Wahlen in der DDR

Dann und wann bringen öffentlich-rechtliche Sender brauchbares. DIE TROMMLER hat das Thema Wahlen in der DDR von „Planet Schule- Wissenspool Alltag in der DDR“ vom SWR aus dem Jahre 2009 entnommen und bearbeitet. Einige Aussagen des SWR sind nicht korrekt. Das hat DIE TROMMLER in der Bearbeitung korrigiert. Bearbeitung: Petra Reichel

Wissenspool DDR SWR

 


Nicht nur die Parteien, sondern auch Massenorganisationen, bzw. deren Kandidaten standen in der DDR zur Wahl.

 


 

Parteien in der DDR

Neben der SED, deren Führungsanspruch in der Verfassung der DDR verankert war, gab es noch andere Parteien. DIE TROMMLER hat sich bereits damit beschäftigt. Hier nochmal zur als Zusammenfassung.

Neben der SED – Sozialistische Einheitspartei Deutschlands gab noch die:

(Näheres zu den jeweiligen Parteien, bitte den Links folgen)

Werbung SED

Wahlwerbung SED

Bildquelle: Planet Schule – SWR, Bild ist entsprechend verlinkt

Das Symbol der SED sind verschlungene Hände, die Einheit der Arbeiterklasse darstellend.

 

 


 

Massenorganisationen

 

Jugendorganisationen

Kinder ab dem 6. Lebensjahr wurden Jungpioniere, mit dem 10. Lebensjahr erfolgte der Übertritt in die Thälmann-Pioniere. Mehr als 90% der Jugendlichen waren Mitglied der FDJ – Freie Deutsche Jugend.

FDJ-Gruppenratssitzung

FDJ-Gruppenratssitzung

 

Bildquelle: Planet Schule – SWR, Bild ist entsprechend verlinkt

 

 

 

Eine FDJ-Gruppenratssitzung. An der Wand das Bild von Erich Honecker, einst Vorsitzender der FDJ. In der DDR war es üblich das Bild von Erich Honecker in Büros, Versammlungsräumen und sonstigen öffentlichen Räumen aufzuhängen.

 

Gewerkschaft

Der FDGB – Freie Deutscher Gewerkschaftsbund war die gewerkschaftliche Organisation in der DDR. Der FDGB betrieb auch Erholungsheime und organisierte preiswerten Urlaub.

FDGB Bildquelle Planet Schule – SWR, Bild ist entsprechend verlinkt.

Die Einheitsgewerkschaft FDGB vertrat im festen Bündnis mit der SED die Interessen der Arbeiterklasse.

 

Frauen

Der DFD – Demokratischer Frauenbund Deutschlands vertrat die Interessen der Frauen.

 

Landbevölkerung

Die Vereinigung der gegenseitigen Bauernhilfe (VdgB) war nach der Bodenreform 1945 entstanden. Sie sollte den Klein- und Neubauern jene Hilfen zuteil werden lassen, die für ein rasches Anwachsen der Agrarproduktion erforderlich waren. Ihre Aufgabe war es auch Saatgut und Dünger, Gerätschaften und Maschinen, sowie Vieh gerecht zu verteilen.

 

Kulturschaffende

Der Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands(Kulturbund)erfasste künstlerisch Tätige mit dem Ziel, ihre Arbeit für die Errichtung und Gestaltung der sozialistischen Gesellschaft zu nutzen.

 

Nationale Front

In der Nationalen Front waren alle politischen Kräfte zusammengeschlossen. Anfänglich war das politische Ziel die Errichtung der antifaschistisch-demokratischen Ordnung. Darauf folgte der Aufbau der sozialistischen Gesellschaft als politisches Ziel.                    Alle politischen Organisationen waren in der Nationalen Front erfasst. Individuelle Mitgliedschaften gab es nicht.                                                                                                           Die Nationale Front war die Trägerin der Wahlen. „Wählt die Kandidaten der Nationalen Front“, war einer der Slogans bei Wahlen in der DDR.

Wahlslogan DDR 1986

Wahlslogan DDR 1986

Bildquelle: Planet Schule – SWR; Bild ist entsprechend verlinkt

 

 


 

Ein Volkskammerabgeordneter und Kandidat für die Volkskammerwahl 1986

Bei den Dreharbeiten des SWR zur Volkskammerwahl 1986 traf das Fernsehteam auf Klaus Dieter Bormann, 33 Jahre alt, Arbeiter im Volkseigenen Betrieb(VEB) Getriebewerk Wernigerode.

Klaus Dieter Bormann

Klaus Dieter Bormann

Bildquelle: Planet Schule – SWR, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Zu seiner Person, Stand 1986:

Er ist verheiratet und Vater zweier Töchter. Er hat im Getriebewerk Dreher gelernt und sich fortgebildet. Nun arbeitet er nun als Lehrausbilder für Polytechnik und führt Schüler der 8. und 9. Klassen in Arbeitstechniken und in die Arbeitswelt ein. Das geschieht nicht in der Schule, die Schüler kommen in den Betrieb.

Mitglied der Volkskammer:

Bormann kandidierte für seine dritte Amtsperiode als Abgeordneter. Von 1976 bis 1981 wirkte er als Nachfolgekandidat, das ist ein Status mit minderen Rechten. Von 1981 bis 1986 war er Vollmitglied der Volkskammer und wirkte in der Fraktion der FDJ. Nun kandidierte er für die Fraktion des FDGB.

Der Wahlkreis:

Bormann kandidierte im Wahlkreis 56 – Halberstadt-Wernigerode. Dieser zählte etwa 200.0000 Wahlberechtigte.

In der DDR fand kein Wahlkampf statt, wie wir ihn heute kennen. Die Aufgabe des Kandidaten im Vorfeld der Wahlen war es, sich um die Belange der Menschen in seiner nächsten Umgebung zu kümmern: In „seinem“ Betrieb, in „seinem“ Wohngebiet, bzw. im näheren Umfeld von Wernigerode.

Politische Arbeit:

Die Volkskammerabgeordneten waren keine Berufspolitiker. So auch Bormann nicht, der im SWR als Beispiel präsentiert wird. Seine Arbeit als Abgeordneter erfüllte er neben seinem Beruf. Er hatte nicht über die großen Fragen der Politik mitzuentscheiden. Er sollte Sorgen und Probleme der Menschen in seiner unmittelbaren Umgebung aufnehmen und wenn möglich Lösungen anstoßen: So z.B. die Lösung eines Wohnungsproblems, die Schlichtung eines arbeitsrechtlichen Streites oder Hilfe für behinderte Menschen, die in baulich unzumutbaren Einrichtungen leben. Das ist ebenso wichtig, wie die „große Politik“ und die Weltpolitik. Die Sorgen und Probleme der Menschen kommen im bürgerlichen Politikbetrieb eindeutig zu kurz.


 

Die Volkskammerwahl 1986

Am 08. Juni 1986 fanden Wahlen zur Volkskammer statt. In 73 Wahlkreisen waren 500 stimmberechtigte Abgeordnete zu wählen. Weitere 203 Abgeordnete wurden als Nachfolgekandidaten gewählt. Gleichzeitig wurden die Abgeordneten der 14 Bezirkstage gewählt.

Der Stimmzettel

Wahlzettel DDR

Stimmzettel des Wahlkreises 1 und 4 zur Wahl der Volkskammer am 20. August und 28. September 1976

Bildquelle: Bundesarchiv, Bild ist entsprechend verlinkt

Im Bundesarchiv sind folgende Infos(bearbeitet durch DIE TROMMLER) zu den Wahlen in der DDR zu finden:

Eine Wahlperiode betrug zunächst vier Jahre, ausgenommen die 3. Wahlperiode, die durch eine verschobene Wahl verlängert wurde. Mit der Verfassungsänderung 1974 wurde die Wahlperiode auf fünf Jahre festgesetzt. Wahlberechtigt waren DDR-Bürger, die das 21. Lebensjahr vollendet hatten. Ab 1974 wurde das Alter der Wählbarkeit auf das 18. Lebensjahr gesenkt.

Die Volkskammer als oberstes Organ der Staatsmacht wählte den Präsidenten der DDR, die Mitglieder des Staatsrates und des Ministerrates der DDR sowie die Richter des Obersten Gerichts und der Generalstaatsanwaltschaft. Das Amt des Präsidenten der DDR wurde nach dem Tod von Wilhelm Pieck 1960 nicht mehr vergeben.

Wahlen hatten in der DDR einen anderen politischen Stellenwert als in bürgerlich-demokratischen Staaten.

Trägerin der Wahlen in der DDR war die Nationale Front, welche die verschiedenen Parteien und Massenorganisationen vor Ort koordinierte. Die Kandidatenvorschläge wurden zu einer gemeinsamen Liste der Nationalen Front zusammengeführt. Bevor ein Kandidat auf diese Liste gesetzt wurde, musste er laut Wahlrecht in seinem Betrieb/Arbeitskollektiv geprüft werden. Bei Ablehnung konnte er nicht nominiert werden. Der eigentliche Wahlvorgang bestand dann nur noch in der Bestätigung der Wahlvorschläge (Einheitslisten der Nationalen Front). Das ist demokratischer als der „Wahlzirkus“ in bürgerlich-demokratischen Staaten.


Im Wahlkreis 56 Halberstadt-Wernigerode standen drei Frauen und sechs Männer auf dem Stimmzettel. Außer den Namen der Kandidaten gab es keine weiteren Angaben. Über den Namen war zu lesen: „Wahlvorschlag der Nationalen Front der Deutschen Demokratischen Republik zur Wahl der Volkskammer“. Stimmkreise für ein Ankreuzen waren nicht vorhanden.

 

Wahlvorgang

Die Wähler nahmen nach Vorlage des Personalausweises und der Wahlbenachrichtigung einen Stimmzettel für die Volkskammer(blau) und einen Stimmzettel für den Bezirkstag(weiß) entgegen. Um mit „Ja“ zu stimmen, wurden die Stimmzettel gefaltet und in die Urne geworfen. Wer abweichend vom Wahlvorschlag wählen wollte, konnte die Wahlkabine benutzen. Die Streichung einzelner Kandidaten wäre aber keine „Nein“-Stimme gewesen. Wer mit „Nein“ stimmen wollte, musste alle Kandidaten einzeln durchstreichen.

Wahllokal in der DDR

Wahllokal in der DDR

 Bildquelle: Planet Schule – SWR, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Offene und frühzeitige Stimmabgabe

Da hier und heute die Nutzung der Wahlkabine als geheiligtes demokratisches Recht gilt, ist die meist offene Wahl und die Nutzung der Wahlkabine im Ausnahmefall unverständlich. Darum heißt es die Wahlen in der DDR seien undemokratische Scheinwahlen gewesen. Doch ehemalige DDR-Bürger fanden anfangs bei Wahlen in der BRD, sei es als Zugezogene in der Alt-BRD oder nach Annexion der DDR in den heutigen neuen Bundesländern, es befremdlich, dass das Benutzen der Wahlkabine Pflicht ist. Es heißt, dass in der DDR die Menschen, welche die Wahlkabine benutzt haben, mit Nachteilen hätten rechnen müssen. Dass in der BRD die Benutzung der Wahlkabine Pflicht ist, ist ein Schutz vor Nachteilen, insbesondere im Beruf, denen die Wähler ausgesetzt wären, würden sie offen wählen. Nachteile im Beruf waren in der DDR weniger gravierend.

In der DDR war es auch üblich frühzeitig zu wählen. Das ist eine Erleichterung für die Wahlhelfer. Es ist nicht gerade angenehm für die Wahlhelfer, wenn kurz vor Schließung des Wahllokals noch Leute ankommen, die Wählen wollen, da ja nun die Auszählung beginnen muss.

 

„Fliegende Wahlurne“

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Berlin, Kommunalwahl, Helfer mit mobiler Wahlurne

 

 

 

Logo App in die Geschichte

Bildquelle: App in die Geschichte, Bild ist entsprechend verlinkt

 

In der DDR gab es keine Briefwahl, sondern die „fliegende Wahlurne“. Während die Briefwahl frühzeitig geplant werden muss, ist die „fliegende Wahlurne“ demokratischer. So kann auch bei plötzlicher Krankheit oder anderer kurzfristiger Verhinderung das Wahlrecht wahrgenommen werden.

Wer bis gegen 14 Uhr nicht im Wahllokal war, wurde mit der „fliegenden Wahlurne“ zu Hause aufgesucht.

 

Wahlbeteiligung und Wahlergebnis

 

Fraktionen und Fraktionsstärke Volkskammer DDR 1986

entnommen aus: „Planet Schule““Wissenspool Alltag in der DDR“ SWR 2009

Wissenspool DDR SWR

 

Es bedurfte keiner Meinungsforschung, um die Beteiligung und Ergebnis der 99%-Marke vorherzusagen. Es gehörte zu den gesellschaftlichen Pflichten sich an der Wahl zu beteiligen und offen mit „Ja“ zu stimmen. Bei vielen Wahlberechtigten herrschte das Bewusstsein vor, die Folgen von Nichtwählen oder der Benutzung der Wahlkabine nicht abschätzen zu können. So spiegelte das Wahlergebnis nicht die wahre Stimmung in der Bevölkerung wider.


 

siehe auch Filme zu den Wahlen in der DDR

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Filme zu Wahlen in der DDR

Wissenspool DDR SWR

Filme sind nur über die Website abrufbar. Bitte auf die Links oder die Vorschaubilder klicken.

Vorschaubild Film Wahlen in der DDR 1

Vorschaubild-entnommen von „Wissenspool -Alltag in der DDR““Planet Schule“, SWR

 

Film lässt sich nur über die Website aufrufen.

 

Obwohl dieser Film objektiv war, durfte doch westliche Propaganda nicht fehlen. So wird die Arbeitsschutzbelehrung der jungen Leute relativiert und irgendeine Disziplinarmaßnahme des Sozialismus draus gemacht. Diese Arbeitsschutzbelehrung ist beispielhaft und müsste hier und heute genauso stattfinden, um Arbeitsunfälle zu vermeiden.

 

 

Wahlen in der DDR 1986 2

Vorschaubild Film Wahlen in der DDR entnommen von „Wissenspool –Alltag in der DDR“ „Planet Schule“ , SWR

Film ist nur über die Website abrufbar.

 

Bormann sprach vor einem Jungwählerforum. In der DDR wurden die Wahlbenachrichtigungen persönlich überbracht. Das kennen wir heute nicht (mehr). Da werden die Wahlbenachrichtigungen einfach in die Briefkästen gesteckt. Hier und heute würde sich niemand die Arbeit machen an den Türen zu klingeln und den Leuten jeweils einzeln über ihre Nöte, Politik und die Wahl zu sprechen und um die Wahlbenachrichtigung persönlich abzugeben.

 

 

Dieser Film ist nur über die Website abrufbar.

 

Die „fliegende Wahlurne“, eine Wahlverweigerin, die Auszählung und wie das Wahlverfahren abläuft wird in diesem Film gezeigt. Mit der „fliegenden Wahlurne“ kann man auch Politikverdrossene erreichen(wenn sie keine bewussten Wahlverweigerer waren)oder Leute, welche die Wahl vergessen haben, sowie kranke und behinderte Leute. Die Stimmzettel der „fliegenden Wahlurne“ wurden in die große Wahlurne geschüttet. An diesem Tag fand nicht nur die Wahl zur Volkskammer statt. Es wurde auch der Bezirkstag gewählt. Für beide Wahlen gab es nur eine Wahlurne. Die Wahlzettel hatten unterschiedliche Farben, so dass sie schnell sortiert werden konnten. Wenn heute die Wahlen für verschiedene Palarmente am selben Tag stattfinden hat man jeweils eine Extra-Wahlurne. Die Wahlhelfer müssen sich sehr konzentrieren und müssen aufpassen dass die Leute die Wahlzettel in die richtige Urne werfen. Manchmal gibt es da nicht mal farbige Unterschiede, sondern nur eine Kennzeichnung durch ein Loch. Da war das doch in der DDR einfacher. Da es in der DDR ein völlig anderes Wahlverfahren war, als hier und heute, so war die Auszählung einfacher. Heute müssen die Direktkandidaten und die Parteien extra ausgezählt werden. In der DDR war es ohnehin eine Personenwahl.

 

Film ist nur auf der Website abrufbar.

 

Es ist verwunderlich, dass die Wahlverweigerin im Westfernsehen sprechen konnte. In der Tat hatte das personelle Konsequenzen. Nun ja, der gefeuerte Betreuer des Fernsehteams hat vermutlich nach der Konterrevolution wieder einen lukrativen Posten bekommen. Der Kreisvorsitzende der Nationalen Front Wernigerode spricht nun auch relativierend. Allerdings hat er damit Recht, dass das Wahlergebnis nicht die wirkliche Stimmung der Bevölkerung in der DDR wiederspiegelte. Herr Bormann hat in der Tat ein Versäumnis begangen. Vielleicht aus Betriebsblindheit, weil er sich ja nur um die Sorgen und Nöte der Menschen vor Ort kümmerte. Er hätte wissen müssen, dass die Rede der Wahlverweigerin im Westfernsehen entsprechend ausgeschlachtet wird. Darum ist nicht verständlich, dass er nicht erklärend eingeschritten ist.

 

 

 

 

 

 

 

 

Eine Sendung des SFB am Beginn der Konterrevolution

 

 

Eines der üblichen Bilder der Demonstrationen mit den Rufen „Wir wollen raus“. An wohin und wie es weiter geht, haben diese Demonstranten nicht gedacht.

Dann eine Feierlichkeit der SED mit dem Lied „Die Partei hat recht“. Dieses Lied ist oft verlacht worden. Wer im Westen, wer heute kennt die wahre Bedeutung dieses Liedes?

„Privates Glück“ soll nicht der Ersatz für „fehlende Aussicht auf Reformen“ sein. Was Reform bedeutet, wissen wir ja. Es war bereits seinerzeit so. Rückschritt und Sozialabbau bedeutet seit damals das Wort „Reform“. Allerdings hatte niemand darüber nachgedacht.

Der Herr von „Neuen Forum“ gibt zu, dass nicht nur die regierende SED, sondern auch die konterrevolutionären Gruppen schwach waren. Was der West-Fernseh-Beitrag nicht sagt: Die sogenannte Opposition ist vom Westen aus gestärkt worden, insbesondere von den GRÜNEN.

Die Kirche dient als Puffer und macht Schaukelpolitik. Sie gibt einerseits den Konterrevolutionären Raum, andererseits dämpft sie konterrevolutionäre Aktivitäten.

Es wird kurz auf den Schriftstellerverband eingegangen. Dass bekannte Schriftsteller ein Interview ablehnen, wird als Schwiegen gedeutet.

Wieder wird auf die damalige (noch) schwache „Opposition“(=konterrevolutionäre Kräfte) hingewiesen, die Jugend da wenig Interesse daran hat und dass die FDJ (noch) aktiv ist und marschiert. Der Fernsehsprecher hofft auf Oppositionelle innerhalb der Institutionen und greift den Slogan der „68er“ aus der BRD auf und fragt nach dem „Marsch durch die Institutionen“. Pfarrer Friedrich Schorlemmer fragt nach den der Konterrevolution dienenden Intellektuellen. Er glaubt, dass diese Leute in der SED verborgen seien und bei „Reformen“ diese dann in die Öffentlichkeit treten und aktiv würden.(also „Schläfer“)

Dann wird Prof. Rolf Reißig als Kämpfer für mehr „Pluralismus“ dargestellt. Dieser hätte das vor zwei Jahren(also 1987) gefordert, doch es wäre nichts draus geworden. In welchem Zusammenhang der Redebeitrag von Prof. Rolf Reißig steht, wird in dem Fernsehbeitrag nicht erwähnt.

Dann als Kontrast ein Beitrag zum Unterhaltungsprogramm des DDR-Fernsehens. Es wäre damals jeden Freitag „Dirty Dancing“ gebracht worden, um der Jugend was zu bieten.

Nun wird Karl-Eduard von Schnitzler in einer Jugendsendung des DDR-Fernsehens gezeigt. Laut Fernsehsprecher in derselben Sendung, wo auch „Dirty Dancing“ gebracht wird. Als Kontrastprogramm sozusagen. Karl-Eduard von Schnitzler ist ehrlich und sein Beitrag ist selbstkritisch. Aber da hatte ja bekanntlich niemand hingehört. Dann wieder ein Ausschnitt aus „Dirty Dancing“ als Überleitung zum Wegwollen aus der DDR und es kommen neoliberale Töne, wie „sich ausprobieren“ und „selbst bestimmen“. Das bezieht sich auf junge Leute. Im Widerspruch dazu, dass die Jugend wenig Interesse an konterrevolutionären Aktivitäten hätte. Was denn nun?
Wieder eine Szene von „Dirty Dancing“ und dann ein Musikstück aus „Dirty Dancing“. Mit dieser Musik wird eine versuchte Republikflucht untermalt.

Nun wird das Parteihaus der SED, bzw. der Sitz des Zentralkomitees der SED gezeigt.
Dass die Worte „Reform“ und „Demokratisierung“ Umschreibungen für zum Zurück zum Kapitalismus sind, ist in der SED erkannt worden. Natürlich wird das vom Fernsehsprecher als negativ hingestellt. Professor Otto Reinhold spricht wahre Worte. Das sei all denen ins Stammbuch geschrieben, die an eine „andere“, bzw. „bessere“, „reformierte“ und mit dergleichen Attributen bezeichneten DDR glaubten. Das wäre nichts Anderes, als eine kapitalistische DDR gewesen. Professor Reinhold erklärt richtig, dass eine kapitalistische DDR neben der kapitalistischen DDR keinen Sinn und keine Existenzberechtigung hätte. Er warnt vor einem leichtfertigen Spiel mit dem Sozialismus und der sozialistischen Staatsmacht. Er hat Recht behalten.

Nun wird wieder eine der Demonstrationen gezeigt. Auch der Fernsehsprecher muss zugeben, dass seinerzeit es nur wenige und versprengte „Oppositionelle“ waren, denen die Staatsmacht „eine Abfuhr erteilte“.

Als Abschluss Erich Honecker mit dem Spruch: „Den Sozialismus in seinem Lauf halten weder Ochs´noch Esel auf“.

Nun ja es ist anders gekommen.

Nun ja ihre Zukunft, bzw. ihre Nicht-Zukunft haben, diejenigen, die damals auf der Straße danach gerufen haben, heute. Ob sie sich das wirklich so vorgestellt haben, ist die Frage.

So ein Fernsehbetrag wird meist nebenbei gesehen. In der Schnelle kann man das nicht auswerten und „Lieschen Müller“ und „Otto Normalverbraucher“ wird das wohl kaum wollen. So hat es DIE TROMMLER aus der Sicht von heute getan.

Die Namen der weniger bekannten Personen entschwinden wieder in Schall und Rauch. Damals gab es kein Wikipedia zum Nachschlagen und ein „Who ist Who?“(Wer ist Wer?)-Lexikon hat „Lieschen Müller“ und „Otto Normalverbraucher“ in den wenigsten Fällen zu Hause gehabt. Aber nun hat aus der Sicht von heute DIE TROMMLER sich mit genannten Personen beschäftigt. (Bitte auf die Namen klicken. Diese Links führen zu den Personenbeschreibungen)

Bitter ist, dass zum damaligen Zeitpunkt die Konterrevolutionäre noch schwach waren. Aber die Mehrheit der Bevölkerung ließ sich nicht nur von den Westmedien, sondern auch von Gorbatschow irre führen. Auch viele Verantwortungsträger innerhalb der SED fielen auf Gorbatschow herein. Der Weg für die Konterrevolution wurde so geebnet.