Englands Weg zur führenden Kolonialmacht

Das englische Kolonialreich im 18. Jahrhundert

England begann erst am Anfang des 17. Jahrhunderts, ein eigenes Kolonialreich aufzubauen. Der Schwerpunkt dieses Reiches lag bis in die zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts in Amerika. Die für das englische Bürgertum wertvollsten Teile waren die Westindischen Inseln und die südlichen Kolonien in Nordamerika. Ihre Plantagen lieferten die in Europa begehrten Kolonialwaren.

Englischer Festung in Bombay

Englische Festung in Bombay (Indien) 1688

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Seit der Mitte des 18. Jahrhunderts rückte Indien für England in den Vordergrund. Die Ostindische Kompanie gewann mit Bengalen den Ausgangspunkt für die vollständige Unterwerfung Indiens, die in der zweiten Hälfte des Jahrhunderts zügig voranschritt.

Rast eines indischen Kaisers während der Jagd

Rast eines indischen Kaisers während der Jagd. 17. Jahrhundert (Berlin, Islamisches Museum)

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

England führte gegen seine europäischen Rivalen zahlreiche Handels- und Kolonialkriege. Es verdrängte die Franzosen aus Amerika und Indien. Portugal und Holland wurden von ihm abhängig. Auch auf das spanische Kolonialreich gewann es beträchtlichen Einfluss. England entwickelte sich also seit der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts zur ersten Kolonialmacht der Welt.

Kolonien und Stützpunkte Englands

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Kolonien Englands in Nordamerika um 1750

Um 1750 gab es an der nordamerikanischen Ostküste 13 englische Kolonien, die seit dem Anfang des 17. Jahrhunderts entstanden waren. Einwanderer aus Europa, Engländer. Aber auch Franzosen, Niederländer und Deutsche, vorwiegend Handwerker und Bauern, siedelten sich hier an. Sie verließen ihre Heimat, um in der Neuen Welt ein besseres Leben zu finden. Viele waren in England wegen ihrer religiösen Auffassungen verfolgt worden.

Die englischen Kolonisten übertrugen die Lebensgewohnheiten sowie politischen Einrichtungen und Vorstellungen auf Amerika. Die von ihnen gegründeten Kolonien besaßen große politische Selbstständigkeit.

Zwischen den Kolonien bestanden allerdings erhebliche Unterschiede, auch in der Wirtschaft. In den Südstaaten herrschte der Großgrundbesitz vor. Auf den Plantagen der Pflanzer mussten Scharen afrikanischer Sklaven arbeiten. Im Norden gab es Mittel- und Großbauern und Farmer, die  Lohnarbeiter beschäftigten. Sie erzeugten vornehmlich Getreide. Daneben entwickelte sich auch das Gewerbe lebhaft, so der Schiffsbau, die Holzindustrie, die Eisenerzeugung und –verarbeitung und der Fischfang. Es entstanden Manufakturen.

Die Kolonisten gründeten auch Städte wie Boston, Philadelphia, New York, Baltimore und Charleston. Deren Bürger begannen einen eigenen, allerdings vorläufig beschränkten Handel aufzubauen. Sie unterhielten sogar eigene Handelsschiffe.

So machte die kapitalistische Entwicklung besonders in den Nordstaaten erhebliche Fortschritte. Auf die Ureinwohner nahmen die Kolonisten keine Rücksicht. In blutigen Kämpfen wurden sei immer weiter zurückgedrängt und die Kolonien allmählich nach Westen erweitert.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Englands Weg zur Kolonialmacht

 

 

Oliver Cromwell

Oliver Cromwell wurde am 25. April 1599 in Huntingdon geboren und ist am 03. September 1658 in Westminster gestorben. Er war während der kurzen republikanischen Periode der englischen Geschichte Lordprotektor von England, Schottland und Irland. Ursprünglich war er ein einfacher Abgeordneter des Unterhauses und stieg im während der bürgerlichen Revolution erst zum Organisator, dann zum entscheidenden Feldherren des Parlamentsheeres auf. Mit der von ihm betriebenen Hinrichtung Karls endeten alle Versuche der Stuart-Könige, England in einen absolutistisch regierten Staat umzuwandeln. Allerdings scheiterten am Ende auch Cromwells Bestrebungen England dauerhaft in eine Republik umzuwandeln.

Oliver Cromwell

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Cromwell stellte 1642 zunächst eine leichte Kavallerietruppe, die Ironsides (Eisenseiten, treffender die Eisenharten, nach einer anderen Darstellung schützten die Ironsides die Flanken der Infanterie und trugen deswegen diesen Namen) auf. Die Einheit bestand erstens aus gut ausgebildeten und ausgerüsteten Soldaten und setzte sich zweitens fast nur aus gläubigen Puritanern zusammen: Männern, die nicht für Geld, sondern aus Überzeugung für ihre Sache kämpften. Zum Dritten wurden die Offiziersstellen ausschließlich nach Verdienst und Fähigkeiten besetzt, so dass zum Beispiel auch einfache Handwerker zu Offizieren aufsteigen konnten. Das führte zu einer sehr hohen Kampfbereitschaft der Männer und zu einer allgemein sehr hohen Moral. Die Ironsides waren bald für ihre Disziplin – auch gegenüber der Zivilbevölkerung – bekannt, und dank ihrer Kampfkraft wurden sie als Elitetruppe für das Parlament schnell unentbehrlich. Die Ironsides waren die Kavallerie des Parlamentsheers, der New Model Army. Die New Model Army errang den Sieg über die Royalisten.

Cromwell als Feldherr

Cromwell als Feldherr um 1649; Gemälde von Robert Walker

 

Bildquelle: Von Robert Walker – one or more third parties have made copyright claims against Wikimedia Commons in relation to the work from which this is sourced or a purely mechanical reproduction thereof. This may be due to recognition of the „sweat of the brow“ doctrine, allowing works to be eligible for protection through skill and labour, and not purely by originality as is the case in the United States (where this website is hosted). These claims may or may not be valid in all jurisdictions.As such, use of this image in the jurisdiction of the claimant or other countries may be regarded as copyright infringement. Please see Commons:When to use the PD-Art tag for more information., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6363194

 

Cromwell starb am 3. September 1658 an Malaria, mit der er sich in Irland infiziert hatte,[2] kombiniert mit „Stein“-Beschwerden (Nieren- und Blasensteinen). Kurz zuvor war seine Lieblingstochter Elisabeth gestorben.

Cromwells Sohn Richard, der von seinem Vater als Nachfolger vorgesehen war, blieb erfolglos, da er es nicht verstand, die Armee zu führen. Er gab seine Regentschaft im April 1659 auf und ging ins Exil nach Paris.[2]

Das Parlament verlieh danach 1660 Karl II. die Königswürde. 1661 wurde der Leichnam Oliver Cromwells zusammen mit denen Henry Iretons und John Bradshaws aus Westminster Abbey exhumiert und einer postumen symbolischen Hinrichtung als Königsmörder zugeführt. Die Köpfe der drei wurden auf Stangen gegenüber von Westminster Hall zur öffentlichen Abschreckung ausgestellt. Später geriet der Kopf Cromwells in die Hände von Sammlern, die ihn für Geld vorzeigten. Schließlich wurde der Schädel (dessen Authentizität allerdings bezweifelt wurde) 1960 in Sidney Sussex College in Cambridge bestattet, wo Cromwell studiert hatte.[2]

Cromwells Totenmaske im Museum of London

Cromwells Totenmaske im Museum of London

 

Bildquelle: Von Volkes Stimme, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=20902304

 

 

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

Die bürgerliche Revolution in England 1640 bis 1688

Gegensätze zwischen Bürgertum und König

Seit 1603 regierte ein neues Herrscherhaus, die Stuarts, die gleichzeitig Könige von England, Schottland und Irland waren. Diese missachteten die Wünsche des Bürgertums und betreiben eine Politik, die nur ihren Interessen und denen der großen Feudalherren entsprach. Sie begünstigten den Katholizismus und suchten die Freundschaft Spaniens, des erklärten Gegners des englischen Bürgertums. Der König verlangte Steuern, ohne- wie es übliche war- das Parlament zu fragen. (Unter Parlament verstehen wir zu diesem Zeitpunkt die Versammlung der Vertreter von Bürgertum und Adel.) Das Bürgertum war mit dieser Politik unzufrieden. Andererseits genügte ihm auch die frühere Form der Mitbestimmung nicht mehr. Es verlangte den Anteil an der politischen Macht, der seiner wirtschaftlichen Stellung entsprach.

Englisches Parlament

Sitzung des englischen Parlaments

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Der Verlauf der Revolution

Anfang 1642 kam es zum offenen Kampf. Die antikönigliche Partei bestand aus dem Handels- und Manufakturbürgertum, dem kleinen Landadel, Handwerkern, Teilen der Bauernschaft und der städtischen Armut. Sie verfügte über große Geldmittel und die Flotte. Demgegenüber halfen dem König Angehörige der reaktionärsten und rückständigsten Bevölkerungsgruppen, vor allem hohe Feudalherren.

Organisator des Heeres der Gegner des Königs war Oliver Cromwell, ein Landadliger.

Oliver Cromwell

Oliver Cromwell

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Er schuf eine disziplinierte, gut ausgerüstete und regelmäßig bezahlte Armee, deren Kerntruppe eine neuaufgestellte Reiterei, die „Eisenseiten“, bildete. In dieser Armee konnten auch Handwerker Offiziere werden. Cromwell sagte: „Mir ist ein einfacher, bäuerlich gekleideter Hauptmann, der weiß, wofür erkämpft, lieber als ein sogenannter Gentleman, der weiter nichts ist.“

Die Gegner des Königs errangen den Sieg. Karl I. wurde gefangengenommen, zum Tode verurteilt und hingerichtet. 1649 schaffte das Parlament das Königtum überhaupt ab und erklärte England zur Republik. Leitender Staatsmann war Oliver Cromwell.

Das Bürgertum hatte nun auch die politische Macht errungen. Diesen Vorgang bezeichnet man als Bürgerliche Revolution. Den Bauern, Arbeitern und Handwerkern, die in den Revolutionsheeren gekämpft hatten, brachte sei keinen Gewinn. Sie wurden weiter unterdrückt und ausgebeutet.

Machtverhältnisse in England im 18. Jahrhundert

Machtverhältnisse in England zu Beginn des 18. Jahrhunderts

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Der endgültige Sieg des englischen Bürgertums

Die Republik hatte keinen Bestand, denn nach dem Tode Cromwells setzten sich im Bürgertum Kräfte durch, die der Meinung waren, dass mit Hilfe eines vom Parlament vollständig abhängigen Königs eine einsatzfähigere Staatsmacht, vor allem gegen Volksbewegungen, zu Verfügung stünde. Diese Aufgabe übernahm 1688 Wilhelm von Oranien, den man aus Holland holte. Er nahm alle Forderungen an. England wurde somit zur konstitutionellen Monarchie. Darunter versteht man eine Staatsform, bei der die Macht des Herrschers durch ein Staatsgrundgesetz(Verfassung oder Konstitution)eingeschränkt ist. Anstelle eines einzigen Grundgesetzes, wie es später in anderen Staaten geschaffen wurde, gab es aber in England eine Reihe solcher Gesetze, die sich ergänzten. Das wichtigste war die „Bill of Rights“ von 1689. Dieses  „Gesetz der Rechte“ versinnbildlichte den endgültigen politischen Sieg des englischen Bürgertums.

Aus der -Bill of Rights- von 1689

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die bürgerliche Revolution in England 1649 bis 1688

 

 

 

Frühformen der kapitalistischen Produktionsweise im Gewerbe

Verlagswesen und Manufakturen

Wie in Deutschland und anderen europäischen Ländern gab es auch in England das Verlagssystem. Seine rasche Weiterentwicklung wurde dadurch begünstigt, dass ein einziges Gewerbe, die Tuchherstellung, alle anderen überflügelt hatte. Viele Handwerker wurden von den kapitalkräftigen Verlegern abhängig. Es spielte bald keine Rolle mehr, ob die Arbeitsgeräte noch Eigentum der Handwerker waren.

Die reichen Verleger und die mit ihnen verbundenen Großkaufleute suchten nach neuen Arbeitsmethoden, denn es wurden mehr Waren benötigt. Viele Unternehmer fanden es deshalb gewinnbringender, wenn sie sich nicht nur um Rohstoffversorgung und Absatz, sondern auch um die Herstellung der Erzeugnisse und die dazu notwendigen Produktionsinstrumente kümmerten. Sie stellten selbst Arbeiter an. Solche gab es mehr als genug, nicht nur durch die Einhegungen vertriebene Bauern, sondern auch verarmte Handwerker.

Diese Arbeiter erhielten für ihre Arbeit einen festen Lohn. Rohstoffe, Produktionsinstrumente und Erzeugnisse gehörten dem Kapitalisten. Manche Unternehmer wiesen ihren Arbeitern große Gebäude zu. Dort stellten die Arbeiter Einzelteile her, die am Schluss zum Gesamterzeugnis zusammengefügt wurden. Zwischen den Arbeitern herrschte eine innerbetriebliche Arbeitsteilung. Das Produkt war nicht mehr wie beim Zunfthandwerk Arbeitsergebnis des einzelnen Menschen, sondern es entstand jetzt durch die gemeinsame Arbeit der in einem Gebäude zusammengefassten Arbeiter.  Diese verrichteten ständig den gleichen Arbeitsvorgang. Das brachte des Vorteil, dass sie nicht mehr die Arbeitsgeräte zu wechseln brauchten und durch die Spezialisierung größere Fertigkeiten erlangten.

Auf diese Weise stellten sei mehr Waren her als der allein arbeitende Handwerker her. Maschinen gab es allerdings noch nicht. Alles wurde mit der Hand produziert. Daher bezeichnete man diese Werkstätten als Manufakturen.(Das Wort Manufaktur stammt aus dem Lateinischen. Manus heißt Hand, facere anfertigen.)

Inneres einer Manufaktur

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Freilich gab es verhältnismäßig wenig große Werkstätten. Sie waren vorwiegend auf das Textilgewerbe beschränkt. Häufig schien es den Kapitalisten billiger zu sein, die Fertigung der Teilprodukte an Hausarbeiter zu verteilen. Das waren oft Bauern, die auf einen Nebenverdienst angewiesen waren. Die erhielten geringere Löhne als die Arbeiter in den Manufakturen.

 

Die kapitalistische Ausbeutung

Der Manufakturarbeiter war nicht mehr vom Feudalherren abhängig. Er konnte im Rahmen der Geltenden Gesetze frei über seine Person verfügen. Gleichzeitig war er „frei“ von jeglichem Privateigentum an Produktionsmitteln. Da er jedoch außer seiner Arbeitskraft nichts besaß, was ihm seinen Lebensunterhalt verschafft hätte, musste er für den Kapitalisten arbeiten, um letztlich nicht vor Hunger zu sterben. Der doppelt freie Lohnarbeiter wurde also vom Kapitalisten wirtschaftlich abhängig. Der Kapitalist zahlte dem Arbeiter Lohn, doch nur soviel, wie dieser zum Leben benötigte. Für das vom Arbeiter hergestellte Produkt erhielt der Kapitalist aber mehr, als der Lohn ausmachte. Diesen Überschuss eignete er sich unentgeltlich an. Darin besteht die kapitalistische Ausbeutung.

Die Arbeiter litten unter den niedrigen Löhnen. Viele Verrichtungen, besonders im Textilgewerbe, wurden außerdem von Frauen und Kindern ausgeführt. Ohne deren Kärglichen Zusatzverdienst hätte die Familie nicht auskommen können. Die schlechten Arbeitsbedingungen schädigten die Gesundheit. Dazu kam für alle die sehr lange Arbeitszeit. Nach dem Arbeitsgesetz von 1562 dauerte sie im Sommer von 5 Uhr früh bis 19:30 abends.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Frühformen der kapitalistischen Produktionsweise im Gewerbe

Die Einhegungen

Die Vertreibung der Bauern

Schon im 15. Jahrhundert hatte sich die englische Tuchweberei zum führenden Gewerbe des Landes entwickelt. Ihre Erzeugnisse waren überall begehrt. Aber bald genügte die Wolle der vorhandenen Schafherden nicht mehr. Da die Grundbesitzer, Adel, Geistlichkeit, reiche Bürger und große Bauern also, für Wolle mehr Geld erhielten als für Getreide, versuchten sie, ihre Herden zu vergrößern. Doch dazu brauchten sie ausgedehntere Weiden. Zu diesem Zweck raubten sie zunächst die Allmende. Sie hegten die Gemeindewiesen und anderes brachliegendes Land durch Hecken und Zäune ein und erklärten es zu ihrem Eigentum. Als auch diese Flächen nicht mehr ausreichten, vertrieben die Grundbesitzer viele kleine Bauern von den Wirtschaften.

Der englische König führte in den dreißiger Jahren des 16. Jahrhunderts die Reformation ein. Da wurden Klöster aufgehoben, ihre Besitzungen verkauft oder verschenkt. Viele Kirchengüter gerieten in die Hand von Höflingen, Kaufleuten und Spekulanten. Der Kaufmann vermochte sich nunmehr direkt um die Steigerung der Wollproduktion zu kümmern. Die Einhegungen gingen verstärkt weiter. Ihren größten Umfang erreichten sich allerdings erst im 18. Jahrhundert.

Thomas Morus über die Einhegungen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Auch das, wo die Bauern von den „menschenfressenden Schafen“ verschont blieben, verstärkte sich der Druck der Grundherren. Überall wurden die Abgaben erhöht.

 

Die Folgen der Einhegungen

Durch die Einhegungen entstanden größere Wirtschaftsflächen. Diese erlaubten es den Grundbesitzern, mehr und billiger zu produzieren. Doch das wurde mit dem Elend der davon betroffenen Bauern erkauft, die keinen Boden und schließlich nur noch ihre Arbeitskraft besaßen, um den Lebensunterhalt zu verdienen.

Englisches Dorf vor und nach der Einhegung

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Beschreibung Elend der vertriebenen Bauern

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Entwicklung ursprüngliche Akkumulation des Kapitals in England

Entwicklung der ursprünglichen Akkumulation des Kapitals in England

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Blutgesetzgebung

Für die meisten Vertriebenen fand sich keine neue Arbeit. Die Landwirtschaft brauchte diese Menschen nicht, das Gewerbe konnte sie noch nicht aufnehmen. So zogen sie durch das Land und wurden zu Bettlern oder gar Dieben. Gegen sie verfügte die Regierung harte Maßnahmen. Die wurden ausgepeitscht, gebrandmarkt, in die Gefängnisse geworfen oder hingerichtet. Wegen ihrer Grausamkeit nannte man jene Anordnungen die „Blutgesetze“.

Thomas Morus über die Einhegungen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

So waren in England die beiden Hauptvoraussetzungen für die kapitalistische Produktionsweise entstanden. Es gab einmal eine kleine Schicht Menschen, die über große Geldmengen verfügte. Diesen Kapitalisten stand die Masse der Menschen gegenüber, die ihren Lebensunterhalt nur als Lohnarbeiter sichern konnte. Man bezeichnet diese Ereignisse, die zur Schaffung dieser beiden Voraussetzungen für die kapitalistische Produktionsweise führten und mit denen die kapitalistische Entwicklung begann, als ursprüngliche Akkumulation des Kapitals.

 

Thomas Morus ist der Autor von Utopia.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Einhegungen

Englischer Handel in aller Welt

Die „Wagenden Kaufleute“

In England herrschten im 16. Jahrhundert die Könige aus dem Hause Tudor.  Ihre Politik entsprach den Interessen von Bürgertum und Landadel. Die großen Feudalherren wurden von den Tudors niedergeworfen und botmäßig gemacht. Die Herrschaft des Königs war im ganzen Lande anerkannt, England ein einheitlicher Staat geworden.

Politischer und wirtschaftlicher Mittelpunkt des Landes war London. Hier wohnten die reichen Großkaufleute, hier befand sich auch die Börse, ein Haus, in dem die Geschäfte abgewickelt wurden.

Der Tower in London

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die Engländer blickten neidvoll auf die Schätze, die in Lissabon und Cádiz gelandet wurden. Lag nicht auch England am Weltmeer? Segelten englische  Schiffe nicht ebenso gut wie die der Spanier und Portugiesen? Aber es gab vorläufig wenig englische Schiffe, und zudem musste der englische Kaufmann erst einmal mit der Konkurrenz, der wirtschaftlichen Gegnerschaft der fremden Händler, bei der englischen Ein- und ausfuhr fertig werden. Die englischen Kaufleute schlossen sich daher zu Vereinigungen, Gilden, zusammen. Die bedeutendste war die Gilde der „Wagenden Kaufleute“. Ihr gab der König reiche Privilegien: Sie allein durfte Tuch, den wichtigsten englischen Exportartikel, nach dem Festland ausführen. Die Mitglieder dieser Genossenschaft versprachen, sich im Ausland beizustehen. Sie errichteten Niederlassungen in Antwerpen und Hamburg, zwei Städten, die im 16. Jahrhundert für den europäischen Handel große Bedeutung besaßen.

 

Der Kampf der Engländer gegen Spanien

Bald begnügten sich die englischen Kaufleute nicht mehr mit dem Tuchexport nach Europa. Sie wollten sich auch an dem so gewinnbringenden Überseehandel beteiligen. Aber Spanier und Portugiesen duldeten keine fremden Schiffe auf den Meeren. Der Handel mit ihren Kolonien sollte ihnen allein zustehen. Deshalb unternahmen die englischen Kaufleute zahlreiche Schmuggel- und Piratenzüge gegen die spanischen Besitzungen. Sie überfielen und plünderten die Silberflotten. Die englische Königin Elisabeth I., die in der zweiten Hälfe des 16. Jahrhunderts regierte, stellte diese Fahrten unter ihren Schutz und regelte sie sogar. Die Raubzüge gegen das spanische Kolonialreich verschafften allen Beteiligten riesige Gewinne. Er Erlös eines solchen Zugs beispielsweise betrug das 4700fache der Kosten.

Richtlinien der englischen Regierung für Seeräuber

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die Engländer versuchten, einen Nordost- oder Nordwestweg nach Asien zu finden, der die von Spanien kontrollierten Handelslinien umgehen sollte. Aber Spanien wehrte sich. Sein König, Philipp II., sandte 1588 eine gewaltige Flotte, die Armada, gegen England aus.  Doch diese wurde im Kanal geschlagen. Dieser Sieg legte den Grundstein für die englische Seeherrschaft und Kolonialmacht.

Elisabeth I. bei Dankgottesdienst Sieg über spanische ArmadaBildunterschrift Elisabeth I. Dankgottesdienst

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die Engländer segelten jedoch nicht nur nach Amerika, sondern auch nach Westafrika, um dort das „schwarze Gold“ zu holen.

Bericht über Sklavenhandel an der Goldküste

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die englischen Kaufleute erzielten durch den Sklavenhandel bedeutende Einnahmen. Den afrikanischen „Geschäftspartnern“, den Sklavenhändlern und Häuptlingen, gaben sie Alkohol, Waffen und billige Gewerbeprodukte. Bald erlangten die Engländer auch im Sklavenhandel die Führung.

Um mit anderen Ländern besser handeln zu können, entwickelten sich die Kaufmannsgilden zu großen Handelskompanien, die für den Handel mit Russland, dem Orient, Afrika, Indien und Amerika entstanden. Die mächtigste war die englische Ostindienkompanie, die im Jahre 1600 gegründet wurde. Auch in anderen europäischen Ländern gab es derartige Gesellschaften.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Englischer Handel in aller Welt

 

Das Wesen der bürgerlichen Revolution

Als in England 1640 die bürgerliche Revolution begann und der König hingerichtet wurde(1649), strebte in Frankreich der Absolutismus unter Ludwig XIV. (1643-1715) seinem Höhepunkt zu. Fast genau 150 Jahre später erhob sich am 14. Juli 1789 das Volk in Paris gegen den verhassten Absolutismus.

Wenn die englische und französische Revolution auch zu verschiedener Zeit stattfanden und unterschiedlich verliefen, hatten sie doch viele wichtige Gemeinsamkeiten. So entstanden zum Beispiel in England und in Frankreich innerhalb der feudalen Ordnung Manufakturen. In beiden Ländern wurde das Bürgertum dadurch immer reicher. Sein Streben nach mehr Reichtum und Anteil an der politischen Macht stieß sowohl in England als auch in Frankreich auf den Widerstand des absoluten Königs und des Feudaladels, weil König und Adel um ihre Alleinherrschaft fürchteten.

Nicht nur einzelne Ereignisse, sondern ganz besonders wichtige Erscheinungen wiederholten sich also in beiden Ländern, als die Zeit dafür gekommen war. Solche stets wieder auftretenden und sich wiederholenden Erscheinungen bezeichnen wir in der Geschichte als Gesetzmäßigkeiten. Deshalb sagen wir auch, dass es in England und Frankreich nicht zufällig, sondern gesetzmäßig zur bürgerlichen Revolution kam, und die Ablösung der feudalen durch die kapitalistische Ordnung gesetzmäßig erfolgte.

Die bürgerliche Revolution führte im 17. Jahrhundert in England und im 18. Jahrhundert in Frankreich gesetzmäßig zur Ablösung des Feudalismus durch den Kapitalismus. Ebenso gesetzmäßig war die Urgesellschaft von der Sklavenhaltergesellschaft und diese wiederrum von der feudalen Gesellschaftsordnung abgelöst worden.

So hatte in der langen Geschichte der Menschheit seit dem Zerfall der Urgesellschaft eine Ausbeuterordnung stets die andere ersetzt. Das wurde erst 1917 anders. Mit der Oktoberrevolution in Russland und der Errichtung der sozialistischen Gesellschaftsordnung wurde zum ersten Male in der Geschichte eine Ordnung geschaffen, in der es keine Ausbeutung mehr gab. Auch das war gesetzmäßig.

Das Geschichtsbuch der DDR mahnt, dass es ein Fehler wäre, zu glauben, dass die Entwicklung die gesetzmäßig verläuft, stets von selbst und ohne das Zutun der Menschen zum Ziel gelangt. Jede Gesetzmäßigkeit setzt sich in der Geschichte nur durch, wenn die Menschen durch ihre Arbeit und ihre Kämpfe dafür sorgen.

Lorbeeren ausruhen gefährlich

Bildquelle: Gute Zitate https://gutezitate.com/zitat/124727  

 

Dies wurde im vergangen Sozialismus nicht beachtet.  Bei allen Fehlern der Regierenden, so waren es doch die Menschen, die nicht zum Erhalt der sozialistischen Gesellschaftsordnung beitrugen. Ganz im Gegenteil, sie demonstrierten dagegen, auch wenn viele behaupten, dass sie nur einen besseren Sozialismus wollten. Aus den Geschichts- und Staatsbürgerkundebüchern der DDR lässt sich vieles entnehmen und es ist oft genug gemahnt worden.

Warnung in den Wind schlagen bei Windstille

Bildquelle: Gute Zitate https://gutezitate.com/zitat/122729

 

Doch diese Mahnungen liefen ins Leere. Das Rad der Geschichte hat sich rückwärts gedreht und nun hat weltweit der Kapitalismus wieder die Macht ergriffen.

Entwicklung der bürgerlichen Revolution

Die Entwicklung der bürgerlichen Revolution

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

In den bürgerlichen Revolutionen des 17. Und 18. Jahrhunderts waren es die Bauern, Handwerker und Manufakturarbeiter, die dem absoluten Königtum und dem Feudaladel die Macht entrissen und es dem Bürgertum ermöglichten, seine politische Herrschaft aufzurichten.

Der Sieg der bürgerlichen Revolution in England und Frankreich war also das Ergebnis des aufopferungsvollen Kampfes, den die Volksmassen gegen den sie bedrückenden Feudalismus und Absolutismus führten. Das ist ein weiteres wichtiges Kennzeichen einer bürgerlichen Revolution und kommt zu den bereits bekannten Merkmalen hinzu.

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Das Wesen der bürgerlichen Revolution

 

Frauenwahlrecht in Europa

Übersicht( Ausführliches auf Wikipedia)


 

Der Durchsetzung des Frauenwahlrechts in Europa ging seit dem 18. Jahrhundert ein langer Kampf der Frauenbewegung voraus:
Die Frauen in den jeweiligen  Ländern wollten und sollten das Recht bekommen, an politischen Abstimmungen aktiv wie „passiv“ teilzunehmen, also selbst wählen zu können als auch gewählt zu werden.

Chronologie Frauenwahlrecht in Europa

Chronologie Frauenwahlrecht in Europa

Entnommen von Wikipedia

 

 

Finnland

Als erstes europäisches Land gab 1906 Finnland mit seiner Landtagsordnung vom 1. Juni Frauen das Wahlrecht. Finnland war damals ein russisches Großfürstentum. Die Ursachen dafür, dass die skandinavischen Länder das Wahlrecht für Frauen als Erste einführten, sind eng verknüpft mit den damaligen politischen Strömungen und Neuerungen. Finnland wurde zum Vorreiter des Frauenwahlrechts in Europa, nachdem der russische Zar, dem der finnische Landtag damals unterstand, eine Reform des Wahlrechts versprach. Die Frauenrechtsbewegung in Finnland und anderen skandinavischen Ländern war zu diesem Zeitpunkt brandaktuell. So kam es, dass die Forderungen der finnischen Frauen nach einem Stimmrecht im Zuge der Reform berücksichtigt wurden. Finnland war das erste Land, in dem Frauen nicht nur theoretisch das passive Wahlrecht hatten, sondern auch tatsächlich ins Parlament gewählt wurden.

 

Norwegen, Dänemark und Niederlande

1913 wurde das allgemeine Frauenwahlrecht in Norwegen durch eine neue Gesetzgebung und 1915 in Dänemark durch Änderung der dänischen Verfassung eingeführt. 1917 wurde in den Niederlanden das passive Wahlrecht eingeführt (das aktive folgte 1919).

 

Russland

Nach der Februarrevolution im Jahr 1917 erreichten die Frauen in Russland das aktive und passive Wahlrecht. Sie waren sowohl an den Wahlen zu den Sowjets als auch zu den Stadtdumas zugelassen. Im folgenden Jahr wurde das Frauenwahlrecht in der Verfassung der RSFSR(Russische Sozialistische Föderative Sowjetrepublik)vom 10. Juli 1918 festgeschrieben.

 

Vereinigtes Königreich(Großbritannien)

Am 6. Februar 1918 folgte das Vereinigte Königreich mitdem „Representation of the People Act 1918“, auch wenn das Wahlrecht zunächst auf Frauen über 30 eingeschränkt blieb, falls sie selbst oder ihre Ehegatten das an Besitz gebundene kommunale Stimmrecht besaßen. Am 2. Juli 1928 wurde die Gleichberechtigung der Frauen bei Wahlen gewährt .

 

Polen

Am 28. November 1918 wurde in Polen, das nach dem Ersten Weltkrieg seine Unabhängigkeit wiedererlangt hatte, per Staatsdekret das allgemeine Wahlrecht für Frauen eingeführt. Die ersten acht Frauen zogen 1919 in den neu gewählten Sejm. Bereits vor 1795 und den Teilungen Polens (1772, 1793 und 1795) hatten Steuern zahlende Frauen partielles Wahlrecht genossen.

 

Österreich

In Österreich erhielten Frauen das allgemeine Wahlrecht am 12. November 1918 (Männer 1907) durch das Gesetz über die Staats- und Regierungsform von Deutschösterreich, mit dem dieses sich im Zuge des Zerfalls von Österreich-Ungarn zur Republik erklärte: Artikel 9 spricht für die bevorstehende Wahl der  konstituierenden Nationalversammlung vom „allgemeinen, gleichen, direkten und geheimen Stimmrecht aller Staatsbürger ohne Unterschied des Geschlechts“ und Artikel 10 von „Wahlrecht und Wahlverfahren der Landes-, Kreis-, Bezirks- und Gemeindevertretungen“.

 

Deutschland

Plakat der Frauenbewegung zum Frauentag 8. März 1914- „Heraus mit dem Frauenwahlrecht“

Plakat der Frauenbewegung zum Frauentag 8. März 1914: „Heraus mit dem Frauenwahlrecht“

Bildquelle:Von Karl Maria Stadler (1888 – nach 1943) – Scan from an old book, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6372383

 

Am selben Tag veröffentlichte in Deutschland der Rat der Volksbeauftragten einen „Aufruf an das deutsche Volk“, in dem diese im Zuge der Novemberrevolution an die Macht gekommene Reichsregierung „mit Gesetzeskraft“ verkündete: „Alle Wahlen zu öffentlichen Körperschaften sind fortan nach dem gleichen, geheimen, direkten, allgemeinen Wahlrecht auf Grund des proportionalen Wahlsystems für alle mindestens 20 Jahre alten männlichen und weiblichen Personen zu vollziehen.“[5] Kurz darauf wurde das Wahlrecht mit der „Verordnung über die Wahlen zur verfassungsgebenden deutschen Nationalversammlung“ vom 30. November 1918 gesetzlich fixiert.[6]Somit konnten Frauen in Deutschland bei der Wahl zur Deutschen Nationalversammlung am 19. Januar 1919 erstmals auf nationaler Ebene ihr Wahlrecht nutzen.[7] Österreich und Deutschland zählten damit zur Avantgarde in Europa.

 

Tschechoslowakei, Schweden, Spanien und Türkei

Die Tschechoslowakei führte 1920 das Frauenwahlrecht ein, Schweden 1921. Im Dezember 1931 wurde in Spanien das Wahlrecht für Frauen in der Verfassung der Zweiten Spanische Republik von 1931 anerkannt, und zum ersten Mal in den Parlamentswahlen vom November 1933 ausgeübt. Am 11. Dezember 1934, zwei Monate vor einer Parlamentswahl in der Türkei, erhielten Frauen in der Türkei das aktive und passive Wahlrecht.[9]

 

Frankreich

Französisches Plakat für das Frauenwahlrecht (1934)

Französisches Plakat für das Frauenwahlrecht (1934)

Bildquelle: Von USFD (French Women’s Suffrage Union), 1934 – http://live.letelegramme.fr/Article/1130791-Affiche-de-lUnion-francaise-pour-le-suffrage-des-femmes, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=45603267

 

Im Juli 1936 votierte die Abgeordnetenkammer Frankreichs einstimmig (475 zu 0) für ein Frauenwahlrecht; der Text wurde aber nicht auf die Tagesordnung der zweiten Kammer (Senat) gesetzt.[10] Der Verfassungsentwurf vom 20. Januar 1944 enthielt das Frauenwahlrecht: Am 21. April 1944 sprach sich das Comité français de la Libérationnationale für das Frauenwahlrecht aus. Nach dem Ende der deutschen Besetzung Frankreichs, am 5. Oktober 1944, stimmte die ProvisorischeRegierung der Französischen Republik demzu. Bei den Gemeindewahlen am 29. April 1945 waren sie erstmals stimmberechtigt; die erste Wahl auf nationaler Ebene war die Wahl der Nationalversammlung am 21. Oktober1945. 33der 586 gewählten Abgeordneten (= 5,6 %) waren Frauen.

 

Italien und Belgien

1946 erhielten die Italienerinnen volles Wahlrecht (vorher hatten sie – seit 1925 – nur das Wahlrecht auf kommunaler Ebene), 1948 die Belgierinnen.

 

Schweiz

Am 7. Februar 1971 wurde nach einer erfolgreichen Volksabstimmung das Frauenstimmrecht in der Schweiz auch auf Bundesebene eingeführt. 1959 hatte die Mehrheit der wahlberechtigten Männer das Frauenwahlrecht noch abgelehnt.[11] Auf kantonaler Ebenewurde es zuerst 1959 im Kanton Waadt eingeführt; als letzter Kanton schloss sich 1990 der Kanton Appenzell Innerrhoden an – allerdings nicht freiwillig, sondern aufgrund eines Entscheids des Bundesgerichts.

 

Liechtenstein

1984 kam Liechtenstein als letztes westeuropäisches Land dazu, nachdem zuvor in zwei Volksabstimmungen (1971 und1973) die Einführung noch abgelehnt worden war.[12]


 

Entnommen von Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

Die Maschinenstürmer in England

In England waren in den letzten Jahrzehnten des 18. Und in den ersten Jahrzehnten des 19. Jahrhunderts viele Fabriken entstanden. Zur Bedienung der Maschinen wurden zunehmend weniger Arbeitskräfte benötigt und deshalb viele Arbeiter entlassen. Oft senkten die Kapitalisten für diejenigen, die noch in Arbeit standen, den Lohn. Damals erkannten die Arbeiter nicht die wahren Ursachen ihrer Lage. Sie glaubten, dass die Maschinen ihr wachsendes Elend verursachen würden. Ihre Empörung richtete sich deshalb gegen die Maschinen.

Sie widersetzten sich darum der Bourgeoisie zuerst, indem sie versuchten, die Einführung der neuen Maschinen zu verhindern. Als das nicht gelang, zogen sie an vielen Orten in die Fabriken und zerstörten die Maschinen. Diese Aktion wird als Bewegung der Maschinenstürmer bezeichnet.

maschinensturmerei

Da diese Bewegung der Maschinenstürmer immer mehr um sich griff, forderten die Kapitalisten von der englischen Regierung, mit grausamen Strafen dagegen vorzugehen. Im Jahre 1812 führte man deshalb für die Zerstörung der Maschinen die Todesstrafe ein. Daraufhin wurden allein im Januar 1813 in York 18 Maschinenstürmer hingerichtet. Als 1830 die englischen Großgrundbesitzer die Dreschmaschine einsetzten, richtete sich der Hass der Landarbeiter gegen die Maschinen.

Die Arbeiter sahen jedoch, dass die Maschinen trotz ihres Widerstandes eingeführt wurden. Sie lernten zu erkennen, dass nicht die Maschinen ihre Feinde waren, sondern die Kapitalisten. Ihnen wurde somit klar, dass sie ihren Kampf gegen die kapitalistische Ausbeutung mit anderen Mitteln führen mussten. Die Arbeiter zogen die Lehren aus ihren ersten, noch unüberlegten und nicht genügend organisierten Kämpfen gegen die Bourgeoisie.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

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Quelltext:

maschinensturmer-england-und-seidenweberaufstand-in-lyon