;

 

  • Im Jahr 1980 gab es Anschläge auf LKW der DDR auf Parkplätzen an den Autobahnen der BRD. Ein ehemaliger DDR-Bürger hatte aus Hass und persönlicher Rache mehr als 200 LKW-Reifen zerstört;

 

  • Im Juli 1982 versuchte ein ehemaliger DDR-Bürger, durch anonyme Drohung von terroristischen Handlungen gegen eine DDR-Radsportdelegation, die Ausreise seiner in der DDR lebenden Mutter zu erzwingen;

 

  • Straf- und Untersuchungshaftanstalten waren Ausgangspunkt für Terror- und andere Gewaltakte, indem sich der DDR feindlich gesinnte Kräfte gruppierten und im Zusammenhang mit Ausbruchsversuchen Gewaltakte planten, vorbereiteten und durchführten(eine alte Weisheit: Im Knast lernt man Schlechtigkeiten hinzu);

 

  • Strafgefangene führten eine Geiselnahme durch und drohten an, die Geisel bei der Ablehnung eines ungehinderten Grenzübertritts in die BRD zu töten.

 

Die Grenzübergänge stellten in diesem Zusammenhang neuralgische Punkte dar. Es hatte die Devise zu gelten, dass jeder Reisende gleichzeitig ein Täter sein könnte. Daran dachten die wenigsten Reisenden, die sich über eine gründliche Kontrolle an einem Grenzübergang der DDR ärgerten. Insbesondere, da über oben genannte Taten nicht in der Asphaltpresse(Boulevardpresse) und anderen westlichen Medien berichtet wurde.

Wiederholt gab es Grenzdurchbrüche in Richtung BRD, und zwar unter Duldung und moralischer Unterstützung der Regierung der BRD.

Es gab kaum Unterschiede in den Aktivitäten der DDR-Sicherheitsorgane(Behörden/Institutionen), Kfz-Durchbrüche an ihren Grenzen, insbesondere an den Grenzübergangsstellen zu verhindern. Die Maßnahmen waren gegen Fahrzeuge gerichtet, die widerrechtlich an den Grenzübergängen versuchten Gewaltakte und Menschenschleusungen zu verüben, um dann den Grenzdurchbruch durchzuführen.

Gelungene Aktionen der Grenztäter wurden in der BRD positiv dargestellt, während Abwehrmaßnahmen der DDR verteufelt wurden. (Daran hat sich in der Geschichtsschreibung der Sieger nichts geändert.)

Die Situation an den Grenzübergängen verschärfte sich nach der Errichtung des antifaschistischen Schutzwalls in Berlin im Jahre 1961.

Bei berechtigter Annahme des Versuchs eines gewaltsamen Grenzdurchbruchs war Alarm auszulösen und auf Grund des Plans des Zusammenwirkens der in den Dienstbereichen der Grenzübergangsstellen tätigen Mitarbeiter der Grenztruppen, der Passkontrolle und der Zollverwaltung zu handeln. Nach Schließung der pioniertechnischen Anlagen der Grenzübergänge sollte die zeitweilige Unterbrechung des grenzüberschreitenden Verkehrs, der Einstellung der Kontrollhandlungen und möglichst die Festnahme des Täters sowie verstärkte Sicherung des Kontrollterritoriums und des Grenzabschnitts erfolgen, um das Ein- und Ausbrechen von Grenzverletzern nicht zuzulassen. Die Terroristen waren nach Möglichkeit ohne Anwendung der Schusswaffe durch taktisch kluges Handeln festzunehmen. Sollte es für die Kontrollkräfte keine Möglichkeit zur sofortigen Überwältigung der Terroristen geben, galt es durch Verhandeln Zeit zu gewinnen, das Leben eventueller Geiseln zu retten, Spezialisten anzufordern und im Übrigen auf Befehl des übergeordneten Kommandanten zu handeln.

Um auf terroristische Angriffshandlungen vorbereitet zu sein, gab es an den Grenzübergängen Spezialistengruppen der Passkontrolle und Zollverwaltung für Sicherheit und Terrorabwehr. Weiterhin waren Pläne für den Einsatz von Eingreiftruppen aus dem Bezirk bzw. aus Berlin/DDR erarbeitet worden. An den Grenzübergängen lag für den Fall eines Terrorangriffs ein Auskunftsdokument vor mit der Beschreibung

  • des Kontrollterritoriums,
  • der abzufertigenden Vekehrskategorien,
  • des Raumes der Sicherstellung,
  • des Grenzsteckenabschnittes,
  • seiner Flanken,
  • der Sperrsysteme,
  • der Dienstbesetzung sowie
  • der Maßnahmen bei Alarm.

Fotos unterlegten die Angaben zu den Grenzübergängen und ermöglichten der Eingreiftruppe während der Anfahrt die rechtzeitige Vorbereitung, denn sie hatten den betreffenden Grenzübergang meist noch nie gesehen. Diese Auskunftsdokumente existierten in mehreren Exemplaren und bei allen Führungsebenen. Glücklicherweise mussten die Eingreiftruppen nie zum Einsatz kommen.

Die Vorbereitung auf Terror- und andere Gewaltakte gegen die DDR, insbesondere gegen ihre Grenzübergänge und ihre Auslandseinrichtungen, hatten einen hohen Stellenwert im Abwehrkampf der zuständigen Behörden.

Nicht selten traten ehemalige Bürger der DDR in Erscheinung, die nach ihrer Haftentlassung meist auf ihre Initiative aus der Staatsbürgerschaft der DDR entlassen, in die BRD, bzw. Westberlin übergesiedelt waren. Ihre terroristischen Aktivitäten bestanden im demonstrativen und provokatorischen Auftreten im Vorfeld der Grenzübergänge der DDR, im Einsatz von Brandsätzen sowie unter Androhung von Mordanschlägen gegen die Angehörigen der Grenztruppen. Dabei kam es zur Zerstörung oder Beschädigung von Grenzsicherungsanlagen an den Grenzübergängen. Unter Einwirkung von Alkohol und anderen Suchtmitteln versuchten aggressive Personen die Grenzübergangsstellen in Richtung DDR zu durchbrechen und Einreisesperren zu umgehen. Hierzu ein Beispiel:

Am 12. September 1980, gegen 0:25 Uhr fuhr ein Kleintransporter mit quietschenden Reifen durch den Kontrollpunkt Dreilinden in Richtung des Grenzübergangs Drewitz. Dort bremste er im Stauraum nicht, durchbrach mit eingeschaltet Warnblinkanlage ein Passagetor der Passkontrolleinheiten und fuhr einen Zollständer um. Vier daraufhin an der Autobahnstrecke aufgebaute Kfz-Sperren umfuhr er; die örtlichen Begebenheiten entsprachen nicht den notwendigen Erfordernissen einer totalen Sperrung. Erst gegen 1:25 Uhr konnte er an der Raststätte Ziesar durch die Polizei gestoppt werden. Der Fahrer war ein Benzindieb, welcher in der Berliner Schlossstraße getankt, nicht bezahlt und einen Tankwart umgefahren hatte. Es handelte sich um den geistig gestörten Klaus Stein aus der BRD, der bereits am Vortag am Grenzübergang Drewitz auf sich aufmerksam gemacht hatte, indem er sich als Beauftragter des Bundeskanzlers ausgab und die Autobahn kaufen wollte. Nach kurzer Befragung konnte Stein damals nach Westberlin weiterfahren. (persönliche Aufzeichnungen von Hans-Dieter Behrendt)

Welcher Grenzer oder Passkontrolleur aber hätte den Geisteszustand des Amokfahrers erkennen können?

Höhepunkte der Spezialistenausbildung waren Lehrvorführungen, in welchen nach einem Szenarium ausgewählte und bestätigte Kräfte der Passkontrolleinheiten und des Zolls, auch in Dienstkleidung und Uniformen ziviler Einrichtungen(Rotes Kreuz, Reisebüro u.a.)zum Einsatz kamen. Für die Lehrvorführung bot sich der Grenzübergang Mahlow im Bezirk Potsdam an, weil dort an Sonn- und Feiertagen keine Abfertigung erfolgte und reale Bedingungen vorhanden waren.

 

Bei der Lehrvorführung vom 04. Mai 1989(kurz vor der Konterrevolution) simulierter gestellter Szenen ging es bei der Übung um einen in die Grenzübergangsstelle einfahrenden PKW. Während er Verhandlungsführung öffnete der „Terrorist“ das Fenster des PKW einen Spalt, worauf durch die Einsatzkräfte Gasspray eingesetzt werden konnte. Die Person war gezwungen den PKW zu verlassen und wurde überwältigt. Wenn das Fenster geschlossen blieb, sollte es einem zweiten Mitarbeiter unbemerkt gelingen, durch die Dichtung eines hinteren Fensters mittels einer Kanüle Gasspray in das Kfz-Innere zu drücken. Für die Nachwelt stellt die BStU den Einsatz des Gassprays als Praxis an den Grenzübergängen dar und verschweigt, dass es sich dabei um eine Übung handelte.

Übung Einsatz Gasspray

Siehe dazu auch BStU-Mediathek, Dokumentenauswertung auf WordPress, Post der BStU auf ihrer Facebook-Seite und Facebook-Seite BStU-Unterlagenauswertung.

 

Eine weitere Übung beinhaltete die angenommene Geiselnahme eines Angehörigen der Volkspolizei im Inneren der DDR mittels Kfz, der sich dem Grenzübergang nähert. Nach längeren Verhandlungen am Grenzübergang erfolgte die Aufforderung zum Verlassen des PKW unter dem Vorwand, dem Geiselnehmer zu Fuß den Grenzübertritt zu gestatten. Inzwischen waren Einsatzkräfte der Passkontrolleinheiten und des Zolls gedeckt in Stellung gegangen, um den Täter unter Einsatz eines Diensthundes zu überwältigen. Auch die Geisel musste als möglicher Täter oder Scheintäter angesehen werden, bis seine Identität zweifelsfrei feststand. (Man denke an das Stockholm-Syndrom.)

2017-11-27 09-54-49

 

Eingeschlossen in diese Übungen war auch die Bergung eines beschädigten PKW mit Bergetechnik der Grenztruppen, um die Fahrbahn in kürzester Zeit für den Reiseverkehr freigeben zu können.

Bergung Pannenauto.jpg

 

Aus politischen Gründen und der Medienwirksamkeit wegen stellte sich an den Grenzübergängen die Aufgabe, spezielle Vorkommnisse soweit, wie möglich geheim zu halten, bzw. zu tarnen. Dazu dienten in den Abfertigungsbereichen vorhandenen Sichtblenden und Planen unterschiedlichster Bauart, die das Tatfahrzeug abschirmten und eine Wahrnehmung von Einzelheiten, insbesondere das Feststellen des Kfz- Kennzeichens, weitgehend ausschlossen.

Sichtblende

 

Die Hauptverwaltung Zoll widmete sich ebenfalls der Terrorabwehr an den Grenzübergängen mit eigenständigen Maßnahmen und Festlegungen. Das ergibt sich z.B. aus der Dokumentation über instruktiv-methodische Ausbildung vom 13. Juni 1985. Zur Erprobung konnte in diesem Fall eine Übungsgrenzübergangsstelle genutzt werden. Diese entsprach dem Aufbau von normalen Straßengrenzübergängen an der Staatsgrenze zur BRD oder Westberlin und wurde in der Regel zum Training aller Abfertigungshandlungen der Passkontrolleure genutzt.

Übungs-GÜST

 

Die Vorgaben der Übungen entsprachen realen Vorkommnissen und beinhalteten postenbereichsbezogene Ersthandlungen und Elemente von Handlungsvarianten der Kräfte des Zusammenwirkens, wie:

  • Feststellung eines sprengkörperverdächtigen Gegenstandes während der Röntgenkontrolle im Beisein des Reisenden,

 

  • Feststellen einer Waffe während der Kontrolle des Motorraumes im Beisein des Fahrzeugführers,

 

  • Feststellung einer Personenschleusung auf der Ladefläche eines LKW und Verhinderung der Flucht durch Einsatz eines Diensthundes,

 

  • Feststellung einer Personenschleusung im PKW im Ergebnis einer Verdachtskontrolle,

 

  • Versuch eines gewaltsamen Grenzdurchbruchs von Terroristen, die einen Angehörigen der Zollverwaltung auf dem Weg zum Dienst als Geisel genommen hatten,

 

  • Verhinderung eines vorgemeldeten gewaltsamen Grenzdurchbruchs mit Geiselnahme,

 

  • Überwältigung und Bergung von zwei Terroristen und einer Geisel aus einem von innen verriegelten und in Brand gesetzten PKW,

 

  • Feststellung eines sprengkörperverdächtigen Gegenstandes am Kontrolltisch in einem Postenbereich.

