Der Kampf um die Errichtung der antifaschistischen Einheits- und Volksfront nach der Brüsseler Parteikonferenz

Nach der Brüsseler Parteikonferenz verstärkten die Kommunisten und andere antifaschistische Widerstandskämpfer ihre Anstrengungen im Kampf gegen das Naziregime. Hierbei zeichneten sich in den folgenden Jahren zwei Schwerpunkte ab. Einmal vervielfachte die Führung der KPD ihre Anstrengungen, die Einheitsfront der Arbeiterklasse herzustellen und einheitliche Kampfaktionen gegen den Faschismus zu organisieren. So suchten Walter Ulbricht und Franz Dahlem noch im November 1935 in Prag die sozialdemokratische Führung auf und unterbreiteten dort Vorschläge.

aus Vorschlägen des ZK der KPD an Führer der Sozialdemokratie, November 1935aus Vorschlägen an Führer der Sozialdemokratie 2

Quellenangabe aus Vorschlägen des ZK der KPD an Führer der Sozialdemokratie

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Auch diese Vorschläge wurden wieder von sozialdemokratischen Führern, wie Hans Vogel und Friedrich Stampfer, abgelehnt. Dennoch kam es in der Emigration und in Deutschland zu gemeinsamen Stellungnahmen und Aktionen von Kommunisten und Sozialdemokraten. Anlässlich der Ermordung des Kommunisten Rudolf Claus wegen seiner Tätigkeit in der Roten Hilfe(Eine Schande, was aus der Roten Hilfe heute geworden ist.), wandten sich führende Kommunisten und Sozialdemokraten erstmals in einer gemeinsamen Erklärung gegen das faschistische Mordregime an die deutsche und internationale Öffentlichkeit. Die Kommunistische Partei und die Sozialdemokratische Partei veröffentlichten im Saargebiet zur im März 1936 geplanten Reichstagswahl einen gemeinsamen Aufruf gegen die faschistische Politik des Lohnraubs, des Terrors und der Aggressivität. Gemeinsame Kampfaktionen von Bergarbeitern auf einigen Saar- und Ruhrgruben, die mitunter bis zu kurzen Streiks gingen, so auf vier Zechen in Wanne-Eickel Ende Februar 1936, zeigen die großen Anstrengungen zur Verwirklichung des gemeinsamen Kampfaufrufs.

aus Chronik des faschistischen MordterrorsQuellenangabe_aus Chronik des faschistischen Mordterrors

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Zum anderen suchte die KPD im Kampf alle antifaschistischen Kräfte zu einer einheitlichen Volksfront zusammenzuschließen. So kam im November 1935 im Pariser Hotel Lutetia unter dem Vorsitz von Heinrich Mann ein größerer Kreis von Sozialdemokraten, Kommunisten, Katholiken, Funktonären der Sozialistischen Arbeiterpartei(SAP) und einigen Vertretern der bürgerlichen Opposition zusammen, um über gemeinsame Schritte zum Kampf gegen das Naziregime zu beraten. Es bedurfte großer Anstrengungen, um auf einer Konferenz von etwa 100 Vertretern am 02. Februar 1936 eine erste gemeinsame Stellungnahme gegen den Hitlerfaschismus herbeizuführen. Durch die Ausarbeitung von Vorschlägen für ein Programm der deutschen Volksfront durch das Politbüro des Zentralkomitees der KPD im Juni 1936 wurde dieser Prozess der Herausbildung einer deutschen antifaschistischen Volksfront weiter gefördert und die Tätigkeit des in Paris gebildeten Ausschusses für eine deutsche Volksfront unterstützt.

Auf Anregung Wilhelm Piecks veröffentlichte der Volksfrontausschuss anlässlich des vierten Jahrestages der Errichtung der faschistischen Diktatur in Deutschland einen „Aufruf für die deutsche Volksfront, für Frieden, Freiheit und Brot!“ Er war das erste bedeutsame programmatische Dokument das gemeinsam von Kommunisten ( Franz Dahlem, Wilhelm Florin, Wilhelm Koehnen, Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht), Sozialdemokraten (Siegfried Aufhäuser, Karl Böchel, Rudolf Breitscheid, Toni Sender) und der Sozialistischen Arbeiterpartei sowie Vertretern der deutschen Intelligenz, wie Johannes R. Becher, Lion Feuchtwanger, Wolfgang Hallgarten, Wieland Herzfelde, Egon Erwin Kisch, Heinrich Mann, Arnold Zweig und anderen unterzeichnet worden war.

aus Aufruf_Bildung der deutschen Volksfrontaus Aufruf-Bildung der deutschen Volksfront 2Aufruf deutsche Volksfront Quellenangabe 1aus Aufruf_deutsche Volksfront Quellenangabe 2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Herausgeber der WELTBÜHNE

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Diese Anstrengungen hatten auch Auswirkungen in Deutschland selbst. Ende Dezember 1936 verbreitete eine von Berliner Sozialdemokraten organisierte Volksfrontgruppe ihr politisches Programm als einen Entwurf für eine Volksfrontplattform. Am 1. März 1937 bildete sich ein einheitlicher Arbeitsausschuss für die Vorbereitung einer Volksfront des Saargebietes.

