Luthers unheiliger Geist

Hier ein Beitrag von „Sascha“ zu Martin Luther

Sascha's Welt

LutherEin Säulenheiliger der protestantischen Kirche, er war alles andere als ein Vorbild. Martin Luther (1483-1546) gilt als Begründer der deutschen Reformation. Mit seinen 95 Thesen, die dieser 1517 angeblich an die Stadtkirche zu Wittenberg genagelt haben soll, protestierte er gegen den kirchlichen Ablaßhandel und löste damit eine breite Volksbewegung aus, welche die frühbürgerliche Revolution einleitete. Luthers Thesen wurden bald überall in Deutschland bekannt. Später jedoch, im Bauernkrieg, verurteilte er das revolutionäre Vorgehen der Aufständischen aufs Schärfste. Seine 1522 erschienene „Treue Vermahnung zu allen Christen, sich zu hüten vor Aufruhr und Empörung“ hat ihre demagogische Wirkung sogar bis heute nicht verfehlt. 

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Die Bedeutung der frühbürgerlichen Revolution zur DDR-Zeit und heute

Nach der frühbürgerlichen Revolution versuchten Fürsten und andere Volksfeinde, die revolutionären Kräfte und vor allem Thomas Müntzer zu verleumden. Herrschende Kreise in imperialistischen Ländern trachten heute noch danach. Das ist gerade heute, nach der Niederlage des Sozialismus in Europa und der Annexion der DDR durch die BRD aktuell. Der Geburtsort Stolberg sowie der Sterbeort Mühlhausen erhielten in der DDR den offiziellen Namenszusatz „Thomas-Müntzer-Stadt“. (Mühlhausen 1975 anlässlich des 450. Todestages) Nach der Annexion der DDR wurden die Beinamen aberkannt und getilgt. Im Gegensatz dazu sind die Beinamen der „Lutherstädte“ Eisleben und Wittenberg bestehen geblieben. Dieses Geschichtsverständnis der vergrößerten heutigen BRD sagt doch einiges aus.

Thomas Müntzer

Thomas Müntzer. Stich von Christian Sichem, 1608

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Welches Geschichtsverständnis Italien und Österreich in Bezug auf die Bauernkriege in Tirol hat, weis DIE TROMMLER (Petra Reichel) nicht. Italiener und Österreicher, die das wissen, können sich gerne melden.

 

Bauern bei der Fronarbeit, Briefmarke DDR 1975

Bauern bei der Fronarbeit, Briefmarke der DDR(1975)

entnommen Wikipedia

Für uns steht fest: Im deutschen Bauernkrieg sammelte unser Volk Erfahrungen im Kampf um seine Befreiung. Für die Massen der Aufständischen war es ein gewaltiges Ereignis in ihrem schweren Leben, die Burgen und Klöster, die Bastionen ihrer Unterdrücker, zerstört gesehen zu haben. Tausende erlebten zwischen 1524 und 1526, was es heißt, frei zu werden und Herr im eigenen Lande zu sein. Die Aufständischen hatten das Recht auf ihrer Seite. Sie kämpften für die Zukunft.

Der Bauernkrieg war ein großartiger Versuch der Volksmassen, eine neue, gerechtere Ordnung zu schaffen. Es wurde seitdem nie mehr vergessen, dass die Aufständischen trotz ungünstiger Bedingungen den Kampf gegen ihre Ausbeuter aufnahmen und ihr Leben für eine bessre Gesellschaftsordnung einsetzten.

Buchtitel Geschichte DDR 6. Klasse

 

Das Geschichtsbuch der DDR sagt an dieser Stelle: „Wir Bürger der DDR sind stolz auf diese Epoche unserer Geschichte!“ Nun ja, das wurde Schulkindern beigebracht. Ob sich dies für ihr weiteres Leben eingeprägt hat oder in Vergessenheit geraten ist, sei mal dahingestellt. Vielleicht haben die damaligen Schulkinder Zuhause was Anderes gehört. Wir wissen es nicht. Ich denke im Taumel der Konterrevolution 1989/90 ist dieses Stück Schulwissen aus der DDR verloren gegangen. Als gegen Ende der DDR das Panoramamuseum mit dem großen Kunstwerk von Werner Tübke, zu Ehren von Thomas Müntzer, fertiggestellt wurde, kam dies bei der Bevölkerung nicht an. (siehe Beitrag „Bauernkriegspanorama“)

Das Geschichtsbuch der DDR erklärt noch folgendes, das auf die Bauernkriege bezogen ist, aber nach dem Scheitern des Sozialismus in Europa und der Annexion der DDR durch die BRD wieder oft zitiert wird:

In einem (später entstandenen) Lied heißt es: „Geschlagen ziehen wir nach Haus. Unsre Enkel fechten´s besser aus!“ Ein schwacher Trostspruch.

Kurt Bartel, ein Dichter aus der DDR, schrieb 1948: Schwer ist es, aufzustehen, schwerer, zu siegen.“

Und nun ist der Kampf um eine gerechte Gesellschaftsordnung, ohne Ausbeutung des Menschen durch den Menschen, wieder verloren worden.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel    

Zur entsprechenden Passage aus dem Geschichtsbuch:

Bitte auf den Link klicken.

Frühbürgerliche Revolution, DDR-Zeit und heutige Zeit

Buchtitel Geschichte DDR 6. Klasse

Die Bauernkriege(Übersicht)

Rücktitelbild Geschichtsbuch DDR, 6 Klasse

Rücktitelbild des Geschichtsbuches der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Erklärung zu Rücktitelbild

Erklärung zum Rücktitelbild


 

Zu den Ausführungen der genannten Unterthemen:

Bitte auf das jeweiligen Unterthema klicken

 

Der Beginn des Bauernkrieges

 

Der Bauernkrieg in Süddeutschland

 

Der Bauernkrieg in Thüringen mit Thomas Müntzer

 

Der Bauernkrieg in den Alpenländern mit Michael Gaismair

 

Rücktitel Geschichtsbuch 6.Klasse DDR page 3

Rücktitel Geschichtsbuch DDR 6. Klasse

 

Zur Passage aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982:

Bitte auf das Wort „Bauernkriege“ klicken

 

Bauernkriege

 

 

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982 und

Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

Ergebnisse und Auswirkungen der frühbürgerlichen Revolution

Rücktitelbild Geschichtsbuch DDR, 6 Klasse

Rücktitel Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Trotz der Niederlage der deutschen Bauern ging in manchen Orten die revolutionäre Volksbewegung bis zu Jahre 1535 weiter. Die Reformation wurde zur Fürstenreformation. Die Macht der Fürsten festigte sich.

 

Die Niederlage des Bauernkrieges und die weitere Volksbewegung

Bauern beim Steuereinnehmer, 1539

Bauern beim Steuereinnehmer

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Ursachen der Niederlage

 

Friedrich Engels:

Friedrich Engels zu Niederlage Bauernkriege

entnommen aus dem Geschichtsbuch er DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Die revolutionären Bauern und Plebejer erlitten im Bauernkrieg eine Niederlage. Dafür gab es mehrere Gründe:

 

  • Die Aufständischen kämpften uneinheitlich, weil die Haufen unterschiedliche Interessen hatten. Die einen wollten weiterkämpfen, den anderen genügte der Sturm auf die Burg ihres Fronherren.

 

  • Die Aufständischen hatten keine einheitliche militärische Führung. Die Bauernhaufen kämpften isoliert in den verschiedenen Gegenden Deutschlands. Die Fürsten vereinigten ihre Streitmacht. Sie bekamen von den Fuggern Geld zur Anwerbung von Söldnern.

 

  • Die Aufständischen waren zu gutgläubig und vertrauensselig. Die Bauern verhandelten, anstatt sich ihr Recht zu erkämpfen. Die Fürsten gewannen dadurch Zeit.

 

  • Die Aufständischen wurden vor allem deshalb geschlagen, weil sie zu wenig Unterstützung von den Städten erhielten. Die Bürger waren für Luthers Reformation, aber die Müntzersche Volksreformation fürchteten sie. Sie bangten um ihren Besitz.

