Die Gründung der SED und ihre historische Bedeutung

Der Aufbau demokratischer Machtorgane, die Entmachtung der Junker und Großgrundbesitzer und die ersten Erfolge bei der Überwindung der Kriegsschäden bewiesen, zu welchen Leistungen die einheitlich handelnde Arbeiterklasse imstande war. Um die im Aufruf der KPD vom 11. Juni 1945 genannten Aufgaben vollständig erfüllen zu können, musste die Arbeiterklasse in Deutschland ihre organisatorische Spaltung überwinden, einheitliche Gewerkschaften und eine revolutionäre Einheitspartei schaffen.

Die Erkenntnis über die Notwendigkeit eines solchen Schrittes war während der Zeit des Faschismus auch bei Tausenden Sozialdemokraten im antifaschistischen Widerstandskampf, in den faschistischen Konzentrationslagern und Zuchthäusern hatte sich vielfach bewährt.

Die KPD vertrat die Auffassung, dass sich die Mitglieder beider Parteien in einer Periode der Aktionseinheit bei der Lösung antifaschistisch-demokratischer Aufgaben näherkommen und ihr Kampfbündnis festigen sollten. In diesem Abschnitt der Zusammenarbeit mussten sich Kommunisten und Sozialdemokraten vor allem über die politischen, ideologischen und organisatorischen Grundlagen der zu schaffenden Einheitspartei verständigen.

Die Kommunistische Partei Deutschlands hielt es für falsch, sofort eine Einheitspartei zu gründen. Diese Position der KPD erwies sich als richtig. Sie bestimmte den Vereinigungsprozess, an dessen Erfolg die erfahrenen Funktionäre der Kommunistischen Partei Deutschlands den Hauptanteil hatten.

Einen wesentlichen Schritt zur Annährung beider Arbeiterparteien stellt das Aktionsabkommen vom 19. Juni 1945 dar. KPD und SPD vereinbarten, gemeinsam bei der Beseitigung der Überreste des Faschismus vorzugehen. Vorgesehen waren gemeinsame Veranstaltungen und Diskussionen ideologischer Grundfragen. Es wurde ein zentraler Arbeitsausschuss gegründet.

Das Aktionsabkommen fand unter den klassenbewussten Arbeitern in allen Besatzungszonen Zustimmung. Besonders in der sowjetischen Besatzungszone verstärkte sich die Zusammenarbeit von Kommunisten und Sozialdemokraten. Mitglieder beider Parteien begannen, die antifaschistisch-demokratische Ordnung gemeinsam aufzubauen.

In enger Wechselwirkung zur entstehenden Aktionseinheit und zum demokratischen Neuaufbau stand die Auseinandersetzung mit Vertretern opportunistischer Auffassungen.

Wilhelm Pieck, der Vorsitzende der KPD, sprach auf vielen Versammlungen beider Arbeiterparteien. Er begründete mit großer Überzeugungskraft die Notwendigkeit, die Aktionseinheit und die Einheit der Arbeiterklasse herzustellen. Gemeinsam mit anderen Mitgliedern des Zentralkomitees nahm er ab September 1945 verstärkt an der Diskussion ideologischer Fragen teil, die sich auf die Überwindung der Spaltung der Arbeiterbewegung und die Schaffung der neuen Gesellschaft bezogen und die vor der organisatorischen Vereinigung auf marxistischer Grundlage geklärt werden mussten. Seine Kenntnisse, seine Ausstrahlungskraft, seine Persönlichkeit übten einen großen Einfluss auf die Arbeiterklasse und auf viele noch schwankende Mitglieder und Funktionäre der SPD aus.

Auch Otto Grotewohl unterstützte als Vorsitzender des Zentralausschusses der SPD den Kampf um die Einheit der Arbeiterklasse und gegen den Opportunismus.

Die Erfolge, die im gemeinsamen Kampf gegen die Reaktion errungen wurden, bestätigten di Richtigkeit des Weges beider Arbeiterparteien. Um die antifaschistisch-demokratische Umwälzung weiterzuführen und das Vordringen der imperialistischen Kräfte zu verhindern, musste die Arbeiterklasse ihre Reihen festigen. In der sowjetischen Besatzungszone stellten die bisherigen Erfolge die Arbeiterklasse vor neue und größere Aufgaben. Die demokratischen Selbstverwaltungen mussten gefestigt werden. Es galt die demokratische Bodenreform zu sichern und vor allem den Neubauern tatkräftige Hilfe beim Aufbau ihrer Wirtschaften zu leisten. Es musste in umfassendes Wirtschaftsprogramm in Angriff genommen werden. Als Voraussetzung dafür und zur Sicherung der entstehenden Volksmacht war die ökonomische Entmachtung des Monopolkapitals zu vollziehen.

In den westlichen Besatzungszonen war die Entwicklung Ende 1945 hinter der sowjetischen Besatzungszone bereits beträchtlich zurückgeblieben. Die imperialistischen Besatzungsmächte stellten sich schützend vor das Monopolkapital und den Großgrundbesitz. Das Potsdamer Abkommen führten sie nur teilweise und nicht in seinen wesentlichen Bestimmungen durch. Sie hemmten die Masseninitiative der antifaschistisch-demokratischen Kräfte und begünstigten gleichzeitig das Streben des deutschen Monopolkapitals, sich neu zu restaurieren. Gefördert wurde diese Entwicklung durch das Wirken der einheitsfeindlichen Kräfte und er Leitung Schumachers, denen es gelungen war, die führenden Positionen in der sozialdemokratischen Partei der westlichen Besatzungszonen einzunehmen. Die Aktionseinheit der Arbeiterklasse ging dort nicht über den örtlichen Rahmen hinaus. Nicht umsonst ist Kurt Schumacher in der alten BRD, sowie im heutigen Deutschland als historische Figur der Sozialdemokratie gelobt worden.

Weitere Fortschritte im revolutionären Umwälzungsprozess und der Einfluss der demokratischen Kräfte hingen davon ab, wie geschlossen die Arbeiterklasse handelte. Mitglieder und Funktionäre der KPD und SPD forderten immer nachdrücklicher die Vorbereitung der politischen und organisatorischen Einheit der Arbeiterklasse. Aus vielen Städten und Gemeinden erhielten die Leitungen beider Parteien entsprechende Anträge. Am 20. Und 21. Dezember 1945 fand in Berlin auf Vorschlag der KPD eine gemeinsame Konferenz beider Parteiführungen mit Funktionären aus den Ländern und Provinzen der sowjetischen Besatzungszone statt. Auf dieser Dezemberkonferenz bestritt zwar niemand die Notwendigkeit einer vereinigten Arbeiterpartei, doch versuchten rechte Mitglieder des Zentralausschusses der SPD, die Entwicklung zur Einheitspartei zu hemmen. Sie konnten aber nicht verhindern, dass die Konferenz die ideologische und organisatorische Vorbereitung der Vereinigung von KPD und SPD beschloss. Erste Vereinbarungen über Charakter und Programm der zu schaffenden Partei wurden getroffen.

 

zeitgenössische Karikatur
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Gemeinsames Parteibüro von KPD und SPD in Westberlin (1946)
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Die Einheitspartei sollte nach den Grundsätzen des demokratischen Zentralismus organisiert werden. Sie sollt sich zum proletarischen Internationalismus bekennen und jeden Chauvinismus, insbesondere die Hetze gegen die Sowjetunion bekämpfen. Eine aus je vier Vertretern beider Parteien zusammengesetzte Studienkommission wurde beauftragt, einen Entwurf der Grundsätze und Ziele sowie des Statuts der Partei auszuarbeiten. Ihnen sollten das Kommunistische Manifest, das Eisenacher Parteiprogramm und die Kritik am Gothaer Programm von Karl Marx zugrunde gelegt werden.

Mit diesen Beschlüssen waren wesentliche Vorentscheidungen über die politische Vereinigung der Arbeiterklasse auf der revolutionären Grundlage des Marxismus getroffen worden. Die klassenbewussten Arbeiter in ganz Deutschland begrüßten die Festlegungen der Konferenz, die insbesondere in der sowjetischen Besatzungszone zu einem Aufschwung der Einheitsbewegung führten. Kommunisten und Sozialdemokraten arbeiteten noch enger im Kampf für konsequente antifaschistisch-demokratische Veränderungen zusammen. Die Auffassung der KPD, die Vereinigung nicht zu verzögern, fand bei klassenbewussten Sozialdemokraten und auch bei parteilosen Arbeitern großen Widerhall. So forderte zum Beispiel der 1. Kongress des FDGB (Februar 1946) die Vereinigung von KPD und SPD bis zum Mai 1946. Die Herausbildung der sozialistischen Einheitspartei wurde zur Sache der ganzen Arbeiterklasse in der sowjetischen Besatzungszone. Gleichzeitig verschärfte sich die Auseinandersetzung mit den Einheitsgegnern innerhalb und außerhalb der SPD.

Am 26. Februar 1946 fand eine zweite Konferenz von je 30 Vertretern der KPD und SPD statt. Sie bestätigte die fertiggestellten Entwürfe der „Grundsätze und Ziele der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“ und des Status der Partei. Diese wurden von den Mitgliedern beider Parteien zur Diskussion unterbreitet. Die Konferenz beauftragte die Leitungen der KPD und SPD, den Vereinigungsparteitag vorzubereiten. Nach dieser Konferenz vollzog sich in der sowjetischen Besatzungszone in einem streng demokratischen Prozess von unten nach oben die Vereinigung der Arbeiterparteien. Überall gingen dem Zusammenschluss gründliche Aussprachen über die Grundsätze und Ziele sowie über das vorgeschlagene Parteistatut voraus. In jedem Falle stimmten die Kommunisten und Sozialdemokraten in getrennten Versammlungen ab, bevor ihr Zusammenschluss in den Betrieben, Gemeinden, Städten und Kreisen vollzogen wurde. Alle neugewählten Leitungen wurden von Kommunisten und Sozialdemokraten paritätisch besetzt.

In den Provinzen und Ländern der sowjetischen Besatzungszone fanden am 6. April 1946 getrennte Landesparteitage der KPD und der SPD statt, die alle die Vereinigung beschlossen. Am 7. April konstituierten sich die Landesorganisationen der Einheitspartei. Sie wählten neben ihren Leitungen auch die Delegierten zum bevorstehenden Vereinigungsparteitag in Berlin. Dem Vereinigungsparteitag gingen am 19. und 20. April der 15. Parteitag der KPD und der 40. Parteitag der SPD voraus. Beide Parteitage beschlossen einmütig die Vereinigung der Arbeiterparteien.

Am 21. Und 22. April 1946 versammelten sich 548 sozialdemokratische (darunter 103 aus den Westzonen) und 507 kommunistische (darunter 127 aus den Westzonen) Delegierte und beschlossen einmütig die Gründung der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands (SED).

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Der historische Händedruck auf dem Vereinigungsparteitag am 22. April 1946 zwischen Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl besiegelt die Einheit der Arbeiterklasse
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Pieck und Grotewohl zu Gründung der SEDQuellenangabe zu Pieck und Grotewohl zu Gründung der SED

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Der Vereinigungsparteitag beschloss die „Grundsätze und Ziele der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands“, das Parteistatut und ein „Manifest an das deutsche Volk“. Diese Dokumente gingen von der historischen Mission der Arbeiterklasse aus. Die einstimmig beschlossenen Grundsätze und Ziele der SED stellten ein sozialistisches Parteiprogramm dar, in dem wichtige Erfahrungen der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung, insbesondere der KPdSU, berücksichtigt wurden. Als revolutionäre Partei der deutschen Arbeiterklasse verkündete die SED, dass ihr Ziel der Aufbau des Sozialismus ist.

Grundsätze und Ziele der SEDGrundsätze und Ziele der SED 2Grundsätze und Ziele der SED 3Quellenangabe Grundsätze und Ziele der SED

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Der Vereinigungsparteitag wählte den Parteivorstand sowie Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl zu gleichberechtigten Vorsitzenden der SED. Damit sprachen die Delegierten zwei kampferprobten, in der deutschen und internationalen Arbeiterbewegung hochgeschätzten Persönlichkeiten ihr Vertrauen aus. Beide hatten ihre ganze Kraft für die Herstellung der Einheit der deutschen Arbeiterbewegung eingesetzt. Ihre Wahl dokumentierte den Sieg der revolutionären marxistischen Linie der Einheitspartei.

Die Gründung der SED war das bedeutendste Ereignis in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung seit dem Erscheinen des Kommunistischen Manifestes und der Entstehung der KPD. Die Spaltung der deutschen Arbeiterbewegung, die durch die Reformisten vor dem ersten Weltkrieg vollzogen worden war, wurde überwunden, Dass die Einheit der deutschen Arbeiterbewegung auf revolutionärer Grundlage entstand, war vor allem ein Verdienst der marxistisch-leninistischen Kader(Personal/Verantwortliche) der KPD. Indem die KPD auf die Vereinigung von KPD und SPD nach vorheriger Diskussion ideologischer Grundfragen orientierte und dabei die Auseinandersetzung mit opportunistischen Auffassungen in den Mittelpunkt stellte, zog sie die wichtigste Lehre aus dem Gothaer Vereinigungsparteitag von 1875. Die Entstehung der SED bedeutete eine schwere Niederlage des Opportunismus. Sie war zugleich ein Sieg über Imperialismus und Militarismus, besaß doch die deutsche Arbeiterklasse nunmehr diejenige Kraft, die sie brauchte, um ihre historische Mission zu erfüllen und den gesetzmäßigen Übergang vom Kapitalismus zum Sozialismus zu vollziehen. 1989 kam ja bekanntlich der Rückschlag. Im Zuge der Konterrevolution wurde aus der SED die PDS, die dann eine Quellpartei der heutigen Partei DIE LINKE geworden ist. Ihre Klientel ist mehrheitlich nicht mehr die Arbeiterklasse, sondern die Intelligenz. Die Arbeiterklasse spielt heutzutage ohnehin politisch keine Rolle mehr. Außerdem ist DIE LINKE im heutigen bürgerlichen Politikbetrieb angekommen und hat sich angepasst.

Auch in den westlichen Besatzungszonen kämpften Kommunisten und Sozialdemokraten für die Vereinigung beider Parteien. Wilhelm Pieck, Otto Grotewohl, Walter Ulbricht, Max Reimann und andere traten auf großen Kundgebungen in den Westzonen auf und erläuterten Ziele und Charakter der Sozialistischen Einheitspartei Deutschlands. Diese Bestrebungen wurden von den imperialistischen Besatzungsmächten unterdrückt. Sie behinderten die Tätigkeit von Organisationsausschüssen, die die Vereinigung vorbereiten sollten.

