Friedrich Ebert junior

Friedrich Ebert junior wurde am 12. September 1894 in Bremen geboren und ist am 04. Dezember 1979 in Berlin/DDR gestorben. Er wurde auch Fritz Ebert genannt.

Friedrich Ebert junior war der Sohn des Reichspräsidenten der Weimarer Republik Friedrich Ebert senior.

Zentralbild-Junge 6.6.1961 Friedrich Ebert, Mitglied des Staatsrates der Deutschen Demokratischen Republik, Mitglied des Politbüros des ZK der SED und Oberbürgermeister von Groß-Berlin.
Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-83285-0029 / Junge, Peter Heinz / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5431500

Er absolvierte von 1909 bis 1913 eine Lehre als Bruchdrucker. Ebert war Mitglied der sozialistischen Arbeiterjugend und seit 1913 Mitglied der SPD. Von 1915 bis 1918 war er Soldat im I. Weltkrieg.

Während der Weimarer Republik war Friedrich Ebert junior Redakteur und Mitarbeiter verschiedener sozialdemokratischer Zeitungen. Von 1919 bis 1925 war er Redakteur des „Vorwärts“. Außerdem war er von 1923 bis 1925 Mitarbeiter des sozialdemokratischen Pressedienstes und von 1925 bis 1933 Redakteur in Brandenburg an der Havel bei der im parteieigenen Verlag „Otto Sidow & Co.“ erscheinenden „Brandenburger Zeitung“.

Seit 1927 war Friedrich Ebert junior Mitglied der Stadtverordnetenversammlung in Brandenburg, von 1930 bis 1933 Stadtverordnetenvorsteher. Er war von 1930 bis 1933 Mitglied im Vorstand des Städtetages für die Provinz Brandenburg. Außerdem gehörte er dem Vorstand des SPD-Bezirksvorstandes Brandenburg-Grenzmark an. In den frühen 1930er Jahren gehörte er dem preußischen Staatsrat an. Von 1928 bis 1933 war Ebert Mitglied des Reichstages.

Friedrich Ebert junior (1928)
Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 102-00052 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5478625

Zeit des Faschismus:

Im Jahre 1933 war Friedrich Ebert junior Gefangener in mehreren KZs, u.a. in Oranienburg und Bürgermoor. 1939 wurde er zur Wehrmacht eingezogen und war ab 1940 beim Reichsverlagsamt tätig. Er stand bis 1945 unter Polizeiaufsicht.

Von rechts: Ernst Heilmann, Ebert, Alfred Braun, Heinrich Giesecke, Hans Flesch und Kurt Magnus als Häftlinge im KZ Oranienburg (August 1933)
Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-R96360 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5665918

Nachkriegszeit:

Nach dem II. Weltkrieg war Friedrich Ebert junior zunächst Landesvorsitzender der SPD Brandenburg. Nach der Vereinigung von KPD und SPD zur SED in der sowjetischen Besatzungszone war Ebert seit 1946 einer der Landesvorsitzenden der SED, Mitglied des Parteivorstandes und später des Zentralkomitees (ZK). Von 1949 bis zu seinem Tod war er Mitglied des Politbüros des ZK der SED.

1946 wurde Ebert von der Sowjetischen Militäradministration (SMAD) als Mitglied der Beratenden Versammlung Brandenburgs berufen und war dort Vorsitzender. Nach den Landtagswahlen in der Sowjetischen Besatzungszone 1946 wurde er Präsident des Brandenburgischen Landtags. Im November 1948 wurde ihm von der sowjetischen Besatzungsmacht mitgeteilt, dass als Oberbürgermeister des Ostteils Berlins vorgesehen sei.

Am 30. November 1948 wurde im Admiralspalast der noch von der Gesamtberliner Stadtverordnetenversammlung 1946 repräsentativ gewählte Magistrat durch einen Volkskongress aus Delegierten von u.a. SED, FDGB, FDJ, VVN und Betriebsräten für abgesetzt erklärt und stattdessen ein provisorischer Demokratischer Magistrat gewählt und Friedrich Ebert junior als Oberbürgermeister vereidigt. Anschließend erklärte Ebert, Berlin würde Teil der Sowjetischen Besatzungszone (SBZ) und in den Zwei-Jahresplan der SED eingeschlossen. 

Ab 1955 waren Eberts Amtssitz als Oberbürgermeister und die Sitzungen der Stadtverordnetenversammlung von Berlin/DDR im Roten Rathaus.

Friedrich Ebert junior war bis 1967 Oberbürgermeister von Berlin/DDR und widmete sich vor allem dem Aufbau der zerstörten Stadt. So setzte er beispielsweise die Wiederherstellung des Brandenburger Tors, des Roten Rathauses, des Zeughauses und der Staatsoper Unter den Linden ein.

Seit der Gründung der DDR 1949 war Ebert auch Abgeordneter der Volkskammer, zeitweise als Stellvertreter des Präsidenten, ab 1971 als Vorsitzender der SED-Fraktion sowie ab 1960 Mitglied und ab 1971 stellvertretender Vorsitzender des Staatsrates.

 

Privates:

1920 heiratete Friedrich Ebert junior Johanna Elisabeth Vollmann, mit der er die Kinder Friedrich (1928) und Georg (1931) hatte. Eberts Ehefrau beging 1938 Suizid.

Ehrungen:

Friedrich Ebert junior wurde mit dem Karl-Marx-Orden, dem Vaterländischen Verdienstorden und dem Großen Stern der Völkerfreundschaft ausgezeichnet. Am 05. Juni 1967 ernannte ihn der Magistrat von Berlin/DDR zum Ehrenbürger Berlins. Nach der Konterrevolution wurde er 1992 aus der Liste der Ehrenbürger gestrichen.

Die 1946 durch Zusammenlegung mehrere Straßen entstandene, nach dem Reichspräsidenten, benannte Straße in der Potsdamer Innenstadt wurde in der DDR auf den gleichnamigen Sohn umgewidmet. Nach der Konterrevolution ist die ursprüngliche Widmung wiederhergestellt worden.

 

Ruhestätte:

Die Urne von Friedrich Ebert junior wurde in Berlin-Lichtenberg auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde an der Ringmauer der Gedenkstätte der Sozialisten beigesetzt.

 

 

Eberts (junior) Grabstätte
Bildquelle: Von Z thomas – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52555285

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

Die Gründung der SED und ihre historische Bedeutung

Der Aufbau demokratischer Machtorgane, die Entmachtung der Junker und Großgrundbesitzer und die ersten Erfolge bei der Überwindung der Kriegsschäden bewiesen, zu welchen Leistungen die einheitlich handelnde Arbeiterklasse imstande war. Um die im Aufruf der KPD vom 11. Juni 1945 genannten Aufgaben vollständig erfüllen zu können, musste die Arbeiterklasse in Deutschland ihre organisatorische Spaltung überwinden, einheitliche Gewerkschaften und eine revolutionäre Einheitspartei schaffen.

Die Erkenntnis über die Notwendigkeit eines solchen Schrittes war während der Zeit des Faschismus auch bei Tausenden Sozialdemokraten im antifaschistischen Widerstandskampf, in den faschistischen Konzentrationslagern und Zuchthäusern hatte sich vielfach bewährt.

Die KPD vertrat die Auffassung, dass sich die Mitglieder beider Parteien in einer Periode der Aktionseinheit bei der Lösung antifaschistisch-demokratischer Aufgaben näherkommen und ihr Kampfbündnis festigen sollten. In diesem Abschnitt der Zusammenarbeit mussten sich Kommunisten und Sozialdemokraten vor allem über die politischen, ideologischen und organisatorischen Grundlagen der zu schaffenden Einheitspartei verständigen.

Die Kommunistische Partei Deutschlands hielt es für falsch, sofort eine Einheitspartei zu gründen. Diese Position der KPD erwies sich als richtig. Sie bestimmte den Vereinigungsprozess, an dessen Erfolg die erfahrenen Funktionäre der Kommunistischen Partei Deutschlands den Hauptanteil hatten.

Einen wesentlichen Schritt zur Annährung beider Arbeiterparteien stellt das Aktionsabkommen vom 19. Juni 1945 dar. KPD und SPD vereinbarten, gemeinsam bei der Beseitigung der Überreste des Faschismus vorzugehen. Vorgesehen waren gemeinsame Veranstaltungen und Diskussionen ideologischer Grundfragen. Es wurde ein zentraler Arbeitsausschuss gegründet.

Das Aktionsabkommen fand unter den klassenbewussten Arbeitern in allen Besatzungszonen Zustimmung. Besonders in der sowjetischen Besatzungszone verstärkte sich die Zusammenarbeit von Kommunisten und Sozialdemokraten. Mitglieder beider Parteien begannen, die antifaschistisch-demokratische Ordnung gemeinsam aufzubauen.

In enger Wechselwirkung zur entstehenden Aktionseinheit und zum demokratischen Neuaufbau stand die Auseinandersetzung mit Vertretern opportunistischer Auffassungen.

Wilhelm Pieck, der Vorsitzende der KPD, sprach auf vielen Versammlungen beider Arbeiterparteien. Er begründete mit großer Überzeugungskraft die Notwendigkeit, die Aktionseinheit und die Einheit der Arbeiterklasse herzustellen. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Zentralkomitees nahm er ab September 1945 verstärkt an der Diskussion ideologischer Fragen teil, die sich auf die Überwindung der Spaltung der Arbeiterbewegung und die Schaffung der neuen Gesellschaft bezogen und die vor der organisatorischen Vereinigung auf marxistischer Grundlage geklärt werden mussten. Seine Kenntnisse, seine Ausstrahlungskraft, seine Persönlichkeit übten einen großen Einfluss auf die Arbeiterklasse und auf viele noch schwankende Mitglieder und Funktionäre der SPD aus.