 

  • Schließlich musste die deutsche frühbürgerliche Revolution scheitern, weil das Bürgertum als Klasse in Deutschland damals noch zu schwach war, die Macht zu übernehmen. Der Kapitalismus war noch zu wenig entwickelt.

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Buchtitel Geschichte DDR 6. Klasse

Der Bauernkrieg in den Alpenländern und Michael Gaismair

Im Alpengebiet, in Tirol, wurde der Kampf noch ein ganzes Jahr lang bis 1526 mit großer Erbitterung geführt. Hier hatte der Aufstand erst im Mai 1525 begonnen. Die Aufständischen wählten Michael Gaismair zu ihrem Führer.

Waffen der Bauern in Bauernkriegen 2

Waffen der Bauern

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Einen großen Erfolg errangen die Aufständischen im Salzburgischen. Sie eroberten am 03. Juli 1525 die Stadt Schlading und vernichteten ein Adelsheer. Es war der größte Sieg der Bauern während des gesamten Bauernkrieges. Aber die Bauern nutzten den Sieg nicht aus. Anstatt den geschlagenen Gegner zu verfolgen und ihn endgültig zu vernichten, zogen sie sich zurück. Die Tiroler Aufständischen belagerten Ende August 1525 die Stadt Trient, konnten sie nicht einnehmen und erlitten eine Niederlage.

Michael Gaismair war den Feudalherren schon vorher in die Falle gegangen. Sie hatten ihm vorgeschlagen, er möge nach Innsbruck kommen, um mit ihnen über die Erfüllung der Forderungen der Aufständischen zu beraten. Als er dann tatsächlich nach Innsbruck kam, ließ man ihn verhaften. Doch Anfang Oktober 1525 floh Gaismair aus dem Gefängnis. Er nahm sofort den Kampf wieder auf und begann, Truppen von Bewaffneten um sich zu sammeln. Im Winter hielt er sich in Graubünden verborgen. Dort arbeitete er seine „Tiroler Landesordnung“ aus. Er wollte die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitigen. Es sollte keine Standesunterschiede mehr geben. Alle Menschen sollten gleich sein. Das Privateigentum an Produktionsmitteln sollte beseitigt werden. Gaismair wollte den Städten in Tirol ihre Vorrechte nehmen. Trient sollte ein Handelszentrum werden. Aber es gelang Gaismair nicht mehr, das Volk zum großen Aufstande zu bewegen. Im Juni 1526 siegte er über zwei Fähnlein des Schwäbischen Bundes. Mit 2000 Mann zog er durch Tirol. Er konnte einige Städte einnehmen, aber die Bevölkerung schloss sich ihm nicht an. Sie war durch die Nachrichten von der Niederlage der Bauern in Schwaben, Thüringen und im Elsaß eingeschüchtert. Gaismair musste schließlich mit seinen Truppen Tirol verlassen. Von Venedig aus versuchte er erfolglos, den Kampf fortzusetzen. Damit war der Bauernkrieg in Tirol beendet.

Welches Geschichtsverständnis Italien und Österreich in Bezug auf die Bauernkriege in Tirol hat, weis DIE TROMMLER (Petra Reichel) nicht. Italiener und Österreicher, die das wissen, können sich gerne melden.

 

Der Bauernkrieg in Thüringen und Thomas Müntzer

Bauern verteidigen ihre Wagenburg

Bauern bei Verteidigung der Wagenburg

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Der Höhepunkt des Bauernkrieges in Thüringen

Thomas Müntzer kehrte im Februar 1525 aus Süddeutschland nach Thüringen zurück. Wichtige Aufstandszentren waren Mühlhausen und Frankenhausen. In Mühlhausen vereinigten sich Teile des Bürgertums mit der Stadtarmut und den Bauern zu gemeinsamen Kampf. Am 16. Und 17. März 1525 stürzten die Aufständischen in Mühlhausen den Rat der Stadt. Sie setzten einen „Ewigen Rat“ ein, wie Thomas Müntzer es empfohlen hatte. Thomas Müntzer warb neue Kampfgefährten für seinen „Ewigen Bund Gottes“. Er ließ eine Fahne anfertigen, die als Zeichen die Regenbogenfarben trug. Er sandte seine getreuen Boten nach Hessen, Würzburg und Leipzig. Die Führer des Bergknappenaufstandes in Joachimstal in Böhmen orientierten ihr Programm an dem Müntzers. Überall versuchten die Anhänger Thomas Müntzers, den gemeinsamen Kampf zu organisieren und das Volk zu den Waffen zu rufen.

Waffen der Bauern in Bauernkriegen

Waffen der Bauern

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Müntzers Kampfgefährten machten sich mit ihm gemeinsam Gedanken darüber, wie es nach dem Sieg der Volksreformation und des Bauernkrieges in Deutschland weitergehen sollte. Wer sollte denn die politische Macht übernehmen, wenn die weltlichen und geistlichen Feudalherren vertrieben sein würden, wie Thomas Müntzer und seine Anhänger es erstrebten? Thomas Müntzer antwortete darauf: „Die Macht soll gegeben werden dem gemeinen Manne.“ Er meinte damit das Bürgertum, die Stadtarmut und die Bauern. So träumten die revolutionären Müntzer-Anhänger von einem Land ohne Ausbeutung, ohne die Missstände in der Kirche, ohne den Feudalismus, von einem „Reich Gottes auf Erden“, wie sie es nannten.

Siegel von Thomas Müntzer

Siegel von Thomas Müntzer

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Im April 1525 erhoben sich die Bauern in Thüringen. Es begann der Kampf auf Leben und Tod. Der Aufstand verbreitete sich in wenigen Tagen über das ganze Land. Bis Anfang Mai errangen die Aufständischen den vollen Sieg über die weltlichen und geistlichen Herren. Die meisten Schlösser, Adelssitze und Klöster wurden eingenommen. Das war zugleich das Signal für die Kämpfe in den meisten thüringischen Städten. Sogar Adlige schlossen sich der Übermacht des Volkes an. Und das geschah ohne Blutvergießen. Bald zeigte sich aber, dass viele Aufständische, besonders in den Städten, nicht mit den Bauernhaufen weiterziehen wollten. Auch die Fürsten waren nicht untätig geblieben. Sie rüsteten überall zur Vernichtung der Bauern. Die Fugger(eine der ersten Kapitalisten) gaben das Geld!

 

Die Schlacht bei Frankenhausen

Thomas Müntzer wollte die Burg Heldrungen stürmen. Dort hatten sich die Truppen des Adels verschanzt. Müntzer beabsichtigte, sich mit den Mansfelder Bergleuten zu vereinen. Doch ein einflussreicher Führer der Aufständischen von Mühlhausen hörte nicht auf ihn. Statt dessen zogen die Mühlhäuser ins Eichsfeld und zerstörten Klöster. Bei Frankenhausen hatten sich mehrere tausend Bauern in einem Lager zusammengefunden. Müntzer zog mit 300 Bewaffneten dorthin, um den Bauern Mut zu machen. Einige begannen zu verzagen, als die Fürsten mit ihren Heeren heranrückten. Am 14. Mai 1525 traf Phillip von Hessen mit Truppen ein und griff die Bauern zunächst ergebnislos an. Er verlangte die Auslieferung Müntzers. Die Bauern lehnten ab. Sie hatten auf dem Schlachtberg bei Frankenhausen hinter einer Wagenburg Stellung bezogen. Am 15. Mai 1525 traf auch Herzog Georg von Sachsen mit Truppen ein. Erst jetzt fühlten sich die Fürsten stark genug zum Angriff. Noch während der Verhandlungen über die Auslieferung Müntzers hatten sie die Bauern heimlich umzingelt. Müntzer hielt den Bauern eine Rede. Da griffen die Fürsten das Lager der Bauern an. Darauf waren die Bauern noch nicht vorbereitet. Ehe sie die Gegenwehr organisieren konnten, durchbrachen die Truppen den Fürsten die Wagenburg. Es begann ein fürchterliches Gemetzel. Die Bauern flohen in die Stadt. Etwa 6000 Aufständische wurden getötet, nur wenige entkamen.

