Bedeutende Veränderungen in der Produktion

Die steigende Nachfrage nach gewerblichen Produkten

Die kolonialen Eroberungen im 17. Und 18. Jahrhundert, an denen englische Kolonisten führend beteiligt waren, erweiterten die Möglichkeiten des Handels mit englischen Produkten. Überall, wo sich englische Kaufleute und Kolonisten niederließen, begannen sie, die Bevölkerung mit Erzeugnissen der englischen Manufakturen zu beliefern. Diese waren meistens besser und billiger als die einheimischen Produkte. Zum Teil aber weckten die bisher unbekannten Erzeugnisse der englischen Manufakturen ganz neue Bedürfnisse bei der Bevölkerung. Dadurch stieg die Nachfrage nach englischen Waren in Europa und Übersee gewaltig an.

Auch innerhalb Englands erhöhte sich die Nachfrage sowohl nach landwirtschaftlichen wie nach gewerblichen Produkten. Weil die Manufakturen eine größere Menge an Stoffen, Kleidung, Hausrat und anderen zum Leben notwendigen Dingen herstellen mussten, benötigten sie ihrerseits mehr Eisen, Kohle, Wolle und andere Rohstoffe. Infolgedessen verdoppelte sich die englische Industrieproduktion von 1650 bis 1750. Am meisten vermehrte sich die Produktion von Garn und Tuchen aus Wolle und auch aus Leinen. Trotzdem vermochten die Manufakturen nicht mehr die steigende Nachfrage zu befriedigen.

England vor der industriellen Umgestaltung

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die Entwicklung der Baumwollspinnerei

Um die Mitte des 18. Jahrhunderts war in England die Textilproduktion und innerhalb dieser die Wollwarenherstellung der vorherrschende Produktionszweig. Die emporschnellende Nachfrage nach gewerblichen Produkten, vor allem nach Bekleidungsgegenständen, richtete sich daher in erster Linie auf die Wollwarenerzeugung.

Neben diesem Produktionszweig, der Schafwolle verarbeitete, war in England ein anderer Zweig, die Baumwollverarbeitung, entstanden. Sie bezog ihren Rohstoff, die Baumwolle, aus den Kolonien. Die Baumwollverarbeitung war noch jung, und die Besitzer von Baumwollmanufakturen waren allen Neuerungen zugänglich, weil sie sich sonst gegenüber den anderen Produktionszweigen nicht behaupten konnten. Ein zweiter Grund für technische Neuerungen lag in der ungleichmäßigen Entwicklung der englischen Baumwollspinnerei. Um die Mitte des 18. Jahrhunderts war die tägliche Garnproduktion von etwa 10 Spinnern erforderlich, um einen Weber einen Tag zu beschäftigen. Dieses Missverhältnis gab den Anstoß zur Erfindung von Maschinen, die in der Baumwollverarbeitung angewendet werden konnten.

 

Hargreaves, Watt und Cartwright, die Erfinder neuer Maschinen

Seit dem ersten Jahrzehnt des 18. Jahrhunderts gab es Versuche, Baumwollgarn maschinell herzustellen. Im Jahre 1764 erfand der Weber James Hargreaves seine Spinnvorrichtung, die er nach seiner Tochter Jenny die „spinning-Jenny“, die spinnende Jenny nannte. Diese „spinning-Jenny“ war eine Arbeitsmaschine, die die Herstellung des Baumwollgarns von Grund auf veränderte. Mit dieser Spinnmaschine konnte an einem Tag wesentlich mehr Baumwollgarn hergestellt werden als mit Hilfe des Spinnrades. Eine Arbeitsmaschine arbeitete gleichzeitig mit vielen Werkzeugen, z.B. Baumwollspindeln, während ein Mensch zur gleichen Zeit immer nur ein Werkzeug, z.B. das Spinnrad, benutzen konnte. Der Mensch bediente und kontrollierte die Maschine.

Durch den Einsatz der Spinnmaschine wurde das Gleichgewicht zwischen Baumwollspinnerei und –weberei abermals gestört, dieses Mal jedoch zugunsten der Baumwollspinnerei.

Erste Spinnmaschine

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die Weber hatten jetzt Mühe, das von den Spinnern maschinell hergestellte Garn zu verarbeiten. Es wurde daher notwendig, die Weberei zu verbessern. In den Jahren 1785 bis 1786 konstruierte der Engländer Cartwright Webmaschinen(Maschinenwebstühle oder mechanische Webstühle), die mittels Wasserkraft angetrieben wurden. Durch die Benutzung dieser Webmaschinen konnte die Herstellung von Baumwollgeweben erheblich erhöht werden. Einige Jahrzehnte später wendete man Spinn- und Webmaschinen auch in der englischen Woll-, Leinen- und Seidenindustrie an, wodurch deren Produktion anstieg.

Um die neuen Arbeitsmaschinen anzutreiben, benutzte man zunächst die Kraft des Wassers. In manchen Fällen, vor allem bei den allerersten Arbeitsmaschinen, besorgten dies auch di Arbeiter. Als immer mehr Spinn- und Webmaschinen angewendet wurden, genügte das nicht mehr. Man musste sich nach einer anderen Antriebskraft umsehen und fand sie in der Dampfmaschine James Watts. Zwar benutzte man bereits seit etwa 1740 Dampfmaschinen, um das Wasser aus den englischen Steinkohleschächten zu pumpen, aber erst James Watt gelang es, die Dampfmaschine 1784 soweit zu verbessern, dass sie zum Antrieb der Arbeitsmaschinen verwendet werden konnte. Die Dampfmaschinen war eine Antriebsmaschine, weil sie mit Hilfe des Dampfes und auf mechanischem Wege Kraft zum Antrieb der Arbeitsmaschinen erzeugte.

James Watt

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Alle Antriebsmaschinen einer Fabrik wurden über eine Transmissionseinrichtung und Treibriemen von einer Dampfmaschine angetrieben. Diese drei verschiedenen Maschinenarten bildeten das Maschinensystem. Man spricht von einem System deswegen, weil nur durch das Zusammenwirken aller drei Maschinenarten das fertige Produkt hergestellt werden konnte. Die Anwendung der Maschinen steigerte die englische Industrieproduktion gewaltig. Zwischen 1780 und 1840 verdoppelte sie sich.

Dampfmaschine und erste Lok

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die ersten Eisenbahnen

Infolge des Maschinenbetriebes und der schnell wachsenden Industrieproduktion konnten viel mehr Rohstoffe als vorher verarbeitet werden. Die Rohstoffe mussten zu den Industriezentren transportiert werden, ebenso die fertigen Produkte an die Orte, wo sie gebracht wurden. Vor allem stieg der Transport zwischen den englischen Industriezentren und den Ausfuhrhäfen stark an. Das konnte nicht mehr nur durch Pferde und Wagen bewältigt werden. Eine solche neue Transporteinrichtung war die Eisenbahn.

Auch hier bewährte sich die von Watt verbesserte Dampfmaschine. Auf Räder gestellt, gab sie das Vorbild für die Lokomotive ab. Die erste leistungsfähige Lokomotive wurde von George Stephenson erbaut.

Stephenson erhielt 1825 den Auftrag, eine Eisenbahnlinie zwischen Stockton und Darlington in Nordengland zu bauen. Er konstruierte eine Lokomotive, die 34 Wagen ziehen konnte und für die 15 Kilometer lange Strecke 65 Minuten benötigte. Das war für die damalige Zeit eine große Leistung. Eine seiner Lokomotiven siegte beim Lokomotivrennen, das 1829 von einer englischen Eisenbahngesellschaft veranstaltet wurde. 1830 verfügte England bereits über 108 Kilometer Eisenbahnlinie, im Jahre 1850 schon über 10 000 Kilometer. Die Vorteile der Eisenbahn bestanden darin, dass mehr und größere Lasten schneller und billiger transportiert werden konnten.

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Bedeutende Veränderungen in der Produktion

 

 

 

 

 

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Ende und Auswirkungen der Revolution

Die Beseitigung der Jakobinerherrschaft

Die französische Großbourgeoisie hatte die Herrschaft der Jakobiner geduldet, solange die Republik in Gefahr war. Nun aber wollten die französischen Großkaufleute und Fabrikbesitzer die lästige Preiskontrolle und die Aufsicht über den Innen- und Außenhandel durch den Wohlfahrtsausschuss beseitigen. Ihr Besitz an Manufakturen, Fabriken, Reedereien und Handelshäusern war von den Jakobinern nicht angetastet worden, die Herrschaft Robespierres und seiner Freunde hinderte sie daran, sich unbeschränkt zu bereichern. Die Großbourgeoisie besaß noch Geld und Einfluss genug, um im Konvent und in den Ausschüssen eine Verschwörung gegen Robespierre und seine engsten Freunde zustande zu bringen.

Am 27. Juli 1794, dem 9. Thermidor des Jahres II nach dem Revolutionskalender, ließen die Verschwörer Robespierre, Saint Just und andere Jakobiner verhaften. Am nächsten Tag wurden sei hingerichtet. Damit trat die Großbourgeoisie wieder die Herrschaft an. Nach und nach wurden die Jakobiner und Sansculotten aus den Ausschüssen und allen Verwaltungsstellen verdrängt. Banden von jungen Bürgersöhnen, die man die „Goldene Jugend“ nannte, schlugen auf der Straße mit Knüppeln auf alle ein, die als Jakobiner bekannt waren. Dann wurde der Jakobinerklub geschlossen. In vielen Teilen Frankreichs mordeten konterrevolutionäre Banden. Sie verbreiteten den „weißen Terror“ gegen die Anhänger der Jakobiner.

Sturz Robespierres

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Der Konvent hob das Gesetz über die Höchstpreise auf. Jetzt begannen die Händler und Fabrikanten, zügellos die Preise in die Höhe zu treiben. Den Arbeitern zahlten sie dagegen immer weniger Lohn. Das Volk wurde, im Gegensatz zur Zeit der Jakobinerherrschaft, dem Hunger und der Not preisgegeben.

 

Das Ende der Revolution (1795)

Seit 1789 hatten die Pariser Sansculotten für die bürgerliche Revolution gekämpft. Sie stellten auch 1794/95 immer noch eine Macht dar, weil sie bewaffnet und militärisch organisiert waren. Nachdem aber die inneren und äußeren Feinde der Revolution geschlagen worden waren, wollte die Großbourgeoisie das Volk wieder unterdrücken. Die Gelegenheit dazu bot sich im Frühjahr 1795. Die Hungersnot veranlasste die Handwerker, Gesellen und Arbeiter, erneut zu den Waffen zu greifen. Sie zogen zum Konvent. Dort forderten sie Brot und die Wiederherstellung der Jakobinerherrschaft. Aber der Konvent setzte, das erste Mal während der Revolution, die Armee gegen das Volk von Paris ein. Die Sansculotten unterlagen und mussten sich entwaffnen lassen. Viele wurden verhaftet und aus Frankreich verbannt.

FahnenträgerBildunterschrift Fahnenträger

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Bereits im Oktober 1795 wagten die Anhänger des Königtums, in Paris einen Aufstand anzuzetteln, um die Ergebnisse der Revolution wieder rückgängig zu machen. Aber die Großbourgeoisie wollte ihre Macht nicht mit einem König und dem Adel teilen. Napoleon Bonaparte wurde vom Konvent an die Spitze der Armee in Paris gestellt. Seine Soldaten empfingen die angreifenden Monarchisten mit einem mörderischen Feuer aus ihren Kanonen. Der Aufstand brach zusammen.

So endete 1795 die bürgerliche Revolution in Frankreich damit, dass die Großbourgeoisie das Volk unterwarf, um ihre eigene Ausbeuterordnung aufzurichten. Sie schlug gleichzeitig den Angriff der Konterrevolution zurück. In ihrem Ergebnis war die französische Revolution der entscheidende Sieg des Kapitalismus über den Feudalismus.

 

Gesellschaftsaufbau nach Abschluss der Revolution(1795)

Gesellschaftsaufbau nach Abschluss der Revolution(1795)

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klassen, Stand 1982

 

 

Verlauf Französische Revolution

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klassen, Stand 1982

 

 

Die französische Revolution als großes Beispiel

Der bürgerlichen Revolution in Frankreich folgten weitere Erhebungen in Europa und Amerika. Die Nachrichten von der Erstürmung der Bastille, von der Aufhebung der Feudallasten, vom Sturz des Königtums und von den Siegen der Revolutionsarmeen erweckten auch in anderen Ländern die Hoffnung, das feudale Joch abschütteln zu können. Mutige Bürger, Bauern und Handwerker erhoben sich gegen Fürsten und Feudalherren.

Die Erklärung der Menschen- und Bürgerechte, die die Gleichheit aller Menschen verkündete, fand besonders großen Wiederhall unter der Bevölkerung der französischen, spanischen und portugiesischen Kolonien in Mittel und Südamerika.

Auf der Insel Haiti, die zu einem Teil Frankreich, zum anderen Spanien gehörte, erhoben sich 1791 die Sklaven gegen die Herrschaft der Plantagenbesitzer. Unter ihrem Führer Toussaint L’Overture, den der Konvent zum General ernannte, siegten sie. 1794 hob der Konvent für alle französischen Kolonien die Sklaverei auf. 1804 erklärten die Kampfgefährten Toussaint L’Overtures Haiti zur unabhängigen Republik. Damit blieb die erste Befreiungsrevolution gegen die Kolonialherren in Mittel- und Südamerika, und zwar mit Hilfe der Jakobiner in Frankreich, siegreich.

Abschaffung Sklaverei auf Haiti

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klassen, Stand 1982

 

Toussaint L'Overture

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

In den Jahren 1810 bis 1825 kämpften auch die spanischen und portugiesischen Kolonien in Mittel- und Südamerika um ihre Freiheit. Die Kolonisten in Südamerika wehrten sich dagegen, dass alle Reichtümer der Kolonien in die Taschen der spanischen und portugiesischen Feudalherren und Könige flossen. Die Kolonisten wollten Fabriken errichten und selbst mit anderen Ländern Handel treiben.

Angespornt von den Ideen der französischen Revolution marschierten die Kolonnen der Freiheitskämpfer Bolivar und Miranda durch Urwälder, über hohe Gebirge und durch weite Steppen. Sie entrissen den Spaniern und Portugiesen eine Stadt nach der anderen und machten ihrer Herrschaft ein Ende. Es entstand eine neue Welt unabhängiger Staaten. Meist waren es Republiken. Jetzt erst konnte auch hier die kapitalistische Produktionsweise eingeführt werden.

Bürgerliche Bewegungen als Folge der französischen Revolution

Wichtige bürgerliche Bewegungen im Gefolge der französischen bürgerlichen Revolution

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klassen, Stand 1982

 

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Ende und Auswirkungen der Revolution

 

 

 

 

Deutsche Bundesakte

Die Deutsche Bundesakte war ein völkerrechtlicher Vertrag und das erste Bundes-„Verfassungsgesetz“über die Gründung des Deutschen Bundes. Sie wurde am 8. Juni 1815 während des Wiener Kongresses verabschiedet und schließlich am 10. Juni 1815 von den Bevollmächtigten von 39 Staaten unterzeichnet.

Erste Seite der Bundesakte

Erste Seite der Bundesakte

Bildquelle: Von Bertelsmann Lexikon Verlag, Gütersloh, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=907368

 

In den Artikeln 53 bis 63 war sie ein offizieller Bestandteil der Wiener Kongress-Akte. Erst mit der Auflösung des Deutschen Bundes 1866 ist die Deutsche Bundesakte außer Kraft getreten. Als Folge der Märzrevolution wurde am 18. Mai 1848 in der Frankfurter Paulskirche die Nationalversammlung eröffnet, das erste gesamtdeutsche Parlament. Die Abgeordneten sollten mit der Ausarbeitung einer Reichsverfassung die Grundlage für ein einiges, freiheitliches Deutschland schaffen. Mit dem Reichsgesetz über die Einführung einer provisorischen Zentralgewalt für Deutschland vom 28. Juni richtete die Nationalversammlung eine provisorische Regierung ein, die Provisorische Zentralgewalt. Der Bundestag beeilte sich mit Beschluss vom 12. Juli, seine Befugnisse der Zentralgewalt zu übertragen und seine Tätigkeit einzustellen. Die Bundesakte trat hiermit faktisch außer Kraft, wurde jedoch nach der Niederschlagung der Revolution von 1848 und nach einer heftigen preußisch-österreichischen Auseinandersetzung (Herbstkrise 1850) wieder wirksam.

Der Deutsche Bund endete mit dem Deutschen Krieg von 1866.

Preußisch-Österreichischen Krieg 1866

entnommen aus „Geschichte in Übersichten“, DDR 1982  Buchtitel Geschichte in Übersichten Kopie 2

Preußisch-Österreichischer Krieg 1866

 

 

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

Ausführliches zum Thema siehe Wikipedia

 

 

 

 

 

 

Der Wiener Kongress

Karikatur Wiener Kongress

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Volksmassen hatten für die Beseitigung der französischen Fremdherrschaft hohe Blutopfer gebracht. Hoffnungsvoll schauten die nun nach Österreich, wo auf dem Wiener Kongress 1814 bis 1815 über die Neuordnung Europas beraten und entschieden werden sollte. Fürsten und Staatsmänner aus vielen Ländern waren anwesend. Unter ihnen befanden sich der russische Zar, der Kaiser von Österreich und der König von Preußen. Auch der Freiherr vom Stein und andere deutsche Patrioten weilten in der Donaustadt. Aber das entscheidende Wort blieb ihnen versagt. Es wurde von den Fürsten gesprochen, die ihre egoistischen Ziele verfolgten. Sie dachten jetzt nicht daran, den Völkern mehr Freiheit zu geben und somit die Versprechungen einzulösen, die sie gemacht hatten. Im Gegenteil, die alten Verhältnisse sollten wiederhergestellt und gefestigt werden. So gestalteten sich die Verhandlungen zu einem üblen Länderschacher, begleitet von Bällen und anderen Vergnügungen.

Unter diesem Eindruck bemerkte Blücher: „Der Kongress gleicht einem Jahrmarkt in einer kleinen Stadt, wo jeder sein Vieh hintreibt, es zu verkaufen und zu vertauschen.“

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Original-Text:

Der Wiener Kongress

 

Wiener Kongress Geschichte in Übersichten DDR

entnommen aus „Geschichte in Übersichten“ , DDR 1982

 

PDF-Datei aus „Geschichte in Übersichten“

Wiener Kongress 1814-15

Wiener Kongress 1814-15 Karikatur

 

 

entnommen aus „Geschichte in Übersichten“, DDR 1982

 

Buchtitel Geschichte in Übersichten Kopie 2

 

entnommen aus „Geschichte in Übersichten“, DDR 1982

 

 

 

Ergänzung, entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

Teilnehmer Wiener Kongress

Teilnehmer des Wiener Kongresses

Delegierte des Wiener Kongresses in einem zeitgenössischen Kupferstich von Jean Godefroy nach dem Gemälde von Jean-Baptiste Isabey 1 Arthur Wellesley, 1. Duke of Wellington2 Joaquim Lobo da Silveira3 António de Saldanha da Gama4 Carl Axel Löwenhielm5 Paul-François de Noailles6 Klemens Wenzel Lothar von Metternich7 Frédéric-Séraphin de La Tour du Pin Gouvernet8 Karl Robert von Nesselrode9 Pedro de Sousa Holstein10 Robert Stewart, 2. Marquess of Londonderry11 Emmerich Joseph von Dalberg12 Johann von Wessenberg13 Andrei Kirillowitsch Rasumowski14 Charles Vane, 3. Marquess of Londonderry15 Pedro Gómez Labrador16 Richard Trench, 2nd Earl of Clancarty17 Nikolaus von Wacken, 18 Friedrich von Gentz19 Wilhelm von Humboldt20 William Cathcart, 1. Earl Cathcart21 Karl August von Hardenberg22 Charles-Maurice de Talleyrand-Périgord23 Gustav Ernst von Stackelberg

Bildquelle: Bitte auf´s Bild klicken

 

Die deutschen Fragen wurden angesichts ihrer Komplexität und ihres Umfangs getrennt von den übrigen europäischen Angelegenheiten beraten.

Nach dem Sturz Napoleons im Frühjahr 1814 beendete der Erste Pariser Frieden den Krieg zwischen den Mächten der Sechsten Koalition und der französischen Regierung der restaurierten Bourbonenmonarchie unter Ludwig XVIII. Nach Artikel 32 dieses Friedensvertrages sollte in Wien ein Kongress zusammentreten, um eine dauerhafte europäische Nachkriegsordnung zu beschließen. Dazu waren alle am Krieg beteiligten Staaten eingeladen.

Die siegreichen Könige und ihre führenden Minister trafen sich zunächst in London. Im Herbst 1814 begann in Wien der Kongress, zu dem sich Delegationen fast aller Staaten und Mächte Europas einfanden. Von September 1814 bis Juni 1815 wurde Wien und vor allem der Tagungsort, das Außenministerium (später auch die Staatskanzlei) im Palais am Ballhausplatz, der Amtssitz von Metternich, zum politischen Zentrum des Kontinents. Gastgeber war Kaiser Franz I. von Österreich.

„Palais am Ballhausplatz“, Tagungsgebäude des Wiener Kongresses (heute Bundeskanzleramt)

„Palais am Ballhausplatz“, Tagungsgebäude des Wiener Kongresses (heute Bundeskanzleramt)

Bildquelle: Von Die Autorenschaft wurde nicht in einer maschinell lesbaren Form angegeben. Es wird Extrawurst als Autor angenommen (basierend auf den Rechteinhaber-Angaben). – Die Autorenschaft wurde nicht in einer maschinell lesbaren Form angegeben. Es wird angenommen, dass es sich um ein eigenes Werk handelt (basierend auf den Rechteinhaber-Angaben)., CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=540534

 

 

Fürst von Metternich

Fürst von Metternich (Porträt von Thomas Lawrence)

 

Bildquelle: Von Kunsthistorisches Museum, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6756329

 

 

Der Wiener Kongress erarbeitete, dies war eine verhandlungstechnische Neuheit, seine Ergebnisse in Kommissionen. Es gab unter anderem einen Ausschuss für die Deutschen, einen für die europäischen Angelegenheiten, einen für Gebietsfragen, einen für die Flussschifffahrt und einen für den Sklavenhandel. Zu einer formellen Vollversammlung kam es nie. Die Kongressakte trägt nur die Unterschriften der acht Hauptmächte Österreich, Spanien, Frankreich, Großbritannien, Portugal, Preußen, Russland und Schweden (in dieser auf Französisch alphabetischen Reihenfolge). Die Deutsche Bundesakte,deren Allgemeine Bestimmungen (Artikel 1 bis 11) in die Kongressakte aufgenommen sind, wurde separat von den Bevollmächtigten der deutschen Staaten unterzeichnet.

Der wichtigste Gegenspieler Metternichs war Zar Alexander I. Daneben spielten auch der britische Gesandte Castlereagh und der Vertreter des besiegten Frankreich, Talleyrand, der sowohl unter dem alten wie dem neuen französischen Regime erheblichen Einfluss hatte, die wichtigsten Rollen. Auch wenn Preußen durch Karl August von Hardenberg und Wilhelm von Humboldt prominent vertreten war, spielte die Delegation dieses Landes keine besonders starke Rolle. Ein Grund dafür war, dass deren Linie durch das persönliche Eingreifen von König Friedrich Wilhelm III. beeinträchtigt wurde.

Richtet man den Blick vom Ballsaal weg auf die eigentlichen Verhandlungen, bleibt vom äußeren Bild der Harmonie nicht mehr viel übrig. Tatsächlich verschärften sich die Interessengegensätze im Verlauf des Kongresses noch deutlich.

Der Kongress arbeitete nach fünf übergeordneten Prinzipien, die allerdings teilweise die nachträgliche Konstruktion der Historiker sind. Der Begriff der Legitimität bezeichnet in diesem Zusammenhang die Liquidierung des napoleonischen Staatensystems und die Wiedereinsetzung der alten Dynastien (Bourbonen, Welfen usw.). Wenn ausgerechnet Talleyrand das Legitimitätsprinzip betonte, ging es ihm vor allem um die Anerkennung Frankreichs als gleichberechtigter Macht und damit die Überwindung des Status als Kriegsverlierer.

Hauptziele Wiener Kongress

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Ergebnisse des Wiener Kongresses (Schema)

 

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Europa nach dem Wiener Kongress 1815

Europa nach dem Wiener Kongress 1815

 

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Also die alten Verhältnisse wurden wiederhergestellt.

Die weiteren Details über die Neuordnung Europas  kann man im Wikipedia-Artikel nachlesen. Das Geschichtsbuch der DDR hat es richtig beschrieben. Es war ein Länderschacher.

Schlussakte Wiener Kongress

Schlussakte Wiener Kongress – Originaldokument im österreichischen Staatsarchiv

Bildquelle: Von Thomas Ledl – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=35907449

 

 

Eleonore Prochaska

Marie Eleonore Proschaska, geboren am 11. März 1785 in Potsdam, gestorben am 5. Oktober 1813 in Dannenberg, war eine Deutsche Soldatin in den Befreiungskriegen.

Siehe Beitrag auf You Tube:

 


 

Eleonore Prochaska kam am 11. März 1785 in Potsdam zur Welt. Ihr Vater war Unteroffizier in einem preußischen Bataillon der Garde. Als er 1793 in den Krieg gegen Frankreich ziehen musste, war die Mutter nicht in der Lage, sich um die Kinder zu kümmern. Eleonore und ihre drei Geschwister wurden in das Große Militärwaisenhaus in Potsdam eingewiesen. Dort blieb sie bis 1797 und kehrte dann zu ihrem Vater zurück, der den Dienst verlassen hatte und von seiner Rente und vom Musikunterricht lebte. Um 1808/1809 interessierte sie sich für die Volksaufstände in Spanien und Tirolgegen Napoleon. Um diese Zeit verließ sie den väterlichen Haushalt und um 1810 diente sie als Köchin in einem Potsdamer Bürgerhaus.

Gedenktafel am Haus Lindenstraße 34 in Potsdam

Gedenktafel am Haus Lindenstraße 34 in Potsdam

Bildquelle: Von OTFW, Berlin – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4461172

 

 

Ende Juni 1813 trug sie sich unter dem Namen August Renz in die Stammrolle des Jägerdetachements des 1. Bataillons des Lützowschen Freikorps ein. Leutnant Otto Preuße schrieb:

„Wir standen in Sandau an der Elbe. Hier kam auch ein Jäger Renz zur Kompanie – wie sich später zeigte, ein Mädchen Namens Prochaska. Er wurde Flügelmann, 5 Fuß, 8 Zoll, 3 Strich hoch – Es wurden uns englische Schuhe geliefert, alle bedeutend zu groß, doch zu klein für Renz und ich musste besonders für ihn ein Paar arbeiten lassen. Seine Sprache war nicht besonders fein, so dass niemand in ihm ein Mädchen vermuten konnte. Übrigens kochte er vortrefflich in den Biwaks.“[3]

Brief Eleonores an ihren Bruder Kopie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Das Freikorps Lützow verstärkte im Juli 1813 das Armeekorps von General Wallmoden, das an der Niederelbe positioniert war. Als Mitte August der Krieg erneut losbrach, stand Prochaskas Einheit in Büchen. Ihre Abteilung machte die ganze Kampagne mit, wurde aber in den vielen Scharmützeln gegen die Armee von Davout (Lauenburg, Vellahn, Gadebusch, Mölln usw.) nicht eingesetzt. Die Schlacht an der Göhrde im September 1813 wurde die erste ernste Kampfprobe für die Kompanie und für Prochaska.

Eleonore Proschaska Kopie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

In der Schlacht an der Göhrde wurde sie durch eine Kartätsche schwer verwundet, als sie versuchte, einen verletzten Kameraden aus der Kampflinie zu tragen. Ein herbeigeeilter Vorgesetzter, der ihre Wunden versorgte, entdeckte ihr wahres Geschlecht und ließ sie in ein Bürgerhaus nach Dannenberg bringen, wo sie drei Wochen später ihren Verletzungen erlag.

Gedenktafel für Eleonore Prochaska an ihrem Sterbehaus, Lange Straße, Dannenberg

Gedenktafel für Eleonore Prochaska an ihrem Sterbehaus, Lange Straße, Dannenberg

Bildquelle: Von Hermann Junghans – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37408791

 

 

Ehrungen

Eine Zeitungsmeldung vom 7. Oktober 1813 berichtete: „Heute morgen um 9 Uhr wurde die Leiche der in der Schlacht bei Göhrde verwundeten Eleonore Prochaska zur Erde bestattet, welche als Jäger im Lützowschen Korps unerkannt ihren Arm aus reinem Patriotismus der heiligen Sache des Vaterlandes geweiht hatte. Gleich einer Jeanne d’Arc hatte sie mutvoll gekämpft den Kampf für König und Vaterland […] Trauernd folgten ihr das hannoversche und russisch-deutsche Jägerkorps, Se. Excellenz der Herr Minister und Grandmaitre de la Garderobe außerordentlicher Gesandter Graf von Grote, Ihr Kommandeur und Oberst Herr Graf von Kielmannsegg, mit sämtlichen Offizieren an der Spitze, und zollten ihrem Mut den letzten Beweis öffentlicher Würdigung ausgezeichneter Tapferkeit und weiblichen Heroismus.“

In der Folgezeit wurde sie als jungfräuliche Heldin stark idealisiert und als die „Potsdamer Jeanne d’Arc“ verehrt. Verschiedene Dramen und Gedichte wurden über sie geschrieben, unter anderem „Auf das Mädchen aus Potsdam, Prochaska“ von Friedrich Rückert.

Im Jahr 1865 wurde an ihrem Grab auf dem St.-Annen-Friedhof in Dannenberg ein Denkmal errichtet und 1889 erhielt ihre Heimatstadt Potsdam ihr zu Ehren ein Denkmal („Der Heldenjungfrau zum Gedächtnis“), das sich auf dem fast vollständig abgeräumten Alten Friedhof erhalten hat.

Grabstätte von Eleonore Prochaska auf dem ehemaligen St.-Annen-Friedhof in Dannenberg

Grabstätte von Eleonore Prochaska auf dem ehemaligen St.-Annen-Friedhof in Dannenberg

 

Bildquelle: Von Christian Fischer, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37344683

 

 

Auch musikalisch wurde ihr ein bemerkenswertes Denkmal gesetzt: Ludwig van Beethoven komponierte zum Gedenken an die Heldin zu dem (verschollenen) Schauspiel „Leonore Prohaska“, geschrieben vom Königlich preußischen Geheimsekretär Friedrich Duncker (1815), eine Schauspielmusik, bestehend aus einem Krieger-Chor, einer Romanze, einem Melodram und einem Trauermarsch (Werk ohne Opus 96). Eine literarische Würdigung erfuhr das Schicksal der ungewöhnlichen Frau durch den von Birgid Hanke verfassten Roman „Flammen der Freiheit“ (2013).

Denkmal für Eleonore Prochaska auf dem Alten Friedhof (in Potsdam)

Denkmal für Eleonore Prochaska auf dem Alten Friedhof (in Potsdam)

Bildquelle: Von karstenknuth – Eigenes Werk (Originaltext: eigene Arbeit), Attribution, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5705194

 

 

 

Der Mythos der Lützower Trommlerin

 

Der Leutnant Friedrich Christoph Förster, der am Angriff der Lützower an der Göhrde teilnahm, erzählte in seinem 1863 erschienenen Buch, wie Prochaska, um ihre Kameraden zu ermutigen, mit einer liegen gelassenen Trommel den Angriff fortsetzte. Als sie schwer getroffen wurde, konnte sie noch Förster ihre weibliche Natur preisgeben: „Herr Leutnant, ich bin ein Mädchen.“

Die Geschichte der Trommlerin fand sofort eine große Verbreitung und heute noch ist dieses Bild der Lützower Trommlerin von der Person Prochaska nicht weg zu denken.

Dieser Bericht von Förster ist allerdings von ihm frei erfunden worden. Alle früheren Quellen sind einig über die Tatsache, dass Prochaska getroffen wurde, als sie einen Kameraden aus der Feuerlinie wegtragen wollte und dass sie sich nicht dem Leutnant Förster, sondern wahrscheinlich dem Feldwebel Markworth, einem Schullehrer aus Berlin, offenbarte.

Ihre Person wurde immer wieder neu interpretiert und erfuhr im Laufe der Zeit mehrere Vereinnahmungen aus verschiedenen politischen Richtungen. Prochaska wurde nach und nach eine Symbolfigur für Patrioten, Nationalisten, Kriegsbefürworter, Kommunisten und Feministinnen.

 

Proschaska und die Gender-Forschung

 

Seit den 1990er Jahren bietet die Geschlechterforschung (mit zum Beispiel der deutschen Historikerin Karen Hagemann) eine neue Interpretation der Figur Prochaskas an. Mit der Einführung der Wehrpflicht in Preußen nach der vernichtenden Niederlage von Jena 1806 und während der Befreiungskriege 1813 hätte sich eine neue Ausformung der Männlichkeit herauskristallisiert. Der Mann wird Nationalkrieger und Staatsbürger und gegenüber dem mutigen männlichen Kämpfer entwickelt sich als Pendant eine „vaterländische“ Weiblichkeit. Frauen bekommen dabei die Rolle von „Heldenmüttern“, „Kriegerbräuten“ oder „hochherzigen Pflegerinnen“. In diesem Zusammenhang erscheint Prochaska (so wie die anderen Frauen, die in den Befreiungskriegen gekämpft haben) als Person, die den Handlungsrahmen ihrer zugedachten Rolle als Frau aus patriotischen Gründen nicht akzeptiert und überschreitet. Prochaska zieht in den Krieg, nicht nur um zu kämpfen, sondern auch um ihre Aufgaben als Bürgerin wahrzunehmen.

 

Andere Frauen in den Befreiungskriegen

 

Neben Eleonore Prochaska haben während der Freiheitskriege noch weitere Frauen in den beteiligten Armeen gekämpft, so beispielsweise die russische Offizierin Nadeschda Durowa oder die Tirolerin Katharina Lanz. Allerdings wurden fast alle, nachdem sie als Frauen erkannt wurden, aus dem Militärdienst entlassen. Die einzige Ausnahme war wohl Friederike Krüger (1789–1848), die dank Protektion ihres Brigadekommandeurs der einzige bekannte weibliche Unteroffizier der preußischen Armee wurde. Zuletzt diente sie im 2. Garde-Regiment zu Fuß. 1816 wurde ihr Abschiedsgesuch bewilligt und sie zog sich in das Zivilleben zurück.

 

Siehe auch:

Liste als Mann verkleideter Militärpersonen

 

Heute gibt es in einigen Ländern, darunter auch im heutigen Deutschland, offiziell Frauen bei der Armee, auch in der kämpfenden Truppe. Das ist aber umstritten.

 

Anmerkung: Kein Geschichtsbuch schreibt, wie als Mann verkleidete Frauen es geschafft haben sich zu waschen, Wäsche zu wechseln und auf Toilette zu gehen.(An die Monatshygiene muss man bei Frauen auch denken.)

 

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

Theodor Körner

Carl Theodor Körner, geboren am 23. September 1791 in Dresden, gestorben am 26. August 1813 im Forst Rosenwo bei Lützow bzw. Gadebusch, war ein Dichter und Dramatiker. Berühmt wurde er für seine Dramen für das Wiener Burgtheater und besonders seine Lieder in den Befreiungskriegen. Nachdem er  im Lützwschen Freikorps gefallen war, wurde er zu patriotischen Identifikationsfigur.

Theodor Körner, porträtiert von seiner Tante Dora Stock (nach einer Pastellminiatur von seiner Schwester Emma Sophie Körner), 1813:1814

Theodor Körner, porträtiert von seiner Tante Dora Stock (nach einer Pastellminiatur von seiner Schwester Emma Sophie Körner), 1813/1814

Bildquelle: Von Dora Stock (1788–1815) – Unbekannt, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=617244

Die Familie Körner pflegte regen gesellschaftlichen, künstlerischen und geistigen Austausch. Neben Schiller bestanden enge Kontakte zu Goethe, Heinrich von Kleist, dem Grafen Friedrich Leopold vonGeßler, Christoph Friedrich Nicolai, Wilhelm und Alexander von Humboldt, Novalis und den Brüdern August Wilhelm und Friedrich Schlegel.

Wie der Vater verfügte Körner über musikalisches Talent. Er besaß zeichnerische Begabung wie seine Mutter und seine Schwester Emma, die das letzte Bild Theodors bei seinem Aufenthalt als Lützower Jäger im April 1813 von ihm schuf. Beide sangen später an der zelterschen Liedertafel und Theodor in Wien in Streichers Chor. Er beherrschte auch eine Anzahl Instrumente, am liebsten war ihm jedoch die Gitarre.

Zunehmend machte sich seine dichterische Begabung bemerkbar. Kaum eine von Emmas Freundinnen wurde von ihm nicht dichterisch umworben: „An Augusten“, „An Theresen“, „An Henriette“ sind die Titel einiger Gedichte.

1808 begann er sein Studium an der Bergakademie Freiberg und schloss sich der damaligen Landsmannschaft der Montanen, dem heutigen Corps Saxo-Montania an. Dort wurde er vom Geologen Abraham Gottlob Werner gefördert. Zunächst interessierte er sich mehr für die praktische Seite, fuhr in Bergmannstracht unter Tage und fühlte sich bei der harten Arbeit der mächtigen Natur verbunden. Später wandte er sich allerdings der theoretischen Seite zu. Häufige ausgedehnte Fußreisen führten ihn zur Burg Gnandstein, von Dresden über das Elbsandsteingebirge ins Böhmische Mittelgebirge und ins Riesengebirge. Eine reichliche Auslese von Naturgedichten war die Folge.

Bereits 1810 erschien sein erster Gedichtband, die „Knospen“,bei Göschen.

Im Sommer desselben Jahres wechselte er an die Universität Leipzig, schloss sich der damaligen Landsmannschaft Thuringia an und begann Geschichte und Philosophie zu studieren. Körners Studentenleben gestaltete sich der Zeit entsprechend wild, und wenn es galt, der adligen Koterie Paroli zu bieten, war er stets dabei. Aufgrund der drohenden Relegation nach einem verbotenen Duell wechselte Körner 1811 nach Berlin, stiftete dort das Corps Guestphalia I und hörte Vorlesungen bei Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Schleiermacher und Barthold Georg Niebuhr. Dort sang er in der zelterschen Sing-Akademie zu Berlin und turnte unter Friedrich Ludwig Jahn und Friedrich Friesen.

Körners handschriftliche Beschreibung des Systems der Hiebe beim Fechten, entstanden in seiner Freiberger Studienzeit

Körners handschriftliche Beschreibung des Systems der Hiebe beim Fechten, entstanden in seiner Freiberger Studienzeit

Bildquelle: Von Theodor Körner – Einst und Jetzt Band 4 (1959) nach Seite 16, nach Vorlage aus dem Körner Museum in Dresden (Im 2. WK vernichtet), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12436579

Eine Krankheit mit Fieber machte einen längeren Aufenthalt in Karlsbad erforderlich. In dieser Zeit erfolgte die Relegation von allen mit Leipzig in Kompaktatverhältnis stehenden Universitäten, wozu auch Berlin gehörte. Nach Heidelberg wollte, aber nach Wien sollte der allzu temperamentvolle Student auf Wunsch seines Vaters nun gehen.

In Wien hatte er freundschaftliche Kontakte zu den ihm aus seinem Elternhaus Bekannten, insbesondere zu Wilhelm von Humboldt, aber auch zu Friedrich Schlegel, dessen Frau Dorothea und ihrem Sohn Philipp Veit. Freundliche Aufnahme fand er im Salon der Baronin Henriette von Pereira-Arnstein, Tochter der Fanny von Arnstein, wo er häufig seine Gedichte oder einige der damals im Schwange verbreiteten Schauergeschichten vortrug. Auch lernte er dort die Dichterin Caroline Pichler kennen.

Gedenktafel an Wohnung Wien

Gedenktafel: Köllerhofgasse 3, Körners Wohnung in Wien

Bildquelle: Von Viennpixelart – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34218253

Zunächst belegte er noch Vorlesungen, doch traten seine Studien zunehmend gegenüber seinem dramatischen Schaffen in den Hintergrund. Binnen weniger Monate hatte er mehrere kürzere Schauspiele, insbesondere Lustspiele, für das Burgtheater geschrieben. Hier lernte er die so hübsche wie talentierte Schauspielerin Antonie Adamberger kennen, Tochter des bereits verstorbenen und von Mozart sehr geschätzten Hofsängers Josef Valentin Adamberger. Eine tiefe Leidenschaft ergriff ihn, und noch 1812 verlobten sich beide.

Im Sommer 1812 schrieb Körner sein größtes Drama, den „Zriny“.DieParallele des ungarischen Heldenkampfes gegen die türkischen Eroberer zu dem Freiheitskampf gegen die französische Fremdherrschaft war unverkennbar.

Eine glanzvolle Karriere als Dramatiker schien ihm offenzustehen, denn sowohl vom Fürsten Lobkowitz als auch vom Grafen Ferdinand Pálffy erhielt er Anstellungsverträge als Theaterdichter. Körner entschied sich für die Stelle am Burgtheater und erhielt als solcher den Titel eines k. k. Hoftheaterdichters. Auf diese Weise lernte er auch Ludwig van Beethoven kennen, für den er im Februar 1813 das Opernlibretto „Ulysses’ Wiederkehr“ entwarf. Aber bereits im März 1813 kündigte er diese Stelle, als Preußen sein Volk im Kampf gegen Napoleon zu den Waffen rief.

Als bereits prominenter Dichter trat Körner dem Lützowschen Freikorps bei, das sich gerade in Breslau(heute Polen) formierte, und traf unter den dort enrollierten Patrioten alte Bekannte wie Jahn und Friesen.

Körner, durch frühere tagelange Wanderungen in Böhmen und Sachsen an ermüdende Märsche gewöhnt, ließ sich zunächst der Infanterie zuteilen, die im schlesischen Zobten(heute Polen) Quartier bezog. „Frisch auf, ihr Jäger, frei und flink“ und andere Gedichte schrieb er in rascher Folge, schon wurden sie zu bekannten Melodien von seinen Kameraden gesungen. Ein von ihm verfasster Choral erklang zur Einsegnung des Korps in der Kirche zu Rogau(heute Polen) am 27. März. Am folgenden Tage rückte die Truppe in Richtung Sachsen aus. Dieses war zuvor bereits von verbündeten Truppen besetzt worden. Am 6. April erreichte der Dichter, der seinem Korps als Marschkommissar vorauseilte, Dresden und besuchte seine Familie.

Die Lützower zogen über Leipzig, wo auf dem Schneckenberg das bekannte Lied „Lützows wilde verwegene Jagd“ entstand, nordwärts und hatten so keine Gelegenheit, an den sich vornehmlich weiter südlich abspielenden Kampfhandlungen teilzunehmen.

 

Verdrossen meldete der tatendurstige Dichter, der mittlerweile zum Leutnant befördert worden war, nach Hause: „Derweilen sitze ich hier an der Elbe und recognoscire, und finde nichts, sehe nach Westphalen über, und sehe nichts, lade meine Pistolen, und schieße nichts.“ Eins seiner dort entstandenen Gedichte lautete folgerichtig „Missmut“.

Der weitere Marsch nach Norden zur Unterstützung des Wallmodenschen Korps endete, als Hamburg aufgegeben wurde. Lützow wendete sich wieder nach Süden.

Am 24. Mai trat der Dichter zur Kavallerie über, da er hoffte, hier seinem Tatendrang genügende Aufgaben zu finden, und avancierte zu Lützows Adjutanten. Tatsächlich kam es nun zu häufigen Geplänkeln und Überfällen auf kleinere Einheiten des Gegners. In einem Handstreich beraubte Körner das berühmte Gestüt in Wendelstein an der Unstrut seiner Pferde.

Am 8. und 9. Juni 1813 hatten die Lützower Jäger ihr Biwak in Eichigt im sächsischen Vogtland auf der Husarenwiese neben der Kirche aufgeschlagen; ein Angriff auf Hof in Oberfranken war geplant. Während Lützow bei Pfarrer Johann Christian Wirth gastliche Aufnahme fand, war Körner im Biwak. Die auf der Wiese stehende Linde erhielt aus diesem Grunde den Namen Körnerlinde.

Erst am 9. Juni erfuhr Lützow, zunächst auch nur vage, vom Waffenstillstand, der zwischen den Alliierten und Napoleon geschlossen worden war, und erst am 14. hatte er Gewissheit. Den Bestimmungen nach hätte das Korps bereits zwei Tage zuvor auf preußischem Boden sein müssen. Statt ins neutrale Böhmen zu ziehen, das nur wenige Stunden entfernt lag, ließ Lützow die Freischar über Gera und Zeitz nach Norden marschieren, zur Sicherheit allerdings mit sächsischen Marschkommissaren.

Weitere Einzelheiten Friesen, Körner (sitzend, Mitte) und Heinrich Hartmann auf Vorposten (Gemälde von Georg Friedrich Kersting, 1815)

Friesen, Körner (sitzend, Mitte) und Heinrich Hartmann auf Vorposten (Gemälde von Georg Friedrich Kersting, 1815)

Bildquelle: Von Hannelore Gärtner: Georg Friedrich Kersting. Seemann, Leipzig 1988, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12270200
Theodor Körner liest den Lützower Jägern seine Kriegslieder vor

Theodor Körner liest den Lützower Jägern seine Kriegslieder vor

Bildquelle: Von Richard Knötel (1857 – 1914) – Alte Postkarte der Firma Stengel & Co., G.m.b.H., Dresden, Nummer 29174., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16301561
Theodor Körner, im Lager bei Gadebusch, seinen Kameraden sein „Schwertlied“ vortragend (Glasfenster nach einem Gemälde von Rudolf Eichstaedt im Haus einer Göttinger Studentenverbi

Theodor Körner, im Lager bei Gadebusch, seinen Kameraden sein „Schwertlied“ vortragend (Glasfenster nach einem Gemälde von Rudolf Eichstaedt im Haus einer Göttinger Studentenverbindung)

Bildquelle: Von Ulrich Witt, Friedland, 2005 (Benutzer: DerGoettinger) – Ausschnitt aus einem Glasfenster im Haus der Studentischen Musikvereinigung Blaue Sänger im SV, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2897671

Am 17. Juni 1813 bezogen die Lützower ihr Lager bei Kitzen (südwestlich von Leipzig). Württembergische Truppen unter General Normann stellten sich ihnen entgegen. Dieser versicherteLützow, der in Begleitung Körners vorangeritten war, keine feindlichen Absichten zu hegen, und verwies im Übrigen auf den kommandierenden französischen General Fournier. Dieser schleuderte ihnen jedoch entgegen: „L’armistice pour tout le monde, excepté pour vous !“ Der Angriff der feindlichen Kavallerie traf die Lützower unvorbereitet, sie wurden von der Übermacht regelrecht zusammengehauen. Körner erhielt einen Säbelhieb über den Kopf. Schwer verwundet, gelang ihm noch der Weg nach Großzschocher, wo er sich in einem Gehölz verbarg. Dem Tode nahe schrieb er dort das Sonett „Abschied vom Leben“.

Bauern, die das Holz zur Ausbesserung des Elsterwehres bewachen sollten, fanden den Dichter und brachten ihn in das nahegelegene Gutsgärtnerhaus von Großzschocher. Nach einer Nacht wurde er mit Hilfe des Freundes der Familie Körner, Kunze, auf dem Wasserweg zu dem Arzt Doktor Wendler nach Leipzig gebracht und dort versorgt. Auf die versprengten Lützower, von Napoleon ihrer schwarzen Uniformen halber verächtlich „brigands noirs“ , „schwarze Banditen“, genannt, wurde immer noch Jagd gemacht.

Als er sich einigermaßen stabilisiert hatte, wurde er von Freund zu Freund nach Karlsbad dirigiert. Dabei verbrachte er auch eine Nacht bei seiner Pflegeschwester Julie von Einsiedel auf Burg Gnandstein. In Karlsbad wurde er von seiner Patentante Elise von der Recke gepflegt. Ein Wiedersehen mit seinen Eltern, die ganz in der Nähe in Teplitz weilten, gab es nicht, um seine leidende Mutter zu schonen.

Auf dem Weg zu seinem Korps war Körner bei seinem Patenonkel Graf von Geßler in Reichenbach zu Gast, wo er den Freiherrn vom Stein, Arndt, Blücher und Gneisenau traf. Über Berlin gelangte er zu seiner nun in Norddeutschland kämpfenden Truppe, die ihre Unabhängigkeit eingebüßt hatte und dem Korps Wallmoden zugeordnet worden war.

Fortwährend wurden wieder kleine Streifzüge durchgeführt. Den Abend des 25. August verbrachte Körner mit einer Streifschar unter Lützow auf dem Rittergut zu Gottesgabe. Er soll hier am Klavier gesessen und das zwei Tage zuvor entstandene „Schwertlied“ vorgetragen haben.

In der zweiten Morgenstunde des 26. August 1813 wurde ein feindlicher Transport gemeldet, auf den rasch ein Angriff geplant wurde. Bei dem folgenden Gefecht, das sich im Forst von Rosenow bei Gadebusch abspielte, fiel Theodor Körner. Die tödliche Kugel kam von einem deutschen Schützen, der aus Biebern im Hunsrück stammte.

Er wurde im Dorf Wöbbelin unter der nachmaligen „Theodor-Körner-Eiche“ begraben, wo 1815 auch seine Schwester Emma und 1831 sein Vater Christian Gottfried Körner ihre letzte Ruhe fanden.

Körner-Grab in Wöbbelin

Körner-Grab in Wöbbelin

Bildquelle: Von Niteshift (talk) – Eigenes Werk (photo), CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15987193

Zu seinen Ehren errichteten die Bürger von Frankenberg/Sa. auf dem nahen Haustein (Harrasfelsen) bei Braunsdorf (Niederwiesa) (siehe Sprungsage) am 20. Juni 1864 das Körnerkreuz. Die Inschrift lautet: „Dem Sänger und Helden Theodor Körner. Die Bewohner von Frankenberg/Sa. zur Erinnerung an den 26. August 1863.“

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Körners Wirkung auf die Nachwelt:

Körners teils stürmische, teils gefühlvolle Lyrik entsprach der ebenso romantischen wie vaterländisch kampfbereiten Gesinnung der Generationen in einem Deutschland, das auch nach den Befreiungskriegen noch lange Zeit in viele Einzelstaaten zersplittert war. Körners Sterben als Lützower Jäger erhob ihn zur vorbildhaften Gestalt. Die glaubwürdige Übereinstimmung von Dichtung und Leben empfahl seine Werke für die Lehrpläne erst des Deutschen Bundes, später des Deutschen Reichs. Körners Gedichte aus seinem Buch „Leyer und Schwert“ wurden zum Vorbild für Kriegslyrik späterer Zeit.

„Lützows wilde, verwegene Jagd“ auf Körners Text in Carl Maria von Webers dramatisch-schwungvoller Vertonung ist bis heute ein beliebtes Paradestück des deutschen Männer-Chorgesangs. Professor Kurt Huber zitierte1943 im 6. Flugblatt der Weißen Rose die erste Zeile aus Körners Aufruf (1813): „Frisch auf, mein Volk! Die Flammenzeichen rauchen.“ Marlene Dietrich wählte die Zeile „Hier steh ich an den Marken meiner Tage“ aus Körners Sonett „Abschied vom Leben“ (aus „Leier und Schwert“) als Inschrift für ihren Grabstein in Berlin.

Ausschnitt Geschichtsbuch der DDR Theodor Körner Kopie

Ausschnitt aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

Erste Strophe von Lützows wilde, verwegene Jagd auf einem Gedenkblock der Deutschen Bundespost zum 200. Geburtstag

Erste Strophe von „Lützows wilde, verwegene Jagd“ auf einem Gedenkblock der Deutschen Bundespost zum 200. Geburtstag

Bildquelle: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9837612

Daneben haben die Faschisten Theodor Körner für ihre Zwecke missbraucht. Das Gelände um die Grabstätte Körners und seiner Familie in Wöbbelinwurde 1938 aufwendig zur „nationalen Weihestätte“ umgebaut und diente als Kulisse für Aufmärsche und Vereidigungszeremonien. Die Zeile „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los“aus dem Gedicht „Männer und Buben“ lieferte Joseph Goebbels die Textvorlage für die Phrase „Nun Volk, steh’ auf, und Sturm, brich los!“, das Finale der Sportpalastrede.

In der Nachkriegszeit gilt Theodor Körner für die neofaschistische Szene als „Rebell für Deutschland“.

Auch die Neo-Faschisten der heutigen Zeit missbrauchen Theodor Körner für ihre Zwecke.

Auf einer Großveranstaltung im Münchner Löwenbräukeller am 21. April 1990 wurde der Spruch aufgesagt: „Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten, / vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott. / Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, / dann richtet das Volk und es gnade euch Gott.“

Im 21. Jahrhundert wird dieser Spruch über das Internet als angebliches Körner-Zitat verbreitet und u. a. bei Kundgebungen und Demonstrationen der Pegida eingesetzt. Am 23. September 2016 publizierte „Der Flügel“,eine von Björn Höcke geführte AfD-nahe Gruppierung, Körners Satz „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los“mit dem obigen Spruch.

Das Theodor-Körner-Museum in Wöbbelin bei Schwerin, Teil der dortigen Mahn- und Gedenkstätten, wurde nach der Annexion der DDR renoviert und mit neuem Konzept, d.h. im Sinne der heutigen offiziellen Geschichtsschreibung und Tilgung der Geschichtsschreibung der DDR, am 15. Juni 1997 wiedereröffnet.

Standbilder, Bäume und andere Denkmäler

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Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow

Ludwig Adolf Wilhelm Freiherr von Lützow wurde am 18. Mai 1782 in Berlin geboren und ist am 6. Dezember 1834 in Berlin gestorben. Er war ein preußischer Generalmajor. Er wurde vor allem durch das nach ihm benannte Freikorps, die „Schwarzen Jäger“ bekannt.

Adolf von Lützow

Adolf von Lützow

Bildquelle: Von Unbekannt – Österreichische Nationalbibliothek Wien, Porträtsammlung, Inv.-Nr. PORT_00026404_01Scan: via portraitindex.de, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52306648

Ludwig Adolf Wilhelm stammte aus dem mecklenburgischen Adelsgeschlecht Lützow. Sein Vater war der preußische Generalmajor Johann Adolph von Lützow (1748–1819), und seine Mutter Wilhelmine, geborene von Zastrow (1754–1815).

Lützow wurde am 26. Mai 1795 als Gefreiterkorporal im I. Bataillon Garde der Preußischen Armee angestellt. Am 20. Januar 1798 zum Fähnrich befördert, folgte am 10. Dezember 1800 seine Ernennung zum Sekondeleutnant. Da Lützow ein leidenschaftlicher und guter Reiter war, ersuchte er um Versetzung zur Kavallerie. Am 31. Dezember 1804 wurde er in das Kürassierregiment „von Reitzenstein“ in der Garnison Tangermünde versetzt. Im Verlauf der Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 wurde das Regiment zerschlagen und seine Reste, unter ihnen der verwundete Lützow, flüchteten in die Festung Magdeburg. Als sich die Kapitulation Magdeburgs abzeichnete, verließ Lützow die Festung. Über Kopenhagen schlug er sich in das belagerte Kolberg durch, um sich dort dem Freikorps Ferdinand von Schills anzuschließen. In Anerkennung seiner Verdienste erhielt er nach dem Friedensschluss den Orden Pour le mérite und wurde als Stabsrittmeister und Eskadronchef in das 2. Brandenburgische Husarenregiment übernommen. Mehrfach verwundet, verschlechterte sich Lützows Gesundheitszustand derart, dass er um seine Verabschiedung ersuchte. Unter gleichzeitiger Beförderung zum Major wurde ihm am 31. August 1808 der Abschied erteilt.

Lützow versuchte sich danach in der Forstlaufbahn, gab dieses Vorhaben jedoch bald wieder auf. Er fand Kontakte zu preußischen Patrioten um den Kammergerichtspräsidenten Ludwig von Vincke, Berater des Freiherrn vom Stein, und wurde bereits frühzeitig in die Vorbereitung des Kampfes gegen die Herrschaft Napoleon Bonapartes einbezogen. Dies führte ihn im Herbst 1808 nach Kassel,wo Wilhelm von Dörnberg den Widerstand organisierte, und nach Ostfriesland,um dort Aktionen vorzubereiten. Spontan schloss er sich dann mit seinem Bruder Leopold von Lützow am 30. April 1809 dem Zug des Majors von Schill an. Am 5. Mai 1809 wurde er im Gefecht bei Dodendorf schwer verwundet und danach vor ein preußisches Kriegsgericht gestellt. Da er als Mecklenburger in Preußen Ausländer war und auch zuvor aus der preußischen Armee verabschiedet worden war, erkannte das Gericht keine Schuld.

„Lützowhaus“ in Schöneiche, wo Lützow nach seiner Verwundung 1809 gesundgepflegt wurd

„Lützowhaus“ in Schöneiche, wo Lützow nach seiner Verwundung 1809 gesundgepflegt wurde

Bildquelle: Von Marcus Cyron aka User:Kenwilliams – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=822701

Am 20. März 1810 heiratete er Elisa Davidia Margarethe Gräfin von Ahlefeldt.

Am 7. Februar 1811 wurde Lützow wieder in den preußischen Dienst gestellt, zunächst mit einem Wartegehalt, ab 1. Januar 1812 mit einem Festgehalt, aber ohne wirkliche Verwendung im Dienst. Gneisenau hatte ihn für den Fall eines Volksaufstandes zunächst als dessen Leiter in Ostfriesland und Teilen Westfalens vorgesehen. Dies wurde von Scharnhorst konkretisiert, so dass Lützow am 9. Februar 1813 ein Gesuch an den preußischen König richtete, ein Freikorps aufstellen zu dürfen.

Es wurde der berühmteste deutsche Freiwilligenverband der Befreiungskriege. Das Lützowsche Freikorps bestand aus über 3000 vorwiegend nichtpreußischen Freiwilligen und operierte vorwiegend im Rücken des Feindes. Beim Waffenstillstand des Frühsommers 1813 ließ Lützow die vorgegebene Frist zum Erreichen der eigenen Linien verstreichen und wurde mit Teilen seines Freikorps am 17. Juni 1813 bei Kitzen in der Nähe von Leipzig durch napoleonische Kavallerie ohne Vorwarnung angegriffen. Lützow und sein Adjutant Theodor Körner wurden schwer verwundet und entkamen nur mit Mühe. Nachdem Ende 1813 die einzelnen Teile des Freikorps den preußischen Linientruppen zugeteilt worden waren, kämpfte Lützow 1814 in den Ardennen. Am 23. März 1815 wurden aus den Resten des Freikorps zwei Linienregimenter gebildet: aus der Infanterie entstand das Infanterie-Regiment Nr. 25, die Kavallerie wurde zum Ulanen-Regiment Nr. 6 unter dem Kommandeur Oberstleutnant von Lützow. Im Feldzug von 1815 führte Lützow eine Kavallerie-Brigade. Dabei geriet er am 16. Juni bei Ligny verwundet in französische Gefangenschaft.

Für seine Verdienste wurde Lützow am 2. Oktober 1815 mit dem Eichenlaub zum Orden Pour le Mérite ausgezeichnet und einen Tag später zum Oberst befördert. Am 8. März 1817 folgte seine Ernennung zum Kommandeur der Kavallerie-Brigade in Münster. In gleicher Eigenschaft übernahm Lützow am 5. September 1818 die 13. Kavallerie-Brigade in Torgau und wurde am 30. März 1822 zum Generalmajor befördert.

Seine Ehe mit Elisa von Ahlefeldt wurde 1824 geschieden. Am 10. April 1829 heiratete er Auguste Uebel, die Witwe seines 1827 verstorbenen jüngsten Bruders Wilhelm.

1830 erhielt er das Kommando der 6. Kavallerie-Brigade. Dieses Kommando übergab er am 30. März 1833 an den Prinzen Albrecht von Preußen und wurde daraufhin mit Pension zur Disposition gestellt.

Lützows Grab befindet sich auf dem Alten Garnisonfriedhof in Berlin.

Grab auf dem Alten Garnisonfriedhof Berlin

Grab auf dem Alten Garnisonfriedhof Berlin

Bildquelle: Von A.Savin (Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1294928

Ehrungen und Andenken

Die Liste ist sehr lang. Die Liste bitte auf Wikipedia ansehen.

Zwei Punkte, die mit der Ehrung in der DDR zu tun haben, werden hier nachfolgend aufgeführt.

  • Die Farben der lützowschen Uniform – schwarzer Stoff, roter Kragen und goldene Knöpfe – flossen in die Farbgebung der Nationalflagge Deutschlands, bzw. der alten BRD und der DDR ein.

 

 

5 Mark Gedenkmünze der DDR zum 150. Todestag Lützows aus dem Jahr 1984

5 Mark Gedenkmünze der DDR zum 150. Todestag Lützows aus dem Jahr 1984

Bildquelle: Von Matd13, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16154305

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel