Arbeitsverdienstorden (Italien)

In kapitalistischen Ländern werden Leistungen der Arbeiter und deren Vorgesetzten staatlicherseits nicht gewürdigt, den sie gelten als selbstverständlich. Eine Ausnahme bildet Italien. Aber ob da die Richtigen diese Auszeichnung bekommen, ist zweifelhaft, da auch Silvio Berlusconi Träger dieses Ordens ist.

Der Arbeitsverdienstorden (italienisch Ordine al Merito del Lavoro) ist eine vom Königreich Italien eingeführte Auszeichnung, die heute vom Präsidenten der Italienischen Republik verliehen wird.

Sie ist jenen italienischen Bürgern gewidmet, die in den Bereichen Industrie, Landwirtschaft, Handel, Tourismus, Dienstleistungen, Handwerk, Kredit- und Versicherungswesen außerordentliche Verdienste erworben haben, insbesondere in Hinblick auf soziale Aspekte. Ein Träger des Ordens ist berechtigt, den Titel Ritter der Arbeit“, italienisch „Cavaliere del Lavoro“, zu führen.

Der Orden besteht aus einem grün glasierten goldenen Kreuz, in dessen Mitte ein rundes Schild angebracht ist; es zeigt auf einer Seite das Wappen der Republik Italien, auf der anderen Seite die Aufschrift al merito del lavoro – 1901 (dem Verdienst der Arbeit – 1901). Getragen wird das Kreuz auf der linken Seite der Brust, befestigt an einem grün-rot-grün gestreiften Band.

Insignie eines Ritters der Arbeit

Insigne eines „Ritters der Arbeit“

Bildquelle: Von Presidenza della Repubblica, Attribution, Bild ist entsprechend verlinkt
Das Kreuz wird an der Linken Seite der Brust getragen

Das Kreuz wird auf der linken Seite der Brust getragen.

Bildquelle: Von FranzJosephI – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

Im Jahr 1901 verfügte König Viktor Emanuel III. die Schaffung eines Ritterlichen Landwirtschafts-, Industrie- und Handelsverdienstordens (Ordine Cavalleresco al Merito Agrario, Industriale e Commerciale). Diese Einführung ging auf einen Vorschlag des damaligen Ministerpräsidenten und Ministers (ad interim) für Landwirtschaft, Industrie und Handel Giuseppe Zanardelli zurück. 1921 erfolgte eine Umbenennung der Auszeichnung in Arbeitsverdienstorden(Ordine al merito del lavoro).

Eine deutliche Restriktion, sowohl was die Anzahl der Ausgezeichneten anging als auch hinsichtlich der erforderlichen Verdienste, wurde 1923 beschlossen. 1934 erfolgte eine weitere Senkung der Anzahl der jährlichen Neu-Ritter, ihre Anzahl wurde auf 25 festgesetzt.

Trotz der Abschaffung der Monarchie entschieden sich die Abgeordnetenkammer und der Senat 1952 für die Beibehaltung des Ordens, da in einer – laut Artikel 1 der Verfassung – auf Arbeit gegründeten Republik gerade Arbeit zu Ehre und ritterlichem Ansehen gereiche. Im Jahr 1986 erfolgte schließlich die bisher letzte Überarbeitung des Vergabeprozederes: Es wurden das Kriterium einer makellos gesitteten und sozialen Lebensführung neu hinzugefügt, der Ermessensspielraum des vorschlagenden Ministers eingeschränkt und die Auszeichnung nicht-italienischer Staatsbürger ermöglicht.

Jedes Jahr erstellt der Minister für Wirtschaftswachstum in Zusammenarbeit mit den Ministern für Land- und Forstwirtschaft und Äußeres eine Liste von Kandidaten in den fünf Bereichen (a) Landwirtschaft, (b) Industrie, (c) Handel, Tourismus und Dienstleistungen, (d) Handwerk und (e) Kredit- und Versicherungswesen. Zentrale Voraussetzung für eine mögliche Auszeichnung sind außerordentliche Verdienste um die Nation. Anschließend kommt es zu Konsultationen mit dem Consiglio dell’Ordine al Merito del Lavoro (Rat des Arbeitsverdienstordens) der sich aus Vertretern verschiedener Ministerien, Interessenvertretungen und der Federazione Nazionale dei Cavalieri del Lavoro (Nationaler Verband der Ritter der Arbeit) zusammensetzt. Nachdem dieser Rat über die Vorschläge abgestimmt hat, wählt der Minister für Wirtschaftswachstum jene Kandidaten aus, die er dem Präsidenten der Republik zur Auszeichnung vorschlägt.

Der Präsident der Republik Giorgio Napolitano spricht anlässlich der Ordensvergabe 2010.

Der Präsident der Republik Giorgio Napolitano spricht anlässlich der Ordensvergabe 2010.

 

Bildquelle: Von Presidenza della Repubblica, Attribution, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Im Gesetz Nr. 194 aus dem Jahr 1986 wird folgender Kriterienkatalog genannt, den ein Kandidat erfüllen sollte:

  • eine makellos gesittete und soziale Lebensführung,
  • eine mindestens zwanzigjährige, kontinuierliche Tätigkeit in einer Verantwortungsposition,
  • eine Erfüllung sämtlicher Steuer- sowie Fürsorge- und Sozialpflichten zum Wohle der Arbeiter,
  • eine Absenz von jeglicher für Italien schädlicher Wirtschafts- und Handelstätigkeit.

Beim Ordensträger Silvio Berlusconi kann man da seine Zweifel haben.

Zwischen 1901 und 2011 wurden insgesamt 2697 Ritter der Arbeit ernannt.  Jährlich kommen am Tag der Republik, dem 2. Juni, 25 neue hinzu. Zahlreiche Ritter sind in der Federazione Nazionale dei Cavalieri del Lavoro organisiert.

Der restriktiven Vergabe des Ordens entsprechend exklusiv ist der Kreis der Ausgezeichneten. Darunter befinden sich Persönlichkeiten wie etwa Giovanni Agnelli (1977), Silvio Berlusconi (1977–2014), der dem Orden auch seinen Spitznamen Cavaliere verdankt, Enzo Ferrari(1952)(war ein italientischer Rennfahrer und Gründer des bekannten Sportwagenherstellers „Ferrari“), Guglielmo Marconi (1902) oder Valentino (1996).

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

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Alfred Zampa, Held der Arbeit aus der kapitalistischen Welt

Es kommt auch vor, dass man auch in der kapitalistischen Welt nicht umhin kommt Helden der Arbeit zu ehren. Neben der Einführung des Ordens „Held der Arbeit der Russischen Föderation“ durch Russlands Präsident Putin, ist in den USA Alfred Zamba als Arbeiter geehrt worden.

Alfred „Al“ Zampa, geboren am 12. März 1905 in Selby, Contra Costa County, Kalifornien, gestorben am 23. April 2000 in Tormy, Kalifornien, war ein amerikanischer Stahlbauarbeiterder u. a. an verschiedenen Brücken der San Francisco Bay Area tätig war und Mitglied des „Half-Way-to-Hell-Clubs“ wurde. 2003 wurde die neu errichtete, dritte Carquinez-Brücke ihm zu Ehren posthum Alfred Zampa Memorial Bridge“ (engl., dt. ‚Alfred-Zampa-Gedenk-Brücke‘) benannt.

Die Carquinez-Brücke

Die Carquinez-Brücke von Nordosten gesehen, im Vordergrund die neue Hängebrücke von 2003 (Alfred Zampa Memorial Bridge), im Hintergrund die alte Auslegerbrücke aus dem Jahr 1958

 

Bildquelle: Von Leon Bacud – Eigenes Werk, CC BY 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Alfred Zampa war der Sohn von italienischen Einwanderern in die USA, die aus Ortucchio in der Region Abruzzen in Italien stammten. Zampa wurde in der neuen Heimat Kalifornien geboren und wuchs dort als ältester von fünf Kindern auf. Er begann seine Tätigkeit als Brückenbauarbeiter 1925 an der ersten Carquinez-Brücke, einer Auslegerbrücke, die im Verlauf der heutigen Interstate 80 die Carquinez-Straße – eine Meerenge im Norden von Kalifornien – überquerte. Es war die erste größere Brücke in der Bay Area. Nach deren Fertigstellung 1927 arbeitete Zampa quer durch die USA an verschiedensten Brücken unterschiedlicher Größe. In dieser Zeit heiratete er Angelina D’Amico, die ihn meist auf die Baustellencamps begleitete und mit der er über fünfzig Jahre bis zu ihrem Tod verheiratet war.

1934 kehrte er in die Bay Area zurück und arbeitete zunächst an der Bay Bridge, anschließend für Bethlehem Steel an der Golden Gate Bridge. 1936 rutschte Zampa auf einem feuchten Stahlträger aus und stürzte an einer Stelle von der noch im Bau befindlichen Golden Gate Bridge, an der das Sicherheitsnetz nur wenige Meter über den Uferfelsen hing und deshalb seinen 13-m-Sturz nur wenig bremsen konnte. Er überlebte den Sturz, erlitt jedoch schwere Verletzungen. Er gilt mit diesem Sturz als die erste Person, die von der Golden Gate Bridge fiel. Damit wurde er Mitglied des „Half-Way-to-Hell-Clubs“. Zampa erholte sich nur mühsam von seinen Verletzungen und konnte erst nach acht Jahren wieder in der Brückenmontage arbeiten. Nach Arbeiten an zahlreichen anderen wichtigen Brücken ging er 1970 in Rente.

Alfred Zampa wurde 1987 zum 50. Jubiläum der Bay Bridge und der Golden Gate Bridge von den Medien gefeiert und in „The Ace“ gewürdigt, einem Theaterstück von Isabelle Maynard über ihn und die Golden Gate Bridge.

Anfang 2000 war Zampa der gefeierte Ehrengast beim Ersten Spatenstich für die dritte Carquinez-Brücke, einer Hängebrücke über die Carquinez-Meerenge, die flussabwärts neben der zweiten Carquinez-Brücke von 1958 errichtet wurde. Sie ersetzte die Originalbrücke aus dem Jahr 1927, bei deren Errichtung Zampa einst mitgearbeitet hatte. Die Fertigstellung der neuen Brücke erlebte er nicht mehr, er verstarb im April 2000 im Alter von 95 Jahren. Die dritte Carquinez-Brücke wurde im November 2003 eröffnet und erhielt zu Ehren von Alfred Zampa posthum die offizielle Bezeichnung Alfred Zampa Memorial Bridge. Gouverneur Gray Davis nannte Zampa bei der Eröffnungsfeier „einen working-class hero“ (engl., dt. ‚einen Helden der Arbeiterklasse‘), der beim Bau nahezu aller Brücken in der Bay Area mitgearbeitet habe.

Verschiedene Gedenkmünzen erinnern an Alfred Zampa und an die Eröffnung der Brücke. Die „Alfred Zampa Memorial Bridge“ ist die einzige Brücke in den USA. die nach einem Blue Collar Worker (dt. ‚gewerblicher Arbeiter‘), einem Construction Worker (dt. ‚Bau- bzw. hier Brückenbauarbeiter‘ wörtlich übersetzt: „Bauer Kragen Arbeiter“, weil die gewerblichen Arbeiter, bzw. Bauarbeiter meistens blaue Arbeitskleidung tragen) und Iron Man“ (dt. ‚Stahlbauarbeiter‘), benannt wurde. In der kapitalistischen Welt ist die Ehrung eines Arbeiters(Held der Arbeit)eine Ausnahme.

In Ortucchio in Italien, dem Herkunftsort seiner Eltern, wurde er posthum Namensgeber für einen Platz in der Ortsmitte, die Piazza Alfred Zampa.

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

Der Bauernkrieg in den Alpenländern und Michael Gaismair

Im Alpengebiet, in Tirol, wurde der Kampf noch ein ganzes Jahr lang bis 1526 mit großer Erbitterung geführt. Hier hatte der Aufstand erst im Mai 1525 begonnen. Die Aufständischen wählten Michael Gaismair zu ihrem Führer.

Waffen der Bauern in Bauernkriegen 2

Waffen der Bauern

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Einen großen Erfolg errangen die Aufständischen im Salzburgischen. Sie eroberten am 03. Juli 1525 die Stadt Schlading und vernichteten ein Adelsheer. Es war der größte Sieg der Bauern während des gesamten Bauernkrieges. Aber die Bauern nutzten den Sieg nicht aus. Anstatt den geschlagenen Gegner zu verfolgen und ihn endgültig zu vernichten, zogen sie sich zurück. Die Tiroler Aufständischen belagerten Ende August 1525 die Stadt Trient, konnten sie nicht einnehmen und erlitten eine Niederlage.

Michael Gaismair war den Feudalherren schon vorher in die Falle gegangen. Sie hatten ihm vorgeschlagen, er möge nach Innsbruck kommen, um mit ihnen über die Erfüllung der Forderungen der Aufständischen zu beraten. Als er dann tatsächlich nach Innsbruck kam, ließ man ihn verhaften. Doch Anfang Oktober 1525 floh Gaismair aus dem Gefängnis. Er nahm sofort den Kampf wieder auf und begann, Truppen von Bewaffneten um sich zu sammeln. Im Winter hielt er sich in Graubünden verborgen. Dort arbeitete er seine „Tiroler Landesordnung“ aus. Er wollte die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen beseitigen. Es sollte keine Standesunterschiede mehr geben. Alle Menschen sollten gleich sein. Das Privateigentum an Produktionsmitteln sollte beseitigt werden. Gaismair wollte den Städten in Tirol ihre Vorrechte nehmen. Trient sollte ein Handelszentrum werden. Aber es gelang Gaismair nicht mehr, das Volk zum großen Aufstande zu bewegen. Im Juni 1526 siegte er über zwei Fähnlein des Schwäbischen Bundes. Mit 2000 Mann zog er durch Tirol. Er konnte einige Städte einnehmen, aber die Bevölkerung schloss sich ihm nicht an. Sie war durch die Nachrichten von der Niederlage der Bauern in Schwaben, Thüringen und im Elsaß eingeschüchtert. Gaismair musste schließlich mit seinen Truppen Tirol verlassen. Von Venedig aus versuchte er erfolglos, den Kampf fortzusetzen. Damit war der Bauernkrieg in Tirol beendet.

Welches Geschichtsverständnis Italien und Österreich in Bezug auf die Bauernkriege in Tirol hat, weis DIE TROMMLER (Petra Reichel) nicht. Italiener und Österreicher, die das wissen, können sich gerne melden.