Die Lehren des II. Weltkrieges

Das Hauptziel des Kampfes der Völker der Antihitlerkoalition, die Welt vor der Versklavung durch die faschistischen Mächte zu bewahren, wurde erreicht. Dieses Ergebnis des II. Weltkrieges für eine andauernde Friedensperiode in der Welt zu sichern, war nach dem Ende der Kampfhandlungen die neue Hauptaufgabe. Das Bündnis der Völker und Regierungen verschiedener Gesellschaftssysteme, das sich im Kriege bewährt hatte, musste nun Wege suchen, um über die Gegensätze hinweg den Frieden zu sichern.

Hierbei verfolgten die Mächte der Antihitlerkoalition ein noch im Kriege festgelegtes Programm für die Nachkriegsordnung der Welt, das auf der Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis 2. August 1945 bekräftigt wurde. 

Potsdamer Konferenz

Oben: Schloss Cecilienhof in Potsdam, der Tagungsort der Potsdamer Konferenz Unten: Während der Potsdamer Konferenz im Jahre 1945

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982
Nürnberger Prozess

Der internationale Militärgerichtshof in Nürnberg während der Verhandlung gegen die faschistischen Hauptkriegsverbrecher

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982
Gründungskonferenz der UNO

Gründungskonferenz der UNO in San Francisco im Jahre 1945

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die wichtigsten Bestandteile dieses Programms waren die Besatzungspolitik in Deutschland zur Überwindung des Faschismus, der Abschluss von Friedensverträgen mit den ehemaligen Satelliten der faschistischen Koalition, die Aburteilung der Hauptkriegsverbrecher in Europa und Asien, die in den Prozessen von Nürnberg und Tokio erfolgte, und die Gründung der UNO im Jahre 1945. Deren Hauptaufgabe sollte die Sicherung des Friedens in der Welt, die friedliche Regelung von Streitigkeiten zwischen verschiedenen Staaten und die Förderung der Zusammenarbeit auf wirtschaftlichem, kulturellem und wissenschaftlichem Gebiet sein.

Für das deutsche Volk erwuchsen aus dem II. Weltkrieg Lehren, deren Befolgung bis in die Gegenwart eine Existenzfrage ist. Die herrschenden Kreise des deutschen Imperialismus erkannten, dass die neue Epoche in der Weltgeschichte seit 1917 nicht für ewig dauern sollte. Die sozialistische Gesellschaftsordnung in der UdSSR war der faschistischen Koalition überlegen und damit im II. Weltkrieg unbesiegbar. Doch seit 1989/90 ist es vorbei mit der sozialistischen Gesellschaftsordnung in Europa. Die UdSSR gibt es nicht mehr.

Der Krieg bewies, dass Hitlerdeutschland die reaktionärsten, historisch überlebtesten gesellschaftlichen Kräfte des Weltimperialismus vertrat, den ungerechtesten und grausamsten Krieg führte und als Hauptstoßkraft der Weltreaktion gegen die Sowjetunion auftrat. Bei seiner unermesslichen Eroberungsgier vermochte der deutsche Imperialismus noch weniger als im I. Weltkrieg den Widerspruch zwischen seinen weitreichenden Aggressionsplänen und seinen begrenzten politischen, ökonomischen und militärischen Möglichkeiten zu lösen. Die Niederlage des deutschen Imperialismus und Militarismus war somit unvermeidlich.

Eine der wichtigsten Lehren aus dem Krieg war, dass der deutsche Imperialismus und Militarismus nur an einer volksfeindlichen Politik gehindert werden kann, wenn die Arbeiterklasse einig ist und alle demokratischen Kräfte des Volkes im Kampf um die Erfüllung seiner Interessen führt. Seit der Niederlage 1989/90 spielt die Arbeiterklasse politisch keine Rolle mehr. Von Einigkeit keine Spur mehr.

Der 8. Mai 1945 brachte nicht nur die Niederlage des faschistischen Deutschlands. Er war zugleich der Tag der Befreiung des deutschen Volkes von der Nazibarbarei und gab ihm die Möglichkeit, die Lehren aus dem Krieg und der Geschichte der letzten Jahrzehnte zu ziehen und sich einen würdigeren Platz unter den friedliebenden Völkern zu erarbeiten.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Zerschlagung der Aggressoren im Fernen Osten

Das imperialistische Japan setzte nach der Niederlage Hitlerdeutschlands den Krieg im Fernen Osten fort. Im Kampf hatten die nationalen Befreiungsbewegungen in Südostasien die Kontrolle über große Gebiete in Malaya, Nordvietnam, Indonesien, China und Burma erlangt. Die Lage Japans hatte sich bedeutend verschlechtert, jedoch verfügte es noch über 4 Millionen Mann Landstreitkräfte und eine starke Luftwaffe. Die amerikanischen Militärs rechneten damit, den Krieg gegen Japan erst 1946 beenden zu können.

Die Sowjetunion hatte aber den westlichen Verbündeten versprochen, drei Monate nach dem Ende des Kriegs in Europa in den Kampf gegen Japan einzugreifen. Am 8. August 1945 erklärte die UdSSR Japan den Krieg und begann zusammen mit Einheiten der Mongolischen Volksrepublik den Kampf. Die chinesische Volksbefreiungsarmee schloss sich dem Befreiungsfeldzug an. Bis zum 19. August zerschlug die Sowjetarmee die rund 600 000 Mann zählenden japanischen Einheiten in Nordostchina, der Mandschurei und in Korea.

Obwohl die Niederlage Japans unmittelbar bevorstand, ließ die Regierung der USA am 6. August auf Hiroshima und am 9. August auf Nagasaki Atombomben werfen, wobei 200 000 Menschen den Tod fanden und Zehntausende durch Strahleneinwirkungen verwundet und zu jahrelangem Siechtum verurteilt wurden.

Hiroschima nach Atombombenexplosion

Hiroschima nach der Atombombenexplosion am 6. August 1945

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

Eine militärische Notwendigkeit für diesen Bombenabwurf bestand nicht. Vielmehr kam es den reaktionärsten Kräften in den USA darauf an, diese furchtbare Waffe zu zeigen. Da damals nur die USA über Atombomben verfügten, glaubten sie, die ganze Welt in Schach halten und den anderen Völkern, einschließlich der damaligen Verbündeten, von dieser „Position der Stärke“ ihren Willen aufzwingen zu können.

Japan setzte nach dem Atombombenabwurf noch fast einen Monat den Kampf fort. Am 2. September 1945 kapitulierte es bedingungslos. Der II. Weltkrieg von 1939 bis 1945 war beendet.

Kapitulation Japans

Kurz vor der Unterzeichnung der Kapitulation Japans auf dem Schlachtschiff „Missouri“ in Anwesenheit der Delegationen der UdSSR, der USA, Großbritanniens, Chinas, Australiens, Kanadas, Frankreichs, Neuseelands und der Niederlande

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

Die Welt war von der Barbarei der faschistischen Aggressoren befreit. Die Hauptlast des Kampfes hatten die Völker der Sowjetunion getragen.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Vorbereitung der KPD auf den Aufbau der antifaschistisch-demokratischen Ordnung in Deutschland

Während sich die Armeen der Antihitlerkoalition von Osten und Westen den deutschen Grenzen näherten, bereitete die Führung der KPD bereits den Neuaufbau eines antifaschistischen Deutschlands nach der Beendigung des Krieges vor. Ab Februar 1944 tätige Kommissionen des Zentralkomitees der KPD arbeiteten unter anderem ein „Kampfprogramm für Beendigung des Krieges, Frieden und Schaffung eines neuen freien Deutschlands“ und ein „Aktionsprogramm des Blocks der kämpferischen Demokratie“ aus. Das erste zeigte Wege, um durch Aktionen deutscher Arbeiter und ausländischer Zwangsarbeiter die Rüstungsproduktion zu schwächen und Zerstörungen in Deutschland durch die Faschisten zu verhindern. Das zweite Dokument enthielt Maßnahmen, die nach der militärischen Besetzung in Deutschland durchgeführt werden sollten, um eine antifaschistisch-demokratische Ordnung zu errichten.

Aktionsprogramm KPD Block kämpferische DemokratieAktionsprogramm der KPD kämpferische Demokratie 2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Am 5. April wurde von der Parteiführung Direktiven für die praktische Durchführung der antifaschistisch-demokratischen Umgestaltung in den von der Sowjetarmee befreiten deutschen Gebieten beschlossen.

Sowjetarmee am Brandenburger Tor Berlin Kopie

Die siegreiche Sowjetarmee am Brandenburger Tor in Berlin

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

Mit diesen Maßnahmeplänen befand sich die KPD in voller Übereinstimmung mit den Forderungen der Antihitlerkoalition.

 

Geschichtsbuch DDR 9. Klasse Kopie

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Hitlerdeutschland vor der Niederlage und der Zusammenbruch des Faschistischen Blocks

Angesichts der aussichtslosen Kriegslage suchten die faschistischen Machthaber nach einem Ausweg. Sie gaben sich trügerischen Hoffnungen auf ein Auseinanderbrechen der Antihitlerkoalition hin. Bis dahin gedachten sie mit brutaler Gewalt an der Front und im Hinterland ihre Terrorherrschaft zu verlängern. Dem Volk wurde vorgelogen, es würden noch „Wunderwaffen“ eingesetzt werden, die in letzter Minute Hitlerdeutschland retten könnten.

Anweisung von HimmlerAnweisung von Himmler 2Quellenangabe Anweisung von Himmler

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

Zugleich versuchten die Faschisten durch furchtbare Zerstörungen den Vormarsch der Truppen der Antihitlerkoalition aufzuhalten und die Grundlagen für den Wiederaufbau zu vernichten. Diese verbrecherische Methode erhielt die Bezeichnung Taktik der verbrannten Erde.

Faschistische Weisung ZerstörungsmaßnahmenQuellenangabe Faschistische Weisung Zerstörungsmaßnahmen

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Diese verbrecherische Kriegsführung richtete sich auch gegen das deutsche Volk. Neue Maßnahmen zur Verlängerung der Herrschaft des verbrecherischen Hitlerregimes wurden erlassen. So erfolgte am 25. September 1944 die Bildung eines Volkssturmes aus Männern von 16 bis 60 Jahren. Militärisch unausgebildete Jugendliche, Kranke und Frauen schickte der deutsche Faschismus zu Zehntausenden noch in den letzten Monaten des Krieges in den Tod.

Ausbildung des Volkssturms

Ausbildung des Volkssturms für die sinnlos gewordene Verteidigung

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Schließlich sollten auch in Deutschland selbst furchtbare Zerstörungen angerichtet werden, damit ein antifaschistisch-demokratischer Aufbau auf unüberwindliche Schwierigkeiten stoßen sollte.

Schienenwolf

Der „Schienenwolf“ im Einsatz

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Näheres zum Schienenwolf siehe Wikipedia.

 

Die Niederlagen der Faschisten an allen Fronten führten zum allmählichen Auseinanderbrechen des faschistischen Blocks. Auch in den „verbündeten“ Ländern war die Hitlerwehrmacht zum Besatzer geworden. Sie musste die einheimischen faschistischen Regierungen vor dem Volkszorn schützen und diese Länder mit Gewalt im Krieg halten. Als sich jedoch die Sowjetarmee den Grenzen der ost- und südosteuropäischen Länder näherte, vermochte Hitlerdeutschland die Volksbewegungen in diesen Ländern nicht mehr aufzuhalten.

 

Sowjetarmee an Brandenburger Tor

Die siegreiche Sowjetarmee am Brandenburger Tor in Berlin

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Unter der Führung der Arbeiterklasse wurden nationale Befreiungsfronten gebildet. Sie führten den Kampf breiter Bevölkerungsschichten, um den Krieg zu beenden und danach die antifaschistischen, demokratischen und antiimperialistischen Aufgaben zu lösen.

Zusammenbruch des faschistischen BlocksZusammenbruch des faschistischen Blocks 2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Befreiung Warschau

Sowjetische und polnische Soldaten befreien den Warschauer Stadtteil Praga

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Obwohl sich Hitlerdeutschland in einer völlig aussichtslosen Lage befand, setzte die faschistische Führung den verbrecherischen Krieg fort. Sinnlos wurden in den letzten Monaten des Krieges noch Hundertausende deutscher Menschen geopfert.

Es starben nicht nur die Soldaten an der Front, sondern es kamen viele Frauen, Kinder und alte Leute durch angloamerikanische Bombenangriffe um.

Nach Bombenangriff auf deutsche Städte

Nach Bombenangriffen auf deutsche Städte

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Diese richteten sich in der letzten Zeit des Krieges vornehmlich gegen die Zivilbevölkerung im künftigen sowjetischen Besatzungsgebiet. Damit sollten in dem von einem sozialistischen Staat besetzten Teil Deutschlands nahezu unüberwindbare Schwierigkeiten geschaffen und antifaschistisch-demokratische Umwälzungen verhindert werden.

Dresdner Altmarkt nach Bombenangriff

Auf dem Dresdner Altmarkt werden noch nach Tagen Leichen der während des Bombenangriffes umgekommenen Menschen verbrannt

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Ohne jede militärische Notwendigkeit wurde am 13. Und 15. Februar 1945 die von Flüchtlingen überfüllte Kunststadt Dresden bombardiert, wobei rund 35 000 Menschen umkamen.

 

Geschichtsbuch DDR 9. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Hitlerdeutschland vor der Niederlage

 

 

 

 

Die Eröffnung der zweiten Front

Als die Regierungen der Westmächte erkannten, dass die sowjetischen Truppen und bevorstehende nationale Volksaufstände in den unterjochten Ländern in der Lage sein würden, ganz Europa vom Faschismus zu befreien, ließen sie am 6. Juni 1944 in der Normandie ihre Truppen landen.

Landung der Allliierten in Frankreich: Eröffnung der zweiten Front am 6. Juni 1944

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Der machtvolle Vormarsch der Sowjetarmee hatte die Konzentration ausreichend starker deutscher militärischer Kräfte im Westen unmöglich gemacht. Die Anglo-Amerikaner drangen von Westen auf Paris vor. Sie landeten auch an der französischen Mittelmeerküste und marschierten nach Norden.

Die Invasion war für die Widerstands- und Partisanenbewegung in Westeuropa das Signal zum Volksaufstand. Noch bevor die Alliierten marschierten, gelang es französischen Patrioten, große Gebiete selbst zu befreien. Höhepunkt dieses Kampfes war der Volksaufstand in Paris am 18. August.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Eröffnung der zweiten Front

Der Siegeszug der Sowjetarmee

Seit der Niederlage in der Kursker Schlacht im Juli 1943 bestand die Strategie der faschistischen Führung in folgendem: Das Vordringen der Sowjetarmee verzögern und möglichst wenige der eroberten Gebiete preisgeben; Kräfte für einen auch in Westeuropa erwarteten Angriff der Anglo-Amerikaner aufsparen; auf einen Streit innerhalb der Antihitlerkoalition warten, der es Hitlerdeutschland ermöglichen würde, ohne bedingungslose Kapitulation den Krieg zu beenden.

Alle diese Bemühungen und Spekulationen scheiterten sehr bald.

Am 14. Januar 1944 hatte im Raum Leningrad (heute St. Petersburg) eine gewaltige Offensive der sowjetischen Truppen begonnen, die die 900tägige Belagerung der Stadt beendete und die faschistische Wehrmacht zum Rückzug zwang.

Die Stadt Lenins, die 1939 rund 3,2 Millionen Einwohner zählte, war die zweitgrößte Stadt der UdSSR. Von September 1941 bis Januar 1944 war sie von den faschistischen Truppen eingeschlossen. Große Zerstörungen durch Artilleriebeschuss und Bombardierungen waren die Folge. Durch Beschuss und Hunger kamen während der Blockade 632 253 Menschen in der Stadt um. Es gelang den Faschisten jedoch nicht, die Standhaftigkeit der traditionsreichen Leningrader Arbeiterklasse (wovon heute nichts mehr übrig ist, P.R.) zu brechen. Selbst unter schwersten Bedingungen produzierten die Werke der Stadt für die Sowjetarmee. Unter unsäglichen Mühen wurde die einzige Verbindung zum sowjetischen Hinterland, die Eisstraße über den Ladogasee, von Ende November 1941 bis zur Schneeschmelze im April 1942 aufrechterhalten.

An der gesamten über 1000 Kilometer langen deutsch-sowjetischen Front ging die Sowjetarmee zur Offensive über. Im Sommer 1944 war der größte Teil des Territoriums der UdSSR von den Faschisten befreit. Während dieser Zeit erreichte der Volkskampf gegen die faschistischen Besatzer seinen Höhepunkt. Das Zusammenwirken zwischen Partisanenverbänden und der Sowjetarmee hatte unmittelbare Auswirkungen auf die Kampfhandlungen. Die Partisanen erkundeten die Stärke und die Verteidigungsobjekte der Faschisten, zerstörten die Nachschubwege und banden die Reserven. Im Leningrader Gebiet gelang es der faschistischen Wehrmacht infolge der Partisanenaktionen zum Beispiel nicht mehr, einen regelmäßigen Eisenbahnverkehr aufrechtzuerhalten.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

„Weiße Rose“

Aufgerüttelt durch die Schlacht an der Wolga verstärkten auch antifaschistische deutsche Studenten ihren Kampf. In München und andren Städten verbreitete die studentische Widerstandsorganisation „Weiße Rose“ mehr als 90 000 Flugblätter. Bei einer Flugblattaktion in der Münchner Universität wurden am 18. Februar 1943 die Geschwister Scholl und ihre Mitkämpfer verhaftet. Vier Tage später wurden Hans und Sophie Scholl sowie Christoph Propst hingerichtet.

Weiße Rose_Geschwister Scholl

 

 

 

 

Geschichtsbuch DDR 9. Klasse Kopie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Der zweite Weltkrieg wird zum Volkskampf gegen den Faschismus

Die Herausbildung der Antihitlerkoalition

Der durch den faschistischen Überfall erzwungene Kriegseintritt der UdSSR änderte das Kräfteverhältnis im Kriege grundlegend. Für Hitlerdeutschland und seine Verbündeten gab es keine reale Möglichkeit mehr, den Krieg mit einem Erfolg zu beenden.

Da Großbritannien und seine Verbündeten 1940/41 in einer äußerst kritischen Situation befunden hatten, empfanden sie die Kriegsbeteiligung der Sowjetunion als eine große Erleichterung der eigenen Lage. Es entsprach somit auch dem Interesse der herrschenden Kreise dieser Länder, die Sowjetunion gegen den deutschen Faschismus zu unterstützen. Die Werktätigen(arbeitende Menschen/Erwerbstätige) dieser Länder, die mit großer Sympathie den Kampf der UdSSR verfolgten, forderten ihre Regierungen auf, dem sowjetischen Volk in seinem schweren Kampf aktiv Beistand und Hilfe zu leisten.

Aus Erklärung der Kommunistischen Partei Großbritanniens vom 23.06.1941

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Der britische Regierungschef Winston Churchill erklärte am 22. Juni 1941, Großbritannien werde die UdSSR unterstützen. Ebenso verhielten sich die USA, die zwar noch nicht Kriegsteilnehmer waren, jedoch Großbritannien und seine Verbündeten politisch und materiell unterstützten. Beide Staaten versprachen, der Sowjetunion Waffen und Ausrüstungen zu liefern.

So entstand nach dem Überfall Hitlerdeutschlands auf die UdSSR ein Kampfbündnis sowohl der Völker als auch der Regierungen gegen den deutschen Faschismus, das die Bezeichnung Antihitlerkoalition erhielt. Das Bündnis beruhte auf der Interessengemeinschaft aller Völker gegen die Weltherrschaftspläne des deutschen Imperialismus und sein barbarisches Herrschaftssystem.

Der Widerstandskampf und die Partisanenaktionen in den besetzten Ländern, die Anstrengungen der Völker aller übrigen Länder um einen aktiven Kampf gegen den Faschismus sowie das Wirken der Antifaschisten und Kriegsgegner in den Staaten des Faschistischen Blocks waren eine Grundlage der Antihitlerkoalition.

Aus der Rede Stalins vom 03.07.1941Quellenangabe aus der Rede Stalins vom 03.07.1941

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Mit der Teilnahme eines sozialistischen Staates wurde der gerechte Kampf der Völker gegen den Faschismus wesentlich verstärkt, und es wandelte sich endgültig der Charakter des Krieges seitens der gegen Hitlerdeutschland kämpfenden Staaten. Sie führten einen gerechten Volkskrieg, einen Befreiungskrieg gegen den Faschismus.

Die Entwicklung der Antihitlerkoalition

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Plakat der Kommunistischen Partei Großbritanniens

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Kräfteverhältnis während des II. Weltkrieges

Kräfteverhältnis während des II. Weltkriegs

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Regierungen Englands und der USA hielten allerdings viele Versprechen nicht ein. Sie sandten weder die versprochene Anzahl an Waffen, noch eröffneten sie schnell in Westeuropa eine zweite Front. Die Sowjetunion musste deshalb jahrelang allein die Hauptlast im Kampf gegen Hitlerdeutschland tragen. Innerhalb der herrschenden Kreise Großbritanniens und der USA gab es unterschiedliche Auffassungen über die Kriegsziele. In den USA sah ein Teil der Ratgeber des Präsidenten Franklin D. Roosevelt im deutschen Faschismus den Hauptfeind der Menschheit. Reaktionäre Kräfte des Finanzkapitals waren daran interessiert, den Krieg auszunutzen, um Hitlerdeutschland und die Sowjetunion sowie Großbritannien zu schwächen und die amerikanische Weltherrschaft zu errichten.

Erklärung von Harry S. Truman

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die antisowjetische Haltung reaktionärere Kräfte in den USA und Großbritannien behinderte die schnelle Entwicklung der Antihitlerkoalition. Es bedurfte großer Anstrengungen der progressiven Kräfte der Völker, um dieses Bündnis zu festigen. Trotz der negativen Haltung imperialistischer Kreise der Westmächte hatte die Antihitlerkoalition welthistorische Bedeutung. Sie errang den Sieg über denFaschismus und bewies, dass die Leninschen Prinzipien des internationalen Zusammenlebens zwischen kapitalistischen und sozialistischen Staaten auch im Kriege Gültigkeit besitzen

Der Zusammenschluss der Mächte in der Antihitlerkoalition gab den unterdrückten Völkern neuen Mut und festigte ihre Kampfentschlossenheit gegen die Aggressoren.

 

Die Ausweitung des II. Weltkrieges

Japan, der fernöstliche Verbündete Hitlerdeutschlands, glaubte, Ende 1941 sie die günstigste Situation, um die langgehegten Aggressionspläne in Asien zu verwirklichen. Sein Plan bestand darin, die reichen Inselgebiete im südlichen Stillen Ozean zu erobern, nachdem er bereits im Jahre 1940 im Raum des Südchinesischen Meeres sowie seit 1937 in China große Gebiete besetzt hatte. Japan wollte auch die Sowjetunion überfallen, jedoch abwarten, bis Hitlerdeutschland einen entscheidenden Sieg errungen hätte.

Richard Sorge

Der deutsche Kommunist und sowjetische Kundschafter Richard Sorge leitete in Japan eine Gruppe, die der sowjetischen Regierung die Kriegspläne der Japaner und der deutschen Faschisten mitteilte. Sorge wurde am 18. Oktober 1941 verhaftet und am 7. November 1944 von den japanischen Imperialisten ermordet.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Der Gegenschlag der Sowjetunion bei Moskau im Dezember 1941 und die danach beginnende Wende des Krieges zwangen jedoch die japanischen Imperialisten, ihre Kriegsabsichten gegen die UdSSR aufzugeben.

Der II. Weltkrieg im fernen Osten

Der II. Weltkrieg im Fernen Osten – Die Zerschlagung der japanischen Aggressoren

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Am 07. Dezember 1941 überfielen ohne Kriegserklärung japanische Flugzeuge und Kriegsschiffe den amerikanischen Stützpunkt Pearl Harbor auf der Hawaii-Insel Oahu. 18 große und mehrere kleine amerikanische Kriegsschiffe und rund 300 Flugzeuge gingen in wenigen Stunden verloren. Die amerikanische Flotte im Pazifik war vorerst kampfunfähig. Damit befanden sich die auch die USA offiziell im Kriege.

Überfall auf Pearl Harbor

Während des japanischen Überfalls auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941. Neben Kreuzern und anderen Einheiten wurden auch zwei Schlachtschiffe versenkt und sechs weitere schwer beschädigt.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Am 11. Dezember 1941 erklärten Hitlerdeutschland und das faschistische Italien den USA den Krieg. Eine Reihe von Staaten Südamerikas traten auf der Seite der USA ebenfalls in den Krieg ein. Ende 1941 befanden sich bereits 29 Staaten im Kriegszustand mit dem faschistischen Block.

In allen japanisch besetzten Gebieten entwickelten sich starke Widerstandsbewegungen und Partisaneneinheiten. Im Mai 1941 begannen die Viet-Minh unter Ho-chi-Minh den Kampf um die Unabhängigkeit des Landes gegen die japanischen Besatzer, den sie nach dem Kriege gegen die französischen Kolonialherren und später gegen die amerikanischen Interventen bis zu Jahre 1975 fortsetzen mussten.

Viet- Minh

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Bis zum Frühsommer 1942 eroberten japanische Truppen Indonesien, die Gilbert-Inseln, Guam und weitere Inselgruppen. Im Juni erlitten sie jedoch in der See-Luft-Schlacht bei den Midway-Inseln große Verluste. Auf diesem Kriegsschauplatz erlangten die anglo-amerikanischen Streitkräfte allmählich das Übergewicht.

 

 

Geschichtsbuch DDR 9. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der II. Weltkrieg wird zum Volkskampf gegen den Faschismus -1

 

 

Der grundlegende Umschwung des Krieges. Die neue Etappe des Widerstandskampfes

Die Schlachten an der Wolga und bei Kursk

Ende des Jahres 1941 war der Blitzkrieg der Faschisten gegen die Sowjetunion trotz deren anfänglicher Misserfolge gescheitert. 1942 versuchte die faschistische Führung jedoch nochmals in einem neuen Ansturm, die UdSSR niederzuringen. Die Möglichkeiten Hitlerdeutschlands waren aber viel geringer geworden.

Aus Bericht Oberkommando WehrmachtQuellenangabe aus Bericht Oberkommando Wehrmacht

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Verluste der Hitlerwehrmacht zwangen somit die Faschisten, ihre Pläne für 1942 zu ändern und nicht weiter frontal gegen Moskau vorzugehen. Der Vorstoß zur Wolga und die Eroberung des Kaukasus mit seinen reichen Ölfeldern waren die Hauptziele dieser Offensive. Die faschistische Führung hoffte, die Sowjetunion würde dieses Mal zusammenbrechen und Hitlerdeutschland sein durch die Niederlage vor Moskau geschwundenes Ansehen wiedergewinnen

Die deutschen Faschisten konnten auch 1942 den größten Teil der Wehrmacht an der deutsch-sowjetischen Front konzentrieren. Von insgesamt 177 Infanteriedivisionen standen zum Beispiel 136 im Osten. Das war nur möglich, wie die Westmächte die Sowjetunion militärisch nicht entlasteten und die versprochene zweite Front nicht eröffneten.

Flugzeugfabrik SU

Die Sowjetvölker vollbrachten nicht nur Heldentaten an der Front, sondern auch im Hinterland: Serienherstellung von Iljuschin-Kampfflugzeugen in neuerrichteten Betrieben

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Ende Juni/Anfang Juli 1942 begannen die Faschisten im Süden der Sowjetunion einen Angriff. Es gelang ihnen, über den Don vorzustoßen und Ende August die Wolga nördlich von Stalingrad (heute Wolgograd) zu erreichen. Im Kaukasus drangen sie über den Kuban vor und eroberten das Erdölgebiet bei Maikop. Die vorgesehenen Ziele des Angriffs erreichten sie jedoch nicht. Mitte September begannen langwierige, kräftezehrende Straßenkämpfe in Stalingrad. Am 14. Oktober musste das faschistische Oberkommando den Übergang zur Verteidigung befehlen. Die deutschen Angriffskräfte waren erschöpft. Über eine Million Soldaten hatte die Naziwehrmacht seit dem Sommer verloren.

Die Schlacht an der Wolga 1942-43

Die Schlacht an der Wolga 1942/43

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Am 19./20. November 1942 traten die sowjetischen Armeen an der Wolga zum Gegenangriff an. Innerhalb von 3 Tagen war die deutsche 6. Armee unter ihrem Befehlshaber Paulus mit 300 000 Mann eingeschlossen. Aus dem Kaukasus wurden die faschistischen Truppen ebenfalls zurückgedrängt. Bald wurde die Lage der Eingeschlossenen in Stalingrad hoffnungslos. Es fehlte an Munition, Treibstoff und Verpflegung. Hunger und Seuchen schwächten die Armee. Auf ausdrücklichen Befehl des faschistischen Oberkommandos lehnte der Oberbefehlshaber der 6. Armee jedoch mehrere ehrenvolle sowjetische Kapitulationsangebote ab.

Während der Schlacht riefen deutsche Kommunisten, darunter Walter Ulbricht, Willi Bredel und Erich Weinert aus den vordersten sowjetischen Schützengräben die deutschen Soldaten auf, den sinnlosen Kampf einzustellen. An der Seite der deutschen Kommunisten standen antifaschistische Offiziere und Soldaten, die ihre ehemaligen Kameraden aufforderten, die verbrecherischen Befehle Hitlers und des faschistischen Oberkommandos nicht mehr auszuführen, um weiteres sinnloses Blutvergießen zu vermeiden.

Flugblatt 12.12.1942 1Flugblatt 12.12.1942 2Quellenangabe Flugblatt 12.12.1942

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

W.Ulbricht E.Weinert u.a.

Walter Ulbricht, Erich Weinert und andere Genossen versuchen unter Einsatz ihres Lebens von den sowjetischen Stellungen aus, die deutschen Soldaten vor ihrem sinnlosen Tod für das Hitlerregime zu bewahren

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Nach einem aussichtslosen, über zwei Monate dauernden Kampf mussten sich die Reste der 6. Deutschen Armee in Stalingrad am 2. Februar 1943 ergeben. Nur 91 000 Überlebende, zum Teil halbverhungert und mit schweren Erfrierungswunden, gerieten in sowjetische Gefangenschaft.

Sowjetische Truppen erobern Stalingrad zurück

Sowjetische Truppen erobern Meter für Meter Stalingrad zurück

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Nach der Niederlage an der Wolga hatte die faschistische Wehrmacht keine Möglichkeit mehr, an der gesamten Deutsch-sowjetischen Front eine große Angriffsoperation durchzuführen. Dem deutschen Volk logen die Faschisten vor, die militärische Kraft sei ungebrochen, denn die Armeen stünden ja noch weit in Feindesland. Die deutschen Konzerne forderten die Militärs und Hitler auf, unbedingt die eroberten Gebiete im Interesse der deutschen Rüstungsindustrie zu halten.

Auf einem begrenzten Raum versuchten die Faschisten am 05. Juli 1943 bei Kursk noch einmal einen Angriff. Dieser blieb schon in den ersten Tagen stecken. Am 12. Juli gingen die sowjetischen Truppen zum Gegenangriff über. Die Schlacht bei Kursk führte zu einer neuen großen Niederlage der faschistischen Wehrmacht.

Der Umschwung im Verlauf des Krieges zugunsten der Antihitlerkoalition, der sich mit der Schlacht bei Moskau abgezeichnet hatte und in Stalingrad offensichtlich geworden war, wurde mit dem Sieg der Sowjetarmee bei Kursk vollendet.

Nach der Schlacht bei Kursk setzten sowjetische Truppen an anderen Abschnitten der Front die Offensive fort. Bis Ende des Jahres 1943 mussten sich die Faschisten im Süden der UdSSR um 1200 Kilometer und im Mittelabschnitt um rund 500 Kilometer zurückziehen. Sie verloren zwei Millionen Mann an Toten, Vermissten und Verwundeten.

Reste Schlacht an der Wolga

Reste der faschistischen Armee nach der Schlacht an der Wolga

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Der Sieg der UdSSR bei Stalingrad und Kursk sowie die Befreiung der Hälfte des gesamten von den Faschisten besetzten sowjetischen Gebietes bis Ende 1943 ließen den Glauben an den Sieg bei allen gegen den deutschen Imperialismus kämpfenden Völkern zur Gewissheit werden.

Festsetzung deutscher Monopolkapitalisten

Die deutschen Monopolkapitalisten glaubten, sich für immer in den besetzten sowjetischen Gebieten festsetzen zu können. Eine unmenschliche Ausbeutung und Ausnutzung der Rohstoffreserven brachte für die deutschen Imperialisten jetzt auch Profite aus den der Aggression zum Opfer gefallenen Gebieten

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Der beginnende Zerfall des faschistischen Blocks. Die Niederlagen in Nordafrika und Italien

Die deutschen Faschisten mobilisierten 1943 noch einmal bedeutende Kräfte, um den Krieg weiterzuführen, obwohl die Niederlagen an der deutsch-sowjetischen Front sowie in Nordafrika und Italien deutlich machten, dass der Krieg für sie verloren war. Trotzdem planten die Faschisten den Tod weiterer Millionen deutscher Männer und Frauen ein, um ihre eigene Herrschaft zu verlängern. An der Wende des Jahres 1942/43 wurden umfangreiche Maßnahmen beschlossen, um die Rüstungsproduktion zu vergrößern und noch mehr Männer zur Wehrmacht einzuziehen. Diese Maßnahmen trugen die Bezeichnung totaler Krieg. Die großen Konzerne nutzten den totalen Krieg, um ihren Einfluss auszudehnen. Die führenden Vertreter der Rüstungs- und Grundstoffindustrie erlangten die absolute Herrschaft über die deutsche Wirtschaft und bestimmten, wer noch was produzieren durfte. Jeder Industriezweig wurde von dem führenden Konzern des entsprechenden Bereichs beherrscht und gelenkt.

Kriegsverlauf 1942-43 Mittelmeerraum 1Kriegsverlauf Mittelmeerraum 1942-43 2

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Diese Maßnahmen und die brutale Ausbeutung der besetzten Länder führten zu einer gewissen Verstärkung der Wehrmacht und der Rüstung. Dennoch brachten sie nicht die erwarteten Erfolge. Unter der kapitalistischen Gesellschaftsordnung war es unmöglich, das Volk restlos für diesen ungerechten Krieg zu mobilisieren, der zum Nutzen der herrschenden Klasse geführt wurde. Das insgesamt für die deutschen Imperialisten unbefriedigende Ergebnis der totalen Kriegsführung zeigte auch, dass beim Volk der Glaube an den Sieg sank und es weitaus weniger als früher bereit war, freiwillig weitere Opfer zu bringen.

Maßnahmen der Faschisten totale Kriegsführung

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Abtransport von Zwangsarbeiterinnen

Sowjetbürgerinnen werden zur Zwangsarbeit nach Deutschland abtransportiert

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Der wachsende Widerstand in den besetzten Gebieten

Nach den faschistischen Niederlagen bei Stalingrad und Kursk kam es zu einem gewaltigen Aufschwung der Partisanen- und Widerstandsbewegung in ganz Europa.

In der Sowjetunion nahm der Kampf der Partisanen den Charakter großer Schlachten an. Allein 1943 verursachten Partisanen im Hinterland der faschistischen Truppen etwa 11 000 Schienensprengungen, 6000 Zugzusammenstöße, vernichteten oder beschädigten die 6000 Lokomotiven, 40 000 Waggons, 22 000 Kraftfahrzeuge und sprengten sie 5500 Straßen- und 900 Eisenbahnbrücken.

Zum Entgleisen gebrachter Zug

Zum Entgleisen gebrachter Transportzug in der Nähe von Wilnjus

Sowjetische Partisanen

Sowjetische Partisanen bereiten eine Sprengung einer Eisenbahnlinie vor

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

In Polen entstanden Volksgarden, die sich bemühten, den gemeinsamen Kampf aller Widerstandskräfte zu organisieren. Auf dem Territorium der Sowjetunion stellten polnische Patrioten mit Hilfe der UdSSR seit Mai 1943 die Volksarmee auf, die im Sommer 1944 die Stärke von 100 000 Mann erreichte und an vorderster Front gegen die Faschisten kämpfte.

Vereidigung eines polnischen Offiziers

Vereidigung eines Offiziers der polnischen Division „Tadeusz Kosciusko“

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Als die SS die im Warschauer Ghetto eingepferchten Juden in die Todeslager von Auschwitz und Majdanek verschleppen wollte, erhoben diese sich am 19. April 1943 zum bewaffneten Aufstand. Brutal ermordete die SS bei seiner Unterdrückung allein in Warschau über 56 000 Juden.

Abtransport von Juden aus Warschauer Ghetto

Abtransport von Juden aus dem Warschauer Ghetto in die Vernichtungslager

 

 

 

 

 

 

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

In Jugoslawien hatte die 1943 rund 300 000 Mann zählende Volksbefreiungsarmee fast die Hälfte des Lands befreit.

Jugoslawische Partisanen

Jugoslawische Partisanen im Einsatz

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

In Griechenland kontrollierten die Patrioten 1943 ein Drittel des Landes.

In Frankreich wurden Ende 1943 alle Kampforganisationen zur Widerstandsbewegung unter der Führung eines Nationalrates zu einer einheitlichen Armee zusammengeschlossen. Zehntausend junger Franzosen entzogen sich durch Flucht und Übergang zu den Partisanen der Zwangsverschickung nach Hitlerdeutschland. Im September 1943 befreiten französische Patrioten die Insel Korsika.

Der Widerstandskampf und die Partisanenbewegung trugen einen internationalen Charakter. Die Ziele der weltweiten Antihitlerkoalition waren auch die Ziele des Widerstandskampfes. Die Arbeiterklasse und die werktätigen Bauern waren die Hauptträger dieser Bewegung. Sie stellten die Masse der illegalen Kämpfer und brachten die meisten Opfer. Die kommunistischen und Arbeiterparteien waren die führende Kraft im Widerstandskampf. Ihre Mitglieder standen in allen Ländern in der ersten Reihe des Kampfes.

Am 08. September 1943 wurde der tschechische Nationalheld Julius Fucik in Berlin von den faschistischen Henkern ermordet. Er schmuggelte aus dem Gefängnis das Buch „Reportage unter dem Strang geschrieben“, ein bedeutendes Dokument des Kampfes der tschechoslowakischen patriotischen Kräfte. Den faschistischen Blutrichtern, die ihm die Treue zur UdSSR vorwarfen, sagte er stolz ins Gesicht: „Jawohl, ich habe der Sowjetunion geholfen. Und das ist das Beste, was ich während der 40 Jahre meines Lebens geleistet habe.“

In der Sowjetunionwaren viele Kommunisten und Komsomolzen am Partisanenkampf beteiligt. In Belorussland kämpften 25 152 Kommunisten und 73 000 Komsomolzen illegal gegen die faschistische Wehrmacht. In der Ukraine waren es 15 000 Kommunisten und 26 000 Komsomolzen. 80 Prozent der 15 000 Mitglieder der Kommunistischen Partei Jugoslawiens fielen im Kampf, aber 100 000 andre Kämpfer traten bis Januar 1945 der Partei bei. Die Kommunistische Partei Frankreichs verlor im Kampf gegen die faschistischen Besatzungstruppen 75 000 Mitglieder.

Die Kraft und Stärke der sowjetischen Soldaten und Partisanen sowie aller antifaschistischen Widerstandskämpfer entsprang den gerechten Zielen ihres Kampfes, die mit den Lebensinteressen der Völker übereinstimmten.

Lenin über Rolle der Volksmassen im KriegeQuellenangabe Lenin über Rolle der Volksmassen im Kriege

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die deutschen Faschisten gingen bei der Unterdrückung des Widerstandskampfes und der Partisanenbewegung, die immer größere Kräfte Hitlerdeutschlands banden, mit größter Grausamkeit vor.

Am 10. Juni 1942 zerstörten sie die Bergarbeitersiedlung Lidice, als „Vergeltung“ für die Erschießung des SS-Mörders und stellvertretenden Reichsprotektors Heydrich durch tschechische Widerstandskämpfer. Sie erschossen wahllos 199 Männer und 9 Frauen und verschleppten 203 Frauen und 93 Kinder in Konzentrationslager. Ebenso grausam wurde als angebliches Versteck von Widerstandskämpfern das französische Dorf Oradour-sur-Glane am 10. Juni 1944 von der SS zerstört, wobei 642 Männer, Frauen und Kinder niedergeschossen oder lebendig verbrannt wurden – die Männer in Scheunen und Garagen, die Frauen und Kinder in der Kirche.

Faschistische Soldaten führen Massenhinrichtungen durch

Faschistische Soldaten führen Massenhinrichtungen durch

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Weder der Terror gegen die Widerstandskämpfer noch die totale Kriegsführung konnten jedoch die herannahende Niederlage Hitlerdeutschlands aufhalten.

 

Geschichtsbuch DDR 9. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der grundlegende Umschwung des Krieges. Die neue Etappe des Widerstandskampfes

 

 

 

 

 

 

 

Behauptungen der BStU zum Fall Erna Dorn

Unter den in der Strafvollzugsanstalt Kleine Steinstraße befreiten Häftlingen befand sich auch eine Frau, die nach eigenen Aussagen den Namen Erna Dorn trug. Sie hielt sich in der Haftanstalt auf, weil sie im Mai 1953 wegen Naziverbrechen zu einer Zuchthausstrafe verurteilt worden war. Das Bezirksgericht hatte Erna Dorn für schuldig befunden, als Beamtin der Gestapo und KZ-Aufseherin Gefangene schwer misshandelt und gar in den Tod getrieben zu haben. Das Merkwürdige an diesem Fall bestand jedoch darin, dass sich Erna Dorn ausschließlich selbst belastet hatte. Von den vier Zeuginnen, die gegen Erna Dorn aussagen sollten, hatten zwei sie weder im KZ noch bei der Gestapo gesehen und die anderen zwei Zeuginnen waren zum Zeitpunkt der Gerichtsverhandlung spurlos verschwunden. In den vorliegenden Dokumenten ist von Zeuginnen keine Rede. Das Todesurteil befindet sich nicht in der MfS-Mediathek. Eigenartig, denn die BStU müsste doch auch im Besitz dieses Dokumentes sein.

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Erna Dorn

Quelle: BStU, MfS, HAIX, ZUV, Nr. 75, Bd. 2, Bl. 143

 

Trotzdem wurde sie verurteilt und am 20. Juni von der SED-Bezirkszeitung „Freiheit“ sogar zur „SS-Kommandeuse“ hochstilisiert. Die SED-Führung benutzte den „Fall Dorn“ als vermeintlichen Beweis für den faschistischen Charakter des Aufstandes am 17. Juni 1953. Erna Dorn selbst wurde bereits fünf Tage nach dem Sturm auf die Untersuchungshaftanstalt vom Bezirksgericht Halle als „Rädelsführerin des faschistischen Putsches“ zum Tode verurteilt und damit zur Legende. Der Mythos von der „SS-Kommandeuse“ in Halle prägte weitreichend die Vorstellung vieler DDR-Bürger von den Ereignissen am 17. Juni 1953. Er ist zum Teil noch heute in Memoiren und Erzählungen von Augenzeugen des Volksaufstandes zu finden. Volksaufstand??

Von den vier Zeuginnen, die gegen Erna Dorn aussagen sollten, hatten zwei sie weder im KZ noch bei der Gestapo gesehen und die anderen zwei Zeuginnen waren zum Zeitpunkt der Gerichtsverhandlung spurlos verschwunden.

 

Die BStU denkt bei dieser Aussage wohl an Mafia-Prozesse, wo die Zeuginnen und Zeugen verschwinden. Wie oben gesagt, sind aus den vorliegenden Dokumenten keine Zeuginnen ersichtlich. Woher weiß die BStU das? Dann ist sie doch im Besitz des Todesurteils bzw. anderer entsprechender Dokumente. Da steht auch gewiss was darüber drin.

Es ist bis heute nicht gelungen, endgültig zu klären, wer diese Frau wirklich gewesen ist und ob Erna Dorn ihr richtiger Name war. Die von 1949 bis 1953 in Halle angelegte Gerichtsakte stellt den einzigen Nachweis für den Lebensweg der Erna Dorn dar. Aus der Zeit vor 1945 konnten bisher nirgendwo Dokumente gefunden werden. Das bedeutet aber, dass alle Tatsachen über sie im Wesentlichen auf ihren eigenen Aussagen bei Vernehmungen beruhen. Dabei ist nicht bekannt, ob sie bei den Vernehmungen, insbesondere nach dem 17. Juni, misshandelt und zu bestimmten Aussagen gezwungen wurde. Der Sachverhalt, dass sich Erna Dorn seit 1951 in immer größerem Maße selbst belastete, lässt diese Vermutung jedoch aufkommen. Darüber hinaus verstrickte Erna Dorn sich während der vielfach geforderten Darstellung ihrer Biografie selbst in einige Widersprüche. Und die vier Zeugenaussagen über ihre Tätigkeit vor 1945 trugen auch nicht zur Aufhellung ihres Lebensweges bei. Für die Handlungen Erna Dorns, die ihr unterstellt wurden, nachdem sie aus dem Gefängnis am 17. Juni 1953 befreit worden war, konnten Polizei und Staatssicherheitsdienst ebenfalls keine Zeugen ermitteln. Da versteigt sich die BStU in abenteuerliche Behauptungen. Nazis haben es wohl verstanden ihre Akten zu vernichten und diese wurden nicht, wie heute die DDR-Akten, gesammelt. Die behaupteten Widersprüche sind als amtliche Fehler zu sehen, wie unterschiedliche Angaben zwischen dem Gerichtsurteil vom 21. Mai 1953und dem Schlussbericht vom 22.06.1953.

 

Aus den vorliegenden Akten ergibt sich ein sehr verworrener Lebenslauf. Erna Dorn, geborene Kaminsky, wurde am 17. Juli 1911 in Tilsit in Ostpreußen als Tochter des kaufmännischen Angestellten Arthur Kaminsky geboren. Nach dem Besuch der Höheren Mädchenschule und einer Lehre bei der Industrie- und Handelskammer in Königsberg bekam sie 1932 eine Anstellung im Polizeipräsidium Königsberg. Bereits an dieser Stelle beginnen die ersten Widersprüche. Denn Erna Dorn behauptete in einer Aussage, nur als Stenotypistin tätig gewesen zu sein, in einer anderen meinte sie aber, als Polizeiassistentin gearbeitet zu haben. „Ende 1934 Anfang 1935 kam ich dann zur Gestapo. Bis 1941 war ich bei der Gestapotätig und kam 1941 zur politischen Abteilung ins Konzentrationslager Ravensbrück.“ Genauso rätselhaft und undurchsichtig waren die Ausführungen Erna Dorns über ihre Tätigkeit als Mitarbeiterin der Politischen Abteilung im Konzentrationslager (KZ) Ravensbrück.

 

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Erna Dorn

Quelle: BStU, MfS, HA IX/11, ZUV, Nr. 75, Bd. 2, Bl. 143 (Ausschnitt)

 

Von Vernehmung zu Vernehmung gab sie einen anderen Dienstrang sowie eine andere Tätigkeit an und ihre Beschreibungen des KZ wiesen gravierende Fehler auf. Auf den Namenslisten der SS-Einheiten des KZ Ravensbrück, die sich heute im Archiv der Gedenkstätte Ravensbrück befinden, ist weder der Name Erna Kaminsky noch der Name Erna Dorn zu finden. Schade, dass meine Bekannte, die in Ravensbrück eingesessen hatte, nicht mehr lebt. Überhaupt sind heute so gut, wie keine Zeitzeugen mehr am Leben. Die Nazis haben wohl entsprechende Akten weitgehend vernichtet, wo die Namen ihres Personals gestanden haben. Das ist die BStU nun „fein raus“.

Ab Mai 1945 lässt sich der Lebensweg Erna Dorns anhand einiger Dokumente nachweisen. Nach diesen Unterlagen vollzog Erna Dorn im Frühjahr 1945 einen Identitätswechsel. Seit dem 12. Mai 1945 verfügte sie über einen Entlassungsschein aus dem KZ Hertine in Tschechien sowie über einen falschen Namen. Sie nannte sich nun Erna Brüser, geborene Scheffler, und lebte die folgenden sechs Jahre in der Rolle eines vermeintlichen KZ-Häftlings

Die Wandlung Erna Dorns von einer mutmaßlichen Täterin zum Opfer der Nazidiktatur schien vollkommen zu sein, als sie noch im Jahr 1945 der KPD (ab 1946 SED) beitrat. In ihrer „Rolle“ als KZ-Häftling muss sie recht überzeugend gewesen sein. Denn es gelang ihr sogar, einen ehemaligen Spanienkämpfer und „Kämpfer gegen den Faschismus“, einen Offizier der Volkspolizei (VP), zu täuschen. Mit ihm ging sie im Dezember 1945 als Erna Brüser die Ehe ein. Das Paar zog bald darauf in eine eigene Zweiraumwohnung. Hier bot der VP-Angehörige seiner Ehefrau die Möglichkeit, ab März 1946 das Leben einer Hausfrau zu führen.
Im Jahr 1948 bekam Erna Dorn aber ein größeres Problem. Im August dieses Jahres fand in Halle der Prozess gegen die KZ-Aufseherin Gertrud Rabestein statt. In diesem Prozess sollte Erna Dorn als Zeugin vernommen werden. Vermutlich befürchtete sie, dass ihre mühsam aufgebaute Identität im Gerichtssaal Schaden nehmen könnte. Deshalb versuchte sie, sich der Aussageaufforderung mit dem Vorwand zu entziehen, sie sei schwanger

„Sie [Dorn] entzog sich dieser Pflicht und spielte, sage und schreibe zwei Jahre lang mit Kissen ausgestopft, die schwangere, nicht vernehmbare Frau.“

Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes

 

Die Vortäuschung einer Schwangerschaft half Erna Dorn jedoch nicht nur aus dieser Zwangslage. Sie nutzte diesen Vorwand auch, um in den Genuss der Sonderzuteilung für Schwangere zu kommen. Daraufhin wurde sie im Januar 1950 wegen „Betrug und Wirtschaftsvergehen“ zu elf Monaten Gefängnis verurteilt. Von nun an ging es mit ihr bergab. Der Verurteilung folgte prompt der Ausschluss aus der SED und noch im Dezember 1949 ließ sich ihr Ehemann von ihr scheiden. Er untersagte ihr sogar mit einer notariellen Erklärung, weiterhin den gemeinsamen Familiennamen zu führen. So wie sie mit ihm verfahren ist wundert das Einen nicht. Außerdem war die Ehe nicht rechtmäßig

Vom Zeitpunkt ihrer ersten Verhaftung Ende 1949 bis zur Hinrichtung im Jahr 1953 hielt sich Erna Dorn fast ausschließlich in Strafvollzugsanstalten auf. Nachdem sie die erste Strafe verbüßt hatte, blieb sie nur wenige Wochen auf freiem Fuß. Dann wurde sie im Januar 1951 erneut von der Polizei festgenommen. Die arbeits- und obdachlose Erna Dorn hatte mit Komplizen unter anderem die Koffer von Reisenden im Halleschen Bahnhof gestohlen. Deshalb verurteilte ein Hallesches Gericht Erna Dorn 1951 zu einem Jahr und sechs Monaten Zuchthaus. Im gleichen Jahr begann jene Phase, in der Erna Dorn sich mit zum Teil grotesken Geschichten immer stärker selbst belastete. Ob sie sich dabei nur vor ihren Mitgefangenen hervortun oder aber zugleich an Menschen rächen wollte, von denen sie sich verraten fühlte, muss dahingestellt bleiben. Hier muss die BStU zugegeben, dass Erna Dorn eine Kriminelle war.

Verbrecherbild Erna Dorn

Bildquelle: MfS-Mediathek

 

Zuerst beschäftigte sie die Untersuchungsbehörden mit Legenden von ihrer angeblichen Agenten- und Spionagetätigkeit. Dann behauptete sie, ihr Ex-Ehemann sei in Wirklichkeit der ehemalige KZ-Kommandant von Ravensbrück, was sehr aufwendige und für den Betroffenen unangenehme Untersuchungen nach sich zog. Schließlich verbreitete sie die Geschichte über ihre Arbeit bei der Polizei und der Gestapo. Letzteres hatte zur Folge, dass Erna Dorn, nachdem sie noch einmal zwei Wochen auf freiem Fuß gewesen war, wegen Verdacht auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit wieder verhaftet und schließlich am 21. Mai 1953 vom Bezirksgericht Halle zu 15 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde. Dabei stützte sich das Gericht ausschließlich auf die „Einlassungen der Angeklagten und das bei den Akten vorliegende Beweismaterial, das sich aus Vernehmungsprotokollen zusammensetzt“. Diese sehr dürftige Beweislage führte offensichtlich zu dem für die damaligen Verhältnisse noch relativ niedrigen Strafmaß gegen eine „KZ-Aufseherin“. Als Angeberei und Wichtigtuerei verharmlost die BStU die Verleumdung ihres Ex-Mannes und dass nun herausgekommen ist, wer sie wirklich war

Drei Wochen nach ihrem Prozess befand sich Erna Dorn in der Strafvollzugsanstalt II in der Kleinen Steinstraße. Warum sie sich gerade zu dieser Zeit in der Strafvollzugsanstalt II aufhielt, konnte bisher ebenfalls nicht geklärt werden. Eine der Hypothesen besagt, dass sie dort auf eine Verlegung in ein Zuchthaus wartete. Dadurch erlebte sie am 17. Juni 1953 die Erstürmung des Gefängnisses mit und war unter den 245 befreiten Häftlingen, die gegen 16.00 Uhr die Haftanstalt verließen.

Durch diesen Zufall wurde Erna Dorn unfreiwillig in die Ereignisse am 17. Juni hineingezogen und bald eine der bekanntesten Personen des Volksaufstandes. Dass das kein dämlicher Zufall war, geht aus den Dokumenten hervor. Sie hatte Verbindung zu ihrem Vater, der für die BRD als Agent tätig war. Eigentlich erging es ihr so wie den meisten frei gelassenen Häftlingen, sie blieb nur wenige Stunden auf freiem Fuß. Bereits am Mittag des 18. Juni wurde sie wieder verhaftet und zurück in das Gefängnis gebracht. Doch was Erna Dorn in den dazwischenliegenden Stunden, insbesondere in der Zeit von ihrer Entlassung bis zum Beginn der Ausgangssperre um 21.00 Uhr, getan hatte oder aber getan haben soll, darum ranken sich bis heute Legenden. Es ist doch in den Dokumenten vermerkt, dass sie eine Rede hielt und faschistische Propaganda betrieb sowie zum Sturz der Regierung der DDR aufrief. Denn es gab weder Zeugen noch irgendeine Notiz in den vielen Berichten der Polizei und der SED über das Geschehen am 17. Juni 1953. Alle Berichte über die Handlungen Erna Dorns zwischen 16.00 Uhr und 21.00 Uhr beruhten ausschließlich auf den Aussagen von Erna Dorn selbst

Diese Aussagen hatte sie in einem Verhör am 21. Juni 1953 beim MfS gemacht, dem einzigen Verhör nach ihrer erneuten Verhaftung. Es kann jedoch nicht ausgeschlossen werden, dass die Angeklagte bei dieser Vernehmung mit Gewalt zu ihren Geständnissen gezwungen worden ist. Aus dem Verhörprotokoll geht hervor, dass die, nach der Befreiung aus dem Gefängnis obdachlose Erna Dorn von Demonstranten oder Mithäftlingen den Hinweis erhielt, die Evangelische Stadtmission Weidenplan 4 aufzusuchen. Dort nahm man sie auf, gab ihr Zivilkleidung, etwas zu essen und eine Schlafmöglichkeit. Die Aussagen in diesem einen Verhör sowie ein dubioser Brief, den Erna Dorn angeblich am 18. Juni an ihren Vater geschrieben haben soll, waren die einzigen Beweismittel der Bezirksstaatsanwaltschaft Halle gegen Erna Dorn. Der Brief der Erna Dorn an ihren Vater wird von der BStU in Abrede gestellt. Nun behauptet die BStU, dass das MfS Gewaltmethoden angewendete hätte und macht aus der Täterin Dorn nun ein Opfer

Auf der Grundlage dieser „Beweise“ wurde Erna Dorn am 22. Juni 1953 in einer dreieinhalbstündigen Abendsitzung vom Bezirksgericht Halle zum Tode verurteilt. Die Berufung ihres Pflichtverteidigers sowie ein Gnadengesuch an DDR-Präsident Pieck wurden abgelehnt, weil sie angeblich in Halle eine der Haupträdelsführerinnen gewesen sei. Am 28. September 1953 brachte man Erna Dorn in eine Strafvollzugsanstalt nach Dresden, wo sie am 01. Oktober 1953 hingerichtet worden ist. Hierzu fehlen die Dokumente.

Erna Dorn oder wie jene Frau auch immer geheißen hat, hat den Ereignissen am 17. Juni 1953 in Halle nicht ihren Stempel aufdrücken können. Für diese Legende sorgten erst die Artikel in den Tageszeitungen der SED, die diese dubiose Frau und ihren undurchsichtigen Lebenslauf benutzten, um den Volksaufstand als „faschistischen Putschversuch“ zu verunglimpfen. Erna Dorn war eher ein Opfer des 17. Juni, denn die zufällige Befreiung aus der Haft kostete sie letztendlich das Leben. Hier schon wieder die Behauptung vom dämlichen Zufall. Das Todesurteil des Bezirksgerichts Halle vom 22. Juni 1953 war in keiner Weise gerechtfertigt. Deshalb wurde dieses Urteil 41 Jahre später, im Jahr 1994, vom Landgericht Halle „für rechtswidrig erklärt und aufgehoben“. Ach nee, die Taten einer faschistischen Verbrecherin werden verharmlost und die Opfer des Faschismus verhöhnt.

Es konnte nur das Wichtigste aufgedröselt werden. Was die BStU da betreibt ist unerträglich.  Petra Reichel hat versucht das aufzudröseln.

Die Behauptungen der BStU entnommen aus „BStU-Geschichten“.