Der Frühkapitalismus in Deutschland:

Um 1500 zeigten sich in Deutschland Frühformen des Kapitalismus. Typisch waren technische Erfindungen und neue Formen in Handle und Gewerbe, besonders das Verlagssystem. Riesige Kapitalien in Gestalt von Handels- und Wucherkapital entstanden. Diese Veränderungen bildeten die Grundlage für die allmähliche Entstehung der Klasse der Kapitalisten und die Klasse der Lohnarbeiter.

Die frühkapitalistische Entwicklung stand im Widerspruch zum Feudalismus mit seiner Zersplitterung, seiner feudalen Ausbeutung und seinen Zunftschranken. Die Papstkirche verfeindete sich als größter Feudalherr immer mehr mit allen Klassen und Schichten. Gegen sie musste der erste Schlag geführt werden, wenn in Deutschland die gesellschaftlichen Verhältnisse verändert werden sollten.

Übersicht der Unterthemen:

 

 

 

 

 

 

Advertisements

Die Fuggerei

Die Fugger werden in der offiziellen Geschichtsschreibung und der heutigen, bzw. kapitalistischen Propaganda als „gute Menschen“, als „gute Kapitalisten“ hingestellt. Man denkt als Erstes an die Fuggerei. Das ist die erste Sozialsiedlung der Welt. Kapitalisten handeln nicht uneigennützig und verschenken nichts. Mit Stiftungen und sozialen Wohltaten polieren sie ihr Image auf. Außerdem basieren diese Wohltaten auf der Weitsicht der jeweiligen Kapitalisten, bzw. deren Beauftragten. Denn zufriedene Arbeiter und arme Menschen begehren nicht auf und wünschen keine andere Gesellschaftsordnung. Später war es meist mit dieser Weitsicht nicht weit her. Erst recht nicht heute, wo das kapitalistische System weltweit gesiegt hat(von einzelnen Ausnahmen abgesehen).

Die Fuggerei wurde am 23. August 1521 von Jakob Fugger als Wohnsiedlung für bedürftige Augsburger Bürger gestiftet. Im Stiftungsbrief wurde festgelegt:

„Namlich so sollen soliche hewser Fromen Armen taglönern und handtwerckern und burgern und inwonern dieser stadt Augsburg, die es notturftig sein und am besten angelegt ist, umb gottes willen gelichen und darin weder schankung muet und gab nit angesehen …“

Erbaut wurde die Anlage zwischen 1516 und 1523 unter Federführung des Baumeisters Thomas Krebs. Damals entstanden 52 Wohnungen um die ersten sechs Gassen. Die nach weitestgehend standardisierten Grundrissen erstellten Wohnungen in den durchwegs zweigeschossigen Häusern waren für die Verhältnisse der Entstehungszeit großzügig geplant. Geradezu modern war die Konzeption der Fuggerei als Hilfe zur Selbsthilfe. Die Sozialsiedlung war für von Armut bedrohte Handwerker und Taglöhner gedacht, die aus eigener Kraft, zum Beispiel wegen einer Krankheit, keinen eigenen Haushalt führen konnten. Sie konnten innerhalb und außerhalb der Fuggerei ihrem Broterwerb nachgehen und sollten im Fall der wirtschaftlichen Erholung wieder ausziehen. Den Bewohnern der Fuggerei blieb eine für die damalige Zeit geradezu luxuriöse Privatheit erhalten.

ein Raum des Fuggereimuseums

Raum des Fuggereimuseums(2006 neu gestaltet)

Bildquelle: Von Wolfgang B. Kleiner / context medien und verlag Augsburg – context medien und verlag Augsburg, CC BY-SA 3.0,  Bild ist entsprechend verlinkt

 

Die Fuggerei beherbergte bis ins 20. Jahrhundert vor allem Familien mit oft mehreren Kindern. In die Sozialsiedlung durften nur „würdige Arme“ einziehen. Bettler wurden nach dem Willen des Stifters nicht aufgenommen.

Ihren Namen erhielt die „Fuckerey“ schon 1531. Der erste Fuggerei-Geistliche war der 1925 heiliggesprochene Jesuit Petrus Canisius. 1581/82 errichtete der Baumeister Hans Holl in der Siedlung die von Markus und Philipp Eduard Fugger gestiftete Kirche St. Markus. Im Dreißigjährigen Krieg wurde die Fuggerei von den Schweden bis 1642 weitgehend zerstört. Von 1681 bis zu seinem Tod 1694 lebte Franz Mozart, der Urgroßvater des Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart, in der Fuggerei.

Erweiterungen der Fuggerei erfolgten in den Jahren 1880 und 1938. Im Zweiten Weltkrieg wurde die Siedlung bei einem britischen Fliegerangriff in der Augsburger Bombennacht vom 25. auf den 26. Februar 1944 bei zwei Luftangriffen der Royal Air Force auf Augsburg zu etwa zwei Dritteln zerstört. Bereits am 1. März 1944 beschloss das Fürstlich und Gräflich Fuggersche Familienseniorat schriftlich den Wiederaufbau der Fuggerei.

Ab 1945 wurde die Sozialsiedlung mit Mitteln aus der Stiftung nach den Plänen von Raimund von Doblhoff nach historischem Vorbild wieder aufgebaut, sodass bereits 1947 die ersten Gebäude wieder bezogen werden konnten. In den 1950er Jahren war der Wiederaufbau abgeschlossen. Bis 1973 wurde die Fuggerei auf hinzu erworbenen angrenzenden Trümmergrundstücken um etwa ein Drittel auf heute 67 Häuser mit 140 Wohnungen erweitert.

Markuskirche und Herrengasse

Markuskirche und Herrengasse

Bildquelle: Von Martin Kluger / context medien und verlag Augsburg – context medien und verlag Augsburg, CC BY 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Die Fuggerei heute

Die meisten Wohnungen in der Fuggerei sind jeweils etwa 60 Quadratmeter groß und haben jeweils einen eigenen Eingang. Die im Erdgeschoss liegenden Wohnungen verfügen fast alle über einen Garten, die im Obergeschoss über einen Speicher. Die Wohnungen sind an das Fernwärmenetz der Stadt Augsburg angeschlossen. Die mechanischen Türglocken, die per Zug betätigt werden, sind auch im Zeitalter der Elektrik durchwegs erhalten und funktionieren wie vor bald 500 Jahren. Die Gehänge und Handgriffe der alten Glocken unterscheiden sich, angeblich, um in der dunklen Fuggerei (es gab noch kein Licht) Verwechslungen zu vermeiden. Die Aufnahmebedingungen sind immer noch dieselben wie zur Zeit der Gründung: Wer in der Fuggerei wohnen will, muss Augsburger, katholisch und gut beleumundet sein. Die Jahres(kalt)miete für eine Wohnung in der Fuggerei beträgt bis heute den nominellen, inflationsunbeachteten Wert eines Rheinischen Gulden(umgerechnet 0,88 Euro). Die Nebenkosten tragen die Mieter (85,– Euro seit 1. Juli 2013).

Die 2007 eingerichtete Sozialwohnung

Die 2007 eingerichtete Sozialwohnung

Bildquelle: Von context medien und verlag Augsburg – context medien und verlag Augsburg, CC BY-SA 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Das Ensemble mit acht Gassen und drei Toren ist eine „Stadt in der Stadt“ mit eigener Kirche, „Stadtmauern“ und mehreren „Stadttoren“. Seit dem Jahr 2006 ist für Besucher allerdings nur noch ein Tor geöffnet, das jeden Abend von 22 Uhr bis 5 Uhr vom Nachtwächter geschlossen wird. Fuggereibewohner, die bis 24 Uhr durch das Ochsentor zurückkehren, geben dem Nachtwächter einen Obolus von 0,50 Euro, danach einen Euro. Ab 5 Uhr ist das Haupttor wieder offen. Der Besitz der Fuggereistiftung besteht aus Wäldern und Immobilien und finanziert die Sozialsiedlung bis heute. Als neue wirtschaftliche Einnahmequelle kam ab 2006 der Tourismus hinzu.

Ecke in der Fuggerei

Ecke in der Fuggerei

Bildquelle: Von Lernerfolg at de.wikipedia – Eigenes Werk, Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Verwaltet wird die Fuggerei als eine von neun Fuggerschen Stiftungen durch die Fürstlich und Gräflich Fuggersche Stiftungs-Administration. Stiftungs-Administrator ist Wolf-Dietrich Graf von Hundt. Das Aufsichtsgremium der Verwaltung ist das Fürstlich und Gräflich Fuggersche Familienseniorat. Seit dem Jahr 2004 führt mit Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger erstmals eine Frau den Vorsitz des Familienseniorats. In ihm sind außerdem Albert Graf Fugger von Glött sowie Hubertus Fürst Fugger-Babenhausen und Markus Graf Fugger-Babenhausen vertreten.

 

Tourismus in der Fuggerei

Die Fuggerei ist neben dem Augsburger Rathaus das wohl beliebteste touristische Ziel in der Stadt. Ihr Besuch kostet Eintritt, der zur Erhaltung der Fuggerei verwendet wird. Im Jahr 2006 wurde das Fuggereimuseum erheblich erweitert und neu gestaltet. Es beherbergt auch die letzte im Originalzustand erhaltene Wohnung, die im Stil des 18. Jahrhunderts eingerichtet wurde. Seit dem Jahr 2007 zeigt eine komplett eingerichtete Schauwohnung in der Ochsengasse, wie Fuggereibewohner heute leben. Im Jahr 2008 entstand das Museum im „Weltkriegsbunker in der Fuggerei“. Im erhaltenen Luftschutzbunker von 1943 werden die Entstehungsgeschichte des Bauwerks, die Augsburger Bombennacht vom 25./26. Februar 1944, die Wiederaufbaujahre und die Erweiterung der Fuggerei bis 1973 dokumentiert.

Hauptstraße

Hauptstraße

Bildquelle: Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Brunnen in der Fuggerei

Brunnen in der Fuggerei

Bildquelle: Von Lernerfolg in der Wikipedia auf Deutsch – Übertragen aus de.wikipedia nach Commons durch Akkakk., Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

Im Fuggereimuseum, in der Schauwohnung und im Weltkriegsbunker erklären jeweils Filme die Geschichte der Stiftung und der Stifterfamilie. Mehrere Sehenswürdigkeiten in der Fuggerei – von der Kirche bis zum Wohnhaus Franz Mozarts – sind seit 2006 in den Sprachen Deutsch, Italienisch und Englisch beschildert. Im Jahr 2007 wurde in der Fuggerei das erste und bislang einzige Augsburger Denkmal für den Stifter der Fuggerei, Jakob Fugger den Reichen, aufgestellt.

Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger mit Michail Gorbatschow bei dessen Fuggerei-Besuch 2005

Michael Gorbatschow besucht die Fuggerei

Maria Elisabeth Gräfin Thun-Fugger mit Michail Gorbatschow bei dessen Fuggerei-Besuch 2005

 

Bildquelle: Von Martin Kluger / context medien und verlag Augsburg – context medien und verlag Augsburg, CC BY 3.0, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Im Jahre 2005 besuchte Michail Gorbatschow die Fuggerei. Wozu? Er hat den Hauptbeitrag dazu geleistet, dass der Teil der Welt untergangen ist, wo es ohne Kapitalisten ging und, jede Wohnung eine Sozialwohnung war, auch wenn die Wohnungssituation in den damaligen sozialistischen Ländern angespannt war.

 

Entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

Die Fugger

Die Fugger sind ein schwäbisches Kaufmannsgeschlecht, das seit der Einwanderung Hans Fuggers aus Graben im Jahr 1367 in der Freien Reichsstadt Augsburg ansässig war. Die Fugger waren die ersten Kapitalisten. Genauso, wie heute Kapitalisten und deren Beauftragte die Politik beeinflussen, taten dies die Fugger damals.

Eine Linie, die Fugger „von der Lilie“, war in der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts außerordentlich mächtig. Der Name Fugger wurde europaweit zu einem Synonym für Reichtum. Mit der Bezeichnung „die Fugger“ sind heute meistens die Fugger von der Lilie gemeint.

Hans Fugger († 1408/09) war Mitglied der Weberzunft und handelte vermutlich schon Ende des 14. Jahrhunderts als „Weber-Verleger“ mit Baumwolle aus Italien. Er war der Vater von Andreas Fugger (1394/95–1457/58), dem Stammvater der Fugger vom Reh, sowie von Jakob Fugger d. Ä. (nach 1398–1469), dem Stammvater der Fugger von der Lilie.

Stammbaum Fugger

Stammbaum der Fugger

Bild entnommen von Wikipedia

 

Fugger von der Lilie

Das Unternehmen der Fugger von der Lilie erlangte unter Jakob Fugger „dem Reichen“ und seinem Neffen Anton Fugger Weltgeltung. Die Mitglieder der Familie stiegen ab 1511 in den Adel auf. Ab der Mitte des 16. Jahrhunderts nahmen sie hohe kirchliche und weltliche Ämter ein.

Wappen der Linie Fugger von der Lilie im Ehrenbuch der Fugger, 1545

Wappen der Fugger von der Lilie im Ehrenbuch der Fugger, 1545

Bildquelle: Von Atelier / Werkstatt von Jörg Breu der Jüngere – http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0004/bsb00042105/images/, Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

 

 

 

Jakob Fugger

 

 

Jakob Fugger

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

 

 

Mehrere Fugger machten sich als Kunstförderer und Stifter einen Namen. Die bekanntesten Stiftungen sind die Fuggerkapelle in der Augsburger Kirche St. Anna und die Fuggerei, heute die älteste bestehende Sozialsiedlung der Welt.

Zweige sind bis heute auf dem Fuggerschloss Babenhausen, auf Schloss Kirchheim und Schloss Oberkirchberg ansässig.

 

Fugger vom Reh

Das Unternehmen der Fugger „vom Reh“ betrieb bereits um die Mitte des 15. Jahrhunderts Handel zwischen den deutschen Hansestädten, Antwerpen und London, Mailand und Venedig, Leipzig und Frankfurt a. d. Oder. Im Jahr 1462 bekamen Lukas Fugger und seine Brüder ihr Wappen mit dem Wappenbild eines springenden Rehs verliehen.

Wappen der Linie Fugger vom Reh im Ehrenbuch der Fugger, 1545

Wappen der Fugger vom Reh im Ehrenbuch der Fugger, 1545

Bildquelle: Von Atelier / Werkstatt von Jörg Breu der Jüngere – http://daten.digitale-sammlungen.de/~db/0004/bsb00042105/images/, Gemeinfrei, Bild ist entsprechend verlinkt

 

Für die Zahlungsunfähigkeit der Firma der Fugger „vom Reh“ sorgte letztlich eine einzige Fehlentscheidung: ein ungenügend abgesicherter Kredit an Erzherzog Maximilian I. Für seine Schulden ließ der Habsburger die Stadt Löwen bürgen, bei der die Forderungen der Fugger „vom Reh“ dann jedoch nicht einzutreiben waren. In den letzten Jahren des 15. Jahrhunderts gerieten die Fugger „vom Reh“ deshalb in Zahlungsschwierigkeiten, ihre Firma ging bankrott.

Die Nachfahren erlangten keine überörtliche Bedeutung mehr, erlangten aber in zwei Linien den sogenannten rittermäßigen Adelsstand. Es gibt bis heute Namensträger „Fugger von dem Rech.

 

entnommen Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel

 

Der Frühkapitalismus in Deutschland: Neue Formen in Handel und Gewerbe

Um ein Berg- oder Hüttenwerk mit Hunderten von Bergleuten und mit technischen Anlagen oder eine große Buchdruckerei zu betreiben, brauchten die Besitzer sehr viel Geld.

Das Wesen des Verlags

In Augsburg lebte die Familie Fugger. Früher waren sie nur Weber. Nun wurden sie zugleich Kaufleute: Sie kauften Wolle und Flachs, ließen sie von Webern verarbeiten und verkauften die hergestellten Tuche. Das nannte man „verlegen“. Die Fugger wurden Verleger. Diese Form der Produktion hieß Verlag. Die neue Produktionsform brachte den Fuggern großen Gewinn, die sie bezahlten den Webern nur das Notwendigste. Die Weber verloren ihre Unabhängigkeit.

Jakob Fugger

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Solche Verleger gab es zum Beispiel auch in Görlitz und in Zwickau. Die reiche Verlegerfamilie in Zwickau hieß Römer; sie waren die „Fugger in Sachsen“(Römerhaus in Zwickau). Überall in Europa zeigte sich eine ähnliche Entwicklung.

Schaubild Abhängigkeit Verlag

Schaubild: Abhängigkeit vom Verlag

Bild entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, Stand 1982

 

Die Fugger sowie andere Verleger wollten aber noch mehr. Sie organisierten die Produktion der Weber neu: Nicht mehr einzelne Weber wurden von ihnen verlegt, sondern Großwerkstätten(Meistereien) eingerichtet, in denen die Weber zusammenarbeiteten. Das hatte einen großen Vorteil: die Weber spezialisierten sich. Jeder führte einzelne Handgriffe aus: Die einen webten nur bestimmte Tucharten, die anderen sortierten oder reinigten die Rohstoffe oder machten die Ware versandfertig. Das Ergebnis: Die Fugger wurden noch reicher, die Weber waren aber Lohnarbeiter geworden und besaßen keine eigene Werkstatt mehr.

Diese mit dem Verlag verbundene Produktionsform waren die Anfänge der Manufaktur. Eine ähnliche Entwicklung gab es auch im Metallgewerbe und im Buchdruck.

 

Handels- und Wucherkapital

 

Geld wird zu Kapital, so sagte Karl Marx, wenn aus ihm immer mehr Geld wird: durch Ausbeutung von Menschen.

Bei den Fuggern und anderen Besitzern von großen Verlagen und Manufakturen bildeten sich große Kapitalien heraus. Dieses Geld, das sie durch Handel und Gewerbe zusammenrafften, aus ihren Handwerkern und Lohnarbeitern und beim Kauf und Verkauf herausholten, heißt Handels- und Wucherkapital. Rücksichtslos ließen sie andere Menschen für sich arbeiten. So begannen sich allmählich erste Anzeichen der neuen Klasse der Kapitalisten herauszubilden.

Die Fugger legten ihr Geld in Silber-, Kupfer- und Bleibergwerken in Tirol und Kärnten, in der Slowakei und in Spanien an. Ihre Handelsverbindungen gingen in nahezu alle europäischen Länder. Aus dem Fernhandel zogen sie besonders hohen Gewinn. Auf jeder Messe waren sie vertreten. Dies brachte ihnen wiederrum viel Geld. Überall – sogar an den Höfen der Fürsten und Kaiser- hatten sie ihre Vertrauten. Sie waren die reichsten Leute, die es damals gab und besaßen auch Schlösser und Dörfer. Seit 1496 borgte sich Kaiser Maximilian I. mehrfach bei den Fuggern Geld. Dafür erhielten die Fugger das Recht, Bergwerke zu nutzen. 1519 finanzierten die Fugger mit Millionensummen die Wahl Karls V. zum Kaiser. Sie waren „Herrscher ohne Krone“.

Die Fugger bezahlten einige Jahre später die Söldnerheere der Fürsten zur Vernichtung der Bauern. (siehe Bauernkriege)

Über Jahrhunderte bereicherten sie sich weiter, finanzierten Kriege und halfen stets den volksfeindlichen Herrschern. Sie wurden selbst Grafen und Fürsten.

Heute ist es immer noch so, dass die Kapitalisten Einfluss auf die Politik nehmen.

 

entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 6. Klasse, bearbeitet von Petra Reichel

Buchtitel Geschichte DDR 6. Klasse   Neue Formen Handel und Gewerbe