An diesem Kampf für die antifaschistische Einheits- und Volksfront hatten die besten Vertreter deutschen Geisteslebens einen hervorragenden Anteil. Sowohl revolutionäre und bürgerlich-humanistische Schriftsteller, wie Johannes R. Becher, Lion Feuchtwanger, Egon Erwin Kisch, Ernst Toller sowie Heinrich Mann und Thomas Mann, als auch Wissenschaftler und Künstler reihten sich in die gemeinsame Front des Kampfes gegen den Faschismus ein. Die Gedichte Johannes R. Bechers zeichneten das Bild des revolutionären, von der Liebe zur Heimat und zum Volk und vom Hass gegen die Feinde des Volkes gleichermaßen durchdrungen Patrioten. (Heute wird der Begriff „Patriot“, bzw. „Patrioten“ von Rechten, bzw. Nazis missbraucht.)

Willi Bredels „Prüfung“, Wolfgang Langhoffs „Moorsoldaten“ und Friedrich Wolfs „Professor Mamlock“ halfen, um nur einige Werke zu nennen, dem faschistischen Regime vor aller Welt die Maske vom Gesicht zu reißen.

Die Werke Brechts wurden in diesen Jahren weltbekannt. Heinrich Mann rang sich zu Positionen eines kämpfenden Humanismus durch. In seinem großen Romanwerk „Die Jugend des Königs Henri Quatre“ und „Die Vollendung des Königs Henri Quatre“ zeugt der literarische Held von der Unüberwindlichkeit des kämpferischen Humanismus.

 

geschichtsbuch-ddr-9-klasse-kopie-2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der Kampf um der antifaschistischen Einheits- und Volksfront

 

Die Brüsseler Parteikonferenz der KPD

Die IV. Reichsparteikonferenz der KPD tagte vom 13. Bis 15. Oktober 1935 in der Nähe von Moskau. Um die Gestapo irrezuführen und die Rückkehr der Delegierten auf ihre illegalen Kampfposten zu sichern, wurde von der Führung der KPD verbreitet, die Konferenz habe in Brüssel stattgefunden. Sie ist deshalb als Brüsseler Parteikonferenz der KPD in die Geschichte eingegangen

Die Konferenz stand vor der Aufgabe, auf der Grundlage der Beschlüsse des VII. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale eine eigene schöpferische Politik, die den Kampfbedingungen entsprach, auszuarbeiten.

An dieser schwierigen und verantwortlichen Arbeit beteiligten sich trotz der faschistischen Verfolgungen Delegierte aus fast allen Teilen Deutschlands, unter ihnen Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht, Wilhelm Florin, Fritz Heckert und Franz Dahlem.

Die Hauptreferate der Konferenz hielten Wilhelm Pieck und Wilhelm Florin. Darin analysierten sie gründlich die Lage in Deutschland und in der Welt und entwickelten die neue Strategie und Taktik der KPD. Andere führende Genossen hielten Referate zu wichtigen Problemen der Massenarbeit der KPD. So sprachen Walter Ulbricht über den gewerkschaftlichen Kampf und Anton Ackermann über den antifaschistischen Kampf der werktätigen Jugend. (erwerbstätigen Jugend). Im Mittelpunkt aller Referate und Diskussionsbeiträge stand das Bestreben, eine umfassende Antwort auf die Frage zu geben, auf welchem Wege die deutsche Arbeiterklasse im Bündnis mit anderen Werktätigen(Erwerbstätigen) die Macht des deutschen Imperialismus und Militarismus stürzen und die politische Macht erobern konnte.

Die hierzu notwendige nüchterne und reale Einschätzung des Kräfteverhältnisses der Klassen in Deutschland lenkte auf entscheidende Erkenntnisse. Durch die Errichtung der faschistischen Diktatur hatten sich die Machtpositionen des Monopolkapitals gefestigt. Die Arbeiterklasse blieb demgegenüber weiterhin gespalten. Ihre führende Kraft, die KPD, war darüber hinaus in die tiefste Illegalität gedrängt. So hatte sich das Kräfteverhältnis zuungunsten der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten gestaltet.

Die Einschätzung des Bewusstseinstandes der verschiedenen Klassen und Schichten bestätigte diese Tatsache. Nur eine Minderheit der Arbeiterklasse führte den aktiven Kampf gegen den Faschismus. Die Mehrheit dagegen verhielt sich passiv.

Die Verbündeten derArbeiterklasse, die kleinbürgerlichen Schichten auf dem Lande und in den Städten, waren zum Teil mit den verschiedensten Maßnahmen der Hitlerregierung, der Förderung des Großgrundbesitzes und der Großbauern, der weiteren Existenz der Warenhäuser als drückende Konkurrenz der kleinen Händler usw. unzufrieden, aber zum aktiven Kampf waren sie nicht bereit. Die Warenhäuser waren einst in jüdischer Hand. Die Nazis enteigneten die Juden(„Arisierung“), doch sie führten die Warenhäuser in eigner Regie weiter. Die Hoffnung der Kleinhändler, dass die Warenhäuser abgeschafft würden, erfüllten sich nicht. Nach dem II. Weltkrieg wurden in der BRD daraus große Warenhauskonzerne. Nun haben sie ihrerseits Konkurrenz durch die großen Märkte außerhalb der Innenstädte („grüne Wiese“).

Die Kampfaktionen gegen die Hitlerdiktatur mussten deshalb demokratischen Charakter tragen, mussten eine antifaschistische, antiimperialistische und demokratische Ordnung zum Ziel haben.

Das nächste strategische Ziel war der Sturz des Hitlerregimes, die Erringung demokratischer Rechte und Freiheiten für das Volk und die Erkämpfung eines freien antifaschistischen Staates. Das konnte nur auf der Grundlage eines breiten demokratischen Kampfprogramms erfolgen, das die nächstliegenden, unmittelbaren Forderungen der Arbeiterklasse und ihrer Verbündeten enthielt.