 

Aus dem Programm einer Lehrvorführung:

 

Vorführung

Lehrvorführung

 

 

Ein PKW, mit zwei Terroristen und einer Geisel besetzt, fährt bis zur Vorkontrolle der Passkontrolleinheiten eines Grenzüberganges an der Staatsgrenze zur BRD. Die Terroristen fordern die ungehinderte Weiterfahrt und drohen, sich ansonsten mit der Geisel in Brand zu setzen. Die Nachgestaltung dieses realen Vorkommnisses erfolgte mit einem Demonstrationsfahrzeug, in dem sich drei menschengroße Puppen(ausgestopfte Tarnanzüge) befanden. Schwerpunkte waren:

  • Schnelles Aufbrechen des brennenden Fahrzeuges,
  • Bergen der Geisel und der Terroristen,
  • vollständige Brandbekämpfung.

Bei dieser Variante ging es um die Demonstration des schnellen und entschlossenen Vorgehens, welches eine hohe psychische und physische Belastbarkeit voraussetzt. In kürzester Zeit musste die Scheibe eingeschlagen, die Bergung der Geisel und der Terroristen sowie eine wirksame Brandbekämpfung gesichert und eine Explosion des PKW verhindert werden.

Diese Diashow benötigt JavaScript.

 

Zur Vorbereitung auf mögliche Einsatzbedingungen nahmen beispielsweise im Oktober 1985 Führungskader(Führungskräfte)des Arbeitsbereichs Passkontrolle und der Bezirksverwaltung Zoll Potsdam an einem Demonstrationssprengen teil. Neben der Vorführung von Sprengvarianten konnte jeder, sozusagen als Mutprobe, einige Sprengungen aus Nahdistanz selbst vornehmen. Grund für solche Übungen waren Vorkommnisse an Straßen-, Eisenbahn- und Wassergrenzübergangsstellen der DDR, wo verdächtige herrenlose Gegenstände und Behältnisse aufgefunden, als sprengstoffverdächtig eingestuft und entsprechende Maßnahmen zur Sicherung des Reiseverkehrs eingeleitet werden mussten. Die Kenntnis von Sprengmitteln war für den Einsatz der Kräfte wichtig.

Einheitlich galten an den Grenzübergängen folgende Verhaltensregeln, von deren Beherrschung und Anwendung die Sicherheit maßgeblich abhing:

  • Objekte und Dienstbereiche ständig zuverlässig sichern und überwachen;

 

  • Spezielle Sicherheitskontrollen im Verantwortungsbereich durchführen;

 

  • Sprengstoffanschläge durch hohe Wachsamkeit, Disziplin und Ordnung vorbeugend verhindern;

 

  • Bei Feststellung von Sprengmitteln und sprengstoffverdächtigen Gegenständen Vorsicht, Ruhe und Besonnenheit bewahren. Panik verhindern;

 

  • Sprengstoffverdächtige Gegenstände sichern, nicht öffnen, erschüttern, verkanten oder bedienen; Meldung erstatten;

 

  • Sprengstoff und Zündmittel getrennt sicherstellen sowie vor Hitze, Stoß, Reibung, Feuer und Funken schützen;

 

  • Bei der Kontrolle verdächtiger Personen mitgeführte Gegenstände grundsätzlich vorführen lassen;

 

  • Unmittelbare Gefahren gegenüber Menschenleben und bedeutsamen Sachwerten entschlossen abwehren;

 

  • Einschlägige Befehle und Weisungen konsequent durchsetzen.

 

Im Rahmen der vorbeugenden Tätigkeit waren an den Grenzübergängen Sektoren und Verantwortungsbereiche festgelegt, in denen Mitarbeiter von Passkontrolleinheiten, Grenztruppen und Grenzzollamt nach einem vorgegebenen Plan intensive Kontrollen aller wichtigen Räumlichkeiten vornahmen, um eventuell abgelegte sprengstoffverdächtige Gegenstände festzustellen. Bei Dienstübergabe/-übernahme hatten die Gruppenführer Sicherheitskontrollen durchzuführen bzw. anzuweisen. Über die Ergebnisse erstatteten sie dem Zugführer Meldung, welcher darüber einen Nachweis im Tagesrapport führte. Dazu sei nur auf die allgemeingültigen Grundsätze der Grenzübergangsstelle Marienborn zur Einordnung von Gegenständen als sprengstoffverdächtig verwiesen, welche in ähnlicher Form an allen Grenzübergängen vorhanden waren. Mit einem speziellen Spray konnte beispielsweise ein Paket oder dicker Brief bei Verdacht auf eine Briefbombe gesprüht werden, um den Inhalt in groben Zügen, vor allem Drähte und Metall sichtbar zu machen. Es war nicht einfach, eine Beurteilung der Lage vorzunehmen und die zweckmäßigsten Maßnahmen einzuleiten, zumal meist sofort vor Ort entschieden werden musste. Eine breite Palette von Modellen sprengstoffverdächtiger Gegenstände und DIA-Serien(Power Point-Vorträge gab es damals nicht.) konnten dabei helfen. Die dargestellten Varianten unterscheiden sich kaum von heutigen Praktiken der Terrorszene. Jedes abgestellte Behältnis, das keiner Person zweifelsfrei zugeordnet werden konnte, war verdächtig und durfte nicht berührt werden. Höchste Priorität hatte bei allem stets die Sicherheit der Reisenden, deren Grenzpassage nicht gefährdet werden durfte. Das Problem mit sprengstoffverdächtigen Gegenständen, wie z.B. herrenlose Koffer auf Bahnhöfen, Flughäfen etc. und des dann ausgelösten Alarms kennen wir ja auch in der heutigen Zeit.

 

Sprengstoffverstecke:

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Zur Sicherung von sprengstoffverdächtigen Gegenständen waren an den Grenzübergangsstellen sogenannte Sprengstoffdecken(kugelförmig, zylinderförmig, kastenförmig), mit Sand- und Schaumstofffüllung versehen, in verschiedenen Größen stationiert. Sie konnten über den verdächtigen Gegenstand gestellt werden, bis die Sprengstoffexperten des Munitionsbergungsdienstes der Polizei zum Einsatz kamen oder je nach Lage und Situation auch eigene Spezialisten der Passkontrolleinheiten die Untersuchung und Bergung vornahmen.

Dämmglocke

 

Weiterhin gab es unterschiedliche spezielle Transportgeräte, Einsatzkoffer, Metallspürgeräte und Havariekisten(eine Art Notfallkoffer) mit entsprechendem Arbeitsmaterial, die je nach Art der Sachlage zur Anwendung kamen.

Formblatt Sprengstoffverdächtig DDR 002-1

Formblatt Sprengstoffverdächtig DDR 002

Formblatt für Grenz“beamte“ der DDR zum Thema sprengstoffverdächtige Gegenstände

 

unten als PDF-Datei, auch zum Download

Formblatt Sprengstoffverdächtig DDR

 

An den Eisenbahn-Grenzübergängen gab es technische Einrichtungen, um nicht freigegebene Züge an der Ausfahrt zu hindern. Dafür war eine sogenannte Y-Weiche installiert, welche durch den DHO der Grenztruppen vom Führungspunkt ausgelöst werden konnte, die normale Fahrtrichtung sperrte und den Zug auf einen Prellbock lenkte.

Auch der Einsatz der tschechischen Maschinenpistole „Skorpion“ wäre bei Gefahr für Leib und Leben in Zügen, bzw. Eisenbahn-Grenzübergängen möglich gewesen, z.B. zur Abwehr terroristischer Gewaltakte und Geiselnahmen. Sie war in einer von den Passkontrolleuren verwendeten Abfertigungstasche aus schwarzem Kunststoff untergebracht.

James-Bond-Koffer

Maschinenpistole „Skorpion“ – „James-Bond-Koffer“ östlicher Prägung

 

Petra Reichel, die Erstellerin von DIE TROMMLER reise damals oft mit der Eisenbahn in die DDR. Sie wunderte sich, dass die Passkontrolleure und Zollangestellten soviel Taschen mit sich herumschleppten. Die erste Tasche war eine Art Bauchladen und wurde zur Abfertigung genutzt. In der zweiten Tasche der Passkontrolleure vermutete sie Ersatzstempel etc., z.B. falls z.B. ein Stempel kaputtgeht. Dass es sich dabei um einen „James-Bond-Koffer“ östlicher Variante handelte, ist ihr nicht im Traum eingefallen. Im Nachhinein stellt sie fest, dass das eine gute Methode war, um Panik zu vermeiden und doch die nötige Vorsicht walten zu lassen.

Nur im aufgeklappten Zustand der Tasche ist diese Maschinenpistole zu sehen. Am Kofferschloss befand sich die Abzugsvorrichtung, die Ausschussöffnung war nicht, wie oft abgebildet und in Museen ausgestellt, für andere sichtbar, sondern zugeklebt. Die Taschen trugen die Tarnbezeichnung „Spezifisches Mittel E“(E wie Eisenbahn) und nicht die in Museen gebrauchte Bezeichnung „Schießkoffer“. Zur Anwendung dieses „James-Bond-Koffers“ östlicher Prägung wurde am Grenzübergang Staaken/Eisenbahn eine Lehrvorführung organisiert. Von der Deutschen Reichsbahn war ein Personenwaggon während der Verkehrsruhe auf dem Bahnsteig bereitgestellt worden und Spezialisten probten einzelne Handlungsvarianten auf engstem Raum. Für den Einsatz an den Straßen-Grenzübergängen war diese Spezialausrüstung nicht vorgesehen, da diese Art der Abfertigungstaschen(eine Art Bauchladen) dort nicht zur Anwendung kam.

 

An den Grenzübergängen der Binnengewässer kamen ebenfalls immer wieder neu erprobte Systeme von Wassersperren in Abhängigkeit von territorialen Bedingungen zum Einsatz. An den Grenzübergängen Dreilinden und Kleinmachnow war es relativ einfach, die geringe Breite des Teltow-Kanals ausnutzend ein festes Sperrsystem zu installieren. Die Sperre war klappbar und öffnete und schloss sich für die Durchfahrt der Binnenschiffe.

An breiteren Wasserstraßen wurden fest verankerte Wassersperren mit absenkbaren Gitternetzen für die Ein- und Ausfahrt eingesetzt. Die Rostanfälligkeit der Gitternetze erforderte regelmäßige Kontrolle derselben durch Taucher der Grenztruppen. Mit diesen Netzen war garantiert. Dass ein mit Tauchapparat ausgerüstete Grenzverletzer dieses Sperrsystem nicht hätte überwinden können.

Ausgebildete Passkontrolleure besaßen auch für die Verhandlungsführung im Falle von Geiselnahmen spezielle Fähigkeiten. Sie waren vor allem dann wichtig, wenn eine akute Bedrohung für Leben und Gesundheit von Menschen bestand, ein großer materieller und finanzieller Schaden zu befürchten war oder die Täterforderungen von zentraler Bedeutung, bzw. hoher öffentlicher Wirksamkeit waren. Ein Verhandlungsführer musste psychologische Fähigkeiten, Geschick zum Schlichten und Erfahrungen mit unterschiedlichen Typen von Tätern besitzen. Physischer Zwang sollte nur als letztes Mittel eingesetzt werden. (Die heutigen Terroristen verhandeln nicht mehr, sondern führen ihre Taten sofort aus und sind selbst bereit zu sterben. Das macht den heutigen Terrorismus noch gefährlicher.)

Planung und Organisation der Verhinderung von terroristischen und anderen Gewaltakten sind internationale Praxis. Planung und Organisation der Verhinderung solcher Angriffe auf die staatliche Souveränität der DDR entsprachen dem internationalen Standard der damaligen Zeit und waren legitim.


 

Entnommen au dem Buch von Hans-Dieter Behrendt „Guten Tag, Passkontrolle der DDR“, bearbeitet und gekürzt von Petra Reichel

Guten Tag, Passkontrolle.. Kopie

 

 

Aufgrund des langen Originaltextes ist hier kein PDF-Dokument desselben möglich. Wer Interesse hat, kann sich das Buch kaufen.

Die Bilder dieses Beitrages sind aus diesem Buch entnommen worden.

 

 

 

 

Erich Mielke: Verantwortungsvoller Dienst an der Staatsgrenze der DDR(1976)

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Bildnachweise:

 

Erich Mielke (1976) Kopie

 

Erich Mielke(1976)
Bildquelle: „Bundesarchiv Bild 183-R0522-177, Erich Mielke“ von Bundesarchiv, Bild 183-R0522-177 / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons -Bitte auf´s Bild klicken

 

Grenzzollamt

Bildquelle:
https://www.srf.ch/news/regional/basel-baselland/neuer-zoll-ist-bereit-fuer-autos-aber-noch-nicht-fuer-trams

 

SED-Abzeichen

 

Bildquelle:
Wikipedia

 

Parteitag SED

 

Bildquelle:
Wikipedia

 

Volksaussprache

Bildquelle:
http://www.wissen.de/phaenomen-zweisprachigkeit

Glückwunsch Beruf

 

 

Unsere Antwort Great Job

Bildquelle: Croin Cards, rechts bearbeitet von Jochen Lücke

Arbeiter

 

Bildquelle:
Depositfotos Arbeitnehmer- Silhouetten

 

Lobhudelei

 

Bildquelle: DW

 

DDR Flagge Kopie 3

 

Bildquelle: Metal Gear Wiki

 

Grenzbeamte

 

Bildquelle: Welt N24

 

 

Grenzbeamter als Kumpel

 

Bildquelle:
http://www.freedom-on2wheels.com/index.php/uruguay

 


 

Power Point-Vortrag als PDF-Datei zur besseren Lesbarkeit und zum Download

Verantwortungsvoller Dienst an der Staatsgrenze der DDR (1976).pptx

 


 

Originaltext aus dem Sammelband, auch zum Download

Buchtitel Erich Mielke - Sozialismus Sinn und Kampf Kopie 3

 

Erich Mielke zu Dienst an Staatsgrenze 1976

 

 

 

 

 

Tod am Checkpoint Charly

Werden Terroristen immer als solche angesehen? Wenn es um Terrorismus gegen die DDR ging, wird dies von der offiziellen Geschichtsschreibung als Widerstand umgedeutet. (siehe Text der BStU)

Das Thema dieses Films ist ein Terroranschlag auf einen Grenzübergang der DDR. In jedem anderen Land hätten Terroristen, in einer solchen Situation, damit rechnen müssen erschossen zu werden. Möglicherweise wäre in anderen Ländern sogar schneller geschossen worden, während es in der DDR buchstäblich in letzter Minute war, bevor der Terrorist nach Westberlin entkommen konnte.

 

Zum Film bitte auf das Filmrollensymbol klicken.

Filmquelle:
Mauer und Grenze. Materialsammlung der Bundeszentrale für politische Bildung. Der Film bündelt vielfältiges Stasi-Material zum Thema Mauer und innerdeutsche Grenze.
Quelle: DVD „Feindbilder – die Fotos und Videos der Stasi“, bpb/BStU 2. Auflage 2009

Symbol Filmrolle

Symbol Filmrolle
Bildquelle:
Wadeco

„Interzonenzug“

Als Interzonenzug wurden die Reisezüge zwischen der BRD und der DDR bezeichnet. In späteren Jahren wurde zwischen Transitzügen die in erster Linie dem Transitverkehr nach Westberlin dienten und den eigentlichen Interzonenzügen unterschieden. Letztere bedienten eine Reihe von Orten in der DDR, Berliner Bahnhöfe wurden von ihnen generell nicht angefahren.(Zu den Transitzügen mehr in der Augustausgabe DIE TROMMLER)

Bezeichnungen:

 

Der Begriff Interzonenzug wurde im Jahre 1946 von der Deutschen Reichsbahn in der Sowjetischen Besatzungszone eingeführt.[1] Er war auch nach der Bildung der beiden deutschen Staaten eine Zeitlang die offizielle Bezeichnung für deutsch-deutsche Reisezüge bei beiden Bahnverwaltungen, bei der Deutschen Reichsbahn (DR) bis 1954, bei der Deutschen Bundesbahn (DB) bis in die 1960er Jahre. Umgangssprachlich hat sich Interzonenzug bis zum Ende der DDR gehalten. Erst mit der Annexion der DDR entfiel der Begriff. Im offiziellen Sprachgebrauch änderte sich die Bezeichnungen als Folge der jeweiligen politischen Situation mehrfach. Bei der DR war beispielsweise 1960 von Zügen DDR−Westdeutschland die Rede, in den 1970ern und 1980ern von Zügen DDR−BRD. Die Züge galten als Internationale Reisezüge und standen daher im Internationalen Kursbuch der DR. Bei der DB sprach man von Zügen DB−DR (1970), in den 1980er Jahren ebenfalls von Zügen Bundesrepublik Deutschland − Deutsche Demokratische Republik bzw. Berlin (West). Auf Fachebene war auch der Ausdruck Wechselverkehrszüge üblich.

Interzonenverkehr nach 1945:

 

Bereits am 5. August 1945 fuhr der erste Güterzug aus dem Ruhrgebiet nach Berlin. Der durchgehende Personenverkehr wurde jedoch erst im Mai 1946 aufgenommen. Der erste (und bis 1949 einzige) Interzonen-Schnellzug – ausschließlich für ausländische Reisende reserviert – verkehrte zwischen Berlin und Osnabrück. Dort bestand Anschluss an den Nord-Express nach Amsterdam und Paris. Der Eisenbahnverkehr zwischen Berlin und den Westzonen war vom 23. April 1948[2] an bis zum 12. Mai 1949 während der Berlinblockade wegen angeblicher „technischer Schwierigkeiten“ auf sowjetische Weisung unterbrochen.[3]

Da das einzige Schnellzugpaar im Interzonenverkehr (FD 111/112) zwischen Köln und Berlin ständig überlastet war, wurden ab dem 10. September 1949 fünf zusätzliche Schnellzugpaare über die innerdeutsche Grenze angeboten, die erstmals auch Wagen der (damaligen) zweiten Klasse mitführten:

Im Sommer 1949 gab es eine Besonderheit: Die Reichsbahndirektion Nürnberg setzte zur Bewältigung des ansteigenden Verkehrs zusätzliche Züge ein, die über Ludwigsstadt bis an die Demarkationslinie fuhren. Hier mussten die Reisenden aussteigen und die Grenze zu Fuß überqueren (Übergang Fernverkehrsstraße 85). Ab Probstzella bestand neben lokalem Verkehr ab dem 25. August 1949 eine Verbindung mit einem Schnelltriebwagen nach Berlin-Friedrichstraße (FDt 79/80).

Reiseverkehr zwischen beiden deutschen Staaten bis 1961:

 

DDR-Bürger, die in die Bundesrepublik reisen wollten, brauchten, um diese Züge nutzen zu dürfen, einen Interzonenpass, ab 1953 eine Ausreisegenehmigung der DDR.

In den folgenden Jahren wurde das Angebot nach und nach erweitert. Es verkehrten laut Fahrplan 1960/61 bis zum Mauerbau Züge

  • über Lübeck/Herrnburg: D 1061/1062 Hamburg–Güstrow und D 161/162 Hamburg–Saßnitz Hafen
  • über Büchen/Schwanheide: D 163/164, Ex 165/166 und D 1065/66 (nur im Sommer) Hamburg–Berlin
  • über Wolfsburg/Oebisfelde: D 135/136 Düsseldorf–Leipzig, D 1035/1036 Aachen–Leipzig
  • über Helmstedt/Marienborn: D 109/110, D 111/112, D 119/120 (Aachen–)Köln–Berlin, D 105/106 Paris–Moskau, D 1009/1010 Paris–Berlin und D 1011/1012 Hannover–Magdeburg (nur im Sommer).
  • über Bebra/Wartha: D 1/2 Basel–Berlin, D 197/198 Mönchengladbach–Leipzig, D 199/200 und D 1001/1002 Frankfurt–Leipzig, D 1099/1100 Frankfurt–Weimar
  • über Ludwigsstadt/Probstzella: D 129/130 München–Saßnitz Hafen, D 151/152 München–Leipzig–Berlin, D 1029/1030 München/Augsburg–Leipzig (nur im Sommer), D 1051/1052 Stuttgart–Leipzig
  • über Hof/Gutenfürst: D 137/138 München–Gera–Leipzig, D 145/146 München–Dresden

Die meisten dieser Züge hielten auch auf Bahnhöfen in der DDR, waren jedoch dort nur in Ausnahmefällen für den Binnenverkehr freigegeben (D 1035 ab Magdeburg, D 197 ab Eisenach, D 1001 und D 1099 ab Gotha, D 1029 ab Saalfeld, D 137 ab Gera, D 145 ab Plauen. Bei den jeweiligen Gegenzügen mussten DDR-Binnenverkehrsreisende den Zug spätestens an diesen Bahnhöfen verlassen).

 

Reiseverkehr zwischen beiden deutschen Staaten zwischen 1961 und 1989:

 

Nach dem 13.08.1961 wurden die Kontrollen an der DDR-Grenze Intensiviert. Die Grenzbahnhöfe wurden verstärkt gesichert.

Es kam zu einer deutlichen Angebotstrennung zwischen den Zügen nach Berlin und den Zügen in die DDR.

Die Interzonenzüge waren D-Züge zu Endbahnhöfen in der DDR mit teilweise langen Laufwegen, zum Beispiel Köln–Rostock über Lübeck, Frankfurt am MainFrankfurt (Oder) oder München–Rostock über Leipzig und Potsdam. Ab dem ersten Halt im Hinterland nach dem Grenzkontrollbahnhof dienten die Züge auch dem Binnenverkehr der DDR. Daher verkehrten sie nicht über Westberliner Gebiet. Interzonenzüge, die durch den Großraum Berlin fuhren, benutzten daher den Berliner Außenring und hielten im damaligen Potsdamer Hauptbahnhof, auf der Route Köln–Görlitz auch im außerhalb des Berliner Stadtgebietes gelegenen Flughafenbahnhof Berlin Schönefeld. Für Reisen zwischen der Bundesrepublik und Berlin/DDR nutzten die meisten Reisenden die Züge des Transitverkehrs, die den in Berlin/DDR gelegenen Bahnhof Friedrichstraße bedienten, wobei die Grenzkontrollen an der Kontrollstelle des Bahnhofs stattfanden. Je Tag und Strecke gab es bei den Interzonenzügen in der Regel nur ein bis zwei Zugpaare.

Die Grenzkontrollen waren recht umfangreich. So blieb der Interzonenzug Köln–Rostock–Köln in Herrnburg bei Ein- und Ausreise 40 Minuten für eingehende Personen- und Gepäckkontrollen stehen. Im anschließenden Streckenabschnitt bis Bad Kleinen wurde weitere 40 Minuten im fahrenden Zug kontrolliert. Analog wurde an den anderen Grenzübergängen verfahren. Auch innerhalb der DDR wurden diese Züge – zumindest in Grenznähe – von Mitarbeitern der DDR-Transportpolizei(zur Transportpolizei folgt ein Beitrag in der August-Ausgabe DIE TROMMLER) begleitet. Auf bundesdeutscher Seite wurden die Passkontrollen ohne weitere Verzögerung der Fahrt im fahrenden Zug vorgenommen.

In den letzten Jahren der Existenz der DDR wurde das Angebot schrittweise ausgeweitet. So verkehrten seit Mitte der 1980er Jahre einige Eilzüge am Wochenende als kleiner Grenzverkehr für Tagesreisende aus der Bundesrepublik etwa zwischen Lübeck und Schwerin, Lichtenfels und Saalfeld oder Helmstedt und Eilsleben. Als Folge von Reiseerleichterungen für DDR-Bürger wurden 1988/89 zusätzliche Züge eingeführt.

Nach dem 11.09.1989 versuchten beide deutsche Staatsbahnen, durch viele neu eingelegte Züge die sprunghaft gestiegene Nachfrage zu bewältigen. Nach der Wiedervereinigung wurden die Züge in das normale Angebot der Bahnen integriert; einige aber auch ersatzlos wieder eingestellt (z. B. die Verbindung Köln–Görlitz und Köln–Paderborn–Ellrich–Halle).

Grenzbahnhöfe:

Folgende Grenzbahnhöfe wurden benutzt (von Nord nach Süd bzw. West nach Ost)

BRD/DDR:

DDR/West-Berlin (nur für Transitverkehr):

Aus der DDR konnte West-Berlin mit der Eisenbahn nur über den Grenzübergang im Bahnhof Friedrichstraße mit der Berliner S-Bahn erreicht werden.

Im Güterverkehr wurden zusätzlich die Grenzübergänge Walkenried/Ellrich an der innerdeutschen Grenze und Drewitz/Berlin-Wannsee genutzt.

Einzelne Textpassagen Wikipedia

Siehe auch Grenzübergang Gerstungen.

Abfahrt des ersten Interzonenzuges am 12. Mai 1949 um 14 Uhr vom Bahnhof Friedrichstraße Bildquelle: „Bundesarchiv Bild 183-S85182, Berlin, Abfahrt des ersten Interzonenzuges“ von Bundesarchiv, Bild 183-S85182 / Rudolph / CC-BY-SA. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons -

Abfahrt des ersten Interzonenzuges am 12. Mai 1949 um 14 Uhr vom Bahnhof Friedrichstraße
Bildquelle:
„Bundesarchiv Bild 183-S85182, Berlin, Abfahrt des ersten Interzonenzuges“ von Bundesarchiv, Bild 183-S85182 / Rudolph / CC-BY-SA. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons –

Grenzübergang (Bahnhof) Gerstungen

Vorgeschichte:

Im September 1849 erhielt Gerstungen Eisenbahnanschluss. Am 25. September eröffnete die Thüringer Bahn das letzte Teilstück ihrer „Stammbahn“ von Eisenach nach Gerstungen, drei Tage vorher hatte die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn ihre Strecke von Bebra nach Gerstungen in Betrieb genommen.

Die Thüringer Bahn endete im Thüringer Bahnhof, die Friedrich-Wilhelms-Nordbahn im Hessischen Bahnhof. Diese beiden Bahnhöfe, welche kaum 100 Meter voneinander entfernt lagen, verband ein durchgehender Schienenstrang, aber staatsrechtliche Verträge verhinderten den uneingeschränkten Bahnverkehr. Reisende mussten umsteigen oder waren sogar gezwungen, ein Quartier in Gerstungen zu suchen. In Bahnhofsnähe entstanden Herbergen und eine stark frequentierte Gastronomie. Der Frachtverkehr war gleichfalls von diesem Separatismus betroffenen. Güterwagen mussten in Gerstungen umgeladen werden, es kam zu unnötigem Zeitverlust und oft auch zu Beschädigungen. Der Fuhrpark der Bahngesellschaften sollte nicht vermischt werden. Lediglich Militärtransporte und Sonderzüge erhielten Ausnahmegenehmigungen. Da der Traktionswechsel und das Umladen sehr viel Personal erforderte, siedelten sich in Bahnhofsnähe zahlreiche Bahnarbeiter an, so dass sich die Einwohnerzahl Gerstungens durch Bahnpersonal und ihre Familien um über 500 Personen erhöhte.

Mit der Reichsgründung 1871 erhielt die Preußische Staatsbahn den Auftrag, für eine Vereinheitlichung der Schienennetze im Reich zu sorgen. Dies führte rasch zur Überwindung der Kleinstaatlichkeit auf dem Schienennetz.[1] 1882 wurden beide Bahngesellschaften durch die Preußische Staatsbahn aufgekauft, der Hessische Bahnhof wurde geschlossen. Eine besondere betriebliche Bedeutung erlangte Gerstungen 1898 als Hauptrangierbahnhof zwischen Kassel und Weißenfels. Seit der Eröffnung der Strecke Gerstungen–Berka am 1. Oktober 1903, die bis 1905 schrittweise nach Vacha verlängert wurde, ist der Bahnhof Gerstungen ein Trennungsbahnhof. Während des Zweiten Weltkrieges wurde der Bahnhof als strategisches Ziel erfasst und 1944 bombardiert, hierbei wurden auch angrenzende Wohnhäuser getroffen und mehrere Bewohner wurden getötet. Auch fahrende Züge wurden im Abschnitt Gerstungen-Eisenach aus der Luft angegriffen.[2]

Grenzbahnhof/Grenzübergang:

Direkt nach dem zweiten Weltkrieg wurden zahlreiche Kriegsheimkehrer und Flüchtlinge über Herleshausen und Bebra in Sammellager überstellt.

Bereits während der US-amerikanischen Besatzungszeit in Thüringen florierte der Schmuggel.

Der Bahnhof Gerstungen wurde nach der Teilung Deutschlands in BRD und DDR zum Grenzübergang.

In den 1950er Jahren wurden die grenznahen Orte bei Eisenach durch ihre verkehrsgünstige Lage zur Drehscheibe von Fluchthelfern und Menschenhändlern. Entsprechend scharf wurde deshalb der Bahnverkehr in die westlichen Nachbarorte von Eisenach überprüft. Personenzüge nach Gerstungen wurden am Bahnhof Wartha verschlossen, um das Abspringen im hessischen Gebiet um den Bahnhof Herleshausen zu verhindern. 1952 wurde der Personenverkehr nach Eisenach eingestellt. Es wurden ersatzweise Buslinien für die Personenbeförderung nach Gerstungen eingerichtet. Die Gleisanlagen dienten dem Güterverkehr (insbesondere Kalibergbau) und durchfahrenden „Interzonenzügen“, deren Grenzabfertigung auf DDR-Seite bereits im Bahnhof Wartha stattfand. Von und nach Westberlin verkehrende Militärzüge der Besatzungsmächte passierten den Bahnhof ohne Kontrollen.

Am 13. April 1962 wurde eine Strecke von Förtha nach Gerstungen eingeweiht, die das bundesdeutsche Gebiet um Herleshausen umging. Der Binnenverkehr von Gerstungen in Richtung Eisenach wurde wieder aufgenommen. Ab 28. September 1963 wurde die Grenzabfertigung der Interzonenzüge von Wartha nach Gerstungen verlegt, die Züge nutzten seitdem die neue Strecke.[3] Die alte Strecke über Wartha wurde nur noch im geringen Umfang vom Güterverkehr genutzt. Von 1963 bis 1978 verkehrte planmäßig ein Güterzugpaar am Tag über die alte Strecke, er diente der Versorgung der Grenzorte mit Brennstoffen und Industriegütern.[4] In Gerstungen befand sich eine der größten Ziegeleien in Thüringen, welche für den Wiederaufbau nach dem Krieg unentbehrlich war.

Der Grenzbahnhof Gerstungen wurde erheblich umgebaut. 1966/67 war auf der Nordseite des Bahnhofs ein separater Bahnhofsteil für die Abfertigung der Interzonenzüge eingerichtet worden. Der alte Bahnhofsteil wurde zum Kopfbahnhof umgestaltet und diente den Personenzügen nach Eisenach. Beide Bahnhofsteile waren über einen 150 Meter langen Tunnel verbunden. Zwischen beiden Teilen befanden sich umfangreiche Anlagen für den Güterverkehr. Eine Besonderheit waren Kalizüge, die aus dem Raum Philippsthal und Heringen in Hessen kamen und mangels einer direkten Strecke zum Restnetz der Deutschen Bundesbahn über die Bahnstrecke Gerstungen–Vacha in die DDR fuhren und in Gerstungen Fahrtrichtungswechsel machten, bevor sie in Richtung Bebra zurück in die Bundesrepublik fuhren.[3] Eine Reihe von Sicherheitsmaßnahmen, etwa Schutzweichen, verhinderten das Betreten der Züge durch Unbefugte oder die Fahrt von Zügen in Richtung Bundesrepublik ohne Genehmigung durch die Grenzbehörden.[5] Anders als an den meisten anderen Grenzbahnhöfen zwischen der DDR und der Bundesrepublik war kein Übergang zwischen Interzonenzügen und Binnenverkehrszügen möglich, Ein- und Aussteigen war bei den Interzonenzügen generell nicht gestattet. Während in früheren DR-Auslandskursbüchern gesondert auf diesen Fakt hingewiesen wurde,[6] wurde in späteren Jahren der Halt im Bahnhof gar nicht mehr dargestellt.[7]

Bei den Modelleisenbahnfreunden Bremen e.V. (auf dem Gelände der Jacobs University in Bremen Burg) kann ein Miniatur-Nachbau des Gerstunger Grenzbahnhofs besichtigt werden.[8]

Nach dem 09.11.1989:

Nach dem 09.11.1989 verlor der Bahnhof Gerstungen schrittweise seine Funktion als Grenzübergang.

In die in Gerstungen haltenden Schnellzüge durfte ein- und ausgestiegen werden, das Zugangebot über die Grenze nahm deutlich zu. Am 3. März 1990 reiste Willy Brandt mit dem D 455 nach Thüringen und sprach bei einem Zwischenhalt auf dem Gerstunger Bahnhof vor zahlreichen Einwohnern. Zu diesem Zweck war auf dem Bahnsteig eine kleine Rednertribüne aufgebaut worden.[10]

Im September 1990 entfielen die Halte der Schnellzüge in Gerstungen. 1991 verlängerte die Deutsche Bundesbahn ihre Nahverkehrszüge aus Bebra, die bis dahin im hessischen Obersuhl endeten, nach Gerstungen. In Richtung Eisenach musste allerdings bis 1992 meistens weiterhin umgestiegen werden, da es noch keine Gleisverbindung vom ursprünglichen Bahnhofsteil in Richtung Hessen gab und die Züge den alten Grenzbahnhof nutzen mussten. Am 25 Mai 1991 ging die traditionelle Strecke der Thüringer Bahn über Wartha nach 13 Jahren Betriebsruhe wieder zunächst eingleisig in Betrieb. Bis zu ihrer zweigleisigen Fertigstellung am 27. September 1992 nutzten die Nahverkehrszüge noch die Umgehungsstrecke über Förtha. Diese wurde danach nicht mehr benötigt. Am 19. Juli 1994 genehmigte das Eisenbahn-Bundesamt die Stilllegung der Strecke,[11] die in den folgenden Jahren abgebaut wurde.

Am 28. Mai 1995 wurde der elektrische Betrieb zwischen Bebra und Neudietendorf und damit auch im Bahnhof Gerstungen aufgenommen. Am 16. Juni 1996 nahm das elektronische Stellwerk Eisenach seinen vollen Betrieb auf. Von dort wird seitdem der gesamte Abschnitte zwischen Gerstungen und Gotha gesteuert, die örtlichen Stellwerke gingen außer Betrieb. Im Werratalmuseum Gerstungen wurde ein eigener Ausstellungsraum zur Geschichte des Gerstunger Bahnhofs eingerichtet. Gezeigt werden historische Eisenbahntechnik und zahlreiche Bilddokumente.

Im Mai 2012 begann der Abriss des Bahnbetriebswerkes und des Grenzbahnhofs, um Platz für einen Solarpark zu schaffen[12] Auch der ehemalige Lokschuppen und der Wasserturm sollen beseitigt werden.[13]

Der Bahnhof Gerstungen heute:

Seit 2006 bedient die Cantus-Bahn (für zehn Jahre) auf ihrer Linie R6 (Bebra–Gerstungen–Eisenach) Gerstungen im Stundentakt, Samstags, Sonntags und an Feiertagen alle 120 Minuten. Die Strecke Gerstungen–Vacha dient ausschließlich dem Güterverkehr.

Einzelne Textpassagen Wikipedia