Abhanden gekommenes Klassenbewusstsein

Rotfuchs

 

In der Ausgabe des „RotFuchs“ von Mai 2017 beschreibt ein Artikel die Vorgänge in einem Betrieb während der Konterrevolution in der DDR. Dazu kann man nur sagen, dass der Arbeiterklasse in der DDR das Klassenbewusstsein abhanden gekommen ist. Wäre dieses noch vorhanden gewesen, wäre der Ablauf der Ereignisse ein Anderer gewesen und die DDR würde vielleicht noch bestehen.

Der Artikel beschreibt auch, dass es bald diesen Betrieb nicht mehr gab. Die damaligen Arbeiterinnen und Arbeiter lernten bald Arbeitslosigkeit, Armut und prekäre Beschäftigung kennen.


 

Was nicht in den Personalakten stand

Autor: Dr. Hans Rost

Wir schrieben das Jahr 1989. In unserem damals volkseigenen Werk waren insgesamt etwa 900 Beschäftigte tätig. Die Unzufriedenheit hatte zugenommen und nun, zum 40. Jahrestag der DDR, ihren Höhepunkt erreicht. Da erschien eines Tages eine Abordnung von Betriebsangehörigen in meinem Büro. Sie verlangten im Namen aller anderen Einsicht in ihre Personalakten und deren Herausgabe. Der Wortführer, ein junger Mann aus dem Bereich der Instandhaltung, erklärte: „Wir wollen alle sehen, was ihr über uns an die Staatssicherheit berichtet habt, und warum wir nicht, so wie wir wollen, in den Westen fahren dürfen, und warum keiner etwas gegen die immer größer werdenden Missstände unternimmt.“

Ich hatte nur wenig Zeit zum Überlegen. Ich entschied aufgrund der aufgeheizten Stimmung, der Forderung nach Akteneinsicht nachzukommen. „Morgen früh ab 7 Uhr können alle in der Personalabteilung Einsicht in ihre Akte nehmen. Jeder kann dann – mit Ausnahme des Arbeitsvertrages – das für ihn Relevante mit nach Hause nehmen“, war meine Antwort. Die Abordnung war damit einverstanden. Dies war eine eigenmächtige Entscheidung, doch ich war der Meinung, dass die Leute ein Recht auf ihre Unterlagen hatten. Wir hatten ja nichts zu verheimlichen. Meine Mitarbeiterinnen wies ich an, einen Raum mit drei Tischen getrennt voneinander einzurichten und jedem, der es wünschte, seine Personalakte zur Einsicht zu geben. Sie sahen mich erstaunt an, fragten aber nicht weiter nach dem Grund. Nachdem alles vorbereitet war, machten wir wie immer 16.30 Uhr Feierabend.

Am nächsten Morgen kam ich etwas zeitiger zur Arbeit. Ich staunte nicht schlecht. Vor dem Eingang zum Büro stand eine lange Schlange wartender Personen. Außer einiger spitzer Bemerkungen und versteckter Beleidigungen verhielten sie sich ruhig und diszipliniert. Meine Mitarbeiterinnen waren inzwischen auch eingetroffen. Obwohl es noch nicht 7 Uhr war, öffnete ich die Tür und ließ die ersten drei Kollegen eintreten.

Meine Stellvertreterin bot ihnen einen Platz an den Tischen an und übergab die jeweilige Personalakte. Jeder las interessiert in seinen Papieren, blätterte von vorn bis zur letzten Seite und wieder zurück, schüttelte mit dem Kopf, las weiter, manche murmelten auch etwas vor sich hin. Nach ca. zehn Minuten stand der erste auf, warf die Akte auf den Tisch und wollte gehen. „Einen Moment“, sagte ich zu ihm, „außer dem Arbeitsvertrag, dem Laufzettel und dem Einstellungsprotokoll können Sie alles mitnehmen, wir benötigen es eigentlich nicht.“ „Was soll ich damit machen?“, fragte er etwas unwirsch. Auch die anderen waren jetzt mit ihrer Durchsicht fertig. Es folgte das gleiche Spiel. „Habt ihr wirklich nicht mehr?“, fragte einer. „Nein, das sind vollständig eure Akten“, war meine Antwort. Wort- und grußlos verließen sie dann den Raum. Die Nächsten kamen. Die Stimmung war angespannt. So ging es nun fast den ganzen Tag. Viele schüttelten nur mit dem Kopf oder lachten, als sie ihre Akte lasen. Eine Kollegin fragte, wieso ihre Kurbestätigung hier drin sei. Einer wollte wissen, wo denn der „Strenge Verweis sei, den er im vergangenen Jahr erhalten habe. „Nach einem Jahr“, antwortete meine Kollegin, „wird er, wenn nichts wieder vorgefallen ist, aus der Akte genommen und vernichtet.“ Einer erkundigte sich, wer die Beurteilung wegen seiner Reise in die BRD geschrieben habe. Er wollte nicht glauben, dass der Direktor für Produktion die Reise befürwortet hatte, die Personalabteilung einver­standen war, sie aber dennoch von anderer Stelle abgelehnt worden war. Wir konnten seine Frage nicht beantworten.

Viele verließen den Raum mit enttäuschtem Gesicht. „So ein Unsinn, was die alles aufgehoben haben“, meinten mehrere von ihnen. Sie hatten offenbar nicht gefunden, was angeblich in der Akte sein sollte und wonach sie hauptsächlich gesucht hatten. Wir hatten uns darauf eingerichtet, an diesem Tag einige Stunden länger zu öffnen, um auch den Schichtarbeitern die Möglichkeit zur Einsichtnahme zu geben.

Offensichtlich hatte es sich bis zum Mittag im Betrieb herumgesprochen, was in den Personalakten enthalten war. Der Andrang am Nachmittag nahm spürbar ab, und am nächsten Morgen kamen nur noch vereinzelte Kolleginnen und Kollegen. Nach unserer Rechnung waren bisher nicht einmal 30 % der Betriebsangehörigen zur Einsichtnahme gekommen. Deshalb übergaben wir am Nachmittag jeder Abteilung ein Schreiben mit dem Angebot, in die Akten einzusehen, da wir diese Aktion abschließen wollten. Es kamen nur noch ganz wenige. Warum also vorher die große Aufregung?

In der Zwischenzeit ordneten meine Kolleginnen die Akten für jeden, der Einsicht genommen hatte, neu. Die Unterlagen, die nicht mitgenommen wurden, warfen sie in einen Papiersack, um ihn am nächsten Tag im Kesselhaus des Betriebes zu verbrennen. Als ich den ersten Sack in das Kesselhaus brachte, kam ein Kollege auf mich zugestürzt und brüllte mich an: „Ihr wollt wohl die Berichte an die Stasi verbrennen“? „Nein“, sagte ich ganz ruhig, „das sind nur die Reste der Akten, welche die Kollegen nicht mitgenommen haben.“ „Das wollen wir sehen“, forderte er barsch. Obwohl das eigentlich nicht rechtens war, weil es ja auch damals noch einen bestimmten Datenschutz gab, nahm ich den Sack, drehte ihn um und schüttete ihm alles vor die Füße. „So“, sagte ich, „sieh nach, was es für Unterlagen sind.“ Eifrig begannen sie – es waren noch zwei Kollegen hinzugekommen – einzelne Schrift­stücke herauszuziehen und zu lesen. Ihre Gesichter wurden immer länger. Ich stand daneben und schaute zu. Etwa nach einer Viertelstunde hörten sie auf. „Los, verbrennt das Zeug“, knurrte der Anführer seine Kollegen an, drehte sich um und verschwand. Die beiden nahmen die Schriftstücke und warfen sie in die Feuerung. Ich blieb dabei, bis alles verbrannt war.

Einige Tage später ging ich durch einzelne Abteilungen des Betriebes. Ein Teil der Kolleginnen und Kollegen sagten: „Ihr habt euch ja große Mühe gegeben, aber was sollen wir mit dem ganzen Zeug machen? Außer der Beurteilung und ein paar anderen Sachen war ja nur viel Papier in der Akte!“ Einzelne machten einen großen Bogen um mich, sie konnten die Enttäuschung wahrscheinlich nicht verwinden, dass sie nicht das gefunden hatten, was ihnen eingeflüstert worden war. Immerhin waren ja innerhalb von zehn Jahren 168 Betriebsangehörige, nicht nur Rentner, in die BRD gereist. Eine einzige Kollegin ist in der BRD geblieben, aus persönlichen Gründen. Alle anderen kehrten wieder an ihren Arbeitsplatz zurück.

Wenige Monate später wurde der Betrieb abgewickelt. Anlagen und Maschinen hat man in der Nacht auf Waggons verladen und in die alten Bundesländer verbracht. Alle Angehörigen des Betriebes wurden arbeitslos. Unser Werk wurde zum zweiten Mal nach 1945, dieses Mal aber für immer, geschlossen.

RotFuchs Mai 2017

Titel RF Mai 2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Original-Artikel:

-nicht in Personalakte RF Mai 2017

 

Artikel und Titelblatt der entsprechenden Ausgabe als PDF-Datei:

PDF -nicht in Personalakte

 

 

 

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Mit 22 ins Parlament

Titel RF Mai 2017 Kopie

 

 

entnommen aus der „RotFuchs“-Ausgabe Mai 2017

Autor Rainer Fehlberg

Ich hatte mir vorgenommen, Ingrid Wünsche, eine 22jährige Kandidatin für die Volkskammer, die oberste Volksvertretung der DDR, kennenzulernen. Mein erster Annäherungsversuch schlug fehl: „Montag habe ich den zweiten Hochzeitstag und möchte keinen Journalistenbesuch, auch nicht von einem ,Jugend‘-Redakteur.“

Foto Günter Jazbec

Foto: Günter Jazbec

Beim zweiten Anlauf ein paar Tage später hatte ich mehr Glück: Während einer ihrer Wahlkampfveranstaltungen stand die junge Frau Oberschülern Rede und Antwort. Sie hatte Lampenfieber. Man spürte ein wenig Unsicherheit: „Und wenn ich keine Antwort auf eine Frage weiß?“ Einer der Anwesenden, der sie offenbar schon länger kannte, darauf: „Das wäre ja das erste Mal, Ingemaus, daß Du um eine Antwort verlegen wärst!“ Und während die Fragen der 18jährigen Schüler kamen, zögernd anfangs, später immer lebhafter, verriet Ingrid eine – wie ich meine – Abgeordnetentugend: Sie kann zuhören. Ihre großen, klugen Augen lassen den Fragesteller nicht los, sehr gewissenhaft schreibt sie alles mit. Und antwortet klar und präzis. Zum Beispiel auf diese Frage: „Ist es denn vertretbar, daß man schon mit 18 Abgeordnete werden kann?“ Ingrid: „Du meinst: Man kann als 18jähriger nicht alles. Das stimmt. In diesem Alter hat man aber oft schon eine große Verantwortung, muß seinen Mann stehen, auf der Arbeit oder sonst irgendwo. Sollten die jungen Menschen von der Machtausübung ausgeschlossen bleiben? Ich finde, die Jugend muß deshalb auf allen Ebenen in unseren gewählten Organen vertreten sein. Und noch etwas: Wo sollten wir das Regieren lernen, wenn nicht auch in unseren Machtorganen?“ Ingrid befriedigte auch die Neugier ihrer Zuhörer, warum und wie gerade sie als Abgeordnete der FDJ fürs Parlament vorgeschlagen worden sei. Weil ich es noch genauer wissen wollte, überprüfte ich ihre Worte ein paar Tage später in ihrem Betrieb.                                                                                                                                                 „Ich habe mir gedacht, daß mal so was mit der Ingrid kommen muß, aber daß es gleich die Volkskammer wird, natürlich nicht“, meinte Karin, Freundin, Kollegin der Ingrid Wünsche. Und ähnlich dachten und äußerten sich die fünf anderen Mitglieder der Jugendbrigade „Artur Becker“ des Bereichs Farbfilmentwicklung 35 mm im DEFA-Kopierwerk Berlin. So auch, als sie ihre Meinung zum Kandidatenvorschlag der FDJ-Leitung sagen sollten. Sylvia Rieck, die FDJ-Sekretärin im Werk, erläuterte, warum die Wahl auf Ingrid gefallen war: „Wir kamen zu dem Schluß, daß wir einen Arbeiter unseres Betriebes vorschlagen sollten. Der Farbbereich 35 mm – das ist der größte Bereich, überlegten wir weiter. Vorbildlich in der Arbeit, als FDJler, in seinem ganzen Auftreten sollte der Kandidat sein – das war eine weitere Bedingung. Da sind wir auf die Ingrid gekommen – was denkt ihr darüber?“ „Sie hat’s verdient; zu ihr kann man kommen, wenn man was nicht richtig verstanden hat; ein dufter Kumpel, die Ingrid; es gibt keine Bessere!“ meinten sie, und es schwang immer ein bißchen Stolz mit, weil es jemand aus ihrer Truppe war. Sie hielten aber auch nicht mit kritischen Worten hinter dem Berg, fanden, daß Ingrid sich bemühen müßte, bei aller Unduldsamkeit gegen Mängel und Schwächen immer den richtigen Ton zu finden und nicht unsachlich zu reagieren, als Meistervertreterin lernen sollte, nicht alles alleine zu machen, sondern die Kollegen richtig einzusetzen. Als Einrichterin an den Entwicklermaschinen, das bescheinigten ihr alle, leistet sie Ausgezeichnetes, „Wenn es darum ging, sich eine Meinung zur Schichtarbeit, zum volkswirtschaftlich notwendigen 3-Schicht-Rhythmus, zu bilden oder wenn die Kollegen weiter lernen, sich qualifizieren sollten, da war sie nicht nur selbst sofort bereit, sondern suchte das Gespräch mit den anderen, um auch sie mitzuziehen“, erinnert sich Willi Heermann, der Parteisekretär des Betriebes, Ingrids Genosse, bei dem sie sich gerade in nächster Zeit manchmal Rat wird holen können. Das Verhältnis zwischen beiden – so schien es mir jedenfalls – ist ein sehr herzliches, kameradschaftliches, produk­tives, obwohl vom Alter und den Erfahrungen her viele Jahre zwischen ihnen liegen. Oder gerade deshalb?                                                          Vorbild für die anderen zu sein, das war bei Ingrid nicht von Anfang an so. Sie, die bald – wenn alles gutgeht – ihren Meisterbrief in der Tasche haben wird, schloß die Lehre nur mit der Note 3 ab. „Es ging ihr nicht um eine Karriere“, erwähnt der Parteisekretär, „ich habe mit ihr oft gesprochen, ihr zugeredet, gesagt, daß sie mehr könne. Nach ungefähr drei Jahren hat es dann gefunkt.“ Daß der Knoten bei ihr platzte, dafür sieht sie vor allem zwei Gründe: einmal ihre Heirat vor zwei Jahren. Mit allen Fragen, die sie hatte, konnte sie ihm kommen, dem Feldwebel der Grenztruppen der DDR Jürgen Wünsche. „Warum ist es bei uns so und dort im Kapitalismus anders?“ prüfte sie sich selbst, als sie über die Arbeitslosigkeit, den Lehrstellen­mangel, die Preistreiberei nachdachte – und fand nun schon alleine Antworten. Mit solchen und anderen Einsichten wuchs auch eine neue Einstellung zu ihrer eigenen Arbeit. Sie begann zu begreifen, daß es einen engen Zusammenhang gibt zwischen ihrer Arbeit und dem Wohl der ganzen Gesellschaft. Während sie dies alles beschäftigte, wurde ihr von einem Tag auf den anderen die Funktion des Einrichters anvertraut, für einen Kollegen, der zu den Soldaten gegangen war. „Mit der mir übertragenen Verantwortung“, so denkt sie heute darüber, „habe ich mich verändert, gesteigert, bin ich bewußter geworden, gewachsen.“                               Etwas über sich zu erzählen, wie sie sich selber sieht, warum man auf sie gekommen sei, wo es doch im Betrieb noch eine Anzahl von möglichen jungen Volksvertretern gegeben hätte, fällt ihr sichtlich schwer. „Das mache ich nicht gern“, wehrt sie mehrmals ab, als wir uns zum Kaffeeplausch in ihrer Wohnung in einem Berliner Hinterhaus treffen. Komplimente verteilend und Kaffee schlürfend taste ich mich so langsam an den Grund meines Besuches heran: Wie sieht sie sich als Volkskammer­abgeordnete, was hat sie sich vorgenommen? „Am Anfang“, so schätzt sie ein, „wird’s wohl darum gehen, sich an die Tätigkeit im Parlament zu gewöhnen, Augen und Ohren aufzusperren, noch viel, viel zu lernen. Noch bin ich gar nicht richtig über die Frage hinweg, die mir vor allem andere erklärt haben: ,Warum gerade ich?‘ Aber weil ich bei allem nicht allein stehe, eine starke FDJ-Fraktion neben mir weiß, eine Brigade, die schon laut und deutlich gesagt hat, daß sie mir helfen wird, ist mir nicht bange.“ Die Frage, ob sie Angst davor habe, vor der Volkskammer zu sprechen, erübrigt sich angesichts des Berliner Mundwerks und des Temperaments eigentlich und wird auch mit einem eindeutigen „Nö“ beantwortet und mit dem Nachsatz ergänzt: „Ich red’ halt so, wie mir der Schnabel gewachsen ist.“ Ingrid hat sich unter anderem vorgenom­men, sich besonders um die Interessen der Jugend zu kümmern, der im Betrieb und im Wohngebiet, ihre Fragen und Vorschläge will sie unterbreiten, dafür sorgen, daß sich das Freizeitangebot weiter verbessert, weil auch sie gerne einmal tanzen geht. Womit sogar am Beispiel dieses Freizeitvergnügens gezeigt wird, daß die Interessen des Volkes dort am besten vertreten werden, wo Leute aus dem Volke als Volksvertreter ins Parlament einziehen, auch und gerade Arbeiter, 22jährige wie Ingrid Wünsche.

Aus „Jugend“, 1/1977

RF Mai 2017

Mit 22 ins Parlament RF Mai 2017

Originalseite des „RotFuchs“, Mai 2017

 

 

Mit 22 in Parlament  

PDF-Datei des „RotFuchs“-Artikels

 

 

 

„RotFuchs“-Beitrag zu Friedrich Dickel

Hier der Beitrag im  Rotfuchs von Dieter Winderlich.

 

Frierich Dickel Rotfuchs-ArtikelFriedrich Dickel Rotfuchs-Artikel 2

Hier der Beitrag als PDF-Datei zum Runterladen.

Friedrich Dickel Rotfuchs-Artikel

 

 

Dieter Winderlich

Dieter Winderlich, geboren am 04. Dezember 1938 war von 1987 bis 1990 Stellvertreter des Ministers des Innern (MdI) der DDR und 1990 der letzte Chef der Deutschen Volkspolizei.

Generalmajor a.D. Dieter Winderlich

Generalmajor a.D. Dieter Winderlich

Bildquelle: DDR-Kabinett Bochum,  Bild ist entsprechend verlinkt
siehe auch Interview für die Ausstellung „Grenzfall“ des Wilhelmsgymnasiums Kassel

Der Sohn eines Arbeiters, der 1947 Volkspolizist geworden war, ging in der DDR zur Schule, erlernte den Beruf eines Erziehers und erwarb im Fernstudium den Fachschulabschluss als Unterstufenlehrer. Im Frühjahr 1961 folgte er einem Aufruf der FDJ und wurde wie sein Vater Angehöriger der DVP(Deutsche Volkspolizei). Er schloss sich der SED an und absolvierte ein mehrjähriges Studium an der Hochschule des Ministeriums für Innere Angelegenheiten der UdSSR. Von 1970 bis 1974 fungierte er als Leiter der Jugendstrafanstalt Wriezen im Kreis Bad Freienwalde. Als Oberst der VP war er von 1980 bis 1987 stellvertretender Leiter der Verwaltung Strafvollzug des MdI. Im Februar 1987 folgte er Günter Giel als Stellvertreter des Ministers des Innern (zuständig für das Archivwesen, die Feuerwehr, den Strafvollzug und die Kriminalpolizei). 1988 wurde er von Erich Honecker zum Generalmajor ernannt.

Dieter Winderlich, letzter Chef der Volkspolizei

Dieter Winderlich, letzter Chef der Volkspolizei

Bildquelle: DDR-Kabinett Bochum, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Am 10. Januar 1990 wurde er von Innenminister Lothar Ahrendt als Chef der DVP eingesetzt und war damit zugleich der erste Stellvertreter des Ministers.  Er blieb bis zum Regierungswechsel im April 1990 auf diesem Posten. Am 1. Mai 1990 wurde sein Titel von Generalmajor in Chefinspekteur umgewandelt. Vom letzten Innenminister Peter-Michael Diestel wurde er zum Leiter der Abteilung für die Bund-Länder-Zusammenarbeit im Ministerium für Innere Angelegenheiten berufen.

Dieter Winderlich auf Festveranstaltung DDR-Kabinett Bochum

Dieter Winderlich auf der Festveranstaltung des DDR-Kabinetts Bochum e.V.

Bildquelle: DDR-Kabinett Bochum, Bild ist entsprechend verlinkt

 

 

 

Dieter Winderlich ist heute Mitglied der Initiativgemeinschaft zum Schutz der sozialen Rechte (ISOR). Außerdem schriebt er Artikel, bzw. hält Vorträge, wie z. B. beim DDR-Kabinett Bochum und im „RotFuchs“.

Rotfuchs

DDR-Kabinett Bochum Kopie

 

 

 

 

 

 

Entnommen aus Wikipedia und DDR-Kabinett Bochum, bearbeitet von Petra Reichel