Die Eroberungskriege Friedrichs II.

Die Herrschaft der Habsburger war gefährdet, als 1740 Kaiser Karl VI. söhnelos starb. Schon lange zuvor hatte er sich bemüht, dass die europäischen Mächte die Erbfolge seiner einzigen Tochter Maria Theresia anerkannten. Doch nach seinem Tode kehrte sich niemand um diese Verträge.

Der neue preußische König Friedrich II.(1740-1786)war fest entschlossen, die schwierige Lage Österreichs auszunutzen. Er ließ sein Heer überraschend in das nur schwach besetzte Schlesien einfallen, das damals zu Österreich gehörte. Dann erst bot er Maria Theresia an, er wolle sie mit allen Kräften gegen ihre Feinde unterstützen; allerdings müsse sie ihm als Preis dafür Schlesien abtreten. Das war glatte Erpressung. Der hinterhältige Überfall auf Schlesien enthüllte das räuberische Wesen des preußisch-junkerlichen Militarismus.

Friedrich II.

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Friedrich II. zu Eroberungen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Entwicklung Brandenburg-Preußens im 17. und 18. Jahrhundert

Die Entwicklung Brandenburg-Preußens im 17. und 18. Jahrhundert

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Von anderen Mächten ebenfalls angegriffen, musste Österreich das in zwei Kriegen schwere militärische Niederlagen erlitten hatte, Schlesien abtreten. Damit erhielt Preußen eine reiche Provinz, in der vor allem die Leinwandproduktion blühte. Aber schon bald erwog Friedrich II. die Eroberung weiterer Gebiete.

Eroberungspläne FriedrichsII. 1752

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

1756 ergab sich die Gelegenheit für den preußischen König, diesen Plan zu verwirklichen. Als neue Kämpfe zwischen England und Frankreich um ihre nordamerikanischen und indischen Kolonialbesitzungen ausbrachen, ließ sich Preußen durch Subsidienzahlungen bewegen, auf die englische Seite zu treten. Frankreich stellte daraufhin seine jahrhundertealten Gegensätze zu Habsburg zurück und verbündete sich mit Österreich, dass seinerseits Preußen die schlesische Beute wieder entreißen wollte. Diesem Bunde schlossen sich Russland und auch Sachsen an. Der Konflikt von weltweitem Ausmaß wurde zum großen Teil wieder auf dem Boden Deutschlands und Böhmens ausgetragen. Er dauerte sieben Jahre, von 1756 bis 1763, so dass dieser dritte Schlesische Krieg als Siebenjähriger Kriegbezeichnet wird.

Die preußische Armee eröffnete die Kampfhandlungen wieder ohne Kriegserklärung und überfiel zunächst Sachsen. Dessen Heer wurde nach der Kapitulation geschlossen in preußische Dienste gepresst. Das Land blieb jahrelang besetzt und musste insgesamt 50 Millionen Taler aufbringen. Spöttisch bemerkte Friedrich: „Sachsen ist wie ein Mehlsack. Man mag darauf schlagen, so oft man will, es kommt immer etwas heraus.“

Nach dem Überfall auf Sachsen stießen die Preußen nach Böhmen vor. Vergeblich belagerten sie Prag. Vom österreichischen Heer geschlagen, mussten sie nach Sachsen zurückweichen. Seither wechselten Erfolge und Niederlagen beider kriegführenden Parteien rasch. Weite Teile des mittleren und nördlichen Deutschland wurden verwüstet.

Preußen war schließlich, von allen Seiten bedrängt und durch die in Amerika siegreichen Engländer im Stich gelassen, wirtschaftlich und militärisch erschöpft. Nur das Ausscheiden Russlands aus dem Krieg bewahrte Preußen vor der drohenden Katastrophe. So konnte es am Ende des siebenjährigen Krieges Schlesien behaupten, musste aber Sachsen räumen.

Auf dem Boden des Reiches bestanden in Gestalt Österreichs und Preußens nunmehr zwei Großmächte. Ihr Gegensatz sollte ein Jahrhundert lang die Politik in Deutschland beherrschen.

Der preußische Militärstaat hatte sich als gefährlicher, hinterlistiger Angreifer erwiesen, der den Frieden in Europa immer wieder bedrohte. Seine Politik richtete sich gegen die Interessen der Völker.

 

 

Die Teilungen Polens

Schon kurze Zeit nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges bereitete Preußen einen Raubkrieg gegen Polen vor. Hier gab es kein starkes Königtum Unablässig befehdeten sich die Adligen des Landes untereinander. Die Nachbarn erblickten darum in Polen eine leichte Beute. Sie konnten außerdem immer der Unterstützung einer mächtigen Adelspartei gewiss sein. 1772 beschlossen Preußen, Österreich und Russland die erste Teilung Polens, durch die Polen ein Drittel seines Territoriums verlor. Preußen verfügte jetzt über eine Landverbindung zu seiner Provinz Ostpreußen und beherrschte den Unterlauf der Wisla. Es konnte also die Getreideausfuhr Polens kontrollieren. In den neu erworbenen Gebieten wurde die polnische Bevölkerung der Ausplünderung durch den preußischen Staatsapparat unterworfen. Preußische Junker eigneten sich die Güter flüchtiger polnischer Adliger an.

1793 und 1795 fanden weitere Teilungen Polens zwischen den Großmächten statt.

Die drei Teilungen Polens

Die drei Teilungen Polens

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Durch die Aneignung der polnischen Gebiete in den Jahren 1772-1795 wurde der polnische Staat völlig beseitigt. Nun begann für das polnische Volk ein über hundert Jahre währender Kampf. Die Knechtung Polens, an der der preußisch-junkerliche Militarismus führend beteiligt war, hemmte nicht nur die nationale Entwicklung unseres östlichen Nachbarvolkes, sondern wirkte sich auch negativ auf die weitere Geschichte unseres eigenen Volkes aus. Daher traten die fortschrittlichen Deutschen, wenn sie gegen den preußischen Militarismus kämpften, immer auch für die Wiederherstellung der nationalen Unabhängigkeit Polens ein. Hier lag auch während der DDR-Zeit eine der Wurzeln der festen Freundschaft, die die Deutsche Demokratische Republik während ihres Bestehens mit der damaligen Volksrepublik Polen verband.

 

Die Rolle des preußischen Militarismus in der Geschichte

In drei Beiträgen wurden die verschiedenen Seiten des preußischen Militärstaates  behandelt: sein Heer und seine Verwaltung, seine Schul-, Wirtschafts- und Außenpolitik. Immer wieder musste dabei festgestellt werden, dass er alle Maßnahmen auf die Schaffung eines starken Heeres ausrichtete. Ein solches System, in dem das Militär der Hauptzweck des Staates ist und das gesamte gesellschaftliche Leben bestimmt, nennen wir Militarismus.

Im preußischen Staates 18. Jahrhunderts dienste dieses militaristische System den Interessen der herrschenden Junkerklasse, deren oberster Vertreter der König war. Mit seiner Hilfe sicherte diese reaktionäre Klasse die Ausbeutung und Unterdrückung der Werktätigen(arbeitenden Menschen)im eigenen Lande und besaß zugleich ein Mittel, um fremde Gebiete zu erobern und auszuplündern.

Von reaktionären Geschichtsschreibern, im Geschichtsbuch der DDR in Vergangenheitsform, heute Gegenwartsform(heutige offizielle Geschichtsschreibung), wurde und wird die Rolle Preußens in der deutschen Geschichte jedoch ganz anders dargestellt. Die Geschichtsschreiber verfälschen absichtlich die Wahrheit. Sie wollen damit den einfachen Menschen vorspiegeln, der preußische Staat habe nur das Wohl seiner Untertanen im Auge gehabt und sei allein dazu berufen gewesen, die politische Zersplitterung Deutschlands zu überwinden. Dabei stützen sich einige Historiker auf einige Äußerungen Friedrichs II., die scheinbar zeigen, wie gut es der König mit seinem Volk gemeint hatte. Es ist allerdings nicht ehrlich, wenn dies Geschichtsschreiber absichtlich übersehen, dass die preußischen Gesetze eigentlich einen ganz anderen Inhalt hatten. Erst wenn man auch diese Gesetze liest, versteht man, dass den unten abgedruckten Worten Friedrichs II. über die Rechtsprechung nicht ohne weiteres Glauben geschenkt werden kann.

Friedrich II. zu Rechtssprechung in Preußen

 entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Punkte aus preußischen Landrecht von 1794

 entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Allein schon die Tatsachen aus der Geschichte des 18. Jahrhunderts lehren, dass der preußische Staat mit dem Schweiße und dem Blute seiner Untertanen zusammengefügt und auf Kosten des deutschen Volkes und seiner Nachbarvölker vergrößert wurde.

Der preußische Militarismus spielte, bzw. spielt in der deutschen Geschichte stets eine verhängnisvolle Rolle. Vor allem solche Merkmale wie der Kadavergehorsam in der Armee und der Untertanengeist im gesamtgesellschaftlichen Leben wurden von den herrschenden Klassen in ihrem Interesse nachdrücklich betont. Es bleibt zu hoffen, dass noch viele Geschichtsbücher der DDR erhalten geblieben sind und in den Antiquariaten angeboten werden. Denn nur so kann die Nachwelt sich von den reaktionären Geschichtsschreibern unabhängig machen. DIE TROMMLER leistet in mit seinen bescheidenen Möglichkeiten einen kleinen Beitrag dazu.

Der Militarismus half, die Junkerherrschaft auch über das Ende der Feudalzeit hinaus zu erhalten. Ständig drohte die Gefahr, dass die preußisch-deutschen Militaristen mit Hilfe ihrer schlagkräftigen Armee ihre Eroberungspläne durch neue Angriffskriege in die Tat umsetzten. Im Inneren Deutschlands behinderten sie jede fortschrittliche Entwicklung für lange Zeit.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Eroberungskriege Friedrichs II.

 

 

 

 

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Russland als absolutistischer Staat

Die Reform der Verwaltung

Um Russland in seiner Entwicklung rasch voranzubringen, begann Peter, auf den verschiedensten Gebieten der Staatsverwaltung, der  Wirtschaft und Armee längst notwendige Reformen durchzuführen. In zwei Etappen wurde die staatliche Verwaltung umgestaltet. An die Stelle der alten Bojarenduma, einer aus hohen Adligen bestehenden beratenden Körperschaft, trat als neue oberste Staatsbehörde der Regierende Senat. Während die Mitglieder des Regierenden Senats nur unter dem Gesichtspunkt, was sie leisten konnten, wie sie dem Staat diensten, vom Zaren berufen wurden, waren die Mitglieder der alten Bojarenduma nach ihrer Herkunft benannt worden. Dadurch festigte der Zar zwar seine absolute Macht außerordentlich. Die alten, von den Bojaren geleiteten schwerfälligen Verwaltungseinrichtungen ersetzte Peter I. durch neue zentrale Stellen. Deren Aufgaben waren klar voneinander abgegrenzt. Sie verwalteten solche Bereiche wie Industrie, Finanzen, Justiz, Handel, Außenpolitik, Armee und Flotte. Ihre Zuständigkeit erstreckte sich für einen dieser Arbeitsbereiche jeweils für das ganze Land. In vielem ähnelten diese sogenannten Kollegien dem, was wir heute unter einem Ministerium verstehen.

Zu den Reformen der Staatlichen Verwaltung gehörte auch eine gebietsmäßige Neugliederung Russlands in acht Gouvernements. Das Wort Gouvernement heißt übersetzt Verwaltungsbezirk. An der Spitze jedes dieser Gouvernements stand eine Gouverneur, der alle militärischen und politischen Vollmachten besaß und auch die Finanzen verwaltete. Später wurden an ihrer Stelle 50 Provinzen geschaffen.

Peter I. unterstellte die Kirche dem Staat. Er schaffte die bisherige oberste Leitung der Kirche, das sogenannte Patriachat, ab, und schuf dafür eine Leitung, deren Mitglieder er selbst ernannte. Auch diese Maßnahme diente ebenso wie eine teilweise Enteignung des sehr umfangreichen Kirchenbesitzes dazu, die Macht des Zaren zu stärken, den Absolutismus im Russland durchzusetzen. So schuf Peter I. Eine straff zentralisierte Staatsmacht, die die Interessen des Adels und der Kaufleute vertrat. Auf Außenpolitischem Gebiet gelang es Russland in dieser zeit, die Zugänge zum Asowschen Meer und zur Ostsee zu erkämpfen. Eine mächtige Kriegsflotte und ein schlagkräftiges Heer entstanden. Das Heer zählte allein 130 000 Soldaten der Feldarmee, darüber hinaus noch Kosaken und andere Verbände. Peter I. baute die Armee und die Kriegsflotte als Instrument des absolutistischen Staates nach damals modernen Gesichtspunkten auf. Er führte eine Dienstordnung ein, schuf besonders gut ausgebildete Graderegimenter, ließ zahlreiche militärische Lehranstalten einrichten und stellte vor allem an die Offiziere hohe Forderungen.

Das russische Reich zur Zeit Peters I.

Das russische Reich zur Zeit Peters I.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Wirtschaftliche und kulturelle Fortschritte

Besonders große Anstrengungen waren auf wirtschaftlichem Gebiet notwendig, um die Rückständigkeit des Landes zu überwinden. Dazu mussten zahlreiche neue Manufakturen entstehen.

Während der Regierungszeit Peters I. stieg die Zahl der Manufakturen in Russland von 21 auf rund 200. Er ließ auch auf Staatskosten Manufakturen errichten, die später mit besonderen Vorrechten in die Hände von Privatpersonen übergingen. Um den Manufakturen die benötigten Arbeitskräfte zu sichern, gestattete der Staat den Besitzern der Manufakturen, leibeigene Bauern für die Betriebe zu kaufen. Eine leistungsfähige Eisenindustrie, die mit Leibeigenen arbeitete, entstand im Ural. Damals übertraf sie sogar das englische Eisenhüttenwesen.

Zur Wirtschaftspolitik Peters gehörten auch Maßnahmen zum Schutze des Handels und zur Förderung des Exports. Der Staat belegte solche ausländischen Waren, die in Russland hergestellt werden konnten, mit hohen Zöllen.

Schiffswerft zur Zeit Peters I.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Auch auf dem Gebiet der Kultur macht Russland unter der Regierung Peters I. große Fortschritte. Zahlreiche allgemeinbildende Schulen, technische und andere Lehranstalten entstanden. Peter bereitete die Gründung einer Akademie der Wissenschaften vor, die aber erst kurz nach seinem Tode 1725 in  St. Petersburg eröffnet werden konnte. Wissenschaft, Kunst und Technik erlebten in Russland einen beachtlichen Aufschwung.

Im Jahre 1703 gründete Peter I. an der Mündung der Newa die Stadt St. Petersburg. Das Geschichtsbuch der DDR lässt das „St.“ Weg und schreibt, dass die Stadt nach Peter I. den Namen Petersburg bekommen hat. Es gibt Quellen, u.a. Wikipedia, die besagen, dass St. Petersburg  nicht nach Peter I., sondern nach seinem Schutzheiligen, dem Apostel Simon Petrus, benannt wurde.

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde am 18. August 1914 der deutsche Name zu Petrograd – wörtlich „Peterstadt“ – russifiziert. Nach Lenins Tod 1924 wurde die Stadt am 26. Januar 1924 in Leningrad umbenannt. Dies geschah auf Antrag der damaligen Petrograder Parteiführung und nach deren Angaben auf Wunsch der Arbeiter, die Lenins Tod betrauerten.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion führte eine Volksabstimmung 1991 zu einer knappen Mehrheit zugunsten der Rückbenennung in Sankt Petersburg. Der Erlass vom 6. September 1991 vollzog diesen Wählerwillen. Gleichzeitig wurden viele Straßen, Brücken, Metro-Stationen und Parks wieder rückbenannt. Im Zusammenhang mit historischen Ereignissen wird nach wie vor der zum Ereignis „passende“ Name genutzt, zum Beispiel „Heldenstadt Leningrad“ beim Gedenken an den Deutsch-Sowjetischen Krieg von 1941 bis 1945, der in Russland „Großer Vaterländischer Krieg“ (Великая Отечественная война/Welikaja Otetschestwennaja woina) genannt wird.

Das umliegende Verwaltungsgebiet (föderative Einheit) Oblast Leningrad (russ. Leningradskaja Oblast) behielt nach einem Beschluss des dortigen Gebietssowjets den alten Namen.

Bald entwickelte sich diese Stadt zu einem bedeutenden Kulturzentrum Russlands. Im Jahre 1712 überführte Peter den Zarenhof aus Moskau nach St. Petersburg und machte diese neue Stadt damit zur Hauptstadt des russischen Reiches. St. Petersburg spielte nach dem Willen Peters die Rolle eines „Fensters nach Europa“. Zur Sicherheit der Stadt ließ der Zar auf der Insel Kotlin die Festung Kronstadt errichten. Handel und Industrie blühten auf, zahlreiche ausländische Schiffe kamen nach St. Petersburg, und öfter als früher fuhren russische Kaufleute über die Meere. Die Folge aller dieser Maßnahmen war, dass sich das Tempo der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung Russlands beschleunigte.

Roter Platz in Moskau

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Veränderungen in der Gesellschaft

In der Zusammensetzung des russischen Volkes gingen tiefgreifende Veränderungen vor sich. Neben den Gutsbesitzern entwickelten sich als neue Ausbeuter die Manufakturbesitzer, reichen Kaufleute und Oberschichten von Handwerkern, außer den leibeigenen Bauern gab es auch schon Arbeitsleute, die in den Manufakturen beschäftigt waren. Die Wirtschafts- und Finanzpolitik des Russischen Reiches orientierte sich auf die Oberschichten des Adels und der Kaufleute, während sich die Ausbeutung und Unterdrückung der Volksmassen weiter verschärfte.

Der Zar führte immer neue Steuern ein, zum Beispiel Kopf-, Salz-, Mühlen-, Bade- und Tabaksteuern. Damit steigerte er seine Einnahmen. Diese benötigte er, um die weitgespannten wirtschaftlichen, militärischen und kulturellen Pläne zu verwirklichen.

Ausdruck dieser verschärften Ausbeutung der armen Schichten in den Städten und der Bauern waren Aufstände in Astrachan(1705-1711). Der absolutistische Staat Zar Peters I. antwortete darauf, indem er die arbeitenden Menschen noch schärfer in das Joch der Leibeigenschaft zwang, ihnen noch höhere Abgaben abforderte, Strafabteilungen gegen sie entsandte und sogar russische Dörfer zerstörte.

Dies zeigt, welche Klasseninteressen Peter I. vertrat.

 

Moskauer Bojaren

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Russischer Bauer in Winterkleidung

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Bedeutung Peters I.

In den dreieinhalb Jahrzehnten seiner Regierungszeit gelang es Peter I. natürlich nicht, die seit Jahrhunderten währende Rückständigkeit zu überwinden. Seine Reformen bildeten jedoch einen wichtigen Wendepunkt in der russischen Geschichte.

Peter I. schuf, gestützt auf wohlhabende Kaufleute und Handwerker in den Städten und auf große Teile des Adels, ein absolutistisch regiertes Reich. Unter ihm wurde Russland zu einer europäischen Großmacht, die auch von den anderen Staaten anerkannt wurde und zunehmendes Ansehen in Europa genoss.

Leibnitz zu Peter I.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Russland als absolutistischer Staat

 

 

 

Russland im 17. Jahrhundert

Die Entwicklung des Landes

In der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts standen auch in Russland die ersten größeren Betriebe. Es waren Manufakturen, in denen Tuche, Seide und Leinen erzeugt, Eisen gewonnen oder Geschütze gegossen wurden. Daneben gab es das seit vielen Jahrhunderten stark entwickelte Handwerk, das sich immer mehr spezialisierte. Die Arbeitsteilung zwischen Stadt und Land sowie zwischen den verschiedenen Gebieten Russlands nahm zu. Die Folge davon war, dass an zahlreichen Orten regelmäßig Messen und Jahrmärkte stattfanden, auf denen man Leinen, Pelzwaren, Lederwaren, Flachs, Hanf, Salz, Eisenwaren und andere Güter handelte.

Die bedeutendsten Handelszentren waren Moskau und andere größere Städte, zum Beispiel Smolensk, Archangelsk im hohen Norden und Nishni Nowgorod, das heutige Gorki an der Wolga. So kam es, das sich im 17. Jahrhundert ein das ganze Land umfassender Markt, ein gesamtrussicher Markt, herausbildete.

Zur selben Zeit wurde aber auch die Ausbeutung armer Schichten der Stadtbevölkerung und ganz besonders der Bauern immer schärfer. Diese Menschen waren in ihrer überwiegenden Mehrheit den Feudalherren völlig ausgeliefert, sie waren Leibeigene. Ohne Genehmigung ihres Herren durften sie ihren Wohnort nicht verlassen, ja die durften nicht einmal heiraten. Ihr Herr konnte sie verkaufen oder sogar im Kartenspiel an einen anderen Feudalherren verlieren.

Die Bauern und Armen der Städte versuchten immer wieder, das auf ihnen lastende schwere Joch abzuschütteln. Es kam zu einer Reihe großer Bauernkriege, wie zum Beispiel im 17. Jahrhundert zu der von Stepan Rasin geführten Erhebung(1667-1671).

In wirtschaftlicher Hinsicht blieb Russland damals noch immer weit hinter den entwickelten Ländern West- und Mitteleuropas zurück. Dafür gab es eine Reihe von Ursachen: Im Laufe von Jahrhunderten hatte Russland viele Kriege führen müssen, um sich gegen Feinde im Osten, Süden und Westen zu wehren. Die Zugänge zum Schwarzen Meer wurden ihm durch die Türkei und die zur Ostsee durch Schweden versperrt.

 

Peter I.

Als Peter I. im Jahre 1682 Zar wurde, kämpften am Zarenhofe verschiedene Adelsgruppen um den bestimmenden Einfluss. Peter war damals erst zehn Jahre alt. Mit siebzehn Jahren, 1689, begann er, die Macht selbst auszuüben. Er erkannte, welche Aufgaben in Russland gelöst werden mussten, und ging entschlossen daran, dieses Werk zu vollbringen:

  1. die Bedrohung Russlands durch äußere Feinde abzuwehren, dem russischen Handel eisfreie Häfen zu sichern und die internationale Stellung seines Landes zu festigen;
  2. die wirtschaftliche Rückständigkeit Russlands durch grundlegende Maßnahmen zu überwinden.

Unter der Regierung Peters I.(1689-1725)machte Russland auf dem Wege zur feudalabsolutistischen Monarchie rasche Fortschritte. Peter scheute bei seinem Werk, das für Russland notwendig war, vor keinen Schwierigkeiten zurück.

 

Entwicklung des russischen Reiches bis zum Tode Peters I.

Die Entwicklung des russischen Reiches bis zum Tode Peters I.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Die „Große Gesandtschaft“

Im Jahre 1697 reiste auf Befehl des Zaren eine aus rund 250 Personen bestehende „Große Gesandtschaft“ ins Ausland. Sie bestand aus adligen Würdenträgern und Diplomaten, aber auch aus jungen Menschen, die sich im Ausland gründlich umsehen und mit Wissenschaft, Technik und Kultur vertraut machen sollten. Aufgabe dieser Gesandtschaft war es im besonderen, Verbündete für Russland zu gewinnen, Schiffbau, Schifffahrtskunde und Kriegswesen zu studierten sowie die verschiedensten Fachleute in russische Dienste zu nehmen. Zar Peter I. stellte an die Spitze der „Großen Gesandtschaft“ seinen aus der Schweiz stammenden Lehrer und Freund Franz Lefort. Unerkannt nahm er selbst im Gefolge als einfacher Unteroffizier Peter Michailow teil.

Die „Große Gesandtschaft“ reiste über Kurland und Brandenburg nach Holland. Peter bemühte sich, überall so viel wie möglich zu lernen. Sein Leitspruch war: „Im Stande eines Lernenden bin ich, und Lehrende suche ich mir.“  Er beherrschte über zehn verschiedene Handwerksberufe. Auf den Werften in Zaandam und Amsterdam in Holland arbeite Peter mehrere Monate als Zimmermann. Schon nach kurzer Zeit war in Holland bekannt, dass ich unter dem Namen des großen, kräftigen Zimmermannes Peter der Zar verbarg.

Mit einem Teil der Gesandtschaft reiste Peter I. für einige Monate nach England. Er besuchte dort das Parlament, besichtigte Eisenwerke, Werften, Geschützfabriken sowie berühmte Bauwerke und nahm als Gast an einem Flottenmanöver teil. Über Dresden und Prag fuhr Peter dann nach Wien, wo er mit dem deutschen Kaiser verhandelte. Von dort kehrte er schließlich wieder nach Russland zurück.

Den zu seiner Begrüßung erschienen adligen Würdenträgern schnitt Peter eigenhändig die langen Bärte ab, womit er allen deutlich zeigte, dass er entschlossen war, die Rückständigkeit zu bekämpfen. Er duldete auch nicht mehr, dass sie nach altem russischen Brauch vor ihm auf die Knie sanken. Peter I. verlangte von jedem Menschen, der in den Staatsdienst treten wollte, Kenntnisse in Mathematik, Kriegsbauwesen, Schiffsbautechnik, Nautik und anderen Wissenschaften.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Russland im 17. Jahrhundert

 

 

 

Frankreichs Wirtschaft unter Ludwig XIV.

Die Errichtung von Manufakturen

Der Geldbedarf des Staates stieg ständig an. Es war aber einerseits nicht möglich, dauernd neue Steuern vom Bürgertum zu verlangen, wenn sich sein Reichtum nicht vermehrte. Auf der anderen Seite brauchten der Adel und die Geistlichkeit keine Steuern zu bezahlen. Daran ließ auch Ludwig XIV. nicht rütteln. Sein Finanzminister Colbert, Sohn eines Kaufmanns, hatte daher eine schwierige Aufgabe zu lösen. Er fand – nach englischem Vorbild – den Ausweg in einer verstärkten Produktion und Ausfuhr französischer Waren. Colbert ließ staatliche Manufakturen bauen und lieh bürgerlichen Geschäftsleuten Geld, damit sie ebenfalls solche Betriebe errichteten. Sie standen aber unter strenger Aufsicht des Staates, der genau vorschrieb, was produziert wurde. Manche Waren durften nur die königlichen Manufakturen herstellen.

Die französischen Manufakturwaren wurden vom Ausland gern gekauft. Auf diese Weise kam viel Geld nach Frankreich herein. Die Manufakturbesitzer konnten ihre Betriebe vergrößern. Zur gleichen Zeit führte Colbert hohe Zölle für ausländische Waren ein.

Da die ausländischen Waren dadurch sehr teuer wurden, kauften die Franzosen lieber französische Erzeugnisse. So blühten die französischen Manufakturen auf, und ihr Geld blieb im Land. Colberts Maßnahmen förderten den Außenhandel und ließen viel Edelmetall ins Land strömen. Die Staatskasse füllte sich, aber auch die Manufakturbesitzer wurden reich.

Beschreibung der Maßnahmen Colberts

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Einfuhrzölle

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

Das Wort Livre bezeichnet eine französische Währung vor der Revolution 1789.

 

Die Entwicklung des Verkehrs

Den Handel im Inneren Frankreichs behinderten aber noch die Zollschranken zwischen den einzelnen Provinzen und die schlechten Straßen. Deshalb wurden die meisten dieser Zölle jetzt aufgehoben. Wenigstens das Innere Frankreichs bildete nun ein geschlossenes Wirtschaftsgebiet, und die Waren brauchten nicht mehr verzollt zu werden. Colbert ließ auch viele festen Straßen („Chausseen“) und Kanäle bauen. Die einzelnen Teile Frankreichs kamen sich immer näher. Unter Colbert entstand außerdem eine große Flotte von Handelsschiffen, die französische Waren in alle Welt transportierte. Die französischen Schiffe und ihre Güter wurden die schärfsten Konkurrenten der englischen. Um billige Rohstoffe zu erhalten, erwarb Frankreich Kolonien in Nord- und Mittelamerika, in Afrika und Indien und plünderte die einheimische Bevölkerung aus.

 

Das französische Bürgertum und der Absolutismus

Diese Maßnahmen Colberts erleichterten es dem Bürgertum, Manufakturen zu gründen und reich zu werden. Die Manufakturbesitzer, Kauflaute und Reeder hatten deshalb lange Zeit nicht gegen den Absolutismus Ludwigs XIV. einzuwenden. Auch unter den höchsten Beamten Ludwigs XIV. befanden sich viele, die bürgerlicher Herkunft waren. Der französische Absolutismus förderte also eine Zeitlang das Streben des Bürgertums nach Ausdehnung seiner Betriebe und nach höheren Gewinnen. Aber bereits in den letzten Jahrzehnten der Regierung Ludwigs XIV. empfanden die Manufakturbesitzer die staatliche Aufsicht als lästig und gerieten in Gegensatz zum absoluten Königtum. Außerdem konnten sie immer weniger verkaufen, da durch die lang andauernden Kriege die Bauern verarmten und ganze Landstriche entvölkert wurden.

Colbert besichtigt Gobelinmaufaktur

Colbert besichtigt eine Gobelin-Manufaktur

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Verarmung Frankreichs durch Kriege

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Bericht über Folgen der Kriege

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Frankreichs Wirtschaft unter Ludwig XIV.

 

Der französische Absolutismus

Die Herrschaft Ludwigs XIV.

Frankreich war in der zweiten Hälfe des 17. Jahrhunderts der stärkste und reichste Staat Europas geworden. Von 1643 bis 1715 war  Ludwig XIV. König.

Was seine Vorgänger begonnen hatten, vollendete er, indem er alle Macht in seiner Hand vereinigte. Er schaffte das Amt eines ersten Ministers ab und ließ die Generalstände nicht mehr zusammentreten. Diese Versammlung von Vertretern des Adels, der Geistlichkeit und des Bürgertums besaß früher das Recht, die Steuern zu bewilligen. Ludwig XIV, erließ selbst die Gesetze und wachte über deren Durchführung. Gleichzeitig war er auch der oberste Richter des Königreiches.

Zu Beamten, die sich in den ersten Jahren seiner Regierung nicht seinem Willen fügen wollten, sagte er: „Sie haben gedacht, meine Herren, dass Sie der Staat sind? Der Staat bin ich!“ Die Herrschaft Ludwigs XIV. war unumschränkt(absolut). Eine solche Staatsform nennt man Absolutismus.

Ludwig XIV. in Notre Dame ParisBildunterschrift Ludwig XIV Notre Dame

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Machtstützen des Absolutismus

Viele Adlige empörten sich zuerst über die unumschränkte Herrschaft des Königs. Doch bald sahen sie ein, wie unrecht sie hatten. Wenn sich, wie es oft geschah, die Bauern bewaffneten und gegen die Schlösser der Adligen zogen, waren bald die Soldaten des Königs zur Stelle. Sie schützten das Eigentum der Grafen und Barone besser, als diese es selbst konnten, und gingen mit grausamer Vergeltung gegen die aufständischen Bauern vor.

So sorgte Ludwig XIV. dafür, dass die Feudalherren nach wie vor die Bauern ausbeuten konnten. Der König wachte auch darüber, dass die Adligen ihre Vorrechte behielten: Sie blieben die Gerichtsherren der Bauern, brauchten keine Steuern zu zahlen, und ihnen allein waren die hohen Ämter bei Hofe, in der Verwaltung und im Heer sowie die einträglichen Bischofs- und Erzbischofsstellen zugedacht.

Der Absolutismus diente also dazu, die alte, feudale Gesellschaftsordnung zu erhalten. Das geschah zu einer Zeit, wo bereits neue Kräfte zu wirken begannen, die wir schon als Beispiel Englands(wird in einer der nächsten Ausgaben von DIE TROMMLER behandelt)sehen.

Dieses Ziel zu erreichen, halfen dem König Tausende von willfährigen Beamten, die bis in das entlegenste Dorf seinen Willen durchsetzten. Die wichtigsten waren die von Ludwig XIV. mit der Verwaltung der Provinzen betrauten Intendanten. Die Beamten trieben die Steuern von den Bürgern und Bauern ein und sorgten dafür, dass alle Befehle des Königs ausgeführt wurden.

Einen bedeutenden Teil der Steuereinnahmen verwandte Ludwig XIV. dazu, ein großes Heer aufstellen zu lassen. Dieses Heer fiel in die Nachbarländer Frankreichs ein und eroberte neue Gebiete. Es blieb auch im Frieden unter Waffen. Man nannte es „stehendes Heer“, weil es nicht mehr wie die Landsknechttruppen nach jedem Krieg wieder entlassen wurde. Die „Soldaten“ wurden „Söldner“, da sie für „Sold“ kämpften. Ein solches Heer sollte verhindern, dass sich die Bauern gegen den Adel erhoben.

Neben den Beamten und dem Heer dienste dem absoluten König auch die katholische Kirche. Die Geistlichen predigten, dass der König seine Gewalt von Gott habe und ihm deshalb alle Untertanen gehorchen müssten. Die Beamten, das stehenden Heer und die katholische Kirche bildeten die wichtigsten Machtstützen für die absolute Königsherrschaft.

Entwicklung Frankreichs unter Ludwig XIV. und Nachfolgern

Die Entwicklung Frankreichs unter Ludwig XIV, und seinen Nachfolgern(1643-1789)

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Schloss Versailles

Bilder entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Das Leben am königlichen Hofe

Um die eigenen Untertanen und die Fürsten Europas durch seine Macht zu blenden, ließ Ludwig XIV. in der Nähe von Paris mit den Steuergeldern von Bürgern und Bauern das Schloss Versailles bauen. Hunderte von Arbeitern starben beim Bau des Schlosses an Sumpffieber, da Ludwig XIV. darauf bestand, das Schloss in einem sumpfigen Waldgelände bei Paris zu errichten.

Lieselotte von der Pfalz zu Abend im Schloss

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Das Schloss zu Versailles bevölkerten die königlichen Prinzen und Prinzessinnen, viele Adlige, der „Hofadel“ und zahlreiche Erzbischöfe und Bischöfe, die aus dem Adel stammten. Sie beschäftigten sich damit, Feste zu feiern und auf Jagd zu gehen. Einer versuchte den anderen in der Gunst des Königs auszustehen.

Das Schloss enthielt prachtvoll ausgestattete Wohnräume, Gänge und Säle. Am eindrucksvollsten erschien dem Besucher der 80 Meter lange und 10 Meter breite Spiegelsaal. Die hohen Fenster reichten von der Decke bis zum Boden. Seine Wände waren mit großen Spiegeln verkleidet. Das Schloss wurde von einem riesigen Park umgeben. Breite, gerade Wege durchschnitten ihn, und zwischen den geometrisch geschnittenen Bäumen erblickte man immer wieder Rasenflächen und Springbrunnen. Wegen des schimmernden Glanzes, der ihn umgab, ließ sich Ludwig XIV. gern „der Sonnenkönig“ nennen.

 

Das Los der Untertanen

Das glanzvolle Leben am Hofe, das die Adligen auf ihren Schlössern nachzuahmen suchten, und die vielen Kriege erforderten Geld und nochmals Geld. Daher ersannen die königlichen Beamten immer neue Steuern, die die Kaufleute, Handwerker und Bauern zu zahlen hatten. Der König verlangte jetzt auch noch eine Kopf- und Salzsteuer und zwang die Bauern, kostenlos Wege instandzuhalten. Besonders schwer war das Los der Bauern, da auch die Feudalherren ständig höhere Abgaben verlangten. Den Bauern blieb so wenig für ihre eigene Nahrung, dass sie manchen Winter nur von Eicheln und Wurzeln lebten. Tausende starben vor Hunger und Kälte. So lebten der Hof Ludwigs XIV. und der Adel auf Kosten des französischen Volkes.

Bericht über Not des französischen Volkes

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der französische Absolutismus

 

 

Die Französische Revolution(Übersicht)

Verlauf Französische Revolution

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Frankreich vor der Revolution

Der Kampf bürgerlicher Schriftsteller gegen den Absolutismus

Das Entstehen einer revolutionären Situation(1787-1789)

Der Ausbruch der Revolution

Die Großbourgeoisie an der Macht(1789-1792)

Das Vaterland in Gefahr

 

Die Vollendung der Revolution durch die Jakobiner

Die Jakobiner als Retter der Revolution

Ende und Auswirkungen der Revolution

Das Wesen der bürgerlichen Revolution

Ein starkes revolutionäres Volksheer und eine neue Kriegsführung schufen die Volksmassen Frankreichs mit der Französischen Revolution, die eine tiefgreifende gesellschaftliche Umwälzung darstellte. Darum gehörte die Französische Revolution auch zu den militärischen Traditionen der DDR.

 

Frankreich vor der Revolution

Das Leben von Adel, hoher Geistlichkeit und Hof

Seit der Zeit Colberts( Finanzminister unter Ludwig XIV.) waren in Frankreich 300 neue Manufakturen errichtet worden. Die Kaufleute vervierfachten ihren Handel mit dem Ausland. Um so verächtlicher musste den Bürgern das unnütze Leben des Adels, der hohen Geistlichkeit und des Hofes erscheinen.

Der erste und der zweite Stand, wie man Geistliche und Adlige damals bezeichnete, vermehrten nicht den Reichtum des Landes. Sie brauchten keine Steuern zu zahlen, lebten von den Abgaben der Bauern und erhielten als hohe Beamte, Offiziere und Bischöfe noch große staatliche Zuwendungen. Zum ersten Stand gehörten aber auch die Pfarrer in den Städten und Dörfern, die jedoch nur ein geringes Gehalt bezogen und sich oft mit dem Volk verbunden fühlten.

Von den Staatseinnahmen, zu denen allein der dritte Stand– Bürgertum, städtische Volksmassen und Bauern- beitrug, verbrauchte der Hof Ludwigs XVI. in Versailles ein Viertel!

Wenn ein Graf oder Herzog aus der Umgebung des Königs Spielschulden machte, ersetzte sie ihm Ludwig XVI. Diese königlichen „Geschenke“ kosteten die Staatskasse allein schon jährlich 40 Millionen Livres. Die Feudalklasse Frankreichs führte also ein völlig nutzloses Dasein.

Gesellschaftsaufbau Frankreichs vor der Revolution

Der Gesellschaftsaufbau Frankreichs vor der bürgerlichen Revolution

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Lage der französischen Bauern

Von den 25 Millionen Franzosen waren 20 Millionen Bauern. Die meisten von ihnen lebten in strohbedeckten Lehmhütten, die nur einen niedrigen Wohnraum besaßen. Glasfenster kannten sie nicht. Im Winter wie im Sommer trugen die Bauern die gleiche Kleidung. Das Paar dicker, benagelter Schuhe, das sie sich zur Hochzeit anschafften, musste für den Rest ihres Lebens aushalten. Fleisch kam nur an Feiertagen auf den Tisch. Sonst aßen sie schlechtes Hafer- und Roggenbrot sowie Suppen, ebenfalls aus Hafer und Buchweizen.

Wie sehr sich die Bauern und ihre Familien auch anstrengten und von früh bis in die Nacht hinein arbeiteten, sie konnten ihre Lage nicht verbessern. Die Feudalherren, der Staat und die Kirche pressten sie unbarmherzig aus.

Grafeneinkünfte Baumont

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Der Boden gehörte den Feudalherren. Die Bauern bewirtschafteten ihn und mussten dem Feudalherren dafür einen Grundzins entrichten. Sie lieferten ihm außerdem ein Viertel ihrer Ernte ab und bezahlten Geld, wenn sie Wege, Brücken, Mühlen und Backöfen in seinem Gebiet benutzten. Die Bauern hatten auch auf den Feldern des Herren zu arbeiten und in seinem Hause Dienste zu leisten. So blieb ihnen wenig Zeit, um das eigene Stück Land zu versorgen. Dessen Erträge wurden außerdem durch die Tauben und das Wild geschädigt, die  ungestraft die Äcker der Bauern verwüsteten, denn nur der Feudalherr hatte das Recht zu jagen, zu fischen und Tauben zu halten.

Karikatur vor Revolution in Frankreich

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Was der Feudalherr von den Erträgen der Bauern übrigließ, nahm der Staat. Der Bauer musste für seinen Boden, ja selbst für seine Person, für den Wein und das Salz Steuern zahlen. Auch der Kirche lieferte er den „Zehnten“ der Ernte und des Viehs ab. Die Bauern waren die Lasttiere der Gesellschaft in Frankreich vor der Revolution.

 

Der Absolutismus als Fessel für Handel und Industrie

Die Kaufleute und die Besitzer der Handelsschiffe in den Hafenstädten, wie zum Beispiel in Bordeaux und Marseille, hatten große Reichtümer angehäuft. Ihre Schiffe brachten Zucker, Kaffee und Baumwolle nach Europa, sie verkauften dafür französische Weine, Stoffe, Kleider und Möbel. Mit dem angesammelten Kapital führten sie aus England Spinnmaschinen, mechanische Webstühle und Dampfmaschinen ein und bauten Fabriken. So entwickelte sich auch in Frankreich die kapitalistische Produktionsweise von der Manufaktur zur Fabrik weiter. Die französischen Kapitalisten wollten noch mehr Lohnarbeiter ausbeuten, ihre Familien erweitern und noch mehr verkaufen, da ihre Waren im Ausland großen Absatz fanden. Doch es stellten sich ihnen viele Hindernisse entgegen:

  1. Die Bauern waren zu arm, um mehr Waren kaufen zu können.
  2. Wie für das Handwerk, so galten auch für die junge Industrie die alten Zunftvorschriften. Die Intendanten bestimmten zum Beispiel, welches Höchst- und Mindestgewicht wollene Decken haben sollten. Manche Waren durften überhaupt nicht hergestellt werden.
  3. Die Zölle an den Stadttoren, an den Brücken und zwischen dem Inneren Frankreichs und den Grenzprovinzen verteuerten die Waren. Colberts Reformen erwiesen sich als Stückwerk. Es war billiger, eine Ware über das Meer nach den Kolonien zu transportieren als vom Norden nach dem Süden Frankreichs.
  4. Die ungerechte Steuerverteilung bedrückte nicht nur die Bauern und Handwerker, sondern verärgerte auch die Manufaktur- und Fabrikbesitzer, die dadurch einen Teil ihres Gewinns einbüßten.

Das Leben der ersten beiden Stände auf Kosten des Volkes und der Absolutismus hemmten die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise in Frankreich. Die selbstbewusste reiche Bourgeoisie wollte die Fesseln, die der Absolutismus ihren Geschäften anlegte, nicht mehr länger ertragen. Sie strebte danach, auch die Regierung des Landes zu übernehmen.

Barnave über Anspruch der Bourgeoise auf politische Macht

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Frankreich vor der Revolution