Das Heranreifen der Revolution in Deutschland 1917/1918

Die Revolution in Deutschland erwuchs aus den ökonomischen, sozialen und politischen Widersprüchen des deutschen Imperialismus der Jahrhundertwende vom 19. Ins 20. Jahrhundert. Diese Widersprüche haben sich während des I. Weltkrieges außerordentlich verschärft. Ende 1917 befand sich das imperialistische Deutschland in einer tiefen Krise.

Die militärische Lage Deutschlands und seiner Verbündeten wurde immer aussichtsloser. Die ökonomische und militärische Überlegenheit der Entente trat, vor allem seit dem Kriegseintritt der USA im April 1917, immer deutlicher hervor.

Die deutsche Wirtschaft war zerrüttet. Die Industrieproduktion lag 1918 um 43 Prozent unter der von 1913. Obgleich die Industrie fast nur für die Kriegsführung arbeitete und die besetzten Gebiete rücksichtslos ausgeplündert wurden, konnte nicht so viel hergestellt werden, wie der Krieg verschlang. Die landwirtschaftliche Erzeugung ging um etwa 40 bis 60 Prozent zurück.

Die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln, Bekleidung und Schuhwerk wurde immer katastrophaler. Während sich Monopolherren und Großgrundbesitzer maßlos bereicherten, lebten die Werktätigen(arbeitenden Menschen) in den Städten und Industriegebieten im bittersten Elend.

Der Krieg brachte den werktätigen(arbeitenden)Volksmassen aber nicht nur Hunger und Not. Allein im März bis zum November 1918 waren 1,5 Millionen deutsche Soldaten gefallen oder verwundet worden. Von der Zivilbevölkerung starben in den Kriegsjahren durchschnittlich 21 Prozent mehr Menschen als in den Vorkriegsjahren. Die Sterblichkeit der Frauen nahm sogar um 34 Prozent zu. Im Jahre 1918 starben in der Heimat allein an Grippe, Tuberkulose und Lungenentzündung fast eine halbe Million Menschen; das waren etwa dreimal mehr als 1914.

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Deutschland war Ende des Jahres 1917 nach dem zaristischen Russland das Land mit den tiefsten Widersprüchen und Klassengegensätzen. Im Kampf gegen den Krieg und das kaiserliche Regime hatte sich eine revolutionäre Massenbewegung entwickelt, deren entschiedenste Kraft die deutschen Linken waren. Von allen imperialistischen Ländern war Deutschland daher auch der Staat, auf den sich die Oktoberrevolution am stärksten auswirkte.

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Spartakusgruppe erkannte von Anfang an die welthistorische Bedeutung der Großen sozialistischen Oktoberrevolution und begann ihre Lehren auf den Klassenkampf in Deutschland anzuwenden.

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die deutschen Imperialisten und Militaristen standen der jungen Sowjetmacht von Anfang an mit Hass und Feindschaft gegenüber. Sie nahmen jedoch das sowjetische Friedensangebot an, in der Hoffnung, durch die Beendigung des Zweifrontenkrieges aus ihrer verzweifelten militärischen Lage herauszukommen. In völliger Verkennung des wirklichen Kräfteverhältnisses glaubten sie, durch das Ausscheiden Russlands aus dem Krieg sowohl ihre räuberischen Eroberungspläne im Osten verwirklichen als auch im Westen siegen zu können.

Die deutsche Arbeiterklasse beantwortete die aggressive und volksfeindliche Politik der herrschenden Klasse mit dem größten politischen Massenstreik während des Krieges. Dem Aufruf der Spartakusgruppe und der revolutionären Betriebsvertrauensleute folgten mehr als eineinhalb Millionen Arbeiter und Arbeiterinnen der Rüstungsindustrie. Sie kämpften vom 28. Januar bis zum 4. Februar 1918 für die schnelle Herbeiführung des Friedens entsprechend den Vorschlägen Sowjetrusslands und für demokratische Rechte und Freiheiten.

An der Spitze dieses großen Munitionsarbeiterstreiks, der in Berlin zeitweilig  bürgerkriegsähnlichen Charakter annahm, standen nach russischem Vorbild gewählte Räte. Nur mit Hilfe rechter sozialdemokratischer Führer konnte die Regierung die Massenbewegung noch einmal niederwerfen, die zeitweilig mit Gewalt und Terror unterdrücken und den verbrecherischen Krieg um weitere neun Monate verlängern.

Nach der Niederschlagung des Januarstreiks eröffneten die deutschen Imperialisten und Militaristen am 18 Februar 1918 erneut den Krieg im Osten und zwangen die Sowjetregierung, das räuberische Friedensdiktat zu unterzeichnen.

Am 21. März 1918 begannen die Armeen der Westfront, die durch etwa 40 Divisionen aus dem Osten verstärkt worden waren, die große Offensive, die den Sieg über die Entente bringen sollte. Doch viele der Soldaten, die von der Ostfront kamen, waren schon von den Ideen der russischen Revolution beeinflusst. Nach einigen Anfangserfolgen kam der deutsche Angriff zu Stehen. Das militärische Kräfteverhältnis hatte sich durch den zunehmenden Einsatz amerikanischer Truppen endgültig zugunsten der Westmächte verändert. Nach weiteren vier mörderischen Schlachten, in denen die deutschen Truppen gewaltige Verluste an Menschen und Material erlitten, musste die Oberste Heeresleitung im Juli 1918 ihre Angriffe einstellen. Die Gegenoffensive der Entente begann am 18. Juli 1918. Am 08. August wurde die deutsche Front von englischen und französischen Truppen mit Unterstützung von 450 Tanks und starken Fliegerkräften durchbrochen. Die deutschen Armeen erlitten eine schwere Niederlage, konnten den weiteren Angriffen kaum noch standhalten und waren unter verlustreichem Kämpfen zu ständigen Rückzügen gezwungen. Das deutsche Heer war erschöpft, kriegsmüde und begann zu zerfallen. Unter den Truppen, vor allem im Osten, kam es zu Befehlsverweigerungen, Meutereien und Aufständen.

Seit dem Sommer 1918 war die revolutionäre Massenbewegung unter den Auswirklungen der militärischen Rückschläge und des Hungers in der Heimat erneut stark angewachsen. Unter dem Einfluss der Spartakusgruppeund der linken Kräfte der USPD begann eine Welle von Massenaktionen, Streiks und Hungerunruhen in den Städten und Industriegebieten. Auch unter den werktätigen(arbeitenden/ Kleinbauern)Bauern und den städtischen Mittelschichten wuchs die Erbitterung gegen den Krieg und die Regierung.

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Im September 1918 brachen die Verbündeten Deutschlands, Bulgarien und Österreich-Ungarn, zusammen. Unter diesen Umständen mussten Hindenburg und Ludendorff am 29. September im Großen Hauptquartier erklären, dass der Krieg verloren sei und die verzweifelte Lage des Heeres einen sofortigen Waffenstillstand erfordere.

Damit war nach mehr als vierjährigem blutigen Völkermorden der erste Versuch des deutschen Imperialismus, die Weltherrschaft zu erobern, schmählich gescheitert.

Ende September/Anfang Oktober war in Deutschland eine unmittelbar revolutionäre Situation entstanden.  Die deutschen Imperialisten und Militaristen, die das deutsche Volk in eine nationale Katastrophe gestürzt hatten, waren im Herbst 1918 entscheidend geschwächt und weitgehend isoliert. Die Arbeiterklasse und die andere arbeitende Menschen waren nicht mehr bereit, sich mit dem Krieg und dem monarchistisch-imperialistischen Herrschaftssystem abzufinden.

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

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Entnommen aus dem Gesichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

heranreifen der novemberrevolution in deutschland

 

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Die historischen Aufgaben der Revolution in Deutschland. Die Reichskonferenz der Spartakusgruppe

Die Revolution in Deutschland entfaltete sich als Teil der internationalen revolutionären Bewegung gegen Imperialismus und Krieg, für Frieden, Demokratie und Sozialismus.

Ihre geschichtliche Aufgabe war es, den unversöhnlichen Widerspruch zwischen der imperialistischen Bourgeoisie und der Arbeiterklasse, die zugleich die objektiven Grundinteressen der anderen werktätigen(arbeitenden) Klassen und Schichten vertrat, zu überwinden. Insbesondere während des I. Weltkrieges hatte sich dieser Widerspruch besonders verschärft. Seine Lösung war nur durch eine sozialistische Revolution möglich, die in Deutschland objektiv auf der Tagesordnung stand.

Führer dieser Revolution konnte allein die Arbeiterklasse sein, die jedoch durch Opportunismus tief gespalten war.

Die deutsche Arbeiterklasse besaß noch keine selbstständige marxistische Kampfpartei. Ihre Mehrheit stand und dem opportunistischen Einfluss der rechten Führer der SPD und der USPD.

Unter diesen objektiven und subjektiven Bedingungen musste die Revolution mit antiimperialistischer und demokratischer Zielsetzung beginnen. Ihre nächsten Aufgaben waren: Sturz des kaiserlich-imperialistischen Regime, Beendigung des Krieges, Zerschlagung des Militarismus und des reaktionären Staatsapparates, Entmachtung der für den Krieg verantwortlichen Kräfte des Monopolkapitals und des Junkertums.

In diesem revolutionären Umwälzungsprozess galt es, vor allem durch die Schaffung einer marxistischen Kampfpartei, das Kräfteverhältnis der Klassen so zu verändern, dass der Übergang zur sozialistischen Revolution möglich wurde. Dabei musste sich die Arbeiterklasse von Anfang an vom proletarischen Internationalismus leiten lassen und sich fest mit der Sowjetunion verbünden.

Nur die Spartakusgruppe, die Keimzelle einer revolutionären Partei, erkannte die großen historischen Aufgaben, die vor der Arbeiterklasse und dem ganzen deutschen Volke standen.

Die Reichskonferenz der Spartakusgruppe, die am 07.Oktober 1918 illegal in Berlin tagte und an der auch die Berliner Linken teilnahmen, beschloss das Programm der Volksrevolution für die sofortige Beendigung des Krieges, die Erkämpfung demokratischer Rechte und Freiheiten und den Sturz des deutschen Imperialismus und Militarismus.

Die Reichskonferenz bezeichnete als Ziel des Kampfes in Deutschland die sozialistische Republik. In einem Aufruf an die Bevölkerung legte sie die nächsten Kampfaufgaben fest.

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Konferenz orientierte die Arbeiterklasse auf den bewaffneten Aufstand und rief auf, sofort überall Arbeiter- und Soldatenräte zu bilden. Sie brachte ihre Solidarität und brüderliche Sympathie mit den Bolschewiki zum Ausdruck und versicherte, auch in Deutschland nach dem Beispiel Russlands zu handeln.

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

historische aufgaben revolution und reichskonferenz spartakusgruppe

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Haltung der opportunistischen Führung in der Sozialdemokratie im Oktober 1918

Als Anfang Oktober 1918 die revolutionäre Krise ausbrach, suchte die herrschende Klasse verzweifelt nach einem Ausweg aus der Kriegsniederlage zur Rettung ihrer Macht. Die Furcht vor dem „Bolschewismus“, vor dem Schicksal der russischen Bourgeoisie, war zum Alpdruck für die deutsche Großbourgeoisie geworden.

Die führenden Vertreter des Monopolkapitals und der Militaristen erkannten, dass sie in der neuen Epoche der Weltgeschichte nur noch ihre Klassenherrschaft behaupten konnten, wenn es ihnen gelang, die rechten Führer der SPD noch enger an den imperialistischen Staat zu binden und die Spaltung der Arbeiterbewegung zu vertiefen. Die rechten sozialdemokratischen Führer, die bereits 1914 Burgfrieden mit der imperialistischen Bourgeoisie geschlossen hatten, ließen diese auch jetzt nicht im Stich. Schon Anfang 1918 hatten die rechten Führer der SPD und der USPD, deren Wortführer vor allem Karl Kautsky war, den Erfahrungen und Lehren der Oktoberrevolution die revisionistische Theorie eines „dritten Weges“ entgegengestellt.

Die Theorie des „dritten Weges“, der zwischen Kapitalismus und Kommunismus verlaufen sollte, gab vor, dass die Arbeiterklasse in den entwickelten kapitalistischen Ländern ohne sozialistische Revolution, ohne revolutionären Sturz der imperialistischen Staatsmacht und ohne Diktatur des Proletariats auf dem Wege der bürgerlich-parlamentarischen Demokratie durch Wahlen und politische Reformen friedlich in den Sozialismus hineinwachsen könnte.

Diese Theorie war die Antwort des Opportunismus auf die Große sozialistische Oktoberrevolution. Nach dem Januarstreik, der den großen Einfluss dieser Revolution auf die Arbeiterklasse gezeigt hatte, gingen die rechten Führer der SPD und der USPD immer mehr zum offenen Antibolschewismus über. Sie verleumdeten die Sowjetmacht als „bolschewistische Gewalt- und Terrorherrschaft“ und prophezeiten ihren baldigen Zusammenbruch. Diese Propaganda wurde jahrzehntelang weitergeführt, bis der prophezeite Zusammenbruch des Sozialismus in Europa  1989 nun doch eingetreten ist.

Die Theorie des „dritten Weges“ wird bis heutzutage propagiert. Nach der Niederlage des Sozialismus 1989 wird die Theorie des „dritten Weges“ umso mehr propagiert.

Mit der Theorie des „dritten Weges“ und des „demokratischen Sozialismus“ versuchten die rechten Führer, ihre opportunistische Politik zur Irreführung der Arbeiterklasse den neuen Bedingungen nach der Oktoberrevolution anzupassen. Sie sollte den Kampf der Massen für die revolutionäre Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse in die Bahnen der bürgerlichen Demokratie lenken und die weitere Klassenzusammenarbeit mit der imperialistischen Bourgeoisie auf der Grundlage des Antikommunismus als „friedlichen“ und „demokratischen“ Weg zum Sozialismus erscheinen lassen.

Diese Methode ist uns auch heutzutage wohlbekannt, da sie von der Sozialdemokratie und der Partei DIE LINKE angewandt wird. Nach der Niederlage des Sozialismus 1989 können die Sozialdemokratie und die Partei DIE LINKE mit der Theorie des „dritten Weges“ erfolgreich agieren, da sie diese Niederlage als Bestätigung für ihre Theorie anbringen können. Die heutige Partei DIE LINKE blendet aus, dass die SED eine ihrer Quellparteien ist.

Als die herrschenden Kreise Anfang Oktober 1918 versuchten, durch parlamentarische Reformen die Revolution zu verhindern, waren die rechten Führer der SPD bereit, dabei aktiv mitzuwirken. Am 3. Oktober 1918 wurde der angeblich liberale Prinz Max von Baden mit Zustimmung der Obersten Heeresleitung und der Mehrheit des Reichstages zum Reichskanzler berufen. In seine Regierung traten zwei führende Sozialdemokraten, Philipp Scheidemann und Gustav Bauer, als kaiserliche Staatssekretäre ein. Damit übernahmen rechte sozialdemokratische Führer zum erstenmal unmittelbar Funktionen im imperialistischen Staatsapparat, der der Niederhaltung der Arbeiterklasse und der werktätigen(arbeitenden)Masse diente.

spartakusbrief oktober 1918spartakusbrief oktober 1918 2quelle spartakusbrief oktober 1918

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Ende Oktober 1918 beschloss der Reichstag Verfassungsänderungen, durch die einige Rechte des Kaisers auf den Reichstag übertragen wurden. So durften die Parteien nun den Reichskanzler und die Minister vorschlagen, und die Regierung wurde dem Parlament verantwortlich. Auf für Kriegserklärung und Friedenschluss war künftig die Zustimmung des Reichstages erforderlich. Damit wurden zwar die Rechte des Parlamentes erweitert, aber an den ökonomischen und politischen Machtverhältnissen hatte sich nichts geändert. Die rechten Führer der SPD versuchten der Arbeiterklasse und den anderen Werktätigen(arbeitende Menschen)vorzutäuschen, dass Deutschland nun ein „demokratischer Volksstaat“ geworden sei, in dem der Sozialismus friedlich seinen Vormarsch antreten könne.

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

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Der Höhepunkt der revolutionären Situation

Den rechten sozialdemokratischen Führern gelang es jedoch nicht, die Kampfbereitschaft der Massen einzudämmen. In allen Teilen Deutschlands kam es zu Kundgebungen und Demonstrationen, auf denen sofortiger Friede, Abdankung des Kaisers und demokratische Rechte und Freiheiten gefordert wurden. Die Spartakusgruppe rief in zahlreichen Flugblättern zur Bildung von Arbeiter- und Soldatenräten, zu Massenaktionen und zur Vorbereitung des bewaffneten Aufstandes auf.

Unter dem Druck der Volksmassen musste Karl Liebknecht aus dem Zuchthaus entlassen werden. Am 23. Oktober 1918 traf er in Berlin ein, wo er von mehr als 20 000 Arbeitern und Soldaten begeistert begrüßt wurde.

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Während die revolutionäre Situation immer mehr ihrem Höhepunkt zustrebte, bereitete sich die Regierung darauf vor, die Revolution mit militärischer Gewalt niederzuschlagen. Aber auch die Revolutionierung der Truppen nahm immer größere Ausmaße an.

Die bedeutendste Aktion, die dann zur Auslösung der Revolution führte, war Ende Oktober  1918 der Aufstand der Kriegsflotte, die vor Wilhelmshaven zusammengezogen war. Sie sollte zu einer letzten verzweifelten Schlacht gegen die überlegenen englischen Seestreitkräfte eingesetzt werden, die den sicheren und sinnlosen Tod von etwa 80 000 deutschen Matrosen bedeutet hätte. Aber die Besatzungen organisierten den Widerstand. Auf einigen Großkampfschiffen und Kreuzern verweigerten sie offen den Gehorsam, bildeten Matrosenräte, hissten die rote Flagge, löschten die Feuer unter den Kesseln und verhinderten endgültig das Auslaufen der Flotte.

Jedoch konnte der Aufstand noch einmal gewaltsam unterdrückt werden. Mehr als tausend Matrosen wurden festgenommen und eingekerkert.

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

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Der Ausbruch der Revolution

Die Revolution begann am 03. November 1918 mit dem bewaffneten Aufstand der Matrosen und Arbeiter in Kiel. Auf die Nachricht von der Unterdrückung des Aufstandes auf den Kriegsschiffen vor Wilhelmshaven erhoben sich die Kieler Matrosen zum Kampf für die Befreiung ihrer eingekerkerten Kameraden.  Am 03. November fand in Kiel eine Massenkundgebung statt, die den Beschluss fasste, durch die Straßen der Stadt zu demonstrieren.

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Am Abend des 04. November 1918 hatte der Aufstand in Kiel gesiegt. Über der Stadt und den Kriegsschiffen wehte die rote Fahne. Die zivile und militärische Gewalt lag in den Händen eines Arbeiter- und Soldatenrates, der über 40 000 bewaffnete Matrosen und Soldaten verfügte.

Diese Nachrichten riefen bei der Regierung Unruhe und Panik hervor. Sie beschloss sofort den rechten Sozialdemokraten Noske nach Kiel zu entsenden, die die Revolution im Keim ersticken sollte. Diese Pläne scheiterten jedoch. Wohl konnte Noske die politische Unerfahrenheit der Matrosen und Arbeiter ausnutzen, sich an die Spitze der Bewegung setzen und sie in reformistische Bahnen lenken. Doch konnte er nicht verhindern, dass der Kieler Aufstand das ganze Land entflammte.

Innerhalb weniger Tage erhoben sich, aufgerufen von den Spartakusanhängern und anderen linken Kräften, Millionen deutscher Arbeiter und Soldaten in den Städten und Industriegebieten, wie Braunschweig, Bremen, Düsseldorf, Dresden, Frankfurt/Main, Hamburg, Hannover, Köln, Leipzig, Magdeburg, München und Stuttgart, im Ruhrgebiet und in Sachsen.  Sie fegten Könige und Fürsten hinweg und bildeten, beflügelt vom Beispiel der Oktoberrevolution, überall Arbeiter- und Soldatenräte.

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

der ausbruch der revolution

 

Die revolutionären Kämpfe in Berlin

Entscheidend für den weiteren Verlauf der Revolution waren die Ereignisse in der Hauptstadt. Während die Spartakusgruppe die Berliner Arbeiter zum Kampf aufrief, unternahmen die Regierung und die rechte Führung der SPD alle Anstrengungen, um revolutionäre Aktionen abzuwenden.

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Sie hofften, durch die Abdankung Wilhelms II. und die Ankündigung von Wahlen für die Nationalversammlung die Revolution noch aufhalten und die Monarchie retten zu können. Friedrich Ebert, Vorsitzender der SPD, erklärte dem Reichskanzler: „Wenn der Kaiser nicht abdankt, dann ist die soziale Revolution unvermeidlich. Ich will sie nicht, ja ich hasse sie wie die Sünde.“ Zitiert nach: Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung. Bd. 3, Berlin 1966, S. 98.                                                                                                                              Um jede Verbindung der Linken mit Vertretern Sowjetrusslands zu verhindern, brach die Regierung die diplomatischen Beziehungen ab und wies das sowjetische Botschaftspersonal aus.

Obwohl in und um Berlin Truppen zusammengezogen wurden, waren auch hier die Arbeiter nicht mehr zurückzuhalten. Der Vollzugsausschuss der revolutionären Obleute und die Spartakusgruppe hatten für den 9. November 1918 zum Generalstreik und zur bewaffneten Demonstration aufgerufen.

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Am 9. November 1918 früh verließen die Berliner Arbeiter die Betriebe. Unter roten Fahnen der Arbeiterklasse zogen riesige Demonstrationszüge mit Trupps bewaffneter Arbeiter und Soldaten an der Spitze zur Innenstadt. Das erste Ziel der Demonstranten waren die Kasernen, um die Soldaten für die Revolution zu gewinnen.

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Gegen zwölf Uhr standen die Demonstranten vor der Kaserne in der Chausseestraße. Soldaten, die von den Offizieren in der Kaserne festgehalten worden waren, jubelten den Demonstranten zu.  Erich Habersaath, ein beliebter Führer der Berliner Arbeiterjugend, stürmte als erster den Kasernenhof. Offiziere schossen ihn und zwei weitere Arbeiter nieder. Schließlich konnten die Mörder überwältigt werden. Arbeiter und Soldaten verbrüderten sich.

Die Machtmittel der Regierung versagten überall. Bereits am Mittag des 9. November hatte der Aufstand in Berlin gesiegt. Die revolutionären Arbeiter und Soldaten besetzten das Polizeipräsidium, das Haupttelegrafenamt, das Rathaus sowie andere wichtige Gebäude und befreiten die politischen und militärischen Gefangenen.

Von den Massen begeistert begrüßt, rief Karl Liebknecht vom Balkon des Schlosses zum Kampf für die sozialistische Republik auf.

Frank-Walter Steinmeier konnte in seiner Rede nicht verschweigen, dass Karl Liebknecht die Republik ausgerufen hatte, obwohl er sich auf Scheidemann mit dem Ausruf der Republik bezieht.

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Auf dem Schloss wurde die rote Fahne gehisst. In der Nacht zum 10. November floh Wilhelm II., der sich im Großen Hauptquartier in Spa befand, nach Holland. Der 9. November 1918 war der Tag des Sturzes der Monarchie und der Fürstenherrschaft in Deutschland.

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Macht der herrschenden Klasse, der Monopolherren, Junker und Militaristen, war schwer erschüttert. Die Novemberrevolution 1918 in Deutschland hatte einen bedeutenden Sieg errungen.

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

 

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Der Kampf des Spartakusbundes um die Rätemacht

Am 09. November 1918 bestand die große Chance, in Deutschland eine Veränderung zu einer friedlichen, demokratischen und schließlich sozialistischen Entwicklung zu vollziehen. Dazu war es notwendig, den alten Staatsapparat zu zerschlagen, die Rätemacht zu errichten und die ökonomischen Grundlagen der imperialistischen Macht, Großbetriebe, Banken und Großgrundbesitz, zu vergesellschaften.

Die Mehrheit der Arbeiterklasse und der Räte, die ein sozialistisches Deutschland wollte, hatte jedoch infolge des langjährigen opportunistischen Einflusses nur unklare Vorstellungen vom Sozialismus. Sie glaubte, desorientier durch die antibolschewistische Hetze der rechten sozialdemokratischen Führer, mit dem Sturz der Monarchie, der Errichtung der Republik und des allgemeinen Wahlrechts bereits politische Macht erobert und die Voraussetzungen für den Sozialismus geschaffen zu haben.

Die einzige Kraft, die den Weg zum Sieg der Revolution wies, waren Spartakus und die anderen Linken. Sie wandten sich entschieden gegen die von den rechten Führern verbreiteten Illusionen und versuchten, vor allem Klarheit in der Grundfrage der Revolution, der Frage der Macht, zu schaffen.

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Um ihre revolutionären Auffassungen besser in die Massentragen zu können, schuf die Spartakusgruppe am 09. November eine eigene Zeitung, „Die Rote Fahne“.

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Lenin und die Bolschewiki sahen in der Novemberrevolution das wichtigste Kettenglied der internationalen revolutionären Bewegung. Sie rieten den deutschen Arbeitern und Soldaten, die Waffen nicht aus der Hand zu geben und eine Arbeiter-, Soldaten- und Matrosenregierung mit Liebknecht an der Spitze zu bilden. Trotz der schweren Lage Sowjetrusslands waren sie zu jeder Unterstützung bereit und boten als erste Hilfe 50 Waggons Getreide an.

Die Erfahrungen der ersten Tage der Revolution zeigten, dass ein wirksamer revolutionärer Kampf auch bestimmte organisatorische Voraussetzungen erforderte. Deshalb gründeten führende Spartakusvertreter am 11. November 1918 den Spartakusbund.

Es wurde eine Zentrale geschaffen, an deren Spitze Karl Liebknecht, Rosa Luxemburg, Franz Mehring, Leo Jogiches und Wilhelm Pieck standen.

Der Spartakusbund blieb zwar noch in der USPD, doch er begann mit der organisatorischen Zusammenfassung der Spartakusanhänger im ganzen Land. Das waren erste Schritte zur Bildung einer revolutionären marxistischen Partei. Der Spartakusbund war bestrebt, das Klassenbewusstsein der Massen zu heben und sie unter der Losung „Alle Macht den Arbeiter- und Soldatenräten“ für die Weiterführung der Revolution zu gewinnen.

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

In zahlreichen Städten und Orten folgten die Räte der revolutionären Linie des Spartakusbundes. Die Polizei Bremens wurde von reaktionären Elementen gesäubert und es entstand eine proletarische „Rote Garde“. Alle militärisch gesinnten Lehrer wurden aus dem Schuldienst entlassen.  In Braunschweig entfernten die Räte die reaktionären Beamten aus den Gerichten. Die herzöglichen Güter wurden zum Eigentum des Volkes erklärt. Die Leitungen(Management)der Leunawerke und Spandauer Staatswerkstätten wurden völlig von den Arbeiterräten übernommen. In Perleberg beschlagnahmte der Arbeiter- und Soldatenrat die Priegnitzer Eisenbahngesellschaft und setzte den Direktor, sowie andere leitende Angestellte ab. Der Landarbeiterrat von Trebbin rief die Gutsbesitzer der Umgebung zu sich und teilte ihnen mit, dass ihre Güter ab sofort enteignet seien.

 

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR der 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR:

der kampf des spartakusbundes um die rätemacht