Der antifaschistische Widerstandskampf bis zur Brüsseler Parteikonferenz der KPD

Die neuen Aufgaben und Methoden im illegalen Kampf der KPD. Der Reichtagsbrandprozess

Mit der Errichtung der faschistischen Diktatur, die die Vernichtung der organisierten Arbeiterbewegung und die Verfolgung aller friedliebenden und demokratischen Kräfte zu ihrem Programm gemacht hatte, entstand eine neue Lage. Die Aufgabe, diese neue Situation einzuschätzen und die sich daraus ergebenden Aufgaben festzulegen, verwirklichte das Zentralkomitee der KPD am 07. Februar 1933 auf einer Tagung im Sporthaus Ziegenhals in Zeuthen bei Berlin.

Die etwas 40 Teilnehmer der illegalen Beratung wurden unter Beachtung umfangreicher Sicherungsmaßnahmen zum Tagungsort geleitet. Von verschiedenen Treffpunkten in Berlin wurden sie zur Treptower Sternwarte geführt. Von dort aus wurden sie als Angehörige eines Sportvereins zum Tagungsort gefahren. Die Tagung wurde von drei Gruppen zuverlässiger Genossen abgesichert. Boote standen bereit, um bei Gefahr die Tagungsmitglieder über den See in Sicherheit bringen zu können.

Das Referat auf dieser Tagung hielt Ernst Thälmann. Er charakterisierte die Hitlerregierung als die offene faschistische Diktatur, als die Regierung der Monopole und Junker, als Regierung des Terrors und des imperialistischen Krieges.

Gegen diese Regierung musste, wie er sagte, der Massenkampf der Arbeiter organisiert werden. Dazu war die Ausarbeitung konkreter Forderungen, wie die Sicherung des Lohnes, der Arbeitszeit und des Arbeitsplatzes, Verteidigung der demokratischen Rechte im Betrieb, notwendig, um die Arbeiterklasse einheitlich in den Kampf führen zu können.

aus Rede Ernst Thälmanns 07.02.1933Quellenangabe- Aus Rede Thälmanns

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Diese Tagung des Zentralkomitees der KPD in Ziegenhals war die letzte, auf der Ernst Thälmann vor den Mitgliedern des Zentralkomitees und anderen leitenden Funktionären sprach.

Die so in den Betrieben und Wohngebieten entstehenden KPD-Organisationen suchten alle Mittel auszunutzen, um die Rechte und Interessen der Werktätigen (Erwerbstätigen) zu verteidigen. Erste kurze Streiks flammten auf.

Im Zeiss-Metallwerk in Bad Kreuznach (Leider ist mir nichts darüber bekannt. Wenn das Haus der Stadtgeschichte endlich fertig ist, werde ich dort nachfragen. P.R.) wurde damit die Freilassung eines von den Nazis verhafteten Betriebsrates erzwungen. Im Autoreparaturwerk Pike (Stuttgart), im Betrieb Phönix (Düsseldorf), in der Firma Plumacher (Solingen) und anderen wurde durch Aktionen der Arbeiter ein Lohnabbau verhindert.

In den Wohngebieten entwickelte sich die solidarische Hilfe für die Familien der Opfer der faschistischen Terrorherrschaft.

Aus Bericht von Eva Lippold

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Zum Reichstagsbrandprozess, siehe Beitrag Das heldenmütige Auftreten Georgi Dimitroffs im Reichstagsbrandprozess

siehe entsprechenden Beitrag und die Personenbeschreibung Georgi Dimitroffs

Fotomontage von John Hartfield

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Demonstration in London für die Befreiung Dimitroffs und Thälmanns

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Mit dem Freispruch Dimitroffs und der mitangeklagten Kommunisten mussten die Faschisten eine empfindliche Niederlage einstecken. Um Dimitroff und seine Genossen vor der Rache der Faschisten zu retten, verlieh ihnen die Sowjetregierung die sowjetische Staatsbürgerschaft und forderte ihre unverzügliche Freilassung. Am Abend des 27. Februar 1934 trafen Dimitroff, Popoff und Taneff in Moskau ein.

 

Im Kampf um die antifaschistische Einheits- und Volksfron

Im zweiten Halbjahr 1934 und im ersten Halbjahr 1935 konnten die antifaschistischen Kräfte, an deren Spitze die KPD stand, in ihrem Kampf um den Zusammenschluss aller Arbeiter in einer antifaschistischen Einheitsfront und die Gewinnung antifaschistischer Kräfte der verschiedensten Klassen und Schichten, für eine antifaschistische Volksfront erste Erfolge erzielen

Ein Beispiel hierfür waren die Aktionen während der Wahlen zu den Vertrauensräten in den Betrieben am 11./12. April 1935. Entsprechend dem Vorschlag des Zentralkomitees der KPD traten Vertreter der KPD an den Vorstand der Sozialdemokratie in Prag heran und schlugen diesem das gemeinsame Vorgehen von Kommunisten und Sozialdemokraten bei den Wahlen vor. Gemeinsam sollte versucht werden, ehemalige Gewerkschafter, Antifaschisten, in die Vertrauensräte hineinzubringen, um dann diese Positionen im Kampf gegen den Faschismus auszunutzen. Obwohl der sozialdemokratische Parteivorstand diese Vorschläge ablehnte, hatte der Kampf der KPD und anderer Antifaschisten zur Folge, dass über 25 Prozent der Wahlberechtigten sich gegen die Nazikandidaten aussprachen. Im Sommer 1935 kam es in einer ganzen Anzahl von Betrieben, insbesondere im Ruhrgebiet, auf Autobahn- und Rüstungsbaustellen, zu verschiedenartigen Protestaktionen, die mitunter den Charakter von kleinen Streiks annahmen. Derartige Aktionen fanden auf mehreren Zechen des Ruhrgebietes, auf den Werften in Bremen und Hamburg, im Gaswerk Berlin-Köpenick, in der Rüttgerswerke AG in Berlin-Tempelhof und in einigen Werken der Röchlingschen Eisen- und Stahlwerke GmbH und anderen Betrieben statt

Im Verlauf dieser und anderer antifaschistischer Kampfaktionen kam es in verschiedenen Orten und Betreiben, trotz des Widerstandes einiger sozialdemokratischer Führer, zu gemeinsamem Vorgehen von Kommunisten und Sozialdemokraten und zum Abschluss von Einheitsfrontabkommen. So kam es in Dortmund, Mittel- und Oberbaden, im Bezirk Berlin-Brandenburg und in Schlesien zu gemeinsamen Aktionen von kommunistischen und sozialdemokratischen Arbeitern.

Antifaschisten, die von Nazis ermordet wurden

Antifaschisten, die von den Nazis ermordet wurden: Hans Litten, Erich Mühsam, Walter Stoecker, Fiete Schulze

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Aus EinheitsfrontabkommenQuellenangabe- aus Einheitsfrontabkommen

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR, Stand 1982

 

Ein bedeutsamer Faktor in diesem Kampf war die Herausgabe und Verbreitung antifaschistischer Literatur. So erschien in diesen ersten Jahren des antifaschistischen Kampfes die „Rote Fahne“ dreimal monatlich mit je 60 000 Exemplaren. Diese Zahl steht stellvertretend für das große Heer der Helfer, deren aufopferungsvolle Arbeit, Findigkeit, Mut und revolutionäre Hingabe notwendig waren, um das Erscheinen des Zentralorgans der KPD zu sichern. Unter großen Schwierigkeiten erschienen auch Bezirkszeitungen der KPD, wie das „Ruhr-Echo“, „Thüringer Volksblatt“ sowie das illegale Organ des Kommunistischen Jugendverbandes „Die Junge Garde“. Chefredakteur dieser Zeitung war Paul Verner. Die Zeitung des KJVD widerspiegelte den Anteil der Jugend im antifaschistischen Widerstandskampf. Als Funktionär im Saargebiet, an der Ruhr und in Berlin organisierte Erich Honecker in verschiedenen Gebieten Deutschlands den Kampf der Jugend gegen den Faschismus. Die Faschisten verurteilten ihn dafür 1937 zu einer zehnjährigen Zuchthausstrafe.

 


 

Nach dem Sieg der Konterrevolution und der Annexion der DDR durch die BRD, saß Honecker erneut im Gefängnis. Helmut Kohl war immer noch Bundeskanzler. Einstmals war Erich Honecker dessen Staatsgast.

Erich Honecker besucht die BRD Kopie

Entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 8. Klasse, Stand 1988

 

Siehe auch Beitrag: Der Staatsrat der DDR

 


 

In diesem Kampf brachte die KPD die größten Blutopfer. So waren von Januar 1933 bis Mitte 1935 von 422 führenden Funktionären der KPD 219 verhaftet und verurteilt, 24 bereits ermordet worden.

Trotz des Terrors, unter unsäglichen Schwierigkeiten, vermochte es die KPD bis Mitte 1935 ihre Reihen zu festigen und als politisch führende Kraft den Widerstand zu organisieren.

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Antifaschistischer Widerstandskämpfer bis Brüsseler Konferenz der KPD

 

 

Der VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale

Der VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale tagte vom 25. Juli bis zum 20. August 1935 im Säulensaal des Moskauer Gewerkschaftshauses. Zu dieser Zeit waren 76 Parteien der Kommunistischen Internationale (siehe Gründung Kommunistische Internationale) angeschlossen.

Haus der Gewerkschaften in Moskau

Haus der Gewerkschaften in Moskau

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

50 dieser Parteien mussten zur Zeit des Kongresses ihren Kampf illegal führen. Das bewies deutlich die schweren Kampfbedingungen für die internationale Arbeiterbewegung. Auf dem Kongress berieten 371 Delegierte mit beschließender und 139 Delegierte mit beratender Stimme als Vertreter von 65 Parteien mit etwa 4 Millionen Mitgliedern die neuen Aufgaben der internationalen kommunistischen Bewegung im weltumspannenden Kampf um Frieden, Demokratie und Sozialismus, gegen Faschismus und Krieg.

 

Das neue Kräfteverhältnis im Kampf zwischen Sozialismus und Imperialismus

Bei der Erarbeitung der neuen Aufgaben der kommunistischen Parteien ging der Weltkongress von einer gründlichen Analyse des Kräfteverhältnisses der Klassen aus, das sich bis 1935 herausgebildet hatte.

Die wichtigste Veränderung in der Welt bestand in der Durchsetzung der sozialistischen Produktionsverhältnisse in der UdSSR. Mit dem Kampf um die Erfüllung des zweiten Fünfjahrplans (1933 bis 1937), dem Abschluss der Kollektivierung der Landwirtschaft und den damit verbundenen wirtschaftlichen, sozialen, kulturellen und politischen Umgestaltungen entwickelten die sowjetischen Werktätigen(arbeitenden Menschen/Erwerbstätige) stabile Grundlagen ihrer neuen sozialistischen Gesellschaft

Die Sowjetunion verwandelte sich in eine sozialistische Großmacht. Der seinerzeitige Sieg der sozialistischen Produktionsverhältnisse in der UdSSR bedeutete darüber hinaus eine gewaltige Stärkung der internationalen Autorität der UdSSR sowie der Kräfte des Friedens, der Demokratie und des Sozialismus in der Welt. Mit diesem seinerzeitigen Sieg war in der Praxis die Leninsche Lehre von der Möglichkeit des Sieges des Sozialismus in einem Lande bestätigt worden. Jedes Land, das in der Folgezeit nach der Eroberung der Macht durch dieArbeiterklasse und ihre Verbündeten den Sozialismus errichten wollte, konnte und musste sich auf die historischen Erfahrungen des sozialistischen Aufbaus in der Sowjetunion stützen. Heute müssen wir feststellen, dass es ebenso nötig ist aus den Erfahrungen des Zusammenbruchs des Sozialismus in Europa 1989/90 zu lernen.

Eine weitere Veränderung des internationalen Kräfteverhältnisses ergab sich aus dem Aufschwung des antifaschistischen Massenkampfes in einer Reihe kapitalistischer Länder Europas. In Frankreich unternahmen, ermuntert durch den Machtantritt der Faschisten in Deutschland, am 06. Februar 1934 französische Faschisten einen Putsch mit dem Ziel, die faschistische Diktatur im Interesse französischer Industrie- und Bankmonopolisten zu errichten. In gewaltigen Aktionen unter Führung der kommunistischen Partei Frankreichs und des Unabhängigen Allgemeinen Gewerkschaftsbundes wurden die Faschisten zurückgeschlagen.

In Österreich nahm im Februar 1934 ein Teil der Arbeiterklasse den bewaffneten Kampf gegen bewaffnete Banden der sogenannten Heimwehr und Nazipartei auf, um die Demokratie zu verteidigen.

Aber hier, wie auch in Spanien im Oktober 1934, endeten die Kämpfe mit einer Niederlage der Arbeiter. In der Folgezeit wuchs jedoch in Spanien die Einheitsfront und der Einfluss der Arbeiterorganisationen an. So kam es 1936 zur Bildung der Volksfrontregierung.

Siehe: Die Zuspitzung der Klassenkämpfe in den imperialistischen Ländern

Schließlich nahm auch der antiimperialistische Befreiungskampf in den unterdrückten Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas einen bedeutenden Aufschwung. Ausdruck dessen war vor allem der machtvolle Volkskampf in China gegen die japanischen Aggressoren, die 1931 das Land überfallen hatten und im Sommer 1934 zu einer neuen Offensive gegen die Nordprovinzen Chinas antraten. Dieser Volkskampf führte zur Bildung bedeutender sogenannter befreiter Territorien, in denen die Macht in die Hände des Volkes übergegangen war.

Diesen Fortschritten der Kräfte der Demokratie und des Sozialismus suchte die internationale imperialistische Reaktion Einhalt zu gebieten. Der Ausbreitung der sozialistischen und antiimperialistischen beziehungsweise antikolonialen Bewegung stellte der Weltimperialismus den Abbau der bürgerlichen Demokratie und den Übergang zur offenen faschistischen Diktatur entgegen. Diese Politik führte in Deutschland zur Hitlerherrschaft. Diese reaktionären Bestrebungen richteten sich in erster Linie gegen die UdSSR. Sie bedrohte aber auch die Arbeiter und die demokratischen Bewegungen aller Länder. Riesengroß wuchs die Gefahr eines Krieges.

 

Die Beratungsergebnisse des VII. Weltkongresses und ihre Bedeutun

Grundlage der vom VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale erarbeiten neuen Strategie und Taktik war die gründliche Analyse des internationalen Kräfteverhältnisses und dabei insbesondere des Klassencharakters des Faschismus.

Daraus wurde der Schluss abgeleitet, dass der Sieg des Faschismus nicht unvermeidlich ist, sondern verhindert werden kann. Aus dem Nachweis, dass der Faschismus der Hauptfeind war, leitete Georgi Dimitroff in seinem Referat die Aufgabe ab, die Bedingungen für den Zusammenschluss aller antifaschistischen Kräfte, für die Herstellung der Einheitsfront der Arbeiterklasse und der antifaschistischen Volksfront zu schaffen.

Georgi Dimitroff

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Georgi Dimitroff über Einheits- und VolksfrontGeorgi Dimitroff über Einheits- und Volksfront 2Quellenangabe Dimitroff über Einheits- und Volksfront

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Das Referat von Palmiro Togliatti legte Zeugnis davon ab, welche grundlegende Bedeutung die Kommunistische Internationale dem Kampf gegen die wachsende Kriegsgefahr beimaß. Hierin wurde der Kampf für den Frieden und damit zugleich die Verteidigung der UdSSR als der Hauptstütze aller Friedenskräfte zur zentralen Aufgabe der kommunistischen Parteien erklärt.

 

Palmiro Togliatti

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Palmiro Togliatti über die KriegsgefahrQuellenangabe Palmiro Togliatti über die Kriegsgefahr

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Der VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale wurde durch den Inhalt und die Wirksamkeit seiner Beschlüsse zur bedeutendsten Beratung der kommunistischen Weltorganisation seit dem Tode Lenins.

 

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

VII. Weltkongress der Kommunistischen Internationale

 

Ergänzung

1943 wurde die Kommunistische Internationale aufgelöst. Leider hat sich das Geschichtsbuch der DDR nicht damit beschäftigt und es muss auf Wikipedia zurückgegriffen werden.

Im Herbst 1941 war die Moskauer Zentrale der Kommunistischen Internationale als Reaktion auf den deutschen Vormarsch in die weiter östlich gelegene Stadt Ufa in Baschkirien evakuiert worden. Am 15. Mai 1943 fasste das Exekutivkomitee der Kommunistischen Internationale den Beschluss über die Auflösung der Komintern zum 10. Juni.  Nach dem Eingang zustimmender Reaktionen von 31 angeschlossenen KP stellten die Komintern-Organe ihre Tätigkeit ein.

Stalin erklärte in einem Interview mit der Agentur Reuters am 28. Mai 1943, dass mit der Auflösung vor aller Welt zwei Momente unterstrichen werden sollten: dass Moskau sich nicht „in das Leben anderer Staaten“ einmische und dass die kommunistischen Parteien „im Interesse ihres eigenen Volkes“ und nicht „auf Befehl von außen“ handelten.

Allgemein gilt die Auflösung der Komintern als ein Zugeständnis Stalins an die westlichen Alliierten, die USA und Großbritannien.

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

Die Gründung der Kommunistischen Internationale

Nach dem Sieg der Großen sozialistischen Oktoberrevolution und dem machtvollen revolutionären Aufschwung stand die Arbeiterklasse in einer Reihe kapitalistischer Länder unmittelbar vor der Aufgabe, sich auf die Übernahme der politischen Macht vorzubereiten. Doch die Erfahrungen der revolutionären Kämpfe in allen Ländern bestätigten bald die wichtigste Lehre der Oktoberrevolution, dass die Arbeiterklasse nur siegen und die Staatsmacht erobern und behaupten kann, wenn an ihrer Spitze eine marxistisch-leninistische Partei steht

Noch im Jahre 1918 entwickelten sich in einer Reihe von Ländern aus linken Gruppen kommunistische Parteien, die sich zur proletarischen Revolution, zur Diktatur des Proletariats und zum proletarischen Internationalismus bekannten.

 

Die Entstehung Kommunistischer Parteien

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Der revolutionäre Kampf zwischen Bourgeoisie und Proletariat im internationalen Maßstab machte es dringend erforderlich, ein politisches und organisatorisches Zentrum der internationalen revolutionären Bewegung zu schaffen. Bereits Marx und Engels verkündeten im Kommunistischen Manifest: „Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!“. Sie begründeten, dass das Proletariat seine historische Mission im Kampf gegen die internationale Macht des Kapitalismus nur verwirklichen kann, wenn es sich ebenfalls international zusammenschließt. Mit der I. Internationale schufen sie das Beispiel dafür

Als die vom Opportunismus zersetzte II. Internationale 1914 politisch zerbrach, begann Lenin noch während des ersten Weltkrieges die linken Kräfte zu sammeln und die Gründung einer neuen, revolutionären Internationale vorzubereiten. (siehe Geschichtsbuch 8. Klasse) Mit dem Sieg der Oktoberrevolution und der Festigung der Sowjetmacht, mit der Entfaltung der weltweiten revolutionären Bewegung und der Entstehung kommunistischer Parteien war es nun möglich und notwendig geworden, die neue Internationale zu schaffen

Im Januar 1919 fand auf Initiative der Kommunistischen Partei Russlands(Bolschewiki)( Auf dem VIII. Parteitag der bolschewistischen Partei im Frühjahr 1918 war die SDAPR(B) in Kommunistische Partei Russlands(Bolschewiki) umbenannt worden.) eine internationale Beratung unter Leitung Lenin statt, die alle kommunistischen Parteien und revolutionären proletarischen Gruppen und Organisationen zur Bildung einer III. Internationale aufrief. Der Gründungskongress der Kommunistischen Internationale fand vom 02. Bis 06. März 1919 in Moskau statt.  Es versammelten sich 51 Delegierte aus 30 Ländern, unter ihnen, als Vertreter der KPD, Hugo Eberlein. Zahlreiche Delegierte konnten infolge der Blockade Sowjetrusslands durch die imperialistischen Mächte nicht nach Moskau gelangen

Bei der Eröffnung des Kongresses ehrten die Vertreter der revolutionären internationalen Arbeiterbewegung das Andenken der beiden großen deutschen Arbeiterführer Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg, die von der deutschen Konterrevolution ermordet worden waren.

Im Mittelpunkt der Beratungen der Konferenz standen die Thesen und das Referat Lenins zur Frage bürgerlicher Demokratie und Diktatur des Proletariats, die damals die Auseinandersetzungen in der Arbeiterbewegung aller Länder beherrschte. Die Stellung zur Diktatur des Proletariats war und ist die Scheidelinie zwischen dem Marxismus-Leninismus und dem Opportunismus. Die Opportunisten aller Schattierungen lehnten teils offen, teils versteckt die Notwendigkeit der Errichtung einer proletarischen Diktatur ab und verleumdeten die Sowjetmacht. Lenin enthüllte den Klasseninhalt der bürgerlichen Demokratie, die zwar einen Fortschritt gegenüber der feudalen Ordnung darstellt, aber schließlich durch die wirkliche Demokratie für die Mehrheit des Volkes, die Diktatur des Proletariats, abgelöst werden muss. Er wies nach, dass die Sowjetmacht in Russland die Verwirklichung der Herrschaft der Arbeiterklasse war, die ihre eigene, die sozialistische Demokratie entwickelt. Das Referat und die Thesen Lenin zu dieser Frage wurden von den Delegierten einstimmig gebilligt.

Präsidiumsmitglieder Gründungskongress Kommunistische Internationale

Präsidiumsmitglieder des Gründungskongresses der Kommunistischen Internationale

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Der Kongress beschloss die „Richtlinien der Kommunistischen Internationale“ und ein „Manifest an die Proletarier aller Länder“, in denen die Grundaufgaben des internationalen Proletariats im Kampf um die Macht niedergelegt wurden. Die Arbeiter aller Länder wurden zum Kampf für die proletarische Diktatur und für den Sieg der Räte in der gesamten Welt aufgefordert.

Die Gründung der III: Internationale war der erste, entscheidende Schritt zur Herausbildung eines internationalen Führungsorgans der sich entwickelnden kommunistischen Weltbewegung. Sie beschleunigte die Herausbildung kommunistischer Parteien in weiteren Ländern.

Die Entstehung Kommunistischer Parteien 2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Kommunistische Internationale spielte eine hervorragende Rolle in der Geschichte der internationalen Arbeiterbewegung. Sie setzte unter den neuen historischen Bedingungen das Werk der I. Internationale fort und knüpfte an die positiven Leistungen und Errungenschaften der II. Internationale an. Ihre Hauptaufgabe bestand darin, dem Weltimperialismus in der neuen Epoche des Übergangs vom Kapitalismus zum Sozialismus(damalige optimistische Sicht) die einheitliche Front der internationalen Arbeiterbewegung unter dem Banner des Marxismus-Leninismus entgegenzustellen. Dabei war sie bestrebt, den nationalen Befreiungskampf der unterdrückten Völker mit dem revolutionären Kampf des Proletariats in den entwickelten kapitalistischen Ländern zu einem einheitlichen Strom zu vereinen. Die Kommunistische Internationale belebte und erneuerte die Ideen des proletarischen Internationalismus, dessen wichtigste Aufgabe nach der Oktoberrevolution darin bestand, die höchste Errungenschaft der internationalen Arbeiterklasse, den ersten sozialistischen Staat der Welt, zu schützen und zu verteidigen

Es ist das historische Verdienst der Kommunistischen Internationale, den jungen kommunistischen Parteien geholfen zu haben, sich zu wahrhaft marxistisch-leninistischen Massenparteien zu entwickeln. Sie erzog eine ganze Generation hervorragender Führer der internationalen Arbeiterbewegung. Die III. Internationale befähigte die kommunistischen Parteien, ausgehend von der durch die Oktoberrevolution bestätigten Leninschen Lehre der sozialistischen Revolution, einen den konkreten Bedingungen ihrer Länder entsprechenden Weg zur Eroberung der Macht der Arbeiterklasse auszuarbeiten und den Kampf ihrer Völker gegen Imperialismus,Faschismus und Krieg, für Frieden und nationale Unabhängigkeit, für Demokratie und Sozialismus zunächst erfolgreich zu führen.

 

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Gründung der Kommunistischen Internationale

Antifaschistische Widerstandgruppe „Rote Kapelle“

Gastbeitrag von Wolfgang Mueller

 

Briefmarke DDR Gedenken Rote Kapelle

 

Am 22. Dezember 1942 wurden elf Mitglieder der antifaschistischen Widerstandsgruppe um Harro Schulze-Boysen und Arvid Harnack, die unter dem Namen „Rote Kapelle“ bekannt ist, in Berlin-Plötzensee im Minutentakt erhängt beziehungsweise enthauptet. Sie waren am 19. Dezember von einem faschistischen „Reichskriegsgericht“ wegen Hoch- und Landesverrats zum Tode verurteilt worden.

Hitler persönlich hatte auf eine rasche Aburteilung und Hinrichtung gedrängt und zum Prozessbeginn angeordnet, dass eine Eisenschiene mit Fleischerhaken im Hinrichtungsraum der Haftanstalt Berlin-Plötzensee angebracht wird. Bis dahin wurden Todesurteile von Militärgerichten durch Erschießung und die von Zivilgerichten durch Enthauptung mit dem Fallbeil vollstreckt. 1933 war durch das Gesetz über Verhängung und Vollzug der Todesstrafe das nichtöffentliche Hängen als besonders entehrende Hinrichtungsart zugelassen worden.

In der Berliner Harnack/Schulze-Boysen-Gruppe kamen rund 150 Männer und Frauen aus verschiedenen Generationen und mit unterschiedlichen sozialen, politischen und weltanschaulichen Hintergründen zusammen. Die ersten Gesprächszirkel, aus denen sich später die Widerstandsgruppe bildete, entstanden bereits in der Endphase der Weimarer Republik und dienten künstlerischen, politischen und weltanschaulichen Diskussionen. In Zusammenhang mit dem um 1940 einsetzenden Meinungsaustausch zwischen dem Oberregierungsrat im Reichswirtschaftsministerium, Dr. Arvid Harnack, und dem Oberleutnant der Luftwaffe, Harro Schulze-Boysen, wuchsen die unterschiedlichen Freundeskreise zusammen.

Mit dem Ziel der Beendigung des Krieges analysierten die Regimegegner die soziale, politische und wirtschaftliche Lage des NS-Staates, dokumentierten die Verbrechen gegen die Menschlichkeit durch die Nationalsozialisten und wandten sich mit Flugblättern und illegalen Schriften an die Öffentlichkeit. Außerdem leistete die Gruppe humanitäre Hilfe für vom Regime Verfolgte und Unterdrückte, indem sie Lebensmittelkarten sammelte, Unterkunft gewährte oder Fluchthilfe organisierte. Ein Teil der Gruppe war zudem um einen Informationsaustausch per Funkgerät mit der sowjetischen Seite bemüht.

Die Geschichte der Roten Kapelle ist weitaus weniger bekannt als die der Widerstandsgruppe um Stauffenberg oder um die Geschwister Scholl. Zu ihr bekannten sich Publizisten und Künstler, Beamte und Militärs, Ärzte und Arbeiter, Studenten, Lehrlinge, Schüler unterschiedlicher Weltanschauungen. Etwa 40 Prozent von ihnen waren Frauen. Alle hatten nur eine politische Leitlinie: Weg mit Hitler!

Die deutsche Spionageabwehr und die Gestapo gaben der Gruppe ihren Namen, nachdem sie Funksprüche aus Moskau abgefangen hatten: Für Geheimdienstler ist ein Morsecodezeichen klopfender Funker ein Pianist; eine Gruppe von Pianisten ist eine Kapelle; weil die Zeichen aus Moskau kommen, Heimat des Kommunismus, ist die Kapelle rot. Die Namensgebung machte aus der weltanschaulich offenen Widerstandsgruppe eine den Sowjets dienende Spionageorganisation. Dieses Geschichtsbild änderte sich erst zu Beginn der 1990er-Jahre

Zwei Männer standen im Zentrum der Gruppe, die sich ab Mitte der 30er-Jahre bildete: der Publizist und Luftwaffenoffizier Harro Schulze-Boysen, der in der Nachrichtenabteilung des Reichsluftfahrtministeriums tätig war und der Jurist und Nationalökonom Arvid Harnack, der als Geheimmitglied der KPD zum Schein in die NSDAP eintrat und als Oberregierungsrat im Reichswirtschaftsministerium arbeitete.

Freunde und Bekannte der beiden und ihrer Ehefrauen knüpften in Berlin ein loses Netzwerk aus schließlich sieben Widerstandskreisen. Unabhängig davon gab es Gruppen in Paris und Brüssel.

Der Sozialdemokrat Adolf Grimme (später Kultusminister in Niedersachsen) und die Kommunisten Hans und Hilde Coppi gehörten zum Netzwerk, der Journalist Adam Kuckhoff und seine Frau Greta (später Präsidentin der Deutschen Notenbank der DDR), die Ärztin Elfriede Paul, der Romancier Günther Weisenborn und seine Frau Joy. Harro Schulze-Boysen ahnte schon 1937, worauf der NS-Wahn hinauslaufen wird: „Es wird der größte Krieg der Weltgeschichte, aber Hitler wird ihn nicht überleben.

Im Spätsommer 1942 wurde die Harnack/Schulze-Boysen-Gruppe von der militärischen Abwehr des Oberkommandos der Wehrmacht aufgedeckt. Von den 91 vor dem Reichskriegsgericht und dem Volksgerichtshof angeklagten NS-Gegnern wurden 48 Männer und Frauen hingerichtet

Gefesselt fristeten die zum Tode Verurteilten die letzten Stunden ihres Lebens im Erdgeschoss des großen Zellenbaus in Plötzensee (Haus III), von den Gefangenen „Totenhaus“ genannt. Zwei Tage vor Heiligabend wurden im Vierminutentakt gehängt: Rudolf von Scheliha, Harro Schulze-Boysen, Arvid Harnack, Kurt Schumacher, John Graudenz; und anschließend im Dreiminutentakt enthauptet: Horst Heilmann, Hans Coppi, Kurt Schulze, Ilse Stöbe, Libertas Schulze-Boysen, Elisabeth Schumacher

In den Folgemonaten werden 59 Mitglieder der Roten Kapelle hingerichtet: der Bildhauer Kurt Schumacher und die Tänzerin Oda Schottmüller, der Fräser Stanislaus Wesolek und der Elektriker Eugen Neutert, der Banklehrling Otto Gollnow und die Schülerin Liane Berkowitz, die in der Haft eine Tochter zur Welt brachte …

Versuche ehemaliger Widerstandskämpfer nach dem Krieg, Richter Manfred Roeder vor Gericht zu bringen, scheiterten. Roeder gelang es, die Rote Kapelle als „moralisch entartete“ kommunistische Verschwörung und ihre Mitglieder als „Landesverräter“ und „Spione“ darzustellen. So beeinflusste er für lange Zeit die historische Einordnung der Gruppe in der Bundesrepublik.

Er gehe dem Tod ruhig entgegen, schrieb Harro Schulze-Boysen am Tag seiner Hinrichtung seinen Eltern. „Alles was ich tat, tat ich aus meinem Kopf, meinem Herzen und meiner Überzeugung heraus.“

Während die Angehörigen der Widerstandsgruppe in der DDR als deutsche Patrioten und Widerstandskämpfer würdig geehrt wurden, konnte sich der Deutsche Bundestag erst vor zehn Jahren, am 8. September 2009, dazu durchringen, die Urteile gegen die Mitglieder der „Roten Kapelle“ aufzuheben und so die Toten zu rehabilitieren. Bis dahin galt hier offiziell die Rechtsauffassung der Nazi-Sondergerichte als verbindliches Geschichtsbild. Mehr muss man eigentlich über die BRD nicht wissen.

 

 

Palmiro Togliatti

Palmiro Togliatti wurde am 26. März 1893 in Genua geboren und ist am 21. August 1964 in Jalta gestorben. Er war ein italienischer Politiker. Von 1947 bis 1964 war er Generalsekretär der Kommunistischen Partei Italiens (PCI).

Palmiro Togliatti Kopie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Palmiro Togliatti absolvierte ein Studium der Rechtswissenschaft in Turin. Er begann sein politisches Leben in der sozialistischen Partei Italiens vor dem Ersten Weltkrieg. Nach dem Krieg, an dem er als Offizier teilnahm, wurde er 1920 Parteisekretär in Turin und gehörte der Truppe um L’Ordine Nuovo in Turin an

Er war 1921 ein Gründungsmitglied des PCI. Bereits seit 1922 gehörte Palmiro Togliatti dem Zentralkomitee an, veröffentlichte bis 1926 unter dem Pseudonym Ercole Ercoli antifaschistische Propaganda, geriet 1923 und 1925 in Haft durch das faschistische Regime von Benito Mussolini, emigrierte 1926 nach Deutschland und später in die UdSSR. Dort übernahm er führende Rolle in der Komintern (Kommunistische Internationale), wurde auf dem VII. Kongress 1935 Befürworter der Volksfrontpolitik Stalins und nahm zwischen 1937 und 1939 als Angehöriger des Garibaldi-Bataillons am nationalrevolutionären Krieg in Spanien teil

Nachdem Generalsekretär Gramsci verhaftet worden war, rückte er bis zu seinem Tode in die Führung der PCI auf, deren Generalsekretär er ab 1947 wurde.

Die 1930er Jahre verbrachte er im Exil, aus dem er im März 1944 nach Italien zurückkehrte. Unter seiner Leitung unternahm der von ihm wiedergegründete PCI die Wende von Salerno. Der PCI sollte sich als „Partei neuen Typs“ von der Kader- zur Massenpartei wandeln. Togliatti strebte mit den Sozialisten eine Volksfront an, um auf parlamentarischen Weg Staat und Gesellschaft zu revolutionieren.

Auf dem VII. und letzten Weltkongress der Komintern im August 1935 hatte der italienische Kommunistenführer, der sich den Decknamen „Ercoli“ zugelegt hatte, erklärt:

„Wenn es notwendig ist, um an die Menschen heranzukommen, eine neue Sprache zu reden, frühere Formeln abzuwerten, alte Pläne zu zerstören, die Arbeitsmethoden zu verändern, die Organisations-Formen umzugestalten – nun was, wir werden das ohne das geringste Schwanken tun.“

Dieser Politikwechsel war die Abkehr von der Politik der Diktatur des Proletariats hin zu Reformen. Dies ermöglichte einerseits die Anerkennung der PCI durch die übrigen demokratischen Parteien als Teil des antifaschistischen Spektrums, das über die Beibehaltung der Monarchie oder die Einführung der Republik entschied. Sie ging jedoch einher mit der Entwaffnung der von Kommunisten dominierten Resistenza (bewaffneter antifaschistischer Widerstand in Italien) einher.  Im Ergebnis öffnete sich die Partei weit nach rechts gegenüber den vorher vertretenen Positionen; so verzichtete sie auf größere Verstaatlichungen in der Industrie und erkannte eine starke Rolle der Kirche an

1956 war Togliatti entscheidend an der Entwicklung der Theorie des Polyzentrismus, also der „Einheit in der Vielfalt“ unterschiedlicher politischer Praxis beteiligt.

Berlin, III. SED-Parteitag

Palmiro Togliatti als Gastredner auf dem III. Parteitag der SED, Berlin 1950

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-S99208 / Quaschinsky, Hans-Günter / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5437145

 

Nach der Niederschlagung der versuchten Konterrevolution in Ungarn, proklamierte er einen eigenen „nationalen Weg zum Sozialismus“.

Unter seiner Führung wuchs die Partei. Sie wurde zweitstärkste Partei Italiens und zur größten nicht regierenden kommunistischen Partei in Europa. Obwohl sie nach 1946 permanent von der nationalen Regierung ausgeschlossen blieb, stellte sie in vielen Städten den Bürgermeister und blieb nicht ohne Einfluss.

Sowjetische Briefmarke, 1964

Sowjetische Briefmarke, 1964

Bildquelle: Von Почта СССР – scan du timbre, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3264734

 

 

Die russische Stadt Stawropol an der Wolga, in der die Automobilfabrik „AwtoWAS“ (Lada) in Zusammenarbeit mit „Fiat“ errichtet wurde, bei deren Gründung Togliatti hilfreich gewesen war, wurde nach seinem Tod 1964 ihm zu Ehren in „Toljatti“ (Transkription der kyrillischen Schreibung) umbenannt.

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

Die ideologischen Kriegsvorbereitungen und der Klassencharakter des Faschismus

Die faschistischen Irrlehren zur Vorbereitung des Volkes auf den Krieg

Dem aggressiven und verbrecherischen Charakter des deutschen Faschismus, den räuberischen Zielen und seiner Politik entsprach die faschistische Ideologie und Propaganda. Sie war in allen ihren Bestandteilen darauf ausgerichtet, das Volk auf einen Krieg vorzubereiten.

Aus Hitlerrede 1936Quellenangabe Hitlerrede 1936

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Hauptbestandteil der faschistischen Ideologie war ein bis auf das Äußerste gesteigerter Antikommunismus. Der Antikommunismus durchdrang das gesamte gesellschaftliche Leben. Er äußerte sich in der hetze und im Terror gegen die Kommunisten. Aber auch Sozialdemokraten und andere Antifaschisten fielen der antikommunistischen Hetze zum Opfer. Der Antikommunismus widerspiegelte sich in den hasserfüllten Ausfällen gegen die internationale Arbeiterbewegung und vor allem gegen die Sowjetunion. Die antikommunistische Hetze sollte die Arbeiterklasse über das wahre Wesen des Sozialismus hinwegtäuschen und auf den Krieg gegen die Sowjetunion vorbereiten.

Der gleichen verbrecherischen Zielsetzung, der Vorbereitung des deutschen Volkes auf einen Raubkrieg, diente die berüchtigte Lüge vom „Volk ohne Raum“. Diese Lüge wurde bereits vor der Zeit des Faschismus verbreitet.

Das „Recht“, diesen angeblich fehlenden Lebensraum durch den Krieg gegen die Sowjetunion und andere Völker zu erobern, wurde aus der sogenannten Rassentheorie abgeleitet. Es wurde darin erklärt, dass der Deutsche ein „Herrenmensch“ sei und deshalb über die „Untermenschen“, also die Angehörigen anderer Völker, zu bestimmen habe. Dieser verderbenbringenden Erziehung und Beeinflussung war besonders die Jugend ausgesetzt. Die Barbarei der faschistischen Rassentheorie wurde besonders im Antisemitismus deutlich.

Der Name Antisemitismus stammt von Sem, einem Sohn der biblischen Gestalt Noah. Die Semiten stellen eine sprachlich und anthropologisch verwandte Gruppe von Völkern, besonders Vorderasiens und Nordafrikas, dar. Der Name Semiten galt allgemein als Bezeichnung für die Juden.

1935 wurden die sogenannten „Nürnberger Rassegesetze“ erlassen, nach denen Juden keine Ehepartner „deutschen Blutes“ mehr heiraten und keine Berufe wie Arzt, Rechtsanwalt usw. ausüben durften.

Plakat gegen Juden

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Im November 1938 wurde von der Naziführung eine große Verfolgung der Juden organisiert. Als Anlass diente den Faschisten die Tat eines siebzehnjährigen Juden, der Anfang November 1938 in Paris einen Nazidiplomaten erschoss, um sich wegen der Behandlung seiner Angehörigen in Deutschland zu rächen. In der Nacht vom 09. Zum 10. November 1938, der Progromnacht(früher als „Kristallnacht“ bezeichnet, „Kristallnacht“ klingt verharmlosend und daher wird diese Bezeichnung für diese schrecklichen Ereignisse nicht mehr verwendet.), misshandelten SS und SA die Juden, schleppten sie in Konzentrationslager, steckten Synagogen in Brand und zertrümmerten Tausende jüdischer Geschäfte.

Aus Schreiben Heydrichs 1938Schreiben Heydrichs 2Quellenangabe Schreiben Heydrichs

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Zerstörung Synagoge in Eberswalde 1938

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Juden mussten die von den Nazibanden angerichteten Schäden selbst bezahlen und dem Staat eine „Buße“ von 1,25 Milliarden Mark entrichten. Von dieser Zeit an durften Juden keine Betriebe mehr führen. Die deutschen Monopole und Banken bereicherten sich skrupellos am Eigentum der Juden.

Massenderportaion jüdischer Mitbürger 1938

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Der Klassencharakter des Faschismus

Der Hitlerfaschismus verkörperte alle reaktionären, volksfeindlichen und antidemokratischen Entwicklungstendenzen des deutschen Imperialismus und Militarismus.

Er war zugleich die Fortführung und schrecklicher Höhepunkt aller volksfeindlichen und antihumanistischen Tendenzen in der deutschen Geschichte.

Der Faschismus in Deutschland war die Antwort der reaktionärsten Kräfte des Finanzkapitals auf das veränderte Kräfteverhältnis sei dem Beginn der allgemeinen Krise des kapitalistischen Systems. Oft wird von der allgemeinen Krise des Kapitalismus gesprochen und geschrieben. Doch er ist stark und steigt aus jeder Krise, wie Phönix aus der Asche, immer wieder gestärkt empor. Er wurde im Interesse der reaktionärsten Kreise des Finanzkapitals an die Macht gebracht, um die Arbeiterklasse und alle anderen Schichten des deutschen Volkes zu unterdrücken.

Hitler mit Vertretern des Monopolkapitals 1935

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

1935 verallgemeinerte Georgi Dimitroff die Erfahrungen und Erkenntnisse des Klassenkampfes gegen den Faschismus in der Definition: „Der Faschismus an der Macht…ist…die offene terroristische Diktatur der reaktionärsten, am meisten chauvinistischen, am meisten imperialistischen Elemente des Finanzkapitals.“   

Quelle: W.Pieck/G. Dimitroff/p.Togliatti: Die Offensive des Faschismus und die Aufgaben der Kommunisten im Kampf für die Volksfront gegen Krieg und Faschismus. Berlin 1960, S. 87.

 

Resolution VII Weltkongress KOM. Internationale 1935Resolution VII. Kom. Weltkongress 1935 2Quellenangabe Resolution VII KOM. Weltkongress 1935

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Einer der Beweise für den Klassencharakter des Faschismus war das „Gesetz über die Vorbereitung des organischen Aufbaus der deutschen Wirtschaft“ von 1934. Dieses Gesetz, durch Vorschläge der Monopolisten, insbesondere von Krupp, vorbereitet, hatte zum Ziel, die Macht der Monopole noch stärker mit der des faschistischen Staatsapparates zu verbinden. Das wurde beispielsweise durch die Aufgliederung der gesamten Wirtschaft in sechs Reichsgruppen, denen alle Unternehmen angehören mussten, gefördert. An der Spitze der Reichsgruppen standen Vertreter der mächtigsten Konzerne. So war Krupp der erste Vorsitzende der Reichsgruppe Industrie. Auf diese Weise beherrschten die Monopolvertreter, mit staatlichen Vollmachten ausgestattet, sehr bald den gesamten Wirtschafts- und Finanzapparat.

Entsprechend wirkte in der Landwirtschaft der Reichsnährstand. Mit seiner Hilfe brachten die Monopole und Junker die gesamte Landwirtschaft unter ihre Kontrolle.

Abgerundet wurde dieses staatsmonopolistische System mit der Regulierung aller Seiten des kulturellen Lebens durch das Goebbels-Ministerium für „Volksaufklärung und Propaganda“ und die Reichskulturkammer.

Faschistische Institutionen

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

So vollzog sich unter den Bedingungen der faschistischen Diktatur die Entwicklung des staatsmonopolistischen Kapitalismus in bedeutendem Maße.

In diesen Jahren erreichte die Verschmelzung der Macht der reaktionären Monopolgruppen mit der des Staates, die völlige Unterordnung des Staatsapparates unter die Herrschaft derMonopole, ihren bisherigen Höhepunkt in Deutschland.

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Ideologische Kriegsvorbereitungen und der Klassencharakter des Faschismus

 

Aufgaben Thema Faschistische Ideologie und Klassencharakter

Aufgaben aus dem Geschichtsbuch der DDR (Stand 1982)

 

Die innen- und außenpolitischen Kriegsvorbereitungen des faschistischen deutschen Imperialismus

Die beschleunigte Aufrüstung – Grundlage einer zielgerichteten Aggressionspolitik des Hitlerregime

Nachdem sich das faschistische Regime vor allem durch Terror und Demagogie schrittweise gefestigt hatte, leitete es entscheidende Maßnahmen zur Aufrüstung und damit zur Vorbereitung der Aggression gegen andere Völker ein. Von großer Bedeutung waren in diesem Zusammenhang die Anstrengungen des faschistischen deutschen Imperialismus zur Rückgliederung des Saargebietes an Deutschland. (Durch den Versailler Vertrag war das Saargebiet für 15 Jahre der Verwaltung des Völkerbundes unterstellt. Eine für den 13. Januar 1935 festgelegte Volksabstimmung sollte über den Status des Gebietes entscheiden.)                                                                                                   Das Ziel bestand darin, die Wirtschaftskraft des Saargebietes in das Rüstungspotential des faschistischen Deutschlands einzugliedern und die Grenzen gegenüber Frankreich vorzuverlegen. Ein Entscheid der Saarbevölkerung für den Anschluss an Deutschland musste darüber hinaus das außenpolitische Ansehen des Naziregimes heben

Die KPD trat gegen diese faschistischen Pläne auf. Sie forderte die Aufrechterhaltung der Verwaltung durch den Völkerbund auch nach dem Januar 1935. Das hätte die Stärkung der faschistischen Kriegstreiber verhindert, aber auch die Möglichkeit geboten, das Saargebiet nach dem Sturz Hitlers einem friedlichen und demokratischen Deutschland anzugliedern.

Hitlers Leibstandarte in Saarbrücken (1935)

Hitlers Leibstandarte zieht in Saarbrücken ein(1935)

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Nach der Saarabstimmung konzentrierten sich die Faschisten in verstärktem Maße auf die Verwirklichung der Rüstungspläne. Das bedeutete beispielsweise die Errichtung von 300 Rüstungsbetrieben, unter anderem von 50 bis 60 Flugzeugwerken, 45 Werken für Kraftfahrzeuge und Panzerwagen, 70 chemischen Werken und 15 Werften. An dieser Aufrüstung war der USA-Imperialismus durch Investitionen von Milliarden Dollars in fast allen entscheidenden deutschen Konzernen beteiligt. Es ist heutzutage unangenehm dies zuzugeben und wird „unter den Teppich gekehrt.

Zu diesen wirtschaftlichen Maßnahmen der Kriegsvorbereitung gehörte auch der Bau von Autobahnen. Von den geplanten 6600 Kilometern waren bis zum Ausbruch des Krieges 1939 etwa 3300 Kilometer fertiggestellt. Viele sehen bis heute den Autobahnbau als positive Seite des Hitlerfaschismus.

In Übereinstimmung mit diesen Rüstungsmaßnahmen setzte die faschistische Regierung ihre Politik, schrittweise entscheidende Bestimmungen des Versailler Vertrages zu zerreißen, fort. Am 13. März 1935 erklärte die Hitlerregierung, dass sie sich an die Bestimmung des Versailler Vertrages, keine Luftwaffe aufzubauen, nicht mehr gebunden fühle.

Flugzeugproduktion in DeutschlandQuellenangabe Flugzeugproduktion in Deutschland

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

RüstungsausgabenQuellenangabe Rüstungsausgaben

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

-Hurrah, Butter ist alle-

„Hurrah, die Butter ist alle“, Fotomontage von John Hartfield

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Einfuhr Deutschlands 1929 bis 1938Quellenangabe Einfuhr Deutschlands

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Am 16. März 1935 wurde die durch den Versailler Vertrag verbotene allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt. Das bedeutete, dass die in Versailles festgelegte Truppenstärke von     100 000 Mann Reichswehr durch die Wehrmacht in Stärke von insgesamt etwa 550 000 Mann bei einjähriger Dienstzeit ersetzt wurde. Schließlich wurden durch ein Gesetz vom 26. Juni 1935 alle männlichen Personen von 18 bis 25 Jahren zu einjähriger Dienstzeit im Reichsarbeitsdienst (RAD)verpflichtet. Der RAD, der bis Ende 1936 schon 300 000 Mann zählte, war eine halbmilitärische Organisation, durch die billige Arbeitskräfte in der Landwirtschaft sowie für den strategischen Straßenbau und andere wichtige militärische Objekte zur Verfügung standen.

 

Die faschistische Außenpolitik im Dienste der Kriegsvorbereitung. Die sowjetische Diplomatie im Kampf für Frieden und Sicherheit

Die faschistische Außenpolitik sah in den Jahren von 1933 bis 1936 ihre Hauptaufgabe darin, die Herrschaft nach außen hin abzusichern und günstige Bedingungen für die Aufrüstung und eine erfolgreiche Aggressionspolitik zu schaffen. Ihr Hauptstoß richtete sich deshalb ebenfalls, wie alle Maßnahmen zur Aufrüstung, gegen die Bestimmungen des Versailler Vertrages.

Alle innen- und außenpolitischen Kriegsvorbereitungen durch die Hitlerregierung lösten in aller Welt große Besorgnis aus. Trotzdem versuchten die imperialistischen Regierungen Englands und Frankreichs der Bedrohung in erster Linie dadurch zu entgehen, dass sie sich mit Hitlerdeutschland verständigten, um es als imperialen Stoßtrupp gegen die Sowjetunion zu benutzen. Von solchen Überlegungen ausgehend, schloss die Regierung Großbritanniens am 18. Juni 1935 ein Flottenabkommen mit Deutschland.

Fotomontage Flottenabkommen Großbritannien -Hitlerdeutschland

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Dieses Abkommen ermöglichte die Erhöhung der Tonnage der faschistischen Kriegsflotte von 78 000 auf 200 000 Bruttoregistertonnen. Dabei wurde vereinbart, dass die Größe der faschistischen U-Bootflotte der britischen gleich sein könne. Auf diese Weise half die englische Regierung den Faschisten den Versailler Vertrag zu brechen und legalisierte die deutsche Aufrüstung.

Chronik faschistische Außenpolitik 1933-1935

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Allein die Sowjetunion nahm den konsequenten Kampf gegen die aggressive Politik der faschistischen deutschen Regierung auf. Sie stellte der Politik der Aufrüstung und Kriegsvorbereitung der herrschenden Kreise Deutschlands, die von den imperialistischen Regierungen der USA, Englands und Frankreichs geduldet und gefördert wurde, ihre Aktivität zur Zügelung des Aggressors entgegen.

Chronik der sowjetischen Außenpolitik 1933-1935

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Auswirkungen der faschistischen Diktatur auf die Lage der verschiedenen Klassen und Schichten des deutschen Volke

Der Hitlerfaschismus und seine reaktionäre Politik nach innen und außen brachte für die Arbeiterklasse und die anderen Werktätigen(arbeitende Menschen/Erwerbstätige) neben politischer Unterdrückung und Terror auch verstärkte soziale Unterdrückung und Ausbeutung.

Von 1932 bis 1937 stieg die Produktion von Produktionsmitteln um 174 Prozent, die der Konsumtionsgüter stieg um 32 Prozent.

Durch verlängerte Arbeitszeit und erhöhte Arbeitsintensität stieg die Leistung je Arbeiter in der Eisen- und Stahlindustrie um 44 Prozent, in der Fahrzeugindustrie um 87 Prozent.

Die Bruttowochenlöhne stiegen dagegen nur um 15,8 Prozent, von 22.88 Mark auf 26,50 Mark im Durchschnitt. Im gleichen Zeitraum stiegen die Lebenshaltungskosten um 6 Prozent.

Ständig wuchs die Anzahl der gemeldeten Unfälle. Sie betrug 1932 noch 826 980, im Jahre 1937 wies sie 1 799 512 Unfälle aus

Der verstärkten Ausbeutung unterlagen auch die werktätigen Bauern und die städtischen kleinbürgerlichen Schichten. So stieg die Zahl der versteigerten Bauernhöfe – trotz der Versprechen der Nazis, das für immer zu unterbinden – von 1518 im Jahre 1934 auf 2270 im Jahre 1935. Allein von 1933 bis 1939 verloren die Wirtschaften der werktätigen Bauern etwa 25 Prozent ihres Pferde- und 15 Prozent ihres Rinderbestandes.

Diese ständig wachsende Ausbeutung wurde durch die faschistische Propaganda und einem sozialen Massenbetrug größten Ausmaßes verschleiert. So wurden von den Goebbels-Propagandisten die allmähliche Belebung der Wirtschaft und der Rückgang der Arbeitslosigkeit, als „Erfolge“ des Hitlerregimes gepriesen. Bis heute wird vielfach dieser Propaganda noch immer geglaubt und sieht dies als eine gute Seite des Hitlerregimes an. Die wirklichen Ursachen lagen jedoch darin, dass Hitler die Regierungsgewalt übernommen hatte, als der Tiefpunkt der Wirtschaftskrise bereits überwunden war und die Nazis sofort mit der Aufrüstung begannen

Im Rahmen des organisierten Massenbetruges spielte die faschistische Organisation „Kraft durch Freude“(KdF) eine große Rolle. Die von dieser Organisation durchgeführten Urlaubsreisen, Theaterbesuchte, Konzerte usw. wurden in den höchsten Tönen gepriesen. Sogar bis heute sehen viele Leute die KdF gute Seite der Zeit des Faschismus. Bevor der Hitlerfaschismus an die Macht kam, konnte sich niemand einen Urlaub leisten, was durch KdF möglich wurde. Nur der KdF-Wagen, der spätere VW-Käfer wird als Betrug angesehen, da viele darauf sparten, aber die Ersparnisse dann für die Kriegsfinanzierung verwendet wurden.

Jeder Arbeiter musste zwangsweise einen Beitrag für die KdF leisten, jährlich etwa insgesamt 140 Millionen Mark. So war das, bis heute von vielen Leuten gepriesene „soziale Wunderwerk“ ein Raubzug auf die Taschen der arbeitenden Menschen.

Die Nutznießer dieser faschistischen Politik waren die Herren von Kohle und Stahl, aber auch in wachsendem Maße der Chemie- und Elektroindustrie, wie Krupp, Thyssen, Röchling, Siemens, Krauch und andere. Das bewies letztendlich das Ansteigen der Profite dieser Monopolkapitalisten.

Rüstungsprofite der IG FarbenQuellenangabe Rüstungsprofite der IG Farben

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

geschichtsbuch-ddr-9-klasse-kopie-2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Innen und außenpolitische Kriegsvorbereitungen deutscher Faschisten