Die Volkskammerpräsidenten/Sabine Bergmann-Pohl

Präsidenten der Volkskammer 2

Tabelle: Wikipedia

Sabine Bergmann-Pohl, geborene Schulz, wurde am 20.April 1946 in Eisenach geboren.

ADN/Elke Schöps/13.8.90/Berlin: Dr. Sabine Bergmann-Pohl, Präsidentin der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik und amtierendes Staatsoberhaupt.

ADN/Elke Schöps/13.8.90/Berlin: Dr. Sabine Bergmann-Pohl, Präsidentin der Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik und amtierendes Staatsoberhaupt.

Sabine Bergmann-Pohl 1990

Bildquelle:
„Bundesarchiv Bild 183-1990-0813-302, Sabine Bergmann-Pohl“ von Bundesarchiv, Bild 183-1990-0813-302 / Schöps, Elke / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons – Bild ist entsprechend verlinkt.

Berufliche Karriere

Um nach ihrem Abitur 1964 ein Medizinstudium in der DDR aufnehmen zu können, musste sich Sabine Bergmann-Pohl als Tochter eines Arztes zunächst in einem zweijährigen Praktikum bewähren. So sollte Standesdünkel vorgebeugt werden. 1966-1972 studierte sie Medizin, wurde 1972 Diplom-Medizinerin, worauf 1972-1979 die Facharztausbildung für Innere Medizin folgte. 1979 ist sie Fachärztin für Lungenkrankheiten geworden. 1980 promovierte sie zum Dr. med.. Von 1980 bis 1985 war sie ärztliche Leiterin der Poliklinischen Abteilung für Lungenkrankheiten und Tuberkulose in Berlin-Friedrichshain. Von 1985-1990 war sie ärztliche Direktorin in der Bezirksstelle für Lungenkrankheiten und Tuberkulose in Berlin/DDR.

Seit 1990 ist Sabine Bergmann-Pohl Schirmherrin des Allgemeinen Behindertenverband in Deutschland e. V. (ABiD e. V.) und von 2003 bis 2012 war sie Präsidentin des Berliner Roten Kreuzes. Bei der Neuwahl des Berliner DRK-Präsidiums im Herbst 2012 hat sie auf eigenen Wunsch nicht wieder kandidiert. In Anerkennung ihrer besonderen Dienste für das Berliner Rote Kreuz wurde Bergmann-Pohl zur Ehrenpräsidentin des DRK Landesverbandes Berliner Rotes Kreuz ernannt. Seit 2003 ist sie auch Mitglied im Präsidium des Internationalen Bundes und seit 2007 ist sie dort Vizepräsidentin. Seit 2012 ist sie eine der Stadtältesten von Berlin.

Politische Karriere

1981 trat sie in die CDU in der DDR ein. Das war eine der Blockparteien.(

1987 wurde sie Mitglied des Bezirksvorstandes Berlin/DDR.

Bei der Wahl zur letzten Volkskammer der DDR, am 18. März 1990 wurde sie Volkskammerabgeordnete der CDU und wurde am 05. April 1990 zur Volkskammerpräsidentin gewählt.

Aufgrund des am gleichen Tag verabschiedeten neuen Artikels 75a der Verfassung der DDR übte sie auch die Befugnisse des bisherigen Staatsratsvorsitzenden aus und war daher bis zum 2. Oktober 1990 das letzte Staatsoberhaupt der DDR.

In einer Nachtsitzung der Volkskammer vom 22. auf den 23. August 1990 wurde der Annexion der DDR durch die BRD zugestimmt. Die letzte Volkskammer erfüllt ohnehin nur noch übergangsweise Verwaltungs- und Angleichungsfunktionen im Sinne der BRD. Sabine Bergmann-Pohl verkündete in den frühen Morgenstunden das Abstimmungsergebnis zum „Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes mit der Wirkung vom 3. Oktober 1990“ , wie die Annexion der DDR durch die BRD amtlich benannt wird.

Abstimmung Annexion der DDR durch BRD

Die Volkskammer der DDR beschließt 23. August 1990 den Beitritt der DDR zum Geltungsbereich des Grundgesetzes der Bundesrepublik Deutschland gemäß Artikel 23 des Grundgesetzes. (Quelle: picture-alliance/dpa)

Bildquelle:

Geschichte der CDU

Mit der Annexion der DDR am 03. Oktober 1990, wurde sie Mitglied des Bundestages der nun vergrößerten BRD, dem sie bis 2002 angehörte. Sie wurde zuletzt in der 14 Wahlperiode(1998-2002) des Bundestages der BRD über die Landesliste Berlin Abgeordnete des Bundestages.

Am 03. Oktober 1990 wurde Sabine Bergmann-Pohl als Bundesministerin für besondere Aufgaben in die von Bundeskanzler Helmut Kohl geführte Bundesregierung berufen.

Nach der ersten Bundestagswahl nach Annexion der DDR, also nun der Groß-BRD, verlor sie ihr Ministeramt und wurde am 19. Januar 1991 zur parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesminister für Gesundheit ernannt.

Nach der Bundestagswahl 1998 schied sie am 26. Oktober 1998 aus der Bundesregierung aus.

Siehe Wikipedia und Geschichte der CDU

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Die Volkskammerpräsidenten/Günther Maleuda

Präsidenten der Volkskammer 2

Tabelle: Wikipedia

Günther Maleuda wurde am 20. Januar 1931 in Alt Beelitz, Landkreis Friedeberg Nm, Provinz Brandenburg geboren.

ADN-ZB Mittelstädt 13.11.1989 Berlin: Volkskammer-Tagung Die 11. Tagung der Volkskammer der DDR begann im Plenarsaal des Palastes der Republik. Gespannt verfolgen die Kandidaten für das Amt des Parlamentspräsidenten Dr. Günther Maleuda (1., DBD) und Prof. Dr. Manfred Gerlach (M., LDPD) die Auszählung der Stichwahl.

ADN-ZB Mittelstädt 13.11.1989 Berlin: Volkskammer-Tagung
Die 11. Tagung der Volkskammer der DDR begann im Plenarsaal des Palastes der Republik. Gespannt verfolgen die Kandidaten für das Amt des Parlamentspräsidenten Dr. Günther Maleuda (1., DBD) und Prof. Dr. Manfred Gerlach (M., LDPD) die Auszählung der Stichwahl.

Günther Maleuda (links) 1989 mit Manfred Gerlach

Bildquelle:
„Bundesarchiv Bild 183-1989-1113-031, Berlin, 11. Volkskammertagung“ von Bundesarchiv, Bild 183-1989-1113-031 / Mittelstädt, Rainer / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons – Bild ist entsprechend verlinkt

Günter Maleuda war der Sohn einer Arbeiterfamilie. Sein Heimatort gehört seit Ende des II. Weltkrieges zu Polen. Dort war er von 1945 bis 1947 als Landarbeiter auf einem polnischen Gutsbetrieb tätig, bevor er mit seiner Familie nach Thüringen umsiedelte. Dort absolvierte er ab 1948 bis 1950 eine landwirtschaftliche Lehre im bäuerlichen Betrieb in Henfstädt und im VEG Meiningen und besuchte anschließend von 1950 bis 1952 die Fachschule für Landwirtschaft in Weimar, die er als staatlich geprüfter Landwirt abschloss. Von 1952 bis 1955 besuchte er die Deutsche Akademie für Staats- und Rechtswissenschaft in Potsdam, die er als Diplom-Wirtschaftler verließ.

Danach war er Abteilungsleiter beim DBD-Bezirksvorstand Potsdam und anschließend von 1957 bis 1967 stellvertretender Vorsitzender des Rates des Kreises Königs Wusterhausen für Landwirtschaft bzw. stellvertretender Vorsitzender des Kreis-Landwirtschaftsrats. Daneben absolvierte er von 1965 bis 1967 eine Aspirantur an der Humboldt-Universität zu Berlin, während der er eine Dissertation zur stufenweisen Vergesellschaftung der Produktion in Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) schrieb und die mit einer Promotion zum Dr. agr. abschloss. Von 1967 bis 1976 war er dann stellvertretender Vorsitzender des Rates für landwirtschaftliche Produktion und Nahrungsgüterwirtschaft des Bezirkes Potsdam, ab 1975 Sektorenleiter des Rates des Bezirkes Potsdam. Mit der Landwirtschaft in der DDR wird DIE TROMMLER sich zu einem späteren Zeitpunkt beschäftigen.

Von 1950 bis Juni 1990 war er Mitglied der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands (DBD). Von 1976 bis 1982 war er Vorsitzender des Bezirksvorstandes Halle (Saale) der DBD sowie Mitglied des Bezirks-Ausschusses Halle der Nationalen Front der DDR. Er wurde 1972 Kandidat des Parteivorstandes, 1977 dessen Mitglied und Mitglied des Präsidiums, 1982 Sekretär des Parteivorstandes, 1984 stellvertretender Vorsitzender und ab 27. März 1987 als Nachfolger von Ernst Mecklenburg Vorsitzender der DBD.

Als die DBD mit der CDU der DDR fusionieren wollte, kritisierte er diesen Schritt, trat am 25. Juni 1990 vom Parteivorsitz der DBD zurück und wurde nicht Mitglied der CDU.

Günter Maleuda war von 1958 bis 1967 Abgeordneter der DBD des Kreistages Königs Wusterhausen und von 1967 bis 1976 Abgeordneter des Bezirkstags Potsdam.

Von 1981 bis Oktober 1990 war er Abgeordneter der Volkskammer der DDR. Hier war er bis 1986 Mitglied des Ausschusses für Volksbildung und danach stellvertretender Vorsitzender der Interparlamentarischen Gruppe, Mitglied des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten und Mitglied des Präsidiums der Volkskammer.

Vom Juni 1987 bis April 1990 war er Stellvertreter des Vorsitzenden des Staatsrates und Mitglied des Nationalrates der Nationalen Front der DDR.

ADN-ZB Weigelt-A-26.8.87 Bez. Erfurt: Günther Maleuda bei Bauern-In der Kooperation Rannstedt, Kreis Apolda, informierte sich der Vorsitzende der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands und Stellvertreter des Vorsitzenden des Staatsrates der DDR, Dr. Günther Maleuda (3.v.l.), über den Fortgang der Ernte. 4.v.l.: Martin Worms, Vorsitzender der Kooperative.

ADN-ZB Weigelt-A-26.8.87 Bez. Erfurt: Günther Maleuda bei Bauern-In der Kooperation Rannstedt, Kreis Apolda, informierte sich der Vorsitzende der Demokratischen Bauernpartei Deutschlands und Stellvertreter des Vorsitzenden des Staatsrates der DDR, Dr. Günther Maleuda (3.v.l.), über den Fortgang der Ernte. 4.v.l.: Martin Worms, Vorsitzender der Kooperative.

Günther Maleuda (mit Krawatte) bei der LPG Rannstedt, Kreis Apolda am 26. August 1987

Bildquelle:
„Bundesarchiv Bild 183-1987-0826-038, LPG Rannstedt, Besuch von Günther Maleuda“ von Bundesarchiv, Bild 183-1987-0826-038 / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons – Bild ist entsprechend verlinkt

Vom 13. November 1989 bis März 1990 wurde er nach dem Rücktritt von Horst Sindermann  zum Präsidenten der Volkskammer gewählt.

Günther Maleuda war Mitinitiator der konterrevolutionären Institution „Runder Tisch“ und setzte sich für den gewaltfreien Übergang zur bürgerlichen Demokratie in der DDR ein.

Von 1994 bis 1998 war Maleuda Mitglied des Deutschen Bundestages. Er war als parteiloser Spitzenkandidat über die Landesliste Mecklenburg-Vorpommern der PDS in den Bundestag eingezogen und war als landwirtschaftlicher Berater der PDS tätig. 2000/02 war Maleuda Berater der von Bundespräsident Johannes Rau eingesetzten Kommission zur Parteienfinanzierung. Er war Mitarbeiter des Alternativen Geschichtsforums Berlin, eines Arbeitskreises der Gesellschaft für Bürgerrechte und Menschenwürde.

Am 18. Juli 2012 ist Günther Maleuda nach schwerer Krankheit gestorben.

Einzelne Textpassagen Wikipedia

„Spiegel“-Interview mit Horst Sindermann

Auswertung einzelner Themen:

Der Spiegel 19:1990

Horst Sindermann ist während, bzw. nach der Konterrevolution eingeknickt.

Die Konterrevolution wird nicht beim Namen genannt, Sympathie mit Konterrevolutionären

Er nennt die Konterrevolution nicht Konterrevolution, sondern „gewaltfreien Aufstand“. Die Konterrevolutionäre nennt er nicht so, sondert er achtet sie.

Kritik an Parteidisziplin

Er kritisiert die Parteidisziplin. Keine Partei kommt ohne Parteidisziplin aus. Auch keine bürgerliche Partei. Die Punkte der berechtigten Kritik an den damaligen Parteistrukturen muss benannt werden.

Kritik an sozialistischer Demokratie: Bürgerliche Demokratie wird als einzige Lösung gesehen

Die sozialistische Demokratie wird kritisiert und die bürgerliche Demokratie für besser gehalten. Die sozialistische Demokratie hätte besser sein müssen. Diese aber durch bürgerliche Demokratie zu ersetzen ist nicht die Lösung.

Sindermann sympathisiert mit Gorbatschow.

Welche demokratischen Traditionen in Deutschland, die nicht von der DDR aufgenommen wurden?

Deutschland war doch meist reaktionär und die demokratischen Entwicklungen hinkten hinterher. Deutschland hat mit der Zeit des Faschismus ein düsteres Kapitel in seiner Geschichte. Demokratische Traditionen hat da eher Frankreich, soweit man an fortschrittliches Bürgertum anknüpfen will.

Welche demokratischen Freiheiten sind in der DDR verhöhnt worden?

Die Freiheit unter der Brücke zu schlafen? Die Freiheit von existenzsichernder Arbeit? Ein Mangel war fehlende Reisefreiheit. Aber Reisen ist doch nicht alles im Leben. Der Alltag muss stimmen.

Sindermann kritisiert , dass die DDR auf die Mikroelektronik gesetzt hatte.

Natürlich konnte sie nicht mit den Großen aus den USA und Japan mithalten. Da die DDR von Embargos betroffen war, wurde doch ein Stück Unabhängigkeit geschaffen. Außerdem waren viele Menschen, die bei „Robotron“ arbeiteten in Lohn und Brot. Heute werden elektronische Geräte in Billiglohnländern produziert.

Dann kritisiert Sindermann die Autoproduktion in der DDR, weil keine Kooperation mit einem westlichen Autokonzern eingegangen wurde. Das machten andere sozialistische Länder damals. Ob das wichtig ist, bleibt dahingestellt.

Schlimm ist die Kritik Horst Sindermanns am Arbeitsgesetzbuch der DDR

..und dass es keine Arbeitslosen gab. Seiner Meinung nach war es nicht richtig faule und unfähige Menschen einen Arbeitsplatz zu geben oder zu lassen. Gerade das Arbeitsgesetzbuch der DDR war eine der wichtigsten Errungenschaften des Sozialismus. Schwache und Problembeladene Menschen darf man nicht mit Faulenzern gleichsetzen. Diese armen Seelen, die in der DDR endlich echte Hilfe und eine Heimstatt hatten, waren nicht verantwortlich für den Untergang der DDR.

Sindermann, der mit 74 Jahren starb, war 60 Jahre lang Kommunist, saß fast zwölf Jahre in NS-Zuchthäusern und -Konzentrationslagern, gehörte 26 Jahre dem Politbüro der SED an. Er war von 1973 bis 1976 als Ministerpräsident die Nummer zwei, danach bis zur Konterrevolution 1989 als Präsident der Volkskammer die Nummer drei der DDR. Und nach diesem Leben glaubte er blindlings an die leeren Sprüche von Gorbatschow, während dagegen Honecker Gorbatschow durchschaute.

 

 

In diesem Rahmen ist es nicht möglich auf die gesamte Themenpalette des „Spiegel“-Interviews einzugehen.

Doch ist es enttäuschend feststellen zu müssen, dass altgediente Kommunisten, die in der DDR hohe Ämter inne hatten, am Ende ihre Ideale, wofür sie ihr Leben lang kämpften, nach der Niederlage einfach verraten haben, anstatt weiterzukämpfen und die nächste Generation zum Kampf aufzurufen.

Hier das „Spiegel“-Interview im Original als PDF-Datei.

SPIEGEL_1990_19_13498194

Die Volkskammerpräsidenten/Horst Sindermann

Präsidenten der Volkskammer 2

Tabelle: Wikipedia

Horst Sindermann wurde am 05. September 1915 in Dresden geboren. Nach dem Besuch der Volksschule und des Realgymnasiums wurde Sindermann 1929 Mitglied Des Kommunistischen Jugendverbandes Deutschlands( dazu mehr in einer späteren Ausgabe DIE TROMMLER).

ADN-ZB Mittelstädt 1.9.1989 Berlin: 50. Jahrestag Beginn des 2. Weltkrieges  Die außerordentliche Plenartagung  der Volkskammer der DDR aus Anlaß des 50. Jahestages des Beginns des 2. Weltkrieges wurde vom Präsidenten der obersten Volksvertretung, Horst Sindermann eröffnet.

ADN-ZB Mittelstädt 1.9.1989 Berlin: 50. Jahrestag Beginn des 2. Weltkrieges
Die außerordentliche Plenartagung der Volkskammer der DDR aus Anlass des 50. Jahestages des Beginns des 2. Weltkrieges wurde vom Präsidenten der obersten Volksvertretung, Horst Sindermann eröffnet.

Horst Sindermann 1989

Bildquelle:
„Bundesarchiv Bild 183-1989-0901-042, Berlin, außerordentliche Volkskammertagung“ von Bundesarchiv, Bild 183-1989-0901-042 / Mittelstädt, Rainer / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons –  Bild ist entsprechend verlinkt

1933 wurde Horst Sindermann inhaftiert und zu 8 Monaten Gefängnis verurteilt, weil der sich dem Widerstand gegen den Faschismus angeschlossen hatte. 1935 wurde er wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu sechs Jahren Haft im Zuchthaus Waldheim verurteilt. Danach war er in den Konzentrationslagern Sachsenhausen und Mauthausen bis 1945 in Haft.

1945, nach seiner Befreiung aus dem KZ Mauthausen durch die US-Armee, wurde er Mitglied der KPD und 1946, nach der Vereinigung von KPD und SPD(dazu in einer späteren Ausgabe DIE TROMMLER mehr), Mitglied der SED.

Sindermann arbeitete als Chefredakteur der „Sächsischen Volkszeitung“, Dresden und der „Volksstimme“ in Chemnitz. Von 1950 bis 1953 war Sindermann Chefredakteur der Zeitung „Freiheit“ in Halle.

Zwischenzeitlich bekam er Probleme mit Otto Grotewohl, den er wegen seiner Ehe mit einer früheren Nazi-Funktionärin kritisierte.

Zwischen 1954 und 1963 war Sindermann Leiter der Abteilung Agitation( ..ist die Bezeichnung der Kommunisten für Öffentlichkeitsarbeit, diese Bezeichnung wurde auch in der DDR verwendet, im Westen und heute sagt man dazu Public Relations oder kurz PR) beim ZK der SED(Zentralkomitee)

Von 1963 bis 1989 war er Abgeordneter der Volkskammer. Diese wählte Sindermann am 03. Oktober 1973 zum Vorsitzenden des Ministerrates der DDR. Sein Vorgänger, Willi Stoph, wurde zum Vorsitzenden des Staatsrates gewählt. Wegen zu liberaler Wirtschaftspolitik ersetzte Honecker ihn1976 durch Stoph. Dies geschah bei der konstituierenden Sitzung der Volkskammer am 29. Oktober 1976, bei der Honecker selbst zum Staatsratsvorsitzenden, Stoph wieder zum Vorsitzenden des Ministerrates und Sindermann zum Präsidenten der Volkskammer gewählt wurden. Von 1976 bis 1989 war Sindermann als Präsident der Volkskammer zwar protokollarisch der dritte Mann im Staat, ansonsten aber mit wenig einflussreichen Aufgaben betraut. Ämterwechsel ist auch im bürgerlichen Politikbetrieb gang und gäbe. Auch in bürgerlichen Parlamenten haben die Parlamentspräsidenten zwar ein hohes Amt inne, aber ohne Einfluss und Machtbefugnisse. In der BRD z. B. die Bundestagspräsidentin/der Bundestagspräsident

Am 03. Dezember 1989 ist Sindermann aus der SED/PDS ausgeschlossen worden und saß zeitweilig in Untersuchungshaft. Zu einer Anklageerhebung kam es jedoch nicht.

Nach der Lektüre des SPIEGEL-Interviews(DER SPIEGEL 19/1990)

Der Spiegel 19:1990

ist es enttäuschend feststellen zu müssen, wie Horst Sindermann seine Karriere beendet und sein Lebenswerk abgeschlossen hat.

Horst Sindermann ist am 20. April 1990 in Berlin gestorben.

siehe auch Wikipedia

Die Volkskammerpräsidenten/Gerald Götting

Präsidenten der Volkskammer 2

Tabelle: Wikipedia

Gerald Götting wurde am 09.Juni 1923 in Nietleben, Saalkreis, Provinz Sachsen, Preußen geboren.

ADN-ZB Settnik 8.6.1989 Berlin: Volkskammer  Gerald Götting, Stellvertreter des Präsidenten der Volkskammer, ergriff das Wort zur 9. Tagung der Volkskammer der DDR.

ADN-ZB Settnik 8.6.1989 Berlin: Volkskammer
Gerald Götting, Stellvertreter des Präsidenten der Volkskammer, ergriff das Wort zur 9. Tagung der Volkskammer der DDR.

Gerald Götting 1989

Bildquelle: „Bundesarchiv Bild 183-1989-0608-024, Gerald Götting“ von Bundesarchiv, Bild 183-1989-0608-024 / Settnik, Bernd / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons –  Bild ist entsprechend verlinkt

Gerald Götting beendete seinen Schulbesuch mit dem Abitur. Von Ende 1941 bis Anfang 1942 war er beim Reichsarbeitsdienst, dann bei der Nachrichtentruppe der Luftwaffe (letzter Dienstgrad: Obergefreiter) Anfang Mai 1945 konnte er sich aus dem damaligen Protektorat Böhmen und Mähren zunächst der Gefangennahme durch die Rote Armee entziehen und ging nach Hause. Im Juni kam er dort doch noch kurz in amerikanische Kriegsgefangenschaft.

Im Januar 1946 trat Götting der CDU bei. Er studierte von 1947 bis 1949 ohne akademischen Abschluss an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg Philologie, Germanistik und Geschichte. Götting war von 1949 bis 1966 als Nachfolger von Georg Dertinger Generalsekretär und bis 1989 als Nachfolger von August Bach Vorsitzender der CDU.

Von 1949 bis März 1990 war Götting Abgeordneter der Volkskammer: bis 1958 als Vizepräsident und stellvertretender Präsident, bis 1963 als Vorsitzender der CDU-Fraktion, bis 1969 als Vorsitzender des Ausschusses für Auswärtige Angelegenheiten, bis 1976 in Nachfolge von Johannes Dieckmann  als Präsident und bis 1989 als stellvertretender Präsident. Ab 1975 war er außerdem Präsident der Liga für Völkerfreundschaft, dem Verband der Freundschaftsgesellschaften der DDR. Götting bekleidete ab Dezember 1971 bis 1989 die Funktion eines Vizepräsidenten des 1970 in Berlin gegründeten DDR-Komitee für europäische Sicherheit, das im Januar 1974 in DDR-Komitee für Europäische Sicherheit und Zusammenarbeit umbenannt wurde.

Außerdem war Götting von 1960 bis 1989 stellvertretender Vorsitzender des Ausschusses für Nationale Verteidigung und von 1960 bis 1989 stellvertretender Vorsitzender des Staatsrates der DDR. 1961 erhielt er den Vaterländischen Verdienstorden (Ehrenspange).

Während der Konterrevolution trat Götting am 02. November 1989 als CDU-Vorsitzender zurück. Am 07. November 1989 wurde er aus dem Staatsrat abberufen. Im Februar 1991 wurde Gerald Götting aus der CDU ausgeschlossen. Im Juli 1991 wurde er wegen der Veruntreuung von Parteigeldern zu 18 Monaten auf Bewährung verurteilt.

Gerald Götting war Mitarbeiter des Berliner Alternativen Geschichtsforums.

Götting soll seit 1953 inoffizieller Mitarbeiter des MfS(Ministerium für Staatssicherheit) gewesen sein und seit 1951 für den KGB(sowjetischer Geheimdienst) gearbeitet haben. Er wurde allerdings auch selbst vom MfS überwacht.

Gerald Götting ist am 19. Mai 2015 nach schwerer Krankheit gestorben.

Einzelne Textpassagen: Wikipedia

Die Volkskammerpräsidenten/Johannes Dieckmann

Präsidenten der Volkskammer 2

Tabelle: Wikipedia

Johannes Dieckmann wurde am 19. Januar 1893 in Fischerhude, Kreis Achim geboren.

Dieckmann war Sohn eines Pfarrers. Er studierte in Berlin, Gießen und Göttingen Nationalökonomie und Philosophie. In Berlin wurde er Mitglied des VDSt Berlin(ein Studentenverband)

1916 wurde Johannes Dieckmann zum Militär einberufen. Im November 1918 war er Vorsitzender eines Soldatenrates. (Novemberrevolution 1918, dazu in einer späteren Ausgabe DIE TROMMLER mehr)

Nach Ende des Ersten Weltkrieges trat Dieckmann der DVP(Deutsche Volkspartei, nationalliberale Partei in der Weimarer Republik) bei und wurde einer der engsten Mitarbeiter Gustav Stresemanns. Dieckmann war nacheinander Generalsekretär der DVP in den Bezirken Weser-Ems, Niederrhein und Sachsen. 1929 bis 1930 und 1933 gehörte er dem Sächsischen Landtag an. Von 1933 bis 1939 arbeitete er als Geschäftsführer mehrerer Kohlewirtschaftsverbände. Im August 1939 wurde er zur Wehrmacht einberufen und im Januar 1941 als Hauptmann der Reserve entlassen. Anschließend war er bis 1945 Geschäftsleiter des Oberschlesischen Steinkohlen-Syndikats. 1944 wurde Dieckmann im Zusammenhang mit dem Attentat vom 20. Juli 1944, an dem sein Vetter Albrecht Mertz von Quirnheim beteiligt war, unter verschärfte Beobachtung der Gestapo gestellt.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges gründete Dieckmann das „Sächsische Kohlekontor“ und den Verlag „Sächsisches Tageblatt“. Er war zudem Mitbegründer der LDPD in Sachsen. Seit 1946 gehörte er für die LDPD dem Sächsischen Landtag an und trat für die Einbeziehung seiner Partei in das System der Blockparteien in der DDR ein. Ab 1948 fungierte er als Justizminister und stellvertretender Ministerpräsident von Sachsen. Von 1949 bis 1969 war er stellvertretender Vorsitzender der LDPD und Präsident der Volkskammer der DDR. In der Funktion als stellvertretender Vorsitzender der LDPD war er von 1960 bis zu seinem Tod 1969 einer der stellvertretenden Vorsitzenden des Staatsrates der DDR. 1947 gehörte er zu den Mitbegründern der Gesellschaft zum Studium der Kultur der Sowjetunion, ab 1949 Gesellschaft für Deutsch-Sowjetische Freundschaft (DSF) und wurde Mitglied ihres Zentralvorstandes. 1963 bis 1968 war er Präsident der DSF.

Am 22. Februar 1969 ist Johannes Dieckmann in Berlin/DDR gestorben.

Der Nachlass von Johannes Dieckmann kam ins Zentralarchiv der LDPD in Berlin/DDR und gelangte von dort 1991 ins Archiv des Liberalismus in Gummersbach.

Auch fortschrittliche Bürgerliche konnten in der DDR Politik gestalten. Es gibt Kritiken, dass Johannes Dieckmann letztendlich nur noch ein Symbol des Traumes der SED von der politisch-moralischen Einheit des Volkes der DDR gewesen wäre. Da fortschrittliche Bürgerliche heute selten geworden sind und die heutigen Machthabern verhindern wollen, dass nicht nur Linke, sondern auch Bürgerliche fortschrittliche Gedanken haben und einen entsprechenden Weg gehen, werden an historischen Persönlichkeiten solche Kritiken laut. Auf jeden Fall sind solche Leute ehrenwerter, als diejenigen, die zu DDR-Zeiten Pro-Sozialismus gerufen haben und sich während und nach der Konterrevolution den neuen Machtverhältnissen angepasst haben.

 

Einzelne Textpassagen Wikipedia

Personenbeschreibung: Johannes Dieckmann seitens der Friedrich Naumann-Stiftung(bitte den Link folgen)

Nachruf „Der Spiegel“ 1969

Der Spiegel 10:1969

SPIEGEL_1969 Nachruf auf Johannes Dieckmann 1. Volkskammerpräsident

ADN-Zentralbild/Hochneder 11.7.1967 Prof. Dr. Johannes Dieckmann Stellvertretender Vorsitzender des Staatsrates der DDR, Präsident der Volkskammer der DDR, stellvertretender Vorsitzender der LDPD.

ADN-Zentralbild/Hochneder
11.7.1967
Prof. Dr. Johannes Dieckmann
Stellvertretender Vorsitzender des Staatsrates der DDR, Präsident der Volkskammer der DDR, stellvertretender Vorsitzender der LDPD.

Johannes Dieckmann 1967

 

Bildquelle:

„Bundesarchiv Bild 183-F0711-0037-001, Johannes Dieckmann“ von Bundesarchiv, Bild 183-F0711-0037-001 / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons – Bild ist entsprechend verlinkt

Johannes Dieckmann auf 14. Volkskammersitzung

Johannes Dieckmann in Berlin, auf der 14. Volkskammersitzung

Bildquelle:

„Bundesarchiv Bild 183-76234-0027, Berlin, 14. Volkskammersitzung, Dr. Dieckmann“ von Bundesarchiv, Bild 183-76234-0027 / Sturm, Horst / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons – Bild ist entsprechend verlinkt.

Briefmarke Johannes Dieckmann

Briefmarke der Deutschen Post der DDR aus der Serie „Bedeutende Persönlichkeiten“.

Bildquelle:

„Stamps of Germany (DDR) 1973, MiNr 1819“ von Hochgeladen und Bearbeitet von –Nightflyer (talk) 19:43, 10 October 2009 (UTC) – Eigener Scan. Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons – Bild ist entsprechend verlinkt