Das deutsche Bürgertum im 18. Jahrhundert

Fortschritte in der kapitalistischen Produktion

Der absolutistische Staat hatte zunächst die kapitalistischen Unternehmungen mannigfaltig unterstützt. Privilegien hoben für die Manufakturen den Zunftzwang auf. Die Staatskasse lieh den Unternehmen fehlende Geldmittel. Arbeitskräfte, an denen es anfangs mangelte, wurden den Werkstätten aus Zucht-, Arbeits-, Armen- oder Waisenhäusern zwangsweise zugeführt.

Der Missbrauch von in Heimen untergebrachten Kinder und Jugendlichen als billige Arbeitskräfte war in kapitalistischen Ländern noch bis in die 1970er Jahre Usus.. Erst jetzt geht man daran dies aufzuarbeiten. Dabei relativiert man wieder und schwingt die antikommunistische Keule, indem man behauptet, dass es in der DDR auch so gewesen sei.

Deshalb entwickelten sich die fürstlichen Städte, voran die Residenzstädte, in schnellerem Tempo als di auf sich gestellten Reichsstädte. Doch blieb die Förderung der Wirtschaft bescheiden, weil Deutschland durch die Landesfürstentümer wirtschaftlich und politisch zersplittert war. Die einzelnen Territorien regelten die wirtschaftlichen Fragen nur für sich allein. Immer neue Zollschranken entstanden. So arbeiteten viele der mit künstlichen Mitteln geschaffenen Manufakturen zu teuer, bedurften ständig neuer Zuschüsse und erlagen schließlich der übermächtigen ausländischen Konkurrenz.

Erst nach 1750 wandelte sich das Bild merklich. Nunmehr gab es schon viele Manufakturen, die privaten bürgerlichen Unternehmern gehörten. Vor allem im Rheinland und in Sachsen blühten die Metallverarbeitung und die Textilproduktion auf. Neue Werkzeuge steigerten die Arbeitsproduktivität. Der Zeugdruck ermöglichte die billige Herstellung bunt gemusterter Baumwoll- und leichter Wollstoffe. Mit der Strickmaschine konnten statt bisher 100 Maschen je Minute 1000 bis 1500 hergestellt werden.

Obwohl in den Städten die Elemente der Bourgeoisie(Verleger, Manufakturbesitzer, Großkaufleute)heranwuchsen, Blieben die Bürger insgesamt auf vielfache Weise von den absolutistischen Herrschern abhängig: Sie profitierten von deren Maßnahme und verdienten an der Versorgung der Fürstenhöfe und der Heere. Durch die wirtschaftliche Abhängigkeit bedingt, unter der strengen Aufsicht des feudalabsolutistischen Staatsapparates, wagte es das deutsche Bürgertum kaum, offen gegen die historisch überlebten Feudalverhältnisse zu kämpfen. Die meisten Vertreter des deutschen Bürgertums schreckten vor dem direkten Klassenkampf mit Adel und Fürsten zurück, weil sie seit langem zu kriecherischer Unterwürfigkeit und bedingungslosem Gehorsam erzogen worden waren.

 

Deutsche Wissenschaftler als Träger fortschrittlicher Gedanken

Der Humanismus bereitete die frühbürgerliche Revolution auf geistigem Gebiet vor.

Das deutsche Bürgertum beschränkte sich zunächst darauf, im Bereich der Wissenschaft und Kultur den Kampf gegen die feudalen Fesseln zu führen. In seinem Verlauf bildeten sich die Grundzüge der neuen, bürgerlichen Weltanschauung  weiter aus. Im 17. Und 18. Jahrhundert brachte Deutschland einige hervorragende Gelehrte hervor, die das Werk der Humanisten fortsetzten.

Gottfried Wilhelm Leibnitz war allseitig gebildet und gleichermaßen als Philosoph, Mathematiker, Naturwissenschaftler, Historiker und Staatsrechtler tätig.

Gottfried Wilhelm von Leibnitz

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Er schuf die Grundlagen der modernen höheren Mathematik und erfand zum Beispiel auch die erste Rechenmaschine. Die Gründung der Berliner Akademie der Wissenschaften(während der DDR-Zeit Akademie der Wissenschaften der DDR, nach der DDR-Zeit wurde die Akademie aufgelöst und in kleinere Institutionen, bzw. Akademien zersplittert.)im Jahre 1700 ist sein Verdienst.

Leibnitz zur Anwendung des Wissens

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Christian Thomasius(1655-1728) wandte sich scharf gegen die grausamen Hexenverfolgungen und bekämpfte die unmenschliche Folter als Mittel, Geständnisse von einem Angeklagten zu erpressen. Er hielt seine Vorlesungen in deutscher Sprache und nicht, wie bisher üblich in Latein.

Diese und andere kluge und mutige Männer(Frauen gab es damals nicht in diesen Positionen)hatten aber zumeist besoldete Stellungen inne und waren somit vom Fürstenstaat abhängig. Vertraten sie Meinungen, die den Fürsten gefährlich erschienen, wurden sie rücksichtslos verfolgt. Berüchtigt ist die Behandlung des hallischen Professors Christian Wolff, dessen Lehren der preußische König als Rechtfertigung der Deserteure und damit als Angriff auf die Grundlagen des preußischen Militärstaates auffasste.

Befehl Friedrich Wilhelms von Preußen an Christian Wolff(1723)

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die meisten Gelehrten beschränkten sich daher auf umfangreiche wissenschaftliche Darlegungen, in denen sie ihre Zuversicht in den unaufhaltsamen Fortschritt der Menschheit zum Ausdruck brachten.

 

Immanuel Kant(1724-1804)war einer der bedeutendsten Gelehrten der Weltgeschichte, der in seinen Arbeiten viele Wissensgebiete behandelte. Er stellte zum Beispiel die erste Bahnbrechende Lehre über die Entstehung des Sonnensystems auf. Kant verwarf die Leibeigenschaft als „widermenschlich“. In der Schrift „Über den ewigen Frieden“ trat er für die Schaffung eines Völkerbundes ein, der einen dauerhaften Friedenszustand herbeiführen sollte.  In einer Welt, die vollständig von der Ausbeutergesellschaft beherrscht war, konnte dieses hohe Ziel freilich nicht erreicht werden.

 

Dichter und Musiker als Gegner der feudal-absolutistischen Verhältnisse

Deutlicher noch als die Wissenschaftler nahmen hervorragende Dichter und Musiker zu den gesellschaftlichen Fragen ihrer Zeit Stellung.

Die Dichter wandten sich gegen den an den Fürstenhöfen überwiegend französischen Einfluss. Friedrich II. von Preußen beispielsweise schrieb fast nur französisch und ernannte einen Franzosen zum Präsidenten der Akademie. Verächtlich sah er auf die deutsche Dichterkunst seiner Zeit herab. Unter diesen Umständen war allein schon die Pflege der deutschen Sprache von großer Bedeutung für die Ausbildung eines Gefühls nationaler Zusammengehörigkeit über die Grenzen der deutschen Kleinstaaten hinweg.

Die Gedichte Klopstocks zeigten bereits, dass die deutsche Sprache gar nicht so steif und unbeweglich sei, wie viele bisher im Vergleich zum Französischen gemeint hatten.

Gotthold Ephraim Lessing schrieb in seinen gedankenreichen Fabeln sein meisterhaftes Deutsch.

Gotthold Ephraim Lessing (1729-1781)

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Er forderte die Schaffung eines Nationaltheaters und trug so maßgeblich zur Entstehung deutscher Theater in Mannheim und Hamburg bei.  Vornehmlich Theaterstücke erreichten eine große Massenwirksamkeit und rüttelten zur Parteinahme auf, weil sie die brennenden Probleme der Zeit behandelten. Der erste große deutsche Theaterschriftsteller war Lessing. In seinem Trauerspiel „Emilia Galotti“ prangerte er das verwerfliche Treiben der Fürsten an, die glaubten, ihre Untertanen als Spielzeug ihrer Launen behandeln zu dürfen. Im Schauspiel „Nathan der Weise“ erklärte er, dass alle Religionen gleichwertig sind, und trat für Glaubensfreiheit und Menschlichkeit ein.

Um 1770 entstand eine Strömung in der Dichtkunst, die kühner als je zuvor die feudalen Zustände angriff. Dieser „Sturm und Drang“bestimmte auch die frühen, mit revolutionärem Geist erfüllten Werke Goethes(1749-1832)und Schillers(1759-1805). Sie gestalteten in ihnen zumeist Ereignisse aus der Geschichte ihrer Zeit und der jüngeren Vergangenheit, um die Willkür der Fürsten bloßzustellen und für die Befreiung des Bürgertums zu kämpfen. In Goethes „Götz von Berlichingen“ wird der Titelheld, ein Reichsritter, als freiheitsliebender Anführer der Bauern im Bauernkrieg geschildert. Das Trauerspiel „Egmont“ war dem gerechten revolutionären Aufstand der Niederlande gegen die spanische Fremdherrschaft gewidmet. Friedrich Schiller litt besonders unter der fürstlichen Herrschaft. Schon mit 13 Jahren musste er die Fürstenschule in Württemberg besuchen, in der ärgster Zwang herrschte. Sein erstes Schauspiel „Die Räuber“ schilderte den Anführer einer Räuberschar, wie sie im 18. Jahrhundert weit verbreitet war und auf ihre Art den antifeudalen Klassenkampf führte. Schiller stellte sein heimlich verfasstes Werk unter den Leitspruch „Gegen die Tyrannen“ und ließ es ohne herzogliche Genehmigung außerhalb Württembergs aufführen. Auch in den folgenden Werken blieb er dem kämpferischen Geist der „Räuber“ treu. „Kabale und Liebe“ brandmarkte den Soldatenverkauf als Menschenhandel und deckte das Intrigenspiel der Fürstenhöfe auf. Es gehörte viel Mut dazu, solche mitreißenden, politisch klar Partei ergreifenden Werke zu schreiben.

Goethe-Schiller-Denkmal in Weimar

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Viele der Gebildeten Deutschlands glaubten dennoch daran, dass ein aufgeklärter, einsichtsvoller Fürst die gesellschaftlichen Zustände bessern könnte. So folgte Goethe einem Rufe des Herzogs Karl August nach Weimar, in die Hauptstadt eines thüringischen Zwergstaates. Weimar wurde für die nächsten Jahrzehnte das Zentrum des deutschen Geisteslebens. Hier wirkte zum Beispiel auch Herder, die die Liebe zum Volkslied und zum Volksmärchen wieder weckte. Schiller, als Geschichtsprofessor an die Universität in Jena berufen, schuf eine ganze Reihe von Dramen, die am Weimarer Theater aufgeführt wurden, das jahrelang unter Goethes persönlicher Leitung stand. Mit Goethes zweiteiligem Hauptwerk „Faust“ erreichte die klassische Periode der deutschen bürgerlichen Literatur ihren Höhepunkt. An das Wirken Goethes und Schillers erinnern zahlreiche Gedenkstätten in Weimar und in ganz Thüringen. Sie wurden zur DDR-Zeit von Hundertausenden Menschen aus der DDR und von Besuchern aus aller Welt besichtigt. Natürlich sind die Orte, die an das Wirken von Goethe und Schiller erinnern nach wie vor ein Toruristenmagnet.

Wie die Werke der Dichter, so werden auch die der bedeutendsten Komponisten jener Zeit noch heute überall aufgeführt. Johann Sebastian Bach, der zuletzt als Organist an der Leipziger Thomaskirche tätig war, sprengte die starren Formen, wie sie bisher in der Barockmusik üblich waren, und drückte in seinen Kompositionen menschliches Erleben und Empfinden aus.

Georg Friedrich Händel(1685-1759), in Halle(Saale) geboren, konnte in der geistigen Enge der deutschen Kleinstaaterei seine schöpferischen Fähigkeiten nicht entfalten und ging daher in das bürgerliche England. Im Inhalt seiner Werke spiegeln sich Zustände und Ereignisse seiner Wahlheimat wieder. Anstelle von Opern, die nur einem kleinen Kreis zugänglich waren, komponierte Händel später nur noch Oratorien. (Das Wort Oratorium entstammt dem Lateinischen. Heute versteht man darunter ein großes Musikwerk für Chor, Solisten und Orchester, das konzertartig, ohne Bühnenbild und Kostüme, aufgeführt wird.)  Deren Handlung wurde vom Chor vorgetragen. In ihm wollte Händel die Volksmassen dargestellt wissen, an die er sich jetzt unmittelbar wandte.

Georg Friedrich Händel (1685-1759)

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Wolfgang Amadeus Mozart(1756-1791)war bereits als Knabe ein bewunderter Musiker. Später entwich er dem heimatlichen Salzburg, wo ihn der Landesherr ständig bevormundete. In Wien lebte er lange Zeit bis zu seinem frühen Tode. In seinen Opern „Figaros Hochzeit“ und „Don Giovanni“ stellte er kraftvolle Menschen aus dem Volke auf die Bühne, die letztlich über die Vertreter des Adels triumphierten. Mit seinem letzten großen Werk, der Oper „Die Zauberflöte“, bekannte sich Mozart eindeutig zu den Gedanken der Menschlichkeit, die damals vom Bürgertum der Missachtung des Menschen durch die Feudalgewalten entgegengesetzt wurden.

Wolfgang Amadeus Mozart(1756-1791)

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Dieses fortschrittliche Musikschaffen führte Ludwig van Beethoven weiter.  Neben seiner Oper „Fidelio“ schuf er vor allem neun Sinfonien. In diesen großartigen Orchesterwerken gelangte der Freiheitswille der aufsteigenden bürgerlichen Gesellschaft zu einem überzeugenden künstlerischen Ausdruck. Die letzten Werke entstanden, obwohl Beethoven bereits völlig taub war.

In der zweiten Hälfe des 18. Jahrhunderts entstanden endgültig die Grundlagen der deutschen Nationalkultur, die vom Bürgertum getragen wurde. Ihre Werke, die zu den größten Leistungen der Menschheit zählen, dienten in hervorragender Weise dem gesellschaftlichen Fortschritt. Sie halfen mit, in Deutschland den Boden zu bereiten für den längst notwendigen Sturz der Feudalordnung und die Schaffung eines einheitlichen Nationalstaates. Sie zeigen, wie sich das Klassenbewusstsein der werdenden Bourgeoisie bildete.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

 

Das deutsche Bürgertum im 18. Jahrhundert

 

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Die Eroberungskriege Friedrichs II.

Die Herrschaft der Habsburger war gefährdet, als 1740 Kaiser Karl VI. söhnelos starb. Schon lange zuvor hatte er sich bemüht, dass die europäischen Mächte die Erbfolge seiner einzigen Tochter Maria Theresia anerkannten. Doch nach seinem Tode kehrte sich niemand um diese Verträge.

Der neue preußische König Friedrich II.(1740-1786)war fest entschlossen, die schwierige Lage Österreichs auszunutzen. Er ließ sein Heer überraschend in das nur schwach besetzte Schlesien einfallen, das damals zu Österreich gehörte. Dann erst bot er Maria Theresia an, er wolle sie mit allen Kräften gegen ihre Feinde unterstützen; allerdings müsse sie ihm als Preis dafür Schlesien abtreten. Das war glatte Erpressung. Der hinterhältige Überfall auf Schlesien enthüllte das räuberische Wesen des preußisch-junkerlichen Militarismus.

Friedrich II.

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Friedrich II. zu Eroberungen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Entwicklung Brandenburg-Preußens im 17. und 18. Jahrhundert

Die Entwicklung Brandenburg-Preußens im 17. und 18. Jahrhundert

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Von anderen Mächten ebenfalls angegriffen, musste Österreich das in zwei Kriegen schwere militärische Niederlagen erlitten hatte, Schlesien abtreten. Damit erhielt Preußen eine reiche Provinz, in der vor allem die Leinwandproduktion blühte. Aber schon bald erwog Friedrich II. die Eroberung weiterer Gebiete.

Eroberungspläne FriedrichsII. 1752

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

1756 ergab sich die Gelegenheit für den preußischen König, diesen Plan zu verwirklichen. Als neue Kämpfe zwischen England und Frankreich um ihre nordamerikanischen und indischen Kolonialbesitzungen ausbrachen, ließ sich Preußen durch Subsidienzahlungen bewegen, auf die englische Seite zu treten. Frankreich stellte daraufhin seine jahrhundertealten Gegensätze zu Habsburg zurück und verbündete sich mit Österreich, dass seinerseits Preußen die schlesische Beute wieder entreißen wollte. Diesem Bunde schlossen sich Russland und auch Sachsen an. Der Konflikt von weltweitem Ausmaß wurde zum großen Teil wieder auf dem Boden Deutschlands und Böhmens ausgetragen. Er dauerte sieben Jahre, von 1756 bis 1763, so dass dieser dritte Schlesische Krieg als Siebenjähriger Kriegbezeichnet wird.

Die preußische Armee eröffnete die Kampfhandlungen wieder ohne Kriegserklärung und überfiel zunächst Sachsen. Dessen Heer wurde nach der Kapitulation geschlossen in preußische Dienste gepresst. Das Land blieb jahrelang besetzt und musste insgesamt 50 Millionen Taler aufbringen. Spöttisch bemerkte Friedrich: „Sachsen ist wie ein Mehlsack. Man mag darauf schlagen, so oft man will, es kommt immer etwas heraus.“

Nach dem Überfall auf Sachsen stießen die Preußen nach Böhmen vor. Vergeblich belagerten sie Prag. Vom österreichischen Heer geschlagen, mussten sie nach Sachsen zurückweichen. Seither wechselten Erfolge und Niederlagen beider kriegführenden Parteien rasch. Weite Teile des mittleren und nördlichen Deutschland wurden verwüstet.

Preußen war schließlich, von allen Seiten bedrängt und durch die in Amerika siegreichen Engländer im Stich gelassen, wirtschaftlich und militärisch erschöpft. Nur das Ausscheiden Russlands aus dem Krieg bewahrte Preußen vor der drohenden Katastrophe. So konnte es am Ende des siebenjährigen Krieges Schlesien behaupten, musste aber Sachsen räumen.

Auf dem Boden des Reiches bestanden in Gestalt Österreichs und Preußens nunmehr zwei Großmächte. Ihr Gegensatz sollte ein Jahrhundert lang die Politik in Deutschland beherrschen.

Der preußische Militärstaat hatte sich als gefährlicher, hinterlistiger Angreifer erwiesen, der den Frieden in Europa immer wieder bedrohte. Seine Politik richtete sich gegen die Interessen der Völker.

 

 

Die Teilungen Polens

Schon kurze Zeit nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges bereitete Preußen einen Raubkrieg gegen Polen vor. Hier gab es kein starkes Königtum Unablässig befehdeten sich die Adligen des Landes untereinander. Die Nachbarn erblickten darum in Polen eine leichte Beute. Sie konnten außerdem immer der Unterstützung einer mächtigen Adelspartei gewiss sein. 1772 beschlossen Preußen, Österreich und Russland die erste Teilung Polens, durch die Polen ein Drittel seines Territoriums verlor. Preußen verfügte jetzt über eine Landverbindung zu seiner Provinz Ostpreußen und beherrschte den Unterlauf der Wisla. Es konnte also die Getreideausfuhr Polens kontrollieren. In den neu erworbenen Gebieten wurde die polnische Bevölkerung der Ausplünderung durch den preußischen Staatsapparat unterworfen. Preußische Junker eigneten sich die Güter flüchtiger polnischer Adliger an.

1793 und 1795 fanden weitere Teilungen Polens zwischen den Großmächten statt.

Die drei Teilungen Polens

Die drei Teilungen Polens

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Durch die Aneignung der polnischen Gebiete in den Jahren 1772-1795 wurde der polnische Staat völlig beseitigt. Nun begann für das polnische Volk ein über hundert Jahre währender Kampf. Die Knechtung Polens, an der der preußisch-junkerliche Militarismus führend beteiligt war, hemmte nicht nur die nationale Entwicklung unseres östlichen Nachbarvolkes, sondern wirkte sich auch negativ auf die weitere Geschichte unseres eigenen Volkes aus. Daher traten die fortschrittlichen Deutschen, wenn sie gegen den preußischen Militarismus kämpften, immer auch für die Wiederherstellung der nationalen Unabhängigkeit Polens ein. Hier lag auch während der DDR-Zeit eine der Wurzeln der festen Freundschaft, die die Deutsche Demokratische Republik während ihres Bestehens mit der damaligen Volksrepublik Polen verband.

 

Die Rolle des preußischen Militarismus in der Geschichte

In drei Beiträgen wurden die verschiedenen Seiten des preußischen Militärstaates  behandelt: sein Heer und seine Verwaltung, seine Schul-, Wirtschafts- und Außenpolitik. Immer wieder musste dabei festgestellt werden, dass er alle Maßnahmen auf die Schaffung eines starken Heeres ausrichtete. Ein solches System, in dem das Militär der Hauptzweck des Staates ist und das gesamte gesellschaftliche Leben bestimmt, nennen wir Militarismus.

Im preußischen Staates 18. Jahrhunderts dienste dieses militaristische System den Interessen der herrschenden Junkerklasse, deren oberster Vertreter der König war. Mit seiner Hilfe sicherte diese reaktionäre Klasse die Ausbeutung und Unterdrückung der Werktätigen(arbeitenden Menschen)im eigenen Lande und besaß zugleich ein Mittel, um fremde Gebiete zu erobern und auszuplündern.

Von reaktionären Geschichtsschreibern, im Geschichtsbuch der DDR in Vergangenheitsform, heute Gegenwartsform(heutige offizielle Geschichtsschreibung), wurde und wird die Rolle Preußens in der deutschen Geschichte jedoch ganz anders dargestellt. Die Geschichtsschreiber verfälschen absichtlich die Wahrheit. Sie wollen damit den einfachen Menschen vorspiegeln, der preußische Staat habe nur das Wohl seiner Untertanen im Auge gehabt und sei allein dazu berufen gewesen, die politische Zersplitterung Deutschlands zu überwinden. Dabei stützen sich einige Historiker auf einige Äußerungen Friedrichs II., die scheinbar zeigen, wie gut es der König mit seinem Volk gemeint hatte. Es ist allerdings nicht ehrlich, wenn dies Geschichtsschreiber absichtlich übersehen, dass die preußischen Gesetze eigentlich einen ganz anderen Inhalt hatten. Erst wenn man auch diese Gesetze liest, versteht man, dass den unten abgedruckten Worten Friedrichs II. über die Rechtsprechung nicht ohne weiteres Glauben geschenkt werden kann.

Friedrich II. zu Rechtssprechung in Preußen

 entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Punkte aus preußischen Landrecht von 1794

 entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Allein schon die Tatsachen aus der Geschichte des 18. Jahrhunderts lehren, dass der preußische Staat mit dem Schweiße und dem Blute seiner Untertanen zusammengefügt und auf Kosten des deutschen Volkes und seiner Nachbarvölker vergrößert wurde.

Der preußische Militarismus spielte, bzw. spielt in der deutschen Geschichte stets eine verhängnisvolle Rolle. Vor allem solche Merkmale wie der Kadavergehorsam in der Armee und der Untertanengeist im gesamtgesellschaftlichen Leben wurden von den herrschenden Klassen in ihrem Interesse nachdrücklich betont. Es bleibt zu hoffen, dass noch viele Geschichtsbücher der DDR erhalten geblieben sind und in den Antiquariaten angeboten werden. Denn nur so kann die Nachwelt sich von den reaktionären Geschichtsschreibern unabhängig machen. DIE TROMMLER leistet in mit seinen bescheidenen Möglichkeiten einen kleinen Beitrag dazu.

Der Militarismus half, die Junkerherrschaft auch über das Ende der Feudalzeit hinaus zu erhalten. Ständig drohte die Gefahr, dass die preußisch-deutschen Militaristen mit Hilfe ihrer schlagkräftigen Armee ihre Eroberungspläne durch neue Angriffskriege in die Tat umsetzten. Im Inneren Deutschlands behinderten sie jede fortschrittliche Entwicklung für lange Zeit.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Eroberungskriege Friedrichs II.

 

 

 

 

Die preußische Innenpolitik im Zeichen des Militarismus

Der Ausbau des preußischen Absolutismus

Das Land konnte die ungeheure Last eines so außerordentlich großen Heeres kaum tragen. Nur eine straff geleitete, lückenlos durchorganisierte Verwaltung war in der Lage, die beträchtlichen Mittel zum Unterhalt des Heeres aus der Bevölkerung herauszupressen. Deshalb baute Friedrich Wilhelm I. nicht nur das preußische Heer, sondern auch den Staatsapparat aus.

Die einflussreichsten Verwaltungsstellen waren auch hier mit Adligen besetzt. Doch berief der König selbst Bürger in führende Positionen. Sie waren abhängiger und leichter zu beaufsichtigen als die Junker. Alle Beamten aber verpflichtete der König zu unbedingtem Gehorsam. Schon bei geringfügigen Nachlässigkeiten drohte er ihnen Absetzung oder Festungshaft an. Sie hatten die Politik des preußischen Staates gegenüber den Untertanen rücksichtslos durchzusetzen. Die Staatseinkünfte beruhten fast zur Hälfte auf der feudalen Ausbeutung der Bauern auf den königlichen Gütern, den Domänen, die ein Drittel des landwirtschaftlich genutzten Bodens Preußens umfassten. Die andere Hälfte entstammte Steuern. Sie wurden den einzelnen Klassen in unterschiedlicher Weise auferlegt.

Die Kontribution war eine Steuer, die auf den Bauernhöfen lastete. Durchschnittlich verschlang sie ein Drittel aller bäuerlichen Einnahmen.

Die Akzise war eine indirekte Steuer und zugleich Zoll.  Sie wurde dem Preis der Handelsgüter aufgeschlagen. An den Stadttoren erhob man sie von den meisten Waren, die in die Städte hineinkamen und dort auf dem Markt verkauft werden sollten. Bei ausländischen Gütern betrug der Akzisesatz bis zu Hälfte. Die Akziseeinkünfte konnte man leicht erhöhen. Sie stiegen mit wachsendem Verbrauch, auch der Steuersatz war jederzeit zu vermehren.

Der Adel war von Kontribution und Akzise befreit. Ihn vermochte der König nur mit militärischer Gewalt zu zwingen, eine wenige Taler betragende Geldsumme zu zahlen.

Die Steuern in Preußen

Die Steuern in Preußen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

In hohem Maße wurden in Preußen die Schulen dazu verwendet, im Sinne des Absolutismus gehorsame Untertanen zu erziehen. Wie in den meisten anderen deutschen Fürstentümern verordnete der preußische König, dass jedes Kind einige Jahre lang eine Schule besuchen müsse. Doch galt die allgemeine Pflicht nur dort, „wo Schulen sind“. Viele Dörfer mussten noch lange auf einen Schulbau warten. Im Übrigen lernten die Kinder wenig genug. „Ein bisschen Lesen und Schreiben“, dazu die Grundzüge der christlichen Lehre – das war für die Bauern als der Mehrheit der Bevölkerung gerade das Rechte. Sie sollten nicht mehr Bildung erwerben, als unbedingt nötig war. Während der wärmeren Jahreszeit mussten die Kinder immer wieder auf den Feldern arbeiten.

Die Lehrer befanden sich völlig in der Hand der Gutsherren. Sie hatten keine Spezialausbildung. Sehr oft handelte es sich um alte oder sonst militäruntauglich gewordene Soldaten und Unteroffiziere. In ihrer neuen Tätigkeit wandten sie die gleichen Erziehungsmethoden an wie auf dem Exerzierplatz. Mit Prügel sollten die Kinder in Unterwürfigkeit und ständiger Furcht erzogen werden. Die preußischen Untertanen durften nicht selbstständig denken, sondern mussten von Kind auf lernen, bedingungslos den Befehlen der Gutsherren, Beamten und Offiziere zu gehorchen. Das militaristische System mit seinem menschenunwürdigen Untertanengeist bemächtigte sich auch der Schule.

 

Die Wirtschaft im Dienste des Heeres

In Preußen herrschte die Landwirtschaft vor. Nur sehr wenige Städte besaßen ein entwickeltes Gewerbe, das vorwiegend in Zünften organisiert war. In der Zeit des Absolutismus wurden aber die Armeen erstmalig einheitlich bewaffnet und gekleidet. Der preußische Staat musste daher für die Einrichtung von Manufakturen sorgen, die er selbst verwaltete, oder durch bürgerliche Unternehmer betreiben ließ. In erster Linie ging es also um die Erhöhung der Staatseinkünfte, das heißt der Mittel für das Heer, wen die Manufakturen gefördert wurden. In zweiter Linie war das Heer unmittelbar mit allem Notwendigen auszurüsten. Diese Aufgabe war besonders schwierig, weil Preußen anfangs kaum über Hammerwerke, Gießereien und Pulvermühlen verfügte. Auch später musste es einen Teil der benötigen Waffen und Munition für teures Geld einführen. Leichte war die Sicherung des Uniformbedarfs, da die Wolltuchfabrikation zeitweise einen beachtlichen Aufschwung nahm. Über den Tuchbedarf des Heeres hinaus wurde sogar ein Export möglich.

Gründe des preußischen Königs für Ermunterung der Manufakturen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Schließlich gab es Gewerbe, die den Luxusbedürfnissen der Reichen dienten(Seiden-, Porzellan-, Spiegelherstellung). Für sie fehlten aber weitgehend ausgebildete Arbeitskräfte. Immerhin stieg die Zahl der Manufakturen insgesamt merklich an. Besonders Berlin, Residenz und größte Garnisonstadt, wurde zugleich ein Zentrum gewerblicher Produktion. Menschen, die religiöser Gründe wegen aus Frankreich und der Pfalz vertrieben und in Preußen aufgenommen wurden, brachten die Kenntnis neuer Produktionsverfahren mit.

Die meisten Unternehmungen dieser Zeit besaßen nur wenige Dutzende Arbeitskräfte. Eine Ausnahme war das Berliner Lagerhaus, das im Jahr 1738 4730 Arbeiter beschäftigte. Hier wurden Wolltuche hergestellt, teils in Heimarbeit, teils in der zentralen Werkstatt. Der Rohstoff kam aus dem eigenen Lande, da Schafwolle „bei Strafe des Galgens“ nicht exportiert werden durfte. Immer mehr Untertanen wurden gezwungen, Wolle zu verspinnen – selbst die beurlaubten Soldaten und besonders Insassen von Arbeits-, Armen- und Zuchthäusern sowie Waisenhäusern. Dem preußischen Staat kam es darauf an, dass derartige Einrichtungen möglichst keine Ausgaben verursachten.

Die im Potsdamer Militärwaisenhaus untergebrachten Kinder wurden in verschiedenen Manufakturen eingesetzt, auch zum Wickeln und Spulen von Seide, zum Spitzenklöppeln oder Ziehen von Gold- und Silberdraht. Selbst das Mädchenwaisenhaus verwandelte sich in ein Manufakturgebäude, in dessen acht Sälen im Jahr 1763 352 Mädchen beschäftigt waren. Bei einem Tuchunternehmer begann die Arbeitszeit für die Knaben im Sommer um 5 Uhr und dauerte mit einer Stunde Mittag bis 16 Uhr. Billigere Arbeitskräfte konnten die Kapitalisten nicht bekommen, zumal sie strenger Aufsicht unterlagen. Aus einem anderen Arbeitshaus wird berichtet, dass sich hier „kleine Kinder befinden, welche außer den täglichen 6 Schulstunden wöchentlich bis 6 Stücke wollen Garn spinnen und dadurch ihre Kost ziemlich verdienen“.

Der Missbrauch von in Heimen untergebrachten Kinder und Jugendlichen als billige Arbeitskräfte war in kapitalistischen Ländern noch bis in die 1970er Jahre Usus.. Erst jetzt geht man daran dies aufzuarbeiten. Dabei relativiert man wieder und schwingt die antikommunistische Keule, indem man behauptet, dass es in der DDR auch so gewesen sei.

So sehr der preußische Absolutismus die Ziele des Adels vertrat, in einem Punkte stießen schließlich enge Junker- und weitere Staatsinteressen aufeinander. Durch das Bauernlegen verringerte sich sie Zahl der Höfe, die zur Kontribution verpflichtet waren. König Friedrich II. verbot nachdrücklich, weiterhin Bauernstellen zu beseitigen. Das Verbot erstreckte sich nicht auf den einzelnen Bauern, der nach wie vor von seinem Junker vertrieben werden konnte, wenn nur ein Ersatzmann seine Stelle einnahm. Außerdem verpachtete der König einen Teil der Domänen an Bauernfamilien, hob die Leibeigenschaft auf dem Domänenland auf und begrenzte hier die Zahl der Frontage von sechs auf drei Werktage. Davon versprach er sich zu Recht eine Steigerung der Produktion und damit ein Anwachsen der staatlichen Einkünfte. Auf Grund dieser Maßnahmen wurde seit eh und je behauptet, die Hohenzollern hätten sozial gedacht, das heißt, sie hätten es darauf abgesehen, Not und Elend der Bauernmassen zu lindern.

Die Staatseinnahmen Preußens, dessen Bevölkerung zwischen 1740 und 1789 von 2,5 auf 5,4 Millionen Menschen wuchs, stiegen von 7 auf 25 Millionen Taler; aber auch das Heer wurde in der gleichen Zeit um das Dreifache, auf über 200 000 Mann vermehrt. Die preußische Wirtschaftspolitik änderte nichts am Charakter des Staates. Preußen blieb ein absolutistisches und militaristisches Land. Auf den junkerlichen Gütern bestand die Leibeigenschaft weiter. Sie war neben dem Mangel an Kapital das entscheidende Hindernis für eine schnellere Entfaltung des Kapitalismus, der allerdings durch die wirtschaftlichen Maßnahmen einige Anstöße empfing.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die preußische Innenpolitik im Zeichen des Militarismus

Der preußische Militärstaat

Das Königreich Brandenburg-Preußen

Durch den Westfälischen Frieden hatte Brandenburg-Preußen besonders umfangreiche Erwerbungen erlangt. Seiher überragte es, neben den kaiserlich-habsburgischen Besitzungen, deutlich die Masse der mittleren und kleineren Territorien. Seit 1701 war Brandenburg-Preußen ein Königreich. Es bestand aus recht unterschiedlich entwickelten und weit auseinanderliegen Teilen. In den Kernprovinzen Brandenburg und Ostpreußen gab es nur wenige und zudem meist verarmte Städte. So besaßen die junkerlichen Gutsbesitzer das eindeutige Übergewicht gegenüber dem Bürgertum.

Brücke und Schlagbaum

Brücke und Schlagbaum. Erst wenn der „Brückenzoll“ entrichtet war, durften die Wagen der Kaufleute passieren.

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die oft zufälligen Erwerbungen räumlich miteinander zu verbinden und sie auch innerlich zusammenzuschweißen, das war das politische Hauptziel der preußischen Könige aus dem Geschlecht der Hohenzollern. Als Hauptmittel diente ihnen der Aufbau einer absolutistischen Herrschaft. Vor allem kam es ihnen darauf an, eine schlagkräftige Armee zu schaffen.

 

Der militaristische Charakter des preußischen Heeres

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, während der Regierungszeit König Friedrich Wilhelms I. (1713-1740), wurde das preußische Heer zu einem der stärksten in Europa. Die Soldaten waren in der Mehrzahl preußische Untertanen, die fast ausschließlich der Bauernklasse Ostelbiens entstammten. Die einzelnen Regimenter erhielten einen ständigen „Kanton“ zugeteilt, das heißt einen Bezirk, in dem sie ihre neuen Soldaten ausheben sollten. Hier wurden die Dienstpflichtigen schon mit dem 10. Lebensjahr listenmäßig erfasst. Das nur dünn bevölkerte Preußen konnte aber die Reihen des schnell wachsenden Heeres nicht füllen. Deswegen wurden preußische Offiziere als Werber in die benachbarten  Länder geschickt. Die brachten ihre Opfer oft nur mit List, Betrug oder gar Gewalt dazu, das Handgeld anzunehmen, wodurch diese sich zu lebenslangem Söldnerdienst verpflichteten.

Erlass der Regierung Hannovers

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Ein solches bunt zusammengewürfeltes Heer war nur mit brutalsten Mitteln zu dirigieren. Der Stock, der den Soldaten einbläute, dass die  Befehle ihrer Vorgesetzten blindlings zu befolgen hatten, kennzeichnete fortan die preußische Armee. In ihr herrschte schlimmster Kadavergehorsam, das heißt, die Soldaten sollten vollkommen willenlose Werkzeuge in der Hand ihrer Offiziere sein.

Strengste Disziplin, in jahrelangem Drill, bei ständig wiederholten Exerzierübungen anerzogen, erforderte auch die Kampfweise der Infanterie: In langen, aber nur drei Glieder tiefen Reihen(Linien)rückten die Fußtruppen im Marschschritt vor. Dabei sollten sie möglichst schnell und zur gleichen Zeit schießen. Zielen war sogar, um Zeit zu sparen, streng verboten. Mit den damaligen Gewehren, Vorderladern mit glatten Läufen, hätte es auch kaum etwas genützt. Es kam mehr auf die Wirkung des Salvenfeuers an. Die preußische Armee, die diese Kampfweise, die sogenannte Linientaktik, schließlich perfekt beherrschte, brachte es immerhin auf zwei bis drei Schuss in der Minute. Im Rücken der Soldaten folgten die Offiziere, die jeden Zurückweichenden mit dem Tode bedrohten.

Angesichts der ständigen Schikanen und entehrenden Strafen – mindestens Spießrutenlaufen, im Wiederholungsfalle der Tod durch den Strang. Dennoch desertierten in jedem Jahr Hunderte.

Anordnung des preußischen Königs gegen Fluchtversuche von Soldaten

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Im preußischen Heer nahmen fast ausschließlich Adlige die Offiziersstellen ein. Dadurch unterstanden die Junker der Befehlsgewalt des Königs. Zugleich erwies sich die Armee für sie als Quelle unmittelbarer Bereicherung. Hierbei ging es nicht allein um die Besoldung der Offiziersstellen, sondern vor allen Dingen um die sogenannte Kompaniewirtschaft. Die Kompaniechefs empfingen für die Kosten der Ausrüstung und Verpflegung und des Soldes eine feste Geldsumme, über die sie allein verfügten. Dabei suchten sie Ausgaben zu sparen, wo sie nur konnten. Immer mehr Monate jährlich wurden Soldaten beurlaubt. Lediglich im Frühsommer mussten alle zum Exerzieren anwesend sein. Die Junker zogen daraus einen doppelten Vorteil: Sie sparten für diese Zeit den Sold und bekamen für die Feldarbeiten auf ihren Gütern die dringend benötigten Arbeitskräfte, die obendrein der militärischen Disziplin unterlagen. Die „Ausländer“, die angesichts der langen Dienstzeit oft verheiratet waren, blieben zumeist in ihren Garnisonstädten und verrichteten mit ihren Frauen und Kindern gewerbliche Arbeiten, da ihr kärglicher Sold nicht zum Lebensunterhalt ausreichte.

Stärke der Armeen 1740

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

In Preußen kostete das Heer um 1740 8 bis 9 Zehntel aller Staatsausgaben. Damals stand das Land der Bevölkerung nach in Europa an 13., der Fläche nach an 10.,der Heeresstärke nach aber an 4. Stelle! So hieß es zu Recht, Preußen sei nicht ein Land mit einem Heer, sondern ein Heer mit einem Land.

Die Zustände im preußischen Heer und seine überragende Stellung im preußischen Staat sich wichtige Merkmale des Militarismus.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

 

Der preußische Militärstaat

 

 

 

Glanz und Elend unter dem landesfürstlichen Absolutismus

Das prunkvolle Leben der Fürsten

Kein Fürst, so klein sein Ländchen auch sein mochte, wollte in Prunk und Luxus hinter seinen Nachbarn zurückbleiben. Besonders prächtig ging es in Dresden zu, wo um 1700 August der Starke als Kurfürst von Sachsen regierte.

Sachsen war eines der am weitesten entwickelten Länder. Handwerk, Handel und vor allem der Silberbergbau des Erzgebirges brachten beachtliche wirtschaftliche Erfolge. Leipzig wurde durch seine Messen zu einem führenden Handelszentrum Deutschlands.

Am Hofe der Kurfürsten wimmelte es von Adligen, die hier als Minister, Generale, Kammerherren, Hofdamen oder auch nur als Gäste des Herrschers lebten. Tausende von Kammerdienern, Zofen, Friseuren, Köchen, Kutschern, Pferdeknechten, Leibjägern, Türhütern, Leibärzten, Tanzmeistern und Musikern bedienten und unterhielten die adligen Müßiggänger. Im kurfürstlichen Schloss in Dresden, im Lustschloss Pillnitz oder im Jagdschloss Moritzburg folgte ein Vergnügen dem anderen. Schon in den frühen Nachmittagsstunden drängten sich die Gäste in den Sälen. Sie tafelten, tanzten und spielten Karten. Bis tief in die Nacht dauerten die Feste.

Über Feste anlässlich neuvermählter Kronprinzessin

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Um seinen Reichtum und seine Großzügigkeit zu zeigen, ließ August der Starke Sänger, Schauspieler und Musiker aus Italien herbeiholen. Die Aufführung einer Oper kostete bisweilen Zehntausende Goldstücke. Manchmal veranstaltete der Kurfürst Jagden. Doch vielen der verwöhnten Adligen war eine richtige Jagd zu beschwerlich. Sie fanden es vergnüglicher, die von Jägern und Bauern in ein sicheres Gehege getriebenen Tiere ohne jede Anstrengung abzuschießen. Bei Wasserfesten, die auf dem Teich vor der Moritzburg abgehalten wurden, fanden Ruderrennen und kostspielige Feuerwerke statt.

 

Die Errichtung prächtiger Bauten

Die Fürsten setzten allen Ehrgeiz daran, ihre Residenzstädte mit neuen Schlössern und Parks auszustatten und auf dem Lande kleinere, aber ebenfalls prunkvolle Schlossbauten errichten zu lassen. Als Vorbild diente zumeist das Schloss Ludwigs XIV. in Versailles. Bisweilen gründeten die Fürsten völlig neue Städte, in denen sie unabhängig von bereits bestehenden Bauten ihr Schloss als Mittelpunkt der Stadt errichteten und damit eine zentrale Stellung im Staat zum Ausdruck bringen konnten. Karlsruhe, Mannheim, Oranienbaum bei Dessau und Ludwigslust sind solche absolutistischen Stadtanlagen.

Das verschwenderische Hofleben an den fürstlichen Residenzen kommt auch im Baustil des 17. Und 18. Jahrhunderts zum Ausdruck. Seine schwungvolle, wuchtig überladene Formenwelt wird als Barock bezeichnet. (Das Wort Barock kommt von dem portugiesischen Wort barocco, das heiß unregelmäßige Perle. Es wurde zuerst im Französischen als Stilbezeichnung verwendet.)

Karlsruhe im Jahre 1742

Karlsruhe im Jahre 1742

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

In dem Maße, wie sich das Leben am Hofe immer mehr nach französischem Vorbild „verfeinerte“, verwandelte sich der Baustil in das zierliche, verspielte Rokoko. (Das Wort Rokoko kommt aus dem französischen Wort rocaille, das man mit Muschelwerk übersetzt.)

Die Baumeister legten die Schlossbauten meist systematisch an. Sämtliche Zimmer lagen in einer geraden Achse, so dass der Schlossherr bei geöffneten Türen alle Räume übersehen konnte. Eine besondere Leistung des deutschen Schlossbaues waren die großen prächtig gestalteten Treppenhäuser. Weit über das notwendige Maß hinaus wurden raumverschwendende Treppenhallen gebaut und mit Figuren und Deckengemälden geschmückt. Baumeister, Bildhauer und Maler mussten eng zusammenarbeiten, um eine einheitliche Raumwirkung zu erreichen. Auch die Gärten waren streng geometrisch gestaltet; Bäume, Büsche und Hecken wurden künstlich zurechtgestutzt. Selbst die Natur sollte sich dem Willen des Herrschers beugen. Den Untertanen war der Zutritt zu den fürstlichen Schlössern und Gärten auf das strengste untersagt.

Berliner Zeughaus

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Treppenhaus im Würzburger Schloss

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

In Dresden schuf der Baumeister Pöppelmann im Auftrage Augusts des Starken von 1711 bis 1728 den weltbekannten Zwinger.  Mit seinen Pavillons und Galerien dienste dieses Kleinod barocker Baukunst der Hofgesellschaft als Ort für manigfaltige Lustbarkeiten.

Für den preußischen König Friedrich II. erbaute Knobelsdorff einen Sommersitz in Potsdam. Aus einer Skizze des Königs entwickelte der Baumeister den langestreckten, eingeschossigen Bau von Sanssouci. (Das Wort Sanssouci kommt aus dem Französischen und heißt „Ohne Sorge“.) Das in den Jahren 1745 bis 1747 errichtete Schlösschen war den persönlichen Wünschen und Neigungen der Königs angepasst. Ranken, Muschelwerk und zierliches Geschnörkel an Decken und Wänden, Seidentapeten und spiegelbesetzte Wandflächen sich Merkmale des hier angewendeten Rokokostils.

Konzertsaal Schloss SanssouciBildunterschrift Konzertsaal Schloss Sanssouci

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Bibliothek Schloss Sanssouci

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Schloss Sanssouci

Schloss Sanssouci

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Der Zwinger in Dresden

Der Zwinger in Dresden

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Diese und die anderen Bauwerke des Barock und Rokoko sollten in beeindruckender Weise durch Entfaltung von Prunk und Pracht, die Macht des absolutistischen Landesherrn zeigen. Sie sind uns wertvolle Zeugnisse der Schöpferkraft des Volkes, mit dessen Geldern und Arbeitsleistungen sie errichtet wurden. Baumeister, Künstler und Hunderte Handwerker und Arbeiter arbeiteten jahrelang an ihnen. Diese Bauten, soweit sie auf dem Gebiet der DDR standen, zählten zu den kostbarsten Schätzen der Nationalkultur der DDR und standen allen Werktätigen(arbeitenden Menschen) zur Erholung und kulturellen Bildung offen. Nach 1990 haben das die Neu-Bundesländer oder Stiftungen übernommen.

Bereits in der DDR wurde jährlich viel Geld aufgewandt, um  die historischen Bauten und Anlagen zu pflegen und die Schäden, die vor allem durch den Zweiten Weltkrieg entstanden waren, endgültig zu überwinden. Allein der Wiederaufbau des Zwingers, der 1945, also bereits vor Gründung der DDR, sofort begann und 1964 abgeschlossen wurde, kostete 12 Millionen Mark.

 

Die Belastung der Volksmassen

Die Errichtung des landesfürstlichen Absolutismus war untrennbar mit einem höheren Geldbedarf verbunden. Die Aufwendungen für Hofhaltung und Bauten, für Beamte und Heer ließen die Ausgaben sprunghaft ansteigen. Deshalb führten die Fürsten jetzt endgültig die Steuer ein, die jeder Untertan dem Staat zu zahlen hatte, sofern er nicht von ihr befreit war. Dabei waren direkte und indirekte Steuern zu unterscheiden: Die direkte Steuer musste je nach Grundbesitz oder anderem Vermögen in bar entrichtet werden. Die indirekte Steuer  erhob der Staat vor allem auf Verbrauch von Lebensmitteln und Rohstoffen aller Art. Sie wurde in unterschiedlicher Höhe dem Warenpreis zugeschlagen und dann beim Kauf vom Verbraucher bezahlt.  Das kennen wir heutzutage auch. Z.B. die Mehrwertsteuer ist eine indirekte Steuer von heute.

Da die Steuersätze im allgemeinen allmählich, aber stetig anwuchsen, umfassten die Steuern einen immer größeren Teil des Einkommens. Auf dem Lande übertrafen sie bereits die Summe der alten Feudallasten. Zugute aber kamen diese Gelder allen Angehörigen der Feudalklasse, die als Beamte oder Offiziere im Dienste des Fürstenstaates standen.

Die Landesfürsten steigerten Zahl und Höhe der Zölle weiter, um ihre Einnahmen schnell zu vermehren. An Brücken, Kanälen, Straßenkreuzungen, Stadttoren, in Häfen und Grenzorten wurden die Handelswaren mit Zöllen belegt. Das behinderte den Handel auf das schwerste. Die Vielzahl der Zölle, die es in Deutschland gab, verteuerte die Waren übermäßig.

Die Fürstenstaaten hatten aber nicht bloß unterschiedliche Zollsätze, sondern rechneten auch mit verschiedenartigen Münzen, Maßen und Gewichten. Unter diesen Umständen konnte sich kein geschlossenes deutsches Wirtschaftsgebiet herausbilden. Der landesfürstliche Absolutismus verzögerte damit die Entwicklung der kapitalistischen Wirtschaft und die Herausbildung eines bürgerlichen deutschen Nationalstaates weiterhin.

Münzen in Deutschland im 18. und 19. Jahrhundert

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Da die Einnahmen noch immer nicht ausreichten, griffen die Fürsten zu den verwerflichsten Mitteln. Sie verbündeten sich mit den großen auswärtigen Mächten und stellten ihnen für deren Kriege Soldaten zur Verfügung, nur um Hilfsgelder, Subsidien genannt, zu erlangen.

Ihre furchtbarste Steigerung erfuhr diese Politik während des amerikanischen Unabhängigkeitskrieges. Damals verkauften deutsche Fürsten ihre „Landeskinder“ wie Schlachtvieh dem englischen König. Innerhalb von fünf Jahren wurden 33 000 Soldaten verschachert.

Der Menschenhandel rief weithin Abscheu und Verachtung hervor. Seine Hintergründe schilderte Friedrich Schiller ergreifend in seinem Trauerspiel „Kabale und Liebe“.

Mit Gut und Blut bezahlte das deutsche Volk das Wohlleben einer großen Schar absolutistischer Herrscher, die sich heuchlerisch als seine „Landesväter“ ausgab, und ihrer adligen Schmarotzer.

In der alten BRD und zum Teil noch heute ,nennt man scherzhaft die jeweiligen Ministerpräsidenten der Bundesländer „Landesvater“. Zwischenzeitlich gibt es auch Ministerpräsidentinnen. Diese als „Landesmutter“ zu bezeichnen, klingt seltsam. Darum hat sich diese scherzhafte Bezeichnung der Ministerpräsidenten verloren. Vermutlich hat sie ihren Ursprung in der Zeit des Absolutismus.

Punkte aus Vertrag zwischen England und Fürst von Waldeck 20.04.1776

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Glanz und Elend unter dem landesfürstlichen Absolutismus

Die Besonderheiten des Absolutismus in Deutschland

Ohnmacht und Schwäche von Kaiser und Reich

Der Westfälische Friede besiegelte die Zersplitterung Deutschlands in etwa 350 Fürstentümer und weit über 1000 kleinste Herrschaften, Reichsstädte und Reichsdörfer. In keinem anderen Lande Europas gab es eine solche unbeschreibliche Zerrissenheit. Der Kaiser, dem Namen nach Reichsoberhaupt, besaß nur noch wenige Befugnisse. Zum Beispiel konnte er in den Adelsstand erheben. Im Reich verfügte er aber über keinerlei Regierungsorgane oder nur ihm verpflichtete Truppen. Da es keine Reichssteuern gab, hätte er die Soldaten und Beamten auch gar nicht bezahlen können.

Klassen und Schichten in Deutschland während des 18. Jahrhunderts

Klassen und Schichten in Deutschland während des 18. Jahrhunderts

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Einschätzung des Reiches durch Samuel Pufendorf

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die einzige Einrichtung, die alle Reichsglieder umfasste und noch notdürftig zusammenhielt, war der Reichstag. Seit 1663 tagte er als „Immerwährender Reichstag“ in Regensburg, das heißt, die Gesandten der Fürsten und Reichsstädte blieben ständig zusammen. Dennoch war der Reichstag beinahe bedeutungslos. Ein Beschluss kam nur zustande, wenn der Kaiser und die drei Kurien(Gruppen) des Reichstages übereinstimmten. Das gab es aber höchst selten, und auch dann blieb es den Fürsten überlassen, ob oder wie sie den Beschluss in ihrem Lande durchführten. Die Schaffung einer starken Zentralgewalt war von einem solchen Reichsorgan deshalb nicht zu erwarten, weil es fast vollständig in der Hand der Partikulargewalten(Gewalten der Teilstaaten)lag.

 

Der Absolutismus in den deutschen Fürstentümern

Während in Frankreich und Russland der Absolutismus die Herausbildung eines starken Nationalstaates förderte, konnte auf Grund der Zersplitterung des Reiches und der Ohnmacht des Kaisers in Deutschland kein nationalstaatlicher Absolutismus entstehen. Hier verfügten nur die Fürsten über genügend Machtmittel, um in ihren Gebieten eine absolute Herrschaft zu errichten. Wir sprechen deshalb vom landesfürstlichen Absolutismus in Deutschland. Durch ihn wurde die politische Zersplitterung erneut vertieft.

Einen wesentlichen Anreiz zur Errichtung der absolutistischen Herrschaft übte das französische Vorbild aus. Die einzelnen deutschen Fürsten strebten danach, es Ludwig XIV. gleichzutun. Sie wollten eine solche überragende Machtstellung wie er einnehmen und eine ähnliche prunkhafte Hofhaltung führen. Selbst kleine, unbedeutende Landesherren eiferten dem bewunderten Vorbild nach, riefen aber oft mehr Spott als Achtung hervor.

In den meisten Territorien war  das Bürgertum wirtschaftlich nicht so kräftig, dass es dem absoluten Herrscher als Stütze hätte dienen können, wie das anfangs in Frankreich geschah. So beruhte der landesfürstliche Absolutismus vor allem auf dem Bunde des Fürsten mit Teilen des wirtschaftlich erstarkten Adels. Auch dadurch besaß er von vornherein einen betont reaktionären Charakter.

Bei der Herausbildung des Absolutismus büßte der Adel weitgehend seine politische Selbstständigkeit ein und musste sich der fürstlichen Gewalt fügen. Doch vermochte der absolutistische Landesfürst mit seinen staatlichen Machtmitteln das feudale Eigentum gegen drohende Aufstände, wie sie hier und da bereits ausgebrochen waren, weit besser zu schützen, als das dem einzelnen Adligen jemals möglich war. Der landesfürstliche Absolutismus diente der Sicherung der feudalen Klassenherrschaft.

Aufbau des Territorialstaates

Der Aufbau eines Territorialstaates

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Verwaltung und Heer im Dienste der absoluten Fürsten

In den absolutistischen Fürstentümern lag überwiegend die Staatsgewalt in den Händen des Herrschers. Er entschied alle wichtigen Fragen der Politik und Verwaltung in seinem „Kabinett“, nur umgeben von wenigen „geheimen Räten“. Beamtentum und stehendes Heer waren die hauptsächlichen Machtmittel des absolutistischen Fürsten. Die Verwaltungsbehörden mussten seine Weisungen strikt ausführen. Den Städten wurde beinahe jede Selbstverwaltung genommen. In ihnen hatten allein die fürstlichen Beamten Befehlsgewalt. Hohe Beamte waren zumeist Adlige. Bürger zog man nur für solche Posten heran, die besondere Kenntnisse oder, wie in der Finanzverwaltung, persönlichen Reichtum erforderten. An den Höfen selbst gab es oft Hunderte von Stellen, deren Inhaber keine nützlichen Tätigkeiten verrichteten, aber doch bezahlt wurden. Auf diese Weise erhielt der Adel einen hohen Anteil an Staatsgeldern.

Nach dem Dreißigjährigen Krieg war es auch in den deutschen Territorien üblich geworden, dass die Heere ständig unter Waffen blieben. Die Macht der Fürsten wurde an der Größe ihrer stehenden Heere gemessen. Viele kleine Fürsten hatten aber nur wenige Tausend, oft bloß einige Hunderte Soldaten, denen angesichts der übermächtigen Nachbarstaaten kaum militärische Bedeutung zukam. Mit ihren bunten Uniformen, ihren Wachaufzügen und Manövern gehörten sei zum Bilde des Lebens am Fürstenhofe. Freilich sollten sie auch die Untertanen einschüchtern und konnten notfalls kleinere Empörungen verhindern. Außerdem erzielte der Adel auch hier seine Einkünfte, da die meisten Offiziere aus dieser Klasse stammten.

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

 

Die Besonderheiten des Absolutismus in Deutschland

 

 

 

Russland als absolutistischer Staat

Die Reform der Verwaltung

Um Russland in seiner Entwicklung rasch voranzubringen, begann Peter, auf den verschiedensten Gebieten der Staatsverwaltung, der  Wirtschaft und Armee längst notwendige Reformen durchzuführen. In zwei Etappen wurde die staatliche Verwaltung umgestaltet. An die Stelle der alten Bojarenduma, einer aus hohen Adligen bestehenden beratenden Körperschaft, trat als neue oberste Staatsbehörde der Regierende Senat. Während die Mitglieder des Regierenden Senats nur unter dem Gesichtspunkt, was sie leisten konnten, wie sie dem Staat diensten, vom Zaren berufen wurden, waren die Mitglieder der alten Bojarenduma nach ihrer Herkunft benannt worden. Dadurch festigte der Zar zwar seine absolute Macht außerordentlich. Die alten, von den Bojaren geleiteten schwerfälligen Verwaltungseinrichtungen ersetzte Peter I. durch neue zentrale Stellen. Deren Aufgaben waren klar voneinander abgegrenzt. Sie verwalteten solche Bereiche wie Industrie, Finanzen, Justiz, Handel, Außenpolitik, Armee und Flotte. Ihre Zuständigkeit erstreckte sich für einen dieser Arbeitsbereiche jeweils für das ganze Land. In vielem ähnelten diese sogenannten Kollegien dem, was wir heute unter einem Ministerium verstehen.

Zu den Reformen der Staatlichen Verwaltung gehörte auch eine gebietsmäßige Neugliederung Russlands in acht Gouvernements. Das Wort Gouvernement heißt übersetzt Verwaltungsbezirk. An der Spitze jedes dieser Gouvernements stand eine Gouverneur, der alle militärischen und politischen Vollmachten besaß und auch die Finanzen verwaltete. Später wurden an ihrer Stelle 50 Provinzen geschaffen.

Peter I. unterstellte die Kirche dem Staat. Er schaffte die bisherige oberste Leitung der Kirche, das sogenannte Patriachat, ab, und schuf dafür eine Leitung, deren Mitglieder er selbst ernannte. Auch diese Maßnahme diente ebenso wie eine teilweise Enteignung des sehr umfangreichen Kirchenbesitzes dazu, die Macht des Zaren zu stärken, den Absolutismus im Russland durchzusetzen. So schuf Peter I. Eine straff zentralisierte Staatsmacht, die die Interessen des Adels und der Kaufleute vertrat. Auf Außenpolitischem Gebiet gelang es Russland in dieser zeit, die Zugänge zum Asowschen Meer und zur Ostsee zu erkämpfen. Eine mächtige Kriegsflotte und ein schlagkräftiges Heer entstanden. Das Heer zählte allein 130 000 Soldaten der Feldarmee, darüber hinaus noch Kosaken und andere Verbände. Peter I. baute die Armee und die Kriegsflotte als Instrument des absolutistischen Staates nach damals modernen Gesichtspunkten auf. Er führte eine Dienstordnung ein, schuf besonders gut ausgebildete Graderegimenter, ließ zahlreiche militärische Lehranstalten einrichten und stellte vor allem an die Offiziere hohe Forderungen.

Das russische Reich zur Zeit Peters I.

Das russische Reich zur Zeit Peters I.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Wirtschaftliche und kulturelle Fortschritte

Besonders große Anstrengungen waren auf wirtschaftlichem Gebiet notwendig, um die Rückständigkeit des Landes zu überwinden. Dazu mussten zahlreiche neue Manufakturen entstehen.

Während der Regierungszeit Peters I. stieg die Zahl der Manufakturen in Russland von 21 auf rund 200. Er ließ auch auf Staatskosten Manufakturen errichten, die später mit besonderen Vorrechten in die Hände von Privatpersonen übergingen. Um den Manufakturen die benötigten Arbeitskräfte zu sichern, gestattete der Staat den Besitzern der Manufakturen, leibeigene Bauern für die Betriebe zu kaufen. Eine leistungsfähige Eisenindustrie, die mit Leibeigenen arbeitete, entstand im Ural. Damals übertraf sie sogar das englische Eisenhüttenwesen.

Zur Wirtschaftspolitik Peters gehörten auch Maßnahmen zum Schutze des Handels und zur Förderung des Exports. Der Staat belegte solche ausländischen Waren, die in Russland hergestellt werden konnten, mit hohen Zöllen.

Schiffswerft zur Zeit Peters I.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Auch auf dem Gebiet der Kultur macht Russland unter der Regierung Peters I. große Fortschritte. Zahlreiche allgemeinbildende Schulen, technische und andere Lehranstalten entstanden. Peter bereitete die Gründung einer Akademie der Wissenschaften vor, die aber erst kurz nach seinem Tode 1725 in  St. Petersburg eröffnet werden konnte. Wissenschaft, Kunst und Technik erlebten in Russland einen beachtlichen Aufschwung.

Im Jahre 1703 gründete Peter I. an der Mündung der Newa die Stadt St. Petersburg. Das Geschichtsbuch der DDR lässt das „St.“ Weg und schreibt, dass die Stadt nach Peter I. den Namen Petersburg bekommen hat. Es gibt Quellen, u.a. Wikipedia, die besagen, dass St. Petersburg  nicht nach Peter I., sondern nach seinem Schutzheiligen, dem Apostel Simon Petrus, benannt wurde.

Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs wurde am 18. August 1914 der deutsche Name zu Petrograd – wörtlich „Peterstadt“ – russifiziert. Nach Lenins Tod 1924 wurde die Stadt am 26. Januar 1924 in Leningrad umbenannt. Dies geschah auf Antrag der damaligen Petrograder Parteiführung und nach deren Angaben auf Wunsch der Arbeiter, die Lenins Tod betrauerten.

Nach dem Zerfall der Sowjetunion führte eine Volksabstimmung 1991 zu einer knappen Mehrheit zugunsten der Rückbenennung in Sankt Petersburg. Der Erlass vom 6. September 1991 vollzog diesen Wählerwillen. Gleichzeitig wurden viele Straßen, Brücken, Metro-Stationen und Parks wieder rückbenannt. Im Zusammenhang mit historischen Ereignissen wird nach wie vor der zum Ereignis „passende“ Name genutzt, zum Beispiel „Heldenstadt Leningrad“ beim Gedenken an den Deutsch-Sowjetischen Krieg von 1941 bis 1945, der in Russland „Großer Vaterländischer Krieg“ (Великая Отечественная война/Welikaja Otetschestwennaja woina) genannt wird.

Das umliegende Verwaltungsgebiet (föderative Einheit) Oblast Leningrad (russ. Leningradskaja Oblast) behielt nach einem Beschluss des dortigen Gebietssowjets den alten Namen.

Bald entwickelte sich diese Stadt zu einem bedeutenden Kulturzentrum Russlands. Im Jahre 1712 überführte Peter den Zarenhof aus Moskau nach St. Petersburg und machte diese neue Stadt damit zur Hauptstadt des russischen Reiches. St. Petersburg spielte nach dem Willen Peters die Rolle eines „Fensters nach Europa“. Zur Sicherheit der Stadt ließ der Zar auf der Insel Kotlin die Festung Kronstadt errichten. Handel und Industrie blühten auf, zahlreiche ausländische Schiffe kamen nach St. Petersburg, und öfter als früher fuhren russische Kaufleute über die Meere. Die Folge aller dieser Maßnahmen war, dass sich das Tempo der wirtschaftlichen und kulturellen Entwicklung Russlands beschleunigte.

Roter Platz in Moskau

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Veränderungen in der Gesellschaft

In der Zusammensetzung des russischen Volkes gingen tiefgreifende Veränderungen vor sich. Neben den Gutsbesitzern entwickelten sich als neue Ausbeuter die Manufakturbesitzer, reichen Kaufleute und Oberschichten von Handwerkern, außer den leibeigenen Bauern gab es auch schon Arbeitsleute, die in den Manufakturen beschäftigt waren. Die Wirtschafts- und Finanzpolitik des Russischen Reiches orientierte sich auf die Oberschichten des Adels und der Kaufleute, während sich die Ausbeutung und Unterdrückung der Volksmassen weiter verschärfte.

Der Zar führte immer neue Steuern ein, zum Beispiel Kopf-, Salz-, Mühlen-, Bade- und Tabaksteuern. Damit steigerte er seine Einnahmen. Diese benötigte er, um die weitgespannten wirtschaftlichen, militärischen und kulturellen Pläne zu verwirklichen.

Ausdruck dieser verschärften Ausbeutung der armen Schichten in den Städten und der Bauern waren Aufstände in Astrachan(1705-1711). Der absolutistische Staat Zar Peters I. antwortete darauf, indem er die arbeitenden Menschen noch schärfer in das Joch der Leibeigenschaft zwang, ihnen noch höhere Abgaben abforderte, Strafabteilungen gegen sie entsandte und sogar russische Dörfer zerstörte.

Dies zeigt, welche Klasseninteressen Peter I. vertrat.

 

Moskauer Bojaren

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Russischer Bauer in Winterkleidung

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Bedeutung Peters I.

In den dreieinhalb Jahrzehnten seiner Regierungszeit gelang es Peter I. natürlich nicht, die seit Jahrhunderten währende Rückständigkeit zu überwinden. Seine Reformen bildeten jedoch einen wichtigen Wendepunkt in der russischen Geschichte.

Peter I. schuf, gestützt auf wohlhabende Kaufleute und Handwerker in den Städten und auf große Teile des Adels, ein absolutistisch regiertes Reich. Unter ihm wurde Russland zu einer europäischen Großmacht, die auch von den anderen Staaten anerkannt wurde und zunehmendes Ansehen in Europa genoss.

Leibnitz zu Peter I.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Russland als absolutistischer Staat