Bauern verteidigen ihre Wagenburg

Bauern bei Verteidigung der Wagenburg

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Müntzer geriet mit zahlreichen Aufständischen in Gefangenschaft. Die Sieger brachten ihn nach Heldrungen. Dort ließen sie ihn foltern. Am 27. Mai 1525 wurde Thomas Müntzer in der Nähe von Mühlhausen enthauptet. (siehe Beitrag zu Thomas Müntzer)

Die Fürsten nahmen grausame Rache an den Bauern. Ganze Dörfer wurden geplündert, niedergebrannt und die Einwohner gemartert. Wer sich führend am Aufstand beteiligt hatte, den ließen die Fürsten hinrichten.

In den Monaten Mai und Juni 1525 fiel die Entscheidung im Bauernkrieg. In den wichtigsten Zentren des Aufstandsgebietes waren die Bauern geschlagen.

Thomas Müntzer und seinen Anhängern gelang es durch unermüdliche Arbeit, in vielen Gegenden und Städten den Kampf vorzubereiten. Thüringen konnte kurze Zeit frei werden. Unterschiedliche Interessen der Aufständischen und die militärische Stärke, Kampferfahrung und List der Feudalherren führten zur Niederlage der Bauern bei Frankenhausen.

Schlachtberg vor Panoramamuseum

Der Schlachtberg vor Panoramamuseum

Bildquelle: Von H.Stolze – H.Stolze, CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Der deutsche Bauernkrieg war der Höhepunkt des Klassenkampfes der Bauern und Plebejer gegen den Feudaladel in Deutschland. Er richtete sich gegen feudale Ausbeutung und Unterdrückung.

Friedrich Engels über die Ursachen des Scheiterns von Thomas Müntzer:

„Es ist das Schlimmste, was dem Führer einer extremen Partei widerfahren kann, wenn er gezwungen wird, in einer Epoche die Regierung zu übernehmen, wo die Bewegung noch nicht reif ist für die Herrschaft der Klasse, die er vertritt, und für die Durchführung der Maßregeln, die die Herrschaft dieser Klasse erfordert…..Er ist…gezwungen, nicht seine Partei, seine Klasse, sondern die Klasse zu vertreten, für deren Herrschaft die Bewegung gerade reif ist…“

 

 

 

Thomas Müntzer

Älteste, allerdings nachträgliche und nicht verbürgte Darstellung Thomas Müntzers aus dem Jahr 1608;[1] Kupferstich von Christoph van Sichem

Thomas Müntzer

Älteste, allerdings nachträgliche und nicht verbürgte Darstellung Thomas Müntzers aus dem Jahr 1608, Kupferstich von Christoph van Sichem

Bildquelle: Von Christoph van Sichem – Das Wissen des 20. Jahrhunderts, Verlag für Wissenschaft und Bildung, 1961, Rheda, Bd.1 S.395, Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Trotz des Verhaltens von Martin Luther gegen die „Bilderstürmer“ entwickelte sich die Reformation zur Volksformation weiter. Wer zeigte den Bauern, den Gesellen, Tagelöhnern und Bergleuten, wie sie weiterkämpfen sollten?

Diese geschichtliche Tat kommt den revolutionären Prediger Thomas Müntzer zu. Er lehrte, dass das Volk selbst sein Leben im Kampf umgestalten muss.

Thomas Müntzer wurde zwischen 1485 und 1490 in Stollberg(Harz) geboren. Sein Geburtsjahr ist unbekannt. Am 27. Mai 1525 ist er bei Mühlhausen gestorben.

Der Vater von Thomas Müntzer war ein armer Handwerker. Über seine Kindheit ist nichts bekannt.

1506 studierte er an der Leipziger Universität und 1512 in Frankfurt/Oder. 1513 war er Lehrer in Halle/Saale und wirkte an verschiedenen Orten als Prediger. Er lernte ständig und las viele Bücher, auch die Bibel. Außerdem befasste er sich mit den humanistischen Schriften und der neuen Kunst und gehörte zu den gelehrten Männern seiner Zeit.

Begeistert schloss sich Thomas Müntzer auch Martin Luther an und lernte ihn selbst kennen. 1520 kam er durch Luthers Fürsprache nach Zwickau. Er predigte in der Marienkirche vor Wollwebern und Bergknappen für den Kampf um ein besseres Leben. Aus Furcht vor Unruhen entließ ihn der Zwickauer Stadtrat.

Thomas Müntzer ging nach Böhmen, in das Land von Jan Hus. Nach längerer Wanderschaft, arm und immer wieder vertrieben, erhielt er schließlich 1523 in Allstedt, unweit des Mansfelder Bergbaugebietes, eine Anstellung als Prediger. Er kannte das Leben und die Not des Volkes gut. Sein Nachdenken über Missstände führte dazu, dass er sich von Luthers Lehren abwandte. Müntzer arbeitete für die Ziele des Kampfes gegen die Papstkirche und den Feudalismus aus und predigte darüber. So ging er über das Denken Martin Luthers weit hinaus.

Gedenktafel am Haus Schloßstraße 26, in der Lutherstadt Wittenberg

Gedenktafel am Haus Schloßstraße 26, in der Lutherstadt Wittenberg

Bildquelle: Von OTFW, Berlin – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

DDR-Medaille Thomas Müntzer 1989, kurz vor Ende der DDR

DDR-Medaillie 1989 Thomas Müntzer, kurz vor Ende der DDR

Bildquelle: Von Berlin-George – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

 

Die Zeit sei gekommen, so sagte Thomas Müntzer, wo die Bösen untergehen und die Christen siegen werden. Die Christen brauchten sich nicht zu fürchten, denn Gott wird ihnen siegen helfen. Als Christen betrachtete er die Stadtarmut, die Bergleute, Gesellen, Tagelöhner und Bauern, als das Böse die gottlosen Fürsten und adeligen Herren, die ihre Pflichten vernachlässigten. Müntzer gründete den „Ewigen Bund Gottes“, eine Organisation, um seine Anhänger zusammenzufassen. Er bewies, dass die Volksmassen das Recht zum Kampf gegen die gottlosen Herren hatten.

Wichtige Wirkungsstätten Thomas Müntzers; Briefmarkenblock der DDR zum 500. Geburtstag (1989)

Wichtige Wirkungsstätten Thomas Müntzers, Briefmarkenblock der DDR zum 500. Geburtstag(1989)

Bildquelle: Von Hochgeladen von –Nightflyer (talk) 21:33, 9 April 2009 (UTC) – Eigener Scan und Bearbeitung, Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Martin Luther trat gegen Müntzer auf und warnte in einer Flugschrift die Fürsten vor dem „aufrührerischen Geist zu Allstedt“: Müntzer sei ein „Satan“, den man mit Gewalt vernichten müsse.

Die Fürsten verboten Münters Predigten zu besuchen, und ließen ihn verhören. Heimlich verließ Müntzer 1524 Allstedt. In Nürnberg veröffentlichte er seine beiden Hauptschriften. Die gegen Luther gerichtete nannte er „Hochverursachte Schutzrede“.

Thomas-Müntzer-Denkmal in Stolberg (Harz)

Thomas-Müntzer-Denkmal in Stolberg(Harz)

Bildquelle: Von Ralf Lotys (Sicherlich) – Eigenes Werk, CC BY 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Ende 1524, Anfang 1525 predigte Thomas Müntzer in mehreren Orten Süddeutschlands für Gerechtigkeit in Stadt und Land. Er erlebte dort den Ausbruch des deutschen Bauernkrieges, der von 1524 bis 1526 dauerte.

Am 15. Mai 1525 wurde er nach der Schlacht bei Frankenhausen, die in einer völligen Niederlage der von Müntzer zusammengerufenen Bauernhaufen endete, gefangen genommen und in der Festung Heldrungen auf Befehl Graf Ernsts II. von Mansfeld im Beisein des Herzogs Georg des Bärtigen gefoltert. Im Turm von Heldrungen eingekerkert, schrieb er seinen Abschiedsbrief an die Aufständischen, die er dabei zur Einstellung des weiteren Blutvergießens aufrief.

Thomas-Müntzer-Denkmal in Zwickau vor der Katharinenkirche.

Thomas-Müntzer-Denkmal in Zwickaus vor der Katharinenkirche

Bildquelle: Von Tilo Hauke – Selbst fotografiert, CC BY-SA 2.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Thomas-Müntzer-Denkmal vor dem Frauentor in Mühlhausen:Thüringen

Thomas-Müntzer-Denkmal vor dem Frauentor in Mühlhausen/Thüringen

Bildquelle: Von Michael Sander – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Am 27. Mai wurde Thomas Müntzer vor den Toren der Stadt Mühlhausen enthauptet, sein Leib aufgespießt und sein Kopf auf einen Pfahl gesteckt.

Schlachtberg vor Panoramamuseum

Schlachtberg vor dem Panoramamuseum

Bildquelle: Von H.Stolze – H.Stolze, CC BY-SA 3.0,  Bild ist entsprechend verlinkt

 

Der bestialische Umgang mit der Leiche Thomas Müntzers, nach dem er bestialisch getötet wurde, steht nicht im Geschichtsbuch der DDR. Denn für Schulkinder ist das nicht zumutbar. Das steht auf Wikipedia. Ich habe es aber hier hereingenommen, weil ich zeigen will, dass die Herrscher stets mit Führern von Aufständischen, die für gesellschaftlichen Fortschritt kämpfen, Rache nimmt. Wir erinnern an Ernst Thälmann, der von den Nazis ermordet wurde. Jetzt nach der Niederlage des Sozialismus in Europa haben sie es nicht mehr gewagt. Dafür wird die Konterrevolution als „friedliche Revolution“ verkauft. Eine Ausnahme bildet Rumänien, wo das Ehepaar Ceaușescu ermordet wurde. Wenn der Pfarrer Uwe Holmer nicht so mutig gewesen wäre, um dem Ehepaar Honecker Schutz und Obdach zu gewähren, wissen wir auch nicht, ob das Ehepaar Honecker die Konterrevolution überlebt hätte. Lynchjustiz durch den hasserfüllten Mob wäre durchaus möglich gewesen. Die nun vergrößerte BRD hat sich doch an Erich Honecker und anderen hohen Politikern der DDR gerächt. Insbesondere an denen, die ihrer Sache treu geblieben sind und nicht zu „Wendehälsen“ geworden sind. Derselbe Kohl, der Erich Honecker einstmals als Staatsgast empfangen hatte, war immer noch Bundeskanzler, als Erich Honecker aus Rache in den Knast gesteckt wurde. Was die „Entspannungspolitik“ seitens der BRD und anderer westlicher Länder angeht, kann man durchaus mit den historischen Ereignissen der Bauernkriege vergleichen, als die Fürsten die Bauern einlullten und Verhandlungen führten und andererseits gegen die Bauern agierten und nach dem verlorenen Krieg dann Rache nahmen.

 

In der DDR wurde Thomas Müntzer geehrt.

DDR-Banknote 5 Mark mit Müntzer in der Ausgabe von 1975 bis 1990

DDR-Banknote mit Müntzer in der Ausgabe von 1975 bis 1990

Bildquelle: Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Der Geburtsort Stolberg sowie der Sterbeort Mühlhausen erhielten in der DDR den offiziellen Namenszusatz „Thomas-Müntzer-Stadt“. (Mühlhausen 1975 anlässlich des 450. Todestages) Nach der Annexion der DDR wurden die Beinamen aberkannt und getilgt. Im Gegensatz dazu sind die Beinamen der „Lutherstädte“ Eisleben und Wittenberg bestehen geblieben. Dieses Geschichtsverständnis der vergrößerten heutigen BRD sagt doch einiges aus.

Die erneuerte Thomas-Müntzer-Plastik in Kapellendorf

Die erneuerte Thomas-Müntzer-Plastik in Kapellendorf

Bildquelle: Von BrThomas – Eigenes Werk, CC0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

Buchtitel Geschichte DDR 6. Klasse

 

siehe Bauernkriege

 

und Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel