Alltag im DDR-Jugendknast

Gastbeitrag von Siegfried Fischer

 

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Symbolbild

Bildquelle: „Ärzte-Zeitung“, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Ich schreibe nur über eigene Erlebnisse und Erfahrungen, welche ich auf meiner Vollzugsabteilung hatte.
Arbeitszeiten JH .
Operativer Aufsichtsdienst
8 Stundendienst, Dienstbeginn jeweils um 06:00 Uhr, 14:00 Uhr und 22:00 Uhr.
Erzieher
8 Stundendienst, Dienstbeginn jeweils um 04:00, 06:00 Uhr, 08:00 Uhr, 10:00 Uhr, 12:00 Uhr, 14:00 Uhr und 15:00 Uhr
Jugendliche (Strafgefangene)
8 Stunden Arbeitszeit jeweils von 06:00 Uhr, 14:00 Uhr und 22:00 Uhr
6 Stunden Schulzeit (Allgemeinbildung und/oder Lehrausbildung)
Die Unterschiede aus dem Beginn der Arbeitszeiten begründeten sich zum einem aus dem Bildungsniveau der Jugendlichen und der Haftzeit. Zum anderen aus dem Arbeits- und Ausbildungsmöglichkeiten des jeweiligen Jugendhauses.

Der Vollzug der Strafe mit Freiheitsentzug wurde bei jugendlichen Strafgefangenen in Erziehungsgruppen vollzogen. Einzelunterbringung erfolgte nur im Ausnahmefall – Freizeitarrest, Arrest oder aus medizinischen Gründen.

Die Verwahrräume waren getrennt in Tages- und Schlafräume.
Belegung und Ausstattung richtete sich nach der Bausubstanz.
Ausstattung Tagesraum: 4 Schränke á 20 Einlagefächer, 1 Besenschrank, 4 Tische und 24 Stühle.
Ausstattung Schlafraum: 24 Betten.
Tages- und Schlafräume befanden sich auf verschiedenen Etagen.

Gruppenstärke variierte zwischen 12 und 24 Jugendliche.

Je ein Erzieher, ein Lehrer und ein Lehrmeister waren für eine Erziehungsgruppe zuständig. Wachtmeister des operativen Aufsichtsdienstes konnten hinzugezogen werden. Den „Hut“ hatte der Erzieher auf.
Erfahrungswert: Besser war es die Jugendlichen sinnvoll zu beschäftigen, als durch Jugendliche (durch Verstöße gegen die Hausordnung) beschäftigt zu werden.

 

 

Tagesablaufplan (Mo.-Fr.)

03:45 Uhr Wecken Frühschichtgruppen

04:00 Uhr Aufschluss der Frühschichtgruppen

05:00 Uhr Frühstück der Frühschichtgruppen

05:30 Uhr Übergabe Frühschichtgruppen an Arbeitskommandos

05:45 Uhr Wecken der Schulgruppen

06:00 Uhr Aufschluss der Schulgruppen

06:15 Uhr Übernahme Nachtschichtgruppen von Arbeitskommandos

06:25 Uhr Frühstück der Nachtschichtgruppen

07:00 Uhr Frühstück der Schulgruppen

07:25 Uhr Übergabe der Schulgruppen

07:30 Uhr Wecken der Spätschichtgruppen

07:35 Uhr Einschluss der Nachtschichtgruppen

07:45 Uhr Aufschluss der Spätschichtgruppen

08:45 Uhr Frühstück der Spätschichtgruppen

09:10 Uhr Aufenthalt im Freien (Spätschichtgruppen)

10:15 Uhr Gruppenstunde

11:30 Uhr Arztvorführung

12:00 Uhr Absicherung Mittagessen der Schulgruppen

13:00 Uhr Mittagessen der Spätschichtgruppen

13:30 Uhr Übergabe Spätschichtgruppen

13:35 Uhr Übernahme Schulgruppen

14:20 Uhr Übernahme Frühschichtgruppen

14:30 Uhr Mittagessen der Frühschichtgruppen

15:00 Uhr Gruppenstunde

16:00 Uhr Aufschluss Nachtschichtgruppen

17:00 Uhr Aufenthalt im Freien (Frühschicht-, Nachtschicht- und Schulgruppen)

18:00 Uhr Abendessen (Nachtschichtgruppen zusätzlich warm)

19:00 Uhr Arztvorführung

20:00 Uhr Einschluss Frühschicht- und Schulgruppen; Gruppenstunde Nachtschichtgruppen

21:30 Uhr Übergabe Nachtschichtgruppen

22:20 Uhr Übernahme Spätschichtgruppen

23:00 Uhr Einschluss Spätschichtgruppen

 

Erinnerungen an Schichtarbeit im operativen Aufsichtsdienst als Owm.d.SV, Hwm.d.SV und Mstr.d.SV

Es war üblich 15 min. vor Dienstbeginn auf der Vollzugsabteilung zwecks Übergabe zu sein.

Frühdienst (06.00 bis 14.00 Uhr)

05.30 Uhr passieren der Wache und Schlüsselempfang gegen Schlüsselkarte. Ca. 5 min. später Betreten des Verwahrhauses. Der Geruch, der einen empfing war „wie ein Schlag in die Magengrube“. Hoch in die 4. Etage. Vervollständigung der Ausrüstung, Führungskette und Schlagstock – lang. Informationsaustauch mit Nachtdienst und Abstimmung des Zusammenwirkens sowie der zusätzlich anliegenden Aufgaben mit dem diensthabenden Erzieher. Aufschluss der Schlafräume der Schulgruppen mit zweiten Genossen. Einer schließt, einer sichert. Zählung. Jugendliche rücken auf Tagesraumstation hoch.

Übernahme der Nachtschichtgruppen, Zählung und quittieren, danach Frühstück Beaufsichtigung.

Nachtschichtgruppen zur Vollzugsabteilung bringen und Schulgruppen zum Frühstück und Übergabe an Schule übernehmen. Übergabe, Zählung und Quittierung. Zum Verwahrhaus Spätschichtgruppen wecken, Nachtschichtgruppen, Vollzähligkeit überprüfen und Kontrollieren, Einschluss. Spätschichtgruppen aufschließen, zur Tagesraumstation schicken. Reinigung der Schlafräume beaufsichtigen und Abnahme.

Frühstück der Spätschichtgruppen absichern, danach Aufenthalt im Freien mit Realisierung Einkaufsmöglichkeiten. Zählappell, Vorbereitung zur Gruppenarbeit. Während Gruppenarbeit läuft Verwahrraumkontrollen lt. Vorgaben, zur Poststelle Briefe und Pakete holen. Bei Bedarf Zuführung zur medizinischen Behandlung. Absicherung Mittagessen der Schulgruppen. Vorbereitung der Spätschichtgruppen, Mittagessen absichern, danach Übergabe an Außenarbeitskommando, Zählung und Quittierung. Übernahme der Schulgruppen, zur Vollzugsabteilung. Dienstübergabe an Spätschicht. „Abrüstung“ und Feierabend.

 

Spätdienst (14.00 Uhr bis 22.00 Uhr)

Dienstbeginn wie bereits oben geschildert. Übernahme der Frühschichtgruppen, Zählung und Quittierung. Absicherung Mittagessen. Vorbereitung zur Gruppenarbeit. Stationsdienst, eventuell Tagesraumkontrollen. Aufschluss Nachtschichtgruppen. Beaufsichtigung Schlafraumreinigung. Stationsdienst, Aufenthalt im Freien mit Einkauf. Danach Abendessen der Jugendlichen. Nachtschichtgruppen erhalten zusätzlich warm (Mittag). Stationsdienst mit Vorbereitung der Nachtruhe, bei Bedarf Zuführung zur medizinischen Behandlung. Zählappell und Einschluss der Frühschicht- und Schulgruppen. Stationsdienst, Vorbereitung der Nachtschichtgruppen zur Arbeit. Übergabe an Außenarbeitskommando, Zählung und Quittierung. Dienstübergabe, „Abrüstung“ und Feierabend.

