Richard Staimer

Richard Staimer (* 25. Januar 1907 in München; † 24. Oktober 1982 in Berlin/DDR) war ein deutscher Kommunist, Spanienkämpfer und Generalmajor der NVA. Er war von 1955 bis 1963 Vorsitzender des Zentralvorstandes der Gesellschaft für Sport und Technik (GST).

Nach dem Besuch der Volksschule erlernte der Sohn des ehemaligen Münchner Polizeipräsidenten und Gewerkschaftssekretärs Josef Staimer von 1922 bis 1925 das Handwerk des Fliesenlegers. Diesen Beruf übte er bis 1931 aus, wobei er zwischen 1927 und 1929 auf Wanderschaft war und 1929/1930 in der Schweiz und Österreich arbeitete. Durch die Mitgliedschaft in einer Freien proletarischen Kindergruppe ab 1920 geprägt, trat Staimer mit Lehrbeginn in den KJVD ein. 1923 gehörte er dem M-Apparat sowie der Bezirksleitung Nord-Bayern des KJVD an. 1925 wurde er Mitglied der KPD. Gleichzeitig trat er weiteren kommunistischen Organisationen bei, wie etwa der Roten Hilfe, der RGO und dem RFB. 1930 wurde Staimer wegen politischer Tätigkeit aus Österreich ausgewiesen. Er fand in Nürnberg Arbeit als Bauarbeiter und wurde Leiter der Zersetzungsarbeit in der Polizei und der Reichswehr im M-Apparat für Nürnberg und Vorsitzender des Deutschen Bauarbeiterverbandes. 1931 wurde er als Kursant von der Kommunistischen Internationale an eine militärpolitische Schule nach Moskau delegiert. Von November 1931 bis Oktober 1932 war er Gauleiter des mittlerweile verbotenen RFB Nordbayern, zugleich Referent und Instrukteur der KPD-Bezirksleitung. Danach war er bis Februar 1933 illegal in Berlin tätig. Als Staimer im Juni 1933 eine Anklage wegen Hochverrats drohte, emigrierte er in die Sowjetunion.

Nach Ankunft in Moskau wurde er Schüler der Kommunistischen Universität der nationalen Minderheiten des Westens „Julian Marchlewski“. Nach Ausbruch des Spanischen Bürgerkriegs(nationalrevolutionärer Krieg in Spanien) und der Aufstellung der Interbrigaden ging Staimer nach Spanien. Er war zeitweise Kommandeur des Thälmann-Bataillons sowie später Kommandeur der XI. Internationalen Brigade unter dem Decknamen „General Hoffmann“. Im Zusammenhang mit Hans Beimlers Tod taucht Staimer immer wieder in der Funktion eines GRU-Agenten als Todesschütze auf. Dies ist die antikommunistische Theorie und Spekulation, die auch von bürgerlichen Historikern nach 1989 widerlegt worden ist(siehe Beitrag über Hans Beimler). Im Range eines Majors kehrte er im Januar 1938 nach Moskau zurück. Ab Februar 1939 wurde Staimer in Westeuropa eingesetzt. Zunächst hielt er sich im März/April 1939 in Paris auf und ging dann für die KPD illegal in die Schweiz. Am 7. Dezember 1939 wurde Staimer verhaftet und saß bis zum 21. Dezember in U-Haft. Gegen eine Kaution wurde er freigelassen. Bis zum Sommer 1941 war sein Aufenthalt von mehreren Verhaftungen und Krankenhausaufenthalten geprägt. Von Februar bis Mai 1941 saß er dabei im Arbeitslager Baumgarten ein. Zudem stand er seit Anfang 1941 auf der Sonderfahndungsliste „UdSSR“ der Gestapo. Staimer gelang es jedoch durch Erlangung der sowjetischen Staatsbürgerschaft nach Italien auszureisen, von wo er am 4. Juli 1941 mit dem Personal der sowjetischen Botschaft in Rom in die Sowjetunion zurückkehrte. Ab August 1941 erhielt Staimer eine militärische Spezialausbildung in der Nähe von Moskau, um danach an die KI-Schule in Kuschnarenkowo gesandt zu werden. Dort wurde er Ende 1941 wegen „Verletzung der konspirativen Regeln und persönlicher Schwächen“ abberufen. Die anschließende Parteiuntersuchung überstand er ohne Maßregelung. Zur Bewährung musste Staimer eine Tätigkeit in einem Baubetrieb in Ufa übernehmen, bis er auf Beschluss der KPD-Führung im Mai 1943 erneut in die Parteiarbeit einbezogen wurde. Kurzzeitig war er daraufhin Instrukteur im Kriegsgefangenenlager für Offiziere Nr. 97 in Jelabuga. Er wurde jedoch noch 1943 durch das NKWD abberufen und nach Ufa rückversetzt. Nach einem vorbereitenden politischen Lehrgang in der Nähe von Moskau kehrte Staimer im Juli 1945 nach Deutschland zurück.

 

Karriere in der DDR

Staimer wurde zunächst Leiter der Polizeiinspektion Berlin-Prenzlauer Berg. Seit 1946 SED-Mitglied, wurde er im April 1946 Chef der Landespolizeibehörde Brandenburg in Potsdam, ab dem 1. November 1950 im Range eines Chefinspekteurs. Am 7. November 1947 heiratete er Eleonore Pieck, die Tochter von Wilhelm Pieck. Vermutlich lernten sich beide bei Aufenthalten in Ufa oder Kuschnarenkowo kennen, die Überschneidung in den Biographien beider lassen diese Vermutung zu. Die Ehe bestand bis 1954. 1950 und 1951 wurde Staimer zu einem militärischen Sonderlehrgang nach Priwolsk (UdSSR) delegiert. Danach war bis 1952 Kommandeur der VP-Bereitschaft Leipzig im Range eines General-Inspekteurs. Staimer nahm vorerst seinen Abschied aus den bewaffneten Organen und bekleidete von 1952 bis 1954 das Amt des stellvertretenden Generaldirektors der Deutschen Reichsbahn, verantwortlich dabei für die Kaderarbeit(heute würde man sagen Personalchef). Zusätzlich wurde er ab Mai 1954 zum stellvertretenden Minister für Verkehrswesen ernannt. Von 1955 bis zum Februar 1963 war Staimer Vorsitzender des Zentralvorstands der GST. Zugleich wurde er 1955 Mitglied des Zentralrats der FDJ und war bis 1965 Mitglied des Nationalrats der Nationalen Front. Am 15. Februar 1960 wurde Staimer zum Generalmajor der Reserve ernannt. Seine Reaktivierung erfolgte am 1. April 1963. Er wurde zum Leiter der Abteilung für militärische Ausbildung beim Staatssekretariat beziehungsweise Ministerium für Hoch- und Fachschulwesen ernannt. 1967 erhielt er den Vaterländischen Verdienstorden (VVO) in Gold.
Zum 1. Oktober 1969 wurde Staimer in die Reserve versetzt und ging in Rente. 1977 erhielt er den Karl-Marx-Orden und 1982 die Ehrenspange zum VVO in Gold.

Sein Grab findet sich in der Grabanlage „Pergolenweg“ der Gedenkstätte der Sozialisten auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde.

 

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

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Hermann Gartmann

Hermann Gartmann wurde am 24. Dezember 1906 in Waldheim geboren und ist am 18. März 1972 in Berlin gestorben. Er war ein deutscher Kommunist, Interbrigadist(Teilnehmer am Bürgerkrieg in Spanien auf Seiten der spanischen Republik 1936-1939), Offizier der Deutschen Volkspolizei, Stellvertreter des Ministers für Staatssicherheit und Generalmajor der Nationalen Volksarmee der DDR.

Gartmann wurde im brandenburgischen Waldheim als Sohn einer Arbeiterfamilie geboren. Nach dem Besuch der Volksschule verdingte er sich von 1921 bis 1924 als Landarbeiter in Oggerschütz. Danach war er bis 1928 als Hilfsarbeiter im Baugewerbe in Berlin tätig. Bereits 1925 schloss er sich dem Kommunistischen Jugendverband Deutschlands an und trat zwei Jahre später der KPD bei. Ab 1928 war Gartmann bis 1931 Leitungsmitglied des Militärischen Apparates der KPD im Bezirk Berlin-Brandenburg. Wegen Agitation unter der Polizei wurde Gartmann 1931 zu zwei Jahren Festungshaft verurteilt und saß diese Haft bis 1933 in der Festung Groß Strehlitz ab. Nach einer Zeit der Arbeitslosigkeit arbeitete er ab 1934 zunächst als Eisenflechter, später als Tabellierer. 1937 emigrierte Gartmann in die Tschechoslowakei und schloss sich im selben Jahr den Internationalen Brigaden in Spanien an. Von 1939 bis 1941 wurde er in Frankreich interniert und sodann ins Konzentrationslager Dachau überführt, wo er bis 1945 in Haft blieb.

Nach dem Krieg kehrte Gartmann wieder nach Brandenburg zurück und wirkte zunächst für die KPD, später SED als 1. Sekretär der Kreisleitung Templin. Am 1. August 1948 wurde er Angehöriger der Volkspolizei und war dabei als Stellvertreter für politische Arbeit bei der Volkspolizei-Landesbehörde Brandenburg tätig. Ab Dezember 1949 leitete er bis Februar 1950 die Verwaltung zum Schutz der Volkswirtschaft Brandenburg, dann nach Bildung des Ministeriums für Staatssicherheit bis 1951 die Landesbehörde des MfS im Land Brandenburg. Am 1. März 1950 wurde er dabei zum Chefinspekteur ernannt. Anschließend bekleidete Gartmann bis 1952 das Amt eines Stellvertreters des Ministers für Staatssicherheit. Mit dem gemeinsamen Befehl Nr. G 1/52 des Ministeriums des Innern und des Ministeriums für Staatssicherheit stieg er am 1. August 1952 zum Chef der Hauptverwaltung Deutsche Grenzpolizei auf, die durch den gleichen Befehl nun dem Ministerium für Staatssicherheit unterstand. Gleichzeitig wurde er zum Generalinspekteur befördert. In dieser Dienststellung war Gartmann weiterhin bis 1955 Stellvertreter des Ministers für Staatssicherheit sowie ab 1953 auch Stellvertreter des Ministers des Innern. Am 12. Februar 1953 wurde er dabei zum Generalmajor des MfS ernannt. Ab 1955 baute Gartmann als Stellvertreter des Ministers für Staatssicherheit die Hauptverwaltung Innere Sicherheit (HVIS) auf. Die HVIS war die Vereinigung der Grenz-, Transport- und Bereitschaftspolizei unter einer Verwaltungsinstanz. Bereits 1957 wurden diese wieder dem Ministerium des Innern der DDR angegliedert und Gartmann erneut kurzzeitig Chef der Grenzpolizei.

Im Juni 1957 wurde er als Generalmajor in die NVA übernommen und diente von Oktober 1957 bis Oktober 1959 als Militärattaché in Moskau. Im Anschluss war er Offiziershörer an der Militärakademie Friedrich Engels und leitete ab Januar 1961 als Kommandeur die NVA-Offiziersschule II in Frankenberg/Sa. und ab 1963 die Offiziershochschule der Grenztruppen der DDR Rosa Luxemburg in Plauen. Im März 1964 schied er aus dem aktiven Dienst aus und war dann noch seit 1967 als Sekretär des „Solidaritätskomitees für das spanische Volk“ tätig.

Entnommen aus Wikipedia

Deutsche Grenzpolizei(DGP)

Die Deutsche Grenzpolizei(DGP) war der Vorläufer der Grenztruppen der DDR und unterstand dem Innenministerium.

Grenzpolizei der DDR am Elbufer

Grenzpolizisten an der Elbe 1956

Bildquelle:
„Bundesarchiv Bild 183-42998-0014, Grenzpolizei der DDR am Elbufer“ von Bundesarchiv, Bild 183-42998-0014 / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons – Bild ist entsprechend verlinkt

Die DGP wurde am 1. Dezember 1946 in der Sowjetischen Besatzungszone gegründet und unterstand bis zur Gründung der DDR der Deutschen Verwaltung des Innern (DVdI). Am 12. Mai 1952 wurde die Grenzpolizei mit dem vom Ministerium des Innern und dem Ministerium für Staatssicherheit erlassenen Befehl Nr. G 1/52 aus der Hauptverwaltung Deutsche Volkspolizei herausgelöst und ab Mai 1952 dem Ministerium für Staatssicherheit unterstellt. Zum 1. August wurde Hermann Gartmann zum Chef ernannt. Im Juni 1953 wurde die Deutsche Grenzpolizei als eine Auswirkung der Unruhen im selben Jahr wieder in das Ministerium des Innern zurückgegliedert.

Am 1. Dezember 1955 übernahm die Grenzpolizei die Aufgabe der Außensicherung der DDR-Grenzen von den bisher zuständigen sowjetischen Truppen. Darum wird der 1. Dezember jährlich als Ehrentag der Grenztruppen begangen. Auch heute noch ist für viele Freundinnen und Freunde der DDR dieser Tag Anlass die damaligen Angehörigen der Grenztruppen zu ehren.

Boot der Grenzpolizei vor Rügen

Boot der Grenzpolizei vor Rügen

Bildquelle:
„Bundesarchiv Bild 183-35031-0001, Rügen, Boot der Grenzpolizei“ von Bundesarchiv, Bild 183-35031-0001 / CC-BY-SA 3.0. Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 de über Wikimedia Commons – Bild ist entsprechend verlinkt

Kurz nach Schließung der Grenze in Berlin, am 13.08.1961 wurde die DGP dem Verteidigungsministerium unterstellt. (Ministerium für Nationale Verteidigung, kurz MfNV). Es erfolgte die Umwandlung in militärische Verbände. Diese trugen zunächst die Bezeichnung „Grenztruppen der NVA“. Am 15. September 1961 erfolgte die Umbenennung in „Grenztruppen der DDR“. Die Grenztruppen der DDR wurden aus der NVA herausgelöst. Somit waren diese kein Bestandteil bei Abrüstungsverhandlungen.

Die Abteilung Aufklärung beim Kommando der DGP arbeitete bis zum 31. Dezember 1961 selbständig mit inoffiziellen Kräften und war ab 1. Januar 1962 in der Hauptverwaltung Aufklärung des Ministerium für Staatssicherheit eingegliedert.

 

Siehe auch Wikipedia

 

In  die Beiträge von DIE TROMMLER und folglich DIE TROMMLER-ARCHIV  können sich Fehler einschleichen, welche in den Quellen, bzw. Quelltexten enthalten sind. 

DIE TROMMLER-ARCHIV hat nun folgende Zuschrift mit der Bitte um Korrektur erhalten. 

Korrektur von Bernd Dehn:

Auf der Archiv-Seite “Deutsche Grenzpolizei”

schreiben Sie

– “Die DGP wurde am 1. Dezember 1946 in der Sowjetischen Besatzungszone gegründet und unterstand bis zur Gründung der DDR der Deutschen Verwaltung des Innern (DVdI).”

– “Am 1. Dezember 1955 übernahm die Grenzpolizei die Aufgabe der Außensicherung der DDR-Grenzen von den bisher zuständigen sowjetischen Truppen. Darum wird der 1. Dezember jährlich als  Ehrentag  der Grenztruppen begangen.”

Richtig ist,

die sowjetische Militäradministration (SMA) ordnete die Bildung einer Grenzpolizei in den Ländern ihrer Besatzungszone zum 1. Dezember 1946 an. Das Datum gilt später als Gründungstag der Grenztruppen der DDR.

Die Grenzpolizei war Teil der Länderpolizei und untersteht den Landespolizeibehörden. Am 15.11.1948 wird die Grenzpolizei der Länder der DVdI direkt unterstellt. Nach Gründung der DDR wird die Grenzpolizei als “Hauptabteilung Grenzpolizei” Teil des Ministerium des Innern (MdI).

Mit Zuordnung der Grenzpolizei zum Verantwortungsbereich des Ministerium für Staatssicherheit, erfolgt am 16. Mai 1952 erfolgt die Umbenennung in Deutsche Grenzpolizei (DGP). Die bisherige blaue Uniform wird durch eine khakifarbene abgelöst.

(Quelle: Die Grenzen der DDR, Hrsg. K.-D. Baumgarten u. Peter Freitag, edition ost., 2. korr. Ausg. 2005)

Kampfgruppen der Arbeiterklasse (Betriebskampfgruppen)

KG-Fahne

Fahne der Kampfgruppeneinheiten Bildquelle: „KG-Fahne“ von Autorenkollektiv – Handbuch Kampfgruppen-Ausgabe. Lizenziert unter PD-Amtliches Werk über Wikipedia –

Die Kampfgruppen der Arbeiterklasse der DDR waren ein bewaffnetes Schutzorgan. Der Dienst in ihren Reihen war freiwillig und ihre Ausbildung erfolgte an den Wochenenden.

Ihre Vorläufer waren Arbeiterwehren in sozialistischen Großbetrieben, die nach der Niederschlagung der konterrevolutionären Aktionen am 17. Juni 1953 zum Schutz der Arbeiter und Bauernmacht gegen die Konterrevolution geschaffen wurden. Allerdings war das nicht von Erfolg gekrönt, denn 1989/90 ist die Konterrevolution gelungen.

Im Laufe des Jahres 1954 wurden sie als Betriebskampfgruppen weiterentwickelt. Ihre offizielle Aufgabe war anfangs der bewaffnete Betriebsschutz. Während der konterrevolutionären Aktionen in Ungarn im Jahre 1956 zeigten sie in der Öffentlichkeit Präsenz. Ab 1959 war die offizielle Bezeichnung Kampfgruppen der Arbeiterklasse. Ihr historisch wichtigster Einsatz war die Sicherung der Staatsgrenze der DDR in Berlin im Jahre 1961.

Die Kämpfer waren meist männliche Mitglieder und wenige Frauen aus den volkseigenen Betrieben (VEB), staatlichen Einrichtungen, Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) sowie Hoch- und Fachschulen, die in ihrer Freizeit mehrmals im Jahr (meist an Freitagen oder Wochenenden) zu militärischen Übungen und Schulungen in Uniform ausrückten. Ca. 60 % der Kämpfer waren Mitglied der SED. Angehörige der Kampfgruppen wurden zur Unterstützung der Deutschen Volkspolizei (DVP)mobilisiert, wenn Angehörige der Gruppe der Sowjetischen Streitkräfte in Deutschland mit Munition (meist mit MPi oder MG mit Patronen sowie Handgranaten)fahnenflüchtig waren. In ihrem Gelöbnis wurden die Kämpfer eingeschworen: „Ich bin bereit, als Kämpfer der Arbeiterklasse die Weisungen der Partei zu erfüllen, die Deutsche Demokratische Republik, ihre sozialistischen Errungenschaften jederzeit mit der Waffe in der Hand zu schützen und mein Leben für sie einzusetzen. Das gelobe ich.“ Kommandeursfunktionen waren SED-Mitgliedern vorbehalten. Die Mitgliedschaft in den Kampfgruppen war eine Form des freiwilligen militärischen Dienstes zum Schutze des Vaterlandes, neben der Ausübung eines zivilen Berufes und außerhalb der Nationale Volksarmee (NVA) und der Grenztruppen der DDR.

Das Mindestalter der Kämpfer war 25 Jahre, Doppelmitgliedschaften bei der Gesellschaft für Sport und Technik (GST), dem DRK der DDR waren Ausnahmen, bei der Zivilverteidigung der DDR u. a. waren sie zur Vermeidung von Doppelunterstellungen untersagt. Die Kämpfer durften nicht der Reserve I der NVA angehören und es durften auch keine ungedienten Mitarbeiter zugelassen werden, die noch im wehrpflichtigen Alter waren. Dies überwachten die Wehrkreiskommandos der NVA. In den Bildungseinrichtungen der Volksbildung wurden keine Kampfgruppeneinheiten gebildet. Dafür wurde den Lehrern „empfohlen“, innerhalb der GST als Ausbilder bei der vormilitärischen Ausbildung der Schüler, Lehrlinge oder Studenten mitzuarbeiten.

Als Anerkennung für den ansonsten unbezahlten Dienst gab es ab einer fünfundzwanzigjährigen Zugehörigkeit einen Zuschlag zur Altersrente von monatlich 100 DDR-Mark. Als Folge der Konterrevolution wurde diese Regelung 1990 gestrichen.

Damals waren die Kampfgruppen der Arbeiterklasse fester Bestandteil der Landesverteidigung der DDR. Die Kampfgruppen der Arbeiterklasse gliederten sich in Gruppen, Züge, Hundertschaften und Bataillone. Sie waren mit Schützenwaffen, leichten Artillerie- und Fliegerabwehrgeschützen, sowie teilweise mit Schützenpanzerwagen ausgerüstet. Die Anleitung der Ausbildung und die materielle Sicherstellung erfolgte durch die Deutsche Volkspolizei.

Bereits vor der Konterrevolution wurden die Kampfgruppen der Arbeiterklasse ihrem Namen nicht mehr gerecht. Schon im November 1988 stellte die Bezirksführung Leipzig der Staatssicherheit fest, dass die Kampfgruppen politisch nicht mehr zuverlässig waren. Etwa 3.500 Kampfgruppenangehörige sollten für Einsätze um den 40. Jahrestag der DDR am 7. Oktober 1989 aktiviert und weitere in Bereitschaft versetzt werden. Nach Bekanntgabe der Einsatzbefehle traten 188 aus den Kampfgruppen aus und 146 weitere lehnten ihren Einsatz ab.

Während der Konterrevolution wurden 1989 vereinzelt Kampfgrupppenangehörige für Sicherungsaufgaben eingesetzt. U.a. in Leipzig, Plauen und Karl-Marx-Stadt(heute Chemnitz).

Am 06. Oktober 1989 erschien in der „Leipziger Volkszeitung“ ein Leserbrief von Kommandeur Günter Lutz im Auftrag der Kampfgruppenhundertschaft „Hans Geiffert“. Heute wird darum gestritten, ob dieser Leserbrief Authentisch(echt) ist. Heute würde man sagen, es wird darum gestritten ob es ein Troll ist. Ob Troll oder reale Person, dieser Leserbrief zeigt, dass die Konterrevolution vorangeschritten ist, die Kampfgruppen der Arbeiterklasse ihren Aufgaben nicht mehr gerecht wurden und das Klassenbewusstsein(überparteilich ausgedrückt: Die Angehörigen der Kampfgruppen waren nicht mehr auf den Staat, dem Vaterland eingeschworen, dem sie dienen).

Leiziger Volkszeitung 6. Oktober 1989

Letzter Verantwortlicher war von 1972 bis 1989 Generalmajor der VP Wolfgang Krapp als Hauptabteilungsleiter Kampfgruppen im Ministerium des Inneren. Bereits im November 1989 hatten die Kampfgruppen ihre Tätigkeit eingestellt. Am 6. Dezember 1989 wurde die Entwaffnung vom neuen Innenminister der DDR angeordnet. Bis Ende Mai 1990 waren alle Kampfgruppen-Einheiten demobilisiert. Die persönliche Bekleidung konnten die Kämpfer privat behalten.

Wer war Ernst Schneller?

Ernst Schneller wurde am 08.11.1890 geboren und am 11.10.1944 ermordet. Er war ein bedeutender Arbeiterführer und Funktionär der Kommunistischen Partei Deutschlands(KPD).

Von Beruf war er Lehrer. Seit 1920 war er Mitglied der KPD und gehörte seit 1924 der KPD-Führung an. Außerdem war Ernst Schneller Abgeordneter des Reichstages.

Besondere Verdienste erwarb er sich auf dem Gebiet der Militärpolitk der KPD. Er förderte den Aufbau und die Entwicklung des Roten Front Kämpferbundes.

Ernst Schneller setzte sich für den Zusammenschluss aller antifaschistischen Kräfte des deutschen Volkes gegen die aufkommende faschistische Gefahr ein.

Am 28.02.1933 wurde Ernst Schneller von den Faschisten eingekerkert. Im KZ Sachsenhausen gehörte er zur illegalen Lagerleitung der deutschen Antifaschisten, die gemeinsam mit sowjetischen Häftlingen und Antikfaschisten anderer Länder einen bewaffneten Aufstand vorbereiteten. Gemeinsam mit 23 anderen Genossen wurde er von der SS ermordet.

Seinem Andenken fühlte sich die Gesellschaft für Sport und Technik( GST-siehe Artikel zur GST) verpflichtet. Zahlreiche Grundorganisationen, Ausbildungseinheiten und Einrichtungen trugen den Namen von Ernst Schneller. Als höchste Auszeichnung verlieh die GST die Ernst-Schneller-Medaille und veranstaltete den Militärischen Mehrkampf als „Ernst-Schneller-Wettkampf“.

Briefmarke Ernst Schneller

Bild entnommen von Wikipedia: „Stamps of Germany (DDR) 1960, MiNr 0753“ von Hochgeladen von –Nightflyer (talk) 19:06, 10 October 2009 (UTC). Lizenziert unter Gemeinfrei über Wikimedia Commons –

Gedenktafel Ernst Schneller

Bild entnommen von Wikipedia „Gedenktafel Schnellerstr 70a (Nischw) Ernst Schneller“ von OTFW, Berlin – (own). Lizenziert unter CC BY-SA 3.0 über Wikimedia Commons –

Die Rote Jungfront, kurz RJ

Die Rote Jungfront(RJ) war die Jugendabteilung des Roten Frontkämpferbundes(RFB). Sie erhielt diesen Namen 1926. Ab Herbst 1924 heiß sie zunächst „Roter Jungsturm“. Dem RJ gehörten Jugendliche im Alter von 16 bis 23 Jahren an. Ihr wehrhafter Kampf gegen Faschismus und Krieg gehörte zu den Traditionen der Gesellschaft für Sport und Technik(GST). Das Zentrale Ausbildungslager der GST in Tambach-Dietharz(damaliger DDR-Bezirk Erfurt) trug den Namen „Rote Jungfront“. Dort hatte 1927 das I. Wehrsport- und Führungskaderlager der RJ stattgefunden.