Manifest der Brüsseler ParteikonferenzQuellenangabe Manifest der Brüsseler Parteikonferenz

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Um diese Aufgaben verwirklichen zu können, erklärte die Brüsseler Parteikonferenz die Herstellung der Aktionseinheit aller Teile der deutschen Arbeiterklasse und die Bildung der antifaschistischen Volksfront zum Kampf gegen Faschismus und Kriegsgefahr zur zentralen Aufgabe der KPD. Von besonderer Bedeutung in diesem Zusammenhang war die Herstellung der Einheitsfront zwischen Kommunisten und Sozialdemokraten.

Wilhelm Pieck über VolksfrontWilhelm Pieck über Volksfront 2Quellenangabe Wilhelm Pieck über Volksfront

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Mit den Beschlüssen der Parteikonferenz besaß die KPD als einzige Partei in Deutschland ein reales politisches Kampfprogramm zur Sammlung aller antifaschistisch-demokratischen Kräfte für den Sturz des Hitlerfaschismus, für die Verhinderung eines Krieges und die Errichtung eines demokratischen friedliebenden Deutschlands

Die Parteikonferenz bekundete die tiefe Verbundenheit mit ihrem eingekerkerten Parteivorsitzenden sowie ihre Bereitschaft, im Kampf um seine Befreiung niemals nachzulassen. Sie berief Ernst Thälmann deshalb erneut zum Führer der KPD. Für die Zeit seiner Kerkerhaft wurde Wilhelm Pieck zum Vorsitzenden der Partei gewählt. An seiner Seite standen in der Parteiführung so bewährte Funktionäre der deutschen Arbeiterbewegung wie Wilhelm Florin, Fritz Heckert, Walter Ulbricht und andere Genossen.

Politbüromitglieder auf Brüsseler Parteikonferenz gewählt

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Brüsseler Parteikonferenz der KPD

Befreiung der KZs Auschwitz und Dachau

Was war die DDR ?

Zeitzeugen erinnern sich

Entnommen aus DER SPIEGEL Nr. 5/25.01.2020

Don Greenbaum gehörte zu jenen Soldaten, die das KZ Dachau befreiten. Iwan Stepanowitsch Martynuschkin gehörte damals zu den sowjetischen Soldaten die das KZ Auschwitz befreiten

Die Berichte der Zeitzeugen befinden sich im SPIEGEL-Artikel (DER SPIEGEL Nr. 5/15.01.2020) Siehe angehängte PDF-Datei.

Der Zeitzeuge der der US-Armee:

GI Greenbaum

Bildquelle: Foto Sara Lewokowicz/DER SPIEGEL
Entnommen aus DER SPIEGEL Nr. 5/25.01.2020

ehemaliger US-Soldat Greenbaum Zeitzeuge Don Greenbaum heute

Bildquelle: Foto Sara Lewokowicz/DER SPIEGE
Entnommen aus DER SPIEGEL Nr. 5/25.01.2020

Der Zeitzeuge der Sowjetarmee:

Offizier Martynuschkin

Bildquelle: Foto Sara Lewokowicz/DER SPIEGEL
Entnommen aus DER SPIEGEL Nr. 5/25.01.2020

Ehemaliger Sowjetkämpfer Martynuschkin Zeitzeuge Stepanowitsch Martynuschkin heute

Bildquelle: Foto Sara Lewokowicz/DER SPIEGEL
Entnommen aus DER SPIEGEL Nr. 5/25.01.2020

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Der antifaschistische Widerstandskampf bis zur Brüsseler Parteikonferenz der KPD

Die neuen Aufgaben und Methoden im illegalen Kampf der KPD. Der Reichtagsbrandprozess

Mit der Errichtung der faschistischen Diktatur, die die Vernichtung der organisierten Arbeiterbewegung und die Verfolgung aller friedliebenden und demokratischen Kräfte zu ihrem Programm gemacht hatte, entstand eine neue Lage. Die Aufgabe, diese neue Situation einzuschätzen und die sich daraus ergebenden Aufgaben festzulegen, verwirklichte das Zentralkomitee der KPD am 07. Februar 1933 auf einer Tagung im Sporthaus Ziegenhals in Zeuthen bei Berlin.

Die etwas 40 Teilnehmer der illegalen Beratung wurden unter Beachtung umfangreicher Sicherungsmaßnahmen zum Tagungsort geleitet. Von verschiedenen Treffpunkten in Berlin wurden sie zur Treptower Sternwarte geführt. Von dort aus wurden sie als Angehörige eines Sportvereins zum Tagungsort gefahren. Die Tagung wurde von drei Gruppen zuverlässiger Genossen abgesichert. Boote standen bereit, um bei Gefahr die Tagungsmitglieder über den See in Sicherheit bringen zu können.

Das Referat auf dieser Tagung hielt Ernst Thälmann. Er charakterisierte die Hitlerregierung als die offene faschistische Diktatur, als die Regierung der Monopole und Junker, als Regierung des Terrors und des imperialistischen Krieges.

Gegen diese Regierung musste, wie er sagte, der Massenkampf der Arbeiter organisiert werden. Dazu war die Ausarbeitung konkreter Forderungen, wie die Sicherung des Lohnes, der Arbeitszeit und des Arbeitsplatzes, Verteidigung der demokratischen Rechte im Betrieb, notwendig, um die Arbeiterklasse einheitlich in den Kampf führen zu können.

aus Rede Ernst Thälmanns 07.02.1933Quellenangabe- Aus Rede Thälmanns

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Diese Tagung des Zentralkomitees der KPD in Ziegenhals war die letzte, auf der Ernst Thälmann vor den Mitgliedern des Zentralkomitees und anderen leitenden Funktionären sprach.

Die so in den Betrieben und Wohngebieten entstehenden KPD-Organisationen suchten alle Mittel auszunutzen, um die Rechte und Interessen der Werktätigen (Erwerbstätigen) zu verteidigen. Erste kurze Streiks flammten auf.

Im Zeiss-Metallwerk in Bad Kreuznach (Leider ist mir nichts darüber bekannt. Wenn das Haus der Stadtgeschichte endlich fertig ist, werde ich dort nachfragen. P.R.) wurde damit die Freilassung eines von den Nazis verhafteten Betriebsrates erzwungen. Im Autoreparaturwerk Pike (Stuttgart), im Betrieb Phönix (Düsseldorf), in der Firma Plumacher (Solingen) und anderen wurde durch Aktionen der Arbeiter ein Lohnabbau verhindert.

In den Wohngebieten entwickelte sich die solidarische Hilfe für die Familien der Opfer der faschistischen Terrorherrschaft.

Aus Bericht von Eva Lippold

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Zum Reichstagsbrandprozess, siehe Beitrag Das heldenmütige Auftreten Georgi Dimitroffs im Reichstagsbrandprozess

siehe entsprechenden Beitrag und die Personenbeschreibung Georgi Dimitroffs

Fotomontage von John Hartfield

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Demonstration in London für die Befreiung Dimitroffs und Thälmanns

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Mit dem Freispruch Dimitroffs und der mitangeklagten Kommunisten mussten die Faschisten eine empfindliche Niederlage einstecken. Um Dimitroff und seine Genossen vor der Rache der Faschisten zu retten, verlieh ihnen die Sowjetregierung die sowjetische Staatsbürgerschaft und forderte ihre unverzügliche Freilassung. Am Abend des 27. Februar 1934 trafen Dimitroff, Popoff und Taneff in Moskau ein.

 

Im Kampf um die antifaschistische Einheits- und Volksfron

Im zweiten Halbjahr 1934 und im ersten Halbjahr 1935 konnten die antifaschistischen Kräfte, an deren Spitze die KPD stand, in ihrem Kampf um den Zusammenschluss aller Arbeiter in einer antifaschistischen Einheitsfront und die Gewinnung antifaschistischer Kräfte der verschiedensten Klassen und Schichten, für eine antifaschistische Volksfront erste Erfolge erzielen

Ein Beispiel hierfür waren die Aktionen während der Wahlen zu den Vertrauensräten in den Betrieben am 11./12. April 1935. Entsprechend dem Vorschlag des Zentralkomitees der KPD traten Vertreter der KPD an den Vorstand der Sozialdemokratie in Prag heran und schlugen diesem das gemeinsame Vorgehen von Kommunisten und Sozialdemokraten bei den Wahlen vor. Gemeinsam sollte versucht werden, ehemalige Gewerkschafter, Antifaschisten, in die Vertrauensräte hineinzubringen, um dann diese Positionen im Kampf gegen den Faschismus auszunutzen. Obwohl der sozialdemokratische Parteivorstand diese Vorschläge ablehnte, hatte der Kampf der KPD und anderer Antifaschisten zur Folge, dass über 25 Prozent der Wahlberechtigten sich gegen die Nazikandidaten aussprachen. Im Sommer 1935 kam es in einer ganzen Anzahl von Betrieben, insbesondere im Ruhrgebiet, auf Autobahn- und Rüstungsbaustellen, zu verschiedenartigen Protestaktionen, die mitunter den Charakter von kleinen Streiks annahmen. Derartige Aktionen fanden auf mehreren Zechen des Ruhrgebietes, auf den Werften in Bremen und Hamburg, im Gaswerk Berlin-Köpenick, in der Rüttgerswerke AG in Berlin-Tempelhof und in einigen Werken der Röchlingschen Eisen- und Stahlwerke GmbH und anderen Betrieben statt

Im Verlauf dieser und anderer antifaschistischer Kampfaktionen kam es in verschiedenen Orten und Betreiben, trotz des Widerstandes einiger sozialdemokratischer Führer, zu gemeinsamem Vorgehen von Kommunisten und Sozialdemokraten und zum Abschluss von Einheitsfrontabkommen. So kam es in Dortmund, Mittel- und Oberbaden, im Bezirk Berlin-Brandenburg und in Schlesien zu gemeinsamen Aktionen von kommunistischen und sozialdemokratischen Arbeitern.

Antifaschisten, die von Nazis ermordet wurden

Antifaschisten, die von den Nazis ermordet wurden: Hans Litten, Erich Mühsam, Walter Stoecker, Fiete Schulze

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Aus EinheitsfrontabkommenQuellenangabe- aus Einheitsfrontabkommen

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, Stand 1982

 

Ein bedeutsamer Faktor in diesem Kampf war die Herausgabe und Verbreitung antifaschistischer Literatur. So erschien in diesen ersten Jahren des antifaschistischen Kampfes die „Rote Fahne“ dreimal monatlich mit je 60 000 Exemplaren. Diese Zahl steht stellvertretend für das große Heer der Helfer, deren aufopferungsvolle Arbeit, Findigkeit, Mut und revolutionäre Hingabe notwendig waren, um das Erscheinen des Zentralorgans der KPD zu sichern. Unter großen Schwierigkeiten erschienen auch Bezirkszeitungen der KPD, wie das „Ruhr-Echo“, „Thüringer Volksblatt“ sowie das illegale Organ des Kommunistischen Jugendverbandes „Die Junge Garde“. Chefredakteur dieser Zeitung war Paul Verner. Die Zeitung des KJVD widerspiegelte den Anteil der Jugend im antifaschistischen Widerstandskampf. Als Funktionär im Saargebiet, an der Ruhr und in Berlin organisierte Erich Honecker in verschiedenen Gebieten Deutschlands den Kampf der Jugend gegen den Faschismus. Die Faschisten verurteilten ihn dafür 1937 zu einer zehnjährigen Zuchthausstrafe.

 


 

Nach dem Sieg der Konterrevolution und der Annexion der DDR durch die BRD, saß Honecker erneut im Gefängnis. Helmut Kohl war immer noch Bundeskanzler. Einstmals war Erich Honecker dessen Staatsgast.

Erich Honecker besucht die BRD Kopie

Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1988

 

Siehe auch Beitrag: Der Staatsrat der DDR

 


 

In diesem Kampf brachte die KPD die größten Blutopfer. So waren von Januar 1933 bis Mitte 1935 von 422 führenden Funktionären der KPD 219 verhaftet und verurteilt, 24 bereits ermordet worden.

Trotz des Terrors, unter unsäglichen Schwierigkeiten, vermochte es die KPD bis Mitte 1935 ihre Reihen zu festigen und als politisch führende Kraft den Widerstand zu organisieren.

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Antifaschistischer Widerstandskämpfer bis Brüsseler Konferenz der KPD

 

 

Der VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale

Der VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale tagte vom 25. Juli bis zum 20. August 1935 im Säulensaal des Moskauer Gewerkschaftshauses. Zu dieser Zeit waren 76 Parteien der Kommunistischen Internationale (siehe Gründung Kommunistische Internationale) angeschlossen.

Haus der Gewerkschaften in Moskau

Haus der Gewerkschaften in Moskau

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

50 dieser Parteien mussten zur Zeit des Kongresses ihren Kampf illegal führen. Das bewies deutlich die schweren Kampfbedingungen für die internationale Arbeiterbewegung. Auf dem Kongress berieten 371 Delegierte mit beschließender und 139 Delegierte mit beratender Stimme als Vertreter von 65 Parteien mit etwa 4 Millionen Mitgliedern die neuen Aufgaben der internationalen kommunistischen Bewegung im weltumspannenden Kampf um Frieden, Demokratie und Sozialismus, gegen Faschismus und Krieg.

 

Das neue Kräfteverhältnis im Kampf zwischen Sozialismus und Imperialismus

Bei der Erarbeitung der neuen Aufgaben der kommunistischen Parteien ging der Weltkongress von einer gründlichen Analyse des Kräfteverhältnisses der Klassen aus, das sich bis 1935 herausgebildet hatte.

Die wichtigste Veränderung in der Welt bestand in der Durchsetzung der sozialistischen Produktionsverhältnisse in der UdSSR. Mit dem Kampf um die Erfüllung des zweiten Fünfjahrplans (1933 bis 1937), dem Abschluss der Kollektivierung der Landwirtschaft und den damit verbundenen wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Umgestaltungen entwickelten die sowjetischen Werktätigen(arbeitenden Menschen/Erwerbstätige) stabile Grundlagen ihrer neuen sozialistischen Gesellschaft

Die Sowjetunion verwandelte sich in eine sozialistische Großmacht. Der seinerzeitige Sieg der sozialistischen Produktionsverhältnisse in der UdSSR bedeutete darüber hinaus eine gewaltige Stärkung der internationalen Autorität der UdSSR sowie der Kräfte des Friedens, der Demokratie und des Sozialismus in der Welt. Mit diesem seinerzeitigen Sieg war in der Praxis die Leninsche Lehre von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande bestätigt worden. Jedes Land, das in der Folgezeit nach der Eroberung der Macht durch dieArbeiterklasse und ihre Verbündeten den Sozialismus errichten wollte, konnte und musste sich auf die historischen Erfahrungen des sozialistischen Aufbaus in der Sowjetunion stützen. Heute müssen wir feststellen, dass es ebenso nötig ist aus den Erfahrungen des Zusammenbruchs des Sozialismus in Europa 1989/90 zu lernen.

Eine weitere Veränderung des internationalen Kräfteverhältnisses ergab sich aus dem Aufschwung des antifaschistischen Massenkampfes in einer Reihe kapitalistischer Länder Europas. In Frankreich unternahmen, ermuntert durch den Machtantritt der Faschisten in Deutschland, am 06. Februar 1934 französische Faschisten einen Putsch mit dem Ziel, die faschistische Diktatur im Interesse französischer Industrie- und Bankmonopolisten zu errichten. In gewaltigen Aktionen unter Führung der kommunistischen Partei Frankreichs und des Unabhängigen Allgemeinen Gewerkschaftsbundes wurden die Faschisten zurückgeschlagen.

In Österreich nahm im Februar 1934 ein Teil der Arbeiterklasse den bewaffneten Kampf gegen bewaffnete Banden der sogenannten Heimwehr und Nazipartei auf, um die Demokratie zu verteidigen.

Aber hier, wie auch in Spanien im Oktober 1934, endeten die Kämpfe mit einer Niederlage der Arbeiter. In der Folgezeit wuchs jedoch in Spanien die Einheitsfront und der Einfluss der Arbeiterorganisationen an. So kam es 1936 zur Bildung der Volksfrontregierung.

Siehe: Die Zuspitzung der Klassenkämpfe in den imperialistischen Ländern

Schließlich nahm auch der antiimperialistische Befreiungskampf in den unterdrückten Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas einen bedeutenden Aufschwung. Ausdruck dessen war vor allem der machtvolle Volkskampf in China gegen die japanischen Aggressoren, die 1931 das Land überfallen hatten und im Sommer 1934 zu einer neuen Offensive gegen die Nordprovinzen Chinas antraten. Dieser Volkskampf führte zur Bildung bedeutender sogenannter befreiter Territorien, in denen die Macht in die Hände des Volkes übergegangen war.

Diesen Fortschritten der Kräfte der Demokratie und des Sozialismus suchte die internationale imperialistische Reaktion Einhalt zu gebieten. Der Ausbreitung der sozialistischen und antiimperialistischen beziehungsweise antikolonialen Bewegung stellte der Weltimperialismus den Abbau der bürgerlichen Demokratie und den Übergang zur offenen faschistischen Diktatur entgegen. Diese Politik führte in Deutschland zur Hitlerherrschaft. Diese reaktionären Bestrebungen richteten sich in erster Linie gegen die UdSSR. Sie bedrohte aber auch die Arbeiter und die demokratischen Bewegungen aller Länder. Riesengroß wuchs die Gefahr eines Krieges.

 

Die Beratungsergebnisse des VII. Weltkongresses und ihre Bedeutun

Grundlage der vom VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale erarbeiten neuen Strategie und Taktik war die gründliche Analyse des internationalen Kräfteverhältnisses und dabei insbesondere des Klassencharakters des Faschismus.

Daraus wurde der Schluss abgeleitet, dass der Sieg des Faschismus nicht unvermeidlich ist, sondern verhindert werden kann. Aus dem Nachweis, dass der Faschismus der Hauptfeind war, leitete Georgi Dimitroff in seinem Referat die Aufgabe ab, die Bedingungen für den Zusammenschluss aller antifaschistischen Kräfte, für die Herstellung der Einheitsfront der Arbeiterklasse und der antifaschistischen Volksfront zu schaffen.

Georgi Dimitroff

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Georgi Dimitroff über Einheits- und VolksfrontGeorgi Dimitroff über Einheits- und Volksfront 2Quellenangabe Dimitroff über Einheits- und Volksfront

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Das Referat von Palmiro Togliatti legte Zeugnis davon ab, welche grundlegende Bedeutung die Kommunistische Internationale dem Kampf gegen die wachsende Kriegsgefahr beimaß. Hierin wurde der Kampf für den Frieden und damit zugleich die Verteidigung der UdSSR als der Hauptstütze aller Friedenskräfte zur zentralen Aufgabe der kommunistischen Parteien erklärt.

 

Palmiro Togliatti

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Palmiro Togliatti über die KriegsgefahrQuellenangabe Palmiro Togliatti über die Kriegsgefahr

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Der VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale wurde durch den Inhalt und die Wirksamkeit seiner Beschlüsse zur bedeutendsten Beratung der kommunistischen Weltorganisation seit dem Tode Lenins.

 

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale

 

Ergänzung

1943 wurde die Kommunistische Internationale aufgelöst. Leider hat sich das Geschichtsbuch der DDR nicht damit beschäftigt und es muss auf Wikipedia zurückgegriffen werden.

Im Herbst 1941 war die Moskauer Zentrale der Kommunistischen Internationale als Reaktion auf den deutschen Vormarsch in die weiter östlich gelegene Stadt Ufa in Baschkirien evakuiert worden. Am 15. Mai 1943 fasste das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale den Beschluss über die Auflösung der Komintern zum 10. Juni.  Nach dem Eingang zustimmender Reaktionen von 31 angeschlossenen KP stellten die Komintern-Organe ihre Tätigkeit ein.

Stalin erklärte in einem Interview mit der Agentur Reuters am 28. Mai 1943, dass mit der Auflösung vor aller Welt zwei Momente unterstrichen werden sollten: dass Moskau sich nicht „in das Leben anderer Staaten“ einmische und dass die kommunistischen Parteien „im Interesse ihres eigenen Volkes“ und nicht „auf Befehl von außen“ handelten.

Allgemein gilt die Auflösung der Komintern als ein Zugeständnis Stalins an die westlichen Alliierten, die USA und Großbritannien.

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

Antifaschistische Widerstandgruppe „Rote Kapelle“

Gastbeitrag von Wolfgang Mueller

 

Briefmarke DDR Gedenken Rote Kapelle

 

Am 22. Dezember 1942 wurden elf Mitglieder der antifaschistischen Widerstandsgruppe um Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack, die unter dem Namen „Rote Kapelle“ bekannt ist, in Berlin-Plötzensee im Minutentakt erhängt beziehungsweise enthauptet. Sie waren am 19. Dezember von einem faschistischen „Reichskriegsgericht“ wegen Hoch- und Landesverrats zum Tode verurteilt worden.

Hitler persönlich hatte auf eine rasche Aburteilung und Hinrichtung gedrängt und zum Prozessbeginn angeordnet, dass eine Eisenschiene mit Fleischerhaken im Hinrichtungsraum der Haftanstalt Berlin-Plötzensee angebracht wird. Bis dahin wurden Todesurteile von Militärgerichten durch Erschießung und die von Zivilgerichten durch Enthauptung mit dem Fallbeil vollstreckt. 1933 war durch das Gesetz über Verhängung und Vollzug der Todesstrafe das nichtöffentliche Hängen als besonders entehrende Hinrichtungsart zugelassen worden.

In der Berliner Harnack/Schulze-Boysen-Gruppe kamen rund 150 Männer und Frauen aus verschiedenen Generationen und mit unterschiedlichen sozialen, politischen und weltanschaulichen Hintergründen zusammen. Die ersten Gesprächszirkel, aus denen sich später die Widerstandsgruppe bildete, entstanden bereits in der Endphase der Weimarer Republik und dienten künstlerischen, politischen und weltanschaulichen Diskussionen. In Zusammenhang mit dem um 1940 einsetzenden Meinungsaustausch zwischen dem Oberregierungsrat im Reichswirtschaftsministerium, Dr. Arvid Harnack, und dem Oberleutnant der Luftwaffe, Harro Schulze-Boysen, wuchsen die unterschiedlichen Freundeskreise zusammen.

Mit dem Ziel der Beendigung des Krieges analysierten die Regimegegner die soziale, politische und wirtschaftliche Lage des NS-Staates, dokumentierten die Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch die Nationalsozialisten und wandten sich mit Flugblättern und illegalen Schriften an die Öffentlichkeit. Außerdem leistete die Gruppe humanitäre Hilfe für vom Regime Verfolgte und Unterdrückte, indem sie Lebensmittelkarten sammelte, Unterkunft gewährte oder Fluchthilfe organisierte. Ein Teil der Gruppe war zudem um einen Informationsaustausch per Funkgerät mit der sowjetischen Seite bemüht.

Die Geschichte der Roten Kapelle ist weitaus weniger bekannt als die der Widerstandsgruppe um Stauffenberg oder um die Geschwister Scholl. Zu ihr bekannten sich Publizisten und Künstler, Beamte und Militärs, Ärzte und Arbeiter, Studenten, Lehrlinge, Schüler unterschiedlicher Weltanschauungen. Etwa 40 Prozent von ihnen waren Frauen. Alle hatten nur eine politische Leitlinie: Weg mit Hitler!

Die deutsche Spionageabwehr und die Gestapo gaben der Gruppe ihren Namen, nachdem sie Funksprüche aus Moskau abgefangen hatten: Für Geheimdienstler ist ein Morsecodezeichen klopfender Funker ein Pianist; eine Gruppe von Pianisten ist eine Kapelle; weil die Zeichen aus Moskau kommen, Heimat des Kommunismus, ist die Kapelle rot. Die Namensgebung machte aus der weltanschaulich offenen Widerstandsgruppe eine den Sowjets dienende Spionageorganisation. Dieses Geschichtsbild änderte sich erst zu Beginn der 1990er-Jahre

Zwei Männer standen im Zentrum der Gruppe, die sich ab Mitte der 30er-Jahre bildete: der Publizist und Luftwaffenoffizier Harro Schulze-Boysen, der in der Nachrichtenabteilung des Reichsluftfahrtministeriums tätig war und der Jurist und Nationalökonom Arvid Harnack, der als Geheimmitglied der KPD zum Schein in die NSDAP eintrat und als Oberregierungsrat im Reichswirtschaftsministerium arbeitete.

Freunde und Bekannte der beiden und ihrer Ehefrauen knüpften in Berlin ein loses Netzwerk aus schließlich sieben Widerstandskreisen. Unabhängig davon gab es Gruppen in Paris und Brüssel.

Der Sozialdemokrat Adolf Grimme (später Kultusminister in Niedersachsen) und die Kommunisten Hans und Hilde Coppi gehörten zum Netzwerk, der Journalist Adam Kuckhoff und seine Frau Greta (später Präsidentin der Deutschen Notenbank der DDR), die Ärztin Elfriede Paul, der Romancier Günther Weisenborn und seine Frau Joy. Harro Schulze-Boysen ahnte schon 1937, worauf der NS-Wahn hinauslaufen wird: „Es wird der größte Krieg der Weltgeschichte, aber Hitler wird ihn nicht überleben.

Im Spätsommer 1942 wurde die Harnack/Schulze-Boysen-Gruppe von der militärischen Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht aufgedeckt. Von den 91 vor dem Reichskriegsgericht und dem Volksgerichtshof angeklagten NS-Gegnern wurden 48 Männer und Frauen hingerichtet

Gefesselt fristeten die zum Tode Verurteilten die letzten Stunden ihres Lebens im Erdgeschoss des großen Zellenbaus in Plötzensee (Haus III), von den Gefangenen „Totenhaus“ genannt. Zwei Tage vor Heiligabend wurden im Vierminutentakt gehängt: Rudolf von Scheliha, Harro Schulze-Boysen, Arvid Harnack, Kurt Schumacher, John Graudenz; und anschließend im Dreiminutentakt enthauptet: Horst Heilmann, Hans Coppi, Kurt Schulze, Ilse Stöbe, Libertas Schulze-Boysen, Elisabeth Schumacher

In den Folgemonaten werden 59 Mitglieder der Roten Kapelle hingerichtet: der Bildhauer Kurt Schumacher und die Tänzerin Oda Schottmüller, der Fräser Stanislaus Wesolek und der Elektriker Eugen Neutert, der Banklehrling Otto Gollnow und die Schülerin Liane Berkowitz, die in der Haft eine Tochter zur Welt brachte …

Versuche ehemaliger Widerstandskämpfer nach dem Krieg, Richter Manfred Roeder vor Gericht zu bringen, scheiterten. Roeder gelang es, die Rote Kapelle als „moralisch entartete“ kommunistische Verschwörung und ihre Mitglieder als „Landesverräter“ und „Spione“ darzustellen. So beeinflusste er für lange Zeit die historische Einordnung der Gruppe in der Bundesrepublik.

Er gehe dem Tod ruhig entgegen, schrieb Harro Schulze-Boysen am Tag seiner Hinrichtung seinen Eltern. „Alles was ich tat, tat ich aus meinem Kopf, meinem Herzen und meiner Überzeugung heraus.“

Während die Angehörigen der Widerstandsgruppe in der DDR als deutsche Patrioten und Widerstandskämpfer würdig geehrt wurden, konnte sich der Deutsche Bundestag erst vor zehn Jahren, am 8. September 2009, dazu durchringen, die Urteile gegen die Mitglieder der „Roten Kapelle“ aufzuheben und so die Toten zu rehabilitieren. Bis dahin galt hier offiziell die Rechtsauffassung der Nazi-Sondergerichte als verbindliches Geschichtsbild. Mehr muss man eigentlich über die BRD nicht wissen.

 

 

Fiete Schulze

Fritz Karl Franz (Fiete) Schulze wurde am 21 Oktober in Schiffbek geboren und wurde am 06. Juni 1935 von den Faschisten ermordet.

Antifaschisten, die von Nazis ermordet wurden Kopie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Fiete Schulze arbeitete auf verschiedenen Hamburger Werften und trat 1913 der SPD bei. 1914, nach Beginn des Ersten Weltkrieges, heiratete er Johanna Schröder. Von seinen drei Kindern überlebte nur seine 1915 geborene Tochter Wilma, die beiden vier und zwei Jahre jüngeren Söhne erlagen Ende 1919 und Anfang 1920 einer Diphtherie. 1915 wurde Schulze zum Dienst in der Infanterie eingezogen. Er verbrachte einen Großteil seiner Armeezeit nicht an der Front, sondern auf einer Kieler Werft, als Verwundeter im Lazarett oder in einer Fliegerausbildung. Nach demErsten Weltkrieg und der Novemberrevolution schloss er sich der USPD an, deren Mehrheit sich 1920 mit der KPD vereinigte. Als Kampfgefährte Ernst Thälmanns leitete Schulze im Oktober 1923 die Schiffbeker Aktivitäten im Hamburger Aufstand, der über 100 Tote kostete. Nach dem Scheitern des Aufstandes flüchtete er aus Deutschland. 1926 ging er in die Sowjetunion

Nach dem Altonaer Blutsonntag (17. Juli 1932) kehrte Schulze nach Hamburg zurück, um Widerstand zu leisten. Am 16. April 1933 wurde er festgenommen und nach langer Einzelhaft und Folter im März 1935 dreimal zum Tode und zu 280 Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Todesurteil rief internationalen Protest hervor. Es kam zu Demonstrationen in Paris, Amsterdam, Moskau und anderen europäischen Städten. Es protestierten Albert Einstein, Maxim GorkiHeinrich Mann und andere internationale Persönlichkeiten. Trotzdem wurde er am 6. Juni 1935 im Hof des Hamburger Untersuchungsgefängnisses mit dem Handbeil enthauptet.


 

Am 20. Juli 1969 würdigte der damalige Bundespräsident Gustav Heinemann (SPD) den Hamburger Arbeiterführer als einen der Widerstandskämpfer, die von 1933 bis 1945 „das Opfer des Lebens für Recht und Menschenwürde brachten“

Erst 46 Jahre später, im Jahre 1981, wurde das Todesurteil gegen Fiete Schulze auf Initiative der Vereinigung der Verfolgten des Nazi-Regimes (VVN) durch die Staatsanwaltschaft beim Hanseatischen Oberlandesgericht aufgehoben. Nun ist der VVN die Gemeinnützigkeit entzogen worden.

Bereits 1970 hatte Schulze auf dem Hamburger Friedhof Ohlsdorf im Ehrenhain Hamburgischer Widerstandskämpfer seine letzte Ruhestätte gefunden (dritte Reihe von links, elfter Stein).

Ehrenhain Ohlsdorf

Ehrenhain Ohlsdorf

Bildquelle: Von Foto: NordNordWest, Lizenz: Creative Commons by-sa-3.0 de, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=59390355

 

Seit August 2006 erinnert ein Stolperstein in Hamburg an Fiete Schulze vor dessen letzter Wohnadresse Schiffbeker Weg 9 in Hamburg-Billstedt.
Das Haus, welches bis 1993 den Sitz des Bezirksvorstandes der Hamburger DKP am Zeughausmarkt im Stadtteil Neustadt beherbergte, trug den Namen „Fiete-Schulze-Zentrum“.

 

Stolperstein Billstedt

Stolperstein in Billstedt

Bildquelle: Von Fuisligo – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=54044111

 

In der Hansestadt Rostock steht ein Gedenkstein für Fiete Schulze auf dem Gelände der ehemaligen Kaserne des Stabes der Grenzbrigade Küste, heute Campus der Universität Rostock.

Gedenkstein in Rostock

Gedenkstein in Rostock

Bildquelle: Von Schiwago – Eigenes Werk, CC BY 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6231322

 

In der DDR waren viele Straßen (heute noch: Halle/Saale und Fürstenwalde), mehrere Schulen (POS in Berlin/Prenzlauer Berg, Fürstenwalde und Leipzig), ein Motorschiff, die 6. Grenzbrigade Küste der Grenztruppen sowie das Schifferkinderheim in Eisenhüttenstadt nach Fiete Schulze benannt.

 

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel