Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskriese auf Deutschland

Die Auswirkungen der Krise auf die deutsche Wirtschaft und die Verschärfung des Klassenkampfes

Deutschland wurde neben den USA von der Weltwirtschaftskrise (mehr dazu in der nächsten Ausgabe DIE TROMMLER)am heftigsten erfasst. Die engen Bindungen des deutschen Monopolkapitals an die westlichen Imperialisten, besonders an die USA-Monopole, bewirkten in Deutschland verheerende Folgen.

Die Krise begann in der Investitionsgüterindustrie, griff 1930 auf die Zweige der Schwerindustrie über und führte zum Bankrott einiger Banken. Produktion und Außenhandel sanken schnell ab, und nur noch ein kleiner Teil der Produktionskapazität konnte ausgenützt werden.  Die wirtschaftliche Lage wurde durch die Reparationszahlungen, die Deutschland zu leisten hatte, noch verschlechtert.

Die Behauptung der rechten sozialdemokratischen Führer, der Kapitalismus werde sich krisenfrei weiterentwickeln, entlarvte sich als Irrlehre.

Die Monopole wälzten die Lasten der Krise auf die Werktätigen(arbeitende Menschen)ab, deren Lebenslage immer schlechter wurde. Zahlreiche Fabriken schränkten die Produktion ein oder legten sie still. Dadurch stieg die Arbeitslosigkeit schnell an. 1932 gab es in Deutschland über 8 Millionen Erwerbslose und viele Millionen Kurzarbeiter.

Arbeitssuchende Berliner Arbeitsamt

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Ansteigen Kurzarbeit und Erwerbslosigkeit 1928-1932

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

60 000 mittlere und kleinere Betriebe brachen zusammen. Mit Hilfe von Krediten und mit Unterstützung des Staates kauften die Monopole viele dieser bankrotten Betriebe auf und stärkten dadurch ihre wirtschaftliche Macht.

Die Lage der Gewerbetreibenden und werktätigen Bauern verschlechterte sich ebenfalls rapide. Die Bauern konnten immer weniger landwirtschaftliche Produkte verkaufen und verschuldeten. Durch Zwangsversteigerungen verloren allein im Jahre 1930 20 000 Klein- und Mittelbauern ihre Höfe.

Erntepfändung

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Krise in der Landwirtschaft(Agrarkrise)wirkte ihrerseits verschärfend auf die Krise anderer Teile der Wirtschaft.

Durch die wachsende Notlage und die immer neuen Angriffe des Monopolkapitals auf die Lebenslage der Werktätigen(arbeitende Menschen)verschärfte sich der Klassenkampf.

Obdachlose auf Treppen der Berliner Volksbühne

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

In vielen Demonstrationen und Streiks der Arbeiter und Erwerbslosen wehrten sich die Unterdrückten gegen die Unternehmerangriffe und die staatlichen Verordnungen zur Senkung der Löhne und Unterstützungen. Während die rechten sozialdemokratischen und Gewerkschaftsführer sich immer wieder bemühten, die wachsende revolutionäre Bewegung einzudämmen, stand die Kommunistische Partei an der Spitze der Aktionen der Werktätigen(arbeitenden Menschen). Sie lehrte die Massen, dass das Proletariat nur durch aktiven Massenkampf seine elementarsten Lebensrechte verteidigen kann und damit zugleich die Lebensinteressen des gesamten Volkes vertritt.

Streiks 1930-31

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Demo im Mansfelder Revier

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Der weitere Abbau der Demokratie durch die Monopolbourgeoisie

Angesichts des wachsenden Kampfes der Arbeiter gegen die Verelendungs- und Unterdrückungsmaßnahmen war die Monopolbourgeoisie nicht mehr in der Lage, ihre Politik mit dem bürgerlichen Parlamentarismus durchzusetzen. Zur Verwirklichung ihrer Revanche- und Expansionsziele orientierten sich die reaktionärsten Kräfte des deutschen Monopolkapitals auf die völlige Beseitigung der bürgerlichen Demokratie und die Errichtung einer brutalen Terrorherrschaft. Mit der Regierung des Zentrumpolitikers Brüning, die am März 1930 regierte, wurden zunächst Präsidialkabinette eingesetzt, die nur auf dem „Vertrauen des Reichspräsidenten“ und nicht auf dem des Reichstags beruhten. Sie reagierten mit Notverordnungen. Diese waren nicht an die Zustimmung des Reichstages gebunden, sondern wurden auf Grund des Artikels 48 der Weimarer Verfassung allein vom Reichspräsidenten verordnet. Die erste Notverordnung erschien im Juli 1930. Sie brachte Gehaltssenkungen für Angestellte und Beamte, eine Verminderung der Steuern für Unternehmer um insgesamt 1,4 Millionen Mark und die Erhöhung der Steuern für die Werktätigen(arbeitende Menschen)um 10 Prozent. Gleichzeitig wurde der Reichstag aufgelöst, weil sich seine Mehrheit gegen dies Verordnung ausgesprochen hatte.

Reichstag wird eingesargt

Fotomontage von John Heartfield

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Eine weitere Notverordnung war das „Osthilfegesetz“, durch das die Junker über 4 Milliarden Mark Staatsgelder erhielten.

Entwicklung Notverordnungspolitik 1930-1932

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Mit diesen Notverordnungen und anderen politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen bereiteten sich die Regierung Brüning und die ihr 1932 folgende Papenregierung den Übergang von der bürgerlich-parlamentarischen Herrschaftsform zur offenen faschistischen Diktatur vor.

 

Die Nazibewegung als neue Massenpartei für die reaktionärsten Kreise der Monopolbourgeoisie

Zur Errichtung eines offenen, brutalen Terrorregimes brauchten die Imperialisten ein Werkzeug, eine Partei, die die Massen der Werktätigen(arbeitenden Menschen)spalten und irreführend sollte. Für dies Aufgabe förderten die reaktionärsten Kräfte des Monopolkapitals , vor allem in den Jahren der Krise, die von Hitler geführte Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei(NSDAP), wie sie sich zur Täuschung der Volksmassen nannte. In ihrem Programm verkündete sie, dass Deutschland im Osten „Lebensraum“ erobern und darum Krieg führen müsse. Zugleich forderte sie die Revision der Westgrenzen. Als ihre Hauptaufgabe bezeichneten die Nazis, den Kommunismus auszurotten. Diese Zielstellung entsprach am meisten der imperialistischen Machtpolitik der deutschen Monopolbourgeoisie.

Die am schwersten von der Krise betroffenen Teile des Monopolkapitals, besonders Vertreter der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie, drängten am heftigsten zum Faschismus. Seit 1930 führten die Kohlekonzerne jährlich über 6 Millionen Mark an die Nazi-Partei ab. Stahlkönig Thyssen fianzierte den Kauf des „Braunen Hauses“, des Parteihauses der Nazis, in München. Aber auch ausländische Imperialisten, wie Henry Ford, Henry Deterding, Ivar Kreuger und der Shell-Konzern, waren an der Finanzierung der Nazipartei beteiligt. Dies ermöglichte es den Faschisten, Terrorbanden, die SA und SS aufzustellen und zu bewaffnen, Versammlungen und Aufmärsche zu organisieren.

Aufmarsch SA Braunschweig 1931

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Hauptmethode der Politik und Propaganda der faschistischen Partei waren der Antikommunismus und die soziale und chauvinistische Demagogie, lügenhafte Versprechungen zur Irreführung der Volksmassen, die man die zu halten gedachte. Das falsche Versprechen begann bereits beim Namen der Partei. Die Faschisten wussten, dass die Idee des Sozialismus in der Arbeiterklasse verwurzelt und auch das Lebensziel anderer Werktätiger(arbeitender Menschen)war. Deshalb missbrauchten die Faschisten den Begriff Sozialismus und bezeichneten ihr Ziel, die Errichtung einer faschistischen Diktatur, als „nationale Revolution“.

Auch heutzutage, wie auch in der alten BRD spricht man in der offiziellen Geschichtsschreibung vom Nationalsozialismus und bezeichnet die Nazis nicht als Faschisten, sondern als Nationalsozialisten. Das kommt daher, das nun der Faschismus mit dem Sozialismus geleichgestellt wird. Das entspricht der antikommunistischen Propaganda.

Den Arbeitern versprachen die Nazis Arbeit und Brot und die Verstaatlichung  der Monopole, den Bauern eine Bodenreform, den Kaufleuten und Handwerkern eine gesicherte Existenz. Ihre monopolkapitalistischen Auftraggeber wussten, dass dies nur demagogische Versprechungen waren.

Interview New York Times zu NSDAP 1930

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Als sich 1931 die wirtschaftliche Lage zuspitzte und sich der Klassenkampf verstärkte, bemühten sich einzelne Kreise des deutschen Finanzkapitals immer nachdrücklicher um eine Vereinigung aller reaktionären Kräfte, einschließlich der Faschisten, zum Kampf gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung und zur Durchsetzung ihrer aggressiven imperialistischen Ziele. Im Oktober 1931 bildeten diese ärgsten Feinde des deutschen Volkes die Harzburger Front.

Harzburger Front

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Entschließung Harzburger Front 1931Quellenangabe Entschließung Harzburger Front

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die wirtschaftlichen und politischen Gegensätze innerhalb des Monopolkapitals waren die Ursache dafür, dass zunächst nur ein Teil die Nazipartei unterstützte. Nachdem Hitler am 27. Januar 1932 vor führenden Monopolvertretern in Düsseldorf, darunter Krupp, Borsig, Duisberg, Flick, und Vögler, sein Programm zur Unterdrückung der revolutionären Kräfte und zur Führung eines Eroberungsfeldzuges erläutert hatte, flossen neue Gelder von den Industriellen in die Kassen der Nazipartei.

Hitler und Göring im Industrieclub Düsseldorf

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

In der alten BRD war es tabu die Finanzierung  der Nazi-Partei durch Großkapitalisten zu benennen. Auch heute wird das nur in Spezialpublikationen zur Sprache gebracht.

In den Wahlen im Juli 1932 wurde die NSDAP zur stärksten Partei im Reichstag und Göring Reichstagspräsident.

 

geschichtsbuch-ddr-9-klasse-kopie-2

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text:

Auswirkungen Weltwirtschaftskrise Deutschland

 

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