 

Nachtdienst (22.00 Uhr bis 06.00 Uhr)

Zwischen ersten Aufschluss und letzten Einschluss waren immer mindestens vier SV-Angehörige (zwei Vollzugsabteilungen) im Verwahrhaus. In der Nacht war man „fast“ allein.

Erste Maßnahme zum Dienstbeginn war der Empfang eines UFT (Funkgerät) beim ODH (operativer Diensthabender) und das Holen eines Diensthundes. Zum Verwahrhaus, Hund sichern. Übernahme der Spätschichtgruppen, Vorbereitung Einschluss, Einschluss mit Zählung. Erzieher verlassen Verwahrhaus, dieses wird elektromagnetisch verriegelt. Stündliche Sicht- und Horchkontrollen sämtlicher belegter Schlafräume. Dienstanweisung; der Hund ist im Verwahrhaus ständig an der Leine zu führen. Episode am Rande. Die Ver- und Entriegelung war nicht zu überhören. Das Verwahrhaus hatte aber auch einen Zugang über die Hauswerkstätten. Bei mir lief der Hund immer frei – ich definierte das mit der Gewährleistung meiner eigenen Sicherheit. Es kam wie es kommen musste, saß im Dienstzimmer III. Etage, davor lag der Hund. Absolute Stille im Haus. Der Hund knurrte leise und lief los. Ich langsam hinterher. Im EG hatte mein Hund eine Person gestellt. Es war der Gehilfe des ODHs, welcher mich kontrollieren wollte. Es gab ein bisschen Zoff – weil Hund nicht angeleint, hatte gute Ausrede. Es kam nie wieder ein Genosse auf diesem Weg um mich zu kontrollieren.

Wecken der Frühschicht, Haus wurde entriegelt, Hund zum Zwinger, Abgabe Funkgerät. Aufschluss Frühschicht im Zusammenwirken mit Erzieher. Stationsdienst, Vorbereitung der Frühschichtgruppen zur Arbeit. Absicherung Frühstück und Übergabe an Arbeitskommando. Immer üblich Zählung und Quittierung. Wecken der Schulgruppen. Dienstübergabe und …. .

 

Wochenenden

Samstag war vormittags Duschen, Wäschetausch und Putz- und Flickstunde vorgesehen. Nachmittags großes Stuben- und Revierreinigen, einmal im Monat Besuchsvorbereitung.

Sonntag, einmal im Monat Besuchstag, zuvor als Auszeichnung für einige Jugendliche Besuch einer Schwimmhalle.

Sonst Sportveranstaltungen, Kino, Besuch Freizeitzentrum, Fernsehen und individuelle Freizeitgestaltung.

Einmal im Jahr, sonntags, im Sommer ein Großes Sportfest außerhalb des Jugendhauses in einem Station, alle Vollzugsabteilungen waren daran beteiligt.

Renitente Jugendliche und Jugendliche mit akuter Fluchtgefahr verblieben im Jugendhaus.

 

Dienst der SV-Angehörigen (Wm. op. AD und Erzieher) erfolgte immer in Uniform. Ausnahme bei Ausgangsbegleitung eines SG.

Erzieher hospitierte im Schul- und Arbeitsbereich. LM und Lehrer analog in den ihnen artfremden Bereichen.

Lehrmeister und Lehrobermeister waren ausgewählte Betriebsangehörige der Arbeitseinsatzbetriebe.

Lehrer Zivilangestellte.

Lehrpläne in den Schulen (allg. Bildung und Berufsschule) entsprachen den gesetzlichen Vorgaben. Da gab es zu „draußen“ keinen Unterschied. Oder doch? Motto: „Was Du nicht weißt, lernst Du. Wir helfen Dir. Wenn Du nicht Lernen willst, zwingen wir Dich“. Der Lehrer war mit seiner Klasse „alleine“. Wurde aber bei Notwendigkeit jedoch nicht allein gelassen. Große Pause erfolgte durch alle Klassen auf den Schulhof, unter Aufsicht des Lehrpersonals. Der Schulhof befand sich im Außenring, und wurde durch einen ständig besetzten Wachturm gesichert. Störversuche wurden strikt unterbunden und geahndet. Eine Geiselnahme erlebte ich während meiner gesamten Dienstzeit nicht. Diesbezügliche Gegenmaßnahmen wurden aber bei der Aus- und Weiterbildung theoretisch und „praktisch“ durchgespielt.

Donar, der Hund, welcher mich während meines Nachtdienstes begleitete, hatte im Verwahrhaus noch 3 Kontaktpersonen (vom Schichtrhythmus her notwendig). Da es in der Anstalt mehrere Hunde gab, waren zwei SV-Angehörige für deren Betreuung und Ausbildung abgeordnet.

Die Verkaufseinrichtung unterstand der Küche, Verkäufer war ein Strafgefangener.

Und ja, es gab auch im Jugendstrafvollzug Erwachsene Strafgefangene – Einsatzgebiete z.B. Gefangenenküche, Wäscherei und Hauswerkstätten.

Offizielle Ansprache der Gefangenen war im Gesetzeswerk geregelt. Erwachsene SG mit Strafgefangener oder / …… und Name. Jugendliche SG mit Jugendlicher oder / …. und Name.

 

Freizeitarrest (mehrfach belegbar) wurde nicht auf der Arreststation vollzogen. Der Arrestant wurde in der „Freizeit“ von der Gruppe im Bereich der Vollzugsabteilung abgesondert. Soll heißen, dass er am Schulbetrieb teilnahm, mit zur Arbeit ging und mit Abstand an der Essenseinnahme und Aufenthalt im Freien (ohne Einkauf) teilnahm. Rauchen war im Freizeitarrest untersagt. Er wurde während den Gruppenveranstaltungen und der Freizeit zu Reinigungsarbeiten eingesetzt. Ausstattung der Freizeitarrestzelle: zwei Betten, 1 Schrank, 1 Tisch, zwei Stühle und Kübel (Toilettenbehelf). Freizeitarrestzelle war ständig verschlossen. Kontakt mit Mitgefangenen war während der Freizeitarrestzeit untersagt. Dauer war gestaffelt, in der Regel zwischen 5 und 21 (oder 14?) Tagen möglich.

Meine persönliche Erkenntnis war, dass der Freizeitarrest bedeutend „unbeliebter“ bei den Jugendlichen war als der Arrest.

Arrest (immer Einzelbelegung) wurde auf einer Arreststation vollzogen. Arrestanten wurden in diesen Bereich zu Reinigungsarbeiten herangezogen. Ansonsten ständiger Verschluss. Kein Arbeitseinsatz und kein Schulbesuch. Essen wurde auf der Arreststation ausgeteilt. Aufenthalt im Freien wurde gesondert durchgeführt. Ausstattung der Arrestzelle war minimal. Bett – war tagsüber angeschlossen (nicht nutzbar), ein festverankerter Hocker, Kübel (Toilettenbehelf) für Nachtzeit. Sanitärbereich war abtrennbar in der Zelle und tagsüber zugänglich.

 

 

Tigerkäfig

„Tigerkäfig“

„Tigerkäfig“, so werden die in heutigen Reportagen und „Gedenkstätten“ gezeigten Arrestzellen in DDR-Knästen genannt. Hat wenig mit der Realität zu tun.

Bildquelle: „Stern“ View Fotocommunity, Bild ist entsprechend verlinkt

 

 

Die in heutigen Reportagen gezeigten Zellen sind definitiv keine Arrestzellen. Eine Arrestverfügung war in der Regel der „letzte Schuss“ vor dem Bug. Arrest war kein Urlaub vom Strafvollzug. Meist hätten die Ursachen für den Arrest genügt um ein erneutes Strafverfahren einzuleiten. In wieweit das für den Jugendlichen günstiger gewesen wäre für seine Zukunft ist fraglich.

Zur Rückfallquote kann ich keine generellen Aussagen machen. Soll heißen, dass mir keine Rückfälle bekannt sind, kann diese aber nicht ausschließen.

Man muss aber auch beachten, dass Strafaussetzung auf Bewährung durch eine Arrestmaßnahme in weite Ferne rückte. In den meisten Fällen waren aber auch die Angehörigen der Jugendlichen aktive Unterstützer des Erziehungsprozesses.


 

Was bedeuten die Abkürzungen? Was ist der Unterschied eins Erziehers in der DDR zu einem Wärter?

Gefängniswärter ist eine übernommene Bezeichnung aus der Zeit des Frühkapitalismus. Schließer, Schlüsselknecht u.ä. sind Gefangenenjargon (heute auch/noch für Justizbeamte des Vollzugsdienstes) für Strafvollzugsangehörige im allgemeinen, besonders jedoch für die Mitarbeiter des operativen Aufsichtsdienstes. Die dienstliche Aufgabenstellung waren auf der einen Seite unterschiedlicher Art, wurden aber fast immer im gegenseitigen Zusammenwirken gelöst. Operativer Aufsichtsdienst (op.AD) wurde hauptsächlich durch Mannschaftsdienstgrade, Erziehertätigkeit meist durch Offiziersdienstgrade durchgeführt. Zu den Abkürzungen: Owm.d.SV = Oberwachtmeister des Strafvollzuges, Hwm.d.SV = Hauptwachmeister des Strafvollzuges, Mstr.d.SV = Meister des Strafvollzuges. SG = Strafgefangener.

 

Siegfried Fischer

 

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Woche der Waffenbrüderschaft

Als Woche der Waffenbrüderschaft wurde in der DDR die Woche bezeichnet in welcher der Tag der Sowjetarmee und Seekriegsflotte, der 23. Februar, und der Tag der Nationalen Volksarmee, der 01. März gefeiert wurden.

An diesen Tagen fanden zahlreiche Freundschaftstreffen, Sportwettkämpfe und militärpolitische Veranstaltungen statt. Die Angehörigen beider Armeen, Werktätige(arbeitende Menschen) der DDR sowie in FDJ und GST organisierten Mädchen und Jungen aus ihren Patenbetrieben und –schulen wurden einbezogen.

Die Veranstaltungen dieser Woche legten Zeugnis ab von dem engen Bündnis zwischen Nationaler Volksarmee und Sowjetarmee und den anderen im Warschauer Vertrag vereinten Armeen im Kampf um die militärische Sicherung des Friedens und des Sozialismus.

 

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Entnommen aus „Jugendlexikon – Militärwesen“ DDR 1984

Woche der Waffenbrüderschaft

Die Nachwuchsgewinnung

Oftmals wird behauptet, dass das MfS Jugendliche als IM angeworben hatte. Die BStU und einige Medien behaupten, dass das MfS sogar 12jährige als IM angeworben hätte. Stimmt das?

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Nachwuchswerbung des BND, zu näheren Infos Bild oder Link zur Bildquelle klicken

Bildquelle:
„Augsburger Allgemeine“ vom 31.01.2010

 

Das MfS hatte niemals Kinder als IM angeworben.

Die Nachwuchsgewinnung des MfS war nicht anders, wie zu allen Zeiten bei allen Geheimdiensten dieser Welt. Das ist heute auch nicht anders. Da die Geheimdienststrukturen des Geheimdienstes der DDR, des MfS nun offen liegen, kann man als Bespiel erklären, wie es dort gemacht wurde.

Jugendliche waren nach DDR-Recht Personen zwischen dem 14. Und 18. Lebensjahr.

Mit 18 waren die Bürgerinnen und Bürger der DDR volljährig. Junge Menschen im Alter zwischen 18 und 25 Jahren wurden als Jungerwachsene bezeichnet. Inoffizielle Mitarbeiter der Altersgruppe zwischen 18 und 25 Jahren galten als jugendliche IM.

In der offiziellen Zusammenarbeit des MfS mit den für Erziehung und Bildung der heranwachsenden Generation Verantwortlichen in Staat und Gesellschaft sowie in der konspirativ abgedeckten Zusammenarbeit mit einzelnen Jugendlichen lagen die Schwerpunkte eindeutig in der vorbeugenden Arbeit, in der Verhinderung des Abgleitens von Jugendlichen in die Kriminalität bis hin zur Verhinderung ihres Missbrauchs für staatsfeindliche und andere antisozialistische Ziele.

Unter Beachtung der demografischen Entwicklung erfolgte unter Verantwortung der NVA eine Aufschlüsselung der Anzahl für den militärischen Berufsnachwuchs zur Verfügung stehenden Jugendlichen auf die einzelnen Organe(Institutionen). Bezogen auf das MfS waren das jährlich ca. 10 000, vorwiegend Soldaten und Unteroffiziere auf Zeit für das Wachregiment und die Wach- und Sicherungseinheiten der BV und anderer Diensteinheiten. Das MfS hat auf dieser Grundlage mit diesen Jugendlichen – immer in Verbindung mit dem Elternhaus- erste Gespräche geführt, um sie motivieren, ihre schulischen Leistungen zu halten oder zu verbessern und erste Vorstellungen zu einer möglichen Arbeit im MfS bei ihnen zu wecken und zu vermitteln- ohne jedoch mit ihnen inoffiziell zusammenzuarbeiten. Lag eine erste Bereitschaftserklärung zur späteren Aufnahme einer hauptamtlichen Tätigkeit im MfS vor, wurden diese Jugendlichen bis zum in der DDR obligatorischen Abschluss der 10. Klasse betreut und ihnen anschließend ein Beruf nach ihren Vorstellungen und Voraussetzungen vermittelt(dazu bestanden Verträge des MfS mit Betrieben, Einrichtungen und Institutionen zur Ausbildung von Jugendlichen) Andere wurden bis zum Abschluss der Hochschulreife(Abitur)betreut und danach entweder zum Studium an Hoch- und Fachschulen der DDR vermittelt oder gleich als hauptamtliche Mitarbeiter im MfS eingestellt und als Offiziersschüler an die Juristische Hochschule Potsdam delegiert.

Dieser vom MfS ausersehene Nachwuchs hatte vermutlich Eltern und Geschwister, die staatsnah und in entsprechenden beruflichen Positionen waren. Das ist aber kein Alleinstellungsmerkmal für die DDR, bzw. das MfS. Überall auf der Welt wird das ähnlich gehandhabt und es gibt überall die Geheimdienst-, bzw. Beamtenfamilien

Wer während der Konterrevolution zum Nachwuchs des MfS gehörte ist heute Verlierer der Geschichte. Am Beispiel von Andrej Holm sehen wir, dass die nicht begonnene Karriere beim MfS ihm zum Verhängnis geworden ist.

