Der vaterländische Krieg des russischen Volkes

Der Einfall der „Großen Armee“

Russland gehörte zu jenen Ländern, die von der Kontinentalsperre besonders hart betroffen wurden. Seit Jahrhunderten blühte der englisch-russische Handel. Holz, Getreide, Pelze, Flachs und andere Waren wurden nach England ausgeführt. Dafür kamen viele gewerbliche Produkte ins Land. Die russischen Gutsbesitzer und Kaufleute wollten auf dieses einträgliche Geschäft nicht verzichten. Als Napoleon Nachricht erhielt, dass neutrale Schiffe laufend englische Waren nach Russland brachten, wollte er nicht länger warten, um auch dem russischen Volk seinen Willen aufzuzwingen. Aus Soldaten Frankreichs und der von ihm abhängigen Länder stellte er eine gewaltige Armee auf. Man nannte sie die „Große Armee“, weil sie hinsichtlich ihrer Stärke beispiellos war. Ohne Kriegserklärung überschritt sie am 24. Juni 1812 den Grenzfluss Neman. Es begann der Vaterländische Krieg des russischen Volkes.

Truppekontingente „Große Armee“

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Der Sieg des russischen Volkes über Napoleon

Vor der Übermacht der Napoleonischen Truppen musste sich die russische Armee kämpfend zurückziehen. Sie war etwa 180 000 Man stark. Aber bald regte sich der Widerstand des russischen Volkes. Vor allem waren es die russischen Bauern, die den Eindringlingen mutig entgegentraten. Im Rücken des Feindes bildeten sich kleine bewaffnete Abteilungen. Sie überfielen Transporte für Munition und Verpflegung. Auch Meldereiter wurden von ihnen abgefangen. Diese tapferen Kämpfer bezeichnete man als Partisanen.

Manchmal nur mit Sensen, Heugabeln und Spießen ausgerüstet, schwächsten sie die Napoleonische Armee bedeutend. Bei Borodino kam es schließlich zu einer blutigen Schlacht, die unentschieden ausging. Das war für die sieggewohnten Franzosen eine Überraschung.

In weiteren Kämpfen nahm Napoleon wohl Moskau ein, aber seine Hoffnungen erfüllten sich nicht. Ein großer Teil der Stadt ging in Flammen auf, so dass die „Große Armee“ in ihr nicht überwintern konnte. Sie musste den Rückzug antreten.

Unter dem Befehl des Feldherren Kutusow ging nun die russische Armee zum Gegenangriff über. Gemeinsam mit den Partisanen trieb sie die einstmals stolze Armee aus dem Lande heraus. Frühzeitig brach ein strenger Winter herein. Viele Soldaten erfroren oder verhungerten. Jetzt rächte sich, dass die Napoleonischen Soldaten auf ihrem Vormarsch Hab und Gut der russischen Menschen vernichtet hatten.

Als Gefangene mussten sie durch das von ihnen verwüstete Gebiet zurückziehen. Selten fanden sie ein schützendes Dach oder ein stück Brot. Ständig wurden sie von Kosaken umschwärmt und angegriffen. Als die Truppen den Fluss Beresina überschreiten wollten, ertranken viele in den eisigen Fluten.

Bericht über Rückzug Napoleons

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

So endete Napoleons Zug nach Russland mit einer Katastrophe. Die „Große Armee“ gab es nicht mehr. Nur etwa 30 000 Mann erreichten die russische Westgrenze. Napoleon eilte nach Paris, um eine neue Armee aufzustellen. Das russische Volk hatte ihm den Ruf eines Unbesiegbaren genommen. Die unterdrückten Völker Europas schöpften neue Hoffnungen und rüsteten sich zu Entscheidungskampf gegen die fremden Eroberer.

Vertreibung Napoleons aus Russland 1812

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Karikatur Niederlage Napoleons

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die deutsch-russische Waffenbrüderschaft

Tausende deutscher Männer waren gezwungen worden, als Angehörige der „Großen Armee“ in Russland einzufallen. Es gab aber viele deutsche Patrioten, die auf der Seite des russischen Volkes standen. Ihre Absicht war es, die Kräfte der beiden Völker zu vereinen und die Napoleonische Fremdherrschaft zu beseitigen.

Im Juni 1812 bildete sich auf russischem Boden ein „Komitee für deutsche  Angelegenheiten“, in dem der Freiherr vom Stein und andere Patrioten mitarbeiteten. Sie wollten nicht tatenlos zusehen, wie deutsche Soldaten für die französischen Interessen geopfert wurden. Der 30. Dezember 1812 brachte ihnen einen großen Erfolg. An diesem Tage schloss General York, der die in die „Große Armee“ eingegliederten preußischen Truppen befehligte, mit dem russischen General Diebitsch bei Tauroggen ein Abkommen. Darin wurde vereinbart, dass sich York mit seinen Soldaten künftig neutral verhalten sollte. Die war ein kühner Entschluss, denn York handelte ohne Zustimmung des preußischen Königs, der zunächst die Meldung veröffentlichte, er habe York dafür abgesetzt. Er schreckte aber davor zurück. Schon während der Verhandlungen konnte beobachtet werden, wie sich russische und preußische Soldaten verbrüderten.

Zusammenkunft York mit Dibitsch

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

geschichte-07-ddr-seite-1

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der Vaterländische Krieg des russischen Volkes

 

Ferdinand von Schill

Ferdinand Baptista von Schill, geboren am 06. Januar 1776 in Wilmsdorf bei Dresden, gestorben am 31. Mai 1809 in Stralsund, war ein preußischer Offizier, der als Freikorpsführer in den Kriegen von 1806/07 und 1809 bekannt wurde.

Ferdinand von Schill Kopie

Ferdinand von Schill

 

Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

geschichte-07-ddr-seite-1

 

 

 

 

 

 

 

Schill entstammte einer Soldatenfamilie. Sein Vater Johann Georg von Schill (1736–1822) war Kavallerieoffizier in der österreichischen, später in der sächsischen, zuletzt in der preußischen Armee.

 

 

Geburtshaus in Wilmsdorf (Ferdinand von Schill)

Geburtshaus in Wilmsdorf

Bildquelle: Von Bernievancastle, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2533472

 

Von seinem Vater wurde Schill im Jahr 1790 dem Grafen Kalckreuth vorgestellt, dem Kommandeur des renommierten Dragonerregiments Anspach-Bayreuth mit dem Ehrennamen „Die Hohenfriedberger“, welcher Schill als Fähnrich aufnahm. In Pasewalk diente Schill, seit 1793 als  Sekondeleutnant, im genannten Dragonerregiment, das seit März 1806 den Namen „Königin-Dragoner“ trug. Sein Wohnhaus befand sich in der Grünstraße 17.

 

Freikorps Schill in Pommern 1806/07

1806 zog Schill in den vierten Koalitionskrieg, wurde in der Schlacht bei Auerstedt durch einen Säbelhieb auf den Kopf schwer verwundet und rettete sich über Magdeburg und Stettin bis nach Kolberg, wo er sich beim Kommandanten Oberst Lucadou gesund meldete. Dieser gestattete Schill, mit wenigen Leuten Streifzüge in die Umgebung zu unternehmen. Er sollte Verteidigungsmittel, Rekruten und Geld in die Festung bringen sowie Aufklärung betreiben. Aber Schill begann einen Kleinkrieg gegen französische Besatzungstruppen in Pommern. Für den gelungenen Überfall auf Gülzow am7. Dezember 1806 wurde er vom König FriedrichWilhelm III. noch im selben Monat zum Premierleutnant befördert und mit dem Orden Pour le Mérite dekoriert. Aufforderungen seines Regimentskommandeurs, zum Regiment nach Ostpreußen zurückzukehren, ignorierte er. Schill wurde schnell berühmt und seine Truppe wuchs rasch an.

Der König gestattete ihm per Kabinettsorder vom 12. Januar 1807, mit eigenen Mitteln ein Freikorps aus versprengten oder ranzionierten Soldaten der preußischen Armee aufzustellen. Von der Bevölkerung nach Kräften unterstützt, verliefen die kleineren Unternehmungen des Korps meist glücklich, die größeren aber unglücklich. Der am 15. Februar 1807 versuchte Überfall auf Stargard wurdemit Verlusten zurückgeschlagen, das befestigte Naugarder Amt von Schill, der zum Rittmeister befördert worden war, tapfer, aber erfolglos verteidigt. Schon bei diesen Aktionen zeigte sich eine verhängnisvolle Selbstüberschätzung Schills. Er musste verwundet nach Kolberg zurück, wo sich der Gegensatz zum Kommandanten Lucadou infolge seines vom König nicht klar festgelegten Unterstellungsverhältnisses verschärfte.

Mitte März ging Schill nach Stralsund,um ein gemeinsames Vorgehen mit den Schweden zu verabreden, Mitte April in derselben Mission nach Stockholm. Am 12. Mai schiffte er sich mit seiner Kavallerie von Kolberg nach Vorpommern zu Blücher ein, während die Infanterie zur Verteidigung der Maikuhle zurückblieb. Nachdem die Schlacht beiFriedland am 14. Juni 1807 Preußen zum Frieden von Tilsit gezwungen hatte, mussten sich Schill und seine Truppe – ohne an Kämpfen teilgenommen zu haben – mit Blücher in den Demarkationsbezirk zwischen Kammin und Köslin zurückziehen; das Korps wurde in den Ausbildungsdienst versetzt.

Für seine Verdienste am 30. Juni 1807 vom preußischen König zum Major befördert, wurde Schill im September zum Inhaber des aus seiner Reiterei gebildeten 2. Brandenburgischen Husarenregiments („von Schill“) ernannt. Seine Fußtruppe gliedert der König als Leichtes Bataillon von Schill in das neue Leib-Infanterie-Regiment ein. Am 10. Dezember 1808 ritt Schill nach dem Abzug der französischen Besatzer im Triumph mit seinem Husarenregiment an der Spitze der zurückkehrenden Truppen in Berlin ein.

 

Erhebung 1809

Der jubelnde Beifall der Bevölkerung, der wieder erwachte Patriotismus und wohl auch eine gewisse Portion Selbstüberschätzung hoben den Husarenoffizier Schillüber sich selbst hinaus und verleiteten ihn zu unüberlegten, mit der Armeeführung nicht abgestimmten Handlungen. In den für 1809 vorgesehenen Aufständen gegen die Herrschaft Napoléon Bonapartes in Deutschland war ihm eine wichtige Rolle zugedacht, aber Schill wollte nicht abwarten. Vergeblich versuchte auch General Ernst von Rüchel, mit dessen Tochter Elise sich Schill verlobt hatte und auf dessen hinterpommerschen Gut Haseleu er gelegentlich zu Gast war, mäßigend einzuwirken. Nach Ausbruch des Fünften Koalitionskriegs verließ Schill am 28. April – wie zum Manöver – mit seinem Regiment Berlin. Eine Meile außerhalb der Stadt hielt er seinen Soldaten eine Ansprache, die den Eindruck verstärkte, erhandele in höherem Auftrag. Den Befehl der Kommandantur zur sofortigen Rückkehr beachtete er nicht.

Er wandte sich zunächst nach Dessau, das er am 2. Mai besetzte. Dort ließ er seinen Aufruf „An die Deutschen“ drucken.

Aufruf Schills Kopie

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die7. Klasse, Stand 1982

 

Die Anfang Mai eintreffende Nachricht von der Niederschlagung der Erhebung in Österreich versetzte seinem Tatendrang einen deutlichen Dämpfer, aber er ließ sich von seinen Offizieren mitreißen und lieferte sich am 5. Mai bei Dodendorf unweit von Magdeburg mit der Schlacht bei Dodendorf ein auch für die französische Seite verlustreiches Gefecht mit einer Abteilung der Magdeburger Garnison. Am selben Tag hatte Jérôme Bonaparte, der Bruder Napoleons und König von Westphalen, einen Preis von 10.000 Francs auf seinen Kopf ausgesetzt. Der König von Preußen sprach sich scharf gegen seine eigenmächtige Tat aus.

Sein Regiment, das durch Anwerbung von Nachwuchs noch anwuchs, ging an die untere Elbe und von dort, durch Holländer unter Carl Heinrich Wilhelm Anthing und Dänen verfolgt, in Richtung Stralsund, dessen aus Polen und Mecklenburgern bestehende Besatzung ihm entgegenkam, aber schon bei Damgarten geschlagen wurde

 

Das Ende in Stralsund

Am 25. Mai 1809 traf aus Damgarten das schillsche Korps gegen zehn Uhr in Stralsund ein. Er zog durch das Tribseer Tor in die Stadt ein, die er noch aus dem Jahr 1807 kannte. Nachdem er in Damgarten erfolgreich gekämpft hatte, hoffte er in der Festungsstadt Stralsund auf ein Fanal für die Befreiung von der französischen Fremdherrschaft. Seinem Mitkämpfer Leutnant Leopold von Lützow rief er zu: „Wir brauchen Stralsund als Stützpunkt für den Kleinkrieg, auch wenn wir ehrenvoll fallen sollten.“

Schills Einzug in Stralsund begleitete ein Sieg gegen in der Mönchstraße kämpfende französische Artilleristen. Mit Hilfe des in schwedischen Diensten stehenden Offiziers Friedrich Gustav von Petersson gelang es Schills Truppen, die französische Besatzung der Stadt zu vertreiben. Er trieb nun die Wiederanlage der geschleiften Verteidigungsanlagen voran und zog dazu bis zu 1000 Bauern der Umgebung heran. Sein Eintreffen begeisterte die Stralsunder allerdings nicht wie erhofft, da sie weniger patriotisch gesinnt waren als Schill und eher über die erneute Einbeziehung ihrer Stadt in Kampfhandlungen stöhnten, die immer Belastungen der Bürger mit sich brachten. Zweifel kamen auch in Schills Truppen auf angesichts der aussichtslos erscheinenden Lage in Stralsund. Truppen der Generäle Gratien und Ewald zogen heran, die mit 6000 Mann (Dänen und Niederländer) eine Übermacht darstellten. Einige der Offiziere Schills zogen aus Stralsund ab, darunter auch Leo von Lützow.

Am 31. Mai 1809 griffen die Franzosen, wie von Schill erwartet, die Stadt am Tribseer Tor an, durch das Schill selbst sechs Tage zuvor eingerückt war. Der erste Angriff konnte abgewehrt werden. Jedoch rückten die angreifenden Truppen am Tribseer Tor nur zur Ablenkung an. Ihre Hauptmacht konzentrierte sich auf das Kniepertor, wo sie schnell in die Stadt vordringen konnte. Gegen die Übermacht wehrten sich die schillschen Truppen verzweifelt. Nur einem kleinen Teil gelang die Flucht durch das Frankentor; die meisten fielen im Kampf. Einige Offiziere gerieten in Gefangenschaft und wurden zunächst im Keller des Hauses Fährstraße/Alter Markt gefangen gehalten, woran eine Gedenktafel über dem Kellereingang noch heute erinnert.

Kellergefängnis der Schillschen Offiziere im Haus Fährstr.:Alter Markt

Kellergefängnis der Schillschen Offiziere im Haus Fährst./Alter Markt

Bildquelle: Von Hermann Junghans – Eigenes Werk Originaltext: eigenes Werk, CC BY-SA 3.0 de, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=47621228

 

Schill selbst wurde nach einem Fluchtversuch, der ihn in der Annahme, die Stadt dort verlassen zu können, ins Johanniskloster geführt hatte, beim Ritt durch die Fährstraße vor dem Haus Nummer 21 von einer Kugel tödlich getroffen.

Gedenkstein an der Stelle, an der Schill fiel

Gedenkstein an der Stelle, an der Schill fiel

Bildquelle: Von Klugschnacker aus Stralsund – selbst fotografiert mit Fujifilm Finepix A510, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1240717

 

Sein Leichnam mit einer Verletzung im Gesicht und mit von einem Bajonett durchbohrten Unterleib, wurde in das Haus des städtischen Chirurgen am Alten Markt gebracht. Am 1. Juni 1809 fand in der Stadt eine Siegesparade statt. Anschließend wurde in Gegenwart Gratiens der Kopf Schills abgetrennt und als Trophäe an König Jerome geschickt. Schills Körper wurde am 2. Juni 1809 auf dem Stralsunder St.-Jürgen-Friedhof an unbekannter Stelle verscharrt. Schills Kampfgefährte von Petersson geriet in Gefangenschaft und wurde am 4. Juni 1809 vor dem Kniepertor erschossen. Daran erinnert heute eine Gedenktafel.

 

Schills Totenmaske

Schills Totenmaske

 

Bildquelle: Von Sendker – Eigenes Werk, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2409529

 

 

Etwa 200 Reiter und einige Jäger schlugen sich durch und erzwangen die Bewilligung freien Abzugs nach Preußen, wo die Soldaten in ihre Heimat entlassen wurden. Die Offiziere des Korps wurden, teilweise in Abwesenheit, vor ein Kriegsgericht gestellt. Einige wurden freigesprochen, andere mit Festungshaft bestraft, und sechs Offiziere, die Schill erst nachträglich gefolgt waren, wegen Desertion zu unehrenhafter Entlassung aus dem Militärdienst (Kassation) verurteilt.

Eine andere Abteilung entkam von Rügen aus zu Wasser nach Swinemünde, der Rest des Korps aber blieb im Gefecht. In Gefangenschaft gingen 557 Unteroffiziere und Mannschaften. Nach Loswurf wurden vierzehn der Gefangenen in Braunschweig an der Stelle des heutigen Schill-Denkmals erschossen. Der Rest kam in französische Bagnes (so hießen in Italien und Frankreich seit dem 17. Jahrhundert die Strafanstalten, in denen zur Zwangsarbeit Verurteilte ihre Strafe verbüßten.)

Elf gefangene Offiziere wurden nach Wesel verbracht und am 16. September 1809 standrechtlich erschossen. 1835 wurde ihnen hier von der preußischen Armee ein Denkmal errichtet. Der Desertionsprozess(Prozess wegen Fahnenflucht) gegen den gefallenen Schill wurde vom König niedergeschlagen, da er ja schon tot war. Schills Vermögen dagegen wurde, wie bei Desertionen üblich, für den Staat beschlagnahmt.

Der Ausspruch „Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende“ geht auf von Schill und auf diese Zeit zurück und bringt seine Entschlossenheit zum Ausdruck, in einer Situation ein schnelles Ende herbeizuführen, auch wenn man dabei größere Nachteile in Kauf nehmen muss.

.

Ferdinand von Schill

Ferdinand von Schill

Bildquelle: Von Unbekannt – NYPublic Library, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=56829510

 

Erinnerung und Ehrung

Bereits am 18. Oktober 1838 legten Stralsunder Bürger an Schills Grab eine Eisentafel mit der (im Original lateinischen, aus Vergils „Aeneis“ stammenden) Inschrift:

„Großes gewollt zu haben ist groß. Er sank hin durch das Schicksal. Am Gestade liegt der mächtige Rumpf. Ward entrafft auch das Haupt, ist doch der Körper nicht namenlos.“

Am 30. Mai 1859 fand in Stralsund eine Gedenkfeier von überlebenden schillschen Kampfgefährten und Stralsundern statt, 1909 wurde das bronzene Schill-Denkmal in den Schillanlagen errichtet.

An Schill erinnern außerdem eine in den Bürgersteig eingelassene steinerne Gedenktafel am Ort seines Falles in der Fährstraße. Die Schillstraße in der Nähe seines Todesortes erinnert ebenfalls an ihn.

 

Bildquelle: Von Klugschnacker aus Stralsund – selbst fotografiert mit Fujifilm Finepix A510, CC BY-SA 2.5, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1240717
Gedenkstein an der Stelle, an der Schill fiel

Gedenkstein an der Stelle, an der Schill fiel

 

 

 

 

 

 

Erst 1837 wurde Schills Kopf, der sich lange in einem Naturalienkabinett im niederländischen Leiden befunden hatte, in einer Urne nach Braunschweig gebracht. Dort war im selben Jahr ein Schill-Denkmal errichtet worden, unter dem sich eine Gruft befindet, in der Schills vierzehn erschossene Kampfgefährten beigesetzt worden waren. Die Urne mit Schills Schädel wurde am Fuße des Denkmals in der Schillstraße beigesetzt.

1870 wurde eine Straße in Berlin-Tiergarten nach Ferdinand von Schill benannt. In Dodendorf erinnert ein Gedenkstein an das Gefecht bei Magdeburg. Auf dem Marktplatz von Arneburg steht ein Gedenkstein zu seinen Ehren.

1870 wurde eine Straße in Berlin-Tiergarten nach Ferdinand von Schill benannt. In Dodendorf erinnert ein Gedenkstein an das Gefecht bei Magdeburg. Auf dem Marktplatz von Arneburg steht ein Gedenkstein zu seinen Ehren.

In Wilmsdorf bei Dresden steht das Geburtshaus Schills, das sogenannte Schillgut. Außer einer Gedenktafel am Haus wurde hier 1904 ein Schill-Denkmal errichtet und 1984, zum 175. Todestag Schills, die Dorfstraße in Ferdinand-von-Schill-Straße umbenannt.

Geburtshaus in Wilmsdorf (Ferdinand von Schill)

Geburtshaus in Wilmsdorf

Bildquelle: Von Bernievancastle, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2533472

 

 

 

Anlässlich des 200. Geburtstags prägte die Münze der DDR 1976 eine 5-Mark-Gedenkmünze in einer Auflage von 100.000 Stück.

5-Mark-Gedenkmünze der DDR zum 200. Geburtstag von Ferdinand von Schill aus dem Jahr 1976

5-Mark-Gedenkmünze der DDR zum 200. Geburtstag von Ferdinand von Schill aus dem Jahr 1976

Bildquelle: Von Matd13, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=12729426

 

Das Kampfhubschraubergeschwader 67 (später: Kampfhubschraubergeschwader 3) der Armeefliegerkräfte der NVA erhielt 1984 den Traditionsnamen „Ferdinand von Schill“.

Unmittelbar an der Baumgartenbrücke zwischen Werder/Havel und Geltow an der Bundesstraße 1 im Landkreis Potsdam-Mittelmark befindet sich der Schill-Gedenkstein. Dort biwakierte am 28. April 1809 Major Ferdinand von Schill mit seinem 2. Brandenburgischen Husarenregiment.

Schill-Gedenkstein an der Baumgartenbrücke in Geltow

Schill-Gedenkstein an der Baumgartenbrücke in Geltow

Bildquelle: Von Biberbaer 18:16, 19 April 2007 (UTC) – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=1970509

 

Zur Erinnerung an den Major Ferdinand von Schill wird seit 2005 an jedem zweiten Septemberwochenende durch die Stralsunder Schützencompagnie 1451 die Schlacht um Stralsund als Reenactment nachgestaltet.

Im Hotel „Norddeutscher Hofin Stralsund, direkt am Neuen Markt, befindet sich eine „Schillstube“, in der Zeugnisse und Dokumente über das Leben und Wirken Schills gezeigt werden.

Schilldenkmal in Stralsund

Schilldenkmal in Stralsund

Bildquelle: Von D.j.mueller 17:26, 11 November 2007 (UTC) – Selbst fotografiert, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=3073594

 

Die Kaserne der Bundeswehr in Torgelow heißt Ferdinand-von-Schill Kaserne. In den Bundeswehrstandorten Lütjenburg und Wesel wurden weitere Kasernen nach Ferdinand von Schill benannt, dort heißen sie Schill-Kaserne.

Gedenktafel in Wittenberg

Gedenktafel am Schloßplatz, in der Lutherstadt Wittenberg

Bildquelle: Von OTFW, Berlin – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15856663

 

 

Schill diente mehrfach als Motiv der Literatur und für Spielfilme

  • „Der Feuerreiter“, Spielfilm um Ferdinand von Schill, 1940
  • „Kolberg“, Spielfilm um die Verteidigung Kolbergs, 1945
  • „Die elf Schill’schen Offiziere“, Märkische Film GmbH Berlin

 

 

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

August Neithardt von Gneisenau

Gneisenau

geschichte-07-ddr-seite-1

 

Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

August Wilhelm Antonius Graf Neidhardt von Gneisenau, geboren am 27. Oktober 1760 als August Wilhelm Antonius Neidhardt in Schildau, Kurfürstentum Sachsen, gestorben am 23. August 1831 in Posen, Provinz Posen, war ein preußischer Generalfeldmarschall und Heeresreformer.(preußische Reformen) Er hatte als Blüchers Stabschef wesentlichen Anteil am Sieg bei Waterloo.

Das 1814 zum Grafenstand verliehene Wappen

Das 1814 zum Grafenstand verliehene Wappen

Bildquelle: Von Unbekannt – Wappengrafik nach dem königlich preußischen Diplom 1814 für August Neidhardt von Gneisenau, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=46826973

Gneisenau wurde als Sohn des sächsischen Artillerieleutnants August Wilhelm Neidhardt und seiner Frau Maria Eva, geborene Müller, geboren. Der Vater nannte sich „von Neidhardt“; erst in den folgenden Jahren wurde der Beiname Gneisenau, von einem früheren Besitztum der Familie in Österreich, Schloss Gneisenau, hinzugefügt. Als der spätere Feldmarschall 1777 auf der Universität Erfurt immatrikuliert wurde, wurde er im Register als „Antonius Neidhardt“ aufgeführt. Dagegen nannte ihn die brandenburg-ansbachische Rangliste von 1783 „Neidhardt von Gneisenau“, und diesen Doppelnamen behielt er auch im preußischen Dienst.

Nach dem Tod der Mutter am 22. Oktober 1761 übergab ihn sein Vater an Pflegeeltern in Schildau oder Hildesheim. Im Jahr 1769 kam der junge Neidhardt zu seinem Großvater mütterlicherseits nach Würzburg und besuchte die dortige Jesuitenschule bis zum Tod des Großvaters 1772. Danach ist sein Aufenthalt ungeklärt; Würzburg, Schwäbisch Gmünd und Erfurt sind mögliche Aufenthaltsorte. Am 1. Oktober 1777 immatrikulierte sich Neidhardt an der Universität Erfurt und studierte militärische Mathematik, Artilleriewesen, Befestigungskunst und Kartografie. Durch seinen lockeren Lebenswandel verlor der 18-Jährige das großväterliche Erbe und brach 1778 sein Studium ab. Er trat dann in das in Erfurt in Garnison liegende österreichische Husaren-Regiment „Graf Wurmser“ ein und zog als Gemeiner in den Bayerischen Erbfolgekrieg. Nach dem Frieden von Teschen (Cieszyn) im Jahr 1779 trat Neidhardt in den Dienst des Markgrafen Karl Alexander von Brandenburg-Ansbach. In der Rangliste des dortigen Jägerbataillons ist Neidhardt erstmals mit dem Namen verzeichnet, den inzwischen sein Vater angenommen hatte: Neidhardt von Gneisenau.

 

Teilnahme am Amerikanischen Unabhängigkeitskrieg (1782/83)

Der, wie andere deutsche Fürsten auch, an Geldmangel leidende Markgraf Karl Alexander vermietete während des Amerikanischen Unabhängigkeitskrieges Truppen an Großbritannien. Gneisenau meldete sich zum Einsatz in Nordamerika, wurde zum Leutnant ernannt und 1782 nach Amerika verschifft. Da der Krieg fast vorüber war, verbrachte Gneisenau seine Zeit meist in der Garnison von Québec. Bereits Ende 1783 kehrte er in die Garnison Bayreuth zurück und trat zur Infanterie über.

 

Aufstieg im preußischen Heer (1783–1806)

Auch wegen des eintönigen Dienstes verließ er die Dienste des Markgrafen von Ansbach-Bayreuth und bewarb sich 1785 beim preußischen Heer. Vor seiner eigentlichen Anstellung hospitierte Gneisenau mit Genehmigung Friedrichs des Großen als Sekondeleutnant im Potsdamer Generalquartiermeisterstab. Als jüngster Premierleutnant wurde er 1786 zum leichten Infanterie-Regiment Chaumontet in die Garnison Löwenberg (Lwowek) versetzt. Er lernte in seiner Garnisonszeit die englische, französische und polnische Sprache und studierte Geschichte, Literatur und Kriegswissenschaften. Am 17. März 1788 wurde er in die Freimaurerloge „Zu den drei Felsen“ der Großloge „Große National-Mutterloge Zu Den Drei Weltkugeln“ in Schmiedeberg i. Riesengebirge aufgenommen.

1790 erfolgte die Beförderung zum Stabskapitän. Von 1792 bis 1795 war Gneisenau mit seinem Bataillon bei der zweiten Polnischen Teilung zusammen mit russischen Truppen eingesetzt. Im Jahr 1795 wurde Gneisenau zum Hauptmann befördert und als Kompaniechef nach Jauer(Jawor) versetzt.

Er heiratete 1796 die vermögende Karoline von Kottwitz, mit der er in den Folgejahren vier Töchter und drei Söhne hatte.

Nachdem seine Frau 1803 das Gut Mittel-Kauffung erworben hatte, studierte Gneisenau landwirtschaftliche Schriften, entwarf Pläne zur Melioration und richtete eine Kartoffelbrennerei ein. Nebenher beschäftigte er sich weiter intensiv mit Studien zum Truppendienst, zur Infanterie, Kavallerie, Artillerie, Ingenieurkunde, Taktik und Militärgeografie.

Heeresreformer während der napoleonischen Herrschaft (1806–1812)

Am 10. Oktober 1806 nahm Gneisenau unter dem Befehl des Prinzen Louis Ferdinand von Preußen im Gefecht bei Saalfeld erstmals an Kampfhandlungen gegen die Truppen Napoleons teil und wurde verwundet. Trotzdem kämpfte er in der Doppelschlacht bei Jena und Auerstedt am 14. Oktober 1806 im Gefolge des preußischen Generals Ernst von Rüchel. Nach der Niederlage der preußischen Truppen entkam Gneisenau zum Sammelpunkt der geschlagenen preußischen Armee nach Graudenz. Er wurde am 17. Dezember 1806 zum Major befördert und mit seinem Bataillon an die russische Grenze in (Preußisch-)Litauen verlegt. In Denkschriften analysierte Gneisenau die Fehler der Preußen in den Schlachten bei Jena und Auerstedt und forderte eine Reform der Taktik. Vom König Friedrich Wilhelm III. von Preußen wurde Gneisenau auf Empfehlung des Generals Ernst von Rüchel, inzwischen Generalgouverneur der Provinz Preußen, als neuer Kommandant in die belagerte pommersche Festung Kolberg entsandt, wo er am 29. April 1807 auf dem Seeweg über die Ostsee eintraf. Gneisenau organisierte die erfolgreiche Verteidigung der Festung auch durch die Einbeziehung patriotischer Bürger um den Bürgerrepräsentanten Joachim Nettelbeck. Der Waffenstillstand zwischen Preußen und Frankreich beendete den Kampf um Kolberg am 2. Juli 1807. Gneisenau war bereits am 13. Juni 1807 zum Oberstleutnant befördert worden und wurde auf Wunsch von Scharnhorst in die Militär-Reorganisationskommission berufen.

Zwischen 1807 und 1810 hielt sich Gneisenau meist in Memel und Königsberg auf. Unter anderem arbeitete er mit General Graf Yorck das neue Exerzier-Reglement für die Infanterie(1812) aus. Mit weiteren Offizieren war er mit der Aufklärung der Vorgänge betraut, die zur Kapitulation der Festungen Erfurt, Magdeburg, Nienburg und Neiße sowie des Hohenloheschen Korps bei Prenzlau und zur Niederlage der Schlacht bei Jena und Auerstedt und dem Gefecht bei Halle geführt hatten. Im Sommer 1808 forderte er in einer Denkschrift an den König die Volksbewaffnung, die Züge der Guerillataktik erkennen ließ, und verfasste wenig später die „Konstitution für die allgemeine Waffenerhebung des nördlichen Deutschlands gegen Frankreich“. Im Mai 1808 wurde Gneisenau zum Inspekteur der Festungen ernannt und wurde im September 1808 auch Chef des Ingenieurkorps. Am 1. März 1809 wurde er als Mitglied des Artillerie- und Ingenieurdepartements ins preußische Kriegsministerium berufen. Im Mai 1809 griff Gneisenau seinen Gedanken der Volkserhebung wieder auf und regte die Aufstellung einer „Preußischen Legion“ an der Seite der Österreicher an.

Im Mai 1809 wurde Gneisenau zum Oberst befördert und quittierte im Juli 1809 seinen Dienst „für die Dauer des Friedens“, nachdem er und andere Reformer von reaktionären Kräften am Hof verleumdet und des Verrats beschuldigt worden waren. In inoffiziellem Auftrag reiste Gneisenau im August 1809 nach Großbritannien, um die Möglichkeiten britischer Hilfe im Kampf gegen Napoleon zu sondieren. In Kenntnis seiner militärischen Fähigkeiten boten ihm lediglich  Friedrich Wilhelm, Herzog von Braunschweig, das Kommando in seinem Freikorps, der Schwarzen Schar, und die Briten den Eintritt in die Deutsch-Englische Legion an. Enttäuscht kehrte Gneisenau im Dezember 1810 nach Berlin zurück. Zum Schutz vor französischen Spitzeln brachte ihn Clausewitz bei einem Tischler in Pankow (bei Berlin) unter. Danach begab sich Gneisenau auf sein Gut in Schlesien, hielt aber weiter engen Kontakt zu den Reformern (Scharnhorst, Boyen und Blücher).

 

Wirken in den Befreiungskriegen (1812–1815)

Nach der französischen Niederlage im Russlandfeldzug von 1812/13 konnten sich die Reformer in Preußen endlich durchsetzen, und am 16. März 1813 erklärte König Friedrich Wilhelm III. von Preußen dem napoleonischen Frankreich den Krieg. Gneisenau wurde als Generalmajor im selben Monat wieder in das preußische Heer eingestellt und als Zweiter Generalquartiermeister zur Armee Blüchers versetzt, in der auch sein Sohn August bei der Kavallerie diente. Beim Einrücken in den Rheinbundstaat Sachsen verfasste Gneisenau einen Aufruf zum gemeinsamen Widerstand. In Dresden, das von den Franzosen geräumt worden war, ordnete Gneisenau die Schaffung von Flussübergängen an, da die Elbbrücken von den Franzosen gesprengt worden waren. In der Schlacht bei Großgörschen am 2. Mai 1813 befehligte Gneisenau die Kavallerie des linken Flügels. Da der Erste Generalquartiermeister der Blücher-Armee, Scharnhorst, in dieser Schlacht verwundet wurde, übernahm Gneisenau in der Folge die Aufgaben des Ersten Generalquartiermeisters. In der Schlacht bei Bautzen unterlagen die vereinten preußisch-russischen Truppen erneut, während das Reitergefecht bei Haynau (Chojnow) gewonnen wurde.

Die Zeit des Waffenstillstands vom 4. Juni bis August 1813 nutzte Gneisenau zur weiteren Ausbildung und Ausrüstung der preußischen Truppen, insbesondere der Schlesischen Armee Blüchers. Gleichzeitig führte er – in der Nachfolge des erkrankten Friedrich Wilhelm von Götzen d. J. – auch die Geschäfte des Generalgouvernements Schlesien. Er ließ auch die schlesischen Festungen ausbauen und weiter aufrüsten. Mitte August hatte die Schlesische Armee eine Stärke von 105.000 Mann und bestand aus zwei russischen und einem preußischen Korps. Nach den Gefechten bei Löwenberg, Bunzlau und Goldberg zwischen dem 21. August und dem 23. August 1813 musste sich die schlesische Armee allerdings zurückziehen. Aber in der Schlacht an der Katzbach am 26. August errangen die Verbündeten den Sieg.

Bis Ende September 1813 kämpfte die von Blücher und Gneisenau geführte Schlesische Armee in Schlesien und drang dann ab 26. September 1813 über Bautzen nach Norden vor. Am 5. Oktober 1813 stand die Armee östlich von Bitterfeld. Auch die anderen beiden verbündeten Heere, die Nordarmee unter dem schwedischen Kronprinzen Bernadotte und die Böhmische Armee unter dem österreichischen Fürsten Schwarzenberg, konzentrierten ihre Kräfte im mitteldeutschen Raum bei Leipzig, wo es am 18. Oktober 1813 zur entscheidenden Völkerschlacht bei Leipzig kommt, die mit dem Sieg der Verbündeten endete. Blücher und Gneisenau zogen mit ihren Truppen als Erste in die Stadt ein. Beide wurden auf dem Marktplatz von Zar Alexander I. von Russland, von Kaiser Franz von Österreich, von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen und von Fürst Schwarzenberg belobigt. Gneisenau vermisste allerdings schmerzlich ein persönliches Wort der Anerkennung durch den preußischen König. Am 18. Dezember 1813 wurde Gneisenau zum Generalleutnant befördert. Sein Feldzugplan zum direkten Marsch der verbündeten Armeen wurde allerdings aus politischen Gründen anfangs verworfen. Erst am Jahresende 1813 gelang es Gneisenau, seinen Plan durchzusetzen. Die Schlesische Armee überschritt am 1. Januar 1814 bei Kaub den Rhein und marschierte westwärts Richtung Frankreich. In seinen Briefen warnte Gneisenau vor Verhandlungen mit Napoleon über einen Friedensabschluss, die bis Februar 1814 geführt wurden. Am 31. März 1814 endete der Feldzug mit der Kapitulation von Paris. Napoleon, dessen zivile und militärische Anhänger sich daraufhin den Bourbonen zugewandt hatten, musste abdanken und Frankreich verlassen. Der König erhob Gneisenau wegen seiner Verdienste in den Grafenstand und am 3. August 1814 ernannte ihn die Berliner Universität gemeinsam mit Hardenberg, Blücher, Yorck, Kleist, Bülow und Tauentzien zum Dr. phil. h. c. Über seine Erlebnisse im Freiheitskrieg berichtete Gneisenau unter anderem in zahlreichen Briefen an den inzwischen entlassenen General Ernst von Rüchel, Gneisenaus altem Gönner.

Nach Napoleons Rückkehr 1815 blieb Gneisenau weiter Stabschef von Blüchers Armee. Ein eigenes Kommando blieb ihm somit versagt, eine Entscheidung, die auf das andauernde Misstrauen des Hofes gegen ihn als „Jakobiner“ (mit seinen vormaligen Volksbewaffnungsplänen) zurückging, und die ihn tief kränkte. Trotzdem erfüllte er seine Aufgaben mit Tatkraft und Energie. Er bemühte sich für die Armee um Waffen und Geld aus Großbritannien, um die Versorgung der Truppe mit Verpflegung und Bekleidung zu gewährleisten und plante mit Blücher den Feldzug. Die geplante Vereinigung der britisch-niederländischen Armee unter Wellington mit der preußischen Armee unter Blücher scheiterte, als Napoleon die Preußen bei Ligny angriff und schlug. Die Schlacht der Franzosen gegen die Briten bei Quatre-Bras endete unentschieden. Daraufhin fassten Blücher und Gneisenau den Plan, unter Aufgabe der Versorgungslinien nicht nach Osten, sondern nach Norden zu marschieren, um so doch noch eine Vereinigung mit den Truppen Wellingtons zu erreichen. Wellington stellte sich Napoleon am 18. Juni 1815 bei Belle Alliance in Belgien zur Schlacht bei Waterloo. Erst als am späten Nachmittag die preußischen Truppen das Schlachtfeld erreichten, fiel die Entscheidung zugunsten der Verbündeten. Napoleon wurde vernichtend geschlagen und später auf Beschluss der Alliierten nach St. Helena verbannt. Die preußischen Truppen erbeuteten zahlreiche Gegenstände aus Napoleons Besitz. Gneisenau behielt das kaiserliche Siegel und wurde im Juli 1815 zum General der Infanterie befördert. Der bayerische König Maximilian I. Joseph zeichnete ihn mit dem Großkreuz des Militär-Max-Joseph-Ordens aus.

Verlust des Einflusses, Alter und Tod (1815–1831)

Nach dem Krieg zog sich der an Gicht erkrankte Gneisenau zunächst auf sein verschuldetes Gut zurück. Aber bereits im Oktober 1815 übernahm er das Generalkommando am Rhein. Gneisenau hielt Verbindung zu fortschrittlichen Intellektuellen zumal in Berlin und wurde – als „Jakobiner“ – verstärkt und dauerhaft zum Ziel von Angriffen konservativ-reaktionärer Kreise am Königshof. Daraufhin reichte er im April 1816 seinen Abschied ein. Der König lehnte ab und gewährt stattdessen einen „Urlaub auf unbestimmte Zeit“.

Als Gneisenau Wochen später zurückkehrte, war seine Dienststellung schon mit einem anderen besetzt. Gneisenau wurde vom König in den Preußischen Staatsrat berufen, aber erst Hardenberg gelang es, Gneisenau zur Annahme der Berufung zu überreden. Er erhielt den Vorsitz in den Abteilungen „Äußere Angelegenheiten“ und „Militärangelegenheiten“. Im Jahr 1818 wurde Gneisenau vom König zum (nur der Repräsentation dienenden) Gouverneur von Berlin ernannt. 1819 wurde die Eigenständigkeit der Landwehr abgeschafft, ohne dass man Gneisenau als Vorsitzenden der Abteilung für Militärangelegenheiten konsultierte. Er wurde zum Präses der Ober-Militär-Examinationskommission ernannt, die die wissenschaftliche Eignungsprüfung der Offiziere abhielt, und war dort mit reiner Verwaltungsarbeit beschäftigt. Jeder Einfluss auf Entscheidungen war ihm damit entzogen; seine Gegner hatten ihn kaltgestellt.

Auf Gneisenaus eigene Empfehlung wurde die Position des Gouverneurs von Berlin 1820 zur Entlastung der Staatskasse gestrichen, Titel und Berliner Dienstwohnung blieben ihm jedoch erhalten. Er pendelte zwischen Berlin und seinem Gut Erdmannsdorf bei Hirschberg, das er gegen Gut Mittel-Kauffung eingetauscht hatte. Gneisenau engagierte sich für die Künste, befürwortete die Wiederherstellung des alten Schlossgartens in Berlin und sorgte unter anderem mit Schinkel, Christian Daniel Rauch und Carl von Clausewitz dafür, dass Scharnhorst ein würdiges Grabmal erhielt, das noch heute auf dem Invalidenfriedhof zu Berlin zu sehen ist.

Am 18. Juni 1825 fand bei den Feierlichkeiten zum 10. Jahrestag der Schlacht bei Waterloo die Ernennung Gneisenaus zum Generalfeldmarschall statt. Als königliche Schenkung erhielt er das Gut Sommerschenburg in der preußischen Provinz Sachsen. Er wurde auch weiterhin revolutionärer Ideen verdächtigt, obwohl er längst konservative Ansichten hatte; so wurde sein Briefwechsel kontrolliert.

1830 erfolgte in Polen ein Aufstand gegen die russische Besatzung („Polnischer Insurrektionskrieg“). Den Oberbefehl über das von Preußen aufgestellte Korps an der Grenze zu Russisch-Polen erhielt im Dezember 1830 Gneisenau. Zar Nikolaus I. von Russland verzichtete jedoch auf die preußische Waffenhilfe. Neidhardt von Gneisenau fiel während seines Kommandos am 23. August 1831 der aus Russland über Polen eingeschleppten europäischen Cholera-Epidemie zum Opfer, nachdem er noch am 1. Mai an Wilhelm von Scharnhorst geschrieben hatte: „Ich meinerseits halte die Cholera weder für so ansteckend noch für so gefährlich.“

 

Nachkommen

Gneisenaus Söhne August, Hugo und Bruno schlugen eine militärische Laufbahn ein. Die Tochter Agnes (* 24. April 1800; † 5. Juli 1822), war mit Wilhelm von Scharnhorst, die Tochter Hedwig (* 3. Dezember 1805; † 22. Oktober 1890) seit 1828 mit Graf Friedrich von Brühl, die Tochter Emilie mit Graf Karl von Hohenthal auf Schloss Püchau verheiratet. Die Tochter Ottilie blieb ledig.

Im Jahr 1822 starb die Tochter Agnes, verheiratet mit Scharnhorsts Sohn Wilhelm, bei der Geburt ihres dritten Kindes. Gneisenau kümmerte sich nun um seine Enkel, da sich sein Schwiegersohn im Ausland aufhielt.

 

Grabstätte

Die sterblichen Überreste des Generalfeldmarschalls Graf Neidhardt von Gneisenau wurden zunächst auf einer Bastion der Festung Posen aufgebahrt. Nach Abklingen der Cholera wurden sie in die Kirche von Wormsdorf (Landkreis Börde) überführt und fanden ihre letzte Ruhe 1841 in Sommerschenburg.

Gneisenau Denkmal am Morsoleum

Denkmal am Mausoleum

Bildquelle: Von Doris Antony, Berlin – photo taken by Doris Antony, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=4034823

 

 

Weiteres zur Grabstätte und Denkmal siehe Wikipedia.

 

entnommen Wikipedia bearbeitet von Petra Reichel


 

So sieht das „Jugendlexikon – Militärwesen“ der DDR von 1984

August Neidhardt von Gneisenau
Buchtitel Jugendlexikon-Militärwesen Kopie 3

 

 

 

 

Gneisenau Seite 1

siehe auch PDF-Datei

Gneisenau

Reformen in Preußen

Preußische Reformen Übersicht -1

Buchtitel %22Geschichte in Übersichten%22

Entnommen aus „Geschichte in Übersichten“, Berlin/DDR 1982

 

 

siehe auch PDF-Datei

Preußische Reformen Übersicht -1

 

Die Ziele des Freiherrn vom Stein

Fortschrittliche Leute erkannten, dass der Zusammenbruch Preußens im Jahre 1806 kein Zufall war. Ihnen blieben die rückständigen gesellschaftlichen Verhältnisse nicht verborgen. Da ihnen die Zukunft Deutschlands am Herzen lag, drängten sie gerade auch in Preußen auf Veränderung. An der Spitze dieser politisch klugen Leute stand der Freiherr vom Stein. Er war kein Revolutionär, aber er trat für wirksame Reformen in Preußen ein. Die Geschichtsschreibung der DDR blendete allerdings aus, dass Freiherr vom Stein letztendlich gar nicht so fortschrittlich gesonnen war. Aus den verschiedensten politischen Richtungen ist sich auf Stein berufen worden.

vom Stein

Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

Die Lage der Bauern sollte verbessert werden. Den Adel wollte er nicht abschaffen, aber in seiner wirtschaftlichen und politischen Macht beschränken.

Freiherr vom Stein wusste, dass die französische Fremdherrschaft nicht ohne das Volk abgeschüttelt werden konnte. Die Bauern und Bürger sollten sich in Zukunft nicht in erster Linie als Preußen, Sachsen, Mecklenburger usw. fühlen, sondern als Deutsche.

Die Junker(Gutsherren) hassten Freiherr vom Stein, weil er sich als Patriot zeigte und nicht für ihre egoistischen Ziele eintrat. Sie erreichten, dass ihn der preußische König im November 1808 als Minister entließ, was auch Napoleon gefordert hatte. Die Rolle der Junker im Zusammenhang mit der Entlassung Steins als Minister wird in der Personenbeschreibung von Wikipedia ausgeblendet. Aber Freiherr vom Stein gab sich nicht geschlagen und setzte seinen Kampf gegen die französischen Unterdrücker fort. Daraufhin ließ ihn Napoleon verfolgen.

Freiherr vom Stein über das Vaterland

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die Veränderung der Lage unter den Bauern

Noch immer war der größte Teil der preußischen Bevölkerung in der Landwirtschaft tätig. Die Masse der Bauern und Landarbeiter befand sich in einer Art Leibeigenschaft, der sogenannten Erbuntertänigkeit. Oft schon hatten sie an dieser feudalen Fessel gerüttelt und sich gegen die Unterdrückung aufgelehnt. Doch den Junkern(Gutsherren) gelang es stets, die aufflackernden Bauernunruhen zu ersticken.

Als preußischer Minister war Freiherr vom Stein mit einsichtsvollen Leuten bemüht, die menschenunwürdigen Zustände auf dem Lande zu beseitigen.

Am 09. Oktober 1807 erschien eine Verordnung, die den Bauern die persönliche Freiheit brachte. Sie ist als Oktoberedikt in die Geschichte eingegangen. Die Bauern konnten nun ohne Genehmigung des Gutsherrn den Wohnort wechseln und ihre Kinder ein Handwerk lernen lassen. Sie forderten seit langem aber auch die Beseitigung der Frondienste und Abgaben. Diesen Verpflichtungen mussten sie weiterhin nachkommen. Ihr Wegfall sollte erst durch neue Verordnungen geregelt werden. Auch die Gerichtsgewalt verblieb weiter in den Händen der Gutsherren. Die Junker versuchten, die eingeleiteten Maßnahmen vielfach zu erschweren und zu verhindern.

 

Die Städtereform

Wichtige Neuerungen ergaben sich in dieser Zeit auch für Bürger der preußischen Städte. Sie wurden von der Städteordnung vom 19. November 1808 festgelegt.

Während bisher die Verwaltung der Städte durch königliche Beamte erfolgt war, galt nun die städtische Selbstverwaltung. Die wohlhabenden Bürger erhielten das Recht Stadtverordnete zu wählen. Diese entschieden über alle wichtigen Angelegenheiten, wie z.B. Finanzen und Polizei, und wählten den Magistrat(Stadtrat). Für den Posten des Oberbürgermeisters konnten sie drei Kandidaten vorschlagen, die Bestätigung nahm jedoch der preußische König vor.

—Zu diesen Neuerungen kamen wirtschaftliche Veränderungen hinzu. Der Zunftzwang wurde aufgehoben und die Gewerbefreiheit erklärt. Damit waren dem Kapitalismus einige Hindernisse aus dem Wege geräumt worden.

 

Die Heeresreform

Napoleon hatte der preußischen Armee einen schweren Schlag versetzt. Sie konnte sich von ihm nur erholen, wenn sie insgesamt reformiert wurde. Zu dieser Einsicht kamen patriotische Offiziere, die sich um den General Gerhard David von Scharnhorst scharten.

Scharnhorst

Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Sein engster Mitarbeiter wurde August Neithardt von Gneisenau. Beide hatten sich 1806/07 im Kampf gegen die französischen Truppen tapfer gehalten und nicht ehrlos gehandelt. Sie sahen, wie mutig die französischen Soldaten kämpften, weil sie keine Söldner waren und den Prügelstock nicht fürchten mussten. Scharnhorst und Gneisenau setzten sich deshalb das Ziel, die Grundlagen für ein Volksheer zu schaffen. Nach ihren Vorstellungen sollte die preußische Armee nicht mehr als Strafanstalt für Schwachköpfe und Taugenichtse gelten. Daher forderten sie vor allem:

  • Einführung der allgemeinen Wehrpflicht
  • Abschaffung der grausamen Strafen
  • Beseitigung der Vorrechte des Adels auf die Offiziersstellen
  • Änderung der militärischen Ausbildung und Kampfesweise

 

Gneisenau

Bildquelle: Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Es war nicht leicht, diese Vorstellungen zu verwirklichen, denn der preußische König und die Junker widersetzten sich allen weitreichenden Reformen. Sie hatten Angst vor den bewaffneten Bauern und Bürgern. Die Patrioten ließen sich jedoch durch die Haltung des Königs und der Junker nicht entmutigen. Schritt für Schritt suchten sie ihre Ideen in die Wirklichkeit umzusetzen. Dies gelang ihnen aber nur teilweise. Das Spießrutenlaufen und die Prügelstrafe wurden abgeschafft. Tüchtige und tapfere Soldaten sollten zukünftig Offiziere werden. Außerdem schmiedeten sie Pläne, um große Teile des Volkes zu bewaffnen und gegen die Franzosen führen zu können.

Da Preußen nur 42 000 Mann unter Waffen halten durfte, kam Scharnhorst auf folgenden Gedanken: Ein Teil der Soldaten wird jeweils beurlaubt. An ihre Stelle treten neue Rekruten. Diese werden nach kurzer Ausbildung wieder verabschiedet. Durch diese laufende Abwechslung wird die Gesamtstärke der Armee nicht überschritten, aber das Land verfügt über viel mehr Männer, die an den Waffen geübt sind. Das Volk nannte die auf diese Weise ausgebildeten Soldaten Krümper.

—Die Reformen insgesamt dienten der Vorbereitung des nationalen Befreiungskampfes. Sie leiteten die bürgerliche Umwälzung in Preußen ein, die mehrere Jahrzehnte andauerte. Engels charakterisierte das Reformwerk daher als Beginn der bürgerlichen Reform in Preußen.

Hauptforderung Heeresreform

Buchtitel %22Geschichte in Übersichten%22

 

Entnommen aus „Geschichte in Übersichten“, Berlin/DDR 1982

 

 

siehe auch PDF-Datei

Hauptforderung Heeresreform

In der BRD und der DDR gelten(galten) die preußischen Reformen als gesellschaftlicher Fortschritt. Insbesondere die Heeresreform steht(stand) in der Tradition von Bundeswehr und NVA.

 

geschichte-07-ddr-seite-1

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

Bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

Original-Beitrag aus dem Geschichtsbuch der DDR

Reformen in Preußen

 

 

Scharnhorst-Orden

Der Scharnhorst-Orden war ein Orden der DDR, der für Leistungen zur militärischen oder sonstigen Stärkung der DDR verliehen werden konnte. Er wurde am 17. Februar 1966 vom Ministerrat der DDR gestiftet und bis zum Ende der DDR 1990 verliehen.

 

Scharnhorst-Orden Beschreibung

Bildquelle: Wikipedia

 

 

Der Entwurf des Scharnhorst-Orden stammt ursprünglich von Klaus Bernsdorf. Die plastische Darstellung des Ordens selber wurde sodann vom Berliner Bildhauer Fritz Schulz ausgeführt.

Der Scharnhorst-Orden war ein einklassiger Orden und war benannt nach dem preußischen General Gerhard von Scharnhorst. Scharnhorst galt in der DDR als fortschrittlicher Militärtheoretiker, der sich für Reformen im preußischen Militärwesen einsetzte und die Grundlagen eines Volksheeres schuf. Die NVA sah sich direkt in der Tradition der deutschen Freiheitskriege von 1813 bis 1815 sowie in der Erfüllung der NVA als Volksheer.

Die NVA bezog sich in ihrer Tradition auf die deutschen Freiheitskriege von 1813-1815. Als Volksarmee bezog sie sich darauf, dass Scharnhorst das Söldnerheer in ein stehendes Volksheer umwandelte.

Scharnhorst-Orden

Scharnhorst-Orden

Bildquelle: Von 西部方面奇行師団長 – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=21393649

 

Der Orden wurde verliehen für hervorragende:

  • militärische Verdienste
  • Verdienste um dem Schutz der DDR sowie
  • Stärkung der Landesverteidigung der DDR

an Angehörige, Truppenteile, Verbände und sonstiger Einrichtungen (auch Zivileinrichtungen):

 

Zusätzlich war eine Verleihung des Ordens auch an Angehörige anderer bewaffneter Organe der DDR vorgesehen, die jedoch nicht zwingend in einer bewaffneten Organisation eingebunden sein mussten. Verleihungen waren auch an ausländische Militärangehörige vorgesehen und sind praktiziert worden. So zum Beispiel an den Marschall Wiktor Georgijewitsch Kulikow.

Der Orden wurde am Tag seiner Verleihung stets mit einer aufwendig gefertigten Urkunde überreicht. Dazu gab es eine einmalige Dotation von 5000 Mark.

Obwohl der Scharnhorst-Orden die höchste militärische Auszeichnung der DDR darstellte, erreichte er in der Reihenfolge aller Auszeichnungen der DDR nur den 7. Platz. Daraus ergab sich auch die Platzierung des Ordens an der Ordensschnalle bei höherwertigen Auszeichnungen.

Der Scharnhorst-Orden wurde auf der linken Brustseite an einer pentagonalen Bandspange (nach russischem Vorbild) getragen. Bei mehrfacher Verleihung wurde der Orden entsprechend seiner Verleihungsanzahl getragen.

Scharnhorst-Orden Beschreibung

 

Das Ordenszeichen war seit Beginn seiner Einführung im Jahr 1966 bis 1989 mehrfachen Änderungen unterworfen, wobei das Grundaussehen des Ordens nur unwesentlich geändert wurde. Der Scharnhorst-Orden bestand zeit seines Bestehens aus einem mit goldenen Strahlen unterlegten fünfarmigen Stern. Im Mittenmedaillon des Sterns befand sich in blauem Feld mit weißer Umrahmung ein goldenes Porträt von Scharnhorst, unter dem zwei gekreuzte goldene Dolche platziert waren.

 

  • 1. Ausführung 1966–1972: Produktion des Ordens aus vergoldetem 900er Silber, Rückseitig waren 5 Niete aufgesetzt.
  • 2. Ausführung 1973–1980: Produktion des Ordens aus vergoldetem Buntmetall, Rückseite glatt mit einem zentral gelegenen Niet gehalten.
  • 3. Ausführung 1980–1989: Einführung einer gemusterten (gesprengelten) glatten Rückseite ohne Niete, Medaillon nur noch aufgeleimt. 

Das Ordensband des Scharnhorst-Ordens war blau gehalten mit goldener Perkussion (gleichfarbigen beiderseitigen Streifen). Gleiches Farbspiel spiegelt sich auf der Bandspange wider, auf dessen Mitte eine Miniatur des Medaillons Scharnhorsts aufgesetzt war.

Genaue Maßangaben sind aufgrund unterschiedlicher Anfertigungen hinsichtlich Materialverwendungen nur bedingt möglich. Die Größenangaben basieren deshalb auf Mittelwerten. Diese waren:

  • Höhe einschließlich Öse: 45,45 mm bis 46,37 mm
  • Breite: ca. 42,5 mm
  • Gesamtbreite der Dolche: ca. 30,2 mm
  • Gewicht: 44 g bis 44,5 g

Der Scharnhorst-Orden wurde, wie viele andere Orden der DDR (z.B. Karl-Marx-Orden) an ganze Truppenteile, Verbände oder auch Betriebe in Form eines Fahnenbandes verliehen.

 

Bekannte Träger des Scharnhorst-Ordens:

 

 

Entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

 

 

 

Gerhard von Scharnhorst

Gerhard Johann David von Scharnhorst, geboren am 12. November 1755 in Bordenau, heute Teil von Neustadt am Rübenberge; verstorben am 28. Juni 1813 in Prag, war ein preußischer Generalleutnant. Neben August Graf Neidherdt von Gneisenau war er – als Vorsitzender der Militärreorganisations-Kommission seit Juli 1807- der entscheidende Organisator der Preußischen Heeresreform.

Scharnhorst Gemälde von Friedrich Bury

Scharnhorst Gemälde von Friedrich Bury

 

Bildquelle: Von Friedrich Bury – Web Gallery of Art:   Image  Info about artwork, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=11105001

 

 

Scharnhorst besuchte seit 1773 die vom Grafen Schaumburg-Lippe errichtete Militärschule auf dem Wilhelmstein und trat 1778 als Fähnrich in das kurhannoversche Reuterregiment „Estorff“ des Generals von Estorff ein. In dieser Zeit war er in Northeim (damals Nordheim) bei Göttingen stationiert. 1779 wurde Scharnhorst ein Mitglied im Bund der Freimaurer. Seine Loge „Zum goldenen Zirkel“ war in Göttingen ansässig.

1782 wurde von Scharnhorst Leutnant in der Artillerie und auf eigenen Wunsch an die Kriegsschule in Hannover berufen, wo er in der im selben Jahr gegründeten Artillerieschule einer ihrer ersten Lehrer und leitender Bibliothekar wurde.1783 unternahm er eine militärische Studienreise durch Bayern, Sachsen, Baden, Österreich und Preußen. Anschließend verfasste er Berichte über das Bayrische Militär, das in seinen Schriften nicht sehr gut abschnitt, bald darauf wurde er Lehrer an der Kriegsschule und 1792 Stabskapitän.

In den Jahren 1793–1795 machte er an der Spitze einer reitenden Batterie die Feldzüge in Flandern und Holland in der alliierten Armee mit und spielte besonders bei dem Rückzug aus Hondschoote und der Verteidigung Menens eine wichtige Rolle, weshalb er auf Betreiben von General Rudolf von Hammerstein zum Major befördert wurde.

Nach dem Krieg 1796 zum Oberstleutnant befördert, beschäftigte er sich mit literarisch-militärischen Arbeiten (wie für die allseits in Europa anerkannte Zeitschrift „Neues Militärisches Journal“), in denen er seine Erfahrungen aus den Feldzügen von 1793 bis 1795 verarbeitete. Zudem legte er seinen Vorgesetzten mehrere Denkschriften über Reformen, die seiner Meinung nach in der kurhannoverschen Armee nötig seien, vor. Weil seine Reformvorschläge in Hannover unbeachtet blieben, trat er 1801 als Oberstleutnant der Artillerie in den preußischen Dienst und wurde zum Direktor der Lehranstalt für junge Infanterie- und Kavallerieoffiziere ernannt, auf die sein Unterricht großen Einfluss ausübte. Einige Schüler wurden später seine Freunde und Mitarbeiter bei der Heeresreform, so wie Carl von Clausewitz, Hermann von Boyen, Karl von Grolman und Karl von Müffling.

1802 stiftete er die Militärische Gesellschaft in Berlin, der General Ernst von Rüchel als Präses vorstand. Die Gesellschaft gilt als Keimzelle der Heeresreform.

Scharnhorst zeitgenössicher Stich

Scharnhorst – zeitgenössischer Stich

 

Bildquelle: Von F.G. Brücke – Das Wissen des 20. Jahrhunderts, Verlag für Wissenschaft und Bildung, 1961, Rheda, Bd.1 S. 434, Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2947248

 

1804 in den Adelsstand erhoben und zum Obersten befördert, wurde er 1806 als Chef des Stabes zunächst dem General von Rüchel, später dem Herzog Karl Wilhelm Ferdinand von Braunschweig zugeteilt. Ununterbrochen schrieb er auch in diesen Jahren Denkschriften über Reformen wie z. B. die Einführung einer Nationalmiliz und die Mobilmachung.

In der Schlacht bei Auerstedt führte er die ihm zugeteilten Truppen vortrefflich, wurde jedoch in der linken Seite verwundet und machte den Rückzug Blüchers nach Lübeck mit.

Mit Blücher gefangen, aber mit demselben bald wieder ausgetauscht, wohnte er als Generalquartiermeister in L’Estocqs Korps der Schlacht bei Preußisch Eylau bei. Wegen seines tapferen und klugen Einsatzes in der Schlacht wurde er mit dem Pour le Mérite ausgezeichnet. Nach dem Frieden von Tilsit wurde er am 25. Juli 1807 zum Chef des Kriegsdepartements (Kriegsministerium), zum Chef des Generalstabes und zum Vorsitzenden der Militär-Reorganisationskommission ernannt, zu deren wichtigsten Mitgliedern Gneisenau, Grolman, Boyen und Clausewitz gehörten. In dieser Stellung reorganisierte er das Heer von Grund auf, indem er Qualifikationsvoraussetzungen für den Offizierstand einführte, das Werbesystem beseitigte und durch möglichst rasche Ausbildung der Rekruten (dem Krümpersystem) eine starke Reserve schuf sowie dem Soldatenstand zu besserem Ansehen verhalf: durch die Abschaffung der entwürdigenden Prügelstrafe und Verbesserung der Bildung, insbesondere für Offiziere. Er wandelte das Söldnerheer in ein stehendes Volksheer um und bereitete so die Organisation der Landwehr und die Befreiung Deutschlands vor.

Im Juni 1810 musste er aufgrund französischen Drucks „der Form nach“ vom Amt des preußischen Kriegsministers zurücktreten, blieb jedoch Chef des Generalstabes und nutzte die gewonnene Zeit als neuer Chef des Ingenieurkorps zu dessen Aufbau.

Als die Russen Anfang 1813 an der Grenze Schlesiens erschienen, betrieb Scharnhorst mit Eifer die Erhebung Preußens und den Abschluss des Traktats von Kalisch mit Russland(28. Februar). Mit Sicherheit hat Scharnhorst das Militärbündnis von Kalisch und die Stiftung des Eisernen Kreuzes dringend befürwortet; ihn jedoch als Initiator zu sehen, stellt eine Überschätzung dar. Entscheidender für den Abschluss des Vertrages von Kalisch war der Kanzler Hardenberg. Scharnhorst bewog den König zur Stiftung des Eisernen Kreuzes und wurde dann beim Ausbruch des Kampfes als Chef des Generalstabs der schlesischen Armee des preußischen Oberbefehlshabers Blücher zugeteilt, mit dem gemeinsam er – vergeblich – eine energischere Kriegführung forderte.

In der Schlacht bei Großgörschen (2. Mai 1813) erlitt er eine Schussverletzung am linken Knie, am selben Tage wurde ihm das Eiserne Kreuz verliehen. Wenige Wochen später, am 28. Juni 1813, starb er in Prag infolge unzureichender Behandlung der Knieverletzung, als er auf dem Weg nach Wien war, um Österreich zum Anschluss an die Koalition zu bewegen. Er wurde auf dem Invalidenfriedhof in Berlin im Feld C, G1 beigesetzt, wo sein Grab ein von Karl Friedrich Schinkel gestaltetes Monument mit einem Relief von Friedrich Tieck schmückt. Die Grabstätte ist ein Ehrengrab der Stadt Berlin. 1822 ließ König Friedrich Wilhelm III. dem Verstorbenen durch Rauchs Meisterhand vor der Hauptwache in Berlin eine Bildsäule errichten. In seinem Geburtsort Bordenau steht ein Denkmal vor seinem Geburtshaus. Eine von Rauch gefertigte Büste befindet sich in der Walhalla in Regensburg.

 

Ehrungen:

Scharnhorst-Denkmal in Berlin-Mitte

Scharnhorst-Denkmal von Christian Daniel Rauch, (Unter den Linden, Berlin-Mitte)

Bildquelle: Von I, DorisAntony, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2323310

 

Geburtshaus von Scharnhorst in Bordenau

Geburtshaus von Scharnhorst in Bordenau

 

Bildquelle: Von Axel Hindemith – Übertragen aus de.wikipedia nach Commons., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2118776

 

 

Scharnhorst-Denkmal im Geburtsort Bordenau

Scharnhorst-Denkmal im Geburtsort Bordenau

Bildquelle: Von Die Autorenschaft wurde nicht in einer maschinell lesbaren Form angegeben. Es wird Mutter Erde als Autor angenommen (basierend auf den Rechteinhaber-Angaben). – Die Autorenschaft wurde nicht in einer maschinell lesbaren Form angegeben. Es wird angenommen, dass es sich um ein eigenes Werk handelt (basierend auf den Rechteinhaber-Angaben)., Gemeinfrei, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=2237893

 

Grabstätte von Scharnhorst auf dem Invalidenfriedhof in Berlin

Grabstätte von Scharnhorst auf dem Invalidenfriedhof in Berlin

Bildquelle: Von Matthias Alfa – de.wikipedia.org: 20:44, 7. Apr 2006 . . MatthiasAlfa (Diskussion) . . 480 x 640 (87.754 Byte), CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=766762

 

Nach Gerhard von Scharnhorst wurden u. a. der Große Kreuzer „Scharnhorst“, das Vorpostenboot „Scharnhorst“ und das Schlachtschiff „Scharnhorst“ benannt.

Seinen Namen tragen die ehemalige Zeche Scharnhorst und – davon abgeleitet – die Stadtteile Alt-Scharnhorst und Scharnhorst-Ost sowie der Stadtbezirk Scharnhorst in Dortmund.

Nach ihm wurde der Scharnhorst-Orden der DDR benannt. 1980 gab die DDR zum 225. Geburtstag Scharnhorsts eine 10-Mark Gedenkmünze heraus.

An Scharnhorst erinnert der Preis für die Jahrgangsbesten der Offiziersanwärterjahrgänge des Deutschen Heeres, das Scharnhorsthaus an der Panzertruppenschule in Munster sowie der Scharnhorstsaal, das Audimax der Offizierschule des Heeres in Dresden. Zudem trägt das Scharnhorstgymnasium in Hildesheim seinen Namen, und in Wunstorf die Scharnhorstschule. In Wunstorf befindet sich am Stadtgraben an der Auebrücke ein Scharnhorst-Gedenkstein.

Die Gründung der Bundeswehr wurde 1955 bewusst auf den 12. November gelegt, den 200. Geburtstag von Scharnhorsts. Aus Anlass seines 250. Geburtstages fand am 12. November 2005 an seinem Geburtsort in Bordenau ein Feierliches Gelöbnis statt. Dieses bildete den Abschluss der Veranstaltungsreihe „50 Jahre Bundeswehr“.

Die Bundeswehr hat einige Kasernen nach Scharnhorst benannt, z. B. die Scharnhorst-Kaserne in Lingen (Ems), Northeim, Bremen oder Lüneburg, welche Mitte der 1990er Jahre in einem umfangreichen Konversionsprojekt zu einem Campus der Universität Lüneburg umgestaltet wurde. Die Scharnhorst-Kaserne, eine Sanitätskaserne in Hamburg-Harburg wurde 1993 aufgegeben und das Gelände im Stadtteil Heimfeld mit einer Wohnsiedlung „Scharnhorst Höhe“ bebaut.

Ihm zu Ehren wurde eine Büste in der Walhalla aufgestellt. Außerdem tragen zahlreiche Straßen in deutschen Städten seinen Namen.

Anlässlich des 250. Geburtstags des Namensgebers des Stadtbezirks Dortmund-Scharnhorst wurde ihm zu Ehren ein Triptychon geschaffen, welches am 12. November 2005 im Rahmen eines Festakts im Trauzimmer des Stadtbezirks enthüllt wurde und dort seinen Platz hat.

Weitere Einzelheiten Triptychon zu Ehren des Generals Gerhard Johann David von Scharnhorst

Triptychon zu Ehren des Generals Gerhard Johann David von Scharnhorst

Bildquelle: Von Bruni Braun – http://www.brunibraun.de/, CC BY 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=39383808

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet und gekürzt von Petra Reichel