Das heldenmütige Auftreten Georgi Dimitroffs im Reichstagsbrandprozess

Um der kommunistischen Bewegung in Deutschland, aber auch der kommunistischen Weltbewegung einen entscheidenden Schlag versetzen zu können, organisierte die Hitlerregierung gegen die angeblichen Brandstifter des Reichstages, Marinus van der Lubbe, Ernst Torgeler(Vorsitzender der KPD-Reichstagsfraktion), Georgi Dimitroff und zwei weitere bulgarische Kommunisten, einen Prozess, der vom September bis Dezember 1933 in Berlin und Leipzig stattfand.

Der Richter - der Gerichtete

Fotomontage von John Heartfield – „Der Richter -der Gerichtete“

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

Mit diesem Reichtagsbrandprozess sollten die Kommunisten als kriminelle Verschwörer und Putschisten verunglimpft und damit alle Zwangsmaßnahmen gegen die Arbeiterklasse und ihre revolutionären Organisationen gerechtfertigt werden. Zugleich sollte dieser Prozess der Vorbereitung gerichtlicher Verhandlungen gegen Ernst Thälmann und die KPD dienen.

Solidemo für Thälmann und Dimitroff In London

Solidaritätsdemo in London

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

Das heldenmütige Auftreten Georgi Dimitroffs machte jedoch diese Pläne zunichte. Während ihn hierbei solche Kommunisten wie Theodor Neubauer aktiv unterstützten, verriet Torgeler die Partei.

Dimitroff über seine Haft

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Trotz aller Quälereien und Niederträchtigkeiten der faschistischen Justiz blieb Georgi Dimitroff ungebrochen. Er verteidigte standhaft die Ehre der kommunistischen Bewegung, die mit individuellem Terror und Brandstiftung nichts gemein hat.

Dimitroff über seine HaftQuellenangaben Dimitroff Prozess

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

Zeugen der Anklage wurden von ihm als Nazispitzel und Provokateure entlarvt und selbst Hermann Göring in die Enge getrieben.

Zugleich führte Dimitroff den Nachweis, dass allein die Faschisten ein Interesse am Reichstagsbrand gehabt haben konnten.

Von der Anklagebank herab umriss Georgi Dimitroff die Grundzüge der kommunistischen Taktik: „Massenarbeit, Massenkampf, Massenwiderstand, Einheitsfront, keine Abenteuer – das ist das Alpha und Omega der kommunistischen Taktik.“ Der deutschen Arbeiterklasse rief er in seinem Schlusswort die Worte Goethes zu: „Wer nicht Amboss sein will, der muss Hammer sein!“

Am Beispiel der Sowjetunion wies er die Perspektive dieses Kampfes, die Rolle der Arbeiterklasse als Träger des menschlichen Fortschritts und einer neuen kulturellen Blüte nach.

Das Auftreten Georgi Dimitroffs belebte den antifaschistischen Widerstand in Deutschland. Vor allem der von Dimitroff formulierte Appell zur Einheitsfront der Arbeiter führte zu ersten wichtigen Ergebnissen. Die internationale Protestbewegung, die schon kurz nach der Reichstagsbrandprovokation eingesetzt hatte, erlebte während des Prozesses einen bedeutenden Aufschwung.

 

Geschichte DDR 9. Klasse

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Prozess Dimitroff

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John Heartfield

John Heartfield, geboren am 19. Juni 1891 in Schmargendorf, verstorben am 26. April 1968 in Berlin/DDR. Sein eigentlicher Name ist Helmut Herzfeld, fälschlicherweise manchmal Herzfelde geschrieben. Er war ein deutscher Maler, Grafiker, Fotomontagekünstler und Bühnenbildner und gilt landläufig als der Erfinder der politischen Fotomontage. Sein Bruder ist Wieland Herzfelde.

15-Pf-Sondermarke der DDR-Post 1971 aus der Serie Berühmte Persönlichkeiten

15-Pf-Sondermarke der DDR-Post 1971 aus der Serie „Berühmte Persönlichkeiten“

Bildquelle: Von Hochgeladen von –Nightflyer (talk) 19:28, 10 October 2009 (UTC) – eigener Scan, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8031128

 

Helmut Herzfeld kam als erstes von insgesamt vier Kindern des Schriftstellers Franz Held (eigentlich Franz Herzfeld) und Alice Herzfeld geb. Stolzenberg zur Welt. Im Jahre 1895 wurde Franz Held wegen Gotteslästerung zu einer Haftstrafe verurteilt. Darauf zog die Familie in die Schweiz und später nach Aigen bei Salzburg. Aus nicht geklärter Ursache verließen die Eltern im Sommer 1899 ihre Kinder, Helmut Herzfeld und seine Geschwister wurden von dem Ehepaar Ignaz und Clara Varschein aufgenommen. Vormund wurde sein Onkel Joseph Herzfeld, der sich jedoch nicht besonders um ihn gekümmert haben soll.

Im Jahre 1905 begann Helmut Herzfeld eine Lehre als Buchhändler in Wiesbaden, an die sich von 1908 bis 1911 ein Studium an der Kunstgewerbeschule München anschloss. 1912 arbeitete er zunächst als Werbegrafiker in München. Da ihn diese Aufgabe nicht ausfüllte, begann er im selben Jahr ein Studium an der Kunst- und Handwerkerschule in Charlottenburg.

Im Jahre 1914 wurde Herzfeld bei Beginn des Ersten Weltkriegs als Soldat zum in Berlin stationierten Garde-Grenadier-Regiment „Kaiser Franz“ eingezogen.

Nachdem er 1915 wegen einer simulierten Nervenkrankheit aus der Armee entlassen worden war, nannte sich Herzfeld ab 1916 offiziell „John Heartfield“. Damit wollte er gegen den im Deutschen Kaiserreich herrschenden und insbesondere englandfeindlichen Nationalismus protestieren. Anlass war der Slogan Ernst Lissauers „Gott strafe England“. Im folgenden Jahr gründete er zusammen mit seinem Bruder Wieland Herzfelde den Malik-Verlag in Berlin.

Am 31. Dezember 1918, ihrem Gründungstag, trat John Heartfield der KPD bei.

1924 erschien Heartfields erste politische Fotomontage „Väter und Söhne“. Auf dem Bild ist Generalfeldmarschall Paul von Hindenburg zu sehen, hinter dem Soldatenskelette stramm stehen. Ein Trupp Kinder in Kadetten-Uniform mit Gewehren über der Schulter zieht an ihnen, den mutmaßlichen toten Vätern, vorbei.

1939 erschien ein gemeinsam mit Kurt Tucholsky verfasstes Bilderbuch mit dem satirisch gemeinten Titel „Deutschland, Deutschland über alles“.

1930 wurde Heartfield ständiger Mitarbeiter der von Willi Münzenberg herausgegebenen „Arbeiter Illustrierten Zeitung““(AIZ), ab 1936 „Die Volks-Illustrierte“(VI), in der bis 1938 regelmäßig seine politischen Fotomontagen erschienen.

Eine seiner bekanntesten Arbeiten ist mit „Millionen stehen hinter mir“ betitelt und zeigt Adolf Hitler, in dessen Gruß nach hinten geklappte Hand ein archetypischer Industrieller Geldbündel legt.

Auch seine übrigen Arbeiten wurden massenhaft verbreitet. Unter anderem auf Titeln vor allem linksgerichteter Zeitschriften und auf Plakaten der KPD.

Richter und der Gerichtete

1-Mark-Block der DDR-Post 1981mit einer Rekonstruktion einer Fotomontage von John Heartfield in der „Arbeiter Illustrierte Zeitung“ Nr. 45 vom 16. November 1933; der vom Vorwurf der Reichstagsbrandstiftung freigesprochene Georgi Dimitroff übergroß dargestellt als Richter und ein kleiner Hermann Göring als Gerichteter

Bildquelle: Von Hochgeladen von –Nightflyer (talk) 20:50, 9 April 2009 (UTC) – Eigener Scan und Bearbeitung, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6456999

 

Ab dem Frühjahr 1981 lebte John Heartfield für ein Jahr in der Sowjetunion und arbeitete dort an verschiedenen Projekten(Ausstellungen und Theaterstücke).

1933 floh John Heartfield vor den Faschisten in die Tschechoslowakei, nachdem die SA seine Wohnung gestürmt hatte. Von Prag aus setzte er seine Arbeit für oppositionelle Publikationen in Deutschland fort.

Am 03. November 1934 veröffentlichte der „Deutsche Reichsanzeiger“ die dritte Ausbürgerungsliste des Deutschen Reiches, durch welche Heartfield ausgebürgert wurde.

Eine Protestnote des deutschen Gesandten gegen ihn, erschwerte sein Schaffen im Exil.

Nach der Besetzung des Sudetenlandes floh John Heartfield am 06. Dezember 1938 mit Hilfe englischer Intellektueller auf dem Luftweg nach Großbritannien.

1940 verschlechterte sich sein Gesundheitszustand, da er als feindlicher Ausländer im Internierungslager festgehalten wurde. Er beteiligte sich an Veranstaltungen des Freien Deutschen Kulturbundes und betätigte sich als Buchgestalter für englische Verlage. Die Klasse seiner früheren Werke erreichte er jetzt nur noch selten.

Am 31. August 1950 kehrte John Heartfield über Prag nach Deutschland zurück und ging in die DDR. Er lebte bis 1956 in Leipzig. Zusammen mit seinem Bruder Wieland arbeitete er für verschiedene Theater, Verlage und Organisationen in der DDR.

Im Oktober 1950 kündigte der Kulturbund eine Heartfield-Ausstellung an. Diese kam aber nicht zustande, weil seine Fotomontagen unter Berufung auf Georg Lukács als Formalismus  kritisiert wurden.

Heartfields Gesuch in die SED aufgenommen zu werden, wurde aus Sicherheitsgründen abgelehnt, weil er in England im Exil war.

1951 erlitt Heartfield den ersten Herzinfarkt, von dem er sich lange nicht erholte. Im November 1952 folgte der zweite Infarkt.

Berthold Brecht riet ihm nach Berlin und zu ihm in die Märkische Schweiz zu kommen.

Erst 1954 nahm Heartfield seine Arbeit wieder auf. Im Juni desselben Jahres forderte der Schriftsteller Stefan Heym öffentlich die Aufnahme Heartfields in die Akademie der Künste der DDR. 1956 zog Heartfield nach Berlin und wurde zum ordentlichen Mitglied der Akademie der Künste gewählt.

1957 bezog Heartfield ein Sommerhaus in Waldsieversdorf in der Märkischen Schweiz, das heute wieder als Gedenkstätte geöffnet ist. Im selben Jahr wurde ihm am 07. Oktober während einer Reise nach China durch den Botschafter der DDR der Nationalpreis für Kunst und Kultur überreicht.

Berlin, AdK-Ausstellung, Nagel, Heartfield, Herzfelde

John Heartfield (Mitte) 1960 im Gespräch mit Otto Nagel und Wieland Herzfelde (r.) über eine seiner Fotomontagen.

 

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-73744-0001 / Ulrich Kohls / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5357967

 

1960 wurde ihm der Professorentitel verliehen.

1962 erkrankte Heartfield erneut schwer. Sein Bruder Wieland veröffentlichte im selben Jahr „John Heartfield. Leben und Werk“.

1968 starb John Heartfield im Alter von 76 Jahren in Berlin/DDR. Er wurde auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof beigesetzt. Gemäß seinem Testament wurde in der Akademie der Künste der DDR ein John-Heartfield-Archiv eingerichtet.

Grab von John Heartfield auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin

Grab von John Heartfield auf dem Dorotheenstädtischen Friedhof in Berlin

Bildquelle: CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=678906

 

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

„Kühler Kopf, Heißes Herz, Saubere Hände“

Film zum 50. Jahrestag der Oktoberrevolution

 

Vorschau Küher Kopf heißes Herz

„Kühler Kopf, Heißes Herz, Saubere Hände“

 

Den Film kann man sich in der Mediathek der „Stasi-Unterlagen“-Behörde ansehen.

 

 

Transkript des Films(von der Mediathek der BStU entnommen)

 

Sprecher:                                                                                                                                           Alarm. Feueralarm im Volkseigenen Reifenwerk Fürstenwalde. Die Sirene brüllt: Helft, rettet die Produktion. Sie ruft die neuen Herren des Betriebes zur Selbsthilfe. Seite an Seite mit ihren sowjetischen Freunden und Ratgebern bewahren sie vor dem Untergang, was sie gemeinsam erschufen. Das Werk kann dem Feuertod entrissen werden, aber die Flammen fressen 15.000 Reifen, ein Millionenschaden entsteht, der Volkswirtschaft durch Brandstifter im Auftrage imperialistischer Geheimdienste zugefügt, acht Jahre nach Kriegsende.                                                                                                                             Berlin Mai 1945. Der Krieg kehrt an seinen Ausgangspunkt zurück, Sowjetsoldaten erzwingen den Frieden. Den Totengräbern entrissen wird was vom guten Deutschland noch übrig blieb. Die Geschichte hat den mutigen Kämpfern gegen die braune Pest Recht gegeben. Des Teufels Generäle kriechen aus ihren Schlupflöchern. Sie sind über sämtliche Schlachtfelder Europas gejagt worden, um nun hier endgültig durch die Sowjetarmee auf- und hinweggescheut zu werden.                                                                   Dies blieb vom deutschen Größenwahn. Das Leben aber ging dennoch weiter und es begann das Lernen. Denn die Sieger waren nicht mit der Losung „Wehe den Besiegten“, sondern als Freunde in der Not und als Geburtshelfer einer neuen Zeit gekommen.            Manch einer freilich musste erst aus Schaden klug werden, um dies und die Grundtorheit des Antikommunismus zu begreifen. Viele aber kamen an der Seite deutscher Kommunisten und Antifaschisten schon anders nach Deutschland zurück, als sie von dort ausgezogen waren, als Kampfgenossen und Weggefährten, das bessere Deutschland im Herzen.                                                                                                                  Die Gruppe Ulbricht, Lehrer der Antifaschisten in der Sowjetunion, Lehrer der Aktivisten der ersten Stunde, sie übernahm auch daheim die Führung. Sie wies uns allen Weg und Ziel, beim Enttrümmern der Straßen und Plätze und beim Entrümpeln der Köpfe. Aus tausend Wunden blutete das Land, aber zaghaft und scheu begann auch das neue Leben zu blühen aus Ruinen. Faschismus und Militarismus sollten mit der Wurzel ausgerottet werden, damit ein friedliebender deutscher Staat gedeihe. Diese sowjetische Auffassung wurde mit der Potsdamer Konferenz geltendes Recht und in Nürnberg hielten die Völker Gericht, im Namen der Menschlichkeit und zur Sicherheit für die noch Ungeborenen. In unserem Teil Deutschlands aber zog die Arbeiterklasse die erste große Lehre aus der unheilvollen Geschichte: „Brüder ins eins nun die Hände“, schworen sich Kommunisten und Sozialdemokraten. So wurde das Fundament für unser neues deutsches Haus gelegt.       Es wurde gelernt und geschafft wie nie zuvor. Der Wissensdurst besiegte den knurrenden Magen. Werke und Bauten, Talsperren wie diese, das Nützliche für die Allgemeinheit, wir schufen es. Vieles davon war notwendig und auch versprochen worden seit Generationen, wir aber erbauten es, weil unter Führung der Partei der Arbeiterklasse zum ersten Mal für die Millionen und nicht für die Millionäre gearbeitet wurde. Die alten Verderber des Volkes waren entmachtet. Ein neuer Frühling der friedlichen Arbeit kam ins Land. Die Wunden vernarbten, die Tränen versiegten, mit der Zuversicht kam die Kraft. Im Osten trat das andere, das gute Deutschland, das es immer gegeben hat, seinen Siegeszug an. Da zitterten die Monopolherren um ihre Macht und sie teilten den Berliner Magistrat, um weiter zu herrschen, wenigstens in einem Teil der Stadt. Die Spalter Berlins verließen das Rote Rathaus, gegen dessen rote Ideen sie mit der Kraft des Geistes nicht hatten ankommen können und sie starteten den Kalten Krieg, made in USA, aus der Entfernung. Zehntausende Berliner demonstrierten in diesen Tages des Jahres 1948, dass die Uhrzeiger der Geschichte gegen ihren erklärten Willen zurückgedreht wurden. Doch ihre Zukunft war von den alten Feinden der Nation schon wieder verkauft worden, für Westmark an die Wallstreet. So entstand der westdeutsche Seperatstaat, Aufmarschbasis des alten Ungeistes, verkleinerte Ausgabe des alten Reiches, gebildet aus Angst vor dem erwachenden Volk, das Frieden und Fortschritt für das ganze Land wollte. Wir aber scharten uns enger um unsere Besten, verdeutlichten uns unsere Mission und schufen den ersten Friedensstaat der Arbeiter und Bauern in der deutschen Geschichte.                                                                                                           Inmitten des Territoriums der DDR liegend, schickte sich Westberlin indessen an eine Rückentwicklung zu forcieren. General Clay, der amerikanische Statthalter in Westberlin, hatte auftragsgemäß das Werk der Spaltung vollendet. Er hatten einen Teil Deutschlands und einen Teil Berlins vorerst der Allgewalt der imperialistischen Monopole erhalten. Bald schon dröhnte hinter den Friedensphrasen der Freiheitsglocke die Revanchistentrommel. Clay ermutigte die untergetauchten Nazi-Größen hervor zu kriechen aus ihren Löchern, erneut hoffähig zu werden, ihr schmutziges Geschäft noch einmal zu versuchen. So wurde diesmal unter amerikanischem Patronat die deutsche Militaristenbestie wieder aufgepäppelt und scharf gemacht. Und sie gedieh gefährlich gut und von vielen kaum bemerkt, hinter dem grellen Feigenblatt der amerikanischen Lebensweise. Die kam in großen Kübeln über den Teich und wurde mit verdächtiger Großzügigkeit ausgegossen.                                                                                                           Aus Westberlin wurde ein Klein-Chicago und das drohte der DDR mit dem großen Knüppel. Doch es blieb nicht bei der Drohung. Westberlin wurde binnen kürzester Zeit zu einem Flugzeugträger ausgebaut von dem über 80 Geheimdienststellen ihre Rohre auf Frieden und Fortschritt richteten. Ton und Takt wurden vom RIAS angegeben, dem Sender des amerikanischen Geheimdienstes.                                                                 Gemeinsam bereiteten sie den Tag X vor, die Liquidation der DDR und ihrer Errungenschaften. Die Sprengung der Saaletalsperre bei Schleitz war dafür vom KgU-Agenten Benkowitz bis ins Detail vorbereitet worden. Nicht allein die Stromversorgung für zehn Landkreise wäre so vernichtet worden, mehr noch, die Flutwelle sollte Städte und Dörfer im Saaletal und alles Leben in ihnen hinweg spülen.                                              29. Februar 1952, Eisenbahnbrücke Berlin Spindlersfeld: Unsere Posten entdecken eine verdächtige Person, die im Schutze der Nacht in das Brückengelände eingedrungen ist.  Soldat:                                                                                                                                                  Halt! Stehen bleiben!                                                                                                                        Sie nehmen die Jagd auf, in letzter Minute können sie einen schon angeschlossenen, 30 Kilogramm schweren Sprengkoffer vom Schienenstrang lösen. Der gefasste und wenig später abgeurteilte Attentäter Johann Burianek, dessen Spuren wir schon lange verfolgten, entpuppt sich wiederum als Agent der KgU. Zwei Attentate auf Personenzüge, bei denen es Schwerverletzte gab, führte Albrecht Gessler, Spreng-und Waffenspezialist der KgU mit Druckminen aus faschistischen Heeresbeständen aus. Allein auf dem Verschiebebahnhof Wustermark vernichtete der Rangierer Heinz Woithe in einem Monat 12 Waggons mit Medikamenten und Schlachtvieh. Seine Methoden: Rangierzusammenstöße und Brandstiftung. Schaden: 240.000 Mark. Auftraggeber: KgU.      Der große KgU-Prozess gegen Benkowitz, Burianek, Gessler und Komplizen beweist der Weltöffentlichkeit, diese aus Faschisten und Kriminellen gebildete Terrorbande, die sich heuchlerisch Kampfgruppe gegen Unmenschlichkeit nennt, soll mit Diversion und Sabotage den bewaffneten Überfall auf die DDR vorbereiten. Dafür ist sie 1949 in Westberlin als politische Organisation anerkannt worden, dafür erhält sie von CIC, MID und aus der Ford-Stiftung monatlich 220.000 West-Mark und 1 Millionen Mark in DDR-Währung. Die erfolgreiche Arbeit unserer Sicherheitsorgane ermöglichte die Enthüllung des KgU-Auftrages und ihrer Praktiken. Sie vereitelte geplante Terroraktionen und brachte Licht in die Untaten der Vergangenheit. Hier in die des Burianek, der Reifen tötete, bevor er es mit Menschenleben versuchte. Als die Jugend der Welt in der DDR-Hauptstadt zu Gast weilte, war es wiederum Burianek, den die Westberliner KgU-Zentrale beauftragte das Fest des Friedens, der Völkerverständigung und des Frohsinns zu stören. Er führte so jene Methode der organisierten Provokationen ein, die seither immer dann strapaziert wird, wenn die Weltöffentlichkeit unserer Republik ihre Referenz und Anerkennung erweist. So fuhr Burianek, der sich tagsüber als biederer Werkfahrer eines Berliner Betriebes tarnte, des Nachts mit Brandsätzen durch die Gastgeberstadt, um Symbole der Weltfestspiele in Flammen aufgehen zu lassen. In dem törichten Traum die Weltjugend würde nun die Festivalfröhlichkeit als Fassade und die Feuerteufeleien für die wahre DDR nehmen. Weitere Attentate jener Zeit galten dem Berliner Großkraftwerk Klingenberg und der 3000 Tonnen Schmiedepresse des Ernst-Thälmann-Werkes in Magdeburg. Beide wurden rechtzeitig vereitelt.                               Dann hatten wir es mit dem Leipziger Tierarzt Walter Schöbe zu tun, der skrupellos die unheilvolle Tradition der IG-Farben-Chemiker und KZ-Ärzte fortsetzte. Im Leipziger Schlachthof sollte das abenteuerlichste Verbrechen der KgU organisiert werden. Die mittelalterlichen Giftmorde der Medicis übertreffend, den amerikanischen Giftkrieg gegen Frauen und Kinder in Korea und Vietnam vorwegnehmend, ließ hier der USA-Geheimdienst Fleischmengen vergiften, die tausende Messestädter töten sollten. Aber der Täter konnte gefasst, der schon vorbereitete Massenmord rechtzeitig verhindert werden.                                                                                                                                                   Die KgU war im offenen Kampf geschlagen. Nun wich sie auf die administrative Diversion aus. So wurden Sabotageaufforderungen verschickt, regierungsamtliche Anweisungen, Bankoperationen und Lebensmittelkarten gefälscht, ohne nennenswerten Erfolg. Denn rund 300 Anschläge, 400 manchmal, dieser Art wurden allmonatlich von uns aufgedeckt. Damit hatten wir die KgU nach zehnjährigem Gefecht an allen Fronten geschlagen. Wer noch nicht in unseren Gefängnissen saß, verschwand im Westberliner Sumpf, woher er gekommen war. Auch sie wird dereinst die Strafe treffen. Indessen gingen die Vorbereitungen der anderen Geheimdienst- und Agentenorganisationen für den E-Fall weiter. Gemeinsam versuchten sie die DDR mit einem Funkmeldenetz zu überziehen, das den eingedrungenen Truppen der Aggressoren Spionageinformationen aller Art zu spielen und somit die Angriffsoperationen erleichtern und lenken sollte. So wurde mit SS-Unterscharrführer Hans-Joachim Koch ein Individuum vom westdeutschen Bundesnachrichtendienst angeworben und in Westberlin als Agentenfunker ausgebildet, das an Kriegsverbrechen in Frankreich, Griechenland und der Sowjetunion beteiligt war. Auch dieser Altfaschist und Spion wurde samt seinen Mittätern von den Genossen des Ministeriums für Staatssicherheit gestellt. Der britische Geheimdienst hatte den NATO-Funkmeldekopf-Nord-Ost für den Ernstfall bilden wollen. Ernst wurde es allerdings nicht für die DDR, aber für Koch und seine Komplizen auf der Anklagebank. Westberlin war in diesen Jahren der offenen Grenze immer wieder Ausgangspunkt der meisten Verbrechen gegen die DDR. Mit der S-Bahn hatte der Agent Kurich sein Sprengstoffpaket transportiert. Aber am Ort der Tat, in seinem Betrieb angelangt, schlug ihm das Gewissen. Das Werk auch seiner Hände in die Luft zu jagen, er brachte es nicht fertig.                                                                                                                    Kurich stellte sich den Sicherheitsorganen, ein Beweis dafür, dass nun auch unsere Aufbauerfolge und unsere Erziehung gegen die Agentenzentralen zu wirken begann. Dieses Beispiel besagt jedoch nicht, dass sich unsere angestrengte Wachsamkeit an der offenen Grenze zu Westberlin etwa schon erübrigt hatte. Diese Grenze ist 42,5 Kilometer lang, 81 Straßenübergänge und 13 bei der U- und S-Bahn wurden zu jeder Stunde auch dazu benutzt der DDR einen Vielfrontenkrieg aufzuzwingen. Durch sie pendelten die Agenten hin und her, sie wurde für den organisierten Menschenhandel missbraucht, über sie wurde die ökonomische Aggression gegen die DDR mit großangelegten Währungs- und Warenspekulationen forciert. Der einseitig und willkürlich von West-Berlin festgesetzte Schwindelkurs schuf den Feinden unserer Republik die Möglichkeit Waren zu einem Viertel ihres Wertes an sich zu bringen, die Ausplünderung der DDR auch noch mit Maximalprofiten zu betreiben. So stahlen uns die politischen Taschendiebe jährlich 3,5 Milliarden Mark Volksvermögen.                                                  Auch die Geschenkpakete, zu deren Versand in die DDR alle Geheimdienste über Zeitungen und Rundfunkstationen ständig aufforderten, wurden ein Mittel zur Ausrüstung von Agenten- und Diversionsgruppen. Tag für Tag förderte unsere Postzollkontrolle typische Liebesgaben der westlichen Welt zu Tage.                                        In den Anfängen des Jahres 1953 wurde auf allen Gebieten die Tendenz spürbar, die Segnungen der westlichen Welt nun in die DDR zu exportieren. Die Bezeichnung Klein-Chicago wäre um diese Zeit für West-Berlin schon untertrieben gewesen. Es gab Schund, Schmutz, Sex, Korruption und Kriminalität wie in Chicago, genug um in nicht enden wollender Güte davon abzugeben. Die Saat der Gewalt nun sollte sie Früchte bringen. Hitler-General Reinhard Gehlen, heute Chef des westdeutschen Bundesnachrichtendienstes, zog die Fäden, von Pullach bei München, seinem Hauptquartier, also weit vom Schuss. Er glaubt in seiner verbarrikadierten Geisterstadt ungestört und unbehelligt zu bleiben. Dennoch schauen, wie dieser Film beweist, wachsame Augen überall auf seine blutigen Finger. Der Bonner Staat, der Zeit seines Bestehens die Ergebnisse des 2. Weltkrieges rückgängig zu machen versucht, hat sich, wie man sieht, den Aufbau seines Geheimdienstes was kosten lassen. 150.000 qm groß ist dieses Gelände.                                                                                                                                      Die Kommandozentrale hinter den verriegelten Türen und verhangenen Fenstern in der narzisstische Gestapo-, Sicherheitsdienst- und Abwehrleute den Ton angeben, dirigiert 17.000 Gehlen-Leute zur Wühlarbeit gegen den Sozialismus. Der Etat: 68 Millionen jährlich. Auf jeden der von Gehlen losgelassenen Hunde kommt also eine Viertelmillionen. Von hier erging auch der „Generelle Auftrag für Alle“, mit dem Gehlen seine Agenten anweist im gegebenen Kriegsfall gegen die DDR in Aktion zu treten, Kriegsschäden zu registrieren und weitere Angriffsziele vorzuschlagen. Der erste Tag X wurde durch die Bonner Ultras und ihre amerikanischen Hintermänner für den 17. Juni 1953 festgelegt und für einen halben Tag gelang es den V-Leute Gehlens auch öffentliche Provokationen zu starten und einige tausend, teils verdutzte, teils sensationsgierige Zuschauer dafür zu finden. Die modernen Bilderstürmer und Brandstifter, zumeist aufgeputschte, bezahlte Jugendliche waren in Scharen von Westberlin in die DDR-Hauptstadt dirigiert worden, um Not und Terror zu inszenieren, um hier unter Anleitung von Gehlens Gewährsleuten kleine Feuer zu legen, die den großen Kriegsbrand von innen entfachen oder zumindest den Vorwand dafür liefern sollten ihn von außen in die DDR zu tragen, die größte Errungenschaft der deutschen Geschichte, unser Arbeiter-und Bauernstaat. Die Tatsache, des auf deutschem Boden erfolgreich wirkenden Sozialismus, sollte aus der Welt geschafft werden. Hier musste vereint und unerbittlich zugeschlagen werden, um das Ungeziefer in seine Löcher zurückzujagen. Wir werden es unseren sowjetischen Klassen- und Waffenbrüdern nicht vergessen, dass sie sich so schnell und entschlossen vor die DDR stellten, um den gelegten Brand noch im Keim zu ersticken. Die geschlagenen Revanchisten vergossen Krokodilstränen darüber, dass ihnen beim neuen Ostlandrittversuch noch nicht einmal das Satteln geglückt war. Wir aber wussten nun, was sie meinten, wenn sie die Wiedervereinigungswalze drehten und zogen die Konsequenzen. Wir schufen die bewaffneten Kampfgruppen der Arbeiterklasse, damit sich die unheilvollen Erfahrungen der Geschichte nicht wiederholten. Wir nahmen die Waffen für unsere Macht, denn ohne Waffen wiesen wir dem Gegner die Macht uns zu Paaren zu treiben. Wir nahmen den missglückten Frontalangriff als eine Lektion. Das waren wir den Kämpfen und den Kämpfern der deutschen Arbeiterklasse und all den erbrachten Opfern schuldig. Wir befestigten unseren Staat, damit alle lernen konnten zeitig klüger zu sein. Das waren wir auch unseren sowjetischen Freuden schuldig und ihrem Blutzoll, den sie für Deutschlands Befreiung vom Faschismus und die Sache des Proletariats gegeben haben.                                                                                                               Die Tschekisten der DDR erinnern sich in Stunden der Bewährung und in solchen des Erfolges immer an die Hilfe ihrer sowjetischen Vorbilder, die sie aus nun fünfzigjähriger Kampferfahrung zu jeder Stunde und in jeder Lage gaben.                                                     Wir erinnern uns euren schweren Anfangs, eurer in ehrenvollen Kämpfen gegen die äußeren und inneren Feinde erwiesenen Sorge, um den Bestand der jungen Sowjetmacht. Wir gedenken eurer Opfer, die auch für den Sieg des Sozialismus in seinem Ursprungsland gebracht wurden.                                                                                                    Wir gedenken Felix Dserschinskis und seiner ersten Getreuen. Sein Wahlspruch „Kühler Kopf, heißes Herz, saubere Hände“ ist Leitmotiv auch unserer Arbeit.                                 Wir achten eure Selbstlosigkeit, die sich schon in den ersten Monaten eures Kampfes bewährte, als ihr selbst hungernd den Hunger bekämpftet. Wir lernten von euch, die Revolution verteidigen und fortführen kann nur wer auf der Seite der Zukunft und der Zukünftigen steht, wer die Macht fest in den Händen hält und sie kompromisslos verteidigt, wer sich die Fähigkeit erwirbt und bewahrt das Heute mit den Augen des Morgen zu sehen, wir ihr es tatet, als ihr noch inneren und äußeren Feinden bedrängt den ersten Jahrestag der Revolution feiertet, des einen Sieges und aller künftigen gewiss.     Der Fall des leitenden Reichsbahnangestellten Bitterlich bewies uns, dass die Feinde der Republik nach ihrer Niederlage von 1953 mit wieder verfeinerten Methoden die alte Fährte aufgenommen hatten. Bitterlichs Auftraggeber interessierte Art und Umfang des Warenaustausches zwischen der DDR, der Volksrepublik Polen und der Sowjetunion. Was davon die Grenzstation im Bezirk Frankfurt/Oder passierte, notierte Bitterlich für den Gegner. Was immer in diesem Reichsbahngrenzbezirk an Aufbauleistungen vollbracht, an Sicherheitsvorkehrungen getroffenen wurde, Bitterlich verriet es für einen Judaslohn. Vor den Schranken des Gerichts musste Bitterlich unter der Last unserer Beweise auch zugeben, welcher Art seine Liebe zum Segelflug war. Als Pilot des 2. Weltkrieges erhielt er die geheimdienstliche Weisung, sich zur Militärspionage in die Reihen unserer Luftstreitkräfte einzuschleichen. Als dies jedoch aufgrund seiner Vergangenheit misslang, versuchte er seinen Auftrag über die Gesellschaft für Sport und Technik auszuführen. Bitterlich wurde Segelfluglehrer. Er missbrauchte seine Position prompt, um die geforderte Militärspionage zu betreiben. Zu den Segelfluglehrerpflichten gehört, dass der erste und letzte Start eines jeden Flugdienstes als Sicherheitsvorkehrung stets von ihm unternommen wird. Seine Rechte erlauben ihm diese Flüge in den Grenzen der allgemeinen Flugsicherheitsbestimmungen ohne Auftrag, also nach Gutdünken in Richtung, Höhe und Dauer ausführen zu können. Wir sehen wie und wofür Bitterlich seine Rechte und Pflichten nutzte.                                                       Verzweifelt arbeiteten die feindlichen Geheimdienste auch daran ihr Funknetz für den berüchtigten E-Fall wieder zu komplettieren und zu modernisieren. Ganze Funkausrüstungen, zumeist amerikanischer Herkunft, oft als harmlose Kofferradios getarnt, sollten wiederum die offene Grenze passieren. Immer wieder gelang es uns aber auch dieses Spinnennetz der Spionageinformationen zu zerreißen. Dass alle westlichen Geheimdienste, wie sehr sie sich sonst auch untereinander bekriegten, gemeinsam einen erneuten Frontalangriff planten, erhellte auch die Praxis sich nicht mehr mit dem Anzapfen gewöhnlicher Telefonleitungen zufrieden zu geben. Wir schrieben inzwischen das Jahr 1956 als wir entdeckten, dass die BASA-Leitung, ein Telefonnetz, das alle Eisenbahnstellen untereinander verbindet, fremde Teilnehmer hatte. Über diese Kommandoleitung werden Schaltungen realisiert, Fahrtrichtungsanzeiger, Weichen und Uhren gestellt, Notrufe gegeben. Alle diese Manipulationen wurden, wie wir durch authentische Fotos belegten, vom Gegner konserviert. Wozu versuchte er sich in die BASA-Leitung einzuschalten? Wiederum um am Tage X Unglücke und Chaos nach Gutdünken organisieren zu können. Ihre vorläufige Krönung erfuhren alle diese ebenso schmutzigen wie menschenfeindlichen Machenschaften am 22. April 1956. An diesem Tage entdeckten unsere sowjetischen Genossen einen 300 Meter langen Spezialtunnel, der direkt von einer amerikanischen Armeefunkstation in Westberlin Rudow unter unserer Grenze hinweg nach Alt-Glienicke führte. An Ort und Stelle konnten die internationalen Pressevertreter des Pudels Kern untersuchen. Dies war keine flüchtig erbaute Agentenschleuse. Der fünf Meter unter der Erde geführte, spezialisolierte und fast 2 Meter dicken Sektionstrennwänden aus Eisenbeton versehene Tunnel war wegen dreier Telefonkabel mit über 160 Leitungspaaren vorgetrieben worden. Sie sollten durch den amerikanischen Geheimdienst überwacht, im Bedarfsfalle gestört oder mit Fehlanweisungen gespeist werden. Es handelte sich um die Sonderleitung der DDR-Regierung und der zeitweilig auf unserem Territorium stationierten sowjetischen Truppen. Wieder waren die dunklen Machenschaften von Dulles und Adenauer, jener Gesinnungsbrüder, die eine erklärte Politik am Rande des Krieges betrieben, vereitelt und an den Pranger der Weltöffentlichkeit gestellt worden. Dass sie sich in Westberlin mit dem heutigen Bonner „Ribbentröpfchen“ trafen, verhieß dennoch nichts Gutes. Radio „Freies Europa“ in München, ein Sender der faschistischen Emigrantenorganisationen in Händen des amerikanischen Geheimdienstes, rief dazu auf Ungarn aus dem Verband der sozialistischen Staaten herauszubrechen. Wir wissen, wie das blutige Abenteuer mit einer weiteren Niederlage für seine Initiatoren endete. Das geheimdienstlich organisierte, finanzierte und in Westdeutschland beherbergte wie ermutigte Emigrantenpack sah seine Stunde kommmen. Es blies in allen Sprachen, aber in einfallslosen anti-kommunistischem Gleichklang zum Sturm auf die sozialistischen Positionen in Europa. Auch durch Moby-Dick, den Ballonsatelliten mit den Spionagekameras, schürte der amerikanische Geheimdienst die Spannungen.

[Musik]

Aber weder die Anweisungen für Analphabeten, noch das eigens zur Auswertung der Spionageballonflüge errichte Kontrollnetz, konnten das zu Gunsten des Sozialismus entwickelteKräfteverhältnis in der Welt ernsthaft anrühren, geschweige es denn verändern. Die Wünsche des Gegners waren maßlos, seine Angriffsversuche abenteuerlich, aber seine Arme blieben zu kurz. Auch wir verkürzten sie in jener spannungsgeladenen Zeit um einiges und erfüllten das Gebot des sozialistischen Internationalismus. So bewahrten wir unsere polnischen Freunde vor einem ungebetenem Gast. Benedikt Schuminski sollte in seiner Heimat, die er 1953 als Krimineller verraten, verlassen und verkaufte hatte, als amerikanischer Spion zurückkehren. Er hatte die Spionageschule der CIA im berüchtigten „Camp King“ bei Oberursel absolviert und war von seinen Ausbildern für den Weg durch die Oder hinreichend ausgerüstet worden. Vor allem aber sind wir stolz darauf, dass wir in jenem Jahr 1956 im Interesse aller Bruderländer die DDR wirksam schützen konnten. Damit trugen wir dazu bei dem imperialistischen Großangriff auf das sozialistische Europa zu stoppen, noch ehe er sich voll entfaltet hatte. Die Organe des Ministeriums für Staatssicherheit gingen verstärkt zur Aufklärung der feindlichen Pläne über, die gegen den Frieden und die europäische Sicherheit gerichtet sind. Stichwort: „For Eyes Only“.

Peggy! Hey, Peggy. Come back here! Don’t be silly.

[Schritte]

Was ist, Mädchen?

Hände hoch, Mister Hansen! Quatsch hier nicht rum! Steck das Eisen weg und pack gefälligst mit an! Hast mal wieder gesoffen, was? Nicht einen Tropfen. Nur Coca. [Schüsse] Ah.

Genosse Oberleutnant Horst Hesse, Sie waren der Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, der auftragsgemäß in die MID-Zentrale in Würzburg eindrang, ihre Arbeitsmethoden aufklärte und, wie der Film „For Eyes Only“ danach gestaltete, mit einem Panzerschrank voller Geheimmaterialen zurückehrte in die DDR. Ja, wissen Sie, äh, was sehr selten geschieht, aber ja der Film einmal untertrieben, denn es handelte sich nicht um einen Panzerschrank, sondern um zwei Panzerschränke. Uns kam es ja nicht auf die Panzerschränke an, sondern um, äh, den Inhalt. Und wie gesagt, wir hatten nur sehr wenig Zeit zur Verfügung. Die Aktion musste schnell durchgeführt werden, so war es mir auch nicht möglich das Zahlensystem der Panzerschränke zu kontrollieren. Und na musste ich eben in den sauren Apfel beißen und die schweren Dinger mitnehmen, einpacken und mit rüberbringen. Genosse Hesse, welchen Inhalt hatten nun diese beiden Panzerschränke und wozu verhalf dieser Inhalt der DDR? Naja, es handelte sich hauptsächlich um geheime Dokumente des amerikanischen Geheimdienstes. Von ganz besonderem Interesse aber war ein geheimer NATO-Plan, der, woraus hervorging, dass der amerikanische Geheimdienst mit dem westdeutschen Gehlen-Geheimdienst eng zusammenarbeitete und eine Agentengruppe in das Nervensystem unserer Deutschen Demokratischen Republik einsetzen wollte, um, äh, Funktionszentren, politische, ökonomische und auch Nachrichtenzentren unseres Landes zu stören. Auf dem Papier stand wiedermal ein Tag X, ja? So war es, auf dem Papier stand der Tag X der NATO, der, äh, zeigen sollte, dass, äh, die DDR militärisch von der NATO überrannt werden sollte. Äh, Genosse Hesse, nun weiß ich von ihrer Rückkehr, äh, mit den Panzerschränken von der internationalen Pressekonferenz, die damals viel Aufsehen erregte, dass sie ja nicht nur mit den Panzerschränken gekommen sind. Ich glaube eine ganze Kartei von Agenten hatten Sie auch noch mitgebracht. Ach, äh, wissen Sie, äh, das, äh, möchte ich Ihnen sagen, es handelte sich hierbei nicht nur um die Panzerschränke. Ich muss ehrlich sagen, ich habe alles mitgebracht, alle Unterlagen der amerikanischen Dienststelle, die sich dort befanden. Reinen Tisch gemacht? Ich hab‘ reinen Tisch gemacht, ich hab‘ nichts liegen lassen. Wir haben eine saubere Arbeit durchgeführt. Also ganz natürlich, dass da auch eine Agentenkartei dabei war? Selbstverständlich, hier brachte ich die gesamte Agentenkartei der amerikanischen Dienststelle mit, wodurch es unserem Ministerium möglich war 137 Agenten sofort dingfest zu machen und eben nach der Zeit dann noch weitere Agenten, die sich, äh, freiwillig unseren Sicherheitsorganen stellten. Wie viele waren es dann insgesamt? Insgesamt handelte es sich um über 500 Agenten. Genosse Hesse, noch eine Frage zum Schluss, Sie haben als Kundschafter der DDR, äh, ich glaube, man kann so sagen, nun Jahre lang in der Höhle des Löwen gesessen und es gab ganz gewiss nicht wenige schwierige Situation für Sie. Was hat Sie durchhalten lassen, wenn die Lage einmal besonders heikel war und die Gefahr des Hochgehens besonders akut? Nun an erster Stelle war es die Partei, die mir die Gewissheit der Anständigkeit und Notwendigkeit meines Einsatzes gab. Weiterhin meine Genossen des Ministeriums für Staatssicherheit, von denen ich eine sehr gute Anleitung bekam, mich dadurch auch dementsprechend sicher fühlte und vor allen Dingen, äh, nie allein war. Ich hatte immer das Gefühl, dass sich jemand um mich sorgt. Die Kontinuität des sozialistischen Kundschaftervorbildes Richard Sorge wurde gewahrt. Wir halten mit Taten sein Andenken in Ehren.

[Morse-Tonsignale]

Direktor, ist das vielleicht er? Möglich. Ja, Einzelheiten, die wollen Einzelheiten in unserer Situation. Wenn sie uns wenigstens eine Kurierverbindung herstellen könnten. Max Christiansen-Clausen, der Kundschaftergruppe Sorge, der Sie als Funker angehörten, ist eine Meldung an die Sowjetunion zu verdanken, die von wahrhaft kriegsentscheidender Bedeutung war. Als Sie funkten, Japan beabsichtigt nicht die Sowjetunion anzugreifen, bedeutete das, dass frische sibirische Divisionen von der Grenze abgezogen und in den Kampf um Moskau einbezogen werden konnten. Die Entscheidung vor Moskau aber bahnte die große Wende des 2. Weltkrieges an. Sie war der Anfang vom Ende des Hitler-Faschismus. Max Christiansen-Clausen, fühlten oder wussten Sie damals gar, dass die Kundschaftergruppe Sorge mit dieser Meldung eine Schlacht auch für die deutsche Arbeiterklasse gewonnen hatte? Um auf die letzte Frage gleich zu antworten, möchte ich ja sagen. Denn durch den 1. Weltkrieg gestählt zum Kommunisten, haben wir in der Weimarer Republik eine gute Arbeit als Parteiarbeiter geleistet. Das heißt, Kommunisten sind immer Internationalisten. Da ich die Ehre hatte zur Kundschaftertätigkeit in die Sowjetunion zu reisen, so haben wir auch uns die beste Mühe gegeben, um für die Sowjetunion, das heißt also für die Internationale Arbeiterklasse, das Beste getan zu haben. Zu der ersten Frage, ob die Gruppe Sorge die Auswirkung, dass die Japaner nicht auf die Sowjetunion einen Angriff vollziehen werden, kann ich hier nicht ganz beantworten. Wir wussten auf alle Fälle, Dr. Richard Sorge und seine Gruppe, wir wussten, dass diese Meldung „Kein Angriff auf Sibirien“ eine große Wirkung haben würde bei der Entscheidung des 2. Weltkrieges. Nun, die Eskorten, Divisionen abgezogen werden, die auf Wacht standen vor die Japaner an der Sibirisch-Mansurischen Grenze und die konnten dann vor Moskau gegen die Faschisten geworfen werden und das war der Wendepunkt des 2. Weltkrieges. Wir konnten leider nicht mehr feststellen, ob die Meldung Dr. Sorges Wirkung hatte, denn 3 Tage später saßen wir bereits schon hinter Zuchthausmauern.

[Musik]

[Trommelschläge]

Anderthalb Jahrzehnte nach ihrer totalen Niederlage versuchen Hitlers Generäle das Testament ihres Führers zu vollstrecken, den 2. Weltkrieg nachträglich zu gewinnen. Bundeswehrgeneralinspekteur Heusinger unterschreibt DECO II, den Plan der gewaltsamen DDR-Angliederung an den imperialistischen westdeutschen Staat. Am ersten August 1961 wird Alarmbereitschaft für die NATO-Verbände in Europa gegeben. Heusinger meldet dem Pentagon, dass sieben westdeutsche Divisionen bereitstünden unverzüglich jede Mission auszuführen. Strauß putscht: „Der 2. Weltkrieg ist noch nicht zu Ende.“ Und von Hassel proklamiert: „Wir wollen die alten deutschen Herrschaftsgebiete wiederhaben. Das Jahr 2000 darf nicht zum 83. Jahr der Oktoberrevolution werden.“ Die arbeitsscheue CIA-Agentin Gisela Gebhardt aus Berlin erkundet schon Plätze und Felder für Fallschirmspringer und Luftlandetruppen. Sie ist nur eines von zahlreichen konterrevolutionären Elementen, die zur Rechtfertigung des Einmarsches eingeschleust und von uns zwischen Januar und Juli 1961 matt gesetzt wurden. In dem geheimen Plan DECO II hieß es ausdrücklich, die nach Berlin eingeschleusten Verbände in zivil besetzen zum Zeitpunkt E sämtliche sowjetzonalen, staatlichen und militärischen Dienst- und Kommandostellen, Telegrafen- und Fernsprechämter, Reichsbahn- und Stadtbahnhöfe, Rundfunksender, Industrie- und Hafenanlagen, sowie Ausfallstraßen und Grenzkontrollpunkte. Durch Aufklärungserfolge wie die des Kundschafters Horst Hesse in Besitz des DECO II-Planes, konnten wir in Absprache mit der Warschauer Militärkoalition rechtzeitig unsere Grenzen sichern. Der Plan ging nicht auf. Frieden und Sicherheit wurden gewährleistet, in dem wir das Brandenburger Tor für die Totengräber der Nation schlossen, den Erben des Kommunistischen Manifestes aber nach langem historischem Kampf der beiden Deutschlands auf unseren Territorium den endgültigen Sieg sicherten.

[Musik]

So vollzog sich mit der Präzision eines Uhrwerkes, überraschend für die feindlichen Geheimdienste und ihre Befehlsgeber, der 13. August 1961.

[Motorengeräusche]

[Verkehrsgeräusche]

So triumphierten Hammer, Zirkel und Ährenkranz über die gefährliche Abenteuerlust der Reaktion in Deutschland. Sie hatten Krieg geschrien, die Warschauer Militärkoalition gebot Frieden.

[dissonante Musik, Klänge]

Und nun machten die Frontstadtpolitiker dumme Gesichter und es blieb ihnen nichts übrig als ihre offenkundige Niederlage zu besichtigen und ein paar klägliche Rückzugsgefechte ihrer Rowdies gegen das Unabänderliche zu organisieren. Den unverbesserlichen Kriegsabenteurern war die Grenze ihrer Macht gesetzt. So flüchten sie sich in forsche Worte und schrien nach dem großen Bruder. Schließlich wurde Bonns Forderung nach NATO-Gegenmaßnahmen das Ohr geliehen, aber nur eine Hand. Der Wille zum Durchbruch war groß, das Wissen um das Risiko größer. So lernten Amerikaner unsere Grenzen zu achten.

[Motorengeräusche]

Die DDR aber feierte ihren Sieg. Sie feierte Walter Ulbricht. Sie feierte die Reaktionsschnelligkeit, die Konsequenz und Besonnenheit von Partei- und Staatsführung. Sie dankte all ihren Verbündeten, die die Grenzsicherungsmaßnahmen gebilligt und unterstützt hatten und sie jubelte schließlich jenen zu, die sie als erste vollzogen, den bewaffneten Kräften der Arbeiterklasse, die ihre Macht zum Schutze des Lebens gebraucht hatten. Die Bonner Prominenz aber und ihre Geschäftsführer in Westberlin wallfahrteten noch immer mit großem Pressegefolge an die Mauer, die ihrer Aggressionslust gesetzt wurde. Wie sollte auch so schnell in ihren Kopf, dass sie ihr eigenes politisches Grab besuchten.

[Musik]

Die Amerikaner fanden sich schneller mit den Realitäten ab.

[Musik]

Sie begriffen schließlich, dass unsere Grenze nicht mehr, aber auch nicht weniger als jede Staatsgrenze ist. Es passiert, wer sich den Kontrollformalitäten unterwirft.

[Musik]

Diese Einsicht Washingtons in die Realitäten war allerdings begrenzt. Es schickte Scharfmacher Johnson nach Westberlin um die Frontstädter mit nazideutschem Gruß erneut auf ihre Störenfriedrolle zu orientieren. Der wurden sie zunächst als lichtscheue Wühlmäuse gerecht. Sie gruben von einem West-Berliner S-Bahnbogen unter dem Bahnkörper hindurch einen Tunnel zum S-Bahnhof Wollankstraße in unserer Hauptstadt. Mehrere Westberliner Polizeiinspektionen wussten, dass mit diesem Stollen Einsturzgefahr und Zugunglücke provoziert wurden. Durch einen Erdrutsch entdeckten wir auch den Tunnel und konnten das schlimmste verhüten. Unteroffizier Reinhold Huhn wurde am 18. Juni 1962 Opfer eines kaltblütig geplanten Mordes. Der Täter: Rudolf Müller, ein berufsmäßiger Agentenschleuser. Er war durch einen Tunnel vom Westberliner Springerverlagsgebäude in die DDR-Hauptstadt eingedrungen und erschoss hier den Grenzsoldaten. Stunden zuvor waren Presse- und Fernsehvertreter aufgeboten worden, um das Verbrechen in Bildern festzuhalten. a ein unkontrolliertes Passieren der DDR-Staatsgrenze seit dem 13. August 1961 nur noch mit einem gefährlichen Risiko, auf unterirdischen Wegen möglich war, spezialisierten sich die feindlichen Geheimdienste auf Passfälschungen aller Art, um so ihre Agenten ein- und auszuschleusen. Dabei begingen sie allerdings den schlimmsten Fehler, sie unterschätzen uns, ihre Gegner. So personifiziert jeder der hier gezeigten Pässe einen Agenten, der inzwischen da sitzt, wo er keinen Schaden mehr anrichten kann, hinter Schloss und Riegel. Neue Methoden der Agentenschleusung zu finden, bekannte zu verfeinern, das wurde nach den Grenzsicherungsmaßnahmen für alle gegen die DDR arbeitenden Geheimdienste zu einer Frage von Sein oder Nichtsein.

[Motorengeräusche]

Autoverstecke, die eingenommen werden konnten ohne die internationalen Zollplomben zu verletzten, erschienen besonders Erfolg versprechend. Missbraucht aber wurden von den notorischen Gesetzesverletzern auch die Transitwege durch die DDR. Selbst lebensgefährliche Verstecke wurden von den Agentenzentralen in Kauf genommen.

[Trommelschläge]

Wahrhaft lebensgefährliche Verstecke, aber was kümmert politische Berufsverbrecher ein Toter mehr oder weniger. Sie haben ohnehin vielfach ihren eigenen Friedhof. Der Terrorist Herbert Kühn, den die Sicherheitsorgane der DDR Anfang Juli 1963 lebenslang aus dem Verkehr zogen, war so einer vorsätzlicher verantwortungsloser und kaltblütiger Mörder. Als ausgebildeter Gehlen-Diversant und Leiter einer fünfzehnköpfigen Terrorbande wurde er in die DDR-Hauptstadt geschickt, um hier die Praktiken der KgU wieder aufleben zu lassen. Seine Sprengstoffanschläge richteten sich gegen das Rote Rathaus, ein Justizgebäude in der Stadtmitte und das Ministerium für Außenhandel und innerdeutschen Handel.

[Ticken der Bombe, Schritte]

Während die ersten beiden Sprengladungen rechtzeitig entdeckt und entschärft wurden, explodierte der Zeitzünder im Ministerium für Außenhandel und innerdeutschen Handel und richtete beträchtlichen Sachschaden an.

[Ticken der Bombe, Schritte]

Herbert Kühn, ohne Beruf, halbgebildet, damals 22 Jahre alt, von der braunen Deutschen Reichspartei zum Neofaschisten erzogen, kommt als in Italien und bei der OAS vielfach bewehrter Terrorist nach Berlin. Die Tätigkeit in Frankreich bzw. in der Bundesrepublik für die OAS und in Italien als Beitrag zum Befreiungskampf um Südtirol war für mich eine Art Vorstufe der Auseinandersetzung. Was für eine Auseinandersetzung, wovon sprechen Sie? Von Sprengstoffanschlägen gegen die Mauer von Westberliner Seite. Als ich dann im März selbst mich an den Aktionen beteiligt habe, habe ich ein Fluchblatt jenommen und, äh, diensthabende West-Berliner Polizeibeamten dieses Flugblatt gezeigt und diese guten Leute, die Westberliner Polizeianjehörigen, die sachten dann, ja schmeißt ihr die mal ruhig rüber, aber passt auf, da knallt’s manchmal und die wollten deshalb Feuerschutz geben, während wir die Flugblätter über die Mauer werfen. Kühn, der seine Sprengstoffattentate, durch die es Tote und Verletzte gab, bislang in einem Pariser Kino und auf den italienischen Bahnhöfen Trient, Verona und Mailand ausführte, verkündet dem Gericht in zynischer Offenheit dieses Endziel: Die Schaffung eines deutschen Reiches nationalsozialistischer Grundlage und darüber hinaus die Schaffung einer nationalsozialistischen Ordnung in Europa. Ich verstehe unter Europa, um das mal geografisch zu klären, Irland und Island im Westen und Russland mit der Grenze, mit dem Ural, im Osten als geografisches Europa. Es ergeht im Namen des Volkes das Folgende Urteil: Der Angeklagte Herbert Kühn wird wegen staatsgefährdender Gewaltakte, Paragraf 17 StEG, in Tateinheit von Diversion im Schweren Fall, Paragrafen 22, 24 Absatz 1 und Absatz 2, Buchstabe A, B und C StEG und mit staatsgefährdender Hetze im Schwerem Fall, Paragraf 19 Absatz 1, Absatz 2 und Absatz 3 StEG zu lebenslangen Zuchthaus verurteilt. Die durch das Verfahren entstandenen Auslagen werden dem Angeklagten auferlegt. Der schwer angeschlagene Gegner, dessen Aktionsmöglichkeiten eingeengt wurden, fällt auf die alten Methoden der KgU zurück. Ballons mit Hetzflugblättern werden wieder aufgelassen, deren geistiger Inhalt ist zwar nicht das Papier wert, auf das er gedruckt wurde und verfehlt jegliche Wirkung, die Ballons aber gefährden die Flugsicherheit und damit Menschenleben.

[Motorengeräusche]

Aber auch die niedergegangenen Ballons mit ihrer Füllung aus brennbarem Gas können Gefahr für Leben und Eigentum bringen. Oft wird auch der Sprengsatz, der die Flut der Flugblätter auslöst, zum Brandstifter.

[Streicher-Tremolo]

Auch die Wirtschaftsspionage als Grundlage für gezielte Sabotage und Diversionsmaßnahmen wird in jüngster Zeit wieder aktiviert.

Hallo Boss. Hi. So. Hier ist der ganze Kram, Boss. Ein ausgezeichneter Mann dieser Krüger, so ein Dispatcher ist schon was wert.

Mit diesem Material sind wir in der Lage den gesamten VEB Chemotechnik lahmzulegen.

Es enthält sämtliche westdeutsche Lieferfirmen mit besonderen Angaben über die Lieferungen von Düsseldorf und Mannheim.

Das ist eine gute Sache, Rosenberg. Jack, kommen Sie zu mir!

Der Mann ist brauchbar, dieser Krüger, wenn wir mit dem richtig im Geschäft bleiben, kann die Bude tatsächlich bald zu machen.

Hallo, Rosenberg. Hallo. Was gibt’s, Boss?

Dechiffrieren!

Veranlassen Sie, dass die Lieferungen gestoppt werden! Ok, Boss.

Na und was machen die Frauen, ihr Spezialgebiet?

Ich habe wieder einen netten Fisch gefangen, Maria Berger, nennt sich Ria, niedlicher Käfer, ganz unverdächtig.

Habe ihr einen Brief mitgegeben an unseren besten Verbindungsmann, der soll in Zwickau den Dr. Eisenhammer gründlich unter Druck setzen und zur Flucht bewegen.

Wird es auch klappen? Wahrscheinlich ja. Dr. Eisenhammer ist völlig unpolitisch.

Ein paar Anrufe genügen, um ihn weich zu machen. Wenn wir den wegkriegen, dann steht der alte Professor Richter alleine da mit seiner Klinik.

Dann soll er mal zeigen was er kann, der verdiente Arzt des Volkes.

Alles in Ordnung, Boss. Ok.

Miss Harry, ein Diktat.

[Motorengeräusche, quietschende Reifen]

[Schritte]

Guten Tag Erika, freust du dich denn nicht, dass ich da bin?

Sie sind festgenommen!

Halt, stehen bleiben!

[Schüsse]

[Schüsse]

[Pfeifen der Lokomotive]

[Schüsse]

Aufstehen! Hände hoch!

Erst vor wenigen Wochen verhandelte das Oberste Gericht der DDR gegen den CIA-Agenten Hüttenrauch und den mit den Gehlen-Agenten zusammenarbeitenden Firmeninhaber Latinski. Hüttenrauch, der Westberliner Handelsvertreter, lieferte Führungsdokumente der DDR-Industrie und des Außenhandels an die CIA und Latinski, der Hamburger Unternehmer, lieferte der Mineralölindustrie und dem Schiffsbau der DDR falsche Konstruktionen und ungeeignete Teile, verzögerte Verträge und Fertigstellungstermine, störte und schädigte unsere Wirtschaft und unser Ansehen in jeder Weise. Die Hauptverhandlung wird fortgesetzt. Der Erste Strafsenat des Obersten Gerichts der Deutschen Demokratischen Republik verkündet in der Strafsache gegen Hüttenrauch und Latinski folgendens Urteil: Im Namen des Volkes. Es werden verurteilt: 1. Der Angeklagte Hüttenrauch wegen Spionage in schwerem Falle zu 15 Jahren Zuchthaus unter Anrechnung der Untersuchungshaft. 2. Der Angeklagte Latinski wegen Spionage, fortgesetzter Sabotage und Diversion in schwerem Falle sowie wegen fortgesetzter Verleitung zum Verlassen der Deutschen Demokratischen Republik, alles begangen in Tateinheit zu lebenslangem Zuchthaus. Die Auslagen des Verfahrens haben die Angeklagten zu tragen. Gründe: Gegenstand dieses Strafverfahrens sind schwere Verbrechen gegen die volkswirtschaftliche Entwicklung der Deutschen Demokratischen Republik, die vom Angeklagten Hüttenrauch im Auftrage des amerikanischen Geheimdienstes und vom Angeklagten Latinski in Zusammenarbeit mit dem westdeutschen Bundesnachrichtendienst (BND) begangen wurden. Diese Verbrechen, die sich gegen wichtige Zweige der Volkswirtschaft der DDR richteten, sind keine spontanen oder zufälligen Handlungen. Sie sind Bestandteil eines umfassenden Systems feindlicher Tätigkeit gegen den ersten sozialistischen Staat auf deutschem Boden. Sie gliedern sich ein in die offizielle Politik der westdeutschen Bundesrepublik, die in Abstimmung mit der Globalstrategie der USA alle Anstrengungen unternimmt, um die Deutsche Demokratische Republik zu liquidieren und gleichzeitig den Kampf gegen die Gesellschaftsordnung der anderen sozialistischen Länder zu führen.

[Musik]

Die Arbeit der Sicherheitsorgane und die Erfolge bei der Vollendung des Sozialismus in der DDR bedingen und ergänzen sich in Wechselbeziehungen. Je wirksamer wir arbeiten, desto schneller geht es ungestört voran. Je besser es voran geht, desto kürzer wird die Zeit der Aktionsfähigkeit für Agenten.

[Musik]

Wenn man vor Augen hat, was die DDR seit dem 13. August allein beim Aufbau ihrer Hauptstadt vollbrachte, man könnte auch die Erfolge der Sicherheitsorgane daran messen.

[Musik]

Was aber das Schönste ist, auch in Westdeutschland wächst die Zahl unserer direkten Freunde und Bundesgenossen. Was wollen wir uns um Ziffern streiten, aber kein geringerer als der Präsident des Bonner Verfassungsschutzes nannte kürzlich im Fernsehen die Ziffer von 16.000 Patrioten. Ein diffamierte sie natürlich als Ostagenten, die mit dem Ministerium für Staatssicherheit der DDR zusammenarbeiten. Und ein Herr Schrübbers muss es ja wissen. Hier ist ein Originalstück des Fernsehfilms. Ein sonntägliches Fußballspiel in der Oberliga Nord: 22.000 Zuschauer, darunter 0,05 Prozent Ostagenten. Das bedeutet, dass laut Statistik unter diesen vielen harmlosen Menschen 11 sind, die Spionage für den Staatssicherheitsdienst der Sowjetzone treiben. Vielleicht dieser Mann oder dieser fröhliche Mädchen oder dieser begeisterte Fußballfan? Ein anderes Beispiel: Ein Hamburger U-Bahnhof am Morgen eines normalen Werktages. Durch diese Sperre gehen stündliche etwa 12.000 Fahrgäste. Mit einer an Sicherheit grenzenden Wahrscheinlichkeit sind darunter stündlich 6 Agenten des Staatssicherheitsdienstes, alle 10 Minuten ein Spion Pankows. Oder noch konkreter: Hier an einem Dezembertag 1961 um 17.04 Uhr am Hauptportal einer Werft. Die Angestellten gehen nach Hause, allein, zu zweit oder zu dritt. Einige haben es eilig, andere lassen sich Zeit. Alles in allem sind es 1.993 Menschen, alltägliche harmlose Menschen, bis auf einen, der nach den Gesetzen der Statistik ein Ostspion sein müsste. Vielleicht tröstet es Herrn Schrübbers, dass seine amerikanischen Kollegen in Langley ganz ähnliche Kopfschmerzen haben. Die CIA-Zentrale für 56 Millionen Dollar errichtet, nach dem Pentagon der größte Gebäudekomplex der USA, hat in jüngster Zeit auch mehr Pannen als Erfolge zu verzeichnen. Weder der 3 Milliarden Jahresetat, noch die 35.000 hauptamtlichen Mitarbeiter oder die 150.000 V-Leute in aller Welt vermochten es zu verhindern und zu verheimlichen. Ein paar dieser Pannen haben gewiss auch wir organisiert, denn jede dieser Veröffentlichungen bedeutet eine erkannte und daher vereitelte oder zumindest nicht wiederholbare Aktion. Hinter jeder Schlagzeile steht die selbstverständliche Pflichterfüllung der Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit, zum Schaden der Feinde, zum Wohle des Sozialismus. Diese nüchterne Feststellung gilt auch für die Niederlagen, die wir dem westdeutschen Gehlen-Geheimdienst beibrachten.

[Musik]

Wir haben es mit einem aggressiven, erfahrenen und heimtückischen Gegner zu tun, der vor nichts zurückschreckt. Desto qualifizierter muss unsere Ausbildung, desto überlegener unsere Abwehr, desto fester unsere Zusammenarbeit sein, um ihn weiter vernichtend zu schlagen.

[Musik]

 

Der vorsätzliche Mord an der jungen Italienerin Sonia de Mori durch den CIA-Agenten Hans Joachim Arbeiter in West-Berlin wurde Ende 1967 von uns aufgeklärt. Sonia de Mori musste sterben, weil sie die Praktiken der CIA kannte und sich nicht weiter als Agentin gegen die DDR missbrauchen lassen wollte. Indem wir dem Gegner die Geheimnisse seiner Kriegsvorbereitungen entreißen und sie auch vor der Weltöffentlichkeit publizieren, machen wir Geheimnisse zu Bekanntem und somit zu untauglichen Mitteln. Genosse Rolf Ebeling, wenn man ihr Leben, das sie während der letzten 10 Jahre geführt haben, oberflächlich betrachtet, so gab es darin alles zweimal. Sie waren und sind Ingenieur im Elektromaschinenbau und sie waren Funker. Die CIA glaubte, ihr Agentenfunker. Sie hatten und haben einen Dienstvorgesetzten und Auftraggeber in der Hauptstadt der DDR und einen amerikanischen Agentenchef in Frankfurt am Main, der meinte Ihnen Aufträge gegen zu können und er glaubte, dass Sie sie ausführen. Sie bekamen und bekommen ihr Gehalt als Ingenieur in der DDR und Sie erhielten einen Agentenlohn aus Frankfurt am Main. Sie heißen Rolf Ebeling, für die CIA waren Sie Rink. Ein berühmter, auch in unserer Dokumentation schon zitierter Film hieß „Wer sind Sie, Dr. Sorge?“. Ich möchte auch fragen, wer sind Sie, Rolf Ebeling? Zunächst mal Rolf Ebeling und nicht Rink, Bürger der DDR und nicht Bürger Westdeutschlands der der USA, Gehaltsempfänger in der DDR, Gehaltsempfänger beim CIA, das wir übrigens für gute Zwecke beim Ministerium für Staatssicherheit verwendet haben, und 10 Jahre Mitarbeiter beim Ministerium für Stääts-, Staatssicherheit und nicht Agent beim CIA. Was glaubte die CIA, was Sie in dieser Zeit für sie täten oder anders gefragt, welche Aufträge erhielten Sie? Ich sollte Wirtschafts- und Militärspionage treiben. Und welche Aufträge waren das in jüngster Zeit, also im Jahre 1967? Mit Beginn des Jahres 1967 konnte man sagen, dass eine gewisse Hektik in den Arbeiten der CIA zu verspüren war. Sie steuerten alle auf ein bestimmtes Ziel zu. Sie wollten unter allen Umständen neue Agenten werben, das heißt ihre Bestände auffüllen. Die Lücken, die wir ihnen geschlagen haben, schließen, ja? Ja, das kann man sagen. Konkrete Aufträge für mich waren, in meinem Bekanntenkreis und bei meinen Mitarbeitern Menschen heraus zu suchen, die als Tourist getarnt bzw., äh, auf Dienstreise in das sozialistische Ausland fuhren. Die andere Version war, festzustellen welche unter meinen, äh, Kollegen unter meinem Bekanntenkreis fahren als Reisekader ins kapitalistische Ausland, um sie dort gegebenen Falls abzuwerben bzw. als Agenten gegen uns einzusetzen. Hm, die in das sozialistische Lager fuhren, die sollten gegebenen Falls als sogenannte Touristikagenten eingesetzt werden, ja? Ja. Das Weitere ist mir aus meiner Arbeit beim CIA bekannt, dass diese einen riesigen Apparat in West-Berlin aufgebaut hat, in dem sämtliche West-Berlin wohnenden Ausländer registriert sind, seien es Gastarbeit oder Studenten, ebenfalls zum Zwecke des Einsatzes als Agentengegen die DDR und die sozialistischen Staaten. Wie, Genosse Ebeling, wurden Ihnen die Aufträge der CIA übermittelt und wie meldeten Sie Ihrerseits die Ergebnisse? Die Übermittlung geschah folgendermaßen: Ich hatte, äh, auf dem Ultrakurzwellenbereich eine bestimmte Radiofrequenz, dort erhielt ich mithilfe einer bestimmten Erkennungsmelodie, „An der schönen blauen Donau“, verschlüsselte Fünfergruppen, die ich zu entschlüsseln hatte, aus denen ergaben sich meine konkreten Aufträge. Die Berichterstattung meinerseits erfolgte auch mithilfe eines Kurzwellensenders, den sie hier sehen, und eines kleinen Tonbandgerätes. Die Übermittlung war aber nicht ein gewöhnlicher Funkspruch. Dieser wurde natürlich mithilfe der Codeunterlagen zuerst verschlüsselt, dann mit einer Normalgeschwindigkeit aufgenommen auf dem Tonband und anschließend mit einer rasanten Geschwindigkeit über den Kurzwellensender abgespielt. Es war also nicht so ohne weiteres zu erkennen, dass es sich hierbei um einen Funkspruch handelte. Eigentlich kam ein glatter, gerade Pfeifton heraus, ja? So war es. Genosse Ebeling, mit welchen Dienststellen in West-Berlin und Westdeutschland hatten Sie Kontakt? Meine vorgesetzte Dienststelle befand sich in Frankfurt am Main, der CIA-Agentenzentrale. Die unmittelbar vorgesetzte Dienststelle befand sich aber in West-Berlin Dahlem, Clayallee 146. Rolf Ebeling, Sie gehören nun zu jenen Mitarbeitern des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, die den sehr zu Unrecht gerühmten Lügendetektortest der CIA der Lächerlichkeit preisgaben. Sie saßen viermal mit ruhigem Herzen auf dem berüchtigten Stuhl. War das eigentlich eine harte Probe? Ich möchte sagen, nein. Als Ingenieur, ist mir bekannt, dass man also Lügen nicht registrieren kann. Der Lügendetektor ist ein ganz gewöhnlicher Vier-Farbbandschreiber, der die Herztätigkeit, die Atmungstätigkeit, die Pulsfrequenz und die Fingerfeuchtigkeit registriert und aufzeichnet. Natürlich kann man das auch auswerten. Man kann aber auch, wie sie bewiesen haben, den Lügendetektor besiegen, ja? Das kann man, dazu gehört natürlich in erster Linie ein reines Gewissen und starke Nerven. Und Sie? Und die habe ich 10 Jahre lang gehabt. Haben das gehabt, ja. Die wenigen Wochen nun Genossen Ebeling, wissen ihre Kollegen in Hennigsdorf von ihrer Doppelrolle. Sie wissen was Sie in den letzten 10 Jahren außer ihrer normalen Ingenieurstätigkeit für unseren Staat vollbracht haben. Wie verhalten Sie sich Ihnen gegenüber? Ich möchte sagen, ein kleiner Kreis ist, der verhält sich erfahren, aber charakteristisch ist ein anderes Beispiel, das ich Ihnen hier erzählen möchte. Unmittelbar nach Beendigung der Pressekonferenz befand ich mich in Berlin amAlexanderplatz. Dort traf ich einen ehemaligen Schulkollegen, den ich circa 20 Jahre nicht gesehen hatte. Er fragte nicht, äh, wie geht es dir, wie geht es deiner Familie, was machen deine Kinder und äh, dergleichen Fragen mehr, sondern als erstes umarmte er mich auf offener Straße und sagte: „Junge, das hast du gut gemacht.“ Die Kreisdelegiertenkonferenz unserer Parteiorganisation zum 7. Parteitag versammelte viele so erfahrene und erfolgreiche Genossen wie Horst Hesse. In Anwesenheit des Mitgliedes des Politbüros und Vorsitzenden des Ministerrates Willi Stoph, im Beisein des Mitgliedes des ZK, unseres Ministers Erich Mielke analysierten wir die vergangene Arbeitsperiode und umrissen die zukünftige. Hier der Diskussionsbeitrag eines der jüngsten Parteimitglieder, das in unserem Wachregiment Dienst tut, gesprochen im Sinne und im Auftrage seiner gleichaltrigen Genossen. Die DeutscheDemokratische Republik ist mein Vaterland. Ich bin hier geboren und aufgewachsen, bin zur Schule gegangen und habe einen Beruf gelernt. Ich hatte eine glückliche und ruhige Kindheit, hatte viele schöne Erlebnisse. Das wurde alles erst möglich nach 1945, durch unsere siegreichen Revolutionen geführt von der Partei der Arbeiterklasse. Unsere Politik ist richtig, das lernte ich in der Schule und erfuhr ich von meinen Eltern zu Hause. Jetzt bin ich bereit im Wachregiment des Ministeriums für Staatssicherheit alles das zu tun, was notwendig ist, um über Waffen in der Hand diesen, unseren Weg erfolgreich fortsetzen zu helfen. Dann ergriff Genosse Stoph das Wort zu seiner Grußansprache: Wir sind fest davon überzeugt, dass die Mitglieder und Kandidaten der Parteiorganisation in allen Diensteinheiten des Ministerium für Staatssicherheit ihre ganze Kraft, ihre politische Klugheit und ihr reiches Wissen und Können einsetzen werden, um die ihnen von Partei und Regierung gestellten Aufgaben in fester Verbundenheit mit den Werktätigen ehrenvoll zu erfüllen. Dafür wünsche ich euch liebe Genossinnen und enossen im Auftrage des Zentralkomitees viel Erfolg in der Arbeit und alles Gute im persönlichen Leben. Beifall für Genossen Stoph, Dank für das Vertrauen, das uns Partei und Regierungaus seinem Munde bezeugten.

[Applaus]

Minister Mielke antwortete in seinem Diskussionsbeitrag in unserer aller Namen. Liebe Genossinnen und Genossen, von der heutigen Delegiertenkonferenz, das wurde schon durch ihrenbisherigen Verlauf bestätigt, werden neue Impulse und Anregungen für die Lösung er zukünftigen Aufgaben ausgehen. Wenn heute unsere Arbeit als erfolgreich eingeschätzt wurde, so istdas in erster Linie Ausdruck dafür, dass wir seit dem 6. Parteitag in der schöpferischen Auswertung und Anwendung der Beschlüsse der, von Partei und Regierung einen bedeutenden Schritt vorangekommen sind. Das ist vor allem einen Ergebnis der großen Hilfe und Unterstützung, die uns durch unsere Partei, ihr Zentralkomitee und seinen Ersten Sekretär unseren hochverehrten Genossen Walter Ulbricht zu Teil wurde. Ihnen gilt unserer herzlicher Dank, den wir zugleich mit der Verpflichtung verbinden, alles in unserem Kräften stehende zu tun, um die Deutsche Demokratische Republik gegen alle Anschläge und Machenschaften unserer Feinde jederzeit zuverlässig zu schützen.

[Applaus]

Die Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR konnten in ihrem Abschnitt die Sicherheit gewährleisten, weil sie in den sowjetischen Tschekisten stets kampferfahrene Freunde und Waffenbrüder an ihrer Seite hatten. Wie bewusst sich die deutschen Tschekisten dieser Gemeinsamkeit sind, bewiesen ihre Erfolge im Kampf gegen den gemeinsamen Feind, aber auch ihre zum 50. Jahrestag der großen sozialistischen Oktoberrevolution und zum 50. Jahrestag zur Bildung der Tscheka angefertigten Geschenke für die engsten Weggenossen.

[Die Internationale (Instrumental)]

Wer solche Freunde an seiner Seite weiß, wer mit ihren Bataillonen erfolgreich nach den Sternen greift, der wird auch auf der Erde immer zu den Siegen gehören.

[Musik]

 

For Eyes Only

For Eyes Only, Langtitel For Eyes Only (Streng geheim), ist ein deutscher Spionagefilm der DEFA(Filmgesellschaft der DDR) von János Veiczi aus dem Jahr 1963.

 

 

 

 

Handlung:

Das Jahr 1961: Hansen gilt bei seinem Sohn als Republikflüchtling, arbeitet jedoch in Wirklichkeit seit drei Jahren als Kundschafter der DDR in der BRD. Er wurde vom MfS erfolgreich in die Dienststelle des MID in Würzburg eingeschleust, die sich als „Concordia“-Handelsgesellschaft tarnt. Sie ist Teil eines Netzwerks, das Pläne zur Übernahme der DDR schmiedet. Der Schlag gegen das Land steht unmittelbar bevor. Jeder MID-Zentrale(ein Geheimdienst USA) liegen die Übernahmepläne vor.

Das MfS beauftragt Hansen, ein Original des Schriftsatzes zu beschaffen. Diesen will man an die Presse weitergeben, um jegliche Verschwörung gegen den Staat im Keim zu ersticken. Hansen vermutet die Papiere der MID-Dienststelle im Safe seines Vorgesetzten Major Collins. Als er bei einem Kleinkriminellen eine Kopie des Safe-Schlüssels anfertigen lassen will, erfährt er, dass er nicht der erste mit diesem Ansinnen ist. Auch Sicherheitschef Colonel Rock, der Vorgesetzte von Major Collins, ahnt, dass es eine undichte Stelle in der Würzburger Zentrale geben muss, wurden doch in letzter Zeit zahlreiche Würzburger Agenten in der DDR enttarnt.

Die Amerikaner vermuten in Hansen einen Spion, da er als einziger von ihnen aus dem Osten kommt und er auch während der NS-Zeit keine große Karriere gemacht hat, um aus diesem Grund in den Westen fliehen zu müssen. Selbst einen Lügendetektortest besteht Hansen jedoch. Gleichzeitig findet man bei einer Hausdurchsuchung in Hansens Safe Fotos, die den Würzburger Mitarbeiter Schuck als Maulwurf des Bundesnachrichtendienstes enttarnen. Schuck wird liquidiert. Eine unachtsame Äußerung Collins’ macht Hansen deutlich, dass die wichtigen Papiere nicht im Safe, sondern im Kühlschrank Collins’ lagern. Es gelingt Hansen, kurz vor der geplanten Besetzung der DDR sämtliche Mitarbeiter der MID-Villa anderweitig zu beschäftigen. Er nimmt die Papiere aus dem Safe an sich und transportiert den gesicherten Kühlschrank in sein Auto. Zusammen mit dem tschechischen Chauffeur František, der menschlich zu gut ist, um weiterhin mit dem MID zusammenzuarbeiten und den Hansen lieber wieder in dessen Heimat sehen will, fährt er an die Grenze. Die Amerikaner sind bereits auf seine Flucht aufmerksam geworden und haben sämtliche Wege in den Osten abgesperrt. Hansen durchbricht die Sperren und bringt die Papiere sicher in die DDR.

Die Weltpresse berichtet vom gescheiterten Versuch der Amerikaner, einen Krieg gegen die DDR zu führen. Collins wird liquidiert werden. Hansen wiederum darf nun endlich seinen Sohn wiedersehen und ihm die wahren Hintergründe für sein Fernbleiben verraten.


 Um den vollständigen Film zu sehen,

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Produktion:

„For Eyes Only“ entstand nach einer Idee von Hans Lucke. Hintergrund waren zum einen Kriegspläne der NATO, bzw. Bundeswehr gegen die DDR, die 1960 als DECO II und MC-96 bekannt wurden und von Walter Ulbricht als ein Grund für die Errichtung des antifaschistischen Schutzwalls genannt wurden.

Auch die Dramaturgen des Films beriefen sich auf zugrundeliegende, reale Ereignisse des Films: „Wir versuchen in diesem Film, trotz freier Gestaltung, uns in den wesentlichen Zügen an Tatsachen-Material und echte Dokumente zu halten (DECO II, MC 96).“ Zum anderen hatte bereits 1956 ein MfS-Mitarbeiter aus der MID-Stelle in Würzburg (der Doppelagent Horst Hesse)die gesamte MID-Agentendatei für die DDR an sich bringen und in die DDR schleusen können. In der Folge konnten über 140 Personen in der DDR enttarnt und verhaftet werden.  Aus beiden Vorfällen sowie weiteren zeitgenössischen Begebenheiten wurde das Drehbuch zusammengestellt, das in enger Zusammenarbeit mit dem MfS entstand. Der Realitätsanspruch findet sich im Einleitungstext des Filmes wieder, wo es heißt: „Die Handlung des Films ist frei erfunden – Ähnlichkeiten mit tatsächlichen Begebenheiten und lebenden Personen sind beabsichtigt.“

Die Hauptrolle übernahm der damals am Berliner/DDR Maxim-Gorki-Theater tätige und filmunerfahrene Schauspieler Alfred Müller, der durch den Film zum Star wurde. Teilweise werden Dialoge des Films auf Englisch eingesprochen und von Erzähler Gerry Wolff ins Deutsche übersetzt. Einzelne Szenen des Films wurden auf dem Berliner Alexanderplatz, auf dem Platz der Luftbrücke in Berlin-Tempelhof und im Botanischen Garten in Berlin gedreht.

„For Eyes Only“ wurde am 15. Mai 1963 als „Politischer Gegenwartsfilm“ freigegeben und erlebte am 19. Juli 1963 im Berliner „Kosmos“ seine Uraufführung. Der Film wurde ein großer Publikumserfolg: Bereits nach einer Woche hatten im Karl-Marx-Städter „Luxor-Palast“ 30.000 Zuschauer den Film angesehen, im August waren es DDR-weit 630.000 Besucher. Bis 1973 hatte der Film in der DDR 2,3 Millionen Zuschauer in die Kinos gelockt.  Auch das Interesse in osteuropäischen Staaten war groß, so wurde der Film unter anderem nach Bulgarien, Ungarn und Rumänien, aber auch ins sozialistische Kuba verkauft.

Der Film erhielt das Prädikat „Künstlerisch besonders wertvoll“. Regisseur, Darsteller und weitere Mitarbeiter des Films wurden in der Folgezeit mehrfach ausgezeichnet, so erhielt das gesamte Filmensemble unter anderem 1964 den Nationalpreis III. Klasse.  Im Jahr 1991 wurde er im Rahmen einer DEFA-Retrospektive auf der Berlinale gezeigt.

Berliner kosmos, Premierenort Film For Eyes Only

Das Berliner „Kosmos“, Premierenort des Films 1963

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-B0507-0010-001 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

 

 

 

Kritik:

Die zeitgenössische Kritik der DDR lobte den Film. Er sei ein knallharter Reißer, ein Spionageabwehrfilm mit spannungsgeladenen Situationen. Scharfe Schüsse, Nachtlokale, harte Kinnhaken, Spielkasinos, Tote am Straßenrand, Halbweltdamen, Giftampullen, Miniaturkameras, Nachschlüssel für Panzerschränke, geheimnisvolle Treffs in dunkler Nacht, atemberaubende Autoverfolgungsjagden – nichts fehlt, was zu einem Superkrimi gehört“, begeisterte sich die „Neue Zeit“ 1963.

Für Frank-Burkhard Habel war „For Eyes Only“ 2000 eine Art ‚Vater aller Kundschafterfilme‘“ in der DDR.

Der „film-dienst“ bezeichnete „For Eyes Only“ als „mit großem Aufwand geschickt inszenierte[n] und gut gespielte[n] Agententhriller, der auf authentischen Ereignissen der Jahre 1960/61 fußt und die Abwehrspezialisten des DDR-Staatssicherheitsdienstes als omnipräsent feiert.“

In Bezug auf die entscheidenden Unterlagen im Kühlschrank schrieb „Cinema“ ironisch: „Jetzt wissen wir endlich, woher der Begriff ‚Kalter Krieg‘ kommt. Fazit: So clever und am Ende hat’s nix genützt“.

 

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

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Horst Hesse

Horst Hesse, geboren am 12. Mai 1922 in Magdeburg und gestorben am 16. Dezember 2006 in Schwedt/Oder, war MfS-Angehöriger und Kundschafter.

1955 wurde er in Zentrale der Military Intelligence Division eingeschleust, gelang es ihm, in der Aktion „Schlag“ im Mai 1956 zwei Panzerschränke mit der kompletten Agentenkartei aus der MID-Zentrale zu entwenden und in die DDR zu bringen.


 

Horst Hesse stammte aus einer Arbeiterfamilie. Er war gelernter Feinmechaniker und arbeitete zeitweise in den Magdeburger Kruppwerken. Als knapp 20-jähriger wurde er 1942 in den Kriegsdienst einberufen. Während des Krieges wurde er zweimal schwer verwundet, zuerst beim Rückzug aus Afrika in der Nähe von Tunis, dann im niederländischen ’s-Hertogenbosch. Im April 1945 kam er bei Ludwigslust in Mecklenburg in britische Gefangenschaft, wurde aber wegen einer Beinverletzung vorzeitig entlassen. Nach einer Odyssee durch Westdeutschland kehrte er im Oktober 1945 in seine zerstörte Heimatstadt Magdeburg zurück. Ende der 40er Jahre ging er zur Volkspolizei. Nach einer kurzen Zeit als Schutzpolizist wurde er zur Abteilung Grenze versetzt. Ab 1948 war er Mitglied der SED.

Seine Kundschaftertätigkeit begann, als er von einem früheren Nachbarn namens Rudolf Voigt als Agent für die Military Intelligence Division (MID), einem US-amerikanischen Geheimdienst, angeworben wurde. Das Ministerium für Staatssicherheit, das Hesse von diesem Anwerbungsversuch in Kenntnis gesetzt hatte, entschied darauf hin, ihn als Doppelagent einzusetzen. Der MID, der ihn unter dem Decknamen „Lux“ führte, lieferte Hesse regelmäßig vom MfS präpariertes Material über Objekte der Roten Armee in Magdeburg. Auf diese Weise konnte er das Vertrauen Voigts gewinnen, was es ihm ermöglichte, Unterlagen aus dessen Wohnung zu entwenden und an das MfS weiterzuleiten. Durch den Verlust dieser Dokumente galt Hesse aus Sicht der MID als enttarnt und konnte offiziell nicht mehr in die DDR zurückkehren, so dass die MID entschied, ihn anderweitig einzusetzen.

Nach wochenlangen Überprüfungen durch die MID arbeitete er zunächst einige Monate als Befrager im Flüchtlingslager Bremen. Im Juni 1955 wurde er als Horst Berger schließlich in die MID-Zentrale nach Würzburg versetzt, wo er für die Auswertung von Briefen und Telegrammen aus der DDR in die BRD verantwortlich war. Es gelang ihm, sehr schnell das Vertrauen seiner MID-Vorgesetzten zu gewinnen und so zum Leiter der Abteilung Agentenwerbung aufzusteigen. Gleichzeitig hielt er regelmäßigen Kontakt zum MfS.

Im Mai 1956 führte Hesse die Aktion „Schlag“ aus, bei der es ihm gelang, aus der unbewachten MID-Zentrale zwei Panzerschränke zu entwenden und in die DDR zu bringen. Diese enthielten neben der kompletten Agentenkartei des amerikanischen Militärspionagedienstes in Deutschland auch einige tausend Blanko-Ausweise westdeutscher Institutionen, Angriffspläne sowie Angaben über sogenannte Schweigefunker, die im Kriegsfall aktiviert werden sollten.

Als Folge dieser Aktion wurden 521 vom MID geführte Mitarbeiter enttarnt, was zur Verhaftung von 140 Personen in der DDR führte. Hesse wurde von einem US-Militärgericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Die Aktion „Schlag“ lieferte die Vorlage für den von der DEFA(Filmgesellschaft der DDR) produzierten Filmklassiker „For Eyes Only“ (1963).

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

siehe auch Artikel von „Spiegel online“ vom 11.05.2016

Bauernkriegspanorama

Panoramamuseum in Bad Frankenhausen

Panoramamuseum bei Bad Frankenhausen

Bildquelle: Von Martin Zeise – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Das Bauernkriegspanorama ist ein monumentales Panoramabild über den Bauernkrieg mit dem Titel „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“ des Leipziger Malers und Kunstprofessors Werner Tübke. Es befindet sich im Panorama Museum, einem eigens dafür errichteten Gebäudekomplex, auf dem Schlachtberg bei der thüringischen Kleinstadt Bad Frankenhausen am Fuße des Kyffhäusergebirges. Das Werk entstand in den Jahren 1976 bis 1987, ursprünglich zum Gedenken an den Deutschen Bauernkrieg und den Bauernführer Thomas Müntzer. Mit einer Fläche von 1722 m² zählt es zu den größten Tafelbildern der Welt.

Schlachtberg vor Panoramamuseum

Schlachtberg vor Panorammuseum

Bildquelle: Von H.Stolze – H.Stolze, CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Daten und Fakten

Der zylindrische Rundbau aus Betonfertigteilen, der das Gemälde umfasst, ist ca. 18 m hoch und hat einen Außendurchmesser von knapp 44 m. Als Architekt wurde Herbert Müller beauftragt, die Grundsteinlegung erfolgte am 8. Mai 1974. Die Stützmauer setzt sich aus 54 vorgefertigten, halbröhrenförmigen Spannbeton-Schalen zusammen und das Dach besteht aus freitragenden, vorgespannten Dreiecks-Betonschalen. Bereits 1975 waren Rundbau und Eingangsgebäude fertiggestellt.                                                              Die Leinwand (und damit das Bild selbst) ist 123 m lang und 14 m hoch. Sie wog unbemalt ungefähr 1,1 t und ist zwischen einem oberen und einem unteren Stahlring mit je knapp 40 m Durchmesser gespannt. Gewebt wurde sie in einem Stück im Textilkombinat Sursk in der Sowjetunion. Der damalige Kulturminister der DDR, Hans-Joachim Hoffmann, der sich sehr für das Projekt einsetzte, hatte die Leinwand persönlich in der Sowjetunion bestellt.                                                                                       Der ortsansässige Autosattler Günter Hohlstamm nähte die beiden Enden passgenau zusammen und präparierte die Längsseiten für die Ringe. Nach der Aufspannung versah ein sowjetisches Spezialistenteam die Leinwand mit einer Grundierung nach einer alten russischen Geheimrezeptur.                                                                                                     Tübke verteilte auf die 1722 m² große Fläche mehr als 3000 einzelne Figuren, wovon die größten über 3 Meter messen.                                                                                                       Der Maler selbst musste die Arbeiten zeitweilig unterbrechen und seinem Kollegen Eberhard Lenk die Ausführung überlassen, weil die Überanstrengung einen Muskelriss im Daumen hervorgerufen hatte.                                                                                                  Das Bild ist durch einen umlaufenden Graben und Geländer vom Besuchersaal getrennt, um Berührungen und Beschädigungen zu verhindern. Es wird bei den Führungen von einer größeren Zahl von gedämpft leuchtenden Scheinwerfern angestrahlt, während der Saal selbst im Halbdunkel bleibt. Somit kann sich die plastische Wirkung des Rundbildes optimal entfalten.

Offizieller Auftraggeber war das Kulturministerium der DDR, das damit einen Beschluss des SED-Politbüros vom 09. Oktober 1973 umsetzte. Anfang der 1970er Jahre fand mit dem Ende der Regierungszeit von Walter Ulbricht auch ein Wandel in der Kulturpolitik der SED statt.

Mehr Vielfalt und Akzeptanz auch nicht ausschließlich die Kunstrichtung sozialistischer Realismus, sollte einerseits das internationale Ansehen heben, andererseits fortschrittliche historische Gestalten und Ereignisse näherbringen, denen die DDR sich als historischer Erbe verpflichtet war ihr Vermächtnis zu erfüllen. Bei Thomas Müntzer wurde u.a. dadurch ausgedrückt, dass er ab 1975 auf der 5-Mark-Banknote der DDR zu sehen war.

DDR-Banknote 5 Mark mit Müntzer in der Ausgabe von 1975 bis 1990

DDR-Banknote 5 Mark mit Thomas Müntzer in der Ausgabe von 1975 bis 1990

Bildquelle: Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Im heutigen neuen Bundesland Thüringen gibt es viele Thomas-Müntzer-Denkmäler. Sie sind das Erbe aus der DDR-Zeit.

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Bildquellen siehe in den einzelnen Beiträgen

 

 

Der Geburtsort Stolberg sowie der Sterbeort Mühlhausen erhielten in der DDR den offiziellen Namenszusatz „Thomas-Müntzer-Stadt“. (Mühlhausen 1975 anlässlich des 450. Todestages) Nach der Annexion der DDR wurden die Beinamen aberkannt und getilgt. Im Gegensatz dazu sind die Beinamen der „Lutherstädte“ Eisleben und Wittenberg bestehen geblieben. Dieses Geschichtsverständnis der vergrößerten heutigen BRD sagt doch einiges aus.

Die SED plante im Hinblick auf den 450. Jahrestag des Deutschen Bauernkrieges für 1975 ein Gedenkjahr.

Auf einem Plenum der SED 1972 wurde erstmals der offizielle Antrag eingebracht, auf dem Schlachtberg bei Bad Frankenhausen eine Panorama-Gedenkstätte zum Andenken an die dort geschlagene Bauernschlacht und ihren Anführer Müntzer zu errichten. Der SED-Führung schwebte ein monumentales, heroisierendes Schlachtengemälde vor.

Nach mehrjährigen Diskussionen, fachlichen Expertisen durch Historiker und Kunstsachverständige, Änderungsvorschlägen, erneuten Debatten usw. entschied der beauftragte Kulturminister, den Streit zu beenden. Entgegen den Vertretern des sozialistischen Realismus gab er nun doch ein von diesen abgelehntes Panoramabild in Auftrag – der zugehörige Bau war bereits in Arbeit.

Für ein solches Vorhaben kamen nur die besten Künstler in Betracht. Konkret wurde der international angesehene Werner Tübke als geeignet erachtet. Tübke nahm den Auftrag nach einiger Bedenkzeit an, stellte aber unmissverständliche Bedingungen: Er bliebe der einzige Auftragnehmer und er würde kein dokumentarisch korrektes Bilddokument einer Schlacht schaffen, sondern ein künstlerisches Monumentalwerk mit umfassender Verallgemeinerung. Vor allem aber habe ihm niemand ins künstlerische Konzept und seine Ausführung hineinzureden. Ohne die Akzeptanz seiner künstlerischen Autonomie würde er nicht malen.

Die Zeit drängte, es war 1975. Tübkes „Ultimatum“, wurde weitgehend akzeptiert. So entstand das Gemälde nicht im „offiziellen“ Stil des sozialistischen Realismus, sondern in dem von Tübke gepflegten magischen Realismus.

Im Jahre 1976 ließ sich der Maler als Rektor der Leipziger Kunsthochschule beurlauben und begann, parallel zum intensiven Quellenstudium der Renaissancezeit, erste Skizzen und kleinere Bilder als Entwürfe anzufertigen. Bereits 1978 wurde die Leinwand angeliefert.

1979 folgte, wie konzipiert und im Vertrag auch fixiert, die Arbeit an der 1:10-Modellfassung, der eigentlichen Originalversion. Das auf fünf Holztafeln von je 2,46 m Länge und 1,39 m Höhe gemalte Werk wurde im Dezember 1988 von der Nationalgalerie der Staatlichen Museen zu Berlin erworben und befindet sich heute noch in Berlin. 1982 spannten und präparierten 54 Arbeiter die Leinwand auf. Danach zeichneten insgesamt fünfzehn Künstler die Konturen aus der Modellfassung auf 900 Quadrate aus Klarsichtfolie, die anschließend fotografiert wurden. Die Fotos wurden mit beweglichen Tageslichtprojektoren im Maßstab von 10:1 auf die Leinwand projiziert und die vergrößerten Konturenzeichnungen mit einer blassen Temperafarbe festgehalten. Diese Arbeit beanspruchte drei Monate. Die fünfzehn Künstler absolvierten im folgenden Jahr eine Art Training, bei dem sie Tübkes Stil exakt kopieren lernen und sich zudem durch Übertragung von Vorstudien auf immer größere Flächen die Technik für die Großleinwand aneignen sollten. Fünf Maler wurden schließlich vom Meister ausgewählt. 1983 stießen sie nach und nach zu Tübke, der inzwischen schon eine kleinere Fläche als Referenz allein bemalt hatte. Auf fünf Stockwerke hohen fahrbaren Gerüsten arbeiteten die sechs Maler über vier Jahre lang in Schichten und auch am Wochenende. Durch die ständige Überbeanspruchung seines rechten Armes kam es bei Tübke während der Arbeiten zu einem Muskelriss im Daumen, wodurch er zu längeren Pausen gezwungen wurde. Am 7. August 1987 vollendete Werner Tübke schließlich seinen Teil des Gemäldes, am 11. September beendete Lenk als letzter Mitarbeiter seine Arbeit, und am 16. Oktober setzte Werner Tübke schließlich seine Signatur auf das fertige Werk. Einer der ersten, die das Werk kurz vor seiner Fertigstellung sehen konnten, war im Herbst 1987 der Historiker Golo Mann. Er schilderte seine Eindrücke wie folgt:

„Der Schreiber dieser Zeilen hatte das Glück, den Rundbau auf dem Hügel bei Frankenhausen im Oktober des Jahres 1987 zu besuchen, einige Wochen bevor Werner Tübke, nach zwölfjähriger Arbeit, sein Werk als vollendet bezeichnete, anderthalb Jahre bevor es der Öffentlichkeit gelegentlich einer Feier zugänglich gemacht werden wird. Wir waren zu dritt, mit zwei freundlichen Erklärern. Danach durften wir noch das Ehepaar Tübke begrüßen. Der Meister war tief erschöpft, soviel spürte man, sehr erholungsbedürftig, aber glücklich wohl auch. Was konnte ich ihm sagen? Kaum mehr, als was ich in das Gästebuch schrieb: „Voll Bewunderung und Staunen.“ Betritt man das riesige Gewölbe, sieht man steil nach oben, so wird man zunächst von etwas wie Schwindel erfasst. Dann versucht man sich zu orientieren; wozu eine Stunde niemals ausreichen kann. Es ist eine Welt, die sich da auftut; Menschenwelt im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts. Hatte der Meister Vorbilder, so waren es Maler eben jener Zeit; keineswegs die Historien-Maler des neunzehnten, die gar so schlecht auch nicht waren, mit denen sich aber jeder Vergleich verbietet. Überhaupt versagt hier das bloße Wort. Realismus? Ja, doch, der auch. Man sieht die Qual eines aufs Rad Geflochtenen. Man sieht Henker und Gehängte. Man sieht das üppige Leben, Lust und Wollust neuen, reich gewordenen Bürgertums. Stimmig ist auch hier eine Druckerwerkstatt mit von der Partie: Wirklichkeit und Symbol der neuen Großmacht. […]                                                                                                                               Aber wer unter jener Kuppel auf dem Frankenberg steht, dem Gemälde ohne Anfang, ohne Mitte und ohne Ende, der Schau, in welcher Symbole wie der berstende Turm von Babylon oder ein Regenbogen hoch über dem Schlachtengewimmel sich mit historischen Figuren versöhnen, dem wird die Zaubermacht der Kunst für einen Moment alle Theorie als grau in grau erscheinen lassen.“      

—    Golo Mann: In: Bauernkriegs-Panorama. Erster Besuch. Eröffnung

 

Tübke präsentiert die 1-10-Version des Bauernkriegspanoramas Mitgliedern des Politbüros 1982 im Albertinum

Tübke präsentiert die 1:10-Version des Bauernkriegspanoramas Mitgliedern des Politbüros 1982 im Albertinum

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-1982-1002-014 / Franke, Klaus / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Eröffnung

Das Jahr 1989 war anlässlich des 500. Geburtstages Thomas Müntzers von der Regierung der DDR zum Thomas-Müntzer-Jahr erklärt worden. Aus diesem Anlass wurde die Gedenkstätte „Frühbürgerliche Revolution in Deutschland“ mit dem monumentalen Panoramabild am 14. September des Jahres offiziell eröffnet. Zuvor waren Ausschnitte des Gemäldes bereits auf einem fünfteiligen Briefmarkensatz erschienen, den die Deutsche Post der DDR am 22. August herausgegeben hatte.

Kulturminister Hoffmann, einer der wichtigsten Förderer des Projekts, der SED-Kulturverantwortliche Kurt Hager und die Volksbildungsministerin Margot Honecker, die zugleich ihren erkrankten Mann Erich Honecker vertrat, nahmen an der Eröffnung teil.

In der Bevölkerung kam dieses Kunstwerk nicht an. Man muss bedenken, dass bereits die Konterrevolution voranschritt und die Unzufriedenheit groß war. So wurde die Geldausgabe für dieses Projekt kritisiert, während andere Projekte in der Region, wie z.B. eine Turnhalle in Sangershausen, gestrichen wurden. Hinzu kam der verschärfende Mangel in allen Bereichen.

Das Kunstwerk wurde als Propagandamittel gesehen. Vom in der Schule gelehrten Stolz auf diese Epoche der Geschichte ist nichts geblieben. Verächtlich wurde das Museum „Elefantenklo“, „Gasometer“ und „Silo“ genannt.

Dieser Unmut schloss auch den so titulierten „Staatskünstler“ Werner Tübke ein. Tübke betrachtete sich nach eigener Aussage nicht als Künstler der DDR und schon gar nicht als Staatskünstler, sondern als außerhalb der DDR-Kunst stehend. Außerdem entsprach die Ausführung des Kunstwerks von Werner Tübke nicht den Vorstellungen der damaligen Politiker.

An dieser Stelle muss noch gesagt werden, dass zu allen Zeiten in allen Gesellschaftsordnungen Künstler von Aufträgen und Mäzenen (heute würde man sagen Sponsoren) abhängig waren und sind. Die Künstler müssen schließlich von irgendwas leben und ihre Arbeiten finanzieren.

Befürworter des Projekts verwiesen auf Deviseneinnahmen, die der Verkauf von Bildern von Werner Tübke ins Ausland eingebracht hatte. Hätte die DDR länger bestanden, hätten durch Touristen und Kunststudenten, Kunstkenner und –sammler aus dem Ausland Devisen eingenommen werden können.

 

Heutige Bedeutung

Nach der Annexion der DDR durch die BRD war die Zukunft des Panorama Museums ungewiss, da es kurz vor Ende der DDR bei der Bevölkerung nicht gut ankam. Es wurde sogar über eine Schließung des Museums diskutiert, die jedoch der Sachverständige im Thüringischen Kunstministerium abwenden konnte.

Seit 1992 wurde das Konzept des Panorama Museums über die Präsentation des Monumentalgemäldes hinaus um ähnliche Kunstwerke einerseits und das Gesamtwerk Werner Tübkes andererseits erweitert. Hauptträger des Museums war nach der Konterrevolution der Freistaat Thüringen. Anfang 2008 wurde das Museum privatisiert und vom Verein Panorama Museum e. V. übernommen. Dem Trägerverein gehören das Land Thüringen, der Kyffhäuserkreis und die Städte Bad Frankenhausen und Sondershausen an. Das Museum wird vom Freistaat bis mindestens 2012 weiter mit jährlich knapp 1,3 Millionen Euro finanziert. Wie der derzeitige Stand ist, ist aus dem Wikipedia-Artikel nicht zu entnehmen. Was die Bevölkerung zu der Finanzierung des Kunstwerkes durch das heutige neue Bundesland Thüringen sagt, interessiert heute niemanden mehr. Zu etwa 30 Prozent kann sich das Museum aus eigenen Einnahmen finanzieren. Mit jährlich etwa zwischen 75.000 bis 90.000 Besuchern zieht es ein so großes Publikum an wie nur noch wenige andere Gemälde in Deutschland. Ob gewürdigt wird, dass dieses Kunstwerk ein Erbe der DDR ist? Das heutige neue Bundesland Thüringen hätte das wohl kaum in Auftrag gegeben. Die DDR hatte einen großen Kulturetat. Das ist heute anders. Außerdem sind für Kunst und Kultur in der BRD die einzelnen Bundesländer zuständig.

Neben Ankäufen bilden Schenkungen einen weiteren wichtigen Teil der Sammlung. Zwei bedeutende Schenkungen sind die Sammlung Albert-Leo Troost und Fabius von Gugel. Der Kaufmann und Grafiksammler Albert Leo Troost (1930-2001), in Düsseldorf aufgewachsen, verkehrte in Künstlerkreisen in Düsseldorf und Prag. Er schenkte 2001 dem Panoramamuseum 140 teils großformatige Grafiken bedeutender tschechischer und slowakischer Künstler. 2004 bildeten diese Arbeiten den Kern der Museumsausstellung „Das innere Gesicht… Meisterwerke tschechischer und slowakischer Grafik“. Der Schenkung Fabius von Gugel ging eine Sonderausstellung des Künstlers im Panorama Museum 1998 voraus. Nach der Exposition entschloss sich der Künstler, dem Panorama Museum einen Großteil seines malerischen und grafischen Werkes zu übereignen.

Das Panorama Museum wurde als einer von 20 sogenannten kulturellen Gedächtnisorten in den neuen Bundesländern in das Blaubuch der Bundesregierung aufgenommen. Na, da hoffen wir doch, dass nicht in Vergessenheit gerät, warum die DDR dieses große Kunstwerk in Auftrag gab.

 

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel