Weimarer Verfassung

Weimarer Verfassung

 

Buchtitel Geschichte in Übersichten Kopie 3

 

entnommen aus „Geschichte in Übersichten“, DDR 1982

 

 

 

 

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Die Auswirkungen der Weltwirtschaftskriese auf Deutschland

Die Auswirkungen der Krise auf die deutsche Wirtschaft und die Verschärfung des Klassenkampfes

Deutschland wurde neben den USA von der Weltwirtschaftskrise (mehr dazu in der nächsten Ausgabe DIE TROMMLER)am heftigsten erfasst. Die engen Bindungen des deutschen Monopolkapitals an die westlichen Imperialisten, besonders an die USA-Monopole, bewirkten in Deutschland verheerende Folgen.

Die Krise begann in der Investitionsgüterindustrie, griff 1930 auf die Zweige der Schwerindustrie über und führte zum Bankrott einiger Banken. Produktion und Außenhandel sanken schnell ab, und nur noch ein kleiner Teil der Produktionskapazität konnte ausgenützt werden.  Die wirtschaftliche Lage wurde durch die Reparationszahlungen, die Deutschland zu leisten hatte, noch verschlechtert.

Die Behauptung der rechten sozialdemokratischen Führer, der Kapitalismus werde sich krisenfrei weiterentwickeln, entlarvte sich als Irrlehre.

Die Monopole wälzten die Lasten der Krise auf die Werktätigen(arbeitende Menschen)ab, deren Lebenslage immer schlechter wurde. Zahlreiche Fabriken schränkten die Produktion ein oder legten sie still. Dadurch stieg die Arbeitslosigkeit schnell an. 1932 gab es in Deutschland über 8 Millionen Erwerbslose und viele Millionen Kurzarbeiter.

Arbeitssuchende Berliner Arbeitsamt

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Ansteigen Kurzarbeit und Erwerbslosigkeit 1928-1932

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

60 000 mittlere und kleinere Betriebe brachen zusammen. Mit Hilfe von Krediten und mit Unterstützung des Staates kauften die Monopole viele dieser bankrotten Betriebe auf und stärkten dadurch ihre wirtschaftliche Macht.

Die Lage der Gewerbetreibenden und werktätigen Bauern verschlechterte sich ebenfalls rapide. Die Bauern konnten immer weniger landwirtschaftliche Produkte verkaufen und verschuldeten. Durch Zwangsversteigerungen verloren allein im Jahre 1930 20 000 Klein- und Mittelbauern ihre Höfe.

Erntepfändung

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Krise in der Landwirtschaft(Agrarkrise)wirkte ihrerseits verschärfend auf die Krise anderer Teile der Wirtschaft.

Durch die wachsende Notlage und die immer neuen Angriffe des Monopolkapitals auf die Lebenslage der Werktätigen(arbeitende Menschen)verschärfte sich der Klassenkampf.

Obdachlose auf Treppen der Berliner Volksbühne

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

In vielen Demonstrationen und Streiks der Arbeiter und Erwerbslosen wehrten sich die Unterdrückten gegen die Unternehmerangriffe und die staatlichen Verordnungen zur Senkung der Löhne und Unterstützungen. Während die rechten sozialdemokratischen und Gewerkschaftsführer sich immer wieder bemühten, die wachsende revolutionäre Bewegung einzudämmen, stand die Kommunistische Partei an der Spitze der Aktionen der Werktätigen(arbeitenden Menschen). Sie lehrte die Massen, dass das Proletariat nur durch aktiven Massenkampf seine elementarsten Lebensrechte verteidigen kann und damit zugleich die Lebensinteressen des gesamten Volkes vertritt.

Streiks 1930-31

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Demo im Mansfelder Revier

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Der weitere Abbau der Demokratie durch die Monopolbourgeoisie

Angesichts des wachsenden Kampfes der Arbeiter gegen die Verelendungs- und Unterdrückungsmaßnahmen war die Monopolbourgeoisie nicht mehr in der Lage, ihre Politik mit dem bürgerlichen Parlamentarismus durchzusetzen. Zur Verwirklichung ihrer Revanche- und Expansionsziele orientierten sich die reaktionärsten Kräfte des deutschen Monopolkapitals auf die völlige Beseitigung der bürgerlichen Demokratie und die Errichtung einer brutalen Terrorherrschaft. Mit der Regierung des Zentrumpolitikers Brüning, die am März 1930 regierte, wurden zunächst Präsidialkabinette eingesetzt, die nur auf dem „Vertrauen des Reichspräsidenten“ und nicht auf dem des Reichstags beruhten. Sie reagierten mit Notverordnungen. Diese waren nicht an die Zustimmung des Reichstages gebunden, sondern wurden auf Grund des Artikels 48 der Weimarer Verfassung allein vom Reichspräsidenten verordnet. Die erste Notverordnung erschien im Juli 1930. Sie brachte Gehaltssenkungen für Angestellte und Beamte, eine Verminderung der Steuern für Unternehmer um insgesamt 1,4 Millionen Mark und die Erhöhung der Steuern für die Werktätigen(arbeitende Menschen)um 10 Prozent. Gleichzeitig wurde der Reichstag aufgelöst, weil sich seine Mehrheit gegen dies Verordnung ausgesprochen hatte.

Reichstag wird eingesargt

Fotomontage von John Heartfield

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Eine weitere Notverordnung war das „Osthilfegesetz“, durch das die Junker über 4 Milliarden Mark Staatsgelder erhielten.

Entwicklung Notverordnungspolitik 1930-1932

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Mit diesen Notverordnungen und anderen politischen und wirtschaftlichen Maßnahmen bereiteten sich die Regierung Brüning und die ihr 1932 folgende Papenregierung den Übergang von der bürgerlich-parlamentarischen Herrschaftsform zur offenen faschistischen Diktatur vor.

 

Die Nazibewegung als neue Massenpartei für die reaktionärsten Kreise der Monopolbourgeoisie

Zur Errichtung eines offenen, brutalen Terrorregimes brauchten die Imperialisten ein Werkzeug, eine Partei, die die Massen der Werktätigen(arbeitenden Menschen)spalten und irreführend sollte. Für dies Aufgabe förderten die reaktionärsten Kräfte des Monopolkapitals , vor allem in den Jahren der Krise, die von Hitler geführte Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei(NSDAP), wie sie sich zur Täuschung der Volksmassen nannte. In ihrem Programm verkündete sie, dass Deutschland im Osten „Lebensraum“ erobern und darum Krieg führen müsse. Zugleich forderte sie die Revision der Westgrenzen. Als ihre Hauptaufgabe bezeichneten die Nazis, den Kommunismus auszurotten. Diese Zielstellung entsprach am meisten der imperialistischen Machtpolitik der deutschen Monopolbourgeoisie.

Die am schwersten von der Krise betroffenen Teile des Monopolkapitals, besonders Vertreter der rheinisch-westfälischen Schwerindustrie, drängten am heftigsten zum Faschismus. Seit 1930 führten die Kohlekonzerne jährlich über 6 Millionen Mark an die Nazi-Partei ab. Stahlkönig Thyssen fianzierte den Kauf des „Braunen Hauses“, des Parteihauses der Nazis, in München. Aber auch ausländische Imperialisten, wie Henry Ford, Henry Deterding, Ivar Kreuger und der Shell-Konzern, waren an der Finanzierung der Nazipartei beteiligt. Dies ermöglichte es den Faschisten, Terrorbanden, die SA und SS aufzustellen und zu bewaffnen, Versammlungen und Aufmärsche zu organisieren.

Aufmarsch SA Braunschweig 1931

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Hauptmethode der Politik und Propaganda der faschistischen Partei waren der Antikommunismus und die soziale und chauvinistische Demagogie, lügenhafte Versprechungen zur Irreführung der Volksmassen, die man die zu halten gedachte. Das falsche Versprechen begann bereits beim Namen der Partei. Die Faschisten wussten, dass die Idee des Sozialismus in der Arbeiterklasse verwurzelt und auch das Lebensziel anderer Werktätiger(arbeitender Menschen)war. Deshalb missbrauchten die Faschisten den Begriff Sozialismus und bezeichneten ihr Ziel, die Errichtung einer faschistischen Diktatur, als „nationale Revolution“.

Auch heutzutage, wie auch in der alten BRD spricht man in der offiziellen Geschichtsschreibung vom Nationalsozialismus und bezeichnet die Nazis nicht als Faschisten, sondern als Nationalsozialisten. Das kommt daher, das nun der Faschismus mit dem Sozialismus geleichgestellt wird. Das entspricht der antikommunistischen Propaganda.

Den Arbeitern versprachen die Nazis Arbeit und Brot und die Verstaatlichung  der Monopole, den Bauern eine Bodenreform, den Kaufleuten und Handwerkern eine gesicherte Existenz. Ihre monopolkapitalistischen Auftraggeber wussten, dass dies nur demagogische Versprechungen waren.

Interview New York Times zu NSDAP 1930

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Als sich 1931 die wirtschaftliche Lage zuspitzte und sich der Klassenkampf verstärkte, bemühten sich einzelne Kreise des deutschen Finanzkapitals immer nachdrücklicher um eine Vereinigung aller reaktionären Kräfte, einschließlich der Faschisten, zum Kampf gegen die revolutionäre Arbeiterbewegung und zur Durchsetzung ihrer aggressiven imperialistischen Ziele. Im Oktober 1931 bildeten diese ärgsten Feinde des deutschen Volkes die Harzburger Front.

Harzburger Front

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Entschließung Harzburger Front 1931Quellenangabe Entschließung Harzburger Front

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die wirtschaftlichen und politischen Gegensätze innerhalb des Monopolkapitals waren die Ursache dafür, dass zunächst nur ein Teil die Nazipartei unterstützte. Nachdem Hitler am 27. Januar 1932 vor führenden Monopolvertretern in Düsseldorf, darunter Krupp, Borsig, Duisberg, Flick, und Vögler, sein Programm zur Unterdrückung der revolutionären Kräfte und zur Führung eines Eroberungsfeldzuges erläutert hatte, flossen neue Gelder von den Industriellen in die Kassen der Nazipartei.

Hitler und Göring im Industrieclub Düsseldorf

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

In der alten BRD war es tabu die Finanzierung  der Nazi-Partei durch Großkapitalisten zu benennen. Auch heute wird das nur in Spezialpublikationen zur Sprache gebracht.

In den Wahlen im Juli 1932 wurde die NSDAP zur stärksten Partei im Reichstag und Göring Reichstagspräsident.

