Gustav Noske

Gustav Noske, geboren am 09. Juli in Brandenburg an der Havel, gestorben am 30. November 1946 in Hannover, war  ein deutscher Politiker der SPD.  Bekannt ist er durch seine unrühmliche Rolle während der Novemberrevolution 1918/19 und den nachfolgenden Klassenkämpfen geworden.

gustav noske als mitglied der weimarer nationalversammlung, 1919

Gustav Noske als Mitglied der Weimarer Nationalversammlung, 1919

 

Bildquelle: Von unbekannt – Büro des Reichstags (Hg.): Handbuch der verfassunggebenden deutschen Nationalversammlung, Weimar 1919, Carl Heymans Verlag, Berlin, PD-§-134, https://de.wikipedia.org/w/index.php?curid=5292162

 

 

Von 1874 bis 1882 besuchte Gustav Noske die Volks- und Bürgerschule. 1882 begann er eine Lehre zum Korbmacher. Als Geselle hielt er sich anschließend in Halle an der Saale, in Frankfurt am Main, in Amsterdam und Liegnitz auf. Die harten Arbeits- und Lebensbedingungen (11–13-Stunden-Arbeitstag, keine Fürsorgeeinrichtungen, ungerechte Bezahlung), noch verschärft durch die Heraufsetzung der Akkordsätze und das Sozialistengesetz, motivierten Noske, sich journalistisch zu betätigen und als 17-Jähriger an der Gründung eines Korbmachervereins teilzunehmen. Dieser ging später im Holzarbeiterverband auf. 1890 zählte Noske zu einer dreiköpfigen Delegation, die zum 1. Mai vom Unternehmer einen oder einen halben Tag unbezahlte Arbeitsruhe forderte. Allen drei Arbeitern wurde gekündigt. Daraufhin entstand in der Fabrik eine so große Unruhe, dass die Kündigung rückgängig gemacht wurde. Nach einer Kundgebung in Brandenburg unterhielt sich August Bebel ausführlich mit ihm. Noske war stolz, als Bebel in einer Reichstagsrede aus dieser Unterhaltung zitierte.

1891 heiratete er Martha, geborene Thiel. Die beiden hatten drei Kinder.

1893 wurde er Redakteur der „Brandenburger Zeitung“, 1897 wechselte er zur „Königsberger Volkstribüne“.

Als Redakteur der Chemnitzer „Volksstimme erlangte Noske eine große Anhängerschaft; per Nachwahl (gewählt für den ausgeschiedenen Max Schippel) zog er Anfang 1906 (mit 37 Jahren) als Abgeordneter des Wahlkreises Chemnitz in den Deutschen Reichstag ein. Als neu gewählter Abgeordneter war er dort mit einer großen Debatte um die deutschen Kolonien konfrontiert. Die Sozialdemokraten opponierten mit dem Zentrum gegen die Kolonien. Noske stimmte seinen Genossen zu, wenn sie vortrugen, dass Geldausgaben zur Lösung sozialer Probleme in Deutschland Vorrang haben müssten vor Investitionen in den Kolonien. Nicht folgen konnte er ihnen bei ihren Polemiken gegen die deutsche Kolonialpolitik.

Der Durchbruch in die Spitzengruppe der SPD-Fraktion und des ganzen Reichstages gelang Noske im Jahre 1907, als er gegenüber den Vorwürfen des Kriegsministers Karl von Einem, der „die Begründung des Heeresetats mit heftigen Angriffen gegen die SPD gewürzt und den Sozialdemokraten dabei die nationale Gesinnung abgesprochen hatte“, eine sachkundige Rede hielt, die „jeden ideologischen Seitenhieb vermied.“(siehe Schriften)[3]

Damit distanzierte er sich von August Bebel.

Während des Kieler Matrosenaufstandes Anfang November 1918 schickte Reichskanzler Max von Baden Gustav Noske nach Kiel, um die dortige Lage zu beruhigen. Noske ließ sich umgehend zum Vorsitzenden des örtlichen Arbeiter- und Soldatenrates wählen, um die Revolution im Keim zu ersticken. Das gelang ihm aber nicht. Die Revolution ist auf das gesamte Reichsgebiet übergegriffen.

Am 09. November 1918 erfolgte die Ausrufung der Republik, zum einen von Philipp Scheidemann, der in den heutigen 100-Jahr-Feiern als der Ausrufer der Republik erwähnt wird. Zum anderen hat Karl Liebknecht die sozialistische Republik  ausgerufen. Das ist für die heutige Geschichtsschreibung unangenehm und wird darum oft heruntergeredet, bzw. geschrieben, wenn man dieses Ereignis schon nicht verschweigen kann.

Einen Tag später, am 10.11.1918 floh Kaiser Wilhelm in die Niederlande. Das formelle Ende der Monarchie wurde durch die formelle Abdankung des Kaisers am 28. November 1918, seines Thronfolgers am 01. Dezember 1918 und aller anderen Bundesfürsten besiegelt.

Nachdem die Unabhängige Sozialdemokratische Partei Deutschlands(USPD) aufgrund des harten militärischen Vorgehens um die Jahreswende 1918/19 aus dem Rat der Volksbeauftragten ausgeschieden war, wurde Noske als Volksbeauftragter für Heer und Marine verantwortlich für die konterrevolutionären Angriffe im Januar 1919, wobei auch Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht ermordet wurden.

 

Nachdem der Offizier Waldemar Pabst, der die Morde an Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht veranlasst hatte, im Jahre 1970 gestorben war, wurde in dessen Nachlass ein Brief aus dem Jahr 1969 gefunden:

„Daß ich die Aktion ohne Zustimmung Noskes gar nicht durchführen konnte – mit Ebert im Hintergrund – und auch meine Offiziere schützen musste, ist klar. Aber nur ganz wenige Menschen haben begriffen, warum ich nie vernommen oder unter Anklage gestellt worden bin. Ich habe als Kavalier das Verhalten der damaligen SPD damit quittiert, dass ich 50 Jahre lang das Maul gehalten habe über unsere Zusammenarbeit.[4]

 

Noske gehörte der Weimarer Nationalversammlung seit ihrer Konstituierung am 6. Februar 1919 an. Als Reichswehrminister im ersten Kabinett Scheidemann trug er die Verantwortung für die Niederschlagung der Aufständischen der Berliner Märzkämpfe, bei denen etwa 1200 Menschen getötet wurden. Hier erließ er am 9. März abends die Weisung: „Jede Person, die mit der Waffe in der Hand, gegen Regierungstruppen kämpfend angetroffen wird, ist sofort zu erschießen.“ Er war auch beteiligt an der Niederschlagung von einigen lokalen Aufständen, bei denen Räterepubliken errichtet werden sollten, unter anderem in München und  in Bremen. Er bekam den Beinamen „der Bluthund“ oder „Blutnoske“, was auf seine eigene Darstellung der Entscheidung zur Niederschlagung des Spartakusaufstandes in seinen 1920 erschienenen Memoiren zurückgeht:

Der Kriegsminister, Oberst Reinhardt, formulierte einen Befehl, durch den die Regierung und der Zentralrat den Generalleutnant von Hofmann, der mit einigen Formationen nicht weit von Berlin war, zum Oberbefehlshaber ernannte. Dagegen wurde eingewendet, dass die Arbeiter gegen einen General die größten Bedenken hegen würden. In ziemlicher Aufregung, denn die Zeit drängte, auf der Straße riefen unsere Leute nach Waffen, stand man im Arbeitszimmer Eberts umher. Ich forderte, daß ein Entschluß gefaßt werde. Darauf sagte jemand: ‚Dann mach du doch die Sache!‘ Worauf ich kurz entschlossen erwiderte:‚Meinetwegen! Einer muss den Bluthund machen! Ich scheue die Verantwortung nicht!‘ Reinhardt meinte, auf den Vorschlag habe er eigentlich immer gehofft. Ein Beschluss wurde mündlich so formuliert, daß die Regierung und der Zentralrat mir weitgehendste Vollmachten zum Zweck der Wiederherstellung geordneter Verhältnisse in Berlin übertrugen.[5]

Noske teilte den Antibolschewismus der Militärs und ließ den von der Reichswehr unterstützten Freikorps weitgehend freie Hand bei ihrem harten Vorgehen gegen Streiks und kommunistische Aufstände.

Weimar, Regierung Scheidemann

Erste Kabinettssitzung des Kabinetts Scheidemann am 13. Februar 1919 in Weimar.

 

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-R08282 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5368187

 

 

Im Sommer 1919 wurde ein Foto veröffentlicht, das Noske gemeinsam mit dem künftigen Reichspräsidenten Friedrich Ebert in Badehose zeigte. Skandalös wurde es vor allem deswegen empfunden, weil auch bei Männern noch in der Kaiserzeit ein Ganzkörperbadeanzug üblich war. Dieses Bild benutzten viele Gegner der Republik, um gegen den Reichswehrminister und die neue, bürgerlich-demokratische Regierungsform zu polemisieren.[6]

Friedrich Ebert u.a. beim Baden im See

Das Badehosen-Foto: Friedrich Ebert und Gustav Noske (stehend, zweiter und dritter von rechts) mit Henry Everling und anderen Mitgliedern der Konsumgenossenschaft Produktion, Haffkrug, 16. Juli 1919

 

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 146-1987-076-13 / Wilhelm Steffen / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5483384

 

 

Aber auch Kommunisten nutzten dieses Bild als Vorlage zur Karikatur, um auf die unrühmliche Rolle Noskes als Verantwortlicher für die konterevolutionären Angriffe aufmerksam zu machen. Die kommunistische Zeitschrift „Die Pleite“ veröffentlichte 1923 eine an das Foto angelehnte Karikatur, die Ebert und Noske in Badehosen zeigte, allerdings nicht in der Ostsee, sondern in einem Meer von Blut.[8]

 

Nachdem er am 29. Februar 1920 in Absprache mit Ebert die reaktionären Freikorps, u. a. die Brigade Ehrhardt, auflöste, kam es zum reaktionären Kapp-Lüttwitz-Putsch vom 13. März 1920. Auch Reichspräsident Ebert konnte Noske nicht mehr halten; wegen „Begünstigung der Konterrevolution“ wurde Noske nach dem Kapp-Putsch zum Rücktritt als Reichswehrminister gezwungen.

Gustav Noske und Walter Lüttwitz

Gustav Noske (rechts) mit Walther von Lüttwitz (1920)

 

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 183-1989-0718-501 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5347329

 

 

 

Noske wurde 1920 auf den Posten des Oberpräsidenten der preußischen Provinz Hannover abgeschoben. Seine Versuche, nach 1920 in der SPD wieder Fuß zu fassen, scheiterten. So forderte z. B. der Bezirksvorstand der SPD Pommerns im Januar 1928 mit einem einstimmigen Beschluss den Parteivorstand der SPD auf, eine Kandidatur Noskes für die Reichstagswahl 1928 zu verhindern.

Noske, der nach dem nach dem Preußenschlag nicht, wie so viele andere sozialdemokratische, bzw. republiktreue Spitzenbeamte entlassen wurde, erhielt nach der Machtergreifung der Faschisten umgehend die Aufforderung sich in Berlin einzufinden. Am 06. Februar 1933 besprach Hermann Göring persönlich  mit ihm die Modalitäten seines Ausscheidens aus dem Amt des Oberpräsidenten. Noske wurde zugesichert, der könnte bis zum 01. Oktober 1933, also bis zum Erreichen der Altersgrenze, im Amt verbleiben. Allerdings müsse er bis dahin Urlaub nehmen. Noske willigte ein. Göring hielt seine Zusage in der Folgezeit nicht ein. Anfang Mai 1933 ließ er mitteilen, dass das Amt des Oberpräsidenten für Viktor Lutze freizumachen sei.

Gustav Noske

Gustav Noske(1933)

 

Bildquelle: Von Bundesarchiv, Bild 102-14240 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5481316

 

 

Mitte Mai 1933 wurde Noske in den einstweiligen Ruhestand versetzt.  Am 26. September 1933 schließlich unter Bezugnahme auf § 4 (mangelnde nationale Zuverlässigkeit)des Gesetzes zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums endgültig entlassen. Ebenfalls 1933 verlor er seine Ehrenbürgerschaft der TH Hannover.

Das Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums erinnert an den Radikalenerlass in der BRD in den 1970er und den 1980er Jahren.  Ob dieses Nazi-Gesetz als Vorbild diente oder es sich um einen Zufall handelt ist die Frage.

 

Noske war in die Pläne der Verschwörer eingeweiht, die für das Attentat auf Hitler am 20. Juli 1944 verantwortlich sind. Noske war im Schattenkabinett Beck/Goerdeler für den Fall eines gelungenen Staatsstreiches als Politischer Beauftragter im Wehrkreis IX(Kassel)eingeplant. Dass Goerdeler ein Reaktionär war, ist bekannt. Nun ja, man muss ich nicht darüber wundern.

Nach dem missglückten Attentat vom 20. Juli 1944 wurde Noske verhaftet und zuerst ins Lager Fürstenberg/Havel verbracht, das zum  KZ Ravensbrück gehörte. Er überlebte die insgesamt siebenmonatige Haft in diesem Lager und war dann im Zellengefängnis Lehrter Straße in Berlin-Moabit inhaftiert, aus dem er am 25. April 1945 entlassen wurde.

Nach dem Ende des zweiten Weltkrieges war Gustav Noske fast 80 Jahre alt und eine weitere politische Karriere war somit für ihn nicht mehr möglich. Dabei hätte er recht gut in das antikommunistische Klima in den Westzonen und der alten BRD gepasst.  Der bekannte antikommunistische Sozialdemokrat der Nachkriegszeit, Kurt Schuhmacher, stand auf der Seite von Gustav Noske, legte aber auf eine weitere politische Aktivität keinen Wert mehr.

Kurz vor seinem Tod im Jahre 1946 verfasste Noske einen Teil seiner Memoiren. Erschreckend, dass er da Nazi-Jargon verwandte, denn er brandmarkte darin den „ostjüdischen“ Einfluss in der deutschen Arbeiterbewegung. Er schrieb z.B. „daß die ostjüdischen ‚Marxisten‘ eine besondere Veranlagung dafür besaßen, den Sozialismus zu einem Dogma auszubilden […] Sie brüteten eine Geheimwissenschaft aus, die den deutschen Arbeitern stets unverständlich geblieben ist.“[12]

Unter Weglassung des Teils betreffs der Juden, wird der gleiche Inhalt seit jeher für antikommunistische Propaganda genutzt.

 

grab auf dem stadtfriedhof engesohde

Grab auf dem Stadtfriedhof Engesohde

 

Bildquelle: Von Benutzer:AxelHH – Foto aufgenommen von Benutzer:AxelHH, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11620826

 

 

Noskes Grab befindet sich auf dem Stadtfriedhof Engesohde in Hannover.

 

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

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Der Reichsrätekongress

Vom 16. Bis zum 21. Dezember 1918 tagte in Berlin der I. Reichsrätekongress der Arbeiter- und Soldatenräte. Auf diesem Kongress verfügten die rechten Sozialdemokraten über die absolute Mehrheit. Von 489 stimmberechtigten Delegierten waren mehr als die Hälfte, und zwar 289, Vertreter der SPD. Die USPD hatte 90 Delegierte, darunter 10 Spartakusanhänger, deren Bekannteste Fritz Heckert und Eugen Levine waren. Auf dem Rätekongress waren aber auch 1 Rittergutpächter, 13 aktive Offiziere sowie bürgerliche Delegierte anwesend.

Der Reichsrätekongress hatte über die Grundfrage der Revolution und die Frage der Macht zu entscheiden, die in den Forderungen Rätemacht oder Nationalversammlung gipfelte.

Es ging darum, ob die Macht der deutschen Imperialisten beseitigt und die Rätemacht errichtet oder ob auf dem Wege von Wahlen zu einer Nationalversammlung die Macht des Imperialismus in Form des bürgerlich-parlamentarischen Staates aufrechterhalten werden sollte.

Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht hatten kein Mandat für den Kongress erhalten. Der Kongress lehnte es auch ab, sie mit beratender Stimme zuzulassen. Am Tage der Eröffnung des Rätekongresses demonstrierten über 250 000 Arbeiter und Soldaten für die Forderungen des Spartakusbundes.

kundgebung 16.12.1918 vor tagungsgebäude des reichsrätekongresses

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Zusammensetzung des Reichsrätekongresses zeigte die Schwäche der revolutionären Kräfte. Die deutsche Arbeiterklasse besaß noch keine marxistische Kampfpartei. Die politisch-ideologische und organisatorische kraft sowie die revolutionären Erfahrungen des Spartakusbundes reichten noch nicht aus, um die Mehrheit in den Räten zu gewinnen. Die rechten sozialdemokratischen Führer konnten bei den Wahlen zum Rätekongress den gesamten Partei- und Gewerkschaftsapparat einsetzen. In der Alt-BRD und auch im der heutigen Groß-BRD sind die Gewerkschaften mit der SPD verwoben. Das ist Ursache für die heutige Stärkung des Kapitals und dass die Arbeiterklasse heute politisch keine Rolle mehr spielt. Mit demagogischen Losungen und Hetze gegen den „Bolschewismus“ und den Spartakusbund gewannen sie den bestimmenden Einfluss. Mit den gleichen Methoden arbeitet die SPD heute noch. Hinzugekommen ist nun die Partei DIE LINKE, die ebenso verfährt.

Unter diesen Bedingungen konnten die rechten Führer der SPD ihre konterrevolutionären Pläne durchsetzen. Der Kongress beschloss bis zur Regelung durch die Nationalversammlung dem Rat der Volksbeauftragten die gesamte gesetzliche und vollziehende Gewalt zu übertragen.

Die Wahlen zur Nationalversammlung wurden auf den 19. Januar 1919 festgesetzt. Damit hatte die Mehrheit der Delegierten, die sich infolge ihrer kleinbürgerlichen und reformistischen Illusionen der Tragweite ihrer Entscheidung nicht bewusst war, in der Grundfrage der Revolution, in der Frage der Macht, zugunsten der imperialistischen Bourgeoisie  entschieden.

Die Beschlüsse des Reichsrätekongresses, die das veränderte Kräfteverhältnis zum Ausdruck brachten, leiteten den Niedergang der Rätebewegung ein und kennzeichneten eine Wende in der Revolution.

 

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR.

der reichsrätekongress

 

 

 

Die Wahlen zur Nationalversammlung

Mit der blutigen Niederschlagung der revolutionären Kräfte in ihrer stärksten und wichtigsten Position, in der Hauptstadt Deutschlands, war es der imperialistischen Bourgeoisie gelungen, der Arbeiterklasse die für den Verlauf der Revolution entscheidende Niederlage zu bereiten. Zugleich hatte sie ihr unmittelbares Ziel erreicht, günstige Voraussetzungen für das Zustandekommen einer reaktionären Nationalversammlung geschaffen. Die Bedingungen des Wahlkampfes waren für die einzelnen Klassen, Schichten und Parteien absolut ungleich. Die Arbeiterklasse war tief gespalten. Ihre besten Führer waren ermordet, eingekerkert oder in die Illegalität gezwungen. „Die Rote Fahne“ war verboten, während die Presse der Monopolisten und Junker die Wähler überschwemmte.

Die reaktionäre Propaganda, der Belagerungszustand, das Wüten der weißen Banden und die antikommunistische Mordhetze terrorisierten die Mehrheit der Arbeiterklasse und der kleinbürgerlichen Schichten. Unter diesen Bedingungen ergaben die Wahlen am 19. Januar 1919 eine Mehrheit für die bürgerlichen Parteien.

wahlergebnisse nationalversammlung

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Niederschlagung der Arbeiterklasse in den Januarkämpfen und die Ergebnisse der Wahlen zur Nationalversammlung ermöglichten der imperialistischen Bourgeoisie mit Hilfe der rechten Führer der SPD nun die Sicherung und Festigung ihrer Klassenherrschaft in der Form der bürgerlich-parlamentarischen Republik in Angriff zu nehmen. Aber große Teile der Arbeiterklasse, die sich in ihren Erwartungen getäuscht sahen, kämpften im Frühjahr 1919 in machtvollen Massenstreiks und bewaffneten Aktionen, deren Höhepunkt die Münchner Räterepublik war, für die Verteidigung und Erweiterung der demokratischen Errungenschaften der Revolution. Doch auch diese Aktionen, die ihrem Charakter nach Abwehrkämpfe waren, vermochten die Entscheidung in der Frage der Macht, wie sie bereits auf dem Reichsrätekongress und in der Niederlage der Januarkämpfe zum Ausdruck gekommen war, nicht mehr zu ändern.

wichtigste deutsche parteien vor und nach der novemberrevolution

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

 

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982 bearbeitet von Petra Reichel

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR:

die wahlen zur nationalversammlung

 

Charakter, Lehren und Bedeutung der Novemberrevolution

Die Novemberrevolution war die größte revolutionäre Massenbewegung in Deutschland seit dem deutschen Bauernkrieg und die erste Revolution in der Epoche des Imperialismus in einem hochindustrialisierten Land.

Sie war das Ergebnis der Zuspitzung aller Klassenwidersprüche im imperialistischen Deutschland. Unter dem Einfluss der Oktoberrevolution, den Auswirkungen des Krieges und der Niederlage kämpften Millionen Arbeiter und Soldaten, Bauern und andere Werktätige(arbeitende Menschen)gegen den Imperialismus und Militarismus, für ein neues, von Kriegen und Unterdrückung freies Deutschland. 

Trotz ihrer Niederlage hatte die Revolution bedeutende Erfolge errungen. Die Volksmassen hatten die Monarchie hinweggefegt, die Republik und wesentliche bürgerlich-demokratische Rechte erkämpft, die einen besseren Ausgangspunkt für den Kampf um Demokratie und Sozialismus darstellten.

Das Hauptergebnis der Novemberrevolution war die Entstehung der Kommunistischen Partei Deutschlands.

Mit ihrer Gründung wurde die entscheidende Voraussetzung geschaffen für den Kampf gegen Imperialismus und für die Errichtung einer sozialistischen Gesellschaft.

Die Novemberrevolution in Deutschland hatte eine große internationale Bedeutung. Vor allem aber war sie eine wesentliche Hilfe für die Junge Sowjetmacht. Sie verhinderte, dass sich der deutsche Imperialismus zunächst weiter an der Intervention gegen Sowjetrussland beteiligen konnte. Ferner ermöglichte die Novemberrevolution der Sowjetregierung die Annullierung des Raubfriedens von Brest-Litowsk.

Doch die historische Aufgabe der Revolution, der Sturz des Imperialismus und Militarismus und die Errichtung eines friedliebenden, demokratischen und sozialistischen Deutschlands, wurde nicht gelöst. Die Macht des Monopolkapitals blieb erhalten.

Die Hauptverantwortung dafür trugen die rechten Führer der SPD, die sich mit den imperialistischen und militaristischen Todfeinden der Arbeiterklasse und des ganzen deutschen Volkes verbanden, um die Revolution niederzuwerfen.

Die Novemberrevolution war eine breite Volksrevolution. Ihre treibende Kraft, die Arbeiter und Soldaten, führte objektiv einen antiimperialistischen, demokratischen Kampf, um die politische Macht der Monopolbourgeoisie zu brechen. Der bewussteste Teil der Arbeiterklasse kämpfte für die Rätemacht und für den Sieg der sozialistischen Revolution nach dem Beispiel der Oktoberrevolution. Den vereinten Kräften der Konterrevolution gelang es jedoch, die revolutionäre Arbeiterklasse niederzuschlagen. 

Bedingt durch diese Niederlage blieb die Novemberrevolution  1918/19 ihrem Charakter nach eine bürgerlich-demokratische Revolution, die in der politischen Herrschaft des deutschen Imperialismus einen Wechsel von der Monarchie zur bürgerlich-parlamentarischen Staatsmacht erzwang.

Die Novemberrevolution vermittelt sowohl der deutschen als auch der internationalen Arbeiterbewegung wichtige Erfahrungen und Lehren für den weiteren Kampf zum Sturz des Imperialismus und Militarismus.

 
entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

Nun gibt es keine Sowjetunion mehr und der Sozialismus als Gesellschaftsordnung ist aus Europa verschwunden. Frühere marxistisch-leninistische Parteien haben sich sozialdemokratisiert. Die Arbeiterklasse spielt seit der Niederlage des Sozialismus in Europa keine politische Rolle mehr.

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR