Demokratischer Block

….der Parteien und Massenorganisationen(kurz D.B.)

 

Der Demokratische Block war eine Organisationsform des politischen Bündnisses der Parteien und Massenorganisationen in der DDR unter Führung der Arbeiterklasse und ihrer marxistisch-leninistischen Partei, der SED. Das wird heute als undemokratisch gewertet. Doch in der so viel gepriesenen bürgerlichen Demokratie ist das Großkapital die wirkliche Macht.

Der D.B. wurde auf Initiative des ZK(Zentralkomitee) der KPD und des ZA(Zentralausschuss) der SPD am 14. Juli 1945 mit dem Ziel gebildet, alle politisch organisierten demokratischen Kräfte des Volkes im Kampf gegen Imperialismus, Militarismus und Junktertum(Junker=Gutsherren) zu vereinen und gemeinsam die antifaschistisch-demokratische Umwälzung durchzuführen. Bereits am 06. März 1944 hatte das Politbüro der KPD den Vorschlag unterbreitet, allen in Deutschland nach der Befreiung vom Faschismus entstehenden und sich entwickelnden antifaschistisch-demokratischen Parteien und Organisationen das Angebot zu machen, sich zu einem nationalen Block der kämpferischen Demokratie zu vereinen. Dieser Vorschlag fand im Aufruf des ZK der KPD vom 11. Juni 1945 seinen Niederschlag. Der D.B. bestand bei der Durchführung der antifaschistisch-demokratischen Umwälzung und beim Aufbau des Sozialismus die seinerzeit historische Bewährungsprobe. Er leistete seit jener Zeit bis 1989 eine umfangreiche politische Arbeit zur Sicherung des einheitlichen Handelns der Mitglieder der Parteien und Massenorganisationen bei der allseitigen Stärkung der DDR, der Durchführung der Gesetze und Beschlüsse der Volksvertretungen. Der D.B. wurde zum Kern der Nationalen Front der DDR und zu einem wesentlichen Element der sozialistischen Demokratie. Aus heutiger und bürgerlich-demokratischer Sicht ist das nicht verständlich und wird als Kontrolle und Gleichmacherei interpretiert. Sieht man aber genau hin, ist der Streit in den bürgerlichen Parlamenten, Organisationen und Parteien oft Kaspertheater. Letztendlich führt auch da der Weg in eine Richtung. Abweichler haben keine Chance, doch es wird ihnen vorgegaukelt, doch eine Stimme zu haben.

Im D.B. wurden politische Grundfragen der Entwicklung der DDR und Probleme der internationalen Entwicklung, grundlegende Gesetzentwürfe u.a. staatliche Dokumente beraten, sowie Maßnahmen zu ihrer Verwirklichung festgelegt.

Neben dem zentralen D.B. bestand der D.B. in den Bezirken und Kreisen. Der Vorsitz des D.B. wechselte turnusmäßig.

Mit dem Wirken des D.B. wurde zugleich der Grundsatz realisiert, allen Bürgerinnen und Bürgern, unabhängig von ihrer sozialen Herkunft, religiösen oder weltanschaulichen Bekenntnis, breiteste Möglichkeiten zur aktiven Mitwirkung zur Gestaltung der entwickelten sozialistischen Gesellschaft zu geben. Offenbar wurden diese Möglichkeiten zu wenig genutzt. (siehe Beitrag zur Nationalen Front)

Berlin, Treffen des Zentralen Demokratischen Blocks

ADN-ZB/Mittelstädt/18.10.1989/Berlin: Treffen/Unter dem turnusmäßigen Vorsitz der SED trat im Haus des Nationalrates der Zentrale Demokratische Block der Parteien und Massenorganisationen zusammen. An dem Treffen nahmen u.a. teil der Generalsekretär des ZK der SED, Egon Krenz, der Vorsitzende der LDPD, Prof. Dr. Manfred Gerlach (l), der Vorsitzende der DBD, Dr. Günther Maleuda (2.v.l.), der Vorsitzende der CDU, Gerald Götting (4.v.l.), der Vorsitzende der NDPD, Dr. Heinrich Homann (5.v.l.), der 1. Sekretär des Zentralrates der FDJ, Eberhard Aurich (6.v.l.), der Präsident des Kulturbundes, Prof. Dr. Hans Pischner (/.v.l.), der Präsident des Nationalrates der Nationalen Front, Prof. Dr. Dr. Lothar Kolditz (8.v.l.).

Treffen des Zentralen Demokratischen Blocks der Parteien und Massenorganisationen, 18. Oktober 1989

Bildquelle:

Von Bundesarchiv, Bild 183-1989-1018-035 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

Am 5. Dezember 1989 traten LDPD und CDU aus dem Demokratischen Block aus. Am 7. Dezember folgte die NDPD.

Zahlen und Fakten aus Wörterbuch der Geschichte, DDR 1984 und Wikipedia

 

Wörterbuch der Geschichte, Berlin 1984

Demokratischer Block

Advertisements

Nationale Front der DDR (kurz N.F.)

Die Nationale Front der DDR( bis 1973 Nationale Front des demokratischen Deutschland) war eine sozialistische Volksbewegung und politische Kraft in der DDR, die aus der Volkskongressbewegung hervorging.
Ein Vorläufer der Nationalen Front war der bereits 1945 gegründete Antifa-Block, auch als Demokratischer Block bekannt. Auf dem Dritten Deutschen Volkskongress im Mai 1949 wurde dann die Nationale Front ins Leben gerufen.

In der Entschließung „Die Nationale Front des Demokratischen Deutschlands“ vom 04. Oktober 1949 veröffentlichte der PV(Parteivorstand der SED) die Grundsätze für die Tätigkeit und Organisation der N.F.. Am 07. Januar 1950 konstituierte sich das Sekretariat der N.F.. Der am 03. Februar 1950 gebildete Nationalrat beschloss am 15. Februar 1950 das Programm der N.F.. Die Hauptaufgabe der N.F. war die ständige Stärkung der DDR.

Die N.F. formierte sich nach Gründung der DDR zu einer breiten politischen Massenbewegung. In ihr fand das Bündnis aller Kräfte des Volkes seinen organisatorischen Ausdruck. Heute wird das als Kontrolle und Demokratieeinschränkung interpretiert. Doch es ging um die Bündelung der Kräfte sämtlicher Organisationen in der DDR, um die sozialistische Gesellschaftsordnung zu stärken.

Berlin, DDR-Gründung, 9. Volksratsitzung, Präsidium

ADN-ZB/Igel 7.10.1949 Berlin: Gründung der Deutschen Demokratischen Republik am 7.10.49 Im Gebäude der DWK (Deutsche Wirtschaftskommission) in der Leipziger Straße fand am 7.10.1949 die 9. Tagung des Deutschen Volksrates statt, auf der das Manifest der Nationalen Front des demokratischen Deutschland verkündet wurde. Der Deutsche Volksrat konstituierte sich zur Provisorischen Volkskammer der Deutschen Demokratischen Republik. Im Präsidium: 1. Reihe v.l.n.r.: Prof. Dr. Johannes Stroux, Wilhelm Koenen, Otto Grotewohl, Dr. Magdalena Stark-Wintersig, Ernst Goldenbaum, Wilhelm Pieck, Otto Nuschke, Dr. Lothar Bolz, Wilhelmine Schirmer-Pröscher, Walter Ulbricht. 2. Reihe v.l.n.r.: Paul Merker, Friedel Malter, Prof. Eberhard Hübner, Bernhard Göring, Prof. Dr. Theodor Brugsch, Prof. Walter Friedrich, Friedrich Ebert, Herbert Warnke, Käthe Kern, Vincenz Müller, Prof. Hans Reingruber, Elli Schmidt. 3. Reihe Mitte: Erich Honecker.

Bildquelle:
Von Bundesarchiv, Bild 183-S88622 / Igel / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Leipzig, Herbstmesse, Pavillon der Nationalen Front

Zentralbild Illner 2.9.1953 Leipziger Messe 1953 Am 31.8.1953 wurde der Pavillon der Nationalen Front, der ein Zentrum für die Wiedervereinigung unseres Vaterlandes in der Messestadt ist, in einer Feierstunde wiedereröffnet. Am 17. Juni 53 wurde dieser Pavillon von faschistischen Provokateuren zerstört, jedoch mit Hilfe vieler freiwilliger Aufbauhelfer bis zur diesjährigen Messe wiedererrichtet. UBz: Der neuerrichtete Pavillon der Nationalen Front.

Bildquelle:
Von Bundesarchiv, Bild 183-21044-0131 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bild ist entsprechend verlinkt

Die politische Arbeit der N.F. wurde vom Nationalrat geleitet. Organe des Nationalrates waren das Präsidium und das Sekretariat. Der Nationalrat hatte seinen Sitz in der damaligen Otto-Grotewohl-Straße 49, der heutigen Wilhelmstraße, in Berlin-Mitte. Heute befindet sich in diesem Gebäude ein Teil des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales.

In der N.F. waren Parteien und Massenorganisationen, wie der FDGB und verschiedene Verbände aller Zwecke, organisiert.

Die N.F. versuchte durch Bürgerinitiativen, wie „Schöner unsere Städte und Gemeinden“ (ähnlich dem Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“ in der alten BRD) alle, auch Unpolitische, in das gesellschaftliche Leben einzubinden.

Die Ausschüsse der N.F. förderten die Aktivität und Verantwortung der Bevölkerung bei der Vorbereitung und Durchführung der Wahlen zu den Parlamenten.

In den Bezirken, Kreisen und Stadtbezirken wurde die Tätigkeit der N.F. durch gewählte Bezirks-, Kreis- und Stadtbezirksausschüsse und deren Sekretariate geleitet. In den Städten und Gemeinden bestanden Wohnbezirksausschüsse der N.F.. Rund 340 000 Bürgerinnen und Bürger der DDR arbeiteten in den Ausschüssen der N.F.. Sie wirkten sehr eng mit den gewählten Volksvertretungen, mit Betrieben, Genossenschaften u.a. Einrichtungen, mit Handwerkern und Gewerbetreibenden zusammen. Sie sprachen über aktuelle Fragen der Innen- und Außenpolitik und widmeten sich im Interesse der Bürgerinnen und Bürger der Verbesserung der Arbeits- und Lebensbedingungen in den Wohngebieten, einem vielseitigen geistig-kulturellen und sportlichen Leben.
Die Ausschüsse der N.F. förderten die Aktivität und Verantwortung der Bevölkerung bei der Vorbereitung und Durchführung der Gesetze der Volkskammer der DDR, und der Beschlüsse der örtlichen Volksvertretungen.

Die N.F. war Träger der Wahlen zu den Parlamenten. Die N.F. unterbreitete den Wählerinnen und Wählern die Wahlvorschläge der von den Arbeitskollektiven(Arbeitskollektiv=Team am Arbeitsplatz, Kollegenkreis, Kolonne u.a. heutige Bezeichnungen mehr)
geprüften, von den Parteien und Massenorganisationen nominierten Kandidaten und stellte den Wahlaufruf zur Diskussion.
In der DDR ist vieles in der Wahlvorbereitung diskutiert und entschieden worden. So kamen bei der eigentlichen Wahl die 99,9% Ja-Stimmen zustande. Vom bürgerlichen Demokratieverständnis her ist das nicht nachvollziehbar.

Die vielfältigen Funktionen der, heute würde man sagen, Allroundorganisation hätten mehr mit Leben erfüllt sein müssen. Doch die Leute hatten wenig Interesse. Außerdem glaubten sie die Behauptung der Westmedien, dass die Nationale Front ein reines Kontrollorgan wäre.Auch das ein Weg in die Krise und den Untergang 1989/90.

Zahlen und Fakten Wikipedia und Wörterbuch der Geschichte, DDR 1984

Folie09

Wörterbuch der Geschichte zu: Nationale Front

 

 

Ehrennadel_NF_Silber

Ehrennadel der Nationalen Front in Silber

Bildquelle:
Von Uwe Engelman, Winkel 3, D-06188 Landsberg, Uwe.Engelmann@t-online.de (=Benutzer:VäterchenFrost). – Eigenes Werk (Originaltext: selbst erstellt), Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt
Ehrenmedaille_der_NF-VS

Ehrenmedaille in Silber

Bildquelle:
Von BrThomas in der Wikipedia auf Deutsch, CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Gruppe Ulbricht

Die Gruppe Ulbricht war eine von der Sowjetunion gesteuerte Gruppe von deutschen Politikern direkt nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in Deutschland. Sie bestand aus Funktionären der KPD und zehn „antifaschistischen Kriegsgefangenen“, die am 30. April 1945 aus der Sowjetunion nach Deutschland zurückkehrten. Sie sollte die Politische Hauptverwaltung der 1. Belorussischen Front bei der Neuorganisation des öffentlichen Lebens und der Verwaltung Berlins unterstützen und die Gründung von Parteien, Gewerkschaften und Organisationen vorbereiten. Die Gruppe wurde nach ihrem Leiter Walter Ulbricht benannt. Parallel dazu existierten zwei Regionalgruppen. Die Gruppe Ackermann kam vor allem in Sachsen zum Einsatz und die Gruppe Sobottka wurde in Mecklenburg eingesetzt.

Am 5. April 1945 definierte die Moskauer KPD-Führung die Aufgaben für die Gruppe Ulbricht und die anderen kommunistischen Kader(Führungskräfte), die nach Deutschland reisen sollten. Sie hätten darauf hinzuwirken, dass das Volk den Anweisungen der Sowjetischen Militärverwaltung folge. Zu diesem Zweck solle das Volk beruhigt und die Legende bekämpft werden, dass die Rote Armee es vernichten oder versklaven wolle. Es sei darum gegangen, den Hitlerstaat zu vernichten. Das deutsche Volk wolle und solle leben, müsse aber verstehen, dass dies nur friedlich und nicht auf Kosten anderer gehe. Daher solle die Bevölkerung dazu gebracht werden, alle „Hitlerbanditen“ an die Besatzungsbehörden zu übergeben. Die Katastrophe sei durch Hitlers Politik herbeigeführt worden, das deutsche Volk trage dafür große Verantwortung. Die Kommunisten hätten vor dieser Katastrophe gewarnt. Die Kader sollten dem deutschen Volk in seiner Not helfen und gleichzeitig eine Basis für die Zukunft der KPD legen.

Die Gruppe Ulbricht flog von Moskau nach Minsk und anschließend weiter nach Kalau bei Meseritz. Sie fuhr im LKW weiter zum Sitz des politischen Stabs der Armee von Marschall Schukow, der sich in Bruchmühle etwa 30 Kilometer östlich von Berlin befand. Sie wurden dort in der Buchholzer Straße 8 einquartiert. Mit ihrer Arbeit in Berlin begann die Gruppe Ulbricht am 2. Mai 1945, wobei sie bis zum 8. Mai von Bruchmühle aus ihre Tätigkeit ausübte. Anschließend war das Hauptquartier der Gruppe in Berlin-Friedrichsfelde in einem gut erhaltenen mehrstöckigen Haus in der Prinzenallee 80 (heute Einbecker Straße 41).Ulbricht nahm u.a. Kontakt auf zum Arzt Ferdinand Sauerbruch und zum Schauspieler Heinz Rühmann, die neben anderen beim Aufbau der neuen Verwaltung beratend mitwirken, d.h. in erster Linie Personen beleumunden sollten, die für ein Amt in Frage kamen.
Die Gruppenmitglieder waren in vielen Bereichen aktiv. So kümmerte sich etwa Hans Mahle unmittelbar nach Kriegsende um die Lebensmittelversorgung in Berlin, wurde aber bereits am 12. Mai 1945 von Nikolai Bersarin und Ulbricht beauftragt, den Rundfunk in der sowjetischen Besatzungszone aufzubauen.
Am 6. Mai 1945 übergab Ulbricht dem sowjetischen Stadtkommandanten Bersarin die erste Namensliste mit Vorschlägen zur Besetzung wichtiger Verwaltungsposten in Berlin. Bei den Ernennungen von Bezirksbürgermeistern und Stadträten, die er vom 12. bis 19. Mai 1945 vornahm, entsprach Bersarin ohne Abweichung der Vorschlagsliste Ulbrichts. Offensichtlich ging auch die Ernennung Paul Markgrafs, der zu den zehn „antifaschistischen Kriegsgefangenen“ gehört hatte, zum Polizeipräsidenten in Berlin auf die Initiative Ulbrichts zurück.
Anfang Juni reisten Ulbricht, Ackermann und Sobottka nach Moskau zurück, um einen ersten Bericht zu geben und sich weitere Instruktionen geben zu lassen. Am 4. Juni 1945 trafen sie Pieck, Josef Stalin und Andrei Schdanow. Stalin wies sie an, eine Partei der Werktätigen zu gründen, die für Proletarier, Bauern und Intellektuelle offenstehen solle. Diese Partei solle deutschlandweit arbeiten und mithelfen, die Einheit Deutschlands zu sichern, da die Westmächte seines Erachtens auf eine Teilung des Landes abzielten. Daher sei das Ziel die „Vollendung der bürgerl[ich]-demokr[atischen] Revolution“ durch eine „bürgerl[ich]-demokr[atische] Regierung“. Der Gründungsaufruf der KPD wurde von Anton Ackermann verfasst. In ihm sprach sich die neue Partei offen gegen eine Sowjetisierung Deutschlands aus. Stattdessen gehe es darum, die „Sache der bürgerlich-demokratischen Umbildung, die 1848 begonnen wurde, zu Ende zu führen“ und durch eine Bodenreform die „Überreste des Feudalismus“ zu beseitigen. Als Ziel nannte die Partei die „Aufrichtung einer antifaschistischen, demokratischen Republik mit allen demokratischen Rechten und Freiheiten für das Volk.“ Mit der Neugründung der KPD am 11. Juni 1945 hatte die Gruppe ihr erstes Ziel erreicht. Am 10. Juli zog sie in das Gebäude des Zentralkomitees der KPD um.

 

entnommen aus Wikipedia

Richard Staimer

Richard Staimer (* 25. Januar 1907 in München; † 24. Oktober 1982 in Berlin/DDR) war ein deutscher Kommunist, Spanienkämpfer und Generalmajor der NVA. Er war von 1955 bis 1963 Vorsitzender des Zentralvorstandes der Gesellschaft für Sport und Technik (GST).

Nach dem Besuch der Volksschule erlernte der Sohn des ehemaligen Münchner Polizeipräsidenten und Gewerkschaftssekretärs Josef Staimer von 1922 bis 1925 das Handwerk des Fliesenlegers. Diesen Beruf übte er bis 1931 aus, wobei er zwischen 1927 und 1929 auf Wanderschaft war und 1929/1930 in der Schweiz und Österreich arbeitete. Durch die Mitgliedschaft in einer Freien proletarischen Kindergruppe ab 1920 geprägt, trat Staimer mit Lehrbeginn in den KJVD ein. 1923 gehörte er dem M-Apparat sowie der Bezirksleitung Nord-Bayern des KJVD an. 1925 wurde er Mitglied der KPD. Gleichzeitig trat er weiteren kommunistischen Organisationen bei, wie etwa der Roten Hilfe, der RGO und dem RFB. 1930 wurde Staimer wegen politischer Tätigkeit aus Österreich ausgewiesen. Er fand in Nürnberg Arbeit als Bauarbeiter und wurde Leiter der Zersetzungsarbeit in der Polizei und der Reichswehr im M-Apparat für Nürnberg und Vorsitzender des Deutschen Bauarbeiterverbandes. 1931 wurde er als Kursant von der Kommunistischen Internationale an eine militärpolitische Schule nach Moskau delegiert. Von November 1931 bis Oktober 1932 war er Gauleiter des mittlerweile verbotenen RFB Nordbayern, zugleich Referent und Instrukteur der KPD-Bezirksleitung. Danach war er bis Februar 1933 illegal in Berlin tätig. Als Staimer im Juni 1933 eine Anklage wegen Hochverrats drohte, emigrierte er in die Sowjetunion.

Nach Ankunft in Moskau wurde er Schüler der Kommunistischen Universität der nationalen Minderheiten des Westens „Julian Marchlewski“. Nach Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs(nationalrevolutionärer Krieg in Spanien) und der Aufstellung der Interbrigaden ging Staimer nach Spanien. Er war zeitweise Kommandeur des Thälmann-Bataillons sowie später Kommandeur der XI. Internationalen Brigade unter dem Decknamen „General Hoffmann“. Im Zusammenhang mit Hans Beimlers Tod taucht Staimer immer wieder in der Funktion eines GRU-Agenten als Todesschütze auf. Dies ist die antikommunistische Theorie und Spekulation, die auch von bürgerlichen Historikern nach 1989 widerlegt worden ist(siehe Beitrag über Hans Beimler). Im Range eines Majors kehrte er im Januar 1938 nach Moskau zurück. Ab Februar 1939 wurde Staimer in Westeuropa eingesetzt. Zunächst hielt er sich im März/April 1939 in Paris auf und ging dann für die KPD illegal in die Schweiz. Am 7. Dezember 1939 wurde Staimer verhaftet und saß bis zum 21. Dezember in U-Haft. Gegen eine Kaution wurde er freigelassen. Bis zum Sommer 1941 war sein Aufenthalt von mehreren Verhaftungen und Krankenhausaufenthalten geprägt. Von Februar bis Mai 1941 saß er dabei im Arbeitslager Baumgarten ein. Zudem stand er seit Anfang 1941 auf der Sonderfahndungsliste „UdSSR“ der Gestapo. Staimer gelang es jedoch durch Erlangung der sowjetischen Staatsbürgerschaft nach Italien auszureisen, von wo er am 4. Juli 1941 mit dem Personal der sowjetischen Botschaft in Rom in die Sowjetunion zurückkehrte. Ab August 1941 erhielt Staimer eine militärische Spezialausbildung in der Nähe von Moskau, um danach an die KI-Schule in Kuschnarenkowo gesandt zu werden. Dort wurde er Ende 1941 wegen „Verletzung der konspirativen Regeln und persönlicher Schwächen“ abberufen. Die anschließende Parteiuntersuchung überstand er ohne Maßregelung. Zur Bewährung musste Staimer eine Tätigkeit in einem Baubetrieb in Ufa übernehmen, bis er auf Beschluss der KPD-Führung im Mai 1943 erneut in die Parteiarbeit einbezogen wurde. Kurzzeitig war er daraufhin Instrukteur im Kriegsgefangenenlager für Offiziere Nr. 97 in Jelabuga. Er wurde jedoch noch 1943 durch das NKWD abberufen und nach Ufa rückversetzt. Nach einem vorbereitenden politischen Lehrgang in der Nähe von Moskau kehrte Staimer im Juli 1945 nach Deutschland zurück.

 

Karriere in der DDR

Staimer wurde zunächst Leiter der Polizeiinspektion Berlin-Prenzlauer Berg. Seit 1946 SED-Mitglied, wurde er im April 1946 Chef der Landespolizeibehörde Brandenburg in Potsdam, ab dem 1. November 1950 im Range eines Chefinspekteurs. Am 7. November 1947 heiratete er Eleonore Pieck, die Tochter von Wilhelm Pieck. Vermutlich lernten sich beide bei Aufenthalten in Ufa oder Kuschnarenkowo kennen, die Überschneidung in den Biographien beider lassen diese Vermutung zu. Die Ehe bestand bis 1954. 1950 und 1951 wurde Staimer zu einem militärischen Sonderlehrgang nach Priwolsk (UdSSR) delegiert. Danach war bis 1952 Kommandeur der VP-Bereitschaft Leipzig im Range eines General-Inspekteurs. Staimer nahm vorerst seinen Abschied aus den bewaffneten Organen und bekleidete von 1952 bis 1954 das Amt des stellvertretenden Generaldirektors der Deutschen Reichsbahn, verantwortlich dabei für die Kaderarbeit(heute würde man sagen Personalchef). Zusätzlich wurde er ab Mai 1954 zum stellvertretenden Minister für Verkehrswesen ernannt. Von 1955 bis zum Februar 1963 war Staimer Vorsitzender des Zentralvorstands der GST. Zugleich wurde er 1955 Mitglied des Zentralrats der FDJ und war bis 1965 Mitglied des Nationalrats der Nationalen Front. Am 15. Februar 1960 wurde Staimer zum Generalmajor der Reserve ernannt. Seine Reaktivierung erfolgte am 1. April 1963. Er wurde zum Leiter der Abteilung für militärische Ausbildung beim Staatssekretariat beziehungsweise Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen ernannt. 1967 erhielt er den Vaterländischen Verdienstorden (VVO) in Gold.
Zum 1. Oktober 1969 wurde Staimer in die Reserve versetzt und ging in Rente. 1977 erhielt er den Karl-Marx-Orden und 1982 die Ehrenspange zum VVO in Gold.

Sein Grab findet sich in der Grabanlage „Pergolenweg“ der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde.

 

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel