1. Juli – Tag der Deutschen Volkspolizei

Gastbeitrag von Holger Marks

 

Ich war vom 08. März 1988 bis zum Jahresende 1990 Angehöriger der VP. Interessanterweise über den 3. Oktober 1990 hinaus.  Schaffte es in der kurzen Zeit „nur“ zum Meister der VP. Im Einwohnermeldeamt Karl-Marx-Stadt. Melde- und Ausweiswesen. Das fiel damals noch in  den Bereich der Polizei.

Was war die VP?   Eine Polizei. 

Da wurden Straftaten verfolgt, betrunkene Autofahrer gestoppt, Schlägereien beim Stadtfest beendet, Anzeigen zu Fahrrad-Diebstählen aufgenommen und eben auch Personalausweise ausgestellt.

Schlechte Erinnerungen an die VP werden wohl vornehmlich die Menschen haben, die sich nicht an die Gesetze hielten? Ist das heute anders?

Ich fuhr mit der Straßenbahn in Uniform zum Dienst und auch zurück. War da ganz allein. Keiner kam mir währenddessen dumm. Heute undenkbar?

Was ich bis heute nicht leiden kann, ist, wenn mir jemand einreden will, die Bezeichnung „VoPo“ sei hier gebräuchlich gewesen. Das war sie nicht!

„Vau Pee“ sagte man zu uns, oder meinetwegen „Bullen“. Aber niemand benutzte in der DDR die vom Axel-Springer-Verlag oder dpa erfundene Abkürzung „VoPo“! Die sollte sich diffamierend an die verbrecherische „GeStaPo“ anlehnen. Und wenn ich heute – fast 30 Jahre danach – dieses „VoPo“ lese oder höre, werde ich immer noch wütend.

Jedes Land dieser Erde hat eine Polizei. Unterschiedlicher Güte. Die Volkspolizei der DDR war gewiss nicht schlechter, als die besten davon.

Ich darf zum Tag der VP hier mal alle ehemaligen Kollegen grüßen, die damals neben mir und zum Teil heute noch ihren Dienst tun?

Holger Marks

 

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Die Volkspolizei wurde ihrem Namen gerecht

Gastbeitrag von Gerd Pehl

 

Die Volkspolizei, war eine Polizei, die immer ihrem Namen gerecht wurde. Sie war die Polizei des Volkes der DDR. Sie war die Polizei, die zum Schutz der Bürger tätig war, die auf Einhaltung der Ordnung und Sicherheit achtete, die auch Helfer der Bürger war. 

Da fällt mir die kleine Satire ein, die in der DDR erzählt wurde: Eine schon sehr alte Frau erzählt Bekannten, was ihr passiert ist: Eines Tages stand ich mit einigen Leuten an einer Ampel, neben mir stand ein Polizist. Die Ampel schaltet auf Grün. Alle, auch der Polizist, gehen sofort über die Straße. Ich zögerte. Ich kann doch nicht mehr so laufen und die Ampel wird wieder Rot. Das ist unsere Volkspolizei. Aber neulich stand ich wieder an dieser Ampel. Die Ampel schaltete auf Grün. Ich zögerte wieder. Da stand plötzlich ein Polizist neben mir und sagte, kommen Sie wir gehen zusammen rüber. Wir gingen langsam über die Straße und der Volkspolizist immer neben mir. Das war ein netter Volkspolizist. Was ist der Sinn dieser Satire? Wenn unsere Menschen negative Kritik übten, dann war es immer die Gesamtheit – wie hier: Die Volkspolizei. Wenn es aber eine gute Sache oder Tat war, dann war es nicht die Gesamtheit, sondern der Einzelne – wie hier: Der Volkspolizist. 

Wer meinte, die Gesetze nicht einhalten zu brauchen, der wurde belehrt, verwarnt oder festgenommen. Unsere Volkspolizisten waren auf den Straßen in den Städten zu sehen und das 24 Stunden am Tag und sorgten für Ordnung. Da gab es keine Radfahrer, die auf dem Bürgersteig fuhren und wenn, dann wurden sie belehrt und auch mit Ordnungsgelder verwarnt oder auch am Sonntagvormittag zur Verkehrsschulung in die Polizei-Inspektion geladen.

Es war eben wirklich eine Polizei des Volkes. Unsere Polizei ging nicht mit Wasserwerfern, Tränengas gegen Bevölkerungsgruppen vor. Auch wenn Holger Marks schreibt, dass die Volkspolizisten auch Schlägereien beendeten, das ist auch zutreffend, aber dabei wurden keine Gummiknüppel, Wasserwerfer oder Tränengas eingesetzt. Sie brauchten sich nicht mit kugelsichere Westen und Schildern auf den Straßen bewegen, all das war nicht nötig. Die DDR war eben ein Staat des Volkes. Genau das ist der Unterschied zum Staat BRD.

Wenn wir an den Tag der Volkspolizei denken, dann dürfen wir nicht vergessen, dass es Volkspolizisten an der Grenze zu Westberlin* gab, die ihr Leben ließen als Beschützer des demokratischen Sektors von Berlin, die meuchlings ermordet wurden von Westberliner Agenten, die bis heute nicht zur Rechenschaft gezogen wurden. Auch das steht auf das Schuldkonto des Adenauer-Staates und zieht sich in die heutige BRD hinein.

*Die Grenzpolizei war der Vorläufer der Grenztruppen der DDR. Anmerkung von DIE TROMMLER(Petra Reichel)

 

Irreführung der Jugend

Auszug aus

Zu einigen Schwerpunkten der Arbeit der Untersuchungsorgane(Ermittlungsbehörden)

 

Jugend, Zukunft, Macht

 

Bildquelle: Du bist Politik http://www.du-bist-politik.de/projekt/jugend-macht-zukunft/

 

Zeitweilig bildete die Massenwerbung von Jugendlichen der DDR als Spione
 einen Schwerpunkt in der Untersuchungsarbeit. Der Leiter der Westberliner
 Dienststelle des MID rechnete mit einer „Laufzeit“ der Spione von vier Wochen.
 Dazu fand im Ergebnis von vielen Befragungen eine Pressekonferenz am
12. Juli 1956 im Haus des Nationalrates der Nationalen Front statt. Dort
wurde nachgewiesen, dass der USA-Geheimdienst auf diese Weise von „Spitzenquellen“ ablenken, die Abwehrorgane des MfS desorientieren und regelrecht
zu Festnahmen provozieren und zugleich Unruhe unter Jugendlichen
der DDR erzeugen wollte.
 Das kommt auch für spätere Zeiten bis zum bitteren Ende bekannt vor. Außerdem wurde in den Medien der BRD entsprechende Propaganda betrieben, die in der DDR aufgeschnappt wurde und die Menschen dort, insbesondere die Jugendlichen desorientierte.

Warum nutzte das MfS diese Erfahrung später nicht? Möglicherweise war es Betriebsblindheit, dass die Staatsmacht der DDR, einschließlich des MfS, mit Hilflosigkeit und Fehleinschätzungen reagierte.

Schwerter zu Pflugscharen

Bildquelle: Wikipedia https://de.wikipedia.org/wiki/Schwerter_zu_Pflugscharen

 

Als sich viele Jugendliche durch „Schwerter zu Pflugscharen“ in die falsche Richtung treiben ließen, reagierte die Staatsmacht der DDR mit Hilflosigkeit.

Was die Ostbüros anderer Parteien und des DGB nicht schafften, schaffte die Partei DIE GRÜNEN aus der BRD. Der Hoffnungsträgerin Petra Kelly gelang es Erich Honecker hereinzulegen. Die Staatsgäste von der BRD-Partei DIE GÜNEN konnte ungehindert ein Transparent „Schwerter zu Pflugscharen“ ausrollen. Die BRD-Partei DIE GRÜNEN leistete einen entscheidenden Beitrag zum Gelingen der Konterrevolution. Im Diplomatengepäck konnten Politikerinnen und Politiker der GRÜNEN logistische und finanzielle Hilfe für die Konterrevolutionäre ungehindert herbeischaffen. Die Staatsmacht der DDR konnte nur noch hilflos zugucken.

 

People's_Police

Die Volkspolizei jagte Leuten hinterher, die den Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ auf ihrer Jacke hatten. Das brachte für die Volkspolizei einen gewaltigen Imageschaden mit sich. Außerdem war das „Wasser auf die Mühlen“ der westlichen Propaganda. Die „unabhängige Friedensbewegung“ in der DDR richtete sich nicht gegen die Amis und ihre Verbündeten, sondern gegen die Armeen der DDR und ihrer Verbündeten. Die Amis lachten „sich ins Fäustchen“ und konnten munter ihre Atomraketen aufstellen.

In der DDR und den anderen sozialistischen Ländern war unmerklich die Endzeit angebrochen.

aufblasbare Kirche

Bildquelle: Queer.de http://www.queer.de/detail.php?article_id=26873

Als 1989 die Jugend zur Kirche strömte und sich von reaktionären Kräften in die Irre führen ließ, reagierte die Staatsmacht ebenso mit Hilflosigkeit und Fehleinschätzung der Lage. Der Weg ins Aus folgte.

 

Auszug aus:

Zu einigen Schwerpunkten der Arbeit der Untersuchungsorgane(Ermittlungsbehörden)

 

 

 

Buchtitel Die Sicherheit Kopie 3

 

Text Karli Coburger und Dieter Skiba, bearbeitet, bzw. ergänzt von Petra Reichel

Entnommen aus dem Buch „Die Sicherheit“

 

 

Website MfS-Insider

 

Das gesamte Buch oder einzelne Kapitel können von der Website www.mfs-insider.de heruntergeladen werden.

 

 

Original-Text:

Schwerpunkte Arbeit Untersuchungsorgane

 

 

Horst Hesse

Horst Hesse, geboren am 12. Mai 1922 in Magdeburg und gestorben am 16. Dezember 2006 in Schwedt/Oder, war MfS-Angehöriger und Kundschafter.

1955 wurde er in Zentrale der Military Intelligence Division eingeschleust, gelang es ihm, in der Aktion „Schlag“ im Mai 1956 zwei Panzerschränke mit der kompletten Agentenkartei aus der MID-Zentrale zu entwenden und in die DDR zu bringen.


 

Horst Hesse stammte aus einer Arbeiterfamilie. Er war gelernter Feinmechaniker und arbeitete zeitweise in den Magdeburger Kruppwerken. Als knapp 20-jähriger wurde er 1942 in den Kriegsdienst einberufen. Während des Krieges wurde er zweimal schwer verwundet, zuerst beim Rückzug aus Afrika in der Nähe von Tunis, dann im niederländischen ’s-Hertogenbosch. Im April 1945 kam er bei Ludwigslust in Mecklenburg in britische Gefangenschaft, wurde aber wegen einer Beinverletzung vorzeitig entlassen. Nach einer Odyssee durch Westdeutschland kehrte er im Oktober 1945 in seine zerstörte Heimatstadt Magdeburg zurück. Ende der 40er Jahre ging er zur Volkspolizei. Nach einer kurzen Zeit als Schutzpolizist wurde er zur Abteilung Grenze versetzt. Ab 1948 war er Mitglied der SED.

Seine Kundschaftertätigkeit begann, als er von einem früheren Nachbarn namens Rudolf Voigt als Agent für die Military Intelligence Division (MID), einem US-amerikanischen Geheimdienst, angeworben wurde. Das Ministerium für Staatssicherheit, das Hesse von diesem Anwerbungsversuch in Kenntnis gesetzt hatte, entschied darauf hin, ihn als Doppelagent einzusetzen. Der MID, der ihn unter dem Decknamen „Lux“ führte, lieferte Hesse regelmäßig vom MfS präpariertes Material über Objekte der Roten Armee in Magdeburg. Auf diese Weise konnte er das Vertrauen Voigts gewinnen, was es ihm ermöglichte, Unterlagen aus dessen Wohnung zu entwenden und an das MfS weiterzuleiten. Durch den Verlust dieser Dokumente galt Hesse aus Sicht der MID als enttarnt und konnte offiziell nicht mehr in die DDR zurückkehren, so dass die MID entschied, ihn anderweitig einzusetzen.

Nach wochenlangen Überprüfungen durch die MID arbeitete er zunächst einige Monate als Befrager im Flüchtlingslager Bremen. Im Juni 1955 wurde er als Horst Berger schließlich in die MID-Zentrale nach Würzburg versetzt, wo er für die Auswertung von Briefen und Telegrammen aus der DDR in die BRD verantwortlich war. Es gelang ihm, sehr schnell das Vertrauen seiner MID-Vorgesetzten zu gewinnen und so zum Leiter der Abteilung Agentenwerbung aufzusteigen. Gleichzeitig hielt er regelmäßigen Kontakt zum MfS.

Im Mai 1956 führte Hesse die Aktion „Schlag“ aus, bei der es ihm gelang, aus der unbewachten MID-Zentrale zwei Panzerschränke zu entwenden und in die DDR zu bringen. Diese enthielten neben der kompletten Agentenkartei des amerikanischen Militärspionagedienstes in Deutschland auch einige tausend Blanko-Ausweise westdeutscher Institutionen, Angriffspläne sowie Angaben über sogenannte Schweigefunker, die im Kriegsfall aktiviert werden sollten.

Als Folge dieser Aktion wurden 521 vom MID geführte Mitarbeiter enttarnt, was zur Verhaftung von 140 Personen in der DDR führte. Hesse wurde von einem US-Militärgericht in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Die Aktion „Schlag“ lieferte die Vorlage für den von der DEFA(Filmgesellschaft der DDR) produzierten Filmklassiker „For Eyes Only“ (1963).

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

siehe auch Artikel von „Spiegel online“ vom 11.05.2016

„RotFuchs“-Beitrag zu Friedrich Dickel

Hier der Beitrag im  Rotfuchs von Dieter Winderlich.

 

Frierich Dickel Rotfuchs-ArtikelFriedrich Dickel Rotfuchs-Artikel 2

Hier der Beitrag als PDF-Datei zum Runterladen.

Friedrich Dickel Rotfuchs-Artikel

 

 

Friedrich Dickel

Friedrich Dickel, geboren am 09. Dezember 1913 in Vohwinkel, heute Wuppertal, gestorben am 22. Oktober 1993 in Berlin war Minister des Inneren und Chef der Deutschen Volkspolizei von November 1963 bis November 1989.

 

Friedrich Dickel

Friedrich Dickel, Armeegeneral und Innenminister der DDR

Bildquelle: DDR-Kabinett Bochum, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Als Sohn eines Maurers wurde er nach dem Besuch der Volksschule 1928 bis 1931 zum Gießer und Former ausgebildet. Er war seit 1928 im Kommunistischen Jugendverband Deutschlands (KJVD) aktiv und trat 1931 der KPD, 1932 der Roten Hilfe und dem Roten Frontkämpferbund bei.

Ab 1933 arbeitete er illegal in Deutschland und wurde zweimal verhaftet, nach einer drei-monatigen Gefängnishaft emigrierte er 1933 bis 1935 nach Frankreich und war bis 1936 in den Niederlanden aktiv. Danach nahm er als Kompanieführer im Thälmann-Bataillon der XI. Internationalen Brigade am national-revolutionären Krieg (Spanischer Bürgerkrieg)teil. 1937 wurde er zu einer Spezialausbildung nach Moskau kommandiert und war danach für den militärischen Nachrichtendienst der UdSSR (GRU) in Finnland und Shanghai tätig. 1943 wurde er verhaftet und durch ein japanisches Militärgericht verurteilt.

Im Mai 1946 kehrte er nach Moskau zurück und von dort im Dezember 1946 nach Berlin. Er wurde Mitglied der SED, trat im Mai 1947 in die Deutsche Volkspolizei ein und diente bis 1949 im Präsidium der DVP(Deutsche Volkspolizei)in Leipzig. Nach einem Kurs an der Höheren Polizeischule in Kochstedt war er bis 1953 Kommandeur der Polit-Kulturschule der Hauptverwaltung Ausbildung bzw. der Kasernierten Volkspolizei (KVP) in Berlin-Treptow. Am 1. Oktober 1952 wurde er zum Generalmajor der KVP ernannt. Von 1953 bis 1955 war er zunächst Stellvertreter des Chefs der Politischen Verwaltung für organisatorische Fragen, dann bis 1956 Chef der Politischen Verwaltung der KVP.

Mit Gründung der Nationalen Volksarmee 1956 wurde er Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung und Chef der Politischen Verwaltung. 1956/57 war er 1. Stellvertreter des Ministers. Zugleich war er von 1956 bis 1958 Vorsitzender der Armeesportvereinigung Vorwärts und 1957 Mitglied im Bundesvorstand des Deutschen Turn- und Sportbundes. 1957 bis 1959 war er Kursant der sowjetischen Generalstabsakademie in Moskau (Abschluss als Diplom-Militärwissenschaftler) und danach bis 1963 erneut Stellvertreter des Ministers für Nationale Verteidigung, diesmal für Technik und Bewaffnung. 1959 wurde er ständiger Vertreter der DDR im Stab der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland (GSSD).

Im August 1961 war Friedrich Dickel Mitglied des Stabs des Nationalen Verteidigungsrats der DDR bei der Errichtung des Antifaschistischen Schutzwalls in Berlin.

Im Oktober 1963 wurde er zum Generalleutnant befördert und war dann vom 15. November 1963 bis zum 17. November 1989 als Nachfolger von Karl Maron Minister des Innern und Chef der Deutschen Volkspolizei sowie bis 1976 Chef der Zivilverteidigung.

Auf Beschluss des Ministerrates der DDR wurde er am 30. Juni 1965 zum Generaloberst und 1984 zum Armeegeneral (Volkspolizei) befördert. Er war von 1967 bis 1989 außerdem Mitglied des Zentralkomitees der SED und bis März 1990 Abgeordneter der Volkskammer.

Berlin, Erich Honecker empfängt Jaromir Obzina

Erich Mielke, Jaromír Obzina, Erich Honecker und Friedrich Dickel (von links nach rechts) bei einem Staatsempfang im Jahr 1983

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-1983-0602-023 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Erich Honecker überreicht Scharnhorst-Orden

Beförderung Dickels zum Armeegeneral, 1984

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-1984-1003-021 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

 

entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 


Friedrich Dickel gehörte nicht zum innersten Führungsbereich der SED, dem Politbüro.

Anders, als seine Amtskollegen der NVA oder des MfS konnte er seine Vorstellungen nicht dem Generalsekretär direkt vortragen. Sein Gesprächspartner war Egon Krenz, zu dem er ein offenes Verhältnis hatte. Die Gefahr für den Sozialismus erkannte er schon zeitiger, als die Parteiführung.

Beim DDR-Kabinett-Bochum und im „RotFuchs“ schrieb Generalmajor a.D. Dieter Winderlich, der letzte Chef der Volkspolizei in einem Beitrag, bzw. in seiner Rede , wie Friedrich Dickel das Ende des Sozialismus, bzw. der DDR kommen sah.

Gorbatschows neuer Innenminister Bagatin kam mit Ehefrau zu einem Urlaubsaufenthalt in die DDR. Das Programm dafür war mit dem Innenministerium der UdSSR abgestimmt. Dieter Winderlich bekam von Minister Dickel den Auftrag, sich um seinen Gast zu kümmern. Der Besuch sollte auf Wunsch der sowjetischen Seite der Erholung dienen. Große öffentlichkeitswirksame Maßnahmen waren deshalb nicht vorgesehen. Zum Empfang der Gäste waren der 1. Stellvertreter des Ministers und Dieter Winderlich auf dem Flugplatz erschienen. Zu ihrer großen Überraschung erschienen der sowjetische Botschafter Kotschemassow und ein General des Oberkommandos der Gruppe der sowjetischen Streitkräfte in Deutschland aus Wünsdorf.

Beim ersten Gespräch zu seinem Aufenthalt folgte eine weitere „Überraschung“. Minister Bagatin erklärte seinen Gastgebern, dass in Zeiten der Perestroika kein Minister einfach Urlaub machen könne. Er bat um Besichtigungen von Dienststellen der Volkpolizei und des Strafvollzuges und um einen Erfahrungsaustausch mit Minister Dickel. Kein Problem, es wurde alles zu seiner Zufriedenheit organisiert. Für die Ehefrau musste ein Damenprogramm organisiert werden.

Wie bei Besuchen von Innenministern protokollarisch vorgesehen, holte Dieter Winderlich den sowjetischen Minister im Gästehaus ab und begleitete ihn zum Arbeitsgespräch mit Minister Dickel ins MdI. Ein Funkstreifenwagen begleitete die Politiker mit Blaulicht. Mitten auf dem Adlergestell ließ der sowjetische Innenminister anhalten, was die zu seiner Sicherheit eingesetzten Personenschützer in Alarm versetzte. Er stieg aus, ging zum Funkstreifenwagen und schickte die Besatzung nach Hause. Die dachten, sie hätten sich verhört und rührten sich nicht vom Fleck. Nun klärte der Minister mich auf, dass eine Begleitung mit Blaulicht „in Zeiten der Perestroika nicht mehr zeitgemäß sei.“ Da der Gast König ist, schickte ich den Streifenwagen weg. Da beginnt schon der Irrsinn Besuche hoher Politiker stets in Begleitung von Polizei stattfinden. Das ist weltweit so üblich.

Nach einer Woche Aufenthalt in Berlin verbrachte das Ehepaar dann zehn Tage im Harz, in einem abgeschiedenen Gästehaus. Danach waren sie wieder in Berlin. An einem Abend besuchte Minister Dickel mit seinem Amtskollegen das Café auf dem Fernsehturm am Alexanderplatz. Aus dieser Perspektive waren der Grenzverlauf und der Antifaschistische Schutzwall sehr deutlich zu sehen. Minister Bagatin zeigte sein Unverständnis über die gesicherte Grenze und meinte, man kann doch nicht auf Dauer eine historisch gewachsene Stadt durch eine Mauer trennen. Genauso, wie in der antikommunistischen Propaganda, wie wir sie aus der BRD u.a. kapitalistischen Ländern kennen, sprach er von den Menschen, welche die „Mauer“ getrennt habe usw.. Minister Dickel widersprach mit allen bekannten Argumenten. Dieter Winderlich glaubte seinen Ohren nicht zu trauen. Bisher hatten alle sowjetischen Politiker die DDR allgemein wegen dem Antifaschistischen Schutzwall als Vorposten des sozialistischen Weltsystems gelobt. Das konnte doch nicht die persönliche Meinung Bagatins sein. Er zählte zu den neuen Köpfen in Moskau, die Gorbatschow ausgesucht hatte. Wollte er seinen Gastgebern einen Hinweis geben, dass man die DDR aufgibt? Dieter Winderlich verwarf den Gedanken blitzschnell und dachte an den Blutzoll der Sowjetunion bei der Befreiung Deutschlands. Er glaubte nicht, dass die Sowjetunion die DDR so einfach aufgibt, nachdem sie im zweiten Weltkrieg einen hohen Blutzoll zahlen musste.

Bei mehreren Arbeitsgesprächen der beiden Minister wurden Gedanken und Erfahrungen zur öffentlichen Ordnung und der Erhöhung der Wirksamkeit der Polizeiarbeit ausgetauscht. Natürlich kam man an der aktuellen Lage in beiden Ländern nicht vorbei. Als man die Frage der Reisefreiheit berührte, schilderte Dickel seinem Gast, dass dies vor allem an den mangelnden Devisen für die Ausstattung der Bürger mit Reisezahlungsmittel und der Nichtanerkennung der Staatsbürgerschaft der DDR durch die BRD scheitern würde. Dickel nannte die Summe von 1 Milliarde Valuta. Selbst wenn diese Summe aufgebracht wird, stelle sich die Frage wie mit den Angehörigen der Volkspolizei zu verfahren sei. Schließlich wollen die auch reisen. Hier machte Bagatin einen verblüffenden Vorschlag: Ausbau des Urlauberaustausches zwischen den beiden Ministerien. Bau von Feriensiedlungen in der Sowjetunion durch das Innenministerium der DDR für ihre Polizisten. Jetzt dachte Dieter Winderlich wieder an das Gespräch auf dem Fernsehturm zur gesicherten Grenze und fühlte sich bestärkt, dass die DDR im Kampf um das europäische Haus, Gorbatschows Lieblingsargument, nicht geopfert wird. Allerdings irrte Dieter Winderlich sich da.

Im Rahmen dieser Arbeitsgespräche gab es heftigen Meinungsstreit zur Perestroika. Je mehr Bagatin die Perestroika verherrlichte, umso konsequenter wurden die Argumente und die Haltung von Dickel. Es war streckenweise peinlich dabei zu sein, wenn Minister Dickel dem jüngeren Amtskollegen die Grundlagen des Marxismus erklärte. Als Bagatin erläuterte, dass die organisatorische Basis der Arbeit der KPdSU mehr dort liegen müsse, wo die Menschen wohnen und nicht dort, wo sie arbeiten, konnte Dickel sich kaum noch beherrschen. Als dann noch Bagatin schwärmte, dass in der Perestroika jeder schreiben und propagieren könne, was er denkt, fiel der Satz: So beseitigen Sie den Sozialismus, Genosse Minister!“

Die Teilnehmer des Gesprächs waren geschockt. So hatte Friedrich Dickel bisher mit keinem sowjetischen Innenminister gesprochen. Aber eines muss man dem erfahrenen Klassenkämpfer Friedrich Dickel lassen, seine Voraussage, dass dies alles vom Sozialismus wegführt, stimmte.

Nach dem Rücktritt der Regierung Stoph konnte er erhobenen Hauptes das Ministerium verlassen. Den Anfeindungen gegen die Ordnungseinsätze am 7. Oktober 1989 stellte er sich.

Auffallend war, dass sich die konterrevolutionären Herrscher gegenüber F. Dickel zurück hielten. Sollte ihn der sowjetische Geheimdienst ein zweites Mal unter die Arme gegriffen haben? Wenn ja, dann bestimmt nicht auf Initiative der politischen Führung in Moskau, sondern auf Grund der Solidarität der ehemaligen Kundschafter und deren Führungsoffiziere.

 

entnommen aus DDR-Kabinett-Bochum, bearbeitet von Petra Reichel

DDR-Kabinett Bochum Kopie

 

 

 

Redebeitrag von Dieter Winderlich auf der Festveranstaltung 

des DDR-Kabinett-Bochum e.V. am 5. Oktober 2013

 

 

Dieter Winderlich

Dieter Winderlich, geboren am 04. Dezember 1938 war von 1987 bis 1990 Stellvertreter des Ministers des Innern (MdI) der DDR und 1990 der letzte Chef der Deutschen Volkspolizei.

Generalmajor a.D. Dieter Winderlich

Generalmajor a.D. Dieter Winderlich

Bildquelle: DDR-Kabinett Bochum,  Bild ist entsprechend verlinkt
siehe auch Interview für die Ausstellung „Grenzfall“ des Wilhelmsgymnasiums Kassel

Der Sohn eines Arbeiters, der 1947 Volkspolizist geworden war, ging in der DDR zur Schule, erlernte den Beruf eines Erziehers und erwarb im Fernstudium den Fachschulabschluss als Unterstufenlehrer. Im Frühjahr 1961 folgte er einem Aufruf der FDJ und wurde wie sein Vater Angehöriger der DVP(Deutsche Volkspolizei). Er schloss sich der SED an und absolvierte ein mehrjähriges Studium an der Hochschule des Ministeriums für Innere Angelegenheiten der UdSSR. Von 1970 bis 1974 fungierte er als Leiter der Jugendstrafanstalt Wriezen im Kreis Bad Freienwalde. Als Oberst der VP war er von 1980 bis 1987 stellvertretender Leiter der Verwaltung Strafvollzug des MdI. Im Februar 1987 folgte er Günter Giel als Stellvertreter des Ministers des Innern (zuständig für das Archivwesen, die Feuerwehr, den Strafvollzug und die Kriminalpolizei). 1988 wurde er von Erich Honecker zum Generalmajor ernannt.

Dieter Winderlich, letzter Chef der Volkspolizei

Dieter Winderlich, letzter Chef der Volkspolizei

Bildquelle: DDR-Kabinett Bochum, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Am 10. Januar 1990 wurde er von Innenminister Lothar Ahrendt als Chef der DVP eingesetzt und war damit zugleich der erste Stellvertreter des Ministers.  Er blieb bis zum Regierungswechsel im April 1990 auf diesem Posten. Am 1. Mai 1990 wurde sein Titel von Generalmajor in Chefinspekteur umgewandelt. Vom letzten Innenminister Peter-Michael Diestel wurde er zum Leiter der Abteilung für die Bund-Länder-Zusammenarbeit im Ministerium für Innere Angelegenheiten berufen.

Dieter Winderlich auf Festveranstaltung DDR-Kabinett Bochum

Dieter Winderlich auf der Festveranstaltung des DDR-Kabinetts Bochum e.V.

Bildquelle: DDR-Kabinett Bochum, Bild ist entsprechend verlinkt

 

 

 

Dieter Winderlich ist heute Mitglied der Initiativgemeinschaft zum Schutz der sozialen Rechte (ISOR). Außerdem schriebt er Artikel, bzw. hält Vorträge, wie z. B. beim DDR-Kabinett Bochum und im „RotFuchs“.

Rotfuchs

DDR-Kabinett Bochum Kopie

 

 

 

 

 

 

Entnommen aus Wikipedia und DDR-Kabinett Bochum, bearbeitet von Petra Reichel