 

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entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text:

Auswirkungen Weltwirtschaftskrise Deutschland

 

Die Entwicklung der KPD zur Marxistisch-leninistischen Massenpartei. Der Kampf der deutschen Arbeiterklasse gegen das Erstarken der Reaktion

Die Bildung des marxistisch-leninistischen Zentralkomitees der KPD im Oktober 1925

Nach der Niederschlagung der Arbeiterklasse im Herbst 1923 terrorisierte die Reichswehr gemeinsam mit militaristischen Verbänden sowohl die klassenbewussten Arbeiter als auch parteilose Gewerkschafter und bürgerliche Demokraten. Den Hauptstoß richtete der imperialistische Staatsapparat gegen die Kommunisten. Ihre Partei wurde verboten und gegen fast alle führenden Funktionäre der KPD Haftbefehl erlassen.

Etwa 7000 klassenbewusste Proletarier saßen 1924 in den Gefängnissen der Weimarer Republik; gegen 18 000 wurde von den Justizbehörden Anklage erhoben. Eine Serie von Gesetzen und Verordnungen bürdete den Werktätigen(arbeitende Menschen)neue Steuerlasten auf, kürzte die kargen Unterstützungssätze für Erwerbslose, raubte den Arbeitern und Angestellten den Achtstundentag und schränkte ihr Streikrecht erheblich ein.

Das kommt uns bekannt vor. In der heutigen Zeit gibt es in Österreich gravierende Verschlechterungen für die arbeitenden Menschen, aber auch Erwerbslose. In Deutschland  ist Hartz IV und die Einführung von Leiharbeit und anderen prekären Arbeitsverhältnissen mit Einkommenskürzungen für viele Menschen verbunden. Für diejenigen, die Arbeit haben und Steuern zahlen, wird diesen ebenso diese Last mehr und mehr aufgebürdet.

Doch der Vortrupp der Arbeiterklasse, der heutzutage nicht mehr vorhanden ist, kapitulierte nicht vor diesem Angriff. Trotz der schwierigen Kampfbedingungen und ungeachtet ihrer außerordentlich schlechten materiellen Lage organisierten die Kommunisten den Widerstand der Werktätigen(arbeitende Menschen)gegen die Offensive der Monopolkapitalisten. Arbeiter griffen in vielen Industriezweigen und Orten zur Waffe des Streiks. Wirksame proletarische Abwehrbewegungen wurden ausgelöst. Aber ihr Verlauf bestätigte letztlich, dass sich das Kräfteverhältnis der Klassen nach dem Oktober 1923 grundlegend zugunsten der Monopolbourgeoisie verändert hatte. Denn die Streikenden erreichten zwar insgesamt gesehen gewisse Lohnerhöhungen, vermochten jedoch nicht, die beseitigten sozialen Errungenschaften, wie z.B. den Achtstundentag, zurückzuerobern.

Die revolutionären Mitglieder der KPD bemühten sich, die Veränderungen im Kräfteverhältnis der Klassen rasch zu erfassen und eine der neuen Situation entsprechende Taktik auszuarbeiten. Doch das war außerordentlich schwierig; denn die relative Stabilisierung des Kapitalismus in Deutschland setzte sich nicht schlagartig durch, sondern vollzog sich in einem längeren, widerspruchsvollen Prozess. Die Breite und Schärfe der proletarischen Abwehrbewegungen begünstigten Fehleinschätzungen der Klassenkampfsituation. So meinte eine Reihe von Mitgliedern und Funktionären der KPD, in Deutschland könnten rasch neue, entscheidende Klassenkämpfe heranreifen und in naher Zukunft erneut den gesamtnationalen bewaffneten Aufstand gegen die Macht des Monopolkapitals auf die Tagesordnung stellen. Dem gegenüber beurteilte der revolutionäre Kern der KPD die Massenaktionen ihrem Charakter nach richtig als Abwehrkämpfe. Er rang in der Partei für die Durchsetzung dieser Politik, die die Verteidigung der elementaren materiellen und demokratischen Interessen in den Vordergrund rückte. Nur mit einer solchen Politik war es der KPD nach dem Oktober 1923 möglich, sich im Kampf um Teilforderungen eng mit den Arbeitermassen, mit den werktätigen Bauern und großen Kreisen der Städtischen Mittelschichten zu verbinden und so das Volk an neue große Klassenschlachten gegen den deutschen Imperialismus heranzuführen. Die KPD verfügte bereits über den dafür erforderlichen Stamm kampferfahrener und marxistisch-leninistisch gebildeter Revolutionäre. Einer ihrer hervorragendsten war Ernst Thälmann.

Schon im Alter von 17 Jahren wurde Ernst Thälmann Mitglied der Sozialdemokratischen Partei und der Freien Gewerkschaften. Bereits 1912 wählten die Hamburger Gewerkschafter den Transportarbeiter Thälmann als Delegierten zum Verbandstag. Am Vorabend des ersten Weltkrieges trat er für den entschiedenen Kampf gegen den Militarismus ein und beteiligte sich später an der Front an Aktionen gegen den imperialistischen Krieg. 1919 wurde er erster Vorsitzender der Hamburger Organisation der USPD. Als bewährter Arbeiterführer wurde er 1923 Mitglied der Zentrale der KPD und war seitdem Mitglied des höchsten Führungsgremiums der KPD.

Ernst Thälmann appellierte auf dem 9. Parteitag der KPD im April 1924 an alle Kommunisten, sich an die Spitze der Massenkämpfe gegen die Festigung der Macht der Monopole, gegen die Vorstöße der Militaristen und gegen den Raub der Arbeiterrechte zu stellen. Und um die Partei fest in den Betrieben zu verwurzeln, forderten die revolutionären Kräfte den organisatorischen Aufbau der KPD auf der Basis von Betriebszellen, das heißt von Grundeinheiten in den Betrieben.

Da aber in der Führung der KPD nach 1923 zeitweilig eine kleinbürgerliche Gruppe um Ruth Fischer und Arkadi Maslow Oberhand gewonnen hatte, vermochte die Partei weder die eben genannte Organisationsfrage rasch und konsequent zu lösen noch die sozialen, demokratischen und nationalen Forderungen in den Vordergrund der Politik der KPD zu rücken. Die Gruppe Fischer-Maslow unterschätzte nicht nur die Bedeutung dieser Forderungen, sondern verband sie obendrein direkt mit solchen Zielen, wie Bewaffnung der Arbeiterklasse und Errichtung der Diktatur des Proletariats, die in der grundlegend veränderten Klassenkampfsituation nicht mehr unmittelbar auf der Tagesordnung standen. Unterstützt von der Kommunistischen Internationale, gelang es Ernst Thälmann, Wilhelm Pieck, Walter Ulbricht, Fritz Heckert, Walter Stoecker, Wilhelm Florin, Ernst Schneller, Clara Zetkin und anderen, die Mehrheit der Parteimitgliedschaft von der Unrichtigkeit und Schädlichkeit der Generallinie der Fischer-Maslow-Gruppe zu überzeugen.

Führende KPD-Mitglieder Oktober 1925

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Auf der 1. Parteikonferenz im Oktober 1925 wurde die Herausbildung des leninistischen Zentralkomitees der Kommunistischen Partei Deutschlands unter Führung Ernst Thälmanns besiegelt.

Die 1. Parteikonferenz der KPD entwickelte gleichzeitig die Grundzüge einen antiimperialistisch-demokratischen Aktionsprogramms. Erweiterung der Rechte der Betriebsräte, Auflösung der militaristischen und monarchistischen Organisationen, Beschlagnahme der Fürstenvermögen und Säuberung des Staatsapparates von militaristischen und extrem reaktionären Elementen wurden in den Mittelpunkt der Politik der KPD gerückt.

 

Überblick über die wichtigsten von der KPD beeinflussten Organisationen

In dem 1924 gegründeten Roten Frontkämpferbund(RFB)sammelten sich vor allem ehemalige proletarische Frontkämpfer zur Abwehr des Militarismus.

Mit Demonstrationen und anderen Aktionen stellte er sich den Kräften der Kriegstreiber entgegen. Er schützte Versammlungen der Arbeiter vor Anschlägen der Feinde des Proletariats. Gleichzeitig widmete sich der RFB der politischen Aufklärung  sowie der Erziehung seiner Mitglieder zur proletarischen Wehrhaftigkeit und setzte sich für die Verteidigung der Sowjetunion ein.

Die seit 1921 bestehende Internationale Arbeiterhilfe(IAH)sammelte für streikende Arbeiter Geld, verteilte Lebensmittel und kümmerte sich um notleidende Kinder. Anfang 1924 gab die IAH in Deutschland in etwa 400 Speisestellen täglich 30 000 warme Mittagessen an Erwerbslose , Streikende und andere notleidende Werktätige aus. Von April 1927 bis zum März 1929 stellte sie deutschen Arbeitern 192 000 Mark für Kinderbeihilfe und 580 000 Mark für Streikunterstützung zu Verfügung. In dieser Hilfsorganisation wirkten Kommunisten nicht nur gemeinsam mit sozialdemokratischen und parteilosen Arbeitern, sondern auch mit fortschrittlichen Wissenschaftlern, Künstlern, Schriftstellern und Politikern, unter anderem mit Otto Dix und Oskar Maria Graf.

Die im Sommer 1921 entstandenen Komitees der Roten Hilfe(RHD), zentral geleitet von Wilhelm Pieck und Clara Zetkin bemühten sich, den von der reaktionären Justiz verfolgten Revolutionären beizustehen und deren Angehörigen materielle und moralische Hilfe zu erweisen. So wurden unter anderem im Oktober 1924 bis September 1925 385 Kinder von verhafteten und ermordeten Arbeitern in Kinderheimen der RHD untergebracht. Die Komitees der Roten Hilfe kämpften für die Amnestie der proletarischen politischen Gefangenen. Neben kommunistischen, sozialdemokratischen und parteilosen Arbeitern halfen fortschrittliche Wissenschaftler, Künstler und Schriftsteller wie Albert Einstein, Käthe Kollwitz, Heinrich Mann, Kurt Tuchosky und Arnold Zweig, besonders dem Kinderhilfswerk der Roten Hilfe vor dem Eingreifen der reaktionären Behörden zu schützen.

Die damalige Rote Hilfe hat mit der heutigen Roten Hilfe nicht das geringste zu tun. Heute ist es undenkbar in Selbsthilfe Kinderheime zu unterhalten.

Die Kommunistische Jugend Deutschlands(KJD),die sich 1925 in Kommunistischer Jugendverband Deutschlands(KJVD)umbenannte, kämpfte für die Einheitsfront der Arbeiterjugend gegen imperialistische Kriegsgefahr, gegen Ausbeutung und politische und kulturelle Unterdrückung der Jungarbeiter. Der JVD erzog seine Mitglieder im Geiste des Marxismus-Leninismus, leistete in den Betrieben, Gewerkschaften und Sportorganisationen antimilitaristische Arbeit unter der Jugend und trat für die Verteidigung der Sowjetunion ein.

