Der Befreiungskrieg 1813/14

…war ein nationaler Unabhängigkeitskrieg des deutschen Volkes im Rahmen eines Koalitionskrieges europäischer Staaten gegen die napoleonische Fremdherrschaft.

Der Sieg des russischen Volkes über die Armee Napoleons I. (1769-1821) im Jahre 1813 führte zu einem großen Aufschwung der Unabhängigkeitsbewegung in den deutschen Staaten. Als die russischen Truppen nach Ostpreußen vordrangen, erhob sich das Volk zum gemeinsamen Kampf gegen die französischen Unterdrücker. König Friedrich Wilhelm III. (1770-1840) musste dem Volkswillen Rechnung tragen, wollte er seine Herrschaft erhalten. Am 28.02.1813 unterzeichnete Preußen einen Bündnisvertrag mit Russland, dem am 16.03. die Kriegserklärung Preußens an Frankreich folgte. Eine wichtige Voraussetzung für den Aufbau einer zahlenmäßig starken und kampfkräftigen Armee waren die von der preußischen Militär-Reorganisationskommission unter der Leitung von Scharnhorst durchgesetzten Reformen.

Freiwillige Jägerabteilungen wurden aufgestellt, die Landwehr und der Landsturm gebildet. Im Hinterland des Gegners operierten Freikorps. Das bekannteste war das Freikorps unter Adolf von Lützow (1782.1834).

Im Frühjahrsfeldzug 1813 konnten die napoleonischen Truppen in den Schlachten bei Großgörschen am 02.05. und bei Bautzen am 20./21.05. Siege erringen, erlitten aber erhebliche Verluste. Beide Seiten bedurften einer Kampfpause zur Reorganisation ihrer Armeen. So wurde am 04.06. ein Waffenstillstand geschlossen, der bis zum 10.08. dauerte. In diesen Monaten schlossen sich Großbritannien, Schweden und Österreich dem Krieg gegen Frankreich an, wodurch seine reaktionären Züge verstärkt wurden und der Volkswiderstand zurückgedrängt wurde.

Im Herbstfeldzug 1813 errangen die verbündeten Armeen Siege bei Großbeeren am 23.08. und an der Katzbach am 26.08.

In der Schlacht vor Dresden am 26./27.08. errangen die napoleonischen Truppen einen taktischen Erfolg. Ende September führte Blücher die Schlesische Armee bei Wartenberg über die Elbe und erzwang damit gemeinsame offensive Handlungen der Verbündeten und letztlich die Völkerschlacht bei Leipzig vom 16. Bis 19.10., in der die französische Armee die entscheidende Niederlage erlitt.

Napoleon stellte in Frankreich eine neue Armee auf, die Kämpfe gegen die im Dezember über den Rhein vorgedrungenen verbündeten Truppen führte. Vom 10. Bis 18.02. 1814 errang die französische Armee noch einige Siege, ehe sie endgültig geschlagen wurde.

Das deutsche Volk hatte seine Befreiung von napoleonischer Fremdherrschaft erkämpft, die feudale Zersplitterung der deutschen Staaten und die reaktionäre Herrschaft des Feudaladels blieben erhalten.

Das bürgerliche Militärwesen setzte sich in Preußen durch. Völlig neu in der Kriegsgeschichte was das Zusammenwirken großer selbstständiger Armeen, die sich gegenseitig unterstützten. Die preußische Armee, die vom Opfermut und der patriotischen Begeisterung des Volkes getragen wurde, bewies hohe moralische und kämpferische Qualitäten.

Der Befreiungskrieg und die Waffenbrüderschaft der preußischen und russischen Soldaten gehörten zu den militärischen Traditionen der DDR.

Blüchers Rheinübergang Befreiungskrieg 1813 - 14

Blüchers Rheinübergang

Entnommen aus dem Jugendlexikon Militärwesen/DDR 1984

 

 

Jugendlexikon Militärwesen DDR Kopie

 

Entnommen aus dem Jugendlexikon Militärwesen/DDR 1984

Bearbeitet und aktualisiert von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Jugendlexikon Militärwesen/DDR 1984

Befreiungskrieg 1813-14

Advertisements

Der vaterländische Krieg des russischen Volkes

Der Einfall der „Großen Armee“

Russland gehörte zu jenen Ländern, die von der Kontinentalsperre besonders hart betroffen wurden. Seit Jahrhunderten blühte der englisch-russische Handel. Holz, Getreide, Pelze, Flachs und andere Waren wurden nach England ausgeführt. Dafür kamen viele gewerbliche Produkte ins Land. Die russischen Gutsbesitzer und Kaufleute wollten auf dieses einträgliche Geschäft nicht verzichten. Als Napoleon Nachricht erhielt, dass neutrale Schiffe laufend englische Waren nach Russland brachten, wollte er nicht länger warten, um auch dem russischen Volk seinen Willen aufzuzwingen. Aus Soldaten Frankreichs und der von ihm abhängigen Länder stellte er eine gewaltige Armee auf. Man nannte sie die „Große Armee“, weil sie hinsichtlich ihrer Stärke beispiellos war. Ohne Kriegserklärung überschritt sie am 24. Juni 1812 den Grenzfluss Neman. Es begann der Vaterländische Krieg des russischen Volkes.

Truppekontingente „Große Armee“

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

 

Der Sieg des russischen Volkes über Napoleon

Vor der Übermacht der Napoleonischen Truppen musste sich die russische Armee kämpfend zurückziehen. Sie war etwa 180 000 Man stark. Aber bald regte sich der Widerstand des russischen Volkes. Vor allem waren es die russischen Bauern, die den Eindringlingen mutig entgegentraten. Im Rücken des Feindes bildeten sich kleine bewaffnete Abteilungen. Sie überfielen Transporte für Munition und Verpflegung. Auch Meldereiter wurden von ihnen abgefangen. Diese tapferen Kämpfer bezeichnete man als Partisanen.

Manchmal nur mit Sensen, Heugabeln und Spießen ausgerüstet, schwächsten sie die Napoleonische Armee bedeutend. Bei Borodino kam es schließlich zu einer blutigen Schlacht, die unentschieden ausging. Das war für die sieggewohnten Franzosen eine Überraschung.

In weiteren Kämpfen nahm Napoleon wohl Moskau ein, aber seine Hoffnungen erfüllten sich nicht. Ein großer Teil der Stadt ging in Flammen auf, so dass die „Große Armee“ in ihr nicht überwintern konnte. Sie musste den Rückzug antreten.

Unter dem Befehl des Feldherren Kutusow ging nun die russische Armee zum Gegenangriff über. Gemeinsam mit den Partisanen trieb sie die einstmals stolze Armee aus dem Lande heraus. Frühzeitig brach ein strenger Winter herein. Viele Soldaten erfroren oder verhungerten. Jetzt rächte sich, dass die Napoleonischen Soldaten auf ihrem Vormarsch Hab und Gut der russischen Menschen vernichtet hatten.

Als Gefangene mussten sie durch das von ihnen verwüstete Gebiet zurückziehen. Selten fanden sie ein schützendes Dach oder ein stück Brot. Ständig wurden sie von Kosaken umschwärmt und angegriffen. Als die Truppen den Fluss Beresina überschreiten wollten, ertranken viele in den eisigen Fluten.

Bericht über Rückzug Napoleons

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

So endete Napoleons Zug nach Russland mit einer Katastrophe. Die „Große Armee“ gab es nicht mehr. Nur etwa 30 000 Mann erreichten die russische Westgrenze. Napoleon eilte nach Paris, um eine neue Armee aufzustellen. Das russische Volk hatte ihm den Ruf eines Unbesiegbaren genommen. Die unterdrückten Völker Europas schöpften neue Hoffnungen und rüsteten sich zu Entscheidungskampf gegen die fremden Eroberer.

Vertreibung Napoleons aus Russland 1812

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Karikatur Niederlage Napoleons

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

Die deutsch-russische Waffenbrüderschaft

Tausende deutscher Männer waren gezwungen worden, als Angehörige der „Großen Armee“ in Russland einzufallen. Es gab aber viele deutsche Patrioten, die auf der Seite des russischen Volkes standen. Ihre Absicht war es, die Kräfte der beiden Völker zu vereinen und die Napoleonische Fremdherrschaft zu beseitigen.

Im Juni 1812 bildete sich auf russischem Boden ein „Komitee für deutsche  Angelegenheiten“, in dem der Freiherr vom Stein und andere Patrioten mitarbeiteten. Sie wollten nicht tatenlos zusehen, wie deutsche Soldaten für die französischen Interessen geopfert wurden. Der 30. Dezember 1812 brachte ihnen einen großen Erfolg. An diesem Tage schloss General York, der die in die „Große Armee“ eingegliederten preußischen Truppen befehligte, mit dem russischen General Diebitsch bei Tauroggen ein Abkommen. Darin wurde vereinbart, dass sich York mit seinen Soldaten künftig neutral verhalten sollte. Die war ein kühner Entschluss, denn York handelte ohne Zustimmung des preußischen Königs, der zunächst die Meldung veröffentlichte, er habe York dafür abgesetzt. Er schreckte aber davor zurück. Schon während der Verhandlungen konnte beobachtet werden, wie sich russische und preußische Soldaten verbrüderten.

Zusammenkunft York mit Dibitsch

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

 

geschichte-07-ddr-seite-1

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 7. Klasse, Stand 1982

bearbeitet von Petra Reichel

 

 

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Der Vaterländische Krieg des russischen Volkes