Kundgebung mit Wilhelm Pieck und Otto Grotewohl in Nürnberg im Jahre 1946
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

Die arbeiterfeindliche Haltung der imperialistischen Besatzungsmächte, die fehlende antifaschistisch-demokratische Umwälzung und der Einfluss rechter sozialdemokratischer Führer um Dr. Kurt Schumacher, die die Spaltung der Arbeiterbewegung weiterbetrieben, waren die wichtigsten Ursachen dafür, dass die Vereinigung der Arbeiterparteien in den westlichen Besatzungszonen nicht zustande kam. In der alten BRD, bzw. im heutigen Deutschland behauptet die offizielle Geschichtsschreibung, dass die Vereinigung von KPD und SPD zur SED in der sowjetischen Besatzungszone eine Zwangsvereinigung gewesen wäre. Diese Behauptung ist eine Lüge. Es ging sehr wohl demokratisch zu, wie aus diesem Beitrag zu entnehmen ist.

Die britische Besatzungsmacht verbot die Einreise führender Funktionäre der SED in ihre Zone, schließlich die Gründung von Organisationen der Sozialistischen Einheitspartei überhaupt. Die Westmächte sahen in der einig handelnden Arbeiterklasse die Hauptgefahr für ihre Pläne, die westlichen Besatzungszonen in das antisowjetische Paktsystem einzugliedern.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet von Petra Reichel

Original-Text aus dem Geschichtsbuch der DDR

Deutschland nach dem II. Weltkrieg

Am 30. April 1945 hissten die Sowjetsoldaten auf dem Gebäude des deutschen Reichstages in Berlin die rote Fahne. Wenige Tage später, am 8. Mai 1945, besiegelten die Vertreter des Oberkommandos der faschistischen Wehrmacht mit ihrer Unterschrift die bedingungslose Kapitulation. Der imperialistische deutsche Staat hörte auf zu bestehen. Der deutsche Imperialismus hatte seine bis dahin schwerste Niederlage erlitten.

Nach den Bestimmungen des Potsdamer Abkommens vom August 1945 wurde Deutschland in vier Besatzungszonen eingeteilt, die von der UdSSR, den USA, Großbritannien und Frankreich besetzt wurden.

Die Staatsgewalt ging an den Alliierten Kontrollrat und an die Militäradministrationen der Besatzungsmächte über. Sie sollte in jeder Besatzungszone von dem jeweiligen Oberbefehlshaber ausgeübt werden. Für die Verwaltung der sowjetischen Besatzungszone war die Sowjetische Militäradministration in Deutschland (SMAD) verantwortlich.

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

 

Die vier Oberbefehlshaber bildeten ein gemeinsames Organ (Institution), den Alliierten Kontrollrat, mit Sitz in Berlin. Seine Entscheidungen über alle Deutschland als Ganzes betreffenden wesentlichen Fragen mussten einstimmig getroffen werden, damit ein einheitliches Vorgehen der vier Großmächte in den einzelnen Besatzungszonen gesichert war.

Deutschland in den ersten Jahren nach dem zweiten Weltkrieg
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

 

Zur Gewährleistung einer erfolgreichen Tätigkeit des Kontrollrates und des Zusammenwirkens aller Besatzungsmächte sollte die Westmächte an der Besetzung Berlins beteiligt werden. Es wurde festgelegt, zur gemeinsamen Verwaltung Berlins eine Interalliierte Behörde zu errichten, die unter Aufsicht des Kontrollrates arbeitete. Deswegen erhielten die Westmächte je einen Sektor in Berlin zugewiesen; sie stationierten dort eigene Truppen. Trotz dieses Viermächtestatus, dem Berlin damals unterlag, wurde es weder zu einem fünften Besatzungsgebiet, noch wurden Teile der Stadt den westlichen Besatzungszonen eingegliedert. Berlin blieb Bestandteil der sowjetischen Besatzungszone. Diese Tatsache kam darin zum Ausdruck, dass in allen einschlägigen Dokumenten der Alliierten nur von vier Besatzungszonen die Rede ist. Die oberste Gewalt des sowjetischen Befehlshabers für Berlin wurde durch die besondere Berlin-Regelung nicht betroffen. Die Zuständigkeit der SMAD für ganz Berlin widerspiegelte sich auch in praktischen Maßnahmen. So verblieben die Anlagen der Reichsbahn und das Wasserstraßennetz Berlins unter alleiniger sowjetischer Zuständigkeit. Die Verkehrsverbindungen zwischen den Berliner Westsektoren und den westlichen Besatzungszonen auf den Straßen-, Wasser- und Schienenwegen unterlagen der Kontrolle der Sowjetischen Militäradministration.

Zunächst musste das schwere Erbe überwunden werden, das die faschistische Herrschaft hinterlassen hatte. Vielen Deutschen wurde erst jetzt, unmittelbar nach Kriegsende, die furchtbare Lage bewusst, in die sie der deutsche Imperialismus gebracht hatte. Deutschland war in seine größte Katastrophe gestürzt und in seiner Entwicklung um Jahrzehnte zurückgeworfen worden. In der ganzen Welt war sein Name mit Schimpf und Schande befleckt, waren doch die grausamen Verbrechen gegen den Frieden und die Menschlichkeit im Namen des deutschen Volkes geschehen. Millionen Deutsche hatten die Macht- und Eroberungsgelüste des deutschen Monopolkapitals, der Junker und Militaristen mit ihrem Leben bezahlen müssen.

Die Rüstung und der II. Weltkrieg hatten die Wirtschaft Deutschlands zerrüttet und die Währung zerstört. Unzählige Produktionsanlagen waren vernichtet oder funktionsunfähig. Nahezu 30 Prozent des städtischen Wohnraumes waren dem Krieg zum Opfer gefallen. In den Großstädten betrug der Anteil der schwer beschädigten oder restlos zerstörten Wohnungen sogar durchschnittlich 50 Prozent. Hunderttausende Menschen irrten obdachlos umher.

 

Das Zentrum Dresdens nach Kriegsende
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

 

Der Mangel an den notwendigsten Lebensmitteln und Industriewaren, an Gas und Elektrizität und an medizinischer Versorgung schufen eine Situation, in der die Überlebenden des II. Weltkrieges Opfer des Hungers und der allgemeinen Not zu werden drohten. In Berlin existierten im Sommer 1945 von 33 000 Krankenbetten aus der Vorkriegszeit noch 8 500, von 6 500 Ärzten noch 2 400. Kranke mussten von ihren Angehörigen auf Tragbahren, Tote auf Handwagen befördert werden. In Dresden starben von 100 Neugeborenen 73.

Auf dem Gebiet der sowjetischen Besatzungszone war das Ausmaß der Schäden besonders groß. Faschistische Truppen hatten der vorrückenden Sowjetarmee einen militärisch zwar sinnlosen, aber erbitterten Widerstand entgegengesetzt, während anglo-amerikanische Truppen große Teile im Westen Deutschlands fast kampflos einnehmen konnten. Ohne militärische Notwendigkeit wurden viele versorgungswichtige Einrichtungen zerstört oder funktionsunfähig gemacht. Der Sowjetarmee sollte nur „verbrannte Erde“ hinterlassen werden.

Nicht weniger, als das materielle Elend wog das geistige Erbe des Faschismus. Wann auch der deutsche Imperialismus militärisch geschlagen war, so wirkte die faschistische Ideologie zunächst weiter. Antikommunismus, Antisowjetismus, Rassenvorurteile und nationale Überheblichkeit gegenüber anderen Völkern bestimmten das Denken vieler Deutscher auch nach Beendigung des Krieges. So erleichtert die Menschen über das Ende des Krieges waren, so tief war bei den meisten von ihnen die Erschütterung, als sie sich der verheerenden Lage bewusst zu werden begannen, die Krieg und Faschismus hinterlassen hatten. Große Teile des deutschen Volkes sahen der Zukunft voller Angst entgegen; ihnen erschien der Untergang im Chaos unvermeidlich. Nur die fortschrittlichsten Menschen erkannten im Sieg der Sowjetarmee eine Befreiungstat von geschichtlicher Bedeutung.

Die Befreiung vom Faschismus eröffnete dem deutschen Volk die Möglichkeit, sich für immer der Monopolkapitalisten und Junker zu entledigen und den Weg zu Demokratie und Sozialismus zu beschreiten. Diese historische Chance wurde durch die Tatsache begünstigt, dass sich die Sowjetunion in ihrer Haltung gegenüber dem deutschen Volk von sozialistischen Prinzipien leiten ließ. Die UdSSR sah ihre Befreiungsmission sowohl in der konsequenten Politik zur Vernichtung des deutschen Faschismus und Militarismus als auch in der Unterstützung der demokratischen Kräfte des deutschen Volkes, insbesondere der Arbeiterklasse, bei der Umgestaltung der gesellschaftlichen Verhältnisse. Die UdSSR war deshalb bemüht, einen einheitlichen, friedliebenden deutschen Staat zu schaffen. Die sowjetische Besatzungsmacht gab, um dieses Ziel zu erreichen, den deutschen Antifaschisten umfassende materielle und ideelle Hilfe.

Noch überwogen Resignation und Hoffnungslosigkeit. Doch nicht alle Menschen verharrten im Pessimismus. Unmittelbar nach der Befreiung stellten sich klassenbewusste Arbeiter – Kommunisten, Sozialdemokraten, Gewerkschafter (In der DDR ist die Sprache nicht gegendert worden. Der Einfachheit halbe verzichte ich hier auch darauf. Es versteht sich von selbst, dass stets Männer und Frauen gemeint sind.) – und antifaschistisch eingestellte Menschen aus andren Bevölkerungsschichten zur Verfügung. An ihrer Spitze standen diejenigen Mitglieder der Kommunistischen Partei Deutschlands, die aus den Konzentrationslagern befreit, aus der Illegalität aufgetaucht oder aus der Emigration zurückgekehrt waren. Als Aktivisten der ersten Stunde griffen sie tatkräftig zu und begannen mit der Überwindung der Kriegsfolgen. Sie fragten nicht nach Lohn für ihre Arbeit.

Mit bloßen Händen bargen sie aus den Trümmern Maschinen und Rohstoffe. Die Aktivisten der ersten Stunde brachten die Produktion notdürftig in Gang. Sie kümmerten sich darum, dass Kraftwerke und andere lebenswichtige Einrichtungen wieder funktionierten. Sie suchten Kontakt zu den Besatzungsorganen (-institutionen).

Anfang Mai 1945 begaben sich Gruppen von Beauftragten des Zentralkomitees der KPD aus der Sowjetunion in die von der Sowjetarmee befreiten Gebiete Deutschlands. Sie wurden von bewährten Funktionären des Zentralkomitees geführt. So stand die Berliner Gruppe unter der Leitung Walter Ubrichts, in Sachsen wirkten Hermann Matern und Kurt Fischer unter der Leitung Anton Ackermanns. Diese Initiativgruppen arbeiteten eng mit den Truppenführungen der sowjetischen Armee zusammen und unterstützten sie bei der Bewältigung der dringendsten Aufgaben. Sie nahmen gemeinsam mit den sowjetischen Organen (Institutionen) den Kampf gegen den Hunger, die Obdachlosigkeit, gegen die katastrophalen Verkehrs- und Versorgungsschwierigkeiten auf. Sie stellten die Verbindung zu den aus der Illegalität hervortretenden Parteiorganisationen, zu Sozialdemokraten und bürgerlichen Demokraten her.

Beispielhaft für die gesamte sowjetische Besatzungszone wirkte die Beauftragtengruppe in Berlin. Sie stellte in kurzer Zeit Verbindung zu den Antifaschisten und Hitlergegnern verschiedener politischen Richtungen her und schuf mit ihnen gemeinsam in allen Berliner Stadtbezirken neue, demokratische Selbstverwaltungsorgane(-institutionen). Bereits am 19. Mai 1945 trat der erste demokratische Magistrat von Groß-Berlin zu seiner konstituierenden Sitzung zusammen. Ihm gehörten Kommunisten, Sozialdemokraten und Gewerkschafter und antifaschistische bürgerliche Politiker an. Der parteilose Demokrat Dr. Arthur Werner wurde vom ersten sowjetischen Stadtkommandanten, Generaloberst Bersarin, als Oberbürgermeister bestätigt und in sein Amt eingeführt.

So wie in Berlin sahen die sowjetischen Behörden in allen Ländern und Provinzen der sowjetischen Besatzungszone in den deutschen Antifaschisten die berufenen Vertreter des deutschen Volkes. Ihnen übertrugen die Orts- und Kreiskommandanten der Sowjetarmee die Verantwortung als Bürgermeister, Gemeindevorsteher oder Landräte. Die SMAD erkannte die demokratischen Selbstverwaltungen als einzige deutsche Machtorgane (-instiutionen) an und war bestrebt, deren Befugnisse zu erweitern.

Die neugegründeten demokratischen Verwaltungen mussten vor allem den Kampf gegen die Hungersnot organisieren. In vielen Orten der sowjetischen Besatzungszone, besonders in den Großstädten, war die Lebensmittelversorgung gefährdet; in Berlin und Dresden war sie völlig unterbrochen. Die Mehrheit der Menschen glaubte damals nicht, dass die erste Hilfe von der Sowjetunion kommen würde. Schon am 9. Mai 1945 traf der Stellvertreter des Vorsitzenden des Ministerrates der UdSSR, Mikojan, in Berlin ein, um die entsprechenden Maßnahmen einzuleiten.

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981
Aus den Feldküchen sowjetischer Truppen wird in den ersten Maitagen 1945 Essen an die Berliner Bevölkerung ausgegeben
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

 

In allen Städten und Kreisen setzten sich die sowjetischen Militärkommandanturen dafür ein, eine geregelte Versorgung zu organisieren, den Verkehr wieder in Gang zu bringen und damit die schlimmste Not zu bannen. Am 5. Juni 1945 stellte die Berliner Zeitung fest, dass die Berliner bereits etwas mehr zu essen hatten als in den letzten Kriegswochen. So erhielt die vom Faschismus befreite deutsche Bevölkerung den ersten praktischen Anschauungsunterricht darüber, dass die Sowjetarmee nicht als Eroberer, sondern als Befreier und Helfer nach Deutschland gekommen war.

Bereits einen Monat nach der bedingungslosen Kapitulation des deutschen Imperialismus erließ die SMAD am 10. Juni 1945 den Befehl Nr. 2, der die Tätigkeit antifaschistisch-demokratischer Organisationen erlaubte. Voraussetzung für deren politisches Wirken war ihre Absicht, sich die endgültige Ausrottung der Reste des Faschismus und die Festigung der demokratischen Grundlagen und Freiheiten zum Ziel zu setzen. Der Befehl Nr. 2 bewies das große Vertrauen, das die Sowjetunion den demokratischen Kräften des deutschen Volkes entgegenbrachte.

Als erste Partei trat die KPD an die Öffentlichkeit und nahm nach jahrelanger Verfolgung wieder ihre legale Tätigkeit auf. Auch die SPD begann, ihre Organisationen neu aufzubauen. In Berlin konstituierte sich der Zentralausschuss der SPD, an dessen Spitze Otto Grotewohl trat.

Ebenfalls im Juni 1945 rief ein vorbereiteter Gewerkschaftsausschuss, der auf Initiative kommunistischer Gewerkschafter gegründet worden war, zur Bildung neuer, freier Gewerkschaften auf. Daraus entstand der Freie Deutsche Gewerkschaftsbund (FDGB). Er stützte sich auf die zu entwickelnde Aktionseinheit zwischen den beiden Arbeiterparteien und konnte die Zersplitterung in der sowjetischen Besatzungszone überwinden.

Ende Juni und Anfang Juli 1945 wurden in der sowjetischen Besatzungszone zwei bürgerlich-demokratische Parteien gegründet: die Christlich-Demokratische Union (CDU) und die Liberal-Demokratische Partei Deutschlands (LDPD).

 

Plakat der Gewerkschaften aus dem Jahre 1945
Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981

 

In beiden Parteien wirkten starke antifaschistisch-demokratische Kräfte, die ehrlich um eine Zusammenarbeit mit den Arbeiterparteien bemüht waren. Von ihnen erwarben sich besonders Wilhelm Külz (LDPD) und Otto Nuschke (CDU) große Verdienste beim demokratischen Neuaufbau.

KPD und SPD knüpften an die gemeinsamen Interessen aller Antifaschisten an, als am 14. Juli 1945 in Berlin auf ihre Initiative hin der Block der antifaschistisch-demokratischen Parteien gebildet wurde. An der konstituierenden Sitzung nahm auch der Vorsitzende der KPD, Wilhelm Pieck, teil, der inzwischen nach Deutschland zurückgekehrt war. Vertreter der vier Parteien unterzeichneten ein Kommuniqué, in dem sie sich zur Errichtung der von der KPD geforderten antifaschistisch demokratischen Ordnung und zur Bildung einer festen Einheitsfront der antifaschistisch-demokratischen Parteien bekannten.

In den westlichen Besatzungszonen unterbanden die Militärregierungen – getrieben vom imperialistischen Klasseninteresse – weitgehend jede Initiative und Aktivität antifaschistisch-demokratischer Kräfte. Sie lösten antifaschistische Ausschüsse auf; es gab keine echte Zusammenarbeit zwischen Besatzungsbehörden, Antifaschisten und Demokraten. Parteien wurden nur auf Kreis- und Ortsebene zugelassen. Sie und die Gewerkschaften durften längere Zeit keine Zeitungen herausgeben. Die Aktionseinheit der Arbeiterklasse, die wichtigste Voraussetzung für demokratische Veränderungen, sollte durch diese Machenschaften der imperialistischen Besatzungsmächte verhindert werden.

 

 

 

Entnommen aus dem Geschichtsbuch der DDR für die 10. Klasse, Stand 1981, bearbeitet von Petra Reichel

Otto Grotewohl

Am 11. März 1894 wurde

Otto Grotewohl

in Braunschweig geboren.

Er war von 1949 bis 1964 Ministerpräsident der DDR.

Otto Grotewohl

Otto Grotewohl (1950)

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Von Bundesarchiv, Bild 183-19204-3150 / CC-BY-SA 3.0, CC BY-SA 3.0 de, Bitte auf´s Bild klicken

 

 

1908 bis 1912 erlernte er das Buchdrucker-Handwerk. Nach Abschluss der Lehre trat Grotewohl in den Verband der Deutschen Buchdrucker und die SPD ein. Während seines Kriegsdienstes im Ersten Weltkrieg wurde er mehrfach verwundet.[1] Von 1918 bis 1922 gehörte Grotewohl der USPD an und war von 1920 bis 1930 als SPD-Abgeordneter Mitglied des Braunschweigischen Landtages. 1920 wurde er für die USPD in den 2. Landtag des Freistaates Braunschweig gewählt. Im kurzlebigen Kabinett Antrick (28. März bis 22. Mai 1922, SPD/USPD-Koalition) war er Minister der Ressorts Justiz und Volksbildung; im Kabinett Jasper II (23. Mai 1922 bis 24. Dezember 1924) war er ab Februar 1923 Minister für Justiz. Zum 1. Oktober 1928 wurde er Präsident der Landesversicherungsanstalt.

Am 31. Oktober 1925 gelangte Grotewohl als Nachrücker für eine verstorbene Abgeordnete in den Reichstag. Nach der Reichstagswahl vom 20. Mai 1928 zog er erneut in den Reichstag ein; ebenso nach der Reichstagswahl vom 14. September 1930, der Reichstagswahl vom 31. Juli 1932, der Reichstagswahl vom 6. November 1932 und der Reichstagswahl März 1933 (Wahlkreis 16 (Südhannover–Braunschweig (Land))). Grotewohl war Mitglied der SPD-Fraktion des Reichstages, die 1933 geschlossen gegen Hitlers Ermächtigungsgesetz stimmte.

Otto Grotewohl wurde 1933 von den Faschisten seines Amtes enthoben und musste Braunschweig verlassen. Er zog zunächst nach Hamburg. Ab 1938 lebte er in Berlin als Lebensmittelhändler und Industrievertreter. Er arbeitete in einer Widerstandsgruppe um Erich Gniffke (ebenfalls SPD), den er aus Braunschweig kannte.

Im August 1938 wurde er verhaftet und wegen „Hochverrats“ vor dem Volksgerichtshof(Gericht während der Zeit des Faschismus, wo Gegner des Faschismus abgeurteilt wurden.) angeklagt. Am 4. März 1939 wurde er aus der Untersuchungshaft entlassen. Das Verfahren wurde nach sieben Monaten eingestellt.

Nach dem Elser-Attentat auf Hitler am 8. November im Bürgerbräukeller wurde er wiederum verhaftet und saß etwa acht Wochen in Untersuchungshaft.Nach seiner Entlassung arbeitete er wieder in Berlin als kaufmännischer Angestellter, daneben widmete er sich in seiner Freizeit vermehrt der Malerei (1944/45 entstand u. a. ein Zyklus von acht Ölgemälden „Menschen der Stille“).

Am 17. Juni 1945 unterschrieben Otto Grotewohl, Erich Gniffke, Max Fechner, Gustav Dahrendorf und Hermann Harnisch den Gründungsaufruf für die SPD. Grotewohl wurde Vorsitzender des Zentralausschusses der SPD und, obwohl anfangs gegenteiliger Meinung, führender Befürworter einer schnellen Vereinigung von KPD und SPD. Sie war vor allem von Walter Ulbricht forciert worden.

Am 22. April 1946 fand im Admiralspalast in Berlin die Vereinigung von SPD und KPD statt. Vorsitzende wurden Otto Grotewohl und der damalige KPD-Politiker Wilhelm Pieck.
1948 wurde Otto Grotewohl Vorsitzender des Verfassungsausschusses des Deutschen Volksrats, des Vorläufers der Volkskammer.

1949 wurde Otto Grotewohl Ministerpräsident der DDR.

Im Juli 1950 war Otto Grotewohl Mitglied der Delegation, die das Görlitzer Abkommen über die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze als Grenze zwischen der DDR und Polen. 1957 befürwortete er den Rapacki-Plan für eine atomwaffenfreie Zone in Mitteleuropa.

Wegen schwerer Erkrankung zog er sich 1960 aus dem politischen Leben zurück und lebte fortan zurückgezogen in der Waldsiedlung Wandlitz. Sein politisches Amt wurde faktisch durch seinen Ersten Stellvertreter, Willi Stoph, der ihm auch als Vorsitzender des Ministerrates nachfolgte, ausgeübt.

Seit Willi Stoph dieses Amt innehatte, hieß es Vorsitzender des Ministerrates. Zuletzt war der Titel wieder Ministerpräsident. Letzter Ministerpräsident der DDR war Lothar de Maizière. Zu dieser Thematik mehr in einer späteren Ausgabe DIE TROMMLER.

Otto Grotewohl war Träger des Leninordens, des Karl-Marx-Ordens, des Vaterländischen Verdienstordens der DDR in Gold und Ehrenbürger der Stadt Dresden.

 

Otto Grotewohl auf einer Briefmarke der DDR 1974

Otto Grotewohl auf einer Briefmarke der Deutschen Post der DDR (1974)

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Er war von 1919 bis 1949 verheiratet mit Marie Martha Luise, geborene Ohst, und hatte mit ihr zwei Kinder. 1949 heiratete er seine Sekretärin Johanna Schumann, geborene Danielzig. Otto Grotewohl war begeisterter   Zeichner, Maler und Amateurfilmes.

Er starb am 21. September 1964 in Berlin-Niederschönhausen an den Folgen eines Schlaganfalls und wurde im Zentralen Rondell der Gedenkstätte der Sozialisten bestattet.

In der DDR trugen zahlreiche Straßen und Plätze − darunter die Wilhelmstraße in Berlin-Mitte − seinen Namen, ebenso wurden öffentliche Einrichtungen wie Schulen und Kasernen nach ihm benannt. Brigaden in volkseigenen Betrieben bewarben sich darum, Grotewohls Namen zu tragen. Nach der Annexion der DDR wurden die meisten dieser Namensgebungen getilgt.

Inoffiziell trugen die Gefangenentransportzüge der Deutschen Reichsbahn den Namen „Grotewohl-Express“.

entnommen aus Wikipedia, bearbeitet von Petra Reichel