Der 1924 gegründete Jung-Spartakus-Bund(JSB)kämpfte gegen die militaristische Erziehung, gegen nationalistische und antisowjetische Verhetzung und gegen die Prügelstrafe in den Schulen. Er forderte von seinen Mitgliedern nicht nur gesellschaftliche Aktivität, sondern auch das Bemühen um gute Lernergebnisse. Gleichzeitig beteiligten sich die Mitglieder des JSB in verschiedenen geeigneten Formen an Kämpfen und Aktionen der Arbeiterklasse. Schulzellen demonstrierten für die Freilassung der proletarischen politischen Gefangenen, veranstalteten Kundgebungen gegen die Verherrlichung des Erzmilitaristen Hindenburg, agitierten in Häusern und auf Höfen, um Kinder für die Unterstützung der Arbeiterklasse zu gewinnen, Und nicht zuletzt wirkte der JSB für die Stärkung der Verbindung seiner Mitglieder zu den Kindern anderer Länder, besonders zu den Pionieren der UdSSR.

 

Die Kämpfe der Arbeiterklasse unter Führung der KPD gegen Imperialismus und Militarismus

Die KPD kämpfte gegen die Locarnoverträge, weil sie auf einen neuen imperialistischen Krieg hinsteuerten. Zerrissen wurde der Schleier der Friedensphrasen, in den die Imperialisten dieses Vertragswerk hüllten. Die Kommunisten wiesen auf die Stärkung hin, die dem deutschen Imperialismus aus diesem Vertrag erwuchs.

Ausschnitt Rede Ernst Thälmann im Reichstag 1925Quellenangabe Ernst Thälmann Reichstag 1925

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Mit dem Ringen um Verwirklichung der antiimperialistisch-demokratischen Forderungen, die die KPD mehr und mehr in den Vordergrund ihrer Politik rückte, gewann sie bald großen Einfluss unter den Werktätigen(arbeitende Menschen). Das zeigte sich, als es darum ging, die Auslieferung von Milliardenwerten an die im November 1918 gestürzten Fürsten zu verhindern. Damals hatte die Regierung Ebert-Haase alle Versuche der Volksmassen vereitelt, die entthronten Fürsten entschädigungslos zu enteignen. Ihre Güter, Schlösser und anderen Sachwerte waren lediglich von staatlichen Behörden beschlagnahmt, aber nicht enteignet worden. Die Landesregierungen hatten nach 1918 mit Zustimmung sozialdemokratischer Minister den ehemaligen Königen, Großherzögen und Herzögen große Geldzuwendungen in Form von Renten und Abfindungen gewährt. Im Jahre 1925, nach dem Wahlerfolg Hindenburgs, hielten die ehemaligen Fürsten die Zeit für gekommen, ihr gesamtes, in Jahrhunderten zusammengeraubtes Vermögen zurückzufordern oder dafür eine Entschädigung zu verlangen. Die bürgerlichen Parteien und selbst rechte Führer der Sozialdemokratie fanden sich bereit, diesem Verlangen ganz oder teilweise entgegenzukommen. Doch sie stießen auf den Widerstand von Millionen Werktätigen(arbeitende Menschen), die sich unter der Losung der KPD „Keinen Pfennig den Fürsten!“ vereinten. Dieser Bewegung konnte sich auch die Führung der SPD nicht widersetzen, wollte sie sich nicht von ihren eigenen Mitgliedern und Wählern isolieren. Das Angebot des Zentralkomitees der KPD, Maßnahmen zum gemeinsamen Kampf für die entschädigungslose Enteignung der Fürsten zu beraten, fand deshalb die Zustimmung der SPD- und Gewerkschaftsführung. Im Januar 1926 einigten sich die Arbeiterorganisationen darüber, einen Volksentscheid über die Fürstenabfindung zu erzwingen.

Plakat Volksbegehren 1926

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Wenn nämlich-so bestimmte es die Weimarer Verfassung-zehn Prozent aller Wähler in einem Volksbegehren(einer öffentlichen Einzeichnung in Listen)die Entscheidung einer wichtigen Frage durch die Wähler selbst forderten, dann musste die Regierung eine geheime Abstimmung darüber ansetzen.

Kaum war bekannt geworden, dass sich die Arbeiterorganisationen darüber verständigt hatten, der Fürstenabfindung entgegenzutreten, da vereinigte sich die Reaktion unter der Losung: Verteidigung des Privateigentums. Alle Mittel der Massenbeeinflussung wurden eingesetzt, um kleinbürgerliche Schichten mit der Lüge zu schrecken, dass die Kommunisten und Sozialisten erst die Fürsten und dann alle Besitzenden zu enteignen beabsichtigten.

Hirtenbrief Bischof von Passau 1Hirtenbrief Bischof von Passau 2Quellenangabe Hirtenbrief Bischof von Passau

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Doch das einheitliche Handeln der Arbeiterklasse übte eine große anziehende Kraft aus. 12,5 Millionen Wähler(31 Prozent aller wahlberechtigten Deutschen)forderten mit ihrer Unterschrift den Volksentscheid. Nach diesem ersten Erfolg schlossen sich die Arbeiter noch enger zusammen und bildeten in Städten und Gemeinden Ausschüsse, in denen kommunistische, sozialdemokratische und parteilose Arbeiter gemeinsam den Volksentscheid vorbereiteten. Das geschah gegen den Willen der reformistischen Führer, die aus Furcht vor der Revolutionierung der Massen versuchten, die mächtige Bewegung abzubremsen.

Am 20. Juni 1926, dem Tag der Abstimmung, entschieden sich 14,5 Millionen Wähler für die entschädigungslose Enteignung der Fürsten. Niemals vorher war es in der Weimarer Republik den Arbeiterparteien gelungen, eine so große Anzahl von Stimmen auf sich zu vereinen. Dennoch reichte dieser Erfolg nicht aus, denn zu Sieg des Volksentscheids waren rund 20 Millionen Stimmen notwendig.

Ergebnisse Volksentscheid 20.Juli 1926

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Den Fürsten wurde von den deutschen Regierungen nun ein Vermögen von 2,5 Milliarden Mark zugeschoben. Der Kampf gegen die Fürstenabfindung vermochte zwar sein unmittelbares Ziel nicht zu erreichen, doch war durch die Vorbereitung und Durchführung des Volksentscheids die Autorität der Arbeiterparteien, insbesondere der KPD, gewachsen. Er bewies, dass die Volksmassen sich zu einer mächtigen antiimperialistischen Front zusammenschließen können, wenn ihnen eine einheitlich handelnde Arbeiterklasse im Kampfe gegen Militarismus und für Demokratie als führende Kraft vorangeht.

Als 1928 die Mehrheit des Reichstages den Militaristen den Bau des Panzerkreuzers A(siehe militärische Rüstungsmaßnahmen)bewilligte, mobilisierten die Kommunisten Millionen Menschen zu Widerstand gegen diesen Schritt zur Aufrüstung. KPD und RFB reichten beim Reichsinnenminister den Antrag auf Volksbegehren für ein Gesetz ein, das den Bau von Panzerkreuzern und Kriegsschiffen aller Art verbietet. Mit Plakataufschriften wie „Für Panzerkreuzer 80 Millionen Mark bewilligt, für Kinderspeisung fünf Millionen abgelehnt“ brandmarkte die KPD das volksfeindliche Verhalten der bürgerlichen Reichstagsmehrheit.

Fotomontage John Heartfield 1928

Fotomontage von John Heartfield

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Bürgerliche Friedensorganisationen, wie die Deutsche Friedensgesellschaft, forderten ihre Mitglieder zur Teilnahme am Volksbegehren auf. Ihre Führer, wie Hellmuth von Gerlach und Ludwig Quidde, traten für die Unterstützung des Volksbegehrens ein. Demgegenüber verbot der Parteiausschuss der SPD den Sozialdemokraten die Teilnahme. Zugleich organisierten die rechten Führer der Sozialdemokratie ebenso wie die Politiker der Großbourgeoisie in Presse und Rundfunk eine Verschwörung des Schweigens gegen das Volksbegehren.

Fast auf sich allein gestellt, reichte die Kraft der KPD nicht aus, um das Volksbegehren gegen alle Behinderungen zu einem vollen Erfolg zu führen. Die für die Durchführung eines Volksentscheids notwendige Stimmenzahl konnte nicht erreicht werden. Dennoch war Bedeutendes erreicht worden. Denn das Volksbegehren verstärkte die antimilitaristischen Stimmungen im Volke und führte ihm einmal mehr vor Augen, dass in Deutschland nur eine einzige Partei, die KPD, konsequent gegen Militarismus und Aufrüstung kämpfte.

Ende 1928 untersagte der sozialdemokratische Polizeipräsident von Berlin, Zörgiebel, alle politischen Veranstaltungen unter freiem Himmel und hielt dieses Verbot trotz der Proteste der revolutionären Berliner Arbeiter auch für den 1. Mai 1929 aufrecht. Die KPD unterstützte die Arbeiter, die sich das demokratische Recht nicht nehmen lassen wollten, auf den Straßen und Plätzen für ihre sozialen Forderungen und gegen die Kriegsvorbereitungen zu demonstrieren.  Die revolutionäre Arbeiterpartei reif für den 1. Mai 1929 zu friedlichen Demonstrationen auf. Etwa 200 000 Berliner folgten diesem Ruf. Aber jeden Zug, der sich formierte, griff die Polizei an. Irregeführt durch die offizielle antikommunistische hetze und aufgehetzt von reaktionären Polizeioffizieren, schossen die Polizisten auf die unbewaffneten Demonstranten. Vor diesen blindwütig schlagenden und schießenden Polizeibütteln suchten sich die Demonstranten durch Straßensperren zu schützen, die sich aus Brettern, umgestürzten Fahrzeugen, Kanalisationsrohren und anderen Gegenständen errichteten. Daraus entstanden am Abend des 1. Mai in Neukölln und am Wedding Barrikaden. Hier begannen sich auch Arbeiter spontan, mit einigen wenigen selbst beschafften Waffen zu verteidigen.

1. Mai 1929 Berlin Wedding

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Polizei umstellte Stadtbezirke, verhängte den Belagerungszustand und brach dann schießend in einzelne Wohnviertel ein. 10 981 Schüsse feuerten sie laut eigener Abrechnung in den ersten Maitagen aus ihren Pistolen und Karabinern ab. 31 Tote und Hunderte Verletzte waren die fürchterliche Folge. Aber die KPD ließ sich nicht zu einem unvorbereiteten bewaffneten Kampf herausfordern. Wo einzelne Arbeiter spontan zum Gewehr gegriffen hatten, rief sie sie auf, den bewaffneten Kampf abzubrechen. Und die kämpfenden Arbeiter folgten diesem Appell. „Sie unterwarfen sich“, wie Thälmann rühmend hervorhob, „der revolutionären Disziplin, die das Grundgesetz der revolutionären Bewegung ist.“Die Polizei verhaftete mehr als 1200 Arbeiter. Es folgten Verbote von Zeitungen, Versammlungen und Demonstrationen. Jedoch die revolutionären Arbeiter nahmen diesen Unterdrückungsfeldzug nicht widerstandslos hin. In vielen Städten solidarisierte sich die Arbeiterschaft mit den Kämpfern und Opfern. Etwa 75 000 Arbeiter traten in Berlin, Chemnitz, Hamburg, Halle und Merseburg in den politischen Streik. Heutzutage ist ein politischer Streik von vornherein verboten. Ein neuer Aufschwung des Klassenkampfes reifte heran.

 

Die verstärke Auseinandersetzung der proletarischen und bürgerlich-humanistischen Schriftsteller und Künstler mit der  imperialistischen Politik und Ideologie

Als aktive Teilnehmer am Kampf der revolutionären Arbeiterbewegungen gegen den Imperialismus griffen proletarische Schriftsteller wie Willi Bredel, Karl Grünberg, Hans Marchwitzka, Adam Scharrer, Ludwig Turek und andere Themen auf, die in der deutschen Literatur bisher unbekannt waren, Literarisch gestalteten sie beispielsweise die Entwicklung des revolutionären Arbeiters zum Kommunisten, den Aufbau in der Sowjetunion und den revolutionären Befreiungskampf der Arbeiter in der ganzen Welt. Johannes R. Becher, der bedeutendste Lyriker der deutschen proletarischen Literatur, bekämpfte den Imperialismus besonders konsequent von den Positionen des Humanismus und der Arbeiterklasse mit vielfältigen Mitteln. Seine Werke halfen vielen Werktätigen(arbeitenden Menschen), den richtigen Weg zu finden.

Johannes R. Becher Biografie 1Johannes R. Becher Biografie 2Quellenangabe Johannes R.Becher Biografie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Neben Johannes R. Becher, dem Mitschöpfer und Organisator der proletarisch-revolutionären Literatur, wirkte Erich Weinert vor allem mit dem Mittel des politisch-agitatorischen Gedichtes. Mit ihm begeisterte er Hunderttausende Arbeiter, regte er sie zu Taten gegen den Imperialismus und Militarismus an. John Heartfield förderte diesen Prozess mit der von ihm entwickelten Fotomontage. Otto Nagel malte nicht nur die Not und die Unterdrückung des Proletariats ergreifend, sondern brachte dem Betrachter auch die Kraft des Arbeiters nahe.

Aus Empörung gegen die Barbarei des Imperialismus schlossen sich mehrere hervorragende bürgerliche Schriftsteller wie Bertolt Brecht, Egon Erwin Kisch, Ludwig Renn und Anna Seghers der revolutionären Arbeiterbewegung an. Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts entwickelte sich Bertolt Brecht bereits zum größten Dramatiker seiner Zeit. Mit dem Stück „Die heilige Johanna der Schlachthöfe“ bemühte er sich, den Marxismus in der Praxis des Theaters anzuwenden. Er versuchte, komplizierte ökonomische Vorgänge des Monopolkapitalismus auf der Bühne deutlich zu machen, demonstrierte den erbarmungslosen Kampf der Imperialisten an der Börse und zeigte den Mechanismus der kapitalistischen Meinungsbeeinflussung. Brecht wies auf die Notwendigkeit des revolutionären Sturzes der Herrschaft der Finanzkapitalisten hin und rief dazu auf. Er tat es in Form des Theaterspiels, die bei den werktätigen Zuschauern Lust am Erkennen erregen und Initiative zur Beseitigung der menschenfeindlichen kapitalistischen Gesellschaftsordnung wecken sollte.

Auf dem Gebiet der Musik wurde Hanns Eisler Ende der zwanziger Jahre des vorigen Jahrhunderts zum bedeutendsten Komponisten der deutschen Arbeiterklasse. Er komponierte Lieder, wie „Roter Wedding“ und „Solidarität“, die aktuelle Probleme des Kampfes der Arbeiterklasse künstlerisch gestalteten.

 

 

 

 

 

 

Als erbitterte Gegner des Krieges und des Militarismus stemmten sich in zunehmenden Maße auch einzelne fortschrittliche bürgerliche Schriftsteller gegen die militaristische Flut. Sie schufen vor allem im Kampf gegen die Verherrlichung des imperialistischen Krieges einige bedeutende Romane, wie „Im Westen nichts Neues“ (Erich Maria Remarque) und „Der Streit um den Serganten Grischa“ (Arnold Zweig). Gelang es ihnen auch nicht, Wesen und Ursachen des imperialistischen Krieges zu klären, so brandmarkten sie doch das Unmenschliche dieser gesetzmäßigen Erscheinung des Imperialismus.

Andere fortschrittliche bürgerliche Schriftsteller wie Alfred Döblin, Leonard Frank und Oskar Maria Graf rückten die Leiden, die Tapferkeit und die moralische Überlegenheit des einfachen Werktätigen(arbeitenden Menschen)in den Mittelpunkt ihrer Romane. Mit politischer und gesellschaftskritischer Lyrik kämpfte vor allem Kurt Tucholsky gegen Militarismus, Nationalismus und Faschismus an.

Auch einige bürgerliche Künstler stellten ihr Schaffen in den Dienst des Kampfes gegen den Hauptfeind des deutschen Volkes. Zu ihnen gehörte vor allem der Maler Otto Dix.  Er konfrontierte die verlogene Verherrlichung des Krieges mit dem wirklichen Grauen des Völkermordens und bemühte sich, mit seinen sozialkritischen Gemälden im Volke Kräfte der Abwehr zu wecken.

Otto Dix Der Krieg

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Alle diese literarischen und künstlichen Werke mobilisierten viele Werktätige(arbeitende Menschen)zum Kampf gegen den Imperialismus und Militarismus.

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text

Kampf Arbeiterklasse gegen Reaktion und Entwicklung der KPD

 

Die militärischen Rüstungsmaßnahmen, die ideologische Kriegsvorbereitung der deutschen Imperialisten und die Haltung der rechten Führer der Sozialdemokratie

Aufrüstung und Militarisierung

Das Streben der deutschen Monopolbourgeoisie und der Reichsregierung nach Wiedererlangung der Gebiete, die im imperialistischen Weltkrieg verloren gegangen waren, veranlasste die Herrschenden zu einem systematischen Ausbau des Militarismus. Um den Status quo auf imperialistische Weise zu verändern, das heißt, die Revision der Grenzen letztlich durch Androhung oder Anwendung militärischer Gewalt zu erreichen, wurden viele geheime Aufrüstungsmaßnahmen durchgeführt.

Die Reichwehrführung konzentrierte sich darauf, soviel Kader(Personal) wie möglich für die zukünftige Aggressionsarmee heranzubilden. Die Rüstungsindustriellen arbeiteten systematisch an der Entwicklung neuer Waffentypen.

Krupp 1943 1Krupp 1943 2Quellenangabe Krupp 1943

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Um die geheimen Aufrüstungsmaßnahmen aus dem Staatshaushalt finanzieren zu können, fälschte die Reichsregierung die Haushaltspläne. Aus ihnen wurden von 1926 bis 1928 159 Millionen Mark für illegale Rüstung abgezweigt. 1928 billigte die Reichsregierung neben dem offiziellen Wehrhaushalt für das Jahr 1929/30 direkt einen illegalen Rüstungsetat von 78 Millionen Mark. Außerdem nutzte die Regierung alle noch vorhandenen Möglichkeiten für legale Aufrüstungsmaßnahmen. So stimmten im Sommer 1928 bürgerliche und sozialdemokratische Minister für die Finanzierung des Baues eines Panzerkreuzers.

Reichswehrminister 1928 1Reichswehrminister 1928 2Quellenangabe Reichswehrminister 1928

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Panzerkreuzer A 1928-1931

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Parallel zu diesen materiellen Rüstungen wurde versucht, das Bewusstsein der Werktätigen(arbeitenden Menschen)mit militaristischen Denk- und Verhaltensweisen zu zersetzen und das Volk geistig auf den Revanchekurs einzustellen. Die Monopolbourgeoisie setzte für diesen Klassenkampf im ideologischen Bereich einen riesigen Beeinflussungsapparat ein. Sein Zentrum war der Konzern des ehemaligen Kruppdirektors und Militaristen Hugenberg. Der damalige Hugenberg-Konzern ist  mit dem Springer-Verlag der alten und der heutigen (Groß-)BRD sowie der anderen großen Medien-Konzerne vergleichbar. Damals gab es kein Fernsehen und das Radio war erst in den Anfängen und noch nicht so weit verbreitet. Das Radio machten sich später die Faschisten zunutze. Darum ist die Beeinflussung durch die großen Medien noch gravierender, als damals.

Struktur Hugenbergkonzern

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Mit Hilfe ihres großen Beeinflussungsapparates verbreiteten die Rüstungs- und Kriegsinteressenten vor allem das Gift des Chauvinismus. Das heißt jene reaktionäre bürgerliche Ideologie und Politik, die darauf berechnet ist, andere Völker zu unterjochen, Völkerfeindschaft und nationalen Hass zu entfachen sowie die antimilitaristischen und fortschrittlichen Kräfte des eigenen  Volkes zu unterdrücken. Er wurde besonders mit der Lüge vom „Volk ohne Raum“ verbunden. Obwohl es längst unbestreitbar feststand, dass der Lebensstandard der Völker keineswegs vorrangig von der Bevölkerungsdichte des zur Verfügung stehenden Territoriums abhängig ist, behauptete die chauvinistische Propaganda unentwegt: Die Deutschen könnten in den Grenzen von 1918 nicht zu Wohlstand gelangen, sie brauchten mehr Lebensraum, der im Osten erobert werden müsse. Gleichzeitig wurde die Auffassung verbreitet, Deutschland werde diesen Eroberungszug unbedingt gewinnen; denn seine Soldaten und Heerführer seien die besten der Welt. Überhaupt hätte Deutschland schon im Weltkrieg(I. Weltkrieg)gesiegt, wenn nicht in der „Heimat“ die „Spartakisten“ der „unbesiegbaren Armee in den Rücken gefallen“ wären. So und in mannigfaltiger Weise wurden Chauvinismus und Revanchismus auch mit der Grundtendenz der gesamten imperialistischen Ideologie und Politik, mit dem Antikommunismus, verbunden. Er diente der Monopolbourgeoisie und den Militaristen als ideologische Hauptwaffe für die psychologische Verbreitung der Unterdrückung und Verfolgung der Kommunisten sowie aller anderen aktiven Friedenskämpfer und zu Rechtfertigung der aggressiven Pläne gegenüber der Sowjetunion. Militaristische Schriftsteller glorifizierten und rechtfertigten zudem in millionenfach verbreiteten Büchern den imperialistischen Krieg.

Kriegsverherrlichung Ernst Jünger 1Kriegsverherrlichung Ernst Jünger 2Quellenangabe Kriegsverherrlichung Ernst Jünger

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Hilfestellung der rechten sozialdemokratischen Führer beim Wiedererstarken des deutschen Imperialismus und Militarismus

 

Während die Weimarer Republik sich immer augenscheinlicher als politisches Machtinstrument der Monopolherren und Militaristen enthüllte, nährten rechte sozialdemokratische Führer in der Arbeiterklasse die Illusion, dass der Staat über den Klassen stehe und dass die Arbeiterklasse durch Wahlen und Koalitionen mit bürgerlichen Parteien maßgeblichen Einfluss auf den Staat ausüben könnte. Diese Behauptung ist uns auch heutzutage wohlbekannt. In der alten BRD wurde das in der Schule eingetrichtert. Das hat sich wohl heute nicht geändert, bzw. auf dem Gebiet der heutigen neuen Bundesländer wird dies wieder seit 1990 den Schülerinnen und Schülern eingetrichtert und der Bevölkerung allgemein wird diese Illusion als wahr „verkauft“.

Die Besetzung staatlicher Ämter mit sozialdemokratischen Funktionären wurde als Beteiligung der Arbeiterklasse an der Macht ausgegeben. Fortschreitende Monopolisierung und verschiedene staatsmonopolistische Maßnahmen wurden in der Propaganda der Sozialdemokratie als Übergang zu einem „organisierten Kapitalismus“ dargestellt, in dem die kapitalistische Anarchie eingeschränkt sei. Solcherlei wurde weiterhin in der alten BRD, wie auch heute in der (Groß-)BRD der Bevölkerung erzählt. Auch ehrliche Sozialdemokraten, die sich wirklich für die Belange der „kleinen Leute“ einsetzen, glauben fest an diese Illusion und werden von ihren Führern „verheizt“. Die rechten Führer der SPD erzogen die sozialdemokratischen Arbeiter nach wie vor in dem Glauben, dass es ihnen möglich sein werde, im Rahmen des bestehenden Staates sozialistische Ziele zu erreichen. Diese Illusionen hielten große Teile der Arbeiterklasse vom Kampf gegen Imperialismus und Militarismus ab. Auch das wurde nahtlos in der alten BRD fortgeführt. Auch in der heutigen (Groß-)BRD geht es unverändert so weiter.

Doch die SPD-Führung förderte das Wiedererstarken des ärgsten Feindes des deutschen Volkes nicht nur indirekt, sondern auch direkt. Rechte sozialdemokratische Politiker arbeiteten mit jenen staatlichen Stellen Hand in Hand, die die geheime Aufrüstung organisierten und finanzierten. Es war ein sozialdemokratischer Berichterstatter der Staatshaushaltskommission im Reichsparlament, der gemeinsam mit einem Vertreter der Zentrumspartei(Vorgängerpartei der CDU)der Volksvertretung jene wissentlich gefälschten Haushaltspläne vorlegte, aus denen die Millionen Mark für die illegale Aufrüstung abgezweigt wurden. Es war ein Sozialdemokrat, Reichskanzler Hermann Müller, der unter Ausschaltung des Reichstages neben dem offiziellen Wehretat einen illegalen Rüstungshaushalt schuf. Und es waren SPD-Führer, die durch antikommunistische und chauvinistische Erklärungen halfen den Nährboden für das Anwachsen militärischer Ideologie zu bereiten.

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

Original-Text

Rüstungsmaßnahmen und ideologische Kriegsvorbereitung

 

 

Die weiteren Klassenschlachten zwischen der Arbeiterklasse und den Imperialisten in Deutschland bis 1923

Die Abwälzung der Kosten und Folgen des Krieges auf die Volksmassen

Nach dem Scheitern des Versuchs der Kapp-Putschisten, eine offene Militärdiktatur der aggressivsten Kreis des Imperialismus zu errichten, konzentrierten sich alle führenden Gruppen der Monopolbourgeoisie ganz auf den schrittweisen Abbau der sozialen und demokratischen Rechte der Werkstätigen.(arbeitenden Menschen)

Vor allem wälzten die Monopolherren mit Hilfe einer beschleunigten Geldentwertung die Folgen des imperialistischen Krieges rücksichtslos auf die Werktätigen ab. Die Reichsbank ließ unaufhörlich zusätzliches Papiergeld drucken und in Umlauf bringen. Diese ständige Vermehrung des Papiergeldes bei gleichzeitig verringertem Warenangebot bewirkte eine unerhörte Entwertung der Mark, das heißt, eine rasch fortschreitende Inflation.

Geldentwertung

entnommen aus dem Geschichtsbuch der  DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Den Konzernherren brachte die Inflation überdurchschnittliche Profite, weil die Löhne der Arbeiter bei der raschen Geldentwertung immer weit hinter den emporschnellenden Preisen zurückblieben. Setzten die Werktätigen Lohnerhöhungen durch, waren diese innerhalb weniger Tage durch die unaufhörlich steigenden Preise entwertet. Eben ausgezahlte Löhne schrumpften im Sommer 1923 im Verlauf von einigen Tagen und im Herbst 1923 in wenigen Stunden auf einen Bruchteil der ursprünglichen Kaufkraft zusammen. Die Inflation drückte den Reallohn der deutschen Arbeiter in der zweiten Hälfte des Jahres 1923 auf ein Drittel unter den Vorkriegsstand. Gleichzeitig gewährte die Reichsbank den einflussreichen Konzernherren Kredite, Sie kauften damit  sofort Devisen, Betriebe oder Sachwerte und zahlten den Kredit nach einiger Zeit mit inzwischen weitgehend entwertetem  Papiergeld zurück. Die Macht der Monopolkapitalisten wuchs. Allein der „König der Inflation“, Hugo Stinnes, raffte 1923 nicht weniger als 1664 Unternehmungen mit 2890 Betrieben zusammen.

Wochenlohn Maurer von damals

entnommen aus dem Geschichtsbuch der  DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Für die Volksmassen aber beschwor die Geldentwertung Elend und Not herauf. Für Millionen Werktätige begannen furchtbare Hungerjahre.

Hungernde Kinder

entnommen aus dem Geschichtsbuch der  DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Heutzutage ist es verboten im Müll von Supermärkten u.ä. nach Essbarem zu suchen und zu entnehmen. Das gilt als Diebstahl.

Zahlen zu Inflation

entnommen aus dem Geschichtsbuch der  DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Gesicht herrschende Klasse

entnommen aus dem Geschichtsbuch der  DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Schwer litten auch die Mittelschichten.

Ruinierter Einzelhändler

entnommen aus dem Geschichtsbuch der  DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Ihre Sparguthaben, die sie in Jahrzehnten mühsam zusammengetragen hatten, verwandelten sich im Zuge der Inflation in fast wertloses Papiergeld.

Inflationsgeld

entnommen aus dem Geschichtsbuch der  DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Auch die Wertpapiere, die Werktätige nach 1914 als Kriegsanleihen erworben hatten, verwandelten sich in wertlose Papierstücke. Denn die Regierung zahlte nur in entwertetem Papiergeld zurück. So machte sich der imperialistische Staat weitgehend auf Kosten des städtischen und ländlichen Kleinbürgertums schuldenfrei.

So stießen die monopolkapitalistischen Förderer und Nutznießer der Inflation breite Schichten des deutschen Volkes in ein Elend, wie es mancher Werktätige selbst in schlimmsten Zeiten des Krieges nicht gekannt hatte.

 

Die wichtigsten Klassenkämpfe 1921 bis 1923 im Überblick

Nach der Niederschlagung des Kapp-Putsches führte die zunehmende Verschärfung der Klassengegensätze und die Politik der KPD zu einem Ruck nach links in der Arbeiterklasse und zu einem neuen Aufschwung der Klassenkämpfe in Deutschland. Erbittert über das Paktieren der rechten SPD-Führer mit den Imperialisten und Militaristen, wandten sich im März 1920 viele Anhänger der Sozialdemokratie der USPD zu. Innerhalb dieser Partei entstand wiederum ein starker linker Flügel, der von Ernst Thälmann(Hamburg), Wilhelm Florin und Walter Stoecker(Ruhrgebiet), Wilhelm Koenen(Mitteldeutschland) und anderen geführt wurde. Viele Mitglieder der USPD hatten im März 1920 die Erfahrung gemacht, dass nur die KPD konsequent die Lebensinteressen der Werktätigen vertrat. Deshalb setzte sich der linke Flügel der USPD für den Anschluss an die Kommunistische Internationale und für die Vereinigung mit der Kommunistischen Partei Deutschlands ein.

Im Oktober 1920 tagte in Halle ein außerordentlicher Parteitag der USPD. Er beschloss mit 237 gegen 156 Stimmen den Anschluss an die Kommunistische Internationale. Die rechte Minderheit spaltete daraufhin die Partei. Die linke Mehrheit bildete gemeinsam mit der KPD eine provisorische Zentrale zur Vorbereitung des Zusammenschlusses. Anfang Dezember 1920 fand in Berlin der Parteitag statt, auf dem die Vereinigung des revolutionären Flügels der USPD mit der KPD vollzogen wurde. Somit schlossen sich in Deutschland die revolutionären proletarischen Kräfte zu einer einheitlichen Partei zusammen. Die KPD war zur revolutionären Massenpartei der deutschen Arbeiterklasse geworden. Den wachsenden Einfluss der KPD auf die Werktätigen versuchte die Monopolbourgeoisie durch Provokation aufzuhalten. In Mitteldeutschland, wo die KPD besonders stark war, wurde auf Befehl des sozialdemokratischen Oberpräsidenten der Provinz Sachsen „eine Polizeiaktion zur Herstellung der Staatsautorität“ im mitteldeutschen Industrierevier eingeleitet. Am 19. März 1921 besetzten schwerbewaffnete Verbände der Schutzpolizei Ammendorf, Eisleben, Hettstedt, Merseburg und andere Orte. Dadurch sollte das mitteldeutsche Industrieproletariat niedergeschlagen und kampfunfähig gemacht werden, um dann einen allgemeinen Angriff einleiten zu können. Die Arbeiter des Mansfelder Gebietes und des Leunawerkes antworteten mit Generalstreik und bewaffneten Abwehraktionen. Jedoch das heroisch kämpfende Proletariat erlitt eine Niederlage, weil die Voraussetzungen für einen bewaffneten Kampf der Arbeiterklasse in Deutschland fehlten.

Niederlage der Arbeiter

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Im Sommer 1922 löste ein politischer Mord der Militaristen einen gewaltigen Proteststurm der Werktätigen in ganz Deutschland aus. Am 24. Juni hatten Angehörige einer militaristischen Geheimorganisation den deutschen Außenminister und Unterzeichner des Rapallovertrages, Rathenau, auf offener Straße niedergeschossen. Daraufhin forderten Arbeiter und Angestellte, Angehörige der Intelligenz und des demokratisch gesinnten Bürgertums energische Maßnahmen gegen die von Konzernherren mitfinanzierten militaristischen Mordorganisationen. Die Mehrheit des werktätigen Volkes war bereit, den Kampf gegen die konterrevolutionären Kräfte aufzunehmen. Auf Drängen der Kommunisten kam es am 27. Juli 1922 zum Abschluss eines Abkommens der drei Arbeiterparteien und der Gewerkschaften zur Verteidigung der Grundrechte der Arbeiter. Jedoch die reformistischen Arbeiterführer sprengten schon Anfang Juli die einheitliche Kampffront, als in ganz Deutschland erneut riesige Demonstrationen und Warnstreiks aufflammten. Wieder wurden Mitglieder und Anhänger der Sozialdemokratie mit Versprechungen von verschiedenen Aktionen abgehalten. Die KPD allein war nicht in der Lage, diese Kämpfe zum Erfolg zu führen.

1923 kam es zu einem neuen großen Aufschwung des Klassenkampfes in Deutschland, als das ringen deutscher und französischer Imperialisten um die ökonomische Vorherrschaft in Europa den Ruhrkonflikt auslöste. Die französischen Schwerindustriellen forderten die Bildung eines lothringisch-rheinisch-westfälischen Berg- und Hüttenwerkstrusts, in dem die französischen Konzernherren über 60 Prozent, die deutschen lediglich über 40 Prozent des Aktienkapitals verfügen sollten. Für den Fall der Ablehnung dieser Forderung wurde den Ruhrindustriellen die Anwendung militärischer Gewalt angedroht. Die deutschen Schwerindustriellen verlangten aber mindestens eine Beteiligung von 50 Prozent. Der Kampf um den Macht- und Profitanteil an dem geplanten Riesentrust wurde zum Kernpunkt des Ruhrkonflikts im Jahre 1923. Die deutschen Monopolherren fühlten sich bereits wieder stark genug, den Kampf mit dem französischen Imperialismus aufzunehmen. Die rechneten damit, die Macht der französischen Rivalen durch eine Unterbrechung der Kohlenlieferungen und durch Ausnutzung der Widersprüche zwischen den Siegermächten zurückzudrängen.

Franzosen besetzen Ruhrgebiet

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die deutsche Regierung, mit dem Monopolkapitalisten Cuno als Reichskanzler, verzögerte die Lieferung fälliger Reparationsleistungen und gab damit den französischen Imperialisten einen willkommenen Vorwand zum Einmarsch in das Ruhrrevier. Mitte Januar 1923 besetzten französische und belgische Truppen zwei Drittel des rheinisch-westfälischen Industriereviers. Das steigerte die Zerrüttung der Wirtschaft Deutschlands außerordentlich. Denn auf das besetzte Gebiet entfielen 72 Prozent der deutschen Steinkohlenförderung, 54 Prozent der Roheisen- und 53 Prozent der Stahlgewinnung. Die Regierung Cuno verpflichtete alle Deutschen, den Anordnungen der Besatzungsbehörden keine Folge zu leisten. Gleichzeitig förderte sie insgeheim Terror- und Sabotageakte gegen die Besatzer. Diese Politik zielte darauf, den Ruhrkonflikt schnell zuzuspitzen, um England und die USA – die beide nicht am französischen Vormachtstreben interessiert waren – zu raschem Eingreifen zugunsten Deutschlands zu veranlassen.

Die Auswirkungen dieser abenteuerlichen Außenpolitik und der Inflation riefen in breiten Schichten des werktätigen Volkes tiefen Hass gegen das menschenfeindliche System des Kapitalismus hervor. Es entwickelte sich eine starke Massenbewegung. Organisiert und zusammengefasst von der KPD richtete sich diese Bewegung der Volksmassen im Sommer 1923 immer stärker gegen die imperialistische Cuno-Regierung.

DIE ROTE FAHNE

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Am 11. August 1923 beschlossen Berliner Betriebsräte auf einer Massenversammlung den politischen Generalstreik gegen die Cuno-Regierung. Die KPD rief zur Ausdehnung dieses Generalstreiks auf ganz Deutschland auf. Die einheitlich handelnde Arbeiterklasse stürzte durch diesen Streik im August 1923 die Cuno-Regierung. In dieser Situation, in der die deutschen Imperialisten um den Bestand ihrer Herrschaft bangten, sprangen ihnen wiederum die rechten Führer der SPD als Nothelfer zur Seite. Stresemann – ein politischer Vertreter des Monopolkapitals – bildete mit ihnen eine Regierung der Großen Koalition. Die beschwichtigte zeitweilig große Teile der Arbeiterklasse.

Doch die Krise des imperialistischen Herrschaftssystems wuchs, als sich im Oktober 1923 in Sachsen und Thüringen rechtmäßig sozialdemokratisch-kommunistische Koalitionsregierungen bildeten, die Arbeiterregierungen genannt wurden. Die Reichsregierung setzte daraufhin widerrechtlich Reichswehr in Marsch, um die Arbeiterregierungen zu beseitigen. Die Zentrale der KPD beschloss am 20. Oktober, diesem Akt reaktionärer Gewalt mit Generalstreik und bewaffnetem Aufstand u begegnen. Aber auf der darauffolgenden Konferenz der sächsischen Arbeiterregierung mit Vertretern der Betriebsräte und Gewerkschaften in Chemnitz(zur DDR-Zeit Karl-Marx-Stadt), wo nach dem Plan der Zentrale der KPD der Generalstreik ausgerufen werden sollte, wurde unter dem Einfluss zaudernder linker sozialdemokratischer Führer diese Entscheidung hinausgeschoben. Deshalb war die Zentrale der KPD gezwungen ihren Beschluss vom 20. Oktober über den Generalstreik und bewaffneten Aufstand kurzfristig aufzuheben.

Revolutionäre Kämpfe Deutschland 1923

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

In Unkenntnis dieser Sachlage löste die Hamburger Parteiorganisation am 23. Oktober 1923 gemäß den zuvor gefassten Parteibeschlüssen in Hamburg den bewaffneten Aufstand aus, um Teile der Reichswehr vom Einmarsch in Sachsen und Thüringen abzulenken und um die deutsche Arbeiterklasse mit bespielgebender Tat zu einer allgemeinen Erhebung anzuspornen. Eine hervorragende Rolle spielte hier Ernst Thälmann. Als sich herausstellte, dass der Aufstand von den Arbeitern anderer Teile Deutschlands nicht unterstützt wurde, traten die Hamburger Oktoberkämpfer den geordneten Rückzug an.

Am 29. Oktober 1923 besetzte die Reichswehr die Ministerien in Dresden. Reichspräsident Ebert setzte die sächsische sozialdemokratisch-kommunistische Koalitionsregierung ab. Die Arbeiterregierung in Thüringen wurde gleichfalls zerschlagen. Der Chef der Reichswehr verbot die KPD. Es herrschten Ausnahmezustand und Terror.

Die Klassenkämpfe der Periode der revolutionären Nachkriegskrise endeten mit einer Niederlage der deutschen Arbeiterklasse. Sie vermochte ihr Ziel, die Einschränkung und Brechung der Macht der Monopole und den Ausbau der sozialen und politischen Errungenschaften der Werktätigen, trotz heldenhafter Anstrengungen nicht zu verwirklichen. Der deutschen Monopolbourgeoisie gelang es, sich mit Hilfe der rechten Sozialdemokratie einen Ausweg aus der tiefen Krise der imperialistischen Staatsmacht zu bahnen. Dennoch waren die großen Klassenkämpfe des Proletariats nicht vergeblich gewesen. Sie hatten es den aggressivsten Kräften des deutschen Imperialismus unmöglich gemacht, die von Cuno, Stinnes und anderen angestrebte offene Diktatur des Monopolkapitals zu errichten.

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text

Weitere Klassenschlachten bis 1923

 

 

 

 

 

 

 

Der Kapp-Putsch und seine Niederschlagung

Die Vorbereitung des Putsches

Nach der Niederschlagung der Abwehrkämpfe des Proletariats im Frühjahr 1919 hielten besonders reaktionäre Gruppen des Finanzkapitals, des Junkertums und der Militaristen die Zeit für gekommen, die offene Militärdiktatur zu errichten. Sie meinten, dass sich so am besten die Herrschaft des Finanzkapitals sichern und die innenpolitischen Voraussetzungen für neue Kriegsabenteuer schaffen ließen. Deutschland sollte am imperialistischen Kreuzzug gegen die Sowjetunion teilnehmen.

Anknüpfend an die Tatsache, dass das Versailler Friedensdiktat den Volksmassen schwere Lasten aufbürdete, entfachten reaktionäre Kreise des Finanzkapitals eine chauvinistische und antidemokratische Hetze.

Der Vorsitzende einer ostpreußischen Kreditanstalt für Großgrundbesitzer, Kapp, sowie General Ludendorff und andere Militaristen organisierten bereits im Sommer 1919 ein Verschwörungszentrum. Daraus bildete sich ein sogenannter Nationalclub. Ihm gehörten unter anderen die Schwerindustriellen Stinnes, Kirdorf, Mannesmann und die erzreaktionären Politiker Hugenberg, Helfferich und Westarp an. Anfang 1920 sagten Direktoren der Deutschen Bank, der Dresdner Bank, der Nationalbank, der Berliner Handelsgesellschaft und anderer Banken dem politischen Führer der Verschwörung, Kapp, für den geplanten Putsch finanzielle Unterstützung zu.

Forderungen von KappForderungen von Kapp 2

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Der Militärbefehlshaber des östlichen und mittleren Teils Deutschlands, General von Lüttwitz, beteiligte sich besonders aktiv an der Verschwörung. Anfang 1920 wurden konterrevolutionäre Truppenverbände zum Angriff auf Berlin zusammengezogen. Die KPD wies mehrmals auf diese Vorbereitungen der Reaktion hin. Die warnte davor, daran zu glauben, dass die Feinde des Volkes keine militärische Gewalt einsetzen würden. Die Regierung, die vom sozialdemokratischen Reichskanzler Bauer geleitet wurde und über die Putschpläne informiert war, ergriff aber keine wirksamen Maßnahmen gegen die sich formierende Verschwörung.

 

Der Verlauf des Kapp-Putsches und seine Niederschlagung durch die Arbeiterklasse

In der Nacht vom 12. Zum 13. März 1920 marschierten Truppen der Kapp-Putschisten nach Berlin. Die Reichsregierung forderte von der Reichswehrführung bewaffnetes Vorgehen gegen die Putschisten. Doch der Chef des Truppenamtes, General von Seeckt, verweigerte ihr die militärische Hilfe. Die Reichsregierung floh. Kapp ernannte sich zum Reichskanzler und bezeichnete das Putschistenregime als „Regierung der Ordnung, der Freiheit und der Tat“. Sie erklärte die Reichsregierung für abgesetzt, die Nationalversammlung und die preußische Landesversammlung für aufgelöst, verhaftete preußische Minister und verbot das Erscheinen der Presse. Bewaffnete Stoßtrupps gingen mit rücksichtslosem Terror gegen organisierte Arbeiter, aber auch gegen bürgerliche Demokraten vor.

Truppen der Kapp-Putschisten

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Während die Reichregierung floh, erhoben sich Millionen Arbeiter, Mitglieder der KPD, der USPD, der SPD, der Gewerkschaften und unorganisierte Werktätige zum Widerstand gegen die Putschisten. In vielen Städten formierten sich Arbeiter und Angestellte zu Demonstrationszügen gegen die Kapp-Regierung. In Leipzig eröffneten Putschisten-Söldner am 14. März das Feuer auf eine derartige Massendemonstration. Sie erschossen 40 unbewaffnete Demonstranten und verletzten etwa 100. Empört über den blutigen Terror und voller Hass gegen die Militaristen, setzten sich die Leipziger Arbeiter mit allen greifbaren Mitteln zur Wehr. Sie errichteten Barrikaden, Lastkraftwagen aus Großbetrieben fuhren in die Waffenfabriken nach Suhl und schafften Gewehre für den Abwehrkampf heran. Gleichzeitig griffen die Arbeiter hier und in allen Industriezentren zur Waffe des Generalstreiks.

Mehr als 12 Millionen Arbeiter und Angestellte streikten in diesen Tagen in Deutschland. Kommunisten und linke Sozialdemokraten gingen auch in Mecklenburg und Vorpommern(heutiges Neu-Bundesland Mecklenburg-Vorpommern) den Werktätigen als Vorkämpfer voran. Aktionsausschüsse aus Vertretern der Arbeiterparteien entstanden unter anderem in Rostock, Wismar, Pasewalk, Torgelow, Anklam, Teterow und Malchin Rostock wurde zu einem der wichtigsten Zentren des Kampfes gegen die Kapp-Putschisten in Norddeutschland: Am 13. März beschloss der Aktionsausschuss Rostock, Arbeiterbataillone aufzustellen.

Arbeiter bildeten in diesen Tagen in vielen Orten bewaffnete Einheiten. Neben Berlin, der Niederlausitz, Mecklenburg, Sachsen und Thüringen war das Ruhrrevier ein Hauptzentrum des Kampfes gegen die Putschisten. Hier entstand aus bewaffneten Arbeitertrupps die erste deutsche Arbeiterarmee, in der Mitglieder der KPD, der SPD, der USPD, der Gewerkschaften und unorganisierte Arbeiter kämpften. Dieser roten Ruhrarmee gehörten etwa 100 000 Arbeitersoldaten an, darunter auch russische Kriegsgefangene sowie polnische Arbeiter. Am 15. März nahm die Rote Ruhrarmee den Kampf gegen die Putschisten auf, die Kapp unterstützten. 10000 bewaffnete Arbeiter stürmten Dortmund. Andere Abteilungen der Roten Ruhrarmee errichteten in Ahlen, Bochum und Hamm militärische Stützpunkte. Die Hauptkräfte der Roten Ruhrarmee konzentrierten sich im Westen des Industriereviers. Sie begannen, diesen Teil des Ruhrgebiets von reaktionären militärischen Verbänden zu säubern.

Kämpfer der Roten Ruhrarmee

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Das gemeinsame Handeln der Arbeiterklasse für die Verteidigung der sozialen Errungenschaften und demokratischen Rechte und Freiheiten zwang Kapp am 17. März zum Rücktritt. Der Generalstreik und die bewaffneten Abwehrreaktionen hatten die Putschisten von ihrer Basies in den ostelbischen Gebieten abgeschnitten, das Verkehrswesen und die gesamte Wirtschaft lahmgelegt. Kapp und andere führende Putschisten flohen ins Ausland. Damit war die Niederschlagung des Kapp-Putsches 1920 vollendet. Das Zusammenwirken der Arbeiter und der anderen demokratischen Kräfte für ihre gemeinsamen Lebensinteressen, unabhängig von politischen und ideologischen Meinungsverschiedenheiten, hatte zum Erfolg geführt.

Kampf der Arbeiterklasse gegen den Kapp-Putsch

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Haltung der rechten sozialdemokratischen Führer nach dem Kapp-Putsch

Ebert und die Reichsregierung kehrten nach Berlin zurück. Die Arbeitermassen verlangten harte Bestrafung der Putschisten und Maßnahmen zur Sicherung der demokratischen Rechte und Freiheiten.  Um die Arbeiterklasse zu beschwichtigen, versprach zwar die Regierung energisches Durchgreifen, tat jedoch in Wirklichkeit alles nur Mögliche, um die Putschisten vor Bestrafung zu schützen. Gleichzeitig rief die reformistische Führung des Allgemeinen Deutschen Gewerkschaftsbundes (ADGB) zum Abbruch des Generalstreiks auf. Das spaltete die geschlossene Streikfront. Der Regierung erwuchs daraus die Möglichkeit, am Putsch beteiligte Söldnertruppen gegen die Gruppen der Arbeiter einzusetzen, die am aktivsten für den Sturz der Putschistenregierung gekämpft hatten und sich mit leeren Versprechungen der Regierung nicht abspeisen lassen wollten.

Vor allem beeilte sich die Reichsregierung, die Rote Ruhrarmee erst zu spalten und dann den revolutionären Kern blutig niederzuschlagen. Reichs- und Staatskommissar Severing(SPD) schloss am 24. März mit Vertretern der Vollzugsausschüsse und Stadtverwaltungen der wichtigsten Städte des Ruhrgebiets in Bielefeld ein Abkommen, das zum großen Teil auf demokratischen Forderungen der Arbeiter basierte. Es verlangte zwar von den Arbeitern Wiederaufnahme der Arbeit und Ablieferung der Waffen an die Behörden, versprach jedoch den Arbeitern gleichzeitig Auflösung der am Putsch beteiligten Truppen, Bestrafung der Putschisten, Bildung örtlicher Arbeiterwehren und entscheidende Einflussnahme der Arbeiterorganisationen auf die Neuregelung wirtschafts- und sozialpolitischer Fragen. Diesen Versprechungen vertrauend, legte ein großer Teil der Ruhrarbeiter die Waffen nieder und beendete den Streik. Die Reichsregierung gab aber keine Zusage, sich an das Bielefelder Abkommen zu halten. Ihre konterrevolutionären Truppen begannen vielmehr unter dem Vorwand, dass die Arbeiter die Bielefelder Abmachung nicht eingehalten hätten, einen blutigen Rachefeldzug gegen die sich auflösende Arbeiterarmee. Ihre Rückzugsstraßen wurden unter Feuer genommen, gefangene Arbeitersoldaten misshandelt und erschossen.

Aus Brief von Max ZellerAus Brief von Max Zeller 2Quellenangabe Brief Max Zeller

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Spaltung der Aktionseinheit der Arbeiterklasse durch die rechten Führer der Sozialdemokratie und der Gewerkschaften ermöglichte es den Militaristen im Ruhrgebiet und vielen anderen Teilen Deutschlands, einen blutigen Rachefeldzug gegen die Arbeiterklasse zu führen. Der Verrat der rechten sozialdemokratischen Führer an den Klasseninteressen des Proletariats brachte im März 1920 die deutschen Werktätigen um die Früchte ihres heroisch errungenen Sieges über die reaktionärsten Kräfte des deutschen Imperialismus.

 

 

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Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

Originaltext:

Der Kapp-Putsch und seine Niederschlagung

 

 

 

 

 

Das Wiedererstarken des deutschen Imperialismus

Der Dawesplan

Im Jahre 1924 berieten Sachverständigenausschüsse, die unter amerikanischem Druck von der Reparationskommission eingesetzt worden waren, wie Deutschland und seine im Versailler Vertrag festgelegte Verpflichtung, den Siegermächten, den Siegermächten Reparationen zu zahlen, in den kommenden Jahren erfüllen sollte. Der Dawesplan verpflichtete Deutschland, 1924/25 1 Milliarde Goldmark als Reparationszahlung aufzubringen, in den folgenden Jahren gestaffelt steigende Raten und von 1928/29 an bis auf eine noch unbestimmte Zeit jährlich mindestens 2,5 Milliarden Mark zu zahlen. Diese Summen sollten hauptsächlich aus den Mitteln des Staatshaushalts(unter anderem aus Zöllen und Steuern auf Lebens- und Genussmittel)aufgebracht werden. Zur Gewährleistung dieser Zahlungen errichteten die Siegermächte eine Kontrolle über die Reichsbank, die Reichsbahn und über einen bedeutenden Teil des Staatshaushaltes. Somit beschnitten sie die Souveränität Deutschlands über des im Versailler Vertrag vorgesehene Maß hinaus. Deutschland erhielt zur Stabilisierung seiner Währung eine Anleihe von 800 Millionen Goldmark, hauptsächlich von amerikanischen und englischen Banken. Mit dem Dawesplan verwirklichte das amerikanische Finanzkapital seinen Anspruch auf die führende Rolle in Europa.

Führende Gruppen der deutschen Monopole und rechte Führer der Sozialdemokratie und Gewerkschaften priesen diesen Vorstoß des amerikanischen Imperialismus als „aufgehende Dollarsonne“, deren „Strahlen die deutsche Wirtschaft dauerhaft beleben“ werden.

Karikatur Dawesplan

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Grundlegend anders verhielt sich die KPD zu diesem imperialistischen Plan. Die bekämpfte ihn konsequent, weil sie erkannte, dass der Dawesplan die Grundlage war, auf der sich die ausländischen Imperialisten mit dem deutschen Imperialismus auf Kosten der deutschen Werktätigen(arbeitende Menschen)verständigten. Während die Hauptlast der Reparationen mit Hilfe von Steuern und Zöllen den Volksmassen aufgebürdet wurde, gewährten die staatlichen Behörden den Monopolherren etwa eine Milliarde Steuererleichterungen. (Diese Politik kommt uns bekannt vor.)Von den mehr als 32 Milliarden Mark ausländischer Anleihen, die nach Annahme des Dawesplans bis 1932 nach Deutschland flossen, wanderte der größte Teil in jene Konzerne, die für die Rüstung von entscheidender Bedeutung waren.

Mit Hilfe der ausländischen Anleihen und der Inflationsgewinne und Profite wurden die wichtigsten Industriezweige rasch rationalisiertDamit beschleunigte sich auch die  Konzentration der Produktion und des Kapitals in Deutschland.

1925 entstand in Deutschland der größte Chemietrust Europas, die „Interessengemeinschaft Farbenindustrie AG“(IG Farben)mit 78 in- und ausländischen Betrieben, in denen 1929 etwa 120 000 Arbeiter beschäftigt waren. Der Trust beherrschte nahezu 100  Prozent der synthetischen Treibstoffproduktion, 80 Prozent der deutschen Farben- und Stickstoffproduktion, 40 Prozent der pharmazeutischen und 25 Prozent der Kunstseidenproduktion.

1926 schlossen sich rheinisch-westfälische monopolistische Bergbau- und Hüttenunternehmen zur „Vereinigten Stahlwerke Aktien-Gesellschaft“ zusammen. Sie beherrschte zwei Fünftel der Eisen- und Stahlproduktion und fast ein Viertel der gesamten Steinkohlenproduktion. In den Betrieben dieses riesigen Konzerns waren etwa 200 000 Arbeiter tätig.

Deutsche Wirtschaft 1927

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Finanzkapitalisten, die an der Spitze dieser Riesenmonopole standen, beherrschten nicht nur die Schlüsselpositionen der deutschen Wirtschaft, sondern bestimmten auch kraft ihrer gewaltigen ökonomischen Macht mehr denn je die Grundrichtung der Regierungspolitik. Das vollzog sich in dieser Periode hauptsächlich über das ständige Zusammenwirken von Unternehmerverbänden und Staatsapparat. In Deutschland verwirklichte nunmehr der Staat zum ersten Mal in einer Konjunkturperiode in breiterem Maße eine Reihe staatsmonopolistischer Aufgaben. (Siehe Beitrag, entnommen aus dem Staatsbürgerkundebuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1985).So regulierte er den Strom der ausländischen Anleihen, den Export, die Steuer- und Lohnpolitik und die Sozialpolitik zugunsten der großen Monopole. Daran hat sich bis heute nichts geändert.  Während der vierzigjährigen Existenz der DDR (1949-1989)waren diese Zustände auf dem Gebiet der heutigen Neu-Bundesländer beseitigt worden.  Seit 1990 geht es in ganz Deutschland unverändert weiter, wie es in den 1920er Jahren begann.

Unternehmen des Stinnes-Konzerns 1925

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Die Folgen der Rationalisierung für die Werktätigen(arbeitenden Menschen) in Deutschland

Wie in allen imperialistischen Staaten kamen die Ergebnisse der Anstrengungen und Leistungen der Arbeiter und Angestellten im Prozess der kapitalistischen Rationalisierung auch in Deutschland in erster Linie und fast ausschließlich den Finanzkapitalisten zugute.

Profitentwicklung AEG 1924-1929

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Die Imperialisten nutzten die Rationalisierungsprofite unter anderem auch dazu aus, um Meister und Vorarbeiter durch einträgliche Löhne und andere Arbeitsbedingungen zu bestechen. Dadurch schuf sich die Monopolbourgeoisie erneut eine starke Oberschicht besser bezahlter Arbeiter, womit sie die Ausbreitung des Opportunismus und die Spaltung der Arbeiterklasse förderte.

Daran hat sich bis heute nichts geändert. Eine Ausnahme bildet das Gebiet der heutigen Neu-Bundesländer während der 40jährigen Existenz der DDR(1949-1989). Heutzutage  ist es sogar noch schlimmer geworden, da nun der Einsatz von Leiharbeitern u.ä. hinzukommt, um die Arbeiterklasse weiterhin zu spalten und durch hohe Fluktuation ein Zusammengehörigkeitsgefühl und Solidarität innerhalb der Arbeiterklasse erst gar nicht aufkommen zu lassen. Das ist einer der Gründe, dass die Arbeiterklasse heutzutage politisch keine Rolle mehr spielt.

Das Lohnniveau der übergroßen Mehrheit aller Arbeiter und Angestellten blieb niedrig. Arbeiter in Berlin erhielten laut Ermittlung des Genfer Internationalen Arbeitsamtes kaum zwei Drittel des Durchschnittslohns der Londoner Arbeiter. Aber verglichen mit dem vorangegangen Elend der Inflationszeit war das dennoch eine bedeutende Verbesserung der Lebenslage der deutschen Arbeiter und Angestellten. Dabei muss jedoch berücksichtigt werden, dass die Mehrheit der Arbeiter noch 1927 zum Teil erheblich mehr als 48 Stunden in der Woche und bedeutend intensiver arbeiten musste.

Weil im Rahmen der kapitalistischen Rationalisierung auch die Arbeitsintensität außerordentlich gesteigert und das Arbeitstempo verschärft wurden, nahmen die Arbeitsunfälle zu. Im Zeitraum von 1924 bis 1928 stieg die Unfallhäufigkeit um etwa 90 Prozent. Heute gibt es zumindest Maßnahmen zur Unfallverhütung. In der DDR waren diese konsequenter, als in der Alt-BRD und im heutigen Deutschland.

Gleichzeitig verloren Hundertausende Arbeiter und Angestellte durch die Rationalisierung ihre Arbeitsplätze. Es entstand eine Ständige Arbeitslosenarmee. Ihr Vorhandensein nutzten die Kapitalisten, um sowohl die Arbeitsintensität noch weiter zu steigern als auch die Löhne der Beschäftigten noch mehr zu drücken. Mit Ausnahme der vierzigjährigen Existenz der DDR(1949-1989) auf dem Gebiet der heutigen Neu-Bundesländer, hat sich bis heute nichts geändert. Hinzu ist der Ausbau prekärer Arbeitsverhältnisse(z.B. Leiharbeit) gekommen, um Löhne zu drücken und schlechtere Arbeitsbedingungen zu schaffen sowie die Arbeiterklasse zu spalten.

Entwicklung Arbeitslosigkeit in Deutschland 1924-1929

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Neben der ständigen Arbeitslosenarmee breitete sich außerdem das Übel der Kurzarbeit aus. Es brachte für Hunderttausende Arbeiter zwangsweise die Verkürzung des Normalarbeitstages auf wenige Stunden am Tag, verbunden mit dem entsprechenden Lohnausfall. Dieses verringerte Einkommen reichte nicht mehr, um den Lebensunterhalt dieser Arbeiterfamilien zu sichern. Heute gibt es zumindest die Regelung von Ausgleichszahlungen(Kurzarbeitergeld) seitens der Agentur für Arbeit(früher Arbeitsamt).

Entwicklung Kurzarbeit 1924-1929

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Mit dem ökonomischen Wiedererstarken des deutschen Imperialismus vollzog sich zugleich seine politische Festigung. Im Januar 1925 bildete der reaktionäre Politiker Luther eine Reichsregierung, der erstmalig Vertreter der extrem reaktionären Deutschnationalen  Volkspartei angehörten. Das war in der politischen Entwicklung ein bedeutender Ruck nach rechts.

In den Reichspräsidentenwahlen 1925 gelang es den Großindustriellen und Junkern außerdem, den Kriegsverbrecher Hindenburg auf den höchsten Posten der Republik zu setzen. Das verschaffte den Militaristen einen großen Einfluss im Staat. Denn der Reichspräsident berief die Regierung, hatte den Oberbefehl über die gesamten Streitkräfte, ernannte Offiziere und Reichsbeamte und verfügte vor allem über die außerordentlich großen Vollmachten, die ihm lauf Artikel der Weimarer Verfassung zustanden.

Artikel 48 Verfassung Weimarer RepublikQuellenangabe Artikel 48 Verfassung Weimarer Republik

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Er war faktisch(Faktisch=Den Tatsachen nach, in Wirklichkeit, auch wenn die Bestimmungen oder Gesetze es nicht vorsahen, bzw. vorsehen) auch dem Reichstag übergeordnet; denn er konnte ihn auflösen. Diese Machtfülle in der Hand eines geschworenen Feindes des Volkes war eine große Gefahr für das gesamte deutsche Volk.

 

Paul von Hindenburg

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

 

Die revanchistische Zielsetzung des deutschen Imperialismus

Deutsche Monopolherren hatten bereits in den ersten Nachkriegsjahren vereinzelt Kriegszielforderungen für einen Revanchekrieg erhoben. Stinnes riet zum Beispiel im Januar 1923, dass ostoberschlesische und nordböhmische Industriegebiet in Besitz zu nehmen.

Entsprechend den Interessen der führenden Monopolgruppen formulierte Außenminister Stresemann 1925 ein gestaffeltes außenpolitisches Revancheprogramm.

Stresemanns ProgrammQuelle Stresemanns Programm

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982

 

Stresemann plante, mit Hilfe der Auslandsdeutschen an den Grenzen der Weimarer Republik im Baltikum und im Donauraum Stützpunkte für die Expansionspolitik des deutschen Imperialismus zu schaffen. Diese Politik zielte letztlich auf ein imperialistisches Großdeutschland, das in Europa die Vorherrschaft ausüben sollte. Außenminister Stresemann, der nach außen hin stets vorgab, die Veränderung der Grenzen auf „friedlichem Wege“ verwirklichen zu wollen, war sich dessen bewusst, dass Fragen der Grenzrevision letzten Endes immer….durch das Schwert entschieden werden“. Mit den Friedensphasen der in Deutschland regierenden imperialistischen Politiker sollte die Tatsache verschleiert werden, dass sich der deutsche Imperialismus die Voraussetzungen für ein „scharfes Schwert“ für die Veränderung des Status quo(Status quo=Lage, die in einem bestimmten Augenblick besteht)in Europa zu schaffen begann. Die Reichswehrführung plante zur Revision der Ostgrenze, entsprechend ihrer aggressiven Tradition, einen Blitzkrieg. In den Manövern des Jahres 1927 wurde diese Aggression mit den Reichswehrtruppen bereits geübt.

 

 

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 9. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

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Originaltext aus dem Geschichtsbuch der DDR

Das wiederDas Wiedererstarken des deutschen Imperialismus