Die Eroberungskriege Friedrichs II.

Die Herrschaft der Habsburger war gefährdet, als 1740 Kaiser Karl VI. söhnelos starb. Schon lange zuvor hatte er sich bemüht, dass die europäischen Mächte die Erbfolge seiner einzigen Tochter Maria Theresia anerkannten. Doch nach seinem Tode kehrte sich niemand um diese Verträge.

Der neue preußische König Friedrich II.(1740-1786)war fest entschlossen, die schwierige Lage Österreichs auszunutzen. Er ließ sein Heer überraschend in das nur schwach besetzte Schlesien einfallen, das damals zu Österreich gehörte. Dann erst bot er Maria Theresia an, er wolle sie mit allen Kräften gegen ihre Feinde unterstützen; allerdings müsse sie ihm als Preis dafür Schlesien abtreten. Das war glatte Erpressung. Der hinterhältige Überfall auf Schlesien enthüllte das räuberische Wesen des preußisch-junkerlichen Militarismus.

Friedrich II.

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Friedrich II. zu Eroberungen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Entwicklung Brandenburg-Preußens im 17. und 18. Jahrhundert

Die Entwicklung Brandenburg-Preußens im 17. und 18. Jahrhundert

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Von anderen Mächten ebenfalls angegriffen, musste Österreich das in zwei Kriegen schwere militärische Niederlagen erlitten hatte, Schlesien abtreten. Damit erhielt Preußen eine reiche Provinz, in der vor allem die Leinwandproduktion blühte. Aber schon bald erwog Friedrich II. die Eroberung weiterer Gebiete.

Eroberungspläne FriedrichsII. 1752

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

1756 ergab sich die Gelegenheit für den preußischen König, diesen Plan zu verwirklichen. Als neue Kämpfe zwischen England und Frankreich um ihre nordamerikanischen und indischen Kolonialbesitzungen ausbrachen, ließ sich Preußen durch Subsidienzahlungen bewegen, auf die englische Seite zu treten. Frankreich stellte daraufhin seine jahrhundertealten Gegensätze zu Habsburg zurück und verbündete sich mit Österreich, dass seinerseits Preußen die schlesische Beute wieder entreißen wollte. Diesem Bunde schlossen sich Russland und auch Sachsen an. Der Konflikt von weltweitem Ausmaß wurde zum großen Teil wieder auf dem Boden Deutschlands und Böhmens ausgetragen. Er dauerte sieben Jahre, von 1756 bis 1763, so dass dieser dritte Schlesische Krieg als Siebenjähriger Kriegbezeichnet wird.

Die preußische Armee eröffnete die Kampfhandlungen wieder ohne Kriegserklärung und überfiel zunächst Sachsen. Dessen Heer wurde nach der Kapitulation geschlossen in preußische Dienste gepresst. Das Land blieb jahrelang besetzt und musste insgesamt 50 Millionen Taler aufbringen. Spöttisch bemerkte Friedrich: „Sachsen ist wie ein Mehlsack. Man mag darauf schlagen, so oft man will, es kommt immer etwas heraus.“

Nach dem Überfall auf Sachsen stießen die Preußen nach Böhmen vor. Vergeblich belagerten sie Prag. Vom österreichischen Heer geschlagen, mussten sie nach Sachsen zurückweichen. Seither wechselten Erfolge und Niederlagen beider kriegführenden Parteien rasch. Weite Teile des mittleren und nördlichen Deutschland wurden verwüstet.

Preußen war schließlich, von allen Seiten bedrängt und durch die in Amerika siegreichen Engländer im Stich gelassen, wirtschaftlich und militärisch erschöpft. Nur das Ausscheiden Russlands aus dem Krieg bewahrte Preußen vor der drohenden Katastrophe. So konnte es am Ende des siebenjährigen Krieges Schlesien behaupten, musste aber Sachsen räumen.

Auf dem Boden des Reiches bestanden in Gestalt Österreichs und Preußens nunmehr zwei Großmächte. Ihr Gegensatz sollte ein Jahrhundert lang die Politik in Deutschland beherrschen.

Der preußische Militärstaat hatte sich als gefährlicher, hinterlistiger Angreifer erwiesen, der den Frieden in Europa immer wieder bedrohte. Seine Politik richtete sich gegen die Interessen der Völker.

 

 

Die Teilungen Polens

Schon kurze Zeit nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges bereitete Preußen einen Raubkrieg gegen Polen vor. Hier gab es kein starkes Königtum Unablässig befehdeten sich die Adligen des Landes untereinander. Die Nachbarn erblickten darum in Polen eine leichte Beute. Sie konnten außerdem immer der Unterstützung einer mächtigen Adelspartei gewiss sein. 1772 beschlossen Preußen, Österreich und Russland die erste Teilung Polens, durch die Polen ein Drittel seines Territoriums verlor. Preußen verfügte jetzt über eine Landverbindung zu seiner Provinz Ostpreußen und beherrschte den Unterlauf der Wisla. Es konnte also die Getreideausfuhr Polens kontrollieren. In den neu erworbenen Gebieten wurde die polnische Bevölkerung der Ausplünderung durch den preußischen Staatsapparat unterworfen. Preußische Junker eigneten sich die Güter flüchtiger polnischer Adliger an.

1793 und 1795 fanden weitere Teilungen Polens zwischen den Großmächten statt.

Die drei Teilungen Polens

Die drei Teilungen Polens

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Durch die Aneignung der polnischen Gebiete in den Jahren 1772-1795 wurde der polnische Staat völlig beseitigt. Nun begann für das polnische Volk ein über hundert Jahre währender Kampf. Die Knechtung Polens, an der der preußisch-junkerliche Militarismus führend beteiligt war, hemmte nicht nur die nationale Entwicklung unseres östlichen Nachbarvolkes, sondern wirkte sich auch negativ auf die weitere Geschichte unseres eigenen Volkes aus. Daher traten die fortschrittlichen Deutschen, wenn sie gegen den preußischen Militarismus kämpften, immer auch für die Wiederherstellung der nationalen Unabhängigkeit Polens ein. Hier lag auch während der DDR-Zeit eine der Wurzeln der festen Freundschaft, die die Deutsche Demokratische Republik während ihres Bestehens mit der damaligen Volksrepublik Polen verband.

 

Die Rolle des preußischen Militarismus in der Geschichte

In drei Beiträgen wurden die verschiedenen Seiten des preußischen Militärstaates  behandelt: sein Heer und seine Verwaltung, seine Schul-, Wirtschafts- und Außenpolitik. Immer wieder musste dabei festgestellt werden, dass er alle Maßnahmen auf die Schaffung eines starken Heeres ausrichtete. Ein solches System, in dem das Militär der Hauptzweck des Staates ist und das gesamte gesellschaftliche Leben bestimmt, nennen wir Militarismus.

Im preußischen Staates 18. Jahrhunderts dienste dieses militaristische System den Interessen der herrschenden Junkerklasse, deren oberster Vertreter der König war. Mit seiner Hilfe sicherte diese reaktionäre Klasse die Ausbeutung und Unterdrückung der Werktätigen(arbeitenden Menschen)im eigenen Lande und besaß zugleich ein Mittel, um fremde Gebiete zu erobern und auszuplündern.

Von reaktionären Geschichtsschreibern, im Geschichtsbuch der DDR in Vergangenheitsform, heute Gegenwartsform(heutige offizielle Geschichtsschreibung), wurde und wird die Rolle Preußens in der deutschen Geschichte jedoch ganz anders dargestellt. Die Geschichtsschreiber verfälschen absichtlich die Wahrheit. Sie wollen damit den einfachen Menschen vorspiegeln, der preußische Staat habe nur das Wohl seiner Untertanen im Auge gehabt und sei allein dazu berufen gewesen, die politische Zersplitterung Deutschlands zu überwinden. Dabei stützen sich einige Historiker auf einige Äußerungen Friedrichs II., die scheinbar zeigen, wie gut es der König mit seinem Volk gemeint hatte. Es ist allerdings nicht ehrlich, wenn dies Geschichtsschreiber absichtlich übersehen, dass die preußischen Gesetze eigentlich einen ganz anderen Inhalt hatten. Erst wenn man auch diese Gesetze liest, versteht man, dass den unten abgedruckten Worten Friedrichs II. über die Rechtsprechung nicht ohne weiteres Glauben geschenkt werden kann.

Friedrich II. zu Rechtssprechung in Preußen

 entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Punkte aus preußischen Landrecht von 1794

 entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Allein schon die Tatsachen aus der Geschichte des 18. Jahrhunderts lehren, dass der preußische Staat mit dem Schweiße und dem Blute seiner Untertanen zusammengefügt und auf Kosten des deutschen Volkes und seiner Nachbarvölker vergrößert wurde.

Der preußische Militarismus spielte, bzw. spielt in der deutschen Geschichte stets eine verhängnisvolle Rolle. Vor allem solche Merkmale wie der Kadavergehorsam in der Armee und der Untertanengeist im gesamtgesellschaftlichen Leben wurden von den herrschenden Klassen in ihrem Interesse nachdrücklich betont. Es bleibt zu hoffen, dass noch viele Geschichtsbücher der DDR erhalten geblieben sind und in den Antiquariaten angeboten werden. Denn nur so kann die Nachwelt sich von den reaktionären Geschichtsschreibern unabhängig machen. DIE TROMMLER leistet in mit seinen bescheidenen Möglichkeiten einen kleinen Beitrag dazu.

Der Militarismus half, die Junkerherrschaft auch über das Ende der Feudalzeit hinaus zu erhalten. Ständig drohte die Gefahr, dass die preußisch-deutschen Militaristen mit Hilfe ihrer schlagkräftigen Armee ihre Eroberungspläne durch neue Angriffskriege in die Tat umsetzten. Im Inneren Deutschlands behinderten sie jede fortschrittliche Entwicklung für lange Zeit.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Die Eroberungskriege Friedrichs II.

 

 

 

 

Werbeanzeigen

Der preußische Militärstaat

Das Königreich Brandenburg-Preußen

Durch den Westfälischen Frieden hatte Brandenburg-Preußen besonders umfangreiche Erwerbungen erlangt. Seiher überragte es, neben den kaiserlich-habsburgischen Besitzungen, deutlich die Masse der mittleren und kleineren Territorien. Seit 1701 war Brandenburg-Preußen ein Königreich. Es bestand aus recht unterschiedlich entwickelten und weit auseinanderliegen Teilen. In den Kernprovinzen Brandenburg und Ostpreußen gab es nur wenige und zudem meist verarmte Städte. So besaßen die junkerlichen Gutsbesitzer das eindeutige Übergewicht gegenüber dem Bürgertum.

Brücke und Schlagbaum

Brücke und Schlagbaum. Erst wenn der „Brückenzoll“ entrichtet war, durften die Wagen der Kaufleute passieren.

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die oft zufälligen Erwerbungen räumlich miteinander zu verbinden und sie auch innerlich zusammenzuschweißen, das war das politische Hauptziel der preußischen Könige aus dem Geschlecht der Hohenzollern. Als Hauptmittel diente ihnen der Aufbau einer absolutistischen Herrschaft. Vor allem kam es ihnen darauf an, eine schlagkräftige Armee zu schaffen.

 

Der militaristische Charakter des preußischen Heeres

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts, während der Regierungszeit König Friedrich Wilhelms I. (1713-1740), wurde das preußische Heer zu einem der stärksten in Europa. Die Soldaten waren in der Mehrzahl preußische Untertanen, die fast ausschließlich der Bauernklasse Ostelbiens entstammten. Die einzelnen Regimenter erhielten einen ständigen „Kanton“ zugeteilt, das heißt einen Bezirk, in dem sie ihre neuen Soldaten ausheben sollten. Hier wurden die Dienstpflichtigen schon mit dem 10. Lebensjahr listenmäßig erfasst. Das nur dünn bevölkerte Preußen konnte aber die Reihen des schnell wachsenden Heeres nicht füllen. Deswegen wurden preußische Offiziere als Werber in die benachbarten  Länder geschickt. Die brachten ihre Opfer oft nur mit List, Betrug oder gar Gewalt dazu, das Handgeld anzunehmen, wodurch diese sich zu lebenslangem Söldnerdienst verpflichteten.

Erlass der Regierung Hannovers

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Ein solches bunt zusammengewürfeltes Heer war nur mit brutalsten Mitteln zu dirigieren. Der Stock, der den Soldaten einbläute, dass die  Befehle ihrer Vorgesetzten blindlings zu befolgen hatten, kennzeichnete fortan die preußische Armee. In ihr herrschte schlimmster Kadavergehorsam, das heißt, die Soldaten sollten vollkommen willenlose Werkzeuge in der Hand ihrer Offiziere sein.

Strengste Disziplin, in jahrelangem Drill, bei ständig wiederholten Exerzierübungen anerzogen, erforderte auch die Kampfweise der Infanterie: In langen, aber nur drei Glieder tiefen Reihen(Linien)rückten die Fußtruppen im Marschschritt vor. Dabei sollten sie möglichst schnell und zur gleichen Zeit schießen. Zielen war sogar, um Zeit zu sparen, streng verboten. Mit den damaligen Gewehren, Vorderladern mit glatten Läufen, hätte es auch kaum etwas genützt. Es kam mehr auf die Wirkung des Salvenfeuers an. Die preußische Armee, die diese Kampfweise, die sogenannte Linientaktik, schließlich perfekt beherrschte, brachte es immerhin auf zwei bis drei Schuss in der Minute. Im Rücken der Soldaten folgten die Offiziere, die jeden Zurückweichenden mit dem Tode bedrohten.

Angesichts der ständigen Schikanen und entehrenden Strafen – mindestens Spießrutenlaufen, im Wiederholungsfalle der Tod durch den Strang. Dennoch desertierten in jedem Jahr Hunderte.

Anordnung des preußischen Königs gegen Fluchtversuche von Soldaten

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Im preußischen Heer nahmen fast ausschließlich Adlige die Offiziersstellen ein. Dadurch unterstanden die Junker der Befehlsgewalt des Königs. Zugleich erwies sich die Armee für sie als Quelle unmittelbarer Bereicherung. Hierbei ging es nicht allein um die Besoldung der Offiziersstellen, sondern vor allen Dingen um die sogenannte Kompaniewirtschaft. Die Kompaniechefs empfingen für die Kosten der Ausrüstung und Verpflegung und des Soldes eine feste Geldsumme, über die sie allein verfügten. Dabei suchten sie Ausgaben zu sparen, wo sie nur konnten. Immer mehr Monate jährlich wurden Soldaten beurlaubt. Lediglich im Frühsommer mussten alle zum Exerzieren anwesend sein. Die Junker zogen daraus einen doppelten Vorteil: Sie sparten für diese Zeit den Sold und bekamen für die Feldarbeiten auf ihren Gütern die dringend benötigten Arbeitskräfte, die obendrein der militärischen Disziplin unterlagen. Die „Ausländer“, die angesichts der langen Dienstzeit oft verheiratet waren, blieben zumeist in ihren Garnisonstädten und verrichteten mit ihren Frauen und Kindern gewerbliche Arbeiten, da ihr kärglicher Sold nicht zum Lebensunterhalt ausreichte.

Stärke der Armeen 1740

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

In Preußen kostete das Heer um 1740 8 bis 9 Zehntel aller Staatsausgaben. Damals stand das Land der Bevölkerung nach in Europa an 13., der Fläche nach an 10.,der Heeresstärke nach aber an 4. Stelle! So hieß es zu Recht, Preußen sei nicht ein Land mit einem Heer, sondern ein Heer mit einem Land.

Die Zustände im preußischen Heer und seine überragende Stellung im preußischen Staat sich wichtige Merkmale des Militarismus.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

 

Der preußische Militärstaat

 

 

 

Das Vaterland in Gefahr

Jakobiner und Girondisten

Dem Klub der Jakobiner, der das Volk beim siegreichen Aufstand vom 10. August 1792 geführt hatte, gehörten Handwerker, Ladenbesitzer, kleine Fabrikbesitzer, Schriftsteller, Rechtsanwälte und Ärzte an. In ihrem Klub berieten sie jeden Abend über die Lage des Volkes und wie die Revolution weitergeführt werden sollte. Die Beschwerden des Volkes, die im Jakobinerklub vorgetragen wurden, brachten denn diejenigen Mitglieder, die Abgeordnete des Konvents waren, dort vor.

In den Departments gab es auch Jakobinerklubs, die dem Klub in Paris ständig berichteten, was auf dem Lande vorging. Alle Jakobiner einte der Wille fest verbunden mit dem Volk die Feinde der Revolution zu schlagen.

Doch nach dem 10. August 1792 hatten zunächst die Girondisten die Herrschaft angetreten. Sie kamen aus dem Gebiet der Gironde und vertraten die Interessen der Handelsbourgeoisie in den Hafenstädten. Auch sie waren für die Republik, hatten aber wenig Verbindung zum Volk. Auch fehlte ihnen die nötige Entschlossenheit im Kampf gegen den Feind. Als im August 1792 die preußisch-österreichische Armee gegen Paris marschierte, wollte die Regierung der Girondisten nach Südfrankreich fliehen.

Danton(1759-1794)

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Darauf geißelte Danton diese Feigheit.

Dantons Rede gegen Feigheit der Regierung

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Der Sieg von Valmy

Die Jakobiner zwangen der Regierung entschlossen Maßnahmen zur Abwehr des Feindes auf. 100 000 Freiwillige, meist Bauern, Handwerker und Gesellen, zogen an die Front.

Werbung von Freiwilligen für Revolutionsarmee

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Der Herzog von Braunschweig, der die preußisch-österreichische Armee befehligte, drohte, „Paris dem Erdboden gelichzumachen, falls dem König oder seiner Familie die kleinste Gewalttätigkeit zugefügt“ werde. Doch unerschrocken sangen die Franzosen, die an die Front marschierten, das Lied der Freiwilligen aus Marseille, Dieses Lied, die Marseillaisegenannt wurde zur französischen Nationalhymne.

 

 

 

Erste Strophe Marseille

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die französischen Soldaten waren nur mangelhaft ausgerüstet und die vielen Freiwilligen noch ungeübt im Kriegsdienst. Aber sie beseelte der Gedanke: Wir müssen den Feind zurückschlagen, sonst bleiben alle Opfer, die wir seit dem Sturm auf die Bastille für die Revolution gebracht haben, umsonst. Die französischen Soldaten waren überzeugt, für eine gute und gerechte Sache zu kämpfen. Und das verlieh ihnen ungeheure Kraft. Am 20. September 1792 trafen bei Valmy die beiden Armeen aufeinander. Die Kanonenkugeln der Österreicher und Preußen rissen große Lücken in die Reihen der Franzosen. Doch der Ruf „Es lebe die Nation“ gab ihnen immer wieder Mut. Sie wehrten die Angriffe der gut ausgebildeten Truppen des Feindes ab und zwangen sie zum Rückzug. Goethe, der den Herzog von Weimar begleitete, beobachtete die Schlacht.

Goethe über Schlacht bei Valmy

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Mit dem Erfolg bei Valmy errang das revolutionäre Frankreich in einem gerechten Krieg einen ersten Sieg über die konterrevolutionären Feudalmächte. Die französischen Armeen retteten die Revolution und gingen jetzt zum Gegenangriff über.

 

Errichtung der Jakobinerherrschaft

In den Städten und Dörfern Frankreichs jubelten die Menschen über den Sieg von Valmy und die Ausrufung der Republik. Doch bald verbreiten sich Enttäuschung und Zorn. Die Regierung der Girondisten ließ es zu, dass die Getreidehändler und die Kaufleute in den Häfen den Kriegszustand ausnutzten, um das Korn und den Zucker zu Wucherpreisen zu verkaufen. Das Brot wurde immer teurer, und oft brachten die Händler überhaupt kein Getreide auf den Markt, um die Preise noch höher zu treiben. Im Frühjahr 1793 hungerte das Volk genauso wie vor der Revolution. An vielen Orten stürmte die Menge die Bäckerläden. Es bildeten sich bewaffnete Abteilungen, die Mehltransporte anhielten und das Mehl zu niedrigen Preisen verkauften. Auch die Bauern erhoben sich, da sie weiterhin die Abgaben für den Boden bezahlen sollten.

Der Zorn des Volkes gegen die Girondisten erreichte seinen Höhepunkt, als es durch die Zeitung Marats „Der Volksfreund“ erfuhr, dass einige girondistische Generäle Verhandlungen mit dem Feind anknüpften. Robespierre klagte im Konvent die Führer der Girondisten des Verrats an und forderte ihre Verhaftung. Die Pariser Stadtbezirke sandten täglich Abordnungen zum Konvent, die das Gleiche verlangten.

Am 02. Juni 1793 bewaffneten sich die Handwerker, Gesellen und Arbeiter von Paris erneut. Sie umzingelten den Konvent und erreichten, dass die Führer der Girondisten verhaftet und die Regierung den Jakobinern übergeben wurde.

Die Jakobiner errichteten für die Zeit des Krieges eine Revolutionsregierung, die Jakobinerdiktatur. Dabei wurde die politische Macht im Wohlfahrtsausschuss zusammengefasst, der im Auftrag des Konvents regierte.

Durch die Revolutionsauschüsse und Beauftragte(Kommissare)bei den Armeen und in den Departments konnte der Wohlfahrtsausschuss, in dem Robespierre der führende Kopf war, seinen Willen in allen Teilen Frankreichs durchsetzen.

Organisation Jakobiner-Herrschaft

Wie die Jakobiner ihre Herrschaft organisierten

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Das Vaterland in Gefahr

 

Die Jakobiner als Retter der Revolution

Der Kampf gegen die Tyrannei

Nachdem die Jakobiner die Revolution vollendet und die inneren Feinde niedergeworfen hatten, blieb aber noch das Schwerste zu tun: Der Kampf gegen die tödliche Bedrohung durch die Feudalmächte Europas. Mit englischem Geld stellten diese Mächte ein Heer nach dem anderen auf, um Frankreich zu erobern und die Herrschaft des Königs wiederherzustellen.

Beachte: Das bürgerliche England verbündete sich mit den großen Feudalstaaten gegen das bürgerliche Frankreich!

Wollte Frankreich diesen Krieg erfolgreich beenden, mussten alle Franzosen ihren Teil dazu beitragen. Deshalb nahm der Konvent das vom Wohlfahrtsausschuss geforderte Gesetz über die Teilnahme aller Bürger am Kampf gegen die äußeren Feinde an.

Gesetz über Teilnahme am Kampf gegen äußere Feinde

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Eine Schwierigkeit im Kampf mit den äußeren Feinde bestand darin, dass die Soldaten bekleidet, verpflegt und bewaffnet werden mussten, während die englischen Kreuzer alle Zufuhren aus Übersee sperrten. Der Wohlfahrtsausschuss ließ deshalb Geschütz- und Gewehrfabriken bauen. Berühmte französische Gelehrte erhielten ein Schloss und einen Park zur Verfügung gestellt. Dort erfanden sie ein Verfahren, Das Kupfer aus der Bronze der Glocken auszuscheiden. Dort entwickelten sie die ersten Zeichentelegraphen und die ersten militärischen Luftballons.

Der Wohlfahrtsausschuss entsandte auch Kommissare zu den Armeen. Zu ihnen gehörte Saint Just, der selbst Mitglied des Ausschusses war.

Saint Just(1767-1794)

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Er kam nach Straßburg zur Rheinarmee. Sofort befahl er: Die Reichen der Stadt haben innerhalb von 24 Stunden 9 Millionen Livres zur Versorgung der Armee zu bezahlen und 2000 Betten für die Verwundeten bereitzustellen. Das Geld und die Betten waren zur Stelle. Als Saint Just sah, dass die meisten Soldaten keine Schuhe mehr hatten, sagte er der Stadtverwaltung von Straßburg: „Zehntausend Menschen in der Armee sind ohne Schuhe; heute noch müsst Ihr allen Adligen von Straßburg die Schuhe ausziehen, damit morgen um 10 Uhr früh Zehntausend Paar Schuhe auf dem Wege zur Armee sind!“ Auch die Schuhe waren zur Stelle.

Mit Hilfe des gesamten französischen Volkes organisierten die Jakobiner in kurzer Zeit eine schlagkräftige Millionenarmee.

 

Die Umgestaltung der Armee

Neben Saint Just war im Wohlfahrtsausschuss besonders Lazare Carnot für die Armee verantwortlich. Er erhielt später den Beinamen „Organisator des Sieges“. Im Heer des Königs war er Pionierhauptmann gewesen und durfte nicht einmal eine Kompanie führen. Jetzt leitete er mit seinen Kollegen im Wohlfahrtsausschuss eine Millionenarmee. Doch Carnot war nur ein Beispiel für viele: Wer tapfer und klug war, konnte in der Armee schnell befördert werden. Es herrschte eine strenge, aber keine kleinliche Disziplin. Das Schlagen, Auspeitschen und Spießrutenlaufen, wie es in den Armeen der Fürsten üblich war, gab es nicht.

Die Jakobiner schufen aus den zu Eigentümern ihres Bodens gewordenen Bauern eine Armee von bewussten und treuen Kämpfern, die die Sache der Revolution verteidigten.

Kampf des revolutionären Frankreich gegen innere und äußere Feinde

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Schlachtordnung

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Einschätzung französischer Revolutionssoldaten durch Deutschen

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Mitglied des Wohlfahrtsausschusses über den Krieg

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Bereits im Herbst 1793 war Toulon, das die Engländer besetzt hielten, nach längerer Belagerung zurückerobert worden. Ein junger Artilleriehauptmann, Napoleon Bonaparte, hatte den Plan zur Rückeroberung der Stadt ausgearbeitet und seine Durchführung geleitet. Der Konvent beförderte ihn dafür zum General. Bis zum Ende des Jahres 1793 waren die Feinde vom französischen Boden vertrieben.

In der Schlacht kämpften die Revolutionssoldaten sehr geschickt. Sie stellten sich nicht in langen Linien auf, wie die Heere der Fürsten. Sie bildeten Kolonnen, die schnell von einem zum anderen Flügel der Front eilen konnten. Um dem Artilleriefeuer zu entgehen, lösten die Franzosen dann ihre Kolonnen auf. Jeder Soldat suchte Deckung im Gelände. Es entstanden lose Schützenschwärme, die schnell die starre Schlachtordnung der Österreicher und Preußen durcheinanderbrachten.

Um den Feind, der auch noch im Frühjahr 1794 die Grenzen Frankreichs bedrohte, endgültig zu schlagen, drangen die Revolutionsarmeen in die Nachbarländer ein.

Befehl Carnots an die Generäle

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Diesen Befehl setzten die von revolutionärer Begeisterung erfüllten Offiziere und Soldaten in die Tat um. Sie errangen im Sommer 1794 den entscheidenden Sieg über die europäische Konterrevolution. Die Anstrengungen der Jakobiner hatten es möglich gemacht, den Feind so zu schlagen, dass die Gefahr einer Eroberung Frankreichs und einer Wiederherstellung der alten Zustände gebannt wurde.

 

Geschichtsbuch DDR 7. Klasse Kopie

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Jakobiner als Retter der Revolution

 

 

Eleonore Prochaska

Marie Eleonore Proschaska, geboren am 11. März 1785 in Potsdam, gestorben am 5. Oktober 1813 in Dannenberg, war eine Deutsche Soldatin in den Befreiungskriegen.

Siehe Beitrag auf You Tube:

 


 

Eleonore Prochaska kam am 11. März 1785 in Potsdam zur Welt. Ihr Vater war Unteroffizier in einem preußischen Bataillon der Garde. Als er 1793 in den Krieg gegen Frankreich ziehen musste, war die Mutter nicht in der Lage, sich um die Kinder zu kümmern. Eleonore und ihre drei Geschwister wurden in das Große Militärwaisenhaus in Potsdam eingewiesen. Dort blieb sie bis 1797 und kehrte dann zu ihrem Vater zurück, der den Dienst verlassen hatte und von seiner Rente und vom Musikunterricht lebte. Um 1808/1809 interessierte sie sich für die Volksaufstände in Spanien und Tirolgegen Napoleon. Um diese Zeit verließ sie den väterlichen Haushalt und um 1810 diente sie als Köchin in einem Potsdamer Bürgerhaus.

Gedenktafel am Haus Lindenstraße 34 in Potsdam

Gedenktafel am Haus Lindenstraße 34 in Potsdam

Bildquelle: Von OTFW, Berlin – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4461172

 

 

Ende Juni 1813 trug sie sich unter dem Namen August Renz in die Stammrolle des Jägerdetachements des 1. Bataillons des Lützowschen Freikorps ein. Leutnant Otto Preuße schrieb:

„Wir standen in Sandau an der Elbe. Hier kam auch ein Jäger Renz zur Kompanie – wie sich später zeigte, ein Mädchen Namens Prochaska. Er wurde Flügelmann, 5 Fuß, 8 Zoll, 3 Strich hoch – Es wurden uns englische Schuhe geliefert, alle bedeutend zu groß, doch zu klein für Renz und ich musste besonders für ihn ein Paar arbeiten lassen. Seine Sprache war nicht besonders fein, so dass niemand in ihm ein Mädchen vermuten konnte. Übrigens kochte er vortrefflich in den Biwaks.“[3]

Brief Eleonores an ihren Bruder Kopie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Das Freikorps Lützow verstärkte im Juli 1813 das Armeekorps von General Wallmoden, das an der Niederelbe positioniert war. Als Mitte August der Krieg erneut losbrach, stand Prochaskas Einheit in Büchen. Ihre Abteilung machte die ganze Kampagne mit, wurde aber in den vielen Scharmützeln gegen die Armee von Davout (Lauenburg, Vellahn, Gadebusch, Mölln usw.) nicht eingesetzt. Die Schlacht an der Göhrde im September 1813 wurde die erste ernste Kampfprobe für die Kompanie und für Prochaska.

Eleonore Proschaska Kopie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

In der Schlacht an der Göhrde wurde sie durch eine Kartätsche schwer verwundet, als sie versuchte, einen verletzten Kameraden aus der Kampflinie zu tragen. Ein herbeigeeilter Vorgesetzter, der ihre Wunden versorgte, entdeckte ihr wahres Geschlecht und ließ sie in ein Bürgerhaus nach Dannenberg bringen, wo sie drei Wochen später ihren Verletzungen erlag.

Gedenktafel für Eleonore Prochaska an ihrem Sterbehaus, Lange Straße, Dannenberg

Gedenktafel für Eleonore Prochaska an ihrem Sterbehaus, Lange Straße, Dannenberg

Bildquelle: Von Hermann Junghans – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37408791

 

 

Ehrungen

Eine Zeitungsmeldung vom 7. Oktober 1813 berichtete: „Heute morgen um 9 Uhr wurde die Leiche der in der Schlacht bei Göhrde verwundeten Eleonore Prochaska zur Erde bestattet, welche als Jäger im Lützowschen Korps unerkannt ihren Arm aus reinem Patriotismus der heiligen Sache des Vaterlandes geweiht hatte. Gleich einer Jeanne d’Arc hatte sie mutvoll gekämpft den Kampf für König und Vaterland […] Trauernd folgten ihr das hannoversche und russisch-deutsche Jägerkorps, Se. Excellenz der Herr Minister und Grandmaitre de la Garderobe außerordentlicher Gesandter Graf von Grote, Ihr Kommandeur und Oberst Herr Graf von Kielmannsegg, mit sämtlichen Offizieren an der Spitze, und zollten ihrem Mut den letzten Beweis öffentlicher Würdigung ausgezeichneter Tapferkeit und weiblichen Heroismus.“

In der Folgezeit wurde sie als jungfräuliche Heldin stark idealisiert und als die „Potsdamer Jeanne d’Arc“ verehrt. Verschiedene Dramen und Gedichte wurden über sie geschrieben, unter anderem „Auf das Mädchen aus Potsdam, Prochaska“ von Friedrich Rückert.

Im Jahr 1865 wurde an ihrem Grab auf dem St.-Annen-Friedhof in Dannenberg ein Denkmal errichtet und 1889 erhielt ihre Heimatstadt Potsdam ihr zu Ehren ein Denkmal („Der Heldenjungfrau zum Gedächtnis“), das sich auf dem fast vollständig abgeräumten Alten Friedhof erhalten hat.

Grabstätte von Eleonore Prochaska auf dem ehemaligen St.-Annen-Friedhof in Dannenberg

Grabstätte von Eleonore Prochaska auf dem ehemaligen St.-Annen-Friedhof in Dannenberg

 

Bildquelle: Von Christian Fischer, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37344683

 

 

Auch musikalisch wurde ihr ein bemerkenswertes Denkmal gesetzt: Ludwig van Beethoven komponierte zum Gedenken an die Heldin zu dem (verschollenen) Schauspiel „Leonore Prohaska“, geschrieben vom Königlich preußischen Geheimsekretär Friedrich Duncker (1815), eine Schauspielmusik, bestehend aus einem Krieger-Chor, einer Romanze, einem Melodram und einem Trauermarsch (Werk ohne Opus 96). Eine literarische Würdigung erfuhr das Schicksal der ungewöhnlichen Frau durch den von Birgid Hanke verfassten Roman „Flammen der Freiheit“ (2013).

Denkmal für Eleonore Prochaska auf dem Alten Friedhof (in Potsdam)

Denkmal für Eleonore Prochaska auf dem Alten Friedhof (in Potsdam)

Bildquelle: Von karstenknuth – Eigenes Werk (Originaltext: eigene Arbeit), Attribution, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=5705194

 

 

 

Der Mythos der Lützower Trommlerin

 

Der Leutnant Friedrich Christoph Förster, der am Angriff der Lützower an der Göhrde teilnahm, erzählte in seinem 1863 erschienenen Buch, wie Prochaska, um ihre Kameraden zu ermutigen, mit einer liegen gelassenen Trommel den Angriff fortsetzte. Als sie schwer getroffen wurde, konnte sie noch Förster ihre weibliche Natur preisgeben: „Herr Leutnant, ich bin ein Mädchen.“

Die Geschichte der Trommlerin fand sofort eine große Verbreitung und heute noch ist dieses Bild der Lützower Trommlerin von der Person Prochaska nicht weg zu denken.

Dieser Bericht von Förster ist allerdings von ihm frei erfunden worden. Alle früheren Quellen sind einig über die Tatsache, dass Prochaska getroffen wurde, als sie einen Kameraden aus der Feuerlinie wegtragen wollte und dass sie sich nicht dem Leutnant Förster, sondern wahrscheinlich dem Feldwebel Markworth, einem Schullehrer aus Berlin, offenbarte.

Ihre Person wurde immer wieder neu interpretiert und erfuhr im Laufe der Zeit mehrere Vereinnahmungen aus verschiedenen politischen Richtungen. Prochaska wurde nach und nach eine Symbolfigur für Patrioten, Nationalisten, Kriegsbefürworter, Kommunisten und Feministinnen.

 

Proschaska und die Gender-Forschung

 

Seit den 1990er Jahren bietet die Geschlechterforschung (mit zum Beispiel der deutschen Historikerin Karen Hagemann) eine neue Interpretation der Figur Prochaskas an. Mit der Einführung der Wehrpflicht in Preußen nach der vernichtenden Niederlage von Jena 1806 und während der Befreiungskriege 1813 hätte sich eine neue Ausformung der Männlichkeit herauskristallisiert. Der Mann wird Nationalkrieger und Staatsbürger und gegenüber dem mutigen männlichen Kämpfer entwickelt sich als Pendant eine „vaterländische“ Weiblichkeit. Frauen bekommen dabei die Rolle von „Heldenmüttern“, „Kriegerbräuten“ oder „hochherzigen Pflegerinnen“. In diesem Zusammenhang erscheint Prochaska (so wie die anderen Frauen, die in den Befreiungskriegen gekämpft haben) als Person, die den Handlungsrahmen ihrer zugedachten Rolle als Frau aus patriotischen Gründen nicht akzeptiert und überschreitet. Prochaska zieht in den Krieg, nicht nur um zu kämpfen, sondern auch um ihre Aufgaben als Bürgerin wahrzunehmen.

 

Andere Frauen in den Befreiungskriegen

 

Neben Eleonore Prochaska haben während der Freiheitskriege noch weitere Frauen in den beteiligten Armeen gekämpft, so beispielsweise die russische Offizierin Nadeschda Durowa oder die Tirolerin Katharina Lanz. Allerdings wurden fast alle, nachdem sie als Frauen erkannt wurden, aus dem Militärdienst entlassen. Die einzige Ausnahme war wohl Friederike Krüger (1789–1848), die dank Protektion ihres Brigadekommandeurs der einzige bekannte weibliche Unteroffizier der preußischen Armee wurde. Zuletzt diente sie im 2. Garde-Regiment zu Fuß. 1816 wurde ihr Abschiedsgesuch bewilligt und sie zog sich in das Zivilleben zurück.

 

Siehe auch:

Liste als Mann verkleideter Militärpersonen

 

Heute gibt es in einigen Ländern, darunter auch im heutigen Deutschland, offiziell Frauen bei der Armee, auch in der kämpfenden Truppe. Das ist aber umstritten.

 

Anmerkung: Kein Geschichtsbuch schreibt, wie als Mann verkleidete Frauen es geschafft haben sich zu waschen, Wäsche zu wechseln und auf Toilette zu gehen.(An die Monatshygiene muss man bei Frauen auch denken.)

 

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

Theodor Körner

Carl Theodor Körner, geboren am 23. September 1791 in Dresden, gestorben am 26. August 1813 im Forst Rosenwo bei Lützow bzw. Gadebusch, war ein Dichter und Dramatiker. Berühmt wurde er für seine Dramen für das Wiener Burgtheater und besonders seine Lieder in den Befreiungskriegen. Nachdem er  im Lützwschen Freikorps gefallen war, wurde er zu patriotischen Identifikationsfigur.

Theodor Körner, porträtiert von seiner Tante Dora Stock (nach einer Pastellminiatur von seiner Schwester Emma Sophie Körner), 1813:1814

Theodor Körner, porträtiert von seiner Tante Dora Stock (nach einer Pastellminiatur von seiner Schwester Emma Sophie Körner), 1813/1814

Bildquelle: Von Dora Stock (1788–1815) – Unbekannt, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=617244

Die Familie Körner pflegte regen gesellschaftlichen, künstlerischen und geistigen Austausch. Neben Schiller bestanden enge Kontakte zu Goethe, Heinrich von Kleist, dem Grafen Friedrich Leopold vonGeßler, Christoph Friedrich Nicolai, Wilhelm und Alexander von Humboldt, Novalis und den Brüdern August Wilhelm und Friedrich Schlegel.

Wie der Vater verfügte Körner über musikalisches Talent. Er besaß zeichnerische Begabung wie seine Mutter und seine Schwester Emma, die das letzte Bild Theodors bei seinem Aufenthalt als Lützower Jäger im April 1813 von ihm schuf. Beide sangen später an der zelterschen Liedertafel und Theodor in Wien in Streichers Chor. Er beherrschte auch eine Anzahl Instrumente, am liebsten war ihm jedoch die Gitarre.

Zunehmend machte sich seine dichterische Begabung bemerkbar. Kaum eine von Emmas Freundinnen wurde von ihm nicht dichterisch umworben: „An Augusten“, „An Theresen“, „An Henriette“ sind die Titel einiger Gedichte.

1808 begann er sein Studium an der Bergakademie Freiberg und schloss sich der damaligen Landsmannschaft der Montanen, dem heutigen Corps Saxo-Montania an. Dort wurde er vom Geologen Abraham Gottlob Werner gefördert. Zunächst interessierte er sich mehr für die praktische Seite, fuhr in Bergmannstracht unter Tage und fühlte sich bei der harten Arbeit der mächtigen Natur verbunden. Später wandte er sich allerdings der theoretischen Seite zu. Häufige ausgedehnte Fußreisen führten ihn zur Burg Gnandstein, von Dresden über das Elbsandsteingebirge ins Böhmische Mittelgebirge und ins Riesengebirge. Eine reichliche Auslese von Naturgedichten war die Folge.

Bereits 1810 erschien sein erster Gedichtband, die „Knospen“,bei Göschen.

Im Sommer desselben Jahres wechselte er an die Universität Leipzig, schloss sich der damaligen Landsmannschaft Thuringia an und begann Geschichte und Philosophie zu studieren. Körners Studentenleben gestaltete sich der Zeit entsprechend wild, und wenn es galt, der adligen Koterie Paroli zu bieten, war er stets dabei. Aufgrund der drohenden Relegation nach einem verbotenen Duell wechselte Körner 1811 nach Berlin, stiftete dort das Corps Guestphalia I und hörte Vorlesungen bei Johann Gottlieb Fichte, Friedrich Schleiermacher und Barthold Georg Niebuhr. Dort sang er in der zelterschen Sing-Akademie zu Berlin und turnte unter Friedrich Ludwig Jahn und Friedrich Friesen.

Körners handschriftliche Beschreibung des Systems der Hiebe beim Fechten, entstanden in seiner Freiberger Studienzeit

Körners handschriftliche Beschreibung des Systems der Hiebe beim Fechten, entstanden in seiner Freiberger Studienzeit

Bildquelle: Von Theodor Körner – Einst und Jetzt Band 4 (1959) nach Seite 16, nach Vorlage aus dem Körner Museum in Dresden (Im 2. WK vernichtet), Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12436579

Eine Krankheit mit Fieber machte einen längeren Aufenthalt in Karlsbad erforderlich. In dieser Zeit erfolgte die Relegation von allen mit Leipzig in Kompaktatverhältnis stehenden Universitäten, wozu auch Berlin gehörte. Nach Heidelberg wollte, aber nach Wien sollte der allzu temperamentvolle Student auf Wunsch seines Vaters nun gehen.

In Wien hatte er freundschaftliche Kontakte zu den ihm aus seinem Elternhaus Bekannten, insbesondere zu Wilhelm von Humboldt, aber auch zu Friedrich Schlegel, dessen Frau Dorothea und ihrem Sohn Philipp Veit. Freundliche Aufnahme fand er im Salon der Baronin Henriette von Pereira-Arnstein, Tochter der Fanny von Arnstein, wo er häufig seine Gedichte oder einige der damals im Schwange verbreiteten Schauergeschichten vortrug. Auch lernte er dort die Dichterin Caroline Pichler kennen.

Gedenktafel an Wohnung Wien

Gedenktafel: Köllerhofgasse 3, Körners Wohnung in Wien

Bildquelle: Von Viennpixelart – Eigenes Werk, CC BY-SA 4.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=34218253

Zunächst belegte er noch Vorlesungen, doch traten seine Studien zunehmend gegenüber seinem dramatischen Schaffen in den Hintergrund. Binnen weniger Monate hatte er mehrere kürzere Schauspiele, insbesondere Lustspiele, für das Burgtheater geschrieben. Hier lernte er die so hübsche wie talentierte Schauspielerin Antonie Adamberger kennen, Tochter des bereits verstorbenen und von Mozart sehr geschätzten Hofsängers Josef Valentin Adamberger. Eine tiefe Leidenschaft ergriff ihn, und noch 1812 verlobten sich beide.

Im Sommer 1812 schrieb Körner sein größtes Drama, den „Zriny“.DieParallele des ungarischen Heldenkampfes gegen die türkischen Eroberer zu dem Freiheitskampf gegen die französische Fremdherrschaft war unverkennbar.

Eine glanzvolle Karriere als Dramatiker schien ihm offenzustehen, denn sowohl vom Fürsten Lobkowitz als auch vom Grafen Ferdinand Pálffy erhielt er Anstellungsverträge als Theaterdichter. Körner entschied sich für die Stelle am Burgtheater und erhielt als solcher den Titel eines k. k. Hoftheaterdichters. Auf diese Weise lernte er auch Ludwig van Beethoven kennen, für den er im Februar 1813 das Opernlibretto „Ulysses’ Wiederkehr“ entwarf. Aber bereits im März 1813 kündigte er diese Stelle, als Preußen sein Volk im Kampf gegen Napoleon zu den Waffen rief.

Als bereits prominenter Dichter trat Körner dem Lützowschen Freikorps bei, das sich gerade in Breslau(heute Polen) formierte, und traf unter den dort enrollierten Patrioten alte Bekannte wie Jahn und Friesen.

Körner, durch frühere tagelange Wanderungen in Böhmen und Sachsen an ermüdende Märsche gewöhnt, ließ sich zunächst der Infanterie zuteilen, die im schlesischen Zobten(heute Polen) Quartier bezog. „Frisch auf, ihr Jäger, frei und flink“ und andere Gedichte schrieb er in rascher Folge, schon wurden sie zu bekannten Melodien von seinen Kameraden gesungen. Ein von ihm verfasster Choral erklang zur Einsegnung des Korps in der Kirche zu Rogau(heute Polen) am 27. März. Am folgenden Tage rückte die Truppe in Richtung Sachsen aus. Dieses war zuvor bereits von verbündeten Truppen besetzt worden. Am 6. April erreichte der Dichter, der seinem Korps als Marschkommissar vorauseilte, Dresden und besuchte seine Familie.

Die Lützower zogen über Leipzig, wo auf dem Schneckenberg das bekannte Lied „Lützows wilde verwegene Jagd“ entstand, nordwärts und hatten so keine Gelegenheit, an den sich vornehmlich weiter südlich abspielenden Kampfhandlungen teilzunehmen.

 

Verdrossen meldete der tatendurstige Dichter, der mittlerweile zum Leutnant befördert worden war, nach Hause: „Derweilen sitze ich hier an der Elbe und recognoscire, und finde nichts, sehe nach Westphalen über, und sehe nichts, lade meine Pistolen, und schieße nichts.“ Eins seiner dort entstandenen Gedichte lautete folgerichtig „Missmut“.

Der weitere Marsch nach Norden zur Unterstützung des Wallmodenschen Korps endete, als Hamburg aufgegeben wurde. Lützow wendete sich wieder nach Süden.

Am 24. Mai trat der Dichter zur Kavallerie über, da er hoffte, hier seinem Tatendrang genügende Aufgaben zu finden, und avancierte zu Lützows Adjutanten. Tatsächlich kam es nun zu häufigen Geplänkeln und Überfällen auf kleinere Einheiten des Gegners. In einem Handstreich beraubte Körner das berühmte Gestüt in Wendelstein an der Unstrut seiner Pferde.

Am 8. und 9. Juni 1813 hatten die Lützower Jäger ihr Biwak in Eichigt im sächsischen Vogtland auf der Husarenwiese neben der Kirche aufgeschlagen; ein Angriff auf Hof in Oberfranken war geplant. Während Lützow bei Pfarrer Johann Christian Wirth gastliche Aufnahme fand, war Körner im Biwak. Die auf der Wiese stehende Linde erhielt aus diesem Grunde den Namen Körnerlinde.

Erst am 9. Juni erfuhr Lützow, zunächst auch nur vage, vom Waffenstillstand, der zwischen den Alliierten und Napoleon geschlossen worden war, und erst am 14. hatte er Gewissheit. Den Bestimmungen nach hätte das Korps bereits zwei Tage zuvor auf preußischem Boden sein müssen. Statt ins neutrale Böhmen zu ziehen, das nur wenige Stunden entfernt lag, ließ Lützow die Freischar über Gera und Zeitz nach Norden marschieren, zur Sicherheit allerdings mit sächsischen Marschkommissaren.

Weitere Einzelheiten Friesen, Körner (sitzend, Mitte) und Heinrich Hartmann auf Vorposten (Gemälde von Georg Friedrich Kersting, 1815)

Friesen, Körner (sitzend, Mitte) und Heinrich Hartmann auf Vorposten (Gemälde von Georg Friedrich Kersting, 1815)

Bildquelle: Von Hannelore Gärtner: Georg Friedrich Kersting. Seemann, Leipzig 1988, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12270200
Theodor Körner liest den Lützower Jägern seine Kriegslieder vor

Theodor Körner liest den Lützower Jägern seine Kriegslieder vor

Bildquelle: Von Richard Knötel (1857 – 1914) – Alte Postkarte der Firma Stengel & Co., G.m.b.H., Dresden, Nummer 29174., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16301561
Theodor Körner, im Lager bei Gadebusch, seinen Kameraden sein „Schwertlied“ vortragend (Glasfenster nach einem Gemälde von Rudolf Eichstaedt im Haus einer Göttinger Studentenverbi

Theodor Körner, im Lager bei Gadebusch, seinen Kameraden sein „Schwertlied“ vortragend (Glasfenster nach einem Gemälde von Rudolf Eichstaedt im Haus einer Göttinger Studentenverbindung)

Bildquelle: Von Ulrich Witt, Friedland, 2005 (Benutzer: DerGoettinger) – Ausschnitt aus einem Glasfenster im Haus der Studentischen Musikvereinigung Blaue Sänger im SV, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2897671

Am 17. Juni 1813 bezogen die Lützower ihr Lager bei Kitzen (südwestlich von Leipzig). Württembergische Truppen unter General Normann stellten sich ihnen entgegen. Dieser versicherteLützow, der in Begleitung Körners vorangeritten war, keine feindlichen Absichten zu hegen, und verwies im Übrigen auf den kommandierenden französischen General Fournier. Dieser schleuderte ihnen jedoch entgegen: „L’armistice pour tout le monde, excepté pour vous !“ Der Angriff der feindlichen Kavallerie traf die Lützower unvorbereitet, sie wurden von der Übermacht regelrecht zusammengehauen. Körner erhielt einen Säbelhieb über den Kopf. Schwer verwundet, gelang ihm noch der Weg nach Großzschocher, wo er sich in einem Gehölz verbarg. Dem Tode nahe schrieb er dort das Sonett „Abschied vom Leben“.

Bauern, die das Holz zur Ausbesserung des Elsterwehres bewachen sollten, fanden den Dichter und brachten ihn in das nahegelegene Gutsgärtnerhaus von Großzschocher. Nach einer Nacht wurde er mit Hilfe des Freundes der Familie Körner, Kunze, auf dem Wasserweg zu dem Arzt Doktor Wendler nach Leipzig gebracht und dort versorgt. Auf die versprengten Lützower, von Napoleon ihrer schwarzen Uniformen halber verächtlich „brigands noirs“ , „schwarze Banditen“, genannt, wurde immer noch Jagd gemacht.

Als er sich einigermaßen stabilisiert hatte, wurde er von Freund zu Freund nach Karlsbad dirigiert. Dabei verbrachte er auch eine Nacht bei seiner Pflegeschwester Julie von Einsiedel auf Burg Gnandstein. In Karlsbad wurde er von seiner Patentante Elise von der Recke gepflegt. Ein Wiedersehen mit seinen Eltern, die ganz in der Nähe in Teplitz weilten, gab es nicht, um seine leidende Mutter zu schonen.

Auf dem Weg zu seinem Korps war Körner bei seinem Patenonkel Graf von Geßler in Reichenbach zu Gast, wo er den Freiherrn vom Stein, Arndt, Blücher und Gneisenau traf. Über Berlin gelangte er zu seiner nun in Norddeutschland kämpfenden Truppe, die ihre Unabhängigkeit eingebüßt hatte und dem Korps Wallmoden zugeordnet worden war.

Fortwährend wurden wieder kleine Streifzüge durchgeführt. Den Abend des 25. August verbrachte Körner mit einer Streifschar unter Lützow auf dem Rittergut zu Gottesgabe. Er soll hier am Klavier gesessen und das zwei Tage zuvor entstandene „Schwertlied“ vorgetragen haben.

In der zweiten Morgenstunde des 26. August 1813 wurde ein feindlicher Transport gemeldet, auf den rasch ein Angriff geplant wurde. Bei dem folgenden Gefecht, das sich im Forst von Rosenow bei Gadebusch abspielte, fiel Theodor Körner. Die tödliche Kugel kam von einem deutschen Schützen, der aus Biebern im Hunsrück stammte.

Er wurde im Dorf Wöbbelin unter der nachmaligen „Theodor-Körner-Eiche“ begraben, wo 1815 auch seine Schwester Emma und 1831 sein Vater Christian Gottfried Körner ihre letzte Ruhe fanden.

Körner-Grab in Wöbbelin

Körner-Grab in Wöbbelin

Bildquelle: Von Niteshift (talk) – Eigenes Werk (photo), CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15987193

Zu seinen Ehren errichteten die Bürger von Frankenberg/Sa. auf dem nahen Haustein (Harrasfelsen) bei Braunsdorf (Niederwiesa) (siehe Sprungsage) am 20. Juni 1864 das Körnerkreuz. Die Inschrift lautet: „Dem Sänger und Helden Theodor Körner. Die Bewohner von Frankenberg/Sa. zur Erinnerung an den 26. August 1863.“

entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel


Körners Wirkung auf die Nachwelt:

Körners teils stürmische, teils gefühlvolle Lyrik entsprach der ebenso romantischen wie vaterländisch kampfbereiten Gesinnung der Generationen in einem Deutschland, das auch nach den Befreiungskriegen noch lange Zeit in viele Einzelstaaten zersplittert war. Körners Sterben als Lützower Jäger erhob ihn zur vorbildhaften Gestalt. Die glaubwürdige Übereinstimmung von Dichtung und Leben empfahl seine Werke für die Lehrpläne erst des Deutschen Bundes, später des Deutschen Reichs. Körners Gedichte aus seinem Buch „Leyer und Schwert“ wurden zum Vorbild für Kriegslyrik späterer Zeit.

„Lützows wilde, verwegene Jagd“ auf Körners Text in Carl Maria von Webers dramatisch-schwungvoller Vertonung ist bis heute ein beliebtes Paradestück des deutschen Männer-Chorgesangs. Professor Kurt Huber zitierte1943 im 6. Flugblatt der Weißen Rose die erste Zeile aus Körners Aufruf (1813): „Frisch auf, mein Volk! Die Flammenzeichen rauchen.“ Marlene Dietrich wählte die Zeile „Hier steh ich an den Marken meiner Tage“ aus Körners Sonett „Abschied vom Leben“ (aus „Leier und Schwert“) als Inschrift für ihren Grabstein in Berlin.

Ausschnitt Geschichtsbuch der DDR Theodor Körner Kopie

Ausschnitt aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

Erste Strophe von Lützows wilde, verwegene Jagd auf einem Gedenkblock der Deutschen Bundespost zum 200. Geburtstag

Erste Strophe von „Lützows wilde, verwegene Jagd“ auf einem Gedenkblock der Deutschen Bundespost zum 200. Geburtstag

Bildquelle: Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=9837612

Daneben haben die Faschisten Theodor Körner für ihre Zwecke missbraucht. Das Gelände um die Grabstätte Körners und seiner Familie in Wöbbelinwurde 1938 aufwendig zur „nationalen Weihestätte“ umgebaut und diente als Kulisse für Aufmärsche und Vereidigungszeremonien. Die Zeile „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los“aus dem Gedicht „Männer und Buben“ lieferte Joseph Goebbels die Textvorlage für die Phrase „Nun Volk, steh’ auf, und Sturm, brich los!“, das Finale der Sportpalastrede.

In der Nachkriegszeit gilt Theodor Körner für die neofaschistische Szene als „Rebell für Deutschland“.

Auch die Neo-Faschisten der heutigen Zeit missbrauchen Theodor Körner für ihre Zwecke.

Auf einer Großveranstaltung im Münchner Löwenbräukeller am 21. April 1990 wurde der Spruch aufgesagt: „Noch sitzt ihr da oben, ihr feigen Gestalten, / vom Feinde bezahlt und dem Volke zum Spott. / Doch einst wird wieder Gerechtigkeit walten, / dann richtet das Volk und es gnade euch Gott.“

Im 21. Jahrhundert wird dieser Spruch über das Internet als angebliches Körner-Zitat verbreitet und u. a. bei Kundgebungen und Demonstrationen der Pegida eingesetzt. Am 23. September 2016 publizierte „Der Flügel“,eine von Björn Höcke geführte AfD-nahe Gruppierung, Körners Satz „Das Volk steht auf, der Sturm bricht los“mit dem obigen Spruch.

Das Theodor-Körner-Museum in Wöbbelin bei Schwerin, Teil der dortigen Mahn- und Gedenkstätten, wurde nach der Annexion der DDR renoviert und mit neuem Konzept, d.h. im Sinne der heutigen offiziellen Geschichtsschreibung und Tilgung der Geschichtsschreibung der DDR, am 15. Juni 1997 wiedereröffnet.

Standbilder, Bäume und andere Denkmäler

Die Liste bitte  auf Wikipedia ansehen. Diese ist zu lang, um sie in diesem Beitrag aufzuführen.

entnommen  Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

Ludwig Adolf Wilhelm von Lützow

Ludwig Adolf Wilhelm Freiherr von Lützow wurde am 18. Mai 1782 in Berlin geboren und ist am 6. Dezember 1834 in Berlin gestorben. Er war ein preußischer Generalmajor. Er wurde vor allem durch das nach ihm benannte Freikorps, die „Schwarzen Jäger“ bekannt.

Adolf von Lützow

Adolf von Lützow

Bildquelle: Von Unbekannt – Österreichische Nationalbibliothek Wien, Porträtsammlung, Inv.-Nr. PORT_00026404_01Scan: via portraitindex.de, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=52306648

Ludwig Adolf Wilhelm stammte aus dem mecklenburgischen Adelsgeschlecht Lützow. Sein Vater war der preußische Generalmajor Johann Adolph von Lützow (1748–1819), und seine Mutter Wilhelmine, geborene von Zastrow (1754–1815).

Lützow wurde am 26. Mai 1795 als Gefreiterkorporal im I. Bataillon Garde der Preußischen Armee angestellt. Am 20. Januar 1798 zum Fähnrich befördert, folgte am 10. Dezember 1800 seine Ernennung zum Sekondeleutnant. Da Lützow ein leidenschaftlicher und guter Reiter war, ersuchte er um Versetzung zur Kavallerie. Am 31. Dezember 1804 wurde er in das Kürassierregiment „von Reitzenstein“ in der Garnison Tangermünde versetzt. Im Verlauf der Schlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 wurde das Regiment zerschlagen und seine Reste, unter ihnen der verwundete Lützow, flüchteten in die Festung Magdeburg. Als sich die Kapitulation Magdeburgs abzeichnete, verließ Lützow die Festung. Über Kopenhagen schlug er sich in das belagerte Kolberg durch, um sich dort dem Freikorps Ferdinand von Schills anzuschließen. In Anerkennung seiner Verdienste erhielt er nach dem Friedensschluss den Orden Pour le mérite und wurde als Stabsrittmeister und Eskadronchef in das 2. Brandenburgische Husarenregiment übernommen. Mehrfach verwundet, verschlechterte sich Lützows Gesundheitszustand derart, dass er um seine Verabschiedung ersuchte. Unter gleichzeitiger Beförderung zum Major wurde ihm am 31. August 1808 der Abschied erteilt.

Lützow versuchte sich danach in der Forstlaufbahn, gab dieses Vorhaben jedoch bald wieder auf. Er fand Kontakte zu preußischen Patrioten um den Kammergerichtspräsidenten Ludwig von Vincke, Berater des Freiherrn vom Stein, und wurde bereits frühzeitig in die Vorbereitung des Kampfes gegen die Herrschaft Napoleon Bonapartes einbezogen. Dies führte ihn im Herbst 1808 nach Kassel,wo Wilhelm von Dörnberg den Widerstand organisierte, und nach Ostfriesland,um dort Aktionen vorzubereiten. Spontan schloss er sich dann mit seinem Bruder Leopold von Lützow am 30. April 1809 dem Zug des Majors von Schill an. Am 5. Mai 1809 wurde er im Gefecht bei Dodendorf schwer verwundet und danach vor ein preußisches Kriegsgericht gestellt. Da er als Mecklenburger in Preußen Ausländer war und auch zuvor aus der preußischen Armee verabschiedet worden war, erkannte das Gericht keine Schuld.

„Lützowhaus“ in Schöneiche, wo Lützow nach seiner Verwundung 1809 gesundgepflegt wurd

„Lützowhaus“ in Schöneiche, wo Lützow nach seiner Verwundung 1809 gesundgepflegt wurde

Bildquelle: Von Marcus Cyron aka User:Kenwilliams – Eigenes Werk, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=822701

Am 20. März 1810 heiratete er Elisa Davidia Margarethe Gräfin von Ahlefeldt.

Am 7. Februar 1811 wurde Lützow wieder in den preußischen Dienst gestellt, zunächst mit einem Wartegehalt, ab 1. Januar 1812 mit einem Festgehalt, aber ohne wirkliche Verwendung im Dienst. Gneisenau hatte ihn für den Fall eines Volksaufstandes zunächst als dessen Leiter in Ostfriesland und Teilen Westfalens vorgesehen. Dies wurde von Scharnhorst konkretisiert, so dass Lützow am 9. Februar 1813 ein Gesuch an den preußischen König richtete, ein Freikorps aufstellen zu dürfen.

Es wurde der berühmteste deutsche Freiwilligenverband der Befreiungskriege. Das Lützowsche Freikorps bestand aus über 3000 vorwiegend nichtpreußischen Freiwilligen und operierte vorwiegend im Rücken des Feindes. Beim Waffenstillstand des Frühsommers 1813 ließ Lützow die vorgegebene Frist zum Erreichen der eigenen Linien verstreichen und wurde mit Teilen seines Freikorps am 17. Juni 1813 bei Kitzen in der Nähe von Leipzig durch napoleonische Kavallerie ohne Vorwarnung angegriffen. Lützow und sein Adjutant Theodor Körner wurden schwer verwundet und entkamen nur mit Mühe. Nachdem Ende 1813 die einzelnen Teile des Freikorps den preußischen Linientruppen zugeteilt worden waren, kämpfte Lützow 1814 in den Ardennen. Am 23. März 1815 wurden aus den Resten des Freikorps zwei Linienregimenter gebildet: aus der Infanterie entstand das Infanterie-Regiment Nr. 25, die Kavallerie wurde zum Ulanen-Regiment Nr. 6 unter dem Kommandeur Oberstleutnant von Lützow. Im Feldzug von 1815 führte Lützow eine Kavallerie-Brigade. Dabei geriet er am 16. Juni bei Ligny verwundet in französische Gefangenschaft.

Für seine Verdienste wurde Lützow am 2. Oktober 1815 mit dem Eichenlaub zum Orden Pour le Mérite ausgezeichnet und einen Tag später zum Oberst befördert. Am 8. März 1817 folgte seine Ernennung zum Kommandeur der Kavallerie-Brigade in Münster. In gleicher Eigenschaft übernahm Lützow am 5. September 1818 die 13. Kavallerie-Brigade in Torgau und wurde am 30. März 1822 zum Generalmajor befördert.

Seine Ehe mit Elisa von Ahlefeldt wurde 1824 geschieden. Am 10. April 1829 heiratete er Auguste Uebel, die Witwe seines 1827 verstorbenen jüngsten Bruders Wilhelm.

1830 erhielt er das Kommando der 6. Kavallerie-Brigade. Dieses Kommando übergab er am 30. März 1833 an den Prinzen Albrecht von Preußen und wurde daraufhin mit Pension zur Disposition gestellt.

Lützows Grab befindet sich auf dem Alten Garnisonfriedhof in Berlin.

Grab auf dem Alten Garnisonfriedhof Berlin

Grab auf dem Alten Garnisonfriedhof Berlin

Bildquelle: Von A.Savin (Wikimedia Commons · WikiPhotoSpace) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1294928

Ehrungen und Andenken

Die Liste ist sehr lang. Die Liste bitte auf Wikipedia ansehen.

Zwei Punkte, die mit der Ehrung in der DDR zu tun haben, werden hier nachfolgend aufgeführt.

  • Die Farben der lützowschen Uniform – schwarzer Stoff, roter Kragen und goldene Knöpfe – flossen in die Farbgebung der Nationalflagge Deutschlands, bzw. der alten BRD und der DDR ein.

 

 

5 Mark Gedenkmünze der DDR zum 150. Todestag Lützows aus dem Jahr 1984

5 Mark Gedenkmünze der DDR zum 150. Todestag Lützows aus dem Jahr 1984

Bildquelle: Von Matd13, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=16154305

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel