Der Nationale Verteidigungsrat der DDR

Der Nationale Verteidigungsrat der DDR war das höchste staatliche Führungsorgan für die zentrale Leitung der Landesverteidigung der DDR.
Er beriet und beschloss auf der Grundlage von Gesetzen der Volkskammer alle wichtigen Verteidigungs- und Sicherheitsmaßnahmen auf staatlichem, wirtschaftlichem und gesellschaftlichem Gebiet und koordinierte sie.

Flagge des nationalen Verteidigungsrates

Flagge des Nationalen Verteidigungsrats

Bildquelle:
Von diese Datei: Jwnabd – Eigenes WerkJugendlexikon. a-z. 10. Auflage. VEB Bibliographisches Institut Leipzig, Leipzig 1981., Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

In Zusammenarbeit mit anderen staatlichen Organen der Landesverteidigung (heute würde man die Bezeichnung Behörden verwenden) traf er diesbezügliche Festlegungen, die für alle Staatsorgane(heutiger Begriff: Behörden oder Ämter), Wirtschaftsleitenden Organe(heutiger Begriff: Management) der Betriebe, Genossenschaften, Einrichtungen und gesellschaftlichen Organisationen, sowie für alle Bürgerinnen und Bürger verbindlich waren. Dazu erließ er Rechtsvorschriften in Form von Anordnungen und Beschlüssen. Er bestätigte z.B. die Grundsatzvorschriften der NVA und der Schutz- und Sicherheitsorgane(heutiger Begriff: Sicherheitsbehörden).

Der Nationale Verteidigungsrat hatte das Recht, angesichts einer bedrohlichen Lage die allgemeine Mobilmachung zu beschließen.

Der Vorgänger des Verteidigungsrats war die Sicherheitskommission beim Politbüro der SED.

Mit Gesetz vom 10. Februar 1960 erfolgte die Bildung des Nationalen Verteidigungsrates der Deutschen Demokratischen Republik, in den die Sicherheitskommission beim Politbüro der SED überführt wurde. Am 11. Februar 1960 ernannte Wilhelm Pieck als Präsident der DDR, auf Vorschlag der Volkskammer, den Ersten Sekretär des ZK der SED und Ersten Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates der DDR, Walter Ulbricht, zum ersten Vorsitzenden des NVR. Die erste Sitzung des NVR fand am 16. März 1960 statt.

Tagungsort des NVR Haus 3: MfNV in Strausberg

Tagungsort des NVR – Haus 3 MfNV in Strausberg

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Von Joachim Kampe – Eigenes Werk (Originaltext: eigene Arbeit), CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

 

 

Am 12. September 1960 – fünf Tage nach dem Tode Piecks – wurde der Staatsrat als kollektives Nachfolgeorgan zum Staatspräsidenten etabliert. Im Zuge dieser Verfassungsänderung wurde erstmals die Rolle des NVR in der Verfassung der DDR verankert, indem in Artikel 106 der Staatsrat die Aufgabe erhielt, „grundsätzliche Anordnungen“ des NVR zu bestätigen und NVR-Mitglieder zu berufen.
Der NVR festigte den politischen Führungsanspruch Walter Ulbrichts innerparteilich weiter. Er bestand aus dem Vorsitzenden und mindestens zwölf Mitgliedern, die während des Bestehens des NVR immer auch Mitglieder des ZK der SED und meist auch Mitglieder im Politbüro waren. Nachgeordnete Organe des NVR waren die Bezirks- und Kreiseinsatzleitungen, deren Vorsitzende wiederum die 1. Sekretäre der SED-Bezirks- bzw. Kreisleitungen waren.

Am 24. Juni 1971 wählte die Volkskammer Erich Honecker zum Vorsitzenden des Verteidigungsrates. Nach Honeckers Rücktritt wählte die Volkskammer am 24. Oktober 1989 Egon Kranz zum Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates. Egon Krenz trat am 06. Dezember 1989 von seinen Ämtern als Staatsratsvorsitzender und Vorsitzenden des Nationalen Verteidigungsrates zurück.

Mitglieder des NVR

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Von Ranofuchs – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

Bis zu den Wahlen zur letzten Volkskammer, am 18. März 1990 wurden die Aufgaben des Nationalen Verteidigungsrates direkt vom Staatsrat wahrgenommen. Dann gab es keine offizielle Zuweisung dieser Aufgabe mehr.

Die Protokolle des Nationalen Verteidigungsrats der DDR sind für die offizielle Geschichtsschreibung im Sinne der Sieger der Geschichte und für die Prozesse gegen einige Mitglieder des Nationalen Verteidigungsrates der DDR verwendet worden, gegen die 1992 vor dem Landgericht Berlin verhandelt wurde. Des Totschlags angeklagt waren Honecker, Mielke, Stoph, Keßler, Streletz und Albrecht, die in der Zeit von 1961 bis 1989 als Mitglied des Nationalen Verteidigungsrats angeordnet hatten, die Grenzanlagen um Westberlin und die Sperranlagen zur BRD auszubauen.

Zahlen und Fakten entnommen aus Wikipedia

und

Jugendlexikon Militärwesen, DDR 1984                       Buchtitel %22Jugendlexikon-Militärwesen%22

 

 

bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

Die Nationale Volksarmee, Abkürzung NVA

Die Nationale Volksarmee(NVA) war die Bezeichnung der Streitkräfte der DDR. Gemeinsam mit den damaligen Verbündeten, also ihrer Waffenbrüder, schützte sie den Frieden in Europa. Die Verbündeten und Waffenbrüder waren die Sowjetunion und die damaligen anderen sozialistischen Länder in Osteuropa, auch Bruderländer genannt.Die DDR war Mitbegründer des am 14. Mai 1955 abgeschlossenen Warschauer Vertrages. Der Politische Beratende Ausschuss der Teilnehmerstaaten der Warschauer Vertrages bestätigte am 24.05.1958 die Einbeziehung von Truppen der NVA in die Vereinten Streitkräfte.

NVA Mot. Schützen JEPG

Ihrem sozialpolitischem Charakter nach war die NVA eine sozialistische Armee. Sie war Machtinstrument der Arbeiterklasse, die im Bündnis mit der Klasse der Genossenschaftsbauern, der Intelligenz und anderen Werktätigen(arbeitenden Menschen) in der DDR die politische Macht zum Wohle des Volkes ausübte. Dieser Charakter zeigte sich gegen Ende der DDR dadurch, dass die NVA 1989 nicht gegen das Volk eingesetzt wurde.
NVA Kokarde JPEG

Die Aufstellung der NVA erfolgte auf Grundlage des von der Volkskammer der DDR am 18 Januar 1956 beschlossenen „Gesetzes über die Schaffung der Nationalen Volksarmee und des Ministeriums für Nationale Verteidigung“. Am 01. März 1956 begann das Ministerium für Nationale Vereidigung seine Tätigkeit. Am 18. Oktober 1956 beschloss das Präsidium des Ministerrates, den 01. März als Tag der Nationalen Volksarmee zu begehen. Für Freundinnen und Freunde der DDR ist auch in der heutigen Zeit der 01. März Ehrentag der NVA.

NVA auf KTS-Boot JPEG

Die Führung der NVA erfolgte durch die Partei der Arbeiterklasse. In den Beschlüssen der Parteitage und des Zentralkomitees der SED waren die grundsätzlichen Aufgaben der NVA festgelegt (Militärpolitik der SED).

Die Führungskader(Führungsebene) der NVA verwirklichten die Beschlüsse der Partei der Arbeiterklasse zum bewaffneten Schutz des Sozialismus. Das Offizierskorps war der Arbeiterklasse treu ergeben.Allerdings schlichen sich Karrieristen ein, die nach Annexion der DDR bedenkenlos zur Bundeswehr oder ins kapitalistische Management wechselten.

Die Politorgane, die Parteiorganisationen und alle Kommunisten in der NVA ließen sich in ihrer Tätigkeit von den Beschlüssen der SED leiten. Die Führung der NVA durch die SED war die wichtigste Quelle ihrer Kraft und Stärke. Gegen Ende der DDR änderte sich das. Die SED ließ die Verantwortlichen der NVA alleine. Somit versiegte die Quelle der Kraft und aus der Stärke wurde Schwäche. Das Ende rückte immer näher.

Die NVA war tief verwurzelt in der revolutionären Geschichte des deutschen Volkes, besonders der deutschen Arbeiterklasse. Sie war die erste reguläre Armee der die Macht ausübenden Arbeiter und Bauern in der Geschichte des deutschen Volkes. siehe auch:

https://dietrommlerarchiv.wordpress.com/category/nva/page/2/

entnommen aus Jugendlexikon Militärwesen, DDR 1984

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bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

Filmbeitrag: NVA-Museum in Prora

Achtung, bitte nicht auf die hämischen Kommentare von „Spiegel-TV“ achten. Interessant ist, was der Museumsmitarbeiter und Zeitzeuge sagt.

Update: Dem NVA-Museum in Prora sind die Mietverträge für die Räume gekündigt worden. Auch eine Methode ein unbequemes Museum loszuwerden.

Heinz Hoffmann

Heinz Hoffmann wurde am 28.11.1910 geboren und ist am 02.12.1985 gestorben.

Heinz Hoffmann entstammte einer Arbeiterfamilie aus Mannheim. Nach dem Besuch der Schule in Mannheim erlernte er den Beruf eines Motorenschlossers.

Von 1926 bis 1930 war er Mitglied im Kommunistischen Jugendverband Deutschlands, danach der KPD.

Als 1933 die Faschisten an die Macht kamen, tauchte er unter. 1935 emigrierte er zunächst in die Schweiz, dann in die Sowjetunion.

1936–1937 wurde er an der Offiziersschule in Rjasan zum Offizier ausgebildet und zum Leutnant ernannt.

Heinz Hoffmann gehörte zu den deutschen Antifaschisten, die dem spanischen Volk im Krieg gegen Faschismus und ausländische Interventen (in heutigen Geschichtsbüchern als Spanischer Bürgerkrieg bezeichnet) zu Hilfe eilten und sich in den Internationalen Brigaden(kurz Interbrigaden, waren aus Freiwilligen von 53 Nationen bestehende Truppenteile der spanischen Volksarmee, die während des national-revolutionären Krieges an der Seite des spanische Volkes kämpften.) im Kampf einreihten. Er war Offizier und Kriegskommissar der XI. Interbrigade.

Nach einer Verwundung kam Hoffmann zunächst in ein Madrider Lazarett, bevor er einige Monate in den Jahren 1938 und 1939 im Internierungslager Eaubonne in Frankreich verbrachte.

Ab April 1939 bis November 1940 befand er sich in einem Erholungsheim in der Sowjetunion. Hoffmann besuchte ab März 1941 einen Sonderlehrgang der Komintern in Puschkino bei Moskau. Bis heute ist umstritten, welchem Zweck dieser Lehrgang diente. Vermutet wird ein beabsichtigter Einsatz der Absolventen in den damals bereits von Deutschland besetzten Gebieten Europas. Gleichzeitig war er bis 1944 Mitarbeiter des NKWD(damaliges Innenministerium der Sowjetunion). 1942-1944 war Heinz Hoffmann Lehrer einer Antifa-Schule( antifaschistische Schulen für deutsche Kriegsgefangene in der Sowjetunion). Er trat dort auch dem Nationalkomitee Freies Deutschland(kurz NKFD) bei. 1945 leitete Hoffmann die Parteischule Nr. 12 bei Moskau.

Januar 1946 kehrte Heinz Hoffmann nach Berlin zurück und war zunächst persönlicher Mitarbeiter von Wilhelm Pieck und später Walter Ulbricht. Von 1947- 1949 war er Sekretär der Landesleitung Groß-Berlin der SED.

1949 bis 1955 übte Heinz Hoffmann leitende Funktionen in der Deutschen Volkspolizei und der Kasernierten Volkspolizei aus.

Seit 1950 war er Abgeordneter der Volkskammer der DDR, seit 1952 Mitglied des ZK der SED und seit 1973 Mitglied des Politbüros des ZKs der SED.

Ein Studium an der sowjetischen Generalstabsakademie schloss er als Diplommilitärwissenschaftler ab.

Seit Gründung der NVA war er Erster Stellvertreter, seit 1960 Minister für Nationale Verteidigung der DDR. Zusätzlich war er 1958-1960 Chef des Hauptstabes, wurde 1959 zum Generaloberst und 1961 zum Armeegeneral befördert. Als er das Ministeramt übernahm, wurde Heinz Hoffmann auch Mitglied im nationalen Verteidigungsrat.

Heinz Hoffmann wird der „Schießbefehl“ an der Grenze zugeschrieben. Dazu wird ein Zitat aus dem Zusammenhang gerissen, das man auch als Filmausschnitt auf „You Tube“ sehen kann.

Es geht um diesen Satz: „Wer unsere Grenze nicht respektiert, der bekommt die Kugel zu spüren.“ – Heinz Hoffmann

Es geht dabei um die Unantastbarkeit der Grenzen der DDR und dass die Grenze gegen Eindringlinge jeglicher Art zu schützen war. Dabei geht es nicht nur um Leute, die versuchten die DDR illegal zu verlassen. Es geht um Bedrohungen und Provokationen von außen. Einen „Schießbefehl“ gab es nicht. Es gab eine Schusswaffengebrauchsordnung. Die Dokumente kann man sich auf der Website der „Stasiunterlagenbehörde“ runterladen.

Es gibt viel Spekulation über das Privatleben von Heinz Hoffmann. So über Feiern mit Frauen und übermäßigem Alkoholgenuss. Diese Spekulationen stammen aus einem Aufsatz eines ehemaligen Mitarbeiters der „Stasiunterlagenbehörde“. Dies wird   in den bürgerlichen Medien(„Mainstream-Medien“) und etlichen Internetseiten ausgeschlachtet. Mehr dazu in einem Beitrag des NVA-Forums.

Es ist auch von Differenzen zwischen Willi Stoph und Erich Mielke( Minister für Staatssicherheit) die Rede, so dass es Dokumente des MfS über Heinz Hoffmann gibt.

Auch über die Ursache seines Todes am 02. Dezember 1985 wird spekuliert. Da es in der DDR keine Boulevardpresse und „gelbe Presse“ gab, gab es in der DDR-Bevölkerung manchmal Gerüchte über das Leben von Prominenten. Aber da muss nichts Wahres dran sein. So kursierte damals das Gerücht und es wird bis heute noch spekuliert, ob Heinz Hoffmann an einer Alkoholvergiftung starb. Er feierte einige Tage zuvor seinen 75. Geburtstag. Offizielle Todesursache ist, dass Heinz Hoffmann an einem Aortenaneurysma verblutete.

Ehrungen:

  • 1954 Vaterländischer Verdienstorden
  • 1965 Rotbannerorden (UdSSR)
  • 1965 Banner der Arbeit
  • 1969 Ehrenspange zum Vaterländischen Verdienstorden in Gold
  • 1970 Karl-Marx-Orden
  • 1974 Lenin-Orden
  • 1975 Dr. h.c. der SED-Parteihochschule
  • 1975 Held der DDR
  • 1980 Held der DDR
  • 1980 Karl-Marx-Orden
  • 1980 Leninorden
  • 1985 Beisetzung in der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde
  • 1986 Heinz-Hoffmann-Straße im Bezirk Hellersdorf, heute Neue Grottkauer Straße
  • 1989 U-Bahnhof Heinz-Hoffmann-Straße, heute Neue Grottkauer Straße

Willi Stoph

Willi Stoph, geboren am 09.07.1914 in Berlin-Schöneberg, gestorben am 13. April 1999 in Berlin.

Karriere in der DDR:

 

Willi Stoph wurde Leiter der Abteilung Baustoffindustrie und Bauwirtschaft des KPD-Vorstandes. 1948 wurde er Leiter der Abteilung Wirtschaftspolitik beim SED-Parteivorstand. Von 1950 bis 1952 war er Vorsitzender des Wirtschaftsausschusses der Volkskammer, Leiter des Büros für Wirtschaftsfragen beim Ministerrat der DDR und war an der Gründung des Ministeriums für Staatssicherheit(MfS) und dem Ausbau der Kasernierten Volkspolizei(KVP) beteiligt.

150 wurde Willi Stoph Mitglied des Zentralkomitees der SED und Abgeordneter der Volkskammer. Beides blieb er bis zur Konterrevolution im Jahre 1989.

Mai 1952 bis Juni 1955 war Willi Stoph Minister des Inneren der DDR. Nach den Ereignissen des 17.Juni 1953 Stoph Mitglied des Politbüros des ZK der SED. Von 1954 bis 1962 war er stellvertretender Vorsitzender des Ministerrates.

1955 wurde Willi Stoph zu Generaloberst ernannt und war dann verantwortlich für die kasernierte Volkspolizei. Außerdem war er verantwortlich für das MfS, das Amt für Technik, das Amt für Kernforschung und Kerntechnik und den Wissenschaftlichen Rat für die friedliche Anwendung der Atomenergie.

Von 1956 bis 1960 war Willi Stoph Minister für Nationale Verteidigung. In dieser Funktion war er einer der Stellvertreter des Oberkommandierenden der Vereinten Streitkräfte der Warschauer-Vertrags-Staaten. 1959 wurde er zum Armeegeneral befördert.

1960 wurde Stoph mit der Kontrolle und Durchführung der Beschlüsse des ZK der SED und des Ministerrates im Staatsapparat beauftragt. Von 1962 bis 1964 war er 1. Stellvertretender Vorsitzender des Ministerrates. 1963/1964 war er Mitglied des Staatsrates.

Von 1964 bis 1973 war Willi Stoph als Nachfolger des verstorbenen Otto Grotewohl Vorsitzender des Ministerrates und stellvertretender Vorsitzender des Staatsrats. Stoph versuchte 1967 mit einem Brief an den Bundeskanzler der BRD Kurt Georg Kiesinger deutsch-deutsche Gespräche in Gang zu bringen. 1970 traf er sich mit dem Bundeskanzler der BRD Willy Brandt erst in Erfurt, dann in Kassel.

Nach dem Tod Walter Ulbrichts 1973 wurde Stoph Vorsitzender des Staatsrates und somit Staatsoberhaupt der DDR. Nach den Volkskammerwahlen 1976 wurde die Staats- und Parteispitze umgestaltet. Erich Honecker, der bereits seit 1971 Erster Sekretär des ZK der SED war, übernahm das Amt des Vorsitzenden des Staatsrats und hatte seitdem – wie vor ihm bereits Ulbricht – die höchsten Ämter in Partei und Staat in Personalunion inne. Stoph wurde wieder Vorsitzender des Ministerrates und stellvertretender Vorsitzender des Staatsrats.

Das Leben Willi Stophs während und nach der Konterrevolution:

Während der Konterrevolution leiteten Willi Stophs Worte „Erich es geht nicht mehr. Du musst gehen.“ am 18. Oktober 1989 den Rücktritt Erich Honeckers ein.

Am 07. November 1989 trat Willi Stoph mit seiner Regierung zurück.

Bis zur Neubildung der Regierung unter dem bisherigen SED-Bezirkschef von Dresden Hans Modrow blieb Stoph geschäftsführend im Amt. Am 8. November trat das gesamte Politbüro des ZK der SED (damit auch Stoph) zurück. Am 17. November wurde Willi Stoph als Mitglied des Staatsrates abberufen und schied aus der Volkskammer aus. Am 3. Dezember wurde er durch das ZK der SED aus der Partei ausgeschlossen.

Am 08. Dezember 1989 wurde durch den Generalstaatsanwalt ein Ermittlungsverfahren gegen Willi Stoph eingeleitet und er wurde verhaftet. Im Februar 1990 wurde er aus gesundheitlichen Gründen aus der Haft entlassen. Stoph versuchte politisches Asyl in der (noch) Sowjetunion zu bekommen. Dort reagierte man nicht auf sein Ansinnen.

Im Mai 1991 wurde Willi Stoph in Zusammenhang mit den Todesopfern an der Grenze in Berlin verhaftet. Aus gesundheitlichen Gründen bekam er im August 1992 Haftverschonung. Im November 1992 wurde das Verfahren gegen Stoph und weitere fünf DDR-Spitzenpolitiker vor dem Landgericht Berlin eröffnet.

Im Juni 1993 wurde das Verfahren gegen Stoph wegen Verhandlungsunfähigkeit endgültig eingestellt. Am 10. Oktober 1994 entschied das Berliner Verwaltungsgericht, dass Stoph sein 1990 beschlagnahmtes Sparguthaben in Höhe von 200.000 DM nicht zurückerhielt.

Willi Stoph starb am 13. April 1999 in Berlin und wurde im heutigen Wildau beigesetzt.

Die Nationale Volksarmee, Kurz NVA

Auf Beschluss der Volkskammer der DDR vom 18.01.1956 wurde aus Einheiten der Kasernierten Volkspolizei  am 01.März 1956 die Nationale Volksarmee(kurz NVA) gegründet. Und das Ministerium für Nationale Verteidigung (kurz MfNV) geschaffen.

Am 8.10.1956 beschloss das Präsidium des Ministerrates den 1. März jährlich als Tag der Nationalen Volksarmee zu begehen. Der 1. März ist immer noch der Ehrentag der NVA.

Die NVA pflegte die revolutionären, fortschrittlichen und antifaschistischen Traditionen des deutschen Volkes.

Die Bundeswehr der BRD wurde am 12. November 1955, also vor der NVA gegründet. Die Bundeswehr setzte die reaktionären Traditionen von kaiserlichem Heer und kaiserlichen Flotte, sowie Reichswehr fort. Erst am 20. September 1982 betonte der damalige Verteidigungsminister der BRD, Hans Apel, die Distanzierung der Bundeswehr von der Wehrmacht des III. Reiches.

Und erst nach dem Ende der DDR im November 1995 stellte der damalige Verteidigungsminister der BRD, Volker Rühe, fest, dass die Wehrmacht des III. Reiches in die Verbrechen des Faschismus verstrickt war und daher die Bundeswehr keine Tradition auf die Wehrmacht des III. Reiches begründen kann. Reichlich spät, denn die Bundeswehr wurde vorwiegend von Generalen und Offizieren der faschistischen Wehrmacht aufgebaut.

In ihren Traditionen sieht die Bundeswehr nur das Attentat auf Hitler vom 20. Juli 1944 als Widerstand gegen den Faschismus. Dabei muss man bedenken, dass Reaktionäre unter den „Männern des 20. Juli 1944 waren. (Reaktion, reaktionär, Reaktionäre in der Politik bedeutet gegen den gesellschaftlichen Fortschritt eingestellte Kräfte)

Ein Lichtblick in der Traditionspflege und Geschichte der Bundeswehr ist das Besinnen auf Gerhard Johann David von Scharnhorst.

Auch zur Traditionspflege der NVA gehörte das Besinnen auf Gerhard Johann David von Scharnhorst. In der DDR wurde als höchste militärische Auszeichnung der Scharnhorst-Orden verliehen.

Gerhard Johann David von Scharnhorst, geb. 12.11.1755, gest. 28.06.1813, war preußischer General und einer der bedeutesten fortschrittlichen deutschen Militärtheoretiker und Militärreformer. Er trat für eine bürgerliche Reform des preußischen Militärwesens und die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht ein. Seinerzeit war die allgemeine Wehrpflicht Fortschritt.

Im Frühjahr 1990 wurde das Ministerium für Nationale Verteidigung(MfNV) in Ministerium für Abrüstung und Verteidigung umbenannt. Bereits am 30. August 1990, während der „Kündigungsfrist“ aber noch Bestehens der DDR, wird Generalleutnant Jörg Schönbohm Befehlshaber des nun während der Konterrevolution geschaffenen Bundeswehrkommandos Ost mit Hauptquartier in Strausberg. Das Kommando diente als Zentrale Führungseinrichtung aller Truppenteile, Stäbe und Einrichtungen auf dem Gebiet des beigetretenen Teils Deutschlands für eine Übergangszeit von mindestens sechs Monaten und leitete die Auflösung der Nationalen Volksarmee (NVA) der DDR ein.

Nach der Annexion der DDR, am 03. Oktober 1990, wird die NVA von der Bundeswehr übernommen. Die Standorte, Einrichtungen und Ausrüstung sind der Bundeswehr übergeben worden. Die Befehls- und Kommandogewalt der gesamtdeutschen Streitkräfte, also nun der Bundeswehr, übernahm der damalige Verteidigungsminister der BRD, Gerhard Stoltenberg.

Die fortschrittlichen, revolutionären und antifaschistischen Traditionen der NVA werden in Traditionsverbänden weiterhin gepflegt.

z.B.

Traditionsverband Nationale Volksarmee e.V.

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