Auch Otto Grotewohl unterstützte als Vorsitzender des Zentralausschusses der SPD den Kampf um die Einheit der Arbeiterklasse und gegen den Opportunismus.

Die Erfolge, die im gemeinsamen Kampf gegen die Reaktion errungen wurden, bestätigten di Richtigkeit des Weges beider Arbeiterparteien. Um die antifaschistisch-demokratische Umwälzung weiterzuführen und das Vordringen der imperialistischen Kräfte zu verhindern, musste die Arbeiterklasse ihre Reihen festigen. In der sowjetischen Besatzungszone stellten die bisherigen Erfolge die Arbeiterklasse vor neue und größere Aufgaben. Die demokratischen Selbstverwaltungen mussten gefestigt werden. Es galt die demokratische Bodenreform zu sichern und vor allem den Neubauern tatkräftige Hilfe beim Aufbau ihrer Wirtschaften zu leisten. Es musste in umfassendes Wirtschaftsprogramm in Angriff genommen werden. Als Voraussetzung dafür und zur Sicherung der entstehenden Volksmacht war die ökonomische Entmachtung des Monopolkapitals zu vollziehen.

In den westlichen Besatzungszonen war die Entwicklung Ende 1945 hinter der sowjetischen Besatzungszone bereits beträchtlich zurückgeblieben. Die imperialistischen Besatzungsmächte stellten sich schützend vor das Monopolkapital und den Großgrundbesitz. Das Potsdamer Abkommen führten sie nur teilweise und nicht in seinen wesentlichen Bestimmungen durch. Sie hemmten die Masseninitiative der antifaschistisch-demokratischen Kräfte und begünstigten gleichzeitig das Streben des deutschen Monopolkapitals, sich neu zu restaurieren. Gefördert wurde diese Entwicklung durch das Wirken der einheitsfeindlichen Kräfte und er Leitung Schumachers, denen es gelungen war, die führenden Positionen in der sozialdemokratischen Partei der westlichen Besatzungszonen einzunehmen. Die Aktionseinheit der Arbeiterklasse ging dort nicht über den örtlichen Rahmen hinaus. Nicht umsonst ist Kurt Schumacher in der alten BRD, sowie im heutigen Deutschland als historische Figur der Sozialdemokratie gelobt worden.

Weitere Fortschritte im revolutionären Umwälzungsprozess und der Einfluss der demokratischen Kräfte hingen davon ab, wie geschlossen die Arbeiterklasse handelte. Mitglieder und Funktionäre der KPD und SPD forderten immer nachdrücklicher die Vorbereitung der politischen und organisatorischen Einheit der Arbeiterklasse. Aus vielen Städten und Gemeinden erhielten die Leitungen beider Parteien entsprechende Anträge. Am 20. Und 21. Dezember 1945 fand in Berlin auf Vorschlag der KPD eine gemeinsame Konferenz beider Parteiführungen mit Funktionären aus den Ländern und Provinzen der sowjetischen Besatzungszone statt. Auf dieser Dezemberkonferenz bestritt zwar niemand die Notwendigkeit einer vereinigten Arbeiterpartei, doch versuchten rechte Mitglieder des Zentralausschusses der SPD, die Entwicklung zur Einheitspartei zu hemmen. Sie konnten aber nicht verhindern, dass die Konferenz die ideologische und organisatorische Vorbereitung der Vereinigung von KPD und SPD beschloss. Erste Vereinbarungen über Charakter und Programm der zu schaffenden Partei wurden getroffen.

 

zeitgenössische Karikatur
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Gemeinsames Parteibüro von KPD und SPD in Westberlin (1946)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Die Einheitspartei sollte nach den Grundsätzen des demokratischen Zentralismus organisiert werden. Sie sollt sich zum proletarischen Internationalismus bekennen und jeden Chauvinismus, insbesondere die Hetze gegen die Sowjetunion bekämpfen. Eine aus je vier Vertretern beider Parteien zusammengesetzte Studienkommission wurde beauftragt, einen Entwurf der Grundsätze und Ziele sowie des Statuts der Partei auszuarbeiten. Ihnen sollten das Kommunistische Manifest, das Eisenacher Parteiprogramm und die Kritik am Gothaer Programm von Karl Marx zugrunde gelegt werden.

Mit diesen Beschlüssen waren wesentliche Vorentscheidungen über die politische Vereinigung der Arbeiterklasse auf der revolutionären Grundlage des Marxismus getroffen worden. Die klassenbewussten Arbeiter in ganz Deutschland begrüßten die Festlegungen der Konferenz, die insbesondere in der sowjetischen Besatzungszone zu einem Aufschwung der Einheitsbewegung führten. Kommunisten und Sozialdemokraten arbeiteten noch enger im Kampf für konsequente antifaschistisch-demokratische Veränderungen zusammen. Die Auffassung der KPD, die Vereinigung nicht zu verzögern, fand bei klassenbewussten Sozialdemokraten und auch bei parteilosen Arbeitern großen Widerhall. So forderte zum Beispiel der 1. Kongress des FDGB (Februar 1946) die Vereinigung von KPD und SPD bis zum Mai 1946. Die Herausbildung der sozialistischen Einheitspartei wurde zur Sache der ganzen Arbeiterklasse in der sowjetischen Besatzungszone. Gleichzeitig verschärfte sich die Auseinandersetzung mit den Einheitsgegnern innerhalb und außerhalb der SPD.

Am 26. Februar 1946 fand eine zweite Konferenz von je 30 Vertretern der KPD und SPD statt. Sie bestätigte die fertiggestellten Entwürfe der „Grundsätze und Ziele der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“ und des Status der Partei. Diese wurden von den Mitgliedern beider Parteien zur Diskussion unterbreitet. Die Konferenz beauftragte die Leitungen der KPD und SPD, den Vereinigungsparteitag vorzubereiten. Nach dieser Konferenz vollzog sich in der sowjetischen Besatzungszone in einem streng demokratischen Prozess von unten nach oben die Vereinigung der Arbeiterparteien. Überall gingen dem Zusammenschluss gründliche Aussprachen über die Grundsätze und Ziele sowie über das vorgeschlagene Parteistatut voraus. In jedem Falle stimmten die Kommunisten und Sozialdemokraten in getrennten Versammlungen ab, bevor ihr Zusammenschluss in den Betrieben, Gemeinden, Städten und Kreisen vollzogen wurde. Alle neugewählten Leitungen wurden von Kommunisten und Sozialdemokraten paritätisch besetzt.

In den Provinzen und Ländern der sowjetischen Besatzungszone fanden am 6. April 1946 getrennte Landesparteitage der KPD und der SPD statt, die alle die Vereinigung beschlossen. Am 7. April konstituierten sich die Landesorganisationen der Einheitspartei. Sie wählten neben ihren Leitungen auch die Delegierten zum bevorstehenden Vereinigungsparteitag in Berlin. Dem Vereinigungsparteitag gingen am 19. und 20. April der 15. Parteitag der KPD und der 40. Parteitag der SPD voraus. Beide Parteitage beschlossen einmütig die Vereinigung der Arbeiterparteien.

Am 21. Und 22. April 1946 versammelten sich 548 sozialdemokratische (darunter 103 aus den Westzonen) und 507 kommunistische (darunter 127 aus den Westzonen) Delegierte und beschlossen einmütig die Gründung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED).

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Der historische Händedruck auf dem Vereinigungsparteitag am 22. April 1946 zwischen Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl besiegelt die Einheit der Arbeiterklasse
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Pieck und Grotewohl zu Gründung der SEDQuellenangabe zu Pieck und Grotewohl zu Gründung der SED

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Der Vereinigungsparteitag beschloss die „Grundsätze und Ziele der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“, das Parteistatut und ein „Manifest an das deutsche Volk“. Diese Dokumente gingen von der historischen Mission der Arbeiterklasse aus. Die einstimmig beschlossenen Grundsätze und Ziele der SED stellten ein sozialistisches Parteiprogramm dar, in dem wichtige Erfahrungen der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung, insbesondere der KPdSU, berücksichtigt wurden. Als revolutionäre Partei der deutschen Arbeiterklasse verkündete die SED, dass ihr Ziel der Aufbau des Sozialismus ist.

Grundsätze und Ziele der SEDGrundsätze und Ziele der SED 2Grundsätze und Ziele der SED 3Quellenangabe Grundsätze und Ziele der SED

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Der Vereinigungsparteitag wählte den Parteivorstand sowie Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl zu gleichberechtigten Vorsitzenden der SED. Damit sprachen die Delegierten zwei kampferprobten, in der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung hochgeschätzten Persönlichkeiten ihr Vertrauen aus. Beide hatten ihre ganze Kraft für die Herstellung der Einheit der deutschen Arbeiterbewegung eingesetzt. Ihre Wahl dokumentierte den Sieg der revolutionären marxistischen Linie der Einheitspartei.

Die Gründung der SED war das bedeutendste Ereignis in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung seit dem Erscheinen des Kommunistischen Manifestes und der Entstehung der KPD. Die Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung, die durch die Reformisten vor dem ersten Weltkrieg vollzogen worden war, wurde überwunden, Dass die Einheit der deutschen Arbeiterbewegung auf revolutionärer Grundlage entstand, war vor allem ein Verdienst der marxistisch-leninistischen Kader(Personal/Verantwortliche) der KPD. Indem die KPD auf die Vereinigung von KPD und SPD nach vorheriger Diskussion ideologischer Grundfragen orientierte und dabei die Auseinandersetzung mit opportunistischen Auffassungen in den Mittelpunkt stellte, zog sie die wichtigste Lehre aus dem Gothaer Vereinigungsparteitag von 1875. Die Entstehung der SED bedeutete eine schwere Niederlage des Opportunismus. Sie war zugleich ein Sieg über Imperialismus und Militarismus, besaß doch die deutsche Arbeiterklasse nunmehr diejenige Kraft, die sie brauchte, um ihre historische Mission zu erfüllen und den gesetzmäßigen Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus zu vollziehen. 1989 kam ja bekanntlich der Rückschlag. Im Zuge der Konterrevolution wurde aus der SED die PDS, die dann eine Quellpartei der heutigen Partei DIE LINKE geworden ist. Ihre Klientel ist mehrheitlich nicht mehr die Arbeiterklasse, sondern die Intelligenz. Die Arbeiterklasse spielt heutzutage ohnehin politisch keine Rolle mehr. Außerdem ist DIE LINKE im heutigen bürgerlichen Politikbetrieb angekommen und hat sich angepasst.

Auch in den westlichen Besatzungszonen kämpften Kommunisten und Sozialdemokraten für die Vereinigung beider Parteien. Wilhelm Pieck, Otto Grotewohl, Walter Ulbricht, Max Reimann und andere traten auf großen Kundgebungen in den Westzonen auf und erläuterten Ziele und Charakter der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Diese Bestrebungen wurden von den imperialistischen Besatzungsmächten unterdrückt. Sie behinderten die Tätigkeit von Organisationsausschüssen, die die Vereinigung vorbereiten sollten.

Kundgebung mit Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl in Nürnberg im Jahre 1946
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Die arbeiterfeindliche Haltung der imperialistischen Besatzungsmächte, die fehlende antifaschistisch-demokratische Umwälzung und der Einfluss rechter sozialdemokratischer Führer um Dr. Kurt Schumacher, die die Spaltung der Arbeiterbewegung weiterbetrieben, waren die wichtigsten Ursachen dafür, dass die Vereinigung der Arbeiterparteien in den westlichen Besatzungszonen nicht zustande kam. In der alten BRD, bzw. im heutigen Deutschland behauptet die offizielle Geschichtsschreibung, dass die Vereinigung von KPD und SPD zur SED in der sowjetischen Besatzungszone eine Zwangsvereinigung gewesen wäre. Diese Behauptung ist eine Lüge. Es ging sehr wohl demokratisch zu, wie aus diesem Beitrag zu entnehmen ist.

Die britische Besatzungsmacht verbot die Einreise führender Funktionäre der SED in ihre Zone, schließlich die Gründung von Organisationen der Sozialistischen Einheitspartei überhaupt. Die Westmächte sahen in der einig handelnden Arbeiterklasse die Hauptgefahr für ihre Pläne, die westlichen Besatzungszonen in das antisowjetische Paktsystem einzugliedern.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Gründung der FDJ

Ein bedeutsames Ereignis war die Gründung der Freien Deutschen Jugend (FDJ), am 7. März 1946.  Sie ging aus Jugendausschüssen hervor, die bewährte Antifaschisten in den Monaten Juni und Juli 1945 ins Leben gerufen hatten. Die SMAD bestätigte diese Ausschüsse Ende Juli 1945 als demokratische Vertretungen der Jugend. Sie kämpften für politische und soziale Rechte der jungen Generation, wie um das Recht auf Arbeit und auf politische Mitbestimmung, die reaktionäre Politiker der Jugend auch in der sowjetischen Besatzungszone vorenthalten wollten. Die Antifaschisten in den Jugendausschüssen leisteten eine mühevolle, umfangreiche Arbeit, um die vom Faschismus irregeleiteten Jugendlichen im demokratischen Sinne umzuerziehen und sie für den demokratischen Neuaufbau zu gewinnen. An diese erfolgreiche Tätigkeit anknüpfend, entwickelte sich im März 1946 gegründete FDJ zu einer Organisation, die Zehntausende junger Menschen für den demokratischen und sozialistischen Aufbau mobilisierte und schulte.

Während der Unterzeichnung der Gründungsurkunde der Freien Deutschen Jugend: Theo Wiechert, Erich Honecker und Paul Verner (von links nach rechts)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Ihr erster Vorsitzender wurde Erich Honecker, den die Faschisten wegen seines mutigen antifaschistischen Kampfes zehn Jahre in Brandenburg hinter Zuchthausmauern eingekerkert hatten. Nach dem Sieg der Konterrevolution saß Erich Honecker wieder im Knast (Moabit).

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die demokratische Bodenreform

Die faschistische Landwirtschaftspolitik und der II. Weltkrieg hatten zur Vernachlässigung der Felder, zur Verminderung der Hektarerträge und der tierischen Leistungen geführt. So waren gegenüber dem Vorkriegsstand die landwirtschaftliche Nutzfläche um 19 Prozent und die Hektarerträge um mehr als ein Viertel gesunken. Besonders stark hatte die sowjetische Besatzungszone unter den Kriegsfolgen zu leiden. In ihrem landwirtschaftlich wichtigsten Gebiet, in Mecklenburg-Vorpommern, betrug zum Beispiel der Rindviehbestand im Herbst 1945 nur 30 Prozent der Vorkriegszeit. Verschärft wurde das Ernährungsproblem durch Millionen Umsiedler aus den Gebieten östlich der Oder-Neiße-Grenze, aus der Tschechoslowakei und aus Südosteuropa. Hinzu kam, dass zahlreiche Großgrundbesitzer bei ihrer Flucht vor der Sowjetarmee wertvolle Maschinen, Zug- und Nutzvieh sowie Vorräte in die westlichen Besatzungszonen verschleppt hatten.

Oftmals hatte sich auf dem Lande, stärker als in den Städten und Industriegebieten, die faschistische Ideologie ausbreiten können. Besonders in den landwirtschaftlichen Gebieten östlich der Elbe hatte der preußische Adel jede demokratische Bewegung unterdrückt und war zu einer Stütze des Militarismus und Faschismus geworden.

Die Einsicht und Bereitschaft, durch eine demokratische Bodenreform die Machtverhältnisse auf dem Lande gründlich zu verändern, entwickelten sich bis Ende August 1945 in der sowjetischen Besatzungszone zu einer Massenbewegung.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

 

Die entschädigungslose Enteignung der Junker und Großgrundbesitzer sowie die Aufteilung ihres Bodens unter die landarmen Bauern und die Landarbeiter konnten beginnen. Am 2. September 1945 legte der Vorsitzende der KPD, Wilhelm Pieck, auf einer Kreisbauernversammlung in Kyritz (Mark Brandenburg) das Programm zur Durchführung der Bodenreform dar.

Die Teilnehmer forderten in einer Entschließung „..die Aufteilung des Bodens der Kriegsverbrecher und Kriegsschuldigen und des gesamten Großgrundbesitzes über 100 Hektar an die kleinen Bauern, Landarbeiter und Kriegsvertriebenen.“ 30 Bauernkonferenzen in der Provinz Sachsen und eine Landesbauernkonferenz in Thüringen, die zur gleichen Zeit tagten, unterstützten diese Forderung nach Durchführung einer Bodenreform.

Die von Wilhelm Pieck verkündete Losung „Junkerland in Bauernhand“ wurde von Landarbeitern, Kleinbauern und Umsiedlern freudig aufgegriffen. Verhandlungen im Block der antifaschistisch-demokratischen Parteien hatten zu dem Ergebnis geführt, dass von allen Parteien die Notwendigkeit einer demokratischen Bodenreform anerkannt wurde.

Das entscheidende Instrument zur Durchführung der Bodenreform waren die neuen Machtorgane(neue Behörden und Institutionen), die sich das Volk geschaffen hatte. Im September 1945 erließen die Landes- und Provinzialverwaltungen auf der Grundlage der Vorschläge der KPD inhaltlich gleichlautende Verordnungen über die demokratische Bodenreform. Ihre Durchführung selbst lag in den Händen des werktätigen Volkes.

In allen Gemeinden wurden Bodenreformkommissionen gewählt. Sie beschlagnahmten den Großgrundbesitz über 100 Hektar, der entschädigungslos enteignet wurde. Kriegsschuldige, Kriegsverbrecher und Naziaktivisten wurden unabhängig von der Größe ihres Besitzes enteignet.

Von der Enteignung ausgenommen war der Boden landwirtschaftlicher und wissenschaftlicher Forschungseinrichtungen, der zur Versorgung der Bevölkerung dienende, den Stadtverwaltungen gehörende Boden, das Gemeindeland, der Grundbesitz landwirtschaftlicher Genossenschaften und Schulen sowie der Grundbesitz der Klöster, Bistümer und Kirchen.

Der den Bewerbern zugeteilte Boden durfte fünf Hektar, bei schlechter Bodenqualität zehn Hektar nicht überschreiten.