 

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Nachwuchs des heutigen russischen Geheimdienstes, Feier in der Kritik, nähere Infos bitte Bild oder Link zur Bildquelle klicken

Bildquelle:
Tagesschau.de

 

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Entnommen aus dem Buch „Die Sicherheit“, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildungspolitik der DDR

 

 

 

 

Das Bildungswesen umfasste die Gesamtheit der staatlichen und Gesellschaftlichen Bildungseinrichtungen. Die grundlegenden Bildungseinrichtungen waren:

  • Kinderkrippe und –garten

 

  • Die zehnklassige allgemeinbildende polytechnische Oberschule(POS)

 

  • Die Einrichtungen der Berufsausbildung (Berufsschulen u.a.)

 

  • Die Ingenieurschulen,

 

  • Fachschulen,

 

  • Hochschulen und Universitäten,

 

  • die Einrichtungen der Aus- Und Weiterbildung für Berufstätige(Einrichtungen, der Betriebe, u.a., Volkshochschulen, u.a.)

 

Nach der vollzogenen Brechung des bürgerlichen Bildungsprivilegs, gab es in der sozialistischen Gesellschaftsordnung das garantierte Grundrecht auf Bildung(Verfassung der DDR, Artikel 25 und 26). Es sicherte für alle Werktätigen(arbeitenden Menschen) eine hohe Allgemeinbildung und die für die berufliche Tätigkeit erforderliche Spezialbildung.

In allen Stufen des Bildungswesens gab es einheitliche staatliche Lehrpläne, die darauf gerichtet waren, dass die Lernenden gefestigte und anwendungsbereite Kenntnisse und Fähigkeiten erwarben. Von grundlegender Bedeutung waren dabei die Bildungstheoretischen Grundsätze. Sie beinhalteten die Aufgabe eine hohe Qualität des Unterrichts und der Ausbildung zu sichern. Weiterhin sollten diese Grundsätze die immer effektivere Verwirklichung der Einheit von Bildung und Erziehung sichern helfen.

Bildungspolitik DDR Schaubild

Das Bildungswesen war in der DDR so aufgebaut, dass Allen der Übergang zur jeweils nächsthöheren Stufe bis hin zum Studium an Hochschulen und Universitäten möglich war. Das war die Überlegenheit des sozialistischen Bildungssystems gegenüber dem bürgerlichen Bildungssystem in kapitalistischen Ländern. Als die sozialistischen Länder stark waren, insbesondere während des „Sputnikschocks“, mussten die kapitalistischen Länder im Bildungsbereich Zugeständnisse machen und Bildungsangebote für Alle, gleich welcher Herkunft, bereitstellen und eine gute Volksbildung anbieten. Als die sozialistischen Länder schwächer wurden und erst recht nach der Niederlage 1989/90, sind in den kapitalistischen Ländern die Volksbildungsangebote zurückgefahren worden und das bürgerliche Bildungsprivileg ist wieder vorherrschend.

Eine weitere Aufgabe der Bildungspolitik der DDR bestand darin, Elternhaus, Schule und Jugendorganisation für die gemeinsame Arbeit bei der Bildung und Erziehung der Jugend zusammenzuführen.

Trotz aller Vorsätze und Programme, ist es nicht gelungen die Bildung parteilich zu gestalten(kommunistische Erziehung) und die Jugend zu befähigen, die kommenden großen und komplizierten Aufgaben zu bewältigen. Das Ziel ist nicht erreicht worden, den Jugendlichen ein fundiertes marxistisch-leninistisches Weltbild zu vermitteln, das sie derart persönlich überzeugt worden wären, um sich im Sinne des Sozialismus zu engagieren. Die Jugend war vom Westen beeinflusst. Bei Vielen hielt sich der westliche Einfluss bis ins Erwachsenenalter.

 

Siehe auch

Bildungswesen in der DDR – Gastbeitrag von Roland Loeckelt

 

entnommen aus „Jugendlexikon-Wissenschaftlicher Kommunismus“ aus der DDR, Stand 1983

bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

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Hier der  Link zum Quellbeitrag aus dem Lexikon

Bildungspolitik DDR

Erich Honecker

Erich Honecker wurde am 25. August 1912 in Neunkirchen(heutiges Bundesland Saarland) geboren und ist am 29. Mai 1994 in Santiago de Chile gestorben.

Erich Honecker

Erich Honecker (1976)

 

Bildquelle:
Von Bundesarchiv, Bild 183-R1220-401 / Unbekannt / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Sein Vater Wilhelm Honecker (1881-1969) war Bergarbeiter und heiratete 1905 Caroline Catharina Weidenhof(1883-1963). Zusammen hatten sie sechs Kinder. Von Neunkirchen(Saar) zog die Familie nach Wiebelskirchen(heute Stadtteil von Neunkirchen).

Elternhaus Erich Honeckers

Erich Honeckers Elternhaus(Neunkirchen, Kuchenbergstraße)

Bildquelle:
Von EPei aus der deutschsprachigen Wikipedia, CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

Nach seinem zehnten Geburtstag, im Sommer 1922, wurde Erich Honecker Mitglied der Kommunistischen Kindergruppe in Wiebelskirchen, mit 14 trat er dem Kommunistischen Jugendverband Deutschland(KJVD) bei, mit 17 auch der KPD. Im KJVD wurde er 1928 zum Ortsgruppenleiter gewählt.

Da Erich Honecker nach seiner Schulzeit nicht gleich eine Lehrstelle fand, arbeitete er zunächst zwei Jahre bei einem Bauern in Pommern. 1928 kehrte er nach Wiebelskirchen zurück und begann bei seinem Onkel eine Lehre als Dachdecker. Vom KJVD wurde er zum Studium an die Internationale Lenin-Schule der Kommunistischen Jugendinternationale nach Moskau delegiert. Dieser Schulbesuch fand in den Jahren1930/1931 statt.

1930 trat Erich Honecker der KPD bei. Sein politischer Ziehvater war Otto Niebergall, der später für die KPD im Bundestag saß.

Nach Rückkehr von der Internationalen Lenin-Schule in Moskau, wurde Erich Honecker Bezirksleiter des KJVD Saargebiet.

Ab 1933 war die Arbeit der KPD nur noch im Untergrund möglich. Das Saargebiet gehörte nicht zum Deutschen Reich. Nachdem Erich Honecker kurz in Deutschland inhaftiert war, kehrte er 1934 ins Saargebiet zurück. Dort arbeitete er in der Initiative gegen die Wiederangliederung des Saargebietes an das Deutsche Reich. In dieser Zeit arbeitete Honecker mit Herbert Werner zusammen, welcher später zur SPD wechselte. Bei der Saarabstimmung am 13. Januar 1935 stimmten jedoch 90,73 Prozent der Wählerinnen und Wähler für die Angliederung des Saargebietes an das Deutsche Reich. (Nazi-Kampagne „Heim ins Reich“) Erich Honecker floh, wie viele Andere auch, zunächst nach Frankreich.

Am 28. August 1935 reiste Honecker illegal nach Berlin und war wieder im Widerstand tätig. Im Dezember 1935 wurde er von der Gestapo(Nazi-Geheimdienst) verhaftet und zunächst bis 1937 in Berlin in Untersuchungshaft genommen. Im Juni 1937 wurde Honecker zu zehn Jahren Zuchthaus verurteilt. Er saß im Zuchthaus Brandenburg-Görden ein.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde Erich Honecker von Hans Mahle in die Gruppe Ulbricht aufgenommen. Hans Mahle war Gründungsmitglied des NKFD und nach 1945 für den Aufbau der DDR Rundfunks verantwortlich.

1946 war Erich Honecker Mitbegründer der Freien Deutschen Jugend(FDJ) und wurde ihr Vorsitzender.

Seit dem Vereinigungsparteitag von KPD und SPD im April 1946 war
war Honecker Mitglied der SED.

Als FDJ-Vorsitzender organisierte er die drei Deutschlandtreffen der Jugend in Berlin ab 1950 und wurde einen Monat nach dem ersten Deutschlandtreffen der Jugend als Kandidat ins Politbüro des ZK(Zentralkomitee) der SED aufgenommen.

Zittau, Jugend-Dreiländertreffen, Erich Honecker

Honecker 1950 auf dem Dreiländertreffen der Jugend in Zittau

 

Bildquelle:
Von Bundesarchiv, Bild 183-08583-0017 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

 

 

In den innerparteilichen Auseinandersetzungen um die Ereignisse des 17. Juni 1953 stand Erich Honecker auf der Seite von Walter Ulbricht.

Am 27. Mai 1955 gab er den FDJ-Vorsitz ab. Von 1955 bis 1957 hielt er sich zu Schulungszwecken in Moskau auf und erlebte den XX. Parteitag der KPdSU(Kommunistische Partei der Sowjetunion) mit der sogenannten Geheimrede Chruschtschows, wo sich von Stalin distanziert wurde. Das war der Beginn des inneren Aufweichens des Sozialismus.

Nach seiner Rückkehr wurde Honecker 1958 vollwertiges Mitglied des Politbüros, wo er die Verantwortung für Militär- und Sicherheitsfragen übernahm.

Als Sicherheitssekretär des ZK der SED war Honecker August 1961 der maßgebliche Organisator für die Errichtung des Antifaschistischen Schutzwalls.

Auf Betreiben der sowjetischen Führung musste Walter Ulbricht zurücktreten. Erich Honecker wurde am 03. Mai 1971 sein Nachfolger als Erster Sekretär(ab 1976 Generalsekretär) des Zentralkomitees der SED. 1971 wurde Honecker auch Ulbrichts Nachfolger im Amt des Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrats. Am 29. Oktober 1976 wählte die Volkskammer
Erich Honecker zum Vorsitzenden des Staatsrates. Willi Stoph, der seit 1973 dieses Amt inne gehabt hatte, wurde erneut, wie vor 1973, Vorsitzender des Ministerrates.

30 Jahre MfS, Erich Honecker, Erich Mielke

Erich Honecker beglückwünscht Erich Mielke zum 30. Jahrestag der Bildung des Ministeriums für Staatssicherheit

Bildquelle:
Von Bundesarchiv, Bild Y 10-0097-91 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Während der Amtszeit von Erich Honecker erlangte die DDR weltweit Anerkennung und wurde Mitglied der UNO. Es war aber auch die Zeit der sozialdemokratischen „Entspannungspolitik“. Diese war die indirekte Strategie, um den Sozialismus von innen aufzuweichen und der erste Schritt zum Untergang der DDR.

Honeckers engster Mitarbeiter war Joachim Hermann. Dieser war für die Medienarbeit der Partei zuständig. Die Medienarbeit war fehlerhaft und ungeschickt und kam bei der Bevölkerung nicht an. Es wurde nur Positives berichtet und das auch noch im langweiligen Stil. So wandte sich die Bevölkerung den West-Medien zu und glaubte alles, ohne zu hinterfragen, was dort verbreitet wurde.

Honecker mit Breschnew

Erich Honecker(links) mit Leonid Breschnew

Bildquelle:
Von http://www.archive.org – [1], Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Berlin, 70. Geburtstag Erich Honecker

Bischof Werner Krusche gratuliert Honecker zum 70. Geburtstag (1982)

Bildquelle:
Von Bundesarchiv, Bild 183-1982-0825-113 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

 

1981 empfing Erich Honecker den Bundeskanzler der BRD, Helmut Schmidt im Jagdschloss Hubertusstock am Werbellinsee.

Am 07. Oktober 1987 besuchte Erich Honecker die BRD und wurde von Bundeskanzler Helmut Kohl empfangen. Dieser Besuch war bereits 1983 geplant, kam aber erst 1987 zustande.

Wiebelskirchen, Besuch Erich Honecker

DDR-Staatsratsvorsitzender Honecker 1987 beim Besuch seines Geburtsorts im Saarland (rechts neben ihm Oberbürgermeister Peter Neuber)

 

Bildquelle:
Von Bundesarchiv, Bild 183-1987-0910-052 / Oberst, Klaus / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

 

1988 war Erich Honecker unter Anderem auf Staatsbesuch in Paris. Geplant war auch ein offizieller Besuch in den USA. Dieses Ziel wurde nicht mehr erreicht.

Auf dem Gipfeltreffen des Warschauer Vertrages am 7. und 08. Juli 1989 in Bukarest, im Rahmen des „Politisch-Beratenden Ausschusses“ der RGW(Wirtschaftsgemeinschaft der damaligen sozialistischen Staaten)-Staaten des Warschauer Vertrages, gab die Sowjetunion offiziell die Breschnew-Doktrin auf. Stattdessen verkündete sie die „Freiheit der Wahl“:Die Beziehungen untereinander sollten künftig, wie es im Bukarester Abschlussdokument heißt, „auf der Grundlage der Gleichheit, Unabhängigkeit und des Rechtes eines jeden Einzelnen, selbstständig seine eigene politische Linie, Strategie und Taktik ohne Einmischung von außen auszuarbeiten“ entwickelt werden. Die sowjetische Bestandsgarantie für die Mitgliedsstaaten war damit in Frage gestellt.

Honecker musste seine Teilnahme an dem Treffen abbrechen. Am Abend des 07. Juli 1989 wurde er mit schweren Gallenkoliken ins rumänische Regierungskrankenhaus eingeliefert und dann nach Berlin ausgeflogen.

Auf Grund seiner Krankheit war Erich Honecker bis September 1989 nicht im Amt. Lediglich im August 1989 nahm er einige Termine wahr. Die Geschäfte führte das Politbüro. Informationen gelangten nur über Günter Mittag und Joachim Hermann zu Honecker.

In den Städten der DDR wuchsen die konterrevolutionären Demonstrationen. Viele Bürgerinnen und Bürger der DDR kehrten ihrem Staat den Rücken und verließen die DDR illegal über andere (noch) sozialistische Länder. So wurden auch Reisen in diese Länder eingeschränkt. Diese Maßnahmen heizten allerdings die konterrevolutionäre Stimmung an.

Die Beziehung zwischen Honecker und Gorbatschow war gespannt. Honecker hatte Gorbatschow durchschaut und erkannt, dass Gorbatschows Politik von Glasnost und Perestroika in den Untergang führen musste. So wurden in der DDR keine Publikationen mehr zu Glasnost und Perestroika veröffentlicht, bzw. nicht mehr in den Handel gebracht.

Als am 06. und 07. Oktober (07. Oktober=Gründungstag der DDR) die Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR stattfanden, riefen Einige dem anwesenden Michail Gorbatschow „Gorbi, Gorbi hilf uns“ zu. Heute sieht man auf Bildern und in Filmen, dass Gorbatschow bei den Feierlichkeiten zum 40. Jahrestag der DDR, die man im Nachgang als Abschiedsfeierlichkeiten sehen kann, desinteressiert war.

Von Juli bis 1. Oktober 1989 nahm Honecker aus Krankheitsgründen nicht mehr an den Politbürositzungen teil. Die nächste fand am 17. Oktober statt. Auf der hatte Willi Stoph die Abberufung Erich Honeckers beantragt, die mehrheitlich von den Sitzungsteilnehmern bestätigt wurde. Honecker selbst war von dieser Entscheidung überrascht. So, wie es sich darstellt, war es ein Komplott seiner jahrelangen Gefolgsleute. Da die Konterrevolution in der DDR weiterhin marschierte, erklärte er schon am 18. Oktober auf dem 9. Plenum des ZK der SED seinen Rücktritt als Generalsekretär, als Vorsitzender des Staatsrates der DDR und als Vorsitzender des Nationalen Verteidigungsrates. Als seinen Nachfolger schlug er Egon Krenz vor.

Nach der konterrevolutionären Großdemonstration am 04. November 1989 und dem Fall des Antifaschistischen Schutzwalls am 09. November 1989 begann die Treibjagd auf Erich Honecker.

Nach dem 10. Plenum am 8. November leitete der Genosse Hans Jürgen Joseph, Staatsanwalt bei der Generalstaatsanwaltschaft der Noch-DDR ein Ermittlungsverfahren gegen Erich Honecker wegen Amtsmissbrauch und Korruption ein. Aber es ging weiter. Am 23. November 1989 strengte die Zentrale Parteikontrollkommission der SED ein Parteiverfahren gegen ihn an. Auf dem letzten Plenum des ZK der SED am 3. Dezember 1989 wurde er aus der SED, die er seit 1971 geleitet hatte, hinausgeworfen.

Kurios. Nun ermittelte ein SED-Genosse gegen den schwer erkrankten, quasi am Boden liegenden, vom Tode gezeichneten Genossen wegen Hochverrats, was heißen soll, Honecker habe sich des schweren Staatsverbrechens schuldig gemacht. Anfang Januar 1990 ereilte das Ehepaar Honecker die schockierende Nachricht, Erich habe Nierenkrebs. Der sofort herbei gerufene Urologe der Charité Prof. Dr. Peter Althaus nahm ihn nach guter DDR-Sitte in seine Obhut und begleitete ihn in die Charité, wo er am 10. Januar den bösartigen Tumor aus der rechten Niere entfernte. Die rechte Niere, so erklärte mir Prof. Althaus, musste aus medizinischer Indikation belassen werden.

Am 28. Januar 1990 erschienen an Honeckers Krankenbett zwei DDR-Staatsanwälte, die Herren Kessler und Gaunitz, und erklärten ihn im Krankenzimmer für vorläufig festgenommen, obwohl Prof. Althaus den frisch operierten Patienten für haftunfähig erklärt hatte. Doch keinen der beiden Herren interessierte dieser Tatbestand. Schon am folgenden Tag wurde der von Krankheit und Operation schwer gezeichnete Erich Honecker mit Polizeigefolge und großem Medienrummel ins Gefängnis Berlin-Rummelsburg verfrachtet. Dort traf er auf den stellvertretenden Generalstaatsanwalt Prof. Dr. Lothar Reuter, einen Genossen und kommunistischen Strafrechtsexperten. Der Vorwurf Reuters lautete auf Hochverrat. Dagegen verwahrte sich Honecker energisch und verlangte seine Freilassung und nach seinen Anwälten. Zum zweiten Mal in seinem Leben war er politischer Häftling. Hierzu schrieb der SPIEGEL am 1.2.1990: „Hier soll einer fertig gemacht werden.“ Nach einem Tag Gefängnis in Rummelsburg musste Honecker Ende Januar wegen Haftunfähigkeit entlassen werden. Damit stellte sich die frage: Wohin? Die neu zusammengewürfelte Partei SED/PDS hatte nichts unternommen, dem Ehepaar Honecker ein halbwegs würdiges Obdach zu gewähren. Man hatte es sogar bewusst unterlassen. Das Ehepaar Honecker wurde praktisch obdachlos.

Ausgerechnet ein Christ, der Pfarrer Uwe Holmer aus Lobetal bei Berlin, gewährte ihnen eine Bleibe gemäß Matthäusevangelium 11;28 „Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid. Ich will euch erquicken.“ Schande für diese Partei, der sie jahrzehntelang angehört hatten. Am 24. März 1990 sollte das Kirchenasyl beim Pfarrerehepaar in Lobetal beendet sein und die Honeckers sollten im benachbarten Heim in Lindow eine Bleibe erhalten.

Nachdem die Medien sehr gezielt über diesen Wohnungswechsel berichtet hatten, fand sich schon bei der Abfahrt ein aufgeputschter Haufen von Menschen zusammen, die voller Hass mit Fäusten und Knüppeln auf das Dach der Limousine einschlugen, sogar drohten, das Heim in Lindow zu stürmen. Daraufhin kehrte das Ehepaar in Todesangst zum Pfarrer Holmer nach Lobetal zurück. Honecker, der viele Jahre lang von internationalen Persönlichkeiten, darunter Papst Johannes Paul II, Indira Gandhi, Francois Mitterand, Fidel Castro, Helmut Schmidt, Helmut Kohl, empfangen worden war, wurde Anstand und Menschenwürde verwehrt.

Das Ende der DDR und die Annexion der DDR durch die BRD am 03. Oktober 1990 erlebte das Ehepaar Honecker im sowjetischen Militärhospital.
Bei erneuten Untersuchungen auf Haftfähigkeit stellten dort die Ärzte bei Honecker die Verdachtsdiagnose eines bösartigen Lebertumors. Am 02. Oktober 1990, am Vorabend der Annexion der DDR durch die BRD, wurden die Ermittlungsakten im Fall Erich Honecker von der Generalstaatsanwaltschaft der DDR an die BRD übergeben. Am 30. November 1990 erließ das Amtsgericht Tiergarten einen weiteren Haftbefehl gegen Honecker wegen des Verdachts, dass er den „Schießbefehl“(den es gar nicht gab) an der innerdeutschen Grenze 1961 verfügt und 1974 bekräftigt habe. Der Haftbefehl war aber nicht vollstreckbar, da Honecker sich in Beelitz unter dem Schutz sowjetischer Stellen befand. Am 13. März 1991 wurde das Ehepaar mit einem sowjetischen Militärflugzeug von Beelitz nach Moskau ausgeflogen.

Da in der Sowjetunion die Konterrevolution ebenfalls marschierte und die Sowjetunion sich in der Auflösung befand, wurde Erich Honecker nach Deutschland ausgeflogen, verhaftet und in die Justizvollzugsanstalt Moabit verbracht. Margot Honecker konnte direkt nach Chile reisen, wo sie zunächst bei ihrer Tochter Sonja unterkam.

Nun saß Erich Honecker wieder im Gefängnis. Kohl, der Honecker einstmals als Staatsgast empfangen hatte, war immer noch Bundeskanzler.

Honeckers Anwälte beantragten wegen seines schlechten Gesundheitszustandes die Einstellung des Verfahrens. Nachdem das Landgericht und das Kammergericht die Anträge abgewiesen haben, ist eine Verfassungsbeschwerde beim Verfassungsgerichtshof am 12. Januar 1993 erfolgreich. Der wirft dem Kammergericht und dem Landgericht vor, das Grundrecht Honeckers auf Achtung seiner Menschenwürde verletzt zu haben. Honecker kommt frei und fliegt am 13. Januar 1993 zu seiner Familie nach Chile.

Am Morgen des 29. Mai 1994 starb er dort. Er wurde nicht, wie er es sich gewünscht hatte, in Saarbrücken neben seiner Mutter oder auf dem Friedhof der Sozialisten in Berlin-Friedrichsfelde bestattet. Seine sterblichen Überreste ruhen in fremder Erde. „Vaterlandsloser Geselle“, wie schon zu Kaisers Zeiten Kommunisten geheißen wurden.

 

Zahlen und Fakten aus Wikipedia und DDR-Kabinett Bochum Blogspot

zusammengestellt und bearbeitet von Petra Reichel

Ferienlager

Ferienlager ist ein Oberbegriff für Ferienveranstaltungen in der Jugendarbeit, die als Gruppenfahrt durchgeführt werden. Ferienlager werden als Zeltlager, in Unterkünften mit Selbstversorgung, Jugendherbergen oder ähnlichen Einrichtungen durchgeführt.

Der Begriff Ferienlager beschreibt aber nicht nur die Ferienveranstaltung, sondern kann auch die Einrichtung beschreiben, in der diese Veranstaltung durchgeführt wird.

Die Tradition solcher Veranstaltungen geht bis in die Jugendbewegung des frühen 20. Jahrhunderts zurück.

Ein wichtiger Teil der Geschichte der DDR sind die Ferienlager. Sie gehörten zu den Betrieben und wurden von diesen unterhalten. So konnten für einen symbolischen Preis alle Kinder dort ihre Ferien verbringen. Im Kapitalismus ist ein solches Engament von Betrieben ausgeschlossen.

Außerdem gab es Pionierferienlager, die über die Schulen in Zusammenarbeit mit der Pionierorganisation und der FDJ organisiert wurden.

Geleitet wurden die Pionierlager durch hauptamtliche Mitarbeiter der FDJ-Kreisleitungen und als Gruppenleiter waren Studenten und ältere Schüler eingesetzt.

Einige der ehemaligen Betriebsferienlager beziehungsweise zentralen Pionierlager haben sich heute unter dem Begriff der Kinder- und Jugenderholungszentren in Deutschland (KiEZ) zusammengefunden.

Für Jugendliche bestanden in der DDR die Lager der Erholung und Arbeit für FDJ-Mitglieder und Schüler der 9. bis 12. Klassen.

Nicht nur in der DDR, auch in anderen Ländern gab und gibt es Ferienlager. Da diese aber dort kein Zuschussgeschäft sind, kann der Ferienaufenthalt nicht zu einem symbolischen Preis angeboten werden. Da können sich wohl arme Eltern keinen Erholungsaufenthalt in den Ferienlagern für ihre Kinder leisten.

Im Folgenden einige Worte zu den Ferienlagern in anderen Ländern.

BRD

In der Bundesrepublik sind die Veranstalter von Ferienlagern in der Regel öffentliche oder freie Träger der Jugendarbeit, zum Beispiel christliche Jugendverbände wie Pfadfinder, KJG oder CVJM, sowie Wohlfahrtsverbände, freie Schulen (wie Internate) und weitere freie, gemeinnützige Träger, aber auch gewerbliche Träger.

Die Lager finden in der Regel in den Schulferien – meist in den Sommerferien (daher auch als Sommerlager oder Summer Camp bezeichnet) – an unterschiedlichen Orten im In- und Ausland statt und verbinden verschiedene Formen der Freizeitgestaltung mit dem Gruppenerlebnis. Oft sind Sport- und Naturerlebnisangebote im Programm enthalten. Besondere Tradition haben Ferienlager bei christlichen Organisationen, die neben der reinen Freizeitgestaltung auch Wert auf die Vermittlung christlicher Glaubensinhalte legen. Auch bei solchen Organisationen ist jedoch ein Trend zu reinen Freizeitfahrten festzustellen, der christliche Charakter ergibt sich dann aus dem häufig recht großen Freizeiteinsatz der in der Regel ehrenamtlichen Betreuer.

Die Betreuung von Ferienlagern obliegt je nach Veranstalter und Konzept hauptamtlichen oder ehrenamtlichen Mitarbeitern. Als Qualifikationsnachweis für ehrenamtliche Mitarbeiter dient die Jugendleitercard (Juleica). Als Qualifikationsnachweis für den Veranstalter gilt beispielsweise das bundesweite Gütesiegel QMJ SicherGut! Rahmenbedingungen der Reisebegleitung, verliehen durch den Verband BundesForum Kinder- und Jugendreisen, dem viele der freien und gewerblichen Träger von Ferienlagern angeschlossen sind.

Häufig können einkommensschwache Familien beim zuständigen Sozial- oder Jugendamt Zuschüsse für die Kosten eines Ferienlagers beantragen. (Der letzte grün geschriebene Satz bedeutet, dass es sich hierbei um eine unverbindliche Aussage handelt.)

USA

In den USA ergeben sich während der Schulferien für viele Familien Betreuungslücken, weil beide Eltern berufstätig sind und weil Berufstätige in den USA meist nur wenige Urlaubstage haben. Viele Non-Profit-Organisationen ( gemeinnützige Organisationen), wie zum Beispiel der YMCA, bieten für die Schulferien darum kostenpflichtige Kinder-Betreuungsprogramme an, die aufgrund der amerikanischen Zeltlagertradition meist als Camps bezeichnet werden, heute aber häufig am Wohnort stattfinden, den Charakter einer Kindertagesbetreuung oder eines ganztägigen Workshops haben und den teilnehmenden Kindern zum Beispiel künstlerische oder musikalische Aktivitäten bieten. Andere Camps schließen Übernachtungsmöglichkeiten ein.[2] Einige Angebote sind speziell an hochbegabte Kinder adressiert und werden z. B. von Universitäten organisiert.[3]

Wie im Abschnitt über die USA beschrieben, gibt es auch sei jeher in Bad Kreuznach eine ganztägige Ferienbetreuung am Wohnort mit entsprechenden Aktivitäten. Abends gehen die Kinder nach Hause und kommen am nächsten Morgen wieder.

Aktivitäten im Ferienlager

Je nach Typ des Lagers (Outdoorcamp, Bildungslager etc.) können die Schwerpunkte unterschiedlich gewichtet sein.Besichtigung von Sehenswürdigkeiten (Burgen, Museen, etc.)

Wanderungen in der Umgebung, Nachtwanderung

Kulturprogramm erstellen und aufführen (z.B. Neptunfest, Theaterstück, Disko)

Sport und Spielen (Kinderspiele, Gruppenspiele, Schach, Karten, Brettspiele), Kreative Arbeit, Basteln

Turniere abhalten z.B. Sport, Schach, Tischtennis, Stelzenlauf, Dreibeinlauf, Wettessen, Tauziehen

Briefe an Eltern, Verwandte und Freunde schreiben

Ferienlager VEB Carl Zeiss Jena 1951

Ferienlager „Magnus Poser“ des VEB Carl Zeiss Jena 1951 in Saalfeld Bildquelle: „Fotothek df roe-neg 0006146 013 Ansicht des Lagers mit Kindergruppe“ von Deutsche Fotothek‎. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons –

Einzelne Textpassagen: Wikipedia

Ferienlager

Gastbeitrag von Roland Loeckelt

In der DDR gab es Betriebsferienlager, die von Betrieben (VEB bzw. Kombinate) für Kinder der Beschäftigten unterhalten wurden.

Außerdem gab es Pionierferienlager, die über die Schulen in Zusammenarbeit mit der Pionierorganisation und der FDJ organisiert wurden.

Geleitet wurden die Pionierlager durch hauptamtliche Mitarbeiter der FDJ-Kreisleitungen und als Gruppenleiter waren Studenten und ältere Schüler eingesetzt.

Einige der ehemaligen Betriebsferienlager beziehungsweise zentralen Pionierlager haben sich heute unter dem Begriff der Kinder- und Jugenderholungszentren in Deutschland (KiEZ) zusammengefunden.

Für Jugendliche bestanden in der DDR die Lager der Erholung und Arbeit für FDJ-Mitglieder und Schüler der 9. bis 12. Klassen.

Hauptaktivitäten bestanden aus:

*Quelle Wikipedia*

Ferienlager in der DDR „Der Fahnenappell gehörte dazu“ *Quelle mdr.de*

Zu einer Kindheit in der DDR gehörte für Millionen auch das Ferienlager. Trotz aller Ideologie – die meisten erinnern sich an Nachtwanderungen, Diskos und die erste kleine Romanze.

Ferienlager in der DDR - MDR-Galerie

Ferienlager in der DDR Sport gehörte zum Tagesablauf im Ferienlager. Hier messen sich Kinder aus der DDR und aus Polen 1967 beim Tauziehen. Bildrechte: dpa

„Für uns war es immer wieder das große Abenteuer. Wir haben uns jedes Mal aufs Neue gefreut, wenn wir in den Ferien unseren Rucksack nehmen konnten und das Pionierhalstuch – und ab ging’s ins Ferienlager. Das war für uns immer sehr schön“, erinnert sich Helga Giegling, die damals wie Millionen andere Kinder in der DDR jedes Jahr in den großen Sommerferien ins Kinderferienlager fuhr. Der Aufenthalt dort verbindet sich in den Erinnerungen der meisten mit Ostseestränden, Kinoabenden, der ersten Disko oder einer kleinen Romanze. Und der Abschied war immer das Schlimmste.

Preiswerter Ferienspaß

Für die Familien in der DDR war die Möglichkeit, die Kinder ins Ferienlager reisen zu lassen, eine willkommene Entlastung. Und preiswert war die Sache obendrein: Drei Wochen Ferienlager kosteten zwischen 15 und 20 Mark inklusive An- und Abreise, Unterkunft, Betreuung und Verpflegung. Manche Kinder fuhren auch gleich zweimal pro Jahr ins Ferienlager – einmal in das vom Betrieb der Mutter und das andere Mal in das vom Betrieb des Vaters unterhaltene.

Jeder Betrieb hat sein Ferienlager

Jeder größere Betrieb der DDR hatte für die Kinder seiner Betriebsangehörigen in den Urlaubsgegenden der Republik Ferienlager eingerichtet – an der Ostsee ebenso wie an der Müritz, im Elbsandsteingebirge oder im Thüringer Wald. Sie finanzierten das Sommervergnügen und sorgten auch für die Betreuung der Kinder. Entweder verpflichteten die Betriebe Erzieher und Pionierleiter oder sie stellten Betriebsangehörige als Betreuungspersonal ab.

Die Vorgaben über die Gestaltung des Alltags in den Ferienlagern lieferte das „Ministerium für Volksbildung der DDR“. Denn die Ferienlager waren nicht reiner Selbstzweck. Sie hatten vielmehr das Ziel, die „sozialistische Erziehungsarbeit“ auch außerhalb der Schule systematisch fortzusetzen. „Es war schon alles geprägt durch die Ideologie“, erinnert sich Jana Helm, die ihre Sommer häufig in Ferienlagern verbrachte, „aber die Lagerleiter haben sich immer tolle Sachen ausgedacht.“

Statt Ideologie „frohes Jugendleben“

Die Versuche einer konsequenten ideologischen Beeinflussung wurden jedoch ab den späten 70ern von Jahr zu Jahr schwächer. In den 80er-Jahren spielte die parteipolitische Ausrichtung im Ferienalltag der Kinder kaum noch eine Rolle, wenn man einmal vom Ritual des „Fahnenappells“ absieht, zu dem das rote Pionierhalstuch getragen und ein Pionierlied geträllert werden musste. Erzieher und Betreuer bemühten sich ansonsten mehr oder weniger erfolgreich, ein „frohes Jugendleben“ in den Ferienlagern zu etablieren. „Natürlich haben wir dort montags früh immer Fahnenappell gehabt“, sagt Helga Giegling, „aber das gehörte dazu, das war ganz normal“.

*Quelle der Autor*

Ich selbst durfte mehrmals (5. – 8. Klasse) ins Ferienlager des VEB Minol Schwerin nach Rheinsberg fahren.

Super schöne 2 Woche im Sommer, mit Wandern, Schiffsfahrten, Schwimmunterricht mit ablegen der Prüfung zur Schwimmstufe III. Disco und beim letzten Aufenthalt der erste Kuss.

Ein besonderes Erlebnis war die Führung im Kernkraftreaktor von Rheinsberg und die dazu gemachten Erklärungen über die saubere und sichere Energieerzeugung. Was haben wir Kinder da gestaunt.

Später war ich dann mit meiner eigenen Familie in Ferienheimen des MdI der DDR zum Urlaub. Schöne Einrichtungen im Erzgebirge, Harz und an der Ostsee.

Super preiswert für 2 Wochen, Vollpension und Hin-Rückfahrt für drei Personen 108 Mark der DDR. Wobei der Aufenthalt im Winter an der Ostsee (in jetzigen Meradahotel Kühlungsborn) sogar für 80 Mark der DDR zu haben war.

Schöne 2 Wochen verlebt und eine Menge gesehen. Für die Tagesausflüge musste am zwar einen kleinen extra Obolus entrichten, doch war auch hier alles inklusive. So gab es Ausfluge nach Seifen ins Spielzeugmuseum, Thale mit Hexentanzplatz, Baumanhöhle, Meereskundemuseum Stralsund, Königsstuhl, Überseehafen Rostock etc.

*MdI – Ministerium der Innern der DDR, zuständig für Zoll, Straffvollzug, Feuerwehr und Polizei.*

à Erläuterung zu den erwähnten Schwimmstufen

Die Schwimmstufen / Abzeichen

Bedingungen für die Verleihung

Als Schwimmarten konnten BrustschwimmenRückenkraulenKraulschwimmen oder Schmetterlingsschwimmen gewählt werden. Die nachfolgenden Anforderungen galten in den 1970er und 1980er Jahren (davor galten davon abweichende Anforderungen).

Grundstufe Für das Erreichen der Grundstufe mussten 100 m in einer beliebigen Schwimmart geschwommen werden. Dazu ein beliebiger Sprung ins tiefe Wasser.

Stufe I

Für das Erreichen der Stufe I mussten entweder 100 m in einer beliebigen Schwimmart geschwommen werden; oder 25 m in einer Schwimmart und weitere 25 m in einer weiteren Schwimmart. Eine Zeitbegrenzung bestand nicht. Dazu Kopfsprung vorwärts ins tiefe Wasser.

Stufe II

Für die Stufe II waren 100 m in einer Schwimmart und 50 m in einer weiteren Schwimmart ohne Zeitbegrenzung zu schwimmen und ein Startsprung auszuführen.

Stufe III

Für die Stufe III waren 100 m in einer Schwimmart und weitere 100 m in einer anderen Schwimmart jeweils in einer Maximalzeit zu schwimmen und ein Startsprung auszuführen.

Maximalzeiten für

Schüler der Klasse 4 und jünger 3:30 min
Schüler der Klasse 5 und 6 3:00 min
Schüler der Klasse 7 und 8 2:45 min
Schüler der Klasse 9 und älter 2:30 min

Schwimmabzeichen

Schwimmabzeichen DDR

*Quelle Autor*

Je Stufe wurde eine Sportnote festgelegt. Stufe 1 = Note 3, Stufe 3 0 Note 1.

So dass das Schwimmen lernen für jeden Schüler fester Bestandteil des Sportunterrichts war. Und sich alle anstrengten mindestens Stufe 1 zu erreichen.