 

 

Aufteilung des Großgrundbesitzes im Herbst 1945
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Die durch die Bodenreform entstandenen Wirtschaften durften weder ganz noch teilweise verkauft, verpachtet, geteilt oder verpfändet werden. Die Bewerber erhielten den Boden schuldenfrei. Traktoren und landwirtschaftliche Maschinen wurden den Komitees der gegenseitigen Bauernhilfe, einfaches Arbeitsgerät und Arbeitsvieh den bedürftigen Bauernwirtschaften zur individuellen Nutzung zur Verfügung gestellt. Ein Drittel des Bodenfonds verblieb in den Händen staatlicher und kommunaler Einrichtungen. Auf etwa drei Prozent der landwirtschaftlichen Nutzfläche entstanden in der Folgezeit Volkseigene Güter (VEG).

Die demokratische Bodenreform war die seit dem Deutschen Bauernkrieg im 16. Jahrhundert größte revolutionäre Massenaktion auf dem Lande. Die gewählten Bodenreformkommissionen als revolutionär-demokratische Organe der Arbeiter und Bauern beschlossen die Aufteilung des Großgrundbesitzes und setzten ihre Beschlüsse selbst um. Das wichtigste Ergebnis der Bodenreform, die ich unter der Führung der Arbeiterklasse vollzog, bestand darin, dass die ökonomische Macht der Großgrundbesitzer gebrochen und das Junkertum als Klasse beseitigt wurden.

Durch die demokratische Bodenreform erhielt das Bündnis zwischen Arbeiterklasse und werktätigen Bauern eine stabile politische und ökonomische Grundlage. Die Arbeiterklasse half den Bauern, den erbitterten Widerstand der Junker, Großgrundbesitzer und aktiven Nazis zu überwinden, die diese der Bodenreform entgegensetzten. Sie versuchten, der Enteignung durch die Aufteilung der Güter unter ihre Verwandten zu entgehen. Sie verschoben Vieh und Maschinen. Von den Junkern und ihren Inspektoren eingeschüchtert, wagte mancher Bauer und Landarbeiter nicht, sich um Boden zu bewerben. Faschistische Banden überfielen Arbeiterfunktionäre. Dieser Widerstand konnte erst durch die Ausweisung der enteigneten Junker und Großgrundbesitzer gebrochen werden.

Auch nach dem Abschluss der Bodenreform galt die Aufmerksamkeit der demokratischen Machtorgane der Festigung des Bündnisses und der Entwicklung der Neubauernwirtschaften. Aus den Ausschüssen der gegenseitigen Bauernhilfe entstand eine demokratische Massenorganisation, die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB). 1949 wurden die Maschinenausleihstationen (MAS) gegründet. Sie betrieben den Park für Maschinen und Traktoren und stellten diese den Klein- und Mittelbauern zu günstigen Tarifen zur Verfügung. Diese Bauern bleiben infolge der Hilfe durch die MAD wirtschaftlich und politisch von den ökonomisch stärkeren Großbauernbetrieben unabhängig. Die MAS verbanden die Produktionshilfe mit einer umfangreichen politischen, wissenschaftlichen und kulturellen Unterstützung der Bauern. Als Zentren der Arbeiterklasse auf dem Lande trugen sie – gemeinsam mit den VEG – wesentlich dazu bei, den Boden für die sozialistische Umgestaltung des Dorfes vorzubereiten.

Die Sowjetunion unterstützte aktiv die antiimperialistisch-demokratische Umwälzung auf dem Lande. Die sowjetischen Besatzungsbehörden halfen mit Pferden, Saatgetreide und Saatkartoffeln. Im September 1947 ordnete die SMAD an, in der sowjetischen Besatzungszone in kurzer Zeit mindestens 37 000 Wohn- und Wirtschaftsgebäude auf dem Lande zu errichten. Diese und andere Maßnahmen der SMAD erleichterten und beschleunigten die Durchführung der demokratischen Bodenreform und sicherten ihre Ergebnisse.

Auch in den westlichen Besatzungszonen forderten demokratische Kräfte die Aufteilung der Güter über 100 Hektar Nutzfläche und eine Neuaufteilung des Bodens. In Bayern, Nordrhein-Westfalen und Schleswig-Holstein wurden entsprechende Gesetze angenommen. Imperialistische Kreise und rechtssozialdemokratische Führer verhinderten aber, dass diese Gesetze umgesetzt werden konnten. Sie befürchteten nicht zu Unrecht, dass durch eine Bodenreform der Imperialismus auch in den Westzonen an Einfluss verlieren würde. So blieb- mit Unterstützung der westlichen Besatzungsmächte- der Großgrundbesitz in den westlichen Besatzungszonen unangetastet.

Am 11. Januar 1947 verzichtete die Regierung der Sowjetunion auf die Demontage von etwa 200 Großbetrieben, die in Übereinstimmung mit den Vier-Mächte-Vereinbarungen über die Wiedergutmachung eines Teiles der vom Hitlerfaschismus verursachten Schäden vorgesehen war. Die Regierung der UdSSR übernahm diese Betriebe in sowjetisches Eigentum und verwandelte sie in Sowjetische Aktiengesellschaften (SAG). Ihr Wert wurde als Reparationsleistung anerkannt. Diese Entscheidung der UdSSR sicherte Tausenden Arbeitern und Angestellten ihre Arbeitsplätze und ermöglichte es, diese Betriebe für den demokratischen Neuaufbau zu erhalten.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der Beginn tiefgreifender sozialökonomischer und politischer Umgestaltungen in der Sowjetischen Besatzungszone

Die Schaffung neuer demokratischer Staatsorgane (Behörden/Institutionen) war die entscheidende Voraussetzung, um die antifaschistisch-demokratische Umwälzung erfolgreich durchführen zu können. Anfang Juni 1945 konnte der Aufbau solcher Verwaltungsorgane (Verwaltungsbehörden) in den Gemeinden und Kreisen der sowjetischen Besatzungszone abgeschlossen werden.

Im Juli 1945 wurden deutsche Landes- bzw. Provinzialverwaltungen geschaffen. Die Zusammensetzung ihrer Präsidien hatten die vier Parteien vorgeschlagen; sie wurde von der SMAD (sowjetische Besatzungsmacht) bestätigt. Am 22. Oktober 1945 übertrug die SMAD mit dem Befehl 110 den Landes- und Provinzialverwaltungen das Recht, Gesetze und Verordnungen mit Gesetzeskraft zu erlassen. Damit wurden sie zu den damals höchsten deutschen Machtorganen, die sich in gesetzgebende und vollziehende Gewalt vereinten. Da der bürgerliche Staat vom Grundsatz der Gewaltenteilung ausgeht, wird folglich von bürgerlicher Seite behauptet, dass sich um eine Diktatur handelt, bzw. nach dem Krieg in der sowjetischen Besatzungszone die Grundlagen dafür gelegt wurden.

Dank der Unterstützung durch die sowjetischen Besatzungsorgane (Besatzungsbehörden) , dank der zielklaren Politik der KPD und ihrem Zusammengehen mit der SPD konnten in kurzer Zeit Machtorgane des Volkes entstehen, in denen die Arbeiterklasse die führende Rolle spielte.

Während sich die Werktätigen (Erwerbstätigen/arbeitende Menschen) in Stadt und Land darum bemühten, die Friedenswirtschaft in Gang zu bringen, häuften sich Beispiele wirtschaftlicher Sabotage. Beauftragte der Konzernleitungen verzögerten die Produktion. Großgrundbesitzer verheimlichten den demokratischen Selbstverwaltungen vorhandene Lebens- und Futtermittelvorräte, und kapitalistische Großhändler nutzten die Not des Volkes zu großangelegten Schiebergeschäften. Diese Kreise waren bestrebt, bei den Werktätigen Misstrauen und Hass gegen die SMAD, gegen die demokratischen Machtorgane und vor allem gegen die Kommunisten zu säen. Die Reaktion versuchte, die errungen Machtpositionen des Volkes zu erschüttern, bevor es sie wirtschaftlich untermauern und politisch festigen konnte. Die Reaktion drückte weiterhin und spielte auf Zeit, bis sie 1989 Erfolg hatte.

Solange die sozialökonomischen Wurzeln des Faschismus – Das Eigentum der Monopolisten und Großgrundbesitzer an Fabriken, Rohstoffen und Ländereien- nicht beseitigt waren, bestand die Gefahr einer Restauration der imperialistischen Herrschaft.

Was direkt nach dem Krieg nicht gelungen war, ist dann 1989 gelungen.

Der Kampf um weitere demokratische Umgestaltungen erforderte, nicht nur die politischen, sondern auch die ökonomischen Machtverhältnisse zu verändern. Ein bedeutsamer Schritt auf diesem Wege war die demokratische Bodenreform in der sowjetischen Besatzungszone Deutschlands.

 

Siehe auch:

Die demokratische Bodenreform

und 

Die Gründung der FDJ

und 

Die Gründung der SED

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text auch dem Geschichtsbuch der DDR

Der Aufruf des Zentralkomitees der KPD vom 11. Juni 1945

Unmittelbar nach der Veröffentlichung des Befehls Nr. 2 erschien der Aufruf des Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Deutschlands an das deutsche Volk vom 11. Juni 1945. Die deutschen Kommunisten beantworteten darin Fragen, die die Menschen in allen Besatzungszonen bewegten. Die im Aufruf formulierten Aufgaben verleihen ihm den Charakter eines Aktionsprogramms für die Errichtung einer antifaschistisch-demokratischen Ordnung in ganz Deutschland.

Die Tätigkeit des „Nationalkomitees Freies Deutschland“ und der antifaschistische Widerstandskampf bestätigten und bereicherten die Vorstellungen der KPD über die Errichtung eines antifaschistisch-demokratischen deutschen Staates. Die dabei gewonnenen Erkenntnisse widerspiegelten sich in dem „Aktionsprogramm des Blocks der kämpferischen Demokratie“ ,das Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht und Anton Ackermann im Auftrag des Zentralkomitees der KPD ausgearbeitet hatten und im Oktober 1944 zur Beratung vorlegten. Es wurde in der folgenden Zeit präzisiert und stellte mit seinen Grundsätzen und dem dazugehörigen Sofortprogramm eine direkte Vorstufe des Aufrufs vom 11. Juni 1945 dar. Der Aufruf berücksichtigt sowohl die geschichtlichen Lehren der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung als auch die Erfahrungen, die die Tätigkeit der Aktivisten der ersten Stunde vermittelte. Unter Leitung Wilhelm Piecks ausgearbeitet und mit führenden Funktionären der KPdSU und der kommunistischen Weltbewegung wie zum Beispiel Georgi Dimitroff beraten, beachtete der Aufruf das veränderte internationale Kräfteverhältnis am Ende des II. Weltkrieges und die konkrete Situation in Deutschland.

aus-aufruf-der-kpd-vom-11.juni-1945aus-aufruf-der-kpd-vom-11.juni-1945-2Aus Aufruf des ZK der KPD vom 11.Juni 1945 3Quellenangabe Aus Aufruf des ZK der KPD vom 11.Juni 1945

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

 

Es war kein Zufall, dass sich die Kommunistische Partei Deutschlands als erste Partei mit einem Aktionsprogramm an die Öffentlichkeit wandte. Die Generallinie des VII. Weltkongresses der Kommunistischen Internationale folgend, hatte die KPD mit den Beschlüssen der Brüsseler (1935) und Berner (1939) Parteikonferenz ein wissenschaftliches Programm erarbeitet, das den damaligen Kampfbedingungen entsprach und den Weg zur Überwindung der faschistischen Diktatur wies.

Es war immer das revolutionäre Ziel der KPD gewesen, die Arbeiterklasse und alle Werktätigen zum Sozialismus zu führen.

In der neuen, aber vorübergehenden Epoche der Menschheitsgeschichte, die mit der Großen Sozialistischen Oktoberrevolution eingeleitet worden war, konnten die sozialen und nationalen Probleme nur vollständig durch den Aufbau des Sozialismus gelöst werden. Die KPD ging in ihrem Aktionsprogramm jedoch von der Erfahrung der internationalen Arbeiterbewegung aus, dass die Arbeiterklasse auch in hochindustrialisierten Ländern nicht in einem Sprung ihre politische Klassenherrschaft errichten kann. Für die sofortige Errichtung des Sozialismus fehlten in Deutschland nach der Zerschlagung des Faschismus wichtige Voraussetzungen. So musste in erster Linie die Einheit der Arbeiterklasse hergestellt und eine marxistisch-leninistische Partei geschaffen werden, ohne deren Existenz und Führung die Arbeiterklasse die sozialistische Revolution nicht vollziehen kann. Der Weg zum Sozialismus war in der deutschen Arbeiterklasse infolge der jahrzehntelangen Spaltung der Arbeiterbewegung und des Einflusses der bürgerlichen und faschistischen Ideologie noch unklar und umstritten. Notwendig war auch die Herstellung eines festen Bündnisses der einheitlich handelnden Arbeiterklasse mit den werktätigen Bauern, der Intelligenz und andren demokratischen Kräften. Infolge der Spaltung der Arbeiterklasse, des reformistischen Einflusses rechter SPD-Führer und der Wirkung der faschistischen Propaganda war die Mehrheit des deutschen Volkes zunächst nicht für unmittelbar sozialistische, wohl aber für antifaschistisch-demokratische Aufgaben zu gewinnen. Diese Erkenntnis bestimmte den Charakter der im Aufruf formulierten Aufgaben. Zunächst standen die restlose Vernichtung von Militarismus und Faschismus, die Beseitigung der Monopole und des junkerlichen Großgrundbesitzes auf der Tagesordnung. Es galt, die wichtigsten Positionen in Staat und Wirtschaft mit Vertretern des werktätigen Volkes zu besetzen.

Die antifaschistisch-demokratische Ordnung sollte in Gestalt einer parlamentarisch-demokratischen Republik mit allen Rechten und Freiheiten für das Volk errichtet werden. Das bedeutete, dass ein einheitlicher deutscher Staat nur auf antiimperialistisch-demokratischer Grundlage, ohne Monopolkapital und Junkertum entstehen sollte.

Der Aufruf des Zentralkomitees der KPD vom 11. Juni 1945 war das wissenschaftlich begründete Aktionsprogramm der antifaschistisch-demokratischen Umwälzung. Es wies dem deutschen Volk den Weg zum antifaschistisch-demokratischen Neuaufbau. Der Kampf um die Erfüllung der Aufgabe stellte die erste Etappe eines revolutionären Prozesses dar, in dem wesentliche Voraussetzungen für den Aufbau des Sozialismus entstehen konnten.

 

 

Zusammenfassung Aufruf ZK der KPD vom 11.Juni 1945Zusammenfassung Aus Aufruf des ZK der KPD vom 11. Juni 1945 2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Opfer des II. Weltkrieges

Der zweite Weltkrieg war der verheerendste Krieg der Menschheitsgeschichte. Die über 50 Millionen Toten und 35 Millionen Kriegsversehrte sind eine gewaltige Anklage gegen das imperialistische System.

Der zweite Weltkrieg war der verheerendste Krieg der Menschheitsgeschichte. Die über 50 Millionen Toten und 35 Millionen Kriegsversehrte sind eine gewaltige Anklage gegen das imperialistische System.

entnommen aus „Geschichte in Übersichten“, DDR 1982

Deutschland nach dem II. Weltkrieg

Am 30. April 1945 hissten die Sowjetsoldaten auf dem Gebäude des deutschen Reichstages in Berlin die rote Fahne. Wenige Tage später, am 8. Mai 1945, besiegelten die Vertreter des Oberkommandos der faschistischen Wehrmacht mit ihrer Unterschrift die bedingungslose Kapitulation. Der imperialistische deutsche Staat hörte auf zu bestehen. Der deutsche Imperialismus hatte seine bis dahin schwerste Niederlage erlitten.

Nach den Bestimmungen des Potsdamer Abkommens vom August 1945 wurde Deutschland in vier Besatzungszonen eingeteilt, die von der UdSSR, den USA, Großbritannien und Frankreich besetzt wurden.

Die Staatsgewalt ging an den Alliierten Kontrollrat und an die Militäradministrationen der Besatzungsmächte über. Sie sollte in jeder Besatzungszone von dem jeweiligen Oberbefehlshaber ausgeübt werden. Für die Verwaltung der sowjetischen Besatzungszone war die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) verantwortlich.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

 

Die vier Oberbefehlshaber bildeten ein gemeinsames Organ (Institution), den Alliierten Kontrollrat, mit Sitz in Berlin. Seine Entscheidungen über alle Deutschland als Ganzes betreffenden wesentlichen Fragen mussten einstimmig getroffen werden, damit ein einheitliches Vorgehen der vier Großmächte in den einzelnen Besatzungszonen gesichert war.

Deutschland in den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

 

Zur Gewährleistung einer erfolgreichen Tätigkeit des Kontrollrates und des Zusammenwirkens aller Besatzungsmächte sollte die Westmächte an der Besetzung Berlins beteiligt werden. Es wurde festgelegt, zur gemeinsamen Verwaltung Berlins eine Interalliierte Behörde zu errichten, die unter Aufsicht des Kontrollrates arbeitete. Deswegen erhielten die Westmächte je einen Sektor in Berlin zugewiesen; sie stationierten dort eigene Truppen. Trotz dieses Viermächtestatus, dem Berlin damals unterlag, wurde es weder zu einem fünften Besatzungsgebiet, noch wurden Teile der Stadt den westlichen Besatzungszonen eingegliedert. Berlin blieb Bestandteil der sowjetischen Besatzungszone. Diese Tatsache kam darin zum Ausdruck, dass in allen einschlägigen Dokumenten der Alliierten nur von vier Besatzungszonen die Rede ist. Die oberste Gewalt des sowjetischen Befehlshabers für Berlin wurde durch die besondere Berlin-Regelung nicht betroffen. Die Zuständigkeit der SMAD für ganz Berlin widerspiegelte sich auch in praktischen Maßnahmen. So verblieben die Anlagen der Reichsbahn und das Wasserstraßennetz Berlins unter alleiniger sowjetischer Zuständigkeit. Die Verkehrsverbindungen zwischen den Berliner Westsektoren und den westlichen Besatzungszonen auf den Straßen-, Wasser- und Schienenwegen unterlagen der Kontrolle der Sowjetischen Militäradministration.

Zunächst musste das schwere Erbe überwunden werden, das die faschistische Herrschaft hinterlassen hatte. Vielen Deutschen wurde erst jetzt, unmittelbar nach Kriegsende, die furchtbare Lage bewusst, in die sie der deutsche Imperialismus gebracht hatte. Deutschland war in seine größte Katastrophe gestürzt und in seiner Entwicklung um Jahrzehnte zurückgeworfen worden. In der ganzen Welt war sein Name mit Schimpf und Schande befleckt, waren doch die grausamen Verbrechen gegen den Frieden und die Menschlichkeit im Namen des deutschen Volkes geschehen. Millionen Deutsche hatten die Macht- und Eroberungsgelüste des deutschen Monopolkapitals, der Junker und Militaristen mit ihrem Leben bezahlen müssen.

Die Rüstung und der II. Weltkrieg hatten die Wirtschaft Deutschlands zerrüttet und die Währung zerstört. Unzählige Produktionsanlagen waren vernichtet oder funktionsunfähig. Nahezu 30 Prozent des städtischen Wohnraumes waren dem Krieg zum Opfer gefallen. In den Großstädten betrug der Anteil der schwer beschädigten oder restlos zerstörten Wohnungen sogar durchschnittlich 50 Prozent. Hunderttausende Menschen irrten obdachlos umher.

 

Das Zentrum Dresdens nach Kriegsende
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

 

Der Mangel an den notwendigsten Lebensmitteln und Industriewaren, an Gas und Elektrizität und an medizinischer Versorgung schufen eine Situation, in der die Überlebenden des II. Weltkrieges Opfer des Hungers und der allgemeinen Not zu werden drohten. In Berlin existierten im Sommer 1945 von 33 000 Krankenbetten aus der Vorkriegszeit noch 8 500, von 6 500 Ärzten noch 2 400. Kranke mussten von ihren Angehörigen auf Tragbahren, Tote auf Handwagen befördert werden. In Dresden starben von 100 Neugeborenen 73.

Auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone war das Ausmaß der Schäden besonders groß. Faschistische Truppen hatten der vorrückenden Sowjetarmee einen militärisch zwar sinnlosen, aber erbitterten Widerstand entgegengesetzt, während anglo-amerikanische Truppen große Teile im Westen Deutschlands fast kampflos einnehmen konnten. Ohne militärische Notwendigkeit wurden viele versorgungswichtige Einrichtungen zerstört oder funktionsunfähig gemacht. Der Sowjetarmee sollte nur „verbrannte Erde“ hinterlassen werden.

Nicht weniger, als das materielle Elend wog das geistige Erbe des Faschismus. Wann auch der deutsche Imperialismus militärisch geschlagen war, so wirkte die faschistische Ideologie zunächst weiter. Antikommunismus, Antisowjetismus, Rassenvorurteile und nationale Überheblichkeit gegenüber anderen Völkern bestimmten das Denken vieler Deutscher auch nach Beendigung des Krieges. So erleichtert die Menschen über das Ende des Krieges waren, so tief war bei den meisten von ihnen die Erschütterung, als sie sich der verheerenden Lage bewusst zu werden begannen, die Krieg und Faschismus hinterlassen hatten. Große Teile des deutschen Volkes sahen der Zukunft voller Angst entgegen; ihnen erschien der Untergang im Chaos unvermeidlich. Nur die fortschrittlichsten Menschen erkannten im Sieg der Sowjetarmee eine Befreiungstat von geschichtlicher Bedeutung.

Die Befreiung vom Faschismus eröffnete dem deutschen Volk die Möglichkeit, sich für immer der Monopolkapitalisten und Junker zu entledigen und den Weg zu Demokratie und Sozialismus zu beschreiten. Diese historische Chance wurde durch die Tatsache begünstigt, dass sich die Sowjetunion in ihrer Haltung gegenüber dem deutschen Volk von sozialistischen Prinzipien leiten ließ. Die UdSSR sah ihre Befreiungsmission sowohl in der konsequenten Politik zur Vernichtung des deutschen Faschismus und Militarismus als auch in der Unterstützung der demokratischen Kräfte des deutschen Volkes, insbesondere der Arbeiterklasse, bei der Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Die UdSSR war deshalb bemüht, einen einheitlichen, friedliebenden deutschen Staat zu schaffen. Die sowjetische Besatzungsmacht gab, um dieses Ziel zu erreichen, den deutschen Antifaschisten umfassende materielle und ideelle Hilfe.

Noch überwogen Resignation und Hoffnungslosigkeit. Doch nicht alle Menschen verharrten im Pessimismus. Unmittelbar nach der Befreiung stellten sich klassenbewusste Arbeiter – Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter (In der DDR ist die Sprache nicht gegendert worden. Der Einfachheit halbe verzichte ich hier auch darauf. Es versteht sich von selbst, dass stets Männer und Frauen gemeint sind.) – und antifaschistisch eingestellte Menschen aus andren Bevölkerungsschichten zur Verfügung. An ihrer Spitze standen diejenigen Mitglieder der Kommunistischen Partei Deutschlands, die aus den Konzentrationslagern befreit, aus der Illegalität aufgetaucht oder aus der Emigration zurückgekehrt waren. Als Aktivisten der ersten Stunde griffen sie tatkräftig zu und begannen mit der Überwindung der Kriegsfolgen. Sie fragten nicht nach Lohn für ihre Arbeit.

Mit bloßen Händen bargen sie aus den Trümmern Maschinen und Rohstoffe. Die Aktivisten der ersten Stunde brachten die Produktion notdürftig in Gang. Sie kümmerten sich darum, dass Kraftwerke und andere lebenswichtige Einrichtungen wieder funktionierten. Sie suchten Kontakt zu den Besatzungsorganen (-institutionen).

Anfang Mai 1945 begaben sich Gruppen von Beauftragten des Zentralkomitees der KPD aus der Sowjetunion in die von der Sowjetarmee befreiten Gebiete Deutschlands. Sie wurden von bewährten Funktionären des Zentralkomitees geführt. So stand die Berliner Gruppe unter der Leitung Walter Ubrichts, in Sachsen wirkten Hermann Matern und Kurt Fischer unter der Leitung Anton Ackermanns. Diese Initiativgruppen arbeiteten eng mit den Truppenführungen der sowjetischen Armee zusammen und unterstützten sie bei der Bewältigung der dringendsten Aufgaben. Sie nahmen gemeinsam mit den sowjetischen Organen (Institutionen) den Kampf gegen den Hunger, die Obdachlosigkeit, gegen die katastrophalen Verkehrs- und Versorgungsschwierigkeiten auf. Sie stellten die Verbindung zu den aus der Illegalität hervortretenden Parteiorganisationen, zu Sozialdemokraten und bürgerlichen Demokraten her.

Beispielhaft für die gesamte sowjetische Besatzungszone wirkte die Beauftragtengruppe in Berlin. Sie stellte in kurzer Zeit Verbindung zu den Antifaschisten und Hitlergegnern verschiedener politischen Richtungen her und schuf mit ihnen gemeinsam in allen Berliner Stadtbezirken neue, demokratische Selbstverwaltungsorgane(-institutionen). Bereits am 19. Mai 1945 trat der erste demokratische Magistrat von Groß-Berlin zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Ihm gehörten Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter und antifaschistische bürgerliche Politiker an. Der parteilose Demokrat Dr. Arthur Werner wurde vom ersten sowjetischen Stadtkommandanten, Generaloberst Bersarin, als Oberbürgermeister bestätigt und in sein Amt eingeführt.

So wie in Berlin sahen die sowjetischen Behörden in allen Ländern und Provinzen der sowjetischen Besatzungszone in den deutschen Antifaschisten die berufenen Vertreter des deutschen Volkes. Ihnen übertrugen die Orts- und Kreiskommandanten der Sowjetarmee die Verantwortung als Bürgermeister, Gemeindevorsteher oder Landräte. Die SMAD erkannte die demokratischen Selbstverwaltungen als einzige deutsche Machtorgane (-instiutionen) an und war bestrebt, deren Befugnisse zu erweitern.

Die neugegründeten demokratischen Verwaltungen mussten vor allem den Kampf gegen die Hungersnot organisieren. In vielen Orten der sowjetischen Besatzungszone, besonders in den Großstädten, war die Lebensmittelversorgung gefährdet; in Berlin und Dresden war sie völlig unterbrochen. Die Mehrheit der Menschen glaubte damals nicht, dass die erste Hilfe von der Sowjetunion kommen würde. Schon am 9. Mai 1945 traf der Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates der UdSSR, Mikojan, in Berlin ein, um die entsprechenden Maßnahmen einzuleiten.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Aus den Feldküchen sowjetischer Truppen wird in den ersten Maitagen 1945 Essen an die Berliner Bevölkerung ausgegeben
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

 

In allen Städten und Kreisen setzten sich die sowjetischen Militärkommandanturen dafür ein, eine geregelte Versorgung zu organisieren, den Verkehr wieder in Gang zu bringen und damit die schlimmste Not zu bannen. Am 5. Juni 1945 stellte die Berliner Zeitung fest, dass die Berliner bereits etwas mehr zu essen hatten als in den letzten Kriegswochen. So erhielt die vom Faschismus befreite deutsche Bevölkerung den ersten praktischen Anschauungsunterricht darüber, dass die Sowjetarmee nicht als Eroberer, sondern als Befreier und Helfer nach Deutschland gekommen war.

Bereits einen Monat nach der bedingungslosen Kapitulation des deutschen Imperialismus erließ die SMAD am 10. Juni 1945 den Befehl Nr. 2, der die Tätigkeit antifaschistisch-demokratischer Organisationen erlaubte. Voraussetzung für deren politisches Wirken war ihre Absicht, sich die endgültige Ausrottung der Reste des Faschismus und die Festigung der demokratischen Grundlagen und Freiheiten zum Ziel zu setzen. Der Befehl Nr. 2 bewies das große Vertrauen, das die Sowjetunion den demokratischen Kräften des deutschen Volkes entgegenbrachte.

Als erste Partei trat die KPD an die Öffentlichkeit und nahm nach jahrelanger Verfolgung wieder ihre legale Tätigkeit auf. Auch die SPD begann, ihre Organisationen neu aufzubauen. In Berlin konstituierte sich der Zentralausschuss der SPD, an dessen Spitze Otto Grotewohl trat.

Ebenfalls im Juni 1945 rief ein vorbereiteter Gewerkschaftsausschuss, der auf Initiative kommunistischer Gewerkschafter gegründet worden war, zur Bildung neuer, freier Gewerkschaften auf. Daraus entstand der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB). Er stützte sich auf die zu entwickelnde Aktionseinheit zwischen den beiden Arbeiterparteien und konnte die Zersplitterung in der sowjetischen Besatzungszone überwinden.

Ende Juni und Anfang Juli 1945 wurden in der sowjetischen Besatzungszone zwei bürgerlich-demokratische Parteien gegründet: die Christlich-Demokratische Union (CDU) und die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDPD).

 

Plakat der Gewerkschaften aus dem Jahre 1945
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

 

In beiden Parteien wirkten starke antifaschistisch-demokratische Kräfte, die ehrlich um eine Zusammenarbeit mit den Arbeiterparteien bemüht waren. Von ihnen erwarben sich besonders Wilhelm Külz (LDPD) und Otto Nuschke (CDU) große Verdienste beim demokratischen Neuaufbau.

KPD und SPD knüpften an die gemeinsamen Interessen aller Antifaschisten an, als am 14. Juli 1945 in Berlin auf ihre Initiative hin der Block der antifaschistisch-demokratischen Parteien gebildet wurde. An der konstituierenden Sitzung nahm auch der Vorsitzende der KPD, Wilhelm Pieck, teil, der inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt war. Vertreter der vier Parteien unterzeichneten ein Kommuniqué, in dem sie sich zur Errichtung der von der KPD geforderten antifaschistisch demokratischen Ordnung und zur Bildung einer festen Einheitsfront der antifaschistisch-demokratischen Parteien bekannten.

In den westlichen Besatzungszonen unterbanden die Militärregierungen – getrieben vom imperialistischen Klasseninteresse – weitgehend jede Initiative und Aktivität antifaschistisch-demokratischer Kräfte. Sie lösten antifaschistische Ausschüsse auf; es gab keine echte Zusammenarbeit zwischen Besatzungsbehörden, Antifaschisten und Demokraten. Parteien wurden nur auf Kreis- und Ortsebene zugelassen. Sie und die Gewerkschaften durften längere Zeit keine Zeitungen herausgeben. Die Aktionseinheit der Arbeiterklasse, die wichtigste Voraussetzung für demokratische Veränderungen, sollte durch diese Machenschaften der imperialistischen Besatzungsmächte verhindert werden.

 

 

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet von Petra Reichel

Die neue internationale Lage unmittelbar am Ende des II. Weltkrieges

Der II. Weltkrieg von 1939 bis 1945 war sowohl hinsichtlich seiner ungeheuren Ausmaße als auch vor allem seiner Folgen für die Geschichte der Menschheit ein einschneidendes weltgeschichtliches Ereignis. Noch vielen Menschheitsgenerationen werden die angerichteten Zerstörungen, die sinnlosen Vernichtungen, der in barbarischer Weise betriebene Völkermord, die Not und das Leid der betroffenen Menschen in trauriger Erinnerung bleiben.

In den vom deutschen Imperialismus entfesselten Krieg wurden 8o Prozent der damaligen Erdbevölkerung in 61 Ländern Europas, Asiens, Afrikas und des pazifischen Raumes hineingezogen. 50 Millionen Tote und über 35 Millionen Verletzte waren am Ende zu beklagen. Die allein in Europa verursachten Zerstörungen betrugen einen Wert von 260 Milliarden Dollar. Hiervon entfielen auf die Sowjetunion 128 Milliarden, auf Deutschland 48 Milliarden, auf Frankreich 21 Milliarden, auf Polen 20 Milliarden und auf Großbritannien 6,8 Milliarden Dollar. Die unmittelbaren militärischen Ausgaben können auf 1 1117 Milliarden Dollar geschätzt werden. Das entspricht etwa 60 bis 70 Prozent des Nationaleinkommens aller kriegführenden Länder.

Der II. Weltkrieg trug einen ausgeprägten Klassencharakter. Er wurde von Seiten der aggressiven imperialistischen Mächte in erster Linie als Krieg gegen die sozialistische Gesellschaftsordnung in der Sowjetunion geführt. Es zeigte sich aber auch, dass die faschistischen Staaten Deutschland, Japan, Italien und ihre Verbündeten das Ziel verfolgten, andere Länder zu unterjochen, ganze Völker zu vernichten und den weiteren Fortschritt der Menschheit unmöglich zu machen. Vom Ausgang des Krieges hing der Sozialismus in der Welt, hingen die Geschicke vieler Völker ab. Mit ihm wurde entschieden, ob große Teile der Menschheit für lange Zeit versklavt, in ihrer gesellschaftlichen Entwicklung um viele Jahre zurückgeworfen würden oder ob es den um ihre Zukunft kämpfenden Völkern gelingen würde, den Weg des sozialen Fortschritts, zu Demokratie und Sozialismus zu beschreiten. Der Klassencharakter des II. Weltkrieges bedingte seine beispiellose Heftigkeit und Kompromisslosigkeit.

Die Mehrzahl der imperialistischen Staaten, besonders die Großmächte, ging aus dem Krieg geschwächt hervor:

Das faschistische Deutsche Reich, das als Speerspitze des Weltimperialismus den Versuch unternommen hatte, die Herrschaft der deutschen Monopole zunächst auf Europa und später in der ganzen Welt zu errichten, war vollkommen zusammengebrochen. Es hörte faktisch auf zu existieren.

Die an ökonomischem Einfluss und militärischem Potential mächtigsten Verbündeten des deutschen Faschismus, das faschistische Italien und das militaristische Japan wurden als maßgebliche Faktoren der internationalen Politik und des Weltmarktes zunächst ausgeschaltet.

Siegesparade am 24. Juni 1945 Auf dem Roten Platz in Moskau. Ein Teilnehmer berichtet: “ Am Lenin-Mausoleum marschierten im Paradeschritt Einheiten der Feldarmee vorbei, die in diesem Krieg besonders großen Ruhm erlangt hatten; sie waren von den eben verstummten Fronten des Großen Vaterländischen Krieges auf den Roten Platz gekommen. Die Geschütze mit den Sternen an ihren Rohren schienen noch nach Pulver zu riechen. Über das Kopfsteinpflaster des Roten Platzes rollten ‚Katjuschas‘, die noch vor kurzem den Gegner mit ihrem Feuer vernichteten. Panzer und Geländewagen, die einen weiten Weg über den Boden des besiegten faschistischen Reichs zurückgelegt hatten. Den stärksten Eindruck von der Siegesparade aber hinterließ jener Augenblick, als die erbeuteten gegnerischen Fahnen öffentlich der Schande preisgegeben wurden: Unvermittelt verstummte das riesige Orchester. Der Rote Platz versank in Schweigen. Unruhegeladener Wirbel Hunderter Trommeln ertönte. 200 sowjetische Soldaten trugen 200 feindliche Fahnen und Standarten. Sobald sie das Mausoleum erreicht hatten, machten sie eine scharfe Wendung und schleuderten die erbeuteten Trophäen mit Wucht auf den Sockel des Mausoleums. Es regnete in Strömen. Die 200 Fahnen und Standarten lagen auf dem nassen Granit. Der Feind war besiegt. All das unvorstellbar Schwere, das unser Land in den Jahren des Krieges ausstehen musste, gingen wieder und wieder durch den Sinn.“
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

 

 

Frankreich war infolge seiner militärischen Niederlage im Jahre 1940 und des Rückganges seines Einflusses stark geschwächt. Es hatte seine einstige Bedeutung als Großmacht weitgehend eingebüßt. Großbritannien war an die USA und seine Kolonien verschuldet. Durch den Krieg war die Schuldensumme auf 21,5 Milliarden Pfund angewachsen, woraus sich eine direkte Abhängigkeit von den USA ergab. Großbritanniens Imperium begann zu zerfallen, sein Einfluss auf die Weltpolitik war wesentlich zurückgegangen.

Unter den imperialistischen Staaten konnten lediglich die USA ihre Positionen in der Weltpolitik verstärken. Das Territorium der USA war von den verheerenden Auswirkungen des Krieges verschont geblieben. Für die USA-Monopole war die rasch anwachsende Rüstungsproduktion ein großes Geschäft, das sie ausnutzten, um ihre wirtschaftlichen Machtpositionen auf dem Weltmarkt auszubauen. Die Reingewinne der USA-Monopole betrugen in den Jahren 1941 bis 1945 rund 60 Milliarden Dollar gegenüber 9,5 Milliarden Dollar von 1931 bis 1938. Am Ende des II. Weltkrieges entfiel auf die USA mehr als die Hälfte der Industrieproduktion aller kapitalistischen Länder. Der US-Dollar wurde zur Leitwährung auf dem kapitalistischen Weltmarkt. Es war dem USA-Imperialismus gelungen, in der kapitalistischen Welt eindeutig die die Vorherrschaft zu erringen.

An der Niederlage des Faschismus hatte die Sowjetunion den Hauptanteil. In der Existenz der ersten sozialistischen Staates der Welt und seiner damaligen gesellschaftlichen Überlegenheit gegenüber dem Imperialismus lag die letztliche Ursache für die gesetzmäßige Niederlage des faschistischen Deutschen Reiches und seiner Verbündeten im II. Weltkrieg. Bis zum Kriegsende bleib die deutsch-sowjetische Front die Hauptfront des II. Weltkrieges. Die Sowjetunion trug die Hauptlast im Krieg gegen das faschistische Deutschland. Die von der Sowjetarmee erkämpften Entscheidungen bestimmten den Ausgang des Krieges.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Obwohl die Sowjetunion die Hauptlast bei der Zerschlagung der faschistischen Aggressoren und der Befreiung der Völker zu tragen hatte, obwohl die Opfer, die sie bringen, und die Schäden, die sie hinnehmen musste, die größten waren, ging sie politisch und militärisch gestärkt aus dem Krieg hervor. Die sowjetische Staats- und Gesellschaftsordnung war noch fester geworden. Das freundschaftliche Verhältnis der Klassen und Nationen war weiter gereift- Das internationale Ansehen und der Einfluss der Sowjetunion wuchsen beindruckend schnell an. Im Jahre 1941 hatten nur 26 Staaten diplomatische Beziehungen zur Sowjetunion, am Ende des Krieges waren es bereits 52. Ohne die Sowjetunion konnte nunmehr keine einzige wichtige Frage der Weltpolitik entscheiden werden. Die UdSSR wurde zum Zentrum für den Zusammenschluss aller Menschen in der Welt, die für die Erhaltung des Friedens, für Demokratie und Sozialismus kämpften. Diese Bilanz bezieht sich auf die Zeit als Stalin noch lebte. In der DDR ist nach seinem Tode Stalin auch verdammt worden. Darum wird er im Geschichtsbuch nicht genannt, obwohl es seine Verdienste waren.

Vor allem dem gewachsenen Einfluss der Sowjetunion war es zu verdanken, dass die von ihr verkündeten Kriegsziele zur Grundlage aller wesentlichen Bestrebungen der Antihitlerkoalition sowie für eine Reihe von Nachkriegsabkommen gemacht wurden. So entsprachen die Wiederherstellung der staatlichen Souveränität Polens, der Tschechoslowakei und Österreichs und deren internationale Anerkennung den Interessen und Forderungen aller friedliebenden Völker der Welt.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

An der Gründung der Organisation der Vereinten Nationen (UNO) durch 51 Staaten der Antihitlerkoalition im Juni 1945 in San Francisco, vor allem der der Annahme ihrer Charta, ihres Grundsatzprogramms, hatte die Sowjetunion entscheidenden Anteil.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Die UNO-Charta widerspiegelte die im Ergebnis des II. Weltkrieges eingetretenen Veränderungen im internationalen Kräfteverhältnis zugunsten der Kräfte des Friedens, der Demokratie und des Sozialismus. Erstmals gelang es der Sowjetunion, den Prinzipien der friedlichen Koexistenz von Staaten mit unterschiedlicher Gesellschaftsordnung, die sie sie seit ihrer Entstehung konsequent eingetreten war, auf so breiter internationaler Basis weiter zum Durchbruch zu verhelfen. Bekanntlich wendete sich das Blatt später.

Das UNO-Hauptquartier in New York. Im Vordergrund die Bibliothek, rechts das 39stöckigee Sekretariatsgebäude, dahinter das Gebäude der Vollversammlung. Die Hochhäuser im Hintergrund beherbergen UNO-Spezialorganisationen.
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Die von der Sowjetunion entscheidend mitbestimmten Ziele der Antihitlerkoalition und Prinzipien der UNO-Charta fanden ihren völkerrechtlichen Niederschlag im Potsdamer Abkommen vom August 1945, insbesondere in seinen grundsätzlichen Bestimmungen über die deutsche Nachkriegsentwicklung.

Die ökonomische und politische Schwächung der meisten imperialistischen Staaten und das schnelle Anwachsen des internationalen Einflusses der UdSSR gehörten zwar zu den wichtigsten unmittelbaren Ergebnissen des II. Weltkrieges, waren aber nicht die einzigen. In einer Reihe von Ländern Mittel- und Südosteuropas sowie Asiens führten einschneidende revolutionäre Entwicklungen zur Zurückdrängung des imperialistischen Einflussbereiches. In vielen anderen kapitalistischen Länder, wie besonders in Frankreich, Italien, Griechenland, Finnland und Belgien, wo der antifaschistische nationale Befreiungskampf breite Formen angenommen hatte, entstanden nach dem Krieg demokratische Massenbewegungen. Der Einfluss der Kommunisten nahm stark zu. Die Volksmassen traten mit antiimperialistischen Forderungen auf, wie Bestrafung und Enteignung der Kriegsschuldigen und Kriegsverbrecher, Einschränkung der ökonomischen Macht der Monopole und Erweiterung der demokratischen Rechte der Werktätigen.

Auch für die kolonial unterdrückten und ausgebeuteten Völker Asiens und Afrikas wurde der Sieg über die deutschen, japanischen und italienischen Aggressoren zum Ausgangspunkt für neue Kämpfe gegen die Kolonialherren. Die nationale Befreiungsbewegung nahm einen neuen Aufschwung. In Indien, Indonesien, Indochina und weiteren Teilen Asiens wurde der Kampf um Unabhängigkeit mehr oder weniger zur unmittelbaren Tagesaufgabe. In einigen Gebieten Afrikas entwickelte sich die nationale Befreiungsbewegung schnell.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet von Petra Reichel

Die Lehren des II. Weltkrieges

Das Hauptziel des Kampfes der Völker der Antihitlerkoalition, die Welt vor der Versklavung durch die faschistischen Mächte zu bewahren, wurde erreicht. Dieses Ergebnis des II. Weltkrieges für eine andauernde Friedensperiode in der Welt zu sichern, war nach dem Ende der Kampfhandlungen die neue Hauptaufgabe. Das Bündnis der Völker und Regierungen verschiedener Gesellschaftssysteme, das sich im Kriege bewährt hatte, musste nun Wege suchen, um über die Gegensätze hinweg den Frieden zu sichern.

Hierbei verfolgten die Mächte der Antihitlerkoalition ein noch im Kriege festgelegtes Programm für die Nachkriegsordnung der Welt, das auf der Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis 2. August 1945 bekräftigt wurde. 

Potsdamer Konferenz

Oben: Schloss Cecilienhof in Potsdam, der Tagungsort der Potsdamer Konferenz Unten: Während der Potsdamer Konferenz im Jahre 1945

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982
Nürnberger Prozess

Der internationale Militärgerichtshof in Nürnberg während der Verhandlung gegen die faschistischen Hauptkriegsverbrecher

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982
Gründungskonferenz der UNO

Gründungskonferenz der UNO in San Francisco im Jahre 1945

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die wichtigsten Bestandteile dieses Programms waren die Besatzungspolitik in Deutschland zur Überwindung des Faschismus, der Abschluss von Friedensverträgen mit den ehemaligen Satelliten der faschistischen Koalition, die Aburteilung der Hauptkriegsverbrecher in Europa und Asien, die in den Prozessen von Nürnberg und Tokio erfolgte, und die Gründung der UNO im Jahre 1945. Deren Hauptaufgabe sollte die Sicherung des Friedens in der Welt, die friedliche Regelung von Streitigkeiten zwischen verschiedenen Staaten und die Förderung der Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem, kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet sein.

Für das deutsche Volk erwuchsen aus dem II. Weltkrieg Lehren, deren Befolgung bis in die Gegenwart eine Existenzfrage ist. Die herrschenden Kreise des deutschen Imperialismus erkannten, dass die neue Epoche in der Weltgeschichte seit 1917 nicht für ewig dauern sollte. Die sozialistische Gesellschaftsordnung in der UdSSR war der faschistischen Koalition überlegen und damit im II. Weltkrieg unbesiegbar. Doch seit 1989/90 ist es vorbei mit der sozialistischen Gesellschaftsordnung in Europa. Die UdSSR gibt es nicht mehr.

Der Krieg bewies, dass Hitlerdeutschland die reaktionärsten, historisch überlebtesten gesellschaftlichen Kräfte des Weltimperialismus vertrat, den ungerechtesten und grausamsten Krieg führte und als Hauptstoßkraft der Weltreaktion gegen die Sowjetunion auftrat. Bei seiner unermesslichen Eroberungsgier vermochte der deutsche Imperialismus noch weniger als im I. Weltkrieg den Widerspruch zwischen seinen weitreichenden Aggressionsplänen und seinen begrenzten politischen, ökonomischen und militärischen Möglichkeiten zu lösen. Die Niederlage des deutschen Imperialismus und Militarismus war somit unvermeidlich.

Eine der wichtigsten Lehren aus dem Krieg war, dass der deutsche Imperialismus und Militarismus nur an einer volksfeindlichen Politik gehindert werden kann, wenn die Arbeiterklasse einig ist und alle demokratischen Kräfte des Volkes im Kampf um die Erfüllung seiner Interessen führt. Seit der Niederlage 1989/90 spielt die Arbeiterklasse politisch keine Rolle mehr. Von Einigkeit keine Spur mehr.

Der 8. Mai 1945 brachte nicht nur die Niederlage des faschistischen Deutschlands. Er war zugleich der Tag der Befreiung des deutschen Volkes von der Nazibarbarei und gab ihm die Möglichkeit, die Lehren aus dem Krieg und der Geschichte der letzten Jahrzehnte zu ziehen und sich einen würdigeren Platz unter den friedliebenden Völkern zu erarbeiten.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR